Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

Jahresprogramm 2018 erschienen

Das Jahresprogramm 2018 der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal ist erschienen. Es wird jährlich herausgegeben und enthält viele Bildungsangebote aus den unterschiedlichen Bereichen des BEFG. „Bildung ist eine wichtige Quelle für inspiriertes Leben“, schreibt Akademieleiter Oliver Pilnei in seinem Vorwort in Bezug auf das Jahresthema des BEFG „INSPIRIERT LEBEN …dass Christus Gestalt gewinnt“. Durch ein breites Spektrum an Themen und verschiedenen Arbeitsformen lade die Akademie zu Bildungswegen ein, „die Wissen vermitteln, Kompetenzen vertiefen und die Persönlichkeit reifen lassen. Damit wir inspiriert leben und Christus in uns Gestalt gewinnt!“ Die Veranstaltungen des Jahresprogramms sind nach verschiedenen Kategorien, zum Beispiel „Gottesdienst und Gemeindepraxis“, „Seelsorge und Psychologie“ und „Theologie und Gesellschaft“, gegliedert und richten sich an unterschiedliche Zielgruppen. Sie werden bundesweit durchgeführt und einige Veranstaltungen werden direkt auf den Bedarf der Teilnehmenden zugeschnitten. Die Gemeinden des BEFG erhalten das 80-seitige Heft per Post. Auf der Internetseite der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie kann es zudem kostenlos heruntergeladen werden.

Gegen das Verschweigen

Seit dem 1. Oktober gibt es im BEFG eine Anlaufstelle für Betroffene sexueller Gewalt. Zweck, Ziel und Aufgaben dieser Anlaufstelle erläutert Generalsekretär Christoph Stiba (CS) in einem Interview mit Julia Grundmann (JG).

JG: Warum wurde die Anlaufstelle eingerichtet?

CS: Sexuelle Gewalt ist ja ein Thema, über das nicht einfach zu reden ist. Gerade auch im gemeindlichen Kontext galt lange Zeit: „Es kann nicht sein, was nicht sein darf!“ Doch wie wir wissen, ist besonders in den letzten Jahren öffentlich bekannt geworden, dass es auch in Kirchen sexuelle Gewalt gibt und sie durchaus Schwierigkeiten haben, damit umzugehen. Wer über sexuelle Gewalt spricht, bricht die Isolation und Geheimhaltung auf und kann auf diesem Weg dazu beitragen, dass Missbrauch beendet wird. Als Bund sind wir schon seit dem Jahr 2009 auf dem Weg der Prävention gegen sexuelle Gewalt in unseren Gemeinden. Unter dem Titel „Auf dem Weg zur sicheren Gemeinde“ hat das Gemeindejugendwerk (GJW) hilfreiche Unterlagen und Schulungen entwickelt, die Gemeinden, Landes-GJWs oder Landesverbänden helfen, sichere Veranstaltungen anzubieten, sichere Gemeinde zu sein. Mit der Einrichtung einer Anlaufstelle für Betroffene sexueller Gewalt im Rahmen des Bundes schaffen wir ein zusätzliches Instrument, um im Fall notwendiger Intervention angemessen und professionell reagieren zu können.

JG: Was ist das Ziel der Arbeit der Anlaufstelle? Was soll dadurch erreicht werden?

CS: Wir wollen, dass die Betroffenen sexueller Gewalt Hilfe erhalten durch gute juristische, therapeutische und seelsorgerliche Beratungsangebote. Konkreten Verdachtsfällen wollen wir offensiv nachgehen mit einem qualifizierten und fachkundig begleiteten Verfahren. Vor allem aber wünschen wir uns, dass durch diese Maßnahmen weiterer Missbrauch verhindert werden kann und der Kindesschutz in unseren Gemeinden und Einrichtungen des Bundes wirklich gegeben ist. Dabei ist uns der Schutz der Betroffenen wichtiger als der Schutz der eigenen Institution.

JG: Bei der katholischen Kirche hat erst durch öffentlich gemachte Missbrauchsskandale eine grundlegende innerkirchliche Auseinandersetzung mit dem Thema stattgefunden. Gab es bei uns auch spezielle Auslöser?

CS: Nein, in dieser Weise gab es keinen Auslöser. Wie gesagt, seit dem Jahr 2009 sind wir mit dem GJW in der Präventionsarbeit tätig. Das liegt schlichtweg an der Erkenntnis, dass in unserer Gesellschaft sexueller Missbrauch an der Tagesordnung ist. Das müssen wir uns bewusst machen. Die Weltgesundheitsorganisation geht für Deutschland von einer Million Mädchen und Jungen aus, die sexuelle Gewalt erlebt haben oder erleben. Das bedeutet, dass in jeder Schulklasse rein statistisch ein bis zwei Kinder sitzen, die davon betroffen sind. Und wahrscheinlich eben auch in der Realität. Darauf reagieren wir! Deswegen hat das GJW die Präventionsarbeit angestoßen und jetzt ist ein konsequenter Folgeschritt, dass wir mit einer Anlaufstelle die Möglichkeit eröffnen, dass Betroffene sexueller Gewalt sich äußern und wir reagieren können.

JG: Wer gehört zu der Anlaufstelle?


CS: Erste Anlaufstelle für Betroffene sexueller Gewalt in unserem Bund ist das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch. Dieses Hilfetelefon ist ein Angebot des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs – einem Amt der Bundesregierung. Wir kooperieren mit dem Verein N.I.N.A. („Nationale Infoline, Netzwerk und Anlaufstelle zu sexueller Gewalt an Jungen und Mädchen“), der die fachliche Leitung dieses Hilfetelefons innehat. Darüber hinaus schaffen wir dann eine Anlaufstelle für ein internes Beschwerdeverfahren. Diese besteht zurzeit aus zwei Personen, die fachlich qualifiziert und nicht Mitglieder einer Gemeinde des Bundes sind. Letzteres ist deshalb wichtig, damit sie möglichst unabhängig agieren können.

JG: Wie sieht denn die konkrete Arbeit der Anlaufstelle aus?

CS: Das kann ich gerne beispielhaft skizzieren: Angenommen, ein Jugendlicher hat durch einen Mitarbeiter unserer Gemeinden sexuelle Gewalt erlebt. Der Jugendliche ruft die Nummer des Hilfetelefons an. Die Gesprächspartner können zunächst völlig unabhängig vom BEFG beratend tätig werden und gemeinsam mit dem Anrufer herausfinden, was die nächsten Schritte sind. Ein Schritt könnte zum Beispiel sein, professionelle Unterstützung vor Ort in Anspruch zu nehmen. Sollte der Ratsuchende zu dem Entschluss kommen, ein Beschwerdeverfahren im BEFG auszulösen, werden die Berater beim Hilfetelefon ihm die Kontaktdaten der Berater der internen Anlaufstelle des BEFG weitergeben.

JG: Und dann?


CS: Dann liegt es an den Beratern unserer Anlaufstelle, das Verfahren innerhalb des Bundes zu begleiten. Da muss dann zum Beispiel unterschieden werden, ob der mutmaßliche Täter oder die Täterin haupt- oder ehrenamtlich im BEFG tätig ist, es werden geeignete Fachkräfte vor Ort gesucht und es wird dafür gesorgt, dass die richtigen Personen zum richtigen Zeitpunkt einbezogen werden. Und die Berater initiieren gegebenenfalls die dienstrechtliche Verfolgung des Falls. Für deren Ergebnis – also ob zum Beispiel die beschuldigte Person entlassen wird oder keine Kinderfreizeiten mehr durchführen darf – trägt die entsprechende Dienststelle die Verantwortung, der zuständige Dienstbereich im Bund wird darüber informiert.

JG: Wie kann gewährleistet werden, dass dieses Verfahren funktioniert? Wie und durch wen wird die Arbeit der Anlaufstelle ausgewertet?

CS: Es soll zunächst eine Erprobungsphase geben, die zwei Jahre dauern wird. Währenddessen werden die Prozesse aber bereits fortwährend evaluiert. Zum einen auf Grundlage der Zahlen des Hilfetelefons, die darüber Aus-kunft geben, wie viele Leute sich überhaupt melden. Zum anderen erwarten wir, dass ein Vertreter oder eine Vertreterin der Anlaufstelle jährlich sowohl dem Fachkreis Sichere Gemeinde als auch dem Präsidium über die Arbeit berichtet – anonymisiert natürlich. Das soll dazu dienen, das Verfahren der Anlaufstelle möglicherweise zu optimieren, aber vor allem soll es dazu dienen, dass wir die Präventionsarbeit noch verbessern können. Deswegen besteht auch dieser enge Kontakt zu dem Fachkreis Sichere Gemeinde, der ja im Wesentlichen die  Präventionsarbeit in unserem Bund übernommen hat.

JG: Können sich auch Erwachsene, die als Kind sexuelle Gewalt erlebt haben, an die Anlaufstelle wenden oder gibt es da eine Verjährung?

CS: Die Möglichkeit, sich an die Anlaufstelle zu wenden, gibt es immer – übrigens nicht nur für die Betroffenen selber. Auch Eltern oder andere Personen, die etwas beobachtet oder eine Verdacht haben, können beim Hilfetelefon anrufen. Der Verfahrensablauf wird sich dann sicherlich jeweils unterschiedlich gestalten, aber unser Ziel ist es ja gerade, dass sexuelle Gewalt nicht totgeschwiegen wird. Wir wollen damit ein deutliches Signal setzen, dass sexuelle Gewalt im Kontext unserer Gemeinen und der überregionalen Angebote für Kinder und Jugendliche nicht toleriert wird. Deshalb ermutige ich Betroffene, das Schweigen zu brechen und mitzuhelfen, dass die Angebote für Kinder und Jugendliche in unserem Bund sicher sind.

JG: Vielen Dank für das Gespräch!

Kompetenz durch Scheitern

„Menschen im Scheitern zu begleiten“ sei eine wichtige seelsorgerische und diakonische Aufgabe, sagte Pastor i.R. und Diplom-Psychologe Olaf Kormannshaus am 14. Oktober in der Evangelisch-Freikirchlichen Begegnungskirche in Esslingen. Doch dies falle Gemeinden „fast immer bei Scheidungskrisen schwer“, dabei „ist Gott im Scheitern und hilft hindurch“, betonte Kormannshaus mit Blick auf viele biblische Personen wie Moses, David, Elia oder auch Petrus vor knapp 30 Teilnehmern beim Seminartag „Kompetent durch Scheitern“ des Diakoniewerks der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in Baden-Württemberg.

