Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

Glaube und Taufe

Dieser Abschnitt der Rechenschaft vom Glauben gilt mit der Taufe dem Herzstück baptistischen Selbstverständnisses. Immerhin heißen Baptisten (vom griechischen Wort baptizo) auf Deutsch Täufer. Dabei geht es nicht um die Taufe an sich – sie verbindet Baptisten mit fast allen anderen Christen – sondern um den besonderen Zusammenhang von Glauben und Taufe, wie dieser Abschnitt heißt.

Freilich gilt auch hier, dass das baptistische Verständnis der Taufe Teil einer konfessionell geschlossenen Gesamtinterpretation des Evangeliums ist. [1] Dieses Verständnis der Taufe teilen Baptisten mit der Täuferbewegung der Reformationszeit (vgl. das Täufergedenken im Jahr 2025) und mit anderen Gemeindebünden, die aus dieser Bewegung hervorgegangen sind, etwa den Mennoniten, aber auch mit anderen glaubenstaufenden Traditionen wie den Brüdergemeinden (Christusforum). Sie alle betonen, dass Glauben und Taufe ganz eng zusammengehören: Nur Menschen, die das Evangelium gehört, verstanden und angenommen haben, sollen auf ihren Glauben an Jesus Christus hin getauft werden. Diese Reihenfolge entspricht dem Neuen Testament: „Wer da glaubt und getauft wird …“ (Mk 16,16) oder „… die sein Wort annahmen, ließen sich taufen“ (Apg 2,41).

Der erste Absatz dieses Abschnitts fasst wesentliche neutestamentliche Aussagen zu Aneignung des in Jesus Christus geschenkten Heils zusammen. Die Initiative war, ist und bleibt bei Gott. Im Evangelium bietet er seine Gnade an – darauf antworten Menschen und müssen antworten! Gott wirkt Glauben, zugleich werden Menschen zum Glauben aufgerufen. Erst dann haben sie Anteil an Gottes Heilshandeln in Jesus Christus. Sie lassen sich Gottes Urteil gefallen, wenden sich ihm zu und vertrauen auf ihn. Gott beschenkt die Glaubenden mit seinem Heil. Genannt werden hier Vergebung und ewiges Leben. Im NT ist außerdem etwa von Versöhnung, Frieden mit Gott und Erlösung die Rede. Dieses Vertrauen hat Folgen: Christen wenden „sich von allem Bösen ab, bekennen fortan Jesus Christus als ihren Herrn und erklären sich bereit, als Glied der Gemeinde ein verbindliches Leben in der Nachfolge Jesu Christi zu führen“. Ich habe die Formulierungen der RvG in den Plural gesetzt, da es sich um ein kollektives Geschehen handelt … so sehr auch jeder einzelne Mensch aufgefordert ist, im Glaubensgehorsam auf das Evangelium zu antworten.

Der folgende Absatz erklärt, wie sich Glauben und Taufe zueinander verhalten. Die Taufe bezeugt, dass Menschen zum persönlichen Glauben gekommen sind, daher – sachlich richtig – nicht Erwachsenentaufe (das Alter ist nicht entscheidend), sondern Glaubenstaufe. Daher kommt die entsprechende Taufformel: „Aufgrund deines Glaubens an Jesus Christus taufe ich dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19). Nur Freiwillige werden getauft; wenn auch gut gemeint, soll in der Gemeinde niemand zur Taufe gedrängt werden.

Während das Abendmahl regelmäßig gefeiert wird, werden Menschen nur einmal getauft. Daher lehnen auch Baptisten eine Taufwiederholung im Sinne einer Wiedertaufe ab. Dennoch taufen sie Menschen, die als Säuglinge getauft wurden, weil sie in diesem Akt bestenfalls eine Segenshandlung und Willensbekundung der Eltern, Taufpaten und Gemeinde sehen, aber keine gültige Taufe im Sinn des Neuen Testaments. Daher sind Baptisten keine „Wiedertäufer“, wie man sie oft polemisch bezeichnet hat.

Viel wichtiger als Bezeichnungen ist die letzte Anmerkung: Taufe ist kein Schlusspunkt, sondern ein Doppelpunkt: Der Start in ein neues Leben unter der Herrschaft Gottes.

Der dritte Abschnitt umreißt, was in der Taufe geschieht. Sie ist Bestätigung: zum einen persönliche, leiblich erfahrbare Bestätigung des Zuspruchs des Evangeliums an die Täuflinge durch den Täufer und die anwesende Gemeinde und zum anderen Bekenntnis der zu taufenden Menschen. Treffend wird dieses Bekenntnis in der RvG zusammengefasst:

Jesus Christus ist auch für mich gestorben und auferstanden. Mein altes Leben unter der Herrschaft der Sünde ist begraben, durch Christus ist mir neues Leben geschenkt. Gott gibt mir Anteil an der Wirkung des Todes Jesu Christi. Er lässt auch die Kraft seiner Auferstehung an mir wirksam werden, schon jetzt durch die Gabe des Heiligen Geistes und einst durch die Auferweckung zum ewigen Leben.

Darum werden Taufwillige in der Regel zu einem Gespräch eingeladen und „geprüft“. Haben sie das Evangelium verstanden und angenommen? Haben sie noch Fragen? Oft werden sie zudem aufgefordert, vor ihrer Taufe ihren Glauben vor der Gemeinde zu bekennen, ein „Zeugnis“ zu geben. Wenn auch nicht unbedingt in diesen oder anderen geschliffenen Worten, sollten diese Inhalte und Erkenntnisse im persönlichen Bekenntnis vorkommen, sonst kann eine Glaubenstaufe zur Farce werden.

All dies geschieht in dem Wissen, dass Glaube wächst, sich verändern kann, sich im Alltag bewähren muss und angefochten ist – daher die Gemeinde als Gemeinschaft der Glaubenden. Viele Gemeinden stellen den Getauften Begleiter zu Seite, die ihnen auf dem Weg der Nachfolge helfen und ihnen den Weg in die Gemeinde ebnen.

Taufe ist kein „krönender Abschluss“, sondern führt in die Gemeinschaft der Gemeinde. Darum sollten Taufen auch im Kontext der versammelten Gemeinde stattfinden. Die Zugehörigkeit zu Christus und seinem Leib lässt sich von einer Ortsgemeinde nicht trennen; hier bringen Christen ihre Zeit, ihre Mittel, ihre Begabungen und Geistesgaben ein, um Gottes und der Gemeinde willen! Christen brauchen einander! In der Verbindlichkeit einer Mitgliedschaft und der regelmäßigen Teilnahme am Gemeindeleben erfahren Christen gegenseitige Hilfe, Ermutigung, Trost und Korrektur … das geht digital nur begrenzt oder auf Dauer gar nicht.

Wie in jedem knapp und präzise formulierten Bekenntnistext bleiben auch in diesem Abschnitt einige Fragen zur Theologie und Praxis offen. Etwa ab welchem Alter man davon ausgehen darf, dass Menschen das Evangelium verstehen und glauben können. Ist das nur individuell erkennbar (an welchen Kriterien?) oder hält man sich einfach an das staatlich festgesetzte Alter der Religionsmündigkeit (14 Jahre)?

[1] Vgl. C. H. Ratschow, „Konfession/Konfessionalität“, TRE 19 (1990), (419–426) 419.

Einladung zum Weiterdenken

1. Wie habe ich den engen Zusammenhang zwischen Glauben und Taufe bisher erlebt? Wie war das bei meiner eigenen Taufe? Was ist vom Zuspruch des Evangeliums und dem Bekenntnis des Glaubens noch übrig?

2. Welche Rolle spielt die Taufe in unserer Gemeinde – von einer gelegentlichen Tauffeier abgesehen?

3. Sollten wir Menschen taufen, die aber nicht zu einer Gemeinde gehören wollen?

Erschienen in: Die Gemeinde 13/2022, S. 16-17.

Ukraine-Hilfe europäischer Baptisten geht unvermindert weiter

Die Hilfe der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) und ihrer Mitgliedsbünde für ukrainische Geflüchtete geht unvermindert weiter. Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) unterstützt die Arbeit seiner Partner und organisiert eigene Hilfstransporte.

Der ukrainische Baptistenbund bietet aktuell etwa 8.000 Geflüchteten in 300 Unterkünften Zuflucht. 50 Prozent der polnischen Baptistengemeinden wurden zu Flüchtlingsunterkünften umgestaltet, die rund 1.600 Menschen aus der Ukraine Raum bieten. Insgesamt wurden in der Ukraine bisher über 50.000 Menschen und in Polen rund 9.000 Menschen aus dem Fördertopf der EBF unterstützt.

Mit den Spendengeldern seiner Ukraine-Hilfe unterstützt der BEFG die EBF und auch seine Partnerbünde in der Ukraine, in Polen und in anderen Nachbarländern der Ukraine. Auch Hilfstransporte fördert und organisieret der deutsche Bund, um die Geflüchteten mit Lebensmitteln und anderen notwendigen Dingen wie etwa Hygieneartikeln zu versorgen. So hat der Bund zuletzt Lebensmittel im Wert von 30.000 Euro auf den Weg geschickt, die nach einer Woche in Mykolajiw in der Südukraine angekommen sind. Die Baptisten dort bieten den Bewohnerinnen und Bewohnern im Keller ihres Gemeindegebäudes einen Schutzraum vor Bombenangriffen und verteilen die Lebensmittel. Der nächste Lebensmitteltransport wird bereits geplant. Zudem organisiert die Immanuel Albertinen Diakonie mit dem BEFG und in Abstimmung mit den ukrainischen und polnischen Baptistenbünden vierzehntägig Hilfstransporte mit medizinischem Material in die Ukraine.

In seinem Newsletter Bund kompakt am 16. März hat der BEFG seine Gemeinden auch erneut zu Gebet aufgerufen: „Bitte lasst uns weiter für die vielen Menschen beten, die unter diesem Krieg und den anderen Kriegen weltweit leiden. Lasst uns beten für Zuversicht, Hoffnung, Mut und Trost – für ein Ende der kriegerischen Handlungen, für Frieden!“

Wie Jesus Einzelne und Gemeinden sendet

„Dich schickt der Himmel! – Unterwegs notiert“ heißt es auf dem Cover des Andacht-Kalender-Notiztagebuchs, das viele Gemeinden und Einzelpersonen des BEFG von Gründonnerstag bis Pfingsten begleitet hat. „Dich schickt der Himmel“ ist auch das Jahresthema des BEFG. Hier berichten beispielhaft einige Gemeinden, wie sie das Heft genutzt und sich als „Himmelsgesandte“ erfahren haben.

„Mich über längere Zeit mit der Sendung Jesu und der Gemeinde auseinanderzusetzen, hat bei mir noch einmal ganz neu das Staunen hervorgebracht, wie vielfältig unsere Gemeinde im Laufe ihrer Jahre geworden ist,“ stellte ein Gemeindemitglied der EFG Berlin-Weißensee fest. Dort hatte das Predigtteam um Pastor Torsten Milkowski bereits im Vorfeld die einzelnen Wochenthemen frühzeitig inhaltlich vorbereitet, so dass neben den Anregungen aus dem Heft und der dazu gehörigen Internetseite eigene Ideen in Predigten und Gottesdiensten umgesetzt werden konnten. „Auf jeden Fall wirkten sich die kreativen Impulse auf die Gestaltung der Gottesdienste und Andachten in diesem Zeitraum aus. Sie waren abwechslungsreich und frisch,“ so ein junger Mensch, der die Gemeinde seit der Coronazeit immer mal wieder gerne besucht.

Die Gemeinde am Döhrener Turm in Hannover hatte sich ebenfalls längerfristig auf die Aktion vorbereitet und diese „als Chance gesehen, gemeinsam als Gemeinde eine Zeit lang mit einem verbindenden Thema unterwegs zu sein“, so Gemeindeleitungsmitglied Dr. Meike Lierse. Neben wöchentlichen Gottesdiensten zum Thema inklusive Mittagessen und Predigtnachgespräch wurde auf Grundlage der ergänzenden Materialien extra ein Heft für die Kleingruppenarbeit in der Gemeinde erstellt, so dass auch neue Gruppenleitende ein Treffen moderieren konnten. Die Kindergottesdienste orientierten sich ebenfalls an den vorgegebenen Themen. „Die Abwechslung aus geistlicher Tiefe und gemeinsamen Spaß tat gut“, hieß es aus den Hauskreisen. „Insgesamt bewerten wir die Aktion für uns als gelungen, insbesondere auch weil es generationsübergreifend angelegt war und Menschen miteinander ins Gespräch über das kamen, was wir als Zentrum unserer Gemeinde sehen: Jesus“, stellt Dr. Meike Lierse fest. „Das Thema ‚Dich schickt der Himmel‘ geht für uns als Gemeinde weiter: Im September ist es das Leitthema unserer Gemeindefreizeit. Insofern sind wir weiterhin gemeinsam unterwegs.“

Dass das Thema weitergeht, ist auch im Sinne des Redaktionskreises des Andachts-Kalender-Notiztagebuchs. Joachim Gnep, Leiter des BEFG-Dienstbereichs Mission, sagte: „Das Heft war von Gründonnerstag bis Pfingsten konzipiert. Die Materialien bleiben aber natürlich auf unserer Internetseite abrufbar. Wir freuen uns sehr, wenn diese auch weiterhin gelesen und genutzt werden – und so zur Inspiration werden können. Die Sendung Jesu hört ja mit Pfingsten nicht auf, sondern fängt da eigentlich erst an.“

Carsten Hokema war neben Christiane Vachek ebenfalls Mitglied des Redaktionskreises. Er ist auch Gemeindepastor in der Christuskirche Hamburg-Altona: „In unserer Gemeinde haben etwa 50 Leute das Heft zu ihrem täglichen Begleiter zwischen Ostern und Pfingsten gemacht. Gelobt wurde dabei die Vielfalt der Gedankenanregungen – auch in der didaktischen Aufbereitung. Grundsätzlich kann ich sagen, dass das Bewusstsein zugenommen hat, dass wir vom Himmel zu den Menschen geschickt sind, mit denen wir leben.“

Michael Lefherz, Pastor der EFG Potsdam erzählte, dass von dem weiterführenden Material besonders die kreativen Predigtentwürfe, welche besondere Perspektiven auf die Jesus-Geschichten lieferten, auf gute Resonanz stießen. Vor allem auch das griffige Gesamtthema „Dich schickt der Himmel“ sei sehr positiv aufgenommen worden. Die Hefte wurden vor allem persönlich genutzt, es gab keine Restexemplare mehr.

