Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

Fördermittel: Überzeugendes Konzept und regionaler Bezug sind wichtig

Um diakonische Gemeindeaktivitäten zu ermöglichen oder zu unterstützen, können Fördermittel privater und öffentlicher Geldgeber helfen. Über die Frage, was bei der Beantragung zu beachten ist, informierte das erste digitale Forum Fördermittel, das mit über 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus verschiedenen Gemeinden großen Zuspruch fand.

Für das Einwerben von Fördermitteln sei ein überzeugendes Konzept notwendig, das zu den Zielen der Förderinstitution passt, erklärte Almut Siodlaczek, Diakonin und BEFG-Diakoniebeauftragte für Hessen. Sie sagte: „Die Suche nach Förderern beginnt vor der Haustür, da 80 Prozent der Mittel regional vergeben werden.“

Auch Frank Fornaçon, Pastor der EFG Kassel-West, betonte die Bedeutung des regionalen Bezugs. Der Blick der Gemeinde müsse sich für ihr Umfeld und ihre Nachbarschaft öffnen, sagte er. In der EFG Kassel-West hätten sie damit gute Erfahrungen gemacht: „Die Vertreter der Stadt dankten unserer Gemeinde für das soziale Engagement.“ Er betonte, dass ohne die Unterstützung Einzelner, den Rückhalt der Gemeinde und öffentliche Fördergeber die Gemeinde nicht ein täglicher Treffpunkt so vieler Menschen sein könnte.

„Gefördert wird nicht die laufende Arbeit, sondern Projekte“, sagte Silke Tosch Pastorin und leitende Redakteurin der Zeitschrift „Die Gemeinde“ in einem Kurzreferat. Sie erläuterte, welche Kriterien zu einem Projekt gehören, wie zum Beispiel zeitliche Begrenzung, Innovation und Nachhaltigkeit.

Daria Kraft, Pastorin und Referentin in der Fachstelle für Integration und Geflüchtete des Diakoniewerks der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in Baden-Württemberg, stellte ein von ihr durchgeführtes Projekt vor: ein Erlebniswochenende mit geflüchteten und deutschen Jugendlichen. Dieses habe sie mit der Förderung von „Aktion Mensch“ durchführen können. Auch weitere geförderte Projekte wurden vorgestellt, zum Bespiel ein generationsübergreifendes Chorprojekt und „Talentkids“, ein Projekt, bei dem Kinder mit und ohne Fluchterfahrung ein eigenes Rap-Musikvideo produzierten.

Wie eine Personalförderung durch das Jobcenter aussehen könnte, erläuterte Wilfried Roskamp von der Freien evangelischen Gemeinde Ronsdorf, der im Jobcenter arbeitet. „Visionäre brauchen (k)einen Arzt, sie brauchen Fördermittel und ein gutes Konzept“, so Roskamp. Er zeigte auf, wie Langzeit-Arbeitslose, die durch Ein-Euro-Jobs auf die Arbeit vorbereitet werden, dabei helfen können.

An die Referate schlossen sich parallele Gesprächs- und Austauschrunden an, in denen Fragen gestellt und die Themen vertieft werden konnten. Zum Schluss wurden die Teilnehmenden noch einmal motiviert, mutige Schritte zu gehen, sich zu vernetzen und für ihren Ort einzusetzen und Förderern die Möglichkeit zu geben, das Gute was sie tun, zu unterstützen.

Die Rückmeldungen der Teilnehmenden waren sehr positiv, sodass eine thematische Weiterführung geplant ist.

„Reich Gottes, Kirche, Gemeinde“

Zum ersten Mal bot die Akademie Elstal ein Seminar für farsisprachige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen als Videokonferenz an. Dadurch war es möglich, dass 75 iranische Christen und Christinnen aus ganz Deutschland daran teilnehmen konnten. Vier thematische Vorträge mit jeweils anschließender Diskussion füllten den Seminartag. Thomas Klammt war einer der Referenten und berichtet hier von der Veranstaltung. Omid Homayouni hat den Bericht übersetzt.

Bei dem Seminar am 13. Juni stand das Thema „Reich Gottes, Kirche, Gemeinde“ auf dem Programm. Zohreh Niazi Vahdati aus Dortmund zeichnete ein biblisches Bild von Gemeinde, in der die Einheit des Geistes und die Verschiedenheit der Menschen gelebt wird. Zum eigenen Nachdenken regte sie mit der Frage an: „Was ist mein Platz in der Gemeinde?“ „Das Thema Gemeinde ist ein wichtiges Thema“, sagte Azadeh Taghipour, die aus Hannover an der Videokonferenz teilgenommen hatte, „Für viele Neugläubige ist das nicht klar, was ‚Gemeinde‘ oder ‚Körper Christi‘ ist. Zohreh hat die wichtigen Punkte dazu erwähnt.“

In einem Beitrag von Amir Paryari wurde deutlich, dass Gottes Plan die Erneuerung der gesamten Schöpfung ist. In der Kirche wird etwas davon sichtbar und wir beten weiter: „Dein Reich komme!“

Bei meiner Einführung in die Entstehungsgeschichte und Merkmale der Kirchen habe ich zunächst die Unterschiede zwischen den orthodoxen, katholischen und evangelischen Kirchen aufgezeigt und auch die Besonderheiten der pfingstlerischen Bewegung und der Freikirchen erklärt.

Omid Homayouni legte seinen Schwerpunkt auf die besonderen Kennzeichen von Baptistengemeinden. Besonderes Interesse fanden seine Erklärungen, wie sich alle Mitglieder am Gemeindeleben beteiligen können und wie die Leitung der Gemeinde verstanden wird.
 
Julius Avdisho aus Karlsruhe zog ein positives Fazit: „Die Themen des Unterrichts waren sehr gut gewählt, und die angesehenen Prediger drückten es mit Genauigkeit und auf einfache Weise in unserer Muttersprache aus.“ Und auch Mohsen Kornelsen aus Hurlach sagte rückblickend: „Das Seminar hat meinen Horizont erweitert hinsichtlich der Bedeutung von Gemeinde. Jedes Bindeglied hat seine Aufgaben und Gaben zum Wohl der Gemeinde. Ich fand die Referate erfrischend und bereichernd. Die Zeit für den Austausch in Kleingruppen, hätte gerne etwas länger sein können.“

Als Akademie Elstal und im Leitungskreis der deutsch-persischen Gemeindeentwicklung sind wir sehr dankbar über die guten Erfahrungen mit Seminaren für Farsisprachige. In Zukunft wollen wir abwechselnd Wochenendseminare in Elstal und Online-Seminare anbieten, um den großen Bedarf an Schulung in der Muttersprache abzudecken. Vom 28. bis 30. August geht es um die Frage, wie wir die Bibel verstehen und auslegen können. Da wir bei diesem Präsenzseminar in Elstal voraussichtlich nur 20 Plätze anbieten können, bitten wir um baldige Anmeldung.

 

Begegnung auf Augenhöhe

34 Gemeinden mit interkulturellem Profil findet man auf der neuen „Landkarte der Ermutigung“ des ökumenischen Netzwerks „Gemeinde auf Augenhöhe“. Sieben Gemeinden davon sind aus dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Thomas Klammt, BEFG-Referent für Integration und Fortbildung und Teil des überkonfessionellen Netzwerks, ist der Meinung, dass „die Beispiele aus unserem Bund und anderen Kirchen zeigen: Gemeinschaft von Christen aus aller Welt ist nicht nur ein Traum, sondern Realität an vielen Orten. Wir sind nicht allein auf diesem Weg, und es tut gut, die Erfahrungen, Hoffnungen und Sorgen miteinander zu teilen.“

Mit der neuen Online-Karte bietet „Gemeinde auf Augenhöhe“ einen Überblick über Kirchengemeinden, in denen Einheimische und Zugewanderte gleichberechtigt miteinander arbeiten. „Wir wollen den Gemeinden Mut machen, sich interkulturell zu öffnen“, sagt Oberkirchenrat Bendix Balke, der die Erstellung der Karte koordiniert.

