Sammlung von Newsfeeds

Lukas 12,7

ERF Plus - Wort zum Tag -

„Jesus spricht: Auch die Haare auf eurem Haupt sind alle gezählt. Fürchtet euch nicht!“ Lukas 12,7).

Wenn sie gerade aufgewacht sind und sich noch müde durch die Haare streichen, haben Sie vielleicht ein paar von ihnen auf dem Kopfkissen liegen. Möglicherweise stehen Sie gerade im Bad und kämmen sich. Schauen Sie bitte mal nach, ob ein paar ihrer Haare in der Bürste hängen geblieben sind. Je nachdem welche Haarfarbe Sie haben, wie alt Sie sind und welches Geschlecht Sie haben, tragen Sie zwischen 150 000 und 1 000 Haare auf ihrem Kopf spazieren.

Als ich neulich beim Friseur war, kamen wir auch auf die Haare zur sprechen. Das liegt bei so einem  Termin ja nahe. Der junge Mann gab mir ein paar gute Tipps zur Pflege. Da ich zum ersten Mal dort war, kamen wir über unsere Arbeit ins Gespräch. Er schilderte seinen beruflichen Werdegang und auch, warum er gerne Friseur ist. Ich erzählte ihm, dass ich Pastor bin – und was mir der Glaube an Jesus Christus bedeutet. Seine Vorstellungen über Gott, dass er ein unpersönliches Wesen sei, waren sehr unterschiedlich zu meiner Sichtweise. Einig waren wir uns, dass es einen tieferen Sinn für unser Leben geben musste.

Auch Jesus sprach mit seinen Freunden über den Sinn des Lebens. Er machte ihnen unmissverständlich klar, was das für sie bedeutete. Mit ihm sei das System der Religion beendet. Nicht mehr die Erfüllung religiöser Vorschriften, sondern die persönliche Vertrauensbeziehung zu ihm, seien das Entscheidende. Durch seinen bevorstehenden Tod würden alle Opfer des alttestamentlichen Gebots erfüllt. ER würde die Hypothek, die jeder Mensch durch seinen Ungehorsam gegenüber Gott aufgehäuft hat, für ihn bezahlen. Alle, die das für sich in Anspruch nehmen, wären freigesprochen.

Diese befreiende und verändernde Nachricht sollte und könnte nicht das Geheimwissen seiner Freunde bleiben. Sie würden überall davon erzählen. Das wäre das Thema, das seinen Jüngern Beine macht, dass sie das bezeugen. Dass sie das anderen erklären und andere einladen, sich auch auf Jesus einzulassen und ihm ihr Leben anzuvertrauen. Mit so einem engagierten Leben für ihn werden sie anecken, prophezeite ihnen Jesus. Aber davor sollen seine keine Angst haben. Gerade für diese herausfordernden Zeiten, gibt Jesus ihnen hier ein starkes Versprechen. Was kosten fünf Spatzen? Vielleicht ein paar Cent? Und doch vergisst Gott nicht einen Einzigen von ihnen. Und auch die Haare auf eurem Kopf sind alle gezählt. Habt deshalb keine Angst, denn ihr seid ihm wertvoller als ein ganzer Schwarm Spatzen. Und ich versichere euch: Wer sich hier auf der Erde zu mir bekennt, zu dem wird sich der Menschensohn auch in der Gegenwart der Engel Gottes bekennen.

Bei Jesus werde ich nicht übersehen. Ihm sind mein Ergehen und mein Wohl wichtig. Ich werde hier nicht nur zur Mitarbeit aufgefordert, sondern Jesus, der Coach meines Lebens, kümmert sich auch um die kleinen und großen Dinge meines Alltags.

Ich fragte bei meinem Friseur nach, wie er denn diesen tieferen Sinn finden wolle. Er sagte: „durch ausprobieren!“ Daraufhin lud ich ihn ein, zu unsrem ALPHA-Kurs, den unsere Gemeinde bald beginnen wird. Auf der Einladung stand: „War das schon alles?“ Als er das las, sah ich in seinen Augen ein Leuchten. Er meinte nur verdattert, dass ihm genau diese Frage, diese Woche schon ein paar Mal durch den Kopf gegangen sei! Er versprach zu kommen und jetzt bete ich, dass er sich auf den Weg macht.

Autor: Lothar Rapp

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Psalm 31,10

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Es gibt Dinge, Vorfälle, Lebenslagen, die sind einfach nur zum Heulen. Und es gibt kaum einen Menschen unter den knapp 8 Milliarden auf diesem Planeten, dem so etwas lebenslang erspart bleibt. Der Wirklichkeitstest beweist: Mit  Kummer, Trauer, Abschieds- oder Verlustschmerz, mit bitteren Enttäuschungen, mit Scheitern und Versagen muss sich jede und jeder auseinandersetzen. Früher oder später.

Wahr ist aber auch: Solche Schläge sind in den allermeisten Fällen eben KEIN Schicksal, und schon gar nicht sind sie das Ende. Solche Erfahrungen prägen, sie können auch Narben hinterlassen – zumindest auf der Seele, oft auch im Gesicht in Form von Furchen oder Sorgenfalten. Aber sie können auch stark machen. Vom Leben gezeichnete Menschen können zu Vorbildern werden, können anderen durch ihre Krisen hindurch helfen. Das oft allein schon durch ihre Gegenwart.

Ein paar solcher Menschen habe ich in diesem Moment vor Augen, wo ich im Liederbuch Israels, in Psalm 31, die Sätze lese: „Hab Erbarmen, Herr, ich weiß nicht mehr weiter! Meine Augen sind müde vom Weinen, ich bin völlig am Ende“ (Psalm 31,10; GN). Eine erschütternde Momentaufnahme. Ein Lamento, das auch noch weiter geht. Aber eingebettet in ganz anders klingende, zuversichtliche Aussagen. Denn davor heißt es: „Du gibst mir Halt, du bietest mir Schutz. Geh mit mir und führe mich“ (Psalm 31,4). Und danach heißt es: „Ich dachte schon in meiner Angst, ich wäre aus deiner Nähe verbannt. Doch du hast mich gehört, als ich um Hilfe schrie“ (Psalm 31,23).  Das merke ich mir für das nächste Mal, wenn mir zum Heulen ist.

Autor: Markus Baum

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Johannes 14,18

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Es war Mitte des 19. Jahrhunderts. Auf Sumatra war der deutsche Missionar Ludwig Nommensen tätig. Eines Tages kamen fünf Männer in seine Hütte. Sie wollten ausprobieren, wie weit seine Geduld reichen würde. Sie verlangten, dass der Vielbeschäftigte sich unausgesetzt mit ihnen abgab, sie unterhielt, ihnen Bilder zeigte, auf alle ihre albernen Fragen Antwort gab und sie auch noch bewirtete. Sie legten sich zum Mittagsschlaf auf den Fußboden und wichen und wankten nicht bis Mitternacht. Da machte Nommensen ihnen deutlich, er müsse nun schlafen. Aber auch da gingen sie nicht, sondern machten es sich auf dem Fußboden bequem und übernachteten neben dem Missionar in der engen Hütte. Gegen Morgen, als sie erwachten, bemerkten sie mit Staunen, dass sie mit einer wollenen Decke gegen die Morgenkälte zugedeckt waren. Das konnte natürlich nur der Missionar getan haben, den sie so geärgert hatten. Die Güte Nommensens entwaffnete die rohen Burschen. Sie schämten sich und schlichen davon.

