Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

Jeder ist ein wenig wie alle

Bei der Jahrestagung der Evangelisch-Freikirchlichen Kindertagesstätten (AGEF KITA) ging es um Vielfalt und wie man dieser Vielfalt wertschätzend begegnen kann. Darüber berichtet Gabriele Löding, BEFG-Referentin für Diakonie und Vorstandsmitglied der AGEF KITA.

„Jeder ist ein wenig wie alle, ein bisschen wie manche, einzigartig wie niemand sonst“ (Quelle unbekannt). Mit diesem Zitat könnte man das Thema der diesjährigen Jahrestagung der Evangelisch-Freikirchlichen Kindertagesstätten am 18.September  zusammenfassen.

Es ging um die Vielfalt der Kinder und Eltern, die unsere Einrichtungen besuchen und wie man dieser Vielfalt so begegnen kann, dass jede und jeder sich wertgeschätzt fühlt. Eigentlich wollten wir unsere Jahrestagung bunt und vielfältig gestalten, live in Elstal und Berlin. Es sollte einen interkulturellen Spaziergang im bunten Stadtbezirk Wedding geben, mit Begegnungen und Falafel-Abendessen und viel Raum zur persönlichen Begegnung.

Doch dieses Programm ließ sich unter den Coronabedingungen nicht durchführen. Da die Lage auch für die Kitas nach den Sommerferien nicht einzuschätzen war, entschied sich der Vorstand, die Jahrestagung eintägig digital durchzuführen.

Den 30 Teilnehmenden wurde zu Beginn erstmal die Möglichkeit zum Austausch in Kleingruppen gegeben, der freudig und rege wahrgenommen wurde.

Mirjam Ekelmann von „Wir gestalten e.V.“ der Baptistenkirche Wedding, die dort für das Patenprogramm zuständig ist und viel mit Menschen anderer Kulturen zusammenarbeitet, hielt das erste Kurzreferat und klärte zunächst einmal den Kulturbegriff. Beim Auflisten der Kulturdimensionen wurden die Unterschiede zum Beispiel im Umgang mit Zeit, Macht und Risiko deutlich. Zudem wurde ersichtlich, dass interkulturelles Lernen heißt, in den Dialog zu treten und Kompromisse sowie gemeinsame Lösungen zu finden.

Ich ergänzte das Thema um den interreligiösen Bereich. Wie geht eine Kita mit der religiösen Vielfalt um, wenn sie eine christliche Kita ist? Sie verdeutlichte, dass es dazu nötig ist, dass die Erzieherinnen und Erzieher zunächst ihre eigenen Einstellungen ihrer Religion und anderen Religionen gegenüber reflektieren. In einer Atmosphäre der Wertschätzung, Offenheit und Toleranz sind dann in der Kita Gespräche und Fragen über verschiedene Aspekte der Religionen möglich.

Andrea Pauly, Einrichtungsleiterin im Familienzentrum in Siegen, ergänzte das Thema durch ihren Beitrag, wie im konkreten Kitaalltag das Thema Interkulturalität zum Tragen kommt. Sie erzählte, dass in ihrem Familienzentrum die verschiedenen Nationen, aus denen die Kinder kommen, schon im Eingangsbereich sichtbar werden, indem die Orte in Deutsch und der jeweiligen Heimatsprache aufgeführt sind und Uhren hängen, an denen die Uhrzeiten in den jeweiligen Ländern abzulesen sind. Es wird in der Einrichtung deutsch gesprochen, doch gibt es auch Bilderbücher in unterschiedlichen Sprachen und Puppen mit unterschiedlicher Hautfarbe. Ein interreligiöser Kalender zeigt die Vielfalt und durch interkulturelle Feste wird die Vielfalt erlebt.

Iman Andrea Reimann vom deutsch-muslimischen Zentrum in Berlin stellte in ihrem Referat das Konzept ihrer interkulturellen Kita vor, die aus einer Elterninitiative entstand. Dabei wurde deutlich, dass sich ihrer Einrichtung die gleiche Frage stellt: Wie geht eine Kita mit der religiösen Vielfalt um, wenn sie eine muslimische Kita ist?

Weiterführend und sehr spannend ist, dass Frau Reimann seit fünf Jahren zusammen mit einer evangelischen und einer jüdischen Kollegin in Berlin das Projekt „Drei Religionen Kita Haus“. Es richtet sich an Familien, denen sowohl die Praxis und Pflege der eigenen Religion, Tradition und Kultur, als auch das friedliche Miteinander und der Austausch mit anderen Religionen wichtig ist. Dabei ist jede Kita eigenständig und es gibt Gemeinschaftsräume für gemeinsame Feste und Begegnungen. Der Bau soll 2022 beantragt werden.

Über die inhaltlichen Impulse hinaus gab es die Mitgliederversammlung und in Kleingruppen immer wieder die Möglichkeit zum Austausch über das Gehörte.

Am Ende stellten die Teilnehmenden fest: Es gab gute Anregungen für die Arbeit, doch die „leibhaftige“ Begegnung und die kleinen Gespräche am Rand fehlten. So hoffen alle, dass wir uns vom 24. bis 26. September 2021 wieder live in Bad Hersfeld zu unserer nächsten Jahrestagung treffen können.

Fortbildung im Anfangsdienst

Die Fortbildung im Anfangsdienst (FiA) in der vergangenen Woche beschäftigte sich mit der Frage, wie die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Gemeinde gestaltet und verändert werden kann.

Vom 14. bis zum 18. September führte die Akademie Elstal wieder eine Fortbildung im Anfangsdienst durch, an der elf Pastorinnen und Pastoren und eine Diakonin teilnahmen. Sie stand unter der Überschrift  „Gemeinde mit Kindern und Jugendlichen gestalten“ und hat sich unter anderem um die Themen „Entwicklung und Leitung von ansprechender Jugendarbeit“ und  „Veränderungen von Gemeinde in Richtung (sozialer) online Medien“ gedreht.

Dank des guten Wetters konnten die morgendlichen Andachten draußen stattfinden. So konnten alle mit gemeinsamem Lobpreis in den Tag starten, was zu Zeiten von COVID-19 nicht selbstverständlich ist.

Jonas Schilke, Jugendpastor in Hannover, präsentierte seine Erfahrungen und Erkenntnisse: Was bedeutet es, eine Jugendarbeit von Null auf zu starten? Wie können ehrenamtliche Mitarbeitende der Generationen Y und Z gewonnen und gefördert werden? Außerdem wurden praktische Wege und Tipps zur Leitung von Jugendarbeit und -events vorgestellt und potenzielle Spannungsfelder behandelt.

Dr. Karsten Kopjar, Social Media-Koordinator der Evangelischen Kirche aus Erfurt, hat über den Umgang der Kirche mit sozialen Medien referiert. Es wurde die gegenwärtige mediale Realität von Kirche im Allgemeinen und auch die von Jugendlichen im Speziellen beleuchtet. Kopjar hat durch mehrere Umfragen unter den Teilnehmenden die Erfahrungen der Gruppe erschlossen und hinterfragt sowie dazu ermutigt, dasselbe auch mit dem Umgang von sozialen Medien in der eigenen Gemeinde zu tun. Besonders bei denen durch COVID-19 größtenteils schlagartig erzwungenen Veränderungen gab es hier konstruktive Tipps zur Etablierung eines hybriden Formates zwischen Online- und Offline-Kirche.

