Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

Israelischer Baptist besucht syrische Flüchtlinge

„Ich bin ein Israeli, aber kein Jude. Ich bin ein Araber aber kein Muslim“. Mit diesem Rätsel stellte sich Pastor Hatim Jiryis aus der Freien Evangelischen Gemeinde in Tarshiha vor. Er besuchte syrische Flüchtlinge und die sie unterstützende Gemeinde in Kassel. In Kassel gestaltete er am 20. Mai einen Bibelstudientag an dem 45 syrische und irakische Flüchtlinge teilnahmen. Die Mehrheit gehört zu orthodoxen Kirchen, besucht aber regelmäßig die Kirche im Hof der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Kassel-West. Eine Reihe von ihnen ist erst kürzlich getauft worden. Auch einige Muslime nahmen an dem Seminar teil. Die Vorträge zu Kernaussagen des christlichen Glaubens, wie Hoffnung, Liebe und Versöhnung wurden immer wieder von engagierten Teilnehmern unterbrochen. Es wurde nachgefragt und diskutiert.

Für Syrer und Iraker ist die Begegnung mit einem arabischen Christen aus Israel etwas Besonderes, weil in den Schulbüchern dieser Länder seit Jahrzehnten Hass gegen den Staat Israel gelehrt wird. Auch wenn der Referent nicht zur Politik Israels Stellung nahm, war allein sein Bericht über die Religionsfreiheit der arabischen Israelis ein deutliches Zeichen.

In einem Hintergrundgespräch mit Mitarbeitern der Gemeinde über die kulturellen Besonderheiten des Nahen Ostens und ihre Auswirkungen auf die Gemeindearbeit bat er, stärker die kulturelle Prägung der neuen Gemeindemitglieder und Freunde zu berücksichtigen.
Im Gottesdienst ermutigte Pastor Jiryis die Besucher, die Liebe Gottes mit Flüchtlingen zu teilen. Er berichtete von den Gebeten seiner Gemeinde für die Flüchtlinge aus dem Nachbarland, mit dem Israel nach wie im Kriegszustand ist.

Eines der Anliegen von Hatim Jiryis war die Suche nach Freunden für seine kleine Gemeinde, die eine Kirche baut. Tarshiha liegt in Obergaliläa, nicht weit von der libanesischen Grenze. Hier baut die Gemeinde, die bisher in einem Wohnhaus eingemietet ist, ihr neues Zentrum. (www.tevchurch.com) Einmalig in der Geschichte Israels : Das Baugrundstück wurde der Gemeinde von dem jüdischen Bürgermeister aus Maalot geschenkt und das, obwohl Kirchen in Israel nur sehr schwer überhaupt eine Baugenehmigung erhalten.
Die Reise, die unter anderem auch in die Gemeinde Schwäbisch Hall führte, wurde von der Flüchtlingshilfe des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden unterstützt.

Siegfried Kerstan verstorben

Am 6. Juni ist BEFG-Pastor i.R. Siegfried Kerstan im Alter von 88 Jahren gestorben. In ihrem Nachruf drückten BEFG-Präsident Michael Noss und BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba Dankbarkeit aus „für das Leben von Siegfried Kerstan, sein Prägen und Gestalten sowie für den Segen, der durch ihn geworden ist.“ Mit seiner liebevollen und freundlich zugewandten Art im Umgang mit anderen Menschen habe er „viele segensreiche Spuren hinterlassen“.

Siegfried Kerstan wurde am 14. August 1928 in Schwentainen in Ostpreußen geboren. Von 1949 bis 1953 studierte er am Theologischen Seminar in Hamburg und Rüschlikon. Dem Studium schlossen sich Gemeindedienste in Stuttgart und Stuttgart-Zuffenhausen an. Von 1960 bis 1965 hatte er das Amt des Bundessonntagsschulpflegers inne. Nach seinem Gemeindedienst in Oldenburg war er von 1976 bis zu seinem vorzeitigen Ruhestand 1985 Bundesdirektor und Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden.

Die Trauerfeier findet am Freitag, dem 16. Juni, um 12 Uhr in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Oldenburg statt. Die Beisetzung ist anschließend auf dem Friedhof Eversten.

Wachsende Gemeinden und das Miteinander der Generationen

Bei seiner Sitzung im Mai hatte der Fachkreis Generationen des BEFG-Fachbereichs Familie und Generationen Dr. Ralf Dziewas zu Gast. Ralf Dziewas ist Professor für Diakoniewissenschaft und Sozialtheologie an der Theologischen Hochschule Elstal. Prägnant legte er seine Forschungsergebnisse zum Gemeindewachstum dar.

Er erläuterte, dass die Gottesdienstgestaltung von wachsenden Gemeinden moderner ist als die von durchschnittlichen Gemeinden. Und auch, dass wachsende Gemeinden viel in die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen investieren. Ebenso, dass dem Gebet in wachsenden Gemeinden in verschiedenen Bereichen des Gemeindelebens eine große Rolle zugewiesen wird. Die Diskussion im Fachkreis beschäftigte sich mit der Frage, was die Beobachtungen für die Gemeindearbeit mit allen Generationen bedeutet. Zum einen, so folgerten die Mitglieder des Fachkreises, sollten Gemeinden darüber nachdenken, wie Kinder und Jugendliche aktiv in Entscheidungsprozesse der Gemeinde einbezogen werden, so dass die Gemeinde „ihre Gemeinde“ wird oder bleibt. Konsequenzen könnten auch sein, Jugendvertreter regelmäßig in Gemeindesratssitzungen einzuladen und einen Schwerpunkt bei attraktiven Angeboten für Kinder und Jugendliche zu setzen. Ältere müssten ihre Rolle als Mentoren und Ermutiger neu finden. Aufgabe für die Neuausrichtung müsste auch sein, das Miteinander der Generationen so zu gestalten, dass sich viele mit der missionarischen Grundkonzeption der Gemeinde identifizieren können.

Dass projektorientierte Angebote hilfreich für die Gemeindeentwicklung sein können, wurde auch in einem Beitrag von Pastor Lars Schwesinger aus der EFG Herford deutlich. Er stellte die Weiterentwicklung des generationenübergreifenden Angebotes „Auf Augenhöhe“ als Wochenendfreizeit-Angebot mit erlebnispädagogischen Elementen vor. Er hatte das Ein-Tages-Seminar „Auf Augenhöhe“ schon mehrmals mit Jutta Teubert durchgeführt und wird die nun erweiterte Konzeption im Herbst gemeinsam mit Agathe Dziuk, Gemeindediakonin in der EFG Velbert, auf einer Gemeindefreizeit erproben.

Begeisterung lösten auch die Ideen der Theaterpädagogin Thekla Neumann aus. Mit „Theaterspielen auf Augenhöhe“ zeigte sie auf, wie durch kreatives Theater Teilnehmende sich selbst und andere neu entdecken undintergenerationelles Lernen einüben können.

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes von Ralf Dziewas sind in der neuesten Ausgabr der Zeitschrift „Theologisches Gespräch“ mit dem Titel „Warum wachsen Gemeinden?“ nachzulesen.


Berührende Berichte, hilfreiche Unterstützung

In den vergangenen zwei Jahren haben über 100 Gemeinden aus dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) farsisprachige Menschen aus dem Iran und Afghanistan aufgenommen. Mit den Angeboten der deutsch-persischen Gemeindeentwicklung  unterstützt der BEFG diese Arbeit. Neben einer neuen Infoseite im Internet sind zurzeit die Konsultationstage zu diesem Thema sehr beliebt. So trafen sich am 6. Mai 45 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der EFG Siegen-Weststraße.

