ERF Plus - Wort zum Tag

Psalm 136,23

Wenn man den Psalm 136 bis zum 23. Vers – unserer heutigen Tageslosung – laut liest, dann hat man bereits dreiundzwanzig Mal den Satz „Ewig währt seine Gnade“ ausgesprochen. Offensichtlich eine Kernaussage. Wie zeigt sich diese ewige Gnade Gottes für den Beter des Psalms?

  • In den Versen 5 bis 9 wird Gott als Schöpfer gepriesen. Gottes Gnade zeigt sich in seiner Schöpfung: Er hat „den Himmel in Weisheit gemacht … (und) die Erde über den Wassern gefestigt.“

  • In den Versen 10 bis 24 werden Ereignisse aus der Geschichte Israels aufgezählt, in denen Gott seine Gnade erwiesen hat: die Befreiung aus Ägypten, seine Hilfe während der Wüstenwanderung und beim Einzug ins gelobte Land.

„Gott gedachte unser in unserer Erniedrigung,“ heißt es im Tagesvers. Das ist ein weiterer Aspekt. Gottes Volk wurde viele Male erniedrigt. Welche „Erniedrigung“ hier genau gemeint ist, ist nicht auszumachen. Das ist aber auch nicht wichtig. Entscheidend ist die Glaubenserfahrung, die mit dem vielfach wiederholten Refrain des Psalms auf den Leuchter gehoben wird: Gottes Gnade währt ewig. Letztlich bekennen auch wir diese Wahrheit mit jeder Glaubenserfahrung, die wir weitergeben: Gottes Gnade währt ewig.

Den Glauben mit unsern Glaubenserfahrungen bekennen! Das tut der Psalmist – und das sollen auch wir tun. Das griechische Wort für „bekennen“ heißt „martyrein“, von dem das Wort «Märtyrer» abstammt. Das Bekenntnis zu Christus ist und war noch nie ein harmloses Aufsagen von Worten. Es war und ist verbunden mit einer Überzeugung, für die wir mutig hin stehen: Jesus ist der Mensch gewordene Gott. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. An ihm vorbei gibt es keinen Weg zum Vater im Himmel.

Was löst dieses Bekenntnis aus? Ich sehe vier Möglichkeiten:

  1. Die einen reagieren gleichgültig. Das mag ja schön sein für dich, aber: Das geht mich nichts an.

  2. Andere fühlen sich angegriffen und reagieren wütend oder abschätzig.

  3. Wiederum andere sagen sich: Wenn der das so erlebt hat, dann wäre das allenfalls auch etwas für mich. Das ist für denjenigen, der das Bekenntnis ausgesprochen hat, natürlich der beste Fall.

  4. Und schließlich gibt es jene, die diese Glaubenserfahrung schon selber gemacht haben. Sie werden ins Gotteslob einstimmen und sagen: Ja, so kenne ich das auch aus meinem Leben.

Jesus berichtet in einem kurzen Gleichnis von einem Kaufmann, der alles hergibt, um eine kostbare Perle zu erwerben. Wer den Glauben bekennt, zeigt anderen seine kostbarste Perle. Er geht das Risiko ein, dass andere diese Perle in Frage stellen oder sie in den Dreck werfen. Wer den Glauben bekennt, macht sich verletzlich. Deswegen ziehen sich manche auf sich selber oder in ihren frommen Kreis zurück. Das ist verheerend für alle, die diese Botschaft noch nicht kennen.

Paulus schreibt: „Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden. (Das ist ein Zitat aus Joel 3.) Doch wie sollen sie den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand da ist, der verkündigt?“ (Römer 10,13f) Zur Verkündigung sind wir alle aufgerufen. Nicht jeder von uns ist ein Prediger, aber wir alle sind SEINE Zeugen.

Damit kehren wir zum Anfang zurück: Unsere Mitmenschen brauchen uns als Zeugen, damit sie herausfinden aus ihrer Niedrigkeit – wie es im Tagesvers heißt – und selber erkennen, dass Gott gnädig ist.

Autor: Pfarrer Alexander Nussbaumer

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Kolosser 4,3

Paulus betete oft und intensiv für die Christinnen und Christen in den von ihm gegründeten Gemeinden. Am Anfang seines Briefes an die Kolosser schreibt er: „Wir danken Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, jedes Mal, wenn wir für euch beten.“ Im letzten Kapitel steht der Tageslehrvers. Paulus bittet die Briefempfänger, auch für ihn und seine Mitstreiter zu beten.

Paulus ist demütig. Er weiß sich auf derselben Stufe wie die Empfänger seines Briefes. Sie sind mit ihm zusammen auf Fürbitte angewiesen. Ein über allem schwebender „Oberguru“ braucht das nicht. Er kennt keine Schwächen, sondern gibt seinen Schülern milde seine neusten Weisheiten weiter. Nicht so Paulus. Der Apostel versteht sich als „Knecht Jesu Christi“ (z.B. Römer 1,1).

Was ist Fürbitte? Es ist das Gebet für die andern. Schon im Alten Testament treten Abraham, Mo-se, Samuel oder Elia als Fürbitter auf. Im Neuen Testament ist Jesus der wichtigste Fürsprecher. Mit seinem Tod am Kreuz hat er die Lücke zwischen uns und Gott geschlossen. Fürbitte orientiert sich an Gottes Willen: sein Wille soll geschehen. Sie strebt an, Gott zu verherrlichen.

Zur Fürbitte sind alle Christen berufen, nicht nur speziell ausgesonderte „Superchristen“. Es ist geradezu eine Sünde, selber nicht Fürbitte für andere zu leisten. „Es sei fern von mir, mich am HERRN zu versündigen und davon abzulassen, für euch zu beten“, sagt der Prophet Samuel (1. Samuel 12,23).

Die Kolosser sollen mit ihrer Fürbitte vor allem ein Anliegen vor Gott bringen: Er solle eine Türe öffnen für sein Wort. Hinter dieser Bitte steht eine Erfahrung, die jeder macht, der wie Paulus die Frohe Botschaft weitergeben will: Damit diese Botschaft ankommt, braucht es die Gnade der offenen Türe. Herzenstüren lassen sich nicht mit dem Brecheisen öffnen. Dazu braucht es das sanfte Wehen des Geistes Gottes. Meist bringt es mehr, wenn wir nicht gescheite Argumente, sondern schlichte Glaubenserfahrungen weitergeben. Das Gegenüber kann dann sagen: «Schön für dich, aber ich brauche das nicht.» Wenn der Geist weht, kann das Gespräch aber auch in die Tiefe gehen. Auf ein Argument folgt oft ein Gegenargument. So kann eine Diskussion entstehen, in der es nur darum geht, wer Recht hat. Das zeugt noch nicht von einer offenen Türe, kann aber ein Anfang sein, um zu den wichtigen Fragen vorzudringen.

Was sollen nun diese offenen Türen möglich machen? Das „Geheimnis Christi“ soll verkündet werden und mitten im Herzen ankommen. „Geheimnis“ – das tönt schon fast esoterisch. Diesem Geheimnis müssen wir uns aber nicht Stufe um Stufe und mit eigenen Anstrengungen nähern. Nein, das Geheimnis Christi ist seit seiner Menschwerdung öffentlich geworden. Es war einst bei Gott verborgen, nun aber ist es uns anvertraut; Gott hat es offenbart. Darum kann und soll es so verkündigt werden, dass es alle Menschen erreichen kann. Und damit sind wir wieder bei den offenen Türen: Diese Botschaft soll durch offene Herzenstüren in die Mitte des Lebens gelangen und Menschen von Grund auf neu machen.

Dem Tagesvers entsprechend lade ich Sie jetzt ein, Fürbitte zu tun. Beten Sie um offene Türen für das Evangelium, in Ihrer unmittelbaren Umgebung und weltweit.

Autor: Pfarrer Alexander Nussbaumer

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Apostelgeschichte 12,7

"Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen", Apostelgeschichte 12,7

Hier ist  von einem Engel die Rede, der Petrus aus dem Gefängnis befreit. Man muss sich das vorstellen: Petrus wurde von 16 Soldaten bewacht - und keiner von ihnen merkte es, als der Engel ihn befreite. Am besten, Sie lesen einmal diese spannende Geschichte selbst. Sie steht in Apostelgeschichte 12, 1-17. Sie ist eine von den Engelgeschichten der Bibel, die uns zeigen, dass Gott von Engeln umgeben ist, die seinen Willen ausführen. So sagt es das Wort Gottes.

Wie oft haben z.B. Menschen bei einem Unfall gesagt: „Der hat einen Schutzengel gehabt“, - wenn der Fahrer unverletzt aus dem Auto stieg. Vielleicht haben Sie diesen Satz selbst schon gesagt. - Wenn also Engel in unserem Leben denkbar sind, warum sollte Petrus seine Befreiung nicht auch durch einen Engel Gottes erlebt haben? - Wenn Sie mehr über Engel erfahren wollen, kann ich empfehlen,  lesen Sie in der Bibel. Sie werden staunen, wie oft da von Engeln die Rede ist.

In Apostelgeschichte 12 lesen wir, dass der Engel zu Petrus geredet hat. - Auch leuchtete ein Licht auf bei der Befreiungsaktion. - Die Ketten fielen Petrus von den Händen. - Verschlossene und bewachte Türen öffneten sich und die Wachen merkten nichts davon. Das war schon etwas Besonderes. - Der Engel ging Petrus voran und gab ihm Weisungen. Und nach der Befreiung war der Engel plötzlich wieder weg. Und Petrus sagt hinterher, dass „der Herr seinen Engel gesandt und mich gerettet hat“. Es fällt auf, dass Petrus kein Wort dem Engel sagte. Er folgte nur seinen Anweisungen.