Dr. Anika Loose, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Bochum, hat Theorien und Methoden der Kindertheologie vorgestellt und Beispiele gegeben, wie mit Kindern zusammen theologisiert werden kann. Zusammen mit den Teilnehmenden wurden verschiede Arten der Erzählung von Bibelgeschichten in Verbindung mit der adressierten Altersgruppe ausprobiert. Von Erzählkarten mit Einzelsymbolen, über Plakate mit einzelnen Szenen von Bibelgeschichten, bis hin zu Kinderbibeln mit verschiedenen Schwerpunkten auf Bildern, Erzählungen oder Darstellungen gab es eine Vielzahl von verschiedenen Methoden, bei denen alle Teilnehmenden ihren persönlichen Zugang finden konnten.

Am Freitag wurde die Gruppe von Jason Querner, GJW-Referent für die Arbeit mit Kindern, in die „Kirche kunterbunt“ „entführt“: Der Ablauf dieses kreativen Angebots für Familien wurde beim Basteln, Malen und Miteinanderreden ganz handfest erlebbar. „Die Kirche kunterbunt will ich möglichst bald ausprobieren, damit Familien gerade in dieser Zeit wieder in die Gemeinde kommen können“, sagte ein Teilnehmer.

Abgeschlossen wurde diese Fortbildung im Anfangsdienst mit einem gemeinsamen Gottesdienst, bei dem Oliver Pilnei die Kolleginnen und Kollegen in seiner Predigt ermutigte, an die Grenzen zu gehen und den Menschen Gottes heilsame Liebe nahe zu bringen.

Der lange Weg von Namibia nach Hagen

Jessica Festus ist die erste afrikanisch-stämmige Pastorin im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG). Christel und Ronald Hentschel freuen sich, dass sie in der EFG Hagen, Kirche am Widey, als Pastorin angestellt wurde und berichten.

Es war ein sehr langer Weg für die Gemeinde Hagen und für Theresa Jessica Festus, bis es endlich soweit war und sie unsere Pastorin werden konnte. Viele Hindernisse und Schwierigkeiten lagen auf diesem Weg: langwierige Anträge um Fördergelder, aber auch Vorurteile, Skepsis und Rassismus.

Theresa Jessica Festus stammt aus Namibia, 1996 kam sie nach Deutschland. Sie nahm hier am dreijährigen Pastoralen Integrations- und Ausbildungsprogramm (PIAP) unseres Bundes teil, lebte einige Jahre in Schwerte und besuchte in Bochum die afrikanische MIRS Gemeinde unseres Bundes und kam schließlich nach Hagen.

Schon einige Jahre arbeitet sie ehrenamtlich als ordinierte Pastorin in der Gemeinde Hagen. Nun aber hat sich ihr Status geändert: Seit April ist sie angestellte Pastorin der „Kirche am Widey“ und damit die erste afrikanisch-stämmige Pastorin unseres Bundes. Die „Aktion Mensch“, der Dienstbereich Mission im BEFG und der Landesverband NRW unterstützen ihre Anstellung finanziell.

Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Integration von jugendlichen Migrantinnen und Migranten in Hagen und Umgebung. „Willkommen – Ankommen – Weiterkommen“, so fasst sie selbst ihre Arbeit unter den jungen Menschen zusammen. Sie möchte ihnen helfen, hier eine neue Heimat zu finden und die Kultur der Region und des Landes kennenzulernen.

Schon Anfang April startete sie voll durch – der Festgottesdienst fand coronabedingt allerdings erst am 13. September statt. Und auch jetzt noch schränkt die Pandemie vieles in unseren Gottesdiensten ein. So hätten wir gerne mit vielen Gäste aus afrikanischen Gemeinden in Deutschland und Belgien gemeinsam im Festgottesdienst gesungen. Leider ist das momentan nicht möglich. Aber wir hatten eine Idee: Wer nicht singen kann, der tanzt halt! Mit „Worship Dance“ wurde die gesamte Festgemeinde motiviert und alle merkten schnell, dass Anbetung nicht nur mit Gesang, sondern auch mit anderen Sinnen und Bewegung möglich ist.  

„Lass euch nicht entmutigen von dem, was alles nicht geht. Entdeckt immer wieder neu das, was Gott uns alles möglich macht. Glaube und Christsein ist möglich, auch unter den Einschränkungen einer Pandemie. Nutzt die Gelegenheiten!“, so machte Pastor Thomas Klammt, BEFG-Referent für Integration und Fortbildung, der Gemeinde Mut. In seiner Festpredigt über Zachäus aus Lukas 19 legte er die Geschichte als eine Aneinanderreihung von Mobbing, Unterdrückung und gegenseitigem Blockieren aus, die erst durch das Eingreifen von Jesus beendet werden kann, der sich in die Konfliktlinie begibt. Die Geschichte zeigt: Veränderung ist möglich. Ausbeutung und Hass müssen nicht immer gewinnen. Wenn Jesus kommt, dann passiert etwas. Was passiert, wenn Jesus nach Hagen kommt? Er will Veränderung, Heil und Rettung bringen für die Menschen unserer Stadt. Auch durch uns, seine Nachfolger, wenn wir uns in die Begegnung mit den Menschen wagen.

Zum Abschluss des Gottesdienstes wurde Theresa Jessica Festus unter den Segen Gottes gestellt. Es beteten die Gemeinde-Ältesten und Pastoren für sie, für ihren Dienst und für ihre Familie. Da die Teilnehmerzahl begrenzt war, wurde der Festgottesdienst als Livestream gesendet und kann auch jetzt noch angeschaut werden.

„Unsere Verantwortung in der Corona-Pandemie“

Das Präsidium des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden hat in seiner Sitzung in Elstal ein Geleitwort zur aktuellen Corona-Situation verabschiedet.

Darin fordern die Mitglieder des Präsidiums und der Bundesgeschäftsführung dazu auf, die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung zu unterstützen und Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. Sie zeigen sich dankbar dafür, dass „die lange gewachsene Gemeinschaft in der Gemeinde auch in Krisenzeiten trägt“ und dass die Gemeinden des Bundes mit großer Kreativität auf die Krise reagiert haben. Und sie unterstreichen die Aufgabe der Gemeinde, das Evangelium von Jesus Christus in Wort und Tat zu den Menschen zu bringen.

Das Geleitwort steht auf dieser Seite zum Download bereit.

Das Verhältnis von Christentum und Judentum

Die Überarbeitung der „Rechenschaft vom Glauben“, dem grundlegenden baptistischen Bekenntnistext, ist das Resultat einer Entwicklung, die sich im Schuldbekenntnis 1984 erstmals zeigte. Wie sich für den BEFG das Verhältnis von Juden und Christen geschichtlich entwickelt hat und was das theologisch bedeutet, beschreibt ein Fachbeitrag.

