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Gottlose Atheisten

ERF Plus - Wort zum Tag -

Im Römischen Reich hatten die Christen einen seltsamen Spitznamen. Atheoi wurden sie genannt. Gottlose Atheisten. Wie kam das? Sie lehnten die Teilnahme am Kaiserkult ab. Den hielten sie für Götzendienst. Deshalb wurden sie Atheisten genannt.

Das lässt tief blicken. Offensichtlich hatten die Römer ein feines Gespür für echt und unecht. Den meisten war klar, dass der Kaiserkult nur ein Riesentheater war und nichts als eine menschengemachte Show. Offenbar gab es für sie nur selbstgebastelte Götter. Dass es einen Gott gibt, der nicht erfunden ist – das konnten sie gar nicht denken. Das war Atheismus für sie.

Die Christen allerdings hatten auch ein feines Gespür. Warum nahmen sie nicht teil am Kaiserkult? Sie wussten zwar auch, dass der Kaiserkult nur ein Riesentheater war, aber für sie war hier eine Grenze überschritten. Denn für sie galt Gottes Wort aus dem Jeremiabuch: Lauft nicht anderen Göttern nach, um ihnen zu dienen und um euch vor ihnen niederzuwerfen, und reizt mich nicht mit dem Machwerk eurer Hände.

 Im Kaiserkult forderte der Kaiser ein Vertrauen und einen Gehorsam in einem Maße, das nur dem wahren Gott vorbehalten ist. Dieser Kult war nicht mehr abgedeckt durch das Pauluswort: Ein Christ sei untertan der Obrigkeit. 

Leider hatten im letzten Jahrhundert nur wenige Christen in Deutschland ein solches Gespür. Paul Schneider war einer von ihnen. Ein Treue-Eid auf den Führer war für ihn undenkbar. Letztendlich endete deshalb sein Leben im Konzentrationslager in Buchenwald.

Für ihn war Gott kein selbstgemachtes Instrument zur Steigerung menschlicher Größe, sondern umgekehrt. Er wusste: Gott hat mich gemacht und deshalb verdient er mein Vertrauen.

„Dein Gott ist das, woran dein Herz hängt“, sagte Martin Luther einmal. Woran hängt Ihr Herz? Nehmen Sie sich heute ein bisschen Zeit, das zu prüfen. Oft ist es ja ein schleichender Prozess, dass sich Dinge und Mächte an die oberste Stelle in unserem Leben setzen. Das können fragwürdige Dinge sein wie Gier, Groll, Gewalt und Geld, aber auch gute Dinge wie Freunde, Kunst und Bildung.

Ein anderer Reformator, Johannes Calvin, hat das menschliche Herz als eine dauerhafte Götzenfabrik bezeichnet. Jede und jeder hat da eine andere Produktpalette. Das ist ein harter Satz. Wenn mein Leben nur so von Götzen wimmelt, die sich um den ersten Platz rangeln – wie kann ich überhaupt herausfinden, ob mein Herz an dem lebendigen Gott hängt oder an selbstgemachten Götzen aus eigener Produktion?

Ich finde das nur heraus, wenn ich frage: Wo hat sich der lebendige Gott denn selbst offenbart, und zwar so eindeutig, unmissverständlich und endgültig, dass alle Täuschung ausgeschlossen ist?

Manche Menschen sagen: Gott zeigt sich in der Natur. Das ist zwar nicht ganz falsch, aber auch nicht eindeutig. Manche Religionen ahnen: Es wird einmal einen Tag der Abrechnung, des Gerichts, der Rechenschaft geben. Da wird sich Gott als Richter zeigen. Auch das ist richtig, aber auch nicht unmissverständlich.

Unverwechselbar zeigt sich Gott in Kreuz und Auferstehung. Das kann kein Mensch erfinden. Das ist unglaublich. Dass er ein Richter ist, leuchtet vielen noch ein. Aber dass er ein „Backofen voller Liebe“ ist, wie Luther sagt, auf diese Idee kommt kein Mensch. Das hat er am Kreuz bewiesen. Da hat er menschliche Logik durchkreuzt und sie durch Liebe ersetzt. Das hat er an Ostern bewiesen. Da hat er die Macht der Mächtigen in den Schatten gestellt.

Deshalb lade ich Sie ein, mitzubeten: Mein Herz hängt treu und feste an dem, was Dein Wort lehrt.

Autor: Pfarrer Matthias Adt

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Gott braucht uns nicht

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Zum ersten Mal in Thailand, Besuch einer christlichen Arbeit. Fasziniert lass ich mich auf die Menschen ein, in einer für mich völlig fremden Welt. Einer Welt voller Freundlichkeit und Einfachheit. Einer Welt voller Schönheit. Und: Einer Welt voller Tempel.

Meine Bewunderung der teilweise wunderschönen Bauwerke dauert jedoch nur Momente, denn sofort habe ich einen meiner Lieblingstexte aus der Bibel im Kopf. Apostgeschichte, Kapitel 17. Vor knapp 2.000 Jahren unterwegs in Athen, war der Apostel Paulus voller Bewunderung für die herrlichen Bauwerke, viele davon zu kultischen Zwecken errichtet.

Doch dann macht Paulus diese Ansage an die Menschen vor Ort: "Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt."

Zurück in Deutschland und denke ich an die vielen jungen Männer in Thailand, für die es zum guten Ton gehört, einige Zeit in einem solchen Tempel zu verbringen. Sie kennen offensichtlich nicht den Gott der Bibel, der keinen Tempel braucht.

Und dann denke ich an die Menschen in unserem Land. Ob sie alle von diesem Gott wissen, der sie geschaffen hat? Und dann frage ich mich: Weiß ich denn, dass Gott mich gar nicht braucht? Naja, er liebt mich - einfach so, bedingungslos. Dann muss es wohl so sein.

Autor: Hans Wagner

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Auf der Suche nach Gerechtigkeit

ERF Plus - Wort zum Tag -

„Wenn die Lebenden wüssten, was die Toten schon wissen, dann würde jeder mit Jesus durchs Leben gehen“, das las ich kürzlich in einer Internet-Nachricht. Im Himmel wird alles anders, besser, schöner, leuchtender und vor allem gerechter. Das ist eine Hoffnung, die uns im christlichen Glauben erfüllt und leitet.

Meine Suche nach positiven Beispielen „Gerechtigkeit auf Erden“ ist eher mager ausgefallen. Hier und da gibt es eine Nachricht, dass jemand Gerechtigkeit widerfahren ist, vielleicht begnadigt wurde oder seine Unschuld bewiesen werden konnte. Meist steht Gerechtigkeit aber in Zusammenhang mit Vergeltung. Allenfalls sind wir selbstgerecht.

Ungerechtigkeit gibt es oft auf dieser Erde. Die täglichen Nachrichten strotzen davon: Menschen in Afghanistan werden gezwungen ein Leben zu führen, das ihnen nicht entspricht; Flüchtlingen, die ein Leben in Freiheit suchen, wird kein Asyl gewährt; die westliche Welt lebt im Überfluss, während Kinder in Afrika verhungern; denen, die sowieso schon wenig haben, wird noch das Letzte genommen. Die Liste der Ungerechtigkeiten ist lang.

Es ist schwer in diesem Leben, auf dieser Welt Gerechtigkeit zu finden, doch das Bedürfnis danach ist groß. Und weil das Verlangen, dieser Hunger nach Gerechtigkeit so groß ist, macht es sich die Werbung gerne zu Nutzen. Voll davon sind politische Propaganda und Wahlversprechen. Sie werben für wirtschaftliche Gerechtigkeit, gerechte Fürsorge und Vorsorge und vor allem für die soziale Gerechtigkeit. Ob und wie diese Versprechen umgesetzt, ja eingehalten werden – nun ja, die Realität zeigt lediglich eine „Scheingerechtigkeit.“

Also bleibt uns nur auf die Ewigkeit zu hoffen und zu warten. Doch, wie werden wir gerecht? Die frommen Gläubigen im Judentum glaubten noch, dass das strikte Einhalten der Gesetze zur Gerechtigkeit und zu Gott führt. Jesus hat uns eines Besseren belehrt: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater als nur durch mich", sagt er. (Joh. 14,6)

Er ist gerecht. Er hat unsere Schuld beglichen. Jesus ist die Brücke, der Regenbogen zu Gott. Es ist gut ihn zu kennen und zu lieben, dazu lädt Jesus uns ein. Durch ihn kommen wir Gott nah. Er gibt uns Frieden mit Gott und ewige Sicherheit.