Vielleicht kann Ihnen das folgende Zitat des Neuen Testamentes über die Aufgabe der En-gel eine Hilfe sein. In Hebr.1, 14 steht, dass „die Engel dienstbare Geister sind, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben sollen“. - Die Engel helfen also mit, dass Menschen ihre Rettung durch Jesus Christus erfahren, der für ihre Schuld am Kreuz gestorben ist. Dass dazu noch andere Aufgaben gehören, sehen wir in unserem heutigen Text.

Die Bibel sagt allerdings an keiner Stelle, dass Menschen von sich aus Kontakte zu Engeln aufgenommen haben. Gott gibt dazu auch keine Aufforderung. Die Tür geht nur von Gott zu uns auf, wenn er einem Engel den Auftrag dazu gibt.

Darum sollen wir selbst zu Engeln keinen Kontakt suchen, - auch nicht im Gebet.

Wir können aber Gott danken, dass wir ihm so viel wert sind, dass er sogar Engel für uns einsetzt, um uns zu helfen. Ja, er beauftragt Engel, für uns da zu sein, auch wenn wir die Engel selbst nicht sehen oder als solche erkennen. Das ist auch nicht entscheidend.

In der Bibel hatten Engel immer wieder den Auftrag, Menschen eine spezielle Botschaft zu bringen. - Für heute gilt grundsätzlich, dass Gott durch sein Wort zu uns spricht. Darauf sollen hören - und danach sollen wir leben.

Autor: Walter Köhler

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Jesaja 43,18–19

Wahrscheinlich gehört es auch zu Ihrer Lebenserfahrung, dass Sie einem anderen gegenüber schuldig geworden sind, ohne es zu wollen. Ja, Sie wussten, dass diese Sache ausgeräumt werden musste, denn Sie konnten nichts mehr rückgängig machen. Es war Ihnen peinlich. Sie machten sich Vorwürfe, dass Ihnen das passieren konnte. Trotz der Bitte um Vergebung, war diese ungute Sache bei Ihnen aber nicht erledigt. Immer wieder kam sie in Ihnen hoch - ja, Sie litten unter Ihrem Versagen. Ich kenne jemand, dem seine Schuld noch nach Jahrzehnten hochkommt, obwohl Gott ihm vergeben hat.

Ähnlich ging es dem Volk Israel, als es wegen seines Ungehorsams in die babylonische Gefangenschaft musste. Das Volk hatte den Propheten Gottes nicht geglaubt, die ihnen alles vorher gesagt hatten. Doch nun verheißt Gott seinem Volk einen Neuanfang.

Die Verse aus dem Jesajabuch meinen aber auch uns. Auch wir sollen nicht in der Vergangenheit hängen bleiben, weil Gott nicht mehr an die Schuld denkt, die er uns vergeben hat. Vergebene Schuld behandelt er so, als wäre sie nicht geschehen. Sie ist für Gott nicht mehr da. So sollen auch wir mit der vergebenen Schuld umgehen. Wir können für Gottes Vergebung nur danken, weil er uns die Schuld nicht mehr vorhält. Das allerdings möchte der Teufel tun, der uns gerne anklagt und als Versager hinstellt.

Es kann aber auch sein, dass Ihr Gedächtnis Sie an die alte Schuld erinnert. Grübeln Sie nicht darüber nach. Besser ist es, Sie danken sofort Gott, dass er Ihnen vergeben hat. Danken Sie ihm auch, dass er mit Ihnen einen guten Weg gehen wird. Sie werden mehr und mehr entdecken, dass er mit Ihnen etwas Gutes vorhat.

Gott sagt in dem heutigen Wort, dass er etwas „Neues schaffen will“ - und fügt hinzu: „es wächst schon auf, erkennt ihr es noch nicht?“ - So wie Gott damals mit Israel weiter gegangen ist, so will er auch mit uns Schritte vorwärts gehen. Er möchte Versagern vergeben, sie aufrichten und ihnen Mut zusprechen.

Wenn Sie die Bibel lesen, sehen Sie, wie oft Gott mit Versagern sogar Geschichte machte. Das ist für uns ermutigend. Es zeigt uns, wie Gott mit uns umgehen will.

Darum will ich lernen, vergebene Schuld hinter mir zu lassen. Ich will lernen, mit Gott zu rechnen, der seinen Weg auch mit mir weitergeht. Das Versagen will er wenden in einen Segen.

Der Prophet sagt: „Erkennt ihr es noch nicht?!“ Wenn es uns genauso geht, können wir Gott bitten: Herr, öffne mir die Augen, damit ich sehe, wie du deinen Segensweg mit mir gehst.

Bitten Sie Gott um Führung, damit Sie den Weg gehen, den er für Sie vorgesehen hat. Der beste Weg ist immer der Gehorsam gegenüber Gott und seinem Wort.

Sollten andere Sie an Ihre alte Schuld erinnern, so können Sie ihnen sagen: Ja, ich weiß. Aber Gott hat mir vergeben. Er hält mir mein Versagen nicht mehr vor. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Wenn du willst, kannst du auch mit mir dafür danken.

Autor: Walter Köhler

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Psalm 71,20

Älter werden ist nicht einfach. In der dritten Lebensphase erscheint mir das Leben nochmals wie ein neues Studium zu sein. Es beginnt damit, dass es immer mehr zwickt und knirscht. Dann steht in der S-Bahn jemand auf und bietet mir den Platz an und bei der Fahrradtour fragt der besorgte Sohn über die Schulter zurück: „Papa, kannst du noch?“

Das Gefühl für die Grenzen der eigenen Kraft wird deutlicher. Aber wenn das alles wäre! Schlimmer sind doch die Rückblicke und die nebelartigen Gedanken, die aufsteigen können: „Und – war‘s das? Was bleibt eigentlich in deinen Händen?“ Und dann wachen Situationen und Erinnerungen auf, die wir längst vergessen und begraben glaubten. Verletzungen und Enttäuschungen durch andere Menschen.

Der Religionsphilosoph und Theologe Romano Guardini (Er lebte von 1885-1968) schrieb ein kleines aber sehr feines Buch mit dem Titel „Die Lebensalter“. Dort beschreibt er zwei Reaktionen auf die Alterskrise: Entweder verdrängen wir das nahende Ende und klammern uns an die vergänglichen Dinge. Daraus entsteht der schlimme Altersmaterialismus, für den Essen und Trinken, Reisen und Wellness, Garten und Fernsehen alles werden. Oder wir akzeptieren das Alter, ohne es gleichgültig oder zynisch zu entwerten. Daraus entwickeln sich wichtige Werte und Haltungen: Einsicht, Gelassenheit, Selbstachtung, Versöhnung mit der Vergangenheit, Überwindung von heimlichem Groll gegenüber den Jungen und allem Neuen.

Romano Guardini trifft in seiner Darstellung einen wichtigen Punkt. Könnte es nicht sein, dass im Alter eigentlich nur zwei Alternativen die Lebenswirklichkeit prägen: Bitterkeit oder Weisheit? Bitterkeit, wenn ein Mensch nicht los-lassen und frei-geben kann und nur schwer oder nicht mehr vertrauen kann, dass Gott auch heute seine Welt und seine Gemeinde nicht aufgegeben hat und seine Geschichte schreibt.

Oder Weisheit, wenn ein Mensch sich mit all seiner Vergangenheit, mit allem Ungeklärten und Verletzendem in Gottes Hände legen kann, in Gott ruhig werden kann und sich nicht mehr daran aufhält. Aus diesen Menschen sprüht eine zuversichtliche Gelassenheit und Dankbarkeit, die ansteckend und wohltuend auf andere wirkt.

Wie gut treffen die Worte des Beters in Psalm 71 diese Situation. Er klagt über die Angriffe von innen und von außen, die er jetzt deutlicher spürt. Sorgen, Zweifel, dunkle Gedanken bedrängen ihn. Und doch – er weiß, wer ihn hält und wer ihn trägt – trotz allem und in allem. Er betet: „Auch im Alter, Gott, verlass mich nicht und wenn ich grau werde. Gott, der du mich viel Angst und Not hast erfahren lassen, du wirst mich wieder beleben.“ So können Sie es nach-beten in Psalm 71 Vers 18 und 20.

Was für ein Gebet – aber auch was für ein Vertrauen? Hier schaut ein Mensch ganz bewusst die Wunden seines Lebens an. Und er weiß sehr wohl, dass zum Leben Licht und Dunkel gehören, Tag und Nacht, Zeiten des Lachens und Zeiten des Weinens. Aber er ist auch gewiss, dass Gott ihn immer wieder neu belebt. Das lässt ihn im Blick auf diese Welt gelassen werden. In allem Chaos und in allen Unverständlichkeiten ist und bleibt Gott der Herr. Das lässt ihn persönlich aufstehen, er muss nicht weiter vergrämt vor sich hin oder in seine Vergangenheit starren, sondern schaut auf, sieht zum Horizont und gewinnt Zuversicht. Und all das, selbst wenn die körperlichen Kräfte schwinden und das Gehen beschwerlicher wird. Was ist das für ein Geschenk, gerade im Alter den lebendigen Gott an meiner Seite zu wissen. Dafür will ich ihm heute danken!

Autor: Friedhelm Geiß

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Johannes 10,9

Türen faszinieren mich. Wenn ich im Urlaub mit meiner Kamera auf Motivsuche unterwegs bin, dann bleibt mein Blick oft an schönen Haustüren hängen. Und wer schon einmal in Irland war, wird die farbenprächtigen Türen an den Reihenhäusern, an Pubs oder den Landhäusern nicht mehr vergessen. Zu einem Gottesdienst im Advent hatte ich schön gestaltete Türen in unserem Dorf fotografiert.

Geschlossene und offene, mit und ohne Menschen. Die Gespräche an den Türen waren mindestens so spannend, wie die Türen unterschiedlich waren. Diese Fototour war gleichzeitig eine Einladung am Sonntag den Schritt über die Schwelle der Kirchentür zu machen und beim Gottesdienst dabei zu sein. Schon deshalb, weil die eigene Haustür gezeigt wurde. Türen sind wie das Gesicht eines Hauses.

