Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

Fortbildung im Anfangsdienst

Wir freuen uns über intensive Tage mit knapp 50 Pastorinnen und Pastoren im Anfangsdienst. Im Rahmen der Fortbildung im Anfangsdienst haben sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen intensiv mit dem Thema „Predigen und Kasualien“ beschäftigt. Für herausfordernde, geistig und körperlich mobilisierende und vertiefende Impulse waren mehrere Referenten zu Gast: der Dramaturg und Trainer Felix Ritter, der Bestatter Axel Bauermann und der Theologe Dr. Reiner Knieling.

Stellungnahme zum Umgang mit Flüchtlingen

Der Baptistische Weltbund (BWA) hat das von den USA verhängte Einreiseverbot zum Anlass genommen, sich erneut hinter eine Resolution zu stellen, die im Juli 2016 auf der Ratstagung der BWA verabschiedet wurde. Der nachstehende Text ist die deutsche Übersetzung einer von der BWA am 3. Februar 2017 veröffentlichten Pressemitteilung.

Der Baptistische Weltbund bekräftigt erneut seine biblische Haltung in Bezug auf Flüchtlinge, die besonders schutzlos und wegen ihres Glaubens oft in Gefahr sind.

In einer Resolution, die im Juli 2016 auf der Ratstagung im kanadischen Vancouver verabschiedet wurde, appelliert die BWA an ihre „Mitgliedsbünde, Partnerkirchen und einzelne Gläubige, aktiv Gelegenheiten für den christlichen Dienst und das christliche Zeugnis wahrzunehmen. So sollen das biblische Gebot der Nächstenliebe (3. Mose 19, 18) ebenso konkret werden wie die Lehre Jesu, unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst (Matth. 22, 37-40). Christen sollen auf eine Weise Salz und Licht sein, die Gottes Werte innerhalb unserer Kultur sichtbar werden lässt.“

Weiter ermutigt die Resolution Christen, „sich persönlich für geflüchtete und vertriebene Menschen zu engagieren und ihnen großzügig Gottes Liebe und Zuwendung zu zeigen und damit zu verkünden, dass der in Jesus Christus bezeugte Gott allein genügt“.

Im Lichte dieser Resolution aus dem Juli 2016 und vorheriger Resolutionen aus den Jahren 2011 und 2013 verurteilt die BWA den aktuellen Erlass der US-amerikanischen Regierung, mit dem ein pauschales Einreiseverbot für sieben Länder verhängt wurde, das sich besonders gegen Flüchtlinge richtet und vor allem Muslime zu treffen scheint.

Dieser Erlass hat schon jetzt negative Auswirkungen auf das Leben von Familien. Er wirkt sich nachteilig auf Organisationen aus, die mit Flüchtlingen zusammenarbeiten. Und er hat baptistische Institutionen in den USA wie Universitäten und theologische Seminare, in denen Studierende aus diesen sieben Staaten eingeschrieben sind, unvermittelt in Schwierigkeiten gebracht.

Die BWA erkennt an, dass eine Regierung das Recht hat, Bedingungen zu schaffen und aufrechtzuerhalten, die zur Sicherheit ihrer Bürger beitragen. Doch gleichzeitig besteht die Gefahr, der Angst nachzugeben und überstürzt fehlgeleitete Strategien voranzutreiben, die schädliche Langzeitwirkungen haben und die Religionsfreiheit untergraben.

Wir verstehen, dass dieser Erlass zum Teil eine Antwort auf seit langem bestehende Probleme in diesen sieben Ländern ist. Die Situation ist also nicht vollkommen unerwartet entstanden. Doch wir verurteilen ungerechte Aktionen, die zu häufig zu unspezifisch sind. Und wir wenden uns gegen Auflagen, die die Lage eher noch verschlimmern.

Wir nehmen wahr, dass im Irak, Christen, Jesiden und andere mit dem Massenmord durch den Islamischen Staat konfrontiert sind. Über die letzten zehn Jahre ist die Zahl der Christen in der Bevölkerung von 1,5 Millionen auf weniger als 200.000 gesunken.

Ein globale Warnung des „Famine Early Warning Systems Network” (ein von der
Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung [USAID] finanziertes Frühwarnsystem für Hungersnöte) gibt an, dass der Jemen in Gefahr ist, in der Sicherheit der Ernährungsversorgung das niedrigste Niveau zu erreichen.

Was die Konflikte im Land sowie die humanitäre Lage betrifft, ist die Situation in Syrien weltweit eine der komplexesten. Das Land ist zerstört und muss das Trauma überwinden und Wiederaufbau leisten.

Baptisten, ihre Mitchristen und alle Menschen guten Willens sollten daran arbeiten, diese Bedingungen zu verändern, die zur Vertreibung in diesen und anderen Ländern geführt haben. Und sie sollten sich für Frieden, Harmonie und Gerechtigkeit einsetzen.
 
Die BWA freut sich über Baptisten in Ländern wie der Türkei, dem Libanon, Deutschland, Schweden, Kroatien, Serbien und anderswo, die das biblische Gebot, sich für die Schwachen einzusetzen, mit Leben füllen und christliche Gastfreundschaft gewähren. Und wir stehen hinter den Baptisten in den Vereinigten Staaten, die Andere willkommen heißen und ihnen Hilfe anbieten. 

Die Einheit der Kirchen fördern

„Ist unsere Arbeit als ACK Delegierte der Landesverbände für unsere Gemeinden wichtig?“ Mit dieser Frage befassten sich 20 Teilnehmer einer Tagung am 20. und 21. Januar in Elstal.  Alle engagieren sich als Vertreter ihrer Landesverbände des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in den Zusammenschlüssen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) auf Länderebene. Wie einer der Teilnehmer, Pastor Helge Frey (Kiel), der GEMEINDE mitteilte, stand am Ende der Beratungen fest: Die Arbeit ist bedeutsam, weil sie die Einheit der Kirchen fördere. „Da ist unser Beitrag wichtig, auch wenn das auf der Gemeindeebene nicht immer wahrgenommen wird“, so Frey. Im Miteinander der Kirchen positioniere sich die ACK immer wieder auch in politischen Entscheidungsprozessen und werde dabei von politischer Seite als Gesprächspartner akzeptiert. Wichtig sei die ACK auch, wenn Mitglieder der freikirchlichen Gemeinden eine Bescheinigung benötigen, dass sie zu einer ACK-Kirche gehören. Dies gelte insbesondere für Lehrer, die evangelischen Religionsunterricht erteilen (Vokationsordnung). Auch wenn man als Freikirchler hauptberuflich in einer landeskirchlichen Einrichtung arbeite wolle, gehe dies in der Regel nicht ohne ACK-Bescheinigung.