In Deutschland leben vor allem in Ballungsräumen zunehmend mehr Christinnen und Christen aus unterschiedlichsten Ländern. In ihren Gemeinden und im Gottesdienst sprechen sie ihre eigene Sprache. „Internationale Gemeinden“ nennt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sie, den Begriff „fremd“ bewusst vermeidend.

Zum Startzeitpunkt am 23. Juni waren auf der Karte bereits 33 interkulturelle Kirchengemeinden verzeichnet, die Einheimische und Zugewanderte auf allen Ebenen von Leitung und Mitarbeit beteiligen. Diese Gemeinden seien Beispiele gelingender Praxis, so Balke. „Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Gemeinden, die sich internationalisiert haben.“ Sie hätten mit neuen Angeboten auf die große Zahl Geflüchteter der Jahre 2015 und 2016 reagiert. Über diakonische Hilfe und Austausch seien Flüchtlinge zur Gemeindearbeit gekommen.

Vor allem unter den evangelischen Landeskirchen seien solche Gemeinden zu finden, aber auch unter Freikirchen, gelegentlich auch unter katholischen und orthodoxen Gemeinden. „Neben einheimischen Gemeinden gibt es jedoch auch Gemeinden von Migranten, in denen Deutsche auf allen Ebenen mitwirken“, sagt Balke.

Ein Beispiel auf der „Landkarte der Ermutigung“ ist das International Gospel Center in Hannover. In der Selbstdarstellung der Gemeinde heißt es: „Wir legen Wert auf eine Atmosphäre der Wertschätzung, der Annahme und des Respekts. Wir glauben, dass jeder Mensch einzigartig, wertvoll und von Gott geliebt ist.“ Alle Veranstaltungen finden auf Deutsch und Englisch statt.

Bendix Balke hofft, dass weitere Gemeinden den Weg zum gleichberechtigten Miteinander wagen. Der Oberkirchenrat ist auf einer Projektstelle zur Gemeinschaft von Landeskirchen und Internationalen Gemeinden im Kirchenamt der EKD tätig. Das ökumenische Netzwerk „Gemeinde auf Augenhöhe“ ist ein breiter Zusammenschluss von evangelischen Kirchen, Missionswerke, freien Werken und Projekten.

An der Umsetzung der Karte sind die Evangelische Kirche in Deutschland, die Hanns-Lilje-Stiftung und die Universität Osnabrück beteiligt.

Mitgliederstatistik für 2019 veröffentlicht

Laut der heute veröffentlichten Mitgliederstatistik für 2019 gehörten zum Stichtag 31. Dezember 801 Gemeinden mit insgesamt 80.195 Mitgliedern zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG). Die Mitgliederzahl ist somit nach einer leichten Zunahme in den Jahren 2013 bis 2017 nun das zweite Jahr in Folge leicht rückläufig.

2019 hatte der BEFG im Vergleich zum Vorjahr 961 Mitglieder weniger, was einem Rückgang von 1,18 Prozent entspricht. Hierzu haben mehrere Effekte beigetragen. Beim Blick auf die Zu- und Abgangsarten fällt zunächst eines auf: Während die Zahl der Austritte von 1.326 auf 1.578 gestiegen ist, sind die Taufen von 1.734 auf 1.610 nach unten gegangen. Aufschlussreicher als der Blick auf das Vorjahr sind die Jahre zuvor. 2016 und 2017, als die Mitgliederentwicklung stabil war, lag die Zahl der Taufen mit 2.692 und 2.140 jeweils deutlich höher als 2019. Dies war zu einem erheblichen Teil auf zahlreiche farsisprachige Menschen aus dem Iran und Afghanistan zurückzuführen, die in BEFG-Gemeinden zum christlichen Glauben gefunden hatten und sich taufen ließen.

Ein weiterer Faktor in der Entwicklung 2019 sind „unvollendete“ Mitgliederüberweisungen. Eine Überweisung liegt immer dann vor, wenn eine Person aus einer Gemeinde des BEFG in eine andere Gemeinde des BEFG wechselt. Die Zahl aus- und eingehender Überweisungen sollte also eigentlich identisch sein, was aber nicht der Fall ist. 2019 wurden 818 Mitglieder von einer in eine andere Bundesgemeinde überwiesen, aber ganze 191 (Vorjahr 194) kamen dort nicht an. Somit sind diese Überweisungen immerhin für 19,9 Prozent des Mitgliederrückgangs des Bundes ursächlich. Gemeindeverantwortliche werden gebeten, bei Überweisungen immer genau hinzuschauen und zum Beispiel durch Anrufe in der aufnehmenden Gemeinde oder im Kontakt mit der zu überweisenden Person zu klären, ob alles geklappt hat. Zudem sind Gemeinden aufgefordert, die Formulare des Bundes zu verwenden: www.baptisten.de/ueberweisungsformular.

Die Zahl der Hauptgemeinden im BEFG ist im Vergleich zum Vorjahr identisch. Sie liegt weiterhin bei 725. Erst, wenn man sich mit den Zahlen etwas mehr befasst, entdeckt man einen Zuwachs bei den Hauptgemeinden, der von der Statistik aus technischen Gründen nicht abgebildet werden kann. Die scheinbare Kontinuität kommt so zustande: Harul Gernsbach sowie Berlin-Staaken wurden als Hauptgemeinden aufgenommen. Das neue anerkannte Gemeindegründungsprojekt Frankfurt-Süd ist ebenfalls hinzugekommen. Diesen drei neuen Gemeinden stehen drei aufgelöste entgegen. Allerdings werden aus rein datenbanktechnischen Gründen anerkannte Gemeindegründungsprojekte bereits als Hauptgemeinden erfasst. Deshalb wird das genannte Gründungsprojekt Frankfurt-Süd als Hauptgemeinde gezählt, aber ein weiterer „Zuwachs“ bei den „tatsächlichen“ Hauptgemeinden fließt nicht ins Saldo ein: So haben nämlich zwei anerkannte Gemeindegründungsprojekte den Antrag gestellt und sind vom Bundesrat 2019 als BEFG-Hauptgemeinden aufgenommen worden: die Spectrum International Church aus Düsseldorf und KIRCHE DIE BEWEGT aus Saarbrücken.

Gemeinschaft in der Krise

Gemeinschaft gehört zum Kern des baptistischen Gemeindelebens. Gruppen, Haus- und Gebetskreise, Teams und natürlich auch der Kaffee nach dem Gottesdienst gehören dazu und machen das Gemeindeleben aus. All das ist unter den Bedingungen von Corona weitgehend nicht möglich. Jedenfalls nicht auf dem gewohnten analogen Weg.

Das Bedürfnis nach „echter, analoger“ Begegnung bleibt. Gemeinden stehen vor der Herausforderung, neue Wege zu gehen, damit Menschen in Beziehung bleiben und christliche Gemeinschaft Gestalt bekommt. Wie kann das aussehen? Wie können Gruppen belebt und begleitet werden? Wie lassen sich Netzwerke stärken oder neu etablieren? Wie können neue Ausdrucksformen von Gemeinschaft aussehen?

„Akademie im Gespräch online“ bietet ein Forum, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen. Impulse aus der Gemeindepraxis und aus der Perspektive des Bundes setzen Schlaglichter. In Kleingruppen besteht die Möglichkeit zum Austausch und zur Vernetzung. Schnelle Lösungen werden nicht präsentiert. Diese wären in einer unübersichtlichen, krisenhaften Situation auch nicht angemessen. In unbekanntem Terrain gilt es, genau hinzusehen und zu -hören, gründlich wahrzunehmen, Erfahrungen auszutauschen und dann Neues auszuprobieren. Dabei will unser Online-Angebot helfen.

Zur Anmeldung geht es hier.