Einladend oder abstoßend. Offen oder verschlossen, Eines aber haben alle Türen gemeinsam. Nur mit dem passenden Schlüssel komme ich in das Haus oder den Raum dahinter. Egal, ob er kunstvoll geschmiedet ist, oder ob es „nur“ eine Codenummer ist. Passt der Schlüssel nicht, bleibt mir das Geheimnis dahinter verborgen. Und die Frage bleibt: Was versteckt sich dahinter? Welcher Raum eröffnet sich? Jede Tür könnte eine Einladung sein, Bekanntes zu verlassen und sich neue Räume zu erschließen.

In Johannes 10 Vers 9 nimmt Jesus Christus dieses Bild für sich auf und sagt: „Ich bin die Tür, wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.“Jesus lädt mit diesem Bild ein, den Raum der Güte und Gnade Gottes zu betreten. Durch sein Reden und Handeln hat Jesus viel von diesem Raum Gottes verdeutlicht.

In diesem Raum erfahre ich, was Leben eigentlich bedeutet. Überfließendes Leben, tief und sinnvoll, lohnend und voller Hoffnung.

Im Raum Gottes erfahre ich, wer ich bin! Ich komme dem Sinn meines Lebens auf die Spur.

Im Raum Gottes erfahre ich, wozu ich da bin. Ich entdecke die Berufung für mein Leben.

Im Raum Gottes erfahre ich den Reichtum Gottes in seinem Wort, der Heiligen Schrift. Sie ist für mich die beste Gebrauchsanweisung für mein Leben. Im Raum Gottes erfahre ich heilende Kräfte, ein Zuhause, Geborgenheit.

Im Raum Gottes erfahre ich Entlastung meines Gewissens, Vergebung meiner Schuld und Kraft zum Neubeginn.

Im Raum Gottes erfahre ich die Dimension der Ewigkeit. Mein Leben schnurrt nicht zusammen auf die 50-60-70-80 oder 90 Jahre, sondern stellt mich in einen viel größeren Raum.

In diesem Raum wird die gebrochene Beziehung zwischen mir und Gott wieder heil. Und der Schlüssel zu diesem Raum Gottes ist Jesus Christus. Allerdings – jede Tür trennt auch zwischen Draußen und Drinnen. Ohne den Schritt über die Schwelle, bleibt mir der Raum dahinter verborgen. Ohne Bild: Ohne Jesus wird mir Gott mit all seinen Gaben der große Unbekannte bleiben. Und deshalb lädt Jesus ein:

„Durch mich kommt ihr in diese neue Wirklichkeit und findet, was ihr zum Leben, Sterben und für die Ewigkeit braucht.“ Die Tür zu öffnen und einzutreten in den neuen Raum nennt die Bibel glauben, vertrauen. Dies kann mit einem einfachen Gebet geschehen. Etwa so: „Jesus, ich vertraue dir. Jesus, ich vertraue mich dir an! Ich trete jetzt ein in den Raum der Gnade und Freiheit Gottes.“ Und dazu lade ich Sie heute herzlich ein.

Autor: Friedhelm Geiß

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Psalm 40,17

Sind sie heute zum Loben aufgelegt? Es gibt ja so Tage, da steigt man fröhlich aus dem Bett und hat ein Loblied auf den Lippen. Ich freue mich, wenn es ihnen heute so geht – prima!

Als David den 40. Psalm betete, hatte er Lust Gott zu loben. Und das war nicht ganz selbstverständlich. Denn es lagen schlimme Erfahrungen hinter David. Dennoch konnte er beten: Die dein Heil lieben, lass allewege sagen: Der HERR sei hoch gelobt!

Woher kam diese Freude? Fest steht, dass Davids Freude tief in Gott verwurzelt war.

Gott hatte David aus schlimmen Situationen heraus gerettet. In den Versen vor dem heutigen Losungswort betete David - ich lese Vers 3 nach der Übersetzung „Hoffnung für alle“:  Ich war in eine verzweifelte Lage geraten – wie jemand, der bis zum Hals in einer Grube voll Schlamm und Kot steckt!

David benutzte drastische Worte. Die Formulierungen sind so, dass einige von Ihnen vielleicht schmunzeln, andere verständnisvoll mit dem Kopf nicken… Ja, David, so fühle ich mich auch: In meinem Leben ist es auch gerade so, als würde ich bis zum Hals in Schlamm und Kot stecken. Die Konflikte auf der Arbeit, die Probleme in der Familie -  was auch immer. Es ist wie in einer Grube voll Schlamm und Kot. Wenn man aus der Grube herausgezogen wurde, dann mag einem das Lob Gottes leicht von den Lippen gehen, wie ist es aber, wenn man mitten drinsteckt, in dieser Grube voll Schlamm und Kot?

Ich möchte zwei Impulse dem heutigen Losungswort entnehmen, die zum Lob Gottes einladen sollen:

1) Gottes Heil lieben

David betete: Die dein Heil lieben, lass allewege sagen: Der HERR sei hoch gelobt!

„Die dein Heil lieben…“: Wie kann man Gottes Heil lieben? Gottes Heil begegnet uns in Jesus Christus. Er ist gestorben und auferstanden, um den Weg Gottes zu den Menschen frei zu machen.

In Jesus begegnet den Menschen Gottes Heil, Gottes liebevolle Zuwendung. Alles Gotteslob ist also in der Begegnung mit Jesus verankert. Jesus ist das Fundament!

Bevor ich krampfhaft versuche Gott zu loben, sollte ich in einem ersten Schritt mir bewusstmachen: Jesus ist meine Rettung. Er ist das gute Lebensfundament, das Gott mir für mein Leben schenkt. Alles Lob, alle Dankbarkeit beginnt damit, dass ich mir zusprechen lasse: Jesus will Dir dienen. Er ist Dein Heil!

2) Ein zweiter Impuls:

Die dein Heil lieben, lass allewege sagen: Der HERR sei hoch gelobt! – lass allewege sagen, das bedeutet: lass immer wieder rufen, lass ohne Unterlass rufen. Dranbleiben – nicht aufhören damit, Gott zu loben -darum geht es. Wie schnell opfere ich mein Lob und meine Dankbarkeit auf dem Altar meiner Gefühle und Empfindungen. Wenn mir nicht danach ist, dann lobe ich Gott eben nicht. Ich hocke in der Grube voller Dreck – warum sollte ich Gott dann noch loben?

Wie wäre es, wenn ich heute Gott loben würde, auch wenn mir gar nicht danach ist? Wie wäre es, wenn ich gegen meine Gefühle und Empfindungen Gott danken würde?

Mit jedem Dankgebet, das ich zu Jesus spreche, schaue ich immer ein Stückchen mehr aus der Grube heraus, in die ich geraten bin. Veränderung geschieht.

Autor: Pfarrer Andreas Hannemann

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Römer 13,8

Letztens war ich beim Frisör. Als ich zahlen wollte merkte ich, dass ich zu wenig Geld in der Tasche hatte. Wie peinlich. Die Frau an der Kasse war ganz freundlich: „Kein Problem, Herr Hannemann, bringen sie das Geld einfach bei ihrem nächsten Besuch mit.“ Mir ist das unangenehm, wenn ich weiß, dass ich bei jemandem noch eine offene Rechnung habe. Da mag ich nicht lange warten. Ich bin am nächsten Tag noch einmal in den Friseurladen gegangen und habe das fehlende Geld vorbeigebracht.

„Seid niemandem etwas schuldig“ – schrieb Paulus an die Gemeinde in Rom. Ob er dabei an meinen Friseurbesuch gedacht hat, bei dem das Geld nicht langte – wahrscheinlich hatte Paulus was Anderes vor Augen. In den Bibelversen vor dem heutigen Lehrtext aus Römer 13, Vers 8, steht, was Paulus meinte: „So gebt nun jedem, was ihr schuldig seid: Steuer, dem die Steuer gebührt; Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt“.  Worum ging es Paulus? Paulus forderte die Christen dazu auf, ehrlich die Steuern und den Zoll zu bezahlen. Paulus wünschte sich von den Christen, dass sie mit Respekt den Politikern begegnen. Hasskommentare auf Facebook oder üble Beleidigungen gegenüber Politikern in sozialen Netzwerken – Paulus hätte dafür nur ein Wort übriggehabt: Nein, und nochmals nein!

„Seid niemandem etwas schuldig“ – für Paulus bedeutete das: Erfüllt die Anforderungen des Gemeinwesens, in dem ihr lebt. Seid dankbar dafür, dass sich Menschen für das Land einsetzen, in dem ihr lebt.

Der Lehrtext für heute geht aber weiter: „Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt“. Worin unterscheiden sich die Steuern und der Zoll von der Liebe? Steuern und Zoll sind irgendwann gezahlt. Es gibt eine Grenze – wie gut.

Wenn diese Grenze erreicht ist, kann ich mich zurücklehnen und beruhigt sagen: So, jetzt ist es genug!

Das ist bei der Liebe anders. Liebe kann man nie genug geben. Bei der Liebe ist es nicht so, dass irgendwann eine Grenze erreicht ist und ich mein Soll erfüllt habe.

Das hört sich zunächst nach einem gnadenlosen Gesetzt an. Ist es aber nicht. Für Paulus war es selbstverständlich, dass die Liebe Gottes ein 100%iges Geschenk ist. Paulus schrieb an die Römer: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ (Römer 5,5).

Die Liebe ist nie etwas ist, was Christen aus sich selbst heraus produzieren müssen. Die Liebe zum Nächsten lässt der Heilige Geist in mir entstehen.

Weil Jesu Liebe grenzenlos ist, kann meine Liebe zu anderen Menschen nicht begrenzt werden. Wie wäre es, wenn Jesu Liebe am heutigen Tag Raum bekäme? Wie wäre es, wenn ich mich entscheiden würde, Jesu Liebe in meinem Leben heute zuzulassen? Alles Weitere wird Gott machen – bestimmt.