Die Delegierten befassten sich auch mit einer neuen Loyalitätsrichtlinie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die am 1. Januar in Kraft trat. Dort wurde die „ACK-Klausel“ ergänzt durch die Mitgliedschaft in einer der 14 Mitgliedskirchen der Vereinigung Evangelischer Freikirchen. Nicht alle VEF-Mitglieder gehören auch zur ACK.

Diskutiert wurde auch das Für und Wider einer Mitgliedschaft im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), dem Weltkirchenrat. Alle Delegierten sprachen sich einstimmig für eine Mitgliedschaft aus. Ihre Begründung: „Als Baptisten leben wir von Anfang an ökumenisch vernetzt – warum nicht hier?“

Im Teil „Berichte aus den Landes-ACKs“ erzählte Rainer Barth von der ACK Bremen, dass man den Ökumenepreis gewonnen habe. Prämiert wurde das Engagement bei der Vorbereitung des Stadtkirchentags. Da hätten sich die Gemeinden im Losverfahren gegenseitig eingeladen. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland ist ein 1948 gegründeter Zusammenschluss christlicher Kirchen in Deutschland zum Zweck der Förderung ökumenischer Zusammenarbeit und der Einheit der Kirchen. Zu den Gründungsmitgliedern gehört der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden.

„Wo Gottes Herz schlägt“

Über 200 Teilnehmer und Teilnehmerinnen waren begeistert von der AmPuls-Konferenz vom 20. bis 22. Januar in München. Der Dienstbereich Mission des BEFG hatte eingeladen zum „Hingehen, wo Gottes Herz schlägt“. 

Vier spezielle „AmPulse“ wurden am Samstag im Stil einer TED-Konferenz präsentiert: die Bewegung und Herausforderungen einer „deutsch-persischen Gemeindeentwicklung“ (Thomas Klammt), der „Traum von einer gerechten Gemeinde“ (Ralf Dziewas), die „göttliche Lust, das Leben zu teilen“ (Joachim Gnep), und die „Freude an der evangelistischen Predigt“ (Carsten Hokema).

Der Konferenzredner Prof. Siegfried Zimmer (Ludwigsburg) war leider erkrankt, aber sein Vortrag über die „Zuwendungslust“ Jesu, über sein Interesse an den Menschen seiner Zeit, war auch als Bildschirmpräsentation anregend und herausfordernd.

Michael Schubach zeigte in seiner Bibelarbeit über Apostelgeschichte 10 den langen inneren Weg des Missionars Petrus zur überwältigenden Erkenntnis, dass in der für ihn so fremden heidnischen Welt Gott schon längst am Wirken war.

Die Workshops am Samstagvormittag waren der Glaubenserfahrung, der Bibelarbeit und dem Gebet gewidmet; am Nachmittag den konkreten Impulsen und praktischen Schritten, zum Beispiel zur „Begegnung mit Muslimen“, „Geschlechtergerechtigkeit in der Gemeinde“ oder „Kirche, die sich wagt“.

Die Band von „Himmel.Auf“, dem multikulturellen Jugendgottesdienst der EFG München, brachte die Konferenz immer wieder in Bewegung und in Gottes Gegenwart. Was es bedeutet, wenn das Herz nicht mehr richtig schlägt, erzählte Latino-Pastor José Malnis aus eigener Krankheitserfahrung, und sein Sohn Benjamin ermutigte zum „Sincronizando“: in Einklang zu kommen mit Gott und anderen Menschen.

Den Abschlussgottesdienst feierten die Konferenzteilnehmer gemeinsam mit der gastgebenden Gemeinde München-Holzstraße. Er war geprägt von der „Stabübergabe“: Gunnar Bremer wurde als Regionalreferent Süd verabschiedet und machte seinem Nachfolger Christopher Rinke und der Gemeinde „Mut zum Hingehen“. Das Team des Dienstbereichs Mission nahm den neuen „Regio“ mit Geschenken und Segensgebeten auf. Dienstbereichsleiter Jo Gnep übersetzte in seiner Predigt über Philipper 4,4-7 die „Freude im Herrn“, die Freundlichkeit zu allen Menschen und die vertrauensvolle „Ent-Sorgung“ bei Gott mitten in die heutige Zeit.

Die AmPuls-Konferenz war geprägt von vielen Begegnungen und Gesprächen – wie gut, wenn Gemeindegründungs-Experten, Verantwortliche aus internationalen Gemeinden, diakonisch und missional Engagierte, Theologiestudierende, Mitarbeitende des Gemeindejugendwerks, komplette Gemeindeleitungen und viele weitere Interessierte zusammenkommen!

Die Gemeinde München war ein hervorragender Gastgeber, sorgte nicht nur für Schweinebraten und Knödel, Kaltgetränke und Espresso, sondern auch für Seminarräume und Privatquartiere, Musik und Technik – liebevolle Rundum-Versorgung!

Das neue Konzept der AmPuls-Konferenz hat sich gleich beim ersten Mal voll bewährt – man darf gespannt sein auf die Fortsetzung vom 19. bis 21. Januar 2018 in Leipzig.

Fotos: Christopher Klammt

Sechster Theologischer Aufbaukurs der VEF begonnen

Im Januar dieses Jahres begann der sechste Theologische Aufbaukurs der VEF. Nachdem der letzte Kurs im Bildungszentrum Elstal (bei Berlin) stattfand, wurde diesmal das bbz in Stuttgart als Veranstaltungsort gewählt. Die regionale Verlagerung des Kurses hat sich bewährt. Aus jedem Grundkurs gehen Absolventen hervor, die ein großes Interesse daran haben, die theologische Fortbildung weiterzuführen. Die Teilnehmergruppe besteht diesmal zu 60 Prozent aus Methodisten und zu 40 Prozent aus Baptisten. Die beiden Kursleiter, Holger Heiden und Dr. Oliver Pilnei, sind Pastoren des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden.

