Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

„Wir sind für die Menschen hier!“

„Sehr bewegend sind die Begegnungen mit den Betroffenen, die große Dankbarkeit und tägliche Erfahrung, Menschen wirklich helfen zu können“, so Ralf Beyer, der neue Koordinator für Fluthilfe des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) und Freier evangelischer Gemeinden (FeG). Beide Freikirchen beauftragen den 51-jährigen Diplom-Volkswirt bis Juni 2022 mit der neu geschaffenen Funktion.

Das Hochwasser im Juli 2021 hat in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zahlreiche Menschen in ihrer Existenz schwer getroffen. Dabei sind nicht nur materielle Schäden, sondern auch tiefe seelische und traumatische Belastungen entstanden. Auch Gemeinden aus den beiden Freikirchen waren und sind von den Überflutungen betroffen.

Beide freikirchlichen Bünde hatten ihre Mitglieder und befreundeten Personen zu Spenden für die Opfer der Hochwasserkatastrophe aufgerufen. Durch die überwältigende Hilfsbereitschaft wurden für den FeG-Hilfsfonds und die BEFG-Soforthilfe in Summe knapp drei Millionen Euro gesammelt. Dadurch ist finanzielle Unterstützung möglich geworden, die den betroffenen Personen und Gemeinden bereits ausgezahlt wurde und weiterhin beantragt werden kann.

„Obwohl das Thema aus den Medien raus ist, sind die betroffenen Menschen dankbar, dass die Helferinnen und Helfer immer noch jeden Tag vor Ort präsent sind, weil die Not auch weiterhin besteht“, so Ralf Beyer, zu dessen Aufgaben der Aufbau von Expertise und von Beratungsteams zu staatlichen Fördermitteln und deren Antragstellung gehört. Darüber hinaus obliegt ihm die organisatorische und kaufmännische Steuerung der Initiativen und Hilfsangebote sowie koordinierende Begleitung der betroffenen Personen und Gemeinden beim Wiederaufbau. Das Ziel ist, dass die Spendengelder im Sinne der Spenderinnen und Spender eingesetzt werden und den Menschen in Notsituationen ganzheitlich und nachhaltig geholfen wird: praktisch und in den seelischen Nöten.

Ralf Beyer ist verheiratet, hat drei Kinder und ist Mitglied der FeG Bonn. Er hat umfangreiche Führungs- und Managementerfahrung in der IT- und Telekommunikationsbranche – als Geschäftsführer und Stratege. Ralf Beyer ist bereits über ein breit angelegtes ehrenamtliches Netzwerk mit verschiedenen Kooperationspartnern in der Fluthilfe aktiv. Deren tägliches Motto vor den Hilfseinsätzen lautet: „Wir sind für die Menschen hier und bleiben, um zu helfen!“

Abschluss Kurs Seelsorge und Beratung 2019-2021

Den vierwöchigen Kurs haben 16 Teilnehmende aus FeG und EFG abgeschlossen. Ein besonderer Kurs. Wegen der Coronapandemie musste eine der halbjährlichen Kurswochen verschoben werden. Erstmals gab es eine digitale Kurswoche. Die Abschlusswoche konnte wieder vor Ort stattfinden. Besonders war auch, dass es erstmals 3 iranische Teilnehmende im Kurs gab. Einer von ihnen berichtet:

„Meine Reisen plane ich immer sehr gut. Aber es gibt zwei große Reisen in meinem Leben, die ich nicht vorher planen konnte und die für mich mit viel Unsicherheit verbunden waren. Das eine war meine Flucht aus dem Iran nach Deutschland. Die zweite große Reise war dieser Kurs. Ich hatte wenig Ahnung, was auf mich zukommt. Ich wollte etwas lernen, damit ich anderen Menschen helfen kann. Und nun habe ich eine eigene seelsorgliche Entwicklung für meinen Glauben erlebt. Über eigene Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen, war für mich sehr fremd. Ich habe gelernt, sie wahrzunehmen und darüber zu sprechen, auch dann, wenn ich belastet bin. Ich habe gelernt, nicht zu allem JA zu sagen, sondern auch, wann ich NEIN sagen muss. Ich bin selbstbewusster geworden. Ich habe eine neue innere Ehrlichkeit bei mir entdeckt. Und durch diese Ehrlichkeit habe ich gelernt, wie ich mit anderen hilfreicher umgehen kann. Diese anderen sind Arbeitskollegen, Geschwister in der Gemeinde, Nachbarn, meine Familie und auch ich selbst. Ich erlebe eine neue Zufriedenheit und ich bin Gott von Herzen dankbar für diesen Kurs, für die Freundschaft der anderen Teilnehmenden, für die Geduld und Wertschätzung durch die Kursleitung und für Gottes Wunder, dass ich Veränderung erlebt habe. Veränderung kostet viel Zeit, Energie und bringt Unruhe. Aber es lohnt sich. Der Bedarf an Seelsorge in der eigenen Muttersprache ist unter unseren farsisprechenden Geschwistern groß. Deshalb möchte ich weiter in der Seelsorge lernen und es an andere weitergeben.“

Pastor Omid Homayouni | Varel | Referent für Migration und Integration im Landesverband Nordwestdeutschland (BEFG)

Für den nächsten Kurs, der im März 2022 in Elstal beginnt, läuft noch bis 30.11.2021 das Bewerbungsverfahren. Nähere Infos unter dem weiterführenden Link unten. 

Gemeinsam in die Zukunft

Der EBF-Council, die Ratstagung der Europäischen Baptistischen Föderation, fand vom 22. bis 25. September in Amsterdam statt. Erstmals war die Teilnahme hybrid, also vor Ort und online, möglich.

Ungefähr 80 Teilnehmende aus 40 Ländern Europas, Zentralasiens und dem Nahen Osten nahmen an der Tagung mit dem Thema „Gemeinsam Gottes Zukunft erkennen“ teil. Baptisten und Baptistinnen aller Prägungen und Lebensumstände kamen zusammen. Etwa 20 davon online. Pastor David Burau war vor Ort dabei und stellte fest: „Es war toll aus den vielen verschiedenen Ländern zu hören, wie Gott dort sein Reich baut und Menschen seine lebensverändernde Kraft erfahren. Es begeistert mich, dass Gott jeden Moment und jeden Menschen gebraucht. Er nutzt unsere persönliche Geschichte, unsere Art zu leben, unseren persönlichen Charakter.“

Ein zentraler Tagesordnungspunkt des Councils war die Ernennung des neuen Generalsekretärs der EBF, Alan Donaldson. Er tritt die Nachfolge des Briten Anthony Peck an, der im November in den Ruhestand geht. Dieser war zuvor 17 Jahre lang Generalsekretär der EBF. Er wurde am letzten Abend der Ratstagung in besonderer Weise geehrt. Alan Donaldson war lange Zeit Gemeindepastor in Schottland, bevor er Generalsekretär des schottischen Baptistenbundes wurde. In dieser Rolle organisierte er auch den EBF-Council 2019 in Glasgow, Schottland. Der scheidende Präsident der EBF, der Este Meego Remmel, wurde verabschiedet und der Schweizer Stefan Gisiger als neuer Präsident bestätigt. Sein Stellvertreter ist Mateusz Wichary aus Polen. Der Präsident wird immer für zwei Jahre gewählt. Gisiger war in den vergangenen zwei Jahren Vize-Präsident.###3_IMAGES### Während des Councils berichteten Delegierte aus dem Libanon über ihre Situation in den letzten zwei Jahren. „Der Bericht über die aktuelle katastrophale Lage im Libanon war schockierend, aber auch von Hoffnungszeichen begleitet“, sagte der neugewählte Präsident Stefan Gisiger.

Der Council verabschiedete eine Resolution zur 26. UN-Klimakonferenz, die dieses Jahr in Schottland stattfindet, um Mitgliedsbünde und Partner der EBF zu ermutigen, die Bedeutung der christlichen Gemeinschaft für die Bewahrung von Gottes Schöpfung zu betonen.

Vertreter des französischen Baptistenbunds erzählten von dem Einfluss des neuen Gesetzes gegen Radikalisierung in Frankreich, das auch die Religionsfreiheit einschränkt.

David Burau wurde in Gesprächen mit anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zwar manches Mal überrascht von „Vorstellungen von Lebensentwürfen oder richtigem Verhalten, von denen ich dachte, dass sie seit Jahrzehnten überwunden sind“; wesentlich und prägend waren für ihn jedoch „Erzählungen, wie Jesus Christus Menschen begegnet, wie sie ihn in ihrem Leben erleben, wie nah er ihnen ist und was er in ihren Ländern tut. Worte voll dankbarem Staunen, überschwänglichem Lob und tiefer Dankbarkeit. Erfahrungen des einen lebendigen Gottes, die uns verbinden.“

Viel Raum nahm auch das „Rebranding“ des International Baptist Theological Seminary (IBTS) bei den Verhandlungen ein. Das IBTS ist eine internationale Hochschule in Amsterdam, welche von der EBF finanziert und getragen wird. Sie soll den internationalen Austausch baptistischer Theologen und Theologinnen fördern und bietet daneben noch durch ihr „Learning Network“ Online-Kurse für Mitarbeitende in den Gemeinden an. Das „Learning Network“ wurde im vergangenen Jahr überarbeitet und bietet verschiedene mehrwöchige Kurse zu Themen wie Religionsfreiheit oder missionaler Leiterschaft an. Vorsitzender des Aufsichtsrats des IBTS ist Pastor Dr. Michael Rohde aus Hannover. ###3_IMAGES###Der Council endete mit einem gemeinsamen Gottesdienst. „Dabei haben wir uns Zeit genommen, um in die Gesichter unserer Geschwister zu sehen“, sagte David Burau. „Wir haben versucht, sie als Schätze zu sehen. Das ist der Leib Christi. In unseren Gemeindebünden, in unseren Gemeinden und in unserem Leben geben wir ihm eine Form. Mit großen Hilfsprojekten und persönlichen Kontakten, mit Konferenzen und Krankenbesuchen, Großem und Kleinem, international und vor Ort wird dieser Leib lebendig und sichtbar.“

Aus Deutschland haben David Burau, Christoph Stiba, Jonathan Kedaj, Joachim Gnep, Dr. Andrea Klimt und Dr. Matthias Walter am Council teilgenommen.

Der EBF-Council 2022 wird in Russland stattfinden.

„Ein gemeinsames Zeugnis für Jesus Christus“

Vor 50 Jahren taten sich drei Freikirchen zusammen und gründeten den Kalender „Wort für Heute“. Ein halbes Jahrhundert später ziehen die Kirchenverantwortlichen Zwischenbilanz: Generalsekretär Christoph Stiba (Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden), Präses Ansgar Hörsting (Bund Freier evangelischer Gemeinden) sowie Bischof Harald Rückert (Evangelisch-methodistische Kirche).

