Sammlung von Newsfeeds

„Warum EBF – Verwurzelt in der Zukunft“

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

Vom 21. bis 24. September fand die jährliche Ratstagung der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF), einem Zusammenschluss von baptistischen Bünden aus Europa, Zentral Asien und dem Nahen Osten im lettischen Riga statt. Zeitgleich trafen sich auch die Verantwortlichen der baptistischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu ihrer jährlichen Konferenz CONNECT. Die Teilnehmenden beider Versammlungen tauschten sich in den Tagen zu dem Motto der Veranstaltungen „Warum EBF – Verwurzelt in der Zukunft“ aus.

Eröffnet wurde das Council mit einem Gottesdienst in der Matthew Church im Zentrum Rigas. Eine Gemeinde mit zeitgenössischem Lobpreis und einer ganzheitlichen Mission, wie sie auch der Bischof des Bundes der Baptistengemeinden Lettlands Kaspars Sterns in seiner Predigt über den Einzug in das gelobte Land betonte: „Auch wenn die Zeiten herausfordernd sind und die Probleme uns wie die Riesen erscheinen, von denen die Kundschafter dem Volk Israel erzählt haben, dürfen wir nicht flüchten oder sagen, wir haben keine Chance. Wir haben uns heute mit Gott der Situation zu stellen und den Namen des Herrn bekannt zu machen, verbunden mit einem Verständnis von Mission, das den ganzen Menschen in den Blick nimmt.“ Hier war die Nähe des Baltikums zu Russland und damit die ganz andere Betroffenheit der lettischen Baptisten durch die Invasion deutlich spürbar.

Das diesjährige EBF-Council war in mehrfacher Hinsicht eine „Prämiere“. Es war das erste Council unter der Leitung des neuen Generalsekretärs Alan Donaldson. Und zum ersten Mal trafen sich die Delegierten der EBF-Bünde mit den Verantwortlichen der EBF Kinder- und Jugendarbeit. Gemeinsam gingen sie an den Vormittagen an „Runden Tischen“ den Fragen des neuen Generalsekretärs nach. Nach den Bibelarbeiten, die sich an Micha 6,8 orientierten („handle gerecht“ – Donnerstag; „wandle demütig“ – Freitag; „Barmherzigkeit lieben“ – Samstag) gab es zunächst einen kurzen Input des Generalsekretärs und dann wurde miteinander gearbeitet.

Am ersten Tag ging der Blick zurück in die sehr spannende Geschichte der EBF. Es wurde deutlich, dass es den Gemeindebünden trotz politischer und nationaler Differenzen gelang, einander Hilfe und Unterstützung zu sein. Das reicht von der Gründung der EBF kurz nach dem zweiten Weltkrieg 1949 bis zum Invasionskrieg in der Ukraine durch Russland heute. Nach diesem Rückblick stellte der neue Generalsekretär die provokante Frage in den Raum: „Warum EBF?“, und dann tauschten sich die Teilnehmenden an den runden Tischen zu folgenden Fragen aus: „Was sind die die größten Ermutigungen, die ihr erfahrt? Was sind die größten Herausforderungen, denen ihr gegenübersteht? Wie handelt Gott gerade jetzt in Europa? Was benötigt dein Bund über die eigenen Ressourcen hinaus?

Die Ergebnisse dieser Austauschrunden waren die Grundlage für den nächsten Tag, an dem alle Teilnehmenden eine Stärken-Schwächen-Analyse der EBF an den „Runden Tischen“ durchführten. Als Stärken wurden vor allem ein hohes Maß an Zusammenarbeit, Freundschaft und gegenseitiger Unterstützung, auch durch die internationalen Partner der EBF, ausgemacht. Herausforderungen sind die Themen, die unausgesprochen wie Elefanten im Raum stehen. Hier handelt es sich einerseits um ethische Themen und andererseits um die vorhandene theologische Spannweite zwischen Ost und Welt. Deutlich wird das z.B. am Thema Rolle von Frauen in den Gemeinden. Unter anderem an diesem Thema arbeitet die EBF-Kommission „Theologie und Ausbildung“. Sie hat in den vergangenen Wochen das Projekt „Gemeinsam Dienen“ durchgeführt. Vertreterinnen und Vertreter der einzelnen Bünde waren per Zoom dazu eingeladen, einander zu erzählen, wie in dem jeweiligen Bund die Zusammenarbeit von Frauen und Männern in Gemeinde und Bund gelingt. Dass das Zoom-Meeting als „Hörereignis“ und nicht als Diskussionsrunde gestaltet war, zeigt schon, wie sensibel innerhalb der EBF mit polarisierenden Themen umgegangen wird.###3_IMAGES###Ein zentrales Thema des Councils waren die Hilfeleistungen durch die EBF und ihre Partner in der Ukraine. Durch die Struktur und das Personal der EBF, die ursprünglich keine Hilfsorganisation ist, war es schnell möglich, Hilfsgüter in die Ukraine und durch die ukrainischen Gemeinden der ukrainischen Bevölkerung zukommen zu lassen, ebenso auch durch die Gemeinden der umliegenden Länder, vor allem Polen und Rumänien.
___

Auf Englisch gibt es die Redewendung Absence makes the heart grow fonder, was so viel bedeutet wie Das Herz wächst, wenn man sich lange nicht sieht.  

Ich liebe dieses Sprichwort. Das Herz, das mit seinen Aufgaben wächst – vermissen, verpassen, aushalten von Verlust. Die Coronajahre haben unseren Herzen viel von alledem abgefordert und mussten, ob sie nun wollten oder nicht, an diesen Aufgaben wachsen.

So konnten auch wir uns, als diejenigen, die in der EBF mit dem Fokus auf Jugendliche und Kinder sich normalerweise jährlich zur CONNECT Konferenz treffen, schon seit Tallinn 2020 nicht mehr in die Arme schließen. Umso größer war die Freude, als jetzt über 30 Mitarbeitende der Kinder- und Jugendarbeit aus gut 20 verschiedenen Ländern sich in Riga zeitgleich mit dem Rest der EBF-Familie wieder versammeln konnten, um gemeinsam unterwegs zu sein, sich in die Augen zu schauen, auszutauschen und danach zu suchen, wie Gemeinde für junge Menschen relevant sein kann. Vier großartige Tage, in denen wir gemeinsam als EBF uns unserer eigenen Geschichte und auch unserer Zukunft zugewandt haben. Der Wert und das hohe Gut dieses Netzwerkes an Beziehungen und Unterstützung ist wohl momentan deutlicher denn je zuvor. Ein Netzwerk, das Hoffnung, Gebet, Solidarität und praktische Unterstützung verkörpert und lebt. Und dieses Netzwerk lebt, in dem wir immer wieder investieren, wenn wir uns, wie jetzt in Riga, sehen oder aber auch, wenn wir gemeinsam mit unseren ukrainischen Geschwistern danach Ausschau halten, wie wir ihnen dabei helfen können, Wiederaufbauarbeit zu leisten, wenn der Krieg vorbei ist. Mein Wunsch als Vorsitzende des EBF Youth an Children Committee  ist es, dass wir Gemeinden und Baptisten Bünde dabei unterstützen, Orte zu sein, an denen sich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zu Hause fühlen, wo sie den Raum bekommen Kirche so zu leben, das es sich für sie und all diejenigen, mit denen sie unterwegs sind, nach Leben in der Fülle anfühlt und Jesus immer mittendrin ist. 

Samantha Mail, Vorsitzende des EBF Youth and Children Committees
___

„Warum EBF – Verwurzelt in der Zukunft“: Dieses Council zeichnete sich durch eine hohe Partizipation der Teilnehmenden aus. Delegierte der Bünde und Verantwortliche ihrer Kinder- und Jugendarbeit haben gemeinsam aus der guten bisherigen Zusammenarbeit in der EBF heraus Hoffnung für die Arbeit in der Zukunft geschöpft. Hoffnung, dass Freundschaft und geschwisterliche Verbundenheit stärker sind als politische, nationalistische oder auch theologische Spannungen.

Was Alan Donaldson auch in seinem Bericht deutlich machte: „Durch das Handeln der EBF haben wir die Schönheit und das Potenzial der EBF-Familie angesichts böser Brutalität miterlebt. Ein Licht in der Dunkelheit. Hoffnung angesichts der Hoffnungslosigkeit.“

„Mission, Evangelisation, Transformation“

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

„Gott will Herzen und Verhältnisse ändern und uns dazu gebrauchen!“ Mit diesem Satz erklärte Dr. Tobias Künkler von der CVJM-Hochschule Kassel, was er mit dem Begriff „Transformation“ meint. Sieben Frauen und zwölf Männer, alle im Anfangsdienst als Pastor, Pastorin, Diakon oder Diakonin, waren zur Fortbildungswoche nach Elstal gekommen.

Thematisch stand die Woche unter der Überschrift „Mission, Evangelisation, Transformation“, und traf damit ein Kernanliegen und Herzensthema der Gemeinden im BEFG. Und so entwickelten sich angeregte Diskussionen im Lehrsaal, in Kleingruppen und darüber hinaus. Vier Tage in Elstal bieten für die Kolleginnen und Kollegen im Anfangsdienst auch Gelegenheit zum Wiedersehen und Erfahrungen teilen, zur „kollegialen Beratung“ und zum entspannten Zusammensein im Bistro am Abend.

Die vier Referenten gaben ihnen inspirierende Impulse mit: „Welcher Missions-Typ bist du?“ fragte Joachim Gnep, Leiter des Dienstbereichs Mission. Er stellte „Martyria“ (Verkündigung), „Diakonia“ (Dienst am Menschen), „Koinonia“ (Leben teilen) und „Leiturgia“ (Gottesdienst) als Dimensionen der Mission in den Raum. Die Teilnehmenden konnten sich in den vier Ecken des Raumes zu diesen Stichworten positionieren und über biblische Motive und praktische Herausforderungen ins Gespräch kommen. Stephan Panter, Pastor in Saarbrücken, forderte zu einem evangelistischen Lebensstil heraus und gab Ideen weiter, auf welche Weise die Einladung zum Glauben im Gottesdienst geschehen kann.

Dr. Fabian Vogt, Referent für Evangelisation und missionale Bildung bei „midi“ präsentierte eindrücklich, was wir von der Expo 2020 über die Inszenierung von Botschaften lernen können. Bei den „10 Geboten der Inszenierung“ geht es vor allem darum, die Sehnsüchte und Bedürfnisse der Menschen anzusprechen, und für sie die Gute Nachricht von Jesus erlebbar zu machen. Dabei spielen auch die Ästhetik unserer Räume, sowie die narrative, interaktive und überraschende Präsentation des Evangeliums eine wichtige Rolle.

Das Thema „Transformation“ entfaltete Tobias Künkler mit soziologischen und lernpsychologischen Hintergründen: Veränderung von Herzen und Verhältnissen geschieht durch Einübung von neuen Gewohnheiten und am besten in einer Kleingruppe. Einen halben Tag verbrachte die Gruppe dann mit einer Exkursion zu zwei Projekten in Berlin: „Refo Moabit“ hat die alte Reformationskirche mit neuem Leben gefüllt, getragen von einer Lebensgemeinschaft, offen für künstlerische und stadtteilorientierte Initiativen. „Projekt A+“ in Altglienicke versucht als Gemeindegründung im Kiez vor allem die religiös indifferente Nachbarschaft mit dem Glauben in Berührung zu bringen.

Beim Abschlussgottesdienst der Fortbildung predigte Prof. Dr. Michael Kißkalt, Rektor der Theologischen Hochschule Elstal, über die Verwundbarkeit des Missionars Paulus, der gerade an seinen persönlichen Grenzen und Schmerzen die Kraft Gottes erfahren hat. Mit einer gemeinsamen Mahlfeier und Segensgebeten wurden die Teilnehmenden dann an ihre Dienstorte zurückgesendet. Die nächste Fortbildung im Anfangsdienst ist für den 20. bis 24. Februar 2023 geplant, unter anderem mit der Schauspielerin und Rede-Trainerin Maria von Bismarck.

Verantwortlich glauben mitten in der Welt

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

Als ich als Jugendpastor vor 30 Jahren in einer Predigt dazu aufforderte, nicht nur in der Gemeinde Beziehungen zu pflegen, sondern sich Zeit zu nehmen für Freunde und Hobbys außerhalb der Gemeinde, sagte mir eine ältere Schwester, dass ich genau das Gegenteil von dem predige, was man ihr früher sagte: dass man als Christ mit der Welt und den Menschen dort nichts zu tun haben sollte.

Heute würde ich, aufgrund meiner Wahrnehmungen in den Gemeinden, wahrscheinlich den Akzent darauf legen, im Alltag sein Christsein nicht an den Haken zu hängen, sondern dort bewusst und gerne auch offensiv zu leben, in Wort und Tat. Dieser Abschnitt der Rechenschaft vom Glauben gibt wichtige Impulse, wie wir Glaube, Welt und Gesellschaft kritisch und konstruktiv zusammenbringen.

Unser christliches Leben ist mit Welt und Gesellschaft verbunden, denn als Christen sind und bleiben wir Menschen. Wir leben bewusst als Bürger in dieser Welt, nehmen ihre Schieflagen wahr, genießen aber doch auch ihre Schönheit und fügen uns hoffnungsvoll in das Beziehungsnetz unseres Alltags. Das widerspricht dem alten christlichen Denken, dass man als Christ möglichst wenig Bindungen in der Welt haben, sondern sich nur im geschützten „heiligen“ Raum der Gemeinde verwirklichen sollte. Das Evangelium ruft uns dazu auf, unser Leben als Christen in unserem Alltag zu gestalten (Röm 12,1-2). In der Gemeinde den frommen Christen zu spielen, während man im Alltag die Prinzipien des Evangeliums vernachlässigt, ist also ausgeschlossen. Am Ende des kirchlichen Gottesdienstes steht kein Punkt, als ob der Gottesdienst nun vorbei ist, sondern ein Doppelpunkt: Im Alltag geht der Gottesdienst nun weiter. Dieses Glaubenszeugnis geschieht durch die Gemeinde als Ganze – durch besondere Initiativen, die den Alltag der Menschen aufnehmen –, aber auch durch die einzelnen Glieder. Der lebendige Gott selbst befähigt und ermutigt uns Christen dazu durch seinen Geist. Das heißt, unser Leben im Alltag, unsere Freunde, unser berufliches Umfeld, unser Sein und Tun in der Familie, in Beruf und Freizeit, Schönes und Konflikte, sind Thema unseres Gebets, in Dank und Bitte. Aber Achtung: Auch wenn oder gerade weil wir uns von Herzen wünschen, dass das Evangelium unsere Welt prägt, widerstehen wir der Versuchung, unsere Überzeugungen vom rechten Leben und Glauben zum Gesetz für andere zu machen. Besonders in Gesellschaften, wo Christen in der Mehrheit sind, stehen sie in der Gefahr, ihre religiösen Prinzipien für alle verpflichtend zu machen. Demgegenüber wollen wir mit dem Evangelium nicht herrschen; Evangelium und Zwang stehen im Widerspruch zueinander. Aber als Gemeinde und als Einzelne sind wir zur Verantwortung des Glaubens bereit (1. Petr 3,15).