Für Nommensen wird es nicht leicht gewesen sein, seinen Plagegeistern mit Liebe zu begegnen. Es wäre verständlich gewesen, wenn er geschimpft  und seine unerwünschten Besucher an die Luft gesetzt hätte. Nommensen aber wollte im Geist seines Herrn Jesus Christus und mit viel Liebe den Menschen dienen. So wie er auf die Herausforderung reagierte, handelt nur ein Mensch, der bedingungslos lieben kann. Und das, weil er erfüllt ist vom Heiligen Geist.

Dass solche Liebe hilft, das Leben zu meistern, das hatten die Jünger erfahren. Johannes berichtet davon. Aber das würde nun ein Ende haben. Jesus würde sie verlassen. Die Jünger sahen diesem Tag mit Furcht entgegen. Ein Leben ohne ihn, allein, konnten sie sich gar nicht vorstellen. Trauer erfüllte ihr Herz.

„Euer Herz erschrecke nicht“, rief Jesus seinen Hörern zu und machte ihnen klar, dass sich mit seinem Abschied von dieser Erde für sie ganz neue Perspektiven eröffnen würden. Er, der nun mit seinem himmlischen Vater vereint sein würde, tröstete mit den Worten: „Glaubt mir, dass ich im Vater bin und der Vater in mir und ihr werdet die gleichen Taten vollbringen wie ich“.

Gewiss haben sich die Jünger über solche Zusagen gefreut, auch wenn  sie sich gefragt haben mögen, wie das alles geschehen könne. Ohne Jesus, wie sollte das gehen? Die Antwort Jesu:  „Ich werde den Vater bitten, dass er an meiner Stelle jemanden zu euch senden soll, der euch hilft und nie verlassen wird. Ich sende den Geist der Wahrheit, denn ich will euch nicht als Waisen zurücklassen.“

Dieser Geist der Wahrheit und der Liebe leitete in späteren Jahren und Jahrhunderten die Jünger und beauftragte sie, unsere Welt zum Glauben an Jesus zu rufen. Das geschah an unzähligen Orten und in vielen Ländern. Sie handelten nicht wie hilflose Waisen, sondern als von Gott Bevollmächtigte. In jedem Jahrhundert gab es Menschen, die die Liebe Jesu weitergaben bis hin zu einem Ludwig Nommensen und vielen anderen, die sich in der Liebe zu Jesus bewährten und die sein Wort gehalten haben (Johannes 14,23).

Autor: Horst Marquardt

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Jesaja 54,7

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 Ich beschäftige mich ja nur ungern mit Sendungen anderer Medienhäuser als dem ERF, aber was dem WDR seit 48 Jahren mit der „Sendung mit der Maus“ gelingt, ist wirklich erstaunlich. Generationen von Kindern und Junggebliebenen erfreuen sich wöchentlich an den Lach- und Sachgeschichten. Wenn Armin Maiwald oder Christoph Biermann in ihren unverwechselbaren Stil scheinbar Alltägliches erklären, dann schaut bei uns die ganze Familie zu.

Für mich persönlich ist der schönste Moment immer zu Beginn, wenn der Vorspann ein zweites Mal in einer fremden Sprache wiederholt wird. Wir raten dann wie verrückt, welche Sprache es sein könnte. Bis der Sprecher dann sagt: „Das war …“ Wir finden es jedes Mal schön und exotisch eine fremde Sprache bei uns zu Hause im Wohnzimmer zu haben.

Manches lohnt sich einfach in verschiedenen Sprachen zu verkünden. Wie zum Beispiel auch das Versprechen Gottes in Jesaja 54, 7 „Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln.“ Das verspricht Gott zunächst Israel. Glaube ich an Jesus Christus, dem Sohn Gottes, gilt diese Aussage auch mir.

Das ist so schön, gibt so viel Kraft und Gewissheit, dass es falsch wäre, es nur in seiner eigenen Sprache zu verkünden. Wann immer mir ein Mensch  aus einem anderen Land begegnet – was in dem mittelhessischen Provinznest Wetzlar wirklich nicht so häufig ist – wünschte ich mir die Gabe zu besitzen, in seiner Sprache von Gottes Liebe zu berichten.  Gottes Versprechen geht so weit, dass es uns Menschen auf allen Kontinenten mit Gott verbindet und versöhnt.

„Te abandoné por un instante, pero con profunda compasión volveré a unirme contigo.“ Das war Gottes Wort, auf Spanisch.

Autor: Dariush Ghobad

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Lukas 22,42

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Jahrelang war Jesus mit seinen Jüngern durchs Land gezogen. Er hatte den Menschen Freude bereitet, ihren Glauben geweckt, er hatte Hungernde gespeist, Kranke geheilt und Toten das Leben zurückgegeben. Dass man ihn dafür vor Gericht bringen und gar verurteilen würde, war für alle, die ihn begleiteten, unvorstellbar. Jesus aber wusste, was ihm bevorstand. Er würde leiden und sterben müssen. Er war von Gott dazu ausersehen, für die Sünde der ganzen Welt bestraft zu werden und mit seinem Tod den Willen Gottes zu erfüllen. Viele haben seither gefragt, ob es keinen anderen Weg gegeben hätte. Offensichtlich nicht, sonst hätte Gott anders gehandelt und Jesus hätte nicht so schrecklich zu sterben brauchen.

Das Ende seines Lebens wird auch Jesus bewegt haben. Als er wusste, dass sein Tod bevorstand, betete er: „Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“

Als Mensch war Jesus geboren worden. In Bethlehem war er aus der himmlischen Welt in unsere irdische hereingekommen. Seither lebte er wie jeder andere Mensch, aber mit Gott verbunden wie keiner vor und nach ihm. Jetzt, wo sein Ende nahe ist, wird deutlich, wie sehr er Mensch ist. Er ist uns so nahe, wir verstehen ihn. Wer sieht schon gern seinem Tod entgegen? Wie viele reagieren ähnlich, wenn sie spüren, dass ihr Ende bevorsteht. Auch die Bitten sind ähnlich: Kannst du mir nicht dieses Leid ersparen? Kannst du mir nicht diese Schmerzen nehmen? Kannst du nicht mein Leben noch verlängern? 

Lukas schreibt, dass Jesus während dieses Gebetes schwitzte und zwar so sehr, dass aus den Schweißtropfen Blutstropfen wurden. Es muss ihm gewesen sein, als reiche ihm jemand einen Giftbecher. Voller Inbrunst bittet er: Vater, wenn du willst, dann erspare mir den bitteren Kelch.

Dieser biblische Bericht, der wohl die schwärzeste Stunde im Leben Jesu beschreibt, lässt erkennen, dass Jesus wirklicher Mensch war. War schon seine Mensch- bzw. Fleischwerdung kaum zu verstehen, so bleibt auch schwer fassbar, dass dieser Gottes- und Menschenfreund so grausam sterben musste.

Auch der Koran spricht von Jesus, spart aber die Kreuzigung aus. Stattdessen wird behauptet, ein anderer sei an der Stelle Jesu gestorben. Der biblische Bericht sagt etwas anderes. Die Bitte Jesu, nicht leiden zu müssen, ist so verständlich. Wer bringt  in einer Stunde großer Gefährdung, den Tod vor Augen, die Kraft auf zu sagen: Himmlischer Vater, dein Wille geschehe. Für einige Christen wurde der leidende Jesus zum Vorbild.  Auch während der Hitlerzeit gab es Menschen, die standhaft blieben bis zur letzten Stunde.