Herr Stiba, was sind ihre ersten Erinnerungen an „Wort für Heute“?

Christoph Stiba: Ich bin in einem baptistischen Elternhaus aufgewachsen und erinnere mich noch gut daran, dass meine Großmutter den Abreißkalender an der Wand hängen hatte und die täglichen Andachten gelesen hat. Für mich war damals aber eher die Kinderbibel von Bedeutung.

Herr Hörsting, die frühkindliche Begegnung mit „Wort für Heute“ hatten Sie vermutlich nicht.

Ansgar Hörsting: Das stimmt. Ich bin in einem katholischen Elternhaus groß geworden. Da hatten wir keinen Abreißkalender, aber tatsächlich auch eine Kinderbibel.

Herr Rückert, Sie waren 13 Jahre alt, als „Wort für Heute“ gegründet wurde. Was schätzen Sie bis heute an daran?

Harald Rückert: Der Andachtskalender ist eine gute Anleitung für die regelmäßige Beschäftigung mit der Bibel. Nicht jeder hat die persönliche Disziplin, fortlaufend in der Bibel zu lesen. Der äußere Anreiz, vielleicht auch die mahnende Erinnerung, ist da durchaus eine Hilfe. Wenn es so etwas nicht gäbe, müsste es umgehend erfunden werden.

Tatsächlich ist es für Familien heute gar nicht so leicht einen gemeinsamen Termin dafür zu finden.

Stiba: Das stimmt, deswegen lesen wir als Familie nicht regelmäßig in einem Andachtsbuch. Jedenfalls nicht gemeinsam. Das passt nicht so recht in den alltäglichen Rhythmus von Schule und Arbeit. Solche Andachtszeiten gestaltet jeder selber.

Umso bedeutsamer sind diese gemeinsamen Zeiten zum Beispiel an gemeinsamen freien Tagen oder im Urlaub. Da nutzen wir dann tatsächlich „Wort für Heute“ und erleben die Andachten als gute Impulse. Mit einem Wort Gottes, geistlichen Gedanken und Gebet gemeinsam in den Tag zu starten, ist dann für mich sehr wertvoll.

Was ist denn für Sie das Besondere an „Wort für Heute“?

Rückert:  Bei „Wort für Heute“ finde ich es besonders gut gelungen, wie sich theologischer Tiefgang mit Alltagserfahrung paart. Die kurzen Auslegungen gründen in der Bibel, schlagen den Bogen zum Alltag und vermitteln konkrete Impulse und Denkanstöße.

Stiba: Das Besondere? Wohl die Kombination von Autorinnen und Autoren aus drei unterschiedlichen Freikirchen, die ihre Andachten alle ehrenamtlich schreiben. Das macht die Verbundenheit deutlich und es zeigt, dass wir geistlich in eine Richtung gehen. Das finde ich ermutigend.

Welche Form bevorzugen Sie persönlich, den Abreißkalender oder das Buch?

Hörsting: Das Buch mag ich lieber. Dann fliegen nicht immer so viele Zettel in der Gegend herum. Außerdem: Will man einen Kalender an der Wand haben, dessen Datum stimmt, kann man die Texte nur umständlich lesen oder erst am Folgetag.

Gab es unter den ungefähr 18.000 Texten, die bisher verfasst wurden, einen der Ihnen noch besonders in Erinnerung ist?

Hörsting: Tatsächlich habe ich mir schon oft Andachten aufgehoben und in die Bibel gelegt. Leider habe ich jetzt keine dabei, die ich vorzeigen könnte.

Stiba: Ja, ich habe tatsächlich einen besonderen Tag: den 28. März 2020. Ich finde, dass das eine wunderbar passende Zeitansage war, als vor einem Jahr angesichts der Corona-Pandemie selbsternannte Endzeitpropheten auftraten. Zu dem Bibelwort „Den Tag oder die Stunde, wann das Ende da ist, kennt niemand. Nur der Vater kennt sie.“ Markus Kapitel 13, Vers 32. Lohnt sich, nachzulesen!

Rückert: Ich nehme aus Andachten gerne eine besondere Formulierung auf, die mich anspricht und die ich dann eine Weile erinnere und in mein Leben einzufügen versuche. Jüngstens war das: „Wer auf Härte mit Sanftmut reagiert, wird Wunder erleben.“ Das buchstabiere ich dann in konkreten Situationen.

Sie sind ja nicht nur Leser, sondern alle auch Autoren des Kalenders

Hörsting: Und das sehr gerne. Ich staune über die Wirkung. Manchmal habe ich dankbare Post bekommen von Menschen, die eine Andacht von mir gelesen haben, die ich – weil die Produktionsprozesse so lange sind – vor über einem Jahr geschrieben habe. Es berührt mich zu sehen, wenn eine Andacht im Leben von Menschen zur Umkehr oder zu einer Ermutigung geführt hat. Für solche Momente habe ich mich immer gerne beteiligt und Texte geschrieben.

Stiba: Das kann ich bestätigen. Nicht immer, aber immer mal wieder gibt es eine Rückmeldung zu einer Andacht. Meistens dankbare Stimmen, an eine kritische Rückmeldung kann ich mich jedenfalls nicht erinnern. Das mag aber auch an meiner selektiven Wahrnehmung liegen und soll jetzt keine Aufforderung sein…

Zum Schluss noch ein wenig über den gemeinsamen Freikirchen-Kalender hinausgedacht. Wenn Sie das Verhältnis der drei Freikirchen zueinander heute mit dem vor 50 Jahren vergleichen – was hat sich verändert?

Hörsting: Das kann ich nicht genau überblicken. Aber wenn ich es richtig beurteile, haben die Leitungspersonen damals wie heute eine gute Beziehung gepflegt. Sie leben den respektvollen und geschwisterlichen Austausch. Das ist wichtig. In den Gemeinden wächst eine Generation heran, die immer weniger Wert auf das je Eigene unserer Gemeindeverbände legt. Man kann das begrüßen als Ergebnis des zwischenkirchlichen Miteinanders. Oder auch kritisch sehen als Desinteresse an theologischen Inhalten.

Stiba: Ich kann es wie Ansgar Hörsting auch nicht vergleichen, aber für heute würde ich es auch auf alle Fälle als gut beschreiben. Auf Ebene der Kirchenleitungen gibt es freundschaftliche Beziehungen, nicht zuletzt auch durch das Miteinander in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen, der VEF. Und auf der Ebene der Gemeinden gibt es viel Zusammenarbeit vor Ort. Das finde ich wichtig, gerade weil die konfessionelle Bindung für die junge Generation weniger Bedeutung hat. Wir müssen doch als Christen zusammenstehen, „damit die Welt glaubt“, wie es im Johannes-Evangelium steht. Dazu trägt so gesehen dann auch „Wort für heute“ bei.

Gibt es heute vielleicht einen anderen Schritt hin zu mehr Gemeinsamkeit als damals Anfang der 70er?

Rückert: Vor fünfzig Jahren war es nötig, etliche theologische und gemeindepraktische Fragen mit Vorsicht auszutarieren. Beispielsweise die Vereinbarung, den Begriff „Kirche“ nicht zu verwenden und wegen unterschiedlicher Taufverständnisse nicht über die Taufe zu schreiben. Das ist heute, so habe ich den Eindruck, nicht mehr nötig. Darin zeigt sich die Annäherung unserer drei Freikirchen, wofür ich sehr dankbar bin.

Und was sagt der Blick in die Gegenwart?

Rückert: Heute sehe ich die nächste Herausforderung für uns darin, noch viel stärker ein gemeinsames Zeugnis für Jesus Christus abzulegen als die Unterschiede hervorzuheben. Die entkirchlichte Welt um uns herum kann mit der Betonung spitzfindiger Unterschiede nichts anfangen. Zum glaubhaften Zeugnis gehört auch, gemeinsam für wichtige Themen einzustehen und freundschaftlich füreinander einzutreten. Wenn Menschen nach Gemeinden suchen, wäre eine schöne Geste, selbstlos die Stärken jeweils anderer Gemeinden oder Kirchen hervorzuheben. Ich glaube, dass solch respektvoller Umgang anerkennend wahrgenommen wird.

Das Interview führte Martin Gundlach, Redaktionsleiter im Bundes-Verlag.

Erschienen in DIE GEMEINDE Ausgabe 20 | 3. Oktober 2021.

ACK-Beobachter beim Synodalen Weg

Bei der Zweiten Synodalversammlung des Synodalen Wegs der römisch-katholischen Kirche hat der Beobachter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Pastor Christoph Stiba (Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden), ein Statement gehalten.

Er bezeichnete es als „besonders ökumenisches Zeichen der Wertschätzung und des gemeinsamen ökumenischen Weges im Sinne der Charta Oecumenica“, dass Beobachterinnen und Beobachter den Synodalen Weg begleiten und kommentieren dürften. Die anderen Kirchen, so Stiba, würden den Weg der römisch-katholischen Kirche „aufmerksam, erwartungsvoll, dialogbereit und mit ihren Gebeten“ begleiten.

Aus seiner eigenen Tradition, des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG), mit 80.000 Mitgliedern und 800 Gemeinden, sei er eine kongregationalistische Form des Miteinanders gewöhnt, bei der die Gemeindeversammlung der höchste Souverän sei. Daher tue er sich, so Stiba, mit der ekklesiologischen Struktur der römisch-katholischen Kirche „an manchen Stellen schwer“. Wandel jedoch gehöre zu allen Kirchen, denn „nur wer sich wandelt, bleibt sich treu“, betonte Stiba, der auch Präsident der Vereinigung Evangelischer Freikirchen ist, der 12 Mitgliedskirchen und drei Gastmitglieder angehören.

Mit Verweis auf die Charta Oecumenica sprach Stiba auch das Verhältnis von Minderheits- und Mehrheitskirchen an, das sich in der ACK in ganz besonderem Maße zeige, da auch die mitgliederstärksten Kirchen in Deutschland, die römisch-katholische und die evangelisch-landeskirchliche, der ACK als Mitglieder angehörten. Er erinnerte hier an die vor 20 Jahren gemeinsam unterschriebene Selbstverpflichtung: „Wir verpflichten uns, die Rechte von Minderheiten zu verteidigen und zu helfen, Missverständnisse und Vorurteile zwischen Mehrheits- und Minderheitskirchen in unseren Ländern abzubauen.“ (Charta Oecumenica 4). Dieses Gefälle sei aber nicht nur zwischen Kirchen zu erkennen, so Stiba, sondern er beobachte auch Mehrheits- und Minderheitsmeinungen innerhalb des Synodalen Weges: „Das ‚Wie‘ des Synodalen Weges ist mindestens so bedeutsam wie das ‚Was‘.“

Zum Abschluss seines Statements wünschte Stiba dem Synodalen Weg weiterhin Gottes Segen und versicherte, dass die anderen der ACK angehörenden Kirchen für den Synodalen Weg beteten, „weil wir wollen, dass der Synodale Weg zu einem guten Ziel führt, Erwartungen erfüllt werden und die Katholische Kirche in Deutschland Aufbruch und den Segen Gottes erlebt“, so Stiba.