Autor: Pfarrer Andreas Hannemann

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Lukas 24,30–31

„Was würdet ihr einem Freund oder eine Freundin als Abschiedsgeschenk überreichen, damit er oder sie immer wieder an euch denkt?“ Diese Frage stellte ich meinen Konfirmanden. Ihr Abschiedsgeschenk sollten sie auf einen Zettel schreiben. Viele würden ihrem Freund ein Foto überreichen, manche entschieden sich für einen Gegenstand.

Auch Jesus hat sich einmal von seinen Freunden verabschiedet. Es war am Abend vor seinem Tod. Als Abschiedsgeschenk hat er ihnen die Zeichen von Brot und Wein gegeben. Wenn Brot und Wein auf dem Altar in den Gottesdiensten stehen, dann wissen wir, Jesus ist in besonderer Weise gegenwärtig. Wenn wir diese Zeichen sehen, werden wir daran erinnert, dass Jesus für jeden einzelnen Menschen gestorben ist. Wir denken an das letzte Abendessen, das er mit seinen Freunden am Gründonnerstag vor seinem Tod eingenommen hat. An jenem Abend nahm er einen Brotfladen in die Hand, brach ihn und verteilte ihn an seine Jünger mit den Worten: „Das ist mein Leib.“ Auch den Wein im Kelch deutete er ganz neu: „Das ist mein Blut.“ Seit jenem Abend verbindet sich Jesus mit diesen Elementen Brot und Wein.

„Man sieht nur, was man kennt“, heißt es. So erging es den beiden Jüngern, die am ersten Osterabend unterwegs waren. Niedergeschlagen verließen sie Jerusalem. Jesus ist tot. Hat ihr Leben noch einen Sinn? Wie soll es ohne ihren Herrn weitergehen? Auf dem Heimweg nach Emmaus schloss sich ihnen ein Fremder an. Dass es Jesus war, nachdem er von den Toten auferstand, erkannten sie nicht. Ihre Augen waren verschlossen. Sie luden ihn zum Abendessen ein. Als ihr Gast den Brotfladen in die Hand nahm, ihn teilte und jedem ein Stück davon gab, gingen ihnen die Augen auf. „Das kennen wir doch“, ging es ihnen blitzartig durch den Kopf. Diese Geste kam ihnen bekannt vor. Plötzlich erkannten sie Jesus darin, wie er das Brot brach. Das war doch das Abschiedsgeschenk von Jesus an seine Jünger. Wo Brot und Wein im Namen Jesu geteilt werden, da ist Jesus besonders gegenwärtig.

Die Nähe von Jesus können wir heute erleben, wenn wir Abendmahl feiern. In den Elementen von Brot und Wein ist Jesus real gegenwärtig. Aber nicht nur er, sondern auch Christen sind anwesend, wenn das Abendmahl gefeiert wird. Das Abendmahl können wir nicht allein feiern. Da gehören Brüder und Schwestern im Glauben dazu.

Als nach der Zeit von Jesus die ersten Christen am Sonntag zusammenkamen, haben sie regelmäßig das Abendmahl oder Herrenmahl gefeiert. Jesus war ihnen ganz nah, obwohl sie ihn nicht sehen konnten. Das hat die Christen zusammengehalten, gestärkt und ermutigt. Das hat ihnen Kraft gegeben für ihren Alltag.

Und das gilt heute noch. Wenn in Ihrer Gemeinde Abendmahl gefeiert wird, lassen Sie sich das nicht entgehen. Feiern Sie mit anderen Christen die Gegenwart von Jesus Christus. Laden Sie einen Pfarrer oder Prediger ein, um mit Ihrem Hauskreis oder Mitarbeiterkreis das Abendmahl zu feiern. Das Abendmahl ist ein Stärkemittel auf dem Weg zur Ewigkeit. Das haben wir so nötig, wie das tägliche Brot.

Autor: Pfarrer Johannes Hruby

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Daniel 6,17

Damit hat Daniel nicht gerechnet. Er glaubt an Gott. Er betet täglich zu ihm. Er dient ihm. Und Gott segnet sein Leben. Gott belohnt seinen treuen Glauben. Das bringt die Neider auf den Plan. Sie wollen den angesehenen Daniel los haben. Die Gegner schaffen es tatsächlich, dass Daniel in die Grube der Löwen geworfen wird. Sein Glaube wird auf die Probe gestellt. Sein Vertrauen zu Gott wird geprüft. Der König spricht ihm Mut zu: „Dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, der helfe dir!“ Daniel 6,17.

Daniel ist nicht allein. Gott ist ganz nah bei ihm. Wie gut, dass er einen Gott hat, auf den er sich verlassen kann.

Ich weiß nicht, welche Prüfung oder welche unangenehme Situation Ihnen heute bevorsteht. Aber das gilt auch Ihnen heute: Gott ist ganz nah bei Ihnen. Sie sind nicht allein, wenn Ihr Gottvertrauen auf die Probe gestellt wird. Gott steht Ihnen zur Seite, wenn Ihr Glaube herausgefordert wird. Das hat auch Sabine erlebt:

Sabine hat in der Schule die Abschlussprüfung erfolgreich bestanden. Sie möchte Krankenschwester werden und freut sich auf die Ausbildung. Völlig unerwartet stirbt ihr Vater. Die Mutter steht mit ihrer großen Tochter und zwei kleinen Buben alleine da. Eine großzügige Rente kann die Witwe nicht erwarten. Wie soll es nun weitergehen? Das Geld reicht hinten und vorne nicht.

Da gibt Sabine ihren Berufswunsch auf und geht in die Fabrik, um Geld zu verdienen. Sie arbeitet im Akkord. Jetzt kommt die vierköpfige Familie einigermaßen über die Runden.

Doch eines Tages zeigen zwei Kolleginnen der jungen Frau, wie man an der Maschine die Akkordzahl manipulieren kann. Sabine macht mit. Die Arbeitsleistung wird angeblich wesentlich höher als früher und der Lohn auch. Die Freude über das Geld ist groß; aber nun kann sie nachts nicht mehr schlafen. Ihr Gewissen plagt sie. Ständig quält sie die Frage: „Kann man in einen christlichen Jugendkreis gehen und betrügen?“

Sie macht einen Schlussstrich unter die Sache. Sie geht zum Personalchef und zeigt sich selbst an. Der Firmenchef erfährt davon und bestellt die Frau zu sich. Mit erhöhtem Pulsschlag sitzt sie beim Chef und hört ihm zu: „So etwas ist mir noch nie passiert! Noch nie hat sich bei mir ein Angestellter selbst angezeigt. Wir haben den Eindruck, dass Sie es mit der Wahrheit genau nehmen. So jemanden suchen wir. Sie dürfen an einem Sanitäterlehrgang teilnehmen und für Notfälle in der Firma zur Verfügung stehen.“

Statt bestraft zu werden, wird sie belohnt. Aber damit nicht genug. Weil sie sich geschickt anstellt, darf sie einige Zeit später doch noch den Beruf einer Krankenschwester erlernen.

Es lohnt sich, mit Gott durchs Leben zu gehen und sich ihm ganz anzuvertrauen. Das hat Sabine erlebt, das hat Daniel erfahren, und das werden auch Sie entdecken. „Dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, der helfe dir!“

Autor: Pfarrer Johannes Hruby

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1. Samuel 7,3

Richtiger Frieden herrschte eigentlich selten zwischen dem Volk Israel und den Philistern. Auch in den Tagen des Propheten Samuel gab es immer wieder Krieg zwischen diesen Völkern, den die Philister oft für sich entschieden. Um anschließend das Volk Israel zu unterdrücken. In solch einer Zeit der tiefen Depression wird Samuel erwachsen, ein Mann, der auf den HERRN hört, und bereit ist, auch seinen Willen zu tun. Und der hält jetzt eine Rede an das Volk. Vielleicht ist es sogar seine erste Amtshandlung als Richter und Prophet in Israel.

Er beginnt mit den Worten: „Wenn ihr von ganzem Herzen zum HERRN zurückkehren wollt, dann entfernt die fremden Götter aus eurer Mitte und die Astarten und richtet eure Herzen auf den HERRN und dient ihm allein, damit er euch rettet aus der Hand der Philister.“

Da hatte sich etwas zwischen dem HERRN und dem Volk Israel geschoben. Fremde Götter wurden angebetet. Natürlich wurde der HERR auch weiter verehrt. Die Befreiung aus Ägypten, die Reise durch die Wüste und die Einnahme des Landes Kanaan hatte man durchaus nicht vergessen. Aber parallel hatten sich auch die Götter der Nachbarvölker breitgemacht. Doch so etwas macht Gott nicht mit. Und das wussten die Menschen in Israel. Schließlich hatte Gott schon in den zehn Geboten angeordnet: Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Aber Gott lässt sein Volk nicht einfach so laufen. Immer wieder will er sie auf den richtigen Weg bringen. In der Zeit des Propheten Samuel scheinbar mit Erfolg. Denn auch diese Aussage findet sich vorher im 1. Samuelbuch: „Und das ganze Haus Israel hielt zum HERRN.“ Da kann Samuel dann mit seiner Ansage ansetzen. Er nennt die Ursache, warum es dem Volk unter den Philistern so schlecht geht. Und fordert sie auf, die fremden Götter auf den Müll zu werfen. Um dann wieder Gott allein in den Mittelpunkt ihrer Gottesdienste zu stellen. Und um friedlich mit den Nachbarn leben zu können.

Samuel fordert die Menschen in Israel auf, ihre Herzen wieder neu auf Gott auszurichten. Wobei mit Herz in der Sprache der Bibel immer das ganze menschliche Sein gemeint ist.

Demnach hat das Herz etwas mit unserem Denken zu tun, mit unserem Willen, aber auch mit unseren Gefühlen. Und im Herzen werden auch Entscheidungen getroffen.