Nach der Begrüßung und Andacht von Gemeindepastor Peter Krusemark lud Gabriele Löding, Referentin für gemeindenahe Diakonie im BEFG, die Anwesenden zur praktischen Auseinandersetzung mit Fremdheit und Migration ein. Thomas Klammt, BEFG-Referent für Integration und Migration, zeichnete das Bild einer großen Bewegung, in der Menschen aus der muslimischen Welt zum Glauben an Christus kommen. Und er stellte an persönlichen Eindrücken aus Hamburg, Karlsruhe, Varel und Düsseldorf dar, wie unterschiedlich diese Bewegung in den Gemeinden des BEFG ankommt.

Als „sehr berührend“ erlebten viele Anwesende den persönlichen Bericht von Qorban Sultani aus Mettmann, der seine Flucht beschrieb: „Auf dem Weg von Afghanistan nach Europa habe ich den Psalm 23 von Anfang bis Ende erlebt.“ Die Gemeinde Mettmann habe ihn mit offenen Armen aufgenommen und er sei dankbar, sich dort mit seinen Fähigkeiten nun einbringen zu können.

Aus zehn weiteren Gemeinden von Gundelfingen über Gevelsberg bis Bad Arolsen und Düsseldorf wurde über „Wunder Gottes und die Herausforderungen des deutsch-persischen Alltags“ berichtet. „Zunehmend wird deutlich, dass mit der Aufnahme von Christen aus muslimischem Hintergrund auch große Aufgaben im Bereich der Seelsorge und Jüngerschaft auf die Gemeinden zukommen“, hebt Thomas Klammt hervor: „So kamen bei dem Konsultationstag auch die Belastungen zur Sprache, die durch die Asylverfahren, Ablehnungsbescheide und Abschiebungsankündigungen auf die Betroffenen zukommen.“

In Arbeitsgruppen wurden am Nachmittag die Themen „Glaubenskurse“, „Integration in der Gemeinde“, „Asylverfahren“, „Seelsorge“ und „Interkulturelle Kompetenz“ vertieft.

„Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ Mit diesem Ermutigungswort aus 2. Timotheus 1,7 und einer Gebetszeit für die Gemeinden und das Land endete ein intensiver Seminartag. „Die Stärkung der Mitarbeitenden und die vertiefte Verbindung trägt hoffentlich weiter durch die Herausforderungen der Mission und Integration“, so Thomas Klammt.

Das Christsein als Abenteuer erleben

Die Frauenarbeit im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden ist 90 Jahre alt geworden. Das feierten 220 Frauen aus Baden-Württemberg und Bayern mit einem „besonderen Frauentag“ in Neu-Ulm.

Hauptrednerin war die katholische Ordensschwester Teresa Zukic (Weisendorf). Die Nonne aus der „Kleinen Kommunität der Geschwister Jesu“ ist durch Kindermusicals, Bücher und TV-Auftritte bekanntgeworden. Sie gab Tipps für ein erfülltes Leben als Christ und bezeichnete das Christsein als Abenteuer. Der Glaube könne das eigene Leben verwandeln. Sie empfahl fünf konkrete Schritte umzusetzen: mit sich selbst Freundschaft zu schließen, selbst zur Bibel zu werden, Gott zu loben, Ungewöhnliches gegen die Gewohnheit zu tun und Wunden heilen zu lassen. Eine der Teilnehmerinnen, Elisabeth Malessa (Feuchtwagen), sagte der GEMEINDE: „Wir haben eine sehr fröhliche, authentische Referentin erlebt, die den Herrn Jesus Christus von Herzen liebt und seine Liebe weitergeben möchte.“

Grußworte sprachen der Präsident des Bundes, Michael Noss (Berlin), die Referentin des Fachbereichs Familie und Generationen, Dagmar Lohan (Elstal), und die Ulmer Gemeindepastorin Ruth Greiner. Noss hob hervor, dass Frauen immer schon – recht selbstbewusst – im gemeindlichen Kontext gewirkt haben. Es sei ein längerer Weg gewesen, bis ihnen alle Dienste in der Gemeinde offen gestanden hätten. Es sei auch der beharrlichen und gemeindeorientierten Art der Frauen zu verdanken, dass dies dann so gekommen sei. Noss drückte seine Hochachtung darüber aus, dass die Frauenarbeit, die früher einmal eine selbstständige Einrichtung im Bund war, sich in den neuen Fachbereich Generationen Familie und Generationen eingebracht habe. Ein Preisrätsel, Blumenschmuck und kleine Geschenke gaben dem Tag eine besondere Note.

Ein Höhepunkt des Nachmittags war das Anspiel von drei Frauen aus Ulm, das zum zweiten Vortrag der Ordensfrau passte. Beide trugen den Titel „Jeder ist normal, bis du ihn kennst“ und erntete viele Lacher im Publikum. Die Nonne rief dazu auf, damit aufzuhören, Mitmenschen und die Vergangenheit für das eigene Unglücklichsein verantwortlich zu machen. Es gelte vielmehr, die Gefühle zu steuern und Situationen neu zu bewerten. Workshops, die Möglichkeit zum Austausch und ein „Markt der Möglichkeiten“ rundeten das Frauentreffen ab.

Die Bundesbeiträge sind das Fundament

Auf der Bundesratstagung wie auch am Vorabend im Forum Finanzen stellte der neue kaufmännische Geschäftsführer des BEFG, Volker Springer, die Haushaltszahlen 2016 vor, warnte vor Bundesbeitragskürzungen und warb für Bundesopfer-Spenden aus den Gemeinden sowie für den Schuldenabbau.

Auf dem Rednerpult steht ein dreifarbiger Jenga-Turm aus 60 Holzbausteinen. Die drei Farben stehen für die wesentlichen Einnahme-Säulen des Bundeshaushalts: Bundesbeiträge, Bundesopfer und sonstige Einnahmen. Volker Springer zieht beim Reden einzelne blaue Steine aus dem Turm. Jeder entfernte Stein stehe für eine Gemeinde, die ihren Beitragszahlungen nicht nachkommt. Die Gründe dafür seien vielfältig und teilweise auch nachvollziehbar, wie bei großen Bauprojekten oder dem Wunsch, vermehrt in die Jugendarbeit zu investieren. Teilweise würden aber auch aufgrund inhaltlicher Differenzen keine oder nur vermindert Bundesbeiträge gezahlt. Jede Gemeinde, die – aus welchem Grund auch immer – bei den Beiträgen spart, sei ein Stein, der dem Fundament fehlt. „Wir dürfen die Stabilität des Bundes nicht gefährden. Und diesen Punkt haben wir meines Erachtens bereits erreicht“, warnt der neue kaufmännische Geschäftsführer. So lag der Fehlbetrag allein bei den Bundesbeiträgen im zurückliegenden Jahr bei fast 290.000 Euro.

Das Defizit für das Haushaltsjahr 2016 beziffere sich im Grunde auf rund 220.000 Euro. Nur durch den Erlös aus einem Objektverkauf aus dem Liegenschaftshaushalt konnte das Minus auf 71.534,19 Euro gedrückt werden. Volker Springer sieht hier keinen Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem. Der Haushalt 2017 sei für ihn ein Übergangshaushalt mit schmerzhaften Einschränkungen auf der Ausgabenseite. „Und selbst dieser Haushalt kann nur ausgeglichen abgeschlossen werden, wenn die Gemeinden ihre Beiträge wie vereinbart zahlen und das Bundesopfer eine Wiederbelebung erfährt.“

Jan Schönknecht lobt die Arbeit des neuen kaufmännischen Geschäftsführers trotz unausgeglichenen Haushalts ausdrücklich: „Du hast erst im Sommer angefangen, bist jedoch schon sehr tief in die Materie eingestiegen. Wir hätten Dir allerdings einen einfacheren Einstieg gewünscht.“ Der Sprecher der Finanzsachverständigen dankt auch allen Gemeinden, die sich treu am Haushalt beteiligen und allen, die auf die Bitte zum Jahresende mit zusätzlichen Bundesopfer-Spenden reagierten.