Scheitern sei oft noch „extrem schambesetzt“ und galt nach dem amerikanischen Soziologen Richard Sennet lange als „großes Tabu der Moderne“. Dies habe, so Kormannshaus, auch immer wieder dazu geführt, dass viele Menschen nicht mehr in eine Gemeinde kämen. Dabei scheitere jeder Mensch bzw. bleibe hinter dem zurück, was er wolle. Diesen Konflikt habe schon der Apostel Paulus in Römer 7 beschrieben.

Nach der Definition des Kulturhistorikers Stefan Zahlmann sei Scheitern „die wahrgenommene Differenz zum gelungenen Leben“. Gerade in einer Erfolgsgesellschaft habe „das Risiko des Scheiterns zugenommen“, doch Erfolg könne keinem garantiert werden. Allerdings sei Scheitern immer verbunden mit einem „Gefühl von Verlust“. Es habe, anders als beim Trauerprozess, meist „keinen Ort“, führte Kormannshaus weiter aus. In einem Beratungsprozess könnten Erfahrungen aufgearbeitet und bisherige Bewertungen oder Ideale gemeinsam überdacht werden.

Menschen könnten auch unverschuldet scheitern, etwa durch einen Unfall oder wenn der bisherige Arbeitgeber Insolvenz anmeldet und jemand hinterher keinen neuen Job findet. Jedoch könnten sich auch neue Wege und Möglichkeiten entwickeln. Diplom-Psychologe Kormannshaus, der auch als Supervisor (EKFuL) tätig ist, nannte den französischen Maler Henri Matisse als Beispiel. Nachdem er durch den Rollstuhl nicht mehr malen konnte, erfand er für die Kunst den Scherenschnitt.

Allerdings erfolge ein Reifungsprozess aus dem Scheitern nicht automatisch. Dazu gehöre zunächst die Erfahrung tiefen Schmerzes und tiefer Verzweiflung, die nicht einfach übersprungen werden könnten. Glaubende dürften sich auch im Scheitern von Gott angenommen wissen. Der Glaube befreie vom Zwang, dass alles gelingen müsse. Laut einer US-Studie helfe er, Scheitern besser zu bewältigen. Auch deshalb sei es für die Diakonie „eine geistliche Aufgabe par excellence, Anwalt der Gescheiterten zu sein“, sagte Kormannshaus am Ende seiner Vorträge.

„Wie gelingt Barock’n Roll?“

„Wie wird es wohl sein, wenn 35 Leute zwischen elf und 69 Jahren aus 16 ganz unterschiedlichen Gemeinden sich ein ganzes Wochenende mit Musik befassen?“ fragte sich Ulrike Haubeck vom Leitungsteam des Arbeitskreises Musik und Gemeinde im BEFG. Wie es war, darüber schreibt sie in ihrem Bericht über die 16. Jahrestagung des Arbeitskreises vom 8. bis 10. September in Altenau im Harz.

Wenn 35 Leute zwischen elf und 69 Jahren aus 16 ganz unterschiedlichen Gemeinden sich ein ganzes Wochenende mit Musik befassen ist das wahrscheinlich genauso spannend wie das Zusammenspiel in jeder einzelnen dieser Gemeinden. Jeder bringt andere Erwartungen und Voraussetzungen mit, hat altersgerechte Erfahrungen und Vorlieben. Genau diesen Spagat zwischen Barock und Rock’n‘Roll haben wir auf der Jahrestagung 2017 thematisiert. Wie gelingt Barock’n Roll?

Schon am ersten Abend während der legendären „Spielwiese“ wurde deutlich, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. Oder hat es vorher schon einmal jemand versucht, den schönen alten Choral „Auf Seele, Gott zu loben“ zur Melodie von „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten“ zu singen? Vielleicht lauschen wir demnächst ja auch hier und da auf das altbekannte Lied „Macht hoch die Tür“ in neuem Gewand und es ertönt die Melodie „Wo ich auch stehe“ zum  adventlichen Text.

Der Samstagvormittag war wie immer die Zeit der Theorie. Nach interessanten Einblicken in praktische Erfahrungen und unter professioneller Anleitung unseres Referenten Jan Primke (Dortmund) kam es zu einem regen Gedankenaustausch, welcher das ganze Wochenende nicht abriss. Dabei wurde keiner mit seinen Anliegen allein gelassen und ermutigt, sich seinen Aufgaben in der jeweiligen Gemeinde zu stellen.

Natürlich kam auch die Praxis nicht zu kurz. Es wurde viel gesungen – neues wie altes Liedgut, wir lernten interessante mitgebrachte Instrumente kennen (ich hatte bisher noch nie von einem Dulcinet gehört) und so manch ein Teilnehmer stellte sich am Abend mit viel Mut auf unsere Open Stage – die Offene Bühne –  um ein oder mehrere Songs (auch selbstgeschriebene) zu präsentieren. Sowohl für die Zuhörer wie auch für die Aufführenden waren das ganz besondere Momente.

Immer wieder etwas ganz Besonderes ist der gemeinsame Gottesdienst am Sonntag. Mit all den Menschen, die man kennen- und schätzen gelernt hat, zusammen Gott zu loben, ist eine Bereicherung und eine Ermutigung für den Alltag in der eigenen Gemeinde.

Und was haben wir sonst so erlebt? Nun, weitaus mehr, als ich hier aufschreiben könnte. Schaut euch die Fotos der Tagung an, sprecht mit uns vom Leitungsteam. Oder noch besser - kommt einfach selbst und macht euch ein Bild davon, wie es so zugeht auf einer Jahrestagung des AK Musik! Vom 14. bis 16. September 2018 habt ihr die Chance dazu.

Vorurteilsbewusst statt vorurteilsfrei

Die Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft evangelisch-freikirchlicher Kindertagesstätten (AGEF KITAS) fand in diesem Jahr in Elstal statt. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen beschäftigten sich mit dem Thema „Vorurteilsbewusste Erziehung“. Gabriele Löding, BEFG-Referentin für Diakonie im Dienstbereich Mission, war mit dabei. Ein Bericht. 

„Vorurteilsbewusste Erziehung“ lautete das Thema der diesjährigen Jahrestagung der AGEF KITAS. Vorurteilsbewusst, weil klar ist:  Vorurteilsfrei sind wir nicht, jede und jeder denkt in Verallgemeinerungen. Doch wichtig ist, sich dessen bewusst zu sein und zu erkennen, dass bestimmte Merkmale noch nicht den ganzen Menschen in seiner Identität erfassen.

Die zwei Referentinnen von der Fachstelle KINDERWELTEN aus Berlin, Nuran Ayten und Nele Kontzi, verdeutlichten, dass vorurteilsbewusste Erziehung damit auch immer ein Einsatz für Inklusion und Bildungsgerechtigkeit ist. Es geht darum, keinen auszugrenzen oder herabzuwürdigen. Daraus ergeben sich vier Ziele für die Praxis in Kitas: Alle Kinder in ihrer Identität stärken, allen Kindern Erfahrungen mit Vielfalt ermöglichen, kritisches Nachdenken über Fragen der Gerechtigkeit und Fairness anregen und aktiv werden gegen Unrecht und Diskriminierung.

In Übungen überprüften wir unsere eigene Sensibilität beim Thema, und im Austausch ging es um Erfahrungen im Kita-Alltag. Wenn in einer Kita nur deutsch gesprochen wird, wird dann die Sprache von anderssprachigen Kindern automatisch abgewertet? Andererseits ist die Förderung der deutschen Sprache eine Voraussetzung für gelingende Inklusion. Eine Möglichkeit ist, Räume zu schaffen, in denen Mehrsprachigkeit wertgeschätzt wird – zum Beispiel im Morgenkreis eine Begrüßung und Lieder in mehreren Sprachen vorkommen zu lassen.

Im Anschluss an den thematischen Block fand eine Kiez-Stadtführung in Berlin-Kreuzberg statt und wir konnten erleben, wie vorurteilsbeladen oder -bewusst wir Orte und Menschen wahrnehmen.

Fast 50 Erzieherinnen, Leiter und Trägervertreter der Kitas nahmen an der Tagung teil. Auf der Mitgliederversammlung wurden zwei neue Einrichtungen aufgenommen, eine hat ihren Austritt erklärt, sodass jetzt 47 Einrichtungen zur AGEF KITAS gehören.

In den Austauschrunden der  Kindertagesstättenleitenden und Trägervertreter wurden Anliegen und Fragen geklärt und Ideen und Anregungen ausgetauscht.

Begleitet wurde der thematische Teil durch drei biblische Geschichten von Hagar, dem barmherzigen Samariter und der Berufung des Levi. In diesen Geschichten wurde deutlich, dass Gottes Liebe allen Menschen in ihrer Vielfalt, Andersartigkeit und Fremdheit gilt und Jesus auch gegen Unrecht und Diskriminierung eintritt.

Die Tagung war anregend, stärkend und ermutigend.

Im nächsten Jahr feiert die AGEF KITAS vom 21. bis 23. September ihr 20jähriges Bestehen in Weltersbach mit dem BEFG-Präsidenten Michael Noss als Referenten.

„Verstärker für das Säuseln Gottes sein“

Präsident Michael Noss und Generalsekretär Christoph Stiba beleuchten im Interview mit Dr. Michael Gruber das kommende Jahresthema „INSPIRIERT LEBEN ... dass Christus Gestalt gewinnt“. Sie berichten über den Schatz der vielfältigen Frömmigkeit in unserem Bund, fremde Ausdrucksformen geistlichen Lebens und die gesellschaftliche Dimension der Gottesbegegnung. Und sie verraten, was sie sich für den BEFG am meisten wünschen.

MG: Im Mission Statement, nachzulesen auf diesen Seiten, heißt es, dass es beim neuen Jahresthema um Gottes Nähe, die Sammlung der Gemeinde um Jesus Christus und das gemeinsame Hören auf Gott geht. Warum stellt der Bund diese Punkte, die für uns als Kirche doch eigentlich selbstverständlich sind, für zwei Jahre in den Fokus?

