Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

Steh auf und leuchte

Am 4. November fand der Baptistische Weltgebetstag statt. Annette Grabosch vom Forum Frauen im BEFG hat ihn in der EFG Wetter-Grundschöttel erlebt und berichtet.

Am ersten Montag im November wird in vielen baptistischen Gemeinden weltweit der Baptistische Weltgebetstag der Frauen gefeiert. Dieser Tag vereint Frauen auf allen Kontinenten im Gebet und hat, wie auch der Ökumenische Weltgebetstag, eine lange Tradition.

Unter dem Thema „Steh auf und leuchte – Wenn wir aufstehen und dienen leuchtet Er durch uns“ stand in diesem Jahr ein Text aus Matthäus 20, 20-28 – der Streit um die Ehrenplätz neben Jesus – im Mittelpunkt der Bibelarbeit. In der Sorge um ihre Söhne Jakobus und Johannes stellt ihre Mutter Jesus die Frage nach der späteren Belohnung in Gottes Reich. Wenn die beiden so viel tun und sich einbringen, werden sie dann auch einmal den richtigen Platz in Gottes Reich, den direkten Platz neben Gott, bekommen? Eine verständliche Frage, die auch unserem menschlichen Denken nicht fremd ist. Doch die Antwort von Jesus verändert die Maßgabe und damit auch den Blickwinkel auf das Dienen. Jesus selber macht sich zum Diener: mit Taten und Worten. In letzter Konsequenz auch mit seinem Leben.

In der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Wetter-Grundschöttel waren an diesem Nachmittag etwa 25 Frauen zusammengekommen, um darüber ins Gespräch zu kommen, wie das „Dienen“ in ihrem Leben ausgesehen hat und heute noch aussieht. „Dienen“ ist das, was viele von ihnen in den Gemeinden und anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten – oft über persönliche Grenzen und Belastungen hinaus – über viele Jahre getan haben und heute immer noch mit Hingabe tun, soweit es ihnen aus alters- und gesundheitlichen Gründen möglich ist. Doch auch die Freude an den Aufgaben und Diensten wurde hervorgehoben und das Gefühl, beschenkt worden zu sein.

Im Austausch wurde deutlich, wie vielfältig die Gaben waren, mit denen jede der Frauen den Menschen in ihrem Umfeld begegnet ist und ihren Dienst getan hat. Von der Musik über die Gruppenleitungen und Themen- oder Stundenvorbereitung, von den unterschiedlichen Aufgaben in der Gemeinde über die seelsorgerliche Begleitung einzelner bis hin zur konkreten, praktischen Nachbarschaftshilfe. Im Fokus stand dabei die Weitergabe der Liebe Gottes an den Nächsten, die Begegnung und der Aufbau von Beziehungen sowie der Austausch über die persönlichen Erfahrungen im eigenen Glauben.

Der Baptistische Weltgebetstag verbindet die Frauen an diesem Tag im Gebet weltweit und weitet den Blick auf die unterschiedlichsten Lebenssituationen von Frauen. Auf allen Kontinenten wird für Frauen und deren Familien, die unter Verfolgung, Unterdrückung und jedweder Form von Gewalt leiden, gebetet. Die politischen und finanziellen Zustände in den einzelnen Ländern sowie die Berufung von Mitarbeiterinnen in unterschiedliche (Führungs-)Positionen werden ebenfalls aufgegriffen. Wichtig waren an diesem Nachmittag auch die persönlichen Anliegen der Teilnehmerinnen, die im Gebet vor Gott gebracht und miteinander getragen wurden.

Die Kollekte an diesem Tag war für Projekte in Trinidad und Tobago, Grenada und Lateinamerika bestimmt. Mit der Unterstützung von geschulten Mitarbeitern werden hier die Frauen in unterschiedlichen Aufgaben und Berufen ausgebildet und so befähigt selbstständig für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Durch diese Maßnahmen wird ihnen und ihren Kindern ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben ermöglicht.

Vorstand gewählt

Bei ihrer Komiteesitzung vom 11. bis 13. November 2019 in Stein haben die Delegierten des Weltgebetstags-Komitees turnusgemäß nach vier Jahren einen neuen Vorstand gewählt. Wiedergewählt wurde Ulrike Göken-Huismann. Zur Wahl stellten sich außerdem Mona Kuntze und Iris Pupak.  
 
Vertreterin der Evangelischen Frauen im Vorstand ist Pupak. Als Diplom-Sozialpädagogin ist sie bei der Evangelischen Frauenhilfe im Rheinland zuständig für den Weltgebetstag. Ihre Arbeit für den Weltgebetstag begleitet die 60 Jährige bereits seit 19 Jahren. Für Pupak ist der Weltgebetstag eine Bewegung in der sie jedes Jahr über die Welt, Frauen und Religion viel lernen kann. Pupak war bereits von 2007 bis 2011 im Vorstand des Weltgebetstagskomitees. „Ich freue mich über die Wahl und auf die uns bevorstehende Zeit“, sagt Pupak.  
 
Kuntze ist Mitglied des Forum Frauen des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland. Somit vertritt sie im Vorstand des Weltgebetstags die kleinen Kirchen und Religionsgemeinschaften. Sie ist schon seit fünf Jahren im Komitee des Weltgebetstags. Daneben engagiert sich die 44 Jährige in ihrer Heimatgemeinde der Freikirchlichen evangelischen Gemeinde Soest und im Vorstand des Christinnenrats. „Der Weltgebetstag – eine weltweite ökumenische Basisbewegung: ich freue mich auf die Vorstandsarbeit, die auf dem Hintergrund der multilateralen Ökumene sowohl die Arbeit an der Basis als auch die weltweiten Bezüge im Blick zu haben hat.“  
 
Göken-Huismann ist im Bundesvorstand der Katholischen Frauen Deutschlands (kfd). Seit vier Jahren ist sie als Vertreterin der römisch-katholischen Frauengemeinschaft im Vorstand und wurde nun wiedergewählt. Antrieb für ihr Engagement ist für die Delegierte der kfd immer wieder  die Selbstverpflichtung der kfd, die Tradition des Weltgebetstages in besonderer Weise zu pflegen und weiterzugeben. „Ich bedanke mich für das Vertrauen und bin gerne bereit, in den nächsten vier Jahren an der Zukunftsfähigkeit des Weltgebetstags mitzuarbeiten“, sagt die 58 Jährige.
 
Der Vorstand des Weltgebetstags ist ökumenisch und setzt sich aus vier Personen zusammen. Cornelia Trommer-Klimpke ist als Liaison-Person die Verbindung zum Internationalen Weltgebetstagskomitee. Sie wurde 2018 für sechs Jahre gewählt. Sie ist von der evangelisch-methodistischen Kirche in das Weltgebetstagskomitee gesandt. 
 
„Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Vorstand und wünschen ihnen für ihre Arbeit Gottes Segen“, sagt Dr. Irene Tokarski, Geschäftsführerin des Weltgebetstags der Frauen – Deutsches Komitee. „Wir müssen in den nächsten Jahren auf die veränderte Situation der deutschen Kirchen reagieren, und gemeinsam den Weg in die Zukunft ohne Volkskirchen ebnen. Das ist eine große und wichtige Aufgabe.“
 
Die langjährigen Vorstandsmitglieder Luise Schröder und Sylvia Herche haben sich nach neun beziehungsweise vier Jahren aus der Vorstandsarbeit zurückgezogen. In ihrer Vorstandszeit haben sie unter anderem den Relaunch des Materials begleitet. 

Der Weltgebetstag

Der Weltgebetstag ist die weltweit größte Basisbewegung christlicher Frauen. Der Gottesdienst wird jedes Jahr am ersten Freitag im März in mehr als 120 Ländern rund um den Globus gefeiert. 2020 steht der Weltgebetstag unter dem Motto „Steh auf und geh!“ und kommt von Frauen aus Simbabwe. Die Komiteesitzungen finden zweimal im Jahr statt. Sie sind die offiziellen Mitgliederversammlungen des Weltgebetstags. Darin beschließen die Delegierten unter anderem die Übersetzung des Gottestdiensttextes, den Vereinshaushalt und die Spenden- und Kollektenverwendung. Im deutschen Weltgebetstagskomitee sind Frauen aus 12 Mitgliedsorganisationen und 9 Konfessionen vertreten.

Guckt über den Tellerrand!

Ein intensives und ermutigendes Wochenende haben 75 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Christlichen MS-Netzwerkes vom 18. bis 20. Oktober im optimal barrierefreien Dünenhof in Cuxhaven erlebt. Ein persönlicher Bericht von Dr. Andrea Wiedner.

„Es war eine Zeit, die ich einfach genießen konnte mit der Gemeinschaft, den stärkenden Impulsen und der guten Verpflegung“, so das Fazit einer Teilnehmerin. „Das Thema ‚Über den Tellerrand geguckt‘ tat mir so gut“, war ein weiterer Kommentar. Das Referentenehepaar, die Pastoren Heike Beiderbeck-Haus und Christoph Haus, halfen bei diesem Blick über den Tellerrand. Christoph Haus, der Generalsekretär von EBM INTERNATIONAL, nahm uns mit hinein in seine Begegnungen mit Menschen in Afrika, Lateinamerika und Indien. Er zeigte uns, wie Menschen in anderen Kulturen ihren Glauben leben, wie sie trotz schwerer Lebensbedingungen froh und lebendig Gottesdienst feiern, in Armut und Problemen eine große Gelassenheit ausstrahlen, voll Gottvertrauen sind und eine ansteckende Freude und Hoffnung haben. Selbstverständlich werde das Wenige, das zur Verfügung steht, geteilt, wie zum Beispiel bei der Versorgung von Flüchtlingen oder bei der täglichen Ausgabe von einem Ei und einem Glas Milch an Straßenkinder. Kleine Beiträge, die doch einen entscheidenden Unterschied machen und positiv und verändernd in die Gesellschaft hinein wirken. Genauso natürlich und selbstverständlich werde vom eigenen Glauben an Jesus Christus erzählt, in die Gemeinden und Gottesdienste eingeladen. Sogar in Minderheitssituationen wie in Indien, wo der christliche Glaube unterdrückt werde, werden Gottesdienste und Predigten per Lautsprecher außerhalb des Gemeindegebäudes übertragen. So wie es die Hindus und Muslime eben auch tun. Man verstecke sich nicht.

