ERF Plus - Wort zum Tag

5. Mose 10,17

Gehören Sie zu denen, die aufmerksam unsere gesellschaftlichen Veränderungen beobachten?

Dann wird ihnen nicht entgehen, wie alles das, was einen christlichen Anstrich hat, mehr und mehr beiseitegeschoben wird. Es sind ganz andere Kräfte, die unsere Gesellschaft bestimmen und prägen wollen.

Das mag einen Christen hin und wieder verzagen lassen, wenn man mit seiner Ansicht oder mit seinem Rat, der durch die Bibel geprägt ist, nicht mehr durchdringt, nicht mehr gern gehört wird. Neuen Mut möchte uns ein Bibelvers machen. Er steht im 5. Buch Mose, Kapitel 10, Vers 17. Es ist ein Satz aus der Rede des Mose, die dieser gehalten hat an sein Volk Israel.

Anlass dieser sehr langen Rede war, dass einerseits das Volk kurz davor stand, endlich in das versprochene Land der Väter einzuwandern. Andererseits wusste Mose, der langjährige Leiter  des Volkes, der es aus der Sklaverei in Ägypten heraus und durch die Wüste hindurch geleitet hatte, dass er selbst dieses herrliche Land nicht würde erleben dürfen. Gott hatte es ihm verwehrt. So verabschiedet sich Mose mit dieser Rede an das Volk von seinem Amt als Leiter.

Er fasst noch einmal die ganze bisher erlebte Geschichte zusammen. Vor allem aber verpflichtet er das Volk Israel noch einmal neu auf das Gebot seines Gottes. Denn Mose weiß: das Volk wandert ja nicht in unbewohnte Landstriche ein. Sie werden dort mit anderen Völkern in Kontakt kommen, die anderen Göttern dienen. Und dies in recht beeindruckender Weise.

Das Volk lebte seinen Glauben an den Gott der Väter. Es vertraute dem Gott, der sich als stärker erwiesen hat als die Macht der Ägypter. Es hatte auch sein Wort, seine Gebote, die ihm Hilfe und Richtschnur zu einem Leben waren, das sich treu an Gott hielt. Doch dies alles steht in der Gefahr, durch die großartigen Kultfeiern der anderen, durch deren Pomp, auf die Seite gedrängt zu werden. Ganz schnell kommt man sich da klein und unscheinbar vor.

Lebt es sich mit der Religion der anderen nicht erfolgreicher?  Ist es nicht an der Zeit, auf anderes zu vertrauen statt auf das Althergebrachte? Gegen solche Verzagtheit stellt sich Mose, indem er darauf aufmerksam macht: „Denn der HERR, euer Gott, ist der Gott der Götter und der Herr der Herren, der große, starke und furchtbare Gott, der kein Ansehen der Person kennt und keine Bestechung annimmt“  (5.Mose 10,17 Zürcher Bibel).

Mit diesen Worten möchte Mose zum einen das Volk darin gewiss machen, wem es sich zu verdanken hat, wem es gehört und wem es dient. Zum anderen möchte Mose das Volk zu einem offensiv gelebten Glauben herausfordern. Zwei Motive des Mose, die bis heute hochaktuell sind. Denn wo immer wir dazu neigen, als Christen zu verzagen angesichts der Entwicklungen in der Gesellschaft – hier hören wir, dass es für Verzagtheit nicht einen Grund gibt.

Denn nur ein einziger steht über allen anderen, die sich stark und mächtig nennen, es aber überhaupt nicht sind. Nur ein einziger lässt sich durch menschliche Anstrengungen nicht beeindrucken.

Denn er ist der, der von sich aus die Menschen gesucht und in seine Gemeinschaft gezogen hat. Weil er sie liebt und weil er sich selber treu ist. Diesem Gott dürfen sie gehören! Diesem Gott, der über allem steht und jenseits von allem ist, was sich Menschen religiös ausdenken. Er hat sie als Volk zu sich gezogen.

Was immer ihnen begegnen wird, wodurch auch immer sie sich klein und unscheinbar vorkommen mögen im Meer der Völker – mit ihrem Gott sind sie auf der Seite dessen, der alle Macht hat. Dies dürfen wir bis heute im Glauben ebenso fassen. Nicht die vermeintlich Starken in der Welt und die Lautsprecher in der Gesellschaft sind durch Gottes Gnade beschenkt. Sondern die, die es im Glauben entdecken , wer dieser Gott und Vater Jesu Christi ist.

Autor: Pastor Ulrich Ahrens

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2. Könige 13,23

Der Herr wandte sich Israel wieder zu um seines Bundes willen mit Abraham, Isaak und Jakob und wollte sie nicht verderben, verwarf sie auch nicht von seinem Angesicht bis auf diese Stunde.
2.Könige 13,23

Wie ist das, wenn Gott uns etwas verspricht, wenn Gott mit uns einen Bund macht – so wie mit Abraham, Isaak und Jakob? So wie in folgender Geschichte? Es klingelte, ich guckte auf die Uhr. Nein, die Zeit passte mir eigentlich überhaupt nicht. Aber trotzdem ging ich an die Tür und öffnete sie. Vor mir stand ein junges Mädchen, 14 Jahre alt. Eine Konfirmandin. Ein nettes Mädchen. Aber jetzt war sie Tränen überströmt. Irgendwann hatte sie wohl versucht, sich zu schminken. Das war jetzt alles zerlaufen und über das Gesicht verteilt.

„Kann ich sie sprechen?“, fragte sie. „Ja, natürlich!“, antwortete ich und wir gingen in mein Arbeitszimmer. Sie setzte sich in den Besuchersessel. Sie sagte erst einmal gar nichts, sie weinte nur. Besser gesagt: Weinkrämpfe schüttelten sie. Und dann brach es aus ihr heraus.

Sie hatte gerade eine Auseinandersetzung mit ihrer Mutter. Es wurde laut und lauter. Die Diskussion war gar nicht mehr erkennbar. Beide hatten schon längst vergessen, worum es ging. Und dann schrie die Mutter sie an: „Du warst gar nicht gewollt. Du bist nur ein Betriebsunfall!“ Das Mädchen zuckte zusammen. Entsetzt rannte sie hinaus, knallte die Tür zu, griff sich den Mantel und lief geradewegs zu mir, dem Pastor.

„Ein Betriebsunfall!“, schluchzte sie. „Was soll ich machen? Meine Mutter liebt mich nicht. Mein Vater auch nicht!“ Ihre ganze Welt war zusammengebrochen. Alles, worauf sie sich verlassen hatte, existierte nicht mehr. Sie war ja nur durch Zufall auf der Welt.

Was sollte ich machen als Pastor? Und dann sagte ich: „Lass uns zusammen in die Bibel gucken.“ Das taten wir. Und lasen, dass Gott uns schon vor Grundlegung der Welt „bereitet“ hat. Nein, das Mädchen mir gegenüber war kein Betriebsunfall. Gott hatte sie gewollt. Und sie war nicht auf der Welt, weil irgendetwas technisch nicht geklappt hatte, sondern weil Gott sie gewollt hatte. Was für ein Wunder! Ein Gott, der uns kennt und mit uns – in der Sprache der Bibel – einen Bund schließt, von dem wir noch gar nichts wissen. Aber seit Jesus am Kreuz für uns gestorben und auferstanden ist, wissen wir es.

Die Geschichte geht noch weiter. Die Tränen wurden weniger und dann sagte sie: „Lesen sie das bitte noch einmal vor.“ Das tat ich, und dann buchstabierten wir es zusammen durch, was das für sie bedeutete, dass sie Gott so unendlich wichtig ist. Und ihre Eltern darauf überhaupt keinen Einfluss hatten, dass Gott sie gewollt hat. Es dauerte noch etwas, aber dann setzte sich diese wunderbare Erkenntnis durch. Und die andere Erkenntnis auch: Wenn Gott sie schon gewollt hatte, dann hatte er mit ihr auch noch etwas vor. Sie ging getröstet nach Hause und hatte eine Nachricht für ihre Mutter. Eine gute Nachricht. Auch die, dass ihre Eltern bei Gottes Plan mithelfen durften. Ob die Mutter das angenommen hat? Ich weiß es nicht.

Aber ich weiß, dass Gott sein Wort hält. Und dass er uns zur Seite steht. In guten wie in bösen Tagen. Und was er mit diesem Mädchen gemacht hat, ist auch sein Markenzeichen für sein Volk Israel. Er passt auf Israel auf. Nicht weil dies Volk so gut ist. Oder besonders fromm. Oder gläubig. Oder gehorsam. Das alles nicht. Denn das Volk war nur schwer zu leiten. Gott ist so um seines Wortes willen. Und was er einmal versprochen hat, nimmt er nicht zurück. Auf sein Wort ist Verlass. Das haben schon Abraham, Isaak und Jakob erfahren. Das ist Israels Erfahrung – trotz aller Schwierigkeiten – bis auf den heutigen Tag. Und was für ein ganzes Volk gilt, das gilt auch für meine Konfirmandin.

Autor: Pastor Bernd Bierbaum

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1. Petrus 5,10

Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen.
1.Petr.5,10

Achtzehn Jahre zuvor hatte ich in Paderborn bei einer Jugendevangelisationswoche gepredigt. Eine ganze Woche lang und am vorletzten Abend auch über Noah. Die Jugendlichen hörten aufmerksam zu. Dann sagte ich, dass alle, die an der Arche mitarbeiteten – auch die Subunternehmer – selbst auch in der Arche sein müssten, wenn sie gerettet werden wollten. Ausnahmslos.