MN: Manchmal verliert man Selbstverständlichkeiten aus den Augen, gerade weil sie so selbstverständlich erscheinen und man sich deshalb mit vielem anderen beschäftigt. Uns liegt daran, dass wir als Bund die Mitte unseres Glaubens im Blick behalten. Die Mitte der Kirche ist Christus und der Geist Gottes. Da kommt unsere Kraft her, unsere Orientierung. Für mich ist bei diesem Jahresthema der Gedanke der Mitte, aus der sich alles andere entfaltet, entscheidend.

CS: Unsere letzten beiden Jahresthemen „Bunte Gemeinde“ und Gemeindegründung waren nach außen orientiert. Mit ihnen haben wir unseren Auftrag, die Sendung der Gemeinde, in den Blick genommen. Nun geht es um den Kern, um den wir uns sammeln, der uns als Gemeindebund ausmacht und zusammenbindet: Christus, die Mitte! Deshalb fand ich bei der Bunten Gemeinde auch den Untertitel „Staunen über Christus im Anderen“ so wichtig, genau wie jetzt den Untertitel „…dass Christus Gestalt gewinnt“.

MN: Aus dieser Mitte können wir auch die innere Kraft ziehen, unseren Glauben in der säkularisierten Gesellschaft zu vertreten. Und dabei geht es natürlich nicht nur um uns. Ich von der alten Wahrheit überzeugt, dass die Welt durch Christus gerettet wird. ###3_IMAGES### MG: Das Mission Statement beschreibt das Hören auf die lebendige Stimme Gottes, der in diesem Sinne unsere Mitte ist, als ein Ziel des Jahresthemas. Wie kann das in unserer lauten, schnelllebigen Zeit gelingen, und welche Rolle spielen Gemeinden und Bund dabei?

MN: Wir werden die laute Welt nicht leiser kriegen, und das ist auch nicht unsere Aufgabe. Ich glaube aber, dass wir Räume schaffen müssen, in denen Menschen Kraft schöpfen können – kontemplative Räume mit Zweckfreiheit: Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein. Als Gemeinden sind wir dazu berufen, mit den Menschen mitzugehen und dafür zu sorgen, dass die spirituellen Sensoren, die alle haben, ein Gegenüber finden.

CS: Wenn Menschen in der Bibel Gottes Stimme gehört haben, war das oftmals nicht im lauten Sturm, sondern wie bei Elia im leisen Säuseln. Jesus hat sich in Stille und Abgeschiedenheit zurückgezogen, um seinem Vater nahe zu sein. Wie meine Kinder ihre Kopfhörer rausnehmen müssen, wenn ich zu ihnen spreche, müssen wir in den Gemeinden Rahmenbedingungen schaffen, um auf Gott zu hören. In Freikirchen ist es eine Gefahr, dass wir ständig in Aktion sind. Wenn es in der Gemeindearbeit immer darum geht, in den unterschiedlichen Arbeitsbereichen etwas auf die Beine zu stellen, kann das dazu führen, dass Menschen ausgepowert werden. Hier gilt es, Räume für Ruhe und Entspannung zu schaffen. Das hat mit der Freiheit zu tun, auf Gottes Wort zu hören.

MN: Um das Bild mit den Kopfhörern aufzunehmen: Als Gemeinden müssen wir denen ein Angebot machen, die bereit sind, die Stöpsel aus den Ohren zu nehmen und zu hören. Für das Grund-säuseln Gottes können wir in diesem Sinne Richtungsgeber und Verstärker sein.

CS: Beim Hören auf Gottes Wort geht es ja auch darum, wie wir uns als Christen verhalten sollen. Die Rolle des Bundes darin ist es aus meiner Sicht, Gesprächsräume zu schaffen. So hatten wir vier Konsultationstage, bei denen Gemeinden, die Fragen zur Arbeit mit Menschen aus dem Iran und Afghanistan haben, sich vernetzen und auch miteinander auf Gottes Stimme hören konnten. Auch beim Bundesrat und in anderen Veranstaltungen will der Bund inhaltliche Vernetzung schaffen und zur Orientierung verhelfen.

MG: Wenn „Christus Gestalt gewinnt“, im menschlichen Miteinander, in unserem Umfeld, dann be-schreibt das den Kern unseres Glaubens und zugleich die gesellschaftliche Perspektive. Wie ist es um das gesellschaftliche Handeln unserer Gemeinden bestellt?

MN: Ich glaube, was Baptistengemeinden schon immer ausgemacht hat, ist ein vielfältiges diakonisches Engagement – für Kinder, für Arme, für Alte, für Kranke.

CS: Wenn man sich dem Wort Gottes öffnet, ist es eine logische Konsequenz, dass man sich für die Welt um einen herum öffnet. Gott selbst ist in die Welt gekommen. Nachfolge bedeutet auch, als Gemeinde nicht abgekapselt zu leben, sondern mittendrin in unserer Gesellschaft. Und das gelingt unseren Gemeinden oft auch sehr gut. Exemplarisch kann ich hier das hohe Engagement für Flüchtlinge nennen, die sich zu Christus hingewandt haben und in Gemeinde und Gesellschaft Fuß fassen wollen. Die Integrationsleistung durch die Gemeinden ist enorm.

MG: Wie hilft der Bund den Gemeinden bei ihrem gesellschaftlichen Engagement?

CS: Ganz konkret in der Flüchtlingsfrage zum Beispiel durch den Fonds „Gemeinden helfen Flüchtlingen“. Oder durch zahlreiche Seminare. Allein, dass der Bund schon seit Jahren Diakone ausbildet, ist ein Zeichen dafür, dass er Gemeinden in ihrem gesellschaftlichen Engagement unterstützen will. Und wesentlich ist natürlich auch, dass der Bund den Gemeinden einen rechtlichen Rahmen für ihr Engagement gibt.

MN: Von unserem Selbstverständnis her wird der Bund dann aktiv, wenn Gemeinden um Unter-stützung bitten. Hierzu möchte ich die Gemeinden ermutigen! Wenn viele nachfragen, profitieren auch andere Gemeinden. Was auf Bundesebene lebt, ist oft durch Nachfragen entstanden.

MG: Der vorletzte Absatz im Mission Statement erinnert mich an Bunte Gemeinde. Von welcher fremden Ausdrucksform geistlichen Lebens habt ihr euch in letzter Zeit persönlich inspirieren lassen?

MN: In meiner Gemeinde haben wir viele Menschen aus anderen Kulturen. Die Iraner, die frisch im Glauben sind, stellen uns oft grundlegende Fragen, die wir uns schon lange nicht mehr stellen, die uns dann aber herausfordern. Oder wenn unsere afrikanischen Freunde, die in ihrer Heimat viel Gesetzlichkeit erlebt haben, angesichts der Freiheitlichkeit in Deutschland zunächst noch gesetzlicher werden, sich dann aber öffnen, dann beeinflusst mich das, und ich denke neu über meinen Glauben nach. Ich hinterfrage Dinge und wachse dadurch in meinem Glauben.

CS: Inspirierend finde ich die Herzenshaltung, in der Willow Creek Gemeinde baut. Hand und Herz finden da zusammen. „Wir müssen nicht perfekt sein, um von Gott durch die Kirche genutzt werden zu können. Aber wir müssen offen, gewillt und eifrig zum Wachsen sein“, schreibt Bill Hybels. Das finde ich richtig. Oder ich denke daran, wie unterschiedlich die Gemeinden in unserem Bund Gottesdienst gestalten. Da ist schon in unseren eigenen Reihen eine große Bandbreite, die ich faszinierend finde.

MG: Das führt uns direkt zu der Stelle im Mission Statement, die unsere Spiritualität als Baptisten und Brüder als wertvoll beschreibt. Welche unserer Ausdrucksformen ist euch besonders wichtig?

CS: Persönliche Berichte im Gottesdienst, wie Menschen Jesus erfahren, finde ich wichtig. Solche Zeugnisse darüber, wie der Glauben das Leben prägt, machen Gemeinde lebendig und authentisch. Natürlich auch das Hören auf Gottes Wort in der Schriftlesung, in Taufe und Abendmahl und, ja, auch in der Predigt.

MN: Für mich hat der Beginn des Gottesdienstes eine extrem hohe Bedeutung. Da merke ich, ich komme an, ich bin da, ich betrete heiliges Land!

CS: Schade finde ich, dass wir die Kollekte, die ich ebenfalls für wichtig halte, sinnentleert haben. Es geht doch um mehr, als nur ein paar Taler reinzuwerfen. Sie sollte Ausdruck einer inneren Haltung sein.

MN: Bei der Frage, was den Menschen im Gottesdienst wichtig ist, mache ich die Beobachtung, dass jeden etwas anderes berührt. Das kann ein Satz aus der Predigt sein oder mehrere Sätze, ein Lied, ein Text oder die Atmosphäre insgesamt. In unserer Tradition haben wir ja keine klassische Liturgie. Ich glaube, die persönliche Zuspitzung, dass ich als einzelner Mensch vorkomme, ist schon sehr besonders für unsere Gottesdienste.

MG: Gemeinsame Themen wie das Jahresthema haben ja das Potenzial, das Miteinander im Bund zu fördern. Wie kann Bundesgemeinschaft noch gefördert werden? Und welche Bedeutung hat sie in unserem kongregationalistischen Bund, der ja die Eigenständigkeit der Gemeinden betont?

MN: Die Autonomie der Ortsgemeinde bedeutet für mich nicht, dass alle machen, was sie wollen. Vielmehr tragen alle für das, was sie wollen, Verantwortung. Und ich glaube, im gegenseitigen Übernehmen von Verantwortung macht sich Bundesgemeinschaft fest und bemerkbar. Es ist ein Geben und ein Nehmen, es sind Segnungen und Verpflichtungen.
    
CS: Ich glaube, dass Bundesgemeinschaft von Anfang an eine zentrale Rolle gespielt hat. Bund und Vereinigungen sind entstanden, weil man sich in der Missionsarbeit unterstützen wollte. Das geschieht heute auch in den Regionen. So gibt es Missionsgebiete, wo verschiedene Gemeinden sich zusammengeschlossen haben, um das Evangelium zu verkündigen. Dieses Kernanliegen macht Bundesgemeinschaft aus.