Im April 1945 wurde Friedrich Justus Perels in Berlin aus seine Gefängniszelle gezerrt und von einem SS-Sonderkommando auf der Straße erschossen. Kurz vor seinem Tod schrieb er an seine Frau: „Heute, am Karfreitag, steht der ganze Trost des Kreuzes Jesu Christi unmittelbar vor unseren Augen. Das ist eine starke und ewige Gewissheit, dass er für unsere Sünden dahingegeben ist und dass wir durch seine Wunden geheilt sind. Diese Gewissheit gibt er uns und macht uns damit in der großen Trübsal fröhlich und reißt uns aus der Angst und Qual. Das erfahre ich hier in ganz reichem Maß. Und daran und an nichts anderes dürft  und sollt auch ihr euch halten.“

Autor: Horst Marquardt

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Hiob 2,10

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Sie wohnt ganz in der Nähe von mir – eine Frau, die ich ab und an besuche. Gibt ein trauriges Bild ab. Schwerkrank ist sie und mittellos, weil ihr Mann gestorben ist und das Haus noch nicht abgezahlt ist. Ein riesen Schuldenberg hat sich da angehäuft. Durch ihre vielen Krankheiten ist sie geschwächt und kann nicht so richtig am sozialen Leben teilnehmen. Rolltreppe abwärts.


 So mancher von Ihnen kennt vielleicht auch solche Leute, die so immens in der Klemme stecken. Oder Sie sind es grad selbst?  Wenn ich es arrangieren könnte, würde ich Ihnen den Hiob vorbei schicken, denn der weiß genau, was in Ihnen vorgeht. Seine Geschichte steht in der Bibel, im Alten Testament. Er kennt Schicksalsschläge ohne Ende. Wie ein Häufchen Elend sitzt der einstige Großgrundbesitzer in der Asche und schabt sich die wehe, entstellte Haut voller Geschwüre. Und dann kommt der Moment, wo sich der Hiob klar positionieren muss. „Sag Gott ab und stirb", rät seine Frau ihm. Die Antwort von Hiob auf diese Todesempfehlung: „Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?" Diese Frage mag nicht jedem spontan runtergehen wie Öl. Sie hört sich vielleicht erst einmal wenig tröstlich an. Diese Frage ist eine Herausforderung, denn manchmal wendet Gott keineswegs das Blatt so schnell. Manchmal müssen wir lange unten durch, warum auch immer. Wer jedoch an Gott dran bleibt, auch wenn es hart ist, für den geht es am Ende gut aus. In letzter Konsequenz kann uns das Dunkle, das Schlimme, können die Schmerzen und selbst deTod - uns nicht scheiden von der Liebe Gottes. 

Autor: Ulrike Schild

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Daniel 9,4–5

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Schrecklich! Was finden Sie schrecklich?

Schrecklich finde ich, was Menschen einander antun. Schrecklich sind Kriegselend und Hungersnöte. Schrecklich ist, wie wir manches Unrecht zwar erkennen, aber doch nicht verhindern. Schrecklich ist … Gott!

Das steht in der heutigen Tageslosung. Es ist ein Gebet des Propheten Daniel: 

„Ach, Herr, du großer und schrecklicher Gott, der du Bund und Gnade bewahrst denen, die dich lieben und deine Gebote halten! Wir haben gesündigt, Unrecht getan.“ Dan. 9,4-5

Wie ist Gott? Die wenigsten Menschen würden ihn wohl als „groß und schrecklich“ beschreiben. Doch hier steht dieses Wort. Es fordert mich heraus. Ich möchte keinen „schrecklichen“ Gott bezeugen müssen.

Genauer übersetzt hieße es eher „furchtbar“ oder „Furcht erregend“. Doch ich spüre auch da einen Zwiespalt: Zwar kenne ich eine Gottesfurcht im Sinne einer tiefen Ehrfurcht. Aber es ist keine Angst vor Gott. „Furcht erregend“ finde ich nicht Gott, sondern den Gedanken, die Konsequenzen für alles getane Unrecht und alle unterlassen Hilfe tragen zu müssen.

„Wir haben gesündigt und Unrecht getan.“, meint ja nicht nur die kleinen Bosheiten. Es geht um die grundsätzliche Abkehr von dem, was Gott gefällt. Damit geht es auch um Egoismus, Habgier und Gleichgültigkeit gegenüber den Armen. Das Bußgebet von Daniel ist diesbezüglich deutlich.

Vers 5 geht so weiter: „Wir (haben gesündigt und Unrecht getan,) sind gottlos gewesen und von deinen Geboten und Rechten abgewichen.“ Nein, es waren gerade nicht die „besonders Schlimmen“, die so gebetet haben. Zu Daniels Zeit war das Volk Israel gefangen in Babylon. Das Exil wurde von manchen als Strafe Gottes verstanden. Gerade bei den Gläubigen gab es ein kollektives Schuld- und Verantwortungsbewusstsein: „Wir haben zu wenig gemacht, um das Ruder herumzureißen. Wir waren zu sehr mit uns selbst beschäftigt. Wir haben zu viel Unrecht in Kauf genommen.“

Diese Gefühle kenne ich auch. Gegenüber Menschen, die am Wohlstand kaum teilhaben können, und gegenüber den Generationen, die nach uns kommen.

Daniel drückt das dann so aus: „Du, Herr, bist gerecht, wir aber müssen uns alle heute schämen …“  (V. 7a) und in Vers 8 heißt es in einer anderen Übersetzung: „Uns, HERR, treibt es die Schamröte ins Gesicht, (…)weil wir gegen dich gesündigt haben!“ (Schlachter)

Aus der Entwicklungspsychologie wissen wir, dass schon ein kleines Kind bald Scham verspüren und erröten kann. Und wir? Schämen wir uns, dass die „Natur“ immer weniger naturbelassen ist? Schämen wir uns, dass unser globales Wirtschaftssystem Ausbeutung zulässt und gar fördert? Schämen wir uns, zu den Profiteuren zu gehören?

Ich fände es schlimm, wenn wir Christinnen und Christen keine Scham mehr empfinden würden. Es könnte auf ein Gottesbild hinweisen, das jedes Erschrecken vor Gott und seiner Macht ausschließt.

 Darum ist es gut, dass wir auch heute wie Daniel zu diesem großen Gott beten könne: „Ach, Herr, du großer und schrecklicher Gott, der du Bund und Gnade bewahrst denen, die dich lieben und deine Gebote halten! Wir haben gesündigt, Unrecht getan.“ (Daniel 9,4-5)

Autor: Andreas Schenk

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Römer 5,20

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Wie gerne hätte ich früher in der Grundschule einen älteren Bruder gehabt. Jemand, mit dem ich hätte drohen können, im Falle, dass große Jungs mich ärgern. Leider war ich zuhause der Erstgeborene und als mein „kleiner“ Bruder mit 17 Jahren mich überholte, hatte sich das Thema „mit dem großen Bruder drohen“ erledigt.

Jemand mächtiges im Rücken haben, ist eine gute Sache. Das macht Mut und entspannt manche Situation. Man kann ganz anders, viel selbstbewusster auftreten.