Welche Haltung nimmt der deutschsprachige Baptismus zum Judentum ein? Dieser Frage widmen sich Dr. Carsten Claußen und Dr. Dirk Sager, beide Professoren an der Theologischen Hochschule Elstal des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R. (BEFG), in einem gemeinsamen Beitrag. Er beleuchtet die jüngsten kirchlichen Entscheidungen im Licht der Entwicklungen seit 1945. Nach dem zweiten Weltkrieg, so die Autoren, gab es keine „Theologie nach Auschwitz“ im Deutschen Baptismus. „Eine Aufarbeitung und kritische Infragestellung der Lehre von der Verwerfung Israels … hat in den ersten Jahrzehnten nach 1945 nicht stattgefunden“. Geändert hat sich das erst im Laufe der 70er und 80er Jahre. „Wie baptistische Prediger und Predigerinnen über das Judentum dachten und predigten und was Gemeindeglieder dazu glaubten ist bis heute praktisch unerforscht“, unmissverständlich haben sich erst das Schuldbekenntnis von 1984 und die Handreichung zur Verhältnisbestimmung von Christen und Juden von 1997 gegen traditionelle Spielarten gewendet und jede Ersatztheologie abgelehnt. Die Revision der „Rechenschaft vom Glauben“, beschlossen auf dem Bundesrat des BEFG 2019, hat diese Entwicklung konsequent weiterverfolgt. Der Text wurde im „Fachkreis Christen und Juden“ des BEFG in Zusammenarbeit mit dem Kollegium der Hochschule erarbeitet. Der betreffende Abschnitt in der „RvG“ befasst sich mit der Beziehung zwischen Christen und Israel beziehungsweise zum Judentum. Insbesondere wird jedes Auftreten einer Substitutionstheologie nun deutlich abgelehnt. Die gemeinsamen Wurzeln und die Teilhabe der christlichen Kirche an den zuerst an das Volk Israel ergangenen Verheißungen werden ebenso wie die Bedeutung des Christusgeschehens differenziert gewürdigt. Schließlich machen die Autoren deutlich, dass die theologischen Überlegungen zu diesem Thema nicht abgeschlossen sind, sondern weiter bedacht werden müssen.

Carsten Claußen/Dirk Sager: Das Verhältnis von Christentum und Judentum – Eine Änderung in der „Rechenschaft vom Glauben“ erläutert. Der Aufsatz ist im Theologischen Gespräch 3/2020 erschienen und kann hier erworben werden.

Gebet für Belarus

Die Europäische Baptistische Föderation (EBF) hat zum Gebet für Belarus aufgerufen.

„Betrübt verfolgen wir die Nachrichten aus Belarus, wo infolge politischer Unruhen hunderte Menschen verletzt, zwei getötet und 5.000 verhaftet wurden. Belarus befindet sich mitten in Chaos und Ungewissheit.“ Mit diesen Worten hat Helle Liht von der EBF die Baptistenbünde zum Gebet aufgerufen.

In ihrer E-Mail berichtet Helle Liht davon, dass EBF-Präsident Meego Remmel in Kontakt mit belarusischen baptistischen Leitern ist, die dazu einladen, für das Land und die Menschen zu beten: „Bitte betet für die belarusischen Politiker (1. Timotheus 2,1-2), dass sie Gott respektieren und sich den Bürgerinnen und Bürgern ihres Landes gegenüber verantwortungsvoll verhalten. Betet für ein Ende der Unmenschlichkeit, der Gewalt und des Blutvergießens ebenso wie für alle Opfer und deren Familien. Betet dafür, dass der Herr Menschen vor Hass, Rache und Groll bewahren möge (Römer 12,19). Und betet dafür, dass sich die Menschen durch Jesus Christus Gott zuwenden und ihn mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Verstand lieben, und ihren Nächsten wie sich selbst (Matthäus 22,37-40).“

BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba bittet die Gemeinden des Bundes darum, dem Aufruf der EBF zu folgen, der mit den Worten endet: „Bitte schließt Euch dem Gebet für Frieden und Gerechtigkeit in Belarus in dieser Zeit der Gewalt und der politischen Unruhe an. Und betet besonders auch für das Zeugnis der Baptistinnen und Baptisten und ihres Präsidenten, unseres Bruders Leonid Mikhovich.“

Libanon: BEFG hilft mit weiteren 60.000 US-Dollar

Das Komitee der Katastrophenhilfe des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) hat beschlossen, über German Baptist Aid weitere Hilfsgelder in Höhe von 60.000 US-Dollar (rund 50.000 Euro) in den Libanon zu überweisen.

Mit dem Geld kann die baptistische Partner-Organisation des Bundes, die Lebanese Society for Educational and Social Development (LSESD), mit der German Baptist Aid seit Jahren zusammenarbeitet, 2.000 Hygienekits verteilen, um die Einwohnerinnen und Einwohner Beiruts vor einer Ansteckung mit Covid-19 zu schützen. Hintergrund ist, dass die Zahl der Corona-Fälle im Libanon infolge der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut stark gestiegen ist, wie tagesschau.de am 19. August berichtet hat. Demnach registrierte die Regierung in den letzten sieben Tagen 2.600 Neuinfektionen, während zuvor in den ersten sechs Monaten der Pandemie insgesamt „nur“ 5.000 Fälle aufgetreten waren. Nach der Detonation hätten sich zahlreiche Menschen infiziert, weil viele Verwundete ohne Schutzmaßnahmen transportiert wurden. Zudem seien Corona-Patientinnen und -Patienten verwundet worden und im Chaos mit anderen Personen in Kontakt gekommen, wie es unter Berufung auf das libanesische Gesundheitsministerium heißt.

Wegen der angespannten Situation im Libanon hatte der BEFG bereits kurz vor der Katastrophe Hilfsgelder in Höhe von 40.000 Euro an LSESD überwiesen, die nach der Explosion durch die Katastrophenhilfe um 20.000 Euro erhöht wurden. Auch nach den Hilfspaketen des Bundes und trotz der großen internationalen Solidarität ist der Bedarf nach wie vor sehr groß. In einem gerade veröffentlichten Video auf YouTube stellt LSESD den aktuellen Stand der Hilfsarbeit vor. Mit einer Spende an die Katastrophenhilfe des Bundes ist es weiterhin möglich, Unterstützung zu leisten.

In welchem Maße die Unterstützung Mut macht, wird im Bericht von Elie Haddad (Englisch) deutlich. Der Präsident des Arabischen Baptistischen Theologischen Seminars wirft darin zunächst die Frage auf, wo Gott in all dem Leid sei, um dann zu zeigen, in welchen Zeichen sie Gottes Handeln entdeckt. Sie sehe Gott in den unzähligen Libanesinnen und Libanesen, die in dieser Situation Hilfe leisteten, so Haddad. Sie sehe Gott im Engagement der Kirchen ihres Landes, deren Handeln „einen wundervollen Ausdruck der Liebe Gottes für die Menschen“ darstellten. Und sie sehe Gott in der Unterstützung der Partner aus aller Welt: „Das Ausmaß an Zuwendung, Betroffenheit und Gebet ist bewegend und erbauend.“ Man habe nicht einmal um etwas bitten müssen: „Unaufgefordert geben uns unsere Partner auf großzügige Weise in finanzieller Form Gottes Liebe weiter und statten uns mit dem aus, was wir jetzt brauchen.“

Gemeindehäuser vermieten

Am 19. August fand das erste „Bund im Gespräch“ rund um das Thema Gemeindehäuser und ihre Potentiale statt.

Wie ist es überhaupt zu diesem Treffen gekommen? Das Entwicklungsteam des Bundes wurde vom Präsidium beauftragt, Veränderungen im Bund Schritt für Schritt voranzubringen. Ohne langfristige Planungen wurden so neue Ideen einfach ausprobiert. Eine dieser Ideen war es, Gemeindehäuser als Ressource neu in den Blick zu nehmen.