Der Aufbaukurs steht unter dem Thema „Christen als Gesprächspartner“. Zu jedem Wochenende erarbeiten die Teilnehmer einen thematisch orientierten Lehrbrief (z. B. „Verantwortung statt Gleichgültigkeit“, „Menschen können sich ändern“, „Leben im Vorläufigen“) und eine Exegese zu einem alttestamentlichen oder neutestamentlichen Text. Am Wochenende werden dann die erarbeiteten Lehrbriefe und Exegesen besprochen. Dadurch wird einerseits das Thema theologisch vertieft, andererseits wird eine größere Sicherheit in der Ausarbeitung von Exegesen erworben, die zur Grundlage der Predigt dienen. Im Anschluss an den sonntäglichen Gottesdienst reflektieren die Teilnehmer sowohl die Gottesdienstgestaltung als auch die Predigt ausgiebig.

"Der Aufbaukurs ist stark prozessorientiert", erklärt Oliver Pilnei, "und lebt davon, dass und wie sich die Teilnehmer einbringen." Die Kursleiter staunen regelmäßig über das theologische Wissen und die Kompetenzen, die die Teilnehmer bereits mitbringen und im Lauf des Kurses erweitern. "Viele Exegesen können sich sehen lassen! Diesen Kurs prägen Menschen, die Freude an der Theologie und am kritischen Diskurs haben und ihre theologische Arbeit stets auf die Wirklichkeit ihrer Ortsgemeinden beziehen", so die beiden Kursleiter.

DYNAMISSIO: Frühbucherrabatt bis 31. Januar nutzen!

Die gute Nachricht von Gottes Zuwendung und Nähe, von seiner Befreiung und Gerechtigkeit neu erleben, sie weitersagen und erfahrbar machen – das möchte der missionarische Gemeindekongress DYNAMISSIO ermöglichen. Er findet vom 23. bis 25. März 2017 in Berlin statt. Christoph Stiba ermutigt alle, die in der Gemeindearbeit aktiv sind, sich jetzt anzumelden.

Stiba, Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG), gehört dem Kongressvorstand an und ist für die Programmgestaltung bei DYNAMISSIO mitverantwortlich. Er findet: „Wir müssen raus aus unseren Gemeindehäusern hin zu den Menschen, wo sie sind. Raus aus unseren frommen Kuschelclubs, rein in die Nachfolge des Gekreuzigten und Auferstandenen.“ Und genau dazu wolle der Kongress ganz konkrete Anregungen geben, so Stiba. Evangelisation und Diakonie sind für ihn Kernaufgaben von Gemeinde, und deshalb seien die Impulse von DYNAMISSIO so wichtig: „Gemeinde darf nie Selbstzweck sein, sondern muss immer wieder neue Wege zu den Menschen finden. Denn hinzugehen zu den Menschen, ist ein Wesenszug Gottes.“

So hat sich der Kongress drei Hauptziele auf die Fahnen geschrieben. Er will die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ermutigen, die missionarische Herausforderung anzunehmen. Er möchte sie anregen, das Evangelium auf vielfältige Weise in Wort und Tat zu bezeugen. Und er will Christen befähigen, in einem säkularen Umfeld sprach- und handlungsfähig zu sein.

Christen aus ganz unterschiedlichen Frömmigkeitsrichtungen und gemeindlichen Traditionen veranstalten diesen außergewöhnlichen Kongress gemeinsam: Landes- und Freikirchen, Gemeinschaften, Werke und Verbände. Am zentralen Veranstaltungsort, dem Velodrom im Osten Berlins, werden zahlreiche praxisorientierte Vorträge angeboten – ergänzt durch Kurzbeiträge, Filme und Musik. Darüber hinaus sind Foren und Seminare im gesamten Stadtgebiet geplant. 60 Projekte in ganz Berlin werden verdeutlichen, was es heißt, im Kontext einer säkularisierten Gesellschaft missionarisch tätig zu sein. Zu den Kongress-Rednern gehören Dr. Michael Diener, Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Dr. Roland Werner, Prof. Dr. Michael Herbst, Ansgar Hörsting sowie aus dem BEFG Sigrid und Richard Aidoo, Dr. Heinrich Christian Rust und Christoph Stiba.

Martin Luther King: Botschaft von ungebrochener Aktualität

Eine Gedenkveranstaltung zum jährlichen Martin-Luther-King-Tag fand am 16. Januar an einem historischen Ort statt: in der Berliner Sophienkirche. Dort und in der Marienkirche hatte der amerikanische Baptistenpastor und Bürgerrechtler am 13. September 1964 gepredigt und die Zuhörerinnen und Zuhörer mit seiner Botschaft von Freiheit und Gerechtigkeit begeistert. Neben anderen Zeitzeugen nahm auch der Außenminister der ersten frei gewählten DDR-Regierung und langjährige Bundestagsabgeordnete Markus Meckel an der Veranstaltung teil. Auch der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden war beteiligt.

Meckel, DDR-Außenminister von April bis August 1990, hob in seiner Ansprache die ungebrochene Aktualität der Botschaft Martin Luther Kings hervor, dessen Auftritt in Berlin er als Zwölfjähriger erlebt hatte, „doch erst viel später richtig verstanden“ habe. Gerade angesichts bedenklicher Entwicklungen im Heimatland des Bürgerrechtlers sei es wichtig, im Sinne Kings für Differenzierung einzustehen und mutig gewaltfrei gegen Fehlentwicklungen und Missstände aufzustehen. Zudem sei es von Bedeutung, sich bewusstzumachen, dass es trotz der Wahl Trumps auch „ein anderes Amerika“ gebe – so wie damals, als Martin Luther King dem herrschenden Rassismus entgegengetreten sei. Man dürfe sich auch durch starken Gegenwind in der öffentlichen Stimmung nicht davon abbringen lassen, für das Richtige einzustehen, so Meckel. Schließlich habe King auch für die Hoffnung gestanden, dass jeder Mensch in seinem Herzen berührt werden und sich ändern könne.