Aber zu unserem zeugnishaften Sein in der Welt gehört auch, dass wir die Liebe und Gerechtigkeit Gottes in Situationen von Ungerechtigkeit und Bosheit zur Sprache bringen und uns nicht „wegducken“. Wenn Menschen in unseren Gemeinden sich politisch für Gerechtigkeit engagieren, unterstützen und begleiten wir sie im Gebet und im Gespräch. Schön wäre es, wenn wir in der Gemeinde die Liebe Gottes und den Respekt voreinander leben würden und uns die Leute wegen der Atmosphäre der Barmherzigkeit, die unter uns lebt, die Türen einrennen. Aber da wir auch als Christenmenschen Anteil haben an Bosheit und Egoismus, die das Menschsein mitprägen, kommen wir diesem Ideal oft nicht nach. Da hilft es nicht, irgendwelchen Idealen von christlichen „Gutmenschen“ nachzutrauern. Als Christen wissen wir jedoch um die Kraft der Vergebung und können ein Vorbild darin sein, wie man mit Lieblosigkeit und Verletzungen im Geist der Vergebung umgeht (Röm 3,21-31).

Dass wir als Christen oft in der Minderheit sind, entmutigt uns nicht; schon Jesus hat von der „kleinen Herde“ gesprochen (Lk 12,32 – nicht in der RvG), die aber mit der Liebe Gottes im Herzen eine große Kraft hat. Dreimal wird in den biblischen Referenzen dieses Abschnitts der RvG auf den 1.Petrusbrief verwiesen, der adressiert ist an die „auserwählten Fremdlinge, die verstreut wohnen“ (1,1.3-12). Auch gegen den Wind leben wir unseren Glauben im Alltag. Indem wir die Menschen um uns herum respektieren und ihnen Gutes tun, dienen wir Gott, denn im Nächsten begegnet uns Gottes Ebenbild. „Wir sind Gottes Mitarbeiter“ (1. Kor 3,9): Als solche, die von Gott geliebt, begabt und berufen sind, bezeugen wir unseren Glauben mit Worten, in allen möglichen Alltagsbegegnungen und auch, indem wir uns Menschen solidarisch an die Seite stellen, die leiden und Unrecht erfahren. Den Nächsten zu lieben, ist kein Gefühl, sondern praktische Hilfeleistung (Mt 5,43-48). Überraschend finde ich hier die Nichterwähnung von 2. Kor 5,19-20 („So bitten wir nun an Christi Statt…: Lasst euch versöhnen mit Gott!“), weder als Bibelstelle am Rande noch begrifflich im Text.

Aber die Möglichkeit des Leidens wird erwähnt (1. Petr 4,12-19): Für viele Christen, die in religiös oder politisch totalitären Gesellschaften leben, bringt das Glaubenszeugnis Benachteiligung und Verfolgung mit sich. So weit ist es, Gott sei Dank, in Mitteleuropa derzeit nicht, aber doch müssen wir es in Kauf nehmen, wenn wir aufgrund des Verzichts auf Lügen und Ellenbogenpolitik bisweilen den Kürzeren ziehen.

Der Abschnitt ist eine wunderbare Einführung in das Kapitel II. Die Christen in der Welt. Das Anliegen der Mission wird hier deutlich, aber zurückhaltend, vielleicht zu zurückhaltend zum Ausdruck gebracht. Alles steht weiterhin unter der Überschrift „Teil 2: Das Leben unter der Gottesherrschaft“. Von daher werden nicht Ziele des Glaubenszeugnisses thematisiert: z.B. das Wachstum von Gemeinde, die Bekehrung verlorener Seelen oder eine gerechtere Gesellschaft, sondern die Haltung der Christen, die Ausprägung dieses Zeugnisses, das aus der Erfahrung der Gottesherrschaft entspringt: Wenn du ein von der Gottesherrschaft Getriebener bist, dann lebst und bezeugst du deinen Glauben im Alltag in dieser Welt.

Einladung zum Weiterdenken

1. Das wir in unserer Welt Zeugnis ablegen von unserem Glauben ist wohl unbestritten – aber inwiefern sollen wir dies passiv (antwortend) oder doch auch proaktiv (ansprechend) tun?

2. Inwiefern fördert oder hemmt das Geschehen in der Gemeinde unser christliches Zeugnis? Stimmt der Satz: „Erst müssen wir uns in der Gemeinde versöhnen, dann können wir missionieren!“?

3. „Das persönliche Christuszeugnis von Mensch zu Mensch“ oder die „Solidarität mit den leidenden Menschen“… In welchem Bereich sind wir stärker oder schwächer aktiv und warum?

Erschienen in: Die Gemeinde 20/2022, S.18-19.

Miteinander Gemeinde bauen

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

Zu Erntedank bittet der Bund um Kollekten und Spenden zur Förderung verschiedener Arbeiten, darunter um Spenden an das Bundesopfer für die allgemeine Arbeit des BEFG. Ein Spendenbrief dazu berichtet über Pastor Qorban Sultani von der EFG Hamburg-Altona, der in der Deutsch-Persischen Gemeindeentwicklung aktiv ist und im Pastoralen Integrations- und Ausbildungsprogramm des Bundes (PIAP) ausgebildet wurde.

Aufgewachsen ist Qorban in den Bergen Afghanistans, auf einem kleinen Bauernhof, wo er die vier Jahreszeiten und auch deren Bedeutung für die Ernte in ihrer Unterschiedlichkeit hautnah erlebt hat. „Gerade der Sommer war immer heikel. Entweder gab es so gut wie keinen Regen oder es war direkt Flut.“ Sorgen um die Ernte betreffen ihn jetzt zwar nicht mehr direkt. Das Klima hat sich jedoch auch in Deutschland stark verändert. Auch hierzulande sind die Ernten zusehends bedroht von Dürre oder Starkregen.

In der Spendenbitte des Bundes schreiben der Kaufmännische Geschäftsführer Volker Springer und Generalsekretär Christoph Stiba dazu: „Beim Betrachten des Gabentischs zu Erntedank merken wir: Viel weniger ist selbstverständlich. Wir blicken anders auf unser Essen, auf unsere Natur, die Bäume und Felder – und auch auf den sozialen Frieden und den Weltfrieden. Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir unsere Nächsten nicht aus den Augen verlieren, dass wir Gemeinschaft stärken und unseren Glauben sichtbar bezeugen! Das tun wir in unseren rund 800 Bundesgemeinden.“

Dabei sind Spenden und Kollekten zur Förderung der allgemeinen Arbeit elementar. Durch sie kann der Bund seine rund 800 Gemeinden auf vielfältige Weise in ihrem missionarischen und diakonischen Auftrag unterstützen. An der Theologischen Hochschule beispielsweise werden die Hauptamtlichen von Morgen ausgebildet. Die Akademie Elstal unterstützt die vielen Engagierten durch ein umfangreiches Fortbildungsangebot – darunter „Führen und Leiten“. Das Seminar gibt Gemeindeverantwortlichen wichtige Werkzeuge an die Hand, um mit Konflikten umzugehen und gemeinsame Ziele zu finden und umzusetzen. Und in Katastrophenfällen kann der BEFG über seine internationalen Partner schnell und zielgerichtet Hilfe leisten.

Außerdem fördert der Bund die Vielfalt und das internationale Miteinander in den Gemeinden – durch Programme wie PIAP, in dem auch Qorban ausgebildet wurde, und die Deutsch-Persische Gemeindeentwicklung, in der er aktiv ist. Das Netzwerk bietet allen Engagierten, die gemeinsam mit farsisprachigen Glaubensgeschwistern Gemeinde und Gesellschaft gestalten, Informationen, Impulse, Materialien, Austausch und Schulungen.

Qorbans Pastorenkollege in Hamburg-Altona, Carsten Hokema, erinnert sich: „Seit Jahren gehören Leute aus Afghanistan und dem Iran in unsere Gemeinde. Aber in den letzten zwei Jahren haben wir ordentlich Gas gegeben, was das Miteinander der unterschiedlichen Herkunftsleute angeht. Das verändert das Gemeindeleben. Es bereichert, es ist vielfältiger geworden.“

Zu der Deutsch-Persischen Gemeindeentwicklung und dem Miteinander der beiden Hamburger Pastoren Qorban Sultani und Carsten Hokema gibt es auch ein kurzes Video. Allen Gemeinden und Einzelpersonen, die durch Spenden und Kollekten die Arbeit des Bundes unterstützen, danken Christoph Stiba und Volker Springer herzlich.

Wachsendes freikirchliches Zeugnis des Glaubens

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

Vom 31. August bis zum 8. September fand in Karlsruhe die 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) statt. Insgesamt trafen sich 660 Delegierte und weitere 2.000 Teilnehmende aus aller Welt. Nachdem der BEFG in diesem Jahr einen Mitgliedsantrag beim ÖRK gestellt hat, war Dr. Carsten Claußen, Professor an der Theologischen Hochschule Elstal, als delegierter Beobachter zu der Konferenz eingeladen. Im Folgenden schildert er einige seiner Eindrücke.

Neun Tage voller bunter Gottesdienste mit Liedern in vielen Sprachen, inspirierenden Bibelarbeiten und Austausch in Kleingruppen, internationalen Begegnungen mit Brüdern und Schwestern vieler Konfessionen aus aller Welt und natürlich auch mit kontroversen Beratungen im Ringen um ein möglichst klares Zeugnis des Evangeliums in den Herausforderungen unserer Zeit – so ließe sich die Vollversammlung des ÖRK zusammenfassen. Oder auch mit dem Leitthema der Tagung: „Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt“. Denn genau diese Liebe Christi war immer wieder in den vielen Begegnungen und im gemeinsamen Feiern spürbar.###3_IMAGES###Erstmals überhaupt fand die Vollversammlung des ÖRK in Deutschland statt. So viele Christen und Christinnen verschiedener Konfessionen aus aller Welt treffen sich sonst nirgendwo wie bei dieser gewöhnlich alle acht Jahre stattfindenden Konferenz. Insgesamt verbindet der ÖRK über 580 Millionen Christinnen und Christen aus 352 Kirchen in mehr als 120 Ländern.

Innerhalb einer kleinen Talkshow, bei der auch BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba anwesend war, begrüßte Dr. Benjamin Simon im Auftrag des ÖRK drei von jenen Kirchen, die sich auf den Weg zur Mitgliedschaft gemacht haben. Neben dem BEFG waren eine reformierte Kirche aus Malawi und eine Pfingstkirche aus Liberia vertreten. Darin spiegelt sich eine deutliche Entwicklung der vergangenen Jahre, die der amtierende Generalsekretär des ÖRK, der rumänisch-orthodoxe Priester Prof. Dr. Ioan Sauca, mit folgenden Worten zum Ausdruck brachte:„Evangelikale und pfingstkirchliche Gläubige, die früher eine gewisse Distanz zum ÖRK wahrten, kommen nun näher, engagieren sich zusammen mit uns und gehen Partnerschaften ein, basierend auf den Werten des Gottesreiches und auf unserem Glaubenszeugnis. Es mag überraschen: Die meisten der in den vergangenen drei Jahren eingereichten Anträge auf Mitgliedschaft im ÖRK kamen von evangelikalen Kirchen und/oder Pfingstkirchen.“###3_IMAGES###Auch der Leiter der Weltweiten Evangelischen Allianz, Bischof Prof. Dr. Thomas Schirrmacher und der Vorsitzende des Pentecostal World Fellowship, Reverend Dr. William M. Wilson, brachten durch persönliche Grußworte die wachsende Verbundenheit mit dem ÖRK zum Ausdruck. So wird das Glaubenszeugnis des ÖRK gestärkt und durch die Stimme der Freikirchen etwas lauter und deutlicher.

Am Sonntag nahmen etwa dreißig Baptisten und Baptistinnen aus aller Welt am Gottesdienst der EFG Karlsruhe teil und wurden von Pastor Hans Kolthoff und den Gemeindegliedern herzlich willkommen geheißen. Die Predigt hielt die französische Theologin Dr. Valérie Duval-Poujol. Bei einem anschließenden Mittagsessen gab es reichlich Gelegenheit zum Austausch.###3_IMAGES###Was bleibt von der Vollversammlung des ÖRK? In den Dokumenten der Vollversammlung ist das Ringen um Versöhnung und Einheit deutlich wahrzunehmen. Hier finden sich unter anderem scharfe Worte gegen den russischen Krieg gegen die Ukraine, deutliche Worte der Hoffnung auf einen gerechten Frieden im Nahen Osten ebenso wie auf der koreanischen Halbinsel, das Drängen hin zu Taten gegen die weltweite Klimakrise, Statements gegen Rassismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit. Über all dem gilt, wie es in der Abschlussbotschaft heißt: „Wir sind aufgefordert, uns in der Liebe Gottes zu versöhnen und Zeugnis abzulegen für die Liebe, die in Christus offenbart wurde.“ Dieses Zeugnis können wir in Wort und Tat gemeinsam mit den Brüdern und Schwestern aus den vielen Mitgliedskirchen des ÖRK ablegen.

Versöhnt leben – Versöhnung stiften

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

Im Lied „Wie ein Fest nach langer Trauer“ von Jürgen Werth wird in poetischer Sprache die Versöhnung gefeiert. Wenn Gott und Mensch sich in den Armen liegen, wie der Verlorene Sohn bei der Heimkehr, dann freut sich die ganze Welt.