Gemeindehäuser bieten oft ungenutzte Potentiale. Durch Vermietung können die regelmäßigen Einnahmen der Gemeinde gesteigert werden, und eine Öffnung für Außenstehende kann auch missionarisch wirken. Davon berichteten Dagmar Wend, Bernd Siodlaczek und Charlotta Frings den etwa 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Videokonferenz „Bund im Gespräch“.

„Wir vermieten unsere Räume sowohl an Privatfeiern als auch an kommerzielle Kunden“, berichtete Dagmar Wend von den Baptisten Schöneberg. „Bei uns in der Gemeinde kann es vorkommen, dass Führungskräfte von einem Leitungsseminar neben Müttern und Kindern vom Winterspielplatz oder Obdachlosen beim Essen zusammensitzen. Das ist Leben pur!“ Dagmar Wend ist fasziniert davon, dass Menschen durch die Vermietung zusammenkommen und auch Außenstehende erkennen: „Gemeinde lebt!“

Die EFG Ober-Ramstadt habe mit 70 Mitgliedern als einen Glaubensschritt ein Grundstück gekauft, erzählte Bernd Siodlaczek: „Es war nicht vorauszuahnen, dass jetzt in der Nachbarschaft beispielsweise ein Ärztehaus und eine Parkanlage entstehen.“ Die Gemeinde finanziere 20 Prozent ihres Haushaltes aus der Vermietung.

Auch die Baptistenkirche Wedding vermietet ihre Räume an unterschiedliche, auch religiöse Gruppen. „Wir wollen mitten in der Welt sein und im Kiez ankommen“, beschreibt Charlotta Frings das Anliegen der Gemeinde. „Den Weg der Vermietung gehen wir als Gemeinde gemeinsam. In der Gemeindeversammlung diskutieren wir dann auch schon mal, ob eine Beschneidungsfeier in unseren Räumen stattfinden darf.“ Es gäbe manchmal auch Probleme, wie die Räume beispielsweise hinterlassen werden. Das sei wie in einer Wohngemeinschaft. Es brauche eine Balance zwischen Regeln und Flexibilität. Mittlerweile habe sich herumgesprochen, dass die Gemeinde verschiedene Gruppen willkommen heiße.

„Die Vermietung kann ein Willkommenssignal in die Stadt senden, und wir wollen euch ermutigen, diesen Schritt zu wagen“, so Stefan ter Haseborg, der durch die Konferenz leitete. Er stehe auch für weitere Fragen zu dem Thema zur Verfügung.

Leinen los

Das Seenotrettungsschiff Sea-Watch 4 hat am 15. August den Hafen von Burriana in Spanien verlassen und ist auf dem Weg in die Such- und Rettungszone. Die Sea-Watch 4 ist aktuell das einzige Rettungsschiff, das auf dem Mittelmeer im Einsatz ist und ein gemeinsames Projekt von United4Rescue, Sea-Watch und Ärzte ohne Grenzen. Der BEFG gehört zu den Bündnispartnern.

Der Kauf des Schiffes wurde im Januar 2020 vom Bündnis United4Rescue ermöglicht. Nach den nötigen, durch die Corona-Pandemie erheblich verzögerten Umbauarbeiten, konnte die Sea-Watch 4 nun die Werft im spanischen Burriana verlassen und ist auf dem Weg ins Einsatzgebiet in internationalen Gewässern vor Libyen. Der Einsatz wird von Sea-Watch operativ geleitet und durch Ärzte ohne Grenzen medizinisch unterstützt. Mit der Sea-Watch 4 wird erstmalig eine Mission der zivilen Seenotrettung von einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis getragen: Über 550 Bündnispartner unterstützen United4Rescue aktuell.

„Die Lage vor der libyschen Küste ist nach wie vor dramatisch“, so Michael Schwickart von United4Rescue. „Deshalb sind wir froh, dass unser Schiff endlich auf dem Weg ins Einsatzgebiet ist um Menschen aus Seenot zu retten.“

Seit über sechs Wochen sind keine zivilen Rettungskräfte mehr in der Such- und Rettungszone im Einsatz, fast alle aktiven Seenotrettungsschiffe sind wegen angeblicher Sicherheitsmängel in Italien festgesetzt oder werden mit nicht erfüllbaren Auflagen am Einsatz gehindert. Alleine in diesen sechs Wochen haben die zivilen  Aufklärungsflugzeuge von Sea-Watch im zentralen Mittelmeer über 1.500 Personen in Seenot dokumentiert, mehr als 3.500 Menschen wagten laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) die gefährliche Überfahrt. In vielen dieser Fälle wurden die Menschen durch die sogenannte Libysche Küstenwache völkerrechtswidrig nach Libyen zurückgebracht.

„Seit Wochen werden zivile Schiffe unter absurden Vorwürfen vom Retten abgehalten, während Menschen im Mittelmeer um ihr Leben kämpfen“, sagt Chris Grodotzki, Sprecher von Sea-Watch an Bord der Sea-Watch 4.
„Das Auslaufen der Sea-Watch 4 ist auch eine klare Ansage an die Europäische Union: Wir hören nicht auf zu retten, solange ihr Menschen zur Abschreckung ertrinken lasst!“ ###3_IMAGES### United4Rescue unterstützt als unabhängiger, gemeinnütziger Verein die zivile Seenotrettung auf dem Mittelmeer. Im Januar 2020 ermöglichte United4Rescue den Kauf der Sea-Watch 4 als zusätzliches Rettungsschiff. Darüber hinaus unterstützt United4Rescue auch andere zivile Seenotrettungsorganisationen, damit niemals ein Rettungsschiff aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht auslaufen kann.

Das Bündnis vereint mehr als 550 große und kleine Organisationen, Initiativen, Unternehmen, Vereine und Stiftungen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen. Bündnispartner sind unter anderem auch der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland und die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF).

Hilfe nach Explosion in Beirut

Nach der verheerenden Explosion in Beirut sagen BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba und Joachim Gnep, Leiter von German Baptist Aid, weitere Hilfen zu und bitten um Gebetsunterstützung.

Am Dienstag erschütterten mehrere Explosionen in der Nähe des Hafens die libanesische Hauptstadt Beirut. Die Bilder in den Medien zeugen von unbeschreiblichem Leid. „Uns fehlen die Worte und wir sind zutiefst erschüttert“, schreibt Generalsekretär Christoph Stiba an den libanesischen Baptistenbund (Convention of the Evangelical Baptist Churches in Lebanon) und sichert ihnen Unterstützung zu: „Eure Gebetsanliegen sollen unsere sein. Als BEFG bitten wir unsere Mitglieder für den Libanon zu beten und auch finanziell zu helfen.“

German Baptist Aid unterstützt seit vielen Jahren Projekte der Lebanese Society for Educational and Social Development (LSESD). Unabhängig von der aktuellen Katastrophe wurde in diesen Tagen eine Unterstützung von 40.000 Euro auf den Weg gebracht für Menschen, die durch Hyperinflation, wochenlangem Corona Lockdown, Arbeitslosigkeit und der allgemeinen Krise im Land in Not geraten sind. "Aufgrund der verheerenden Explosion gestern wurde dieser Betrag heute in einer Spontansitzung des Katastrophenhilfekomitees unseres Bundes um weitere 20.000 Euro erhöht“, so Joachim Gnep, Leiter von German Baptist Aid. Er rechnet mit weiteren Hilfsanträgen.