Auch BEFG-Pressesprecher Dr. Michael Gruber beschrieb in seinem  Grußwort Martin Luther Kings Botschaft als zeitlos. Der Umgang mit Hate Speech im Internet sei nur eines von „unzähligen hochaktuellen Beispielen“, wo eine Rückbesinnung auf King die Menschen weiterbringen könne. So „gewaltlose Kommunikation, wie Martin Luther King sie auf faszinierende Weise vorgelebt hat“, die einzige Möglichkeit, die „Spirale verbaler Gewalt“ in den sozialen Medien zu durchbrechen. Dies erscheine vielen zwar aussichtslos. „Aussichtslos erschien allerdings auch der Einsatz Martin Luther Kings und seiner Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Und doch hat dieses Engagement am Ende Großes bewirkt!“

Der Beauftragte der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) am Sitz der Bundesregierung, Peter Jörgensen, ermutigte die Zuhörerinnen und Zuhörer, das Reformationsjubiläum als Anlass zu nehmen, die Botschaft Martin Luther Kings und seines Namensgebers Martin Luther zu verinnerlichen. Beide hätten sich nicht um sich selbst gedreht, sondern Christus in den Mittelpunkt gestellt und so Großes bewirkt. „Martin Luther King ist auf diese Weise nach dem Vorbild Christi zu einem Friedensstifter geworden“, so Jörgensen.

Hannelore und Wilfried Weist berichteten, wie sie Martin Luther Kings Predigt in einer anderen Ost-Berliner Kirche, der Marienkirche, am selben Tag erlebt hatten. Hannelore Weist beschrieb eine persönliche Begegnung mit dem Baptistenpastor nach der Veranstaltung als prägendes Erlebnis. Es habe sie nachhaltig beeindruckt, wie King seine Botschaft der gewaltfreien Kommunikation authentisch gelebt habe: „Als ich ein Autogramm wollte, drängten mich die Personenschützer unsanft zurück, doch Martin Luther King stieg aus dem Auto, nahm sich Zeit für mich und gab mir ein Autogramm.“

Organisiert wurde die Gedenkveranstaltung vom Martin Luther King jr. Memorial Berlin, das der Baptist Michael Schulz leitet, ebenfalls ein Zeitzeuge des King-Besuchs 1964.

Von der Freiheit eines Christenmenschen

Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther – so die Überlieferung – an die Tore der Wittenberger Schlosskirche schlug. Ein folgenreiches Ereignis mit exemplarischem Charakter für die als Reformation bezeichneten Entwicklungen zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Europaweit wird an diese Bewegungen gedacht – so auch im Ökumenischen Forum HafenCity.

„Von Martin Luther zu Martin Luther King: Das Erbe der Reformation im evangelischen Nonkonformismus“ – so erinnerten die Hamburger Baptistengemeinden am 16. Januar 2017, dem Martin-Luther-King-Tag, an den Bürgerrechtler und Baptistenpastor. Referent war Prof. Dr. Dr. Martin Rothkegel von der Theologischen Hochschule Elstal. Vereint die beiden Theologen mehr als Name und Beruf? Eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Gedanken Martin Luthers lässt sich bei seinem Namensvetter kaum finden, eine unmittelbare Vorbildfunktion scheint er für ihn nicht gehabt zu haben. – Und dennoch haben beide eine Gemeinsamkeit, die bereits im Namen erkennbar ist: Der Name Luther leitet sich von griechischen Wort eleutheros ab, das ins Deutsche mit „frei“ zu übersetzen ist. Beide haben sie wohl etwas von der Freiheit eines Christenmenschen gespürt - wie Martin Luther es formulierte. Bei Martin Luther bewirkte dies eine Auseinandersetzung mit seiner kirchlichen Tradition und deren damaligen Ausprägung, diese erschien ihm mehr einengend als befreiend. Martin Luther King brachte diese Freiheitserfahrung mit der politischen Lage in Zusammenhang, er setzte sich für Religionsfreiheit und gegen Sklaverei und Diskriminierung ein. Beide bezeugen sie also, welche Auswirkung eine Begegnung mit der befreienden Kraft Gottes hat.

Einsatz für Flüchtlinge aus Afghanistan

20 neue Mitglieder hat die Baptistengemeinde Bamberg dazugewonnen, seit sie 2014 mit ihrer Flüchtlingsarbeit begonnen hat. Kontakt haben die Mitglieder der Gemeinde zu weit mehr Geflüchteten. Für Menschen, die aus Afghanistan nach Deutschland gekommen sind, hat die Gemeinde jetzt eine besondere Postkartenaktion ins Leben gerufen.

Mit einem „Café Basar“ fing alles an. Bei der Frage, was man für die vielen neuen Menschen in der Stadt tun könne, kam die Gemeinde Bamberg auf die Idee, im Foyer der Gemeinde einen großen Basar mit Materialspenden aufzubauen. Dieser findet seitdem ungefähr einmal im Monat statt, Tee und Kuchen werden angeboten, es liegen Bibeln und andere Lektüre aus. Das Angebot wurde rege angenommen. Zwischen Alteingesessenen und Neuhinzugekommenen entstanden gute Kontakte.

Ein Deutschkurs, der innerhalb kürzester Zeit ausgebucht war, Bibelstunden auf Farsi und die Übersetzung des sonntäglichen Gottesdienstes waren weitere Angebote, die die Gemeinde daraufhin machte. Sie fanden von Anfang an großen Anklang. Iraner und Afghanen ließen sich taufen.