Im Refrain heißt es: „So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein. So ist Versöhnung, so ist vergeben und verzeih'n.“ Was in der Rechenschaft vom Glauben in theologischen Sätzen gesagt wird, muss im Alltag gelebt werden.

Dass die Versöhnung mit Gott zum Versöhnungshandeln befähigt, ist sicherlich ein herausragender Gedanke der RvG. Sie unterstreicht die soziale Dimension des Glaubens und geht über die auf den Einzelnen bezogenen evangelikalen und pietistischen Ansätze hinaus. Die Aufzählung der zu versöhnenden Gruppen –  „Verständigung zwischen den Generationen, sozialen und politischen Gruppen, Parteien, Klassen, Rassen und Völkern“ – erscheint aber doch zeitgebunden. So würden wir heute zum Beispiel nicht mehr von Rassen sprechen. Der Begriff soll sogar aus dem Grundgesetz getilgt werden, da er die Trennung der Menschheit erst konstruiert, die es dann zu überwinden gilt. Die Versöhnung der Rassen ist etwas anderes als die immer noch nötige Bekämpfung des Rassismus. Die Unterteilung der Menschheit entstammt nicht der Bibel, sondern ist Erbe der Kolonialgeschichte. Mit der Unterwerfung Amerikas und Afrikas war die Konstruktion von Rassen und deren unterschiedliche Qualitäten ein Mittel, um die Ausbeutung von Menschen zu begründen.

Ob es auch innerhalb baptistischer Gemeinden in Deutschland Rassismus gibt? Danach sollte man die Mitglieder fragen, die am ehesten rassistischem Verhalten ausgesetzt sind. In meiner Gemeinde, die eigentlich für ihre interkulturelle Vielfalt bekannt war, waren wir der Bitte einer Initiative Schwarzer Menschen in Nordhessen gefolgt. Wir haben eine Ausstellung zum Thema Rassismus in der Kirche gezeigt und schwarze Gemeindemitglieder wurden in einem Film ausführlich interviewt. Zwei der Interviewten bedankten sich bei mir mit Tränen in den Augen, dass sie endlich einmal danach gefragt wurden, wie sie sich fühlen.

Vom Klassengegensatz ist seit dem Ende des Sozialismus in Europa auch nicht mehr die Rede. Die Welt ist aber immer noch eingeteilt in Arme und Wohlhabende. Dass die Menschen am unteren Rand der ökonomischen Möglichkeiten schweigsam sind, heißt nicht, dass es nicht einen tiefen Graben gibt, der auch in der Gemeinde zu spüren ist, es sei denn, die Gemeinde hat sich auf eine einzige gesellschaftliche Schicht konzentriert und besteht nur noch aus Gleichen. Aber dann stellt sich die Frage, ob diese Gemeinde wirklich die Kirche Jesu ist, in der er mit Armen und Reichen zu Tisch sitzt. (Hier ist zum Beispiel an das Gleichnis vom Großen Abendmahl in Lukas 14,15-24 zu denken.)

Ein Lebensbereich, in dem zur Zeit heftige Gegensätze ausgetragen werden, ist die Respektierung unterschiedlicher geschlechtlicher Orientierungen. Die gab es natürlich auch schon bei der Formulierung der RvG, aber Fragen der Rechte von Homosexuellen waren – gerade in der Kirche – noch weitgehend mit einem Tabu belegt. Erst mit der gesellschaftlichen Emanzipation von Menschen mit individueller sexueller Orientierung, die weitgehend ohne Rückendeckung durch Christen erfolgte, stehen die Gemeinden vor der Frage, ob sie wirklich eine Kirche für alle sein wollen, wie es ihrer Berufung entspricht. Oder begnügt sich eine Gemeinde damit, nur für die Mehrheit der Gesellschaft offen zu sein.

Dass die RvG von Grundfreiheiten und nicht von Grundrechten spricht, klingt auf den ersten Blick charmant. Die Formulierung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Freiheit sich auch in Rechten wiederfinden muss. In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 heißt es: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Damit wird ein Wunsch formuliert, der in der Wirklichkeit bis heute mit Füßen getreten wird. 40,2 Millionen Menschen leben in Sklaverei, darunter 71 Prozent Frauen und Mädchen und 10 Millionen Kinder. Eine Sklavin kann man für 80 Euro kaufen. Die Organisation International Justice Mission berichtet, wie viele Produkte in unseren Supermarktregalen und Online-Shops unter Umständen von Sklaven produziert werden und wie man verhindern kann, Sklavenarbeit zu unterstützen.

Dass die Glaubens- und Gewissensfreiheit ausdrücklich erwähnt werden, ist Teil des baptistischen Erbes. Die individuelle Freiheit, seinen Glauben zu wählen, einer Religion anzugehören und sie auch wechseln zu können, ist ein wesentliches Grundrecht. Niemand darf über das persönliche Gewissen eines Menschen Macht ausüben. Ein Volkslied weiß das schon seit langem: „Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten? Sie rauschen vorbei wie nächtliche Schatten. Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger sie schießen. Es bleibet dabei: Die Gedanken sind frei.“ Aber was ist, wenn sich diese Gedanken in konkreten Taten äußern wollen, wenn man sie weitergeben will oder auch bestimmte Handlungen unterlassen möchte? Dann kommen auch die anderen Menschenrechte ins Spiel, wie das Recht auf Versammlungsfreiheit, auf körperliche Unversehrtheit und auf Meinungsfreiheit. Die Menschenrechte verstehen sich nicht von selbst. So hat die Islamische Liga in ihrer Kairoer Erklärung der Menschenrechte, gerade die individuellen Rechte eingeschränkt und die kollektiven betont. Hier ist politische Wachsamkeit nötig, um das Recht jedes Menschen, seinen Glauben wählen und leben zu können, zu wahren. Dazu gehört auch die Freiheit, überhaupt nicht zu glauben.

Die RvG fordert uns mit diesem Absatz heraus, in unbekanntem Terrain Wege der Versöhnung zu suchen. Es wird Streit geben, welche Wege die richtigen sind, weil es keine vorgefertigten Antworten gibt. Aber der Streit ist notwendig, um Gottes und der Menschen willen.

Einladung zum Weiterdenken

1. Die Debatte um das neue Selbstbestimmungsgesetz, durch das Menschen leichter ihre Geschlechtszugehörigkeit ändern können, macht manche besorgt. Die eindeutige Zuordnung zu einem Geschlecht sei doch schon von Anfang an vorgegeben. Was bedeutet es dann aber, wenn ein – wenn auch geringer – Teil der Menschen nicht so eindeutig als Mann oder Frau identifiziert werden können. Sollen andere über deren Geschlecht entscheiden oder sie selbst?

2. Einige schlagen vor, in der Gemeinde für einen Gebetstag für die verfolgten Christen zu veranstalten. Jemand möchte, dass statt dessen für alle gebetet werden soll, die um ihres Glaubens (oder Unglaubens) willen verfolgt werden. Wie stehst Du zu dem Vorschlag?

Erschienen in: Die Gemeinde 19/2022, S.14-15.

Wanderausstellung zum Täufergedenken

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

Die Wanderausstellung zum Täufergedenken ist fertiggestellt. Auf acht Roll-ups werden Informationen zur Geschichte der Täufer vermittelt und jedes „gewagt!“-Jahresthema anhand von zwei Biografien vertieft. Fragen zu den Jahresthemen laden zur Reflexion und Diskussion ein. Eingesetzt werden kann die Ausstellung bei Gemeinde-Events, ökumenischen oder kommunalen Veranstaltungen, bei Tagungen oder Großverstanstaltungen.

Zum ersten Mal wurde die Ausstellung bei der 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen in Karlsruhe gezeigt.
 
Die Roll-ups können ausgeliehen oder gekauft werden. Es gibt eine deutsche und eine englische Version.

Das Täufergedenken, das im Jahr 2025 begangen wird, erinnert an den täuferischen Zweig der Reformation im 16. Jahrhundert, auf den sich eine Reihe von Kirchen und Freikirchen weltweit berufen. Viele Christen und Christinnen wollten als mündige Menschen gemeinsam und konsequent ein an biblischen Maßstäben orientiertes Leben führen; insbesondere die Bergpredigt mit ihrem Aufruf zu Nächstenliebe und Gewaltverzicht bot Orientierung.

Raus aus der Komfortzone

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

Der Verein Andere Zeiten e.V. fördert kreative Projekte von Gemeinden und Gruppen und verleiht einen Missionspreis, dieses Jahr zum Thema „Raus aus der Komfortzone: Wie gelingen Begegnungen mit Kirchen- und Glaubensfernen?“

Viele Menschen, auch in Gemeinden des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG), kennen den ökumenischen Verein Andere Zeiten e.V. in Hamburg. Der Verein hat das weit gefasste missionarische Ziel, Menschen in Verbindung zu Glauben und Kirche zu bringen, unter anderem durch Materialien und Initiativen zum Kirchenjahr.

Besonders bekannt wurde „Andere Zeiten“ mit dem Kalender „Der andere Advent“, der seit 25 Jahren erscheint, im letzten Jahr mit 710.000 verkauften Exemplaren. Mit den daraus erzielten Erlösen fördert der Verein fortlaufend Projekte von Gemeinden und Gruppen, die die Menschen in ihrer Sehnsucht nach Sinn und Spiritualität abholen und kreativ zum Glauben einladen. „Förderanträge können mit einer Projektbeschreibung und einem Kostenplan jederzeit gestellt werden und werden großzügig und wohlwollend vom Vereinsvorstand behandelt“, so Pastorin i.R. Andrea Schneider. Sie berichtet, dass einige BEFG-Gemeinden bereits von „Andere Zeiten“ eine Förderung erhalten haben, was ihrem Projekt maßgeblichen Schub gegeben hat. Aus den geförderten Projekten wählt der „Andere Zeiten“-Vorstand jedes Jahr besonders innovative Projekte als Kandidaten für den jährlich von „Andere Zeiten“ vergebenen Missionspreis aus. Aber auch unabhängig von einer Vorstandsempfehlung können sich Gemeinden und Initiativgruppen um den Missionspreis bewerben.

Andrea Schneider, Vertreterin der Freikirchen in der Jury des Missionspreises, macht Mut, sich sowohl um eine Förderung als auch um den Missionspreis zu bewerben: „Es lohnt sich.“ So wurde zum Beispiel schon 2008 das von Carsten Hokema initiierte Projekt „ewig.kite“ entscheidend gefördert. Im Jahr 2020 gewann zusätzlich zu einer fünfstelligen Fördersumme das Projekt des Eisenbahnwaggon-Cafés der EFG Elstal den 1. Andere Zeiten-Missionspreis. Nach Ende der Corona-Beschränkungen konnte dieser Preis im Mai 2022 bei einem Missionspreisfest in Kassel feierlich gewürdigt werden.

Der Missionspreis hat jedes Jahr ein Rahmenthema. Für das Jahr 2023 lautet es: „Raus aus der Komfortzone: Wie gelingen Begegnungen mit Kirchen- und Glaubensfernen?“ Andrea Schneider hofft, dass es zu diesem Thema viele Projekte in BEFG-Gemeinden gibt, und freut sich auf entsprechende Bewerbungen.

Einsendeschluss dafür ist der 31.Dezember. Weitere Informationen zur Förderung und zum Missionspreis finden sich unter www.anderezeiten.de.

Besuch der Ausstellung „Hey – Hamburg, kennst Du Duala Manga Bell?“

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

„Hey Hamburg, kennst Du Duala Manga Bell?“ heißt die Ausstellung im „MARKK – Museum am Rothenbaum“ in Hamburg. Darin geht es um die Lebensgeschichte der kamerunischen Königsfamilie und deren friedlichen Widerstand gegen die Gier der Kolonialherren. Friedemann Gillert von der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Eberswalde hat eine Einführung in die Ausstellung aus baptistischer Sicht erarbeitet. Gemeinsam mit jungen Christen und Christinnen verschiedener ethnischer Herkunft vom Projekt Triple C hat er die Hamburger Ausstellung besucht und die Geschichte der kamerunischen Prinzessin Maria Mandessi Bell erzählt.

Fast jedes deutsche Gymnasium wirbt damit, dass Austauschschüler unterrichtet werden, schließlich verschafft der Kontakt mit fremden Kulturen eine neue Weltsicht.

Dass Reisen bildet, wussten auch unsere Vorfahren und so sorgten finanziell unabhängige Eltern auch im vergangenen Jahrhundert dafür, dass ihre Sprösslinge im Ausland neue Erfahrungen sammeln konnten.
Was haben wohl die Eltern der kamerunischen Prinzessin Maria Mandessi Bell geplant, als sie ihre Tochter im Jahr 1911 aus der Kolonie Kamerun nach Deutschland reisen ließen? Das Elternhaus der Familie glich, wie alte Fotos beweisen, so manch gutbürgerlichem deutschen Haushalt im Kaiserreich. Schwere Gründerzeit-Möbel, Teppiche, Silbergeschirr, … all das umgab die junge Maria in ihren Kinderjahren. Es muss für die junge Prinzessin aus der alten afrikanischen Duala-Familie bescheiden gewirkt haben, als sie in das deutsche Kaiserreich kam und bei eher ärmlichen Pastorenfamilien freundlich aufgenommen wurde. Sie wurde Mitglied in den Baptistengemeinden Wolfsdorf, Eberswalde und Berlin.

Überall bestaunte man das schwarze, dichte Haar, die wunderschöne dunkle Haut der jungen Frau. Maria versprühte Charme und Liebreiz. Trotz ihrer Jugend, Maria war erst fünfzehn Jahre alt, war sie mit einem gebildeten jungen Mann der afrikanischen Oberschicht (Adolf Ngoso Din) verlobt.

Zwischen den jungen Leuten muss es eine tiefe Zuneigung gegeben haben. Maria war durchaus mit der Verlobung einverstanden. Ihrer Zukunft als Ehefrau eines vermögenden Mannes schien nichts im Weg zu stehen.

Bis hierhin ist der Lebenslauf des jungen Paares durchaus wenig spektakulär, doch die große Politik mischt sich in das Leben dieser sympathischen Frau dramatisch ein.

Deutschland nennt sich „Schutzmacht“, vertritt aber nur eigene koloniale Ziele. Die Konflikte der unterschiedlichen europäischen Länder eskalieren, der erste Weltkrieg steht unmittelbar bevor.
Inmitten dieser Kriegstreiberei versucht ihr Verlobter, als Abgesandter des Königs, Gehör beim deutschen Kaiser zu finden. Er findet Unterstützung durch Reichstagsabgeordnete und Anwälte.