Interessante und herausfordernde Einblicke! Dabei gelte es nicht, die Art, den Glauben zu leben, einfach zu kopieren, sondern zu verstehen, was im Kern dahinter stecke, um die eigenen Konsequenzen zu ziehen. Dazu ermutigte uns Christoph Haus gerade auch mit den Einschränkungen einer chronischen Erkrankung. Der Glaube an Jesus Christus weite den Blick, sehe auch den anderen, gebe Hoffnung und Mut, das eigene Wenige einzubringen, aus dem ein großer Segen wachsen könne. „Keiner hat alles, niemand hat nichts, jeder hat etwas.“ Dieses Zitat aus Indien zog sich auch ermutigend durch den abschließenden Gottesdienst über den Bibeltext der Brotvermehrung aus Johannes 6. Jesus habe seine Jünger bei der Speisung der 5000 bewusst mit einbezogen, in dem sie ihren Beitrag leisten sollten, der zugegebenermaßen winzig war. Im Vertrauen auf Gott, der sich in der eigenen Glaubensgeschichte schon als mächtiger Helfer und Retter gezeigt habe, und durch sein wunderbares Eingreifen wurden alle satt. Und so teilten wir in der gemeinsamen Feier des Abendmahls auch Brot und Wein und konnten Segensworte empfangen. Eine intensive Gemeinschaft, in der Christus spürbar anwesend war.

Über den Tellerrand schauen konnten wir aber auch im Ausprobieren und Entdecken von Neuem. Heike Beiderbeck-Haus bot einen Workshop „Praying in Color“ an, eine malerische Form des Gebetes. In einer spielerisch-meditativen Art konnten wir zur Stille und ins Gespräch mit Gott finden, unser Gebet in Farben ausdrücken und so sichtbar machen. Eine wertvolle Erfahrung für alle, die sich darauf eingelassen haben. Auch das von Heike Beiderbeck-Haus geleitete Abendgebet, „das Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“, brachte uns mit einer eher ungewohnten, jesuitischen Liturgie in Berührung, die dazu verhalf, den Tag zu überdenken und an Gott mit allem Erlebten abzugeben.

Ein besonderer „Leckerbissen“ war der locker-musikalische Lese-Abend mit einem kleinen Revival der Band „Munterholl’n“. Leicht und locker und doch mit Tiefe und Inhalt in den Liedtexten und passenden Anekdoten, Geschichten und Gedichten, die schmunzeln ließen, herausforderten und berührten.

Dankbar blicken wir auf ein bereicherndes Wochenende zurück, das uns den Horizont geweitet hat, uns durch Gottes Nähe und Gegenwart beschenkt hat und uns mit neuer Kraft, Freude und Hoffnung in den Alltag zurückkehren lässt.                           

Suchet der Stadt Bestes

Auf Anregungen aus der Bundesgemeinschaft hin empfiehlt der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) seinen Gemeinden, im Gottesdienst am 10. November gemeinsam für die Bewahrung der Schöpfung zu beten.

„Als Christinnen und Christen wollen wir für unseren Nächsten, unsere Mitmenschen und unsere Umwelt einstehen und verantwortlich handeln“, heißt es im Gebetsaufruf des Bundes. In Anlehnung an Jeremia 29,7 „Suchet der Stadt Bestes […] und betet für sie zum HERRN“ wird vorgeschlagen, für die Bewahrung der Schöpfung und für die Mitmenschen zu beten. Dabei sei der Nächste und „der Stadt Bestes“ nicht immer eindeutig zu erkennen. „Vor diesem Hintergrund wollen wir unseren allmächtigen Gott um Bewahrung der Schöpfung, Reparatur der verursachten Schäden und eine Gesinnung zur Erhaltung und Förderung von Menschheit, Flora und Fauna auf unserer Erde bitten“, heißt es weiter.  

BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba benennt das Grundanliegen: „Insbesondere in der kommenden Adventszeit erinnern wir uns daran, dass Gott die Welt so sehr geliebt hat, dass er uns seinen Sohn Jesus Christus gab, damit wir nicht verloren gehen, sondern Leben haben – jetzt und in Ewigkeit. Deshalb wollen wir uns auch für den Erhalt der Erde und das Leben einsetzen.“

100 Jahre Weimarer Reichsverfassung

Darf der Staat einer kirchlichen Institution vorschreiben, eine Mitarbeiterin ohne Kirchenmitgliedschaft einzustellen? Und wie weit reicht das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen? Diese und weitere Fragen diskutierten die Teilnehmenden am 25. und 26. Oktober bei einem Symposium.

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Weimarer Reichsverfassung luden die Theologische Hochschule Elstal und die Evangelisch-Freikirchliche Akademie Elstal ein, baptistische Perspektiven auf das Verhältnis von Staat und Kirche zu zu sichten und zu diskutieren. Dabei wurde nicht nur gezeigt, wie die damaligen Kirchenartikel der Weimarer Verfassung zustande kamen, sondern auch an einem aktuellen Beispiel verdeutlicht, dass das Verhältnis von Staat und Kirche in der Bundesrepublik Deutschland weiterentwickelt werden muss.

Die Weimarer Reichverfassung stellte eine große Zäsur da: Als demokratische Verfassung gewährleistete sie nicht nur die Gewaltenteilung, die Volkssouveränität und Grundrechte wie die Gleichstellung von Frauen, sondern auch die Trennung von Staat und Kirche. Die Kirchenartikel der Weimarer Reichsverfassung haben Eingang in das deutsche Grundgesetz gefunden und sind nach wie vor gültig. Sie ermöglichen Religionsgemeinschaften, als Körperschaften des öffentlichen Rechts gewisse Sonderrechte auszuüben. Das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen erlaubt es ihnen zum Beispiel, dass für sogenannte verkündigungsnahe Aufgaben in kirchlichen Einrichtungen ausschließlich Personen eingestellt werden, die Mitglied einer bestimmten christlichen Kirche sind.

„In Deutschland haben wir weder eine Staatskirche noch eine völlige Trennung von Staat und Kirche. Vielmehr entspricht das Verhältnis einer wohlwollenden Neutralität des Staates gegenüber den in ihm tätigen Religionsgemeinschaften“, so Dr. Jacob Joussen, Professor für bürgerliches Recht sowie deutsches und europäisches Arbeits- und Sozialrecht an der Universität Bochum. An einem exemplarischen Fall verdeutlichte er ein verstärktes staatliches Engagement in Religionsfragen. Frau E. hatte sich bei einem kirchlichen Werk beworben und wurde abgelehnt. Sie klagte dagegen. Nach mehreren gerichtliche Instanzen erhielt sie 2018 Recht. Die Tätigkeit sei nicht verkündigungsnah und erfordere somit keine Kirchenmitgliedschaft. Einerseits hat in diesem Fall ein staatliches Gericht in das kirchliche Selbstbestimmungsrecht eingegriffen, andererseits fand eine Abwägung des kirchlichen Selbstbestimmungsrechts mit dem Diskriminierungsrecht statt.###3_IMAGES###„In unserer pluralistischer gewordenen Gesellschaft sind die alten Regelungen des Staats-Kirchen-Rechts einfach nicht mehr zukunftsfähig“, so Prof. Dr. Ralf Dziewas von Theologischen Hochschule Elstal: „Die Mehrheit der Bevölkerung stellt die staatliche Förderung des kirchlichen Lebens mehr und mehr in Frage und der Islam kennt keine den Kirchen vergleichbaren Institutionen. Deshalb müssen in vielen Bereichen neue Konzepte für das Miteinander von Staat, Kirchen, Freikirchen und Religionsgemeinschaften entwickelt werden."

Dr. Erich Geldbach, emeritierter Professor für Ökumene und Konfessionskunde an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Bochum, stellte die Geschichte der Weimarer Reichsverfassung vor und formulierte ebenfalls Anfragen an das deutsche Modell. Dr. Oliver Pilnei, der Leiter der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal, stellte baptistische Thesen zum Verhältnis von Staat und Kirche vor, die im Anschluss mit Angelica Dinger, Theologin und Leiterin des Arbeitskreises Christinnen und Christen in der SPD, Jürgen Klute von der Partei DIE LINKE und Clemens Breest von den Grünen diskutiert wurden. Eine These beschreibt beispielsweise die Grenzen staatlichen Handelns zugunsten der Religionsgemeinschaften. So sei es beispielsweise problematisch, wenn der Staat die Religionszugehörigkeit zur Erhebung von Kirchensteuern speichere. Andere Thesen widmen sich zum Beispiel dem Religionsunterricht und der Frage nach der Legitimität von theologischen Fakultäten an staatlichen Hochschulen. Die Thesen, die ein Arbeitskreis im BEFG erarbeitet hat, werden auf Grundlage der Rückmeldungen und Diskussionen weiterentwickelt.

„Als Baptisten- und Brüdergemeinden im BEFG fühlen wir uns verpflichtet, für Religionsfreiheit und die Trennung von Staat und Kirche einzutreten“, erinnerte Generalsekretär Christoph Stiba und verwies auf Julius Köbner, einen Mitbegründer der deutschen Baptisten, der bereits 1848 schrieb: „Wir behaupten nicht nur unsere religiöse Freiheit, sondern wir fordern sie für jeden Menschen, der den Boden des Vaterlandes bewohnt, wir fordern sie in völlig gleichem Maße für alle, seien sie Christen, Juden, Mohammedaner oder was sonst.“ Eine Gestaltung der Trennung von Staat und Kirche, die dem gewachsenen religiösen Pluralismus in unserem Land Rechnung trägt, sei weiter zu bedenken.

Vor vier Jahren fand bereits ein Symposium zur weltweiten Wirkung und ökumenischen Rezeption der reformatorischen Rechtfertigungslehre statt. Im Anschluss wurde das Sammelband „Aus Glauben gerecht“ veröffentlicht.

Die 95 Thesen und „I have a dream“

Der eine ging mit seinen 95 Thesen in die Geschichte ein, der andere wurde durch seine Rede „I have a dream“ unsterblich: Martin Luther und Martin Luther King trennen Kontinente und Jahrhunderte, aber einiges haben der weiße Reformator und der schwarze Bürgerrechtler auch gemeinsam.  

Es fing damit an, dass der 35-jährige Prediger Michael King im Jahr 1934 zum Weltkongress der Baptisten nach Berlin fuhr und dort mit den Lehren Martin Luthers in Berührung kam, die ihn stark beeindruckten. Zurück in Atlanta, gab er sich selbst und seinem fünfjährigen Sohn Michael King jr. einen neuen Vornamen: Martin Luther. Dass Martin Luther King sr. den Junior auch nach Martin Luthers Lehren erzogen haben dürfte, liegt nahe.

Beide haben sie gesellschaftliche Veränderungen, ja, Umwälzungen in Gang gesetzt, der Reformator ebenso wie der Bürgerrechtler: Martin Luther befreite die Menschen aus der autoritären Bevormundung durch die Kirche – seine Übersetzung der bislang nur in Griechisch und Lateinisch vorliegenden Bibel ins Deutsche, ihre Verbreitung durch die neu entstandene Drucktechnik und die in der Folge entstandene Lesekompetenz im Volk haben auch die allgemeine Bildung und Mündigkeit der Bürger befördert. 450 Jahre später befreit Martin Luther King jr. die Schwarzen, die Armen, die Benachteiligten Amerikas aus der Bevormundung durch die Tradition und Konvention; er bestärkt und befähigt sie darin, ihre Menschenwürde und ihren Anspruch auf Gleichbehandlung gegenüber dem Staat zu verteidigen.