Der gastgebende Pastor sprang auf und nahm mich öffentlich auseinander – theologisch, menschlich usw. Und dass alles, so wie ich es sagen würde, überhaupt nicht stimme. Au weia! Aber es wurde immer noch schlimmer. Die Jugendlichen guckten verlegen hin und her. Als der Abend schließlich vorbei war und ich wegfuhr, überlegte ich mir sehr ernsthaft, ob ich am nächsten Tag überhaupt wiederkommen sollte. Ich tat es und dachte zum Schluss: „Das war wohl voll daneben.“

Ich hatte die ganze Geschichte fast vergessen. Da kam einer unserer Studenten aus Berlin zurück und bestellte mir einen herzlichen Gruß von einer bestimmten Frau. Ich sagte: „Ich kenne die Frau nicht und habe den Namen noch nie gehört.“ – „Ja“, meinte er und lachte dabei, „das kann ich mir denken. Sie ist an einem Abend in Paderborn zum Glauben gekommen, als du über Noah und die Arche gepredigt hast.“ An den Abend erinnerte ich mich jetzt wieder. Und ob! Und antwortete: „Das kann doch gar nicht angehen, dass an einem solchen Abend noch jemand zum Glauben kommt.“ – „Doch, so ist es gewesen. Und diese Frau lässt dir die herzlichsten Grüße bestellen.“

Diese Nachricht brauchte ich dringend. Es ging mir schlecht. Die Gemeindesituation war erbärmlich. Nicht dass keine Leute kämen, die Kirche war voll. Aber es war so viel Widerstand und Durcheinander da. Es war einfach schrecklich. Ich dachte, dass alles sowieso keinen Sinn mehr habe, und hätte am liebsten gekündigt. Sollten sie doch ihren Kram alleine machen. Und in dieser Situation erreichte mich der Gruß dieser Frau.

Ich merkte, was ich für einen Gott habe. Er passt auf uns auf, auch wenn es uns schlecht geht. Er kann auch die unmöglichsten Situationen benutzen, um uns zu trösten.

Und die Zeit, die wir leiden, ist wirklich nur eine kleine Zeit. Er richtet uns auf, er stärkt, kräftigt und gründet. Da bekommt das auf einmal auch einen Sinn mit der ewigen Herrlichkeit. Darauf kann man sich freuen. Auch dann, wenn es äußerlich drunter und drüber geht. Und zu dieser Herrlichkeit hat uns der Gott aller Gnade berufen. Aber in Christus! Denn ohne ihn wären wir auch in der Leidenszeit alleine.

An diesem Tag lernte ich eine geistliche Lektion. Das war wirklich Gottes Trost zur rechten Zeit. Und es war nicht nur Trost. Es war auch Gottes Zeitplan, der mich staunen ließ. Wie hat er das nur hingekriegt? Natürlich wünschte ich mir manchmal, dass er eher eingreifen würde. Ich habe auch nicht verstanden, warum ich achtzehn Jahre warten musste.

Aber ich muss auch nicht alles verstehen. Wo steht das geschrieben? Ich hatte gelernt, dass Gott immer für mich da ist. Dass er immer auf mich aufpasst. Ganz fürsorglich! Dass es nicht eine Zeit gibt, an der er in Christus mir nicht zur Seite ist. Was für ein großartiger Gott! Ich hatte wieder Mut bekommen und die Arbeit machte wieder richtig Spaß.

Autor: Pastor Bernd Bierbaum

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Epheser 5,8

Als ‚Lichtgestalten‘ werden Menschen bezeichnet, die auf besondere Weise aus der Menge herausstechen: Retter der Armen, Kämpferinnen für die Gerechtigkeit, höchstbegabte Wissenschaftler, Künstlerinnen oder Politiker. Das heutige Wort zum Tag kann man als Zusage verstehen, dass auch Christen ‚Lichtgestalten‘ sind. Die Lutherbibel übersetzt Epheser 5,8 so: „Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts!“

Damit ist nicht gesagt, dass wir aus eigener Kraft grosse Leuchten wären. Wenn wir Licht ausstrahlen können, dann nur, weil Christus uns anstrahlt, weil wir von ihm Licht d.h. Energie beziehen können. Christus erleuchtet uns. Darum nennt der Epheserbrief die Glaubenden „Kinder des Lichts“ und „Licht in dem Herrn“.

Leben ohne Christus ist aus Sicht des Apostels etwas Düsteres. Wo sein Licht nicht leuchtet, kommt es zu dunklen Machenschaften, nicht zuletzt auch im Umgang mit dem anderen Geschlecht oder mit dem Geld. Das wird im ganzen Abschnitt Epheser 5,1-14 deutlich. Götzendienst bedeutet nämlich nicht nur das Anbeten anderer Götter. Die Vergötterung des eigenen Ichs, das die anderen, ihre Sexualität oder ihren Besitz ausnützt, ist auch Götzendienst. Das ist düsteres Heidentum und lässt sich mit dem Reich Gottes nicht vereinbaren.

Aber, so macht der Apostel seinen Leserinnen und Lesern bewusst, das habt ihr hinter euch! Christus hat sich für euch hingegeben. Und euch so aus dem düsteren und gottlosen Leben herausgeholt. Er hat die Folgen eurer dunklen Machenschaften auf sich genommen und sie so überwunden. Er hat das Dunkel des Todes durchlitten, damit euch nun das Licht des Lebens leuchten kann. Lebt also in und aus dem Licht, das Christus für euch errungen hat.

Das hat dann auch konkrete Folgen: Wenn es in uns hell ist, wird es auch um uns herum hell. Das Licht ist eine kraftvolle Energie. Es bringt Früchte hervor. Was für eine Entlastung! Nicht wir müssen Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervorbringen. Sondern das Licht Gottes bewirkt diese Früchte in uns. Wir selbst und die Menschen, mit denen wir zu tun haben, kommen in den Genuss davon. – In diesem Zusammenhang ergeht auch der Aufruf im heutigen Wort zu Tag: «Lebt als Kinder des Lichts!» Das heisst: «Lebt als Menschen, in denen das Licht Christi brennt.» Dann wird es auch in eurer Umgebung hell und heller. Das düstere Dunkel muss weichen.

Es ist wichtig, das richtig zu verstehen. Hier wird weniger eine Forderung oder ein Leistungsauftrag ausgesprochen, sondern vielmehr eine Verheissung. Gott bewirkt in uns, was er sich wünscht. Genauso hat Jesus in der Bergpredigt nicht gesagt: «Ihr müsst das Licht der Welt sein.» Sondern er spricht seinen Nachfolgern zu: «Ihr seid das Licht der Welt» (Matthäus 5,14). Wir müssen uns also nicht anstrengen, um zu leuchten. Es genügt, wenn wir ihm zutrauen, dass er sein Versprechen wahr macht und uns mitten im Alltag zum Leuchten bringt.

Autor: Pfarrer Daniel Eschbach

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1. Petrus 1,3

Im Wort zum Tag geht es heute um unsere Hoffnung. In 1. Petrus 1,3 heisst es: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner grossen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ – Wie steht es bei uns um diese Hoffnung?

Eine Schriftstellerin aus Nicaragua schrieb schon vor vielen Jahren, sie habe nirgends so viel Hoffnungslosigkeit vorgefunden wie in Mitteleuropa: Hoffnungslosigkeit vor allem im Blick auf eine gerechtere und friedlichere Welt. Und sie ergänzt: Diese Art von Hoffnungslosigkeit sei ein Luxus, den sich in Nicaragua niemand leisten könne. (vgl. D. Sölle, Gott im Müll, S. 162)

Ist die Hoffnungslosigkeit wohl tatsächlich auch ein Teil des Luxus, des Überflusses, den wir uns in der Schweiz und in Deutschland leisten können? Man muss es sich ja erst einmal leisten können, nichts Besseres zu erhoffen als das, was man schon hat. Wir haben viel, auch viel zu verlieren. Darum fällt es uns leicht, über die ungerechte Welt zu klagen oder gar überall Zeichen einer kommenden Katastrophe zu sehen. Vielleicht geht es uns einfach zu gut, wenn solches Klagen und Jammern im Vordergrund steht. Beschränkt sich unsere Hoffnung tatsächlich darauf, dass alles so bleibt, wie es ist? Solange der Wirtschaftsmotor läuft, geht es uns ja gut. Hauptsache, es kommen trotz schmelzender Gletscher noch genügend Touristen ins Land. Aber: Wenn sich unsere Hoffnung auf Besitzbeschränkt, dann trifft Jesu Weheruf im Lukas-Evangelium voll ins Schwarze: „Wehe euch, ihr Reichen – ihr habt euren Trost schon empfangen (Lk 6,24).“ Dann haben wir wirklich nichts mehr zu hoffen.

Doch für Christen gilt: Wir haben mehr zu hoffen! Der 1. Petrusbrief spricht von einer lebendigen Hoffnung, die in der Auferstehung Christi wurzelt. Dabei geht es freilich um mehr als die persönliche Hoffnung, dass es mit mir nach dem Tod noch weitergeht. Es wäre egoistisch, nur für sich selbst zu hoffen. In der Bibel ist eine Hoffnung für die ganze Welt, für all ihre Geschöpfe gemeint. Es geht um Gerechtigkeit für alle, um Wiedergutmachung für Betrogene und Unterdrückte, um Heilung für die, die nach mehr Leben dürsten, um Leben für die Kinder mit geringer Lebenserwartung, um Befreiung für die Gefangenen, um Gemeinschaft für die Ausgestossenen. Es geht um Hoffnung, die lebendig ist. Das heisst: Diese Hoffnung soll uns lebendig machen und in Bewegung bringen.