Ein Problem sehen die Finanzverantwortlichen bei der Verschuldung des Bundes. Die Tilgung der letzten fünf Jahre betrug bei genauer Betrachtung lediglich 55.000 Euro. „Angesichts einer Schuldenlast von rund 11 Millionen Euro viel zu wenig. Jedes Jahr müssen wir etwa 450.000 Euro für Zins und Tilgung ausgeben. Geld, das an anderer Stelle fehlt“, so Springer. Dementsprechend lautet auch der Antrag des Präsidiums, die Bundesbeiträge für das Jahr 2018 um 2 (auf nun 66 Euro in den alten Bundesländern pro Jahr und Mitglied) beziehungsweise 3 Euro (auf nun 63 Euro in den neuen Bundesländern) zu erhöhen und von der Erhöhung 1 Euro für die Schuldentilgung aufzubringen. Die Delegierten folgen diesem Votum mit einer Mehrheit von 98%.

Sowohl die 120 Teilnehmer des Forums Finanzen als auch die rund 460 Delegierten auf der Tagung beteiligen sich rege und tragen wertvolle Ideen zu einer fairen Verteilung der Beiträge vor. Auch zu den Verbindlichkeiten des BEFG gibt es einen Vorschlag aus dem Plenum: Die Schulden wären getilgt, wenn sich 10.000 Mitglieder fänden, die einmalig 1.000 Euro spendeten. Volker Springer sichert zu, dafür ein Konto einzurichten und eine entsprechende Aktion in die Wege zu leiten.    

Neben lebhaften Diskussionen zum Schuldenstand und zu den Bundesbeiträgen steht auch das Bundesopfer im Fokus, freie Spenden für die allgemeine Arbeit des Bundes. Viel diskutiert wurde über die Entscheidung, das Bundesopfer weiterhin mit 1,1 Millionen Euro zu veranschlagen, obwohl dieses Ziel 2016 erneut eindeutig verfehlt wurde. „Wenn sich nicht viel ändert, wird diese Position 2017 einen Fehlbetrag in Höhe von rund 150.000 Euro aufweisen“, so Volker Springer. Er sieht darin jedoch auch einen Ansporn: „Ich wünsche mir, dass jede Gemeinde Bundesopfer-Spenden tätigt. Letztes Jahr haben sich 547 Gemeinden nicht am Bundesopfer beteiligt. Wenn diese Gemeinden jeweils nur 275 Euro spenden, ist die Lücke von 150.000 Euro  im Bundesopfer geschlossen. Das ist in vielen Gemeinden bereits mit einer Kollekte getan!“

Mehrfach dankt Springer allen Gemeinden und Einzelspendern, die sich am Bundesopfer beteiligen sowie allen treu zahlenden Gemeinden. Abschließend formuliert er nochmals die dringende Bitte an alle Gemeinden, die Bundesbeiträge zuverlässig zu zahlen und Sammlungen für das Bundesopfer fest in den Kollektenplan einzuplanen. Dann würde der Jenga-Turm neue Stabilität gewinnen. 

Mehr Zeit für Mitarbeitende und Gemeinden

Mit nahezu 90 Prozent der Stimmen wurde auf der Bundesratstagung am 26. Mai in Berlin-Schöneberg Artikel 17 der Verfassung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) geändert. Er lautet nun: „Die Bundesgeschäftsführung besteht aus dem Generalsekretär, dem Kaufmännischen Geschäftsführer sowie einem oder mehreren Bereichsleitern. Darüber, welche Bereichsleiter der Bundesgeschäftsführung angehören, entscheidet das Präsidium des Bundes.“

Den Antrag auf Verfassungsänderung hatte das Präsidium des Bundes nach einer Neustrukturierung der Arbeitsbereiche des BEFG eingebracht. Die Leiter der Dienstbereiche „Kinder und Jugend“ und „Mission“ bilden nun zusammen mit dem Rektor der Theologischen Hochschule Elstal, den Leitern der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie und des Referats für Kommunikation sowie der Bundesgeschäftsführung (BGF) die Bereichsleiterkonferenz (BLK). Die BLK dient der inhaltlichen Weiterentwicklung der vom Bund wahrzunehmenden Aufgaben sowie der bereichsübergreifenden Vernetzung und Kommunikation. Die verkleinerte BGF – zu der neben dem Generalsekretär und dem Kaufmännischen Geschäftsführer der Leiter des Dienstbereichs „Mitarbeiter und Gemeinde“ gehört – könne nun effizienter arbeiten, „verantwortet einen großen Teil der Routineaufgaben der Geschäftsstelle und entscheidet über alle Fragen, die nicht die Mitsprache der Bereichsleiter erfordern“, hieß es in der Begründung des Präsidiums zum Antrag an den Bundesrat: „Die Bereichsleiter werden dadurch von vielen Themen entlastet, die nicht ihren eigentlichen Bereich betreffen. Sie können sich so intensiver der inhaltlichen Arbeit widmen. Das schafft mehr Zeit für die Begleitung der Mitarbeitenden und für Kontakte zu den Gemeinden.“

Ein ähnlicher Änderungsantrag wurde bereits beim Bundesrat 2016 eingebracht, erhielt aber nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit der Abgeordneten. Der Antrag zweier Gemeinden im selben Jahr, die Verfassung unverändert beizubehalten, wurde allerdings ebenfalls abgelehnt. Deshalb entschied sich das Präsidium dazu, seinen Antrag in leicht überarbeiteter Form erneut einzubringen. Im Vorfeld habe das Präsidium sich eingehend mit den im vergangenen Jahr geäußerten Bedenken befasst und ausführliche Gespräche mit den Kritikern dieser Neufassung geführt, hieß es aus dem Präsidium. Joachim Gnep, Leiter des Dienstbereichs Mission, sagte während der Diskussion auf dem Bundesrat: „Ich arbeite gerne in der neuen Struktur. Als Bereichsleiter habe ich weiterhin Einfluss auf die Inhalte und die Haushaltsentscheidungen. Die monatlichen Bereichsleitertreffen sind sehr sinnvoll zur Vernetzung mit den anderen Bereichen wie zum Beispiel der Theologischen Hochschule, die sonst nicht mit am Tisch sitzen würde. Die Zeit, die ich nicht für Aufgaben der BGF wahrnehmen muss, wird frei für originäre Aufgaben im Dienstbereich Mission.“

Das Präsidium versicherte in der Aussprache, es sei eine Selbstverständlichkeit stets darüber zu informieren, wer von den Bereichsleitern zur BGF gehöre und warum.

Diakoniewerk Bethel bleibt in Bekenntnisgemeinschaft

Das Diakoniewerk Bethel bleibt eine Einrichtung im Status der Bekenntnisgemeinschaft mit dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG). Das haben die Delegierten des Bundesrats der Freikirche am 26. Mai 2017 in Berlin beschlossen.