Zuwendung zur Gesellschaft – keine Abgrenzung

Die Corona-Zeit mischt die Karten neu. Diesem Eindruck stimmten viele der knapp 20 Teilnehmer beim ersten Dialog-Video-Forum des Diakoniewerks der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in Baden-Württemberg am 16. Juni 2020 zu. Es stand unter dem Motto „Das Gute wahrnehmen – Austausch über aktuelle Erfahrungen.“ Einige berichteten über neue kreative Ideen, die Gemeinden oder einzelne Mitglieder entwickelt hätten. Beispielsweise versorgte ein Rentner alle Mitglieder seiner kleinen Gemeinde mit einem Scherenschnittbild und einer Grußkarte. Andernorts wurden neue Kontakte über den Gartenzaun hinweg oder beim Balkonsingen geknüpft, aus denen neue Freundschaften entstanden seien.

Selbstbestimmung oder Zwang
In drei Kurzbeiträgen wurden einige Impulse vertieft. So stellte Antje Silja Schwegler (Karlsruhe), Assistentin der Geschäftsführung im Diakoniewerk, über die Lebenssituation älterer Menschen fest: „Die soziale Vereinsamung hat zugenommen.“ Zugleich machte sie auf die zwiespältige Situation aufmerksam. Einerseits seien die erlassenen Beschränkungen für Menschen mit Risikofaktoren aus „Fürsorge“ getroffen worden, andererseits führten diese in die „Isolation“. Teilweise könnte sogar von einer „Diskriminierung“ Älterer gesprochen werden. Nicht alle dürften „in die gleiche Schublade gesteckt werden“, denn „das Alter“ gäbe es sowieso nicht. Viele ältere Menschen handelten auf Grund ihrer großen Lebenserfahrung „sehr vernünftig“. Jetzt müsse jeder dazu beitragen, die Vereinsamung wieder zu vermindern. Eine kleine Möglichkeit dazu sei die Verteilung von „Bewegungspackungen“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Geheimnis der kleinen Begegnungen
Vorstandsmitglied Anja Bloedorn, Pastorin in Esslingen, sprach zur These: „Jesus hat nie gesagt, feiert Gottesdienste, sondern begegnet Menschen.“ In den zurückliegenden Monaten habe ihre Gemeinde „das Geheimnis der kleinen Begegnungen“ neu entdeckt, was „sehr jesuanisch“ sei. In einer Kleingruppe könne jeder „seine Maske abnehmen“, geistliche Entdeckungen teilen oder sich „wohlwollend ins Leben hineinreden lassen“. Zugleich plädierte Anja Bloedorn dafür, beispielsweise sich beim Thema Nachhaltigkeit in bestehenden gesellschaftlichen Gruppen zu integrieren, statt dazu noch eine „Extragruppe“ in der Gemeinde anzubieten.

Einsamkeit kein Tabuthema mehr
„Das Thema Einsamkeit konnte aus dem Tabubereich herauskommen.“ Daria Kraft, Leiterin der Koordinierungsstelle für Integration und Geflüchtete des Diakoniewerks, nannte das in ihrem Impulsvortrag „In Kontakt bleiben“ „ein großes Plus“ der Corona-Krise. Allerdings sei Einsamkeit „keine Frage des Alters“. Als „katastrophal und hoch risikohaft“ bezeichnete sie die Zugangsverbote in Sammelunterkünfte für Geflüchtete. Vor allem Kinder hätten wenig Platz gehabt. Deshalb habe sie beispielsweise eine „Schnitzeljagd im Familienverbund“ angeboten. Dies erfordere jedoch einen hohen Mitarbeiteraufwand. Zugleich sei es wichtig, auch in „digitalen Begegnungen Gemeinschaftserlebnisse zu schaffen“, etwa durch ein Spiel, eine kleine Aktion oder die Einspielung eines kleinen Videos. 

Das Gute wahrnehmen
Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass bei weiteren Lockerungen die guten Erfahrungen der vergangenen Monate weitergeführt werden müssen. „Wenn wir an allem Alten festhalten, wird uns das viel Kraft kosten“, sagte beispielsweise Lars Heinrich, Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Tübingen. Zugleich hätten sich neue Anknüpfungspunkte in die Gesellschaft ergeben, lautete ein Statement einer Kleingruppe innerhalb des Forums. Deshalb dürfe keine weitere Abgrenzung gelebt werden, wie das früher den Gemeinden vermittelt wurde.

Das Diakoniewerk will sein Video-Dialogformat am 7. Juli 2020 fortsetzen, um die diakonischen Herausforderungen noch stärker in den Blick zu nehmen. Zuvor bietet es ein Webinar zum Thema Einsamkeit am 30. Juni 2020 an. Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 20:00 Uhr. Eine Anmeldung ist über info@diakoniewerk-bw.de erforderlich. Zugangsdaten werden zugemailt.

Menno‐Simons‐Predigtpreis 2020 an Andrea Schneider

In  diesem  Jahr  verleiht  die  Arbeitsstelle  Theologie  der  Friedenskirchen  (Universität Hamburg)  den  Menno‐Simons‐Predigtpreis  an  Pastorin  Andrea  Schneider, Rundfunkbeauftragte der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) und Referentin für „Gottesdienst und Gemeindepraxis“ der Akademie Elstal. 

Die prämierte Predigt über das Jesuswort: „Ihr seid das Salz der Erde“ (Mt 5,13), hat Andrea Schneider  am  6.  Juni  2019,  dem  ökumenischen  „Tag  der  Schöpfung“  auf  der Bundesgartenschau in Heilbronn gehalten. In ihrer Predigt entfaltet sie die verschiedenen Aspekte  von  Salz:  So  wie  Christinnen und Christen  sich  zunehmend  in  einer  Minderheitenposition befinden, wirke auch eine kleine Menge Salz. Die unterschiedlichen Eigenschaften von Salz – würzend  und  konservierend,  heilend  und  ätzend,  tragend  und  schmelzend – seien wichtige Aspekte einer christlichen Existenz, so Schneider. Dazu gehöre auch den Schöpfer zu  loben  und  seine  Schöpfung  zu  bewahren – betonte  die  Theologin  auf  der Bundesgartenschau. 

Andrea Schneider, geb. 1955, studierte an der Universität Hamburg Evangelische Theologie und Germanistik und arbeitete zunächst als Gymnasiallehrerin. Seit 1997 ist sie Pastorin im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (Baptisten).  Andrea Schneider arbeitet als Rundfunkbeauftragte der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) und war viele Jahre „Wort-zum-Sonntag“- Sprecherin in der ARD. Schneider ist außerdem Referentin für Gottesdienst und Gemeindepraxis an der Ev.-Freikirchlichen Akademie Elstal. Sie ist verheiratet und Mutter dreier Kinder. 

Die prämierte Predigt wird am 1. November 2020 um 10 Uhr im Gottesdienst der Mennonitenkirche Hamburg ‐ Altona zu hören sein. Im Anschluss findet die öffentliche Preisverleihung statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.  Mit dem Menno ‐ Simons ‐ Predigtpreis sollen Predigten angeregt und gewürdigt werden, die das biblische Zeugnis im Licht der täuferisch ‐ mennonitischen Tradition zur Sprache bringen. Im Horizont gelebter Ökumene sollen sie friedenskirchliche Orientierung fördern und durch Glaubwürdigkeit überzeugen, um spirituelle Stärkung zu bieten. Ferner sollen die Predigten zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen des öffentlichen Lebens anregen – über die eigenen konfessionellen Grenzen hinaus.  

Der Preis wurde von Dr. h.c. Annelie Kümpers‐Greve (1946 – 2017), Mitglied der Mennonitengemeinde Hamburg, gestiftet. Er ist mit Euro 2.000 dotiert und geht zur Hälfte an die Preisträgerin, zur anderen Hälfte an ihre Gemeinde, „um wissenschaftlich reflektierte Bibelarbeiten im Wirkfeld der Predigenden zu fördern“.  

Die Jury umfasst mennonitische Theologinnen und Theologen, Vorsitzender ist Prof. Dr. Fernando Enns (Stiftungsprofessur `Theologie der Friedenskirchen´), als externer Gutachter fungiert Prof. em. Dr. Hans‐Martin Gutmann (Praktische Theologie, Universität Hamburg). Weitere Mitglieder der Jury sind: Lukas Amstutz (Schweiz), Pastorin Christina Duhoux (Niederlande), Pastorin Birgit Foth (Ludwigshafen), Pfarrerin Dr. Christiane Karrer ‐ Grube (Niederlande) und Heinrich Wiens (Detmold).  