Aus der Baptistengemeinde in Hanau berichtete Diakonin Angelika Wunderlich, dass es wöchentliche Abendimpulse gab, bei denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer inspiriert wurden, „neue Blicke und Impulse für das Miteinander und unser Gemeindeleben zu finden, so wie Jesus ein Herz für die Menschen hatte.“ Auch die Teilnehmer der Männerabende in Hanau zeigten sich begeistert von dem Heft: „Gerade die vielen neuen und frischen Impulse für das Miteinander haben uns dazu ermutigt, uns immer wieder neu in unserem Standpunkt zu hinterfragen und dabei Gottes Willen für uns zu ergründen. Alles in allem eine echte Bereicherung.“

In der Gemeinde am Weidkamp in Essen hatte ein Hauskreis, dem vorwiegend Iranerinnen und Iraner angehören, zum Austausch über das Thema Gastfreundschaft eingeladen. „Dort haben wir sehr praktisch und lebhaft voneinander Neues gelernt und viel miteinander gelacht“, wusste Margarethe Tamm, Initiatorin der Aktion, zu berichten.

Pastor Jonathan Schreijäg aus Schwäbisch Hall zog ebenfalls ein positives Fazit: „Wir waren sehr begeistert und würden uns freuen, wenn die Aktion oder eine ähnliche Aktion Wiederholung finden würde.“

Auch die Gemeinde Ober-Ramstadt hatte das Andachts-Kalender-Notiztagebuch an ihre Mitglieder, Freunde und Freundinnen verteilt und in manchem Gottesdienst das Begleitmaterial zu diesem Heft auf kreative Weise genutzt. Im Pfingstgottesdienst zum Abschluss der Aktion, hörten die Besucherinnen und Besucher dann diese echte „Dich schickt der Himmel“-Geschichte:

Sehr einsam fühlt sie sich, seit sie vor einem Jahr Witwe geworden ist. So einsam, dass sie es zu Hause nicht mehr aushält und weinend auf die Straße geht. Eine unbekannte Frau spricht sie an und fragt, warum sie weint. Sie klagte ihr ihre Situation und die Unbekannte fragt, ob sie für sie beten darf. Die traurige Frau freut sich sehr darüber, denn sie hat schon oft dafür gebetet, dass Gott gläubige Menschen in ihre Nähe schickt. Es stellte sich heraus, dass die Unbekannte vor einem dreiviertel Jahr in die Nachbarschaft gezogen ist. Die Einsame berichtet von der Gemeinde, die sie seit einiger Zeit besucht und dass sie dort nur am Gottesdienst teilnehmen kann, wenn sie jemand mit dem Auto mitnimmt. „Da würde ich gerne einmal mitgehen“, antwortet die Nachbarin. Diese Begebenheit erzählt die verwitwete Frau im Pfingstgottesdienst der EFG Ober-Ramstadt. Mit Blick auf die Bankreihen im Gottesdienstraum schließt sie ihren Bericht mit den Worten: „Und da sitzt sie mit ihrem Mann.“ Da ruft die neue Nachbarin aus der Reihe: „Und ich habe an dem Tag dafür gebetet, dass Gott mir jemanden zeigt, dem ich zum Segen werden kann.“

Gemeinde bilden

Eine Gemeinde hat viele Aufgaben, aber eine Lebensäußerung tritt an dieser Stelle der Rechenschaft vom Glauben unter anderen besonders hervor: In der Gemeinde wird Glauben gelebt, gefeiert und weitergegeben.

„Die Sendung der Gemeinde in die Welt findet ihre Zuspitzung in der öffentlichen Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus an alle Menschen und in der biblischen Unterweisung ihrer Glieder und der Kinder.“

Die Gemeinde hat einen Auftrag nach außen und nach innen. Durch sie wird das Evangelium allen Menschen mitgeteilt (nach außen) und Menschen, die zur Gemeinde gehören, werden im Glauben angeleitet (nach innen). So wird die Sendung der Gemeinde konkret. Menschen werden zum Glauben eingeladen und die, die dieser Einladung folgen, werden im Glauben ausgebildet und begleitet. Dabei werden die Kinder besonders in den Blick genommen. Sehr spannend ist hier die Formulierung, die für die „Rechenschaft vom Glauben“ gewählt wurde. Die Frage nach den handelnden „Personen“ wirkt erhellend: Wer verkündigt und wer unterweist denn hier? Zu erwarten wäre, dass die Gemeinde hier aktiv wird oder einzelne Personen in der Gemeinde: Eine Verkündigerin oder ein Lehrer. Davon ist aber nicht die Rede. Auch die Gemeinde als Ganze handelt hier nicht. Bei genauerer Betrachtung entdecken wir, dass im zweiten Abschnitt Jesus Christus selbst der Handelnde ist und nur er: „In den Versammlungen der christlichen Gemeinde richtet Jesus Christus seine Herrschaft auf, indem er seinen Jüngern sein Wort gibt, seine Vergebung zuspricht, seine Liebe zuwendet und ihnen den Heiligen Geist schenkt.“

Die „Rechenschaft vom Glauben“ fragt unser Verständnis von Gemeinde und Gottesdienst an: Wie spiegelt sich das in unseren Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen wider, dass Jesus selbst der Handelnde ist? Was bedeutet das für unser Handeln, unsere Aktivitäten? Wie sehr sollen wir selber handeln und was sollen wir besser einfach wachsen oder geschehen lassen, einfach nur zur Geltung kommen lassen?

Das eigene Handeln kann auch sehr anstrengend sein. Wir sprechen von Gemeinde-„ARBEIT“. Hinter einem festlichen Gottesdienst, einer überzeugenden Predigt oder einem ansprechenden Bibelunterricht stecken sorgfältige Vorbereitungen und oft viele Stunden wertvoller kreativer Überlegungen. Aber das Eigentliche können wir mit all unserer guten Vorbereitung nicht erzeugen: Glauben. Hier kann das in der „Rechenschaft vom Glauben“ Gesagte sehr entlastend wirken: Jesus ist der Handelnde. Er richtet seine Herrschaft auf. Vielleicht auch durch das, was wir tun oder auch trotz unseres Tuns. Bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass es hier nicht um „Programme“ und Veranstaltungen gehen kann, sondern um eine natürliche Lebensäußerung des Glaubens, initiiert durch den Heiligen Geist. Die dem Abschnitt zugeordneten Bibeltexte (Gal. 3,2; Joh. 20,22f; Apg. 4,31) unterstreichen dies noch einmal in besondere Weise. Der Glaube wird durch den Heiligen Geist geschenkt. Er führt Menschen in die Gemeinschaft miteinander und in die Nachfolge.

In den folgenden Zeilen wird der Gottesdienst noch konkreter in den Fokus gerückt. Auch hier wird zunächst das Handeln Jesu herausgestellt: „Im Gottesdienst verpflichtet Jesus Christus die Seinen zur Nachfolge und zum Gehorsam, zum Glauben und zum Dienst, zur Liebe und zur Hoffnung. Im Gottesdienst ruft Jesus Christus Menschen, die noch keine Christen sind, zur Entscheidung des Glaubens und zur Hingabe ihres Lebens an Gottes Herrschaft.“ Hier kann gefragt werden, ob der Gottesdienst damit nicht überfrachtet ist und ob diese Aufzählung dem Wesen eines Gottesdienstes gerecht wird. Der Gottesdienst als Feier des Glaubens muss keinen Zweck verfolgen. Er muss nicht zur Belehrung oder zur Mission verwendet werden. Zugespitzt könnte man auch sagen, er darf nicht zu missionarischen oder belehrenden Zwecken missbraucht werden. Aber die Feier unseres christlichen Glaubens, so wie sie im Gottesdienst geschieht, kann zur Verkündigung des Evangeliums werden. Sie wird zur „Darstellung“ unseres Glaubens und wirkt auf diese Weise missionarisch, d.h. der Heilige Geist kann hier durch die Predigt, die Gemeinschaft, die Gebete, das Lob Gottes wirken.

Der zweite Abschnitt nimmt jetzt die Gemeindebildungsarbeit in den Blick. Durch das „Studium der Bibel“ und die „Übersetzung des Evangeliums in die heutige Zeit“ sollen die Gemeindeglieder zu einem Leben im Glauben befähigt werden. Auch hier ist das handelnde Subjekt interessant, nämlich die „christliche Unterweisung“ kommt hier ihrer Aufgabe nach.

Anschließend wechselt das Subjekt zur „christlichen Gemeinde“. Endlich wird nun ihre Aufgabe angesprochen. Ihre „besondere Aufgabe“ besteht in der „Unterweisung der Kinder und Jugendlichen“. Hier fällt auf, dass der Gemeinde eine spezielle Verantwortung zukommt. Während in den Zeilen zuvor Jesus Christus selber der Handelnde ist und durch den Heiligen Geist Glauben entfacht, wird hier die Gemeinde in die Verantwortung genommen, die „junge Generation zum Glauben an Jesus Christus und zum Leben in seiner Nachfolge“ zu ermutigen. Kinder und Jugendliche werden insbesondere dadurch ermutigt, wenn wir sie und ihre Fragen und Interpretationsansätze ernst nehmen, wenn wir ihren wachsenden Glauben fördern und begleiten, uns ihren Ängsten und Sorgen zuwenden und sie an Entscheidungsprozessen in unseren Gemeinden beteiligen. Ernst nehmen wir Kinder und Jugendliche, wenn wir uns fragen, was wir auch von ihnen lernen können oder was wir mit ihnen gemeinsam lernen können, z.B. Sorge um die Schöpfung Gottes oder besonders vertrauensvoll zu beten und vieles mehr. Wenn wir so als Kinder, Jugendliche und Erwachsene in einer Gemeinde gemeinsam in einem intergenerationellen Lernprozess sind, dann schwindet auch das Gefälle bzw. die Asymmetrie, die dem Wort „unterweisen“ anhaftet. Kommunikations- und Lernprozesse beschreibt man heute eher mit Begriffen wie „Vermittlung – Aneignung – Verständigung“. Gottes Wort wird vermittelt und Menschen unterschiedlicher Generationen eignen es sich an, und sie verständigen sich untereinander darüber. Und in mit und unter diesen Kommunikationsprozessen wirkt der Geist Jesu Christi, der allein Glauben bewirken kann und der die treibende Kraft zur Weitergabe des Glaubens ist.

Einladung zum Weiterdenken

1. Wie geschieht in unserer Gemeinde die Weitergabe des christlichen Glaubens?

2. Was sind Inhalte in unseren Gottesdiensten und wie verhält sich das zu dem, was in der Rechenschaft vom Glauben über die christliche Versammlung und den Gottesdienst steht?

3. Wie geschieht die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in unseren Gemeinden?

4. Wie wird in unserer Gemeinde das Miteinander der Generationen gestaltet, sodass Kinder und Jugendliche zu Glauben ermutigt werden?

Erschienen in: Die Gemeinde 12/2022, S. 16-17.

Miteinander reden, glauben, lieben und hoffen

BEFG-Präsident Michael Noss und Generalsekretär Christoph Stiba haben in ihrem Bericht auf der Bundesratstagung dazu eingeladen, auch über kontroverse Themen ins Gespräch zu kommen.