Sie soll verhindern, dass wir uns abfinden mit der Welt, wie sie heute ist. Die Hoffnung auf die Auferstehung, die alles überwindet, was das Leben einengt und hindert, fordert uns heraus zum Engagement. In dieser Hoffnung sollen wir uns einsetzen für mehr Gerechtigkeit für alle Menschen, die zu kurz gekommen sind. Die Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi ist der Grund für die Hoffnung, dass Gott die ganze Welt neu machen wird. Dafür sollen wir uns engagieren – und zwar im Namen Gottes.

Das Wort zum Tag spricht uns also nicht nur zu, dass es für uns persönlich Hoffnung gibt. Es nimmt uns in Dienst, uns für mehr Hoffnung auf dieser Welt zu engagieren. Sie muss nicht bleiben, wie sie ist. „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner grossen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“

Autor: Pfarrer Daniel Eschbach

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Jesaja 12,3

Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Brunnen des Heils.
Jesaja 12,3

Wir sind unterwegs mit unseren Fahrrädern. Morgens war es noch gar nicht so heiß. Doch nun brennt die Sonne erbarmungslos. Längst ist meine Trinkflasche leer. Ich bin völlig nass geschwitzt. Aber der Weg ist noch weit.

Da ruft einer aus unserer Gruppe: Wasser! Tatsächlich da vorne ist ein Brunnen. Und es ist tatsächlich Trinkwasser. Wir stürzen uns an den Brunnen und genießen das köstliche Wasser. Noch schnell die Flasche füllen. Dann fahren wir weiter. Ich staune, wie leicht das jetzt geht.

Ich denke gerne an diesen Tag zurück. Denn er erinnert mich daran, egal wie anstrengend eine Situation ist. Es gibt im Leben immer wieder überraschend die Brunnen mit frischem Wasser, das mich erquickt.

Jesaja schreibt seinen Landsleuten: Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Brunnen des Heils.

Ich weiß nicht, wie die Situation damals gerade war. Aber es war gut, dass Jesaja diesen Satz schrieb, denn er gab den Menschen seiner Zeit Hoffnung. Er hat sie daran erinnert, dass die Zeit der Belastung, der Niederlagen, die Zeit des schuldig Werdens einmal vorbei sein wird, weil Gott eine neue Zeit schenken wird, in der die Menschen die Gegenwart Gottes, seine Nähe und Fürsorge mit vollen Zügen genießen werden.

Jesus Christus hat diesen Satz aufgegriffen und den Menschen gesagt: Ich gebe Euch lebendiges Wasser, das Euren Durst stillt. Dieses Wasser wird in Euch sprudeln wie eine Quelle, die in das ewige Leben fließt.

Noch leben wir in einer Welt der Belastungen, der Niederlagen und Enttäuschungen. Noch werden Menschen an uns schuldig, und wir werden an anderen schuldig. Aber mitten in dieser Welt ist Jesus Christus da, im Gebet stets erreichbar. Und er lässt uns die Liebe Gottes spüren. Er vergibt uns. Er ermutigt uns, den nächsten Schritt zu gehen. Er schenkt uns Ruhe, dass wir durchatmen können.

In unserem Bibelwort ist vom Wasserschöpfen die Rede. Wir sind es heute ja gewohnt, dass wir einfach nur den Hahn drehen müssen, und schon fließt  Wasser. Aber das Wasser in den tiefen Brunnen des Orients musste geschöpft werden. Das ist anstrengend. Auch das Wasser, das durch die Liebe Gottes in unser Leben kommt, will geschöpft werden. Das lebendige Wasser ist Jesus Christus selbst, aber der Brunnen ist Gottes Wort die Bibel.  In ihr lernen wir Jesus Christus kennen. Aber wir müssen schöpfen, und das bedeutet, intensiv die Bibel lesen und studieren.

Wir waren in diesem Sommer eine kleine Gruppe von etwa 10 Personen. Zwei Monate lang haben wir das Markusevangelium gelesen. Jeder zuhause einen Abschnitt pro Tag. Einmal in der Woche haben wir uns getroffen. Wir haben es genossen, und immer mehr haben wir die Einzigartigkeit Jesu kennengelernt. Und wir haben dabei erfahren: In Jesus ist das Wasser des Heils zu uns gekommen.

Autor: Lothar Eisele

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1. Thessalonicher 2,2

Paulus schreibt: Als wir zuvor gelitten hatten und misshandelt worden waren in Philippi, wie ihr wisst, fanden wir dennoch in unserm Gott den Mut, bei euch das Evangelium Gottes zu sagen in hartem Kampf. 
1. Thessalonicher 2,2

Es gibt Situationen, die kosten uns alle Kraft. Wir müssen ein Projekt zu einem bestimmten Termin fertigstellen. Aber eine Verzögerung kommt nach der nächsten. Wir merken, dass es eigentlich fast nicht zu schaffen ist. Nachts können wir nicht mehr einschlafen, wachen mehrmals auf. Wir merken, wie die Kräfte immer weniger werden. Irgendwie schaffen wir es doch, das Projekt fertig zu stellen.  Aber nun merken wir erst, wie ausgelaugt wir sind. Wir haben kaum noch Energie, um die nächste Aufgabe anzupacken.

Es gibt Situationen, die kosten uns alle Kraft.  Wir stoßen bei der Arbeit plötzlich auf Ablehnung und Widerstand.  Obwohl wir es gut meinen und auch gut vorbereitet sind, gelingt es uns nicht, die anderen zu überzeugen. Im Gegenteil, sie greifen uns an oder wir merken, dass sie hinter unserem Rücken gegen uns agieren. Unsicherheit breitet sich aus.

Es gibt Situationen, die kosten alle Kraft. Paulus und Silas verkündigen in Philippi die gute Nachricht von Jesus Christus. Eine kleine christliche Gemeinde entsteht. Doch nun stoßen sie in der Stadt auf Widerstand. Sie werden eingesperrt. Nur durch göttliches Eingreifen in Form von einem Erdbeben kommen sie frei. Der Gefängnisaufseher wird Christ. Trotzdem, sie können nicht in Philippi bleiben, müssen die Stadt verlassen. Das alles hat unendlich viel Kraft gekostet.

Nun sind sie in Thessaloniki  angekommen. Und erstaunlich: Sie verkündigen auch hier das Evangelium. Lassen sich nicht lähmen. Woher nehmen sie die Kraft? Wie schaffen sie es, nicht zu resignieren und aufzugeben? Unser Bibelwort gibt einige Hinweise:

Wir fanden in Gott den Mut. Sie schauen also nicht nur auf die Umstände und Probleme. Sie konzentrieren sich auf die Beziehung zu Gott. So wie es in einem Psalm heißt: Der Herr ist unsere Zuversicht und Stärke. Die Situation ist schwierig, die eigenen Kräfte sind erlahmt. Aber Gott, dem alles möglich ist, ist mit uns.

Das ist entscheidend, gerade in diesen Situationen brauchen wir es, dass wir nicht nur auf uns vertrauen, sondern auf Gott.

Sie pflegen die Beziehung zu Schwestern und Brüder. Paulus schreibt sowohl nach Philippi und bittet um Unterstützung im Gebet. Wenn wir keine Kraft mehr haben, brauchen wir Christen, die für uns beten.

Und ein letztes: Das Reisen dauerte damals länger als heute. Unterwegs gewinnen Paulus und Silas Abstand zu den Ereignissen in Philippi und können sich innerlich auf Thessaloniki vorbereiten. Sie können beten und Gott die nächste Situation anvertrauen.

Ich habe schon oft erlebt, dass es gut tut, wenn ich nicht von einer kraftraubenden Aktion in die nächste stürze, sondern zwischendurch eine Pause habe. Dann kann ich durchatmen. Das alte zurücklassen. Beten. Nach vorne schauen. Und dann im Vertrauen auf Gott die nächsten konkreten Schritte gehen.

Autor: Lothar Eisele

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Amos 5,24

Es ströme das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.
Amos 5, 24

Klingt gut – aber in diesem Bibelvers ist die ganze Brisanz der prophetischen Verkündigung im achten vorchristlichen Jahrhundert auf den Punkt gebracht. Was war da los?

Unter den Nachfolgern des Königs Salomo hatte sich Israel in zwei rivalisierende Staaten aufgespalten. Der südliche Teil umfasste die Stämme Juda und Benjamin mit Jerusalem als politischem und religiösem Mittelpunkt, die restlichen Stämme bildeten das Nordreich, das sich auch „Israel“ nannte.

Der Prophet Amos stammt aus dem Süden, tritt aber um 750 im Norden auf.

Dem Land geht es gut, es herrschen Frieden und Wohlstand. Man fühlt sich sicher. Aber wie so oft in der Geschichte hat nur die reiche Oberschicht Anteil an diesem Wohlstand. Sie legt das Recht willkürlich aus und kennt keinerlei soziale Verantwortung, wie sie doch schon im Gesetz des Mose gefordert war. Die Armen werden immer ärmer und die Reichen immer reicher.

Und diese reiche Oberschicht feiert prächtige Gottesdienste. Man sonnt sich im wirtschaftlichen Erfolg und wertet ihn als Segen Gottes. Die religiösen Programme sind sehenswert, die Lieder eindrücklich, die Musik geht zu Herzen und die Kasse stimmt. Gemeinden wie aus dem Bilderbuch.