BWA-Präsident in Deutschland: „Gott gibt uns Freude und eine Vision“

Seine erste Auslandsreise als Präsident des Baptistischen Weltbundes (BWA) hat Tomás Mackey nach Deutschland geführt. Der pensionierte Theologieprofessor aus Argentinien wird im Rahmen einer Partnerschaft der Baptistischen Theologischen Hochschule Buenos Aires, an der er gelehrt hat, in München junge Menschen aus Lateinamerika unterrichten. Zuvor war er zu Gast in Berlin. Nach Gesprächen im Bildungszentrum Elstal des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) predigte er in der Baptistengemeinde in Berlin-Schöneberg.

„Die BWA ist mit ihren 49 Millionen Mitgliedern die weltweite baptistische Familie“, so Tomás Mackey bei seiner Vorstellung im Gottesdienst. „Unsere Ziel ist, dass wir zusammenkommen und Netzwerke bilden.“ BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba, der Mackey interviewte, unterstrich die Bedeutung der BWA: „Nach der Flutkatastrophe in Deutschland erhielten wir aus aller Welt Gebetsunterstützung und Solidaritätsbekundungen, und der Besuch von BWA-Generalsekretär Elijah Brown in der Krisenregion war ein starkes Zeichen. Solch eine weltweite Verbindung ist großartig!“ Mackey hob im Gespräch sein größtes Anliegen hervor: „Ich wünsche mir, dass wir Unterschiede respektieren und gleichzeitig Einheit schaffen.“

Um den Kern dieser Einheit, die Liebe Gottes und deren Auswirkungen, ging es in Tomás Mackeys Predigt, die unter der Überschrift „Weil Gott uns liebt, werden wir verwandelt“ stand. Anhand der Bibelstellen aus 1. Johannes 4,10-11 und Johannes 13,34-35 machte Mackey zunächst die Bedeutung der Liebe Gottes deutlich: „Es gibt keine bessere und beständigere Wahrheit und keine größere Kraft im Leben von Menschen.“ Durch den Dienst der Christinnen und Christen könne die Liebe Gottes, die von Gerechtigkeit und Versöhnung begleitet werde, in der Welt sichtbar werden. „Gott gibt uns Freude und eine Vision. Er vereint uns in eine Gemeinschaft, die die Welt vereinen kann.“ Es sei die Aufgabe der Gemeinde Jesu, die Liebe weiterzugeben: „Diese Liebe bekräftigt die Botschaft der Hoffnung.“###3_IMAGES###Tags zuvor hatte Tomás Mackey zusammen mit seiner Frau Phoebe das Bildungszentrum Elstal besucht. Im Mittelpunkt des Austauschs standen die theologische Bildung und eine mögliche Zusammenarbeit der Baptistischen Hochschule in Buenos Aires und der Theologischen Hochschule Elstal. Deren Rektor Prof. Dr. Michael Kißkalt sowie Thomas Klammt von der Akademie Elstal waren mit am Tisch, ebenso José Malnis und sein Sohn Benjamin von der Latino-Gemeinde in München, die Mackey zum Unterrichten eingeladen hatte. Tomás Mackey zeigte sich überzeugt: „In der theologischen Ausbildung können wir viel voneinander lernen und sollten mehr Austausch pflegen.“ Gleichzeitig hob er die gesamtgesellschaftliche Perspektive hervor, die theologische Bildung im Blick haben müsse: „Als Christen sind wir gefordert, in der zunehmend säkularisierten Welt unsere Stimme einzubringen. Wir dürfen uns nicht auf unser Gemeindeleben zurückziehen, sondern müssen das Evangelium mitten in der Welt sichtbar und hörbar machen. Wir wollen nicht nur am Sonntag Christ sein, sondern durch Christus im Alltag bessere Geschäftsleute, Lehrkräfte, Familienmenschen werden.“

Nach dem Besuch in Elstal und Berlin reiste das Ehepaar Mackey nach München. Dort bietet Tomás Mackey in der Latino-Gemeinde Blockunterricht für junge Menschen aus Südamerika an, die pastoral tätig sind. Durch die Kooperation mit den argentinischen Baptisten können die Teilnehmenden an der Baptistischen Hochschule von Buenos Aires einen offiziellen Abschluss erwerben, der sie auf die internationale Gemeindearbeit in Deutschland vorbereitet. 

Ich bin da - Seminar zum Thema Demenz in der EFG Bad Homburg

Nach mehrmaligem Verschieben aufgrund der Covid-Pandemie fand am 11. September 2021 in unserer Gemeinde ein Tagesseminar zu der Thematik statt. Bereits 2018 hatten wir schon gute Erfahrungen mit dem vom Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) angebotenen „Ich bin da – Seminar zur aufsuchenden Gemeindearbeit – Besuchsdienst“ mit Dagmar Lohan und Friedrich Schneider gemacht. Wie damals haben wir auch dieses Mal nicht nur Interessierte aus unserer Gemeinde, sondern ebenso aus den umliegenden Gemeinden eingeladen. Angesichts der Unsicherheit bezüglich der zum Zeitpunkt der Durchführung des Seminars geltenden Bestimmungen, hatten wir bereits bei der Einladung Anfang Juli darum gebeten, dass sich jeder selbst an diesem Tag für den Eigenbedarf Verpflegung (Getränke/Imbiss) mitbringen möge. Dies fand eine durchaus positive Resonanz und erleichterte der Gemeinde die Durchführung.

Pastor i.R. Matthias Ekelmann – ehemals Geschäftsführer im Seniorenzentrum Bethel Wiehl gGmbH sowie ehemals Mitarbeiter im Forum Älterwerden des BEFG und im Evangelischen Seniorenwerk – erwies sich als sehr kompetenter Referent.

In einem interessanten Einstieg zu „Vergesslichkeit und Demenz“ vermittelte uns Matthias Ekelmann zunächst das notwendige Basiswissen zur Thematik. Einen Schwerpunkt bildeten dabei die Beispiele und Erläuterungen zu häufig auftretenden Kommunikationsproblemen. Im zweiten Teil ging es dann um „Demenzgerechtes Kommunizieren“. Nach ausführlichen Erläuterungen hierzu bildeten wieder Fallbeispiele eine praxisnahe Vertiefung des bisher Gehörten. Nach einer kurzen Mittagspause standen die unterschiedlichen Kommunikationskanäle im Fokus und wurden ebenfalls wieder mit Fallbeispielen anschaulich verdeutlicht. In einem vierten Teil nahm Matthias Ekelmann den Bereich „Seelsorge und Rituale“ ins Blickfeld und lockte uns auch – wie bereits bei den vorherigen Teilen – zu einer aktiven Beteiligung heraus. Den Abschluss bildeten die Teile „Besuchsdienst bei Menschen mit Demenz“ mit vielen hilfreichen Beispielen und Tipps aus der Praxis sowie hilfreiche Hinweise zu den „Entlastungsangeboten für pflegende Angehörige“.

Von der gewünschten aktiven Beteiligung der Seminarteilnehmer/-innen durch Fragen in allen Teilbereichen wurde reger Gebrauch gemacht. Auch hier zeigte sich der große Erfahrungsschatz, über den Matthias Ekelmann durch seine berufliche Praxis und seine langjährige Referententätigkeit verfügt und den er mit engagierter Lebendigkeit und damit großem Gewinn für die Teilnehmer einzusetzen verstand.

Entsprechend fiel auch die Resonanz der Teilnehmenden zu diesem Seminartag sehr positiv aus und wurde nicht zuletzt durch einen kräftigen Applaus unterstrichen.

Als Veranstalter möchten wir andere Gemeinden ermutigen, trotz Corona solche Seminare durchzuführen, auch wenn der sonst übliche Rahmen an Tischen aufgrund der Corona geschuldeten Beschränkungen nicht möglich ist. Auch ein Verzicht auf das Angebot von Speisen und Getränken muss nicht unbedingt nachteilig sein - kann aber für die durchführende Gemeinde zu einer sinnvollen Entlastung führen. Angesichts der breit gestreuten Einladung hätten wir uns durchaus mehr Teilnehmer gewünscht, aber so kamen bei nur 20 Personen die Einzelnen mehr bei den Fragen zu Wort. 

BEFG-Mitgliederstatistik 2020

Zum Stichtag 31. Dezember 2020 gehörten 794 Gemeinden mit 77.685 Mitgliedern zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG). Damit verzeichnet der Bund einen Rückgang von 2.510 Mitgliedern (3,1 Prozent), der zu einem großen Teil darauf zurückzuführen ist, dass sich im „Corona-Jahr 2020“ weniger Menschen den Gemeinden anschlossen, während sich die Abgänge auf dem Niveau der Vorjahre bewegten. So gab es wegen der Pandemie deutlich weniger Taufen und Aufnahmen durch Zeugnis als im Vorjahr, was alleine mehr als die Hälfte des Rückgangs erklärt. Austritte und Streichungen hängen meist eng mit der jeweiligen Gemeindesituation zusammen.

Wie alle Bereiche gesellschaftlichen Lebens war auch die Gemeindearbeit ab März 2020 von der Coronakrise schwer beeinträchtigt. Gottesdienste, Gemeindeversammlungen oder Taufen und vor allem auch Gemeinschaft, die für Gemeinden so wichtig ist, waren nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen möglich. So wurden in BEFG-Gemeinden nur 730 Menschen getauft, was einem Minus von 54,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. 762 Menschen wurden durch Zeugnis aufgenommen (- 39 Prozent). Auch die Zahl der anteilsmäßig kleineren Zugangsarten Wiederaufnahme (- 33,8 Prozent) und Aufnahme nicht gläubig Getaufter (- 48,3 Prozent) war rückläufig (siehe Tabelle).

„Durch die Pandemie mussten die Gemeinden von einem auf den nächsten Moment ihre komplette Arbeit ‚neu erfinden‘“, so BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba. „Während Gemeinden mit enormer Kreativität fast alles auf digital umstellten und gleichzeitig viel Energie in die Beziehungsarbeit steckten, war zwangläufig einiges nicht möglich. Man kann Menschen nicht digital taufen, und nicht wenige Mitglieder hatten Probleme, in der neuen Gemeindesituation innerlich anzukommen.“ So lasse sich beobachten, dass auch viele Abgänge mit Corona zusammenhingen: „Lange Zeiten ohne Präsenzgottesdienste haben mitunter Entfremdung verursacht oder beschleunigt und zu Austritten oder Streichungen geführt.“

Während die Zugänge 2020 um 47,1 Prozent unter dem Wert von 2019 lagen, blieben die Abgänge (+ 3,6 Prozent) etwa auf Vorjahresniveau. Leicht rückläufig war dabei die Zahl der Entlassungen in bekenntnisverwandte Gemeinden (- 14,7 Prozent). Einen kleinen Anstieg gab es bei Streichungen (+ 5,6 Prozent), Austritten (+ 8,1 Prozent) und Todesfällen (+ 3,8 Prozent).