Bundesgemeinschaft ist an vielen Stellen erlebbar: beim Bundesrat oder wenn bestehende Gemeinden, Gründungsprojekte oder internationale Gemeinden unterstützt werden – finanziell, personell, durch Angebote und Veranstaltungen. Und doch glaube ich, dass Bundesgemeinschaft noch stärker erlebbar sein muss. Im Präsidium haben wir über die Idee einer Glaubenskonferenz gesprochen, bei der wir als Bundesgemeinschaft zusammenkommen, um unseren Glauben zusammen zu erleben und zu feiern. Das Anliegen ist, dass wir uns in unserer Unterschiedlichkeit ergänzen und voneinander profitieren.

MG: Von all den Themen die in eurer Leitungsarbeit wichtig sind, welche drei Wünsche habt ihr, in welche Richtung sich der Bund in den nächsten zehn Jahren entwickeln soll?

CS: Ich wünsche mir das, was wir mit dem Jahresthema in den Blick nehmen: dass Christus Gestalt gewinnt und wir anderen Menschen davon berichten. Ich wünsche mir, dass unsere Gemeinden ein großes Herz für die Menschen um sie herum haben und ihnen mit großer Offenheit begegnen. Und ich wünsche mir, dass die unterschiedlichen Freikirchen sich nicht zu sehr ausdifferenzieren, sondern Dinge zusammen machen und das Gemeinsame stärken.

MN: Eine absolute Stärke unserer Gemeinden ist die Förderung des Ehrenamts. Dort hast du die Chance, dich auszuprobieren, Dinge zu lernen, auch Fehler zu machen und trotzdem weiter zu machen. Ich wünsche mir, dass wir uns dieser Stärke bewusst werden und sie noch ausbauen. Außerdem ist mein Wunsch, dass wir als Bund mehr Ressourcen in die Kommunikation nach außen stecken. Was nützt es, wenn ich tolle Sachen mache und keiner weiß es? Mit Kommunikation können wir Einfluss nehmen, die Gesellschaft mitgestalten. Und vor allem wünsche ich mir Gottes Segen für unseren Bund. Die Bitte um Gottes Segen, von dem ja alles abhängig ist, zieht sich durch die ganze Kirchengeschichte. Dieser Segen ist mein erster Wunsch für unseren Bund und jede seiner Gemeinden.

MG: Vielen Dank für das Gespräch!

Immanuel Diakonie baut Pflegeeinrichtung in Elstal

Die Immanuel Diakonie erweitert an ihrem Standort in Elstal ihr Angebot für Senioren um eine Einrichtung der vollstationären Pflege und der Tagespflege. Die Gemeindevertretung Wustermark genehmigte auf ihrer jüngsten Sitzung den Bebauungsplan für den Bau einer Pflegeeinrichtung in unmittelbarer Nähe zum bereits vorhandenen Servicewohnen und dem  Bildungszentrum Elstal des BEFG. 

„Uns liegt das Projekt in Elstal sehr am Herzen, weil wir damit unser Versprechen gegenüber den Mietern des Servicewohnens einlösen.  Wir ermöglichen ihnen und anderen Menschen aus der gesamten Region eine Versorgung für alle Phasen des Alterns“, sagt Udo Schmidt, Geschäftsführender Direktor der Immanuel Diakonie. „Nach der Übernahme des Servicewohnens vom BEFG durch die Immanuel Diakonie im Jahr 2008 sind erst jetzt die Rahmenbedingungen für diese Entwicklung gegeben. Die Region um den Ort Wustermark erlebt derzeit in den Bereichen Arbeit, Wohnen und Freizeit eine prosperierende Entwicklung. Die Einwohnerzahl alleine im Ort Wustermark stieg  von 7.957 im Jahr 2011 um rd. 15% auf aktuell 9.167 Bewohner. Die vielen Neubauvorhaben der Region in Verbindung mit der guten  Infrastruktur garantieren eine Fortsetzung dieser Entwicklung.“

Auch BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba zeigt sich erfreut über die aktuelle Entwicklung: „Von Anfang an war es uns als Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden ein Anliegen auf dem Campus unseres Bildungszentrums generationenübergreifendes Leben und Arbeiten zu ermöglichen. Dieses Konzept kam bis jetzt immer dann an seine Grenzen, wenn die hier lebenden alten Menschen auf intensivere Unterstützung angewiesen waren. Ich freue mich, dass diese Unterstützung nun in Zukunft angeboten wird.“

Die Firma Hans J. Benner GmbH mit dem  Architekten Silvio Plaasch vom Architekturbüro Milkoweit in Berlin hat ein dreistöckiges Gebäude mit 111 Plätzen in der vollstationären Pflege sowie16 Plätzen in der Tagespflege entworfen. In dem Neubau werden auch ein Kiosk und ein Frisörsalon untergebracht. Die Essensversorgung der Bewohner wird in Kooperation mit der benachbarten Mensa der Servicedienste Elstal GmbH durch eine witterungsunabhängige Verbindung beider Gebäude erfolgen.

Baubeginn ist voraussichtlich im Frühjahr 2018. Es wird mit einer Bauzeit von 14 Monaten für den Neubau mit einem Investitionsvolumen von rund 11 Millionen Euro gerechnet. Nach Vollendung werden etwa 60 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Bewohner und die Tagesgäste betreuen. Bislang betreibt die Immanuel Diakonie in Elstal 102 behindertenfreundliche und barrierefrei ausgestattete Wohnungen im Servicewohnen Elstal.

Mit wenig Mitteln viel Gutes bewirken

Nach dem verheerenden Erdbeben vom 12. Januar 2010, das in Haiti schwere Verwüstungen anrichtete, vereinbarte der BEFG eine Entwicklungszusammenarbeit mit der Convention Baptiste d’Haiti, einem der Baptistenbünde des Inselstaats. Das gemeinsame Ziel war es, von 2011 bis 2017 mit sozial-diakonischen Projekten nachhaltig den Wiederaufbau zu unterstützen. Ebenfalls beschlossen wurde damals eine Kooperation zwischen den Ausbildungsstätten beider Bünde, der Christlichen Universität von Nordhaiti (UCNH) und der Theologischen Hochschule Elstal. Bei ihrer Reise im September konnten Dr. Michael Kißkalt und Stefanie Desamours sich davon überzeugen, was in den sechs Jahren gewachsen ist.

Schwül-heiße Luft schlägt uns beim Verlassen des Flugzeugs entgegen. Vor uns eröffnet sich der Blick auf die Berge um Cap-Haitien, beißender Rauch von kleinen brennenden Müllhaufen steigt in die Nase. Zurück in Haiti! Im Schneckentempo holpern wir durch die Schlaglöcher oder umfahren sie im Slalom, rechts und links überholt von voll besetzten und schwer beladenen Moped-Taxis. Die Straßenbauarbeiten auf der einzigen Nord-Süd-Verbindung ziehen sich in die Länge. Die Arbeiten wurden aufgrund der instabilen politischen Lage und Unruhen in den letzten Jahren häufig unterbrochen. An vielen Stellen ist keine Straße mehr vorhanden und die Fahrten dauern so um ein Vielfaches länger. Uns erscheint es unvorstellbar, dass viele Menschen diese Strecke täglich zurücklegen, um zur Arbeit zu fahren oder ihre Kinder zur Schule zu bringen. Doch sie tun es. Und auch viele Studierende der UCNH sind täglich unterwegs, weil es nicht genügend Wohnheimplätze auf dem Campus gibt. Seit dem Erdbeben ist die Universität kontinuierlich gewachsen. Die Zahl der Studierenden ist seit 2010 von 400 auf inzwischen 1.600 angestiegen. Sie gehört zu den fünf besten Universitäten im Land.

Wohin wir auch kommen, werden wir herzlich empfangen. Hier zeigt sich: Die finanzielle Unterstützung ist das eine, doch die Kooperation ist so viel mehr als das! Die Haitianer haben das Miteinander als ein großes Zeichen der Solidarität erlebt. Durch die gegenseitigen Besuche sind über die Jahre enge Beziehungen und tiefes Vertrauen gewachsen. Und natürlich war auch die Kontinuität der finanziellen Unterstützung eine große Hilfe für die Partner, denn so konnten sie sicher planen.

###3_IMAGES###Die Schönheit der Natur steht im krassen Kontrast zur großen Armut. So erkennen wir einige Veränderungen nicht auf den ersten Blick. Doch beim genauen Hinsehen merken wir, wie viel sich getan hat. Wir sind beeindruckt vom unermüdlichen Einsatz unserer Partner und der großen Willenskraft , trotz der schwierigen Lage ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Die Baptistengemeinden sind in der Evangelisation und in der Entwicklungsarbeit sehr engagiert. Sie helfen den Menschen in ihrem Umfeld – auch bei der Bewältigung der Folgen des Erdbebens. Wir besuchen zwei Gemeindegründungen, die in den letzten sieben bzw. zehn Jahren jeweils auf 600 Mitglieder gewachsen sind. Diakonisches Engagement  ist dabei eine Selbstverständlichkeit. In vielen Gemeinden organisieren sich Frauen in Selbsthilfegruppen und geben sich mit selbst erspartem Geld gegenseitig Kredite. Damit können Frauen ein kleines Geschäft eröffnen, verdienen mehr Geld für ihre Familien und um das Schulgeld für die Kinder zu bezahlen. Umgerechnet nur wenige Euro machen hier schon einen Unterschied für eine Familie und langfristig für einen ganzen Stadtteil. Die Frauen in der Gemeinde Bas-Limbé sind mittlerweile so erfolgreich, dass auch die Männer angefangen haben, sich in Selbsthilfegruppen zu organisieren.

###3_IMAGES###An der landwirtschaftlichen Fakultät der UCNH werden für die Kleinbauern der Region Kurse in Gemüseanbau und in der Pflege des Ackerbodens angeboten. In der Gegend um Haut-Limbé war vor wenigen Jahren noch kaum Gemüseanbau zu finden. Nun lernen die Bauern, welche Pflanzen sie zusammen anbauen müssen, um den Boden fruchtbar zu erhalten und kontinuierlich verschiedene Produkte ernten zu können. Anstatt Gemüse und Obst auf dem Markt zu kaufen, können sie nun für den Eigenbedarf ernten oder ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf besser bestreiten. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Ernährungssicherung. Über das Ende der Kooperation hinaus geht dieses Programm weiter, indem Studierende der landwirtschaftlichen Fakultät für ein Praktikum zu den Kleinbauern gehen und ihnen dieses Wissen vermitteln. Daniel Louis, der in Elstal im Rahmen der Kooperation seinen Master in Freikirchlicher Diakonie erworben hat, unterrichtet das Fach mittlerweile an der Christlichen Universität und berät Gemeinden, wie sie sich in ihrem diakonischen Engagement besser aufstellen können.