Es gibt eine mächtige Realität im Leben aller Menschen, die uns zu schaffen macht. Es ist die Sünde. Paulus schreibt davon in seinem Brief an die  Christen in Rom. Ich zitiere:

„Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger geworden“, Römer 5,20.

Ja, die Sünde ist mächtig. Ein echtes Problem. Aber es gibt etwas, das noch mächtiger ist: die Gnade, die Jesus Christus mir gewährt, wenn ich sie in Anspruch nehme.

Und wie geht das: Die Gnade annehmen?

Ganz einfach: Ich bekenne in einem Gebet Jesus all das, was mich belastet, was ich an Schuld mit mir herumtrage. Dann bitte ich ihn um Vergebung und spreche ihm mein Vertrauen aus.

Wenn ich das tue, kann dieser Tag gelingen. Warum? Weil ich mich mit der größten Macht und Autorität des Universums verbinde. – Und das ich viel besser als ein großer Bruder es je sein könnte.

Autor: Wolf-Dieter Kretschmer

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Lukas 9,48

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Unsere Kinder und ich träumen von einem ganz besonderen Wettkampf. Da sollen sich alle richtig anstrengen und um Rang und Ehre streiten. Doch bei der Medaillenvergabe soll  für einmal gelten: „Die Letzten werden die Ersten sein.“ Plötzlich wären die Letzten begehrte Interviewpartner, würden um Autogramme gebeten und an der Siegerehrung gefeiert. Und wir stellen uns dann ihre verdutzen Gesichter vor und – noch fast lieber – jene der vermeintlichen Sieger.

Bei olympischen Spielen wird dies kaum je geschehen. Und auch in unserem Alltag ist es eine Ausnahme. Da zählen Leistung und Erfolg. Anders als bei Gott. Da gilt nicht dieselbe Logik.

Jesus macht das verschiedentlich deutlich. Im heutigen Tagesvers in Lukas 9,48 etwa sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Wer der Kleinste ist unter euch allen, der ist groß.“ Und dazu hat Jesus ein Kind in ihre Mitte geholt. „Wer dieses Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf …“.

Da haben einige der Jünger wohl auch ganz schön verdutzt aus der Wäsche geschaut. Sie waren nämlich mit ganz anderen Gedanken beschäftigt. Sie fragten sich gerade, wer wohl der Größte und Wichtigste unter ihnen sei.

Ja, das sind lustige Gesellen. Seit einiger Zeit sind sie mit Jesus unterwegs. Sie haben längst mitbekommen, dass er sich nicht nur mit den Wichtigen und Einflussreichen abgibt, sondern vor allem um jene kümmert, die ihn nötig haben.

So erzählt der Evangelist Lukas wenige Verse davor, wie ein besessener Knabe von Jesus geheilt wird. Dann kündigt Jesus ihnen zum zweiten Mal an, dass er bald in die Hände seiner Feinde kommen wird. Von seinen Gegnern gefangengenommen wird.

Und die Jünger? Sie schnallen es nicht und wagen auch nicht nachzufragen, was er damit meint. Und dann kommen sie eben auf andere Gedanken: „Es schlich sich aber der Gedanke bei ihnen ein, wer wohl der Größte unter ihnen sei.“ (Lk. 9,46)

Ich finde sie sympathische Kerle. Da erkenne ich mich wieder. So geht es doch manchmal. Plötzlich sind so unsinnige Gedanken da. Vielleicht wollten sie diese sogar verscheuchen. Aber es ging nicht.

Gott sei Dank ist Jesus da. Er merkt wo’s lang geht und weist ihnen bestimmt, aber liebenswürdig den Weg. Seht dieses Kind an, kümmert euch um es.

Er hätte auch eine alte, unscheinbare, demenzkranke Frau aus dem Altenheim um die Ecke holen können. Oder ihre Pflegerin türkischer oder tamilischer Herkunft. Oder er hätte sie zu einem Arbeiter an einem Fließband führen können. Oder zum Nachbarskind, das so unscheinbar ist, dass wir es meist übersehen.

Bei Jesus bleiben sie alle nicht am Rand. Sie sind wichtig. Sie sind seine und unsere Zuwendung wert. Und genau so sind auch wir wichtig für ihn. Gerade dann, wenn uns jemand „klein macht“. Und dann, wenn wir wieder einmal „übersehen“ werden. Oder dann, wenn wir uns wie der hinterletzte Mensch fühlen.    

„Wer der Kleinste ist unter euch allen, der ist groß.“ (Lukas, 9,48)

Autor: Andreas Schenk

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Psalm 8,3

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Es ist Studienzeit, Anfang der 90er Jahre. Außeneinsatz. Unsere Aufgabenstellung: „Stellen Sie sich dort unten auf die Wiese und reden Sie so laut, dass wir Sie hier oben verstehen.“ Hintergrund: So manche Beerdigung will auch ohne Mikrofon so geleitet werden, dass jeder hören kann, was wir sagen.

Und dann kam es, ich werde es nie vergessen: Ralf steht unten auf der Wiese und schreit: „Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name …“ Obwohl wir eigentlich weit weg waren, wichen wir quasi einen Schritt zurück. Wir haben noch lange gelacht über diese Situation, aber sie hatte vor allem eines zur Folge: Diese Worte aus Psalm 8 gingen mir nie wieder aus dem Kopf. Der ganze Psalm gehört für mich zu den schönsten Liedern, die David geschrieben hat. In nur zehn Versen ist es ein faszinierendes Bild von Schöpfung, von der Herrlichkeit Gottes bis hin zur Ankündigung des Erlösers Jesus Christus. Darin auch der Satz „Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet“. Kinder sind hier für mich ein Hinweis auf absolutes Vertrauen. Sie sind davon abhängig, bedingungslos geliebt zu werden. Und das ist das Angebot, das Gott allen Menschen macht: seine bedingungslose Liebe. Erwachsene begegnen diesem Angebot oft mit vielen Fragen oder auch mit Misstrauen. Kinder? Sie lassen sich einfach lieben, strahlen. Und manchmal hört man sie auch jauchzen vor Freude und ist ihrer Begeisterung machtlos ausgeliefert!

Autor: Hans Wagner

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Matthäus 13,33

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Ich denke gerne an Hermann zurück. Wir hatten eine gute Zeit zusammen, der Hermann und ich. Hermann hat mir viel Freude bereitet, mich großzügig beschenkt, mich herausgefordert, mich an meine Grenzen gebracht. Und schließlich hat er mich besiegt, ich musste ihn gehen lassen. Ich war zu schwach für Hermann.

Hermann war ein Sauerteig. Irgendjemand hatte ihn mir geschenkt, und ich musste Hermann zehn Tage lang mit Mehl, Milch und Zucker füttern, ihn dann in vier Teile teilen, aus einem Teil einen Kuchen backen und die anderen drei Teile weiterverschenken. Ich behielt gewöhnlich einen der drei Verschenk-Teile für mich und machte mit diesem weiter. Denn die Hermann-Kuchen schmeckten wunderbar. Ich habe sie geliebt. Und ich habe viele Hermann-Kinder weiterverschenkt. Alle mochten Hermann.

Aber es kam der Punkt, an dem es schwierig wurde. Denn irgendwann waren alle Freunde, Nachbarn und Bekannten mit Hermann versorgt. Alle erstickten selbst schon schier in Hermännern, die sie loswerden mussten. Deshalb musste ich meine Hermänner selbst verbacken, musste immer mehr Mehl und Zucker anschleppen, die Kuchen stapelten sich, und dann konnte ich nicht mehr. Ich verschenkte meinen letzten Hermann. Es war zu viel. Mit so viel Dynamik konnte ich nicht umgehen.