Kings Rede ermutigt Deutsche auf beiden Seiten der Mauer

1964 kommt Martin Luther King nach Berlin und hält gleich dreimal seine Rede vom amerikanischen Aufbruch als ermunterndes Beispiel: im Westen der Stadt vor 20 000 Menschen in der Waldbühne und am selben Tag auch im Osten der Stadt – erst in der Marienkirche und dann, wegen des großen Andrangs, ein zweites Mal zu nächtlicher Stunde in der Sophienkirche. Er spricht über die Veränderungen, die er mit seinen amerikanischen Brüdern und Schwestern auf der Grundlage von Gewaltfreiheit und Liebe bewirkt hat. Er spricht vom Glauben, der es ermöglicht hat, dass sich ein einzelnes Ereignis zur lokalen Bewegung ausweitete, die auf andere Städte übergriff, von dort aus zu einer Protestbewegung im Süden wurde, die schließlich die schwarze Bevölkerung in den Vereinigten Staaten wachrüttelte und zur Befreiung aus über 400-jähriger Unterdrückung führte. Und er ermutigt auch die Deutschen auf beiden Seiten der Mauer: „Mit diesem Glauben werden wir in der Lage sein, aus dem Berg der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung zu hauen. Mit diesem Glauben werden wir in der Lage sein (…), zusammenzuarbeiten, zusammen zu beten, zusammen zu kämpfen, zusammen zu leiden, zusammen für die Freiheit einzustehen, in dem Wissen, dass wir eines Tages frei sein werden.“ Besonders im Osten der Stadt fanden Kings Worte großen Widerhall. Und einiges spricht dafür, dass Kings Berliner Reden im September 1964 ihn zu einem der Vordenker der friedlichen Revolution gemacht haben, die 25 Jahre später die deutsche Wiedervereinigung bewirkte.

Chormusical erzählt vom Leben und Wirken des schwarzen Bürgerrechtlers

2017 feierten wir Reformationsjubiläum, in diesen Tagen 30 Jahre Mauerfall. Und nachdem im Reformationsjahr das Pop-Oratorium Luther durch Deutschland zog, kommt Anfang 2020 das Chormusical Martin Luther King auf die Bühnen der Republik – beides Projekte der Stiftung Creative Kirche. Beiden ist gemeinsam, dass bei jeder Aufführung ein großer Chor mit Sängerinnen und Sängern aus der jeweiligen Region im Mittelpunkt des Geschehens steht. Das Chormusical Martin Luther King erzählt in einer Mischung aus Gospel, Rock’n’Roll, Motown und Pop, mit bewegenden Melodien und eindrücklichen Texten, vom Leben und Wirken Kings der die Welt verändert hat mit seinem gewaltlosen Einsatz für Menschenrechte und Gleichberechtigung. Er war Baptistenpastor, Friedensnobelpreisträger, ein begnadeter Redner. Und seine Botschaft ist bis heute aktuell.

Tiefer ins Herz Gottes eintauchen

Am Samstag, den 19. Oktober 2019 trafen sich ca. 90 Frauen zum alljährlichen Frauentag der Baptisten- und Brüdergemeinden aus Bayern in der EFG Ochsenfurt.
Elisabeth Malessa, der Frauenbeauftragten des Landesverbands Bayern, war es gelungen, die Amerikanerin Sharon Garlough Brown als Referentin einzuladen. Frau Brown ist Autorin der unter Frauen sehr beliebten Romanreihe „Unterwegs mit dir – vier Frauen auf einer Glaubensreise“. Sie ist derzeit auf Leserreise in Deutschland und hielt am Samstag in Ochsenfurt ihren ersten Vortrag zum Thema: „Tiefer ins Herz Gottes eintauchen“.

Die Frauen erfuhren nicht nur Hintergründe zu Sharons Romanfiguren, sondern auch sehr viel Ehrliches aus ihrem ganz persönlichen Glaubensleben. In überaus ansprechender Art und Weise erklärte sie immer wieder, wie wichtig es sei, die Aussagen der Bibel nicht nur zu wissen, sondern zu erfahren, sozusagen vom Kopf ins Herz rutschen zu lassen.

Der „innere Widerstand“ den die Frauen spürten, als sie einander zusprechen sollten: „Ich bin eine Frau, die von Jesus geliebt wird“ veranschaulichte die Wichtigkeit dieser Aussage.

Am Nachmittag ging es um das Bild, das jede von uns von Gott hat. Frau Brown erklärte uns, wie dieses Bild entsteht und wie prägend unser Gottesbild für unser Glaubensleben ist. Außerdem müsse dieses immer wieder von Gottes Wort korrigiert werden.

Alle teilnehmenden Frauen waren sich einig, dass es wichtig  ist, sich auch in den nächsten Tagen noch weiter mit den Aussagen von Sharon zu beschäftigen und manches, was wir ja wissen, nun auch ganz praktisch zu leben.
Wie gut, dass es auch einen Büchertisch gab, an dem diejenigen, die bisher die Romanreihe nicht kannten, diese gleich erwerben konnten. Schließlich hatte Frau Brown alle neugierig gemacht, ihre Romanfiguren kennenzulernen und noch viel mehr von ihr zu lernen, als das, was man an einem Frauentag weitergeben kann.

Wir danken Gott für allen Segen, den fleißigen Helfenden der Gemeinde Ochsenfurt für den passenden „Rahmen“ und Frau Renate Hübsch, die durch ihre gute Übersetzung dafür gesorgt hat, dass wir alle Sharon Brown verstehen konnten.

Das neue Jahresprogramm ist da!

Druckfrisch ist das Jahresprogramm 2020 der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal bei uns eingetroffen. Sowohl das Cover als auch die Einstiegsseiten der Rubriken haben grafisch eine Auffrischung bekommen. Gerne kann schon in der digitalen Version geblättert werden. Die gedruckten Exemplare werden im Laufe der Woche an die Gemeinden verschickt.

Den sicheren Hafen verlassen – gutes Handwerkszeug an Bord

Die Evangelisch-Freikirchliche Akademie Elstal bietet vor Ort in den Landesverbänden und Gemeinden für Gemeindeleitungen das Training FÜHREN UND LEITEN an. Zuletzt in der EFG Kiel Wilhelminenstraße unter der Leitung von Annika Jans, Stefan ter Haseborg und Dr. Oliver Pilnei.

Am 27. und 28. September fand das dritte Modul von FÜHREN UND LEITEN statt. 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Landesverband Norddeutschland beschäftigten sich mit dem Thema: Gemeinde führen – Veränderungsprozesse gestalten. Dabei wurde intensiv gearbeitet und diskutiert.

Das Leitungstraining frischte das Repertoire der Teilnehmenden mit aktuellen und praxisbezogenen Methoden auf. Es wurden nicht nur Persönlichkeitsmodelle und Widerstände im Gemeindealltag an konkreten Beispielen erläutert und erprobt, sondern auch wie Menschen in Veränderungsprozessen reagieren, und welches Führungshandeln geeignet ist. „Wer an dem Training teilnimmt, kann auf jeden Fall erwarten, sehr konkretes und gut umsetzbares Handwerkszeug zu erhalten, verschiedene Prozesse in Zukunft bewusster und aktiver zu gestalten“, sagte Nele Saß.

Ehrenamtliche zu gewinnen und für eine nachhaltige Mitarbeit zu fördern und dabei die typisch baptistischen Herausforderungen von einer anderen Perspektive zu verstehen, waren Elemente des Trainings. Carsten Kruse aus Kiel empfand: „Mich hat die gute Kombination in fröhlicher Atmosphäre begeistert.“ Besonders geholfen habe ihm eine Pyramide zur Basis guter Zusammenarbeit, an der sich die Gemeindeleitung selbst reflektiert hat.

Neue Impulse, die Gemeinde zu führen und mit anderen Leitungsteams vernetzt zu sein, ließ die Teilnehmerinnen und Teilnehmer frohen Mutes gestärkt in ihre Heimatgemeinden zurückkehren.

Weitere Trainings finden auch in anderen Regionen und Landesverbänden statt. Alle Termine und weitere Informationen: www.baptisten.de/ful.

„Aufbruch in die Zukunft“

Das Diakoniewerk der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in Baden-Württemberg feierte am 12. und 13. Oktober sein 50-jähriges Bestehen in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Karlsruhe.

„Ihre Entscheidung trifft den sozialen Nerv unserer Zeit.“ In seinem Grußwort lobte Oberkirchenrat Urs Keller, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Baden, „die weise Entscheidung“ des Diakoniewerks der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in Baden-Württemberg, durch ein Förderprogramm die Diakonie der Gemeinden zu stärken. „Das Lokale gewinnt zunehmend an Relevanz in einer globalisierten Welt“, ergänzte Keller bei der 50-Jahrfeier. Darauf richte sich auch die Sozialpolitik vermehrt aus.

Die Diakonie habe stets auf die Herausforderungen der Zeit reagiert und müsse dies auch weiterhin tun. Prof. Dr. Ralf Dziewas von der Theologischen Hochschule Elstal nannte in seinem Jubiläumsvortrag insbesondere die Digitalisierung als neue Aufgabe. Hier könne das Knowhow junger Menschen genutzt werden. Als Beispiel schlug der Diakoniewissenschaftler und Sozialtheologe eine App vor, die Smartphones seniorentauglicher mache. Zudem sei es erforderlich, „eine an christlichen Werten profilierte, wirtschaftlich tragfähige und technisch innovative diakonische Arbeit zu gestalten“.

Zum 50-jährigen Bestehen des baptistischen Diakoniewerks waren mehr als 100 Gäste gekommen. Es wurde am 4. Oktober 1969 in Stuttgart-Feuerbach gegründet. Vorstandsvorsitzender Holger Gohla erinnerte an die wechselvolle Geschichte der Einrichtung, die seit über zehn Jahren von Karlsruhe aus geleitet wird und in ganz Baden-Württemberg aktiv ist. Das Diakoniewerk unterhält ein Seniorenwohnhaus in Welzheim im Schwäbischen Wald, aktuell vier psychologische Beratungsstellen in Böblingen, Ludwigsburg, Stuttgart und Tübingen und seit Mai 2017 die Koordinierungsstelle Integration und Flüchtlingsarbeit. Letztere wird maßgeblich von der Aktion Mensch und der Diakonie Württemberg gefördert.