All diese Dinge erzählte ich einer christlichen Jugendgruppe, die die Ausstellung „Hey Hamburg, kennst Du Duala Manga Bell?“ besuchte. Junge Menschen, die annehmen, dass unschuldige Menschen weder im Gefängnis landen dürfen, noch dass Ihnen Schaden an Leib und Leben zugeführt werden darf. Erschüttert vernehmen die jungen Leute, wie Maria miterlebt, dass in ihrem netten Gastland ihr Verlobter inhaftiert und später unter dem Vorwand des Hochverrates sogar zum Tode verurteilt wird. Er vertraute, wie der König in Kamerun, darauf, dass der deutsche Kaiser ein christlicher Herrscher sei und deutsches Recht gilt. Maria erlebt kurz nach Ausbruch des ersten Weltkrieges ihre erste schwere Lebenskrise: Ihr Verlobter wird ein Opfer deutscher Kolonialpolitik.

Unfassbar, dass Maria nicht ihren unerschütterlichen Glauben an einen liebenden Gott verliert. Sie verurteilt nicht ihre deutschen Freunde, denen sie auch nach dem Krieg im Glauben tief verbunden bleibt.
Diese starke Frau reift an ihren Schicksalsschlägen. Sie lebte in Kamerun, im Senegal und in Frankreich, wo sie schließlich ihre Kinder alleine in Paris erzieht und als Netzwerkerin im Universitätsviertel Quartier Latin für alle afrikanischen und karibischen Studenten Ansprechpartnerin wird. Die antikoloniale Bewegung der Negritude hatte dort und im Verlag ihrer Tochter ein Hauptzentrum.

Junge Menschen in Deutschland und in Kamerun brauchen Vorbilder im Glauben, im Vertrauen und in der Standhaftigkeit gegenüber jeder Willkürherrschaft. Zwei Jahrzehnte nach ihrem Tod habe ich von Maria Mandessi Bell gehört, die von 1912 bis 1914 zu meiner Gemeinde gehörte. Sie beeindruckt mich bis heute immer wieder. Ich habe das Gefühl, dass dies nicht nur mir so geht, sondern auch manchem Besucher der Ausstellung.

Connected: Stand des BEFG bei #LK22

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

Passend zum Thema der Konferenz „Connected“ (verbunden) nutzte der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) seinen Stand beim Willow Creek Leitungskongress #LK22 Ende August in Leipzig, um sich zu vernetzen. Vertreterinnen und Vertreter der Theologischen Hochschule Elstal und der Akademie Elstal stellten die Bildungsarbeit des Bundes vor.

Vom 25. bis 27. August kamen bei dem Kongress 4.650 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Messe Leipzig und an acht Übertragungsorten zusammen. Redner und Rednerinnen wie der Theologe Prof. Dr. Michael Herbst, die US-amerikanische Neurowissenschaftlerin Prof. Tali Sharot, der Gemeindegründer Renke Bohlen, die Theologin Daniela Mailänder oder der Gründer der „International Justice Mission“ Gary Haugen gaben zahlreiche praxisnahe und ermutigende Impulse, wie Leiterinnen und Leiter Herausforderungen bewältigen und Gemeinde bauen können. Wege zu finden, um nach den Umbrüchen durch die Corona-Pandemie wieder mit Menschen in Verbindung zu kommen – dieses Motiv zog sich wie einer roter Faden durch die Tage. Jan Primke vom BEFG-Arbeitskreis Musik und Gemeinde war Teil der Band, die in jeder Session einen mitreißenden Lobpreis gestaltete.

„Die Suche nach dem Aufbruch: Wie kann es in diesen unsicheren Zeiten vorangehen?“ Diese Frage zog sich für Daniel Mohr, den Leiter der Akademie Elstal, durch den Leitungskongress und auch durch viele Gespräche am Stand des BEFG: „Darin ging es um die Suche nach dem passenden Studienplatz, die Weiterbildung von Gemeindeleitungen und den Umgang mit ganz unterschiedlichen Gemeindesituationen – oft herausfordernd, aber auch mit viel Freude und einem guten Kaffee.“ Gesine Möller, Studentin an der Theologischen Hochschule Elstal, führte anregende Gespräche zu den Bildungsangeboten. So sei eine Person über die Möglichkeit begeistert gewesen, dass auch in der zweiten Lebenshälfte ein Theologiestudium möglich ist und eine Perspektive bietet. Und auch die „Möglichkeiten der Schulungen durch die Akademie“ seien auf positive Resonanz gestoßen.###3_IMAGES###Neben Gesprächen über die Angebote des BEFG und seiner Bildungseinrichtungen fand auch viel inhaltlicher Austausch statt. So waren für Agathe Dziuk, Referentin für Diakonie und Gesellschaft an der Akademie, „die Gespräche eine gute Möglichkeit, ein Stimmungsbild bezüglich der Fragen und Bedürfnisse unserer Ortsgemeinden – nicht nur auf meinen Arbeitsschwerpunkt bezogen – einzufangen“.

Für Prof. Dr. Oliver Pilnei von der Theologischen Hochschule war es nicht nur „sehr schön, etliche Elstaler Absolventinnen und Absolventen zu treffen und sich auszutauschen.“ Ebenso sei die Vernetzung mit Vertretern von Hochschulen, die nicht im eigenen Netzwerk sind, für ihn „erhellend und hilfreich“ gewesen.

Auch für BEFG-Generalsekretär und „Willow Creek Deutschland“-Vorstandsmitglied Christoph Stiba ist die überkonfessionelle Vernetzung ein großer Mehrwert der Leitungskongresse. „Bei Willow geht es darum, sich mit Christinnen und Christen verschiedener Konfessionen zu vernetzen, um neue Impulse für die Mitarbeit und die Leitung in Kirche und Gemeinde zu suchen und zu teilen.“

Auf der Seite von „Willow Creek Deutschland“ lassen sich die Impulse des #LK22 in mehreren Berichten nachlesen.

"Das ‚innere Haus‘ der Menschen muss wieder aufgebaut werden“

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

„Diese Flut hat nicht nur die Immobilien erschüttert, sondern auch unsere Seelen“, so die Worte einer Wirtin aus dem Ort Ahrweiler zu Udo Hermann, der vom 12. bis 14. August das Ahrtal besuchte. Bei seinem Aufenthalt konnte sich das Mitglied des Lenkungsausschusses der Fluthilfe und der Geschäftsführung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) ein Bild von der Situation der Menschen vor Ort machen und den Fluthilfe-Seelsorger Klaus Haubold in seinem Wirkungsfeld erleben.

„Über ein Jahr nach der Flut geht es zwar immer noch um die Wiederherstellung der zerstörten Gebäude, vor allem aber geht es darum, dass ‚das innere Haus‘ der betroffenen Menschen wiederaufgebaut wird.“ Dieses Fazit zieht Udo Hermann nach seinen Gesprächen mit den Menschen in Bad Neuenahr-Ahrweiler, Schuld, Dernau, Altenburg und Altenahr.

„Es war sehr bewegend, sich die Geschichten der Leute von der Flutnacht anzuhören. Viele haben noch die Schreie im Ohr, die sie in jener Nacht gehört haben, ohne helfen zu können“, berichtet er. „Ein Ehepaar erzählte mir, dass der Mann zu Beginn der Überflutung das Haus verließ, um anderen zu helfen. Er kam dann nicht mehr ins Haus zurück und rettete sich zu einer Kirche, die auf einer Anhöhe stand. Von dort aus konnte er sein Haus sehen, bei dem das Wasser immer höher stieg. Da auch das Handynetz zusammengebrochen war, war es ihm nicht möglich, mit seiner Frau Kontakt aufzunehmen. ‚Ich wusste nicht, ob sie noch am Leben war‘, schilderte er die bangen Stunden, die er durchlebte. Die Frau hatte sich ins Obergeschoss gerettet. Weit entfernt von der Küche mit den Messern. ‚Ich hatte solche Angst vor dem Wasser, ich weiß nicht, ob ich mir sonst mit einem Messer das Leben genommen‘, sagte sie mir.“ Ebenso erschütternd für Udo Hermann war die Nachricht, dass sich erst kürzlich zwei junge Ersthelfer das Leben genommen haben. „Ob die Traumata der Flutnacht dafür ursächlich sind weiß niemand. Aber so wird es im Ahrtal erzählt und gedeutet. Was aber fest steht: Die Folgen der traumatischen Erlebnisse sind noch gar nicht abzusehen.“###3_IMAGES###Um der seelischen Not dieser und anderer Menschen zu begegnen, wird Pastor Klaus Haubold am 1. September als Beauftragter für pastorale Seelsorge gemeinsam vom BEFG und von Bund Freier evangelischer Gemeinden (Bund FeG) angestellt. Der Vertrag des gemeinsamen Fluthilfe-Koordinators, Ralf Beyer, läuft noch in diesem Jahr aus. Die Seelsorgetätigkeit im Ahrtal übt Klaus Haubold schon länger aus. Sein Wohnhaus war ebenfalls von den Wassermassen überschwemmt worden. Mit einem vollgelaufenen Keller kam er im Vergleich zu anderen Flutopfern jedoch noch glimpflich davon. „Die grausamen Leidgeschichten, die ich im Laufe der Zeit gehört habe, werde ich wohl nie wieder vergessen“, meint er.

Für die Menschen vor Ort, so sagt er, sei es wichtig, dass sie jemanden zum Reden haben und professionelle Hilfe erfahren. Dabei greift er auf ein Netzwerk von Seelsorgerinnen und Seelsorgern aus beiden freikirchlichen Gemeindebünden zurück. Dieses Netzwerk leistet wertvolle Arbeit für die von den Folgen der Flut Betroffenen – nicht nur im Ahrtal. Der Fluthilfefonds von BEFG und dem Bund FeG unterstützt diese wichtige Hilfe mit Kostenübernahmen, wo sie nötig sind.

Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Hoffnungswerk e.V. sind schon seit den ersten Tagen nach der Flut für die Betroffenen da. Der Verein wurde nach der Flutkatastrophe gegründet, um Menschen in Not zu unterstützen. Nach der praktischen Hilfe am Anfang stehen jetzt Begegnungen und Gespräche im Mittelpunkt des Engagements. Zwei Café-Busse, ein Kids-Bus, ein Begegnungsort in Ahrweiler und bald ein Begegnungsort in Altenahr helfen dabei und auch eine Traumapädagogin ist vor Ort. Das eine oder andere Projekt des Hoffnungswerks wurde schon mit Geldern aus den Fluthilfefonds unterstützt. Nun soll die Stelle von Klaus Haubold mitfinanziert werden, dessen positive Akzeptanz in der Dorfgemeinschaft bei diesem Besuch deutlich wurde. So berichtet Udo Hermann: „Klaus Haubold kennt wirklich jeden. Als wir mit dem Auto fuhren, hielt er zweimal an, um jemanden zu begrüßen. Als wir durch die Straßen liefen, winkte er hier, grüßte dort und kannte alle, die wir trafen, mit Namen. Ganz oft blieben wir auch stehen, er stellte mich vor und ich konnte mich mit den Leuten unterhalten.“ Diese hätten ihn umstandslos in ihre frisch renovierten Häuser eingeladen und offen von dem erzählt, worunter sie immer noch leiden: „Die Menschen im Ahrtal freuen sich über jeden der kommt und dieses wunderbare Stückchen Erde besucht. Es ist für sie eine starke moralische und auch finanzielle Unterstützung in ihrem Bemühen ihre Heimat wiederaufzubauen. Sie freuen sich über ehrliches Interesse und sind nur zu gerne bereit zu erzählen.“###3_IMAGES###Zur Arbeit von Leuten wie Klaus Haubold und den Engagierten vom Hoffnungswerk sagen sie anerkennend: „Ihr seid gekommen, Ihr habt geholfen und vor allem: Ihr bleibt“ - Sätze wie diesen hören die Helferinnen und Helfer immer wieder und sind dafür dankbar.

Viel Grund zur Dankbarkeit gab es auch beim Abschluss des Besuches von Udo Hermann. Gemeinsam mit der Baptisten-Kirche Dormagen feierte er ein Jahr nach der Flut den Wiedereinzug in das Gemeindezentrum, dessen Sanierung mit Geldern aus dem BEFG-Fluthilfefonds unterstützt worden war. Gleichzeitig wurde im Gottesdienst auch der langjährige Gemeindepastor Roger Bahr verabschiedet. So stand dieser Tag unter Überschrift „Neubeginn und Aufbruch“. „Da wurde viel Segensreiches und Gutes deutlich und es war wirklich spürbar, dass Gott auch durch Krisenzeiten trägt“, sagte Udo Hermann. „Den Menschen im Ahrtal und in anderen Gegenden, die von der Flut getroffen wurden, wünsche ich von Herzen, dass sie diese Erfahrung auch machen können.“

„I have a dream“

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

Er war ein Hoffnungsträger für Millionen, ein unerschrockener Aktivist gegen Rassismus und ein begnadeter Prediger: Mit seiner legendären „I have a dream“-Rede am 28. August 1963 – vor 59 Jahren – führte der Baptistenpastor Martin Luther King seinen Zuhörerinnen und Zuhörern in Washington ein Amerika vor Augen, in dem Schwarze und Weiße wie Brüder und Schwestern gleichberechtigt miteinander leben.

Dieser mutmachende Appell zum gesellschaftlichen Zusammenhalt ist bis heute aktuell – gerade in Krisenzeiten wie diesen: 10.000 Sängerinnen und Sänger des Chormusicals Martin Luther King tragen den Geist von „I have a dream“ in den kommenden Monaten in Konzerthallen in zwölf Städte im deutschsprachigen Europa.

Vieles haben Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler in den letzten Jahrzehnten im Kampf gegen Diskriminierungen aller Art erreicht. Doch zeigen zum Beispiel gezielte Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA und rassistische Vorfälle im Alltag auch bei uns, wie viel noch zu tun bleibt. Das Plädoyer des Friedensnobelpreisträgers King für Mut und Zivilcourage ist also keineswegs angestaubt und überholt: Er hat Menschen motiviert, sich auf den Weg zueinander zu machen, sich für eine bessere Gesellschaft zu engagieren – gemeinsam mit vielen Gleichgesinnten, ohne Gewalt, überzeugt von der guten Sache.