 „Besonders beschäftigt uns die hohe Zahl der Austritte, die immerhin 41,8 Prozent aller Abgänge ausmachen und für 68 Prozent des Mitgliederrückgangs stehen“, so Generalsekretär Stiba. Ebenso auffällig sei eine recht hohe Zahl bei den Streichungen (18,8 Prozent aller Abgänge). Eine stichprobenartige Recherche in zehn Gemeinden mit auffällig hohen Zahlen hat einige Muster aufgezeigt und zugleich deutlich gemacht, dass die Gründe für Austritte und Streichungen meist sehr individuell mit der jeweiligen Gemeindesituation zusammenhängen. Am Anfang steht oft die aktive Prüfung des eigenen Mitgliederverzeichnisses durch die Gemeindeleitung. Im Fall einer großen Gemeinde, die dies 2020 zum ersten Mal seit Jahren tat, fiel auf, dass zahlreiche Mitglieder sich längst anderen Gemeinden angeschlossen hatten oder dem Gemeindeleben ferngeblieben waren. Eine zusammengenommen dreistellige Zahl an Austritten und Streichungen allein in dieser Gemeinde war die Folge. Überhaupt sind es oft Menschen, die sich schon lange aus der Gemeinde zurückgezogen haben, die gestrichen werden oder auf Nachfrage dann selbst austreten. Die Pandemie hat solche Entwicklungen oft nur beschleunigt: Menschen merkten in der gottesdienstfreien Zeit, dass sie auch ohne Gemeinde leben können. Andere fühlten sich in der kontaktarmen Zeit nicht ausreichend wahrgenommen und wendeten sich ab. Auch Stilfragen (etwa Wunsch nach mehr Liturgie) führten zum Wechsel in nichtbekenntnisverwandte Gemeinden, was in der Statistik als Austritt gezählt wird.

Zwei Gemeinden aus der Stichprobe berichteten, dass Corona auch für Streit sorgte. Dort traten Mitglieder aus, weil, so fasste es ein Gemeindeleiter zusammen, die Gemeinde Online-Gottesdienste einführte, statt sich über die staatlichen Vorgaben hinwegzusetzen und „in den Widerstand“ zu gehen. Streit war auch sonst manchmal der Grund für Austritte. Mal ging es um Macht-, mal um Sachfragen, mal entzündete sich an einer Leitungswahl eine Richtungskontroverse. Auch die theologische Ausrichtung führte in einzelnen Fällen zu Austritten: Manch einem war seine Gemeinde zu liberal, manch einem zu konservativ. In einem Fall traten aus derselben Gemeinde Menschen aus, weil ihnen deren Ausrichtung zu liberal bzw. zu konservativ war. Austritte ganzer Gemeinden aus dem Bund machen nur einen kleinen Teil der gesamten Austritte aus. 2020 war es eine Gemeinde, die austrat, weil sie mit der theologischen Ausrichtung des Bundes nicht übereinstimmte. Deren 113 Mitglieder stehen für 6,6 Prozent aller Austritte. Überhaupt haben der Austritt oder die altersbedingte Auflösung ganzer Gemeinden nur einen kleinen Anteil an der Mitgliederentwicklung des Bundes: 259 Abgänge (6,3 Prozent aller Abgänge) sind darauf insgesamt zurückzuführen.

In den Prozentzahlen zu den Ab- und Zugängen nicht mitgerechnet sind die Überweisungen: Als Wechsel eines Mitglieds von einer BEFG-Gemeinde in eine andere stellen diese eine ergebnisneutrale Position dar, eigentlich. Denn auch 2020 sind wieder Menschen überwiesen worden, ohne in der Zielgemeinde angekommen zu sein. Dadurch hat der BEFG im vergangenen Jahr 102 Mitglieder verloren.

„Es macht uns nachdenklich, dass auch 2020 wieder Menschen die Gemeinden verlassen haben“, so BEFG-Präsident Michael Noss. „Wenngleich wir als Leitung des Bundes wenig Einfluss auf die jeweils konkrete Gemeindearbeit vor Ort haben, nehmen wir Anteil, denn wir sind eine geistliche Bundesgemeinschaft.“ Es gebe keinen Grund zur Resignation: „Wir sind gemeinsam unterwegs, weil wir aus der Kraft der besten Botschaft leben und Jesus Christus den Menschen bezeugen.“ Mit seiner überregionalen Arbeit habe der BEFG ein klares Ziel: „Wir wollen die Gemeinden in ihrer Arbeit unterstützen. Wenn es vor Ort herausfordernde Situationen gibt, sind wir da.“ Im Namen des Präsidiums und der Bundesgeschäftsführung ermutigen Michael Noss und Christoph Stiba die Gemeinden, die Angebote zu nutzen, von der Gemeindeberatung in Krisenfällen über aktuelle Materialien wie in der Coronakrise bis hin zu allen inhaltlichen Angeboten wie Beratung, Fortbildungen oder Veranstaltungskonzepten. Zudem habe die Pandemie wieder gezeigt, wie wichtig Beziehungsarbeit sei: „Gerade Gemeinden mit vielen Kleingruppen haben weniger Mitglieder verloren. Wo wir in enger geistlicher Gemeinschaft miteinander unterwegs sind, bleiben wir beieinander.“

Ein Flensburger – vom Himmel geschickt

Am 5. September wurde André Peter als BEFG-Regionalreferent im Dienstbereich Mission in der Christuskirche der EFG Osterholz-Scharmbeck mit einem Gottesdienst in seinen Dienst eingeführt.

Die Berufung von André Peter als Regionalreferent Nord war auch der Grund, weshalb er mit seiner Frau Bettina und seinen beiden Söhnen Arieh und Joschua von Flensburg in die zentraler gelegene Metropole Osterholz-Scharmbeck gezogen ist.

„Herzlich willkommen! Schön, dass du da bist!“ stand zu Beginn des Gottesdienstes auf einer Folie zu lesen. Und wir als Osterholz-Scharmbecker möchten in Bezug auf die ganze Familie Peter ergänzen: „Schön, dass Ihr da seid!“

In der Predigt startete Pastor Carsten Hokema aus der Christuskirche Hamburg-Altona, Vorgänger von André Peter im Dienstbereich Mission, mit der Frage: „Jetzt ist er da. Was wird er als erstes predigen?“ Er meinte damit Jesus, als dieser seine Mission begann. Seine Botschaft war: „Das Reich Gottes ist herbei gekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium.“ (Markus 1, 15) Wir müssen das Reich Gottes nicht wie unser Haus bauen, es ist schon da. Als Jesus-Nachfolger sollten wir es einfach so machen wie Jesus. Und so schickt Gott auch André Peter hin zu den Menschen, um das Kommen des Reiches Gottes sichtbar zu machen.
Im offiziellen Teil der Diensteinführung wurde vom Team Mission die Berufung von André karikiert: In einem Sketch, der sich stark an die TV-Werbung für Flensburger Bier anlehnte, wurde der Flensburger eingeladen: Hier ist noch ein Platz frei auf der Missions-Schaukel. Und der Startschuss wurde gleichsam mit dem Aufploppen der Flaschen gegeben.

Das Team Mission hatte einige Flaschen mit neuer Füllung versehen und verband mit dem Übergeben der Bierflaschen gekonnt humorvolle und tiefsinnige Wünsche. Beispielsweise überreichte Joachim Gnep, Leiter des Dienstbereichs Mission, eine selbstwachsende Selbstversorgerpflanze, die man erst gießen muss, wenn sie aus dem Flaschenhals herausgewachsen ist. Damit umriss er eine Aufgabe von André, zu pflanzen und zu gießen, damit Gemeinden über sich hinauswachsen. Gott schenkt das Wachstum. (1.Korinther 3,6)

Das ganze Missionsteam überreichte eine große XXL-Hängematte für die ganze Familie; ein guter Platz, wenn mal „Flasche leer“ ist.

Der Gemeindeleiter aus Flensburg, Wolfgang Günter, verabschiedete seine „Gemeindeschäfchen“ schließlich schweren Herzens mit seinem Lieblingsklavierstück und einer Tasse, die den ersten Bibelvers aus Jesaja 61 in jiddischer Sprache enthält.

Nach dem vielhändigen Segen durch das ganze Missionsteam wurde dieser große Tag für die Familie Peter bei einem zünftigen Mittagessen auf dem Grundstück „Grüne Oase“ der Christusgemeinde gebührend gefeiert. Der Himmel gab dabei sein Bestes und strahlte in seinem kräftigsten Azurblau.

Mit diesem Kasten voller perliger Erfrischungen im Startgepäck wünschen wir den Peters, dass die Flasche stets mehr als halbvoll ist und freuen uns auf ploppende Begegnungen.

„Wohin sich wenden?“

Im persönlichen Rückblick auf dieses immer noch unfassbare Ereignis erzählt Pastorin Andrea Schneider, damalige „Wort zum Sonntag“-Sprecherin, von ihrer Suche nach Worten in aller Sprachlosigkeit. Und sie fragt: Was trägt, wenn alles zusammenbricht?

„Wo warst du am 11. September 2001?“ Fast jede, jeder kann eine Geschichte dazu erzählen.
Meine geht so: Als Rundfunkbauftragte der Ev. Freikirchen (VEF) war ich an diesem Dienstag auf einer Sitzung der VEF-AG „Hörfunk und Fernsehen“. Thema war, (frei-)kirchliche Beiträge in den Medien so zu gestalten, dass sie nicht „fromm“ am Erleben und Empfinden von Zeitgenossen vorbeireden, sondern „aktuell“ deren Fragen und Zweifel aufnehmen. Niemand von uns ahnte da, wie unglaublich herausfordernd dies so bald werden würde …

Als die Sitzung gegen 15:00 endete, liefen wir Delegierte im Foyer des Tagungshauses an einem Fernseher vorbei. Da prallten uns die Bilder der von Flugzeugen durchschnittenen, brennenden Twin Towers entgegen. Fassungslose Erschütterung. Ungläubige Sprachlosigkeit. Zugleich Wörterfülle auf allen Kanälen.