Nabil Costa, der Geschäftsführer von LSESD, hat folgenden Newsletter mit Gebetsanliegen versandt:

Die massive Explosion, die heute am späten Nachmittag den Hafen von Beirut erschütterte, hat einen wichtigen Teil der Stadt in apokalyptische Ruinen verwandelt. Die Explosion war bis nach Zypern zu spüren.

Beirut sieht aus wie ein Kriegsgebiet: Die verheerende Schockwelle zerschmetterte Fenster und Vitrinen; Trümmer und Glas flogen in alle Richtungen. Das erste Filmmaterial zeigt eingestürzte Gebäude und Häuser, während die nationalen Weizensilos ausgeweidet wurden. Krankenhäuser sind nicht in der Lage, die Zahl der Verletzten und Versehrten zu bewältigen und das Rote Kreuz benötigt dringend Blutspenden. Die Zahl der Opfer ist derzeit nicht bekannt, aber die materiellen Schäden liegen in Milliardenhöhe.

Dieses Unglück hätte für ein Land, das am Rande des finanziellen Zusammenbruchs und der sozialen Implosion steht, nicht zu einem schlimmeren Zeitpunkt kommen können, zumal die Zahl der Coronavirus-Fälle in den letzten Tagen gestiegen ist.

Die Ursache der Explosion ist noch unbekannt.

  • Bitte betet für diejenigen, die ihr Zuhause und ihre Angehörigen verloren haben, dass sie Trost und Heilung finden.
  • Bitte betet für die Ärztinnen und Ärzte, Krankenpflegerinnen und -pfleger sowie Sanitäterinnen und Sanitäter, die sich um die Verletzten kümmern.
  • Bitte betet für die Rettungsteams, die versuchen, vermisste Familienmitglieder und Nachbarn zu finden.
  • Bitte betet für die Menschen, die verantwortungsvolle Positionen innehaben, dass sie die katastrophalen menschlichen und wirtschaftlichen Folgen bewältigen.
  • Bitte betet für die Kirche, die die Betroffenen und Gebrochenen tröstet und ihnen dient.
  • Bitte betet für das Volk Gottes, während es den Herrn sucht und demütig zu ihm um Gnade schreit.
  • Bitte betet für das Team von LSESD (Lebanese Society for Educational and Social Development) /MEBO (Middle East Bible Outreach) und insbesondere für die Beirut Baptist School und den Gateway Bookshop, die erhebliche materielle Schäden erlitten haben, sowie für das Personal, das durch die Glassplitter verletzt wurde.

    In Christus verbunden,
    Nabil Costa
    Geschäftsführer von LSESD

Zuhause mitten in Wetter

Seit über 60 Jahren hat die ruhrkirche in Wetter, das im südöstlichen Ruhrgebiet liegt, ihre Wurzeln. Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde feierte ihre Gottesdienste bereits in verschiedenen Gebäuden der Stadt, wuchs jedoch nach und nach aus den genutzten Räumlichkeiten heraus. Inzwischen nehmen etwa 180 Gäste regelmäßig an den Gottesdiensten teil, Tendenz steigend. Da ein passendes Gebäude finden, und das in zentraler Lage? Schwierig! Also wagt sich die Gemeinde an ein besonderes Glaubensprojekt: Einen Neubau.

Schandfleck mit Potenzial

Stadtteil Schöntal. Ich treffe Martin Sinn, den Leiter der Bauplanung, am Baugrundstück der Gemeinde. Es regnet kräftig, daher flüchten wir schnell ins Innere eines alten Eckgebäudes. Die ruhrkirche hat es zusätzlich zu dem angrenzenden Baugelände erworben. Das rote Backsteinhaus wir derzeit saniert, renoviert und auf seine neue Funktion als Kinder- und Jugendhaus vorbereitet. Als Kind der Gemeinde ist Martin Sinn in der ruhrkirche groß geworden, hat sie 24 Jahre lang mitgeleitet und engagiert sich nun besonders im Neubau. Mit ihm bilden Pastor Timo de Buhr und der Leiter der Finanzen eine Steuergruppe für das Projekt. Zusätzlich gibt es Teilprojekte mit eigenen Leitern. „Ohne die wäre die Gesamtaufgabe zu groß. Ich bin sehr dankbar, dass wir Leute in der Gemeinde haben, die bereit sind, an diesen Stellen Verantwortung zu übernehmen und das auch wirklich gut und mit Herz machen. Das ist wichtig, damit das Projekt in der gesamten Gemeinde verankert ist.“, meint Sinn.

Beim Durchwandern der Baustelle gibt mir der freiberufliche Coach Einblick in den Prozess, der zum Neubau geführt hat. Wie kam es überhaupt zu dem Entschluss? Seit klar war, dass die ruhrkirche sich vergrößern möchte, war man auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Führte Gespräche zu konkreten Gebäuden, mit der Stadt, mit dem Bürgermeister, mit der Sparkasse und prüfte die Möglichkeiten. Nahm wieder Abstand und suchte weiter. Die Gemeinde hat die Suche im Gebet stark mitbewegt und war so von Anfang an Teil des Prozesses ­–  der erst einmal auch ins Leere lief und frustrierte. „Übrig blieb schließlich dieses Gelände mit dem ehemaligen OPEL-Autohaus, das insolvent gegangen ist und über Jahre schon brach lag. Kurz bevor es eigentlich versteigert werden sollte, haben wir es dann gekauft.“, erzählt Sinn. Der Platz war bis dato ein Schandfleck für das Stadtgebiet, weshalb die Idee des Gemeinde-Neubaus auch von Seite der Stadt positiv aufgenommen wurde. Nach Kauf des Grundstücks war allerding noch nicht klar, was genau darauf gebaut werden soll. Sicher war nur, dass es die einzige in Wetter freie Fläche ist und die Gemeinde zentral bleiben möchte. Das Grundstück trotzdem zu kaufen, war also ein großer Glaubensschritt. Dann wurde das daran angrenzende Gebäude an der Ecke frei, in dem wir nun stehen. Für den Altbau gab es eigentlich auch schon einen sicheren Käufer, aber der Eigentümer entschied überraschend: „Ich möchte, dass Sie als ruhrkirche das Haus kriegen.“ – das erlebt die Gemeinde bis heute als echtes Wunder.

Ein Gebäude, das dient

Wir sind für das weitere Gespräch mit Pastor Timo de Buhr im aktuellen Gemeindebüro verabredet. Auf dem Weg dorthin zeigt Sinn mir das Gebäude, in dem die ruhrkirche seit Herbst 2017 übergangsweise ihren Gottesdienst feiert: in der Mensa der „Schule am See“. „Dieser Raum ist schön, aber suboptimal, da Nebenräume für Kinderbetreuung fehlen und wir wöchentlich einen hohen Aufwand für den Auf- und Abbau haben.“, erklärt er. Diese Mühen schlauchen die Gemeinde auf Dauer sehr. Umso größer ist die Vorfreude auf das neue Zuhause: Im Sommer 2021 soll es bezugsfertig sein. Gemeinsam mit de Buhr schauen wir kurze Zeit später auf den Grundriss des auf 3000 qm geplanten Gebäudes. Der 37-jährige Familienvater begleitet die ruhrkirche inzwischen schon seit 11 Jahren. „Ich genieße es und bin immer noch gerne hier.“, meint er lächelnd. Deswegen steckt er seine Energie auch gerne in das zukünftige Zuhause der Gemeinde.