Diese Gottesdienste werden allerdings immer mehr zur reinen Selbstdarstellung, der feiernde Mensch tritt an die Stelle Gottes. Er dient nicht Gott, sondern sich selbst, er feiert seinen Wohlstand. Was sind wir doch für gesegnete Leute!

Und genau da setzt die Botschaft des Propheten Amos ein. Unmittelbar vorher lässt Gott der selbstzufrieden feiernden Gemeinde ausrichten: Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder, denn ich mag dein Saitenspiel nicht hören!

Und dann folgt  als krasser Gegensatz: Es ströme das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.

Das heißt: Hört doch auf mit eurer religiösen Show! Ändert lieber Euren Alltag!

Und dann nennt der Prophet immer wieder die sozial Schwachen, die Witwen und Waisen, er geißelt die Unehrlichkeit im Wirtschaftsleben, die Abgaben- und Steuerpolitik, die nur der Oberschicht dient. Die Reichen leben auf Kosten der Armen – und das ohne schlechtes Gewissen.

Das schlechte Gewissen heißt damals Amos. Aber damit stört er ja nur den frommen Betrieb, schließlich wird er ausgewiesen.

Gott hatte seinem Volk gute Gebote gegeben. Darin ging es um gegenseitige Rücksichtnahme und immer wieder um das Recht der Witwen, Waisen und Flüchtlinge. Aber wie nach einer inneren Gesetzmäßigkeit verschwindet diese soziale Sensibiltät  immer wieder. Man kann sogar sagen: In dem Maße, wie Gottes gute Gebote in den Hintergrund treten, wächst die soziale Ungerechtigkeit.

Damals – hat Gott einen Schlusspunkt gesetzt. Das Nordreich wurde von Assyrien überrollt. Strafe Gottes. Schluss mit lustig.

Ich empfinde die Botschaft dieses Propheten unglaublich aktuell. Denn auch in christlichen Gemeinden gibt es solche Entwicklungen.

Und es gibt solche Leute wie Amos, die das soziale Gewissen schärfen.
Gott sei Dank.
Hören wir auf sie?

Autor: Pastor Wolfgang Buck

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Markus 1,40–42

Es kam zu Jesus ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. Und es jammerte ihn und er streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will’s tun; sei rein! Und alsbald wich der Aussatz von ihm und er wurde rein.
Markus 1, 40-42

Meine erste Reaktion: Der hatte es gut. Lebte zeitgleich mit Jesus, wurde schlagartig von seiner Krankheit geheilt und musste sich nicht mehr jahrelang mit seinem Leiden abfinden.

Wenn ich aber näher hinsehe, dann möchte ich doch nicht mit dem Mann tauschen. Er war aussätzig, also Lepra-krank. Und weil diese Krankheit sehr ansteckend ist, wurden solche Menschen eben ausgesetzt – daher der alte Begriff „Aussatz“. Sie mussten fernab von jeder menschlichen Besiedlung hausen und sofort „unrein, unrein“ rufen, wenn sich jemand näherte. Die Chance auf Heilung war sehr gering.

Und noch etwas lastete schwer auf diesem Kranken: Die Frommen von damals hatten natürlich sofort eine Antwort parat, warum jemand so sehr erkrankte: Strafe Gottes! Theologen nennen das den „Tun-Ergehens-Zusammenhang“: Je nach dem, wie ein Mensch handelt – so reagiert Gott: Ist jemand fromm und gottesfürchtig, dann segnet ihn Gott mit Reichtum und Gesundheit – sündigt jemand, dann straft ihn Gott mit Krankheit. So in manchen Psalmen und im Buch der Sprüche. Aber schon im Alten Testament durchbricht z.B. das Buch Hiob diese Denkweise: Hiob ist superfromm und superreich – und kommt trotzdem in große Not. Krankheit kann viele Gründe haben.

Nein, ich möchte mit diesem Mann nicht tauschen. Ich weiß auch nicht, wie viele Jahre er schon so litt – unter der Krankheit und unter den ach so frommen Mitmenschen, die Gott immer auf ihrer Seite hatten und für alles eine Antwort wussten.

Aber dann begegnet er Jesus und nimmt die Chance seines Lebens wahr. Dabei hat Jesus keinerlei Berührungsängste wie die anderen Rabbiner seiner Zeit: Er streckte seine Hand aus und rührte ihn an. 

Es kommt zu einer Spontanheilung. Das Leben kann noch einmal beginnen. So weit, so gut.

Aber wenn wir die nächsten Verse lesen, ist gar nicht mehr alles gut. Jesus weiß, was vorgeschrieben ist – und schickt ihn zum Priester, um die Heilung amtlich bestätigen zu lassen. Und er verbietet dem Geheilten ausdrücklich, seine Erfahrungen an die große Glocke zu hängen. Der Mann aber hält sich an gar nichts. Stattdessen macht er überall Reklame für Jesus. Und der kann sich vor Anfragen nicht mehr retten und muss für eine Zeit in die Einsamkeit fliehen.

Eigentlich schade. Natürlich kann ich den Mann in seiner Begeisterung verstehen, aber zu einer Begegnung mit Jesus gehört immer auch der Gehorsam seinem Wort gegenüber. Und so kommt es, dass der Geheilte zwar körperlich gesund ist – aber sein Verhältnis zu Jesus ist gestört, offensichtlich lebenslang. Wir hören nie wieder etwas von ihm. Zu seinen Nachfolgern wird er wohl nicht. Schade.

Insofern möchte ich wirklich nicht mit diesem Mann tauschen. Ich möchte bei Jesus bleiben, so wie es in dem Text des Theologen Paul Weismantel heißt:

In deiner Nähe geht mir das Herz auf,
werde ich empfänglich für das Wunder des Augenblicks.

Autor: Pastor Wolfgang Buck

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Josua 22,5

Achtet genau darauf, dass ihr den HERRN, euren Gott, liebt und wandelt auf allen seinen Wegen. Josua 22,5

Es ist schönes Wetter. Die Straße ist trocken. Der Himmel etwas bedeckt, aber es lässt sich gut fahren. Meine Frau und ich sind auf dem Weg von Berlin zurück in die Pfalz. Einige Tage zuvor waren wir mit einer Gruppe Motorradfahrer zum Kirchentag gefahren. Jetzt geht es heimwärts. Die schönen geraden Straßen durch die Mark Brandenburg machen einem Biker so richtig Freude. Es ist schon eine große Versuchung. Ein bisschen am Gas drehen, die rechte Hand nur einen Tick nach unten rutschen lassen und schon hebt die Maschine etwas schneller ab. Ist doch alles frei. Die 1800 Kubik wollen auch mal ausgefahren werden. Wer sieht da schon zu, wenn die Pferdchen laufen?

Aber die Straßenverkehrsordnung schreibt es unmissverständlich vor. Die Schilder am Straßenrand sind keine Richtgeschwindigkeit sondern klare Gebots- bzw. Verbotsschilder. Es hat seinen Sinn, auf die Gebote zu achten. So in Gedanken folge ich dem Lauf der Straße. Vorbei geht es an Wiesen, Feldern und alten Häusern. Die Landstraße ist abwechslungsreich.

Ich fahre gern mit meiner Frau Motorrad. Sie ist meine Versicherung. Mein Gewissen sagt mir, pass auf Deine Frau auf. Schau auf die Abstände. Achte auf die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Lies den Verkehr genau. Deine Frau vertraut Dir, also Hände weg vom Gaszug.

Liebe lässt einen Menschen Gebote achten. Liebe stärkt die Verantwortung. Inzwischen bin ich wieder ganz konzentriert und fahre mit dem führenden Blick in die Kurve, schaue weit hinaus, um die Ideallinie zu halten. Dann kommt wieder eine schier endlose Gerade. Plötzlich spüre ich den Druck von zwei Händen in meiner Seite. Das Signal meiner Frau: Fahr mal langsamer.

‚Warum langsamer?‘, denke ich. Ach so! Ich sehe einen Bahnübergang. Da vorne kommt er. Es ist noch Zeit. Jedes Mal, wenn ich zu schnell über die Gleise fahre, beschwert sich meine Frau zurecht, dass es sie ungemütlich aus dem Sitz hochhebt. Also weg mit dem Gas. Jetzt packt sie aber hart zu und greift mit beiden Armen fest um meinen Bauch. Vollbremsung ist angesagt und jetzt sehe ich wie sich vor mir die Bahnschranke auf der Gegenseite senkt. Und die andere Schranke auf meiner Seite kommt rasend schnell auf uns runter. Ich halte sie mit der Hand noch fest. Wir stehen direkt unter der Schranke. Knapper geht nicht.

Einen Augenblick Unachtsamkeit kann das eigene Leben oder das anderer Menschen kosten. Josuas Rat ist schon absolut korrekt „Achtet genau darauf, dass ihr den Herrn euren Gott liebt.“ Das ist der Schlüssel zum Leben.

Meine Frau liebt mich und ich liebe sie und darum achte ich auf das, was sie mir sagt. Die Liebe lässt uns achtsam aufeinander sein. Das ist keine gegenseitige Kontrolle. Das hat mit Respekt, Rücksicht und Fürsorge zu tun. Außerdem hat man manchmal im Leben eine Art Tunnelblick. Man sieht die Strecke vor sich, hat vielleicht ein besonderes Ziel vor Augen und verliert dabei die Weitsicht.