Die Tatsache, dass wir aus Glauben von Gott von aller Schuld freigesprochen worden sind, beinhaltet einen großartigen Segen. Das Leben setzt den Kurs für die Ewigkeit. Es ist gut, ja das Beste, mit Jesus durch dieses Leben zu gehen. Im Glauben an ihn können wir sagen: Das Warten der Gerechten ist Freude und wird im Himmel – in und nach diesem Leben - noch größer werden. Spr. 10,28

Autor: Heike Knauff-Oliver

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Noch Puste?

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Puste ausgegangen. Ärger, Verfolgungen haben Christen lahm gelegt. Der Schreiber des Hebräerbriefes hat den Eindruck: Wie weggeblasen ist das Grundlegende. Doch er will nicht noch mal von vorne anfangen, sondern fordert die Christen damals heraus: Schaut euch Vorbilder des Glaubens an! Im Kapitel 11 nennt er etliche aus der Bibel, dem Alten Testament.

Kennen Sie Christen, die Vorbilder für Sie sind? Heute oder aus den Anfängen Ihrer Gemeinde? Manchmal reicht eine Begebenheit, die mir hilft, die Hürde zu nehmen, die mir das Vertrauen auf Jesus erschwert.

Damals hatten Christen andere Kämpfe auszufechten als wir heute. Dennoch hat der Vers 12 aus dem 6. Kapitel des Hebräerbriefes es bis heute in sich: „Nehmt euch ein Beispiel an denen, die Vertrauen und Ausdauer bewahrt und darum empfangen haben, was Gott versprochen hat.“

Gott lässt sich nicht treiben. Er spielt nicht mit, wenn wir uns heute gegenseitig antreiben. Deshalb können zwischen Ansage und Eintreffen gefühlt Ewigkeiten liegen. Versuche ich Gott anzutreiben, wie manch anderer oder warte ich einfach mit Jesus? Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr, womöglich Jahrzehnt für Jahrzehnt bis Jesus Gottes Versprechen einlöst?

Durchs Warten gewinne ich Abstand. Der Abstand ermöglicht mir einen Blickwechsel. Ich sehe mehr. Sehe mehr von dem, was Jesus mir zeigt. In solchen Momenten erlebe ich, wie unnötig es ist, die Peitsche zu schwingen. Was mit Menschen funktionieren mag, läuft bei Gott ins Leere. Gott wählt den Zeitpunkt, an dem passiert, was er zugesagt hat. Mit Jesus Warten hilft bei Puste zu bleiben.

Autor: Pastorin Elke Drossmann

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Gutes tun

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Gerade haben wir eine langjährige Partnerschaft zwischen den Gemeinden gefeiert und viele wohltuende Erinnerungen ausgetauscht. „Ihr habt uns neuen Mut und Zuversicht im Glauben gegeben“, bestätigte ein Zeitzeuge.

Alles begann vor über 40 Jahren: „Als Christen haben wir eine Verantwortung füreinander. Wir müssen unseren Brüdern und Schwestern im anderen Teil Deutschlands in diesen Zeiten beistehen“, erklärte mir mein Vater bei einer Reise in die DDR Ende Dezember 1980.

Unter schlechten Witterungsbedingungen machte er sich zusammen mit dem Gemeindepfarrer und sieben anderen Kirchenvorstehern auf den Weg von Nordhessen gen Osten. Im Gepäck Kaffee, Kakao und viele andere Lebensmittel, die in der DDR damals gar nicht oder nur schwer zu bekommen waren. Die Reise war zu diesen Zeiten alles andere als ein Vergnügen. Viele Amtshürden waren zu nehmen und vor allem galt es, eine wenig menschenfreundliche Grenze zu überwinden. Der Besuch einer Kirchengemeinde galt als besonders verdächtig und wurde mit Argwohn betrachtet. Doch es hat sich gelohnt. Die Begegnung mit den Glaubensgeschwistern hinterließ bleibende Eindrücke auf beiden Seiten. Das Interesse und die Unterstützung aus dem Westen stärkte die Gemeinde.

Dieses Zeichen für christliche Hilfe – füreinander da sein – ist ganz im Sinne des Apostels Paulus. Der hat vor knapp 2.000 Jahren die christlichen Gemeinden in Galatien ermahnt: „Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal 6,2).

Er weiß, dass es Christen nicht ganz leicht haben, je nachdem, in welchem politischen Umfeld sie gerade leben, dass sie Liebe und Zuwendung brauchen. So war es damals und so ist das auch heute in vielen Ländern der Erde. Christliche Gemeinden brauchen Unterstützung; Gebet und Mitmenschen, die ihnen Zuversicht geben, um im Glauben die aktuellen Herausforderungen zu überstehen. So wie unsere Partnergemeinde damals zu DDR-Zeiten. Es gab noch viele Begegnungen unter schwierigen Bedingungen. Doch es entstanden auch wunderbare Beziehungen über die scheinbar unüberwindbare Grenze hinweg.

Mein Vater hat mir vermittelt, wie wichtig Gemeindearbeit ist. In seine Fußstapfen tretend habe ich mich mehrere Jahre zwischen Weihnachten und Neujahr auf den Weg gemacht; den Kofferraum immer vollgepackt mit notwendigen Lebensmitteln, auch Orangen, Mandarinen, Kakao und vor allem Schokolade. Wie bei der Bescherung an Heiligabend leuchteten die Augen der Kinder des Gemeindepfarrers der Partnergemeinde, wenn ich den Kofferraum öffnete – es war eine Freude und beschämend für mich zugleich, weil es mir den Überfluss im Westen so bewusst machte. Es waren aber nicht nur die Leckereien, die für Freude sorgten, sondern mehr noch der Besuch – die Erkenntnis: Wir sind nicht vergessen.

In seinem Brief an die Galater hat Paulus das gute Tun an anderen Christen besonders im Blick. Er ist überzeugt: Gutes tun hängt eng mit Gottes Geist zusammen (Gal. 6,8). Wer in diesem Vertrauen handelt, wird ewiges Leben ernten, sagt er. Was wir aussäen, werden wir ernten (Gal 6,8). Gutes tun tut gut. Wie groß ist der Segen schon in diesem Leben. Wie wird es erst sein, wenn wir in der großen Gemeinde mit Jesus zusammen sind. Deshalb sollen wir, solange wir noch Zeit haben, allen Menschen Gutes tun, besonders aber denen, die mit uns im Glauben verbunden sind, rät Paulus. (Gal 6,10) Fragen Sie doch einfach heute: Was kann ich dir Gutes tun?!

Autor: Heike Knauff-Oliver

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Der Unterschied

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Ich habe mich immer wieder gefragt, wie ich meinen Glauben angemessen leben kann. Wie zeigt sich, dass ich Jesus nachfolge?

Mir ist es ein Anliegen, dass man mich als Christ erkennen kann. Andererseits möchte ich meinen Glauben nicht jedem „gebläsehaft“ um die Ohren pusten.

In den letzten Versen des Alten Testaments kommt der Prophet Maleachi darauf zu sprechen. Gott lässt durch ihn folgende Botschaft ausrichten:

Ihr werdet den Unterschied sehen zwischen einem Gerechten und einem Ungerechten, zwischen einem, der Gott dient, und einem, der ihm nicht dient. (Maleachi 3,18)

Folge ich Maleachi, gibt es einen wahrnehmbaren Unterschied. Nicht nur im Hier und Heute. Auch mit Blick auf das große Finale, wenn ich für mein Tun und Lassen Rechenschaft geben muss.

Man wird Menschen daran erkennen, dass sie Gott dienen oder ihm zu Lebzeiten gedient haben. Ein Blick wird genügen, um zwischen Gerechten und Ungerechten zu unterscheiden.