Bei unseren Besuchten sehen wir viele Beispiele für solche Projekte, die auch nach dem offiziellen Ende der Kooperation weitergehen und positiven Einfluss auf das Leben der Menschen haben werden. Und in allen Begegnungen wird deutlich, dass die Verbundenheit beider Partner bestehen bleiben wird. Darüber hinaus haben die Theologische Hochschule Elstal und die UCNH einen neuen Kooperationsvertrag  über den weiteren wissenschaftlichen Austausch unterzeichnet.

25 Jahre Ordination von Frauen im BEFG

Seit 25 Jahren werden Frauen im BEFG offiziell als Pastorinnen ordiniert. Der Vertrauensrat – die berufsständische Vertretung der Pastorinnen und Pastoren des BEFG – hat auf seiner letzten Sitzung im September an dieses Jubiläum erinnert. Ein Statement von einem der Vorsitzenden des Vertrauensrates, Pastor Manuel Lüdin.

Es gab längere Jahre vorher bereits im Bund der DDR einzelne Pastorinnen. Ihr Status war aber nicht offiziell beschlossen. 1992 wurde die Ordination nun in gleicher Weise für Frauen und Männer eingeführt. Wir sehen, dass Frauen in vielen Gemeinden einen sehr gesegneten pastoralen Dienst tun. Von den ungefähr 660 aktiven Pastoren und Pastorinnen sind ca. 15% weiblichen Geschlechts. An manchen Orten sind auch Ehepaare gemeinsam in diese Aufgabe berufen.

Natürlich haben auch Frauen in diesem Beruf Probleme. Diese sind bei Pastorinnen aber kaum anders gelagert als bei ihren männlichen Kollegen. Eher haben wir den Eindruck, dass Frauen noch intensiver darüber nachdenken, wie Familien- und Eheleben, Kindererziehung und Berufstätigkeit in gesunder Weise miteinander verbunden werden können. Wie in der Wirtschaft sind prozentual mehr Frauen als Männer in Teilzeitanstellungen vertreten. Aber auch dies ist eher der konkreten Situation als dem Geschlecht geschuldet.

Wobei wir als Vertrauensrat in diesem Zusammenhang darauf hinweisen wollen, dass jemand, der nur von einem Teilzeit-Pastorengehalt lebt, sich recht einschränken muss in seinen Ansprüchen! Wir bedauern es, dass es immer noch Gemeinden gibt, die grundsätzliche Vorbehalte gegenüber der Berufung einer Pastorin haben, auch wenn wir deren Sicht natürlich respektieren wollen. So zeigt es sich, dass die Vermittlung von Pastorinnen in neue Stellen schwieriger ist als für ihre Kollegen.

Wir sind dankbar für jene Erlebnisse in Gemeinden, wo (ältere!) Schwestern zu Kolleginnen sagen: „Ich bin überzeugt, dass Frauen manche Dinge besser sagen und tun als Männer.“ Oder ein älterer Bruder im persönlichen Gespräch mit seiner Pastorin bekennt: „Ich war immer gegen eine Pastorin. Aber seit ich Dich kenne, habe ich meine Meinung geändert. Du bist meine Pastorin!“

Wir ermutigen dazu, die Frage nach der Berufung einer Pastorin nicht zu theoretisch anzugehen. Wir leben als Baptistengemeinden vom „Allgemeinen Priestertum der Glaubenden“. So wollen wir einander helfen, dass sich jeder und jede nach ihren Gaben in der Gemeinde einbringt. Wenn nun eine Frau ihre seelsorgerliche und theologische Bildung und Begabung in der Gemeinde lebt: dann sind Wirkung und Frucht des Dienstes zu würdigen – und nicht die Ämter-Ordnung.

Wir freuen uns darüber, gemeinsam als Kollegen und Kolleginnen unseren Gemeinden dienen zu dürfen, und hoffen, dass wir uns in aller Unterschiedlichkeit ergänzen und gegenseitig stärken können.

50 Jahre TERRA NOVA Mondai

Vier junge Deutsche begannen 1967 „als Brasilienmannschaft der Ruferarbeit im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) die diakonische Arbeit, die heute unter dem Namen TERRA NOVA Mondai bekannt ist. In den folgenden Jahrzehnten betraten engagierte brasilianische und deutsche Christen oft neues Land („Terra Nova“), indem sie neue Arbeitszweige gründeten. Im September feierte der deutsche Unterstützerkreis, der zum BEFG gehört, das 50-jährige Bestehen des Werks, das heute ein staatlich anerkanntes Kinderheim, eine ökologische Milchwirtschaft sowie einen ökologischen Kräutergarten betreibt. Teilnehmer Erhard Ilchmann berichtet über die Jubiläumsfeier.

Sieben mal sieben plus eins – an diese Zahlenreihung zum biblischen Erlassjahr erinnerte Siegfried Großmann in seiner Andacht zur Eröffnung des Festtages „50 Jahre TERRA NOVA Mondai“. Neben einem Rückblick auf die bewegte Geschichte des Werks war der erwartungsvolle Ausblick ein wichtiges Anliegen der 50-Jahr-Feier. So möchte sich das Werk weiterhin den ständig wechselnden Herausforderungen stellen und dazu Gottes Führung und Segen erbitten. Rund 55 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – sieben davon aus Brasilien – hatten sich zu diesem Festtag am 23. September im Ruferhaus Stauffenburg im Harz eingefunden, um in rustikaler Atmosphäre zu feiern. Fast alle Festtagsteilnehmer kennen Mondai durch persönliche Besuche oder Mitarbeit und erinnerten sich an ihre Zeit auf TERRA NOVA. Jeder hatte unterschiedliche Erinnerungen, weil auch das Werk sich in all den Jahren stark entwickelt hat. Anwesend waren auch drei der vier Pioniere des Werkes: Walter Schüttel und Lieselotte Hedderich aus Brasilien und Ursula Schüttel aus Deutschland. Marlene Schmitz war im Mai 2017 verstorben. Als sie 1967 mit der Gründung eines Mädcheninternats in Mondai und einer Musterfarm nahe Mondai das Projekt  starteten, waren die Gründerinnen und der Gründer bereits seit zwei Jahren in Südbrasilien. Der Name „TERRA NOVA“ ist allerdings erstmals 1971 nachweisbar.

In Bildpräsentationen und persönlichen Berichten konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die bewegte Geschichte nachverfolgen. Jungbauernausbildung, Ausbildungszentrum, Kindergarten, Jungeninternat und Kleiderkammer, ebenso Seidenraupenzucht, Orangenplantage und Schweinezucht  waren die Stationen, über die sich das heutige TERRA NOVA Mondai entwickelte. Aktuell werden ein staatlich anerkanntes Kinderheim, eine ökologische Milchwirtschaft sowie ein ökologischer Kräutergarten dazugezählt.  Zudem bietet ein Haus der Hoffnung  unter Leitung von Lieselotte Hedderich Pastoren und anderen Leitungspersonen die Möglichkeit, Ruhe und eine geistliche Neuorientierung zu finden.  In Brasilien wird das Werk von dem Verein „Sociedade Beneficente do Vale do Pirapocoú“ getragen.

Ivone Hergenräder ist seit dem Jahr 2000 die Leiterin des Werks.  Sie richtete zum Schluss des Festtags den Blick auf die zukünftige Entwicklung. Wesentlich sei die Weiterentwicklung des Kinderheimes und des Kräutergartens. Schon jetzt werde der Kräutergarten von der Universität wissenschaftlich begleitet, berichtete sie. Die Wiederentdeckung verschiedener, heimischer Heilkräuter sei wichtig für ein Land wie Brasilien, das den industriellen Produkten mehr vertraue als der Schöpfung Gottes, betonte Hergenräder. Sie dankte dem „Förderkreis TERRA NOVA Mondai  e.V.“, der die Arbeit von Deutschland aus begleitet und finanziell fördert.  Dadurch werde es für TERRA NOVA weiterhin möglich sein, sich immer neu den aktuellen Herausforderungen zu stellen, so Hergenräder.

Für den Kindesschutz

Seit dem 1. Oktober gibt es im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) eine Anlaufstelle für Betroffene sexueller Gewalt. „Wir wollen damit ein deutliches Signal setzen, dass sexuelle Gewalt im Kontext unserer Gemeinden und der überregionalen Angebote für Kinder und Jugendliche nicht toleriert wird“, erläutert BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba. Gemeinsam mit dem Gemeindejugendwerk (GJW) habe man sich bereits seit 2009 in der Präventionsarbeit engagiert,  jetzt sei es „ein konsequenter Folgeschritt, dass wir mit einer Anlaufstelle die Möglichkeit eröffnen, dass Betroffene sexueller Gewalt sich äußern und wir reagieren können.“

Menschen, die sexuelle Gewalt durch ehren- oder hauptamtliche Mitarbeitende in Gemeinden oder anderen Einrichtungen des BEFG erlebt haben, sollen bei der Anlaufstelle Beratungsangebote erhalten. Zudem sei es möglich, ein Beschwerdeverfahren in die Wege zu leiten, um das Verhalten des Täters oder der Täterin künftig zu unterbinden.