„In ‚glauben – lieben – hoffen‘ finden Jugendliche und junge Erwachsene Antworten auf 103 Fragen rund um Glauben und Bibel. Das Buch gibt ihnen eine Orientierungshilfe, um sich selbst eine Meinung zu Glaubensfragen zu bilden“, heißt es auf der Internetseite des Gemeindejugendwerks. Das Buch „glauben – lieben – hoffen“ habe für Bewegung gesorgt, berichtete BEFG-Präsident Michael Noss. „Das Präsidium des Bundes hat entschieden zu diesem Buch keine Stellungnahme zu schreiben“, erklärte Noss. Das Präsidium stehe zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, auch wenn es in Einzelfragen möglicherweise unterschiedliche Erkenntnisse gebe. Nach Abklingen des Applauses führte er als weiteren Grund an, dass auch andere Angestellte des Bundes Bücher veröffentlichen, die auch Widerspruch hervorrufen und nach ihrem Inhalt unterschiedlich beurteilt werden können. „Wir lassen uns nicht mit diffamierenden Erklärungen in Einklang bringen oder durch Blogs oder Social Media Beiträge treiben, sondern wir laden zum Dialog ein“, so Noss. „Wir stehen zum Gespräch bereit und kommen gerne auch in Eure Gemeinden.“

Generalsekretär Christoph Stiba unterstützte die Gesprächsbereitschaft und lud zum Gespräch über die Artikelserie zur „Rechenschaft vom Glauben“ ein. Der Theologische Ausschuss des Präsidiums und das Kollegium der Theologischen Hochschule Elstal veröffentlichen 2022 in jeder Ausgabe der Zeitschrift „Die Gemeinde“ und online jeweils einen Beitrag der Artikelserie. „Es ist gut, wenn wir über die ‚Rechenschaft vom Glauben‘, über die Grundlagen, die wir gemeinsam als Bundesrat beschlossen haben, nachdenken und sie gegebenenfalls in einem Gesprächsprozess verändern, wo nötig“, warb Christoph Stiba für das Gesprächsangebot.

Der Bundesrat hat in der Folge mit der Zielsetzung einer gemeinsamen Verständigung beschlossen, innerhalb des Bundes im laufenden Kalenderjahr ein konstruktives Gespräch zu strittigen Themen des Buches „glauben – lieben – hoffen“ anzuregen und zu moderieren.

„Wir haben noch mehr Themen und Gesprächsprozesse, in die wir eintreten wollen“, so Stiba. „Bei Gott sind alle willkommen: beliebte und ausgegrenzte, angepasste und unkonventionelle Menschen, Angehörige von Minderheiten und von Mehrheiten. Vielfalt ist von Gott gewollt und soll in unseren Gemeinden leben“, zitiert Christoph Stiba die Resolution des Bundesrates, die 2016 zum Thema „Bunte Gemeinde: Staunen über Christus im Anderen“ formuliert wurde. Es sei ein großer Schmerz, dass es Menschen in Gemeinden gab und gibt, die Angst haben, sich zu „outen“, weil sie befürchten und es erlebt haben, dann von der Gemeinschaft der Gläubigen ausgegrenzt zu werden. „Das darf nicht sein!“, fordert Stiba. „Wir wollen in unserem Bund und in unseren Gemeinden eine Kultur fördern, in der ein angstfreier Raum für ein offenes Miteinander möglich ist.“ Im Namen des Präsidiums und der Bundesgeschäftsführung sprach Christoph Stiba die Einladung aus, über den Umgang mit sexueller Identität und Vielfalt um der Menschen willen ins Gespräch zu kommen. Dazu soll es in Kürze Materialien und Gesprächshilfen geben. „Lasst uns gemeinsam Christus im Anderen entdecken!“

Ein Gesprächsprozess, der bereits vor mehr als 30 Jahren begonnen hat, ist die Frage von Frauen auf der Kanzel. Seit nun mehr 30 Jahren werden Frauen im BEFG als Pastorinnen ordiniert. Präsident Michael Noss erinnerte an die mühsamen Anfänge und bat die Frauen, die aufgrund ihres hauptamtlichen Dienstes in Gemeinden leiden mussten, stellvertretend um Verzeihung, wie hier nachgelesen werden kann.

Noss und Stiba thematisierten auch die Missbrauchsvorwürfe gegenüber der Southern Baptist Convention, die nicht mehr Mitglied im Baptistischen Weltbund (BWA) ist. Über 700 Pastoren werde von einer unabhängigen Untersuchungskommission in den USA Missbrauch vorgeworfen und der Leitung der Kirche werde vorgeworfen, mehr am Schutz der Kirche als am Aufdecken von Missbrauch interessiert gewesen zu sein. „Missbrauch, Vertuschung, Einschüchterung und Diffamierung in einer Kirche muss eindeutig widersprochen werden“, so Stiba. „Dem widerspricht das Evangelium, dem widerspricht die Barmherzigkeit Gottes, dem widerspricht alles, was uns wichtig ist.“ Deshalb gebe es im BEFG eine unabhängige Anlaufstelle gegen sexualisierte Gewalt und präventiv das Konzept „Auf dem Weg zur sicheren Gemeinde“. Er ermutigte dazu, die Anlaufstelle in den Gemeinden bekannt zu machen und Mitarbeitende präventiv zu schulen.

Auch auf die neuesten Recherchen in Bezug auf das Gesundheitswerk Bethel, bei denen sich erstmals zwei Diakonissen öffentlich über die Missstände im Werk äußern, gingen Stiba und Noss am Ende ihres Berichtes ein und wiesen darauf hin, dass Anne Traub, Gemeindemitglied der EFG Leverkusen, für die Unterstützung der Diakonissen ein Spendenkonto eingerichtet habe.

Erleben, was Gott in dieser Welt bewirkt

Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) macht sich auf den Weg einer Partnerschaft mit der National Baptist Convention of Namibia (NBCN). Über Chancen und Ziele der Partnerschaft mit dem südwestafrikanischen Land berichteten auf der Bundesratstagung Koordinatorin Regina Claas, Präsidiumsmitglied Volker Bohle und Generalsekretär Christoph Stiba. „Der Blick über den eigenen Tellerrand kann für beide Seiten eine echte Bereicherung sein“, wie Claas hervorhob.

Die ehemalige BEFG-Generalsekretärin Regina Claas, die in den letzten Jahren als Missionarin von EBM INTERNATIONAL im südlichen Afrika gearbeitet hat, beleuchtete zunächst die Perspektive des afrikanischen Bundes: Es sei „den Namibiern wichtig, zu Baptisten aus einem nichtafrikanischen Land in Beziehung zu treten, um ihren Horizont zu erweitern, sich über das Glaubens- und Gemeindeleben und die Missionsarbeit auszutauschen und sich gegenseitig beim Gemeindebau zu unterstützen.“ Auch finanzielle Unterstützung für die besonderen Herausforderungen in ihrem Land sei ein Aspekt, wie die deutsche Koordinatorin der Partnerschaft berichtete. „Umgekehrt brauchen wir auch die Namibier als Schwestern und Brüder, die ihren Glauben unter ganz anderen Bedingungen leben als wir, und die Gott oftmals auf eine ganz unmittelbare Weise erfahren, die uns vielleicht fremd geworden ist“, so Claas. „Es tut auch uns gut, über den eigenen Tellerrand zu schauen und die Welt aus der Perspektive anderer Kulturen und Glaubensformen wahrzunehmen. So wächst unser Verständnis für das, was Gott in dieser Welt bewirkt.“

BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba betonte, nach den positiven Erfahrungen mit den zurückliegenden Partnerschaften des BEFG mit den Baptistenbünden in Malawi und Südafrika freue er sich sehr auf das Miteinander. „Es gibt gemeinsame Erfahrungs- und Lernfelder, in denen wir uns gegenseitig unterstützen können, etwa in Mission und Diakonie oder der Frauenarbeit, in der die Namibier sehr stark aufgestellt sind.“ Auch die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte sei ein wichtiges Thema für die Partnerschaft mit der NBCN, so Stiba.

Präsidiumsmitglied Pastor Bohle, der viele Jahre als Afrika-Referent für EBM INTERNATIONAL gearbeitet hat und jetzt Pastor einer Berliner Ortsgemeinde ist, stellte das Konzept einer In Via Partnerschaft „auf dem Weg“ vor. „In einer ersten Phase wird es bis 2023 darum gehen, dass Menschen aus unserem und dem namibischen Bund einander kennenlernen und wir Erwartungen an die Partnerschaft formulieren. In einer zweiten Phase wollen wir bis 2027 miteinander in ganz unterschiedlichen Projekten unterwegs sein. Danach sollen Beziehungen auf Ebene von Ortsgemeinden weiterentwickelt und gepflegt werden.“ Hierin werde deutlich, dass das Miteinander über die Leitungsebene hinausgehen soll, wie Bohle mit Verweis auf die Partnerschaft mit Malawi hervorhob: „Wir freuen uns, wenn wieder deutsche Gemeinden eine Partnerschaft mit einer namibischen Gemeinde starten, was den eigenen Glaubenshorizont erweitern und bereichern kann!“

Auf der Seite www.befg.de/Namibia werden die Grundsätze, Ziele, Phasen und mögliche Konkretisierungen der Partnerschaft ausführlich vorgestellt. 

30 Jahre Ordination von Frauen im BEFG

Seit 1992 werden Frauen im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) als Pastorin ordiniert. „Verzeiht uns!“, bat BEFG-Präsident Michael Noss stellvertretend die Frauen, die aufgrund ihres hauptamtlichen Dienstes in Gemeinden leiden mussten. Auf dem Bundesrat berichteten zudem vier Pastorinnen aus verschiedenen Generationen von ihren Erfahrungen.

„Das war mühsam“, erinnerte Präsident Michael Noss an die zaghaften Anfänge, als man im BEFG begann, über die Zulassung von Frauen als „Predigerinnen“ nachzudenken. „Der erste Schritt wurde gegangen, indem zwei Frauen am Seminar zum Studium zugelassen wurden“, so Noss auf der Bundesratstagung im Rahmen des Berichtes des Präsidenten und des Generalsekretärs. Er habe es nie verstanden, dass man Unterschiede zwischen Männern und Frauen macht, wenn es um das Begabungspotential geht. „Die ersten Frauen, die ihren Dienst als Hauptamtliche, im Dienst einer Pastorin – wie sie damals noch nicht heißen durften – aufgenommen haben, haben schwer leiden müssen. Und es ist hier der Ort, an dieser Stelle auch zu sagen: Verzeiht uns!“ Die Entschuldigung des Präsidenten wurde von tosendem Applaus der Delegierten unterstützt.

„Gott begabt Menschen, Männer und Frauen, und er stellt sie in seinen Dienst. Seit 30 Jahren dürfen sie jetzt auch Pastorinnen heißen – und nicht mehr nur theologische Mitarbeiterin“, fügte Michael Noss dankbar hinzu. Dass es immer noch Gemeinden gibt, die das anders sehen, gehöre zu unserer Vielfalt als Gemeindebund. Aber auch in diesem Punkt gelte: „Lasst uns im Gespräch bleiben und miteinander reden!“

„30 Jahre Ordination zur Pastorin – so lange und so kurz“, blickte Pastorin Andrea Kallweit-Bensel, Präsidiumsmitglied und Dozentin an der Biblisch-Theologischen Akademie Wiedenest, auf die Zeit zurück. Nach 30 Jahren sei es keine Jubelveranstaltung, aber eine Wegmarke. Sie berichtete: „Auf der Bundeskonferenz 1992 – vor 30 Jahren – wurde nach sehr emotionalen und konträren Beratungen beschlossen, dass Frauen zur Pastorin ordiniert werden können.“ Aber schon vorher habe es Frauen in Ost und West gegeben, die ihren pastoralen Dienst versehen haben. „Im Westen, in Hamburg, war Carmen Rossol die erste Frau, die am Theologischen Seminar studiert hat und dann auch in ihrer Gemeinde Pastorin genannt wurde“, so Kallweit-Bensel. Sie selbst wurde 1987 als theologische Mitarbeiterin ordiniert, war in ihrer Gemeinde jedoch stets „die Pastorin“. Auch wenn sie zum Teil sehr heftigen Widerstand zu überwinden hatte, zeigte sie sich dankbar für diese Wegmarke und den gemeinsamen Weg bis dorthin. ###3_IMAGES###Franziska Suhail, Pastorin der EFG Schleswig, ist in einer Brüdergemeinde aufgewachsen und mittlerweile über zehn Jahre im Gemeindedienst. Sie ist dankbar für Kolleginnen, die ihr auf ihrem Weg Vorbild und Gegenüber waren und bis heute sind, die Themen vorangebracht und Gemeinden neu bewusstgemacht haben. „Ich bin dankbar für Gemeinden, die sich darauf eingelassen haben, dass auch Frauen ‚ganz gut‘ predigen können“, so Suhail. Denn sie habe – insbesondere bei der Verteilung von Reisediensten – auch die Erfahrung gemacht, dass Frauen nicht auf allen Kanzeln willkommen sind. Und Gemeinden, die immer noch skeptisch gegenüber Frauen auf der Kanzel sind, sagte sie: „Ihr verpasst etwas!“ Nach Abklingen des Applauses erzählte sie, dass sie schon bei der Vermittlung in den pastoralen Dienst aufgrund ihres Geschlechts bereits vor der Einladung in eine Gemeinde abgelehnt wurde – mit der Begründung, dass dann zu viele Frauen in der Gemeindeleitung vor Ort wären. Das mache sie betroffen, wenn Frauen ihre Berufung abgesprochen wird. Dennoch sei sie dankbar für diese Wegmarke und für Gemeinden, die allen Hauptamtlichen den Rücken stärken.

