Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

Die Stasi führte Protokoll

Archivarbeit ist keine staubige Angelegenheit, eher eine spannende Reise in die Vergangenheit. Das spürten die 21 Teilnehmer des ersten Archivtags des Bundes am 20. April in der Kirche im Hof der Gemeinde Kassel-West. Die Gemeindearchivare kamen aus 16 Gemeinden zwischen Köln, Berlin, Bremen und Wiesbaden.

Erstmals hatte das Oncken Archiv in Verbindung mit dem Historischen Beirat des Bundes eingeladen, um die Archivare in ihrer Arbeit zu unterstützen und zu motivieren. Frank Fornaçon wies darauf hin, dass das Archiv das Gedächtnis einer Gemeinde sei, das viel über deren Prägung verrät und auf Fehlentwicklungen hinweisen kann. Er zitierte in seiner Einleitung ein Sprichwort: „Wer die Vergangenheit ignoriert ist gezwungen, sie zu wiederholen.“

Bei einer Führung durch das Archiv der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck erläuterte dessen stellvertretender Leiter, Peter Heidtmann-Unglaube, die Grundlagen der Archivarbeit und zeigte historische Dokumente, die in seinem Bestand über die Baptisten in Hessen zu finden sind. Ganz praktische Themen kamen zur Sprache, wie die sachgerechte Lagerung der Archivalien und die Frage, was man eigentlich wegwerfen darf.

Hartmut Wahl, Roland Fleischer, Reinhard Assmann und Frank Fornaçon, alle Mitglieder des Beirates, gaben Hinweise zum Umgang mit heiklen Themen (Drittes Reich, Stasi-Unterlagen) und wiesen auf Quellen hin, die das Gemeindearchiv ergänzen können. Dazu zählen besonders staatliche Archive und die Chancen, im Internet fündig zu werden. Reinhard Assmann berichtete über seine Forschungen im Archiv der Staatssicherheit: „Wir hatten zu DDR-Zeiten in der Gemeinde Bitterfeld eine Friedens- und Umweltgruppe gegründet. Um uns nicht zu gefährden verzichteten wir auf jegliche Protokolle. Nichts wurde aufgezeichnet.“ Sein Erstaunen war groß, als er in den Stasi-Akten präzise Mitschriften der Treffen fand. Zwei der Teilnehmer arbeiteten offenbar mit der Staatssicherheit zusammen. „So haben wir heute ein Wissen über das, was sonst mit der Zeit verloren gegangen wäre, auch wenn der Weg dahin kein guter war.“

Die Teilnehmer wurden eingeladen, die Vernetzungsmöglichkeiten im Bund zu nutzen und an bestimmten Forschungsprojekten mitzuwirken. So wies Hartmut Wahl auf die Sammlung von Fluchtgeschichten hin, die das Schicksal von Flucht und Vertreibung nach dem 2. Weltkrieg dokumentieren soll. Dringend werden hier noch schriftliche und mündliche Zeugnisse der Zeitzeugen von damals gesucht, um die wissenschaftliche Bearbeitung dieses sehr bedeutenden Teils der Bundesgeschichte zu erschließen. Roland Fleischer stellte das Projekt Biographielexikon vor. Über 250 Persönlichkeiten aus der Geschichte des Bundes und des Baptismus werden in dem Gemeinschaftsprojekt vorgestellt, das demnächst veröffentlicht wird. Frank Fornaçon stellte das Zeitschriftenarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek vor, das allein 1700 Einträge zu Baptisten im Internet zur Verfügung stellt. Darin sind nicht nur Baptisten in Österreich-Ungarn sondern auch darüber hinaus häufig erwähnt.

Dr. Andreas Liese, der erste Vorsitzende des Beirates dankte den Teilnehmern, dass sie sich nicht nur um die Geschichte ihrer Gemeinde bemühen, sondern sich auch für eine qualifizierte Arbeit schulen lassen. Er lud für 2018 zu einem zweitägigen Archivtag in Elstal ein, wo die Arbeit im Oncken-Archiv einen besonderen Schwerpunkt bilden wird.

Mit besonderem Auftrag unterwegs

Der jährlich stattfindende Workshop „Pastoraler Interimsdienst“ ist für alle akkreditierten Interimspastoren des BEFG verbindlich und dient der kollegialen Beratung und Fortbildung, der Fortentwicklung des gesamten Projekts sowie der institutionellen Anbindung an den BEFG.

Interimspastoren kommen mit einem klar definierten Auftrag in die Gemeinde und helfen ihnen als Wegbegleiter auf Zeit wichtige Weichen zu stellen. Sie haben einen beraterischen Auftrag, aber kommen als Pastoren; sie coachen, begleiten, steuern – und sie predigen auch, setzen Impulse, sind als Seelsorger vor Ort. Diese verschiedenen Facetten des Interimsdienstes standen im Mittelpunkt des Fortbildungsteils zum Thema „Rollenklärung im Interimsdienst“. Pastor Christopher Rinke, BEFG-Referent im Dienstbereich Mission, ehemaliger Interimspastor und lange als Berater im Netzwerk „Beratung von Gemeinden“ aktiv, erarbeitete das Thema sehr praxisnah. Pastor Micha Arved Neumann sagte dazu: „Der Referent hat vor allem vermittelt, wie wichtig es ist, sich jederzeit der verschiedenen Rollen bewusst zu werden, die man selbst einnimmt oder in denen man von anderen gesehen wird. Es hat Spaß gemacht, dies an einem fiktiven Fallbeispiel gemeinsam mit Kollegen praktisch einzuüben.“

Kernstück eines jeden Workshops „Pastoraler Interimsdienst“ ist die kollegiale Beratung. Das „Heilsbronner Modell zur kollegialen Beratung“ ist eine sehr hilfreiche Methode, um unterschiedliche Gemeindesituationen in einem geschützten, vertraulichen Rahmen zu reflektieren. Die vielfältigen Wahrnehmungen der Kollegen ermöglichen es dem Interimspastor, zu seinem Einsatzort neue Perspektiven und für seinen Auftrag hilfreiche Gedankenanstöße zu bekommen.

Ein besonderer Programmpunkt beim diesjährigen Workshop war ein Erzählabend unter dem Titel: „Bibel & Gesangbuch, Symbole & Rituale – Geistliche Impulse im Interimsdienst“. Wir hörten, welche Bibeltexte im Interimsdienst ausgewählt wurden und auf welche Weise die geistliche Dimension im Interimsdienst zum Tragen kam. Einige erzählten von Symbolhandlungen, die halfen, das Wort anschaulich zu machen – zum Beispiel wurden Zettel an ein großes Kreuz geheftet; Hüte symbolisierten die Fürsorge und den Segen Gottes. Interimspastoren erzählten von geistlichen Impulsen, die sie wahrgenommen haben und wie sie diese haben zur Sprache bringen können. Der Abend machte erlebbar, wie kreativ und unerschöpflich die Zugangswege zur Begegnung mit Gott gestaltet werden können.

Derzeit sind 13 Pastoren im Projekt Pastoraler Interimsdienst akkreditiert. Zehn von ihnen sind entweder im Teilzeitdienst oder Freiberufler, drei sind Pastoren im Ruhestand. Auch während dieses Workshops wurde wieder bedauert, dass derzeit keine Pastorinnen darunter sind. Auch wäre es wünschenswert, wenn der Anteil der Ruheständler größer wäre; sie sind zeitlich oft flexibler und gerade sie bringen viel Erfahrung mit. Zum Stichtag 30. April 2017 sieben bis zwölf 12 Monate, in denen der Interimspastor drei bis acht Tage vor Ort ist.

Teilnehmer Pastor Benno Braatz zog am Ende der zwei Tage folgendes Fazit „Es tut gut, aus gewissem Abstand heraus mit den Kollegen unseren besonderen Auftrag innerhalb der Bundesgemeinschaft zu betrachten. Mir macht es Freude, das Projekt weiter zu entwickeln. ‚Einmal Interimspastor, immer Interimspastor‘ – diesen Satz kann ich nur unterstreichen. Es ist ein äußerst effektiver Einsatz unserer Zeit und Gaben in den Gemeinden, den ich persönlich nicht mehr missen möchte.“

Neue Ausbildung für die gemeindliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Aufgrund der starken Nachfrage nach hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die gemeindliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen haben die Theologische Hochschule Elstal und das Gemeindejugendwerk (GJW) des BEFG eine Kooperation zur Ausbildung von Kinder- und Jugendreferenten begonnen.

Studierende der Theologischen Hochschule Elstal können ab Oktober 2017 parallel zum Bachelor-Studiengang Evangelische Theologie beim GJW eine Zusatzqualifikation zum Kinder- und Jugendreferent(in) erwerben. Dabei werden die im Studiengang vermittelten theologischen und pädagogischen Kompetenzen durch spezielle Angebote für die soziale und gemeindliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ergänzt.