Deshalb macht es mir geradezu ein bisschen Angst, wenn Jesus hier in Matthäus 13,33 sagt: „Das Himmelreich gleich einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Scheffel Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.“ So ein bisschen Sauerteig kann tatsächlich eine Menge bewegen. In diesem Fall „drei Scheffel“ Mehl, also um die 20 Kilo, einen großen Trog voll. Wenn der dann erst noch aufgeht … Wie viele Brote lassen sich daraus backen? Wie viele Menschen werden davon satt? Wie gut schmeckt so ein Brot? So ganz anders als das flache Fladenbrot, das man bekommt, wenn man keinen Sauerteig hat. Ist dieses weiche, saftige Brot vielleicht ein kleiner Vorgeschmack auf den Himmel?

Dieser kleine Teig, der alles durchdringt und aufgehen lässt, ganz von selbst, ist ein Bild für das Himmelreich, sagt Jesus. Das Reich Gottes ist stark, dynamisch, es setzt sich durch, es lässt sich nicht aufhalten oder unterdrücken. Es quillt immer wieder aus allen Ritzen hervor. Weil es an sich eine Kraft hat, die unwiderstehlich ist.

Es ist ein ungewohnter Gedanke, irgendwie. Wie sehr bin ich immer wieder damit beschäftigt, für das Reich Gottes einzutreten, dafür zu argumentieren, Programme zu seiner Verbreitung zu entwerfen. Als ob es hier um eine reine Idee geht, die selbst kein Leben besitzt und die davon abhängt, dass ich mich für sie engagiere. Dabei habe ich es doch hier mit etwas zu tun, das selbst lebendig ist und das sogar viel stärker ist als ich. Das Reich Gottes ist nicht auf mein bisschen Kraft angewiesen. Es kann sehr gut für sich selbst sorgen. Es ist nämlich genau umgekehrt: Dadurch, dass ich Teil des Reiches Gottes bin, kann ich überhaupt erst all das tun, was ich tue. Ich habe diese ungeheure Dynamik im Rücken, ich muss sie nicht selbst erzeugen. Ich darf an dem Anteil haben, was Gott bereits in der Welt tut. Seine Lebenskraft wird zu meiner.

Und wenn mir jemand wieder einmal einen Hermann schenkt, werde ich den natürlich wieder gut füttern. Und viele Menschen damit satt und glücklich machen.

Autor: Jutta Schierholz

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Jeremia 30,19

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Eine Art Tagebuch soll der Prophet Jeremia auf Gottes Empfehlung hin führen. Nicht über das, was heute passiert, sondern über das, was Gott heute sagt. Was sich aber erst in 70 Jahren ereignen wird. Wozu das?

Gott legt Wert darauf, dass er zu seinem Wort steht. Das soll nachprüfbar sein. Falls sein Volk, wie so oft schon, seine Worte vergisst, können sie sich beim Lesen dieses geistlichen Tagebuches erinnern, wie Gottes Pläne aussehen. Und wenn der Traum Wirklichkeit ist, jubeln vor Freude, so wie es von Jeremia festgehalten ist. In Kapitel 30, Vers 19: „Und es soll aus ihr – gemeint ist Jerusalem – erschallen Lob- und Freudengesang; denn ich will sie - die Israeliten - mehren und nicht mindern, ich will sie herrlich machen und nicht geringer.“

Sie, die sich heute zu Recht von Gott ins Abseits gestellt sehen, werden 70 Jahre später erkennen, wo sie Gott hintergangen haben. Ihre Sünde werden sie vor Gott beichten und er wird sie an ihren Sehnsuchtsort Jerusalem zurückbringen. Sie werden die Stadt mit ihren Kindern und Enkeln bevölkern. Jerusalem wird nicht aussterben, sondern eine pulsierende Stadt sein. Sie werden in dieser Stadt ein Spiegel der Herrlichkeit Gottes sein. Sie werden Loblieder auf Gott singen, weil auf ihn Verlass ist. Er hält ein, was er sagt.

Das macht Gott übrigens bis heute. Ich trage mir auch in einer Art Tagebuch ein, was Gott mir sagt – damit ich seine Worte nicht vergesse und wie das Volk Israel jubeln kann, wenn sich das Warten auf Gottes Versprechen gelohnt hat. Weil er seine Gutscheinworte an mich eingelöst hat und ich staunend sage: "So ist Gott, mein Gott!"

Autor: Pastorin Elke Drossmann

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Jesaja 46,4

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Ich gebe es zu: Ich werde langsam grau. Meine Kinder sagen es mir ganz unverblümt: Mama, du wirst echt alt. Deshalb hat mich der Vers 4 aus dem Jesaja-Buch, Kapitel 46 auch gleich angesprochen. „Ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten.“

Ich bin jetzt in einem Alter, in dem die Menschen, die mich bisher getragen haben, weniger werden. Mutter und Vater, die mich von Anfang an als Kind getragen haben, sind gestorben oder müssen selbst von mir getragen und gepflegt werden. Genauso ist es auch mit den anderen Leuten, die mich im Lauf meines Lebens „getragen“ haben – der Patenonkel, dem ich viel verdanke. Unsere Nachbarn. Die Lehrer von früher, die mir viel beigebracht haben. Meine Klavierlehrerin. Der erste Chef an der ersten Arbeitsstelle. Die Pastoren, die mir viel über das Leben als Christ vermittelt haben. Meine Professoren, bei denen ich studiert habe. Sie werden weniger. Sie werden alt und sterben, und sie sind dann einfach nicht mehr da.

Jetzt liegt die Aufgabe an mir, andere Menschen zu tragen: Zuerst natürlich meine Kinder, die ich trage, bis sie selbst laufen können. Und die ich weiter beim Wachsen und Lernen begleite und später helfe, auf eigenen Beinen durchs Leben zu gehen. Dann sind da die alten Eltern, die meine Hilfe brauchen, oder auch die hochbetagte Nachbarin im Erdgeschoss, bei der ich mal kurz einen Handgriff erledige. Und dann sind da vor allem noch viele, viele Jüngere, denen ich in der Gemeinde und in der Nachbarschaft eine Art Mutter bin, so wie es früher andere Menschen für mich waren. Die ich mit trage. Denen ich eine Stütze sein kann und ein Stück Lebensweisheit mitgeben kann.

Ich bin hier auf vielfältige Weise gefordert. Es ist eine gewaltige Aufgabe, so in der Mitte des Lebens zu stehen und diejenige zu sein, die am stärksten ist und andere Menschen versorgt und auf allerlei Weise trägt. Es ist eine schöne Aufgabe, aber – manchmal frage ich mich doch auch, wer eigentlich mich trägt, während ich hier alle anderen trage.