Die Delegierten hoben den  Beschluss  des BEFG-Präsidiums vom 12. März 2016  über das Ruhen des Status auf, weil das Diakoniewerk in der Zwischenzeit einigen zentralen Forderungen des Bundes nachgekommen ist. Gleichzeitig stellte der Bundesrat fest, dass der Beschluss des Präsidiums aus dem Vorjahr auf der Grundlage der damals gegebenen Sachlage „geboten und rechtlich nicht zu beanstanden“ war. Darüber hinaus formulierte der Bundesrat die Erwartung, dass die zwischenzeitlich in formaler Hinsicht erfüllten Anforderungen der Ordnung für Einrichtungen im Status der Bekenntnisgemeinschaft „nun auch in der Praxis tatsächlich gelebt werden.“ Der Bundesrat folgte mit seinen Entscheidungen einmütig den Empfehlungen der im Vorjahr berufenen unabhängigen Kommission, deren Bericht die Delegierten einstimmig und mit Dank entgegennahmen.

Den Beschlüssen vorangegangen war eine in Teilen emotionale Debatte. Dabei wurde erneut deutlich, dass die inhaltlichen Differenzen das Verhältnis zwischen den Vertretern des Werks und des BEFG belastet hatten. BEFG-Generalsekretär Pastor Christoph Stiba und Bethel-Vorstandsvorsitzende Dr. Katja Lehmann-Giannotti unterstrichen am Ende, dass die Bundesratsbeschlüsse den Anfang eines Versöhnungsprozesses bilden können.

Dr. Lehmann-Giannotti beschrieb die Beschlüsse in ihrem Statement als Gebetserhörung. Das Werk gehöre in den Bund. Sie räumte ein, im Rückblick würde man heute einige Dinge anders machen. Sie sagte zu, dass die finanzielle und seelsorgerliche Versorgung der Diakonissen im Diakoniewerk Bethel sichergestellt sei.

Dr. Wolfgang Lorenz, ehemaliger BEFG-Präsident und langjähriger Direktor und Vorsteher im Diakoniewerk Bethel, drückte seine Zufriedenheit über die Beschlüsse aus: „Wir danken Gott, dass er uns vor einem Zerschneiden des Bandes zwischen Bethel und dem Bund bewahrt hat.“

„Aus der Enge in die Weite“: 20 Jahre Bildungszentrum Elstal

Mit einem Festgottesdienst hat der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) am 27. Mai 2017 das 20-jährige Bestehen seines Bildungszentrums in Elstal bei Berlin gefeiert. „Heute ist ein Tag der Freude darüber, was entstanden ist!“ Dieser Satz, mit dem BEFG-Generalsekretär Pastor Christoph Stiba die rund 250 Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes begrüßte, war zugleich Grundtenor der eindrücklichen Zeitzeugenberichte, die folgten.

Pastor Dr. Wolfgang Lorenz, ehemaliger Präsident des BEFG, berichtete über die Anfänge des Bildungszentrums, das heute auch Begegnungsstätte und Sitz der Bundesgeschäftsstelle der Freikirche ist. „Aus der Enge in die Weite“ sei in den 80er-Jahren das Motto bei der Suche nach einem neuen Standort für das „baufällige und sanierungsbedürftige“ Theologische Seminar in Hamburg gewesen. Fünf Jahre lang habe eine Kommission nach einem neuen Grundstück im Hamburger Raum gesucht – ohne Erfolg. „Dann kam das Wunder Gottes der Wiedervereinigung. Uns war klar: Ein neues Zentrum kann nur in den neuen Bundesländern entstehen“, so Lorenz. Es habe viel Überzeugungsarbeit gebraucht, doch 1994 habe der Bundesrat, das Kirchenparlament des BEFG, in Rostock grünes Licht für Elstal gegeben. Lorenz zeigte auf, dass die Bau- und Sanierungsarbeiten nach dem Ende des Kalten Krieges auch aus internationaler Perspektive bedeutsam waren. So hätten Baptisten aus Moldawien, der Ukraine und Weißrussland beim Bau geholfen: „Die ‚Osteuropahilfe‘ konnte durch den Einsatz dieser Arbeitsgruppen auch über 100 Gemeinden in diesen Ländern finanziell entscheidend unterstützen. Das war ein eindrückliches Zeichen, wie Gemeindebünde in Ost und West zusammenwachsen konnten.“

BEFG-Präsident Pastor Michael Noss, damals Leiter des Landesverbands Berlin-Brandenburg, beschrieb im Gottesdienst die Erinnerung an seinen ersten Besuch in Elstal: „Der Boden war durch die militärische Nutzung des Geländes verseucht und ich fragte mich: Was soll daraus werden? Doch es ist etwas sehr Gutes entstanden!“ Er äußerte den Wunsch, dass die Bedeutung von Elstal als Begegnungsstätte noch zunehme. Lucie Meißner, Studentin an der Theologischen Hochschule, zeigte sich wie Noss beeindruckt von den Entwicklungen: „Wenn man sich die Bilder anschaut, wie es hier vor 20 Jahren aussah, ist es faszinierend, den Campus heute zu erleben. Wir als Studierende genießen das Miteinander auf dem Campus sehr.“ Pastor Dr. Stefan Stiegler, damals Dozent am Theologischen Seminar und später dessen Rektor, äußerte große Freude darüber, dass es 2015 nach zehn Jahren intensiver Arbeit gelungen sei, die unbefristete staatliche Anerkennung des Seminars zu erreichen, das mittlerweile in „Theologische Hochschule Elstal“ umbenannt wurde.

Holger Schreiber, Bürgermeister der Gemeinde Wustermark, würdigte die Strahlkraft des Bildungszentrums, von dem ein starkes gesellschaftliches Engagement ausgehe: „Es ist ein Glücksfall, dass der BEFG dieses Gelände entwickelt hat, das als Militärstandort früher den Menschen nicht diente. Es ist fantastisch, wie von diesem Ort, der mit einer negativen militärischen Intention entstanden ist, heute Positives in die Welt ausstrahlt.“

Pastor Prof. Dr. Michael Kißkalt, Rektor der Theologischen Hochschule Elstal, konkretisierte in seiner Festpredigt, worin diese Strahlkraft besteht: „Als Campusgemeinschaft, als Bildungszentrum stehen wir unter der Verheißung Jesu: Ihr seid das Licht der Welt! Wir wünschen uns nichts mehr, als dass die Liebe und die Gerechtigkeit Gottes zu den Menschen kommt. Dafür engagieren wir uns, zur Ehre Gottes und zum Wohle der Menschen!“

Dankbares Feiern bei Sonnenschein

Ein fröhliches Fest feierte der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) mit seinen Gästen und Nachbarn am 27. Mai anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Bildungszentrums Elstal.

Rund 500 Gäste sind zum Tag der offenen Tür gekommen und nutzen das schöne Wetter, um das weitläufige Gelände westlich von Berlin kennenzulernen und die vielfältigen Attraktionen für Groß und Klein zu nutzen oder um gute Bekannte zu treffen, alte Erinnerungen aufzufrischen und die schöne Atmosphäre zu genießen. Kinder versuchen mit dem Wasserschlauch der Freiwilligen Feuerwehr Elstal, einen Turm aus leeren Konservendosen umzuspritzen, sportliche Menschen wagen sich auf eine sechs Meter hohe Kletterwand. Jeweils 20 Interessierte besuchen die Mini-Vorlesungen zu Themen wie „Was ist von Luthers Reformation noch heute wichtig für uns?“ und „Ethische Entscheidungen am Lebensende“. Und 70 Menschen ergreifen die Gelegenheit, ein kostenloses Porträtfoto im Rahmen der Aktion „Gottes geliebte Menschen“ von sich anfertigen zu lassen. Überall stehen und sitzen Gruppen von Männern und Frauen. Sie plaudern, essen und lachen. Eine Band der Studenten macht Musik. Es herrscht ein buntes, vergnügtes Treiben.
 