Das dreijährige Studium an der Theologischen Hochschule Elstal hat gegenüber vergleichbaren Angeboten von Bibelschulen den Vorteil, dass die Absolventen einen staatlich anerkannten theologischen Studienabschluss erhalten, der im weiteren Lebenslauf die Qualifikation auch zum ordinierten pastoralen oder diakonischen Dienst ermöglicht. Wer nach einer Zeit als Kinder- oder Jugendreferentin später Pastor oder Pastorin in einer Gemeinde des BEFG werden möchte, braucht nur noch den zweijährigen Masterstudiengang Evangelische Theologie in Elstal zu absolvieren. Wer als Diakonin oder Diakon ordiniert werden möchte, kann dafür verschiedene soziale Masterstudiengänge anschließen.

Interessenten für die neue Ausbildung können sich bis zum 15. Juli bei der Theologischen Hochschule Elstal bewerben. Da die Wohnkapazitäten auf dem Campus der Hochschule aufgrund steigender Studierendenzahlen zurzeit begrenzt sind, wird eine möglichst baldige Bewerbung empfohlen. Auch für diejenigen, die ab Oktober den Bachelorstudiengang Evangelische Theologie direkt mit dem Berufsziel Pastor oder Pastorin studieren möchten, endet die Bewerbungsfrist am 15. Juli. Gleiches gilt für den Masterstudiengang Freikirchliche Diakonie, in dem sich Studierende, die bereits einen berufsqualifizierenden Bachelorabschluss besitzen, auf den Dienst als Diakon oder Diakonin im BEFG vorbereiten können.

Ansprechpartner im GJW ist der Leiter der GJW Akademie Simon Werner. Informationen zum Studiengang an der TH Elstal finden sich auf der Homepage www.th-elstal.de.

Bewerbungen an:
Theologische Hochschule Elstal
Rektorat
Johann-Gerhard-Oncken-Str.7
14641 Wustermark

„Wichtiges ökumenisches Zeichen“

Der Vizepräsident der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), Marc Brenner, hat positiv hervorgehoben, dass die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) eine VEF-Klausel in ihre Mitarbeiterrichtlinie aufgenommen hat: „Mitglieder aus Freikirchen haben es dadurch leichter, bei kirchlichen Trägern angestellt zu werden. Dies ist ein wichtiges ökumenisches Zeichen.“

Die bisherige Richtlinie aus dem Jahr 2005 sah vor, dass in der Evangelischen Kirche oder in der Diakonie nur Personen eine Anstellung erhalten, die einer Kirche angehören, die Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) ist. Menschen aus VEF-Kirchen ohne ACK-Mitgliedschaft waren darin nicht einbezogen. „Während die ACK-Klausel eigentlich als Öffnungsklausel gedacht war, wurde sie für Menschen aus VEF-Kirchen mitunter zur Ausschlussklausel“, so Brenner. Mit der seit 1. Januar 2017 gültigen „Richtlinie des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland über kirchliche Anforderungen der beruflichen Mitarbeit in der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihrer Diakonie“ sei dies nun anders, allerdings in Diakonie und EKD zunächst nur auf Bundesebene: „Wer einer der VEF-Kirchen angehört, kann eingestellt werden. Und wer aus der Landeskirche aus- und in eine VEF-Kirche eintritt, verstößt nach der neuen Regelung nicht mehr gegen die Richtlinien. Bisher wurde dies als Kirchenaustritt gewertet, der eine Kündigung zur Folge haben konnte. Wir hoffen, dass die einzelnen Landeskirchen und ihre Diakonischen Werke die neue Regelung übernehmen.“

Brenner vertritt die VEF in der Diakonischen Arbeitsgemeinschaft evangelischer Kirchen (DAeK), der Verbindungsstelle zwischen den Freikirchen und dem Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung (EWDE). Die DAeK dient der Abstimmung und Koordination gemeinsamer Aufgaben. Zum EWDE gehören die Diakonie Deutschland und „Brot für die Welt“. Marc Brenner hob hervor: „Auch die freikirchlichen Werke und Einrichtungen sind offen für Bewerberinnen und Bewerber aus Landeskirchen. Ökumene ist keine Einbahnstraße.“

Gott blickt voll Liebe auf diese Welt

In der Passionszeit halten wir inne. Das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus bringt uns auch das Leid in aller Welt näher. „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Johannes 3,16) Wir können die Passion Christi nicht bedenken, ohne dahin zu blicken, wofür Christus gelitten hat. Gott blickte damals und er blickt heute voll leidenschaftlicher und leidensbereiter Liebe auf diese Welt. Auf uns Menschen, die sich gegenseitig Leid zufügen. Zurzeit gehen die Bilder von einem Giftgasanschlag in Syrien durch die Medien. Unfassbar. Unmenschlich. Wie können Menschen so etwas tun? Und es ist nur ein Beispiel von unzähligen. Sind wir machtlos? Müssen wir das alles so hinnehmen, weil wir doch nichts ändern können? Ist die Liebe Gottes am Ende doch ohnmächtig?

Ostern werden wir daran erinnert, dass der Tod nicht das letzte Wort haben wird; und auch nicht das Leid und der Schmerz und die Schreie der Opfer. Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. Denn Christus spricht: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,4f.) Wir haben eine feste Hoffnung und einen Trost für diese Welt. Deshalb legen wir unsere Hände nicht in den Schoß, sondern wenden uns in Jesu Namen dieser Welt zu, wo wir es können. In unserem Umfeld geben wir erfüllt von dieser Hoffnung die Liebe Gottes weiter. Wir packen mit an, wo Not gewendet werden kann. Wir erheben unsere Stimme gegen Unrecht und Gewalt in all ihren Ausprägungen. Leidenschaftlich und leidensbereit wie unser Herr. In dem Bewusstsein, dass der Tag noch nicht da ist, an dem die Erlösung von allem Bösen sich durchgesetzt hat. Aber Ostern ist nicht nur ein kirchliches Fest, es ist eine Lebenshaltung. Österliches Leben ist ein Leben und Handeln in dieser Welt mit der festen Zuversicht, dass Gott sie zu einem guten Ende führt. Wir befinden uns auf diesem Weg. Das ist es, was wir in unseren Gemeinden und in dieser Welt brauchen. Menschen, die das ernst nehmen, was Jesus seine Jünger gelehrt hat.

Ich träume davon und lade dazu ein, dass wir uns in unseren Gemeinden in einem Gebet verbinden. Deshalb rege ich an, dass das folgende Gebet in der Gestaltung der Ostergottesdienste einen Platz findet. Denn Gott hört Gebete.

Wir bitten für unsere Gemeinde und die ganze Kirche Christi in unserer Zeit:

Lass uns alle erleben,
dass der Auferstandene sich auch heute nicht fernhalten lässt
durch Türen, die wir selbst verschlossen halten

aus Furcht vor den Mächten, die wir fürchten –
und denen wir uns zugleich unterwerfen:

dem Mammon, dem Feind der Gerechtigkeit
der Gewalt, die doch keinen Frieden bringt
der Gier, die die Schöpfung zugrunde richtet
der Angst vor denen, die uns fremd sind,
obwohl du ihre Herzen kennst,
so wie unsere.

Schenke uns allen heute und morgen die neue Begegnung mit dem,
dessen Namen wir tragen,
damit wir unseres Glaubens wieder froh werden,
und uns als Botinnen und Boten deiner guten Nachricht
wieder nach draußen wagen,
in unserer Nachbarschaft
und überall, wo Menschen das Leben bestehen müssen.

(ein Gebet von Brot für die Welt)

Reformation – da geht was!

Die Nachfrage zur Ausstellung und Broschüre „Reformation – da geht was!“, die von Prof. Dr. Andrea Strübind und den BEFG- Referenten Carsten Hokema und Friedrich Schneider, erarbeitet wurden, ist überraschend groß.

Gerechnet wurde in der Planung mit fünf bis acht Ausstellungen, mittlerweile sind mehr als 20 einzelne Ausstellungen, die jeweils aus acht Roll-Ups bestehen, erstellt worden. Besonders positiv wird die Nachhaltigkeit der Ausstellung bewertet, da durch die Gestaltung von spezifischen Roll-Ups der einzelnen Landesverbände und der Ortgemeinden bleibende Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit entstehen.