Dazu arbeitet der BEFG mit dem Verein N.I.N.A. zusammen, der die fachliche Leitung des „Hilfetelefons Sexueller Missbrauch“ innehat. Das Hilfetelefon sei die erste Anlaufstelle für Betroffene, erklärt Stiba. Die Gesprächspartner des Hilfetelefons „können zunächst völlig unabhängig vom BEFG beratend tätig werden und gemeinsam mit dem Anrufer herausfinden, was die nächsten Schritte sind. Sollte der Ratsuchende zu dem Entschluss kommen, ein Beschwerdeverfahren im BEFG auszulösen, werden die Berater beim Hilfetelefon ihm die Kontaktdaten der Berater der internen Anlaufstelle des BEFG weitergeben.“

Die Berater der internen Anlaufstelle sind Begleiter des Beschwerdeverfahrens und keine Mitglieder im BEFG. Durchgeführt wird das Verfahren von der jeweiligen Dienststelle, in der die beschuldigte Person tätig ist. Das Ergebnis könne zum Beispiel sein, dass die beschuldigte Personen entlassen werde oder keine Kinderfreizeiten mehr durchführen darf, so Christoph Stiba. Dadurch solle dann weiterer Missbrauch verhindert werden. „Wir wünschen uns, dass der Kindesschutz in unseren Gemeinden und Einrichtungen wirklich gegeben ist. Dabei ist uns der Schutz der Betroffenen wichtiger als der Schutz der eigenen Institution.“

Kampf gegen den Terror darf Religionsfreiheit nicht einschränken

Die Baptisten in Europa sind in Sorge, dass die Regierungen im Kampf gegen den Terror die Religionsfreiheit einschränken. In einer Resolution, die von den 150 Delegierten und Gästen auf der Ratstagung der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) vom 20. bis 23. September in der armenischen Hauptstadt Eriwan verabschiedet wurde, heißt es, man befürchte, „dass die Anti-Terror-Gesetzgebung unbeabsichtigt negative Folgen für religiöse Minderheiten haben kann“. Auch viele Jahre lang etablierte Kirchen litten bereits unter Diskriminierungen, heißt es in der Erklärung unter Bezug auf Rückmeldungen aus den Mitgliedsbünden. Namen der betroffenen Länder werden nicht genannt.

In einer weiteren Resolution wird Russland aufgefordert, die Religionsfreiheit wiederherzustellen. Ausdrücklich setzen sich die Baptisten dabei für die Zeugen Jehovas ein. Sie waren im April als „extremistische Vereinigung“ verboten worden. Im Juli hatte das Oberste Gericht Russlands ihre Berufung zurückgewiesen. Ihre Mitglieder stehen damit auf der gleichen Stufe wie der „Islamische Staat" (IS). Auch wenn es große Unterschiede zum Glauben der Zeugen Jehovas gebe, müsse Religionsfreiheit für alle Bewohner eines Landes gelten, halten die Baptisten fest. In einer weiteren Resolution zur Lage im Irak werden die Regierung des Landes und internationale Hilfswerke aufgerufen, die Infrastruktur wiederherzustellen, so dass „die Christen und andere Vertriebene“ in ihre Heimatorte zurückkehren können: „Wir beten für unsere Schwester und Brüder im Irak um Stärke und Mut beim Wiederaufbau.“

Ferner unterstreichen die Baptisten die Bedeutung der traditionellen Ehe, die nach Aussagen der Bibel aus einem Mann und einer Frau besteht. Die Mitgliedsbünde werden aufgefordert, die Aussagen der Bibel dazu aufzugreifen und zu vertreten. Zugleich wird eingeräumt, dass menschliche Beziehungen zerbrechen und zu Leid und Schwierigkeiten führen könnten. Davon seien auch Gemeinden betroffen. Homosexuelle Beziehungen werden in der Erklärung nicht genannt.  

EBF-Generalsekretär Tony Peck erinnerte in seinem Bericht daran, dass auch die Baptisten ein Zweig der Reformation sind, die in diesem Jahr ihr 500. Jubiläum begeht. So wie damals in der Kirche etwas Neues entstanden sei, müssten sich die Christen auch heute noch fragen, wo sie eine Reformation benötigten. Peck: „Wir dürfen nicht glauben, schon alle Antworten zu haben.“ Wie er weiter sagte, ist der Umzug des neuen Internationalen Baptistischen Theologischen Studienzentrums von Prag nach Amsterdam abgeschlossen. Anfang September sei das „Baptistische Haus“ dort offiziell eröffnet worden. In dem Haus versammelten sich auch eine niederländische und eine brasilianische Gemeinde. Dort hat auch die Zentrale des niederländischen Baptistenbundes ihren Sitz. Die Bibliothek aus Prag werden im Oktober verfügbar sein. Peck: „Damit konnten die schwierigen Zeiten des Umzugs beendet werden.“ Inzwischen sei das frühere Gebäude in Prag verkauft worden. Derzeit seien 40 Doktoranden in dem Studienzentrum eingeschrieben, „ein neuer Rekord“, so Peck. Die Doktoranden werden von dem irischen Theologen David McMillan als Interimsrektor betreut.

In seinem Vortrag über „Prioritäten und Herausforderungen im Alltag von Baptisten“ berichtete der Vizepräsident des Baptistenbundes in der Ukraine, Igor Bandura, über ein großes Reformationsfest in der Hauptstadt Kiew. Er sprach von über 100.000 Teilnehmern. Presseberichten zufolge waren sogar mehr als 200.000 Besucher dabei, darunter viele Baptisten. Nach Banduras Worten ist es vielen Protestanten in der Ukraine ein Anliegen, das Evangelium weiterzusagen.

Auf dem Treffen wurde eine neue Leitung der EBF gewählt. An der Spitze steht erstmals eine Frau: die bisherige stellvertretende Vorsitzende, britische Pastorin und Gemeindegründerin Jennifer Entrican. Sie wurde satzungsgemäß zur neuen Präsidentin gewählt. 2015 und 2016 war sie als Präsidentin des britischen Baptistenbundes tätig. Sie löst den Armenier Asatur Nahapetyan ab. Neuer Vizepräsident wurde der Präsident des estnischen Baptistenbundes, Meego Remmel. Neuer Vorsitzender der Abteilung Theologie und Ausbildung wurde der frühere EBF-Präsident, der Rumäne Otniel Bunaciu.

Auf dem Treffen zugegen waren auch zehn junge Leute, die an dem Programm „Transform“ teilnehmen. Wie dazu BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba sagte, hat die EBF das Programm ins Leben gerufen, um junge Leiter aus verschiedenen Bünden an die Arbeit heranzuführen und sie zu motivieren, in Zukunft noch mehr Verantwortung zu übernehmen – im eigenen Bund wie auch in der EBF. Vertreter aus Deutschland war der Vorsitzende des Bundesvorstandes des Gemeindejugendwerkes, Marten Becker.

Der Leiter des Dienstbereichs Mission im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden und des Hilfswerks German Baptist Aid, Joachim Gnep, sagte, er schätzte die Möglichkeit, auf der Konferenz jene Menschen persönlich zu treffen, mit denen man sonst nur per Telefon oder Mail Kontakt habe. Diese Begegnungen seien für ihm immer eine Ermutigung, weil die Kooperationspartner trotz äußerer schlechter Rahmenbedingungen zuversichtlich in die Zukunft blickten. So habe er den Baptistenpastor aus Bagdad getroffen oder Christen aus dem Libanon, die selbstlos den Flüchtlingen in ihrem Land helfen würden. German Baptist Aid engagiert sich sowohl in Bagdad als auch im Libanon: „Die EBF-Ratstagung ist für mich immer ein sehr motivierendes Ereignis.“

Die EBF vertritt nach eigenen Angaben 54 Mitgliedsbünde in Europa und dem Nahen Osten sowie fünf mit ihnen verbundene Gemeinden und Netzwerke (Bagdad, Bahrein, Irland, Malta und russischsprachige Gemeinden außerhalb Russlands) mit insgesamt rund 826.000 Mitgliedern. Der Baptistenbund von Armenien zählt 155 Gemeinden mit knapp 5.000 Mitgliedern.

„INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“

Bei „INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“ geht es „um den Kern, um den wir uns sammeln, der uns als Gemeindebund ausmacht und zusammenbindet: Christus, die Mitte!“ Mit diesen Worten hat Generalsekretär Christoph Stiba den Grundgedanken des Jahresthemas beschrieben, das den Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in den kommenden zwei Jahren begleiten wird. Für BEFG-Präsident Michael Noss kommt „aus dieser Mitte der Kirche unsere Kraft her, unsere Orientierung. Aus Christus und dem Geist Gottes, die das Jahresthema in den Blick nimmt, entfaltet sich alles.“

Das Mission Statement beschreibt vier Anliegen des Jahresthemas: INSPIRIERT LEBEN möchte ermutigen, auf die lebendige Stimme Gottes zu hören, die eigene Spiritualität als Baptisten und Brüder wertzuschätzen, sich durch fremde Ausdrucksformen geistlichen Lebens inspirieren zu lassen und Christus durch das eigene Handeln Gestalt gewinnen zu lassen – in Umfeld der Gemeinden, in der Gesellschaft.

„Gerade in unserer lauten und schnelllebigen Welt haben Gemeinden die Aufgabe, Räume zu schaffen, in denen Menschen Kraft schöpfen können – kontemplative Räume mit Zweckfreiheit: Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.“ Davon ist Michael Noss überzeugt. „Für das Reden Gottes, der in der Stille zu uns spricht, können wir in diesem Sinne Richtungsgeber und Verstärker sein.“ Das Jahresthema wolle diese wichtige Aufgabe der Gemeinden unterstreichen und gleichzeitig den Schatz der Frömmigkeit im BEFG aufzeigen: „Die persönliche Zuspitzung, dass ich als einzelner Mensch vorkomme, ist zum Beispiel sehr besonders für unsere Gottesdienste.“

Genau wie Michael Noss das Miteinander mit den internationalen Geschwistern in seiner Gemeinde in Berlin-Schöneberg als inspirierend erlebt, weiß auch Christoph Stiba die Vielfalt im BEFG zu schätzen: „Etwa bei der Gestaltung der Gottesdienste ist schon in unseren eigenen Reihen eine große Bandbreite, die ich faszinierend finde. Darüber hinaus können wir auch von Christen in anderen Kirchen viel lernen und sollten in diesem Sinne bereit sein, über unseren Tellerrand zu schauen.“ Zum vierten Anliegen des Jahresthemas, dass Christus Gestalt gewinnt, hebt der Generalsekretär hervor: „Wenn man sich dem Wort Gottes öffnet, ist es eine logische Konsequenz, dass man sich für die Welt um einen herum öffnet. Das tun viele unserer Gemeinden zum Beispiel, indem sie sich sehr für Flüchtlinge engagieren.“

Auch beim Jahresthema wünscht sich Christoph Stiba den Einsatz der Gemeinden: „Als Bund machen wir natürlich Angebote, indem etwa die Bundesräte 2018 und 2019 ganz im Zeichen von INSPIRIERT LEBEN stehen. Doch wir freuen uns, wenn auch Gemeinden auf den Zug aufspringen und dieses Thema, das uns doch so selbstverständlich ausmacht, ganz neu in den Blick nehmen!“

Baptisten in Georgien sind 150 Jahre alt

Die Baptisten in Georgien sind 150 Jahre alt geworden. Der Bund der Baptistengemeinden des Landes im Kaukasus feierte dieses Jubiläum am 20. August. Genau an dem Tag vor 150 Jahre hatte der deutsche Missionar Martin Kalweit (1833-1918) die erste Taufe in der Hauptstadt Tiflis (Tbilisi) im Fluss Mtkwari vollzogen. Sie gilt als Gründungsdatum nicht nur der Baptisten in Georgien, sondern im gesamten russischen Sprachraum.