Dann erfuhr Ursula Schwarz, Älteste der Gemeinde, von den Abschiebeplänen der Bundesregierung für afghanische Flüchtlinge. „In der Gemeindeleitung waren wir uns schnell einig“, sagt sie: „Wir können nicht nur taufen, es ist wichtig, dass wir auch nach außen für die Menschen eintreten, von deren Schicksal wir inzwischen so viel wissen. Die Lebenssituation, aus der allein unsere afghanischen Geschwister zu uns gekommen sind, ist so verheerend, dass wir uns im Klaren darüber sind: Afghanistan ist kein sicheres Herkunftsland.“ Die Gemeinde holte weitere Informationen ein – vom Flüchtlingsrat, vom Auswärtigen Amt und von der Organisation „Open Doors“ und fand sich in ihrer Annahme bestätigt.  „Deshalb haben wir eine Postkartenaktion entwickelt, die möglichst großflächig bekannt gemacht werden sollte, um beim Bundesinnenministerium Eindruck zu hinterlassen“, so Schwarz. Es gehe darum, in möglichst großem Rahmen für die Flüchtlinge einzutreten, damit diesen Menschen in Deutschland Asyl gewährt wird. Die Karten sind an den Bundesinnenminister voradressiert und enthalten die Forderung, die Abschiebung nach Afghanistan zu stoppen. Begründet wird die Forderung unter anderem mit der Gefahr von Terror, Verfolgung und Folter in Afghanistan. 5000 Karten wurden mittlerweile in Umlauf gebracht. Wichtig sei es der Gemeinde gewesen, erklärt Ursula Schwarz, dass „der Text der Postkarte so formuliert ist, dass sich keiner mit einer Organisation identifizieren muss, sondern nur mit dem Anliegen.“ So habe auch ein in der Flüchtlingshilfe engagierter Verein, der keinen christlichen Hintergrund hat, bereits 1000 Postkarten bestellt. „Wir hoffen sehr, dass diese Aktion Gehör findet“, sagt Ursula Schwarz: „Deutschland soll für diese wirklich hilfsbedürftigen Flüchtlinge ein Ort des Schutzes und des Segens sein.“

Gedenken an Martin Luther King jr.

Anlässlich des Martin-Luther-King-Tags, der jedes Jahr am dritten Montag im Januar begangen wird, erinnern zwei Veranstaltungen und ein Radio-Feature an das Wirken des US-amerikanischen Baptistenpastors und Bürgerrechtlers. Ein Wirken, das Folgen hatte. Auch für Deutschland.

Am 15. Januar wäre Martin Luther King 88 Jahre alt geworden. Pastorin Andrea Schneider gibt deshalb an diesem Tag in einer Sendung im Deutschlandfunk Einblick in sein Leben. Sie erzählt, wie King zu seinem Namen kam und wie seine Reise 1964 ins geteilte Berlin besonders auch den Christen in der DDR Mut gemacht hat. „Reformation, Veränderung mit Zivilcourage und Gewaltfreiheit, ist möglich“, sagt Schneider, „nicht nur in der Kirche, auch in der Gesellschaft.“

Am 16. Januar, dem Martin-Luther-King-Tag, findet in der Sophienkirche in Berlin eine Gedenkveranstaltung statt. Zeitzeugen werden von ihrer Begegnung mit Martin Luther King erzählen.

Den Fragen, ob Martin Luther King jr. durch das Wirken Martin Luthers theologische Impulse erhalten hat, was ihn mit den Ideen des kirchlichen Reformers verbindet oder ob er sich von ihnen abgrenzt, widmet sich Professor Dr. Martin Rothkegel von der Theologischen Hochschule Elstal ebenfalls am Montag, dem 16. Januar in Hamburg. Seinen Vortrag mit dem Titel „Von Martin Luther zu Martin Luther King: Das Erbe der Reformation im evangelischen Nonkonformismus“ hält er im Anschluss an einen Gottesdienst mit Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke im Ökumenischen Forum HafenCity.

An der Zuversicht festhalten

BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba hat zur Fürbitte für die Opfer des Anschlags von Berlin eingeladen und sich gegen eine Instrumentalisierung des Attentats ausgesprochen. Seine Stellungnahme können Sie hier nachlesen:

„Der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz hat Deutschland ins Mark getroffen. In unseren Gebeten sind wir bei den Angehörigen der Toten, bei den Verletzten, die schwere körperliche und seelische Wunden erlitten haben oder noch um ihr Leben ringen, bei den Menschen, die Schreckliches mit ansehen mussten und zutiefst verängstigt sind.

Wir verurteilen die grausame Tat, die von erschreckender Heimtücke ist. Ein Alltagsgegenstand, ein LKW, wurde als Waffe eingesetzt – offenbar mit dem Ziel, möglichst viele friedlich feiernde Menschen zu töten. Das Attentat von Berlin weckt Ängste. Es will uns den Mut rauben, uns die Zuversicht nehmen, in Sicherheit zu leben.

Doch wir wollen nicht zulassen, dass der Anschlag dies erreicht. Als Christen dürfen wir mit Zuversicht zu unserem Gott beten, dem keine noch so ausweglos erscheinende Situation entgleitet. Wir verstehen nicht, warum dieser Anschlag geschehen konnte. Doch wir vertrauen darauf, dass Gott zu uns Menschen gekommen ist, weil er uns liebt. Gerade das feiern wir an Weihnachten, und keine noch so schreckliche Tat kann und darf diese Weihnachtszuversicht zunichtemachen, auch wenn die Täter in perfider Weise gerade diesen Zeitpunkt gewählt haben.

Genau wie gegen die Hoffnungslosigkeit wenden wir uns gegen jedwede Instrumentalisierung des Anschlags. Wir lassen uns nicht davon abbringen, den Menschen die Liebe Gottes weiterzugeben, wie er es uns aufgetragen hat. Mit großer Sorge sehen wir den Hass in Teilen unserer Gesellschaft, der zurzeit Geflüchteten und denen, die sich für sie einsetzen, aufgrund der Taten Einzelner entgegenschlägt. Diesem Hass setzen wir eine Kultur der Wertschätzung und Annahme entgegen, die aus der biblischen Botschaft erwächst.

So beten wir voll Zuversicht zu unserem Gott, dass er bei den Opfern ist und weiteres Leid verhindern möge. Auch für die Opfer der Anschläge in Ankara und Zürich beten wir. Und wir denken an die Menschen in anderen Ländern, für die tödlicher Terror zum Alltag gehört. Wir beten: Herr, erbarme Dich dieser Welt!“

Ausblick ins neue Jahr

Ob ehrenamtliche/-r Gemeindemitarbeiter/-in, Hobby-Koch oder -Köchin, jemand, der sich eine intensive Weiterbildung in Seelsorge und Beratung wünscht oder an Gemeindeneugründung denkt - die Bildungsangebote der Akademie laden dazu ein, auf Entdeckungsreise zu gehen. Sie fordern heraus und lassen Herz, Seele und Gemüt reifen.