Aber was genau wird denn nun eigentlich gebaut? Ein Blick auf die Baupläne zeigt: Hier wird in die Zukunft gedacht. Der neue Gottesdienstraum ist durch teils flexible Wände von 300 regulären auf 400 Plätze erweiterbar. Im geräumigen Foyer werden große Bildschirme aufgehangen, dort können bei Bedarf weitere Besucher den Gottesdienst verfolgen. Durch zusätzliche Baumaßnahmen könnte der Gottesdienstraum in Zukunft außerdem auf 500 Plätze erweitert werden. „Am wichtigsten für uns war die Praktikabilität, dass das Gebäude möglichst multifunktional und zukunftsorientiert ist. Es soll von innen funktionieren und Raum für das haben, was uns wichtig ist und was wir anbieten wollen. Gemeinde ist ja kein Gebäude – ein Gebäude ist etwas, das uns dienen soll, damit Gemeindeleben dort stattfinden kann.“, erklärt de Buhr.

Ganzheitliche Nachhaltigkeit

Auch das Thema Nachhaltigkeit war der Gemeinde für ihr Großprojekt ein wichtiges Anliegen. Das begann eigentlich schon beim Kauf des neuen Gebäudes – sie prüften, ob sie die Altgebäude in das Gemeindeleben einbinden können oder wirklich abreißen müssen. Es wurde viel diskutiert, Wünsche und Ideen immer wieder auf ihre Machbarkeit abgewägt. Das Ziel war aber nie, ein ökologisches Vorzeigeprojekt zu bauen. „Es ist uns wichtig, umweltverträglich zu bauen. Die gesetzlichen Vorgaben geben uns bereits energiesparende Wege vor. Zusätzlich planen wir auf dem Flachdach des Veranstaltungsgebäudes eine Photovoltaik-Anlage und zwei Ladesäulen für E-Autos. Das vormals komplett versiegelte Gelände soll durch Grünanlagen zum Teil wieder renaturiert werden.“, erläutert Sinn. Für den späteren Betrieb ist der Gemeinde Nachhaltigkeit ebenso wichtig. Das bedeutet für sie auch, dass die Räume möglichst oft genutzt werden. Geplant ist ein multifunktionales Gemeindezentrum, dass auch für andere Veranstaltungen im Rahmen der Genehmigung genutzt werden kann. Außerdem ist angedacht, im Foyer des Hauses ein Quartiercafé für die Bewohner des Stadtviertels zu betreiben. „Wir wünschen uns, dass unser neues Gemeindezentrum auch außerhalb der Gottesdienste zu einem Zuhause für Menschen in Wetter wird. Dafür wollen wir innovative und kreative Wege gehen.“, resümiert Martin Sinn. Die Angebote der Gemeinde sollen nicht nur ein kurzes Highlight, sondern beständige Anlaufstelle sein. „Wir wollen kein Feuer, dass nach kurzer Zeit wieder runterbrennt, sondern wünschen uns auch in der Art, wie wir Gemeinde aufstellen und entwickeln, dass es nachhaltig ist.“

Dieser Wunsch reicht bis in die Leitungsstrukturen der Gemeinde hinein. Bereichsleiter sollen eigenverantwortlich und selbstständig entscheiden und arbeiten können. Denn auf diese Weise wächst auch die Identifikation mit der Gemeinde. Gab es Situationen, in denen der Mut für das Projekt auf der Kippe stand? „Ein kritischer Punkt war, als sich herausgestellt hat, dass der zuerst ausgewählte Bauentwurf nicht zu stemmen ist: Die kalkulierten Kosten waren zu hoch. Also wurde eine sogenannte „SOKO Bau“ eingerichtet und alles neu auf den Prüfstand gestellt. Das war für uns ein wichtiger Schritt. Danach sind wir noch mal an den ersten Entwurf dran gegangen und haben geschaut, wo wir Kosten einsparen können.“, erinnert sich Sinn. Das drei-Millionen-Projekt wird nicht über Großspender oder Unternehmer, sondern über die ganze Gemeinde finanziert. Auch dadurch ist es in den Reihen verankert. Finanziell sind der normale Haushalt und die Baukasse streng voneinander getrennt –­­­ der Bau soll nicht zu Lasten der Gemeindearbeit finanziert werden.

Die Zukunft wird groß

Auf die Frage nach einer Vision der Gemeinde, reagiert Timo de Buhr entspannt. „Wir haben da kein festes Bild. Das kann Stress verursachen und Druck machen. Ich denke es sollte flexibel sein. Wir treffen uns regelmäßig mit unseren leitenden Mitarbeitern zum Reflektieren und reden über Ziele, die sich auch immer wieder verändern können. Ich bin zuversichtlich, dass Gemeinde wachsen wird – da, wo wir uns nicht um uns drehen, sondern um Jesus.“ Der Blick in die Zukunft scheint durchweg hoffnungsvoll. „Alle warten darauf, dass es jetzt endlich losgeht. Es ist surreal zu wissen, dass wir in diesem Winter schon in einem geschlossenen Gebäude stehen können. Dann beginnt der Innenausbau und im Frühsommer soll das Ding eröffnet werden. Die Vorfreude und die positive Stimmung wachsen.“, grinst Timo de Buhr. „Es kann losgehen!“, meint auch Martin Sinn.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Gemeinde.Praktisch. Ausgabe 2020.

Tomás Mackey ist neuer BWA-Präsident

Vom 21. bis 23 Juli fand die erste Online-Ratstagung des Baptistischen Weltbunds (BWA) statt. Während dieser Konferenz wurde der Argentinier Tomás Mackey als neuer Präsident eingeführt.

Tomás Mackey ist in diesem Amt Nachfolger von Paul Msiza, der nach fünfjähriger Dienstzeit verabschiedet wurde. „Paul war ein wunderbarer Diener des Herrn“, würdigte BWA-Generalsekretär Elijah Brown den Südafrikaner. „Er war ein Freund, ein Gefährte, ein Vertrauter, ein Verfechter der BWA und ein exzellenter Prediger voll Vertrauen auf Gottes Wort." Er sei unermüdlich in der ganzen Welt herumgereist und habe gute Führungsqualitäten gezeigt. Während seiner Präsidentschaft sind neun Mitgliedsorganisationen zum Weltbund hinzugekommen, wodurch nun insgesamt circa 47 Millionen Baptistinnen und Baptisten der BWA angehören. Paul Msiza habe die BWA auch durch bedeutende Veränderungen geführt, einschließlich der Übergabe des Amts des Generalsekretärs von Neville Callam an Elijah Brown. Zudem musste er sich den Herausforderungen stellen, die durch die globale COVID-19-Pandemie verursacht wurden. In einem Schreiben an den scheidenden Präsidenten würdigte auch der BEFG die enge Verbundenheit und gute Zusammenarbeit mit Msiza. Paul Msiza war mehrfach zu Besuch in Deutschland, zum Beispiel auf der Bundesratstagung im Jahr 2016 in Kassel. Dort sprach er zum Thema „Bunte Gemeinde – Staunen über Christus im Anderen“.