Aus Anlass des Jubiläums haben die leitenden Mitarbeiter des Bundes – sie nennen sich Bischöfe – aus den zwei großen Baptistengemeinden in der Hauptstadt die Taufstelle am Fluss besucht. Aus Dankbarkeit für den Dienst ihrer Vorfahren warfen sie an der Stelle weiße Rosen in das Wasser, heißt es in einem Bericht von Bischof Ilia Osefashvili.

Anschließend fuhren sie mit Gemeindemitgliedern aus Tiflis und der Stadt Gori 40 Kilometer weiter, um ebenfalls am Fluss Mtkwari ein Tauffest zu feiern. Neun Menschen wurden getauft. Daran beteiligt war auch der deutsche Baptistenpastor i.R. Elimar Brandt, der zusammen mit seiner Ehefrau Karin als Überraschungsgast zum Jubiläum gereist war. Nach den Worten von Osefashvili sei es beeindruckend gewesen, dass 150 Jahre nach der ersten Taufe erneut ein Pastor aus Deutschland an dem Gottesdienst mitgewirkt habe: „Das ist ein gutes Zeichen der tiefen geistlichen Verbundenheit zwischen den deutsch und georgischen Baptisten.“ Brandt begleitet seit einigen Jahren ein Diakonieprojekt in Georgien, das von den Schwestern der früheren Diakoniegemeinschaft Bethel ins Leben gerufen wurden. Zweimal im Jahr besucht er die Schwestern in Georgien. Nach der Taufe habe einige Baptisten – darunter war auch der Leiter der baptistischen Friedenskathedrale in Tiflis, Bischof Malkhaz Songulashvili – ihr Taufgelöbnis erneuert. Den Abschluss bildete eine Abendmahlsfeier.

Zum georgischen Baptistenbund gehören 38 Gemeinden mit knapp 1.000 Mitgliedern. Leiter ist Erzbischof Merab Gaprindashvili.

„Wir zusammen!“

Sommerwetter, ein bunter Gottesdienst im großen Festzelt, Hüpfburgen, duftende Grillstationen, laute und leise Konzerte, Lobpreis, Schwelgen in Erinnerungen und jede Menge zu entdecken. Rund 500 Besucher kamen am Sonntag, den 3. September 2017, zur Tagungsstätte „Auf dem Ahorn“ zum ersten Gemeinschaftstag des Landesverbandes NRW.

Der bislang erste Gemeinschaftstag seit der Gründung des Landesverbandes NRW wurde zusammen mit dem 60-jährigen Jubiläum des Ahorns, dem GJW.NRW und dem Tag der internationalen Gemeinden gefeiert. Ein bunter Tag, voller Begegnungen, der ganz unter dem Zeichen der Gemeinschaft und Vielfalt stand.

Der Festgottesdienst am Vormittag war von internationalem und deutschem Lobpreis, dem Dank für die 60jährige Geschichte des Ahorns und einem kreativen Kinderprogramm geprägt. Die Predigt von Jessica Festus (internationale Pastorin aus der EFG Hagen) und Andi Balsam (Gemeindewerk NRW) betonte, wie wichtig eine große Vielfalt für die Gemeinschaft im Leib Christi ist. Diese Vielfalt konnte in den unterschiedlichen Teilen des Gottesdienstes erlebt werden. Andi Balsam berichtete außerdem, wie sehr er innerhalb des letzten Jahres seit seiner Krebsdiagnose von sehr vielen Geschwistern und Gemeinden des Landesverbandes durch Gebet, Ermutigung und Beistand unterstützt wurde. Er hat eindrücklich erlebt, wie die Gemeinschaft innerhalb des Leibes Christi in schweren Zeiten trägt. Ein besonderer Moment war zudem die offizielle Begrüßung und Segnung von Hélena Noß, die seit dem 1. September 2017 als Kinder- und Jungscharreferentin im GJW.NRW arbeitet.

Bunt ging es auch am Nachmittag weiter. Das erfahrene Ahorner-Grillkommando hat seinem Namen alle Ehre gemacht. Während die Erwachsenen nach dem Essen Zeit hatten, sich auszutauschen, Infostände zu erforschen, eine Fotoausstellung des Ahorns zu besichtigen oder im Gebetsgarten Ruhe zu finden, tobten sich die Kinder auf den Hüpfburgen und der GJW.Spielstraße aus. Kleine Unplugged-Konzerte des Klezmer-Trios „Tabernakel“ luden zum Verweilen ein.

Zum Finale spielten die Lobpreisband „Green“ und das Klezmer-Trio ein Konzert. In einer großen Gemeinschaftsaktion ließen die Besucher Luftballons in den Himmel steigen, die Segenswünsche aus dem Landesverband NRW hinein in die Umgebung trugen.

Die Landesverbandsleitung zeigte sich mit diesem ersten Gemeinschaftstag NRW sehr zufrieden. Das Motto „Wir zusammen!“ ist wirklich konkret geworden. Es war ein toller Tag der Begegnung, der Wertschätzung, des Feierns, des Lobens und der bunten Gemeinschaft.

Internationale Weltgebetstagskonferenz

188 Vertreterinnen der Weltgebetstagsbewegung aus 81 Ländern trafen sich vom 21. bis 25. August 2017 in Foz do Iguaçu, im Süden Brasiliens. Sieben Regionen (Pazifik, Asien, Naher Osten, Europa, Afrika, Südamerika, Nordamerika/Karibik) entsandten pro Land bis zu drei Delegierte nach Südamerika, darunter sollte auch eine Vertreterin der jungen WGT-Generation sein. Mona Kuntze, die vom „Forum Frauen“ ins deutsche Weltgebetstagskomitee entsandt ist, nahm als eine von drei deutschen Delegierten an der Konferenz teil, die alle fünf Jahre an einem anderen Ort stattfindet.

Das Motto der Konferenz „Seeking wisdom to care for God´s creation“ (Nach Weisheit suchen, um für Gottes Schöpfung zu sorgen) nahm das Thema des Weltgebetstags 2018 aus Surinam auf. Impulse gab es aber auch bereits für den 2019er Weltgebetstag aus Slowenien, zum Beispiel durch die Bibelarbeit zu Lukas 14, 15-24 von Ulrike Bechmann, der Leiterin des Instituts für Religionswissenschaften an der Uni Graz und langjährigen Geschäftsführerin des deutschen WGT-Komitees.

Eindrücklich war am vierten Konferenztag die Aktion zu „Thursdays in black“. Der Weltgebetstag setzt hier ein Zeichen und beteiligt sich an der Bewegung in vielen Ländern der Welt: Dabei gehen Frauen jeden Donnerstag schwarz gekleidet zur Arbeit und protestieren damit gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen. „Say no to rape and violence“ stand auf den T-Shirts der WGT-Frauen aus Afrika.

Egal ob in den Arbeitsgruppen nach der Bibelarbeit, im Austausch im Plenum oder bei den vielen Begegnungen und Gesprächen in der Warteschlange am Büffet und in den Pausen: es wurde erzählt und zugehört, miteinander gebetet, gelacht und ermutigt, sich gegenseitig an die Hand und in den Arm genommen – trotz unterschiedlicher Sprachen und Nationalitäten, Konfessionen und Denominationen, Frömmigkeitsstile und Lebensalter, Überzeugungen und gesellschaftlicher Traditionen, sexueller Orientierung und Lebensformen. Es war erlebbar und erfahrbar, dass gerade in diesem Miteinander die Kraft liegt, die die ganze weltweite bunte Gemeinschaft des Weltgebetstages der Frauen trägt und zusammenhält.

Während der Konferenz wählten die einzelnen Regionen ihre beiden Vertreterinnen für das Internationale Komitee. Für die Region „Europa“ wurde Emmanuelle Bauer aus Luxemburg für eine zweite Amtszeit und Senka Peterlin aus Kroatien neu gewählt. Als neue Vorsitzende des Internationalen Komitees löst Laurence Gangloff, ehemalige Europavertreterin aus Frankreich, Corinna Harbig aus Slowenien ab.

Das Ergebnis der wohl spannendsten Arbeitsgruppe der Konferenz wurde am letzten Tag bekanntgegeben: die ausgewählten Länder und Bibelstellen mit thematischem Schwerpunkt für die Gottesdienste der Jahre 2022 bis 2026.

2022     England, Wales und Nordirland: I know the plans I have for you (Jer 29,11)
2023     Taiwan: I have heard about your faith (Eph 1,15-19)
2024     Palästina: I beg you ... bear with one another in love (Eph 4,1-3)
2025     Cookinseln: I made you wonderful (Ps 139,14 (1-18))
2026     Nigeria: I will give you rest: come (Mt 11,28-30)

Hintergrund:
Der Weltgebetstag ist eine Basisbewegung christlicher Frauen; über Konfessions- und Ländergrenzen hinweg engagieren sich christliche Frauen in der Bewegung des Weltgebetstags, beten gemeinsam und handeln dafür, dass Frauen und Mädchen überall auf der Welt in Frieden, Gerechtigkeit und Würde leben können. Vor über 130 Jahren legten christliche Frauen in Nordamerika den Grundstein für die Bewegung des Weltgebetstags. Heute sind Frauen in über 100 Ländern und allen Regionen der Welt miteinander verbunden. Immer am ersten Freitag im März beschäftigt sich der Weltgebetstag mit der Lebenssituation von Frauen eines anderen Landes. Christliche Frauen wählen Texte, Gebete und Lieder aus. Diese werden dann in weltweiten Gottesdiensten auf 95 Sprachen gefeiert. Doch der Weltgebetstag ist viel mehr als ein Gottesdienst im Jahr: der Weltgebetstag weitet den Blick für die Welt. Das deutsche Weltgebetstagskomitee wird von 12 kirchlichen Frauenverbänden und -organisationen aus neun verschiedenen Konfessionen getragen. Mona Kuntze gehört als Delegierte „Forum Frauen“ (im Fachbereich „Familie und Generationen“ im BEFG) zum deutschen Weltgebetstagskomitee. Weitere Infos gibt es unter www.weltgebetstag.de.