Von der Broschüre „Reformation – da geht was!“ sind in den vergangenen drei Monaten von Gemeinden des BEFG über 10.000 Exemplare bestellt worden. Die Broschüre enthält die Texte sowie inhaltliche Hinführungen zu den einzelnen Themen der gleichnamigen Ausstellung. Fragen zur inhaltlichen Vertiefung sind auch enthalten. Das 70-seitige Heft, das in die Geschichte der Reformation aus einer Perspektive einführt, die die täuferischen Kirchen und die Freikirchen berücksichtigt, und die reformatorischen Kernthemen auf ihre bleibende Bedeutung und Aktualität befragt, wird auch gerne von Gemeinden bestellt, die selbst keine Ausstellung durchführen. Die prägnanten Einführungen in die Geschichte, die Inhalte und die Auswirkungen der Reformation unter Berücksichtigung freikirchlicher Aspekte eignen sich auch für geschichtlich und theologisch interessierte Hauskreise und Gemeindegruppen.

Über die Ausstellungseröffnung in der EFG Bremerhaven schreibt Pastor Janusz Blonski: Zur Eröffnung der Ausstellung zum Reformationsjubiläum am 25. Februar 2017 hielt Prof. Dr. Andrea Strübind eine Vortrag über „Freiheit eines Christenmenschen. 500 Jahre Reformation“. Die Rednerin stellte dabei in hervorragender Weise eine andere Sicht der Reformation dar. Es war eine freikirchliche Sicht, in der sie für ein inklusives Verständnis der Reformationszeit plädierte. Demnach waren nicht nur Luther, Zwingli und Calvin die treibenden Kräfte der reformatorischen Bewegungen, sondern auch der linke Flügel der Reformation, allem voran die Täuferbewegung. Diese Sicht war für die anwesenden Vertreter der Kirchen teilweise neu, aber sehr bemerkenswert. Frau Susanne Wendorf-von Blumröder, Superintendentin des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Bremerhaven, lud in ihrem Grußwort alle Christen dazu ein, die Rückbesinnung auf die christlichen Wurzeln zu pflegen. Pastor Andreas Pape, Dechant der katholischen Kirche Bremerhaven, betonte in seinem Beitrag, dass er dankbar sei, dass sich heute Christen gegenseitig kennenlernen. Er meinte, die Katholiken seien heute nicht mehr in der Verteidigungsstellung, denn die Reformation sei nun ein gemeinsames Thema, denn Kirche muss immer, auch in der heutigen Zeit, in Bewegung bleiben.

Viele Gemeinden des BEFG bieten im Laufe des Jahres 2017 Veranstaltungen rund um die Ausstellung an. Das reicht von einer festlichen Ausstellungseröffnung mit Empfang, zu der auch ökumenische Gäste eingeladen werden können, über Predigtreihen oder Gemeindeabenden, Matineen mit Musik zu den verschiedenen Themenfeldern, bis hin zu Führungen für Schulklassen, Gruppen und Interessierten. Auch Ökumenische Arbeitskreise haben die Ausstellung für ihre Reformationsveranstaltungen bestellt und sogar eine landeskirchliche Kirchengemeinde. „Die Eröffnungsveranstaltungen zur Ausstellung in verschiedenen Gemeinden waren bisher für mich sehr eindrückliche Erfahrungen“, so Andrea Strübind. „Mich hat vor allem die Teilnahme, das Erstaunen und das Interesse ökumenischer Gäste begeistert und berührt. Eine Teilnehmerin sagte mir anschließend: ‚Ich wusste gar nicht, dass es so viele protestantische Kirchen gibt.‘ Ein anderer Besucher teilte mir freudestrahlend mit: ‚Das hat richtig Lust gemacht auf Kirchengeschichte!‘“.

Die Ausstellung wird auch von Mai bis Mitte September in Lutherstadt Wittenberg im Rahmen der Weltausstellung Reformation zu sehen sein. Es sind auch noch 2000 Exemplare der Broschüre vorrätig, die gerne bestellt werden können.

Gemeinsam essen - ein wichtiges Zeichen der Gemeinschaft

Am 25. März trafen sich 25 Menschen aus verschiedenen Gemeinden zur Veranstaltung "Lecker Kochen für viele" in Hamburg. Rainer Bothe, der Inhaber einer Cateringfirma, Gastronomielehrer Erich Häusler und Küchenmeister Tobias Krause leiteten die Teilnehmer nicht nur beim Kochen eines leckeren Menüs an, sie gaben auch viele Tipps weiter. Denn beim Kochen für Freizeiten und Gemeindefesten gibt es neben der organisatorischen Planung viele rechtliche und hygienische Aspekte zu bedenken.

"Die Teilnehmer haben fröhlich geschnippelt und haben das superleckere Menü am Ende mit Genuss gemeinsam verzehrt", so Andrea Schneider, Pastorin aus Oldenburg. Sie startete in den gemeinsamen Tag mit einer theologisch-biblischen Einführung zum Thema Essen und Gemeinschaft.
"Ein toller, interessanter, leckerer Tag!", so einer der Teilnehmer.

Das Menü bestand übrigens aus einer Spargelcremesuppe mit Geflügelklößchen, verschiedenen Gemüsestrudeln, glaciertem Schweinenacken mit italienischem Gemüse und Weißweinrisotto und einem Nachtisch aus Limetten-Quarkmus mit Erdbeeren und Himbeer-Rhabarber - natürlich alles frisch von den Teilnehmern zubereitet!

Multikultureller Gemeindebau und neuer Landesjugendpastor

Am 1. April fanden in sieben Landesverbänden des BEFG die jährlichen Ratstagungen statt, und die Arbeitsgemeinschaft der Brüdergemeinden (AGB) hat sich zu ihrer Jahresversammlung getroffen. Von der Ratstagung des Landesverbands Niedersachsen-Ostwestfalen-Sachsen-Anhalt berichtet Jürgen Tischler. 

So bunt wie die Gemeinden, war die Delegiertenversammlung von den Hautfarben her leider nicht. Auf Befragen des Referenten Klaus Schönberg hatten viele der 143 Delegierten aus den 90 Gemeinden des Landesverbandes Niedersachsen-Ostwestfalen-Sachsen-Anhalt (NOSA) Migrationshintergrund. Fast alle Gemeinden bestehen aus vielen Nationen. Nur in wenigen gibt es aber bereits eine Leitung, in der diese Vielfalt auch repräsentiert ist. Mit dem Thema „... von der monoethnischen zur interkulturellen Gemeinde“ befasste sich der Rat der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden mit insgesamt 200 Teilnehmern zum Abschluss seiner Tagung in Höxter. In dem engagiert und kommunikativ vorgetragenen Thema stellte der Referent des Bundes fachlich und anschaulich Modelle des interkulturellen Gemeindebaus vor und wies auf Chancen und Risiken dabei hin.

Die Ratstagung eröffnete mit einem Gottesdienst, in dem der Gemeindegründer Pastor Tobias Kron (Braunschweig-Connect, Kirche im Kino) in seiner Predigt fragte: „Wie können wir das Reich Gottes ausbreiten?“. Seine Antwort: Viel Zeit mit Menschen verbringen, viel zuhören und sich dann gemeinsam auf die Suche nach Antworten auf Lebens- und Glaubensfragen begeben. Die Musik wurde von Quarterly, einer Gemeindegründungsinitiative in Hannover, übernommen. Später interviewte der Referent für Gemeindeentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit Jürgen Tischler einen weiteren Gemeindegründer aus Braunschweig. Alexander von Krosigl ist mit seinem Team unterwegs, um ebenfalls in Braunschweig auf neuen Wegen mit Menschen über Leben und Glauben ins Gespräch zu kommen. Für derartige neue Projekte legte die Versammlung 883€ zusammen.

Per Videoclip wurde der neue Jugendpastor des GJW vorgestellt. Benedikt Elsner wird ab dem 1.Oktober 2017 die Nachfolge von Christian Fischer antreten und freut sich bereits jetzt auf die anstehenden Aufgaben und Begegnungen. Das GJW möchte das NOSIVAL nutzen, um Benedikt vorzustellen und lädt hierzu alle Interessierten herzlich ein. Die bisherigen Referenten Christian Fischer und Deborah Fischer beenden ihren Dienst im Laufe des Jahres. Die anwesende Deborah Fischer bedankte sich für die gute Zusammenarbeit und wurde mit großem Applaus verabschiedet.

Sebastian Nowottka als Geschäftsführer und Projektmanager des Gemeindejugendwerkes (GJW) berichtete gemeinsam mit den Landesjugendausschuss-Vorsitzenden über die aktuellen Entwicklungen im GJW. Eine davon ist das NOSIVAL, der Mitarbeitertag des GJW, der alljährlich am 3. Oktober stattfindet. An diesem Tag wollen sie das ehrenamtliche Engagement der vielen GJW Unterstützer/innen würdigen und Danke sagen.
 