Der US-Pastor zeigte damals den Menschen, dass jede und jeder etwas bewegen kann. Entscheidend dabei ist, sich für eine Sache nicht allein, sondern mit anderen zusammen einzusetzen. Gemeinsam statt allein: Ein solcher Zusammenhalt untereinander wird dringend benötigt, auch in Deutschland und Europa in der aktuellen Zeit. Zusammenhalten, gemeinsam Handeln – dafür stehen und davon singen auch die Chöre und das Musicalensemble des King-Musicals.

Das Herzstück einer jeden Aufführung ist der „Mega-Chor“, bestehend aus Laien-Sängerinnen und -sängern, die bei eigenen und gemeinsamen Proben die 22 mitreißenden Lieder des Stückes einüben. Mitsingen kann jede und jeder, unabhängig von einer Mitgliedschaft in Chor oder Kirche. Die jüngste Sängerin ist 7 Jahre alt, der älteste 91 Jahre alt. Am Tag der Aufführung vereinen sich die Stimmen des zwischen 500 und 1.300 Personen starken Chores zusammen mit den Musicalprofis zu einem eindrucksvollen Klangerlebnis. Insgesamt sind es 10.000 Aktive.

Die Botschaft von Pastor King von der Gleichberechtigung aller Menschen ist eine konkrete politische Utopie, nach der bis heute viele streben. Sie hat Ernst und Tiefe – und wird im Chormusical doch spannend, unterhaltsam und gefühlvoll in einer imposanten und einzigartigen Bühnenshow präsentiert.

Bei den bisher 20 Aufführungen in den Jahren 2019 und 2020 begeisterten 16.000 Sängerinnen und Sänger weit über 61.000 Zuschauende.

Das Engagement des Projektes für Verständigung und Menschenrechte wurde durch das Bündnis für Demokratie und Toleranz (BfDT) gewürdigt. Verliehen durch die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ist das Chormusical Preisträger des Wettbewerbes „Aktiv für Demokratie und Toleranz“. Der BEFG ist Kooperationspartner des King-Musicals.

Unterwegs auf den Spuren der Täufer des 16. Jahrhunderts

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

Eine 20köpfige Gruppe aus Mennoniten und Baptisten hat sich im August 2022 auf den Weg gemacht, um mehr über die Täufer des 16. Jahrhunderts zu „erfahren“ – überwiegend mit dem Fahrrad, aber auch zu Fuß oder mit dem Bus. Dabei standen die Biographien unterschiedlicher Täufer und Täuferinnen im Mittelpunkt, die die erstaunliche Vielfalt des mitteldeutschen Täufertums repräsentieren. Eingeladen hatte der Mennonitische Geschichtsverein, der zusammen mit anderen Akteuren die Erinnerung an die Täuferbewegung der Reformation wachhalten und pflegen will – gerade auch im Hinblick auf die erste Glaubenstaufe, die sich im Jahr 2025 zum 500. Mal jährt.

In Eisenach lernte die Gruppe Fritz Erbe kennen, einen Täufer, der zwischen 1533 und 1548 im Storchenturm und auf der Wartburg gefangen gehalten wurde. Der Grund: Er hatte sein Kind nicht zur Taufe gebracht. Nächste Station des Radpilgerwegs war Reinhardsbrunn bei Gotha, wo 1530 sechs Frauen und Männer hingerichtet worden waren. Sie waren die ersten Täufer, die unter einer lutherischen Regierung umgebracht wurden. Besonders berührte das Schicksal von Barbara Unger, die nach ihrer Taufe zusammen mit ihrem Mann untertauchte, um sich dem Zugriff der Behörden zu entziehen, und ihre vier Kinder zurückließ. Am Spirituellen Zentrum in Reinhardsbrunn empfing Pfarrer Christfried Bölter die Pilger und berichtete von den Plänen, am Hinrichtungsort, dem Igelsteich, einen Gedenkort zu schaffen. Die Gruppe wanderte von Reinhardsbrunn zum Igelsteich und legte dort Steine mit den Namen der Hingerichteten ab.

In Erfurt setzte sich die Radpilgergruppe mit den apokalyptischen und mystischen Strömungen des mitteldeutschen Täufertums auseinander, hatte doch in Erfurt 1527 eine Gruppe um den Kürschner Hans Römer versucht, die Herrschaft in der Stadt durch einen gewaltsamen Umsturz an sich zu reißen.

Von Erfurt aus unternahm die Gruppe einen Ausflug ins Saaletal. Dort besuchte sie das Karlstadt-Museum in Orlamünde, das an den Reformator Andreas Bodenstein von Karlstadt erinnert. Er gilt als einer der „Väter“ des Täufertums im Saaletal südlich von Jena. Nächste Station war Kleineutersdorf, wo an Hans Peißker erinnert wird, in dessen Mühle täuferische Versammlungen stattfanden. Im November 1535 wurde dort eine 16köpfige Täufergruppe verhaftet und von Philipp Melanchthon verhört. Die Pilgergruppe ließ sich auf der Leuchtenburg die Verliese zeigen, in denen die Täufer gefangen gehalten wurden. Drei Männer aus dieser Gruppe, nämlich Hans Peißker, Jobst Möller und Heinz Kraut, wurden 1536 am Ufer der Saale bei Jena hingerichtet. Und auch dort wurden Steine mit den Namen der Hingerichteten zum Gedenken abgelegt. Die Gruppe hofft, dass am Saaleufer bald ein dauerhafter Erinnerungsort geschaffen werden kann.

„Es hat uns sehr bewegt, dass Menschen für ihren Glauben den Tod in Kauf genommen haben“, sagte Astrid von Schlachta, die Vorsitzende des Mennonitischen Geschichtsvereins. Demnächst wird eine Broschüre erscheinen, die über die Biographien der hingerichteten mitteldeutschen Täuferinnen und Täufer informiert. Die Broschüre, die beim Mennonitischen Geschichtsverein bestellt werden kann, wird auch Hinweise geben, wie die einzelnen Stationen aufgesucht werden können.

Der eine Leib Christi und die getrennten Kirchen

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

Von John Wesley (Gründerfigur des Methodismus) gibt es das geflügelte Wort: „Meine Gemeinde (parish) ist die Welt.“ Will die Welt, inklusive der anderen Kirchen, das überhaupt und brauche ich nicht doch eine Heimatgemeinde?

Die Überschrift dieses Abschnittes der „Rechenschaft vom Glauben“ nimmt uns sofort hinein in die ökumenische Spannung dieses Themas. „Ein Leib“ und „getrennte Kirchen“ – solche Trennung des einen Leibes kann nicht gut sein! Wir kennen es zwar nicht anders, aber wenigstens in der Theorie haben wir alle das Gebet Jesu bejaht, dass wir eins sein sollen (Joh 17, 22f). Bekanntermaßen ist das auch mit leiblichen Geschwistern nicht immer so einfach. Da bleibt vieles offen und unvollkommen. Warum sollte es unter Christen besser laufen?

Auch unsere Rechenschaft vom Glauben steigt auf der Erfahrungsebene ein. Gemeinschaft ist real sicht- und erlebbar. Die örtliche Versammlung der Glaubenden ist der Rahmen. Das wird besonders im Vollzug der Taufe und in der Teilnahme am Abendmahl erlebbar. Letzteres wird umschrieben als Brotbrechen. Das passt zum Bild des Leibes. Soll so die noch nicht mögliche Abendmahlsgemeinschaft mit einigen Kirchen umschifft werden?

Überhaupt empfinden wir die Beschreibung der örtlichen Versammlung in Abhängigkeit von den beiden traditionellen evangelischen Sakramenten problematisch. Kann Gemeinde nicht auch in gemeinsamer Anbetung, Diakonie und Evangelisation als Gemeinschaft erlebt werden, die Nachfolgegemeinschaft ausmacht?

Einheit des Leibes Christi und Eph 4,1-6

Zwei Mal kommt der Bibeltext aus Epheser 4, 3-6 als Beleg vor: Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe usw. Mehr „ein“ geht nicht. Dabei müssen wir bedenken, dass gerade die „eine Taufe“ uns zwar mit fast allen anderen Christen verbindet, aber in dem besonderen Zusammenhang von Glauben und Taufe, den wir betonen, auch wieder unterscheidet. Diese Spannung ist auszuhalten, nicht nur von der Minderheit der Kirchen in täuferischer Tradition. Auch die anderen Kirchen haben ihr Problem damit.

Die Charta Oecumenica als „Selbstverpflichtung der europäischen Kirchen und ökumenischen Organisationen“ nimmt ebenfalls Epheser 4,3-6 als Ausgangsbasis für die Berufung zur Einheit. Es ist der Bezug auf das gemeinsame Fundament, die gemeinsame Hoffnung und Berufung in die Nachfolge zu dem einen Gott, der uns zusammenhält. Sie formuliert das Ziel, ein gemeinsames Verständnis der Heilsbotschaft Christi zu erarbeiten, das sichtbare Einheit inklusive der gegenseitigen Anerkennung von Taufe und volle Abendmahlsgemeinschaft ermöglicht.

Nicht die ganze Welt umarmen, aber offen bleiben

Der Leib Christi umspannt die ganze Welt. Aber wir können nicht die ganze Welt umarmen. Es bleibt eine Spannung zwischen überschaubarer Ortsgemeinde und abstrakter überfordernder Größe des gesamten Leibes Christi. Schon innerhalb derselben Kirche ist nicht immer die Einheit auf den ersten Blick zu erkennen. Trotzdem wollen wir uns aufeinander einlassen.

Schon im Neuen Testament gab es diese Probleme, die sogar in die Gemeinden hineinwirkten. In Galatien hatten die Christen mit jüdischem Hintergrund die Tischgemeinschaft mit den nichtjüdischen Christen aufgekündigt. An dieser Stelle ist Paulus extrem empfindlich, vgl. Galater 2. Da ermahnt er sogar öffentlich Petrus (oder Kephas, wie er ihn in hebräischer Version nennt), den Grundfels der Kirche.

In unserer Zeit tritt Konfession an die Stelle der Volkszugehörigkeit damals. Und auch wenn ein offenes Abendmahl heute von Seiten der Baptisten kein Problem sein mag, so war es doch in unserer Geschichte lange nicht möglich. Dass es heute anders ist, lässt hoffen, selbst dieses Problem zu überwinden.

Vielfalt als Chance

So wird die Verschiedenheit unterschiedlicher Konfessionen und Kirchen in der RvG zwar als Chance für „bereichernde Vielfalt“ gesehen, aber doch auch als Hindernis für die „sichtbare Gemeinschaft“ und damit für ein „glaubwürdiges Zeugnis“ in der Welt. Wenn die Christen nicht miteinander können, ist es schwer, die Liebe Gottes zu begreifen.

Es kommt darauf an, die anderen trotz ihrer differierenden Einsichten wertzuschätzen. Wir müssen damit umgehen, dass Kirchen und Gemeinden ihren Glauben in sehr unterschiedlicher Weise leben. Immerhin schenkt der Geist die vielen Gaben. Gott hat keinen Einheitschristen geschaffen, sondern sucht die Einheit der Christen. Und die Verschiedenheit der Kirchen bietet unterschiedlichen Menschen die Chance, sich in einer davon einzugliedern. Die Chancen, dass unterschiedliche Menschen eine Heimat für sich und ihren Glauben finden, überwiegen unseres Erachtens die Probleme der Konfessionen bei Weitem.

Auch wenn andere Christen sich mal irren, kündigen wir ihnen nicht die Gemeinschaft auf. Wir wollen uns nicht bekämpfen, sondern arbeiten und beten für die Einheit, zu der uns Gott führen soll. Die Charta Oecumenica geht sehr weit in der Erwartung an das Miteinander der Kirchen: „Wir verpflichten uns, auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens gemeinsam zu handeln, wo die Voraussetzungen dafür gegeben sind und nicht Gründe des Glaubens oder größere Zweckmäßigkeit dem entgegenstehen.“

Sichtbare Einheit als Herausforderung

Die sichtbare Einheit der Kirchen und Gemeinden muss unser dauerhaftes Ziel bleiben. Bei einem Besuch im Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf berichtete ein dortiger Gesprächspartner, dass die Zahl der Mitglieder im ÖRK sinke. Das Positive im Klang seiner Stimme überraschte uns, wurde aber gleich deutlich, als er sagte: „Es treten keine Kirchen aus, aber immer wieder passiert es, dass Kirchen sich zusammenschließen [So ist unser schwedischer baptistischer Schwesterbund seit einigen Jahren Teil der Equmeniakyrkan, international unter dem Namen Uniting Church of Sweden bekannt]. Das freut uns natürlich.“ Allerdings musste er auch zugeben, dass viele dieser Zusammenschlüsse durch äußere Faktoren in Gang gekommen waren, Druck und Verfolgung, Schrumpfung, fehlende Leitungspersönlichkeiten u.a.m.

Trotzdem ist es ein guter Weg, wenn Christen entdecken, dass sie auch miteinander eine Kirche sein können. Das ist eine bleibende Herausforderung für jeden Christen in der Gemeinschaft aller Glaubenden.

Wir haben als BEFG beschlossen, die Mitgliedschaft im ÖRK zu beantragen, um auch äußerlich die Bewegung aufeinander zu sichtbar zu machen. Gemeinsam auf dem Weg sein, öffnet mehr Kontaktflächen zum Austausch und Gebet füreinander. So kann Christus verherrlicht werden und zwar sichtbar in dieser Welt.

Einladung zum Weiterdenken:

 - Weiß ich nicht nur, welche anderen Kirchen und Konfessionen im Umfeld meiner Gemeinde vorkommen, sondern auch, was sie prägt und aktuell beschäftigt?

- Der Text behauptet, dass wir für Erneuerung, mehr gegenseitige Anerkennung und Einheit beten. Wollen und tun wir das in unseren Gemeinden, in unserem Gebet?

- Welche Schritte „aufeinander hin“ passieren schon, können wir uns vorstellen und nehmen wir uns vor?