Wie ist das mit mir?

Gott dienen heißt, eine lebendige Beziehung mit ihm führen. Mich täglich aufs Neue von Jesus prägen lassen.

Als ein gerechter Mensch wahrgenommen zu werden, ist das Ergebnis dieses Lebens mit Gott. Es beschreibt, wie andere über mich denken und wie sie mein Verhalten beurteilen. Letztendlich ist es ein Gütezeichen, dass mir meine Umwelt ausstellt.

Autor: Wolf-Dieter Kretschmer

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Trost für Untröstliche

ERF Plus - Wort zum Tag -

Trösten, was verbinden Sie mit diesem Wort? So etwas wie: Kopf hoch, es wird schon wieder? Oder: Nimm es doch nicht so schwer, andere machen ganz anderes mit? So etwas nennt man leidiges Trösten. Dadurch ist dies Wort in Verruf gekommen. Die heutige Losung spricht von Trost: „Tröstet, tröstet mein Volk! Spricht Gott, der Herr.“ Das steht in Jesaja 40,1. Der große Unterschied ist: Gott ruft hier zum Trost auf in eine trostlose Situation hinein. Er will echten Trost für sein Volk.

Echten Trost brauchen die Menschen immer. Ob der Säugling, der schreit, oder der Sterbende, der froh ist um die Hand, die er halten kann. Wie ist es für den Arbeitslosen bei der soundsovielten Absage, für den Kranken oder für die Einsamen? Wie ist es bei von der Pandemie oder von Unwetter Betroffenen? Was kann da wirklich Trost sein? Da ist es gut, nicht allein zu sein. Aber oft können wir nicht viel mehr tun, als in den Arm nehmen oder die Hand halten. Oft fühlt man sich dabei hilflos.

Aber wenn Gott unseren Trost will, ist das etwas ganz anderes. Er lässt uns Ermutigung zusprechen. Damit ist er da, er, der Helfer. Und was für ein Helfer!

Dazu müssen wir die Situation kennen, in die der Bibelvers spricht: Im Jahre 597 und noch einmal im Jahre 587 vor Christus haben die Babylonier Jerusalem eingenommen und zerstört. Ein großer Teil des Volkes wurde nach Babylon deportiert. Zunächst gab es unter den Gefangenen noch die Hoffnung auf eine baldige Heimkehr. Gott würde sie doch nicht im Stich lassen. Aber im Lauf der Zeit machte diese Hoffnung einer tiefen Resignation Platz. Die Gefangenen glaubten sich von Gott vergessen.

In Jesaja 49,14 drücken sie es so aus: „Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat meiner vergessen.“ Gott hat den Menschen ihre Schuld vor Augen geführt. Durch ihre Gottlosigkeit, ihr Los-sein von Gott haben sie sich in diese Situation gebracht. Gott hält uns mehrfach vor wie in Jeremia 2,27: „Denn sie haben mir den Rücken zugekehrt und nicht das Gesicht. Aber zur Zeit ihres Unglücks sagen sie: Steh auf und rette uns.“ Kann man so mit Gott umgehen? Erst kümmert man sich nicht um Gott und dann soll er, bitte schön, helfen. Die Menschen mussten erst einmal erkennen, dass nur eine stetige Zuwendung zu Gott sie voranbringt.

Das zu erkennen, fällt vielen auch heute schwer. Auch für uns sind die Ereignisse der letzten Zeit bedrängend und könnten uns ins Nachdenken bringen.

Nun könnte man meinen, Gott habe genug von solchen Menschen. Aber er hat schon im ersten Teil des Jesajabuches neben den Gerichtsankündigungen Verheißungen der Wiederherstellung gesetzt. Hier im Kapitel 40 setzt es voll ein. Der Ruf: „Tröstet, tröstet mein Volk“, gibt den Anstoß zu neuen Rufen. Es wird nicht gesagt, wer ruft, wer antwortet. Entscheidend ist das, was gerufen wird. Es ist eine Reihe von Befehlen. Sie sind ein Anstoß. Etwas soll in Bewegung kommen. Die Situation wird nicht bleiben, wie sie ist. Gott ist ein Gott der Tat. Durch ihn geschieht Veränderung auch in Situationen, die uns aussichtslos erscheinen. Er spricht also: „Tröstet, tröstet mein Volk!“ Doppelt kommt das „tröstet“. Das betont die Dringlichkeit. Der Ruf soll unbedingt gehört werden. Und Gott nennt es immer noch mein Volk.

Das soll auch uns Hoffnung geben. Gott sieht die Not und er lässt nicht im Stich. Da können wir nur dankbar uns diesem Gott zuwenden und bei ihm bleiben.

Autor: Pfarrerin Dagmar Rohrbach

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Bitte stören

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Ein Corona-Fall im Kindergarten. Heute bleibt die Gruppe geschlossen, also spielt unsere Tochter zu Hause, in ihrem Zimmer. Ich sitze am improvisierten Schreibtisch im Schlafzimmer und höre, wie die Waschmaschine in den Schleudergang schaltet. Es dauert nicht lang, da sehe ich in meinem Kamerabild den kleinen, blonden Schopf, der sich ins Zimmer schiebt.

Alltag in Corona-Zeiten. An solchen Tagen schalte ich einen Gang hoch, um alles zu schaffen. Dabei hilft es mir auch, wenn ich zwischendrin mal Pause mache. Mal den Wäscheberg gekonnt ignorieren, innehalten und kurz bei Gott ausruhen.

Das habe ich mir bei Jesus abgeschaut. Er hatte vor knapp 2.000 Jahren auch viel um die Ohren. Trotzdem oder gerade deshalb zog er sich regelmäßig zurück. Er suchte die Stille, das Gespräch mit Gott, seinem Vater. Eine solche Situation wird im Lukasevangelium, Kapitel 9 beschrieben.

Doch lange blieb Jesus da nicht ungestört. In Vers 11 heißt es: Die Leute merkten es und folgten ihm in großen Scharen. Jesus wies sie nicht ab, sondern sprach zu ihnen über das Reich Gottes; und alle, die Heilung nötig hatten, machte er gesund.

Jesus ist ganz Mensch – und braucht Pausen, um zu verarbeiten, sich innerlich wieder neu auszurichten, zu beten. Doch Jesus ist auch ganz Gott – und so schickt er die Menschen, die ihm folgen, nicht weg.

Er nimmt sich Zeit und hört ihnen zu. Er erklärt ihnen die Herzensbotschaft Gottes und nimmt sich ihrer Gebrechen an; der seelischen, aber auch der körperlichen.

Und so kann ich Jesus sagen: Danke, Herr, dass du immer ein offenes Ohr und ein offenes Herz für deine Kinder hast. Danke, dass wir dich jederzeit stören dürfen.

Autor: Melanie Bonnkirch

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Ich bin da - Seminar zum Thema Demenz in der EFG Bad Homburg

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

Nach mehrmaligem Verschieben aufgrund der Covid-Pandemie fand am 11. September 2021 in unserer Gemeinde ein Tagesseminar zu der Thematik statt. Bereits 2018 hatten wir schon gute Erfahrungen mit dem vom Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) angebotenen „Ich bin da – Seminar zur aufsuchenden Gemeindearbeit – Besuchsdienst“ mit Dagmar Lohan und Friedrich Schneider gemacht. Wie damals haben wir auch dieses Mal nicht nur Interessierte aus unserer Gemeinde, sondern ebenso aus den umliegenden Gemeinden eingeladen. Angesichts der Unsicherheit bezüglich der zum Zeitpunkt der Durchführung des Seminars geltenden Bestimmungen, hatten wir bereits bei der Einladung Anfang Juli darum gebeten, dass sich jeder selbst an diesem Tag für den Eigenbedarf Verpflegung (Getränke/Imbiss) mitbringen möge. Dies fand eine durchaus positive Resonanz und erleichterte der Gemeinde die Durchführung.