„Mehr Möglich Machen.“ Hinter diesem Slogan verbirgt sich das neue Leitbild, das sich das Gemeindejugendwerk (GJW) gegeben hat und das durch Sebastian Nowottka vorgestellt wurde. Ziel des Leitbildprozesses sei es gewesen, den vielen Menschen in unserem Landesverband einen kompakten Überblick über unsere Arbeit zu geben und diesen in einem griffigen Slogan zu verpacken!
Die frisch gewählten Vorsitzenden des Landesjugendausschusses, Daniel Taufall und Lars Neben, stellten sich dem Landesverbandsrat vor, gaben das Ausscheiden von Rahel Maurer und Christopher Herrmann bekannt und dankten ihnen für ihr Engagement im GJW.

In einem lockeren Verhandlungsteil unter der Leitung von Dr. Fred Pieneck, dem Leiter des Landesverbandes, nahm der Rat den Haushalt 2016 ab und beschloss einstimmig den Haushalt für 2017 mit 275.000€. Der Beitrag bleibt mit 25€ pro Mitglied für 2018 stabil. Lothar Leinbaum, als Vertreter der Pastorenschaft verabschiedete seinen Vorgänger Bernd Ehle und stellte die Pastoren und Diakone vor, die eine neue Dienststelle angetreten haben. Er sprach von gegenwärtig etwa 50 bis 60 Berufungsverfahren in unserem gesamten Bund und zählte innerhalb des Landesverbandes 59 Hauptamtliche.

Der Richter Eckart Müller-Zitzke (Salzgitter) wurde von dem Gremium einstimmig für das höchste Leitungsgremium der Freikirche, das Präsidium des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden vorgeschlagen.

In den Berichten verschiedener Aussteller wurde das breite Spektrum der Aufgabenfelder in und außerhalb des Landesverbandes deutlich. Die Mediensuchtstelle „return“, die Drogenarbeit „Neues Land“, EBM INTERNATIONAL, die Spar- und Kreditbank, der Arbeitskreis Internet und die mobile „Eventkirche“ stellen nur einen Ausschnitt der vielfältigen und kreativen Ausdrucksformen gelebten Glaubens dar.

Bei dieser Ratstagung erfolgte die Anmeldung per QR-Code und Scanner. Dadurch reduzierten sich die Schlangen an der Anmeldung erheblich. Für einige Delegierte war das gewöhnungsbedürftig, für die Veranstalter eine erhebliche Arbeitserleichterung. Es besteht die Herausforderung, das Verfahren weiter zu verbessern. Über die neue Internetseite, die Jürgen Tischler mit Christian Kuntze vom AK-Internet vorstellte, soll in Zukunft die Vernetzung und Information der Gemeinden gefördert werden. Mit einer Mitarbeiterdatenbank können in Zukunft Ressourcen abgerufen und geteilt werden.
Großen Zuspruch und Dank fand die Gastfreundschaft der gastgebenden Gemeinde Höxter II, die mit ihren Mitarbeitern, ihren Räumlichkeiten, dem professionellen Catering und einem netten Ambiente die Tagung zu einem Erlebnis werden ließ.

Die Materialien der Tagung sind auf der Webseite des Landesverbandes verfügbar. Der Landesverband NOSA umfasst 90 Gemeinden mit 11.127 Mitgliedern. Leiter ist Dr. Fred Pieneck.

Spiritualität zwischen Himmel und Erde

Die diesjährige Konventwoche der Diakoninnen und Diakone im BEFG fand vom 23. bis 26. März im Kloster Volkenroda in Thüringen statt. Das Kloster Volkenroda gehört zur Jesus-Bruderschaft, einer ökumenischen Kommunität.  Die Konventwoche stand unter dem Thema „Spiritualität zwischen Himmel und Erde“.

So haben wir uns an die Gebetszeiten und Gottesdienste der Kommunität angeschlossen. Neben diesen wurden wir durch Führungen über das Klostergelände und durch den Christuspavillon mit in das bewegte Klosterleben und seine Geschichte hineingenommen. Außerdem hatten wir die Möglichkeit, uns in das Klosterleben mit einzubringen. Einige Teilnehmende haben im Rahmen eines Workshops mit angepackt und einen Teil des Klostergartens wieder urbar gemacht. Andere haben als „Konventchor“ die Musik im Gottesdienst am Sonntag maßgeblich mitgestaltet. Passend zur klösterlichen Spiritualität haben wir als Konvent einen ganzen Nachmittag schweigend verbracht. Ein Stationenspaziergang oder die neun Kammern des Christuspavillons halfen uns dabei.

Für die inhaltliche Gestaltung des Themas konnten wir Dr. Ralf Dziewas, Professor für Diakoniewissenschaft und Sozialtheologie an der Theologischen Hochschule Elstal gewinnen. Zu Beginn hat er das Berufsbild von Diakoninnen und Diakonen im BEFG in den Blick genommen. Auch wenn hauptamtliche Diakonie durch die früheren Gemeindeschwestern und die baptistische Mutterhausdiakonie eine lange Tradition hat, so existiert heute kein klares Berufsbild der ordinierten Diakoninnen und Diakone im BEFG. Anhand von Thesen wurde ein mögliches Berufsbild vorgestellt und diskutiert. In einem zweiten Teil ging es um die Gestaltung von Spiritualität in diakonischen Unternehmen und Werken. Dabei wurde deutlich, dass Spiritualität aktiv gestaltet werden will. Äußere Rahmenbedingen wie das bewusste Feiern von Festen und die Gestaltungen der Räumlichkeiten spielen dabei eine große Rolle. Davon ausgehend wurden auch immer wieder Bezüge für die aktive Gestaltung der Spiritualität in der Gemeindearbeit deutlich.

Neben diesen inhaltlichen Punkten hat auch die jährliche Konventversammlung in diesen Tagen ihren Raum gefunden. In einer Nachwahl zur Konventleitung wurde Melanie Bergerhoff in die Konventleitung gewählt.

Die Konventwoche im Kloster Volkenroda war eine intensive und abwechslungsreiche Zeit, in der wir tief in die Spiritualität des Ortes eingetaucht sind. Der Dank für die gute Gestaltung und Durchführung geht an die Konventleitung.

Zum Konvent der Diakoninnen und Diakone gehören derzeit etwa 80 Frauen und Männer. Sie arbeiten in einem vielfältigen Dienst von Kinder- und Jugendiakon/in, über Sozialdiakon/in und Seniorendiakon/in bis hin zu sehr speziellen Aufgabenprofilen in unseren Gemeinden und Werken. Ihr gemeinsames Ziel ist es, das diakonische Anliegen in unseren Gemeinden im Sinne Jesu zu fördern, damit Gottes Liebe bei den Menschen ankommt. 1. Vorsitzender des Konvents der Diakoninnen und Diakone ist Diakon Michael Job, Hannover.

Hungerkatastrophe im Südsudan

Wie in den letzten Wochen in den Nachrichten berichtet wurde, drohen mehreren Ländern Ostafrikas sowie dem Jemen große Hungerkatastrophen. Viele Anfragen haben den BEFG erreicht, wie den Menschen vor Ort geholfen werden kann. Mit den bereits eingegangenen Spenden und finanzieller Unterstützung weiterer internationaler baptistischer Partner wird das erste Projekt gefördert.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen im Südsudan im vergangenen Jahr haben neben der Flucht zehntausender Menschen auch dazu geführt, dass Kleinbauern ihre Felder nicht mehr bestellen konnten, weil sie zerstört wurden oder das Saatgut fehlte. Nun sind die Lebensmittel knapp. Canadian Baptist Ministries (CBM), bewährter internationaler Partner des BEFG, arbeitet mit einer lokalen Baptistengemeinde zusammen, die Kontakt zu verschiedenen Flüchtlingscamps hat. Die bisher beim BEFG eingegangenen Spenden und Gelder weiterer internationaler Partner ermöglichen jetzt die Verteilung von Nahrungsmitteln.  „Wir danken der Gemeinde und den Spendern, dass sie uns mit diesem Projekt helfen. Als wir hier angekommen sind nach der Flucht aus unserer Heimat hatten wir nichts. Mit den Decken, Moskitonetzen und den Nahrungsmitteln, die wir erhalten haben, wird der Aufenthalt im Camp besser“, so eine der unterstützten Frauen bei einer vergleichbaren Hilfsaktion von CBM im Vorjahr.

In einem Flüchtlingscamp in Narus werden zunächst vor allem Familien mit kleinen Kindern versorgt, schwangere oder stillende Mütter, alte Menschen oder Menschen mit Behinderung. Sie erhalten Nahrungsmittelpakete, bestehend untern anderem aus Maismehl und Bohnen, sodass sie sich einige Zeit selbst versorgen können.