„Richtet euer Herz zu dem Herrn und dient ihm allein“, 1. Samuel 7,3. Das muss Samuel den Menschen in Israel sagen.

Unwillkürlich musste ich dabei an unsere alte Personenwaage denken. So eine mit Zeiger und einem Rädchen dran zum Justieren. Und jeder, der sie benutzte, hat erst einmal an diesem Rädchen gedreht. Das war im Prinzip ja auch richtig. Denn bei einer mechanischen Waage verschiebt sich schon mal der 0-Punkt. Durch Wärme und Kälte oder auch durch einen Standortwechsel. Der Zeiger musste also auf den Ursprung zurück gestellt werden.

Ich denke, auch die Beziehung zu Gott müssen wir Christen immer wieder neu justieren. Immer wieder neu ausrichten.

Denn vieles kann sich im Laufe der Zeit zwischen Gott und mir schieben. Das muss noch nicht einmal etwas Böses sein. Das kann sogar von der Gesellschaft um uns herum anerkannt sein. Und ich denke dabei an das aufteilen der uns von Gott geschenkten Zeit. Wer zum Beispiel viel Zeit für seinen Beruf reserviert, gilt als fleißig, als vorbildlich. Und stolz trägt derjenige seinen übervollen Terminkalender vor sich her.

Ganz schleichend schiebt sich dann etwas zwischen mir und Gott und nimmt einen Platz neben ihm ein. Und das kann eben vieles sein, nicht nur die Arbeitszeit. Finden sie deshalb doch selbst heraus, was das vielleicht in ihrem Leben ist. Und ich bin sicher, Gott wird ihnen dabei helfen.

Autor: Herbert Laupichler

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Jeremia 23,35

Eigentlich wollte er gar kein Prophet werden, der Priester Jeremia aus Anatot in der Nähe von Jerusalem. Er wäre zu jung und könne außerdem nicht gut reden. So will Jeremia den Auftrag Gottes erst einmal abwehren.

Doch Gott lässt nicht locker. Als Prophet muss Jeremia viele Jahre dem Volk Israel mitteilen, wie Gott über sie denkt. Was aber die Menschen in Israel nicht so wirklich und ernsthaft interessierte. Jeremia muss ihnen deshalb die Folgen aufzeigen. Gott wird das Volk richten und am Ende wird es von den Feinden Israels besiegt werden. Diese Nachrichten kamen aber nun überhaupt nicht gut an. Das wollten die Menschen jener Zeit nicht gerne hören. Jeremia musste deshalb auch einiges aushalten. Er geriet in Lebensgefahr, wurde gefangen genommen und ist wahrscheinlich fern von seiner Heimat in Ägypten gestorben.

Während seiner Zeit musste Jeremia sich besonders mit den anderen Propheten auseinandersetzen. Denn die redeten politisch korrekt das, was die Menschen hören wollten. Die sprachen von Frieden, obwohl Gott doch Gericht ankündigen ließ. Jeremia musste diesen Propheten vorwerfen, dass sie ihre Träume als die Gedanken Gottes verkauften. Deshalb will Jeremia die Menschen seiner Zeit auf den Ursprung zurückführen mit den Worten:

Ihr sollt einer mit dem andern reden: » Was hat der HERR geantwortet? «, und: » Was hat der HERR gesagt? «

Allerdings hielten die Zuhörer des Propheten Jeremia die Worte des Herrn eher für eine Last als für eine Wohltat. Scheinbar hatten sie vergessen, dass das Befolgen von Gottes Anweisungen nur gut für sie ist.

Denke ich nicht manchmal genauso? Fühle ich mich nicht auch manchmal eingeengt durch Gottes Anordnungen? Belastet? Habe ich nicht ebenfalls Angst davor, dass Gott mir vielleicht etwas sagt, was ich nicht hören will? Bei dem ich mich sträube, das als göttlichen Hinweis anzuerkennen? Vielleicht jetzt gerade bei dem Ausfüllen meiner Steuererklärung?

Wie gut, das Gott mich kennt. Und mich dann doch durch den Heiligen Geist nach seinem Willen für mein Leben fragen lässt.

Dann bin ich dankbar, wenn Gott mir eine Antwort zeigt. Und brauche dann sofort wieder Unterstützung. Denn oft genug gibt es Gegenwind. Vielleicht von den Menschen aus meiner Umgebung. Vielleicht sogar aus der eigenen Familie.

Ein Beispiel dazu: Eine junge Mutter in unserer Gemeinde hat sich gemeinsam mit ihrem Mann entschieden, ihre beiden kleinen Kinder mindestens drei Jahre lang zu Hause zu betreuen. Und ich gehe davon aus, dass Gott ihnen das so auch deutlich gemacht hat. Aber was passiert? Das ganze weibliche Umfeld dieser jungen Frau fällt jetzt über sie her und will ihr weismachen, dass die Kinder doch besser in einer Krippe aufgehoben sind. Und die Mutter doch gefälligst wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen müsste. Es folgen die einschlägigen Argumente wie: Im Beruf nicht den Anschluss verlieren usw.

Da fällt es schon schwer, das Reden des Herrn erst einmal überhaupt zu erkennen. Es heraus zu filtern aus der Bibel, aus Predigten, Andachten und Gesprächen mit anderen Christen. Und dann auch die gewonnene Antwort zu verteidigen gegenüber den Menschen, die uns jeden Tag umgeben.

Ich denke, da sollten wir Christen uns gegenseitig Mut machen. Und darauf hinweisen, dass Gott allein einen Plan mit unserem Leben hat. Er hat den Überblick. Das einzusehen, ist nicht ganz einfach. Und wir wagen Einsprüche. So wie Jeremia. Aber damit kann Gott umgehen. Und er hilft auch, wenn wir zweifeln. Denn er wünscht, dass wir ihm vertrauen. In guten wie in schweren Zeiten.

Autor: Herbert Laupichler

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Philipper 4,12–13

„Ich konnte einfach nicht.“ - Die Frau sitzt mir im Beratungszimmer gegenüber und weint. Sie erzählt von einer Bergwanderung mit der Familie in einem Urlaub. Der Weg ging steil bergauf, bald wurde er zum Pfad, nur manchmal noch sah man ein Wegzeichen. Dann dieser schmale Übergang zwischen zwei Felsen, links der Berg und rechts ging es recht steil nach unten. Ein Drahtseil war gespannt, man konnte sich gut daran festhalten, der Ehemann und die beiden Kinder waren schon darüber, als ob es gar nichts wäre. Sie aber, so erzählt sie mir, konnte nicht. Zu tief der Abgrund, zu hoch der Berg, zu unsicher der Tritt, zu groß die Furcht. „Ich war wie bewegungsunfähig und wäre beinahe umgekehrt.“  Kurz vor dem Ziel konnte sie nicht mehr weiter. Es ging nicht. Alles gute Zureden von der anderen Seite des Übergangs half nicht. Jedes Argument prallte ab, die Furcht – ob nun rational begründet oder nicht – war ganz real da und hatte das Regiment übernommen. Da kommt die Jüngste, damals 12 Jahre, wieder zurück, grad so, als ob es gar nichts wäre, nimmt die Frau an der Hand und sagt: „Mama, ich helfe dir.“ Kaum sind die Worte verklungen und die Hand gefasst, geht sie auch schon wieder los. Die Mutter wie im Schlepptau hinterher, der Übergang ist geschafft. Was die Frau zum Weinen und letztendlich in die Beratungsstunde bringt: Sie erlebt das immer wieder in ihrem Alltag. Da tut sich ein Abgrund im Leben auf,  zu tief, um drüber zu kommen, ein Problem so groß, wie ein Berg hindert am Weiterkommen und der schmale Weg, den es vielleicht zu gehen gilt, ist so beängstigend, dass das Leben wie stillzustehen scheint und sie sich nicht zu gehen traut.

Das gilt es erst einmal wahrzunehmen und anzunehmen: Ich kann nicht. - Wir sind es ja gewohnt, mit Machbarkeitsstudien zu leben. Kann nicht – gibt’s nicht, scheint das Lebensmotto so mancher Menschen zu sein. Da passt das „Ich kann nicht“ nur schwer hinein.

Bei Dora Rappard, einer begnadeten Liederdichterin, die um die Jahrhundertwende 1900 herum lebte, fand ich eine kleine Geschichte, die ich der Frau in der nächsten Stunde mitgab. Hier einige Sätze daraus: Das Würmlein kriecht auf der Erde und kann nicht sich davon erheben. Der Adler aber kann sich mächtig hinaufschwingen in die blaue Luft. Wenn nun der Adler das Würmlein auf seinen starken Flügel nimmt, so kann es fröhlich mit emporsteigen der herrlichen Sonne zu. Was ihm unmöglich war in eigener Kraft, das kann es tun in der Kraft seines großen Verbündeten.

Was die Liederdichterin und Missionarin in der Sprache von gestern sagt, spreche ich nun dem Menschen von heute zu. In dieser Beratungsstunde sage ich es nicht nur dieser Frau, ich sage es auch meinem eigenen Herzen: Wer einen hat, der mich mitnehmen kann, gleichsam an die Hand  fasst und mit mir weitergeht, der kann letztendlich auch selbst einen Schritt gehen. 

Ich kann – wenn einer da ist, der stärker, mutiger, umsichtiger ist als ich. Ähnliches schreibt der Apostel Paulus in seinem Brief an die Philipper. Dort berichtet er, dass ihm so manches vertraut ist. Hohes und Niedriges – Erfolg und Versagen, Triumph und Furcht. Wer sollte es ihm verdenken, wenn auch er sagen würde: „ich kann nicht“. Wir lesen aber genau das Gegenteil davon in seinem Brief: ich kann. Ich kann alles, weil einer da ist, der mächtiger ist als alles, der mich gleichsam an die Hand nimmt und  mich leitet. Jesus, der auferstandene Sohn des lebendigen Gottes.