Kaum im Auto auf der Rückfahrt, klingelte mein Telefon. Der leitende Redakteur „Religion und Gesellschaft“ bei Radio Bremen: „Sie haben es schon mitbekommen?“

Ja, klar. Meine Ideen für ein „Wort zum Sonntag“ zum Welt-Kindertag in der darauffolgenden Woche – nichtig. Die schöne Geschichte, wie Jesus kleine Kinder in die Mitte der Erwachsenen stellt und sie segnet – unpassend schön angesichts der grauenvollen Bilder dieses menschenverachtenden Terrors.

Aber was kann Kirche – und das „Wort zum Sonntag“ ist ihre wichtigste Verkündigungssendung – in dieser Situation „verkündigen“?

 „Frau Schneider, was trauen Sie sich am Samstag in die Kamera zu sprechen? Denken Sie sich was aus! Bin gespannt!“ Ich erinnere mich gut an den wie üblich kritischen, aber da auch mitfühlenden Tonfall des Redakteurs.

Mein Kopf – voll. Unzählige Nachrichtensendungen und Kommentare. Mein Blatt Papier – leer. Was im „Wort zum Sonntag“ sagen, was nicht schon zig Mal vorher viel sachkompetenter geäußert worden wäre? Mein Herz – aufgescheucht. Mir war klar: Wenn ich vor die Kamera trete, dann muss ich das persönlich tun. Ich als ich, erschüttert wie die Millionen Menschen, die mir bald zuhören sollten – einzeln, irgendwo in einem Wohnzimmer.

Am Freitag wieder ein Anruf des Redakteurs: „Ich habe eine Idee. Wie wär's, wenn Sie ein Gebet sprechen? Das können Sie doch: beten. Gab's bisher so nicht im „Wort zum Sonntag“, aber....“

Ich war überrascht und beschämt zugleich: Diese Idee – nicht von mir, der Christin, Pastorin, sondern von ihm, dem kritisch-atheistischen Journalisten!
Dabei doch eigentlich so naheliegend: Wohin sich wenden, wenn alles zusammenbricht – wenn nicht an den, der auch in der tiefsten Tiefe ansprechbar bleibt? Seit Urzeiten für verzweifelte Menschen in den Psalmen. Für den gottverlassenen Jesus am Kreuz. Dann doch auch für uns heute. Auch im Fernsehen.

Endlich konnte ich meine Gefühle und Gedanken in Worte fassen. Bewusst erst sehr kurz vor Ausstrahlung wurde die Sendung produziert. Schlagen die USA noch zurück? Anspannung im Studio.

Während meines Gebets zeigte die Kamera nur ein aus Weiden geflochtenes Kreuz. Und statt mit dem ARD-vorgegebenen perlenden Vor- und Abspann wurde das „Wort zum Sonntag“ eingerahmt von je drei tiefen, harten Glockenschlägen. Ausnahmesituation.

Viele Reaktionen erreichten mich danach, z.B.: „Ihre schlichten Worte, ihr Gebet haben meine Erstarrung gelöst.“ Oder: „Habe immer noch unendlich viele Fragen. Aber jetzt auch einen Ort dafür!“

Auch heute, 20 Jahre nach diesem „Wort zum Sonntag“, angesichts so viel neuen Schreckens und seiner Bilder, habe ich letztlich nicht viel mehr Worte als diese drei: „Herr, erbarme dich!“

Aber diese Bitte hat Kraft. Sie trägt.

Wort zum Sonntag:

Guten Abend!

Wohin sich wenden am Ende dieser Woche?

Wohin mit dem Entsetzen,

das uns auch heute noch immer wieder packt

und sprachlos macht?

Wohin mit diesen grauenhaften Bildern,

die vielen auch nachts nicht aus dem Kopf gehen?

Wann und wo und wie wird zurückgeschlagen?

Was kommt da noch auf uns zu mit welchen Folgen?

Meine Kinder fragen mich: Kommt jetzt Krieg?

Wohin sich wenden?

Hunderttausende sind in diesen Tagen auf die Straßen gegangen –

wie gestern zum Brandenburger Tor - und in die Kirchen.

Wir haben Kerzen angezündet.

Als Zeichen der Anteilnahme. Und als stillen Protest gegen Terror und Gewalt.

Wir haben gespürt: Wir sind miteinander verbunden.

Viele haben gebetet. Vielleicht nach langer Zeit mal wieder.

Vielleicht auch ohne so recht zu wissen, zu wem sie da reden.

Ich glaube daran, dass Gott diese vielen Gebete hört.

Und er hört uns auch, wenn wir keine Worte haben.

Denn er leidet diesen unsagbaren Schmerz mit.

Dafür steht das Kreuz Christi. Es steht für bitterste Gewalt.

Für brutalen, ungerechten Tod. Für die Macht des Bösen, die scheinbar siegt.

Aber: Das Kreuz ist auch ein Ort des Trostes.

Und der Hoffnung, dass nicht Gewalt und Attentäter den Sieg davontragen.

Sondern das Leben. Gottes Liebe zu seiner Welt.

So wende ich mich mit all den Gefühlen und Gedanken aus dieser Woche zum Kreuz.

Vielleicht möchten Sie mit mir beten:

 

Herr Jesus Christus! Warum? Warum dieses Grauen, dieser teuflische Hass? 

Wo warst du, Gott?

Dass all die Menschen in den Flugzeugen, in den Türmen, im Pentagon,

nicht tiefer gefallen sind als in deine Hand – das hoffen wir.

Einige haben auch für uns einen Namen bekommen, ein Gesicht,

eine Geschichte, die unter die Haut geht.

Wir flehen dich an, sei jetzt bei den Trauernden. 

Sei bei ihnen, wenn sie sich noch immer an eine winzige Hoffnung klammern. 

Wenn sie fast verrückt werden vor Schmerz.

Schick ihnen Engel zur Seite, die mit ihnen aushalten.

Wir bitten dich für die Rettungskräfte und Helfer.

Beschütze sie. Lass sie nicht verzweifeln.

Wir beten für die, die Verantwortung tragen für das, was jetzt geschehen soll.

Wir haben Angst.

Wenn jetzt in Amerika die Vergeltung geplant wird,

dann gib klare Gedanken und die Kraft zur Besonnenheit.

Lass nicht zu, dass sich die Spirale der Gewalt noch weiter dreht.

Lass nicht zu, dass noch mehr Unschuldige leiden -

nur, weil sie muslimischen Glaubens sind.

 Wir bringen zum Kreuz unsere Sehnsucht nach Frieden und nach Gerechtigkeit.

Und wir bitten am Ende dieser Woche, am Abend dieses Tages:

Kyrie eleison – Herr, erbarme dich.

Abgedruckt in DIE GEMEINDE 18/2021 vom 5. September, S. 12-13.

Glaube, Liebe und Hoffnung der Angst entgegensetzen

Verschwörungstheorien stellen eine große Gefahr dar, und grundsätzlich ist jeder Mensch für solches Denken empfänglich. Weil sich deshalb auch Christinnen und Christen damit befassen sollten, hatte die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) am 1. September zum Gespräch eingeladen. Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfuhren online viel über einen guten Umgang mit haltlosen Thesen und deren Vertreterinnen und Vertretern. Dabei wurde hervorgehoben, wie sehr ein hoffnungsvoller Glaube gerade in Veränderungszeiten die Grundlage für ein konstruktives Engagement bildet.

„Eine kleine mächtige Gruppe verschwört sich und tut etwas zum Schaden vieler Menschen.“ Dieses Schema sei der Kern aller Verschwörungstheorien. Da es sich bei Verschwörungstheorien meist nicht um wissenschaftlich prüfbare Annahmen, also Theorien, handelt, bevorzuge die Wissenschaft die Begriffe Verschwörungsmythos oder -ideologie, so Oriana Marie Krüger in ihrem Vortrag, der im Zentrum des Treffens stand. Die Studentin der Politikwissenschaft und Antisemitismusforschung, die zudem im Büro des VEF-Beauftragten am Sitz der Bundesregierung, Konstantin von Abendroth, arbeitet, hob die Gefährlichkeit von Verschwörungsmythen hervor. Diese führten oft zu einer Radikalisierung und förderten Gewaltbereitschaft. Zudem hätten sie das Potenzial, die Gesundheit zu gefährden, was sie am Beispiel der Leugnung der Wirksamkeit der Corona-Impfung deutlich machte. Krüger zeigte anhand zahlreicher Beispiele auf, dass Verschwörungsmythen und Antisemitismus eine parallele Struktur aufwiesen und dass Verschwörungsanhänger oft auch antisemitische Narrative bedienten. Auch in christlichen Kreisen sei Verschwörungsdenken immer wieder zu finden, wofür Oriana Marie Krüger die sogenannten „Christen im Widerstand“ als Beispiel nannte. Um selbst nicht auf solche Mythen reinzufallen, sei es wichtig, Fakten gründlich zu überprüfen. Für den Umgang mit Verschwörungsanhängern riet sie: „Es ist wichtig, Empathie zu zeigen, sich von menschenfeindlichen Aussagen aber zu distanzieren. Wo man Entwicklungen selbst ähnlich kritisch sieht, kann man das einräumen, dann aber deutlich machen, dass man andere Schlüsse daraus zieht. Zudem hilft es, immer wieder kritische Fragen zu stellen.“

In der anschließenden Diskussion erörterte Konstantin von Abendroth, der den Abend moderierte, worauf Gemeindeleitungen achten sollten, wenn einzelne Mitglieder Verschwörungsmythen verbreiten: „Die Rolle aller Beteiligten und ihre Anliegen müssen zunächst analysiert werden. Dann gilt es zu fragen, welche Wirkung die Person mit ihren Thesen hat.“ Grundlage sei: Distanzierung von verschwörungstheoretischen Aussagen und zugleich, wenn möglich, der Erhalt von Beziehungen.

Ein Teilnehmer betonte im Chat, Gemeinden sollten ein „Die-Wir-Denken“ und streng dualistische Aussagen vermeiden und stattdessen auf Diskurs mit anderen gesellschaftlichen Akteuren setzen. Krüger bestätigte auf Nachfrage eines Teilnehmers die Nähe zwischen Verschwörungsmythen und Sekten und hob hervor: „Es gibt viele Aussteiger aus Verschwörungstheorien.“ Überhaupt gehe das Verschwörungsdenken in Bezug auf Corona schon wieder zurück. „Manche Gruppen, die sich in Opposition zu den Pandemie-Maßnahmen gegründet haben, spalten sich jetzt wieder.“

Konstantin von Abendroth hob hervor, dass gerade Christinnen und Christen etwas haben, das dem von Opfer-Mentalität, Argwohn und Feindlichkeit geprägten Verschwörungsdenken diametral entgegenstehe: „Wir stehen für die Botschaft von Glaube, Liebe und Hoffnung, mit der wir uns konstruktiv einbringen und unsere Gesellschaft mitgestalten können – auch angesichts der anstehenden Richtungsentscheidung der Bundestagswahl.“

Sieben Jahre erfolgreiche Präventionsarbeit

Das Netzwerk gegen Menschenhandel, das zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden gehört, arbeitet präventiv. Seit 2014 klärt es tausende Schüler und Schülerinnen in Deutschland mit dem Workshop „Liebe ohne Zwang“ über die sogenannte Loverboy-Methode auf. Durch die Corona-Pandemie ist der Verein in eine finanzielle Schieflage geraten.