Pastor i.R. Matthias Ekelmann – ehemals Geschäftsführer im Seniorenzentrum Bethel Wiehl gGmbH sowie ehemals Mitarbeiter im Forum Älterwerden des BEFG und im Evangelischen Seniorenwerk – erwies sich als sehr kompetenter Referent.

In einem interessanten Einstieg zu „Vergesslichkeit und Demenz“ vermittelte uns Matthias Ekelmann zunächst das notwendige Basiswissen zur Thematik. Einen Schwerpunkt bildeten dabei die Beispiele und Erläuterungen zu häufig auftretenden Kommunikationsproblemen. Im zweiten Teil ging es dann um „Demenzgerechtes Kommunizieren“. Nach ausführlichen Erläuterungen hierzu bildeten wieder Fallbeispiele eine praxisnahe Vertiefung des bisher Gehörten. Nach einer kurzen Mittagspause standen die unterschiedlichen Kommunikationskanäle im Fokus und wurden ebenfalls wieder mit Fallbeispielen anschaulich verdeutlicht. In einem vierten Teil nahm Matthias Ekelmann den Bereich „Seelsorge und Rituale“ ins Blickfeld und lockte uns auch – wie bereits bei den vorherigen Teilen – zu einer aktiven Beteiligung heraus. Den Abschluss bildeten die Teile „Besuchsdienst bei Menschen mit Demenz“ mit vielen hilfreichen Beispielen und Tipps aus der Praxis sowie hilfreiche Hinweise zu den „Entlastungsangeboten für pflegende Angehörige“.

Von der gewünschten aktiven Beteiligung der Seminarteilnehmer/-innen durch Fragen in allen Teilbereichen wurde reger Gebrauch gemacht. Auch hier zeigte sich der große Erfahrungsschatz, über den Matthias Ekelmann durch seine berufliche Praxis und seine langjährige Referententätigkeit verfügt und den er mit engagierter Lebendigkeit und damit großem Gewinn für die Teilnehmer einzusetzen verstand.

Entsprechend fiel auch die Resonanz der Teilnehmenden zu diesem Seminartag sehr positiv aus und wurde nicht zuletzt durch einen kräftigen Applaus unterstrichen.

Als Veranstalter möchten wir andere Gemeinden ermutigen, trotz Corona solche Seminare durchzuführen, auch wenn der sonst übliche Rahmen an Tischen aufgrund der Corona geschuldeten Beschränkungen nicht möglich ist. Auch ein Verzicht auf das Angebot von Speisen und Getränken muss nicht unbedingt nachteilig sein - kann aber für die durchführende Gemeinde zu einer sinnvollen Entlastung führen. Angesichts der breit gestreuten Einladung hätten wir uns durchaus mehr Teilnehmer gewünscht, aber so kamen bei nur 20 Personen die Einzelnen mehr bei den Fragen zu Wort. 

Welch eine Zumutung!

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Ich rüttle Sie kurz am frühen Morgen mit einer Zumutung aus Morgenidylle und Kaffeegenuss auf. Da schreibt doch Paulus an die Gemeinde in Thessalonich kurz und bündig, klipp und klar: Allezeit freut euch! Unablässig betet! 1.Thessalonicher 5,16.17

Also mir ist nicht immer zum Freuen zumute. Und beten sollte man sicher auch mehr. Was soll diese Aufforderung? Und dann noch das betont vorangestellte: allezeit.

Paulus ist die Freude offensichtlich sehr wichtig. Freuen bedeutet für mich auch mehr als: „Seid allezeit fröhlich“, wie es Luther übersetzt hat. Schon in Philipper 4,4 schrieb Paulus: „Freut euch im Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch!“ Hierzu ist zu bemerken, dass Paulus im Gefängnis saß, als er das schrieb. Und das war nicht annähernd so, wie es heute in unseren Ländern üblich ist. Aber auch in Thessalonich hatte es Schwierigkeiten gegeben. Es gab Aufruhr gegen die Apostel und sie mussten die Stadt verlassen. Wie sollten sie sich darüber freuen? Auch bei uns läuft vermutlich nicht alles rund. Bei den zunehmenden Katastrophennachrichten können wir nur ahnen, was das für die Betroffenen bedeutet. Ist da Freude angesagt? Ein Hinweis kann uns dabei helfen: Im Griechischen klingt bei sich freuen vom Wortstamm immer Gnade mit. Da scheint unser Gott uns durch seine Gnade zur Freude verhelfen zu wollen.

Einen weiteren Hinweis finden wir in Philipper 4,4. Da heißt es: „Freut euch im Herrn.“ D.h. Paulus war nicht einfach in Schwierigkeiten, er war zuallererst im Herrn, in Jesus Christus, erst dann im Gefängnis. Jesus hat ihn von allen Seiten umgeben. Das stand ihm allezeit vor Augen. Dieser Jesus hat sein Leben für ihn gegeben. Er hat ihn aus der religiösen Gesetzlichkeit befreit zur Freiheit der Kinder Gottes. Er hat ihn noch dazu erwählt, sein Evangelium zu verbreiten. Gott hat ihm sogar im Gefängnis Loblieder in der Nacht geschenkt. Das alles sind Hinweise für uns, dass es doch keine Zumutung ist, sich allezeit zu freuen. Die augenblicklichen Umstände mögen nicht gut sein. Unser Gott und Retter ist immer noch derselbe. Er ist da, er lässt uns nicht im Stich.

Damit wir das nicht vergessen, gibt es die zweite Zumutung für heute: „Unablässig betet!“ Auch hier steht das unablässig betont voran. Wir dürfen den ganzen Tag im Kontakt mit Gott bleiben, über alles mit ihm reden. Wir können aus Sorgen ein Gebet machen, die schlimmen Nachrichten vor Gott bringen. Das kann uns in allen Lebenslagen durchtragen. Unsere Gedanken sind ja ständig in Bewegung. Wir können diese Gedanken auf Jesus ausrichten, sein Wort im Herzen bewegen. Immer wieder nur staunen, was er für jeden von uns getan hat. So hängen Freude und Beten zusammen mit allezeit und unablässig.

Gott will, dass wir uns freuen und beten. Er weiß, dass uns das schwierig erscheint. Aber im Blick auf Jesus wird das möglich. Wir lernen, in Jesus zu bleiben, auf ihn zu schauen. Wir machen dafür einfach Schritt für Schritt.

Autor: Pfarrerin Dagmar Rohrbach

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In guten und schweren Tagen

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Meine Tochter hat neulich geheiratet. Ein aufregendes Ereignis. Für alle Beteiligten. Hochzeitspaare legen meist ein Eheversprechen ab. Zum Beispiel: „Ich verspreche Dir die Treue in guten wie in schweren Tagen.“ So alt diese Worte auch sind - vielen Ehepaaren sind sie auch heute wichtig. Denn gerade in den schweren Tagen ist die Liebe und Treue zum Ehepartner gefragt.

 

„In guten wie in schweren Tagen“ – das ist auch das Thema eines Liedes aus der Bibel. Aufgeschrieben vor 2 ½ tausend Jahren. Im Psalm 44 heißt es: „Alle Tage wollen wir dich rühmen und dir, unserem Gott, ohne Ende danken!“ Hier spricht das Volk Israel. Gott selbst hat es auserwählt, sein Volk zu sein.

In diesem Psalm schaut Israel zurück. Zurück auf die Zeit, als Gott sein Volk in das Land Kanaan geführt hat. Und Israel weiß: Gott selbst ist es gewesen, der die anderen Völker zurückgedrängt hat. Allein Gott hat Israel von seinen Feinden befreit. Das ist der Grund, warum Gottes Volk den lebendigen Gott lobt, ihn rühmt - und ihm dankt. Doch dann heißt es: „Gott hat uns verlassen. Unsere Feinde triumphieren. Dabei halten wir uns doch treu zu Gott. Warum lässt er uns jetzt im Stich?“

Ich meine im Psalm 44 gibt es keine abschließende Antwort auf dieses Problem: dass Menschen auch an der Seite Gottes „schwere Tage“ erleben. Aber beindruckend finde ich, wie das Volk Israel trotzdem an Gott festhält. Auch wenn er im Moment nicht so eingreift wie früher. „Erhebe dich Gott und lass uns nicht für immer im Stich!“ heißt es in einem der letzten Sätze des Psalms (Vers 25). Vielleicht ist das ja ein Gebet für die „schweren Tage“, die ich auch immer wieder einmal erlebe.