Rassenungerechtigkeiten und -unruhen in den Vereinigten Staaten

Die Gemeinschaft der nordamerikanischen Baptisten (North American Baptist Fellowship, NABF) und der Baptistische Weltbund (Baptist World Alliance, BWA) haben am 3. Juni anlässlich der Proteste gegen Rassismus in den Vereinigten Staaten eine Stellungnahme veröffentlicht, die hier in der deutschen Übersetzung wiedergegeben wird.

Während weitere Namen zur Wolke der Zeugen (Hebräer 12,1) von Rassenungerechtigkeiten in den Vereinigten Staaten hinzugefügt werden – wie Ahmaud Arbery, Breonna Taylor und George Floyd – fügen auch wir unsere Stimmen als Baptisten hinzu, inspiriert vom prophetischen Ruf, dass das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach ströme. (Amos 5,24)

Die North American Baptist Fellowship (NABF) verbindet über die Grenzen von Rassen und Ethnien hinweg 19 Millionen Baptisten in 55.000 Gemeinden und 22 Gemeindebünden in Kanada und den Vereinigten Staaten. Die NABF ist eine der sechs Regionen des Baptistischen Weltbundes (BWA), einem Netzwerk von 240 Baptistenbünden in 125 Ländern und Gebieten, zu dem 47 Millionen Baptisten in 169.000 Gemeinden gehören.

Angetrieben von unserem Glauben an den Herrn Jesus, erklären wir:

Wir beklagen zutiefst den expliziten und impliziten Rassismus, der einige Amerikaner nur wegen ihrer Hautfarbe als Bürger zweiter Klasse behandelt. Wir bekräftigen, dass alle Menschen zum Ebenbild Gottes geschaffen sind.

Wir beklagen zutiefst den Tod jedes einzelnen und aller Menschen. Wir bekräftigen, dass alle die Chance auf Gerechtigkeit vor Gericht verdienen, nicht das Gelynchtwerden auf der Straße.

Wir beklagen zutiefst, dass es für unbewaffnete Schwarze dreimal so wahrscheinlich ist, von der Polizei getötet zu werden, wie für unbewaffnete Weiße. Wir bekräftigen, dass das „Leben von Schwarzen zählt“ („black lives matter“) für Gott und deswegen auch für uns zählen sollte.

Wir beklagen zutiefst eine Gesellschaft, in der es für Schwarze doppelt so wahrscheinlich ist, von der Polizei angehalten werden, wie für Weiße, und viermal so wahrscheinlich, durchsucht zu werden. Wir bekräftigen, dass Gerechtigkeit für alle gleich gelten muss, weil es sonst keine Gerechtigkeit ist.

Wir beklagen zutiefst ein juristisches System, in dem Schwarze ein höheres Strafmaß für dasselbe Vergehen zugemessen bekommen und in dem die Todesstrafe am wahrscheinlichsten ist, wenn der Angeklagte schwarz und das Opfer weiß ist. Wir bekräftigen den Ruf unseres Herrn nach gerechter Barmherzigkeit, der selbst als Opfer eines korrupten Systems starb.

Wir beklagen zutiefst die Militarisierung der Einsatzkräfte der Polizei, die gezielt angewiesen werden, Minderheitengruppen als Feinde zu behandeln. Wir bekräftigen die Lehre des Friedefürsten, dass die Friedensstifter gesegnet sind.

Wir beklagen zutiefst den Einsatz von Tränengas und Pfefferspray – beide in der Kriegsführung verboten – gegen Demonstranten. Wir bekräftigen, dass das Grundrecht, sich friedlich zu versammeln, geachtet werden soll.

Wir beklagen zutiefst, dass Journalisten von den staatlichen Autoritäten angegriffen und verhaftet werden. Wir bekräftigen die Einschätzung unseres baptistischen Bruders, des Abgeordneten John Lewis: „Ohne die Medien – Printmedien und Fernsehen – wäre die Bürgerrechtsbewegung wie ein Vogel ohne Flügel gewesen, wie ein Chor ohne Lied.“

Wir beklagen zutiefst jede Gewalt, einschließlich der bewussten Zerstörung oder Verunstaltung von Geschäften, Häusern und Gebetsstätten. Wir bekräftigen die biblische Aufforderung, den Mitmenschen wie sich selbst zu lieben, und wir sind dankbar für alle öffentlichen Bediensteten, die sich für den Schutz anderer einsetzen.

Wir beklagen zutiefst die Ausnutzung von christlichen Texten oder heiligen Orten zur Unterstützung von Machtmissbrauch. Wir bekräftigen das Zeugnis unseres Herrn, der mitten in staatlicher Verfolgung geboren wurde, die Unschuldigen den Atem abgewürgt hat.

Wir beklagen zutiefst die weitergehenden Folgen der Sklaverei, die „Jim-Crow-Gesetze“, die Städteplanung, die Ausgrenzung und die Diskriminierung durch Finanzinstitute, die immer noch Minderheitengruppen Leid zufügen. Wir bekräftigen, dass es der Weg zur Vision unseres baptistischen Bruders Martin Luther King Jr. von einer liebevollen Gemeinschaft („beloved community“) erfordert, dass ungerechte Strukturen verändert werden.

Wir beklagen zutiefst die Kluft zwischen den Rassen im Blick auf den Wohlstand wie auf den Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung, Internet usw.; sie sind noch offensichtlicher geworden durch die Corona-Pandemie, in der drei Mal so viele schwarze Amerikaner sterben wie weiße Amerikaner. Wir bekräftigen, dass sich unsere Nation diesen strukturellen Ungleichheiten stellen muss, und das beinhaltet auch die Notwendigkeit ernsthafter Verhandlungen mit dem Ziel, die Fehler der Vergangenheit durch Akte der Umkehr und Reparation zu beheben.

Wir beklagen zutiefst die Zeiten, in denen unsere eigenen baptistischen Gemeinschaften darin versagt haben, das Licht der Welt zu sein, und sich stattdessen mit den Flammen des Hasses vereint haben – und wir erbitten demütig die Vergebung von Gott und von unseren Mitmenschen, an denen wir gesündigt haben. Wir bekräftigen unsere Hingabe in Wort und Tat, Recht zu tun, Barmherzigkeit zu lieben, und demütig zu leben. (Micha 6,8)

Samuel Tolbert
Präsident, North American Baptist Fellowship
Präsident, National Baptist Convention of America

Jeremy Bell

Generalsekretär, North American Baptist Fellowship

Paul Msiza
Präsident, Baptist World Alliance

Elijah Brown
Generalsekretär, Baptist World Alliance

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Übersetzung: Thomas Klammt
Entwurf der Stellungnahme: Brian Kaylor, Herausgeber und Präsident von „Word & Way“


Im Himmel wird regiert

Unter dem Thema „Unser Glaube hat Zukunft!“ machte der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) aus der Not eine Tugend und veranstaltete am Himmelfahrtstag ein Online-Angebot mit Gottesdienst, Impulsreferat und Podiumsdiskussion. Die ursprünglich geplante Bundesratstagung musste wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden.