Erschienen in: Die Gemeinde 18/2022

Gemeindegründung weiterdenken

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

40 Gründer und Gründerinnen im BEFG trafen sich vom 5. bis 7. August in der Ferienstätte „Auf dem Ahorn“. Das GründungsLab ist das jährliche zentrale Meeting für Weiterbildung, Inspiration und Ermutigung im Bereich Gemeindegründung. Vorbereitet wird das Treffen vom GründungsHub. BEFG-Gemeindegründungsreferent Klaus Schönberg berichtet. ###3_IMAGES###Als Hub bezeichnet man im Englischen einen Verbindungs- oder Knotenpunkt. Der GründungsHub ist ein Thinktank für Gemeindegründung im BEFG. Die Mitglieder verstehen sich als Vordenkerinnen und Vordenker der Gemeindegründung. Das Hub ermöglicht, die ganz unterschiedlichen Gründungsmodelle im BEFG miteinander zu verbinden.

Das Thema, eine Startup-Kultur zu entwickeln, wurde vom Hauptreferenten Stefan Hänsch vom ICF Berlin kompetent, inspirierend und persönlich entfaltet. Trainiert wurde das freie Sprechen anhand eines zufälligen Stichwortes mit anschließendem Feedback. Im kollegialen Coaching lernten die Gründer und Gründerinnen eine neue Methode und erlebten, wie hilfreich eine gegenseitige Beratung auf Augenhöhe sein kann. Rouven Hönes (Gundelfingen) und Simon Kreiter (Kirchardt), die beide gerade einen weiteren Standort als Multisite-Church gegründet haben, brachten einen inspirierenden Input zum Thema Gemeindemultiplikation. Mit einem Schwert in der Hand hielt Stefan Panter (Saarbrücken) eine eindrückliche Andacht über die in Epheser 6,11-18 beschriebene Waffenrüstung Gottes.

Intensive Gebetszeiten, Lobpreis und ein Raum der Stille, gestaltet durch Katrin Böttche (Plauen), halfen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des GründungsLabs, das Gehörte zu verankern. Die abendliche Wein-Lounge rundete die vollen Tage ab. Christopher Busch (Deggendorf) sagte, dass er „erschöpft angekommen war, aber inspiriert und ermutigt wieder gefahren ist“. Die sechs Inputs des GründerLabs wurden als Live-Podcast aufgenommen. Sie werden ab August im Gruendercast, dem Podcast zum Thema Gemeindegründung, veröffentlicht.

Mutig und mit Herz in die Welt gehen

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

Vom 1. bis 6. August kamen 500 Menschen zum Bundesjugendtreffen (BUJU) nach Otterndorf, um unter dem Thema „Mutiges Herz“ Gott und das Leben zu feiern. Mirko Thiele, Referent für Kommunikation im Gemeindejugendwerk (GJW), berichtet.

Vier Jahre mussten wir warten - und es hat sich gelohnt! Bei vielen Jugendlichen war die Vorfreude besonders groß, war es für sie doch das allererste BUJU, weil wir uns pandemiebedingt 2020 und 2021 nicht treffen konnten. Neben den Teilnehmenden aus BEFG-Gemeinden konnten wir auch etwa 70 junge Geflüchtete aus der Ukraine begrüßen.

Inspiration für das BUJU-Thema war das hebräische „Ometz Lev“ aus Psalm 27. „Ein mutiges, festes, starkes und zuversichtliches Herz ist genau das, was junge Menschen brauchen, um im Blick auf die Zukunft, nicht verzagt den Kopf in den Sand zu stecken, sondern sie mit Gottvertrauen und Ideenreichtum zu gestalten“, ist Udo Rehmann, Leiter des Gemeindejugendwerks, überzeugt. Und so wurde das BUJU eine Woche, in der junge Menschen Glaubensschritte gehen konnten, weil sie gemerkt haben, dass es Gott ist, der ihrem Leben Hoffnung und ein Ziel gibt.

In gemeinsamem Lobpreis mit der BUJU-Band, Bibelarbeiten morgens und inhaltlichen Sessions an den Abenden entfalteten wir miteinander die inhaltliche Tiefe und Vielfalt, die sich hinter den zwei Worten „Mutiges Herz“ verbirgt. Christoph Bartels, Natalie Georgi, Benedikt Elsner und Maximiliane Kedaj predigten ermutigend und herausfordernd über das pumpende, das zerbrochene, das starke und das brennende Herz. Für die ukrainischen Teilnehmenden gab es Synchronübersetzungen, damit sie auch den Predigten folgen konnten###3_IMAGES###Aus einer großen Auswahl an Seminaren zu unterschiedlichen Glaubens- und Lebensthemen konnten die Teilnehmenden die aussuchen, die für sie relevante Themen vertieften: „Dein Leben als Gottes Geschichte“ zum Beispiel oder „Gebet im Alltag“ oder auch „Wie umgehen mit schwierigen Bibeltexten?“

Schaut Euch die Bilder und Videos vom BUJU auf www.buju.de an! Die sind bunt, wild, voller Lebenslust und Freude. Sportangebote, Open Stage, Essensstände, all das war ein wichtiger Teil von einem BUJU, das das Leben und die Gemeinschaft feiert. Nora (15) hat in dem bunten Festivalprogramm viele besondere Momente erlebt. „Für mich haben Teezeremonien, Lobpreis, Gespräche mit alten und neuen Freunden und die gesamte Stimmung das BUJU richtig besonders gemacht“, erzählt sie. „An jeder Ecke des BUJU hat man Herzlichkeit, Offenheit und Zusammenhalt gespürt. Das Gefühl, mit vielen Leuten für das gleiche Thema zu brennen und sich darüber in tiefen Gesprächen austauschen zu können, hat mir in den letzten Jahren mit Corona besonders gefehlt.“

Wenn Menschen Jesus begegnen, von Gedanken über Gott bewegt werden, lässt sich das oft nicht präzise in Worte fassen, geschweige denn auf Bildern festhalten. Nora beschreibt ihre persönlichen Erlebnisse so: „Mir ist in den Morningsessions immer wieder bewusst geworden, dass Jesus ganz Mensch und ganz Gott war, dass er also genau weiß, wie es sich anfühlt, Mensch zu sein und Probleme zu haben. Dass zu seiner menschlichen Seite auch Verletzlichkeit und Hoffnungslosigkeit gehörten, hat mir die Geschichte im Garten Gethsemane in der Predigt von Natalie Georgi sehr deutlich vor Augen geführt.“ ###3_IMAGES###Es war nie das eine oder das andere – Das Leben feiern und Gott begegnen ist beim BUJU eng miteinander verwoben. Dennis Sommer vom Seelsorgeteam zieht folgende Bilanz: „Ich konnte erleben, wie sehr die Teilnehmenden und Mitarbeitenden das BUJU vermisst hatten. Die Atmosphäre seit der ersten Session war voll von guter Aufregung, purer Freude und Glaubenssehnsucht. Die Tiefe der Gespräche und die Offenheit der Menschen in der Seelsorge haben mich beeindruckt.“

Und „unterm Strich“? Nun, das ist das Schöne am BUJU, darunter wird kein Strich gezogen. Dahinter steht immer ein Doppelpunkt: Die Erlebnisse und Entscheidungen des BUJU wirken weiter nach, begleiten uns in den Alltag, prägen das Leben vieler Menschen, lange nachdem der letzte BUJU-Song verhallt ist.

Gerechtigkeit als sichtbares Zeichen von Gottes Reich

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

Über 600 Baptistinnen und Baptisten aus mehr als 65 Ländern nahmen vom 10. bis 15. Juli an der Jahrestagung des Baptistischen Weltbundes (BWA) im US-Bundesstaat Alabama teil, 150 von ihnen online. Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause befassten sich die Teilnehmenden, darunter drei Delegierte aus Deutschland, bei der ersten hybriden BWA-Konferenz schwerpunktmäßig mit der Frage, wie Christen sich für die Gleichbehandlung von Menschen – unabhängig von deren Hautfarbe und Kultur – einsetzen können.

Erklärtes Ziel der Konferenz war es, sich theologisch mit Gerechtigkeit auseinanderzusetzen und Werkzeuge zu entwickeln, wie die BWA, ihre Mitgliedsbünde und deren Gemeinden sich für Gleichbehandlung einsetzen können. Im Eröffnungsgottesdienst wurde der berühmte Baptistenpastor und Menschenrechtler Dr. Martin Luther King zitiert: „Unsere Generation wird eines Tages nicht nur die hasserfüllten Worte und Taten der schlechten Menschen zu bereuen haben, sondern auch das furchtbare Schweigen der guten.“ Dem habe die BWA schon immer etwas entgegengesetzt und werde es in dieser herausfordernden Zeit weiterhin tun, so die Botschaft.

Die BWA-Arbeitsgruppe für ethnische Gerechtigkeit, zuständig für die inhaltliche Planung der Konferenz, hatte das Grundsatzpapier „Ausgleichende ethnische Gerechtigkeit – ein Ruf zu aufblühender Gerechtigkeit“ verfasst, das von den Delegierten der Konferenz einstimmig angenommen wurde. Auch die auf Basis des Papiers entwickelte Resolution „Ausgleichende ethnische Gerechtigkeit“ verabschiedete die Konferenz. Darin wird festgehalten, dass weltweit zu beobachtende Entwicklungen „ein erneuertes Engagement für die zeitlosen Prinzipien ethnischer Gerechtigkeit und menschlicher Freiheit erfordern, basierend auf der grundlegenden theologischen Überzeugung, dass alle Menschen in Gottes Bild gemacht sind und es deshalb verdienen, mit Respekt behandelt zu werden und aufblühende Gerechtigkeit zu genießen“. Die Resolution schließt mit der Empfehlung, dass alle Baptisten das Grundsatzpapier studieren und sich vor Ort in ihren Kommunen dafür einsetzen sollen. Die Delegierten verabschiedeten eine weitere Resolution zum Schwerpunktthema der Konferenz. Diese beschreibt „eine biblische Grundlage für Reparationsleistungen für von Menschenhandel Betroffene“ und erkennt an, dass es an vielen Orten und in vielen Nationen auch heute noch „Auswirkungen von Menschenhandel“ (im Original „slavery“, also Sklaverei) gibt.###3_IMAGES###Zwei weitere Resolutionen, die von den Delegierten verabschiedet wurden, befassen sich mit der Situation in der Ukraine sowie in Myanmar. Die Ukraine-Resolution verurteilt die „nicht provozierte und ungerechtfertigte Invasion des souveränen Staates Ukraine durch Russland“ und ruft „die EU, die G7 und andere internationale Zusammenschlüsse zu einer Verdopplung ihrer Unterstützung für die Ukraine“ auf. Die Resolution lobt den Einsatz des ukrainischen Baptistenbundes und der Bünde anderer Länder sowie der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) und der BWA für Geflüchtete. Die Myanmar-Resolution verurteilt den Militärputsch vom Februar 2021. Seitdem sei die Gewalt in ihrem Land eskaliert und habe zu unermesslichem Leid geführt, wie die Präsidentin des Asiatischen Baptistischen Frauenbundes, Vernette Myint Myint San, berichtete. Die Resolution fordert für Myanmar „eine echte Demokratie, in der die Rechte religiöser und ethnischer Minderheiten geachtet werden“.

Der Einsatz gegen Rassismus wurde während der Konferenz von ganz unterschiedlichen Seiten beleuchtet. So lud etwa das BWA-Hilfswerk Baptist World Aid zu einem Gespräch zum Thema „Entkolonialisierung von Hilfsprojekten: eine Frage der Gerechtigkeit“ ein. BWAid-Direktorin Marsha Scipio betonte, es gelte, versteckte Strukturen der Benachteiligung niederzureißen: „Es ist für unseren Sektor herausfordernd, sich zu transformieren, indem Befugnisse und Ressourcen an die Menschen vor Ort übergeben werden.“

Der Menschenrechtspreis der BWA wurde an Dr. Daniel L. Buttry übergeben. Thomas Klammt würdigte den Baptistenpastor, Leiter und Missionar in seiner Laudatio dafür, dass er weltweit als Anwalt für Versöhnung tätig war. Mit seinem Lebenswerk „Peace Warriors“ (Friedenskrieger) hat sich Buttry für Gewaltlosigkeit und Frieden eingesetzt und war weltweit als Mediator tätig. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit lag in Indien und Myanmar. Dort, im ehemaligen Burma, wirkte er unter anderem von 1989 bis 1992 als einziges nicht-burmesisches Mitglied im Friedenskomitee mit, das zwischen der Militärregierung und Aufständischen vermittelte. Später leitete er dort ein internationales Team, das den Prozess der Versöhnung unterstütze.###3_IMAGES###Neben Klammt, der als Referent für Integration und Fortbildung für den BEFG arbeitet und der BWA-Exekutive angehört, waren auch der Student Jonathan Kedaj und Prof. Dr. Andrea Klimt von der Theologischen Hochschule Elstal bei der Jahrestagung dabei. Klimt arbeitet in den BWA-Kommissionen „Theologische Ausbildung“ und „Baptistische Spiritualität und Anbetung“ mit. „Auch in den Kommissionen wurde überwiegend zum Thema Rassismus gearbeitet“, so Klimt. Eine Arbeitsgruppe habe sich etwa damit befasst, wie in multiethnischen, multikulturellen und missionsorientierten Kontexten – sensibel für Rassismus – über Gerechtigkeit gepredigt werden kann. Auch ging es um die Frage, wie man mit künstlerischen Elementen wie Musik oder Bildern mit Menschen arbeiten kann, die durch Rassismus traumatisiert wurden. „In den einzelnen Arbeitsgruppen bin ich hautnah mit der leidvollen Erfahrung meiner afroamerikanischen Geschwister und der Geschwister aus den Kolonialländern in Berührung gekommen und auch mit ihrer Freude über die verabschiedeten Resolutionen“, so Klimt. „Die Hoffnung auf Veränderung war spürbar, und wir selbst sind ein Teil dieser Veränderung, wenn wir uns für Gerechtigkeit, Versöhnung und Reparationen einsetzen.“

Im „National Memorial for Peace and Justice“ in Montgomery (Alabama), der nationalen Gedenkstätte der Vereinigten Staaten für die Opfer der rassistischen Lynchjustiz in dem Land, fand am Ende ein Gottesdienst statt. Bryan Stevenson, der die Errichtung der Gedenkstätte maßgeblich vorangetrieben hatte, sagte in seiner Predigt: „Ich bin überzeugt, dass das Gegenteil von Armut Gerechtigkeit ist.“ Stevensons Worte hätten ihn besonders beeindruckt, so der Elstaler Student Jonathan Kedaj, der als Mitglied der BWA-Initiative für Religionsfreiheit 21Wilberforce an der Jahrestagung teilnahm: „Bryan Stevenson setzt sich als Anwalt und Bürgerrechtler für die Rechte Verurteilter ein. Seine Predigt legte den Finger auf Rassismus, Ungleichheit und Machtmissbrauch.“ BWA-Präsident Dr. Tomás Mackey, Generalsekretär Dr. Elijah Brown und andere BWA-Offizielle formulierten eine Selbstverpflichtung der BWA im Einsatz gegen Rassismus. Mackey sagte: „Als Gottes Volk kommen wir aus allen Himmelsrichtungen zusammen, als Repräsentanten der baptistischen Familie, und geloben feierlich in der Gegenwart des dreieinen Gottes, Gerechtigkeit im Allgemeinen, speziell jedoch ethnische Gerechtigkeit hochzuhalten als ein sichtbares Zeichen von Gottes Reich.“

Unbequemes: Bitte streichen!?