Autor: Steffen Brack

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Wer bin ich?

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Wer bin ich? Sie sagen mir oft,

ich trete aus meiner Zelle

gelassen und heiter und fest

wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.

 

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? 

Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?

 

Wer bin ich? Der oder jener?

Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.

Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

 

Das sind Auszüge aus einem Gedicht von Dietrich Bonhoeffer, der von den Nationalsozialisten im Gefängnis ermordet wurde. Mich berührt dieses Gedicht jedes Mal. Auch ich stelle mir die Frage, wer ich bin. Ich bin jung und habe trotzdem schon einiges erlebt, was mich geprägt hat. Ich trage schöne Erinnerungen in mir, aber genauso auch Verletzungen. Ich bin durch Menschen um mich herum geprägt worden und habe einiges von ihnen gelernt. Meine Träume und Sehnsüchte treiben mich an, weiter nach vorne zu gehen. Gleichzeitig bremsen mich Ängste und Zweifel aus. – Auch sie sind irgendwie Teil von mir. Und zu all diesen Fragen und Gedanken, die ich über mich habe, kommen auch noch Aussagen von anderen über mich. Auch sie schätzen mich ein und sagen aus ihrer Perspektive, wer ich bin.

In der Bibel wird die Frage nach der Identität immer wieder aufgegriffen. Der Apostel Paulus, der nach Jesu Tod viele Gemeinden im Mittelmeerraum gegründet hat, schreibt in seinem Brief an die Galater in Kapitel 2, Vers 20: Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.

Das ist erstmal eine ziemlich herausfordernde Aussage. Jesus scheint irgendwie meine Identität zu bestimmen. Aber was bedeutet das für mich?

Paulus schreibt diese Aussage, als er sich mit einem anderen Apostel – und zwar mit Petrus – streitet. Petrus hatte in Antiochia mit Christen gegessen, die vorher keine Juden gewesen waren. Als jüdische Christen nach Antiochia hinzukamen, distanzierte sich Petrus, der selbst Judenchrist war, jedoch von den nicht-jüdischen Christen, mit denen er vorher gegessen hatte. Dies tat er, weil die neu angereisten jüdischen Christen auch nach ihrer Bekehrung zu Jesus Christus noch immer das jüdische Gesetz befolgten und dadurch nicht mit nicht-jüdischen Christen zusammen aßen.

Genau dieses Verhalten kritisiert Paulus. Er ist sich sicher: Wer einmal zu Jesus Christus gefunden hat, der hat eine ganz neue Identität bekommen. Das bedeutet also: Es ist nicht entscheidend, was ich vorher gemacht habe und an welche Regeln ich mich vorher gehalten habe – Jesus macht alles neu. Ich lebe neu durch ihn. Aber nicht ich lebe – mit all meinen Wünschen, Talenten, Ängsten und Verletzungen –, sondern Jesus Christus lebt in mir. Er schenkt mir eine vollkommen neue Identität. Und das bedeutet Freiheit! Weder meine Verletzungen durch andere Menschen noch meine Talente bestimmen, wer ich bin, sondern Jesus. Ich bin frei von allem, was ich über mich denke und was andere über mich sagen.

Dass Jesus Christus in mir lebt, bedeutet nicht, dass ich zu einer Marionette werde, die keine Entscheidungen mehr treffen kann. Nein, es ist vielmehr ein Versprechen. Ich kann mich geborgen fühlen, so wie sich Bonhoeffer trotz aller Umstände bei Gott geborgen wusste. Und im besten Fall können auch die Menschen um mich herum diese neue Identität erleben. Wenn Jesus Christus in mir lebt, definiert er, wer ich bin. Das heißt, dass andere Jesus durch mich kennenlernen können. Ich lebe dann, aber nicht ich, sondern Christus lebt in mir.

Was bedeutet das konkret? Das bedeutet, dass ich ziemlich viel Kontrolle abgeben muss. Es bedeutet aber auch, dass ich frei bin. Ich bin frei, mich nicht mehr von dem bestimmen zu lassen, was ich glaube, was mich ausmacht. Vielmehr weiß ich, dass Jesus Christus selbst in mir lebt. Er gibt mir meine Identität. Und das kann mich mutig machen. Mutig, Entscheidungen zu treffen, die auf den ersten Blick so gar nicht nach mir scheinen. Entscheidungen, die aber auf den zweiten Blick auf Jesus Christus in mir hinweisen.

Autor: Hannah Thielmann

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Alles Geschichte

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Schon mal bei einem Film geheult? Ich schon! Schon mal von der Geschichte eines Buches so gefesselt gewesen, dass Sie nicht mehr aufhören konnten zu lesen? Klar doch! Kein Wunder. Denn Geschichten bewegen nicht nur die Welt! Geschichten bewegen Menschen. Und zwar von innen. Das Herz wird angerührt, die Seele kommt ins Schwingen und die Gedanken laufen los.

Am besten ist es, wenn die Geschichten auch noch wahr sind. Wahrhaftig. Dann entfalten sie ihre volle Kraft. Die bleiben wirklich im Gedächtnis hängen. Clint Eastwood kann so etwas richtig gut – oder auch Gott.  Der schreibt die besten Geschichten. Viele davon stehen in der Bibel. David, eine der prominentesten Persönlichkeiten in der Bibel, kann einige dieser Geschichten erzählen. Im Psalm 118 tut er das zum Beispiel. Eine lebensgefährliche Situation, feindliche Angriffe von allen Seiten. Und er schreibt: „Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen.“

Mit anderen Worten: ich werde diese Geschichte, die ich erlebt habe, weitererzählen. Und warum? Weil David möchte, dass andere von diesem allmächtigen Gott erfahren, zu dem er gehört und der ihn gerettet hat. Er kann und will es nicht für sich behalten. Er weiß: Diese Geschichten ermutigen in schweren Zeiten. Gott möchte mit jedem seine Geschichte schreiben.

Von welchem Erlebnis mit Gott können Sie erzählen? Wo hat er mit Ihnen Geschichte geschrieben? Erzählen Sie anderen davon. Ihre Geschichte kann die Welt eines Menschen bewegen.

Autor: Tobias Schier

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Kerzen, Grill und Lagerfeuer

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Kerzen, Grill und Lagerfeuer – das sind alles Dinge, die ich sehr mag. Ich mag den Geruch von Duftkerzen. Ich liebe den rauchigen Geschmack von gegrilltem Gemüse. Und ich lausche gerne dem Knistern des Lagerfeuers, während es mich wärmt und am Abend Gemeinschaft ermöglicht.

Hausbrand, Waldbrand und Verbrennungen – das sind alles Dinge, die ich nicht mag. Ich trauere mit den Menschen, die durch Hausbrände alles verlieren. Es ist schrecklich, dass durch Waldbrände große Teile der Natur zerstört werden. Und Verbrennungen schmerzen sehr.

Eines steht fest: Feuer kann sowohl wunderschöne Dinge ermöglichen als auch brutal zerstören. Feuer wärmt, erhellt und zündet Dinge an. So kann ich an Silvester über das Feuerwerk staunen und am Geburtstag die Kerzen auf dem Kuchen anzünden. Gleichzeitig kann aber auch ein kleiner Funke ganze Häuser und Wälder niederbrennen. Dann ist Feuer zerstörerisch.

Ähnlich wie mit dem Feuer ist es auch mit Worten. Ich liebe Komplimente! Ich sage Menschen gerne, wenn sie eine großartige Ausstrahlung haben, oder wenn ich sie für etwas sehr bewundere. Dann ermöglichen meine Worte wunderschöne Dinge – sie bauen auf und sind wertschätzend. Leider passiert es mir aber auch manchmal, dass meine Worte brutal zerstören. Wenn ich mich streite, kann es vorkommen, dass ich Dinge sage, die mein Gegenüber verletzen. Solche Worte können sehr tief gehen und länger hängenbleiben.