In Workshops wurde ein „Aufbruch in die Zukunft“ gestartet. Hier komme es vor allem auf einen Perspektivwechsel an, sagte Pastor Michael Noss, Präsident des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland. Um Neues zu wagen, müsse manchmal Altes beendet werden. „Wir müssen uns bewegen und uns mit den Megatrends unserer Zeit auseinandersetzen“, erläuterte Noss, der auch als Business-Coach aktiv ist. Dazu gehören für ihn etwa eine zunehmende Individualisierung oder sich verändernde Geschlechterrollen. Christen müssen hier „mutig und entschlossen“ vorangehen.

Als neue Möglichkeit diakonischer Gemeindeentwicklung brachte Daria Kraft, die Leiterin der Koordinierungsstelle, gezieltes Fundraising ins Spiel.

Das Diakoniewerk hat sich zum Fachverband für die rund 80 Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in Baden-Württemberg entwickelt und ist die bundesweit einzige Einrichtung dieser Art in der eigenen Kirche.

Ein folgenreicher Traum

Omid Homayouni ist seit 2016 Referent für Integration und Migration im Landesverband Nordwestdeutschland. Jetzt wurde er in der EFG Delmenhorst ordiniert.

Einen außergewöhnlichen Weg in den Pastorendienst hat Omid Homayouni erlebt: Vor sieben Jahren hatte er in Teheran seinen ersten Kontakt zum Christentum. Wie bei vielen iranischen Geschwistern spielte auch bei ihm ein Traum eine wichtige Rolle auf dem Weg zu Jesus hin und Jesus hinterher. Als Konsequenz seiner Entscheidung für Jesus, musste Omid mit seiner Familie im April 2013 nach Deutschland fliehen. In Nordwestdeutschland hat er nicht nur eine neue Heimat gefunden, sondern auch Baptisten, die ihn auf seinem Weg mit Jesus unterstützt und ermutigt haben. Sie haben schon früh seine Begabungen erkannt und ihn in seinem Engagement gefördert. Seit 2016 ist Omid Homayouni Referent für Integration und Migration im Landesverband Nordwestdeutschland. Im selben Jahr begann er das Pastorale Integrations- und Ausbildungs-Programm (PIAP) der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal, das er nach drei Jahren erfolgreich abschließen konnte.

Am 22. September wurde er nun als Pastor im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) ordiniert. In der EFG Delmenhorst kamen viele Wegbegleiter und Freunde zusammen, aus Nordwestdeutschland und darüber hinaus. Pastor Thomas Klammt, Referent für Integration und Fortbildung, führte im Auftrag des BEFG die Ordination durch. In seiner Predigt über 1. Mose 28, 10-22 verwies er auf den Traum des Flüchtlings Jakob, der in eine Berufung und Verheißung mündete. Auch Zohreh Niazi Vahdati  aus Dortmund und Pastor Amir Paryari aus Mainz waren vom Leitungsteam der Deutsch-Persischen Gemeindeentwicklung an dem Festgottesdienst beteiligt, der eindrucksvoll zeigte, wie ein deutsch-iranischer Gottesdienst aussehen kann. Dazu gehörten die projizierte Predigtübersetzung, zweisprachige Lieder, Grußworte in beiden Sprachen und ein Vaterunser im Wechsel. Durch den Gottesdienst leitete Christian Richter, Pastor der gastgebenden Gemeinde in Delmenhorst.

Der Landesverbandsleiter Bernd Splettstößer überbrachte die Grüße des Landesverbands Nordwestdeutschland, der der Arbeitgeber des bisherigen Regionalreferenten – nun des Regionalpastors – Omid Homayouni ist. Im Grußwort aus Omids Heimatgemeinde Varel, die ihren Gottesdienst an diesem Sonntag gleich ganz nach Delmenhorst verlegt hatte, zeichneten Edwin Witt und Elke Visser seinen eindrucksvollen Weg in den letzten sechs Jahren nach.

Die Ordination, in der Omid Homayouni und seine Ehefrau Bahareh Hashemi unter den Segen Gottes gestellt wurden, stand unter dem Zuspruch von Paulus an Timotheus: „Deshalb ermutige ich dich dazu, die geistliche Gabe wirken zu lassen, die Gott dir schenkte, als ich dir die Hände auflegte. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“  (2. Timotheus 1,7).

Nach einem Bericht von Elke Visser, Thomas Klammt

Treffen der europäischen Baptisten

Das EBF Council, die Ratstagung der Europäischen Baptistischen Föderation, fand vom 25. bis 28. September in der Nähe von Glasgow in Schottland statt. Pastor Matthias Walter berichtet.

Nein, wir haben nicht ständig über den Brexit gesprochen. Die politische Lage im Land des Ausrichters der diesjährigen Ratstagung der Europäischen Baptistischen Föderation war nicht ständig Thema. Das war im letzten Jahr anders gewesen. Da waren wir in der Ukraine, haben Berichte aus den besetzten Gebieten gehört und aus den Augenwinkeln verfolgt, wie sich die ukrainischen und russischen Delegierten begegnet sind. Unter den Baptisten hat der Brexit nicht so dramatische Folgen. Die schottischen und englischen Delegierten haben gemeinsam über die Politik geseufzt.

Sie gehörten zu den rund 170 Teilnehmern dieser Ratstagung aus 40 Ländern Europas, Zentralasiens und dem Nahen Osten, von Spanien bis Finnland, Irland bis Irak, Frankreich bis Tadschikistan. Was für eine Bandbreite! Und das nicht nur wegen der vielen Breiten- und Längengrade, die dieses Netzwerk überspannt, sondern wegen der vielen unterschiedlichen Prägungen und Lebensumstände und Frömmigkeiten.

Aus Deutschland nahmen teil: BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba, der wieder zum Vorsitzenden des EBF-Nominierungskomitees gewählt wurde, und Joachim Gnep von der Bundesgeschäftsstelle, Samantha Mail, neu Vorsitzende des Kinder- und Jugendkomitees der EBF, und Marten Becker vom Gemeindejugendwerk, Matze Dichristin für EBM INTERNATIONAL, Michael Rohde als neuer Vorsitzender des Aufsichtsrats vom International Baptist Theological Studies Center (IBTSC) in Amsterdam und Matthias Walter im Auftrag des Vertrauensrates.

Wieder war ein Schwerpunkt die Frage nach der Religionsfreiheit. Einer der Tage war diesem Thema gewidmet. Baptistische Parlamentarier aus Schottland und Moldawien erzählten von ihren Bemühungen und Initiativen zu diesem Thema. Delegierte aus Ländern mit prekärer Menschenrechtslage erzählten von ihren Erfahrungen. Der Generalsekretär des Baptistischen Weltbundes (BWA), Elijah Brown, warnte davor, dem „Götzen“ Sicherheit die Freiheit zu opfern. Wir haben füreinander gebetet und eine Resolution zum Thema Religionsfreiheit verabschiedet, mit der wir bei offiziellen Stellen auf unser Anliegen aufmerksam machen können. Das ist eine große Hilfe gerade für kleinere Bünde in weniger demokratischen Staaten. Die zweite Resolution betrifft den Klimawandel und bekräftigt und aktualisiert eine Resolution aus dem Jahre 2008.###3_IMAGES###EBF-Generalsekretär Tony Peck wies uns in einer Grundsatzrede auf „signs of hope“ (Zeichen der Hoffnung) hin, die er an vielen Stellen in den Gemeinden und Bünden der EBF wahrnehme. Dazu gehörten ein neues Fragen nach lebenslangem Lernen in der Nachfolge, die Bereitschaft, um des Glaubens willen Risiken einzugehen und sich um Versöhnung und Bewahrung der Schöpfung zu bemühen.

Mit dieser Ratstagung ging ein knapp dreijähriges Programm zur Nachwuchsförderung innerhalb der EBF zu Ende. Elf junge Menschen („Transfomers“) im Alter von Ende 20 bis Anfang 30 aus der ganzen EBF haben sich während dieser Zeit immer wieder getroffen, um zu verschiedenen Themen der Leiterschaft in internationaler Perspektive geschult zu werden. Aus Deutschland war Marten Becker vom GJW dabei. Die Hoffnung ist, dass sie zur nächsten Generation derer werden, die dazu beitragen, dass der politischen und gesellschaftlichen Tendenz zu „Polarisation und Fragmentierung“, die Tony Peck beklagte, unter den Baptisten gewehrt wird und Baptisten in die Lage versetzt werden, versöhnend und integrierend in ihre Gesellschaften hineinzuwirken.

Dass das auch für Baptisten eine Herausforderung ist, zeigte das Beispiel Georgien. In dem dortigen Bund sind solche Spannungen um Fragen nach der Kirchenleitung aufgetreten, dass sich die Leitung der EBF zum ersten Mal in ihrer Geschichte genötigt sah, die Mitgliedschaft eines Mitgliedsbundes für ein Jahr ruhen zu lassen.

Alle zwei Jahre wechselt die (ehrenamtliche) Präsidentschaft innerhalb der EBF. Wir verabschiedeten Jenni Entrican aus England als Präsidentin der EBF und hießen willkommen: Meego Remmel aus Estland als neuen Präsidenten und Stefan Gisiger aus der Schweiz als neuen Vizepräsidenten.

Es wird wieder einen EBF-Kongress geben! „Mission conference“ heißt die Veranstaltung, und sie wird vom 21. bis 25. Juli 2021 in Stavanger, Norwegen, stattfinden. Es wird Platz sein für 1.700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen EBF. Also Termin vormerken!

Das nächstjährige EBF Council soll in Russland stattfinden. Ein Ort wird noch gesucht.

Ein ausführlicherer Bericht vom EBF Council in Glasgow auf Englisch findet sich hier.

Wertvoller Fundus

Dem Oncken-Archiv wurden verschollen geglaubte baptistische Kirchenregister überreicht – ein Gewinn für die freikirchliche Forschung!

Im Oncken-Archiv in Elstal sind nur wenige Kirchenbücher der Baptistengemeinden in den ehemaligen deutschen Gebieten östlich von Oder und Neiße überliefert. Der Großteil der Kirchenbücher war in den Kriegswirren verlorengegangen oder ist durch Umwege in andere Archive oder Einrichtungen gelangt. So auch die Kirchenbücher der Baptistengemeinden in Elbing/ Westpreußen und Stettin/ Pommern, die im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin (EZA) untergekommen sind. 