Loverboys täuschen Mädchen und jungen Frauen die große Liebe vor, um sie später in die Prostitution zu locken bzw. zu zwingen. Durch Prävention in Schulen und Jugendgruppen erreicht das Netzwerk jährlich normalerweise 5.000 bis 7.000 Jugendliche. Zusätzlich werden Multiplikatoren zur Durchführung des Workshops ausgebildet. Außerdem schult es Erwachsene aus verschiedenen Berufsgruppen, um Menschenhandel zu erkennen und dagegen vorzugehen. Teams bieten zudem an, in Gemeinden Gottesdienste zum Thema zu gestalten.

Pastorin Christina Döhring, Vorsitzende des Netzwerks gegen Menschenhandel, schaut mit Sorge auf die aktuellen Entwicklungen aufgrund von Corona. Workshops und Schulungen konnten monatelang nicht stattfinden. Vorträge und Trainings fielen aus. Das ist auch finanziell spürbar. Diese Zeit wurde genutzt, um Materialien zu aktualisieren. Es wurden ein neues Beziehungsmodul für Jungen, ein Modul zum Thema Pornografie sowie Aussagen aus Interviews mit inhaftierten Loverboys in das Programm integriert.

Nach sieben Jahren Präventionsarbeit mit „Liebe ohne Zwang“ sind die ersten Teilnehmenden erwachsen. Ehemalige Schüler und Schülerinnen melden sich und berichten, wie der Workshop ihr Leben beeinflusst hat: junge Frauen, die gefährlich werdende Beziehungen bei sich oder Bekannten erkannt haben, Teilnehmende, die in die Sozialarbeit gegangen sind, um auch an dieser Problematik arbeiten zu können, bis hin zu einem Filmemacher, der jetzt mit der Polizei und dem Netzwerk kooperiert und einen Spielfilm zur Loverboy-Methode gedreht hat.

Jede Investition in diese Präventionsarbeit bewahrt Menschen vor Leid, spart später viele Rehabilitationskosten für Betroffene und zeigt Jugendlichen, wie sie sich selber engagieren und Menschenhandel in unserem Land verhindern können.

Jetzt sind die Schulen wieder geöffnet und die Mitarbeitenden stehen mit den neuen Materialien in den Startlöchern. Leider sind die finanziellen Rücklagen des Netzwerks jedoch fast aufgebraucht. Es braucht aber Zeit, bis erneut Einnahmen erzielt und Anträge für längerfristige Finanzierungen genehmigt werden.

Ohne eine finanzielle Überbrückungshilfe wird das Netzwerk gegen Menschenhandel e.V. seine Arbeit in diesem Jahr einstellen müssen. Christina Döhring betont: „Für jede Hilfe sind wir sehr dankbar.“

Das Netzwerk gegen Menschenhandel entstand 2006, als sich am Rande einer Bundesratstagung engagierte Christinnen und Christen zusammentaten, um Menschenhandel zu bekämpfen. Es ist eine gemeinnützige Organisation, die in Bekenntnisgemeinschaft mit dem BEFG steht. Es lässt sich in seiner Arbeit von der Überzeugung leiten, dass Christen eine Verantwortung haben, gegen Ungerechtigkeit in der Welt aufzustehen. Jesaja 58,6 ist der Leitvers: „Löst die Fesseln der Gefangenen, nehmt das drückende Joch von ihrem Hals, gebt den Misshandelten die Freiheit und macht jeder Unterdrückung ein Ende!“

Weitere Informationen unter www.netzwerkgm.de sowie auf Instagram unter www.instagram.com/netzwerk_gegen_menschenhandel.

Tatkräftige Boten

„Dich schickt der Himmel“. Auch beim kommenden Erntedankfest steht das Jahresthema des Bundes im Mittelpunkt. „Wir sind gesandt, die gute Nachricht von Gottes Liebe seinen Menschen zu sagen und unseren Blick darauf zu richten, wo wir tatkräftige Boten des Himmels sind“, betont Generalsekretär Christoph Stiba im Erntedank-Video.

Darin wird eine Auswahl bundesweiter Spendenprojekte vorgestellt. Mit diesem Video und dem zugehörigen Erntedankflyer lädt der BEFG sowohl Gemeinden als auch Privatpersonen dazu ein, eine der dort vorgestellten Arbeiten mit einer Spende oder Kollekte zu unterstützen: das allgemeine Erntedank-Bundesopfer, die Revitalisierung von Gemeinden im Dienstbereich Mission, die Syrien-Hilfe von German Baptist Aid, die Arbeit der Volontäre von Dienste in Israel und den weltweiten Gemeindeaufbau von EBM INTERNATIONAL.

„Nicht zuletzt durch die vielen Spenden für die Opfer der Flut in Deutschland wissen wir, wie groß die Spendenbereitschaft in unseren Gemeinden ist“, berichtet Volker Springer. Auf eine ähnlich hohe Bereitschaft hofft der kaufmännische Geschäftsführer des Bundes für die traditionellen Sammlungen zu Erntedank.

Besonderes verweist Springer auf das allgemeine Erntedank-Bundesopfer: „Diese freien Spenden an den Bund ermöglichen uns erst, mit unseren Hauptamtlichen Projekte zu konzipieren, wichtige Hilfen zu koordinieren und unseren rund 800 Gemeinden mit Rat und Tat zur Seite stehen zu können.“ Das Erntedank-Bundesopfer erfährt daher auch besondere Aufmerksamkeit: durch eine gesonderte Spendenbitte, die dieser Tage auch postalisch an einige Haushalte verschickt wird.

Allen Gemeinden und Einzelpersonen, die eines der Projekte unterstützt, danken Christoph Stiba und Volker Springer herzlich.

Ein segensreicher Weg in Herzen und Häuser

Im Jahr 2022 wird der Andachtskalender WORT FÜR HEUTE 50! Seit 1972 arbeiten die drei großen Freikirchen in Deutschland und seit einiger Zeit auch in der Schweiz hier zusammen: der Bund Evangelischer-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG), der Bund Freier evangelischer Gemeinden (BFeG) und die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK).

Ursprünglich hatte jede Kirche ihren eigenen Kalender. Diese hießen Kasseler Abreißkalender, Wittener Andachtskalender und Tägliches Brot. 1972 wurde dann beschlossen, gemeinsam einen Kalender herauszugeben.

Über 100 Autorinnen und Autoren schreiben inzwischen jährlich mit: Pastoren und Laien, Junge und Alte, Frauen und Männer. Einige machen schon seit vielen Jahren mit, andere sind neu dazugekommen. Jeder Bund stellt einen Redakteur. Diese dritteln die Arbeit, stehen das ganze Jahr über in Kontakt und treffen sich einmal im Jahr zur Redaktionssitzung. In einer weiteren Sitzung kommen die Verantwortlichen aus den Verlagen (Brunnen Verlag GmbH, Gießen, SCM Bundes-Verlag gGmbH, Witten, Oncken Verlag/Blessings 4 you GmbH, Kassel) hinzu. Die Andachtsschreiber nehmen die Leserinnen und Leser mit auf eine Reise durch die biblischen Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament anhand des ökumenischen Bibelleseplans. Sie lassen die biblische Botschaft heute lebendig und greifbar werden: mit fundierten Bibelauslegungen und in alltagsnaher Sprache. Liedstrophen, Gebete, Buchtipps, Internettipps, Terminhinweise oder Fragen zum Weiterdenken ergänzen die Andachtstexte. An passender Stelle stehen Einführungen von zwei Theologen in die biblischen Bücher.

Zum Jubiläum gibt es Geschichten aus der Zeit dieser Zusammenarbeit und Erlebnisse mit dem Andachtskalender: über das Zusammenfinden der einzelnen Kirchen, Bünde und Verlage, den Kalender in der DDR und in der Schweiz, persönliche Glaubenserfahrungen und weitreichende Impulse von einzelnen Andachten. Außerdem gibt es beim Jubiläumspreisrätsel ein Wochenende für zwei Personen mit Halbpension in einem Haus, das den drei Kirchen/Bünden nahesteht, zu gewinnen: im Hotel Martha-Maria in Hohenschwangau/Allgäu, im Hotel Bethanien auf Langeoog oder im Bildungszentrum Elstal bei Berlin. Die Gewinner können sich aus den drei Angeboten den Ort auswählen, der ihnen gefällt. Außerdem gibt es wie gewohnt Buchgutscheine zu gewinnen.

Den Kalender gibt es klassisch als Abreißkalender für die Wand, als Buchkalender und als Großdruckausgabe. Natürlich entwickelt sich auch der Andachtskalender weiter und ist heute als E-Book und als digitale Ausgabe über eine App für Smartphone und Tablet erhältlich. In der Jubiläumsausgabe befindet sich ein Zugangscode für diese App. Mit diesem Code kann über die App „Freikirchen-Kiosk“ der Kalender gratis digital gelesen und an bis zu zwei neue Leserinnen und Lesern weitergegeben werden. So ist der Kalender immer unterwegs dabei, ob auf dem Weg zur Arbeit oder im Urlaub.

Im Vorwort der ersten gemeinsamen Ausgabe von 1972 heißt es: „In großer Einmütigkeit und mit viel Freude haben die Schriftleiter den neuen gemeinsamen Kalender geplant und zusammengestellt. Der Herr der Gemeinde segne seinen Weg!“ Dies gilt auch noch heute. Wir als Redaktionsteam wünschen auch diesem Jubiläumskalender einen segensreichen Weg in die Herzen und Häuser seiner Leserinnen und Leser.

Ute Armbruster-Stephan (ist Pastorin der EmK in Schwäbisch Hall), Nicola Bourdon (ist Redakteurin im Oncken Verlag/Blessings 4 you GmbH, Kassel), Hans-Werner Kube (ist Pastor i. R. im Bund FeG)

„Hey Hamburg, kennst Du Duala Manga Bell?“

Mit der Ausstellung „Hey Hamburg, kennst Du Duala Manga Bell?“ greift das MARKK – Museum am Rothenbaum in Hamburg die Themen koloniales Erbe und Rassismus auf. Erzählt werden die Lebensgeschichten der kamerunischen Königsfamilie Duala Manga Bell und die Auswirkungen des Kolonialismus auf persönliche Lebenswege, Familien und Gesellschaft sowie die Dynamiken von internationalen Widerstandsnetzwerken. Auch die Baptisten spielen eine Rolle in dieser Geschichte. Pastor i.R. Reinhard Assmann vom Historischen Beirat des Bundes hat die Ausstellung besucht.