Dass Feuer und Worte in ihrer Zerstörungs- und Schöpferkraft ähnlich sind, wird auch schon in der Bibel beschrieben. Im Jakobusbrief im Neuen Testament heißt es in Kapitel 3 in den Versen 5 und 6: Seht, wie klein ist das Feuer und wie groß der Wald, den es anzuzünden vermag! Auch die Zunge ist ein Feuer.

Es wird deutlich: Die Zunge und die mit ihr gesprochenen Worte haben ziemlich viel Macht. Wie ein kleines Feuer einen großen Wald in Brand steckt, so kann auch die Zunge ähnliche Zerstörung anrichten. Was ich sage, hat also große Auswirkungen auf mich und die Menschen um mich herum.

Aber was hat das Ganze mit Gott zu tun? In den Versen, die auf die Verse 5 und 6 folgen, schreibt der Autor des Jakobus-Briefs, dass die Zunge nicht gezähmt werden kann. Und weiter kritisiert er: „Mit der Zunge loben wir den Herrn und Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Bilde Gottes gemacht sind.“ Das passt irgendwie nicht zusammen. Und das macht der Autor deutlich. Meine Worte scheinen also zu verraten, wie es in meinem Inneren aussieht. Da ich die Zunge nicht zähmen kann, ist sie wie ein Fenster in mein Innerstes. Und wenn ich Gott, den Schöpfer, lobe, aber seine Geschöpfe verfluche, scheint es eine Schieflage zu geben. Das passt nicht. Meine Zunge ist dann wie ein zerstörerisches Feuer – angezündet von schlechten Gedanken und nicht von Gott.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Da ich meine Zunge selbst nicht kontrollieren kann, muss sie von einer guten Quelle angezündet werden. Und wer könnte da besser geeignet sein als Gott?! Wenn ich mich von ihm und von seiner Liebe verändern lasse, ändern sich meine Gedanken. Es ändert sich alles an mir. Dann erzählt meine Zunge mit liebevollen Worten von ihm. Dann sind meine Worte ein Fenster zu Gott und andere Menschen können über meine Worte auf diesen genialen Gott schließen! Wenn ich mit Gott in einer Beziehung lebe und ihm die Gestaltung meines Lebens überlasse, dann ist meine Zunge kein kleines Feuer, das einen großen Wald zerstört, sondern ein wärmendes und helles Licht für mich und alle anderen. Um diese Veränderung kann ich Gott bitten – jeden Tag.

Und dann zündet Gottes Funke in meinem Leben Kerzen, Grill und Lagerfeuer an.

Autor: Hannah Thielmann

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Wenn es zur Explosion kommt

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Jetzt ist es Zeit für ein Bekenntnis. Ich fahre gelegentlich aus der Haut. Wie steht es mit Ihnen: Ist Ihnen schon mal der Geduldsfaden gerissen? Haben Sie in Gernot-Hassknecht-Manier ihr Gegenüber zusammengefaltet, dass es nicht wusste, wo oben und unten ist?

Wenn Sie auf solche Fragen beim ehrlichen Blick in den Spiegel ihrer Seele von Herzen "Nein!"  antworten können, dann schätzen Sie sich glücklich. Sie gehören zu einer verschwindenden Minderheit. Ich kenne kaum einen Menschen, der nicht schon mal in Wut und Zorn entbrannt ist. Bei manchen Leuten fällt der Vulkanausbruch heftiger aus als bei anderen, und bei manchen brodeln Wut und Zorn schneller und häufiger hoch als bei anderen.

Doch egal, ob nur gelegentlich oder regelmäßig. Der Schreiber von Psalm 37 hat folgende Botschaft für uns: "Lass dich nicht von Zorn und Wut überwältigen, denn wenn du dich ereiferst, gerätst du schnell ins Unrecht."

Wer sich ganz unvoreingenommen selbst beobachtet, wenn ihm die Hutschnur hochgeht, der wird dem Psalmisten zustimmen. Wenn ich Wut und Zorn ungezügelt laufen lasse, dann denke, sage und tue ich Dinge, die ich hinterher oft bereue.

Weil meine Gedanken einseitig sind, meine Worte übers Ziel hinausschießen und oft auch den Boden der Tatsachen verlassen. Von unüberlegten Taten mal ganz zu schweigen. Mit alldem setze ich mich selbst ins Unrecht.

Also kurzfristig Wut und Zorn besser im Zaum halten –  das verringert die Gefahr, etwas Falsches zu tun, das einem noch langfristig nachhängt.

Autor: Horst Kretschi

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Eine Segensgeschichte

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Ich zucke immer zusammen, wenn es in den Nachrichten heißt, dieses oder jenes Gremium habe irgendeinen Plan „abgesegnet“. Ich weiß, was die meinen: Sie haben zustimmend genickt. Als würden sie ein Schlusswort dazu sprechen. Ein Schlusswort ist der Segen, keine Frage, kennen wir ja aus unserem Gottesdienst. Aber Gott segnet uns nicht ab, sondern spricht uns den Segen zu. Das Kreuz tritt dazu. Segen kommt von Gott und geht durch unser Leben. Luther sagte ja auch, segnen heißt eigentlich mehren, vermehren. Als Gesegnete gehen wir in die Woche, zu den anderen. Und das kommt im Bibelwort aus dem 4. Buch Mose Kapitel 6, Vers 25 klar zum Ausdruck: „Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.“

Gott meint es gut mit dem Menschen, er zeigt den Menschen sein freundlichstes Gesicht, sein freundliches Angesicht, was leuchten soll und auf den Menschen gelegt wird, wie die Sonne ihre Strahlen über die Landschaft legt und erhellt, erwärmt, erheitert. Das ist aber wie in einer guten Beziehung zwei-seitig. Das hat das Volk Israel von Anfang an gemerkt oder eben lernen müssen: „Israel kann nur leben im Angesicht Gottes, d.h. in Gottes Gegenwart.“ Und: es gibt „nur da Leben, wo Gott hinschaut“ (Hermann Spieckermann). Nicht umgekehrt: Wo nur Verzweiflung ist, da ist Gott nicht, da schaut er nicht hin, sondern: Wir bitten Gott um seinen Segen, dass wir nicht ohne ihn, ohne Gott sind, dass unser Leben nicht in Verzweiflung läuft und endet. Der Segen erinnert uns an Gottes Handeln. Und daran, wer bewahrt, wer rettet, wer Leben fördert. Darum ist der Segen so wichtig.

Man könnte unsere Geschichte als Geschichte des Segens Gottes erzählen. Aber das heißt nicht, dass sie für uns einfach eine Erfolgsgeschichte wäre, gerade von unten nach oben und durch die Decke. Das mag es ja geben, aber es sind Ausnahmen. Mir wäre angst, wo es nur aufwärts geht. Manche Segensgeschichte ist eine Krankheitsgeschichte. Manche, wie gesagt. Auch die Geschichte des Volkes Israel und die der christlichen Kirche geht nicht einfach aufwärts, die führt durch Krisen und zeigt, wie zerbrechlich wir Menschen sind – und wie verlässlich der Segen Gottes mit uns geht.

Bei unserem letzten Klassentreffen bin ich ihr nach Jahren wieder begegnet. Biologie hat sie studiert, Veterinärmedizin auch noch, Tierärztin wollte sie werden, guter Abschluss, dazu einen Mann, der Betriebswirt war. Dann wurde das erste Kind geboren, geistig behindert. Die Tierärztin blieb zu Hause, der Mann stieg im elterlichen Geschäft seiner Frau ein, ein zweites Kind kam, der Betrieb wurde Richtung Konkurs gefahren, die Ehe auch. Sie schickt ihren Mann in die Wüste. Ihre Eltern kümmern sich verstärkt um die Kinder, sie steigt fachfremd ins Geschäft ein, wird Geschäftsführerin, schafft es, alles wieder auf Kurs zu bringen. Ich staune und frage, wie sie das alles hat stemmen können – und sie gibt mir mit einem Blick zu verstehen, dass sie das nicht aus sich heraus hat – und ich entdecke, dass Gott seine Leute nicht im Stich lässt.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.“ Und dann: „Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“ Was mit dem Segnen in Gang kommt, endet im Frieden. Gott gewährt Schutz im bedrohten Bereich des persönlichen Lebens, setzt Frieden im empfindlichen Bereich des sozialen Miteinanders. Der Segen mit der Geste des Kreuzes ist das letzte Wort, was wir aus dem Gottesdienst mitnehmen, hinein in das Miteinander, an dem sich bewährt, dass wir mit Gottes gnädig zugewandtem Gesicht in den Tag gehen.