Gut, wenn dann jemand mitfährt, der den Überblick behält und auf die Einhaltung der Gebote achtet. Ein geschultes Gewissen überprüft meinen Weg. Es hält mich auf der Spur des Lebens. Alles aus Liebe.

Autor: Pfarrer Tilo Brach

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Psalm 34,19

Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. Psalm 34,19

Es gibt sie wirklich, diese Menschen, die selbst im Krankenbett liegen und ihren Besuchern Trost spenden. Es ist Gnade, diesen Menschen begegnen zu dürfen, die im Sterben liegen und Ihren Angehörigen Mut zusprechen. In solchen Augenblicken scheint sich der Himmel über diesen Menschen zu öffnen. Dann bestätigt sich die Verheißung des Psalmverses: „Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.“

Die körperlich starken Gesunden sind in solchen Situationen seelisch schwach. Die Besucher am Krankenbett gehen aus den Gesprächen mit dem Kranken gestärkt nach Hause. Der Herr ist dann mit seinem Heiligen Geist nahe. Aber als Seelsorger erlebe ich auch Anderes. Ich begegne Menschen, die sich der Wahrheit nicht stellen. Ich höre an manchem Krankenbett, das eigentlich ein Sterbebett ist, nur Stimmen, die alles gut reden.

Die zerbrochenen Herzen auf beiden Seiten werden nicht wahrgenommen. Auf beiden Seiten lügen sich Menschen gegenseitig an. Sie verpassen den Augenblick der Wahrheit. Sie reden über Belanglosigkeiten. Sie bringen sich gegenseitig auf andere Gedanken. Das ist prinzipiell nicht schlecht. Das Alltägliche hat am Krankenbett seine Berechtigung und manchmal sogar seine Notwendigkeit.

Aber es gibt eine Falle. Sie heißt: Verpasste Chance. Wer sich Tatsachen nicht stellen will, betrügt sich selbst. Das ist dann so, als ob der Himmel verschlossen wäre. Der Himmel Gottes öffnet sich aber über dem Horizont der Wahrheit. Nur wenn wir ehrlich miteinander umgehen, haben die zerbrochenen Herzen eine Chance.

In solchen Stunden wünsche ich mir einen Menschen herbei, der nicht alles gut redet. Das zerbrochene Herz ist zerbrochen. Das Gemüt ist zerschlagen. Die Nähe Gottes zeigt sich nicht darin, dass alles schön geredet wird. Was für den Verlust der Gesundheit gilt, gilt aber auch für den Zerbruch von Freundschaften, gilt für jede Belastungsprobe des Lebens und jeden Schlag, den unser Gemüt zu ertragen hat. Wie erfahren wir da Gottes Nähe, wenn wir Belastung, Verlust und Zerbruch erleiden?

Es stimmt, das Gebet hilft. Es ist ein Gespräch des Herzens mit Gott. Aber dazu muss das Herz es wagen, sich zu öffnen. So wie sich ein zerbrochenes Herz im Gebet Gott gegenüber öffnet, so kann es sich auch im Gespräch einem anderen Menschen öffnen. Das ist ein Wagnis für das zerbrochene Herz. Freunde und Familienglieder tun als Gesprächspartner gut daran, einfühlsam auf Signale solcher Herzen zu hören. Erst wenn solche zaghaften Zeichen gesetzt sind, gilt es zu reagieren.

Es sind dann keine vorschnellen Antworten gefragt, keine guten Ratschläge, die schnell verhallen. Es braucht Gesprächspartner, die sich im Gebet vor Gott gestellt wissen. Um Gottes Nähe zu erfahren, braucht das zerschlagene Gemüt an seiner Seite Menschen, die ihm gleichsam die Augen für Gottes Nähe wieder öffnen. Es braucht Geduld und Vertrauen, den Weg durch das Labyrinth der Gefühle mitzugehen. Das kann einige Zeit dauern. Eines ist aber gewiss, der Herr ist dann beiden Gesprächspartnern nahe und geht den Weg mit.

Autor: Pfarrer Tilo Brach

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2. Samuel 7,28

„Herr, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit.“ 2 Samuel 7,28

Im Internet, genauer im digitalen Angebot einer renommierten deutschen Wochenzeitschrift bin ich auf die Überschrift gestoßen: „Fake News – Wenn die Wahrheit stirbt.“ Dort wird beschrieben, wie stark der Einfluss von Falschmeldungen auf die öffentliche Meinungsbildung ist und wie schwer es ist, sich vor gezielten Falschmeldungen zu schützen. Denn mit denen wird heute ganz bewusst Meinung gemacht, damit werden Wahlkämpfe beeinflusst und einzelne Persönlichkeiten, denen man schaden will, in Verruf gebracht.

„Wenn die Wahrheit stirbt“, ja, das ist ein sehr aktueller Titel und ein entsprechend schwerwiegendes Problem. Es liegt aber noch tiefer. Immerhin ist es ja noch positiv, wenn man wenigstens „Fake News“ als solche entlarven kann, wenn es also noch ein Bewusstsein von Wahrheit gibt, von gültigen Werten wie Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit, die für alle gelten. Aber das ist leider auch nicht mehr der Fall. Wahrheit ist relativ geworden. Für viele Menschen gibt es sogar gar kein Wissen um eine Wahrheit mehr, um ein gemeinsames Fundament. Viele wollen nur Teilwahrheiten akzeptieren; wer davon spricht, dass es eine verbindliche Wahrheit gibt, wird schnell als Fundamentalist gebrandmarkt, vor allem dann, wenn er den christlichen Glauben ins Spiel bringt.

Im 2. Samuelbuch klingt das noch ganz anders. Der König David hat eine unglaubliche Verheißung bekommen, so unglaublich, dass sie eigentlich kaum wahr sein kann. Das Königshaus Davids soll dauerhaften Bestand haben, und, vor allem: Es wird viel später einmal jemand aus diesem Haus von Gott so sehr gewürdigt werden, dass er ein bleibendes Königtum, ein messianisches Reich errichten wird. Auf so eine Mitteilung würde heute im westlichen Europa kaum jemand positiv reagieren. Diese Nachricht würde schnell als „Fake News“ abgetan werden. Aber bei David ist das anders. Er weiß, dass die Verheißung von Gott kommt, dem Gott seiner Väter. Das ist ihm heilig. Darum wendet er sich Gott im Gebet zu und ruft: „Herr, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit“. Er glaubt der Verheißung und ist voller Ehrfurcht. Er glaubt dem Gott, von dem Israel bis heute bekennt, dass er allein Gott ist und dass es darum geht, ihn allein anzubeten.

In einer Zeit, in der so vieles unsicher geworden ist und in der es so schwerfällt, zwischen Wahrheit und „Fake News“ zu unterscheiden, ja, in der kaum noch jemand zu sagen wagt, dass es eine verbindliche Wahrheit gibt, ist es so nötig, festzuhalten und weiterzusagen: Ja, dieser eine Gott Israels ist der Vater Jesu Christi. Bei ihm ist die Wahrheit, und die hat er seinem Sohn Jesus übertragen. Er ist ja der verheißene Davidssohn, der Messias. Wenn Jesus nun im Johannesevangelium von sich sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, dann sollen wir nicht schamhaft unterschlagen, dass er mit den Worten fortsetzt: „Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

In einem alten Gemeinschaftslied mit dem Titel „Dir fehlt wohl noch der Friede“, heißt es in der letzten Strophe: „Und fragst du, was ist Wahrheit, weil du im Zweifel bist, so bitte den um Klarheit, der selbst die Wahrheit ist.“ Darum geht es: Dass wir uns bei Jesus festmachen und ihn nach der Wahrheit fragen. Sein Wort, die Heilige Schrift, lässt keinen Zweifel daran, dass Jesus im Zentrum steht, als Gottes Wahrheit in der Welt. Es gibt nichts Besseres, als sich in die Bibel zu vertiefen. Sie gibt uns festen Boden und hilft uns auch auf Schritt und Tritt dabei, zwischen „Fake News“ und Wahrheit unterscheiden zu können.

Autor: Pfarrer i. R. Hartmut Bärend

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2. Korinther 5,19

Gott hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. 2 Korinther 5,19

Ich mag gar nicht mehr fragen. Ich weiß, dass jede Frage eine Belastung darstellt. Seit Jahren leidet Petra darunter, dass ihre Tochter nicht mehr mit ihr spricht. Ja, nicht nur das: Es gibt auch keine Treffen mehr, obwohl Tochter und Mutter in der gleichen Stadt wohnen. Einfach Funkstille. Wir haben oft darüber gesprochen, Petra, meine Frau und ich. Aber wir wissen auch nicht weiter. Nur beten können wir. Wir bitten Gott, dass er das Herz der Tochter aufweicht, damit sie wieder ein Lebenszeichen gibt, als ersten Schritt auf dem Wege zur Versöhnung. Aber wie lange geht das noch so? Das tut echt weh.

Aber das ist ja nicht nur in manchen Familien so, zwischen Eltern und Kindern oder auch zwischen Eheleuten. Das gibt es auch im Beruf, dass sich Unversöhnlichkeit breitmacht. Sogar ganze Völker können voller Hass gegeneinander kämpfen. Der Geist der Unversöhnlichkeit ist offenbar unendlich schwer auszurotten.