Die Anfrage des Oncken-Archivs an das Berliner Zentralarchiv, ob die Bände an den Bund überführt werden könnten, wurde bejaht und so fand am 18. September 2019 die Übergabe statt. Der Leiter des EZA, Herr Dr. Pahl, und sein Kollege von der Kirchenbuchstelle, Herr Engelbart, überreichten die wertvollen Unikate an die Archivarin des Bundes, Ines Pieper.  Es handelt sich um sechs Mitgliederverzeichnisse, die auch Eintragungen zu Trauungen, Taufen, Geburten usw. enthalten - ein Fundus, der fortan interessierten Familien- und anderen Forschern im Oncken-Archiv zur Verfügung steht. „Lange Zeit galten die Kirchenbücher als verschollen. Jetzt können die alten Schätze Teile gemeindlicher Geschichte – sogar von 1840 – rekonstruieren“, freut sich Archivarin Ines Pieper. „Durch die Kirchenregister kann auch nachvollzogen werden, welche Gemeinden Baptistengemeinden waren“, so der ehemalige Dozent für Kirchengeschichte Günter Balders. „Denn die Bezeichnung Baptistengemeinden war damals noch nicht durchgängig gebräuchlich und einige Gemeinden nannten sich zum Beispiel ‚Gemeinde gläubig getaufter Christen‘. Die Bücher sind ein großer Gewinn für die freikirchliche Forschung!“

Ausgrenzung beenden – Schwellen überwinden

Die Evangelisch-Freikirchliche Gesamtgemeinde Hannover feierte am 15. September einen Open-Air-Gottesdienst mit 1.200 Besucherinnen und Besuchern im Stadtpark Hannover.

Zum Abschluss des Gottesdienstes stellten sich am Sonntag die 1.200 Besucher aus elf Teilgemeinden in Form ihres Logos auf: Ein Kreuz, umrahmt von einzelnen Kreisen, die die Gemeinden der Gesamtgemeinde Hannover symbolisieren. Eine Drohne fotografierte von oben dieses eindrückliche Bild. Die Gesamtgemeinde Hannover besteht aus elf Gemeinden in der Region Hannover und bildet mit weiteren acht Partnergemeinden die „Region Mitte“ des Landesverbandes. So feierte am 15. September die „Region Mitte“ des Landesverbandes Niedersachsen-Ostwestfalen-Sachsen-Anhalt (NOSA) im Stadtpark von Hannover.

Die Gemeindeleiterin der spanisch-deutschen Gemeinde in Hannover-Linden, Maria Fernandes, moderierte den Gottesdienst und stellte zwei Menschen vor, die erzählten, wie sie auf unerwartete Weise in Kontakt zu Christen gekommen sind und Jesus Christus persönlich kennengelernt haben.

Lebensgeschichten griff auch Benedikt Elsner, der Jugendpastor des Landesverbandes NOSA auf: Er erzählte nach Apostelgeschichte 10 aus dem Leben von Petrus, einem Nachfolger von Jesus. Petrus grenzte zunächst andere Menschen aus und lernte durch einen Traum, dass Gott grenzenlos liebt. Er stand symbolisch an einer „Türschwelle“ und musste sich überlegen, ob er sie übertritt oder nicht. „Seid Grenzüberschreiter, im Namen der frohen Botschaft!“, rief Benedikt Elsner den Besuchern zu. Diese konnten das später an einer aufgestellten Tür zwischen den Bankreihen konkret-praktisch nachvollziehen. Immer wieder sah man im späteren Verlauf des Tages Menschen bewusst an dieser Tür die Schwelle übertreten. Als Strategie nannte der Jugendpastor fünf Punkte. Einer davon: „Erzählt den Menschen von Jesus, weil ihr es wollt, nicht weil ihr es meint zu müssen!“ Diese Botschaft kam an, viele Besucher betonten das, als sie anschließend nach einem Feedback gefragt wurden. Im parallelen Kinderprogramm unter der Leitung von Jugendpastorin Natalie Georgi wurde das Thema ebenfalls kreativ behandelt und die Kinder kamen mit einem Tür-Modell voller eigener Handabdrücke zurück ins Plenum. 

Bereits vor dem Gottesdienst stimmte der Chor gospelcontakt die Ankommenden fröhlich ein. Zum musikalischen Genuss trug dann zusätzlich der temperamentvolle Gesamtgemeinde-Projektchor unter der Leitung von Frank Wedel bei.

Die Hannoveraner Baptisten hatten ein vielfältiges Angebot aufgebaut: 27 Stände von Gemeindeinitiativen, Diakonischen Werken, der Freien Christliche Schule Hannover (FESH), dem Neuen Land (Drogenberatung) und der mobilen Eventkirche des Landesverbandes umrahmten den Gottesdienstplatz. Am Stand der mobilen Eventkirche gab es nach dem Gottesdienst einen Apfel und Kaffee für das Abgeben eines Votums zur Frage: „Kann man Gott beweisen?“ Verschiedene Antwortmöglichkeiten konnten ausgewählt werden. Insgesamt wurden allein dort 10 kg Äpfel verteilt und 40 Liter Kaffee ausgeschenkt. An anderen Stellen waren es 120 Crepes, dutzende Kuchen und vieles mehr.

Für Mitorganisator Pastor Michael Rohde war es „der schönste Moment, zu erleben, wie viel Kommunikation auf dem Platz, an den Ständen und auf den Picknickdecken entstand.“ Genau das war es, was die Veranstalter und Besucher sich von diesem Treffen erhofften und das fantastische Wetter lieferte dafür beste Bedingungen. Henning Großmann, Pastor der „Gemeinde am Döhrener Turm“ in Hannover zog als stellvertretender Gesamtgemeindeleiter ein positives Fazit des Tages und betonte, dass der letzte Open-Air-Gottesdienst vor zwei Jahren ausführlich vom Vorbereitungsteam evaluiert wurde und Verbesserungs-Impulse daraus konsequent umgesetzt worden seien. Fazit: Ein gelungenes, inspirierendes Gemeindepicknick, bei dem man überall fröhliche und zufriedene Gesichter sehen konnte.

„Gemeinde als Herberge“

Am 14. September fand der regionale Diakonietag „Gemeinde als Herberge? – Möglichkeiten und Grenzen der Begleitung von Menschen mit seelischen Belastungen“ in Weltersbach statt. Er wurde verantwortet von der Diakonie im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden und im Bund Freier evangelischer Gemeinden. Pastor Ulrich Kühn und Diakonin Gabriele Löding hatten die Leitung des Tages inne.

Der familiäre Charakter freikirchlicher Gemeinden lädt Menschen ein, die sich nach Gemeinschaft sehnen. Dazu gehören auch Menschen mit seelischen Belastungen. Einige von ihnen haben eine ernstzunehmende psychische Erkrankung. Von den Betroffenen oder Angehörigen wird das oft nicht wahrgenommen. Auch in den Gemeinden können psychisch Erkrankte die Erfahrung machen, dass nicht angemessen mit ihnen umgegangen wird. Ein Verständnis ihrer Krankheit und ein bedachter Umgang sind hilfreich, betonte Dr. Martin Grabe, Ärztlicher Direktor der Klinik Hohe Mark, beim regionalen Diakonietag: „Gemeinde als Herberge? – Möglichkeiten und Grenzen der Begleitung von Menschen mit seelischen Belastungen“.

„Wir brauchen das Gebet, die Begleitenden und die Betroffenen, und es ist gut, dass wir mit einer übermenschlichen Kraft rechnen können. Doch Hilfe und Heilung geschieht auch durch das gute Netzwerk von therapeutischen Möglichkeiten“, erläuterte Dr. Grabe vor 120 Teilnehmenden im Diakoniewerk Pilgerheim. Er führte aus, dass psychische Störungen oft Überlebensstrategien sind, die in Krisen- und Stresssituationen ausgebildet werden, und gab einen Überblick über die Krankheiten und ihre Symptome. Dazu zählen zum Beispiel Depressionen, die Manie und die bipolare Störung sowie Angst- und Zwangsstörungen. Bei diesen Erkrankungen geht es in der Therapie darum, sich den dahinterliegenden Problemen zu stellen. In manchen Fällen ist eine unterstützende medikamentöse Therapie notwendig.

In den Gemeinden treffen wir auf Menschen, die im Laufe des Lebens auch bestimmte krankhafte Einstellungen und Verhalten verfestigt haben: die Opferrolle, dieRolle der Hilfsbedürftigen, der Außenseiter, der Regelbedürftigen, der Zukurzgekommenen. Diese Menschen kommen schwer aus ihrer Rolle raus und können ihr Verhalten nur sehr schwer verändern. Dr. Grabe wies darauf hin, dass solche Menschen oft zu lange seelsorgerlich begleitet werden und in dieser Zeit sich die Krankheit manifestiert, ohne dass durch eine entsprechende Therapie geholfen werden konnte. Eine Begleitung seitens der Gemeinde während der Therapie besteht oft im Aushalten und Mittragen des Leidens. Im Kontakt mit den Betroffenen gilt es, auf die eigenen Grenzen der Einfühlung zu achten, zum Beispiel bezüglich der Redezeit und der Begegnungszeiten. Auch besteht die Gefahr einer Co-Abhängigkeit, wenn die Betreffenden in ihrem Verhalten nur oder zu sehr bestätigt werden. Dazu gehört es, zu verdeutlichen, welches Verhalten eine positive Entwicklung fördert und welches Verhalten diese verhindert.

In den Seminarangeboten am Nachmittag wurden einige Themen in Kleingruppen vertieft und weitere Themen aufgenommen, wie beispielsweise „Kinder von Eltern mit psychischen Störungen“, „Nähe und Distanz in der Seelsorge“ und die „Begegnung mit traumatisierte Menschen“. Die Informationen über die unterschiedlichen Krankheitsbilder sowie die Verhaltensstile psychisch belasteter Menschen wurden aufmerksam aufgenommen und sehr geschätzt. Eine Teilnehmerin meinte: „Für mich war es sehr hilfreich, Krankheitssymptome kennenzulernen und zu erfahren, wie ich in guter Weise begleiten kann.“ Ein Teilnehmer fasste das Erfahrene so zusammen: „Für mich entscheidend war das Stichwort: Annahme.“ Dieser Tag war ein wichtiger Impuls in die Gemeinden hinein, psychisch Erkrankte kompetent zu begleiten und für Hinweise auf Therapien und Hilfsangebote zu sensibilisieren.

Verbunden im Lob Gottes

Im Pastoralen Integrations- und Ausbildungs-Programm (PIAP) hat ein neuer Kurs begonnen.

15 Leute aus ganz Deutschland, von Hurlach bis Hamburg, von Ludwigshafen bis Berlin, reisten zu ihrer ersten Tagung nach Elstal. Geboren sind sie in Nigeria, Ghana, Angola, Marokko, Vietnam und im Iran. In den nächsten drei Jahren haben sie fünf weitere Blockseminare in Elstal vor sich, müssen fünf schriftliche Arbeiten erledigen und mehrere Tagungen auf Landes- und Bundesebene besuchen, und werden dabei von einem Mitglied der Studienleitung intensiv begleitet.