Hier eine Auswahl vom Frühjahr 2017:

  • Schmecket und sehet! - Kulinarische Ausblicke über den Tellerrand des Gemeindeeintopfes
    Für Küchenteams und Hobby-Köche. Mit Pastor Holger Werries und Markus Buchholz, Koch im Landgastof "Der Kaiserhof Guldental".
    27. - 29. Januar 2017
    in der EFG Bad Kreuznach und dem "Kaiserhof Guldental"
    Anmeldeschluss: 31.12.2016!
    Weitere Infos und Anmeldung:  Schmecket und sehet!

  • TAsK - Transaktionsanalyse (TA) und soziale Kompetenz
    Eine Ausbildung im Baustein-System. Der Abschluss "transaktionsanalytischer Berater" kann nach ca. 3 Jahren erworben werden. Voraussetzung ist die Teilnahme an einem standardisierten TA-Einführungskurs 101.
    Mit Günter Hallstein und Friederike Heinze.
    1. Kursblock: 9. - 11. Februar 2017 im Bildungszentrum Elstal
    Weitere Infos und Anmeldung:  TAsK

  • Intensivkurs für ehrenamtliche Gemeindegründer/-innen
    In acht Modulen werden Grundlagen in Theologie, Mission, Gründung und Aufbau der Gemeinde, soziokulturelle Skills und Kommunikation des Evangeliums vermittelt. Für Ehrenamtliche, die über Gemeindegründung nachdenken, sie vorbereiten oder schon mittendrin sind. Die Module können separat belegt werden.
    Mit Klaus Schönberg und weiteren Referenten sowie Gemeindegründer.
    Modul 5: 17. - 19. Februar 2017 im Bildungszentrum Elstal
    Weitere Infos und Anmeldung:  Intensivkurs Gemeindegründer

  • "Sind wir den hier bei >>Wünsch Dir was<<?" - Vom Sehnen und Wünschen
    Für Menschen mit Erwartungen, Hoffnungen, Sehnsüchten und Wünschen, die realistisch genug sind um zu wissen, dass das Leben uns nicht alle Wünsche erfüllt, die aber neugierig sind, wie der eine oder andere Wunsch doch Wirklichkeit werden kann.
    Mit Olaf Kormannshaus, Martina Werries und Holger Werries.
    24. - 26. Februar 2017 im Bildungszentrum Elstal
    Weitere Infos und Anmeldung:   Wünsch dir was

 

 

Gemeinde Apolda hat sich aufgelöst

70 Jahre nach der Gründung hat die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Apolda in Thüringen sich am 23. Oktober zum letzten Mal zum Gottesdienst getroffen. Sie war immer eine Tochtergemeinde von Jena und wurde von ihr mitbetreut. Einen eigenen Hauptamtlichen gab es nie. Beim letzten Gottesdienst waren sechs der noch neun Gemeindeglieder anwesend.

Künftig wollen sie sonntags die Gemeinde im 16 Kilometer entfernten Jena besuchen. In seiner Predigt im letzten Gottesdienst sprach Manfred Ziepert (Jena) über den 23. Psalm, wobei die Gemeindemitglieder sich beteiligen konnten. Dabei wurde deutlich, dass sie viel mit Gott in Apolda erlebt hatten. Man sei sich sicher, dass Gott auch künftig für die Verbliebenen sorgen werde. Denn das „Haus der Herrn“ werde nie zugemacht. Wie der ehemalige Gemeindeleiter Bernd Burkert mitteilte, sei dennoch allen schwer ums Herz gewesen: „Es flossen auch Tränen.“ Allerdings treffe man sich weiter in Apolda jede Woche zur Bibelstunde. Eventuell erlebe man ja sogar einen Neubeginn, hieß es zuversichtlich.

Die Gemeinde wurde 1946 von Flüchtlingen gegründet. Am Karfreitag fand der erste Gottesdienst mit 31 Teilnehmern in einem Wohnzimmer statt. Am Ostersonntag wurde die Gemeinde gegründet. Am darauffolgenden Sonntag waren es 44 Mitglieder. Die nächsten Jahre seien vom Wachstum der Gemeinde geprägt gewesen, hieß es in einem Bericht der Gemeinde – trotz schlechter äußerer Bedingungen. So hätten sich die ersten Räume nur schlecht durch den Kanonenofen heizen lassen. Nach der Friedlichen Revolution in der DDR hätten viele Mitglieder die Gemeinde verlassen. Manche Spätaussiedler hätten sich eigenen Gemeinden angeschlossen. Im neuen Jahrtausend habe man neue Räume in einem früheren Ladengeschäft bezogen, dennoch seien es immer weniger Mitglieder geworden. Auch Evangelisationen und Bibelvorträge hätten daran nichts geändert. So habe man sich schweren Herzens entschieden, die Gemeinde zu schließen.

Zum Ende gab es eine originelle Aktion: Jeder konnte sich eine Tüte Sonnenblumensamen mitnehmen. Sie sollen Apolda verstreut werden. Das sei ein Symbol dafür, dass man weiter für die Stadt beten wolle und dieses Gebet nicht vergebens sei – verbunden mit der Hoffnung, dass Gottes Liebe neu zum Blühen kommt.

Gemeinden zukunftsfähig machen

„Wie viel Zukunft kann Beratung? – Wie begleiten wir als Gemeindeberatung Zukunftsprozesse?“– Mit dieser wichtigen Fragestellung befassten sich im November 2016 gut 40 Gemeindeberaterinnen und Gemeindeberater unseres Bundes. Ziel des Tages war es, sie für die Besonderheiten bei Veränderungsprozessen zu sensibilisieren.