Bereits seit April zeigt eine Sonderausstellung im Hamburger Museum MARKK die hierzulande eher vergessene Geschichte des Kameruner Duala-Königs Manga Bell. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte er sich gegen die Willkür der deutschen Besatzer gewehrt und die Aufhebung der Rassentrennung gefordert. 1914 wurden er und sein enger Vertrauter Ngoso Din von den deutschen Kolonialbehörden wegen Hochverrates öffentlich hingerichtet.

Die Familie Bell pflegte gute Kontakte zu den Baptisten. Manga Bells Nichte, Maria Bell, verlobt mit Ngoso Din, war als junge Frau in Deutschland und wurde Mitglied der Baptistengemeinden in Eberswalde und Berlin-Prenzlauer Berg. Auch ihrem Leben ist die Ausstellung gewidmet.

Zu einem Höhepunkt der Ausstellung kam es am 13. bis 15. August – zu Gast waren der heutige Duala-König sowie Nachkomme von Manga und Maria Bell. In mehreren Veranstaltungen wurde über das koloniale Erbe und Rassismus heute diskutiert. Erneut kam die Forderung nach einer Rehabilitierung Manga Bells durch die Bundesrepublik zur Sprache. Auch im BEFG gibt es seit dem Frühjahr eine Initiative, die sich für dieses Anliegen einsetzt.

Die Ausstellung ist noch bis Ende nächsten Jahres zu sehen. Ausdrücklich geeignet ist sie auch für Jugendliche und Familien. Der Ausflug nach Hamburg lohnt sich.

BWA-Generalsekretär: „Baptistinnen und Baptisten aus aller Welt beten für Euch!“

Vergangenes Wochenende war der Generalsekretär des Baptistischen Weltbunds (BWA), Elijah Brown, gemeinsam mit BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba in Euskirchen, Bad Münstereifel und Hagen und hat dort von der Flutkatastrophe Betroffene besucht. Sie haben sich die zerstörten Orte angesehen, viele berührende Geschichten gehört und mit den und für die Menschen gebetet.

Bedrückend sei die Atmosphäre gewesen als sie durch die Innenstädte von Euskirchen und Bad Münstereifel gelaufen sind. So beschreibt es BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba, der die von der Flutkatastrophe betroffenen Regionen gemeinsam mit Elijah Brown besuchte: „Der schöne alte historische Stadtkern von Bad Münstereifel – alles weg, komplett kaputt. Die Erft in Euskirchen ist eher ein Rinnsal, man mag gar nicht Fluss dazu sagen. Unvorstellbar, dass sie so anschwellen und alle angrenzenden Gebiete zerstören konnte.“

Mit David Kröker, Pastor und Gemeindegründer in Euskirchen, besuchten die Generalsekretäre verschiedene Orte, hörten zu und beteten. David Kröker erzählte zum Beispiel von Luis, Leiter einer Zellgruppe des Gemeindegründungsprojektes in Euskirchen: „Am Abend des 14. Juli hörte er von seiner Wohnung aus Hilferufe. Er stürzte sich in die Fluten und konnte gerade noch den Inhaber einer dortigen Pizzeria aus dem Wasser ziehen. Für die Frau des Inhabers kam Luis‘ Hilfe dann aber zu spät. Er zog ihren leblosen Körper aus dem Wasser, versuchte sie wiederzubeleben. Aber sie kam nicht wieder zu sich. In den Tagen nach der Flut half Luis in der ganzen Nachbarschaft bei der Beseitigung des Schlammes.“ Zu einigen der Nachbarn seien auf diese Weise nähere Kontakte entstanden und sie zeigten Interesse an seinem Glauben.###3_IMAGES###In Bad Münstereifel trafen sie Elli, Leiterin einer anderen Zellgruppe der Gemeinde. Sie berichtete von dem Wunder, dass ihre Wohnung als einzige aller Wohnungen im Erdgeschoss vom Wasser verschont blieb. Elli stellte fest: „Mit dem Hausrat hat das Wasser auch die Sicherheiten der Menschen weggeschwemmt.“ Sie erhoffe sich, dass die Menschen Gott als absolute Sicherheit kennenlernen. „Betet bitte um Erweckung in der Eifel.“ Das sei auch David Krökers Anliegen: Die Türen der Menschen sind offen – auch die Türen zu ihren Herzen. Wir wünschen uns, dass sie Gott hineinlassen.“ Elijah Brown versicherte ihm: „Baptistinnen und Baptisten aus aller Welt beten für Euch um Weisheit und um Erweckung in Eurer Stadt und Region!“

Dass Gott den Menschen in ihrer Stadt begegnet und ihnen in ihrer Notsituation Halt, Trost und Zuversicht gibt, wünschten sich auch die Mitglieder der Baptistengemeinde in Hagen, in der Elijah Brown und Christoph Stiba den Sonntagsgottesdienst besuchten und der Generalsekretär der BWA predigte. Deshalb haben die Mitglieder der Gemeinde nach reiflicher Überlegung beschlossen, ihr von der Flut komplett zerstörtes Gemeindehaus am selben Ort wiederaufzubauen. „Hier ist der Platz, an den uns Gott gestellt hat“, ist Gemeindeleiter Wolfgang Voigt überzeugt. „Wir haben einen Auftrag: Wir sollen hier den Menschen die gute Nachricht von Jesus Christus bringen.“ ###3_IMAGES###Die Predigt von Elijah Brown über einen Abschnitt in der Apostelgeschichte Kapitel 13 beschrieb eine Gemeindeleitung, die aus Menschen unterschiedlicher Kulturen besteht und in schwieriger gesellschaftlicher Situation Gemeinde baut. „Das trifft auch auf die Gemeinde in Hagen zu“, so Christoph Stiba, „auch hier wird die Gemeinde von Personen aus verschiedenen Kulturkreisen geleitet. Ich habe in der Gemeinde trotz der Notlage eine verheißungsvolle Aufbruchstimmung gespürt.“ Ebenso habe sich an allen drei Orten eine tiefe Dankbarkeit für die weltweite Solidarität und die Verbundenheit innerhalb des BEFG gezeigt, die David Kröker so ausdrückte: „Ich bedanke mich von ganzem Herzen für den Besuch dieser beiden wundervollen Menschen, der Anteilnahme und für die bereitstehenden Spenden für Flutopfer.“

Gebetsaufruf für Afghanistan

Die Nachricht, dass die radikal-islamische Taliban innerhalb kurzer Zeit die Macht in einem großen Teil Afghanistans einschließlich der Hauptstadt Kabul übernommen haben, sorgt weltweit für Entsetzen. Die Erinnerung an die letzte Schreckensherrschaft der Taliban löst in weiten Teilen der Bevölkerung Panik aus. Die verheerende Lage ist Anlass für Gebet für das ganze Land und auch für die zahlreichen afghanischen Christinnen und Christen, die in Gemeinden des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) eine geistliche Heimat gefunden haben.

Einer von ihnen ist Qorban Sultani aus Mettmann, der gerade das Pastorale Integrations- und Ausbildungs-Programm (PIAP) des BEFG absolviert hat und vor der Vermittlung in den Gemeindedienst steht. Er ist in großer Sorge, dass die Menschen seiner Volksgruppe, die schon Ende der 1990er-Jahre verfolgten Hazara, „unter Druck gesetzt und getötet werden, auch, weil sie an Bildung und Demokratie glauben.“ Man werde auch anderen Volksgruppen, die in der Minderheit sind, ihre Rechte nehmen, so Sultani. „Meine Familie und die Menschen, die ich kenne, haben Angst vor der Zukunft, ob und wie sie überleben werden.“

Qorban Sultani bittet um Gebet: für die Menschen in Afghanistan, „die ihre Heimat, ihren Besitz und liebe Menschen verloren haben; für die Christen, dass sie unter dem Druck ihren Glauben behalten; dass die Menschen die Liebe Jesu kennenlernen, damit sie mit sich, mit Gott und anderen Menschen Frieden haben.“ Über das Gebet für „Frieden in Afghanistan und Gottes Erbarmen für das Land“ hinaus bittet er darum, auch an die afghanischen Christinnen und Christen in Deutschland zu denken, von denen viele in BEFG-Gemeinden gehen: „dass wir uns auf Gott verlassen und nicht selber die ganze Sorge tragen, dass wir durch die Last nicht in Depression geraten und auch, dass die afghanischen Christen allen – unabhängig von ihrer Herkunft – mit Respekt und Akzeptanz begegnen.“

In seinem wöchentlichen Newsletter Bund kompakt hat der BEFG seine Gemeinden aufgerufen, in ihren Gottesdiensten in dieses Gebet einzustimmen: „Wir wollen an alle Menschen denken, die nun in Gefahr sind – manche davon auch, weil sie deutsche und andere westliche Kräfte unterstützt haben und nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht wurden.“

„Ich bin ich. Du bist du.“

Vom 30. Juli bis 1. August fand unter Anleitung von Nicole und Jens Mankel, BEFG-Referent für Seelsorge und Beratung, das erste Seminar der Akademie Elstal für farsisprachige Ehepaare statt. Bahareh und Omid Homayouni übersetzten während der Veranstaltung. Auch Thomas Klammt, BEFG-Referent für Integration und Fortbildung, hat das Seminar mitgestaltet und berichtet hier wie er die Tage erlebt hat.

Nicole und Jens Mankel haben schon einige Ehe-Seminare geleitet. Aber dieses war für sie neu: die sieben Ehepaare, die an diesem Wochenende nach Rastede in Niedersachsen gekommen sind, stammen alle ursprünglich aus dem Iran und sprechen über persönliche Fragen am ehesten in ihrer Muttersprache. Also wird das ganze Wochenende lang hin und her übersetzt – zum Glück leisten Pastor Omid Homayouni und seine Frau Bahareh aus Varel die Übersetzungsarbeit mit großer Hingabe und Kompetenz! Dabei geht es nicht nur um Wörter, sondern um Erfahrungen und kulturelle Prägungen, die übersetzt werden wollen. Die Erfahrungen der Paare, die zum Teil bereits 30 Jahre lang verheiratet sind, sind eben auch durch die Flucht aus ihrem Heimatland und den Neuanfang in der Fremde bestimmt. Sie erzählen von eigenen Kindern, die noch im Iran leben und zu denen kaum Kontakt möglich ist; eine Frau musste mehrere Jahre warten, bis ihr Mann ihr nach Deutschland nachziehen durfte.