Gerne lese ich diesen kurzen Abschnitt für mich persönlich und spreche es auch in Ihren Alltag heute hinein:

Paulus schreibt: Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht. (Philipper 4,12–13)

Autor: Werner Bücklein

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Johannes 21,17

Da stehen sie nun, die Netze voller Fische; ein Kohlenfeuer brennt bereits, der Grill ist fertig. Brotfladen sind schon gebacken, sogar einige Fische sind schon  dabei, gar zu werden. „Bringt von Euren Fischen“ – werden die Jünger aufgefordert. Viele große Fische hatten sie an diesem Morgen gefangen. Eine Menge, die man so schnell nicht vergisst.

Jesus hat schon alles bereit und nun bittet er die Jünger, von ihrem Fang dazuzutun.

„Kommt und haltet das Mahl! – mit diesen wenigen Worten lädt Jesus die Jünger ein. Vor kurzem erst waren sie aus Jerusalem wieder an den See Genezareth zurückgekehrt, hatten beschlossen, wieder in ihrem alten Beruf zu arbeiten. Jetzt treffen sie an diesem frühen Morgen auf Jesus, den Auferstandenen. Und der nimmt sie mit hinein in die Gemeinschaft. Fragt nicht lange, braucht keine Erklärungen. Kommt. Esst mit mir. Du bist in meiner Nähe willkommen, Dir will ich jetzt begegnen.

Die Jünger wagten gar nicht zu fragen: „Wer bist Du?“ – denn sie wussten es schon lange. Spätestens ab dem Zeitpunkt, als er sie vom Ufer aus anrief, wie sie da zurückkamen von einer Nacht Arbeit ohne Ergebnis. „Kinder, habt ihr nichts gefangen?“ Dann dieser merkwürdige Auftrag, einen, den sie schon einmal gehört hatten: „Werft Euer Netz noch einmal aus ...“ Das Boot konnte die Menge der Fische  kaum fassen und kaum fassen konnten sie auch die Erkenntnis: Es ist der Herr!

Nun sitzen Sie da. Schweigsam, beklommen, ... und essen.

Besonders dieser Petrus druckst herum. Er weiß ja nicht nur, wer Jesus ist, Er weiß auch, wer er selbst ist. Seine Großmäuligkeit kommt ihm in den Sinn. Wenn alle fliehen – ich bleibe und kämpfe. Noch heute steigt ihm die Schamröte ins Gesicht, wenn er daran zurückdenkt, wie er dort im Hof am Kohlenfeuer gesagt hat: „Den da, den kenne ich gar nicht!“

Das ist gar nicht schlecht, dieses Wissen um die eigene Befindlichkeit vor Gott.

Es lohnt sich, zurück zu denken und auch die Niederlagen und das Versagen im eigenen Leben zu erinnern und zu bekennen.

Petrus kennt seine eigene Dunkelheit, dieses Erschrecken vor dem eigenen Versagen.

Da spricht Jesus ihn an: „Werner BückleinDrei Mal die gleiche Frage: hast du mich lieb

Das ist die entscheidende Frage, wenn Menschen mit Jesus zusammen kommen.

Nicht: was bringst du mit, wie war der Fang – bist Du erfolgreich gewesen?

Oder was kannst du und was hast du?

Das wäre etwa so, als würde ein Ehemann seiner Frau ein Paar Gummistiefel schenken mit den Worten: „Die sind sehr praktisch, mit denen kannst Du prima im Garten arbeiten.“

Ein sehr praktisches Geschenk, wohl wahr, aber Beziehung ist doch kein Kolonialwarenladen!

Mancher Ehepartner wäre vielleicht schon froh, wenn er hören würde: Du kochst gut, putzt ausgezeichnet, sorgst für die Kinder, bist eine galante Unterhalterin,....

Die wirklich wichtige Frage aber ist doch die: hast du mich lieb – als das Wesentliche in der Beziehung.

Drei Mal wird Petrus gefragt: diese entscheidende Frage. Und seine  Antwort?

Ja, Herr, du weißt alle Dinge – Du weißt, dass ich dich lieb habe

Du weißt.

Du weißt doch, wie sehr ich mich bemüht habe. Du weißt, dass ich mir nichts sehnlicher gewünscht habe, als für dich einzutreten. Du weißt doch, dass ich mit ganzem Herzen Dein Zeuge in dieser Welt sein wollte. Du weißt. Du weißt auch um mein Versagen. Du weißt, wie ich gekniffen habe, wie mich der Mut verließ und ich zur rechten Zeit nicht das rechte Wort im Munde hatte. Du weißt, wie ich versagt,  mein Versprechen gebrochen habe und weggelaufen bin. Du weißt.

Du weißt auch, was ich jetzt, nach alledem, am meisten brauche: Befreiung. Vergebung, ein gutes Wort. Neuanfang.

Was Petrus in diesem Moment wohl noch gar nicht recht bemerkt, ist, dass er mit Jesus gemeinsam am Feuer sitzt, Brot und Fisch geteilt bekommt und mit ihm zusammen isst. Der Neuanfang ist schon lange gemacht. Jetzt geht der Blick nach vorne. Wie geht es weiter? Keine Frage, sondern ein Impuls: Folge mir nach.

Autor: Werner Bücklein

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Psalm 90,10

In meinen vielen Jahren als Pfarrer habe ich wohl mehr als fünfhundert Menschen beerdigt. Und habe dabei oft den 90. Psalm mit unserm Tagesvers zitiert. Jeder Abdankung geht ein Trauergespräch mit den Angehörigen voraus. Das Gespräch begann meist bei der unmittelbaren Vergangenheit. Die Hinterbliebenen berichteten, wie sie den Abschied vom verstorbenen Menschen erlebt hatten. Mit der Zeit kam dann aber auch das nun abgeschlossene Leben als Ganzes zur Sprache. Oft war es kaum zu fassen, was da innerhalb einer halben Stunde an gesammeltem Elend auf mich niederprasselte. Schicksalsschläge wurden erwähnt, Abgründe taten sich auf. In solchen Fällen stimmte dann oft das Psalmwort: „Was an unserem Leben war, ist Mühsal und Trug.“ Ich hörte zum Glück auch andere Lebensläufe: von Menschen, die in den Grundlinien ein gelungenes Leben geführt hatten. Aber das war leider die Minderheit.

Unsere heutige Tageslosung ist weder miesepetrig noch depressiv, sondern schlicht realistisch: So mancher Lebenslauf ist schwer.

Viele Menschen unserer Tage neigen dazu, den Tod aus ihrem Bewusstsein zu verdrängen. Im Sinne eines guten biblischen Ratschlages zitierte ich (oder: zitiere ich bis heute) bei Beerdigungen meist auch noch den übernächsten Vers nach unserer Tageslosung: „Unsere Tage zu zählen, lehre uns, damit wir ein weises Herz gewinnen.“

„Schnell ist unser Leben vorüber, im Flug sind wir dahin.“ Aus einer welt- oder gar erdgeschichtlichen Perspektive stimmt das natürlich. Unser Leben ist ein bloßer Hauch. Was sind schon acht-zig Jahre angesichts von Jahrhunderten und Jahrtausenden! Aber aus unserer eigenen, menschlichen Perspektive kann das Leben durchaus lange, sehr lange dauern. Das gilt – Gott sei Dank – für ein schönes Leben. Leider aber – Gott sei‘s geklagt – auch für ein schweres Leben. Als Jugendlicher hörte ich ältere Menschen oft sagen, das Leben sei so schnell vorbei gegangen. „Das will ich einmal nicht sagen, wenn ich alt bin!“, schwor ich mir und begann, ein Tagebuch zu führen. Heute, fünfzig Jahre später, ist das Tagebuch sehr umfangreich geworden. Ich bin Gott dankbar, dass ich auf ein reiches Leben zurückschauen darf, das nicht einfach schnell vorbei ging.

An unserm Tagesvers zeigt sich einmal mehr, dass Psalmworte Lebensworte sind, nicht Lehrsätze. Dass das Leben vor allem Mühsal ist und wie im Flug vorbeigeht, das stimmt für viele, aber nicht für alle Menschen.

Ich möchte das für mich so in einem Gebet ausdrücken: «Vater im Himmel, du bist der Herr über meine Lebenszeit. Lass mich diese Zeit im Vertrauen auf dich gestalten. Ich will dankbar bleiben für das Gute, das ich von dir erfahren durfte. Und ich will deinen Ratschlag beherzigen: Dass die Zahl meiner Tage auf dieser Welt beschränkt ist, will ich im Bewusstsein halten. Schenke mir ein weises Herz.»

 

Autor: Pfarrer Alexander Nussbaumer

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5. Mose 8,18

Wissen Sie noch, wie die Jahreslosung 2017 heißt? Ja, genau: „Ich werde euch ein neues Herz geben, und in euer Inneres lege ich einen neuen Geist.“ (Ezechiel 36,26) Gott gibt uns ein neues Herz, ER legt einen neuen Geist in unser Inneres. Ganz ähnlich tönt es in unserer heutigen Tageslosung: ER gibt Kraft, ER hält den Bund. Das beeindruckt mich einmal mehr an der biblischen Botschaft: Gott macht immer den ersten Schritt. Die Initiative geht von ihm aus.

Zum Beispiel bei Abraham: Gott fasste den Beschluss, ihn zum Stammvater eines Volkes werden zu lassen, aus dem schließlich der Erlöser hervorgehen sollte. Er machte den entscheidenden Schritt auf Abraham zu, indem er ihn für diesen Auftrag berief. Dieser vertraute dem Herrn und machte sich auf den Weg. Der Glaube, das Vertrauen ist die angepasste Reaktion auf die Ansprache Gottes.

Auch die Tageslosung zeigt unsere angepasste Reaktion: Wir sollen an den Herrn, unseren Gott, denken. Was aber gehört zu diesem „an Gott denken“? Und was heißt das für uns ganz praktisch?