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

„Sollte dieser Abschnitt nicht endlich umgeschrieben werden? – „Das mit der Gemeindezucht haben wir doch hoffentlich längst hinter uns!“ – „Seelsorge ist annehmend und nicht ausgrenzend!“ Wie kann „Gemeindezucht“ in einem Zug mit Seelsorge heute noch in einem Glaubensbekenntnis vorkommen?

Der Abschnitt zu „Seelsorge und Gemeindezucht“ ist derzeit der umstrittenste in der „Rechenschaft vom Glauben“ (RvG). Dabei wirft vor allem der zweite Teil Fragen auf.

Im ersten Absatz geht es um die Seelsorge in der Gemeinde. Diese wird zunächst in ihrer umfassendsten Form beschrieben: Menschen, die in der geistlichen Gemeinschaft der Gemeinde Jesu leben, sind füreinander da. Sie trösten und ermutigen einander. Sie beten füreinander. Sie teilen Freuden und Ängste miteinander: „Einer trage der anderen Last“ (1. Petr 4,10f.; Gal 6,2). Das geschieht in der Gemeinde, weil sie Gemeinde Jesu ist. Gemeinde ist von Christus gesetzt als heilende Gemeinschaft, als ein Ort, der zum Leben und zur Nachfolge befähigt. Darum ist ein ganzer Abschnitt in der RvG der Seelsorge gewidmet. Es geht um Ermutigung, um Trösten, um Zurechtbringen. Gemeinde Jesu ist Lebens-Ermöglicherin.

Doch dann: Bitte streichen! Das ist vielfach die erste Reaktion, wenn jemand den zweiten Absatz, in dem es um Gemeindezucht geht, liest. Darf man denn über einen Menschen und seinen Glauben urteilen? Darf man jemanden aus der Gemeinde ausschließen?

Viele Ältere erinnern sich daran, dass noch in den 1970er Jahren, als die RvG formuliert wurde, Gemeindezucht häufig dann praktiziert wurde, wenn es um Fragen von Liebe und Sexualität ging. So mussten sich damals noch vielfach Paare, die unverheiratet ein Kind erwarteten, vor der Gemeinde entschuldigen. Zusammenleben ohne Trauschein hatte häufig den Ausschluss aus der Gemeinde oder zumindest den Ausschluss aus der Mitarbeit zur Folge. Gemeindezucht wurde in der Praxis häufig sehr einseitig verstanden. Nämlich als: „Bitte streichen! Wenn Du nicht so lebst, wie wir es für richtig halten.“ Noch früher waren Ordnung und Sauberkeit zu Hause ein Kriterium für geordnetes Christsein. Heute ist das anders. Sollten wir dann diese Sätze aus der RvG nicht bitte endlich streichen?

Allerdings: Der Absatz zu Gemeindezucht ist nicht so einseitig zu lesen. Hier geht es zunächst einmal um die Frage, wie mit denjenigen Gemeindemitgliedern zu verfahren ist, bei denen der Glaube erkaltet ist. Menschen also, die schon jahrelang keinen Kontakt zur Gemeinde mehr pflegen. Hier fragen sich viele Gemeinden, spätestens beim jährlichen Überweisen der Bundesbeiträge, ab wann denn gelten kann: Bitte Streichen! Die RvG setzt ausdauerndes seelsorgerliches Bemühen voraus, also kein vorschnelles Streichen, sondern einen langen Atem, ein Mitgehen auf der „zweiten Meile“. Aber sie nimmt es auch ernst, dass manche Menschen ihrer Gottes- und Gemeindebeziehung keine Bedeutung mehr zumessen. Eine Gemeinde, die sich als von Christus zueinander und zu ihm in Beziehung gestellt sieht, wird auch eine solche Entscheidung, die mit dem inneren und äußeren Verlassen der Gemeinde verbunden ist, ernst nehmen. Das wird sich dann auch im Mitgliederverzeichnis niederschlagen. Dabei darf es nicht in erster Linie um die Beiträge gehen, sondern um die Frage nach dem Gemeindeverständnis: Als EFGs verstehen wir uns als eine – mehr oder weniger – verbindliche Gemeinschaft von Nachfolgern Jesu. Wir haben in unseren Gemeinden durchaus einen weiten Raum für die Gestaltung dieser Verbindlichkeit, aber dieser Raum endet auch. Das ist in der Regel da, wo keinerlei Kontaktwunsch mehr gegeben ist. Das „Bitte streichen!“ bleibt dennoch mit der Hoffnung und dem Gebet verbunden, dass Menschen zurückfinden in die Gemeinschaft.

Auch wenn es sich meistens um einen schmerzlichen Schritt handelt, werden viele den Gedanken noch mitdenken können, dass es auch ein Ende der Mitgliedschaft geben kann. Schwierig wird es bei folgendem Satz in der RvG: „Bei wissentlicher und willentlicher Verfehlung und Sünde gegen Gottes offenbaren Willen und dem Verharren darin kann die Gemeinde nur noch zu diesem Mittel der Gemeindezucht greifen.“ Bitte streichen! Darf man das denn tun? Und wenn ja: Wann? Sollen wir diese Sätze aus der RvG nicht endlich bitte streichen?

Noch stehen sie da. Und vielleicht ist es gut, sich mit den angeschnittenen Fragen auseinanderzusetzen. Hilfreich ist ein Blick auf die Bibeltexte, die diesem Abschnitt in der RvG zugeordnet sind: In Matthäus 18,15ff. geht es um offensichtliches Fehlverhalten – welcher Art das ist, wird nicht benannt. Dieses soll nicht breitgetreten werden, darüber soll nicht hergezogen werden, sondern der betreffende Mensch soll zur Umkehr herausgefordert werden, und zwar in geordneten Schritten. Und selbst, wenn am Ende „Bitte streichen!“ steht, dann „sei er dir wie ein Zöllner und Heide“, für den Jesus gekommen ist, damit er zurückgewonnen wird. Diese Hoffnung drückt auch die RvG sehr deutlich aus. Der Text in 1. Korinther 5,1-13 bezieht sich auf eine Beziehung, die im damaligen säkularen Umfeld als absolut schändlich galt und durch die die Gemeinde öffentlich in Misskredit gebracht worden ist. Die herangezogenen Texte reden also von öffentlich bekanntem Fehlverhalten, durch das die Gemeinde beschädigt wurde. In beiden Texten geht es schlussendlich um das Zurechtbringen und Gewinnen.

Auch im heutigen Kontext gibt es ethischen Fragen, die problematisch im Miteinander und für das Ansehen der Gemeinde sind. Die Themen haben sich geändert. Heute wird darauf geachtet, ob sich ein Christ diskriminierend verhält oder äußert – und was das für seine Mitarbeit in der Gemeinde bedeutet. Gemeinde wird sich weiterhin die Frage stellen müssen, wie verbindliche Christus-Nachfolge auch ethisch erkennbar wird. Und sie wird fragen, wie sie Menschen – sich selbst – zum Nachdenken und zur Umkehr bringt. Nicht durch Übereinander-Reden, sondern Miteinander-Reden. Nicht von oben herab, sondern, wie es die RvG ausdrückt, immer „in der Beugung darüber, nicht fest genug geglaubt und nicht innig genug geliebt zu haben“.

Bitte streichen? Es kann sein, dass dieser Abschnitt in der RvG in den nächsten Jahren überarbeitet wird. Aber die Frage nach einem heilsamen Umgang mit menschlichem Fehlverhalten und Sünde ist weiterhin zu stellen. Denn, wenn Gemeinde verbindlich in der Nachfolge Jesu lebt, dann wird sie als Lebens-Ermöglicherin in seinem Sinne leben und damit auch Menschen zurücklieben wollen. Auch das gehört zur Seelsorge.

Und dann heißt es: „Darf sich ändern!“

Einladung zum Weiterdenken

1. Wie reden wir übereinander in der Gemeinde? Und was können wir da besser machen? 

2. Streichen? Oder wie lang darf unser Atem sein?

3. Welche ethisch relevanten Themen der Nachfolge stehen in unserem heutigen Denken im Fokus und wie gehen wir mit denjenigen um, die das anders sehen und leben, als wir es für gut halten?

Erschienen in: Die Gemeinde 17/2022, S. 18-19.

Berufen und begabt, selbständig und verbunden

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

Der fünfte Abschnitt von Teil 2 der Rechenschaft vom Glauben (RvG) thematisiert die Grundstruktur und Gestalt der Gemeinde Jesu. Das geschieht anhand der drei Stichworte Geistesgaben, Dienste und Ordnungen, die in jeweils einem Absatz entfaltet werden. Ziffer 5 antwortet somit auch auf die Frage, was die Leitung der Gemeinde legitimiert und wie sie auszuüben ist.

Mit der gottesdienstlichen Feier und dem Genuss der Gnadenmittel (Abschnitte 1-4) geht das Geschenk von Gnadengaben und Charismen einher. Unter Bezug auf die einschlägigen neutestamentlichen Texte (1Kor 12-14; Röm 12,1-8; Eph 4,11-16) wird im ersten Satz unterstrichen, dass Sinn und Zweck der Charismen ausschließlich in der Auferbauung des Leibes Christi bestehen. Da alle Glieder mit Gnadengaben beschenkt sind, wirken alle am Aufbau der Gemeinde mit. Sämtliche Fragen, die Form und Gestalt der Gemeinde betreffen, sind daher im Blick auf dieses Ziel zu bedenken.

Mit drei Begriffspaaren werden Gaben benannt, die Gottes Geist insbesondere gibt, um dieses Ziel zu erreichen. Damit wird unterstrichen, dass diese Gaben eine besondere Funktion für das übergeordnete Ziel erfüllen, dem die Gemeinde als Ganze dient. Daher müssen diese Gaben, wie der zweite Absatz zeigt, geordnet werden. Es handelt sich um Gaben, die das Evangelium inhaltlich erschließen (Verkündigung und Lehre), anderen seine Lebenskraft weitergeben (Liebe und Fürsorge) und die Gemeinde orientieren (Leitung und aktuelle Weisung).

Der Ansatz bei den Gnadengaben führt die Verfasser der Rechenschaft vom Glauben zu der weitreichenden Festlegung, dass das Priestertum aller Gläubigen die der Gemeinde von Jesus gegebene Grundstruktur ist. Diese Aussage liegt in der Logik der Argumentation. Wenn jeder Christ durch den Glauben an Christus selbst direkt Zugang zu Gott hat und wenn durch das Wirken des Geistes Gottes jedes Glied am Leib Christi mit Gaben beschenkt ist, dann muss sich das auf die Gestalt der Gemeinde auswirken. Die reformatorische Entdeckung der Rechtfertigung durch den Glauben wird somit konsequent auf die Gestalt der Kirche angewendet. Damit unterscheidet sich das baptistische Bekenntnis allerdings von anderen protestantischen (Frei)Kirchen, wie z. B. der Evangelisch-methodistischen Kirche, die eine bischöfliche Struktur hat.

Die getroffene Festlegung weckt natürlich sofort die Folgefrage, wie die vielfältigen Gnadengaben so ausgeübt werden, dass sie nicht zu einem Durcheinander führen, sondern eine dienende, bereichernde und stärkende Wirkung haben. Darauf geht der zweite Absatz ein, indem er festhält, dass Frauen und Männer in spezielle Dienste berufen und für diese ausgebildet werden. Es kommt zu einem Miteinander von Ämtern, also speziellen – und so müsste ergänzend gesagt werden: ordinierten – Diensten und allgemeinen Geistesgaben. Dass die RvG in diesem Zusammenhang ausdrücklich von Ämtern spricht, ist deutlich zu kennzeichnen. Sie beugt damit dem weitverbreiteten Missverständnis vor, Baptisten würden keine Ämter kennen. Das tun sie aber aus gutem Grund. Deshalb bildet der BEFG gezielt für diese Ämter aus und ordiniert geeignete Personen, indem er sie öffentlich und feierlich beauftragt. Im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden handelt es sich um die Dienste von Pastoren, Diakonen und – im Christusforum (ehem. Arbeitsgemeinschaft der Brüdergemeinden) – Pastoralreferenten. Frauen und Männer werden aus guten theologischen Gründen gleichermaßen für diese Ämter ordiniert.

Als sachliche Begründung für die Berufung in spezielle Dienste nennt die RvG die „besondere Begabung durch den Heiligen Geist“, die bei einzelnen Personen erkannt wird. Ergänzend wäre die dem Reformator Martin Luther folgende Begründung zu nennen, dass die Gemeinschaft der Gläubigen eine solche Ordnung erfordert, weil nicht alle immer und zur gleichen Zeit verkündigen, unterweisen und leiten können. Um des Friedens und der Auferbauung willen ist die Berufung in und die Ausbildung für Ämter und das Delegieren von Aufgaben erforderlich.