Gott spricht: „Ich will euch tragen, bis ihr grau werdet.“ Zu biblischen Zeiten war es sicher eine besondere Gnade, überhaupt ein Alter zu erreichen, in dem die Haare grau wurden. Das waren damals die ganz Alten, die Großmütter und Großväter, wenn nicht sogar die Urgroßmütter und Urgroßväter. Auch diese trägt Gott, so sagt er, als ob sie kleine Kinder wären. Euch alle, sagt Gott, werde ich euer ganzes Leben lang begleiten: Von den ersten Schritten an. Wenn ihr anfangt, euer Leben selbst in die Hand zu nehmen. Wenn ihr eigenes Geld verdient und eigene Kinder habt. Wenn ihr für andere sorgt und andere anleitet. Und wenn ihr alt werdet und eure Kraft schwindet. Ich werde euch tragen, sagt Gott. Und er ist dabei absolut zuverlässig. Denn er hat es schon so oft getan. Ich sehe das, wenn ich in die Bibel schaue und von den Menschen lese, an denen Gott gehandelt hat. Und ich sehe es auch an den vielen alten Menschen in den Gemeinden, die ihr Leben mit Gott gelebt haben. Durch alle Höhen und Tiefen des Lebens hindurch hat Gott sie getragen.

Ich bin nicht allein, wenn ich andere trage. Es ist nicht allein meine Kraft, die alle anderen hält. Es bricht nicht alles zusammen, wenn meine Kraft zwischendurch versagt. Auch ich darf mich in dieser Gewissheit fallen lassen: Dass es einen gibt, der auch mich trägt. Auch mein eigenes graues Haupt: „Ich will euch tragen, bis ihr grau werdet.“

Autor: Jutta Schierholz

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1. Korinther 1,9

ERF Plus - Anstoß -

Seit drei Wochen quäle ich mich morgens durch einen Stau, den Straßenbauarbeiten ausgelöst haben. Vorher war mein Weg zur Arbeit schnell und bequem. Sieben Minuten habe ich mit dem Auto bis ins Büro gebraucht. Jetzt sind es mindestens 25 Minuten. Gerne auch mal mehr.

Schmerzlich vermisse ich den schnellen Weg zur Arbeit, der mir so selbstverständlich schien.

Der Apostel Paulus erinnert die Christen in Korinth an zwei Dinge, die ebenfalls gerne als selbstverständlich genommen werden, es aber überhaupt nicht sind. Er schreibt:

Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. (1. Korinther 1,9)

Überlegen Sie doch einmal kurz: Wieso sollte Gott treu sein und wieso sollten Sie und ich zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus berufen sein? Wenn ich mein Leben anschaue, dann ist da wenig, weshalb Gott treu sein sollte. Ich sehe auch nicht viel, weshalb er mit mir Gemeinschaft haben sollte.

Aber – und das ist das Wunderbare am Evangelium – es kommt nicht auf mich und meine Leistungen an. Gott ist treu, denn das entspricht seinem Charakter. Und dass Sie und ich zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus berufen sind, das ist Gott souveräner Entschluss.

Ich nehme mir vor, das nicht für selbstverständlich zu nehmen, was nicht selbstverständlich ist. Ich will Gott heute bewusst dafür danken, dass er treu ist und Sie und mich zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus einlädt.

Autor: Wolf-Dieter Kretschmer

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Psalm 115,13

ERF Plus - Wort zum Tag -

Der Ausdruck ‚Segen‘ ist weithin ein Füllwort geworden, das aus der Verlegenheit hilft, wenn uns nichts Konkretes einfällt, was wir jemand wünschen. „Herzliche Segenswünsche zum Geburtstag“, „Gottes Segen zum Neuen Jahr.“  Oft ist es nichts anderes als die Formel: „Alles Gute“. Segen ist ein unscharfer Begriff geworden. „Segen“ kommt auch in vielen Redensarten vor. „Sich regen bringt Segen“ oder „Auf dieser Sache ruht kein Segen“. Und wenn es in der Familie Auseinandersetzungen gibt, „hängt der Haussegen schief“.

Das alttestamentliche Wort, das wir mit „Segen“ übersetzen, kommt häufig im Alten Testament vor. Auch  in Psalm 115 Vers 13 finden wir dieses Wort: "Der HERR segnet, die ihn fürchten, die Kleinen und die Großen.“

An Gottes Segen ist alles gelegen. Aller Segen kommt von Gott. Kein Mensch kann aus sich selber heraus „seinen Segen spenden“, auch wenn man diese Formulierung oft liest oder hört.  Alles wirklich Gute, alles wahrhaft Heilende kommt von Gott. Und Gott segnet gerne. Er möchte uns aus seiner göttlichen Lebensfülle mit Gutem beschenken. Er verspricht bereits Abraham, dem Stammvater Israels: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ (1.Mose 12,2). Wer sich Gottes Zuwendung gefallen lässt, wird sich anderen zuwenden. Wer aus der Freundschaft mit Gott lebt, wird anderen freundschaftlich  begegnen. „Segnen heißt, die Hand auf etwas legen und sagen, du gehörst trotz allem Gott“ habe ich bei Dietrich Bonhoeffer gelesen. Der segnende Mensch ist aber nur Werkzeug, der eigentlich Segnende ist der Herr. Der segnende Mensch gibt weiter, was er selbst empfangen hat. Ein Segen für andere sein, ist eine schöne Berufung.

Gott segnet die Kleinen. Für Eltern, die Kinder haben, ist das Segnen eine dringende Notwendigkeit.  Kinder sollten nicht ungesegnet aus dem Haus gehen. Es ist mehr als eine Zeremonie, wenn die Mutter oder der Vater an der Haustür noch einmal die Hand des Kindes nimmt und in ein oder zwei Sätzen einen Segenswunsch über dem Kind ausspricht und ihm dabei über die Stirn streichelt. Unsere Kinder gehen – selbst auf dem Weg zur Schule - in so viele Gefahren für Leib und Seele, dass wir sie auf ihren Wegen schützen sollen und können.

Gott segnet die Großen. Weil es Gottes Leidenschaft ist, uns Gutes zu tun, hält er Ausschau nach Menschen, die sich nach seinem Segen sehnen. Wer in Lebensfragen und bei Entscheidungen nach Gottes Willen handeln will, wer vor einer schweren Aufgabe steht oder unter einer starken Belastung leidet, wer in großer Anfechtung lebt oder von Angst wie gelähmt ist, wer unter der Last unvergebener Schuld keinen Frieden findet oder von Schwermut bedrückt keine Freude mehr kennt, der sollte sich von einem vertrauenswürdigen Menschen segnen lassen oder sich einem Beterkreis anvertrauen. Wer einen Menschen segnet, sagt ihm: „… du gehörst trotz allem Gott.“ Mehr kann einem Menschen überhaupt nicht zugesprochen werden. Mehr kann ihm nicht gegeben werden, als dass der Herr aller Herren mit ihm sein will.

Ich wünsche Ihnen heute viel Glück und viel Segen.