Die Aussage „Unser Glaube hat Zukunft!“, so BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba in seiner Predigt, hänge mit der Himmelfahrt Jesu zusammen. Jesus, der auf der Erde gelebt und das Leiden der Menschen am eigenen Leib erfahren habe, habe im Himmel an der Allmacht Gottes teil und könne dort eingreifen, wo Menschen Hilfe bräuchten. Der Glaube habe Zukunft, weil Jesus „dort ist, wo regiert wird. Im Himmel wird regiert – für uns.“ BEFG-Präsident Michael Noss, wandte seinen Blick auf das Verlassenheitsgefühl, das Menschen in herausfordernden Zeiten wie in der derzeitigen Corona-Pandemie überkommen könne. Den Zuhörerinnen und Zuhörern machte er Mut, dass sie sich in solchen Situationen auf die Zusage Gottes verlassen können, die schon das Volk Israel vor 2500 Jahren gehört hat: „Ich habe Gedanken des Friedens und nicht des Leidens, das ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ So habe Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern gesagt, als er in den Himmel auffuhr, dass er bei ihnen bleibe. „Gott ist das Kontinuum unseres Lebens“, so Noss. „Er weicht uns nicht von der Seite. Gott geht mit uns. Darauf dürfen wir uns verlassen.“ ###3_IMAGES### Der Wirtschaftsjournalist und Zukunftsforscher Erik Händeler ging in seinem Impulsvortrag auf den Zusammenhang von Religion und Wirtschaft ein. In der technischen Entwicklung, so seine These, sei man mittlerweile so weit gekommen, dass die Produktionsfaktoren weltweit austauschbar geworden seien. Entscheidend für den wirtschaftlichen Wohlstand sei die Fähigkeit der Menschen vor Ort, mit Wissen umzugehen. Produktivität in der Wissensgesellschaft habe dabei mit Sozialverhalten, seelischer Gesundheit, transparenter Kommunikation, durchlässigen Strukturen und ehrlicher Streitkultur zu tun: „Deswegen ist es falsch“, so Händeler, „Religion auszusperren. In meinem Tun zeigt sich, wes Geistes Kind in bin.“ Das „eigentliche Verkünden und Bekennen“ sei die Art, wie man sich im Miteinander mit anderen verhalte. In der Geschichte von Wirtschaft und Gesellschaft zeige sich die Entwicklung von einer Gruppenethik über eine Individualethik zu einer Universalethik. Dies bedeute, dass man in der Lage sei, seine eigenen Gaben und Fähigkeiten zu reflektieren und sie zum Wohl für andere einzusetzen: „Dann haben wir das erreicht, was eine Gesellschaft produktiv macht im Umgang mit Wissen, aber es ist auch das, was vor Gott entscheidend ist.“ 

In der anschließenden Podiumsdiskussion berichteten Erik Händeler, Anna Eberbach aus dem GJW-Bundesvorstand, die Intensivkrankenschwester Isabell ter Haseborg und die Pastoren Jonas Schilke und Dirk Zimmer, wie sie die Zeit während der Corona-Pandemie in ihren unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbezügen erleben. Deutlich wurde bei allen Gesprächsteilnehmerinnen und -teilnehmern, dass es neben vielen belastenden Erfahrungen auch Mut machende Entwicklungen gibt. Dirk Zimmer berichtete beispielsweise von seiner Arbeit in einem Pflegeheim, wo sich wegen des Besuchsverbots Angehörige per Skype mit ihren Verwandten in Verbindung setzen können. Wie Zimmer schilderte, habe er bei diesen Gesprächen gemerkt, das Nähe nicht unbedingt mit körperlicher Nähe zu tun habe. „Ich habe das mal als Herzensnähe für mich zusammengefasst“, sagte Zimmer. „Wo die da ist, kann man es auch aushalten, wenn man nicht beieinander ist.“###3_IMAGES###Die Graphik-Designerin Martina Grigoleit visualisierte die drei Veranstaltungsteile live mit der Methode des Graphic Recording. Während des ganzen Vormittags gab es zudem einen Chat zu inhaltlichen Fragen. Einige Statements daraus wurden in die Podiumsdiskussion eingebracht. Und zwischen den einzelnen Programmbeiträgen hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, sich in virtuellen Räumen zu treffen und miteinander zu sprechen oder zu beten. ###3_IMAGES### Im Online-Kinder- und Familiengottesdienst des Gemeindejugendwerks ging es ebenfalls um Himmelfahrt. Neben Spielen, Liedern und Geschichten erklärten Jason Querner und Deike Brodt den Zuschauerinnen und Zuschauern: „Wir erinnern uns an Himmelfahrt daran, dass Jesus zu seinem Vater in den Himmel zurückgekehrt ist. Und damit beweist Jesus, dass er was ganz Besonderes ist. Er ist mächtig, er ist Gottes Sohn. Ist das nicht toll?“

„Gemeinsam vor Pfingsten“

„Deutschland betet gemeinsam“ mobilisierte anlässlich der Coronakrise über eine halbe Million Menschen. Nun findet die Aktion ihre Fortsetzung in der überkonfessionellen Gebetsinitiative „Gemeinsam vor Pfingsten“. Austragungsorte sind einige der bekanntesten Gotteshäuser Zentraleuropas, unter anderem die Frauenkirche Dresden, das Großmünster Zürich und die Votivkirche Wien, aber auch aktuelle Initiativen wie die Urban Life Church Ludwigsburg.

„Gemeinsam vor Pfingsten“ setzt in Zeiten der Corona-Erschütterung ein starkes Zeichen der Hoffnung. Sowohl physisch in kleinen Gruppen als auch online jeder für sich treffen sich Christen in einer Bandbreite verschiedener Strömungen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz beten sie in ehrwürdigen Gemäuern wie der Frauenkirche Dresden, dem Bamberger Dom, der Michaelskirche Fulda, der Stiftskirche Stuttgart, der Votivkirche Wien oder dem Großmünster Zürich, aber auch in frischen, jungen Glaubensinitiativen wie der Urban Life Church Ludwigsburg, diekreative Berlin oder der New Life Church Düsseldorf. Bei allen geht es um den revolutionären Geist von Pfingsten: Mut statt Angst, Verständigung statt Verwirrung. Denn Pfingsten ist genau das – der göttliche Traum vom gegenseitigen Verstehen, vom angstfreien Gestalten eines neuen Miteinanders.

Auf www.gemeinsamvorpfingsten.org, Bibel TV und Radio Horeb wird am Donnerstag, 28. Mai 2020 von 19:00 Uhr bis 20:30 Uhr das Live-Gebet aus 15 bekannten geistlichen Orten übertragen, das Dr. Johannes Hartl (Gebetshaus Augsburg) und Frauke Teichen (ICF München) gemeinsam moderieren. Zur gleichen Zeit finden Gebetstreffen in weiteren Domen, Kathedralen, Kirchen und Gemeinden statt. Katholische, evangelische, orthodoxe, freikirchliche Christen sowie alle Interessierten sind eingeladen mitzubeten. Für viele Menschen, selbst für Christen, ist die Bedeutung von Pfingsten nicht geläufig. Doch was an Pfingsten passierte, hat geradezu revolutionäre Sprengkraft für unsere Gesellschaft, denn Pfingsten ist viel mehr als das fünfte Rad am Wagen neben Weihnachten und Ostern! Es ist das Ereignis, bei dem der Funke von Gottes übernatürlicher Kraft auf uns Menschen übergegangen ist. Erstens: Die Jünger hatten Angst. Durch den Heiligen Geist bekamen sie Mut und verkündeten die Frohe Botschaft in der ganzen Welt. Zweitens: Die Jünger waren aus verschiedenen Nationen zusammengekommen und verstanden sich nicht. Durch den Heiligen Geist konnten sie wie durch ein Wunder miteinander sprechen. 

Auch heute brauchen unsere Gesellschaften nichts mehr als dieses Wunder. Daher macht „Gemeinsam vor Pfingsten“ die Kraft von Pfingsten relevant und erlebbar. Die Aktion steht unter sieben thematischen Schwerpunkten: Trost statt Entmutigung, Hoffnung statt Angst, Begegnung statt Zersplitterung, Klarheit statt Verwirrung, Einheit statt Misstrauen, Wahrheit statt Verschwörungstheorien, Glauben statt Unglauben.

Versöhnung mit den Völkern der Sowjetunion

Vor 75 Jahren endete in Europa der Zweite Weltkrieg. Die Zerstörungen dieses von Deutschland angezettelten Krieges haben Folgen bis in die Gegenwart. Bis heute leiden Menschen unter dem Tod ihrer Eltern und Großeltern oder eigenen traumatischen Erlebnissen. Im perversen nationalsozialistischen Rassenwahn wurden durch Deutschland ca. 6 Millionen europäische Juden systematisch ermordet. Die Herrschaft der Nationalsozialisten kostete Millionen das Leben, sie vergiftete das Klima unter den Nationen und führte zur Vertreibung von Millionen Menschen, die ihre Heimat verloren. Die Traumata der Vergangenheit prägen auch die Nachgeborenen. Noch heute sind wir verantwortlich, die Wunden zu heilen und Versöhnung zu leben.