„Ob ich eine Frau bin oder nicht, ist für meine Predigt irrelevant“, davon ist Maike Böhl, seit kurzem Pastorin in der EFG Uetersen, überzeugt. In einer Gemeinde habe sie ein Kompliment für ihre „gute Predigt obwohl sie eine Frau ist“ erhalten. Das sei ihr „bitter aufgestoßen“. „Auch, wenn ich schlecht gepredigt hätte, hätte das nichts mit meinem Geschlecht zu tun gehabt“, so Böhl. Sie erlebt Frauen im pastoralen Dienst als selbstverständlich. Sie wünscht sich, dass ganz bewusst Frauen für Predigten angefragt werden und dass Gemeinden weiterhin Frauen im Dienst thematisieren, damit bei aller Selbstverständlichkeit die biblischen Grundlagen und der exegetische Rahmen bekannt sind.

Die Sprecherin der Pastorinnen, Sigrid Falk, Pastorin in der EFG Marburg, berichtete, dass der Anteil von Pastorinnen im aktiven pastoralen Dienst derzeit bei 17 Prozent liegt, im Anfangsdienst sind es zurzeit fast 37 Prozent. Alle drei Jahre gebe es zudem eine Pastorinnentagung zum Austausch und zur Fortbildung. „Dadurch, dass Frauen Pastorinnen geworden sind, hat sich am pastoralen Dienst viel verändert“, sagte sie. Teilzeitanstellungen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie seien zum Beispiel mehr in den Fokus gerückt. Auch die Vorstellung von Pastorenehepaaren und Singlepastorinnen passe nicht zu dem klassischen Bild eines Pastors. „Die Lebensentwürfe sind unterschiedlich und diese Unterschiedlichkeit von Männern und Frauen miteinander, von uns gemeinsam im Dienst der Gemeinde im Reich Gottes für unseren Herrn Jesus – das öffnet uns den Himmel.“

Bundesrat 2022: Lust auf Studium und Gemeinde

Der Dienstbereich Mitarbeiter und Gemeinde stellte bei der Bundesratstagung Wege in den hauptamtlichen Gemeindedienst vor. Ob Gemeindepastorin, also Ordinierte Mitarbeiterin, oder Jugendreferent – vielfältige Studien-Programme führen in den gemeindlichen Dienst.

Zu Beginn des Berichts aus dem Dienstbereich Mitarbeiter und Gemeinde wurde das Reportage-Video „Vielfalt im Studium erleben“ gezeigt. Darin erzählt unter anderem Lissy Lilja, Diakonin für Junge Gemeinde in der Baptisten-Kirche Dormagen, was sie am Studium an der Theologischen Hochschule schätzen gelernt hat – nämlich die Theorie zu lernen und die Möglichkeit, diese auch in der Praxis anzuwenden und Gemeindearbeit in der Bandbreite, mit unterschiedlichen Generationen, kennenzulernen. „Die Studierenden an der Theologischen Hochschule Elstal bilden ab, was in den Gemeinden an Diversität und theologischen Haltungen lebt“, berichtete der Rektor der Hochschule, Prof. Dr. Michael Kißkalt, auf der Bundesratstagung. „An der Theologischen Hochschule lernen sie zu diskutieren, sich zu positionieren und einander auch mit unterschiedlichen Positionen zu respektieren.“

Der Dienstbereich Mitarbeiter und Gemeinde richtet sich mit seinen Angeboten zum einen speziell an die Ordinierten und angehenden Ordinierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und zum anderen an die Gemeinden. Dazu gehört neben der Vermittlung in den Gemeindedienst auch die Weiterbildung von Pastorinnen und Pastoren sowie Diakoninnen und Diakonen###3_IMAGES###Das Studium an der Theologischen Hochschule Elstal soll flexibler gestaltet werden und ein neues Programm für Seiteneinsteiger wird zurzeit erarbeitet, da der Bedarf an Hauptamtlichen in den Gemeinden steigt: „Weil das Leben unterschiedliche Geschichte schreibt, gibt es neben dem regulären Weg über ein Theologiestudium in Elstal in den Dienst, auch andere Wege zur Ordination, wie zum Beispiel das Kontaktstudium und das Pastorale Integrations- und Ausbildungs-Programm (PIAP)“, so Thomas Klammt, Referent für Integration und Fortbildung. Das klassische Kontaktstudium in seiner bisherigen Form werde komplett überarbeitet und gehe nächstes Jahr neu an den Start. Das neue Seiteneinsteiger-Programm richte sich danach, was die oder der Einzelne an theologischer Ausbildung, pastoraler Erfahrung und Integration in den BEFG mitbringt. Insbesondere nach einer Bibelschulausbildung könne man von dem neuen Programm profitieren und den Weg in den pastoralen Dienst und damit auch zur Ordination individuell und flexibel gestalten.

„In Gemeinden gibt es auch viele Anstellungen von Jugendreferentinnen und -referenten“, so Udo Hermann, Leiter des Dienstbereichs Mitarbeiter und Gemeinde, und fragte: „Haben junge Leute Lust auf Gemeinde?“ Präsidiumsmitglied Andrea Kallweit-Bensel, die als Dozentin für praktische Theologie und Neues Testament an der Biblisch-Theologischen Akademie Wiedenest junge Leute ausbildet, antwortete ihm: „Ja, sie haben Lust auf Gemeinde, aber sie suchen Gemeinden mit Gestaltungsspielräumen, in denen sie kreativ und innovativ sein können, in denen sie nicht gleich für den Gemeindebrief schreiben müssen, sondern auf Insta und Co. aktiv sein können und wo sie Mentorinnen und Mentoren haben.“ Auch die Work-Life-Balance sei der jungen Generation wichtig. Prof. Dr. Christoph Stenschke, Leiter des Akademischen Aufbauprogramms und Dozent für Neues Testament, stellte die neue berufsbegleitende Ausbildung BTA.dual vor. Die Ausbildung sei ein Multi-Tool und vor allem praktisch. Sie helfe, den Glauben zu vertiefen, besser zu verstehen, der Gemeinde treuer zu dienen, Jesus mehr zu lieben und vieles mehr.

Lust auf Studium und Gemeinde kann auch das neue Orientierungsjahr nxtchapter machen. Unter dem Motto „Gemeinschaft erleben, Glauben vertiefen, Gaben entdecken“ bietet nxtchapter jungen Menschen die Möglichkeit, ein Jahr für sich zu nehmen, die Bibel und Theologie kennenzulernen und Gott neu zu erleben und sich auszuprobieren. Fiona Waddell, Studentin an der Theologischen Hochschule Elstal, stellte nxtchapter in einem Video bei der Bundesratstagung vor.

Das werdende Leben fördern und schützen

Die Stiftung „Chance zum Leben“ des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) setzt sich für das werdende Leben ein, indem sie Schwangere und Familien in finanziellen Notlagen unterstützt. Im Juni wird die Stiftung 20 Jahre alt. Geschäftsführerin Hannelore Becker berichtet über das Konzept bei der Gründung, eine „geniale diakonische Idee“, Hochs und Tiefs in zwei Jahrzehnten und über ein neues Konzept, durch das die Stiftung in Zeiten steigender sozialer Nöte gut für die Zukunft aufgestellt ist, um Menschen zu helfen und Leben zu schützen.

Wenn wir glauben, dass jeder Mensch ein Gedanke Gottes ist, dann muss es unser Anliegen als Christen sein, auch das werdende Leben zu schützen und zu fördern. Gleichzeitig wäre es viel zu einfach, Frauen zu verurteilen, die sich aus sozialen Gründen für eine Abtreibung entscheiden. Doch ziemlich sicher ist, dass keine Frau diese Entscheidung leichtfertig trifft und dass viele Frauen bis an ihr Lebensende unter dieser Entscheidung leiden.

Am Anfang war ein Anstoß…

Das waren die Konfliktpunkte, die dazu geführt haben, dass Brüder unseres Bundes die Entscheidung getroffen haben: Wir wollen etwas dafür tun, dass Frauen eine Hilfe bekommen, damit sie dem neuen Leben eine Chance geben. Federführend bei der Idee einer Stiftung war Pastor Hartmut Wahl.

Natürlich dauerte es noch etwas, bis es losgehen konnte, denn für die Gründung einer Stiftung war ein Stiftungskapital von 100.000,00 DM erforderlich. Aber im Juni 2002 startete die Stiftung „Chance zum Leben“ nach Erreichen des Stiftungskapitals und der Anerkennung der Satzung. Der Start war in Berlin, denn durch ein Krankenhaus dort kam auch der Anstoß.###3_IMAGES###Das Anliegen war, Frauen im Schwangerschaftskonflikt mit einer finanziellen Hilfe zu ermutigen, sich für das werdende Leben zu entscheiden. Am Anfang nutzten vor allem die Schwangerenberatungsstellen der Immanuel-Group in Berlin das Angebot der Stiftung. Inzwischen ist die Stiftung auch anderen Beratungsstellen bekannt, auch denen der evangelischen und katholischen Kirche und freien Trägern.

…dann kam eine praktische Idee

Wie konnte man die Hilfe nun ganz praktisch konkretisieren? Es sollte eine direkte Hilfe für das Baby sein. Etwas, das für ein Jahr spürbar den Geldbeutel entlastet. Nun, wer Kinder hat oder hatte, weiß, wie gerade die Windelpakete eine stetige Belastung auf dem Kassenzettel sind oder waren. So entstand die geniale diakonische Idee: Windel- bzw. Drogeriegutscheine!

Wachsen und Bekanntwerden…

2007 übernahm das Diakoniewerk Kirchröder Turm die Trägerschaft, und seit 2010 arbeite ich als Referentin mit einer 450-Euro-Stelle, um die Anträge zu bearbeiten, Sponsoren zu finden und die Stiftung in den Gemeinden unseres Bundes bekannt zu machen.

Die ersten Jahre konnte ich finanzielle Unterstützungen von den Drogeriemarktketten dm und Rossmann bekommen. Denn was lag bei Windelgutscheinen näher, als die Drogeriemärkte mit einzubinden! Leider kann ich beide Drogeriemärkte in den letzten Jahren nicht mehr für diese Win-Win-Aktion gewinnen.

Aber ich habe Gemeinden in ganz Deutschland besucht und bin ich dankbar für Gemeinden und Menschen, denen die Arbeit der Stiftung am Herz liegt und die sie durch Spenden, Daueraufträge, Kollekten und Jahresdankopfer unterstützen. Dadurch war über all die Jahre die Möglichkeit gegeben, alle eingegangenen Anträge zu bearbeiten und zu bewilligen. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle allen Spenderinnen und Spendern!

Mir ist es vor allem und immer noch ein Anliegen, dass die Gemeinden unseres Bundes die Stiftung und ihr großartiges Angebot kennen und auch selbst nutzen. Es gibt doch auch in unserem Gemeindeumfeld Familien, die an der Armutsgrenze leben und dankbar sind, wenn von irgendwoher Unterstützung kommt. Die Stiftung bietet sozusagen einen „diakonischen Fonds“, der für Schwangere und Familien genutzt werden kann.

Im Laufe der Zeit hat sich die Zahl der Anträge vervielfacht von knapp 20 in den ersten Jahren bis auf 130 im letzten Jahr. Aber das liegt nicht nur daran, dass die Stiftung bekannter geworden ist, sondern auch daran, dass die Nöte größer geworden sind. Die steigenden Energiekosten machen Familien, die schon am Rand der Existenz stehen, zunehmend Probleme. Pandemiebedingte Kündigungen oder Arbeitsverlust haben manchen Familien finanziell den Boden unter den Füßen weggezogen, und ungeplante Schwangerschaften verschärfen den finanziellen Druck dann erheblich. Die Nöte, Probleme, Familienkonstellationen und Herkünfte sind so unterschiedlich wie Menschen und Schicksale eben sind.

…und weiter mit neuer Satzung und neuen Kompetenzen

Ende 2021 haben wir eine neue Satzung und ein neues Konzept erarbeitet. Vier Verantwortliche mit unterschiedlichen Kompetenzen können mehr bewegen, als eine Referentin mit einem kleinen Beirat.  So gibt es nun einen Vorstand: Mareike Klaus ist Vorstandsvorsitzende, Pastorin und BEFG-Referentin für Diakonie und Gesellschaft Agathe Dziuk ist stellvertretende Vorsitzende. Diakonin Sabrina Hemmen gehört dem Vorstand ebenfalls an, und ich arbeite nun als Geschäftsführerin für die Stiftung. Außerdem haben wir einen Stiftungsrat berufen, der aus Menschen besteht, die die Stiftung schon seit längerem auf ihrem Herzen haben und vielfältig unterstützen. Auch sie sollen Vervielfältiger der guten Sache sein, denn die finanziellen Nöte und die Zahl von Alleinerziehenden und Familien am oder unter dem Existenzminimum wird durch Inflation, Krieg und Pandemie wohl noch weiter zunehmen.

Etwas für das werdende Leben und das Leben der Kleinsten in unseren Familien zu tun, dazu kann und will die Stiftung Chance zum Leben auch weiter – gerade bei steigenden finanziellen Nöten –  helfen.