Über das Hilfswerk des australischen Baptistenbundes hat der BEFG darüber hinaus Kontakte in andere betroffene Regionen, wie Kenia, Uganda, Somalia oder den Jemen. Weitere Hilfsmaßnahmen in diesen Regionen werden derzeit geprüft.

Spenden können auf das Konto des BEFG, IBAN: DE14 5009 2100 0000 0333 08, mit dem Verwendungszweck „P 45005 Hunger in der Welt“ überwiesen werden.
Falls mehr Spenden eingehen als weitergeleitet werden können, werden die Gelder in ähnlichen Projekten zur Hungerbekämpfung investiert. Vielen Dank.

VEF hat neuen Vorstand gewählt: „Mit vereinten Kräften für die Menschen“

„Als Freikirchen wollen wir einen Beitrag für die Menschen in unserem Land leisten, und mit vereinten Kräften können wir das besser.“ Mit diesen Worten hat der neue Präsident der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), Christoph Stiba (49), nach der Vorstandswahl am 28. März in Magdeburg die Bedeutung der VEF hervorgehoben.

Zum Stellvertreter Stibas, im Hauptamt Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, wählten die Delegierten der VEF-Mitgliederversammlung den Präses der Gemeinde Gottes, Marc Brenner (43). Neu in den VEF-Vorstand gewählt wurden der designierte Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche, Harald Rückert (58), sowie der Fachbereichsleiter für Korpsentwicklung und Entwicklung geistlichen Lebens im Hauptquartier der Heilsarmee, Major Frank Honsberg (54). Als Vorstandsmitglied bestätigt wurde der Vizepräses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden, Frank Uphoff (56). Wie Stiba und Brenner gehört er dem Vorstand seit drei Jahren an.

„Die Hauptaufgabe der VEF ist es, das Evangelium von der Liebe Gottes allen Menschen in Wort und Tat zu verkündigen. Wir haben ein gemeinsames geistliches Fundament, von dem aus wir das christliche Zeugnis stärken und einen freikirchlichen Beitrag in die Ökumene einbringen wollen“, so Stiba. Weltweit seien viele Freikirchen sehr groß, „doch in Deutschland haben wir relativ wenige Mitglieder. In der VEF können wir uns gegenseitig unterstützen. Und wenn wir mit einer Stimme sprechen, finden auch wir in gesellschaftlichen Debatten Gehör.“

Wichtig sei für die Freikirchen traditionell das Engagement für Menschenrechte, „insbesondere für die Glaubens- und Gewissensfreiheit“, so der neue VEF-Präsident. Auch den Einsatz für die 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedeten „Ziele für nachhaltige Entwicklung“ habe sich die VEF auf die Agenda gesetzt. „Wir sind froh, mit Peter Jörgensen einen gut vernetzten Beauftragten am Sitz der Bundesregierung zu haben, der unsere Standpunkte im politischen Berlin einbringt.“

Marc Brenner hält das gemeinsame christliche Zeugnis der Kirchen gerade angesichts der gesellschaftlichen Situation in Deutschland für bedeutsam, wie er nach seiner Wahl betonte: „Wir erleben eine starke Säkularisierung, doch gleichzeitig sind viele Menschen auf der Suche nach einem tieferen Sinn in ihrem Leben. Hier haben wir als Kirchen mit der biblischen Botschaft eine gemeinsame Antwort, für die wir werben wollen, anstatt uns wegen theologischer Unterschiede zu entzweien.“ Ihm sei es auch ein Anliegen, einem aus seiner Sicht bedenklichen Trend etwas entgegenzusetzen: „Es ist eine starke Polarisierung der Gesellschaft zu beobachten, und über kontroverse Themen wird immer härter gestritten – oft beleidigend und unversöhnlich.“ Hier stünden die Kirchen für einen Diskurs, der „von Gottes Wertschätzung für alle Menschen geprägt“ sei.

Christoph Stiba würdigte den bisherigen VEF-Präsidenten Ansgar Hörsting und dessen Stellvertreterin Rosemarie Wenner: „Ihr habt die VEF mit geistlichem Weitblick geleitet und das Miteinander unserer Kirchen gestärkt.“ Ansgar Hörsting, Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, scheidet nach neun Jahren aus dem VEF-Vorstand aus. Sechs Jahre davon war er Präsident. Er wird seinen Bund weiterhin als Delegierter in der VEF-Mitgliederversammlung vertreten. Rosemarie Wenner geht nach zwölf Jahren als Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche in den Ruhestand und scheidet nach ebenfalls zwölf Jahren aus dem VEF-Vorstand aus. Von 2008 bis 2011 war sie Präsidentin der VEF.

„Diese Gemeinschaft nicht mehr nehmen lassen“

Mit einem Abendmahlsgottesdienst im Berliner Velodrom ist am Samstag der dreitägige missionarische Gemeindekongress DYNAMISSIO zu Ende gegangen. Der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Michael Diener, der auch Mitglied im Vorstand des Kongresses sowie im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, ermutigte in seinem Sendungswort die 2.200 Teilnehmenden, den Blick auf das Gelingende zu richten: „Vieles ist auch heute schon gut: Schaut euch diesen Kongress an.“ Im Vorfeld habe es durchaus heftige Debatten im Kongressvorstand gegeben. „Aber wir sind zusammengeblieben“, so Diener unter dem Applaus der Anwesenden. „Und wir werden uns diese Gemeinschaft nicht mehr nehmen lassen.“

Am Vortag hatte der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, angesichts von Terror und Gewalt Christinnen und Christen dazu aufgerufen, „Botschafter der Versöhnung“ zu sein. Viele Menschen seien erschrocken und verunsichert über „Staatspräsidenten, die anderen Staaten und Politikern Nazi-Vorwürfe entgegenbringen“, über die Pläne, neue Mauern zu errichten und über wachsende Entfremdung und Zwietracht. Auch der Terroranschlag in London mache sehr betroffen: „Wir denken im Gebet an die Menschen dort.“ Aber „weil Christus unter uns ist, reagieren wir nicht mit Hass auf Gewalt. Und wir überlassen nicht der Angst das Feld.“

Der Greifswalder Theologieprofessor Michael Herbst hatte im Eröffnungsvortrag am Donnerstag, 23. März, Luthers Rechtfertigungslehre in den Mittelpunkt gestellt und für eine Rückkehr zu diesem „Glutkern reformatorischer Theologie“ geworben. Das Evangelium von der Befreiung durch Jesus Christus sei 500 Jahre nach der Reformation immer noch fremd und sperrig. „Dieses Fremde zu sagen, macht Kirche relevant.“

Neben den Vorträgen im Velodrom fanden in ganz Berlin an insgesamt 124 Veranstaltungsorten in Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen Foren, Seminare und Workshops statt, unter anderem mit dem Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, und dem religions- und migrationspolitischen Sprecher von BÜNDNIS 90/Die Grünen, Volker Beck. Der Vorsitzende des Kongressvorstands, Erhard Berneburg, verwies am Freitag vor Journalisten auf die große Bandbreite der Veranstalter und das Neuartige dieses Formats: „Das hat es so in Deutschland noch nicht gegeben. Wir brauchen diesen Austausch und das Lernen voneinander für die missionarische Bewegung.“

Und so lauschten beispielsweise am Donnerstagnachmittag 185 Teilnehmer im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung am Berliner Nordbahnhof gebannt dem Vortrag von Prof. Hans-Joachim Eckstein zur „Menschwerdung Gottes“. In einem Forum zur Vielfalt der Religionen betonte Andreas Goetze, Landespfarrer für den interreligiösen Dialog der Berliner Landeskirche: „Schafft Räume der Begegnung, nur so wächst Vertrauen!“ Der Leiter der Münchener ICF-Gemeinde (International Christian Fellowship), Tobias Teichen, berichtete über die Ausrichtung seiner Gemeinde am „Puls der Zeit.“ Damit sei nicht der Zeitgeist gemeint, erläutert Teichen, sondern die Fragen, die die Menschen umtreiben. „Die Antwort ist immer Jesus, aber man muss zuerst die Fragen der Menschen kennen.“ Auch eine Vielzahl von Praxisprojekten stellte sich vor. Wie zum Beispiel „blu:boks“: Inmitten der Mietskasernen von Lichtenberg bietet das Projekt in Workshops zu Musik, Tanz, Schauspiel und Handwerk den jungen Menschen des Stadtteils die Möglichkeit, neue Seiten an sich zu entdecken und ein starkes Selbstbewusstsein zu entwickeln.