Dieser Aufgabe haben sich seit dem Krieg alle Generationen gestellt. Dabei – so sehen wir im Rückblick – fiel die Versöhnung mit den Völkern im Westen leichter als die mit den Völkern im Osten, besonders mit den Menschen in der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten. Hier wirkte ein nationalistisches Überlegenheitsgefühl nach. Das rassistische Gift, Menschen und Völker als minderwertig zu betrachten, zeigt bis heute Wirkung.

Baptisten und Brüder begrüßten damals den Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion und schwiegen zur massenhaften Ermordung von Juden, Russen, Ukrainern, Polen und Angehörigen vieler anderer Nationen. Etwa 20 Millionen Sowjetbürger starben durch Waffengewalt oder verhungerten durch den Entzug von Lebensmitteln durch die Deutschen. Ihre schrecklichen Erlebnisse mit der Brutalität des Krieges besonders im Osten brachten die Rückkehrer nach Kriegsende nach Deutschland zurück, was auch unter Deutschen tiefe Wunden riss.

In der Zeit der Teilung Deutschlands und angesichts politscher Verfolgung der Christen in der Sowjetunion wurde das Thema einer Versöhnung mit den Völkern der Sowjetunion nur zaghaft angegangen. Am ehesten im Bund in der DDR, wo die Verbindungen nach Osten früher wieder aufgegriffen wurden.

Nach der politischen Wende und der nuklearen Katastrophe von Tschernobyl entwickelten viele Gemeinden und Einzelne beeindruckende Hilfsprojekte, die zur Heilung der Erinnerung beigetragen haben. Christen und Nichtchristen öffneten den Deutschen die Tür und ermöglichten Versöhnung. Vor und nach der Wende war die Europäische Baptistische Föderation (EBF) ein wesentlicher Brückenbauer unter den einst verfeindeten Völkern. Inzwischen misstrauen sich die Völker Europas wieder zunehmend. Die Angst voreinander nimmt zu.

Im Rückblick haben wir es versäumt, deutlicher für eine Versöhnung mit den Völkern der Sowjetunion einzutreten. Seit einigen Jahren versuchen wir, uns hier stärker zu engagieren. Mit Blick auf den russischen Baptistenbund bauen wir weitere Beziehungen auf, die wir in Zukunft nach Möglichkeit noch intensiver gestalten wollen.

Wir bedauern, dass wir dem andauernden Rassismus, Nationalismus wie dem Antisemitismus nicht stärker widerstanden haben. Heute sind wir aufgerufen, aktiv für Versöhnung unter den Menschen einzutreten, die unter Fremdenfeindlichkeit und Hass leiden. Das gilt für alle Völker und Nationen. Wir wollen unsere Verantwortung für ein friedliches Leben in dieser Welt wahrnehmen und für Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen eintreten, damit wir dem offen nach Außen getragenen Hass widerstehen und ihm in unserer Gesellschaft keinen Raum geben. Es liegt auch an uns und unserer vom Evangelium getragenen Haltung.

Das Präsidium des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden im Mai 2020

Religionsunterricht durch EFG-Mitglieder nun auch in Baden möglich

Seit dem 1. April können Mitglieder von Gemeinden des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) Religionsunterricht an Schulen im Bereich der badischen Landeskirche erteilen. Das regelt eine sogenannte Vokationsvereinbarung, die im März von Landesbischof Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh, BEFG-Präsident Michael Noss und BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba unterzeichnet wurde.

Generell gilt: Um an öffentlichen Schulen evangelische Religion unterrichten zu können, benötigt man eine kirchliche Beauftragung, die Vokation. Voraussetzung dafür ist, neben einer entsprechenden Ausbildung, in der Regel die Mitgliedschaft in einer evangelischen Landeskirche. Damit auch Lehrkräfte, die Mitglied einer BEFG-Gemeinde sind, die Unterrichtserlaubnis bekommen, muss eine entsprechende Vereinbarung mit der zuständigen Landeskirche getroffen werden.

„Als Bund freuen wir uns über diese nun geschlossene Vereinbarung, deren Erarbeitung auf Anregung von Prof. Reinhard Henkel aus Heidelberg und Pastor Lars Heinrich aus Tübingen vorgenommen wurde“, erklärte Christoph Stiba. Vor der Zustimmung der Landeskirche müsse staatlichen Lehrkräften aus Mitgliedsgemeinden des BEFG auch eine Vocatio durch den BEFG erteilt werden, heißt es in dem Dokument. Bei Pastoren und Pastorinnen ist diese Vocatio mit der Ordination gegeben. Für sie könne im Fall einer Lehrbeauftragung an der Schule eine religionspädagogische Nachqualifizierung erforderlich werden. Christoph Stiba wünscht „den Lehrerinnen und Lehrern sowie Pastorinnen und Pastoren aus unseren Gemeinden, die auf Grundlage der neuen Vereinbarung Religion unterrichten werden, dafür Gottes Segen.“

Mit den Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen (Rheinland, Westfalen, Schaumburg-Lippe), Württemberg, Berlin-Brandenburg und Sachsen haben der BEFG beziehungsweise die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) bereits ähnliche Vokationsvereinbarungen geschlossen. Mit der aktuellen Vereinbarung ist eine weitere Landeskirche hinzugekommen.

Gottesdienste unter den Bedingungen der Coronakrise?!

Gemeinden können in ihren Gemeindehäusern in allen Bundesländern wieder Gottesdienste mit Besucherinnen und Besuchern feiern. Auf unserer Seite befg.de/corona findet Ihr das Schutzkonzept des BEFG zur Durchführung von Gottesdiensten während der Pandemie. Das Konzept ist eine Grundlage, auf der Gemeinden Entscheidungen treffen und Maßnahmen umsetzen können. Dabei ist es wichtig, neben der individuellen Gemeindesituation auch die behördlichen Regelungen vor Ort zu beachten, denn diese gehen in Detailfragen weit auseinander! Nach der Veröffentlichung vergangenen Donnerstag haben übrigens einige Gemeinden bei uns nachgefragt, ob das Schutzkonzept auch auf andere Gemeindeveranstaltungen anzuwenden ist. Nach aktuellem Stand sind bisher nur Gottesdienste erlaubt, andere Veranstaltungen nicht. Passend dazu ist das allgemeine Kontaktverbot ja noch in Kraft. Nach der nächsten Bund-Länder-Runde, die bereits morgen stattfindet, kann die Situation schon wieder eine andere sein. Doch Stand heute gilt die Öffnung nur für Gottesdienste, darauf bezieht sich auch das Schutzkonzept.

Bei „Akademie im Gespräch online“ am Freitag geht es uns aber weniger um die gesetzlichen Rahmenbedingungen als vielmehr um grundsätzliche Fragen, die derzeit heiß diskutiert werden. Sollen wir als Ortsgemeinde von dieser Möglichkeit Gebrauch machen? Sollen wir den Spielraum möglicher weiterer Lockerungen nutzen? Welche theologischen und ethischen Argumente sind uns wichtig? Welches Gottesdienstverständnis leitet uns bei unseren Überlegungen?

Diese und andere Fragen wollen wir bei „Akademie im Gespräch online“ diskutieren! In der Zoom-Konferenz gibt es zunächst von zwei Pastoren ein Pro und Contra. Danach besteht die Möglichkeit, sich in kleinen Gruppen auszutauschen. Abschließend können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Impulsgebern sowie einigen Vertretern des BEFG Fragen stellen

Weitere Informationen und eine Anmeldemöglichkeit findet ihr hier

Beiträge zum Weiterdenken in der Corona-Zeit

In der Coronakrise gibt es ständig neue Schlagzeilen. Wer diese „denkwürdigen“ Tage dazu nutzen möchte, bestimmte Fragestellungen zu vertiefen oder auch mal anderen Themen nachzugehen, findet an dieser Stelle in den nächsten Wochen einige Anregungen. Das Team der Akademie stellt Impulse zum Download bereit, die sich mit verschiedenen Themen und Bibeltexten beschäftigen. Oft sind es Auszüge aus Publikationen, die nun unkompliziert zugänglich gemacht werden.