Gott sei Dank gibt es aber auch das andere. Ich denke an Jens. Der war  für mich viele Jahre lang ein guter Freund, aber dann hat er mir plötzlich einen bösen Brief geschrieben. Ich fühlte mich total unverstanden und verletzt und habe ihm das auch rückgemeldet. Aber nichts hat sich geändert. Vor drei Jahren sind wir uns wieder begegnet, bei einer Tagung. Da habe ich ihm erneut erklärt, was mich damals verletzt hat und immer noch in mir schmorte. Diesmal konnte er es hören. Er bat um Verzeihung; wir haben uns versöhnt. Das war dann so, wie es Jürgen Werth in seinem Lied „So ist Versöhnung“ so treffend beschrieben hat, - es war „wie ein Fest nach langer Trauer.“ Wir waren beide voller Dankbarkeit und Freude.

Ja, so ist das. Aber auch die Bibel weiß um Versöhnung.  Da geht es zunächst um Gottes Liebe für seine Schöpfung und um den Geist der Auflehnung derer, die er geschaffen hat. Da lesen wir von der Selbstsucht des Menschen, der sein will wie Gott. Wir lesen von der harten Strafe Gottes, dem Verstoß aus dem Paradies. Seitdem war die Beziehung zwischen Gott und Menschen gestört.

Aber dann ist ein Wunder passiert. Gott wollte diesen Zustand der Feindschaft beenden. „Er hat“, schreibt der Apostel Paulus, „unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.“ Was hat er getan? In seiner unfassbaren Liebe zu uns Menschen hat er seinen Sohn Jesus Christus, geschickt. Der ist für unsere Schuld am Kreuz gestorben. Der hat Versöhnung gestiftet. Jetzt geht es nur um eines: Dass wir einsehen, was wir an Schuld vor Gott mit uns herumtragen, an Gleichgültigkeit und Egoismus, an Auflehnung und Verstößen gegen Gottes Gebote. Dass wir das einsehen und zu Jesus unter das Kreuz gehen. Dann steht er mit offenen Armen vor uns und wird uns mit dem Vater im Himmel versöhnen. Jesus Christus ist die Versöhnung für die Welt.

Und wie Jesus Versöhnung mit Gott stiftet, so tut er das auch zwischen Menschen. Darum war das für Jens und mich damals auch ganz klar: Als wir uns wieder in die Augen sehen konnten, haben wir uns im Gebet von Jesus einen neuen Anfang schenken lassen. Und so geht es mir auch mit der Tochter von Petra. Ich bete fast täglich für sie und bitte Jesus, dass er ihr Gedanken der Versöhnung ins Herz gibt. Damit Mutter und Tochter auch dieses wunderbare Fest nach langer Trauer erleben.

Autor: Pfarrer i. R. Hartmut Bärend

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Psalm 34,9

David auf der Flucht. Sein Verfolger Saul ist ausgerechnet der Mann, dem er Amt, Ehre und Leben gerettet hat. Undank ist der Welt Lohn. Nirgends ist David sicher. Denn alle, die ihm helfen, werden ebenfalls grausam behandelt. Seine Familie hat keine Ahnung, wo er steckt. Ohne Bleibe, Ohne Perspektive, ohne Dach über dem Kopf und ohne Essen und Trinken. Wohin? Er hat die geniale Idee, zum Feind überzulaufen. Ausgerechnet zu den Philistern, deren Aushängeschild Goliath er besiegt hat. Ob sie ihn leben lassen?

Er stellt sich wahnsinnig, denn er weiß, das erhöht seine Lebenschance. Die Philister tun ihm zwar nichts an, aber ihr König entscheidet: Verrückte hab ich schon genug im Land – diesen kann ich nicht auch noch brauchen. Wo soll er nun hin? David, was nun?

Was würden wir erwarten? Düstere Rachegedanken? Wenn ich mal die Chance habe, dem Saul die Meinung zu sagen, dann Gnade ihm Gott. Oder: Abgrundtiefe Niedergeschlagenheit – Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr. Es geht nicht mehr. Oder: Trotziges Aufbäumen: Kopf hoch, Ich pack das. Ich krieg das hin.

Nichts von alledem. David hat ein Loblied auf den Lippen. Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn traut. Hört ihm überhaupt jemand zu? Die einzigen Kumpels, die zu ihm halten, sind finstere Gestalten, die man nicht gerade als bürgerlich bezeichnen kann. Eine Räuberbande. Eine Art von Terroristenzelle. Denen gilt Davids Bekenntnis: Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn traut. Wörtlich aus dem Hebräischen übersetzt: Gratulieren kann man dem starken jungen Mann, der Unterschlupf findet bei Gott; sich in ihm birgt; Zuflucht sucht und findet bei IHM.

Leute, Kumpels, Kollegen, sagt David, ich kenne einen Gott, der stillt unseren Lebenshunger dann, wenn nichts anderes ihn stillen kann. Er zeigt uns seine Güte, wenn wir sonst nichts Gutes sehen. Er setzt seine Kraft nicht auf unsere Kraft, sondern auf unsere Schwäche. Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen. Wie das aussieht, sehen wir an der Abenteuergeschichte von Davids Leben.

Aber auch in unserem Leben: Gottes Freundlichkeit gilt nicht nur für Wohlfühlstunden, sondern ganz besonders für Tage, an denen es drunter und drüber geht. Ja, wir müssen sogar feststellen: Ausgerechnet die turbulenten Zeiten sind es, in denen David täglich Gottes Durchtragen erlebt. Als er später in trockenen Tüchern in seinem Königs-Palast sitzt, meint er seinen Lebenshunger aus eigener Begierde stillen zu können. Da beschäftigen sich seine Augen mit seinen Nachbarinnen anstatt mit Gottes Freundlichkeit. Der Absturz ist vorprogrammiert. Aber selbst dann gilt es: Wohl dem, der auf ihn traut.

Autor: Pfarrer Matthias Adt

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Sprüche 2,6

Kennen Sie einen weisen Menschen? Mir fällt da sofort der alte Schuhmacher S ein. Eigentlich hätte er längst aufhören können, aber er hörte nicht auf. Christen gehen nicht einfach in den Ruhestand. Aber er ruhte in Christus. In seiner dämmrigen Werkstatt roch es durchdringend nach den Klebstoffen, die er benutzte, aber noch durchdringender war der Hauch von Ewigkeit. Die Werkstatt war ein Seelsorgezentrum des Ortes.

Ein Besuch bei ihm war ein Tapetenwechsel. Vom Raum der eigenen Weisheit in Gottes Heiligkeit. Ein Besuch bei ihm war ein Rückschritt. Ein Ausbruch aus dem Raum der eigenen Gedanken in den Ruheraum des heiligen Gottes. „… dass mir werde klein das Kleine und das Große groß erscheine …“ – dieses alte Lied wurde bei ihm nicht gesungen, aber gelebt.

Manchmal, wenn ich wegen irgendetwas auf 180 war oder nicht aus noch ein wusste, dachte ich: Jetzt ist es mal wieder Zeit, zum Schuhmacher zu gehen. Mit oder ohne defekten Schuhen. Oft hörte er gar nicht auf, während des Hörens zu nageln oder zu fräsen. Oft schwieg er lange. Manchmal sagte er gar nichts. Manchmal sagte er nur: Und jetzt beten wir. Manchmal wusste er einen überraschenden Rat.

Alle Resignation, alle Nervosität, aller Ärger traten zurück. Er machte mir klar, was Weisheit heißt: Das Leben mit allen Fragen dem Allerhöchsten hinlegen. „Der Wolken Luft und Winden gibt Wege Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.“ So formulierte es der Liederdichter Paul Gerhardt. Immer kam ich aufgeräumt und froh aus der Werkstatt wieder raus.

Der alte Schuhmacher lebt nicht mehr, aber ich habe bei ihm gelernt: Weisheit ist ein Geschenk Gottes an alle, die ihm zuhören. Bevor sie die vielen professionellen Instrumente anschalten, die man ebenso benützt bei Entscheidungen. Was soll ich tun? Was soll ich lassen? Wo zupacken und wovon die Finger lassen? Am liebsten wäre mir, ich hätte Antworten schwarz auf weiß. Ein Zettel vom Himmel. Eine eindeutige Mehrheit. Eine klare Gewissheit. Und manchmal klappt’s ja auch so.

Aber oft ist es komplizierter. Da kommt es auf die richtige Fragestellung an. Ich möchte nicht fragen: Was ist richtig und was ist falsch? Sondern: Jesus ist ja jetzt da. ER liebt mich. Er wird einmal das letzte Wort haben. Was ist im Vertrauen auf ihn jetzt am ehesten das Beste - und nicht das Zweitbeste? Durch diese Fragestellung wird der nächste Schritt oft klar.

Der HERR gibt Weisheit, und aus seinem Munde kommt Erkenntnis und Einsicht.“ (Sprüche 2,6)
So wird der nächste Schritt im Buch der Sprüche genannt.

Autor: Pfarrer Matthias Adt

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Lukas 14,22–23

Wenn Menschen zusammen leben - sei es in einer Familie, sei es in einem Verein - dann geht das nie ohne Spannungen ab. Verschiedene Vorstellungen prallen da aufeinander, angetrieben von unseren Unterschieden zwischen aktiv und passiv, alt und jung, oben und unten.

So sind wir Menschen. Um trotz aller Unterschiede zusammen zu bleiben, suchen wir dann ein „innen“ und ein „außen“. Innen - das sind die, die zur eigenen Gruppe dazugehören. Die angesagt oder wenigstens geduldet sind. „Außen“ - das sind die anderen. Die, die anders sind. Die, die nicht dazugehören.

Das war schon immer so, auch schon vor 2.000 Jahren.