Zur ersten Tagung in Elstal brachten manche viele Fragen und Unsicherheit mit: „Wie werde ich mit der deutschen Sprache zurechtkommen? Wie passe ich in die Gruppe? Kann ich die theologischen Inhalte verstehen?“ Am Ende der drei Tage gaben sie dankbar Feedback: „Meine Hand ist müde vom vielen Schreiben, aber ich bin erfüllt mit guten Erfahrungen und Gedanken … die Atmosphäre in der Gruppe war so gut, die Diskussionen haben mich sehr angeregt … ich weiß, ich bin hier richtig!“

Das Thema „Gemeinde entdecken – Baptismus in Geschichte und Gegenwart“ wurde von der Studienleitung und den Dozenten der Theologischen Hochschule entfaltet: die Entstehung und Identität der Baptisten, ihr Umgang mit Freiheit und Einmütigkeit und ihr Verständnis vom Abendmahl waren einige der Schwerpunkte, die gründlich erklärt und intensiv diskutiert wurden. Dabei entstand eine bunte Lerngemeinschaft mit den 6 Teilnehmern des Kontaktstudiums, Gemeindereferenten aus Gundelfingen, Weinstadt, Marburg, Baunatal, Hannover und Quedlinburg.

Bei einer Führung über den Campus des Bildungszentrums Elstal und einem Abend mit aktuellen Informationen über die Strukturen und Angebote des BEFG, lernten manche der Teilnehmenden den Bund ganz neu oder erstmals richtig kennen.

In den Morgenandachten gaben drei Teilnehmer biblische und persönliche Impulse. Anschließend wurde in vielen Sprachen gebetet: Englisch, Französisch, Vietnamesisch, Arabisch, Farsi und Deutsch. Eine iranische Teilnehmerin bekannte, dass sie zum ersten Mal gehört habe, wie jemand auf Arabisch zu Jesus betet, und dadurch in ihrer tiefsitzenden Abneigung gegen diese Sprache und Kultur erschüttert worden sei. So trägt PIAP nicht nur zur Integration in den BEFG bei, sondern auch zur Verbindung und Versöhnung von Menschen unterschiedlicher Kulturen. Ein wunderbares Bild dafür war die Musikgruppe, die uns am letzten Morgen im Lobpreis leitete: eine Iranerin am Flügel, ein Deutscher an der Gitarre, ein Spanier auf dem Cajon, ein Ghanaer mit Percussion – und die ganze Gruppe verbunden im Lob Gottes!

Und das war erst der Anfang … Wir sind gespannt, was Gott im PIAP in den nächsten drei Jahren vorhat!

„Die Lebensberatung ist eine ökumenische Erfolgsgeschichte“

Seit 1979 leisten vor allem geschulte Ehrenamtliche Krisenberatung, Seelsorge und Paarberatung anonym und kostenlos. Das Jubiläum beging die Einrichtung am 15. September mit einem Gottesdienst und einem Empfang.

Mit einem Gottesdienst und einem Empfang feierte die Lebensberatung im Berliner Dom am 15. September ihr 40-jähriges Bestehen. Seit 1979 erhalten Menschen dort Krisenberatung, Seelsorge und Paarberatung vor allem durch ausgebildete ehrenamtliche Beraterinnen und Berater.

Der Gründer der Lebensberatung, der evangelische Pfarrer Horst Berger, „wusste, was die Menschen brauchen“, sagte die Görlitzer Generalsuperintendentin, Supervisorin und Pastoralpsychologin Theresa Rinecker in ihrer Predigt zum Thema „Ich lobe den Herrn, der mich beraten hat“ (Psalm 16) beim Jubiläumsgottesdienst im Berliner Dom. „Das Echte, das Unmittelbare, das, was andere unansehnlich finden, war ihm und den anderen Beraterinnen und Beratern gerade recht“, sagte Rinecker. Die Lebensberatung im Dom leiste auch in Zeiten, in denen Beratung ein „richtiger Markt“ geworden sei, weiterhin einen wichtigen Beitrag mit ihrem für alle zugänglichen Angebot.

Verlässliche finanzielle Unterstützung gesucht

Andreas Mende, Geschäftsführer der Trägergesellschaft Beratung + Leben GmbH innerhalb der Immanuel Albertinen Diakonie, würdigte beim anschließenden Empfang: „Dass die Lebensberatung im Berliner Dom 40 Jahre alt geworden ist, verdanken wir dem großen ehrenamtlichen Engagement und der finanziellen Unterstützung durch Spenden und Kollekten.“ Die Lebensberatung ist ein reines Spendenwerk. Sie wird über die freiwilligen Spenden der Ratsuchenden und über Gottesdienstkollekten finanziert. Die Finanzierung sei schon immer schwierig gewesen, so Mende. „In den letzten Jahren ist die Unterstützung durch Kollekten insgesamt leider stark zurückgegangen. Um auch in Zukunft im Berliner Dom Beratung und Seelsorge für Menschen in Krisen leisten zu können, benötigen wir verlässliche Unterstützung.“

Die erste Beratung fand am 20. Oktober 1979 in der noch unrenovierten Küsterei des Domes statt. Wenig später zog das Team in einen Nebenraum der Tauf- und Traukirche, zunächst ohne Telefon und Strom. Drei Stühle stiftete die Domgemeinde, ein kleiner Tisch war eine Spende eines Ratsuchenden. Schrittweise wurde das Angebot erweitert. Im Oktober 1991 zog die Lebensberatung in ihr aktuelles Domizil im Souterrain des Doms. Nachdem das Diakonische Werk und die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg die Domseelsorge in den 1990er Jahren aufgaben, übernahm sie der evangelisch-freikirchliche Verein Beratung und Lebenshilfe. Der Verein ging 2006 in die Beratung + Leben GmbH über.

Ökumenische Erfolgsgeschichte

„Die Lebensberatung ist eine ökumenische Erfolgsgeschichte“, betonte Michael Noss, Präsident des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland und ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Beratung und Lebenshilfe.

Ein Team von zurzeit rund 25 Ehrenamtlichen und einem Hauptamtlichen bietet nach Terminvereinbarung und montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr auch ohne Anmeldung in drei Räumen anonym Krisenberatung, Seelsorge, Paarberatung, Supervision und Gesprächsangebote für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe. Die Lebensberatung im Berliner Dom ist eine von nur zwei Berliner Beratungsstellen der offenen Tür, die alle Menschen kostenlos beraten. Bei jährlich etwa 3.000 Kontakten geht es um Lebens-, Beziehungs- und Glaubenskrisen. Die Ehrenamtlichen sind Pfarrerinnen und Pfarrer, Psychologinnen und Psychologen, Theologinnen und Theologen, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter oder Juristinnen und Juristen und haben mindestens eine Zusatzausbildung in psychologischer Beratung oder Seelsorge oder Psychotherapie.

Hilfe im Hier und Jetzt

„Um Menschen begleiten zu können, braucht es einen liebenden Blick auf sie, ein hörendes Herz, professionelle Kompetenz und eine gute Supervision. Es hilft auch, selbst Krisen überwunden zu haben“, sagte der ehemalige Ehrenamtliche Dieprand von Richthofen. Der frühere Verwaltungsjurist mit einer Ausbildung als Logopäde und Imaginationstherapeut war zehn Jahre bei der Telefonseelsorge, bevor er sich von 2012 bis 2017 in der Lebensberatung engagierte.

Dienstälteste ehrenamtliche Beraterin ist Anneliese Stephan. Seit 2004 begleitet die frühere Psychologin und Psychotherapeutin an der Charité für vier Stunden in der Woche Ratsuchende in der Lebensberatung im Dom, um ihre Erfahrungen auch im Ruhestand weiterzugeben. „Anfangs musste ich erst umdenken. Wir machen hier keine Therapie, wir machen keine Anamnese und stellen keine Diagnose. Wir konzentrieren uns auf das Hier und Jetzt und versuchen Handlungsoptionen aufzuzeigen“, erläuterte Anneliese Stephan.

Immer häufiger kommen kinderlose Paare oder Paare mit bereits volljährigen Kindern in die Lebensberatung im Berliner Dom, die sich als einzige konfessionelle Beratungsstelle in Berlin noch unter dem Dach einer Kirche befindet. Der Grund: „Das Angebot städtischer Beratungsstellen ist Ratsuchenden mit minderjährigen Kindern vorbehalten, weil der Senat nur diese finanziell fördert. Alle anderen Ratsuchenden müssen kostenpflichtige Angebote in Anspruch nehmen oder eine Beratung der offenen Tür aufsuchen“, erläuterte Karl-Heinz Hilberath, Leiter der Einrichtung und psychologischer Psychotherapeut. Umso wichtiger sei der Erhalt dieser Beratung der offenen Tür im Herzen Berlins. 

Ökumene der Kirchen als gutes Beispiel für internationale Beziehungen zwischen Staaten

Am 18. und 19. September tagte die Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Augsburg. Vom BEFG delegiert waren Manfred Ewaldt, Ulf Beiderbeck und Generalsekretär Christoph Stiba.

Gleich mit mehreren aktuellen und gesellschaftlich relevanten Themen hat sich die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Deutschland im Rahmen ihrer Mitgliederversammlung befasst.

Eines davon war die geplante Änderung der Beschäftigungsverordnung, die ausländische Seelsorger betrifft. Diese sollen vor Erhalt einer Einreisegenehmigung nach Deutschland beweisen, dass sie über hinreichende deutsche Sprachkenntnisse verfügen. Die Mitglieder unterstützten den Brief, den der Vorstand der ACK an die zuständigen Ministerien geschrieben hat. Darin wird festgestellt, dass die geplante Änderung auch erhebliche negative Folgen für die pastorale Praxis mehrerer ACK-Mitgliedskirchen hätte und massiv ins Selbstbestimmungsrecht der Kirchen eingreife, das im Grundgesetz verankert sei.

Tendenz zur „Archipelisierung“?

Reverend Sören Lenz, Exekutivsekretär der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) in Straßburg, referierte im Rahmen der Mitgliederversammlung zum Thema „Kurz vor dem Brexit – nach der Wahl: Europa vor einer Zerreißprobe?“. Anhand der Beispiele der „Gelbwestenbewegung“ in Frankreich, des Brexit und des Erstarkens der AfD in Deutschland arbeitete er heraus, dass sich größere Teile der jeweiligen Bevölkerung von den politischen Eliten auf nationaler und internationaler Ebene nicht mehr vertreten fühlten. Dabei handle es sich vielfach um Angehörige der Mittelschicht, die von Abstiegsängsten geplagt sei. Deshalb fühlten sie sich von populistischen Unabhängigkeitsbestrebungen angesprochen. Insgesamt, so Sören Lenz, setze sich die Tendenz zur „Archipelisierung“ fort.

Menschen bewegten sich zunehmend innerhalb von Gruppen, die ihre eigenen Überzeugungen teilten. Zu dieser „Blasenbildung“ trügen auch die Sozialen Medien wesentlich bei. Zugleich lasse sich auch innerhalb der Kirchen die Tendenz feststellen, dass sie in ihrer Positionierung zu grundsätzlichen Fragen, wie zum Beispiel im Bereich von Ehe und Familie, auseinanderdriften.