In all den Veranstaltungen ging es immer wieder um die Frage: Wie können Christinnen und Christen ihr Umfeld, aber auch die Welt darüber hinaus zum Guten verändern? „Das Leiden der Menschen in El Salvador, in Syrien, im Iran, in der demokratischen Republik Kongo und aller anderen ist eine Realität, der wir nicht ausweichen können“, so die Theologin Ruth Padilla DeBorst aus Costa Rica, die am Freitagabend im Velodrom sprach. „Das ist die Realität, in die wir als Kirche gesandt sind, in den Fußspuren unseres Herrn.“

Die Resonanz der Teilnehmenden war sehr positiv. „Ich nehme die Ermutigung mit, einfach loszugehen und Gott am Wirken zu sehen und nicht nur darauf zu warten, dass er kommt“, sagte Christopher Rinke (46) aus Weimar an der Lahn. Jana Vallee (27) aus Wuppertal hat den Impuls mitgenommen, „die erlösende Gnade Christi, die Freiheit, die wir daraus haben, als Motor zu nehmen, um von Jesus Christus und Gott zu reden. Das macht mir Mut, frei und fröhlich darüber zu sprechen.“ Für Marie Willermark (62), die Leiterin der Heilsarmee in Deutschland, hat der Kongress gezeigt, dass Gott die Christen in Deutschland vorbereitet habe, „ihm mit einem Geist und der einen Absicht zu dienen, für die Verlorenen und Bedürftigen da zu sein.“ Hartmut Bartel (59) aus Wittenberge sei nicht nur gespannt, zu überlegen, wie er neue Missionsformen in der Gemeinde einsetzen könne: „Auch persönlich war es sehr aufbauend, dass man mit vielen verschiedenen Konfessionen zusammen ist, und wir haben einen Herrn!“

Das Evangelium weitergeben

Die Theologische Hochschule Elstal zählt derzeit 76 Studierende. Zudem schult die Evangelisch-Freikirchliche Akademie unzählige Mitarbeitende. Die umfangreiche Bildungsarbeit des Bundes ist auf Spenden seiner Mitglieder und Förderer angewiesen. Traditionell bittet der BEFG daher die Bundesgemeinden zu Ostern um Kollekten für die Theologische Hochschule und die Akademie in Elstal, um auch weiterhin Ehrenamtliche günstig schulen und Hauptamtliche ausbilden zu können. Auch Einzelpersonen werden gebeten, diese segensreiche Arbeit durch Spenden zu unterstützen.

Vor zweieinhalb Jahren schloss Benedikt Elsner sein Studium an der Theologischen Hochschule Elstal ab und hat in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Marl erste Erfahrungen als Pastor gesammelt.

Neben den Pastorinnen und Pastoren sind es die unzähligen Ehrenamtlichen, die in ihrem Engagement die Liebe Gottes in Wort und Tat unter die Menschen bringen. Für ihren Dienst sind Know-how, Impulse, Austausch und Vernetzung von großer Bedeutung. All dies erfahren sie an der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie – in Kursen  zur  Flüchtlingshilfe,  Gemeindeleitung,  Seelsorge,  Gemeindegründung, Leichter Sprache, Moderation, Gesang, Mission, Tontechnik, Finanzen und durch viele weitere Angebote.

Bitte unterstützen Sie die Bildungsarbeit des Bundes – mit einer Spende oder als Gemeinde in Form einer Kollekte. Unterstützen Sie die vielen Ehrenamtlichen sowie die Hauptamtlichen von morgen.

Allen, die sich beteiligen, ein herzliches Dankeschön!  

Projektnummer 11021
IBAN: DE14 5009 2100 0000 0333 08
Spar- und Kreditbank EFG eG Bad Homburg

Gottes Wesen in den Menschen entdecken

Fast auf den Tag genau, ein Jahr nach dem Start-up des Fachbereiches Familie und Generationen in Elstal trafen sich engagierte und interessierte Mitarbeitende zu einem gemeinsamen Klausurtag. Rund 25 Teilnehmende waren aus ganz Deutschland ins Stephansstift nach Hannover gekommen um sich zu informieren, auszutauschen und zu entdecken, was im gesamten Fachbereich schon gewachsen ist.

Deutlich zu sehen war bei einer kreativen Anfangsrunde, dass wir  deutschlandweit vernetzt sind. Von München nach Kiel und von Goch am Niederrhein nach Berlin. Überall gibt es Menschen, die sich engagieren und dafür sorgen, dass in der überregionalen Arbeit mit Frauen, älteren Erwachsenen, Familien und allen Generationen gute Impulse gesetzt werden und Gemeinden mit Informationen, Inhalten und Angeboten ihre Arbeit vor Ort weiterentwickeln können.

Konkret wurde es  in einer Bibelarbeit zu Noemi und ihren Schwiegertöchtern Orpa und Rut. Sie zeigte: Lebensgeschichten sind oft wenig geradlinig oder durchgehend glücklich. Wir können aber Gottes Nähe darin entdecken. Seine Begleitung, seinen Schutz und seine Führung, auch wenn Menschen es anders machen und entscheiden, als es vielleicht auf den ersten Blick klug gewesen wäre. Das ist eine grundlegende Erkenntnis für den Fachbereich und seine Arbeit: Wir dürfen auf Gott und seine Gnade vertrauen. Wir dürfen darüber staunen, wie er Menschen liebt, begleitet und beruft, auch wenn die äußeren Umstände ein großes Chaos darstellen. So wollen wir Menschen begegnen, Gottes Wesen in ihnen entdecken und dafür sorgen, dass sich das entfalten kann, was Gott in sie hineingelegt hat.

Neben allem Arbeiten an den Leitsätzen, Angeboten und Möglichkeiten im Fachbereich waren das persönliche Gespräch, der Austausch und die Begegnung wichtig. Und auch das Gefühl, trotz großer Entfernungen sehr nah und verbunden zu sein.  

Das Fazit aus dem Tag ist: Es geht voran im Fachbereich und  er will weiter wachsen! Manchmal passiert das überraschend schnell und unerwartet. An anderen Stellen braucht es Zeit und die richtigen Menschen, damit sich etwas entwickelt. Der Fachbereich freut sich auf Menschen, die neugierig und interessiert dazukommen – sei es als gastgebende Gemeinde, als Teilnehmende oder auch ganz aktiv in einem der Foren oder Arbeitskreise.

„Schönen guten Abend!“ mal anders

In der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde München Holzstraße fand Mitte Januar ein besonderer Abend unter dem Motto „Schönen guten Abend!“ statt. Auf einem „Roten Sofa“ der Gemeinde hatten Hajo Müller, lutherischer Pfarrer i.R. aus Leer/Ostfriesland, und sein Bruder Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, Sportarzt aus München, Platz genommen. Carsten Hokema, Referent im Dienstbereich Mission, war Gesprächspartner des Brüderpaars. Lesen Sie hier seinen Bericht.

Die Besucher des Abends erhielten sowohl Einblicke in das Leben des Pfarrers als auch in das Leben des bekannten Arztes als sie von ihrer Kindheit und Jugend in einem lutherischen Pfarrhaus erzählten, von ihrem beruflichen Werdegang und den Herausforderungen ihres Berufsleben berichteten sowie ihre Erfahrungen mit Kirche und Glauben teilten. Auch zu aktuellen politischen Themen nahmen sie Stellung.  

Stecknadeln hätte man fallen hören können, als Hajo Müller gebeten wurde, eine Spontanandacht zu einem Bibelvers aus Lukas 5 („Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken“) zu halten. In wenigen Sätzen brachte der knapp 80-Jährige das Anliegen Jesu für alle Besucher auf den Punkt. Sein fünf Jahre jüngerer Bruder sorgte unter anderem mit einer Erzählung rund um die letzte Olympiade für erhöhte Aufmerksamkeit. Er merkte auch an, dass er nun zum zweiten Mal in einer Baptistengemeinde sei. Das erste Mal war er während der WM 2014 einer Einladung des Fußballspielers Zé Roberto in eine Baptistengemeinde gefolgt. Die Einladung in die Gemeinde München war aufgrund persönlicher Kontakte zu den Brüdern möglich geworden. Der Sportarzt hatte, um Medienpräsenz zu vermeiden und um persönlicher sprechen zu können, darum gebeten, nur mündlich zur Veranstaltung einzuladen. Zum Abschluss des Abends wurden die rund 100 Besucher eingeladen, ihr Leben wieder neu oder auch zum ersten Mal Gott anzuvertrauen.

Die beiden Brüder sowie viele andere Besucher des Abends äußerten sich positiv über die Atmosphäre des Abends und über die engagierten Mitarbeiter der Gemeinde. Musikalisch hatten Maike Telkamp und ihr Mann Renatus Sikorski den Abend mit  Liedern zum Thema „Lebensweg“ mitgestaltet. Mit der gemeinsam gesungenen Liedstrophe „Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen. Der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zu gut bis hierher hat getan“ wurde der Abend beendet.