Finanzen des Bundes: Es gibt einiges zu tun

Im Finanzbericht auf der Bundesratstagung dankte der kaufmännische Geschäftsführer des BEFG, Volker Springer, allen Gemeinden sowie Spenderinnen und Spendern für die Unterstützung, stellte die aktuellen Haushaltszahlen vor und kündigte mit Blick auf die kommenden Jahre Konsolidie-rungsmaßnahmen an.

Das Ergebnis für das zurückliegende Haushaltsjahr 2021 weist mit 21.000 Euro ein leichtes Plus auf. Die Auswirkungen der Pandemie seien weiterhin spürbar, so Springer. Durch die vielen Veranstaltungsabsagen mussten weniger Honorare, Mieten, Reisekosten und ähnliches gezahlt werden. Dagegen fehlten auf der anderen Seite eine Reihe von Teilnehmerbeiträgen. Mittlerweile sei es jedoch zu einer Normalisierung bei den Präsenzveranstaltungen gekommen. „Der Corona-Effekt schwindet, was auch in den Planungen für 2022 berücksichtigt wurde“, berichtete der kaufmännische Geschäftsführer.

2021 hätten zudem Objektverkäufe aufgelöster Gemeinden die Einnahmenseite positiv beeinflusst. „Das sind einmalige Effekte, die wir in unseren Planungen nicht berücksichtigen. Diese Einnahmen wurden vollständig den Rücklagen zugeführt, vorwiegend mit dem missionarischen Ziel, Gemeindeneugründungen zu fördern.“

Die rückläufigen Mitgliederzahlen in den Gemeinden haben bereits seit 2020 erkennbare Auswirkungen auf die Bundesbeitragszahlungen. Die Spenden an das Bundesopfer waren 2021 deutlich rückläufig. Dementsprechend schwierig habe sich auch die Planung für den Haushalt 2022 gestaltet.

Der kaufmännische Geschäftsführer blickte angesichts sinkender Einnahmen noch weiter in die Zukunft. „Das Einsparpotential bei den Kosten ist inzwischen stark begrenzt. Der Druck auf den Haushalt wächst.“ Eine Umstrukturierung sei nötig – mit dem Ziel, das Kostenniveau zu senken. Diesen Ansatz unterstrich auch das Präsidium: „Der Haushaltplan 2022 ist strukturell defizitär, die Mitgliederzahlen rückläufig. Das macht eine Konsolidierung unumgänglich“, betonte die Vorsitzende des Finanzausschusses Dorothee Oesemann.

Für Springer ist klar: „Die Haushaltsplanung 2022 gibt uns einen Vorgeschmack auf die bevorstehenden Konsolidierungserfordernisse. Es gibt in den nächsten Jahren einiges zu tun – in allen Dienstbereichen des Bundes, für uns als Bundesgemeinschaft mit allen Mitgliedsgemeinden, gemeinsam mit den Landesverbänden und den Gemeindejugendwerken.“

Die Notwendigkeit zeige sich auch mit Blick auf die bisherigen Entwicklungen im laufenden Haushaltsjahr. Nach den beiden Corona-Jahren würden die beiden wichtigsten Einnahmepositionen jetzt noch mehr an Bedeutung gewinnen. Insbesondere das Bundesopfer sei bis dato zu niedrig. „Wir freuen uns über jede Spende zur Förderung unserer gemeinsamen Bundesarbeit. Und wir bitten alle Gemeinden, sich in der von den Delegierten beschlossenen Höhe an den Bundesbeiträgen zu beteiligen!“

Für das kommende Jahr beschlossen die Delegierten eine Erhöhung der Bundesbeiträge um 1,50 Euro auf dann 74,50 Euro pro Jahr und Mitglied. Insbesondere unter Berücksichtigung der Inflationsrate sei das eine moderate Erhöhung im Bereich der erwartbaren Tariferhöhung.

Präsidium und die Finanzsachverständigen des Bundesrates dankten Springer und seinem Team ausdrücklich für ihr Engagement, für die offene, konstruktive und zielorientierte Zusammenarbeit. Einen weiteren Dank richteten sie an alle Gemeinden und die vielen Einzelspenderinnen und -spender.

Dem schloss sich auch Volker Springer an und verwies dabei besonders auf die hohe Spendenbereitschaft in der Bundesgemeinschaft. Über 1,6 Millionen Euro wurden für die Flutopfer gesammelt. Und auch im laufenden Jahr wurden bereits fast 1,6 Millionen für die Opfer des Ukraine-Krieges gespendet.

Rückblickend auf die Bundesratstagung hält Volker Springer fest: „Es ist bewegend zu sehen, wie sich die Bundesgemeinschaft für in Not Geratene einsetzt und diese auch mit hohem finanziellen Engagement unterstützt. Wir sind imstande, Großes zu leisten. Das stimmt mich auch für die kommenden Herausforderungen für den Bund selbst hoffnungsvoll!“

Dr. Maximilian Zimmermann: „Christus sieht Deine Durststrecke“

Im Online-Bundesgottesdienst zum BEFG-Jahresthema „Dich schickt der Himmel“ ermutigte Dr. Maximilian Zimmermann die Zuschauerinnen und Zuschauer, an ihrer „Dich schickt der Himmel“-Hoffnung festzuhalten: „Wenn das Deine Erfahrung ist, dass schon viel zu lange, vielleicht ermüdend lange das Eingreifen des Himmels auf sich warten lässt, dann möchte ich Dir – bei allem Schmerz und bei allem Zweifel und bei aller Enttäuschung – aus Johannes 5 zusprechen, dass Jesus Christus Deine Durstrecke jetzt sieht und in ihrem ganzen Ausmaß wahrnimmt“, sagte er in seiner Predigt.

Mit seiner Betrachtung der Geschichte aus Johannes 5,1-9, der Heilung am Teich Betesda, machte Dr. Maximilian Zimmermann deutlich, dass Jesus auf die Not der Menschen nicht immer so reagiere, wie die Menschen es erwarten und dass es mitunter sehr lange dauere, bis er reagiert. Was der kranke Mann in der biblischen Erzählung mit Jesus erlebt habe, könnten auch Menschen heute mit Jesus erleben, so Zimmermann: „dass der Himmel Rettung schickt und dass die Rettung Deine Vorstellungen von Rettung bei weitem übersteigt.“ 

Fiona Waddell und Sebastian Rußkamp moderierten den Gottesdienst und zeigten ein Video von der Bundesratstagung, in dem sie verschiedene Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach ihren „Dich schickt der Himmel“-Momenten und dem Wirken Gottes in ihrem Leben befragten. Dabei berichtete ein Ehepaar, das seit 60 Jahren verheiratet ist, von der Liebe – zueinander, aber auch durch die Menschen in ihrem Umfeld – die sie als echtes Himmelsgeschenk erlebten. Eine Frau im Rollstuhl, die an einer chronischen Erkrankung leidet, sagte, natürlich traue sie Gott auch das Wunder zu, sie zu heilen: „Aber warum sollte er das tun? Da finde ich es ganz toll, dass ich erlebe, dass Gott mich in diesem Kranksein begleitet.“ ###3_IMAGES###BEFG-Präsident Michael Noss und -Generalsekretär Christoph Stiba berichteten von der zurückliegenden Bundesratstagung und von den Themen, die auf dieser Veranstaltung besprochen wurden. In diesem Zusammenhang plädierte Michael Noss an die Gemeinden, ihre „Komm her“-Struktur mehr und mehr abzulegen und „hinauszugehen in eine Welt und da zu sein, wo die Menschen sind. Denn wenn ich Menschen berühren will, dann muss ich da hingehen, wo sie sind.“ Dies bedeute, man müsse sich auf Minderheiten einlassen und auf Menschen, die oft sehr herausgefordert sind: „Wir übrigens auch. Aber wir kennen den, der uns berufen hat, der uns sendet.“ Mit diesem Rückhalt könne man – im Sinne des Jahresthemas „Dich schickt der Himmel“ – „hingehen zu den Menschen, wo sie sind“.

Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von Jan Primke, Maren Tielker, Deborah Hofmeister, Manuel Schienke und Steffen Schmidt.###3_IMAGES###700 Geräte waren bei der YouTube-Premiere des Gottesdienstes am Sonntagvormittag zugeschaltet. Von den zahlreichen Gemeinden, die den Gottesdienst übertrugen, berichteten 20 im Live-Chat, dass sie 20 bis 100 Personen im Gemeindehaus dabei waren. Darunter auch eine rumänischsprachige Baptistengemeinde aus dem Schwarzwald. Manche Gemeinden streamten den Gottesdienst über ihren eigenen YouTube-Kanal. Einzelpersonen schalteten sich aus ihrem Wohnzimmer, von der Reha, aus einem Wohnmobil oder von Ibiza aus zu.

Salz und Licht

Die Rechenschaft vom Glauben beantwortet die Frage: Was glauben wir als Baptisten?  Die Rechenschaft als Glaubensbekenntnis dient der Selbstvergewisserung nach innen und dem Selbstzeugnis des Glaubens gegenüber anderen Kirchen und der Gesellschaft.

Mit der Artikelserie über die Rechenschaft des Glaubens geht es um die Selbstvergewisserung nach innen, also um die Glaubensüberzeugungen in unseren Gemeinden. Diese ist mit der Hoffnung verbunden, dass die Vergegenwärtigung der Inhalte inspirieren und zu einer Revitalisierung der Praxis führen. Tatsächlich könnte mit den Inhalten der Rechenschaft des Glaubens problemlos eine transformative Predigtserie für ein ganzes Jahr gestaltet werden.

Im Teil 2 der Rechenschaft vom Glauben geht es um die Sammlung und Sendung der Gemeinde Jesu. Die wesentlichen Inhalte des Evangeliums werden durch kraftvolle Hauptsätze hervorgehoben. Einige Beispiele:

„Alle, die an Jesus Christus glauben, sind aus dem Machtbereich der Finsternis in das Reich Christi versetzt worden. Christus sammelt sie zu seiner Gemeinde in gemeinsamem Leben, Zeugnis und Dienst.“ „Wie Gott seinen Sohn in die Welt sandte, so sendet Jesus Christus heute seine Gemeinde in die Welt. Allen Gliedern der Gemeinde Jesu Christi gilt der Auftrag ihres Herrn: „Predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! (Markus 16, 15)“.

Die Sammlung und Sendung der Gemeinde:

Indem Gott beruft, sammelt er sein Volk. Die Sammlung zum Volk Gottes im Alten Testament beginnt mit einem Menschen – Abraham (und Sarah, 1 Mose 12,3) –, mit einem Volk – Israel (2. Mo. 19,4-6) – und zielt auf alle Völker (Jes 25,6-9). Die Sammlung im Neuen Testament beginnt mit der Sendung des Sohnes Gottes (Joh 3,17; 17,17), gefolgt von der Berufung des Jüngerkreises (Mk 3,14-19), wird erweitert durch die Berufung und Sendung der 72 Jünger und Jüngerinnen (Lk 10,1-11) und zielt auf die Berufung und Sammlung aller Völker zum einen Volk Gottes (Joh 20,21; Mt 28,18-20; Apg. 1,8).

Wenn das Evangelium angenommen und gelebt wird, entstehen Gemeinden, die von ihrem Wesen her Reich-Gottes-Gemeinschaften sind.  Auf die „Versöhnungstat Gottes“ antworten sie mit „Lobpreis und Anbetung“. Sie bekennen „Schuld“ und empfangen „Vollmacht und Vergebung.“ Als priesterliche Menschen bezeugen sie durch „Evangelisation und Diakonie“ das Heil Gottes. Diese Gemeinschaften sind einerseits Salz und Licht und andererseits prophetisches Gegenüber der Gesellschaft. Sie haben, in aller Unvollkommenheit, eine transformierende Wirkung auf die Gesellschaft, weil die Kraft Gottes in ihnen wirksam ist.

Gerne stimmen wir der Beschreibung dieser Wahrheiten zu. Das ist es, was wir bekennen, aber nicht unbedingt das, was wir kennen. Das ist es, was wir glauben, aber nicht unbedingt das, was wir leben. Das ist es, was wir wollen, aber nicht unbedingt das, was wir sind.

Das Formulieren von Glaubensbekenntnissen gibt aber mehr Auskunft über den Glauben der Vergangenheit als über die geistliche Dynamik der Gegenwart. In der Regel beschäftigt sich eine Kirche mit ihren Bekenntnissen, wenn die Kirche in Frage gestellt wird oder wenn sie nach ihrer Bedeutung, nach ihrer aktuellen Eigendynamik fragt.

Weil alle verschriftlichten Glaubensbekenntnisse Zeugnisse der Geschichte sind, müssen sie durch frische Erfahrungen der Gegenwart Gottes verifiziert werden. Wenn die Sammlung und Sendung der Kirche ihre Dynamik verliert, dann bedarf die Kirche der „Selbstevangelisierung“, der völligen Durchdringung der Kirche vom Evangelium.

Papst Franziskus lädt zur Selbstevangelisierung der Kirche ein, indem er betont: „Ich lade jeden Christen ein, gleich an welchem Ort und in welcher Lage er sich befindet, noch heute seine persönliche Begegnung mit Jesus Christus zu erneuern oder zumindest den Entschluss zu fassen, sich von ihm finden zu lassen.“ Selbstevangelisation ist die Voraussetzung für die Transformation der Kirche, damit sie zur Transformation der Gesellschaft beiträgt.