Die Kirchen könnten in ihren internationalen Organisationen wie der KEK gleichwohl ein positives Beispiel für ein konstruktives und zukunftsweisendes Miteinander in Europa geben. Sie lebten gerade auf dem Gebiet der Ökumene nach dem Grundsatz der versöhnten Verschiedenheit und der „Einheit in Vielfalt“.

Jahr der Ökumene 2021

Die Mitgliederversammlung der ACK Deutschland hatte sich auch intensiv mit dem Jahr 2021 beschäftigt, in dem gleich mehrere, für die Ökumene höchst relevante Ereignisse stattfinden: Neben dem Dritten Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt am Main treffen sich ca. 755 Delegierten und über 4000 Gäste und Beobachter des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) in Karlsruhe zu ihrer Vollversammlung. Zudem werden auch 2021 die Gebetswoche für die Einheit der Christen und der Ökumenische Tag der Schöpfung durchgeführt. Die bundesweite Eröffnungsveranstaltung zu letzterem soll im Dreiländereck zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz auf dem Bodensee begangen werden. Aufgrund dieser Häufung bedeutsamer ökumenischer Ereignisse sprachen sich die Mitglieder der ACK Deutschland für ein gemeinsames Jahresmotto aller ökumenischen Veranstaltungen unter dem Titel „2021: Jahr der Ökumene“ aus.

Multilaterale Kooperation

Im Hinblick auf die Vorbereitung des Dritten Ökumenischen Kirchentags betonte die Mitgliederversammlung der ACK Deutschland, dass es sich bei Ökumene nicht nur um das Miteinander von evangelischer und römisch-katholischer Kirche handle, sondern vielmehr um eine multilaterale Kooperation. Die Mitgliederversammlung sprach sich deshalb für eine starke Präsenz der ACK auf dem Ökumenischen Kirchentag aus.

Die Mitgliederversammlung erinnerte außerdem an 20 Jahre „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“. Dies war in Form eines vorgeschalteten Studientages erfolgt. Außerdem nahm sie einen Text an, den der Deutsche Ökumenische Studienausschuss (DÖSTA) dazu vorbereitet hatte und verabschiedete in diesem Zusammenhang eine eigene Erklärung.

Der 1999 von der römisch-katholischen Kirche und vom Lutherischen Weltbund unterzeichneten Erklärung haben sich inhaltlich mittlerweile auch der Weltrat methodistischer Kirchen, die Anglikanische Gemeinschaft sowie die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen angeschlossen. Weitere Konfessionen diskutieren, wann sie dies gegebenenfalls tun können. Die Einheit in Vielfalt hat Zukunft.

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung besuchten der neue Vorsitzende der ACK, Erzpriester Konstantin Miron, und die neue Geschäftsführerin der ACK, Dr. Verena Hammes, die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), die durch den Präsidenten Christoph Stiba und das Vorstandsmitglied Frank Uphoff, Vizepräses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP), vertreten war. In diesem Gespräch wurde die vertrauensvolle Zusammenarbeitvon VEF und ACK gewürdigt. Die ACK betonte, dass neben den beiden in Deutschland großen Kirchen und den Orthodoxen die Freikirchen eine weitere wichtige Säule der ACK-Arbeit seien.

Spenden wie zu Paulus' Zeiten

„Zu Erntedank wird Gottes Wirken unter uns Menschen auf besondere Weise sichtbar. Wir danken unserem Herrn und Versorger, dass er uns so reich beschenkt und zugleich denken wir an unsere Nächsten, indem wir davon etwas abgeben“, so formuliert es Christoph Stiba, Generalsekretär des BEFG. Für die Kollekten in den Bundesgemeinden empfiehlt der Bund traditionell eine Auswahl an Projekten, die auch Einzelpersonen durch Spenden unterstützen – darunter die für die Arbeit der Bundesgemeinschaft so bedeutenden Spenden an das Bundesopfer.

„Im Augenblick habt ihr mehr als die andern. Darum ist es nur recht, dass ihr denen helft, die in Not sind. Wenn dann einmal ihr in Not seid und sie mehr haben als ihr, sollen sie euch helfen. So kommt es zu einem Ausgleich zwischen euch.“ (2. Kor. 8,14) In seinem 2. Brief an die Gemeinde in Korinth bittet der Apostel Paulus um Unterstützung der Geschwister in Jerusalem. Dass Gemeinden sich gegenseitig unterstützen sei schon zu neutestamentlichen Zeiten ein wichtiges Kennzeichen für die verbindende Liebe und Solidarität untereinander gewesen. „Diese Solidarität lebt auch in unserem Bund: einer Gemeinschaft von über 800 Gemeinden, die in ihrer Umgebung auf ganz unterschiedliche Weise das Wort Gottes bezeugen – geeint in Christus und in seinem Geist miteinander verbunden“, hebt Stiba hervor.

In einer Spendenbitte, die einige Geschwister postalisch erhalten, bittet der BEFG auch Einzelpersonen, diese Gemeinschaft finanziell zu unterstützen. Volker Springer, der kaufmännische Geschäftsführer des Bundes, erklärt: „Diese freien Spenden an das Bundesopfer ermöglichen eine Vielzahl bundesweiter Arbeiten, die allen Gemeinden zugutekommen.“ Kreative Missionsprojekte, die Pastoren- und Diakonen-Ausbildung an der Theologischen Hochschule Elstal, Bildungs- und Beratungsprogramme für Gemeinden, ein umfangreiches Seminarangebot für die vielen Engagierten in den Gemeinden an der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal, Impulse für die Kinder- und Jugendarbeit, die Koordinierung humanitärer Hilfsprojekte und weltweiter Katastrophenhilfe und vieles mehr. Weiter führt Springer aus: „Diese Vielfalt an bundesweiten Arbeiten kann nur bestehen, wenn wir dafür auch die richtige Basis schaffen. Als Bundesgemeinschaft sind wir angewiesen auf freie Spenden an das Bundesopfer.“ Diese Spenden sind für ihn ein Zeichen gelebter Solidarität. Augenzwinkernd ergänzt er: „Für Paulus und seine Helfer war es damals übrigens eine logistische Herausforderung, die gesammelten Spenden nach Jerusalem zu bringen. Heute reichen wenige Klicks beim Online-Banking oder ein Gang zur Bank“.

Für die Kollekten stellt der BEFG zu Erntedank eine Auswahl an Projekten vor, die auch Einzelpersonen immer wieder durch private Spenden unterstützen. In DIE GEMEINDE (Ausgabe 20/2019), die es hier zu bestellen gibt, stellt ein Artikel die Erntedank-Projekte näher vor. Hier geht es direkt zu dem Flyer mit den Projekten.  

Die Erntedankspenden und -kollekten können viel Gutes bewirken. Auch das hat sich seit Paulus Zeiten nicht geändert:

„Gott, der dem Sämann Saatgut und Brot gibt, wird auch euch Samen geben und ihn wachsen lassen, damit eure Wohltätigkeit eine reiche Ernte bringt.“ (2. Kor. 9,10)

Vor 55 Jahren: Martin Luther Kings überraschende Predigt in Ost-Berlin

Im September 1964 besuchte Martin Luther King das geteilte Berlin. Nach einer Predigt vor 20.000 Menschen in der West-Berliner Waldbühne reiste er überraschend auch in den Ostteil der Stadt und predigte in der überfüllten Marienkirche und in der Sophienkirche. Sabine Rackow, Markus Meckel und Michael Markus Schulz waren damals dabei.

Am 13. September 1964 macht sich Sabine Rackow auf den Weg von Berlin-Schöneweide, wo sie lebt, zum Alexanderplatz. Dort ist die 27-jährige Chemikerin mit Freunden aus ihrer früheren Evangelischen Studierendengemeinde verabredet. Sie wollen in der St.-Marienkirche Martin Luther King im Gottesdienst hören. Der US-amerikanische Bürgerrechtler und Baptistenprediger ist zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt seiner Popularität: Wenige Wochen zuvor wurde per Gesetz die Rassentrennung in den USA aufgehoben; einige Wochen später wird verkündet, dass ihm der Friedensnobelpreis verliehen werden soll.

„Wir wurden an der Marienkirche jedoch abgewiesen und sollten nach Hause gehen“, erinnert sich Sabine Rackow heute. Die Menschenmenge ist unüberschaubar. Um 20 Uhr soll der Gottesdienst beginnen. Schon eine Stunde davor ist die Kirche überfüllt.

Sabine Rackow ist eine von etwa 3.000 Menschen, die an diesem Sonntagabend auf Martin Luther King warten. Als der Bürgerrechtler ankommt, umringen sie das Auto, wollen ihn berühren oder ein Autogramm ergattern. Generalsuperintendent Gerhard Schmitt (1909-2000), leitender Kirchenvertreter für Ost-Berlin und Brandenburg, und Pastor Rolf Dammann (1924-2014), Generalsekretär des Bunds Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in der DDR, begrüßen King. In der Kirche harren 1.500 Menschen aus, unter ihnen viele junge Menschen und auch Kinder, so wie der damals 12-jährige Markus Meckel, späterer letzter Außenminister der DDR und Mitglied des Bundestags. Viele Erinnerungen an den King-Besuch hat Markus Meckel nicht mehr, dafür war er zu jung. Aber die volle Kirche und die vielen Menschen sind ihm gut im Gedächtnis geblieben. Nach dem Gottesdienst reicht er King vor der Kirche die Hand.

Der Besuch im damaligen Ost-Berlin war Kings erster und einziger hinter dem Eisernen Vorhang – für Michael Markus Schulz eine Besonderheit. Er ist Mitbegründer des Martin Luther King Memorial Berlin Komitees und selbst Zeitzeuge von 1964. „King besuchte die Front zwischen Ost und West, dort, wo der Kalte Krieg direkt aufeinanderprallte“, sagt er. Weder die evangelische Kirche noch der DDR-Staat hatten King offiziell nach Ost-Berlin eingeladen. Jedoch waren die Baptisten aus den USA und Deutschland seit Jahrzehnten eng verbunden. Außerdem stand Heinrich Grüber (1891-1975), Propst der Marienkirche, seit 1963 mit King in brieflichem Kontakt. Er lud ihn nach Ost-Berlin ein, konnte jedoch selbst nicht an dem Gottesdienst teilnehmen: Seit August 1961 wurde ihm die Einreise verwehrt.###3_IMAGES###Eine Absage des Besuchs stand jedoch im Raum. Kirchenleitende Vertreter hatten Wochen zuvor diskutiert, ob der Gottesdienst stattfinden solle. Einige stimmten dagegen. Allen Warnungen zum Trotz übernahm Generalsuperintendent Gerhard Schmitt die Verantwortung für den Gottesdienst und die möglichen gesellschaftspolitischen Konsequenzen, die solch ein Besuch mit sich bringen könnte. Die Marienkirche war zu dieser Zeit ohne geistliche Leitung: Propst Heinrich Grüber durfte nicht einreisen, ein Pfarrer war 1963 geflohen, und ein anderer saß im Gefängnis, weil er Menschen zur Flucht verholfen hatte.