Damals war Jesus eingeladen auf einer Party. Im Lukasevangelium Kapitel 14 können wir das nachlesen: Ein prominenter leitender Theologe hatte damals eingeladen, und alle Frommen waren gekommen. Um den Tisch drängte sich, was in der örtlichen Synagoge Rang und Namen hatte. Jeder bemühte sich um einen möglichst prominenten Platz. Sie alle freuten sich, dabei zu sein - „innen“ zu sein.

Jesus war auch gekommen, beobachtete das aufmerksam - und ich habe den Eindruck, ihm ging das alles gehörig auf die Nerven. Schließlich erzählt er der versammelten Truppe eine Geschichte, von einem Gastgeber, zu dessen Feier kaum jemand kommen will. Jeder, den er einlud, entschuldigt sich unter fadenscheinigen Vorwänden. Schließlich platzt dem Gastgeber der Kragen, und er weist seinen Diener an:

Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde.

Diese Geschichte von Jesus war für die Party eine Provokation. Alle verstehen, ob sie wollen oder nicht: Jesus redet von seinem Vater im Himmel. Jesus macht klar, was für ein Gastgeber Gott ist.

Gott ist keiner, der sich mit seinem Fanclub zurückzieht und hinter verschlossenen Türen innen feiert, während andere draußen bleiben müssen. Nein, Gott ist wie der Gastgeber in der Geschichte, die Jesus erzählt: Gott sucht und lädt ein, wen immer er noch an seinen Tisch holen kann. Gott blickt nach „außen“.

Und weil euer Vater im Himmel so ist, erklärt Jesus den überraschten Partygästen, deshalb sollt auch ihr so sein! Freut euch nicht daran, „innen“ zu sein, zu den angesagten, zu den „richtigen“ Leuten zu gehören - sondern blickt zusammen mit eurem Gott nach „außen“.

Denn Gott ist im Außendienst. Das war auf der Party damals eine Provokation für alle, die sich selbstgefällig für „innen“ halten, aber in Wahrheit mehr Gefallen am Dazugehören haben als daran, dass auch andere in den Genuss der Feier kommen.

Jesu Worte sind für mich bis heute eine Herausforderung. Ich bin überzeugt: Die christliche Gemeinde wurde nicht für die gegründet, die schon „innen“ sind. Sondern für die, die „außen“ sind. Eigentlich ist jeder Christ im Außendienst.

Denn Jesus selbst ist im Außendienst.

Autor: Dr. Jörg Dechert

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Daniel 2,22

Es gibt Momente im Leben, da scheint alles bisher Gewohnte und alles künftig Erträumte auf dem Spiel zu stehen. Vielleicht das völlig unerwartete Jobangebot in einer entfernten Stadt. Der überraschende Heiratsantrag. Die Entscheidung, einen geliebten älteren Menschen ins Pflegeheim zu geben.

Solchen Momenten ist ein Gefühl gemeinsam: Jetzt kommt es zum Schwur. Jetzt wird sich zeigen, aus welchem Holz wir geschnitzt sind. Jetzt müssen wir alles auf eine Karte setzen. Und niemand kann garantieren, wie das Ganze ausgehen wird.

Einer dieser Momente wird uns im Alten Testament beschrieben, im Buch des Propheten Daniel. Ein junger Mann war dieser Daniel, ausgebildet am Königshof der Babylonier, die Jerusalem überfallen und erobert hatten. Zusammen mit den klügsten Nachwuchstalenten seines Volkes stand er nun unfreiwillig im Dienst des babylonischen Königs Nebukadnezar.

Eines Tages hat Nebukadnezar einen Alptraum. Er ist überzeugt, dass sein Traum eine Nachricht aus der unsichtbaren Welt an ihn beinhaltet. Alarmiert ruft er seinen ganzen Hofstaat an Wahrsagern und Propheten zusammen. Und weil er ihnen mißtraut, dass sie ihm irgendetwas frei Erfundenes erzählen könnten, bedroht er sie: „Entweder  ihr sagt mir, was ich überhaupt geträumt habe - dann lasse ich mir von euch auch sagen, was dieser Traum zu bedeuten hat. Wenn ihr das aber nicht könnt, seid ihr Betrüger - dann erwartet euch die Todesstrafe“. Prophet am Hof Nebukadnezars zu sein - das war ein lebensgefährlicher Job!

Die Propheten geraten in Panik und entrüsten sich: „Kein Mensch auf der Welt kann wissen, was du geträumt hast - das könnte nur ein Gott!“. Aber Nebukadnezar bleibt hart. Die Todesurteile sind schon unterzeichnet, als der junge Daniel alles auf eine Karte setzt. Er lässt dem zornigen König ausrichten: „Gib mir Zeit. Mein Gott kann mir beides zeigen, was du geträumt hast und auch, was es bedeutet!“.  Daniel wacht morgens auf und ist absolut gewiss, in der Nacht von Gott den Traum Nebukadnezars und seine Bedeutung erfahren zu haben.

Überwältigt von dieser übernatürlichen Erfahrung mit seinem Gott beginnt Daniel dankbar zu beten: Gelobt sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit, denn ihm gehören Weisheit und Stärke! Er ändert Zeit und Stunde; er setzt Könige ab und setzt Könige ein; er gibt den Weisen ihre Weisheit und den Verständigen ihren Verstand, er offenbart, was tief und verborgen ist; er weiß, was in der Finsternis liegt, und nur bei ihm ist das Licht.

Für Daniel geht die Geschichte am Ende gut aus - er wird vor Nebukadnezar gebracht und berichtet von dem, was Gott ihm über den Traum des Königs offenbart hatte. Nebukadnezar ist so beeindruckt, dass er Daniel befördert und öffentlich den Gott Daniels anerkennt. Dieser Gott ist wirklich echt - denn er offenbart, was tief und verborgen ist!

Was tief und verborgen ist - das muss nicht unbedingt der Traum eines Königs sein. Ich nehme aus Daniels Geschichte für mich mit: Mein Gott kennt mein Leben und was mich betrifft. Auch die Dinge, die für mich heute noch unsichtbar sind. Deshalb ist es für mich nie ausgeschlossen, dass mir Gott in entscheidenden Momenten Einblick in das gibt, was ich von ihm erfahren sollte.

Autor: Dr. Jörg Dechert

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Apostelgeschichte 20,7

Man darf über alles predigen, nur nicht über eine halbe Stunde! Das wurde uns im Laufe der theologischen Ausbildung immer wieder ans Herz gelegt. Unterdessen ziehen manche die Grenze schon bei 20 oder gar 15 Minuten. Die Aufmerksamkeitsspanne wird immer kürzer und die Konzentrationsfähigkeit scheint allgemein abzunehmen. Von Politikern wird ja verlangt, dass sie das Wesentliche in Statements von 20 bis 30 Sekunden auf den Punkt bringen können. Dabei geht das eigentlich gar nicht, weil die Themen einfach zu komplex sind.

In diesem Zusammenhang sehne ich mich manchmal nach früheren Zeiten. Da, so scheint mir, hatte man noch Zeit zum Reden und zum Zuhören. Ich staune, wenn ich zum Beispiel eine Predigt von John Wesley lese und nachrechne, dass sie mindestens eine Stunde gedauert haben muss. In den Zeiten der ersten Christen muss es sogar noch längere Predigten gegeben haben. Von einem solchen Beispiel lesen wir heute im Wort zum Tag in Apostelgeschichte 20,7: „Am ersten Tag der Woche aber, als wir versammelt waren, das Brot zu brechen, predigte ihnen Paulus, und da er am nächsten Tag weiterreisen wollte, zog er die Rede hin bis Mitternacht.“

Als Verkündiger wünschte ich mir manchmal die Zeit, ruhig alles zu Ende zu formulieren, selbst wenn das mal bis Mitternacht dauern sollte. Mir ist aber auch bewusst, dass ich als Predigthörer ganz anders empfinden würde. Da ginge mir die Geduld und die Kraft zuzuhören schon viel früher aus. Das war bei Paulus übrigens auch so. Einer der Zuhörer, Eutychus, schlief während der Predigt ein und fiel dabei aus dem Fenster. Beim Sturz zog er sich tödliche Verletzungen zu. Im Vertrauen auf Gottes Kraft gelang es Paulus aber, ihn wieder zum Leben aufzuwecken.

Da fasse ich mich dann doch lieber ein wenig kürzer. Das Risiko, negative Folgen einer allzu langen Predigt nur noch durch ein Wunder korrigieren zu können, möchte ich doch lieber vermeiden. Es macht mich aber schon nachdenklich, dass damals nicht nur Paulus die Zeit hatte, so lange zu reden. Auch die Zuhörer nahmen sich offensichtlich die Zeit, bis zum Ende dabei zu sein. Dabei war Paulus wohl gar nicht ein so brillanter Redner, dass man ihm gerne so lange zuhören wollte. Es muss die Leute schlicht sehr interessiert haben, was er zu sagen hatte. Sie wollten so viel wie möglich von Gottes Wort hören. Dafür nahmen sie sich Zeit.

In dieser Beziehung gäbe es bei uns heute wohl schon Verbesserungspotenzial. Wir sind Kinder einer hektischen und schnelllebigen Zeit. Es schadet bestimmt nicht, wenn wir uns hie und da fragen: Sind wir überhaupt bereit, bis zum Ende auf das zu hören, was einer zu sagen und zu bezeugen hat? Schalten wir manchmal nicht viel zu schnell auf Durchzug und meinen, wir wüssten ja sowieso, was der andere zu sagen hat? Ich ertappe mich selber bei diesem Verhalten. Schon bei ganz alltäglichen Gesprächen, aber auch beim Hören von Predigten und Vorträgen – oder beim Lesen von Büchern.