„Heute ist ein Tag der Freude darüber, was entstanden ist!“, sagt BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba während des Festgottesdienstes mit Blick auf Fotos des Geländes, das vor 20 Jahren stark verwildert und heruntergekommen war. 1997 hatte der BEFG seine theologischen Ausbildungsstätten aus Hamburg und Buckow (Märkische Schweiz) zusammengelegt und in Elstal bei Berlin ein Bildungszentrum für die Aus- und Fortbildung der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden des BEFG neu gebaut. Auch die Geschäftsstelle und die Dienstbereiche des BEFG sowie EBM INTERNATIONAL sind in Elstal ansässig. Während des Zweiten Weltkriegs und zur Zeit der DDR wurde das Gelände als Militärstandort genutzt. Nach dem Abzug der russischen Truppen 1992 wurden die verfallenen Wohnhäuser vom BEFG sorgfältig saniert und renoviert. Nun wohnen Studierende der Theologischen Hochschule Elstal und andere Mieter in den Gebäuden.
 
„Vielen Dank, dass Sie diesen Standort gefunden haben“, sagt der Wustermarker Bürgermeister Holger Schreiber in seinem Grußwort. „Es ist ein Glücksfall, dass Sie diesen Campus hier entwickelt haben. Es ist einer der schönsten Orte in dieser Gemeinde.“ Besonders freue er sich über die Seniorenwohnungen auf dem Gelände. Diese böten den Elstalern und Elstalerinnen die Gelegenheit, im Alter an ihrem Ort wohnen zu bleiben, betont auch Ortsvorsteher Matthias Kunze. Das waren auch die Gedanken einer Mieterin, die zum Tag der offenen Tür gekommen ist und die Neubebauung des Campus vor 20 Jahren aufmerksam verfolgte: „Wir sind damals spazieren gegangen, haben uns das hier angesehen und gedacht, das ist ja schön, da müssen wir später nicht irgendwo anders hin ins Altersheim, sondern können gleich hierbleiben, wenn es soweit ist.“ Seit acht Jahren wohnt die 88-Jährige nun auf dem Gelände und genießt den Blick auf die Natur direkt vor ihrem Fenster.

Eine 38-jährige gebürtige Elstalerin hat das Bildungszentrum über ihre Tochter kennengelernt. Als diese vor 16 Jahren geboren wurde, wurde in den Räumen des Bildungszentrums eine Krabbelgruppe angeboten. Die besuchte sie, es gefiel ihr gut und so kam sie immer wieder auf das Gelände und nutzte auch andere Angebote. „Es ist hier sehr familiär, man fühlt sich wie im Urlaub, wenn man auf den Spielplatz geht, einfach schön“, sagt sie.

Und so ist das Bildungszentrum über die Jahre nicht nur zum Begegnungszentrum für die Angehörigen des BEFG und seine internationalen Gäste geworden, sondern auch für die Menschen im Ort – generationenübergreifend. Das darf gefeiert werden.
 

BEFG-Messestand als gern genutzter Treffpunkt

Der Kirchentag hat traditionell viele Facetten. Und so wirkten bei einigen der über 2500 Programmangeboten selbstverständlich auch Baptisten und Baptistinnen mit.

Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden war mit einem Stand auf dem Markt der Möglichkeiten auf dem Messegelände anzutreffen, gemeinsam mit dem Gemeindejugendwerk und der Theologischen Hochschule Elstal. Der dort tätige Wissenschaftliche Mitarbeiter, Markus Höfler, war als Koordinator für die Standbetreuung tätig. Er berichtete, dass sich 14 Leute am Stand engagiert hätten, wobei immer drei vor Ort waren: „Über drei Tage hinweg war immer etwas los.“ Viele Mitglieder aus den Gemeinden hätten den Stand aufgesucht. Höfler. „Viele haben sich gefreut, unseren Bund auf dem Kirchentag zu sehen.“ Einige seien stolz gewesen, dass „ihre“ Kirche vertreten war. Höfler: „Der Stand diente definitiv als Treffpunkt für die Baptisten auf dem Kirchentag. Die meisten blieben auch zum Gespräch und Austausch, man merkte schon eine gewisse Verbundenheit mit dem Bund und ein Zugehörigkeitsgefühl.“ Andere Besucher hätten sich auch für den Gemeindebund interessiert: „Wer seid ihr, was macht euch aus und was sind die Unterschiede zu uns Lutheranern/Methodisten/Adventisten? Wie finanziert ihr euch? Ihr taucht eure Mitglieder wirklich im See komplett unter?“. Zu sehen war auch die Reformationsausstellung des Bundes, die deutlich macht, dass es neben Luther auch weitere Reformatoren gab, etwa Zwingli oder Calvin. Man konnte am Stand auch einfach ausspannen, oder eine Laubsägearbeit anfertigen – ein Kreuz oder einen Fisch, als Erinnerung an den Kirchentag.

Die baptistische Theologin Prof. Andrea Strübind erläuterte die Rolle von Maria in der Heilsgeschichte: „Gott nimmt für seinen Neuanfang mit den Menschen eine Frau in seinen Dienst und schließt die Männer dabei aus“, sagte sie in einer Bibelarbeit. Gemeinsam mit der Historikerin Prof. Dagmar Freist legte sie die Geschichte von der Begegnung der schwangeren Maria mit Elisabeth, der Mutter von Johannes (Lukas 1,39-56), aus. Obwohl Maria entgegen der gesellschaftlichen Norm schwanger war, ohne verheiratet zu sein, habe Gott sie „als Mitarbeiterin für einen neuen Exodus ausgewählt“, sagte Strübind. „Mit Maria schreibt Gott ein starkes Stück Befreiungsgeschichte.“ Als ganz normale Frau habe Gott sie zum „Ort der Menschwerdung Gottes und zur Heimat für seinen lebensschaffenden Geist“ gemacht. Freist erklärte, dass das Loblied, das Maria im Verlauf der Begegnung mit Elisabeth singe, zeige, „wie Gott die Ausgegrenzten sieht“. Er entwerfe die Vision einer gerechten Welt.

Der Rundfunk- und Fernsehmoderator, Pastor Andreas Malessa, moderierte zwei Großveranstaltungen und stellte seine Bücher „Hier stehe ich, es war ganz anders“ über den Reformator Martin Luther und „Malessa macht Urlaub“ vor. Der Beauftragte der Vereinigung Evangelischer Freikirchen am Sitz der Bundesregierung, der Baptistenpastor Peter Jörgensen, agierte unter anderem als Anwalt des Publikums bei einer Veranstaltung zum Thema Reformation und hatte mit anderen die Projektleitung beim Thementag Mission. Zum Auftakt – beim Abend der Begegnung – stellte der ehemalige Vorsitzende des Gemeindejugendwerks Berlin-Brandenburg, Daniel Schmöcker, das multimediale Schul- und Jugendprojekt King-Code vor. Shannon von Scheele vom „Netzwerk gegen Menschenhandel“, das im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden ins Leben gerufen wurde, wirkte in einem Workshop zum Thema Menschenhandel mit. Pastor Andreas Güthling aus der Gemeinde Zoar Berlin-Prenzlauer Berg engagierte sich bei einem Feier-Abendmahl, die Baptistinnen Angelika Behm und Jenny Jörgensen vom Diakoniewerk Immanuel Diakonie befassten sich mit dem Thema „Selbstbestimmung am Lebensende – Brauchen wir eine neue Sterbekultur?“ Karin Weishaupt war am Stand im Bibliodrama-Zentrum anzutreffen und hielt einen Workshop.