Die Kirche, die ernsthaft nach dem Wert ihres Bekenntnisses fragt, will die Zeichen der Zeit erkennen. Sie sucht nach einem göttlichen Moment, nach einem Kairos-Moment. „Die Zeit ist erfüllt (Kairos) und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße (Metanoia) und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15). Wenn die Kirche ihr Bekenntnis mit der Realität vergleicht, dann kann es sein, dass sie einen göttlichen Ruf zu Erneuerung hört. Wenn sie ihr eigenes Bekenntnis zur Sammlung der Gemeinde ernst nimmt, wird sie sich aufmachen, ihre Sendung neu zu entdecken.  Die Rechenschaft vom Glauben gibt Zeugnis über Glaubensinhalte. Damit die Inhalte Dynamik und Relevanz generieren, folgt dem Bekenntnis eine erneuerte Praxis, die allerdings immer wieder neu erschlossen werden muss.

Im Evangelium nach Matthäus heißt es: „Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe“ (Mt 28,19f). Jesus teilt seinen Jüngerinnen und Jüngern zwar das Ziel der Sendung (alle Völker) und die Botschaft (alles, was er gelehrt hat) mit, jedoch nicht die Methodik. Nicht unwichtige Details fehlen: Wie tun wir das und auf welche Weise (Strategie), an wen genau wenden wir uns (Zielgruppe). Dazu kommt der nicht unwesentliche Umstand, dass seit diesem Auftrag zwei Jahrtausende vergangen sind. Mit anderen Worten: Jesus gibt seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern eine herausfordernde Aufgabe: Unter der Leitung des Heiligen Geistes müssen sie selbst, durch Gebet und Prophetie, durch Kontextanalyse und Strategie, durch Versuch und Irrtum, in Demokratie und Diktatur Wege finden, damit das Evangelium als Gute Nachricht gehört, geglaubt und gelebt werden kann, damit bis zu seiner Wiederkunft, Sammlung und Sendung geschieht.

Einladung zum Weiterdenken

1. Auf welche Weise sammelt und sendet meine Gemeinde?

2. Stimmt das Bekenntnis des Glaubens mit dem Lebensvollzug meiner Gemeinde überein?

3. Gibt es für meine Gemeinde/Bund einen Kairos für Selbstevangelisation?

BEFG-Bundesrat fordert klimaneutralen Campus Elstal

doDer Bundesrat hat beschlossen, für den Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) ein Klimakonzept zu entwickeln, das für den Campus der Freikirche in Elstal Klimaneutralität zum Ziel hat. Die Delegierten folgten damit dem Vorschlag der Bundesgeschäftsführung, der auf eine Initiative aus dem Gemeindejugendwerk (GJW) des BEFG zurückgeht.

BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba und Verwaltungsleiter Tobias Kühl stellten bei der Konferenz in Kassel einen Stufenplan für einen klimaneutralen Campus vor, von einer fundierten Energieberatung über eine Planungsphase bis hin zu Umsetzung und Evaluation. Die Delegierten folgten dem Konzept, indem sie die Bundesgeschäftsführung beauftragten, die vorliegenden Planungen innerhalb von 18 Monaten weiterzuentwickeln und dem Bundesrat wieder vorzulegen. Auf den folgenden Bundesräten sollen regelmäßig Fortschrittsberichte zum Klimakonzept gegeben werden.

Ausgangspunkt für das Konzept war ein Antrag des Jugendverbands der Freikirche. Das GJW hatte darin geschrieben, Klimagerechtigkeit sei auch „eine Frage des Glaubens. Die maximale Emissionsmenge pro Kopf, gerechnet auf die Weltbevölkerung, wird in Deutschland auch bei starker Reduzierung der Emissionen noch deutlich überschritten. Wir verbrauchen auch hier, was Anderen zusteht. Deshalb muss es uns ein hoch priorisiertes Anliegen sein, diese Ungerechtigkeit zu ändern.“ Christoph Stiba stellte sich hinter diese Überlegungen, mit denen er das mehrstufige Konzept begründete: „Wir teilen die Ziele von Klimaneutralität und Klimagerechtigkeit. Dafür haben wir eine Verantwortung. Das unterstützen wir sehr.“###3_IMAGES###Der Beschluss des Bundesrats stand am Ende einer anderthalbstündigen Plenarsitzung über das Thema Klimagerechtigkeit, die vom Arbeitskreis „Evangelium und gesellschaftliche Verantwortung“ gestaltet wurde. Darin stellte zunächst Arbeitskreisleiterin und Referentin im BEFG-Generalsekretariat Jasmin Jäger den wissenschaftlichen Stand der Klimadebatte vor. Sie betonte, kein Thema sei „wissenschaftlich so sorgfältig und systematisch aufbereitet wie der Klimawandel“, der zu einem neuen Erdzeitalter führen könne. So gebe es „planetare Belastungsgrenzen und Kipppunkte“, bei deren Überschreitung Extremwetterphänomene entstehen und irreversible globale Veränderungen eintreten könnten. „Wir stehen an einem Scheideweg, wie wir mit unserer Erde umgehen“, so Jäger. „Entweder wir reduzieren unsere Emissionen, oder wir kommen in ein vom Menschen verursachtes Verwüstungs-Erdzeitalter“ (Verwüstungs-Anthropozän). Man könne durch eine Veränderung seines Verhaltens viel bewirken. „Es ist dran, etwas zu tun, damit auch die nachfolgenden Generationen eine Lebensgrundlage haben.“

Der Praktische Theologe Prof. Dr. Oliver Pilnei von der Theologischen Hochschule Elstal beschrieb den Einsatz für Klimagerechtigkeit als Dimension der Frömmigkeit. „Schöpfung heißt, Gott erhält und umhüllt diese Welt, führt sie ihrem Ziel entgegen.“ Schöpfung sei ein Ort, an dem Gott präsent ist. „Auf der Welt schlägt Gott sein Zelt auf. Er nimmt Menschengestalt an.“ Die Schöpfung sei keine Bühne, die man beliebig austauschen könne, so Pilnei. „Gottes Fülle bleibt in seiner Kreatur präsent.“ Deshalb lasse sich Heil nicht von der Schöpfung trennen. In diesem Sinne sei der Ruf in die Nachfolge Christi auch ein „Ruf in die Schöpfungsgemeinschaft“. Damit sei auch die Gerechtigkeitsfrage für das Handeln der Christen verbunden: „Wer das Wasser des Lebens predigt, wünscht sich auch sauberes Wasser für alle.“ Pilnei ermutigte die Teilnehmenden der Konferenz, ökologische Verantwortung zu einem Teil ihrer Nachfolge als Christinnen und Christen zu machen.

In mehreren Videos (im Folgenden verlinkt) wurde das Engagement von Christen für Klimagerechtigkeit konkret. So betonten zwei Vertreterinnen der Chemnitzer Lokalgruppe von Micha Deutschland, Schöpfungsbewahrung und damit Klimagerechtigkeit seien „unumgänglich mit Gottes Willen verbunden“. Micha Deutschland setzt sich als Teil des weltweiten Netzwerks „Micah Global“ für die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele ein – der BEFG ist mit der Initiative eng verbunden. Die Theologische Hochschule Elstal ist auf dem Weg, Fairtrade-University zu werden.In zwei weiteren Clips wurde das Engagement der Kreuzkirche Oldenburg und der Gemeinde am Döhrener Turm in Hannover vorgestellt, die sich seit Jahren für Nachhaltigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen. Dr. Frank Hellberg von der Hannoveraner Gemeinde, der auch Umweltauditor und zusammen mit Jasmin Jäher Leiter des BEFG-Arbeitskreises „Evangelium und gesellschaftliche Verantwortung“ ist, bot an, Gemeinden in der Umsetzung zweier Klimakonzepte (Grüner Hahn und Schöpfungsleiter) zu beraten.

Nach den thematischen Impulsen und einer engagierten Debatte stimmten die Delegierten mit großer Mehrheit für das vorgeschlagene Klimakonzept und unterstrichen damit die Bedeutung der Klimagerechtigkeit.

Zurück ins Leben

Im BEFG gibt es – wie anderswo auch – Gemeinden, die ums Überleben kämpfen. Wie kann man ihnen neues Leben einhauchen? Der Freitagabend auf der Bundeskonferenz war dem Thema Revitalisierung gewidmet.

Kaum eine Gemeinde ist aus der Corona-Zeit unbeschadet hervorgegangen. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum es Gemeinden gibt, die schrumpfen und kaum mehr lebensfähig sind. Manche sind überaltert, pflegen nur wenig Kontakte in die Nachbarschaft und sind einfach nicht mehr relevant. Doch dagegen kann man etwas tun. Lösungsansätze und Mut machende Beispiele wurden an diesem von Joachim Gnep und Klaus Schönberg moderierten Abend präsentiert.

Zunächst nahm André Peter, Regionalreferent Nord im Dienstbereich, die Zuhörer und Zuhörerinnen anhand des letzten Kapitels im Johannesevangelium mit hinein in Gottes Perspektive. Dreimal stellt Jesus Petrus die Frage: Hast du mich lieb? Und dreimal bejaht Petrus, nachdem er ihn dreimal verleugnet hatte. So holt Jesus seinen Jünger zurück ins Leben – nach allem, was sie miteinander erlebt hatten. Mehr noch: Er fordert ihn auf, die von ihm gefangenen Fische aufs Feuer zu legen. Auf uns übertragen: Auch wir haben eine mitunter schwierige Geschichte und fragen uns: Sind wir als Gemeinde für unsere Stadt, unser Viertel noch relevant? Würde es jemand merken, wenn es uns von heute auf morgen nicht mehr gäbe? Jesus kennt diese Geschichte, er will uns zurück ins Leben holen – und er setzt das ein, was wir mitzubringen haben.###3_IMAGES###Ingeborg te Loo, die am Internationalen Baptistischen Theologischen Seminar (IBTS Centre) in Amsterdam unterrichtet, beschäftigt sich seit vierzehn Jahren mit dem Thema „Revitalisierung“. Dahinter steckt ein innerhalb der anglikanischen Kirche entwickeltes Konzept. Im Fokus stehen dabei die sieben Merkmale einer gesunden, vitalen Gemeinde, ohne die einfach keine gute Entwicklung möglich ist:

1. Wir beziehen Kraft und Orientierung aus dem Glauben an Christus.
2. Wir richten den Blick nach außen.
3. Wir finden heraus, was Gott heute will.
4. Wir wagen Neues und wollen wachsen.
5. Wir handeln als Gemeinschaft.
6. Wir schaffen Raum für alle.
7. Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche.

Ingeborg te Loo berichtete von drei stagnierenden Gemeinden in den Niederlanden. Diese drei Gemeinden waren ganz unterschiedlich geprägt und litten auch unter ganz unterschiedlichen Problemen: Überalterung, keine Kontakte in das Viertel, in dem die Gemeinde ansässig war, negatives Selbstbild. Gemeinsam war diesen drei Gemeinden jedoch der Wunsch, sich auf Veränderung einzulassen. Am Anfang des Revitalisierungsprozesses steht eine genaue Analyse. Dann hieß es zum Beispiel: Wir machen zu viele Dinge, aber wir machen sie nicht gut. Oder: Wir haben keine klare Berufung und wissen nicht, was Gott von uns möchte. Ingeborg te Loo zeigte zum Schluss, wie die drei Gemeinden heute dastehen und welchen Weg sie gefunden haben. Sie betonte, dass nicht alle diese Wege glatt verlaufen müssen und auch Scheitern erlaubt sein muss.###3_IMAGES###

Zum Schluss kamen drei Vertreter von BEFG-Gemeinden zu Wort, die von gelungenen Veränderungsprozessen berichteten. Almut und Bernd Siodlaczek aus Ober-Ramstadt im Rhein-Main-Gebiet erzählten von Neubau eines Gemeindezentrums – raus aus dem Hinterhof und dort hinein, wo Menschen leben und man Kontakt mit ihnen aufnehmen kann. Edwin Witt aus Varel berichtete von einer ungeplanten Vitalisierung: Geflüchtete aus dem Iran und anderen Ländern senkten den Altersdurchschnitt gewaltig. Und die Gemeinde ließ sich auf die Veränderung ein und gestaltete sie: Von den Liedern über die Predigt bis hin zum Gemeindebrief wurde vieles zweisprachig. Bei den vielen praktischen Arbeiten, die es zum Beispiel im Gemeindegarten zu erledigen gibt, arbeiteten alle Seite an Seite. Und schließlich teilt man Leben und feiert miteinander. Einen Einblick ins Schneeberger Gemeindeleben gab Michael Kuhn. Um 1990 erlebte die Gemeinde eine Krise. Unter ihrem neuen Pastor Michael Maas führte sie Veranstaltungen nach dem Vorbild von Willow Creek durch, bot Alphakurse an und verjüngte die Gemeindeleitung. Ganz wichtig war es für sie, auf prophetische Eindrücke zu hören und für Kranke zu beten, die dann Heilung erfuhren. Und auch hier spielte ein Neubau eine wesentliche Rolle.    