Alle Artikel und Beiträge finden Sie hier

Die Täufer – 500 Jahre bewegte Geschichte

Mit der Taufe beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe der Mitgliederzeitschrift „Evangelische Orientierung“ des Evangelischen Bundes. Die Autoren und Autorinnen gehen darin aus verschiedenen Blickwinkeln der „zentralen konfessionskundlichen“ Frage nach: „Wie war das eigentlich mit den Täufern damals, vor 500 Jahren, und was spricht für die verschiedenen Traditionen und Formen heute?“

Im ersten Beitrag des Heftes berichtet Baptistenpastor i.R. Reinhard Assmann vom Gedenken „500 Jahre Täuferbewegung“, dessen erste Halbdekade in diesem Jahr von Baptisten und Mennoniten eröffnet wird.

„Zwischen Verfolgung und Duldung“ standen die Täufer des 16. Jahrhunderts, wie Dr. Astrid von Schlachta, Vorsitzende des Vereins „500 Jahre Täuferbewegung 2025“ in ihrem Artikel beschreibt. Sie schildert darin das Verhältnis der täuferischen Bewegung zu den staatlichen Obrigkeiten.

Dr. Andreas Liese, 1. Vorsitzender des Historischen Beirats des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, stellt in seinem Beitrag Kennzeichen und Merkmale der täuferischen Kirchen wie die Glaubenstaufe und den Kongregationalismus vor.

„Die Erinnerung an die Entstehung der Täuferbewegung, die sich 2025 zum fünfhundertsten Mal jähren wird, ist für alle evangelischen Freikirchen wichtig. Die Täufer waren sozusagen der freikirchliche Zweig der Reformation“, sagt Dr. Martin Rothkegel, der an der Theologischen Hochschule Elstal Kirchengeschichte unterrichtet. An der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift gefalle ihm besonders, dass dort „evangelische Christen sowohl aus Freikirchen als auch aus Landeskirchen mitgearbeitet haben. Die radikale Jesusnachfolge der Täufer kann für Christen aus allen Konfessionen inspirierend sein. Auch für die, die noch nie etwas von den Täufern gehört haben, ist das Heft gut als Einstieg in das Thema geeignet.“

Der Evangelische Bund, der die Zeitschrift „Evangelische Orientierung“ herausgibt, wurde 1886 gegründet und ist ein Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Ein Bekenntnisgebet

Der Baptistische Weltbund (BWA) ruft in seinem wöchentlichen Gebetsnewsletter zum Gebet für die weltweite baptistische Familie und Gottes Wirken in dieser Welt auf.

„Standing together“ lautet das Motto: Zusammenstehen. „Gerade jetzt wollen wir gemeinsam für die Baptistenbünde und Gemeinden beten, die nach einer Antwort suchen, wie sie auf COVID-19 reagieren“, unterstützt BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba den Gebetsaufruf. „Wir wollen für alle beten, die unter dieser Pandemie leiden, dass sie Trost und Hoffnung finden.“ Im Folgenden ein Gebet aus Armenien: 

Ein Bekenntnisgebet 

Du bist nicht der Ankläger, sondern der Erlöser,
nicht der Zerstörer, sondern der Erretter,
nicht der Henker, sondern der Heiland,
nicht der, der zerstreut, sondern der, der versammelt,
nicht der Verräter, sondern der Befreier.
Du ziehst nicht herunter, sondern erhebst.
Du schlägst nicht zu Boden, sondern stehst aufrecht.
Du verfluchst nicht, sondern segnest.
Du nimmst keine Rache, sondern gibst Gnade.
Du quälst nicht, sondern tröstest.
Du radierst nicht aus, sondern schreibst.
Du schwankst nicht, sondern stabilisierst.
Du trittst nicht mit Füßen, sondern spendest Trost.
Du denkst Dir keine Todesursachen aus,
sondern suchst Wege, das Leben zu bewahren.
Du vergisst nicht zu helfen.
Du gibst das Gute nicht auf.
Du hältst Mitgefühl nicht zurück.
Du bringst nicht das Todesurteil,
sondern das Vermächtnis des Lebens.
Du wirst nicht abgelehnt für Deine Großzügigkeit
Du wirst nicht beschimpft für Deine Gnade.
Du wirst nicht verflucht für Deine Freigebigkeit.
Du wirst nicht beleidigt für Deine freien Gaben.
Du wirst nicht verspottet für Deine Geduld.
Du wirst nicht beschuldigt für Deine Vergebung.
Du wirst nicht angeklagt für Deine Güte.
Du wirst nicht entehrt für Deine Anmut.
Du wirst nicht verachtet für Deine Sanftmut.
Deswegen senden wir keine Klagen,
sondern Dank, der nicht zum Schweigen gebracht werden kann.
Nimm meine Sünden hinfort, Allmächtiger.
Entferne den Fluch von mir, gesegnet.
Vergib meine Schuld, barmherzig.
Lösche meine Übertretungen, mitfühlend.
Strecke Deine Hand der Befreiung aus
und ich werde sofort vollkommen sein.
Was ist leichter als das für Dich, Herr,
und was ist Dir wichtiger?
Auf diese Weise, allwissender Herr, belebe mich,
nach Deinem Bilde geschaffen und zum Leben erweckt durch Deinen Atem,
um den Atem Deiner reinen erleuchtenden Gnade zu erneuern,
und meine sündige Seele zu schützen.

2001 The Armenian Prayer Book, English translation by Thomas J. Samuelian. Deutsche Übersetzung: Jasmin Jäger )

Coronakrise: Mögliche schrittweise Lockerung des Gottesdienstverbots

Bereits seit dem gemeinsamen Regierungsbeschluss von Bund und Ländern zur Corona-Lage am 15. April steht fest, dass das Verbot von Gottesdiensten – zusammen mit dem allgemeinen Kontaktverbot – mindestens bis 3. Mai verlängert wird. In die Gespräche zwischen Regierung und Religionsvertretern zu einer schrittweisen Lockerung des Gottesdienstverbots wird auch der BEFG über die ACK freikirchliche Anliegen einbringen können.

Die erste Runde der Gespräche zwischen Regierung und Religionsvertretern fand am 17. April statt. Dort wurde deutlich, dass es ab 10. Mai wieder erste Sonntagsgottesdienste geben könnte, sofern Bund, Länder und Religionsgemeinschaften sich hierfür auf Auflagen einigen, die für die gegenwärtige Situation angemessen sind. Ein Ergebnis des Gesprächs war, dass die Kirchen konkrete Vorschläge zu Gottesdienstkonzepten unterbreiten können, durch die sie die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln sicherstellen wollen. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) steht den Kirchen als „Sammelstelle“ der Vorschläge zur Verfügung, wie BEFG-Generalsekretär und VEF-Präsident Christoph Stiba erläutert: „Diesen Weg wird auch der BEFG nutzen, um freikirchliche Aspekte in die Gespräche einzubringen.“ Es sei wichtig, dass die besondere Situation der Freikirchen berücksichtigt werde: „Die meisten freikirchlichen Gottesdienste finden statt in großen Kirchenschiffen in verhältnismäßig kleineren Gemeindehäusern mit einer überdurchschnittlich hohen Zahl an Gottesdienstbesuchern statt.“ Es sei, so Stiba, „ein großer Schmerz, wenn wir keine Gottesdienste feiern können. Zusammen mit der ACK, den großen Kirchen und den anderen Religionsgemeinschaften wollen wir uns für eine gute Lösung einsetzen, mit der wir auch unserer Verantwortung in dieser gesellschaftlichen Ausnahmesituation nachkommen.“

Die Rückmeldungen der Kirchen und der anderen Religionsgemeinschaften werden dann am 30. April in der Evaluation der Beschlüsse zur Coronakrise behandelt. „Wenn die ersten sonntäglichen Gottesdienste wieder stattfinden, werden wir uns darauf einstellen, dass die üblichen Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen auch in unseren Gemeindehäusern eingehalten werden müssen“, so Christoph Stiba. Hinweise für gottesdienstliche Schutzkonzepte folgen Anfang Mai, wenn die Rahmenbedingungen klar sind.