Hier ist unser Alltag angesprochen. Wir sollen Gott in unserem Bewusstsein haben, seine Worte an uns lesen, mit ihm reden. Im 1. Psalm heißt es: „Wohl dem, der … sinnt über der Weisung des HERRN Tag und Nacht. Der ist wie ein Baum, an Wasserbächen gepflanzt.“

Es ist kein Zufall, dass gerade diese Zusage am Anfang der Sammlung von Psalmen steht. Hier wird gezeigt, worum es geht: Wir sollen Gott und sein Wort zum Mittelpunkt unseres Lebens machen. Wir können darauf vertrauen, dass uns diese Haltung Zugang zu einem Segensstrom gibt. Vom „Baum an Wasserbächen“ ist in Psalm 1 die Rede, von „Kraft und Reichtum“ in unserer Tageslosung.

Wenn wir den Zusammenhang lesen, in dem unser Vers steht, so erfahren wir Folgendes:

Die Entscheidung, ob wir mit Gott leben oder uns von ihm wegbewegen, liegt in uns selber, in unserem Herzen. Das „Herz“ steht dabei für die „Mitte der Person“. In den Versen 11 bis 19 – unser Tagesvers ist der 18. – hören wir zwei Warnungen: Wenn es dir gut geht, dann wende dich nicht stolz von Gott ab und schreibe den Segen dir selber zu. Und: Lauf nicht anderen Göttern nach. Beide Warnungen lassen sich zusammenfassen in der einen Mahnung: Bleib in deinem Herzen stets mit deinem Gott in Verbindung, denke an IHN, denn IHM hast du alles zu verdanken. Alles!

Das bringt mich ins Beten: «Vater im Himmel, du bist die Quelle von allem, wovon wir leben. Wenn wir nicht mehr an dich denken, dann koppeln wir uns vom Leben ab. Unweigerlich treten dann andere Größen an deine Stelle und werden zu unseren Göttern. Bewahre uns vor Stolz und Eigenruhm. Dein Name sei gelobt bis in alle Ewigkeit.»

Autor: Pfarrer Alexander Nussbaumer

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Prediger 12,1

Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend, eh die bösen Tage kommen und die Jahre sich nahen, da du wirst sagen: Sie gefallen mir nicht.“ (Prediger 12,1)

Jugendliche Hörerinnen und Hörer -  sagen wir einmal bis zum Alter von 50 Jahren - haben die biblischen Worte gerade gehört und hoffentlich aufgemerkt!  Da steckt Weisheit drin, über die nur gesagt werden kann: wenn es einen Ratschlag gibt, dem man folgen sollte, dann diesem; gerade auch weil er illusionslos ist. Der Prediger Salomo, so heißt das biblische Buch im Alten Testament, ist ein Realist, der keinen Raum für Schönfärberei lässt. Auch mit der weit verbreiteten Vorstellung räumt er auf, dass in Zukunft alles besser werden würde. Er setzt dagegen, dass es im Alter eher beschwerlichere Zeiten geben wird.

Die -  sagen wir jetzt ruhig – über 50 Jährigen können ein Lied davon singen: Gesundheit, Mobilität, Geist senden Warnsignale aus, erweisen sich als beschränkt, zumindest eingeschränkt.  Erfahrungen von Versagen und Schuld belasten. Wieder – Gut-Machungen erweisen sich als schwierig bis unmöglich. Und manchmal haben wir Gründe, gute Gründe, bitter zu werden. Die Erfahrung,  dass andere uns enttäuschen, manchmal grundlos, manchmal weil wir selbst den Anlass geliefert haben, beschwert uns. Verdrängung in Sucht, Arbeits-Wut, Selbst-Gerechtigkeit, Aus-Flüchte machen das Leben nicht wirklich lebenswerter und uns schon gar nicht liebenswerter, zumindest nicht für unsere Nächsten.

Der Prediger sagt: lasst es nicht zu (zu) spät werden, kommt nicht erst zu Gott, wenn das Leben fast vorbei ist, das Herz voll Grimm, Enttäuschung, Wut über das Leben, über verpasste Chancen und das Leid, das ihr selbst erfahren habt oder das ihr in euren Familien, Verwandtschaften, Freundschaften und Nachbarschaften mitbekommen habt und das euch nicht kalt gelassen hat.

Denke an deinen Schöpfer in deiner Jugend.

 Ich erinnere mich daran, dass ich mir früher in Gedanken manchen Deal mit Gott ausgedacht habe. Mein Leben ganz in die Hand Gottes geben, dazu hat es doch später noch Zeit, dachte ich. Jetzt will ich erst mal was erleben, ohne auf die ganzen Gebote Rücksicht zu nehmen, ohne auf diese Spaßbremsen, Einschränkungen, Warnzeichen achten zu müssen.

Überhaupt kam mir ein Leben als Christ zwar behütet aber letztlich auch als eine eher langweiligere Angelegenheit vor.

Denke an deinen Schöpfer – das klang nicht besonders motivierend.

Was meint der Prediger?

Um ein Missverständnis zu vermeiden: Denke an deinen  Schöpfer -  das verheißt ja nicht eine Garantie , das im Leben alles gut geht und im Alter keine Probleme auftauchen. Vielleicht kann man ja ein paar Sünden auslassen, die das Leben im Alter noch beschwerlicher machen als es eh schon wird.

Denke an deinen Schöpfer

Das ist der wohltuende Hinweis darauf, dass ich mich nicht selbst entwerfen muss um jemand zu sein, sondern dass ich – vor allem und bedingungslos gewollt bin.

Ich bin geliebt. Von Gott.  Das ist ja das Un-Glück von Menschen, die Gott- los sein wollen: sie sind sich ihrer Herkunft, ihrer Wurzeln nicht bewusst…

Wissenschaftlich entdecken wir immer mehr über unsere Zusammensetzung, unsere DNA ist entschlüsselt, Bio-Medizin und Chemie schaffen neue Möglichkeiten zum Beispiel für die Behandlung von Krankheiten; aber das wird weit darüber hinaus gehen. Eines kann die Forschung nicht leisten:

Das wir geliebt und gewollt sind, das kann sie und das können wir uns nicht selber sagen. Da bleibt das Spieglein an der Wand stumm.

Gedenken an den Schöpfer

 heißt aber auch, mehr erfahren zu können, zum Beispiel über die Gebrochenheit des Lebens in, über die Sorgen Gottes um uns, über die Schuld und den Bruch, die Folgen sind der Freiheit, die Gott uns ließ und lässt. Nur so können wir als Kinder Gottes reagieren, sind nicht Sklaven, die einem anonymen Schicksal ausgeliefert sind.

Wo können meine Gedanken, Gebete ansetzen, wenn Sie mit dem Schöpfer Kontakt aufnehmen wollen – und sich nicht dabei in den Weiten des Universums verlaufen?

Hier gibt uns die christliche Botschaft einen hilfreichen Hinweis.

Es gibt einen Zugang, eine Tür zum Himmel. In der steht Jesus. In ihm begegnet uns Gott menschlich, begreifbar. Er ist die Adresse unserer Gedanken und Gebete, die wir aufsuchen können, in der Jugend wie im Alter, an guten wie an schlechten Tagen!

Autor: Pfarrer Hans-Georg Filker

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Johannes 1,29

Diese Situation haben wir alle wahrscheinlich schon einmal erlebt: man hat gerade über jemanden geredet und plötzlich taucht er leibhaftig vor einem auf.

So ist es Johannes dem Täufer in Galiläa, das ist eine Gegend im Norden Israels, vor knapp 2000 Jahren ergangen. Dieser Johannes hatte sich als wortgewaltiger Bußprediger einen Namen gemacht. Er hatte ausgesprochen, was Sache ist und nicht – wie viele andere – drum herum gedruckst. Er nannte Übelstände beim Namen und rief zur Neubesinnung, ja zu einer Umkehr auf. Und erstaunlicherweise: er wurde gehört, man konnte geradezu von einem durchschlagenden Erfolg reden. Die Leute strömten in Scharen zu ihm, aus der Nähe und aus der Ferne. Bis nach Jerusalem hatte es sich herum gesprochen.

Es gibt solche Situationen  in der Geschichte, wo die Menschen Lügen und Halbwahrheiten satt haben, nicht nur in Bezug auf andere, sondern auch im eigenen Leben. Es gibt Situationen im Leben, wo klar wird: Ich bin gefragt,  ich muss jetzt etwas tun. Ich muss umkehren. Es reicht nicht zu klagen und Forderungen an andere zu stellen, an die Politik zum Beispiel, oder an die Kirche, oder wer auch immer dann etwas tun sollte oder müsste. Das bringt nicht weiter.

Ich bin gefragt.

Ich muss mich bewegen. Ich bewege mich und verlasse die ausgetretenen, vertrauten Pfade. Ich kehre um. Suche neue Orientierung.  Und - da kenne ich mich gut genug – nicht nur als kleiner moralischer Anfall auf meiner bequemen Couch. Es geht nicht um eine spirituelle Wellnesserfahrung. Es geht um einen ernsthaften Schritt zur Erneuerung.

Damals sind die Leute losgezogen, raus an den Jordan, zu Johannes. Sie haben es sich was kosten lassen. Hier am Fluss predigte und taufte er. Und den Leuten war es nicht peinlich, ihre Sünden öffentlich einzugestehen und mit dem Empfang der Taufe durch Johannes das zu bezeugen“.  Es ist hilfreich, diesen Schritt zu gehen.

Auch wenn dieser Johannes etwas  befremdlich wirkt, ein merkwürdiger, alternativer Typ ist.

Die ganze Taufbewegung war natürlich auch den theologischen Autoritäten nicht entgangen. Sie kamen zur Inspektion vorbei. „Sag mal, hältst du dich eigentlich für den Messias, den verheißenen Retter Israels, auf den wir alle seit langem warten?“

Die Antwort des Johannes ist bescheiden. Die ganze Publicity, der Erfolg des Zulaufs der Massen ist ihm offensichtlich nicht zu Kopf gestiegen. Er schlachtet das nicht aus, um noch mehr Aufmerksamkeit für seine gute Sache zu bekommen. Wohltuend.