Der gesamte Abend wurde nicht nur auf Video festgehalten. Justo Garcia Pulido aus Bonn im Lauf des Abends setzte die Eindrücke auch grafisch um. Beides, Video und das sogenannte „Graphic Recording“, kann man sich auf der Seite www.baptisten.de/revitalisierung noch einmal anschauen.

Der Blick vom Universum in die Gesellschaft zur Nachbarschaft

„Dich schickt der Himmel – Wie sieht Dein Himmel aus?“ Diese Frage zog sich durch den Konferenzabend zu Himmelfahrt, der von Cintia Malnis aus der EFG München-Holzstraße und Patricia Kabambay-Nkossi, Pastorin der New Life Church in Düsseldorf und BEFG-Präsidiumsmitglied, moderiert wurde. Durch die internationale Perspektive auf diese Frage wurde die große kulturelle Vielfalt innerhalb des BEFG deutlich. Jan Primke, Manuel Schienke, Maren Tilker, Deborah Hofmeister und Roy Asabre aus Hamburg als Special Guest sorgten für die musikalische Gestaltung des Abends.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung wurden die Menschen aus dem Publikum eingeladen, sich über diese Frage auszutauschen. Patricia Kabambay-Nkossi nahm Bezug auf die Stelle aus dem Vaterunser, an der es heißt: „Wie im Himmel so auf Erden.“ „Für mich ist der Himmel da, wo sich Gottes Wille zeigt“, sagte sie. Wenn die Schöpfungsgeschichte davon erzähle, dass Gott den Menschen aus einem Erdklumpen geformt habe, dann „bin ich als Mensch ein Teil der Erde“, so Kabambay-Nkossi. ###3_IMAGES###Dr. Efrain Gatuzz, venezolanischer Astronom am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, führte den Blick der Zuschauerinnen und Zuschauer vom Universum auf die Erde: „Das Universum ist riesig. Die Erde ist ein unbedeutender Ort. Nur ein kleiner Planet, der einen gewöhnlichen Stern umkreist.“. Aus astronomischer Sicht sei die Erde angesichts der Größe des Universums ein sehr gewöhnlicher Ort: „Für Gott ist unser Planet jedoch der wichtigste Ort. Denn dort leben wir. Gott sorgt sich um dich und um mich.“

Agathe Dziuk, Referentin für Diakonie und Gesellschaft im BEFG, sprach über Grenzen zwischen den Ländern und über Grenzen zwischen den Menschen. Sie skizzierte, wie sich in der Begegnung von Geflüchteten und Einheimischen letztere oft gerne als vom Himmel geschickt betrachteten, ohne zu bemerken, dass die anderen, die neu ins Land gekommen sind, auch „Himmelsboten“ sein können: „Was wäre, wenn diese Menschen in dieses Land kommen, weil sie geschickt sind, damit wir uns verändern können?“, fragte sie. „Was wäre, wenn die Grenzen in unseren Köpfen wegbrechen und diejenigen, die Teil der Gesellschaft werden wollen, das auch können.“ ###3_IMAGES###Mauricio da Silva Carvalho, Pastor der EFG Hamburg-Ottensen, beschrieb, wie er als „kochender Pastor“ die Liebe Gottes erlebbar machen will: „Wenn wir Himmelsgesandte sind, bedeutet es automatisch, dass wir irgendwohin zu irgendjemanden gehen sollen. Da denke ich an Jesus: Er aß und trank mit den Leuten und machte dadurch deutlich, dass er sie so liebte, wie sie sind.“ Als 2015 die Grenzen nach Deutschland für geflüchtete Menschen geöffnet wurden, bot er erstmals einen Kochabend für neue und alte Hamburger und Hamburgerinnen an: „Es trafen Welten aufeinander. Fremde wurden zu Freunden.“ Mittlerweile seien viele verschiedene Kochprojekte entstanden, die immer eine Friedensbotschaft transportierten und Menschen miteinander und mit Gott in Beziehung brächten.

Beim anschließenden Podiumsgespräch erzählten die Vortragenden von ihren persönlichen „Dich schickt der Himmel“-Momenten und dass diese häufig auf Wechselseitigkeit beruhten: „Das, was ich gebe, kriege ich zurück. Oft um ein Vielfaches.“ Zum Abschluss des Abends beteten alle Anwesenden das Vaterunser – jede und jeder in der eigenen Muttersprache.

Der Krieg in der Ukraine und die Frage nach Frieden

„Der Krieg in der Ukraine und die Frage nach Frieden: Was sollen wir denken und tun, hoffen und beten?“ war der Titel einer Gesprächsrunde auf der Bundesratstagung. Die Theologinnen und Theologen Anja Bär, Joachim Gnep, Jasmin Jäger und Peter Jörgensen setzten sich an einen eigens auf der Bühne aufgestellten Küchentisch, um – moderiert von Andrea und Friedrich Schneider – über diese Frage ins Gespräch zu kommen.

Recht persönlich nahmen die Gesprächsteilnehmerinnen und Gesprächsteilnehmer das Publikum hinein in ihre persönliche Biografie und welche Sichtweisen und Einstellungen sie zum Thema Krieg und Frieden im Laufe der Zeit entwickelt und auch geändert haben. Dabei spielten nicht nur Alter und Herkunft der einzelnen eine Rolle, sondern etwa auch die Begegnung mit Geflüchteten oder der eigene Aufenthalt in Kriegsgebieten, die die eigene Haltung auf den Prüfstand stellten.

Einig waren sich alle Gesprächsteilnehmerinnen und -teilnehmer, dass sie Gewalt ablehnen und sich trotzdem aufgefordert fühlen, bei Konflikten dazwischen zu gehen und sich einzumischen. „Da wo sich Gewalt ereignet, möchte ich nicht weglaufen, sondern hineingehen und Streit schlichten und Frieden stiften“, sagte Peter Jörgensen. Zum Thema Waffen und Kriegsgewalt wolle er sich politisch nicht positionieren, aus privater Sicht hingegen glaube er, dass Waffenlieferungen nicht weiterhelfen würden. Auch Anja Bär stellte fest: „Gewalt erzeugt immer neue Gewalt.“ Trotzdem könne sie sich nicht eindeutig gegen Waffenlieferungen in die Ukraine aussprechen. Wichtig sei ihr, so betonte sie, schon vor der Eskalation von Gewalt in der Gesellschaft und im eigenen Handeln und Sprechen Frieden zu erlernen. So würden Menschen befähigt, zu Friedensstiftern und Friedensstifterinnen zu werden.###3_IMAGES###Jasmin Jäger lenkte den Blick der Zuhörerinnen und Zuhörer auf die unter 30-Jährigen in Deutschland, die weder die Weltkriege noch den Kalten Krieg aus eigenem Erleben kennen und nun große Angst vor dem Krieg haben. Auch sie selbst frage sich manchmal: „War das nur eine Illusion des Friedens, in der ich bisher gelebt habe?“ Joachim Gnep gab Einblick in seine innere Zerrissenheit, wenn er als Kriegsdienstverweigerer und Pazifist von seiner ukrainischen Familie höre, dass es für sie völlig klar sei, dass Waffen benötigt werden – und zwar nicht erst seit Ende Februar, sondern schon seit Jahren: „Es sind zwei grässliche grausame Übel. Mich zerreißt es. Aber ich merke, dass beide Haltungen etwas Richtiges und etwas Falsches in sich haben. Vielleicht sind auch beide Wahrheiten wahr?“  

Fragen aus dem Publikum bezogen sich auf den Umgang mit Menschenrechten bzw. mit individueller Freiheit und Persönlichkeitsrechten weltweit. Eine der Rückmeldungen nahm Bezug auf den Theologen Dietrich Bonhoeffer, der als erklärter Pazifist trotzdem dazu aufforderte, „dem Rad in die Speichen zu fallen“, um Hitler zu stoppen. Müsse man nicht auch Putin entsprechend stoppen, so die Frage. Auch hier wurde an der Reaktion der Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer deutlich, dass sich vom Ziel her alle grundsätzlich einig sind und nur über den Weg dorthin unterschiedliche Ansichten habe.

Ein ausführliches Gebet mit Bitte um Gottes Erbarmen schloss sich der Gesprächsrunde an.

BEFG-Statistik 2021: trotz mehr Taufen weniger Mitglieder

Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) hat auf der Bundesratstagung in Kassel seine Mitgliederstatistik für das Jahr 2021 vorgestellt. Demnach verzeichnet der Bund einen Mitgliederrückgang von 2,5 Prozent, der unter anderem auf eine Zunahme der Austritte aus Gemeinden zurückzuführen ist. Gleichzeitig lässt sich im Vergleich zu den Umbrüchen des ersten Corona-Jahres eine deutliche Zunahme bei den Zugängen beobachten. So gab es 48 Prozent mehr Taufen als 2020.

Zum Stichtag 31. Dezember 2021 hatte der BEFG 75.767 Mitglieder. Das sind 1.918 weniger als im Vorjahr, wo der Mitgliederrückgang mit 2.510 noch einmal höher ausgefallen war. „Wir sehen, dass es bei allen Zugangsarten eine Zunahme im Vergleich zu 2020 gab, wo die Zugänge wegen der Corona-Pandemie auf einem Tiefststand lagen“, berichtete BEFG-Kommunikationsleiter Dr. Michael Gruber bei der Vorstellung der Zahlen. Gleichzeitig seien die Abgänge auf hohem Niveau leicht ansteigend. Mit Blick auf die jeweils zahlenmäßig größte Zu- und Abgangsart führte er aus: „Bis 2019 gab es mehr Taufen als Austritte. Im ersten Coronajahr 2020 hat sich das Verhältnis umgekehrt – ein Phänomen, das wir auch 2021 noch beobachten.“

Für das Verhältnis von Zu- und Abgängen gebe es mehrere Erklärungen, so Gruber, der zunächst auf die Zugänge einging: „Der Beginn der Pandemie 2020 hatte dazu geführt, dass alle Mitgliederzugänge in Gemeinden deutlich einbrachen. Nicht einmal halb so viele Taufen waren nur eine Folge.“ Im zweiten Coronajahr 2021 sei bei den Zugängen „dann natürlich nicht plötzlich alles wie vor der Pandemie“ gewesen: „Die Gemeinden sortieren sich neu, setzen neue Konzepte um, gestalten ihren Gemeindealltag nach den Umbrüchen um. In diesem Zuge steigen die Zugänge, zum Beispiel die Taufen um 48,4 Prozent. Doch sie sind nicht auf Vor-Corona-Niveau.“

Auch die Abgänge, die auf einem hohen Niveau sogar noch leicht stiegen, müssten in den Blick genommen werden, wie Michael Gruber betonte: „Hier beschäftigt uns nach wie vor in besonderer Weise die hohe Zahl der Austritte, die immerhin knapp 46 Prozent aller Abgänge ausmachen. Auch Streichungen machen immerhin 18 Prozent aller Abgänge aus.“ Hier liege zunächst die Frage auf der Hand, welchen Anteil aufgelöste Gemeinden haben. „Doch sie sind nur für 267 von 4.179 Abgängen verantwortlich, was etwa 6,4 Prozent entspricht.“ Und so scheine sich auch 2021 zu bestätigen, was eine stichprobenartige Recherche zur Vorjahresstatistik ergeben hatte: „Die Austritts- und Streichungsgründe sind sehr individuell und hängen mit der jeweiligen Gemeindesituation zusammen“, so Gruber, der hierfür mehrere Beispiele nannte: „Da sind Gemeindeleitungen, die nach Jahren erstmals das Mitgliederverzeichnis durchforsten und Personen, die schon längst weg sind, rausnehmen oder um Austritt bitten. Da sind Menschen, die schon länger innerlich auf Abstand sind und dann den Austritt vollziehen – oft beschleunigt durch Corona. Andere schließen sich einer anderen, nicht bekenntnisverwandten Gemeinde an, was als Austritt zählt. Oder es gibt aus den unterschiedlichsten Gründen Streit in der Gemeinde, und Menschen ziehen daraus Konsequenzen. Und manchen Mitgliedern ist ihre Gemeinde zu liberal, anderen ihre zu konservativ.“

Die Austritte führten zur Frage, wie Gemeinden auf „Umbrüche reagieren – oder besser noch: diese aktiv gestalten“ könnten, so Gruber in seinem Fazit. „So herausfordernd das ist, so zuversichtlich blicken wir auf unseren Herrn, in dessen Auftrag wir unterwegs sind und der in der Gemeindearbeit mit uns ist. Wir sind auch dankbar für gute Entwicklungen wie die Zunahme bei den Taufen. Und wir merken, wie gut es ist, dass wir hier als Bund gemeinsam unterwegs sind. Wir können als Gemeinden gegenseitig füreinander da sein, und wir wollen mit der überregionalen Arbeit die Gemeinden unterstützen!“

Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz

Der Bundesrat des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) unterstützt das Vorhaben, Kinderrechte gemäß der UN-Kinderrechtskonvention im Grundgesetz zu verankern. Das Kirchenparlament fordert die Bundesregierung auf, das Thema voranzutreiben. Damit sind die Delegierten der Tagung in Kassel einem Antrag des Gemeindejugendwerks (GJW) der Freikirche gefolgt. Im Plenum war dem Antrag am Himmelfahrtstag eine ganze Stunde gewidmet, in der unterschiedliche Positionen vorgestellt und diskutiert wurden.