Autor: Pfarrer Dr. Siegfried Meier

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Motivierender Regenbogen

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Regenbogen haben für mich immer etwas Erhabenes. Öfter schon habe ich erlebt, dass sich ein Regenbogen gerade dann über den Himmel spannte, als ich einen besonderen Zuspruch brauchte.

Nun glaube ich nicht, dass Gott extra meinetwegen das Wetter so lenkt, dass ausgerechnet dann ein Regenbogen erscheint, wenn ich ihn brauche. Dennoch ist so ein Regenbogen für mich ein Zeichen des Himmels. Plötzlich erscheint nach einem kräftigen Schauer dieses prächtige Farbenspiel als Bogen zwischen Himmel und Erde. "Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig", so heißt es im sogenannten aaronitischen Segen aus dem 4. Buch Mose.

Dieses leuchtende Angesicht Gottes - für mich wird es sinnbildlich durch den Regenbogen, gerade in den durchwachsenen Zeiten des Lebens, gerade dann, wenn das Wetter zwischen Regen und Sonne, und das Leben zwischen schlechten und guten Zeiten in Spannung steht.

Immer dann verschmelzen in meinen Gedanken der Regenbogen und der Segen Gottes. Mal greife ich zur Handykamera, mal wische ich mir ein paar Tropfen von der Stirn - die Luft ist klar und vielleicht sogar rau. Was soll's. Weiter geht's und Gott begleitet mich mit seinem Segen. Das zu wissen motiviert.

Autor: Andreas Odrich

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Eine enge Pforte

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In Bethlehem wurde schon früh eine Kirche über dem Ort erbaut, der nach der Überlieferung der Geburtsplatz Jesu ist. Die Kirche ist schön und groß und fast immer gut besucht, Bethlehem ist schließlich auch ein Touristenort, aber auch ein umstrittener Ort, immer wieder Schauplatz von Auseinandersetzungen.

Wer in die Kirche will, stößt auf ein Problem: Es gibt kein beeindruckendes Portal, sondern nur eine Pforte, etwa 1,20 m hoch. Da muss man sich klein machen, um durch die enge Pforte zu gehen – für mich ein klassisches Beispiel dafür, was Jesus meint, wenn er von der „engen Pforte“ spricht. Das Bild steht ja sprichwörtlich für einen Weg, den nicht jeder nehmen kann. Wer in Bethlehem mit seinen 1,80 m ankommt, muss den ganzen Oberkörper hinunterbeugen. Ein Bild, was für sich spricht.

Im Gespräch mit seinen Jüngern kommt die enge Pforte ins Spiel. Seine Jünger fragen Jesus, wie das denn in Zukunft sein wird, ob denn viele selig werden, ob viele im Reich Gottes, bei und mit Gott ewig leben werden. Sie reden sicher aus Erfahrung, haben mitbekommen, dass nur wenige sich Jesus anschließen, dass er auf viel Ablehnung stößt. Daher scheint mir diese Frage nicht als theoretisch, wollen wir mal darüber sprechen, was mit den anderen so passiert, sondern eine bange Frage, schließlich kennen wir das aus unserer eigenen Umgebung, kennen Frauen, Männer und Kinder oder leben sogar mit ihnen zusammen, denen der Glaube an Jesus Christus egal ist.

Und Jesus macht aus der theoretischen Frage eine praktische Aufforderung: Ringt ihr darum, dass ihr durch die enge Pforte geht. Gut, dass die anderen euch nicht egal sind, aber wenn ihr wie selbstverständlich davon ausgeht, dass ihr ohnehin euren reservierten Platz habt, dann geht es euch nicht anders als denen, die mir mit Ablehnung begegnen. Die denken sicher auch: Für uns ist die Sache doch klar. Geradewegs in den Himmel. Muss man sich keine Gedanken machen.

Ringt darum, sagt Jesus Christus.

Ihr hört und seht das Evangelium, und das ruft euch zum Reich Gottes. Jetzt. Die Dringlichkeit verbindet sich mit der Notwendigkeit, im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein alter Bekannter sagte mir: Wenn es Brei regnet, muss man mit großen Löffeln nach draußen gehen. Das Reich Gottes ist nichts Theoretisches. Es eröffnet hier die Möglichkeit, mit Jesus Christus zu leben und verschiebt das Ganze nicht an irgendeinen Punkt in der Zukunft. Warum nicht jetzt diesen Ruf hören? Entsprechend ermuntert Jesus seine Jünger und sagt mit einem Wort aus dem Lukasevangelium, Kapitel 13, Vers 29: „Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“

Und ich erinnere mich an die Gleichnisse Jesu, wo genau das passiert: Wer zuvor gar nicht eingeladen war, bekommt nun eine Extra-Einladung, am Tisch zu sitzen, auch diejenigen, die das wohl kaum glauben können, dass sie nun dazugehören. Haben die denn „gerungen“, hereinzukommen? Wir verstehen „ringen“ sicher als einen Weg, unsere Ansprüche zu erkämpfen, mit breiten Ellenbogen doch noch durch die Tür zu kommen, obwohl wir da – bleiben wir im Bild der Pforte der Bethlehemer Kirche – sicher eine unglückliche Figur abgeben würden.

Das Ringen ist ein Verlangen, dazuzugehören. Wer bittet, der empfängt, sagt Jesus. Wer bittet, weiß, über wen der Weg ins Reich Gottes führt.

Autor: Pfarrer Dr. Siegfried Meier

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Du bist Teil von etwas Großem

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Gestern habe ich den Film „Dreieinhalb Stunden“ gesehen. Er spielt am 13. August 1961, und es geht um eine Gruppe von Reisenden, die am Tag des Mauerbaus mit einem damals so genannten „Interzonenzug“ unterwegs sind von München nach Ost-Berlin. Unterwegs hören sie im Radio die ersten Berichte von Straßensperrungen und Stacheldraht an der innerdeutschen Grenze. Das stellt jeden und jede im Zug vor eine Entscheidung: Im Westen aussteigen oder in den Osten weiterfahren?

Diese Entscheidung entzweit Freunde, Paare, eine Familie mit Kindern. Alle blicken auf ihr bisheriges Leben und ihre Träume für die Zukunft. Alle sind mit sich selbst beschäftigt – und müssen sich gleichzeitig verorten im großen Bild der großen Politik und der sich vertiefenden Teilung Deutschlands.

Ich glaube, das ist ein wichtiges Lebensmotiv, ein Grundbedürfnis des Menschen: Sich selbst und sein Leben in Beziehung setzen zu dem großen Bild. Ich glaube, jeder und jede von uns möchte nicht nur sich selbst verwirklichen, sondern Teil von etwas sein, das größer ist als wir selbst.

Vielleicht haben wir das in unserer individualistischen, post-christlichen Gesellschaft ein wenig vergessen. Aber Sie und ich, wir sind tatsächlich Teil von etwas Großem, nämlich der Schöpfung, die Gott geschaffen hat. Und Sie und ich, wir können uns verorten in diesem großen Bild.

Mich fordern dazu heute die Worte aus Psalm 103 heraus, wo es heißt:

Lobt den HERRN, alle seine Werke, an allen Orten seiner Herrschaft! Lobe den HERRN, meine Seele!

Das heißt: Diese Welt und mein Leben ist Gottes Werk. An jedem Ort und zu jeder Zeit ist er die höchste Autorität. Und ich eingeladen, mich zu entscheiden. Ich kann diese Wirklichkeit bejahen, kann mich darüber freuen – und Gott als meinen Herrn aus ganzem Herzen loben.