Michael Noss wiedergewählt: „Christen haben Verantwortung als Friedensstifter“

„Als Christen haben wir in dieser Welt eine Verantwortung als Friedensstifter, die wir wahrnehmen müssen.“ Das hat Michael Noss nach seiner Wiederwahl als Präsident des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) gesagt. Er wurde in Berlin bei der jährlichen Bundesratstagung der Freikirche mit 89 Prozent der Delegiertenstimmen in dem Amt bestätigt, das er bereits seit zwei Jahren bekleidet. Corinna Zeschky wurde durch den Bundesrat als Präsidiumsmitglied sowie durch das Präsidium als Stellvertreterin des Präsidenten bestätigt. Der Bundesrat wählte zudem zwei neue Mitglieder in das Präsidium.

„Das gesellschaftliche Klima ist rauer geworden. Auseinandersetzungen werden oft mit unerbittlicher Härte geführt. Hassrede ist im Internet weit verbreitet, doch auch im Alltag erleben wir sie. Ich wünsche mir, dass der BEFG und seine Gemeinden zusammen mit den Christen aus anderen Kirchen einen Kontrapunkt setzen und Gottes Liebe im gesellschaftlichen Miteinander sichtbar werden lassen“, hob Michael Noss am Rande der Bundesratstagung in Berlin hervor. Für ihn gehöre dazu auch eine klare Position in der Flüchtlingsdebatte: „In unseren Gemeinden geben wir Heimatlosen ein Zuhause, und das wollen wir weiterhin tun.“

Turnusgemäß endete mit dem Bundesrat die Wahlperiode von sechs Präsidiumsmitgliedern. Neu in das Gremium gewählt wurden der Direktor des Amtsgerichts Salzgitter, Eckart Müller-Zitzke, bisher einer der drei Verhandlungsleiter des Bundesrats, sowie der Kaufmann Holger Huhn (Eisenberg bei Gera). Wiedergewählt wurden neben Michael Noss und Corinna Zeschky auch Pastor Frank Fornaçon (Kassel) und die Dozentin Andrea Kallweit-Bensel (Wiedenest). Nicht zur Wiederwahl stellten sich Veit Praetorius und Dr. Ulf Beiderbeck, denen Michael Noss für ihre Arbeit herzlich dankte.

Mitglieder des Präsidiums bleiben die Pastoren Alfred Aidoo von der New Life Church Düsseldorf, Michael Lefherz (Potsdam), Jürgen Tibusek (Weyerbusch im Westerwald) und Dirk Zimmer (Heiligenstadt in Oberfranken), die Trauerbegleiterin Dorothee Oesemann (Stendal), der ehemalige Landessparkassendirektor Martin Grapentin (Oldenburg) sowie Pastor Reinhard Lorenz, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Brüdergemeinden. Ihr Wahlturnus endet erst in zwei Jahren.

Betroffen vom Anschlag auf koptische Christen

Die Nachricht vom Anschlag auf koptische Christen in der Nähe der Stadt Al-Minja erreichte die Abgeordneten des BEFG während ihrer Bundesratstagung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich von dieser Gewalttat sehr betroffen.

Kurz zuvor hatten die Versammlungsmitglieder mit einer Schweigeminute und einem Gebet der Menschen gedacht, die bei der Flucht nach Europa ums Leben gekommen sind. „In unser Gebet wollen wir auch die Menschen in Ägypten mit einschließen“, sagte Verhandlungsleiter Pastor Harald Kufner. Evan Schaefer, der das Mittagsgebet sprach, nahm die Fürbitte für die Betroffenen in das Gebet mit auf. Auch Präsidiumsmitglied Dirk Zimmer nannte die Angehörigen der Opfer in einem Gebet im Abschlussgottesdienst „stellvertretend für alle anderen Menschen auf diesem Erdenrund, die Terror und Gewalt ausgesetzt sind.“ Er bat Gott darum, dass er sie tröste, ihnen Kraft gebe und überall da helfe, „wo wir uns ohnmächtig fühlen.“ Der Präsident des BEFG, Michael Noss, betonte: „Wir wollen uns nicht von Terrorereignissen wie in Manchester oder heute in Ägypten schrecken lassen. Wir vertrauen auf Gott und gestalten beherzt unseren Auftrag des Evangeliums in dieser so verrückten Welt.“

„Menschenwürde: von Gott jedem einzelnen Menschen zugesprochen“

Christen müssen dem zunehmenden Rechtspopulismus entgegentreten, indem sie sich, dem biblischen Menschenbild entsprechend, für die Achtung der Würde jedes einzelnen Menschen einsetzen. Dazu haben der Präsident und der Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG), Michael Noss und Christoph Stiba, aufgerufen. In ihrem schriftlichen Bericht an die Delegierten der Bundesratstagung, die am 26. Mai in Berlin stattfindet, hoben sie zudem die Bedeutung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) hervor.

„2.500 Straftaten gegen Geflüchtete“ und „knapp 1.000 Angriffe gegen Unterkünfte von Asylbewerbern“ im Jahr 2016 seien Zeichen für ein „gesellschaftliches Problem“, hoben Noss und Stiba hervor. Sie seien in „Sorge um die Grundwerte in unserer Gesellschaft, um das Bekenntnis zu Demokratie und Menschenrechten, zum Schutz von Minderheiten, auch von Flüchtlingen.“ Den Rechtspopulisten, die Menschenrechte missachteten und Freiheitsrechte und Demokratie gefährdeten, müsse „klar widersprochen werden“. Auch angesichts einer sinkenden Bereitschaft, „sich für das Gemeinwohl zu engagieren und Werte wie Wahrheit und Gerechtigkeit zu schützen“, müssten Christen ein Zeichen setzen, so Präsident und Generalsekretär: „Nicht akzeptieren wollen wir die Verbreitung von Lügen in der politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung, etwa durch Fake News.“ All diese Entwicklungen seien nicht mit dem Evangelium von der Liebe Gottes vereinbar, „die sich uns in Jesus Christus gezeigt hat.“

Für Christen sei „die Menschenwürde ein von Gott jedem einzelnen Menschen zugesprochener Wert“, so Michael Noss und Christoph Stiba. Dies gelte „für Deutsche und andere Europäer ebenso wie für alle, die in der EU um Asyl nachfragen.“ Am Baptistenpastor Dr. Martin Luther King Jr. nehme man sich ein Vorbild: „Wie er wollen wir heute für die Rechte und Würde von Menschen eintreten, die in unserem Land Schutz vor Hunger, politischer Willkür, Verfolgung und Bürgerkrieg suchen.“ In diesem Sinne hätten viele geflüchtete Menschen „in unseren Gemeinden ein neues Zuhause gefunden.“ Dies sei „gerade auch im Blick auf manche fremdenfeindlichen Äußerungen und Übergriffe ein echtes Ermutigungszeichen.“

Im Zusammenhang mit Menschenrechten sei auch der Einsatz für die von den Vereinten Nationen formulierten Ziele für nachhaltige Entwicklung von Bedeutung, so Noss und Stiba. Zum Teil verstärke Europa Armut durch sein wirtschaftliches Handeln in den Staaten Afrikas, Lateinamerikas und Asiens: „Wir fordern konkrete Ziele zur Förderung eines freien und gerechten Handels, wie sie in den SDGs formuliert sind. Auch die Verabschiedung und Einhaltung von Klimaschutzabkommen, wozu wir als Christen uns in der Verantwortung vor dem Schöpfergott verpflichtet wissen, ist eine Konkretisierung der Verantwortung im weltweiten Zusammenhang.“

FÜHREN UND LEITEN in der EFG Reutlingen

Am 19. und 20. Mai beschäftigten sich Teilnehmer aus den Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden Reutlingen und Filderstadt unter der Leitung von Oliver Pilnei mit dem Thema: Veränderungsprozesse gestalten. Es wurde intensiv gearbeitet und diskutiert. Unter anderem wurde am so genannten 4-Zimmer-Modell reflektiert, wie Menschen in Veränderungsprozessen reagieren und welches Führungshandeln geeignet ist, Beteiligte durch Veränderungen zu führen. Teilnehmerinnen aus der benachbarten landeskirchlichen Kreuzkirchen-Gemeinde und dem Projekt „lebenswert“ bereicherten die Runde und halfen, die typisch baptistischen Herausforderungen von einer anderen Perspektive zu verstehen.