Jana Bednarz aus dem GJW-Bundesvorstand erläuterte, dass durch eine Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz – über die bereits vorhandenen gesetzlichen Regelungen hinaus – die besondere Position der Kinder gestärkt werde und man diesen mehr Gehör gebe. Besonders könne auf diese Weise die Situation von Kindern verbessert werden, die Gewalt ausgesetzt sind oder die unter Beeinträchtigungen oder Benachteiligung leiden. Dem GJW sei es ein Anliegen, dass sich nicht nur der Jugendverband, sondern die ganze Freikirche dafür einsetze.

Der im Koalitionsvertrag von 2018 enthaltene Abschnitt zur Aufnahme der Kinderrechte, dessen Umsetzung schließlich scheiterte, sei nicht weitgehend genug gewesen, betonte Bednarz. So solle das Kindeswohl im staatlichen Handeln nicht nur „angemessen“, sondern „vorrangig“ oder „wesentlich“ berücksichtigt werden. Zudem reiche es nicht, Kinder „einen Anspruch auf rechtliches Gehör“ zu geben, weil in einer solchen Formulierung das Recht des Kindes auf Beteiligung als Grundprinzip der UN-Kinderrechtskonvention nicht deutlich genug zum Ausdruck komme. Das GJW sei dankbar, dass die neue Bundesregierung das Anliegen nun wieder auf die Agenda genommen habe.

In einem Videoclip vom „Aktionsbündnis Kinderrechte“, der in der Sitzung gezeigt wurde, wurden Pro-Argumente vorgestellt. So seien etwa auch staatliche Stellen gefordert, Kinderrechte konsequenter umzusetzen, wenn diese im Grundgesetz verankert seien. Ein anderer Videoclip stellte Kontra-Argumente vor. So befürchten Gegner des Vorhabens, die Aufnahme von Kinderrechten in das Grundgesetz schränke das Sorgerecht der Eltern ein, indem es dem Staat zu viele Eingriffsrechte einräume.

Auch die gegensätzlichen Argumente zweier Politiker wurden den Delegierten vorgestellt. So spricht sich Marcus Weinberg von der CDU gegen das Vorhaben aus, da eine Nennung von Kinderrechten im Grundgesetz aus seiner Sicht rein symbolisch wäre und die Kinder in rechtliche Distanz zu ihren Eltern brächte. Sönke Rix von der SPD hingegen ist der Ansicht, eine Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz würde klarstellen, dass bei Entscheidungen, die Kinder betreffen, das Kindeswohl vorrangig zu betrachten ist.

Volkmar Hamp vom GJW beschrieb die Sorge eines Eingriffs des Staats in das elterliche Sorgerecht als „Schreckgespenst“ und betonte, wie wichtig eine ausgewogene Formulierung der Kinderrechte im Grundgesetz sei. Auch GJW-Referent Jason Querner hob hervor, dass es in der Gesetzesformulierung um eine wohlaustarierte Balance zwischen Kindeswohl und Elternrechten gehe. In der folgenden ausführlichen Debatte sprach sich ein Gemeindevertreter mit dem Argument gegen den GJW-Antrag aus, dass die Väter des Grundgesetzes bei Artikel 6 auf genau diese Balance geachtet hätten. Auch die Sorge vor einem zu großen Eingriff des Staates kam zur Sprache. In vielen Redebeiträgen wurde hingegen betont, wie wichtig es sei, sich für den Schutz der Kinder und deren Wohlergehen einzusetzen. Und die Stärkung der Kinderrechte durch deren Aufnahme in das Grundgesetz könne hier einen wichtigen Beitrag leisten. Nach der Debatte stimmte der Bundesrat für den GJW-Antrag und lehnte damit auch den Gegenantrag einer Gemeinde ab.

Die Himmelfahrt Jesu und die Sendung der Christen in die Welt

Einen besseren Auftakt zur Bundesratstagung als einen Gottesdienst kann es ja gar nicht geben. Wie im letzten Jahr stand das Motto „Dich schickt der Himmel“ im Mittelpunkt.

Eigentlich könnte man dieses Thema noch ein paar Jahre lang beibehalten. Denn darum geht es: Gottes Mission zu folgen und sich von ihm schicken zu lassen. Nicht nur in diesem Jahr und in diesem Gemeindebund, sondern bei allen Menschen, die Christus nachfolgen.

Bevor der Generalsekretär der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF), Alan Donaldson, die Predigt hielt, stellte ihn Christoph Stiba, der Generalsekretär des BEFG, ihn im Interview vor. Zwei Dinge, die man im Gedächtnis behält: Er stammt aus Schottland und wohnt mit seiner Frau auf einem Hausboot.

Die letzte Interviewfrage schlug den Bogen zum Jahresthema. Christoph Stiba wollte von Donaldson wissen: „Bei welcher Gelegenheit hast du am stärksten empfunden, dass der Himmel jemanden geschickt hat?“ Als Antwort gab es eine kleine Geschichte: Im zarten Alter von 18 Monaten hatte Alan gelernt, Treppen hinauf zu krabbeln. Das tat er auch in dem Hotel, in dem die Familie den Urlaub verbrachte. Im vierten Stock fehlte im Geländer eine Strebe, Donald stürzte hinab – und landete genau in seinem Kinderwagen, den sein Großvater gerade in diesem Augenblick wegen des einsetzenden Regens hineingeholt und unten an der Treppe eingestellt hatte. Auch wenn er sich heute natürlich nicht mehr daran erinnern kann: Das war ein entscheidender Augenblick für sein Leben.###3_IMAGES###Welche solcher prägenden Augenblicke, so Donaldson, gab es im Leben Jesu? Matthäus hebt eine Reihe von Ereignissen hervor, die auf einem Berg oder Hügel stattfanden: die Bergpredigt, die Verklärung, durchbetete Nächte auf dem Ölberg, die Kreuzigung auf Golgatha und schließlich die Himmelfahrt auf einem nicht näher benannten Hügel. Für Lukas war die Himmelfahrt so wichtig, dass er gleich zweimal davon erzählt – einmal am Ende seines Evangeliums und dann im ersten Kapitel der Apostelgeschichte. Die Jünger waren nach der Himmelfahrt Jesu zunächst verwirrt, wussten nicht, woran sie waren – uns aber schenkt dieser Augenblick Orientierung, und zwar auf dreifache Weise. Ausgehend von Philipper 2,5ff erläuterte Donaldson, dass uns die Himmelfahrt Jesu erstens einen neuen Blick auf die Größe Gottes schenkt. Er hat alles unter Kontrolle. Seine Macht ist nicht nur auf die Erde beschränkt. Zweitens schenkt uns die Himmelfahrt einen neuen Blick auf unsere Errettung: Die Sünde ist besiegt. Und drittens ist die Himmelfahrt mit dem Missionsauftrag verknüpft. Die Verfasser der biblischen Bücher wussten durchaus, dass das Leben nicht einfach ist, und Zeugnis zu geben schon gar nicht. Doch wir müssen und können nicht darauf warten, bis sich alles zum Besseren wendet. Jesus ist in den Himmel aufgefahren, an einen Ort, an dem er für uns betet. Er schickt uns heute in die Welt – und wir gehen nicht allein.###3_IMAGES###Nach der Predigt stellte David Kröker, im ChristusForum Deutschland verantwortlich für Gemeindegründung, Armbändchen mit dem Aufdruck #DerNächsteBitte vor, die auf allen Tischen für die Teilnehmenden bereitlagen. Diese Bundesaktion soll uns daran erinnern, uns von Gott aussenden zu lassen und ihn zu fragen, wem wir der Nächste sein können.

Musikalisch wurde der Gottesdienst in bewährter und begeisternder Weise von Jan Primke und Band gestaltet. Die Kollekte zugunsten des EBF ergab 4.912,80 Euro.

Eröffnung der Bundesratstagung

Die Bundesratstagung 2022 startete mit einem dezentralen Eröffnungsabend in verschiedenen Kasseler Gemeinden.

In der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Baunatal gab es Ermutigungsimpulse aus BEFG-Gemeinden. Jonathan Walzer und David Kröker hatten hierzu drei Gäste aus verschiedenen Gemeinden eingeladen, die trotz Corona in den letzten Jahren neue Wege gegangen sind, Menschen mit dem Evangelium erreicht haben und positive Erfahrungen gemacht haben. So berichtete Andreas Latossek über eine Aktion der EFG Frankenberg, die als Hilfsaktion 100 Lebensmittelpakete packte. Wegen der kam die Gemeinde ins Gespräch mit Nachbarn, die vorher noch keinen Kontakt zur Gemeinde hatten. Dadurch schauten mehr Menschen die Übertragung des Gottesdienstes. Und viele Menschen spendeten für die Aktion. Zunächst wurden 450 weitere Pakete gepackt, am Ende waren es sogar 1.000 Pakete, für Latossek ein „Corona-Wunder“.

Steffi Herhaus berichtete über die Arbeit der GelsenKirche. Elf verschiedene Kulturen sind in der Gemeinde dabei, für sie eine „Vielfalt, die bereichert“. Ein neues sozial-diakonisches Projekt für Jugendliche wurde während der Pandemie gestartet. Weihnachten 2021 war dann wegen Corona sehr herausfordernd. Dennoch bleibt die Gemeinde diakonisch aktiv, will die Menschen der Stadt erreichen, setzt Gemeindegründer ein und engagiert sich aktuell für Geflüchtete aus der Ukraine.

Johan Drogt berichtete über die Herausforderungen der EFG Straubing in der Pandemie. „Aus der Überzeugung, dass Gott in Krisen seine Gemeinden baut, haben wir weitergemacht“, so Drogt. Mittlerweile gibt es jeden Sonntag zwei Gottesdienste.

Außerdem berichtete David Kröker aus dem Gemeindegründungsprojekt Euskirchen, dass Menschen in vier Phasen neu in die Gemeinde kommen: Integration ins Herz, ins Haus, in die Gruppe, in die Gemeinde. Durch die Gruppenarbeit ist trotz der Pandemie, die sehr herausfordernd war, viel gewachsen.###3_IMAGES###Ein Mitmachkonzert mit dem Gospelchor Up to You unter der Leitung von Manuel Schienke fand in der EFG Kassel Möncheberg statt. Präsidiumsmitglied Cornelia Gerlach hat das Konzert besucht und berichtet von derebendigen und berührenden Atmosphäre: „Spürbar war die Freude des Chores, der Solistinnen und der Musiker, nach der Coronapandemie endlich wieder singen zu dürfen. Schön auch, dass alle zum Mitsingen eingeladen waren und viele bekannte Lieder gesungen wurden. Der Funke sprang sofort über.“ Es nahmen auch ukrainische Gäste an dem Abend teil und am Ende ließen sich die Musikerinnen und Musiker nicht lange bitten und legten noch mit zwei oder drei Liedern nach. Zu einer musikalischen Eröffnungsveranstaltung wurde auch in der EFG Kassel-Oberzwehren eingeladen. Die Studierenden der Theologischen Hochschule Elstal leiteten dort einen musikalischen Sing & Pray-Abend. Zeitgleich fand auch das EBM INTERNATIONAL-Freundestreffen in der EFG Kassel-West statt. ###3_IMAGES###Um die Zukunft von Kirche nach Krisen – wie der der Corona-Pandemie – ging es in der Gemeinde Fuldatal-Ihringhausen bei einem Vortrag von Pastor Jens Stangenberg. „Dass Glauben und Kirche sich verändern, ist offenkundig“, stellte er fest. „In welcher Form das geschieht, hängt viel mit unseren Denkmustern und dem inneren Bild von Zukunft zusammen.“ Wenn Gemeinde so etwas wie ein Schutzraum sei, der durch Corona weggerissen werde, stelle sich die Frage: „Wollen wir das Bestehende befestigen oder umglauben?“ Die 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort und 26 Online-Zuschauerinnen und -Zuschauer waren eingeladen, sich darüber Gedanken zu machen, wie dieses Umglauben aussehen könne. Gastfreundschaft üben und Beziehungen pflegen, kleinere Gruppen stärken, sich fokussieren und relevante Inhalte für das 21. Jahrhundert liefern, mehr beten und den Heiligen Geist wirken lassen sowie Verantwortung auf viele Verteilen und Initiativen „von unten“ unterstützen waren einige der Ideen, die bei diesem Austausch aus dem Publikum genannt wurden. „Was macht man aber als Gemeinde“, so fragte eine Teilnehmerin, wenn man beides zusammenbringen muss: Die Menschen, die die Gemeindearbeit genauso gestalten und leben wollen wie früher und die Gruppe, die vor allem die neuen Methoden und Gestaltungsmöglichkeiten nutzen wollen, die in der Krisenzeit entstanden sind?“ Das gehöre zu den grundsätzlichen Herausforderungen christlicher Gemeinschaften, so Jens Stangenberg. Mit der Bereitschaft, Herausforderungen mutig anzugehen, Unfertigkeiten gemeinsam auszuhalten und lernbereit zu bleiben, könne das auch in Zukunft gelingen. 

Seiten