Der neue Präsident Tomás Mackey, Theologieprofessor aus Buenos Aires, bringe sich seit mehr als 30 Jahren aktiv in die Arbeit des Baptistischen Weltbunds ein, hieß es in einer Presseerklärung, zuletzt im Exekutivkomitee sowie als Vorsitzender der Kommission für theologische Ausbildung. Zudem sei Mackey an den theologischen Gesprächen mit dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen beteiligt gewesen. In einem Videostatement nach seiner Einführung sagte Mackey, er habe nun die Möglichkeit seinen Dienst für Gott fortzusetzen und lud ein, sich ebenfalls der BWA anzuschließen: „Ich möchte Euch einladen, dazuzukommen und so gemeinsam den Segen zu erfahren, dem Herrn in der weltweiten Gemeinschaft unserer baptistischen Familie zu dienen.“

Mit dem neuen Präsidenten wurden auch 14 neue Vizepräsidentinnen und -präsidenten für die nächsten fünf Jahre vorgestellt, die die sechs großen Länderregionen der BWA vertreten.

Die ehemalige BEFG-Generalsekretärin, Pastorin Regina Claas, ist nach langjähriger aktiver Mitarbeit aus der Exekutive der BWA ausgeschieden. Aus den Rückmeldungen wurde deutlich, dass sie in dieser Funktion viel für die weltweite Vernetzung des BEFG getan hat und eine respektierte Stimme und Vertreterin Deutschlands in der BWA ist.

Pastor Thomas Klammt, BEFG-Referent für Integration und Fortbildung und Mitglied des Exekutivkomitees des Baptistischen Weltbunds, wurde zum Vorsitzenden des „Award Committee“ ernannt. Dieses Komitee verantwortet die jährliche Verleihung des „BWA Denton and Janice Lotz Human Rights Award“ für Personen, die sich in besonderer Weise für Menschenrechte eingesetzt haben. Zudem wird neuerdings auch ein Preis für innovative Evangelisationsprojekte von Gemeinden verliehen.

In den 14 Komitees der BWA ist der BEFG durch sieben Personen in sechs Komitees vertreten: Erich Geldbach, Uwe Swarat, Martin Rothkegel, Andrea Klimt, Frank Fornaçon, Kieryn Wurts und Thomas Klammt.

BEFG-Präsident Michael Noss und BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba hatten als Delegierte des deutschen Bundes an der Konferenz teilgenommen, BEFG-Referent Thomas Klammt als Mitglied der BWA-Exekutive.

Themenheft „gewagt! mündig leben“ erschienen

„Gewagt! mündig leben“ 2020 lautet der Titel eines neu erschienenen Materialbands zum Start in eine fünfjährige Themenreihe zum 500. Gedenken an den Beginn der Täuferbewegung 1525.

„Gewagt! mündig leben“ 2020 – ein attraktiver Materialband liegt vor und ist gegen eine Spende lieferbar: Er enthält unter anderem Entwürfe für Gottesdienste und Bibelstunden, Gemeindeabende, Jugendstunden und Unterricht, dazu vielfältige Hintergrundtexte verschiedener Autorinnen und Autoren zu den Themen Taufe, Freiwilligkeit und Religionsfreiheit.

Die Täufer – heute vielfach vergessen – lebten in ihrer Zeit gewagte Alternativen in ihrer Frömmigkeit und persönlichen Nachfolge, in ihrer Ethik und im Gemeindeaufbau sowie in ihrem politischen Verhalten. An diese Wurzeln unserer Geschichte zu erinnern, und gleichzeitig die verblüffende Aktualität für uns heute aufzuzeigen, hat sich der Verein „500 Jahre Täuferbewegung 2025 e.V.“ zur Aufgabe gemacht. Neben Mitgliedern aus Baptisten- und Mennonitengemeinden arbeiten Vertreterinnen und Vertreter aus der Ökumene an der Gestaltung der Themenreihe mit.

Das jetzt veröffentlichte erste Themenheft „gewagt! mündig leben“ 2020 greift die Forderung nach Religions- und Gewissensfreiheit auf. Sie wird darin sowohl in der mündigen Entscheidung des Einzelnen für die Taufe herausgestellt, als auch im verantwortlichen politischen Engagement heute.

Neben Grundsatzartikeln bieten vor allem persönliche Statements aus verschiedenen Konfessionen interessante Einblicke. Weiterhin finden sich historische Biografien, praktische Beispiele zur Täufer-Spurensuche heute sowie wichtige Literaturtipps.

Dieses 120-seitige Themenheft bietet Anregungen für Predigten und Gemeindekreise. Es eignet sich besonders auch für Begegnungen auf Allianz- und Ökumeneebene vor Ort. Die präzise Kürze der zahlreichen Einzelbeiträge, eine übersichtliche Gestaltung und ein einladendes Layout lassen es zu einer echten Fundgrube werden.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wünscht in seinem Grußwort, dass die Botschaft dieses Bandes von möglichst vielen Menschen gehört wird. Die Herausgeber schließen sich dem an.

Das Themenheft 2020 ist gegen eine Schutzgebühr von zwei Euro plus Versandkosten bestellbar:
- in der Mennonitischen Forschungsstelle, Am Hollerbrunnen 2a, 67295 Bolanden-Weierhof, mennoforsch@t-online.de, Tel. 06352 700519

- im ACK-Shop: shop.oekumene-ack.de (auch als E-Book erhältlich).

Die Arbeit des Vereins geschieht im Wesentlichen ehrenamtlich und wird durch Spenden finanziert. Das Projekt ist auf finanzielle Unterstützung angewiesen, der Verein ist dankbar für jede Hilfe:
Konto: 500 Jahre Täuferbewegung 2025 e.V., IBAN: DE18 5009 2100 0001 7351 01.

Mit Gott und den Menschen verbunden

Klaus Fuhrmann ist am 21. Juli im Alter von 88 Jahren verstorben. Seine „zweifache Verbundenheit – mit Gott und mit den Menschen – haben sein Leben und sein Handeln geprägt“, schreiben BEFG-Präsident Michael Noss und Generalsekretär Christoph Stiba in einem Nachruf des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG). Klaus Fuhrmann war 19 Jahre Direktor am Theologischen Seminar des BEFG in der DDR in Buckow (Märkische Schweiz) und Dozent für Praktische Theologie in Buckow und Hamburg.

Klaus Fuhrmann studierte von 1953 bis 1956 Theologie am Theologischen Seminar in Hamburg. Von 1956 bis 1960 war er Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Luckenwalde. Es folgte sein Dienst als Jugendpastor des BEFG in der DDR. 1965 wurde er als Dozent für Praktische Theologie an das Theologische Seminar in Buckow berufen.

Auf Klaus Fuhrmann ist es zurückzuführen, so heißt es in dem Nachruf, „dass den angehenden Pastoren am Seminar Sprecherziehungsunterricht zuteilwurde.“ Er sei gleichermaßen ein vorrausschauender Organisator gewesen wie ein warmherziger und sensibler Pastor und Seelsorger, würdigen Michael Noss und Christoph Stiba den Verstorbenen.