Das Evangelisationsformat „Schönen guten Abend!“ des Dienstbereich Mission, welches bisher in circa 30 Gemeinden unseres Bundes durchgeführt wurde, lebt davon, dass Künstler und Musiker aus dem Umfeld der Gemeinden eingeladen werden, um ihre Kunst oder Musik vorzustellen. Dabei kommen sie auch mit dem beteiligten Evangelisten ins Gespräch. Eine evangelistische Predigt gehört ebenfalls zu den Abenden.

Für mich selber war das natürlich ein besonderer „Schöner guter Abend“, und aufgeregter als sonst war ich auch. Grundsätzlich brauchen für „Schönen guten Abend!“ jedoch keine Prominenten eingeladen zu werden. Schon oft habe ich erlebt, dass diese Abende einerseits sehr unterhaltsam und informativ und zugleich geistlich sehr intensiv sind. Gerne mache ich Gemeinden Mut, Menschen aus ihrem Umfeld als Gäste auf das Sofa und als Besucher auf die Stühle zu „Schönen guten Abend!“ einzuladen.

Verantwortung für die Geschichte

Ein Studientag für Gemeindearchivare und historisch interessierte Gemeindemitglieder findet am 20. April 2017 in der Kirche im Hof in Kassel-West statt. Dabei stehen Informationen zur Anlage und Ordnung eines Gemeindearchivs im Mittelpunkt sowie Anregungen zur Recherche zur Gemeindegeschichte. Zum Vorbereitungsteam gehören Ines Pieper, Hans-Volker Sadlack und Frank Fornaçon.

„Wer die Geschichte seiner Gemeinde kennt, kann die Herausforderungen der Gegenwart besser verstehen“, meint Hans-Volker Sadlack, Mitglied im Historischen Beirat des Präsidiums des Bundes. „Dabei kommt es aber darauf an, nicht nur alte Geschichten immer weiter zu erzählen“, meint der ehemalige Archivar des Bundes, „sondern anhand von Quellen kritisch nachzufragen, was wirklich passiert ist.“
„Gemeindearchivare haben eine verantwortungsvolle Aufgabe“, erläutert die heutige Archivarin des Oncken-Archivs in Elstal, Ines Pieper. Die Diplom-Archivarin kennt die Fragen von ehrenamtlichen Autoren, die an einer Festschrift arbeiten: „Sie sind nicht nur auf das eigene Archiv angewiesen. Auch im Oncken-Archiv, in Staatsarchiven und den Archiven der Landeskirchen sind interessante Quellen zu finden.“ Wer im Gemeindearchiv für Ordnung sorgen will oder an Veröffentlichungen arbeitet, sollte, so Pieper, die Grundregeln des Archivwesens verstehen.

Christoph Stiba, der Generalsekretär des Bundes ergänzt: „Nur wenige Gemeindeleitungen sind sich bewusst, dass sie entsprechend der Archivordnung des Bundes für die Aufbewahrung der Gemeindeunterlagen zuständig sind.“ Das gelte für historisch bedeutende Unterlagen genauso wie für die Akten des gegenwärtigen Gemeindelebens. 2014 hatte das Präsidium eine entsprechende Ordnung verabschiedet.

Eine besondere Zielgruppe des Studientages sind Mitarbeiter, die Gemeindejubiläen vorbereiten. „Gerade sie profitieren sehr vom Austausch und den Informationen, wie man spannende Quellen erschließen kann,“ meint Günter Balders, Mitglied des Historischen Beirates.

Das Oncken-Archiv hat bereits vor einiger Zeit eine Handreichung für Gemeindearchive erstellt. Die Tagung wird vom Historischen Beirat des Präsidiums vorbereitet. Der Beirat berät das Präsidium in Angelegenheiten, die mit der Geschichte des Bundes zu tun haben. Er fördert darüber hinaus die Beschäftigung der Gemeinden mit ihrer Herkunft. Vorsitzende sind Dr. Andreas Liese (Bielefeld) und Reinhard Assmann (Berlin).

Hingehen und Gottes Handeln erleben

Am 11. Februar fand in der Christuskirche in Hamburg-Altona ein Impulstag des Dienstbereichs Mission statt. Über 70 Menschen aus mehr als 16 Gemeinden nutzten das Angebot, um eine Reihe von Anregungen zu missionaler Gemeindearbeit zu bekommen. Dabei war das Eigenschaftswort „missional“ vielen Anwesenden zu Beginn nicht sehr vertraut. Im Laufe des Tages wurde allerdings klar, dass damit das Handelns Gottes in der Welt betont wird, wogegen das Wort „missionarisch“ vor allem die Aktivität einer Gemeinde beschreibt.

Mit einer biblischen Betrachtung zum Ort der Berufung des Mose (2. Mose 3, 1ff) nahm Diakonie-Referentin Gaby Löding die Anwesenden mit hinein in das verortbare Wirken Gottes im „Hier und Jetzt“: bei Mose am brennenden Dornbusch, wie in unserem Alltag heute. Die Nähe Gottes erfordert es manchmal auch an unerwarteten Orten, die Schuhe auszuziehen und über Gottes Nähe zu staunen.

Im Mittelpunkt des Impulstages stand der Gedanke, der auch Motto des Dienstbereichs Mission ist: „Wir gehen hin...“ „Hingehen“ heißt hier, die Bedürfnisse der Menschen „vor Ort“ wahrzunehmen und ihnen in ihrem eigenen Lebensumfeld zu begegnen. Das Hingehen hilft dabei, heilige Orte im Alltag zu entdecken, an denen Gott bereits am Werk ist. Beim Hingehen können auch eigene Vorstellungen davon überprüft werden, wie, wo und durch wen Gott in unserem Alltag wirkt.

Ungewöhnliche und eindrückliche Beispiele dafür reflektierten auch André Peter und Joachim Gnep in ihrem Erlebnisbericht von einer Studienfahrt zu den „Fresh Expressions of Church“ (frische Ausdrucksformen von Kirche) im Großraum London, die sie im vergangenen Jahr mit der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal durchgeführt haben. Ob die Hausgemeinschaft rund um den Pizzaofen bei der „Church from scratch“, bei der sozial ausgegrenzte Menschen Gemeinschaft und Zugehörigkeit erleben können, die Bierdeckelseelsorge oder die Gebetspinnwand im Pub des „Light project“, die Kneipenbesuchern einen unerwarteten Kontakt zu Gott bieten, oder der „Saferoom“ für Opfer von Menschenhandel im Projekt „Kahaila“, der das Wort von Gottes Zuwendung für Menschen in Not „greifbar“ macht. All diesen Projekten ist gemeinsam, dass Christen aufgehört haben, auf Besucher in ihren Kirchen zu warten und stattdessen losgegangen sind, um sich vor Ort von Gott gebrauchen zu lassen.

Unter der Überschrift „Den Kontext erkunden“ wurden verschiedene Methoden der Kontextanalyse im Blick auf das private wie auch das Gemeindeumfeld vorgestellt und von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erprobt und diskutiert.  

Eine Gruppe unternahm für mehrere Stunden sogenannte „Straßenexerzitien“: Jörg Milla, einer der Teilnehmenden berichtet, was er dabei erlebt hat:
 
„Auf dem Impulstag zum Thema ‚Missionale Gemeinde‘ nutzte ich das Angebot, Straßenexerzitien kennenzulernen. ‚Geistliche Übungen auf der Straße‘ war meine Übersetzung, und ich konnte mir darunter absolut nichts vorstellen. Geistliche Übungen, also aktiv etwas zu tun, war hier aber gar nicht gefordert, sondern es ging darum, sich von Gott beschenken und inspirieren zu lassen. Für mich als kopfgesteuerter Mensch war es eine Herausforderung, ohne Ziel und Aufgabe einfach durch die Straßen Altonas zu spazieren. Schon nach den ersten Metern bemerkte ich eine Veränderung in mir. Ich spürte eine Entschleunigung und eine viel größere Achtsamkeit auf meine Umwelt. Menschen und Gebäude sprangen mir ins Auge und ich entdeckte viel mehr Details als sonst. Gott führte mich und ich ließ es zu. Ein Impuls, durch ein venezolanisches Restaurant hervorgerufen, erinnerte mich an unseren Gastsohn Andrés. In einem Buchladen erwarb ich das Buch ‚Mein Leben ohne Limits‘ von Nick Vujicic auf Spanisch und es trieb mich immer weiter in Richtung St. Pauli. Irgendwann stand ich dann vor Andrés‘ Wohnung und er war tatsächlich auch zuhause. Er war total überrascht, mich zu sehen, und ich schenkte ihm das Buch. Wir tauschten uns kurz aus und ich fühlte mich in diesem Moment als ein Bote Gottes. Das Buch ist ein weiterer Samen Gottes im Leben von Andrés. Zurückgekehrt zum Impulstag tauschten wir unsere Erfahrungen aus. Jetzt begriff ich: Gott hat mich heute durch diese positive Erfahrung beschenkt. Ich habe losgelassen und mich von Gott führen lassen und dabei mir und anderen Menschen Gutes getan. So wunderbar ist unser Gott.“

Am Ende des Tages standen Sendung und Segen und die Erinnerung an die Leidenschaft Gottes, sich den Menschen zuzuwenden und mit ihnen das Leben zu teilen. Das lohnt es zu teilen, oder?