Im Hintergrund steht einerseits die Sorge seitens der Bundesgeschäftsführung, dass manche Gemeinden nicht nur stagnieren, sondern kleiner werden oder gar ganz aufgeben. Friedbert Neese: „Gemeinden müssen in Bewegung bleiben, um ihren Auftrag zu erfüllen. Damit das geschehen kann, sind wichtige Weichenstellungen rechtzeitig vorzunehmen. Gemeindeberatung bietet die Chance, dies mit kompetenter Unterstützung zu tun.“

Darüber hinaus zeigen Erfahrungswerte im Netzwerk „Beratung von Gemeinden“, dass Gemeinden bei ihren Beratungsanfragen oftmals eher an „kleine Formate“ denken. Mut zur längeren Strecke und zu echter Veränderung ist nötig. Der Tag zeigte, wie man in zielführender Art und Weise an Zukunftsthemen arbeiten kann und auf einen neuen Weg kommt – ohne dass Visionen und Ideen einfach wieder in der Betriebsamkeit des Alltags untergehen.

Dr. Dietmar Nowottka machte in seinem Vortrag deutlich, dass es zwei verschiedene Arten von Veränderung gibt: „Entwicklung“ meint die stete Veränderung, die zu erwarten ist und ohne große Brüche abgeht (etwa wie die Entwicklung eines Baumes im Rahmen der Jahreszeiten). „Change“ meint dagegen den Übergang von einem Ordnungszustand zu einem anderen (etwa wenn der Baum genutzt wird, um daraus einen Schrank zu bauen). Change-Veränderungen sind verbunden mit vielen Unsicherheiten und Unwägbarkeiten. Man kann sie vergleichen mit dem Gang über eine Hängebrücke. Menschen mögen solche Unsicherheiten nicht und reagieren darauf mit Angst. Angst wiederum drückt sich in Widerstand aus. Weil der Change-Prozess inhaltlich mit vielen Unwägbarkeiten verbunden ist, ist ein passender Plan für den Übergang umso wichtiger. Es ist Aufgabe der Berater, diesen Prozess sicher zu steuern.

Ermutigend und lebenspraktisch war der Vortrag von Siegfried Abel. Der langjährige Gemeindeberater im Netzwerk „Beratung von Gemeinden“ erzählte von seinen Erfahrungen über einen Zeitraum von 20 Jahren, in denen er als Gemeindeleiter die Gemeinde Herten durch einen vielschichtigen Change-Veränderungsprozess geführt hat und Gemeindewachstum erleben konnte. Er zeigte auf, dass es Initiatoren und Impulsgeber braucht, um einen solchen Prozess in Gang zu setzen, aber auch einen inneren Zusammenhalt in der Gemeinde – sowie eine Gemeindeleitung, die es schafft, die richtigen Bilder zu erzeugen, damit Menschen sich mit dem Geschehen identifizieren. Obgleich er selbst Profi ist, sagt er: „Ohne Berater, Mentoren, Supervisoren, Theologen, Freunde und Partner kann ich mir keine gelingende Gemeindeentwicklung vorstellen. Wir haben all diese helfenden Menschen immer wieder gebraucht, um standzuhalten, Entscheidungen zu treffen, Fallen zu erkennen, Auswege zu finden und nach Niederlagen wieder auf die Beine zu kommen.“

Neben diesen richtungsweisenden Vorträgen gab es Workshops mit Hannes Neubauer, Thorsten Graff und Martin Seydlitz, um die Methodenkompetenz für die Praxis solcher Prozesse zu erweitern.

Als Bund ist es uns ein Anliegen, dass die Ortsgemeinden gestärkt und zukunftsfähig gemacht werden. Welche Form für die jeweilige Situation gut ist und welche Beraterinnen und Berater dafür empfohlen werden, hängt von vielen Faktoren ab. Gemeinden sind eingeladen, die „Beratung vor der Beratung“ zu nutzen, um das für sie passende zu finden.

Gottes wunderbares Wirken hautnah miterleben

In den letzten 15 Jahren sind große Bewegungen von Muslimen hin zu Christus festzustellen. In Deutschland erleben wir das besonders durch die vielen Menschen aus dem Iran, die sich für den Glauben interessieren, sich taufen lassen und unseren Gemeinden anschließen. Durch regionale Treffen, wie den Konsultationstag „Deutsch-Persische Gemeindeentwicklung“ am 12. November, soll nun der Austausch von Erfahrungen und die Ermutigung dieser Gemeinden gefördert werden. Dabei können auch Gemeinden, die erst am Anfang einer Flüchtlingsarbeit stehen, und solche, die bereits zahlreiche Iraner integriert haben, voneinander lernen.

30 Leute aus 12 Gemeinden von Flensburg bis Halberstadt haben an dem Konsultationstag teilgenommen, unter ihnen Pastor Volkmar Glöckner aus Lübeck: „Es ist ermutigend zu sehen, dass viele Gemeinden ähnliche Erfahrungen machen und sich mit den gleichen Fragen beschäftigen wie wir. Es ist ein Geschenk, so hautnah miterleben zu dürfen, dass wir Teil des wunderbaren Wirkens Gottes in dieser Zeit sind!“

Sehr eindrücklich berichteten Omid Homayouni und Edwin Witt aus der Gemeinde Varel, die mittlerweile etwa zur Hälfte aus Deutschen und aus Iranern besteht. Die beiden bieten viel praktische Hilfe für Asylsuchende an, ebenso wie eine intensive Integration ins Gemeindeleben, z.B. durch Gemeindefreizeiten oder Alphakurse.

Bei den Berichten aus den anderen Gemeinden zeigte sich der große Bedarf, die Arbeit durch geeignete Materialien und Hilfsmittel zu unterstützen, wie auch die seelsorglichen Herausforderungen und die Veränderungen des Gemeindelebens gründlich zu begleiten. Deshalb soll eine bereits vorhandene Materialsammlung für deutsch-persische Gemeindearbeit in den nächsten Monaten erweitert werden und ein Glaubenskurs und eine Liedersammlung auf Deutsch-Farsi erscheinen.