Und dann sitzen sie im großen Kreis, bekommen Impulse über biblische Grundgedanken zur Ehe und für die Gestaltung einer Partnerschaft in unserer Welt heute. Durch kleine Übungen entdecken sie, was es bedeutet, verschieden und doch verbunden zu sein. Sich in die Augen zu sehen und diese Sätze zu sagen: „Ich bin ich. Du bist du.“ Sich Zeit zu nehmen für ein „Zwiegespräch“ (nach Michael Lukas Moeller), bei dem die Hauptregel ist: eine festgelegte Zeit redet nur die eine, und der andere hört nur zu, dann werden die Rollen getauscht, und das in drei Durchgängen. Das klingt einfacher als es ist, wenn es ihn sehr schnell drängt, Antworten und Lösungen anzubieten, während sie dankbar erlebt, dass er mal wirklich zuhört. Oder wenn Vergangenes zur Sprache kommt, das man schon längst vergessen haben wollte. Wie gut, dass die Grundlage immer wieder klar wird: „Gott ist Liebe“ (1. Johannes 4,16) und „Gott erschuf den Menschen als sein Bild … Männlich und weiblich erschuf er sie.“ (1. Mose 1,27; Einheitsübersetzung)

Am Sonntagmorgen feiert die Gruppe einen Gottesdienst, in dem die Ehepaare für sich beten lassen, und dann miteinander Brot und Traubensaft teilen – als Zeichen der Liebe Gottes, der sich in Jesus selbst gegeben hat, damit wir leben können.

Während es draußen die meiste Zeit regnet, entsteht drinnen eine Atmosphäre, die von großer Offenheit und Liebe geprägt ist. Am Abend wird gelacht und getanzt, viele Erinnerungsfotos werden gemacht. Zum Abschluss beten wir für den Iran, das Heimatland der Ehepaare, dessen politischer und gesellschaftlicher Zustand uns zu Tränen rührt, und spüren dabei etwas von Hoffnung auf Veränderung und Gottes Hilfe.

„Wir wollen einen Weg aus der Verzweiflung aufzeigen“

Eine Initiative aus Hannover und Hildesheim startet ein internationales Hilfsprojekt, das „Leylaprojekt“. Es will Mütter und Kinder im Libanon und in Jordanien stärken.

Sie sind mit ihren Familien vor Krieg und Terror geflohen und haben Schreckliches erlebt: Mehr als eine Million Kinder leben nach UNHCR-Angaben seit Jahren in Flüchtlingslagern und anderen Provisorien in Jordanien und Libanon. Mehr als die Hälfte der Bewohner dieser Camps ist minderjährig, viele von ihnen sind durch Kriegserlebnisse schwer traumatisiert. Ihre dramatische Lage erhält nicht zuletzt durch die weltweite Pandemie seit Monaten kaum noch Aufmerksamkeit.

Eine neue Initiative aus der Region Hannover hat es sich zur Aufgabe gemacht, ganz konkret etwas für diese Kinder zu tun: das Leylaprojekt, ein Zusammenschluss von Forschern, Therapeuten und engagierten Privatpersonen unter anderem aus Hannover und Hildesheim. Das Besondere: Das Leylaprojekt will den traumatisierten Kinder helfen, indem Fachleute vor Ort deren Mütter unterstützen. Diese Vorgehensweise ist den Initiatoren zufolge bereits erfolgreich erprobt und wissenschaftlich belegt.

Insgesamt 16 ehrenamtliche Frauen sollen innerhalb eines Jahres im Libanon und in Jordanien zu Traumabegleiterinnen ausgebildet werden. Die fachlich fundierten Schulungen und Praxisphasen werden organisiert und durchgeführt von der christlich geprägten Hilfsorganisation Ithraa, dem lokalen Partner des Leylaprojekts.

Dr. Ann-Katrin Bockmann, Psychologin an der Uni Hildesheim, hatte 2020 ein Flüchtlingslager in Jordanien besucht und war erschüttert vom Ausmaß des Elends: „Die Kinder und Eltern in diesen Camps haben zum Teil hochgradig traumatisierende Dinge erleiden müssen, darunter Folter, Bombenangriffe, Vergewaltigungen und Massaker. Die Enge, Trostlosigkeit und das Fehlen von Perspektiven führt zu Gewalt, Angst, Wut und Hoffnungslosigkeit innerhalb der Familien.“

Als Bockmann auf einem Fachkongress von den Forschungsergebnissen einer syrischen Psychologin hörte, wurde sie aufmerksam. Diese hatte herausgefunden, dass von einer Traumabegleitung der Mütter direkt auch deren Kinder profitieren – der Schlüssel zur Heilung ganzer Familien. Die Forscherin aus Hildesheim leitet als approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin zusammen mit Prof. Dr. Claudia Mähler die dortige Hochschulambulanz für Kinder und Jugendliche (KiM – Kind im Mittelpunkt). Zurück in Deutschland begann sie, ihr Netzwerk zu aktivieren: „Die Begegnungen in den Lagern haben mich so sehr bewegt, dass ich unbedingt die Frauen als Mütter stärken und so den Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen möchte.“

Sowohl Bockmann als auch der international arbeitende Psychologe Prof. Dr. Tom Holmes sind in der Arbeit mit traumatisierten Geflüchteten erprobt. Gemeinsam mit dem Theologen und Therapeuten Michael Borkowski aus Laatzen schmiedeten sie den Plan, die Stärkung von Müttern vor Ort in die Tat umzusetzen. Ein Team von Ehrenamtlichen aus Hannover unterstützt sie dabei.

„Unser Leylaprojekt weist einen Weg aus der Verzweiflung“, sagt Mitinitator Michael Borkowski. „Wir stärken Mütter in ihrem Heilungsprozess, damit sie ihren traumatisierten Kindern helfen können. Wenn die Mütter ihnen die Erfahrung von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln können, werden sie selbst zu einem sicheren Ort für ihre Kinder.“

Ziel des Projekts ist es, Spenden zu sammeln und so die Finanzierung der intensiven Ausbildung von Traumabegleiterinnen zu sichern. Organisatorisch getragen wird das Projekt von den Flüchtlingswohnheimen der Gemeinde am Döhrener Turm in Hannover. Dort haben engagierte Menschen seit Jahren wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Geflüchteten und ihren oft dramatischen Lebensgeschichten gesammelt. Irene Wegener, Leiterin der Flüchtlingswohnheime, sieht im Leylaprojekt noch einen weiteren Nutzen: „Langfristig muss es darum gehen, Fluchtursachen im Herkunftsland der Menschen zu bekämpfen. Unser Leylaprojekt setzt in dieser Richtung einen wichtigen Impuls.“

Offiziell gestartet ist das Projekt am 12. Juli 2021 mit einer Online-Auftaktveranstaltung. Eine Videokonferenz konnte den internationalen Ansatz unterstützen – mit Erfolg: 40 Menschen aus vier Ländern hatten sich zugeschaltet. Eine Website ist online gegangen, Social-Media-Aktivitäten in Planung. Die ersten Werbemaßnahmen hatten bereits enormen Erfolg: Mehr als 2.000 Euro Spenden sind bislang eingegangen.

Leitung der Steuergruppe Leyla-Projekt:
Dr. Ann-Katrin Bockmann, Universität Hildesheim
Michael Borkowski, Beratungspraxis AUFWIND Laatzen

Mehr als 120.000 Unterschriften

Anlässlich des Ökumenischen Weltgebetstags 2020 unterstützten Engagierte aus ganz Deutschland eine Umwandlung von Schulden für Gesundheits-Projekte im hochverschuldeten Simbabwe. Insgesamt kamen 120.795 Unterschriften zusammen. Diese übergab das Kampagnen-Bündnis am Mittwoch, den 21. Juli 2021 an das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Berlin.

 „Wir sind stellvertretend hier für mehr als 120.000 Menschen, die eine Petition unterschrieben haben,“ so Mona Kuntze, Vorstandssprecherin des ökumenischen Deutschen Weltgebetstagskomitees, „eine Petition mit der Bitte, einen Teil von Simbabwes Schulden in Investitionen für das Gesundheitssystem umzuwandeln.“ Dr. Maria Flachsbarth, Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, nahm die insgesamt 26 Unterschriften-Ordner entgegen. Sie dankte dem Bündnis und insbesondere den Weltgebetstagsfrauen für ihre entwicklungspolitische Bildungsarbeit in den Gemeinden: „Durch Sie erfahren viele Menschen von den differenzierten Instrumenten der entwicklungspolitischen Arbeit.“  Als Bundesregierung unterstütze man den Global Fund und habe in der Pandemie seine Anstrengungen noch verstärkt. Allerdings seien im Moment bei der Regierung von Simbabwe nicht die Voraussetzungen gegeben, um eine Schuldenumwandlung umzusetzen. Das Kampagnenbündnis von insgesamt 14 christlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen wurde neben Mona Kuntze vertreten von Dr. Irene Tokarski (Geschäftsführerin Deutsches Weltgebetstagskomitee) und Kristina Rehbein (Geschäftsführerin erlassjahr.de).

Simbabwe ist überschuldet. Allein gegenüber Deutschland belaufen sich die Schulden auf rund 783 Millionen Euro. Diese Summe wird der seit Jahrzehnten zahlungsunfähige Staat vermutlich nie zurückzahlen können. Die Petition zum Weltgebetstag fordert die Bundesregierung auf, dass Deutschland auf einen Teil der Schuldenrückzahlung verzichte. Stattdessen solle die Regierung von Simbabwe dieses Geld in einen unabhängigen Fonds für die Förderung von Frauen- und Gesundheitsprogrammen einzahlen. Das deutsche Haushaltsgesetz sieht vor, dass bis zu 150 Millionen Euro solcher Schulden für entsprechende Programme erlassen werden können.

„120.000 Unterschriften – 26 Ordner: das macht eindrucksvoll die Dimension der Weltgebetstagsarbeit deutlich“, so Mona Kuntze. „Mehr als 120.000 Menschen haben sich letztes Jahr intensiv mit Simbabwe beschäftigt und möchten etwas tun.“

Mitstreiterin Kristina Rehbein ergänzte: „Angesichts der verschärften wirtschaftlichen und gesundheitlichen Situation in Simbabwe durch Klimakatastrophen und COVID-19-Pandemie ist die angestrebte Umwandlung des Schuldendienstes für Gesundheitsvorhaben für die Menschen in Simbabwe erst recht überlebenswichtig. Angesichts des weiterhin repressiven Regimes ist die Kanalisierung von Mitteln über den unabhängigen Globalen Fonds eine der wenigen Möglichkeiten, in das fragile Gesundheitssystem zu investieren. Wir werden das Anliegen der Schuldenumwandlung für die ärmsten Länder auch mit der zukünftigen Bundesregierung weiterverfolgen – und hoffen auf die Unterstützung des Weltgebetstags.“

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