Seine Standard Antwort: „Es kommt einer, der ist größer als ich. Dem kann ich nicht das Wasser reichen“.

Stellen wir uns vor: Genau in diesem Moment geht „Jesus von Nazareth“ vorbei. Ein Mensch wie jeder andere. Ein Mensch wie jeder andere?

Johannes legt nach:  „Der da – Jesus – trägt die Schuld der Welt, die ich nur ansprechen kann. Der ist der, der die Lösung, die Er-Lösung bringt!“ In der Sprache, die seine jüdischen Zuhörer verstehen lautet das: ‚Siehe, das ist Gottes Lamm, das die Sünde der Welt trägt‘. „Dem müsst ihr folgen, der  hat mehr zu sagen und zu bringen hat als alle Aufrufe und Appelle zur Umkehr, auch meine.“

Johannes der Täufer verweist auf Jesus. Jesus:  seine Worte, seine Geschichte dürfen wir bis heute in den Blick nehmen. Das ist heilsam für unser Leben. Und voller Überraschungen. Nicht nur weil er, Jesus, sich tatsächlich einmal von Johannes das Wasser reichen lässt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wichtig ist, wie Ihre Geschichte mit Jesus weitergeht.

Autor: Pfarrer Hans-Georg Filker

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Johannes 15,15

 Wissen sie, wie sie ihren Freunden eine Freude machen können? Ich bin da oft recht hilflos. Wenn ein Geburtstag ansteht: Was schenkt man? Was macht dem anderen wirklich Freude? Meine Frau hat bei so etwas ein besseres Händchen. Sie sieht eher, womit man jemandem eine Freude machen kann. Frauen sind darin wohl manchmal geschickter. Ich sehe eher, was praktisch, nötig und nützlich ist. Manchmal kann man ja auch damit eine Freude bereiten. Was ich aber immer wieder merke: Umso besser ich meine Freunde kenne, desto besser weiß ich auch, worüber sie sich freuen. Umso mehr Kontakt ich zu ihnen habe, desto mehr Ideen habe ich, worüber sie sich freuen. Umso mehr wir miteinander reden, desto besser weiß ich, was sie bewegt. Und dann kann ich mit ihnen mitdenken. Dann kann ich ihre Ziele mit ins Auge nehmen und unterstützen. Dann nehmen sie auch an meinem Leben Anteil und unterstützen meinen Weg. So habe ich ein paar richtig gute Freundschaften.

Und nun nennt Jesus uns auch seine Freunde. Und das macht er sogar in Abgrenzung zu einem Dienstverhältnis, mehr noch: in Abgrenzung zu einem Sklavenverhältnis.

Jesus sagt: „Ich nenne euch nicht mehr Diener; denn ein Diener weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr nenne ich euch Freunde; denn ich habe euch alles gesagt, was ich von meinem Vater gehört habe.“ Wo in dieser Übersetzung „Diener“ steht, heißt es im Urtext „Sklave“. Das mag uns befremden, weil wir uns nicht als Sklaven fühlen. Das sollen wir auch nicht. Es ist aber rechtlich richtig. Wir sind Jesu Eigentum. Er hat uns – erstens - geschaffen und er hat uns zusätzlich noch freigekauft von der Macht der Sünde. Er hat am Kreuz mit seinem Leben für unser verfehltes Leben bezahlt. Wir sind damit – rechtlich – sein Besitz und er könnte uns beliebig Anweisungen geben und uns nach seinen Wünschen springen lassen, sogar über die Klinge springen lassen. Aber das macht er nicht. Er nennt uns Freunde und behandelt uns wie Freunde.

Nebenbei: Sklave eines großen, berühmten, mächtigen Herren zu sein, war in der Zeit des römischen Reiches durchaus eine Ehre. Paulus bezeichnet sich mehrfach mit Würde als Sklave Jesu Christi.

Aber Jesus sagt hier: „Ich nenne euch nicht mehr Sklaven, denn der Sklave weiß nicht, was sein Herr tut; euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich alles, was ich von meinem Vater gehört, euch kundgetan habe.“ Wo ist der Unterschied? Der Sklave muss seine Aufgabe ausfüllen, ohne einen größeren Zusammenhang zu wissen und ohne die Ziele seines Herrn zu kennen. Aber Jesus nimmt uns – seine Freunde – mit hinein in seine Gedanken, Vorstellungen, Wünsche, Ziele. Er sagt seinen Jüngern: Ich habe euch das alles gesagt, was ihr vom himmlischen Vater wissen sollt. Und damit bezieht er uns ein, in seinen Plan. Wir dürfen mit ihm denken. Wir dürfen kreativ sein. Wir dürfen mit unseren Möglichkeiten und Ideen an seinem Ziel mitarbeiten.

Ich wünsche mir auch manchmal genauer zu wissen, was wohl in dieser oder jener Situation wirklich Jesu Wille ist, ~ was genau zu tun ist. Manchmal wünschte ich mir konkretere Arbeitsanweisungen, fast wie ein Sklave. Dieser Satz Jesu macht mir deutlich, dass Jesus uns viel Freiheit lässt, an seinem Ziel mitzuarbeiten.

Allerdings – eine Einschränkung noch – Jesus sagt dies seinen Jüngern: „… denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch kundgetan.“ Die Jünger haben schon alles gehört. Und für mich heißt es deshalb auch immer wieder: Hinhören, was Jesus gesagt hat. Schauen, was in der Bibel steht. So wie ich meinen Freunden auch nur eine Freude machen kann, wenn ich genau hinhöre, was sie sagen.     

Autor: Pastor Christoph Reeps

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Apostelgeschichte 2,39

Bei einem unserer Söhne hatte die Lehrerin in den unteren Schuljahren mit der Schulklasse ein Geländespiel gemacht. Ob es nicht richtig abgesprochen war oder die Jungs nicht zugehört hatten, das weiß ich nicht. Jedenfalls haben sich ein paar Jungs recht weit weg von der übrigen Klasse im Wald versteckt. Und dann verging die Zeit und das Spiel ging zu Ende. Die Klasse sammelte sich wieder. Außer ein paar Jungen, die fehlten. Die mussten gesucht werden. Aber die waren nicht zu finden. Die wurden gerufen. Aber sie hörten es nicht. Es kann auch sein, sie wollten es nicht hören, weil es ja Jungs sind.

Eigentlich sollte es einen schönen Abschluss für den Schultag geben. Stattdessen gab es dann später Ärger. So ist es, wenn man das Rufen nicht hört oder nicht hören will.

Wer bei der Verteilung der Geschenke nicht dabei ist, der geht leer aus.

Als Jesus seinen Jüngern in Jerusalem zu Pfingsten den Heiligen Geist schenkte, da gab es ein großes Erstaunen. Und es gab sehr unterschiedliche Reaktionen, auch Ablehnung. Aber einige merkten doch: das ist was Besonderes. Petrus erklärte dann noch einmal, was da passiert ist. Er verwies auf die Heilige Schrift. Gott hatte durch den Propheten Joel angekündigt: Menschen werden durch Gottes Geist Visionen haben. Sie werden prophetisch reden können. Und dann verwies der Apostel Petrus auf Jesus. Der hatte sich durch Wunder als Gottes Sohn ausgewiesen. Und dann ist er gerade erst vor ein paar Wochen von der aufgeputschten Menschenmenge zur Kreuzigung getrieben worden. Doch Gott hat ihn wieder auferweckt. Und nun hat er seinen Jüngern den Heiligen Geist geschenkt. – An der Stelle erschrecken die Zuhörer. „Halt! Da haben wir was verkehrt gemacht, und zwar gründlich.“ Und wir haben dabei etwas Wesentliches verpasst: Die Austeilung des Heiligen Geistes. Sie sahen ja: bei den Jüngern Jesu hatte sich etwas getan und bei ihnen selber nicht. Sie waren leer ausgegangen. Das Geschenk Gottes wurde an andere verteilt. Sie waren außen vor geblieben. – So wie die Jungs, die im Wald an der falschen Stelle gewartet haben. Die Jungs hatten gedacht, sie hätten den Spaß auf ihrer Seite, aber dann waren sie die Looser.

Die Leute von Jerusalem merkten, dass sie gründlich daneben gelangt hatten. Sie hatten viel mehr verpasst, als die Bonbons von der Klassenlehrerin. Sie hatten Gottes Geschenk des Heiligen Geistes verpasst. Sie haben gemerkt: wir sind außen vor geblieben, als die anderen diese Zuwendung von Gott bekommen haben. Und da fragen sie ganz betroffen: „Was können wir jetzt noch tun?“ „Haben wir überhaupt noch eine Chance auf Gottes Zuwendung?“ Und Petrus antwortet ihnen: „Klar. Kehrt um. Stellt euch zu eurer Schuld. Lasst euch vergeben. Lasst euch taufen. Fangt einfach noch mal neu an. Dann schenkt Jesus euch auch den Heiligen Geist.“ „Denn“, so begründet Petrus mit dem Satz, der heute Tagesspruch ist, „euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird.“ Diese Möglichkeit gilt für alle. Für euch. Für eure Nachkommen. Und für all die vielen, die noch so weit weg sind. Das gilt für alle, die Jesus noch dazu rufen wird. Das gilt sogar für uns, die wir (hier in Mecklenburg) 3000 km von Jerusalem entfernt wohnen und erst 2000 Jahre später merken, dass wir irgendwas verpasst haben. Auch wo sie wohnen gilt noch immer diese Zusage: Wenn wir zu Jesus umkehren und mit ihm neu anfangen, dann will er uns den Heiligen Geist schenken, ein neues Denken und Fühlen, eine neue Lebensausrichtung.    

Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird. 

Autor: Pastor Christoph Reeps

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