Fortbildung im Anfangsdienst

Wir freuen uns über intensive Tage mit knapp 50 Pastorinnen und Pastoren im Anfangsdienst. Im Rahmen der Fortbildung im Anfangsdienst haben sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen intensiv mit dem Thema „Predigen und Kasualien“ beschäftigt. Für herausfordernde, geistig und körperlich mobilisierende und vertiefende Impulse waren mehrere Referenten zu Gast: der Dramaturg und Trainer Felix Ritter, der Bestatter Axel Bauermann und der Theologe Dr. Reiner Knieling.

Stellungnahme zum Umgang mit Flüchtlingen

Der Baptistische Weltbund (BWA) hat das von den USA verhängte Einreiseverbot zum Anlass genommen, sich erneut hinter eine Resolution zu stellen, die im Juli 2016 auf der Ratstagung der BWA verabschiedet wurde. Der nachstehende Text ist die deutsche Übersetzung einer von der BWA am 3. Februar 2017 veröffentlichten Pressemitteilung.

Der Baptistische Weltbund bekräftigt erneut seine biblische Haltung in Bezug auf Flüchtlinge, die besonders schutzlos und wegen ihres Glaubens oft in Gefahr sind.

In einer Resolution, die im Juli 2016 auf der Ratstagung im kanadischen Vancouver verabschiedet wurde, appelliert die BWA an ihre „Mitgliedsbünde, Partnerkirchen und einzelne Gläubige, aktiv Gelegenheiten für den christlichen Dienst und das christliche Zeugnis wahrzunehmen. So sollen das biblische Gebot der Nächstenliebe (3. Mose 19, 18) ebenso konkret werden wie die Lehre Jesu, unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst (Matth. 22, 37-40). Christen sollen auf eine Weise Salz und Licht sein, die Gottes Werte innerhalb unserer Kultur sichtbar werden lässt.“

Weiter ermutigt die Resolution Christen, „sich persönlich für geflüchtete und vertriebene Menschen zu engagieren und ihnen großzügig Gottes Liebe und Zuwendung zu zeigen und damit zu verkünden, dass der in Jesus Christus bezeugte Gott allein genügt“.

Im Lichte dieser Resolution aus dem Juli 2016 und vorheriger Resolutionen aus den Jahren 2011 und 2013 verurteilt die BWA den aktuellen Erlass der US-amerikanischen Regierung, mit dem ein pauschales Einreiseverbot für sieben Länder verhängt wurde, das sich besonders gegen Flüchtlinge richtet und vor allem Muslime zu treffen scheint.

Dieser Erlass hat schon jetzt negative Auswirkungen auf das Leben von Familien. Er wirkt sich nachteilig auf Organisationen aus, die mit Flüchtlingen zusammenarbeiten. Und er hat baptistische Institutionen in den USA wie Universitäten und theologische Seminare, in denen Studierende aus diesen sieben Staaten eingeschrieben sind, unvermittelt in Schwierigkeiten gebracht.

Die BWA erkennt an, dass eine Regierung das Recht hat, Bedingungen zu schaffen und aufrechtzuerhalten, die zur Sicherheit ihrer Bürger beitragen. Doch gleichzeitig besteht die Gefahr, der Angst nachzugeben und überstürzt fehlgeleitete Strategien voranzutreiben, die schädliche Langzeitwirkungen haben und die Religionsfreiheit untergraben.

Wir verstehen, dass dieser Erlass zum Teil eine Antwort auf seit langem bestehende Probleme in diesen sieben Ländern ist. Die Situation ist also nicht vollkommen unerwartet entstanden. Doch wir verurteilen ungerechte Aktionen, die zu häufig zu unspezifisch sind. Und wir wenden uns gegen Auflagen, die die Lage eher noch verschlimmern.

Wir nehmen wahr, dass im Irak, Christen, Jesiden und andere mit dem Massenmord durch den Islamischen Staat konfrontiert sind. Über die letzten zehn Jahre ist die Zahl der Christen in der Bevölkerung von 1,5 Millionen auf weniger als 200.000 gesunken.

Ein globale Warnung des „Famine Early Warning Systems Network” (ein von der
Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung [USAID] finanziertes Frühwarnsystem für Hungersnöte) gibt an, dass der Jemen in Gefahr ist, in der Sicherheit der Ernährungsversorgung das niedrigste Niveau zu erreichen.

Was die Konflikte im Land sowie die humanitäre Lage betrifft, ist die Situation in Syrien weltweit eine der komplexesten. Das Land ist zerstört und muss das Trauma überwinden und Wiederaufbau leisten.

Baptisten, ihre Mitchristen und alle Menschen guten Willens sollten daran arbeiten, diese Bedingungen zu verändern, die zur Vertreibung in diesen und anderen Ländern geführt haben. Und sie sollten sich für Frieden, Harmonie und Gerechtigkeit einsetzen.
 
Die BWA freut sich über Baptisten in Ländern wie der Türkei, dem Libanon, Deutschland, Schweden, Kroatien, Serbien und anderswo, die das biblische Gebot, sich für die Schwachen einzusetzen, mit Leben füllen und christliche Gastfreundschaft gewähren. Und wir stehen hinter den Baptisten in den Vereinigten Staaten, die Andere willkommen heißen und ihnen Hilfe anbieten. 

Die Einheit der Kirchen fördern

„Ist unsere Arbeit als ACK Delegierte der Landesverbände für unsere Gemeinden wichtig?“ Mit dieser Frage befassten sich 20 Teilnehmer einer Tagung am 20. und 21. Januar in Elstal.  Alle engagieren sich als Vertreter ihrer Landesverbände des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in den Zusammenschlüssen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) auf Länderebene. Wie einer der Teilnehmer, Pastor Helge Frey (Kiel), der GEMEINDE mitteilte, stand am Ende der Beratungen fest: Die Arbeit ist bedeutsam, weil sie die Einheit der Kirchen fördere. „Da ist unser Beitrag wichtig, auch wenn das auf der Gemeindeebene nicht immer wahrgenommen wird“, so Frey. Im Miteinander der Kirchen positioniere sich die ACK immer wieder auch in politischen Entscheidungsprozessen und werde dabei von politischer Seite als Gesprächspartner akzeptiert. Wichtig sei die ACK auch, wenn Mitglieder der freikirchlichen Gemeinden eine Bescheinigung benötigen, dass sie zu einer ACK-Kirche gehören. Dies gelte insbesondere für Lehrer, die evangelischen Religionsunterricht erteilen (Vokationsordnung). Auch wenn man als Freikirchler hauptberuflich in einer landeskirchlichen Einrichtung arbeite wolle, gehe dies in der Regel nicht ohne ACK-Bescheinigung.

Die Delegierten befassten sich auch mit einer neuen Loyalitätsrichtlinie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die am 1. Januar in Kraft trat. Dort wurde die „ACK-Klausel“ ergänzt durch die Mitgliedschaft in einer der 14 Mitgliedskirchen der Vereinigung Evangelischer Freikirchen. Nicht alle VEF-Mitglieder gehören auch zur ACK.

Diskutiert wurde auch das Für und Wider einer Mitgliedschaft im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), dem Weltkirchenrat. Alle Delegierten sprachen sich einstimmig für eine Mitgliedschaft aus. Ihre Begründung: „Als Baptisten leben wir von Anfang an ökumenisch vernetzt – warum nicht hier?“

Im Teil „Berichte aus den Landes-ACKs“ erzählte Rainer Barth von der ACK Bremen, dass man den Ökumenepreis gewonnen habe. Prämiert wurde das Engagement bei der Vorbereitung des Stadtkirchentags. Da hätten sich die Gemeinden im Losverfahren gegenseitig eingeladen. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland ist ein 1948 gegründeter Zusammenschluss christlicher Kirchen in Deutschland zum Zweck der Förderung ökumenischer Zusammenarbeit und der Einheit der Kirchen. Zu den Gründungsmitgliedern gehört der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden.

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