Ökumenisch lernen und arbeiten ist einfach gut! Ach ja ... die Theologische Hochschule der Evangelisch-methodistischen Kirche war auch um die Ecke ...

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Kirchentag als ein Höhepunkt des Reformationsjubiläums: BEFG feiert mit

Die Bundesratstagung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) am  26. Mai in Berlin steht auch im Zeichen des Reformationsjubiläums. „Wir haben unser Kirchenparlament von sonst drei Tagen auf einen verkürzt und in die Hauptstadt verlegt, damit Menschen aus unserem Bund am Evangelischen Kirchentag teilnehmen können“, so BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba. „Von unserem Ursprung her sind wir eine reformatorische Kirche. Und so freuen wir uns, beim Kirchentag als einem Höhepunkt des Jubiläumsjahres mitzufeiern!“ Der BEFG hat noch einen weiteren Grund zum Feiern: Das Bildungszentrum Elstal öffnet am 27. Mai anlässlich seines 20-jährigen Bestehens seine Türen für alle Interessierten.

„Die Reformationsfeierlichkeiten bieten Gelegenheit, einen Blick auf die modernen Errungenschaften zu werfen, die aus der Reformation entstanden sind“, ist Christoph Stiba überzeugt und hebt hervor: „Die heutigen Freikirchen hatten in ihrer Entstehung gewichtigen Anteil daran. So ging eine der Wurzeln des modernen Freiheitsverständnisses – vor allem in Nordamerika – von baptistischen Theologen wie Roger Williams aus.“ Auch ihrem Beitrag sei es zu verdanken, dass Religions- und Gewissensfreiheit später zu Grundrechten wurden, so Stiba.

Dass der Einsatz für Menschenrechte, wie BEFG-Präsident Michael Noss betont, in den Freikirchen eine lange Tradition habe, etwa durch den Baptisten Martin Luther King, sei für ihn auch eine Verpflichtung: „Wir dürfen die unzähligen Menschen nicht vergessen, die unter Armut, Hunger und Verfolgung leiden. Der Blick auf reformatorische Ideale darf kein rückwärtsgewandter sein!“ Deshalb werde der Bundesrat ebenso wie alle Kirchentagsveranstaltungen am 26. Mai um 12:00 Uhr für eine Schweigeminute zum Gedenken an die Toten an den EU-Außengrenzen unterbrochen: „Und in unserem Gottesdienst am Abend sammeln wir eine Kollekte für die Rettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer.“ Dies sei zwar nur ein kleines Zeichen, so Noss: „Doch ich wünsche mir, dass viele Aktionen wie diese zusammen echte Veränderung bringen.“

Für den „kompakten Bundesrat“ seien die Tagesordnungspunkte „auf das Nötigste reduziert worden“, so Generalsekretär Stiba. Geplant sind Wahlen für das Präsidium, für die Finanzsachverständigen sowie für die Verhandlungsleiter des Kirchenparlaments. Die Delegierten beraten zudem über den BEFG-Haushalt und stimmen sich zu einer vorgeschlagenen Verfassungsänderung ab.

Beim Tag der offenen Tür im Bildungszentrum Elstal vor den Toren Berlins haben alle Interessierten am nächsten Tag von 13:00 bis 17:00 Uhr Gelegenheit, die Arbeit des BEFG kennenzulernen. Angeboten werden stündliche Führungen über den Campus, der nicht nur Bildungszentrum, sondern auch Verwaltungssitz und Begegnungsstätte des Bundes ist, Mini-Vorlesungen und Workshops sowie zahlreiche bunte Aktionen. Um 16:00 Uhr wird in einem Festgottesdienst gefeiert, was in 20 Jahren gewachsen ist.

Mit Luther das Wochenende verbringen

Das 14. Straßenfest der Baptistengemeinde ZOAR im Prenzlauer Berg fand am Samstag, 13. Mai ganz im Zeichen des Reformationsjahres 2017 statt. Und mit dem Wirken Luthers sollte es am Sonntag gleich weitergehen – mit einem Gottesdienst, der unter der Überschrift  „Sola scriptura et musica“ -  „Allein die Schrift und Musik“ stand.

Von Luther stammt die Wendung „Sola scriptura“, von Pastor und Pianist Michael Schubach der Zusatz „et musica“. Er verbindet klangvoll das Bibelwort mit der Musik, konkret das Johannesevangelium mit einer Klavierimprovisation. Am 14. Mai kamen die Besucher des Gottesdienstes der ZOAR-Gemeinde in den Genuss dieses Zusammenspiels. Zusammen mit Iris Hoffmann aus der Gemeinde Berlin-Wannsee gestaltete Pastor Michael Schubach, der als Regionalreferent im Dienstbereich Mission für Ostdeutschland unterwegs ist, einen außergewöhnlichen Gottesdienst; mit einer einmaligen literarisch-musikalischen Note, einem Hörgenuss der besonderen Art. Mit Chorälen, bekannten Kirchenliedern und eigenen Stücken griff er auf dem Klavier die Botschaften aus dem Johannesevangelium auf, die Iris Hoffmann eindrucksvoll vortrug.

Das Wirken Jesu bis zu seiner Kreuzigung und Auferstehung wurde durch die Klavierbegleitung, insbesondere die Variationen beim Tempo, die kunstvollen Pausen und das akzentuierte Spielen, eindrucksvoll verdeutlicht. Bibeltexte und Musik gingen dabei Hand in Hand, waren aufeinander abgestimmt und nahmen die Zuhörer ein, ohne sie zu vereinnahmen, denn kommentiert wurden die Bibeltexte nicht. Vielmehr sollten Worte und Musik als solches wirken und zum Nachdenken anregen – über den Herren, unseren Schöpfer, über das Brot des Lebens, über den guten Hirten, der sein Leben für die Schafe lässt. Und das ist innerhalb der 60 Minuten auch gelungen.

Wer Gott und sein Wort im Reformationsjahr auf eine ganz besondere Weise kennenlernen möchte, kann hier erfahren, wo und wann Pastor Schubach und Begleitung musikalisch anzutreffen sind.

Dr. Susanne Lechner

Von Martin Luther zu Martin Luther King

„Von Martin Luther zu Martin Luther King“ heißt die Ausstellung der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), die am 1. Mai in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde „Hoffnungskirche“ in Lutherstadt Wittenberg eröffnet wurde.

„Als Freikirchen sehen wir uns als Erben der Reformation, auch wenn wir uns nicht direkt auf Martin Luther beziehen“, erläuterte Friedrich Schneider, einer der Mitinitiatoren, das Anliegen. „Mit dieser Ausstellung wollen wir deutlich machen, dass die Reformation kein einmaliges, punktuelles Ereignis war, sondern eine Bewegung, die immer noch andauert. Reformation ist eine Haltung, die unser Leben als Christen umfasst. Wir wollen aufmerksam sein dafür, was Menschen bewegt und mit ihnen gemeinsam nach Antworten des Glaubens suchen“, so Schneider. Wenn Luther dazu aufforderte, „dem Volk aufs Maul zu schauen“ meine er nicht nur, die Sprache der Menschen auf dem Markt zu sprechen, sondern auch ihre Sorgen und Nöte zu kennen. Ein Anliegen, das auch Martin Luther King jr. bewegte.