Neues schaffen

Durch die Coronakrise sind neue Formen des Gemeindelebens entstanden. Das Entwicklungsteam des BEFG möchte diesen Wandel begleiten und ermutigt, neue Ideen auszuprobieren.

Auf einen Schlag konnten ab Mitte März keine Gottesdienste oder andere gemeindliche Veranstaltungen stattfinden. Gemeinden wurden herausgefordert, ihr Gemeindeleben umzugestalten: Es mussten neue Formen der Gemeinschaft und andere Mittel und Wege zur Begegnung gesucht werden. So treffen sich Gemeindeleitungen beispielsweise via Videokonferenzen, an Ostersonntag wurde ein Bundesgottesdienst gestreamt, Kindergottesdienste für zu Hause werden angeboten und Predigttelefone eingerichtet. „Die Coronakrise nötigt uns zu einem Wandel“, so BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba. „An vielen Ecken und Enden wird mutig Neues gewagt. Das ist auch eine Chance, einfach Dinge auszuprobieren. Möge diese Zeit – trotz Einschränkungen – eine lehr- und segensreiche Zeit sein.“

Neue Ideen wurden – ohne langfristige Planungen – einfach ausprobiert. Auf diese Art und Weise arbeitet auch das Entwicklungsteam des Bundes. Es stößt neue Projekte an und möchte damit Veränderungen im Bund Schritt für Schritt voranbringen. „Die Coronakrise hat in den Gemeinden einen Wandel angestoßen, den wir als Entwicklungsteam gerne unterstützen und begleiten wollen“, so Stefan ter Haseborg, Leiter des Entwicklungsteams. „Wenn Ihr in Eurer Gemeinde einen Bedarf erkennt, meldet ihn uns gerne. Oder wenn Ihr eine Projektidee habt, dann wollen wir Euch ermutigen, diese auszuprobieren. Lasst uns gemeinsam über Eure Erfahrungen sprechen. Vielleicht können so auch andere Gemeinden davon profitieren.“  

Das Entwicklungsteam plant derzeit eine Best-Practice-Plattform, die wie ein digitales Lexikon zum Nachschlagen funktionieren soll. Außerdem hat das Team eine Gruppe von Expertinnen und Experten zusammengestellt, die sich Gedanken über die Finanzierung des Bundes machen. Diese Finanzgruppe hat verschieden Thesen aufgestellt und dem Präsidium vorgestellt. Eine These besagt zum Beispiel, dass Gemeindegebäude oftmals unzureichend genutzt werden. Ein optimiertes Immobilien-Management könnte beispielsweise durch Vermietung die Erträge und somit die gemeindlichen Finanzen steigern. Außerdem wurde die Nutzung von Stiftungsgeldern und anderen Finanzquellen bedacht. „Gedanklich wollen wir uns erstmal keine Grenzen setzen. Wir wollen alternative Maßnahmen und mögliche Umsetzungen gemeinsam diskutieren“, sagte ter Haseborg. „Setzt Euch gerne mit uns in Verbindung!“

Das Entwicklungsteam ist unter e-team(at)baptisten.de zu erreichen und freut sich über Frage und Ideen.

Spenden für die Corona-Hilfe des BEFG

Eine digitale Kollekte: Das hatte es in dieser Form beim Bund noch nicht gegeben. Dazu aufgerufen wurde während des Bundesgottesdiensts zum Ostersonntag, der als  Livestream aus Berlin-Schöneberg übertragen wurde. Gesammelt wurde für die Corona-Hilfe des BEFG. Über diesen zweckgebundenen Fördertopf des Katastrophenfonds werden baptistische Partner weltweit in ihrer Arbeit unterstützt.

Viele der Projekte sind von der Pandemie betroffen. Und oft ist die Not der Menschen, denen die baptistischen Partner des BEFG helfen wollen, durch Corona noch größer geworden. So sind durch die Coronakrise in Serbien unter den Roma noch mehr Menschen von Armut betroffen, die deshalb Lebensmittelpakete erhalten. Aufgrund der auch dort geltenden Kontaktbeschränkungen bringen ehrenamtlich engagierte Jugendliche die Pakete direkt an die Haustür der Bedürftigen.

In der Türkei hat die Krise dazu geführt, dass viele Tagelöhner schlagartig keine Arbeit mehr haben. Über das Projekt von German Baptist Aid werden sie mit Essen versorgt – zusätzlich zu den vielen Flüchtlingen im Land. Auf www.baptisten.de/corona-hilfe werde diese und weitere Projekte sowie die Auswirkungen der Krise auf deren Arbeit vorgestellt.

Darunter befindet sich auch der Hinweis auf einen Hilfsfonds der Baptist World Alliance (BWA) mit einem Gesamtvolumen von 500.000 US-Dollar, an dem sich der BEFG beteiligen wird. Mit diesem Fonds unterstützt der Baptistische Weltbund finanzschwächere Baptistenbünde in aller Welt, die unter den Folgen der Pandemie leiden.

Christoph Stiba, der Generalsekretär des Bundes betont: „Auch in Sachen finanzieller Unterstützung stehen wir sicher erst am Anfang dieser Krise.“ Weiter bittet er: „Uns ist wichtig, schon jetzt Zeichen der Solidarität zu zeigen – gerade auch auf internationaler Ebene. Dabei hilft jede Spende!“

„Deutschland betet gemeinsam“

Am Mittwoch, dem 8. April, von 17:00 bis 18:30 Uhr beten Christinnen und Christen aus unterschiedlichen Konfessionen gemeinsamen für Deutschland. „Deutschland betet gemeinsam“ heißt die Aktion, die der BEFG unterstützt.

„Wie wäre es, wenn sich Hunderttausende in Deutschland zeitgleich zum Gebet versammeln würden?“ Diese Frage stellten sich die Initiatoren der Aktion „Deutschland betet gemeinsam“. „Am Mittwoch, dem 8. April, zu Beginn des jüdischen Pessachfests gedenken Jüdinnen und Juden, wie Gott das Volk Israel durch Plagen hindurch aus der Gefangenschaft befreit hat. „Wir rufen dazu auf, an diesem Tag von 17:00 bis 18:30 Uhr gemeinsam zu beten: für Kranke und Gesunde, für alle, die jetzt wichtige Dienste leisten. Für unser Land! Wir beten gemeinsam! Online! Aus unseren Häusern und Wohnungen! Verbundenheit statt Isolation - Hoffnung statt Angst. Unser Land braucht Gottes Hilfe und wir wollen ein deutlich sichtbares Zeichen setzen“, heißt es auf der Internetseite der Aktion.

Das gemeinsame Gebet soll ein Zeichen gegen Antisemitismus und Hoffnungslosigkeit sein. Auch der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden unterstützt den Gebetsaufruf, wie BEFG-Präsident Michael Noss und Generalsekretär Christoph Stiba unterstreichen: „Es ist wichtig, dass Christen gemeinsam beten. Nicht nur jetzt, aber jetzt ist es vielleicht ein besonders starkes Zeichen. Es geschieht eben durch unser Gebet etwas, das ohne unser Gebet nicht geschehen würde. Davon sind wir überzeugt. Das Gebet ‚für Kranke und Gesunde, für alle, die jetzt wichtige Dienste leisten‘ unterstützen wir sehr. Sie alle brauchen unsere Solidarität und unsere Gebete.“

Christoph Stiba erinnert auch an das Gebet der Christen, das jeden Sonntagmorgen in den Online- Gottesdiensten deutschlandweit stattfindet, und an andere Gebetsinitiativen: So beten viele jeden Tag um 20:20 Uhr auf Initiative der Evangelischen Allianz Deutschland. Und am 30.März gab es einen 24-Stunden-Gebetsmarathon der Baptist World Alliance, der sich rund um die Welt spannte. 

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