Autor: Pastor i. R. Eckhard Schaefer

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Galater 3,26

ERF Plus - Anstoß -

Religiös zu sein bedeutet für viele Menschen: Es gibt feste Regeln, an die man sich im Leben halten muss. Und wenn man immer alles richtig macht, hat man eine Chance, in den Himmel zu kommen. Es gab Zeiten in meinem Leben, da habe ich das selbst geglaubt. Habe mir Mühe gegeben, alles richtig zu machen, und mich an die Regeln gehalten, die in unserer Gemeinde aufgestellt wurden: Nicht rauchen, nicht tanzen. Mit 19 war ich dann doch etwas frustriert von „meinem“ Glauben. Alles, was irgendwie Spaß machte, war verboten. Wie langweilig für einen jungen Menschen, der die Welt entdecken will. Ich war kurz davor, den Glauben über Bord zu werfen, da haben mir Christen von einem Glauben erzählt, der anders war. Davon, dass ich Gottes Kind bin und dass er mich bedingungslos liebt. Von Regeln und Strafen war da keine Rede. Stattdessen ging es um Liebe, Gnade und Barmherzigkeit. Damals habe ich angefangen, zu begreifen, wie sehr Gott mich wirklich liebt, wie wichtig ihm die Beziehung zu mir ist, nicht, weil ich immer alles richtig gemacht habe. Dass er mich bedingungslos liebt – ohne Wenn und Aber. Wie ein Vater sein Kind liebt. So wie Paulus das in seinem Brief an die Galater schreibt: „Nun seid ihr alle zu Kindern Gottes geworden, weil ihr durch den Glauben mit Jesus Christus verbunden seid.“ Nichts mehr und nichts weniger: Durch den Glauben an Jesus bin ich ein Kind Gottes. Was für ein Geschenk! Das einzige, was ich selbst noch tun kann ist, dieses Geschenk anzunehmen.

Autor: Stefan Loß

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Lukas 21,14–15

ERF Plus - Wort zum Tag -

Sich Sorgen zu machen, ist eine sehr anstrengende und zutiefst sinnlose Tätigkeit. Und doch haben Sorgen Hochkonjunktur. Leider - aber wahr. Leider, weil Sorgen krank machen. Wahr, weil wir vielen offenen Fragen mit ängstlichen Gefühlen begegnen und nicht mit klarem Nachdenken. Die meisten Sorgen  beziehen sich nämlich auf Eventualitäten, die aller Wahrscheinlichkeit nach theoretisch zwar denkbar sind, aber überhaupt nie eintreten werden.  Sorgen, die aus unserem Inneren kommen. Was mag uns und unseren Angehörigen noch so alles passieren? Werden wir gesund bleiben? Wird die Rente reichen? Und wer kümmert sich um uns im Alter? Andere Sorgen treffen von außen auf uns.  Nach einer  Meinungsumfrage befürchten viele Mitbürger, dass sich die Kriegsschauplätze dieser Welt auch zu uns verlagern könnten. Nachdem an einem Urlaubsort Terroristen gewütet hatten, sagten mir Leute, dass sie sich Sorgen machen, wenn sie an ihren nächsten Ostseeurlaub denken. Manche befürchten Überfremdung durch andere Religionen und Kulturen. Und ich kenne Mitchristen, die Berichte von  Christenverfolgungen in vielen anderen Ländern lesen und sich sorgenvoll fragen: Stehen auch uns Verfolgungen bevor? Wie verhalte ich mich dann? Ist mein Glaube stark genug?

Jesus weiß, was auf uns zukommt und was so alles durch unseren Kopf und durch unser Herz geht. Er sagt im Lukasevangelium, Kapitel 21, in den Versen 14.15:

"So nehmt nun zu Herzen, dass ihr euch nicht sorgt, wie ihr euch verteidigen sollt. Denn ich will euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Widersacher nicht widerstehen noch widersprechen können.“

Diese Zusage macht Jesus in einer Rede, in der er von einer durch Kriege, Naturkatastrophen und Verfolgungen  geschüttelten Welt spricht. In der Geschichte der verfolgten Gemeinde gibt es bis heute viele eindeutige Beweise, dass Jesus zu seinem Wort steht. Von Stephanus wird gesagt, dass seine Ankläger der Weisheit und dem Geist nicht widerstehen konnten, als er  verhört wurde (Apg. 6,10).  Ein Freund von mir fuhr einen Hilfstransport nach Russland. Auf einem Parkplatz wurde er von der Mafia überfallen. Ein Mafiosi hielt eine Pistole an seine Stirn und forderte ihn auf, die Hilfsgüter auszuhändigen. Ich bekam einen großen Schreck, als er mir das erzählte und fragte ihn, wie er sich in dieser bedrohlichen Situation verhalten hat. Er sagte: „Ich hörte mich sagen ‚Wenn du jetzt schießt, komme ich in den Himmel und du in die Hölle.‘ Diesen Satz habe ich mir nicht zurecht gelegt.“ Erschreckt lief der Übeltäter davon. Wie wahr: Sorget nicht, was ihr sagen sollt.

Luther schrieb an Melanchthon: „Ich bin ein Feind jener Sorgen, die einem das Herz aus dem Leibe reißen.  Warum soll man Gott zum Lügner machen, indem man nicht an seine  wunderbaren Verheißungen glaubt, wenn er uns auffordert,  guten Mutes zu sein und alle Sorgen auf ihn zu werfen? Was kann der Teufel mehr tun, als uns zu töten?... Warum also sorgen, da ER am Steuer sitzt?... Der uns ein Vater gewesen ist, wird auch unseren Kindern ein Vater sein… Was mich betrifft, so lasse ich mir über derartige Dinge keine grauen Haare wachsen.“

Wenn das Schlimmste, was uns geschehen kann, verknüpft ist mit der Zusage: „Sorget nicht. Kein Haar auf eurem Haupt soll gekrümmt werden“ (Vers 18), dann gilt das erst recht für alle anderen Lebenssituationen.

Autor: Pastor i. R. Eckhard Schaefer

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Jeremia 1,9

ERF Plus - Anstoß -

Ein Journalist schrieb im November über „Die deutsche Lust an schlechten Nachrichten“. Ich meine: die Lust an schlechten Nachrichten vergeht den meisten wohl spätestens dann, wenn sie selbst davon betroffen sind. So soll z.B. Montezuma, der Herrscher der Azteken, befohlen haben, einen Boten hinzurichten. Denn der hatte die schlimme Nachricht überbracht: der spanische Eroberer Cortez rückt gegen uns heran.

2100 Jahre vor Montezuma hat Jeremia, ein Prophet Gottes, geschrieben: „Gott streckte seine Hand aus, berührte meine Lippen und sagte: »Ich lege meine Worte in deinen Mund.«“ Was Jeremia dem Volk Juda ausrichten soll, das werden Gottes eigene Worte sein. Und der Allmächtige bekräftigt das noch: er berührt die Lippen seines jungen Propheten. Eine wichtige Ermutigung. Denn drohendes Unglück soll Jeremia seinem Volk ankündigen. Was aber auf wenig Gegenliebe stößt. Und Juda erklärt den Propheten zum Staatsfeind Nummer eins. Jesus Christus hat seine Leute auf ganz ähnliche Situationen eingestellt (Lk 21,14f). Die Gute Nachricht vom Glauben an den Gottessohn empfinden manche nämlich als das genaue Gegenteil: als eine schlechte Nachricht. „Was mischen sich die Christen mit ihrem Gott in mein Leben ein!“ Und doch bleibt die Botschaft von Jesus das, was sie schon immer gewesen ist: Gottes Gute Nachricht. Und manche werden sie auch genauso verstehen. Und glauben – an Jesus Christus.

Autor: Steffen Brack

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Gott meint es gut

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

Der 10. Internationale Kongress der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS) fand vom 5. bis 8. Juni in Würzburg statt. Die 850 Teilnehmenden beschäftigten sich mit den Bedingungen für den psychotherapeutischen und seelsorgerlichen Umgang mit Patienten in einer digitalisierten Welt.