Predigt vor etwa 20.000 Christen

Auf offizielle Einladung von Willy Brandt (1923-1992), Regierender Bürgermeister von West-Berlin, reiste Martin Luther King im September 1964 nach West-Berlin. Das Programm umfasste mehrere offizielle Punkte: King trug sich unter anderem in das Goldene Buch der Stadt Berlin ein. Er eröffnete das erste internationale Jazzfestival Deutschlands und sprach bei der Gedenkfeier für den verstorbenen US-Präsidenten John F. Kennedy, wo auch ein schwarzer Gospelchor aus den USA sang. Zum „Tag der Kirchen“, dem traditionellen Treffen der evangelischen Gemeinden Berlins, predigte King in der Waldbühne vor etwa 20.000 Christinnen und Christen. Der „Tag der Kirchen“ stand unter dem Motto „Überall ist Kain und Abel“. Martin Luther King hielt hier die gleiche Predigt wie später in der Marienkirche und Sophienkirche. Danach überreichte ihm Otto Dibelius (1880-1967), damaliger Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, die Ehrendoktorwürde der Theologischen Hochschule Berlin.

In den Morgenstunden des 13. September kam es zu einem Zwischenfall an der Berliner Mauer. Ein 21-Jähriger wollte von Ost-Berlin in den Westen fliehen, wurde jedoch angeschossen. Ein US-Grenzsoldat riskierte sein eigenes Leben, um den Mann zu retten: Er kletterte auf die Mauer, warf ein Seil nach unten zu dem Angeschossenen und zog ihn hoch. Damit die DDR-Soldaten sich zurückziehen, warf er eine Tränengasgranate. US-Soldaten und West-Berliner Polizei gaben ihm Feuerschutz. Der Mann überlebte. Willy Brandt überreichte dem US-Soldaten später die Ehrenbürgerurkunde, und auch der US-Stadtkommandant ehrte ihn für seinen Einsatz.

„Eine göttliche Fügung“

Der Besuch im damaligen Ost-Berlin war Kings erster und einziger hinter dem Eisernen Vorhang – für Michael Markus Schulz eine Besonderheit. Er ist Mitbegründer des Martin Luther King Memorial Berlin Komitees und selbst Zeitzeuge von 1964. „King besuchte die Front zwischen Ost und West, dort, wo der Kalte Krieg direkt aufeinanderprallte“, sagt er. Weder die evangelische Kirche noch der DDR-Staat hatten King offiziell nach Ost-Berlin eingeladen. Jedoch waren die Baptisten aus den USA und Deutschland seit Jahrzehnten eng verbunden. Außerdem stand Heinrich Grüber (1891-1975), Propst der Marienkirche, seit 1963 mit King in brieflichem Kontakt. Er lud ihn nach Ost-Berlin ein, konnte jedoch selbst nicht an dem Gottesdienst teilnehmen: Seit August 1961 wurde ihm die Einreise verwehrt.

Eine Absage des Besuchs stand jedoch im Raum. Kirchenleitende Vertreter hatten Wochen zuvor diskutiert, ob der Gottesdienst stattfinden solle. Einige stimmten dagegen. Allen Warnungen zum Trotz übernahm Generalsuperintendent Gerhard Schmitt die Verantwortung für den Gottesdienst und die möglichen gesellschaftspolitischen Konsequenzen, die solch ein Besuch mit sich bringen könnte. Die Marienkirche war zu dieser Zeit ohne geistliche Leitung: Propst Heinrich Grüber durfte nicht einreisen, ein Pfarrer war 1963 geflohen, und ein anderer saß im Gefängnis, weil er Menschen zur Flucht verholfen hatte.

Viele DDR-Bürgerinnen und Bürger verehrten Martin Luther King: Er kämpfte mit friedlichen Mitteln gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Sie kannten ihn und die Bürgerrechtsbewegung in den USA aus westlichen Radiosendern und dem Fernsehen. Er gab ihnen Hoffnung in einer Zeit, in der sie nur wenig davon spürten. Der Bau der Mauer war drei Jahre her. Das Gefühl der Ohnmacht und Abgeschiedenheit bestimmte noch immer die Gefühlslage.

Seine Predigten in der Marienkirche und Sophienkirche sind für die Anwesenden Trost und Ermutigung. King hält sie auf Englisch, der US-amerikanische Pfarrer Ralph Zorn, der sonst für GIs in West-Berlin predigt, übersetzt. Der Bürgerrechtler überbringt Grüße von den Brüdern und Schwestern aus West-Berlin sowie den USA. „Das schaffte eine Verbundenheit zu diesen Menschen“, sagt Michael Markus Schulz. King betont die Geschwisterlichkeit aller Menschen – in Nord, Süd, Ost und West: „Hier sind auf beiden Seiten der Mauer Gotteskinder, und keine durch Menschenhand gemachte Grenze kann diese Tatsache auslöschen.“ King spricht über die Rassentrennung und den schwierigen Weg des Neuanfangs. Er erzählt von Rosa Parks und ihrem passiven Widerstand gegen die Unterdrückung der Schwarzen: Sie löste den 361 Tage währenden Busboykott in Montgomery aus, wodurch Rassendiskriminierung in den USA öffentlich wurde. Auch die Menschen in der DDR sind in einer Situation, die friedlichen Widerstand fordert, sagt King.

Zentrale Figur der Gewaltlosigkeit

Er spricht von einem gemeinsamen Glauben: „Es gibt eine gemeinsame Menschlichkeit, die uns für die Leiden untereinander empfindlich macht. In diesem Glauben können wir aus dem Berg der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung schlagen. In diesem Glauben werden wir miteinander arbeiten, miteinander beten, miteinander kämpfen, miteinander leiden, miteinander für die Freiheit aufstehen in der Gewissheit, dass wir eines Tages frei sein werden.“ –„Mit seiner tiefen christlichen Überzeugung hat er uns Zuversicht gegeben“, sagt Markus Meckel. Martin Luther King wird für ihn eine zentrale Figur der Gewaltlosigkeit: Er stehe dafür, dass jede Bürgerin und jeder Bürger selbst aktiv werden muss, um Veränderungen auf den Weg zu bringen. Dies sei eine Orientierung für viele Menschen zu DDR-Zeiten gewesen, so Markus Meckel.

Kings Appell für Gewaltfreiheit und passiven Widerstand begleiteten Michael Markus Schulz ein Leben lang. Der gebürtige Berliner demonstrierte mit 300 jungen Menschen am Staatsfeiertag der DDR, dem 7. Oktober 1966, in der Karl-Marx-Allee gegen das Verbot von Populärmusik aus dem Westen. Für zwei Tage wurden daraufhin alle inhaftiert. 1968 fuhr er nach Prag zu den Demonstrationen. Dort sang er mit den Protestierenden „We shall overcome“, eines der prägenden Lieder der US-Bürgerbewegung rund um King. Michael Markus Schulz verweigerte als junger Mann den Militärdienst sowie den Dienst als Bausoldat. Ihm drohten zwei Jahre Zuchthaus. Er flüchtete mit seiner Ehefrau über die bulgarisch-türkische Grenze in den Westen, half später auch anderen Menschen zur Flucht. Heute lebt er in Hamburg.

„Martin Luther King war unser großes Vorbild“

Für ihn ist Martin Luther King ein Friedensstifter. „Martin Luther King war unser großes Vorbild“, erzählt er heute. Am 13. September 1964 besuchte er mit seiner Mutter den Gottesdienst in der Marienkirche. Schon zwei Wochen vorher hatte sein Pastor Rolf Dammann offiziell in der Bibelstunde der baptistischen Kirchengemeinde Bethel in Berlin-Friedrichshain, an der auch Schulz’ Mutter teilnahm, den Besuch angekündigt. Am nächsten Tag sagte er zu Michael Markus Schulz und den anderen Kindern im Religionsunterricht: „Haltet euch dieses Wochenende frei.“

2005 gründete Michael Markus Schulz gemeinsam mit Michael Schmitt, Sohn des damaligen Generalsuperintendenten Gerhard Schmitt, das Martin Luther King Memorial Berlin Komitee. Sie wollen das Erbe von Martin Luther King weitergeben und insbesondere an seinen Berlin-Besuch erinnern. Sie informieren darüber auf ihrer Homepage, bieten eine Wanderausstellung an sowie Vorträge. Denn der Besuch in Ost-Berlin und seine Bedeutung sei den wenigsten Menschen überhaupt bekannt, so Schulz. An Orten, die Martin Luther King auf seiner damaligen Berlin-Reise besuchte, initiiert das Martin Luther King Memorial Berlin Komitee Gedenktafeln – so auch an der Sophienkirche.

Aufgrund des großen Andrangs für den Gottesdienst am 13. September 1964 in der Marienkirche kündigt Generalsuperintendent Gerhard Schmitt vor dem Hauptportal der Marienkirche spontan einen zweiten Gottesdienst für 22 Uhr in der Sophienkirche an. Sabine Rackow läuft mit ihren Freunden zu Fuß zur etwa 15 Minuten entfernten Sophienkirche. „Wir waren begeistert, dass Martin Luther King auch nach Sophien kam“, erinnert sie sich heute. Gemeinsam mit mehreren jungen Menschen wartet sie in einer langen Schlange, um in die Kirche zu gelangen. Sie findet Platz auf der Empore; der untere Teil ist komplett überfüllt.

„Seine Worte waren tröstlich. Er hat uns ermuntert und ermutigt, nicht zu resignieren und aufzugeben“, sagt Sabine Rackow heute.

In der Sophienkirche schaut sie direkt auf Martin Luther King, blickt ihm ins Gesicht. Er bekräftigt sie durch seine Worte, entschlossen und mutig ihren Weg weiterzugehen: Sabine Rackow hatte gerade einen Neuanfang hinter sich. Nachdem sie zwei Jahre zuvor acht Monate im Stasi-Untersuchungsgefängnis in Berlin-Pankow und zwei Monate im Frauengefängnis in Berlin-Friedrichshain inhaftiert war, kam sie gerade aus Dresden, wo sie als Laborantin arbeitete, nach Berlin zurück. Trotz einiger Rückschläge hat sie es geschafft, ihren Berufswunsch zu verwirklichen und ihre Diplomarbeit in Chemie abzuschließen.

Mit freundlicher Genehmigung des Sonntagsblattes.

Seiten