Warum der Afro-Amerikaner King den Namen des deutschen Reformators trägt, erklärte Prof. Dr. Erich Geldbach in seinem Eröffnungsvortrag. Eine Reise des Vaters von Martin Luther King jr. habe ihn 1934 unter anderem nach Wittenberg geführt: „Daddy King war von diesem Besuch so angetan, dass er nach seiner Rückkehr seinen Namen und den seines Sohnes in Martin Luther King ändern ließ.“ Ursprünglich hießen sowohl der Vater als auch der Sohn Michael King.

Neben diesen beiden Gemeinsamkeiten setzten Martin Luther und Martin Luther King in ihrem Wirken sehr unterschiedliche theologische Schwerpunkte, betonte Geldbach in seinem Vortrag vor knapp 40 Zuhörerinnen und Zuhörern. Während die Ideen des Reformators auf der Rechtfertigungslehre basierten, sei für die „Schwarze Kirche“ („the black church“), zu der Martin Luther King gehörte, Freiheit und Befreiung das Leitmotiv gewesen: „Befreiung als religiöser und politischer, ja auch als revolutionärer Prozess und Freiheit als Ziel sind die fundamentalen Daten schwarzer Spiritualität und schwarzer Theologie“, so Geldbach. Seinen Ursprung habe dies in der Geschichte der Sklaverei. „Die soziale Lage der Afro-Amerikaner ließ sie auf andere Texte aufmerksam werden als Luther und dessen Beschäftigung mit dem Römerbrief“, sagte Geldbach: „Die Schwarzen erlebten in den Texten der hebräischen Bibel anschaulich-fassbar, wie Gott für seine versklavten Kinder in Ägypten eingreift. Für die schwarzen Menschen war wichtig zu erfahren, dass Gott mit seinem Volk nicht untätig blieb, sondern dass er den Pharao besiegte, damit dieser das Volk ausziehen lassen musste. Das war den Sklaven, aber auch den bereits freigelassenen oder freigekauften Afro-Amerikanern hinreichender Grund für die Hoffnung, dass derselbe Gott das auch mit seinem ‚schwarzen Israel‘ tun wird.“

Auch die Gedanken über die Anwendung des Evangeliums auf die soziale Lage („Social gospel“) des baptistischen Theologen Walter Rauschenbusch und Mahatma Gandhis Lehre vom gewaltfreien Widerstand, die nach Geldbachs These ebenfalls von zwei Baptistenpredigern beeinflusst wurde, prägten den amerikanischen Bürgerrechtler nachhaltig.

„Es ist also nicht die Übereinstimmung ihrer theologischen Auffassung, die Martin Luther und Martin Luther King miteinander verbindet“, fasste eine Teilnehmerin nach der Veranstaltung zusammen, „sondern vielmehr ihr widerständisches Verhalten und ihr mutiger Einsatz für die erkannte Wahrheit.“

Die Ausstellung „Von Martin Luther zu Martin Luther King“ findet im Rahmen der Weltausstellung zum Reformationsjubiläum in der Fleischerstr. 11/12 in Wittenberg statt und ist bis Mitte September mittwochs bis sonntags von 14:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Freiwillige gesucht!

Für die Ausstellung „Von Martin Luther zu Martin Luther King“ in der EFG Lutherstadt Wittenberg „Hoffnungskirche“ werden noch dringend engagierte Menschen gesucht, die Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung führen und als Gesprächspartner zur Verfügung stehen.

Die Ausstellung findet im Rahmen der Weltausstellung Reformation vom 2. Mai bis zum 10. September von mittwochs bis sonntags statt. Sie ist nachmittags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Interessierte Ausstellungsführer und -führerinnen sollten möglichst schon dienstags anreisen, um sich einweisen zu lassen.

Belohnt wird das ehrenamtliche Engagement mit kostenloser Unterkunft, Mittag- und Abendessen sowie einer Eintrittskarte für die Weltausstellung Reformation. Diese berechtigt dazu, auch andere Attraktionen und Sehenswürdigkeiten in Lutherstadt Wittenberg zu besichtigen. Die Fahrtkosten für die An- und Abreise nach Wittenberg werden ebenfalls erstattet.

Für den gleichen Zeitraum werden auch noch Seelsorgerinnen und Seelsorger benötigt. „Das müssen keine ausgebildeten Theologen sein“, betont Koordinatorin Theresia Stadtler-Philipp. „Wir suchen nach Personen, die sich grundsätzlich in andere Menschen einfühlen können und ein offenes Ohr für die Besucherinnen und Besucher haben, die unseren überkonfessionellen Ort der Begegnung ‚These 62‘ aufsuchen.“ Für Seelsorger und Seelsorgerinnen gelten dieselben Vergünstigungen wie für diejenigen, die durch die Ausstellung führen.

Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeit bei Theresia Stadtler-Philipp:
Festnetz: 034921 608060
Mobil: 0160 4709266
info(at)stadtler-service.de oder info(at)these62.com

NRW: Gemeinsam das Licht der Welt sein

Freikirchen sollten sich wandeln. Nämlich von der „Insider-Gemeinde zur gegenseitigen Pflege der persönlichen Frömmigkeit“ hin zu einer Gemeinde, die gemeinsam mit anderen Licht der Welt sein will. Dazu hat der Referent für Theologie, Gemeinde und Gesellschaft im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Friedrich Schneider (Oldenburg), auf der Ratstagung des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen in Gummersbach aufgerufen.

Das Treffen mit 181 Delegierten und 23 Gästen stand unter dem Motto „Reformation – heute/für uns/mit uns“. Schneider ist auch Koordinator des 500. Reformationsjubiläums seiner Freikirche. Gemeinden brauchten keine Angst vor der Gegenwart und dem „Zeitgeist“ zu haben. „Die Antworten von gestern passen nicht zu den Fragen von heute“, sagte er weiter. Er erläuterte die Geschichte der 1609 in Amsterdam gegründeten Baptisten. Sie seien eher „Enkel“ statt „Kinder“ der Reformation, gehörten aber zur evangelischen „Familie“.

Er unterstrich dabei das Priestertum aller Glaubenden. Es sei „identitätsstiftend“. Jeder dürfe taufen, das Abendmahl austeilen oder predigen. Als zentrales Anliegen der Reformation nannte er, die Kernaufgaben der Kirchen wieder zu entdecken und zu beleben. Schneider: „Dazu gehört vor allem ein ganzheitliches Verständnis von Mission.“ Reformation bringe die Kirche auf die Höhe der Zeit und fördere eine menschenfreundliche Kirche mit Auswirkungen auf die Gesellschaft. Weiter macht er deutlich, dass eine Kirche, die sich vor allem um den Selbsterhalt kümmere, ihre Bedeutung verliere.

Im ersten Impulsreferat der Tagung unterstrich die Oberkirchenrätin der Evangelischen Kirche im Rheinland, Barbara Rudolph (Düsseldorf), die Bedeutung der Reformation. Es gelte heute die Entdeckungen der Reformation wiederzubeleben: die Bibel, die Lehre, das Gebet. Zudem plädierte sie dafür, in Zukunft nicht mehr danach zu fragen, ob eine Kirche groß oder klein sei, sondern danach, wie sie Zeugnis gebe in Wort und Dienst: „Wir schaffen nicht die Reformation, sondern die Reformation kommt, wenn Gott es will.“

Auf dem Treffen wurden die beiden Leiter des Landesverbandes, Leo Schouten und Dieter Teubert, mit 98 Prozent aller Stimmen in ihren Ämtern bestätigt. Die Kollekte in Höhe von über 1.400 Euro ging an die Flüchtlingsarbeit der gastgebenden Gemeinde Gummersbach-Derschlag.

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