„Als Christen können wir den digitalen Veränderungen mit Gelassenheit begegnen. Auch die digitalen Werke enden in der analogen Leiblichkeit,“ meinte Jens Mankel am Ende des 10. Kongresses der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge. Der Referent der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal war begeistert: „Ich habe tieferen Einblick in die Digitalisierungsprozesse bekommen.“ In über 100 Vorträgen und Seminaren hatten Fachleute Gefahren und Chancen der Digitalisierung diskutiert. Zehn Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren unter 30 Jahre alt.

Unter den baptistischen Teilnehmenden waren Cornelia Nikesch, Jürgen Tischler und Prof. Dr. Andrea Klimt. Cornelia Nikesch, die langjährige Mitarbeiterin des Frauenwerkes war bereits zum dritten Mal dabei. Für sie ist tröstlich, „dass Maschinen nicht mehr können als Gott“. Tischler, der im Landesverband Niedersachsen-Ostwestfalen-Sachsen-Anhalt Gemeinden berät, ist überzeugt, „dass das Thema eine entscheidende Revolution behandelt, die unsere Gemeinden herausfordert.“ Und die Professorin für Praktische Theologie Dr. Andrea Klimt war beeindruckt: „Das war eine kurze kompakte Form von Fortbildung!“

Prof. Dr. Wolfgang Stock und der Experte für Fragen der Internetsucht Eberhard Freitag reflektierten die Praxis. Der Kommunikationsberater Stock bedauerte die wachsende Uninformiertheit vieler Menschen, trotz oder wegen einer immer mehr zunehmenden Informationsflut. Er hielt sich jedoch nicht mit dem Bedauern auf. Nicht jeder liebe Veränderungen und doch sei die Gegenwart von rasanten Veränderungsprozessen geprägt.

Theologische Impulse kamen von Prof. Dr. Matthias Clausen aus Marburg und von Dr. Mihamm Kim-Rauchholz, Professorin an der Internationalen Hochschule in Bad Liebenzell. Sie eröffnete die Tage mit Andachten, die aufmerksame Zuhörer fanden. Ein allgemeiner Gottesglaube sei ambivalent, weil er offenlässt, ob man diesen Gott fürchten oder lieben muss. Entscheidend ist daher die Offenbarung Gottes in Jesus Christus. In ihm wird eindeutig sichtbar, dass Gott vertrauenswürdig und den Menschen gut gesonnen ist. Sie betonte, dass in einer sich rapid wandelnden Welt gilt, was Paulus im Römerbrief formulierte: „Ich bin gewiss, dass nichts uns scheiden kann von der Liebe Gottes.“

Michael Borkowski, selbst Referent beim Kongress äußerte sich dankbar über den Kongress, der „Fürsorge durch Gottes Wort und eine dichte menschenfreundliche Atmosphäre“ miteinander verbindet. „Der Kontakt mit vielen Kolleginnen und Kollegen tut einfach gut.“

Für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer war ein Konzert mit Dieter Falk ein besonderer Leckerbissen. Am Flügel begeisterte er mit klassischen und modernen Kirchenliedern, teils improvisiert, ausgewählt auf Zuruf der Besucherinnen und Besucher. Man spürte, dass er seine ersten musikalischen Schritte in einer Freien evangelischen Gemeinde gemacht hatte. „Wie bei einem Familientreffen“ empfand jemand den Abend.

Am Rande des Kongresses hatte eine Gruppe von 170 Demonstranten aus dem Spektrum der linksalternativen Szene gegen den Kongress protestiert. Sie vermuteten fundamentalistische und homophobe Ziele dieses Kongresses. Von Seiten der APS und der Teilnehmenden wurde mit Unverständnis und Bedauern auf diese Gleichsetzung von christlichen Werten und diskriminierenden Einstellungen reagiert. Die APS versteht sich als Gesprächsplattform für christliche Therapeutinnen und Seelsorger aller Konfessionen und sieht eine ihrer wichtigsten Aufgaben gerade darin, Toleranz und gegenseitiges Verständnis zu fördern.

Dr. Martin Grabe, der Vorsitzende der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge, rief die Teilnehmenden in seinem Schlusswort auf, ohne Angst die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, ihr gleichzeitig angemessene Grenzen zu setzen und mit Gottvertrauen in die Zukunft zu gehen.

Der nächste Kongress findet 2021 statt.

Werkstatttag „Familiengerechte Gemeinde“

Bund Ev.-Freikl. Gemeinden -

Wie sieht eine familienfreundliche Gemeinde aus und wie kann die eigene Gemeinde familienfreundlicher werden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Werkstatttags am 11. Mai in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Teterow.

Die Art des Familienlebens befinde sich in unserer Gesellschaft im Wandel, so heißt es in der Ausschreibung zum Werkstatttag „Familiengerechte Gemeinde“. Der Fachbereich Familie und Generationen hatte dazu ins mecklenburgische Teterow eingeladen. Über 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten sich auf den Weg. Gemeinsam mit Gabriele Löding, Referentin für gemeindenahe Diakonie im Dienstbereich Mission, und Simon Werner, Referent für Bildung im GJW, reflektierten die Teilnehmenden ihre Gemeindesituation: „Was läuft gut, was trägt zur Familienfreundlichkeit in unseren Gemeinden bei? Was hemmt uns, familienfreundlich zu sein, und was fehlt uns?“ Die beteiligten Mitarbeitenden aus den verschiedenen Gemeinden fanden vieles, was in den Gemeinden familienfreundlich ist: ein Familienzentrum, Seniorenarbeit und ein Winterspielplatz. Aber es gab auch manches, was als hemmend empfunden wurde, wie etwa die Angst vor Veränderungen oder der Mitarbeitermangel.

Die Teilnehmenden befassten sich außerdem mit statistischen Erhebungen für den Landkreis Rostock Land und Teterow im Speziellen. Diese machten deutlich, dass die gefühlte „Kinderlosigkeit“ trügerisch ist. Denn die Statistik weist im Ausblick bis 2030 stabile Zahlen für Menschen im Kindes- und Jugendalter aus. Allerdings zeigt die Statistik auch, dass nur etwa 50 Prozent der Familien in das gewohnte Familienbild passen. Wie offen sind Gemeinden für Familienmodelle der Jetztzeit? Simon Werner führte den Teilnehmenden vor Augen, dass die Bibel gar nicht das eine Familienbild überliefert, und dass Familie herausfordernd und veränderlich ist. Seine These: „Wir sind familienfreundlich, wenn wir nicht nur zu Familien freundlich sind, die unseren Vorstellungen entsprechen.“ Das war am Ende für den einen oder anderen ein wichtiger Satz „zum Mitnehmen“. Anschließend positionierten sich die Teilnehmenden zu bestimmten Aussagen oder Fragen im Raum, zum Beispiel zu der Frage, ob die eigene Gemeinde für neue Familien willkommen heißend, befremdlich oder vereinnahmend wahrgenommen wird. Daraus ergaben sich interessante Gespräche über den eigenen Standpunkt.

„Ein herzliches Dankeschön an das Referententeam! Wir haben im Austausch, beim Analysieren und beim Betrachten biblischer Impulse viel gelernt und würden gern im nächsten Jahr weitermachen“, sagte einer der Teilnehmer. Der Werkstatttag fand am Sonntag im familienfreundlichen Gottesdienst in Teterow eine praktische Ergänzung. Zusammen mit Cornelius Herrmann, dem Jugendpastor aus Mecklenburg-Vorpommern, erlebten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen fröhlichen bunten Gottesdienst, in dem die uneingeschränkte Annahme Gottes im Mittelpunkt stand.

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