„Die Zukunft des Landes mitgestalten“

„Die Freiheit demokratischer Wahlen geht mit der Verantwortung einher, die Zukunft des eigenen Landes mitzugestalten.“ Mit diesen Worten hat der Präsident der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), Christoph Stiba, die heutige Veröffentlichung der VEF-Wahlprüfsteine begründet. Die Vereinigung hatte einen ausführlichen Fragenkatalog an alle Parteien geschickt, die nach aktuellen Prognosen am 24. September in den Bundestag einziehen. „Die Antworten sollen eine Hilfestellung für die Wahlentscheidung sein“, so Stiba.

Die 35 Fragen befassen sich mit den Themenfeldern Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung, Migration, Ehe und Familie, Miteinander der Generationen sowie Kirche und Staat. „Wir haben bewusst nicht die Fragen gestellt, die von den Parteien selbst in den Mittelpunkt gestellt werden, sondern die uns als Christen besonders auf dem Herzen liegen“, so Friedrich Schneider vom Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, der den Katalog gemeinsam mit einem Arbeitskreis erstellt hat.

Seit den letzten Wahlprüfsteinen vor vier Jahren seien viele Fragen hinzugekommen, betonte der VEF-Beauftragte am Sitz der Bundesregierung, Peter Jörgensen. Bei diesen gehe es unter anderem um die von den Vereinten Nationen formulierten Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz: SDGs), die für die VEF in ihrer politischen Arbeit im Fokus stünden: „Die Bekämpfung von Armut, Hunger und Ungleichheit, der Einsatz für Bildung, gerechte Arbeitsverhältnisse und einen nachhaltigen Umgang mit den uns anvertrauten Ressourcen – die Ziele der SDGs sind aus christlicher Perspektive wesentlich.“

Und so seien die Fragen an die Parteien zugleich eine Aussage: „Wir wollen zeigen, was für uns wichtig ist. Und wir wollen signalisieren, dass wir bereit sind, unsere Gesellschaft bei diesen Themen auch aktiv mitzugestalten.“ Als Beispiel nannte der VEF-Beauftragte das Thema Migration: „Wir stellen hierzu nicht nur Fragen in den Wahlprüfsteinen, sondern unsere Gemeinden leisten durch ihren Einsatz in der Flüchtlingskrise einen gesellschaftlichen Beitrag.“

Man veröffentliche die Antworten aus den Parteizentralen, so Christoph Stiba, gebe jedoch keine Wahlempfehlung: „Es gehört zu den freikirchlichen Grundsätzen, dass jeder und jede Einzelne in Verantwortung vor Gott und den Menschen mündige Entscheidungen trifft.“ Dies gelte auch für politische Wahlen. Eine Kommentierung der Antworten werde deshalb nicht erfolgen.

CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Die Linke haben auf die Anfrage der VEF geantwortet. Die AfD hat nicht reagiert.

Geflüchtete in Deutschland

Viele Gemeinden im BEFG setzen sich für Geflüchtete ein. Gabriele Löding, Referentin für gemeindenahe Diakonie im Dienstbereich Mission, empfiehlt ihnen ein Buch, das sie bei ihrer Arbeit unterstützen kann.

Integration kann gelingen. Wie, das wird sehr facettenreich und ausführlich in dem Buch „Geflüchtete in Deutschland. Ansichten – Allianzen – Anstöße“ beschrieben. Heinrich Bedford-Strohm schreibt dazu im Buch: „Wenn der Geist der Gemeinsamkeit hier in Deutschland die Oberhand behält, werden wir die Mammutaufgabe bewältigen, die Flüchtlinge zu integrieren.“

Das Buch zeichnet sich dadurch aus, dass mehr als 50 Autorinnen und Autoren aus den unterschiedlichsten Bereichen – aus Kirche, Wirtschaft, Politik, Polizei, Sozialarbeit, haupt- und ehrenamtlich Arbeitende und Betroffene – selber zu Wort kommen. Es verbindet fundierte Hintergrundinformationen aus theologischer, sozialethischer, soziologischer und volkswirtschaftlicher Perspektive mit Praxisbeispielen. Durch das Lesen des Buches bekommen Einzelne und Gemeinden Anregungen für ihre Arbeit. Beispielsweise beschreibt ein Projekt in Essen, wie Migrantinnen und Migranten selbst zu Helfern für Geflüchtete werden; ein anderes Kapitel zeigt auf, wie Geflüchtete durch digitale Medien Informationen erhalten und weitergeben können. Weitere Kapitel beschreiben die Flüchtlingsarbeit als Chance der Gemeindeentwicklung, Kitas als heilsame Orte, ehrenamtliches Engagement als bedeutsam und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure als wichtige Faktoren der Integration.

Das Buch sensibilisiert und motiviert zu einem verantwortlichen Handeln. Es fördert eine differenzierte Wahrnehmung und klärt Sachverhalte. Es gibt Anstöße für gesellschaftliche Diskurse und ermutigt zu verantwortlichem Handeln auf verschiedenen Ebenen.

Ich empfehle das Buch allen, die sich der besonderen Herausforderung der Integration der Geflüchteten stellen.

Gerhard K. Schäfer, Barbara Montag, Joachim Deterding, Astrid Giebel (Hg.): Geflüchtete in Deutschland. Ansichten – Allianzen – Anstöße, Vandenhoeck & Ruprecht.

Über 500 haben die Oncken-Kiosk-App

Auf große Resonanz stößt die App „Oncken-Kiosk“. Die kostenlose App kann bei „Google Play“ für Android-Geräte und im „App-Store“ für Apple-Geräte heruntergeladen werden. Über 500 Interessenten haben die App bereits auf ihren Geräten installiert. Mit ihrer Hilfe kann DIE GEMEINDE gelesen werden – nachdem ein entsprechender Freischaltcode erworben worden ist. Das Jahresabonnement kostet 44,80 Euro, ein Einzelheft 2,29 Euro. Das Gute: Jeder Abonnent kann sein Abo auf bis zu drei Geräten nutzen – etwa auf dem Handy, dem Tablet und einem Computer. So bleibt man auch auf Reisen über interessante Themen und aktuelle Entwicklungen im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden informiert.

Wer sich zunächst von dem Nutzen des Angebots ein Bild machen möchte, hat die Möglichkeit, drei Ausgaben der GEMEINDE – die Nummern 8, 9 und 10/2017 – kostenlos komplett anzuschauen. Zudem kann man sich über vier Vorschauseiten jeder Ausgabe (seit Januar 2017) einen Überblick über den Inhalt der jeweiligen GEMEINDE verschaffen. Ebenso können Leser die hilfreichen Funktionen der digitalen GEMEINDE kennenlernen: das Erstellen des persönlichen Lesezeichens, das Lesen im lesefreundlichen Textmodus, Zusatzinformationen über die Verlinkungen erhalten – um nur einige zu nennen. „Alle diese Funktionen sind von den App-Nutzern bereits vielfach angewandt worden“, freut sich die Leiterin der Zeitschriftenabteilung im Oncken Verlag, Olga Nägler. Darin sieht sie eine Bestätigung, dass der Verlag mit dem neuen digitalen Angebot auf dem richtigen Weg ist.

Ein besonderes Angebot ist das Gemeindeleitungs-Abo. Für 10 Euro im Monat können alle Gemeindeleitungsmitglieder einer Gemeinde die digitale GEMEINDE vergünstigt lesen. Das aktuelle Heft wird alle 14 Tage am Donnerstag online gestellt. Darüber erhalten die App-Nutzer eine sogenannte „Push-Nachricht“, die – sofern nicht vom Nutzer deaktiviert – sofort auf ihrem mobilen Endgerät erscheint. Derzeit gibt es Überlegungen, diesen Service auch für andere, besonders wichtige Nachrichten aus dem weltweiten Baptismus zu nutzen. Für Oncken-Verlagsleiter Heinz Sager hätten die App-Nutzer damit einen weiteren Vorteil: „Über wichtige Ereignisse in unserem Bund werden sie vor allen anderen Lesern in Echtzeit informiert.“ Er hofft, dass viele Nutzer sich nicht nur selbst von den Vorteilen der App überzeugen, sondern auch im Freundes- und Bekanntenkreis dafür werben.

Auch für die Redaktion der GEMEINDE hat die App Vorteile: Die Redakteure können z. B. nachverfolgen, welche Artikel am häufigsten gelesen werden – und die Inhalte des aktuellen Heftes darauf abstimmen. „So kann DIE GEMEINDE noch stärker auf die Bedürfnisse der Leser eingehen und damit immer besser werden“, so Sager.
Der Oncken Verlag freut sich über jeden, der die App über Facebook, Twitter oder Mail an seine Freunde einfach weiterempfiehlt.

Zeitschriftenabteilung Oncken Verlag:
E-Mail: zeitschriften(at)oncken.de | Tel.: 0561 52005-38

Theologischen Grundkurs abgeschlossen

Vom 30.06. - 02.07.2017 fand das Abschluss-Seminar des Theologischen Grundkurses Süd 2015-2017 statt.

Cora Zacher, eine der Teilnehmerinnen, schreibt:
Ich habe viele neue Einblicke in die Bibel und den Glauben und die Kirche erhalten und Mut auf mehr bekommen! Und wir sind als Gruppe in dieser Zeit zu einer Gemeinschaft von Geschwistern geworden. Jeder von uns hat zu diesem Kurs etwas beigetragen und alle gehen wir beschenkt und bereichert weiter in unsere Gemeinden und Familien.
Danke an all die engagierten Lehrer die so lebendig und fröhlich uns an ihrem Wissen teilhaben ließen. Ich kann nur jedem Mut machen sich auf den Weg zu machen und die Bibel neu zu entdecken und zu erforschen!

Liebe Cora Zacher, was für ein tolles Resümee deiner Teilnahme am Theologischen Grundkurs! Wir freuen uns mit dir und gratulieren zum Abschlusszertifikat!

Und für alle, die jetzt ebenfalls Lust bekommen haben: Im November starten drei neue Kurse im Norden, Osten und im Süden - jetzt noch anmelden!
Weitere Informationen gibt es direkt auf der Seite des Theologischen Grundkurses

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