Das ist heute meine Entscheidung.

Autor: Dr. Jörg Dechert

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BEFG-Mitgliederstatistik 2020

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

Zum Stichtag 31. Dezember 2020 gehörten 794 Gemeinden mit 77.685 Mitgliedern zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG). Damit verzeichnet der Bund einen Rückgang von 2.510 Mitgliedern (3,1 Prozent), der zu einem großen Teil darauf zurückzuführen ist, dass sich im „Corona-Jahr 2020“ weniger Menschen den Gemeinden anschlossen, während sich die Abgänge auf dem Niveau der Vorjahre bewegten. So gab es wegen der Pandemie deutlich weniger Taufen und Aufnahmen durch Zeugnis als im Vorjahr, was alleine mehr als die Hälfte des Rückgangs erklärt. Austritte und Streichungen hängen meist eng mit der jeweiligen Gemeindesituation zusammen.

Wie alle Bereiche gesellschaftlichen Lebens war auch die Gemeindearbeit ab März 2020 von der Coronakrise schwer beeinträchtigt. Gottesdienste, Gemeindeversammlungen oder Taufen und vor allem auch Gemeinschaft, die für Gemeinden so wichtig ist, waren nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen möglich. So wurden in BEFG-Gemeinden nur 730 Menschen getauft, was einem Minus von 54,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. 762 Menschen wurden durch Zeugnis aufgenommen (- 39 Prozent). Auch die Zahl der anteilsmäßig kleineren Zugangsarten Wiederaufnahme (- 33,8 Prozent) und Aufnahme nicht gläubig Getaufter (- 48,3 Prozent) war rückläufig (siehe Tabelle).

„Durch die Pandemie mussten die Gemeinden von einem auf den nächsten Moment ihre komplette Arbeit ‚neu erfinden‘“, so BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba. „Während Gemeinden mit enormer Kreativität fast alles auf digital umstellten und gleichzeitig viel Energie in die Beziehungsarbeit steckten, war zwangläufig einiges nicht möglich. Man kann Menschen nicht digital taufen, und nicht wenige Mitglieder hatten Probleme, in der neuen Gemeindesituation innerlich anzukommen.“ So lasse sich beobachten, dass auch viele Abgänge mit Corona zusammenhingen: „Lange Zeiten ohne Präsenzgottesdienste haben mitunter Entfremdung verursacht oder beschleunigt und zu Austritten oder Streichungen geführt.“

Während die Zugänge 2020 um 47,1 Prozent unter dem Wert von 2019 lagen, blieben die Abgänge (+ 3,6 Prozent) etwa auf Vorjahresniveau. Leicht rückläufig war dabei die Zahl der Entlassungen in bekenntnisverwandte Gemeinden (- 14,7 Prozent). Einen kleinen Anstieg gab es bei Streichungen (+ 5,6 Prozent), Austritten (+ 8,1 Prozent) und Todesfällen (+ 3,8 Prozent).

 „Besonders beschäftigt uns die hohe Zahl der Austritte, die immerhin 41,8 Prozent aller Abgänge ausmachen und für 68 Prozent des Mitgliederrückgangs stehen“, so Generalsekretär Stiba. Ebenso auffällig sei eine recht hohe Zahl bei den Streichungen (18,8 Prozent aller Abgänge). Eine stichprobenartige Recherche in zehn Gemeinden mit auffällig hohen Zahlen hat einige Muster aufgezeigt und zugleich deutlich gemacht, dass die Gründe für Austritte und Streichungen meist sehr individuell mit der jeweiligen Gemeindesituation zusammenhängen. Am Anfang steht oft die aktive Prüfung des eigenen Mitgliederverzeichnisses durch die Gemeindeleitung. Im Fall einer großen Gemeinde, die dies 2020 zum ersten Mal seit Jahren tat, fiel auf, dass zahlreiche Mitglieder sich längst anderen Gemeinden angeschlossen hatten oder dem Gemeindeleben ferngeblieben waren. Eine zusammengenommen dreistellige Zahl an Austritten und Streichungen allein in dieser Gemeinde war die Folge. Überhaupt sind es oft Menschen, die sich schon lange aus der Gemeinde zurückgezogen haben, die gestrichen werden oder auf Nachfrage dann selbst austreten. Die Pandemie hat solche Entwicklungen oft nur beschleunigt: Menschen merkten in der gottesdienstfreien Zeit, dass sie auch ohne Gemeinde leben können. Andere fühlten sich in der kontaktarmen Zeit nicht ausreichend wahrgenommen und wendeten sich ab. Auch Stilfragen (etwa Wunsch nach mehr Liturgie) führten zum Wechsel in nichtbekenntnisverwandte Gemeinden, was in der Statistik als Austritt gezählt wird.

Zwei Gemeinden aus der Stichprobe berichteten, dass Corona auch für Streit sorgte. Dort traten Mitglieder aus, weil, so fasste es ein Gemeindeleiter zusammen, die Gemeinde Online-Gottesdienste einführte, statt sich über die staatlichen Vorgaben hinwegzusetzen und „in den Widerstand“ zu gehen. Streit war auch sonst manchmal der Grund für Austritte. Mal ging es um Macht-, mal um Sachfragen, mal entzündete sich an einer Leitungswahl eine Richtungskontroverse. Auch die theologische Ausrichtung führte in einzelnen Fällen zu Austritten: Manch einem war seine Gemeinde zu liberal, manch einem zu konservativ. In einem Fall traten aus derselben Gemeinde Menschen aus, weil ihnen deren Ausrichtung zu liberal bzw. zu konservativ war. Austritte ganzer Gemeinden aus dem Bund machen nur einen kleinen Teil der gesamten Austritte aus. 2020 war es eine Gemeinde, die austrat, weil sie mit der theologischen Ausrichtung des Bundes nicht übereinstimmte. Deren 113 Mitglieder stehen für 6,6 Prozent aller Austritte. Überhaupt haben der Austritt oder die altersbedingte Auflösung ganzer Gemeinden nur einen kleinen Anteil an der Mitgliederentwicklung des Bundes: 259 Abgänge (6,3 Prozent aller Abgänge) sind darauf insgesamt zurückzuführen.

In den Prozentzahlen zu den Ab- und Zugängen nicht mitgerechnet sind die Überweisungen: Als Wechsel eines Mitglieds von einer BEFG-Gemeinde in eine andere stellen diese eine ergebnisneutrale Position dar, eigentlich. Denn auch 2020 sind wieder Menschen überwiesen worden, ohne in der Zielgemeinde angekommen zu sein. Dadurch hat der BEFG im vergangenen Jahr 102 Mitglieder verloren.

„Es macht uns nachdenklich, dass auch 2020 wieder Menschen die Gemeinden verlassen haben“, so BEFG-Präsident Michael Noss. „Wenngleich wir als Leitung des Bundes wenig Einfluss auf die jeweils konkrete Gemeindearbeit vor Ort haben, nehmen wir Anteil, denn wir sind eine geistliche Bundesgemeinschaft.“ Es gebe keinen Grund zur Resignation: „Wir sind gemeinsam unterwegs, weil wir aus der Kraft der besten Botschaft leben und Jesus Christus den Menschen bezeugen.“ Mit seiner überregionalen Arbeit habe der BEFG ein klares Ziel: „Wir wollen die Gemeinden in ihrer Arbeit unterstützen. Wenn es vor Ort herausfordernde Situationen gibt, sind wir da.“ Im Namen des Präsidiums und der Bundesgeschäftsführung ermutigen Michael Noss und Christoph Stiba die Gemeinden, die Angebote zu nutzen, von der Gemeindeberatung in Krisenfällen über aktuelle Materialien wie in der Coronakrise bis hin zu allen inhaltlichen Angeboten wie Beratung, Fortbildungen oder Veranstaltungskonzepten. Zudem habe die Pandemie wieder gezeigt, wie wichtig Beziehungsarbeit sei: „Gerade Gemeinden mit vielen Kleingruppen haben weniger Mitglieder verloren. Wo wir in enger geistlicher Gemeinschaft miteinander unterwegs sind, bleiben wir beieinander.“

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