Der letzte Satz des zweiten Absatzes will das Verhältnis von Geistesgaben und Ämtern klären, ist aber nicht eindeutig, wenn er festhält, dass sie „in gleicher Weise der Sammlung und Sendung der Gemeinde Jesu Christ dienen“. Die Wendung „in gleicher Weise“ kann entweder auf Geistesgaben und Ämter bezogen werden. Dann würde richtigerweise festgehalten, dass mit der Unterscheidung der beiden Größen keine Wertung vorgenommen wird. Sie sind nicht ungleich, sondern gleich! Allerdings würde dann unterschlagen, dass die Weise durchaus unterschiedlich ist: die einen sind hauptamtlich, in Form einer Anstellung tätig, die anderen ehrenamtlich. Das muss wahrgenommen, reflektiert und verantwortlich gestaltet werden, denn das Miteinander von haupt- und ehrenamtlichen Diensten kann auch eine Quelle für Konflikte sein. Die Wendung ließe sich aber auch auf „Sammlung und Sendung“ beziehen. Dann würde ausgesagt werden, dass Geistesgaben und Ämter sowohl dem einen als auch dem anderen dienen. Aber das versteht sich eigentlich von selbst.

Der dritte Abschnitt führt den Gedanken dahingehend weiter, dass er aus dem bisher Gesagten zum einen die Selbständigkeit der Ortsgemeinde ableitet, zum anderen im gleichen Atemzug die Verbundenheit der Gemeinden untereinander hervorhebt, die in Gestalt des Gemeindebundes zum Ausdruck kommt. Damit wird dem Missverständnis vorgebeugt, die Gemeinschaft der Gemeinden sei ein beliebiger Aspekt, dem sich eine gleichsam autarke Ortsgemeinde je nach Bedarf und Finanzlage auch entziehen kann. Die Selbständigkeit der Ortsgemeinde und die Verbundenheit mit anderen Gemeinden gehören als einander ergänzende und bereichernde Prinzipien zum Wesen der Gemeinde Jesu Christi, denn die VerBUNDenheit „durch den einen Herrn und den einen Geist“ ist ein Instrument „der Sendung der Gemeinde in dieser Welt“.

Einladung zum Weiterdenken

1. Welche Aspekte in diesem Abschnitt der RvG sind überraschend oder auch irritierend neu?

2. Welche Stärken und Schwächen am Prinzip der selbständigen Ortsgemeinde nehmt ihr wahr?

3. Welche Impulse für die Förderung von Charismen und die Leitung der Gemeinde könnt ihr den erwähnten Bibeltexten und dem hier behandelten Abschnitt der RvG entnehmen?

4. Wie können ehren- und hauptamtliche Dienste einander sinnvoll ergänzen und bereichern? Welche gegenseitigen Erwartungen erschweren das?

5. Wie gestaltet eure Gemeinde die Verbundenheit mit dem BEFG bzw. einzelnen Gemeinden? Wie könnte sie ggf. intensiviert werden?

Erschienen in: Die Gemeinde 15+16/2022.

Hilfe für die Ukraine

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

Die baptistische Immanuel Albertinen Diakonie hat in Kooperation mit dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) die Hilfsaktion „Immanuel Albertinen hilft“ für die Ukraine gestartet. In Abstimmung mit den Baptistenbünden in der Ukraine und in Polen fährt seit Ende März alle 14 Tage ein Hilfstransport nach Chełm in Polen. Konzerngeschäftsführer der Immanuel Albertinen Diakonie Matthias Blum sowie die Mitarbeitenden Eva Maria Czysch, Holger Meyer und Thomas Maier berichten, was sie vor Ort erlebt haben.

Ein Stück dem Krieg näher

Von unserem Logistikzentrum in Werder an der Havel bei Berlin aus führt eine Autobahn direkt bis in die Ukraine. Gefühlt, ohne auch nur einmal abzubiegen. Berlin, Frankfurt/Oder und dann nur noch geradeaus an Warschau und Lublin vorbei. Über 800 Kilometer, das sind knapp 8 Stunden Fahrt mit dem Auto. Wir sind unterwegs, um uns direkt einen Eindruck vor Ort zu machen. Unser Ziel: die kleine polnische Gemeinde Chełm, nur 25 km von der polnisch-ukrainischen Grenze entfernt. Wir, das sind Matthias Blum, Eva Maria Czysch, Holger Meyer und Thomas Maier, alle von der Immanuel Albertinen Diakonie. Matthias Blum, der gleichermaßen auch unser Fahrer ist, bringt uns mit Sicherheit und Ausdauer ans Ziel und wohlbehalten wieder zurück.

Als wir in Chełm ankommen, steuern wir direkt die dortige Baptistengemeinde an. Wir sind verabredet mit Jonasz. Er ist 30 Jahre alt und der Sohn des Pastors. Eigentlich ist er Senior Wirtschaftsprüfer bei einer der großen internationalen Organisationen und lebt in einer anderen Stadt. Aber als der Krieg in der Ukraine ausbrach und dann über Nacht plötzlich der Flüchtlingsstrom nach Polen begann, war die Baptistengemeinde gefragt und Jonasz. Vor etwas mehr als 50 Jahren hatte diese Gemeinde eine moderne Backsteinkirche gebaut. Eigentlich viel zu groß, wie Jonasz uns erzählt. Die rund 90 Gemeindeglieder mit im Schnitt 70 sonntäglichen Gottesdienstbesuchern konnten die räumliche Größe bisher bei weitem nicht füllen. Aber nun stellte sich die Größe des Gebäudes als wesentlicher Hilfs-Baustein dar.

Die großen Herausforderungen werden gemeinsam gemeistert

Von Tag zu Tag kommen immer mehr Geflüchtete und die ankommenden Hilfesuchenden müssen versorgt werden mit Essen, zum Teil mit Kleidungsstücken und vor allem aber mit humanen Schlafmöglichkeiten. Ab den ersten Tagen wird die Kirche zur Anlaufstelle: Sie wird ausgeräumt für Schlafbetten und Verpflegungsplätze. Freiwillige Helferinnen und Helfer müssen gefunden und angeleitet werden. Es stellt die Gemeinde vor extreme Herausforderungen. Innerhalb von drei Monaten werden in der Baptistengemeinde in Chełm über 4.800 Menschen versorgt. Insgesamt fanden bis zu 280 Schlafbetten in der Kirche Platz. Der finanzielle und logistische Aufwand kommt schnell an seine Grenzen. Es zeigt sich, dass das Netzwerk der Baptistengemeinde trägt und auch die Menschen in der Nachbarschaft unterstützen tatkräftig.

Nicht nur aus dem polnischen Gemeindebund kommt Hilfe, sondern auch die internationale Gemeinschaft trägt. Dazu gehört auch der deutsche Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Zusammenarbeit mit der Immanuel Albertinen Diakonie. Im Rahmen der gemeinsamen Spendenaktion „Immanuel Albertinen hilft“ liefern wir über unsere Logistik- und Einkaufsgesellschaft Hospital LogiServe umgehend Lebensmittel und medizinisches Material. Seit Ende März fährt alle 14 Tage ein LKW nach Chełm.###3_IMAGES###

Viele großartige freiwillig Mitarbeitende sind da

Wir sind sehr bewegt und bewundern zugleich die Entschlossenheit von Jonasz und den vielen ehrenamtlichen Helfern. Doch das ist noch nicht alles.

Die Baptistengemeinde in Chełm hat am Rande des Ortes eine große Lagerhalle angemietet und kauft inzwischen mit Spendenmitteln Lebensmittel von den Großhändlern, um sie dann mit großen 38-Tonner-LKWs zusammen mit den von uns gelieferten medizinischen Artikeln in die Ukraine zielgerichtet zu den Menschen zu bringen. Jonasz hat sich auch bereits persönlich ein Bild von der Lage in der Ukraine gemacht. Er berichtete von Irpin, Butscha und Kiew. Bis hinter die Frontline des Krieges ist er gefahren, um sicher zu gehen, dass die Lieferungen dort ankommen, wo sie benötigt werden und dort auch verteilt werden können. Zweimal wöchentlich macht sich inzwischen ein LKW Richtung Kiew auf. 1.200 Paletten mit Hilfsgütern wurden innerhalb der letzten 5 Monate geliefert.

Kostete der Einkauf von Lebensmittel für eine vollgepackte Palette zu Beginn noch rund 800 Euro, so hat sich auf Grund von Inflation und des Krieges der Preis auf mittlerweile um 50 Prozent auf 1.200 Euro erhöht. Auch das fordert Jonasz tagtäglich heraus und erfordert Kreativität und Spontanität, um weitere finanzielle Mittel einzutreiben.

Beeindruckende Menschen packen selbstverständlich mit an

Wir fahren gemeinsam zum Lager am Rande der Stadt. Eine riesige Lagerhalle aus Betonelementen tut sich vor uns aus. Wir steigen aus dem Auto, gehen die Rampe hoch und durch das weit geöffnete Ladetor. Gleich am Eingang ein großes Schild: „We love Ukraine, we support Ukraine“. Auf der linken Seite ein Plakat in Handschrift mit Gebetszeilen. Wir gehen hinein. Im dunklen Licht erblicken wir sechs junge Menschen, die um einen Tisch stehen. Sie machen wohl gleich Feierabend. Angestrengt und müde schauen sie uns mit einem Lächeln und zugleich mit einem fragenden Gesichtsausdruck an: „Was die wohl von uns wollen?“ Wir stellen uns vor. Gut, dass Eva Maria Czysch mit dabei ist, die mit ihrem Sprachschatz beim Übersetzen aushilft. Im weiteren Gesprächsverlauf ist es dann auch oft Englisch, das eine gemeinsame Verständigung ermöglicht.

Kazik, Martin, Ola, Maxim, Katia und Maddie stellen sich vor. Schon aus ihren Worten, ohne dass wir alles verstehen, ist ihr großes Engagement und ihre Leidenschaft zu entnehmen. Sie alle arbeiten ehrenamtlich bei der Verteilung der Hilfslieferungen mit. Sie sind ein Teil eines großen Teams. Maddie, die 22-jährige junge Frau aus den USA, hat ihr Studium unterbrochen und ist auf eigene Kosten nach Polen gekommen, um zu helfen. In den nächsten Tagen wird sie in die Ukraine weiterfahren, um dann vor Ort die Auslieferung zu koordinieren. Sie zeigt uns im Schnelldurchlauf Fotos auf dem Smartphone von ausbrannten Panzern in den Wäldern der Ukraine, auf die Friedenstauben in den ukrainischen Nationalfarben gemalt worden sind. Ein Zeichen der Hoffnung an jenem verlassenen Ort.###3_IMAGES###

Auch wir sind dabei gefragt

Wir sind tief bewegt und auch etwas beschämt von solch einem Mut und selbstloser Hingabe. Wir inspizieren die große Lagerhalle. Eine fast unüberschaubare Menge an abgepackten Palletten sind darin gestapelt, gefüllt mit Nudeln, Konserven, Mehl, Linsen, Milch, Keksen und vielem mehr. Ein Teil geht direkt an die Frontlinie. Wir entdecken nun auch einige medizinische Artikel, die wir durch unser Hilfsprojekt schon seit Wochen regelmäßig liefern.

Unsere Lieferungen werden dringend gebraucht, wie uns Jonasz versichert. Während die Lebensmittel vor Ort eingekauft werden können, sind medizinische Hilfsgüter nicht so leicht zu bekommen. Holger Meyer, der Geschäftsführer von Hospital LogiServe, ist auch deshalb mitgekommen, um im Detail abzusprechen, wie und ob wir hier nachsteuern müssen. Klar ist auf jeden Fall: Weitere Lieferungen werden dringend benötigt.

Wir sitzen abends nochmal in einem Restaurant am Marktplatz der Kleinstadt zusammen. Jonasz sitzt mit am Tisch. Sein Handy klingelt fast ununterbrochen. Es geht fast immer um die Ukrainehilfe. Er legt sein Handy zur Seite und hört uns mit müden Augen zu. Unser Interesse und auch unser tiefes Bewegtsein kann er aus unseren Gesichtern ablesen und selbst unsererseits unausgesprochene Fragen und Gedanken beantworten.

Obwohl wir noch einige wenige Kilometer von der Ukraine entfernt sind, ist es doch ein beklemmendes Gefühl, so nah an dem Land zu sein, in dem gerade ein grausamer Krieg herrscht. Es ist so viel anders und näher als die Informationen aus den Medien zu sehen und zu lesen. Klar ist, wir wollen und müssen weiter helfen. Und wir haben mit der Baptistengemeinde in Chełm und mit Jonasz vertrauenswürdige Partner. 

Unsere Hilfe und Unterstützung kommt an

Am nächsten Morgen fahren wir frühmorgens zum Warenlager. Zwei weitere Helfer, Kazimierz und Mariusz, öffnen die Türen zur Halle. Dort treffen wir unseren polnischen Fahrer Dariusz, der am Donnerstag zuvor unsere Hilfslieferung aus dem Lager in Werder abgeholt hat und dann über Nacht durchgefahren ist. Er freut sich, dass er uns bei der Aktion „Immanuel Albertinen hilft“ unterstützen kann. Er fährt gerne regelmäßig die Strecke.

Mit Hubstablern ist der LKW schnell entladen, wartet doch bereits ein 38-Tonner-LKW zur Beladung für eine Fahrt an die Front in die Ukraine. Das Team der Ehrenamtlichen packt kräftig an. Es geht schnell und geräuscharm vonstatten. Ein eingespieltes Team. Wir hoffen und beten, dass alles gut geht.

Nach einem kurzen Austausch und Instant-Kaffee mit Keksen fahren wir zurück nach Berlin. Wir tauschen uns aus. Wir sind froh und dankbar vor Ort gewesen zu sein und von den Hilfsaktionen der Baptistengemeinde berichten zu können. Zugleich beschäftigen uns diese Eindrücke und hinterlassen nachhaltige Spuren.

Sie wollen „Immanuel Albertinen hilft“ unterstützen?
Dann nutzen Sie das Ukraine-Spendenkonto der Immanuel Albertinen Diakonie gGmbH.

Empfängerin: Immanuel Albertinen Diakonie gGmbH
IBAN: DE75 1005 0000 1050 0031 40
Verwendungszweck: Spende Ukraine Immanuel Albertinen hilft, Ihr Name, Ihre Adresse

oder Sie spenden via PayPal: spenden@immanuelalbertinen.de
Text für "Mitteilung eingeben": Spende Ukraine Immanuel Albertinen hilft, Ihr Name, Ihre Adresse

Oder an die Ukraine-Hilfe des BEFG:

Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden
IBAN: DE14 5009 2100 0000 0333 08
Verwendungszweck: P 45 022 Krieg Ukraine

Seiten

EFG-Nienburg Aggregator abonnieren