In vier Arbeitsgruppen wurde konkreter über die Fragen von Gottesdienstgestaltung, Glaubenskursen, Asylverfahren und Integration gesprochen. Dabei waren natürlich auch die Erfahrungen der fünf anwesenden Iraner sehr hilfreich. „Ich bin von dieser Entwicklung überrascht worden“, sagte Gastgeber Pastor Helge Frey in Bezug auf die vielen Iranerinnen und Iraner in seiner Gemeinde, „Erst einmal haben wir nur reagiert. Inzwischen ist es längst an der Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wie wir eine gemeinsame Zukunft von Herkunftsdeutschen und Geflüchteten in unseren Gemeinden gestalten können. Dazu hat dieser Tag beitragen können.“ Auch die anderen Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Treffens in Kiel waren sehr dankbar für das Treffen und den intensiven Erfahrungsaustausch, oder wie Nis Holger Hansen es formulierte: „Es war schön, so viel Liebe auf einen Haufen zu sehen.“

Im nächsten Jahr wird es weitere regionale Konsultationstreffen zur deutsch-persischen Gemeindeentwicklung geben, die auch bei der „AmPuls-Konferenz“ im Januar in München ein wichtiges Thema ist.

Loslassen kann man lernen

Loslassen kann und muss man lernen. Das erfuhren die 40 Teilnehmer am Herbsttreffen des Christlichen MS-Netzwerkes in Siegen, das unter dem Motto „Alles hat seine Zeit“ stand.

MS – Multiple Sklerose – ist eine unheilbare Krankheit des zentralen Nervensystems. Der zur Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Siegen-West gehörende Pastor Johannes Daub, der selbst an MS erkrankt und deshalb berentet ist, forderte dazu auf, sich als MS-Patient von unrealistischen Erwartungen und Zielen zu verabschieden. So müsse man bei nachlassender Gehfähigkeit nicht mehr unbedingt an einer Wanderung teilnehmen - um sich dann, wenn man merke, dass man es nicht mehr schaffe, enttäuscht zurückzuziehen. Vielmehr könne die Benutzung eines Rollstuhls neue Freiräume ermöglichen. Daub räumte ein, dass dies ein schmerzhafter Erkenntnisprozess sei. Doch wenn Familie oder Freunde den Rollstuhl schieben, sei dies zugleich ein Gewinn von Lebensqualität und damit ein Geschenk. Wie Daub weiter ausführte, gehöre zum Loslassen auch, blockierende Sorgen und Nöte bei Gott abzugeben. Dazu könne das Miteinander im MS-Netzwerk, der offene Austausch und das Beten füreinander eine wertvolle Hilfe sein. Auch die persönliche Bitterkeit müsse man überwinden. Frustriert und resigniert sein Schicksal und seine Krankheit zu akzeptieren, sei keine Lösung. Vielmehr gelte es, im Vertrauen auf Jesus Christus froh neue Schritte mit Jesus Christus zu wagen.

Als Gastgeber zeigte Gemeindepastor Peter Krusemark in seiner Schlussandacht am Beispiel Abrahams aus dem Alten Testament auf, dass im Loslassen ein Segen liege. Weil Abraham bereit gewesen sei, seine Heimat zu verlassen, konnte er ein Segen sein. Auch Jesus Christus sei für die Menschheit zum Segen geworden, weil er bereit gewesen sei, sogar ein Leben hinzugeben. Krusemark machte deutlich, dass auch MS-Kranke für andere Menschen eine Bereicherung sein könnten.

Zehn Teilnehmer waren erstmals bei dem Treffen mit dabei. Wie die Leiterin des MS-Netzwerks, die ebenfalls selbst an MS leidende ehemalige Oberärztin, Dr. Andrea Wiedner, der GEMEINDE mitteilte, war es ein Gewinn für alle Teilnehmer, neue Leute kennenzulernen und sich auszutauschen – nicht nur über die jeweilige Krankheit. „Wir schöpfen aus den Begegnungen immer ganz viel Ermutigung und Zuversicht.“ Dies sei „echt bereichernd und stärkend“. Das Christliche MS-Netzwerk wurde im BEFG gegründet, versteht sich aber als überkonfessionell. Es vertritt die Interessen von 300 MS-Kranken und ihren Angehörigen.

Tobias Kron ordiniert

15 offiziell anerkannte Gemeindegründungsprojekte gibt es mittlerweile im BEFG. Die Gemeinde „Braunschweig Connect“ ist eins davon. Ihr Pastor, Tobias Kron, ist der vierte Pastor eines Gemeindegründungsprojektes, der in diesem Jahr ordiniert wurde. Jürgen Tischler berichtet.

„Nur eine Gemeinde im Leben zu gründen, ist zu wenig, “ so sagte es der Gemeindegründer Tobias Kron anlässlich seiner Ordination zum Pastor des BEFG am 23. Oktober. Er leitet in Teilzeit ein Gemeindegründungsprojekt in Braunschweig: „BS Connect“. Der BEFG-Referent für Gemeindegründung Klaus Schönberg ordinierte ihn jetzt in der Gemeinde Braunschweig-Heidberg. Es ist nach seinem Theologiestudium in Deutschland und den USA die zweite Gemeinde, die er gründet. Da die Gründungsinitiative ihre Gottesdienste bisher nur monatlich in einem Kino anbietet, hatte die Gemeinde eingeladen, den Ordinationsgottesdienst in ihren Räumen zu feiern. Gemeindepastor Viktor Sudermann leitete den Gottesdienst und interviewte den Gründer.

Klaus Schönberg betonte in seiner Predigt zu 1. Petrus 5, dass in der Ordination eine Amtsautorität verliehen werde. Sie bestätige nur die „Seinsautorität“, die gebildet werde aus Charakter und Kompetenz. Petrus habe sie damals erhalten durch seine Christusbegegnung und durch Teilhabe am Leiden.

Jürgen Tischler, als Referent für Gemeindeentwicklung vom Landesverband sprach in seinem Grußwort davon, dass solche Gemeindegründungen bedeuteten, die wachsende Fragmentierung unserer Gesellschaft missionarisch ernst zu nehmen. Der Landesverband freut sich über solche Initiativen und will davon lernen.

Die von Tobias Kron geleitete Gemeindegründung hat sich insbesondere zum Ziel gesetzt, Gemeinde mit Menschen zu bauen, die mit bestehenden Gemeinden nicht erreicht werden und damit in neue Lebenswelten und Milieus vorzudringen. Zurzeit zählen die Gottesdienste etwa 50 Besucher. Tobias Kron arbeitet auch als Interimspastor und erlebt zugleich mit „PASTOR2GO“ (einer Vermittlungsagentur von freien Theologen für spirituelle Anlässe) viele glaubens- und kirchenferne Menschen.