Das hat sicher auch mit den Wortlawinen und Informationsfluten zu tun, die ständig über uns rollen. Von da her ist fehlende Konzentrationsfähigkeit und mangelnde Bereitschaft zuzuhören wohl ein Stück weit begreiflich. Das ändert aber nichts daran, dass uns so Vieles entgeht. Ich möchte deshalb lernen, besser und geduldiger zuzuhören, mich zu konzentrieren und mich mit dem auseinanderzusetzen, was andere zu sagen haben. Nicht nur, aber gerade auch dann, wenn mich jemand wie Paulus in seiner Predigt im Namen Gottes anspricht. Ein leuchtendes Vorbild ist mir dabei Maria aus Bethanien. Laut Lukas 10 war sie bereit, ihr Tagesgeschäft liegen zu lassen und sich ganz auf das zu konzentrieren, was Jesus zu sagen hatte.

Autor: Pfarrer Daniel Eschbach

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1. Thessalonicher 5,19–20

Wort zum Tag sind heute zwei Mahnungen aus 1. Thessalonicher 5,19-20: „Den Geist dämpft nicht. Prophetische Rede verachtet nicht!“  Solche oder ähnliche Formulierungen begegnen mir im Kontakt mit Christen immer wieder, nicht selten als unausgesprochene Erwartung zwischen den Zeilen. Manchmal werden die beiden Ermahnungen auch als biblische Unterstützung für allerlei, bisweilen widersprüchliche, Meinungen herangezogen. Wer eine neue Idee, eine Vision entwickelt, sieht sich gerne vom Geist inspiriert und reklamiert für sich eine prophetische Sicht. Das mag durchaus seine Berechtigung haben. Ich erlebe aber auch, wie Gespräche schwierig werden, wenn auf diese Weise kritische Rückfragen oder sachliche Argumente abgewehrt werden sollen. Die biblische Aufforderung „Den Geist dämpft nicht. Prophetische Rede verachtet nicht!“ klingt dann wie: „Du musst eben glauben, dass Gott auf meiner Seite ist!“ So kann ein potenziell fruchtbares Gespräch zu einem sinnlosen Wettbewerb werden, mit der Frage, wer Gott bzw. wer seinen Geist besser begriffen hat.

Ich bin überzeugt, dass uns biblische Mahnungen zunächst und vor allem zur kritischen Selbstprüfung anleiten wollen. Sie sind uns nicht gegeben, um anderen Menschen fehlende geistliche Inspiration oder mangelnden Respekt für eine prophetische Sicht vorzuhalten.

Eine wesentliche Aufgabe des Heiligen Geistes – wenn nicht sogar seine Hauptfunktion – besteht nach dem Johannes-Evangelium darin, die Erinnerung an Jesus lebendig und wirksam zu halten. Prophetie soll dann den Willen Gottes in eine konkrete Situation hinein übersetzen. Demnach mahnen die Worte zum Tag aus dem 1. Thessalonicherbrief zur kritischen Prüfung eigener Ideen, Wort und Taten: Entspricht, was ich vorhabe und meine, dem Willen Gottes, wie er sich in der Bibel zeigt? Passt, was ich tue, zu seinem wohlwollenden, barmherzigen Vorhaben mit der Welt und ihren Menschen? Orientiere ich mich in meinem Denken, Reden und Handeln am Vorbild Jesu? Würde er in meiner Situation dasselbe sagen und tun wie ich? Oder würde er mich, und wenn ja wie, korrigieren?

„Den Geist dämpft nicht. Prophetische Rede verachtet nicht!“ Es geht bei diesen Mahnungen zuerst um die kritische Überprüfung der eigenen Ideen und Absichten. Folgerichtig heisst dann ja der nächste Satz im 1. Thessalonicherbrief: „Prüft aber alles und das Gute behaltet!“

Wenn jeder und jede sich selbst im beschriebenen Sinn kritisch überprüft und darauf vertraut, dass sein Gegenüber dies genauso tut, dann werden fruchtbare, weiterführende und verheissungsvolle Gespräche und Prozesse möglich. Wenn wir diese Worte aber vor allem zum Anlass nehmen, einander misstrauisch zu testen, ob der andere genug Inspiration und Respekt für göttliche Gedanken zeigt, blockieren wir den Austausch auf Augenhöhe. In diesem Sinne verstehe ich 1. Thessalonicher 5,19-20 als Einladung zur Selbstprüfung und als Mahnung, sich selbst vom Geist Gottes korrigieren zu lassen. In dieser Haltung sind dann auch kritische Rückfragen möglich. Damit verbunden ist, so glaube ich, auch die Verheissung, dass gerade diejenigen zu wertvollen Mitarbeitern im Reich Gottes werden, die sich immer neu am Willen Gottes und am Vorbild Jesu ausrichten. Darum: Es lohnt sich, „den Geist nicht zu dämpfen‘ und auf seine Stimme zu hören.

Autor: Pfarrer Daniel Eschbach

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Epheser 3,16

Ich bin kein starker Mensch. Meine Statur flößt niemandem Furcht ein. Meine Muskeln, um es einmal so auszudrücken, habe ich ziemlich gut versteckt. Es gibt aber Menschen, die verfügen über beachtliche Körperkräfte. Das liegt zum einen an ihrem Körperbau und an ihrer genetischen Veranlagung. Zum anderen sind das wahrscheinlich Menschen, die viel arbeiten oder trainieren, denn Muskeln bleiben nur dann wirklich in Schuss, wenn sie gebraucht werden. Wer Muskeln aufbauen will, der braucht ein gutes Trainingsprogramm. Dabei geht es manchmal auch darum, mit seiner Leistung bis an die Grenzen zu gehen. Und schließlich hat Muskelkraft auch etwas mit der Ernährung zu tun. Muskeln brauchen Nährstoffe, die sie in Energie umwandeln können. Natürlich kann man auch eine Weile Leistung bringen, ohne zu essen. Aber ohne Nahrungszufuhr nimmt die Muskelkraft rapide ab. Vereinfacht gesagt braucht es also für Körperkraft, neben der Grundausstattung, die ein Mensch mitbringt, Nahrung und Training. Wer trainiert, ohne zu essen, der wird schwach und kraftlos. Und wer isst, ohne zu trainieren, der wird fett und träge. Dieses Prinzip können wir auch übertragen auf den seelischen oder auf den geistlichen Bereich.

Paulus tut das in seinem Brief an die Epheser. Er betet um Stärke für die Gemeinde in Ephesus. Aber er betet nicht um äußere Stärke, um Muskelkraft, sondern um innere Stärke. Wir lesen sein Gebet im 3. Kapitel seines Briefes: „Ich bitte Gott, dass er euch aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit beschenkt und euch durch seinen Geist innerlich stark macht.“ Es gibt also nicht nur eine äußerliche Stärke, sondern auch eine innerliche Stärke. Damit ist die Fähigkeit gemeint, mit allen möglichen Herausforderungen gut umzugehen. Wer in Schwierigkeiten nicht den Kopf verliert, sondern besonnen reagiert, der beweist innere Stärke. Wer, wenn erbelastet ist,  nicht die Hoffnung aufgibt und verzweifelt, sondern nach einem Ausweg sucht, der ist innerlich stark. Wer auch unter hoher Anspannung nicht einfach das tut, wozu er gerade Lust hat, sondern was richtig und notwendig ist, der verfügt über innere Kräfte, die ihm und anderen Menschen zum Segen werden.

Paulus betet also um innere Stärke für die Epheser. Die Gemeinde in Ephesus hat mit verschiedenen Anfeindungen und Schwierigkeiten zu kämpfen. Manche waren versucht, den Glauben an Jesus Christus wieder aufzugeben. Sie hatten es sich einfacher vorgestellt.

Und wie bei der Muskelkraft das Training und die richtige Ernährung die entscheidenden Faktoren sind, so ist es auch mit der inneren Kraft: Es braucht Training und die richtige Ernährung. Paulus schreibt den Ephesern, dass die Schwierigkeiten, in denen sie stecken, Gottes Trainingsprogramm für sie sind. Es ist zwar unangenehm, aber ohne dieses Training gibt es kein Wachstum, keine innere Stärke. Er kommt darauf an, jetzt nicht wegzulaufen, sondern diese Schwierigkeiten als Chance anzunehmen: Die Chance, im Glauben zu wachsen, innerlich stark zu werden.

In seinem Gebet nennt Paulus auch die Nahrung, die wir brauchen: Gottes Geist schöpft aus dem Reichtum der Herrlichkeit Gottes und macht uns auf diese Weise innerlich stark. Wie sollen wir das verstehen? Ich glaube, es geht hier um Zeit in Gottes Gegenwart. Unsere Seele braucht Zeit mit Gott. So wie Kinder ihre seelischen Batterien wieder aufladen, wenn sie zu den Eltern auf den Schoß klettern oder in ihre Arme springen, so brauchen auch wir Zeit mit Gott und Zeit vor Gott. In diesen Zeiten kann Gottes Geist uns regenerieren. Diese Zeit können wir im Gebet verbringen oder auch einfach nur in der Stille. Es geht nicht darum, dass wir viele Worte machen, sondern dass wir in die Gegenwart Gottes treten. Worte der Bibel helfen uns dabei, uns auf die Gegenwart Gottes auszurichten. Gottes Reichtum ist unerschöpflich. Wann habe ich heute Zeit hierfür?

Autor: Pastor Dr. Christoph Schrodt

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