1970 wurde Klaus Fuhrmann Direktor des Theologischen Seminars in Buckow und hatte dieses Amt bis 1989 inne. In diese Zeit fiel auch der Kauf eines neuen Gebäudes, in das das Seminar nach einem gründlichen Umbau umziehen sollte. Seit 1959 war das Seminar in einem Haus untergebracht, das sich Studierende und Dozenten mit der dort lebenden Diakonissen-Schwesternschaft teilen mussten. „Die Liebe zum Detail und seine Begabung zu strukturiertem Denken“, so Noss und Stiba, „waren ihm hier beim ‚Herzstück‘ seiner Dienstzeit von großem Nutzen: der Umbau des ‚Haus Rehoboth‘ zum neuen Seminargebäude“. Nach siebenjähriger Bauzeit konnte das neue Haus fünf Jahre genutzt werden. Denn in Folge der Wiedervereinigung wurde der Studienbetrieb 1991 nach Hamburg verlegt, wo Klaus Fuhrmann noch vier Jahre als Dozent für Praktische Theologie unterrichtete. Im Zusammenhang mit dem für ihn überraschenden Ende seines Dienstes habe es auch „Verletzungen bei Entscheidungen gegeben, mit denen er noch lange gehadert hat“, heißt es in dem Nachruf.

Christoph Stiba und Michael Noss schreiben: „Wir sind Gott dankbar für unseren Bruder Klaus Fuhrmann, für ihn als Menschen und für sein Wirken als Lehrer in unserer Bundesgemeinschaft, das in so vielen Leben und Berufungen Spuren hinterlassen hat!“

Die Trauerfeier ist am Dienstag, dem 4. August 2020, um 13.00 Uhr auf dem Evangelischen Friedhof Friedrichshagen, Peter-Hille-Str. 84, 12587 Berlin. Aufgrund der geltenden Hygienevorschriften ist nur 30 Personen der Aufenthalt in der Friedhofskapelle gestattet. Die Trauerfeier wird nach draußen übertragen.

Videobeiträge der Akademie Elstal online

Veranstaltungen der Akademie Elstal gibt es nicht nur in Elstal oder vor Ort in den Gemeinden, sondern auch online. Zum Beispiel „Akademie im Gespräch online“, ein Format, das wir in der Coronakrise entwickelt haben und das sich großen Zuspruchs erfreut. Mitschnitte der Beiträge von „Akademie im Gespräch online“ könnt Ihr jetzt auf unserer Internetseite anschauen. Dort findet Ihr auch die Vorträge der Referentin und der Referenten des Seminars für farsisprachige Mitarbeitende. Und bald werden noch weitere Videomitschnitte hinzukommen. Schaut also gerne öfter mal vorbei!

Neues Corporate Design des Bundes

Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) hat ein neues Corporate Design. Ein neues Baptistenlogo bildet zusammen mit dem bereits bestehenden Logo des ChristusForums Deutschland das neue Erscheinungsbild des Gemeindebundes. Beide Konfessionsgruppen werden so auf den ersten Blick sichtbar. Bitte besuchen Sie unsere Themenseite zum neuen Design.

Alle Baptistengemeinden und Landesverbände können ab sofort ihr individuelles Baptistenlogo beim Bund bestellen. Auf Wunsch erhalten sie zudem Druckvorlagen für Briefpapier und Visitenkarten.

Auf der Themenseite befg.de/neues-design wird das neue Design in einem Video vorgestellt. Dort ist auch zu lesen, warum der Bund ein neues Design hat entwickeln lassen, was dabei wichtig war und wofür das neue Baptistenlogo steht. Zudem finden sich auf der Seite Gestaltungsgrundlagen in zwei Corporate Design Manuals.

Und natürlich gibt es auf der Themenseite Informationen, wie Gemeinden und Landesverbände das neue Baptistenlogo und Druckvorlagen bestellen können. „Wenngleich das alte Logo weiterhin verwendet werden darf, freuen wir uns über jede Gemeinde, die von dem Angebot Gebrauch macht und das neue Logo nutzt“, so der Leiter der BEFG-Kommunikation, Dr. Michael Gruber. „Wenn viele das tun, dann erhöht das die Wiedererkennbarkeit unserer Gemeinden, unserer Bundesgemeinschaft.“ Ein Umstieg sei jederzeit möglich: „Ihr könnt das so planen, wie es für Euch gut passt.“ Gemeinden und Landesverbände, die den Service des AK Internet im Landesverband NRW nutzen, können ihre Internetseite demnächst komfortabel auf das neue Design umstellen. Der Arbeitskreis hat dafür ein Konzept entwickelt, das zeitnah an den Start geht.

Eine Änderung gibt es auch bei den Internetadressen. Die Hauptseite des Bundes mit den bekannten Inhalten ist – im neuen Look – ab sofort unter befg.de erreichbar. Unter baptisten.de geht es – passend zum Namen – nun um die Baptisten. Doch auch dort sind alle Bundesinhalte weiterhin über das Hauptmenü zu erreichen.

Fördermittel: Überzeugendes Konzept und regionaler Bezug sind wichtig

Um diakonische Gemeindeaktivitäten zu ermöglichen oder zu unterstützen, können Fördermittel privater und öffentlicher Geldgeber helfen. Über die Frage, was bei der Beantragung zu beachten ist, informierte das erste digitale Forum Fördermittel, das mit über 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus verschiedenen Gemeinden großen Zuspruch fand.

Für das Einwerben von Fördermitteln sei ein überzeugendes Konzept notwendig, das zu den Zielen der Förderinstitution passt, erklärte Almut Siodlaczek, Diakonin und BEFG-Diakoniebeauftragte für Hessen. Sie sagte: „Die Suche nach Förderern beginnt vor der Haustür, da 80 Prozent der Mittel regional vergeben werden.“

Auch Frank Fornaçon, Pastor der EFG Kassel-West, betonte die Bedeutung des regionalen Bezugs. Der Blick der Gemeinde müsse sich für ihr Umfeld und ihre Nachbarschaft öffnen, sagte er. In der EFG Kassel-West hätten sie damit gute Erfahrungen gemacht: „Die Vertreter der Stadt dankten unserer Gemeinde für das soziale Engagement.“ Er betonte, dass ohne die Unterstützung Einzelner, den Rückhalt der Gemeinde und öffentliche Fördergeber die Gemeinde nicht ein täglicher Treffpunkt so vieler Menschen sein könnte.

„Gefördert wird nicht die laufende Arbeit, sondern Projekte“, sagte Silke Tosch Pastorin und leitende Redakteurin der Zeitschrift „Die Gemeinde“ in einem Kurzreferat. Sie erläuterte, welche Kriterien zu einem Projekt gehören, wie zum Beispiel zeitliche Begrenzung, Innovation und Nachhaltigkeit.

Daria Kraft, Pastorin und Referentin in der Fachstelle für Integration und Geflüchtete des Diakoniewerks der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in Baden-Württemberg, stellte ein von ihr durchgeführtes Projekt vor: ein Erlebniswochenende mit geflüchteten und deutschen Jugendlichen. Dieses habe sie mit der Förderung von „Aktion Mensch“ durchführen können. Auch weitere geförderte Projekte wurden vorgestellt, zum Bespiel ein generationsübergreifendes Chorprojekt und „Talentkids“, ein Projekt, bei dem Kinder mit und ohne Fluchterfahrung ein eigenes Rap-Musikvideo produzierten.

Wie eine Personalförderung durch das Jobcenter aussehen könnte, erläuterte Wilfried Roskamp von der Freien evangelischen Gemeinde Ronsdorf, der im Jobcenter arbeitet. „Visionäre brauchen (k)einen Arzt, sie brauchen Fördermittel und ein gutes Konzept“, so Roskamp. Er zeigte auf, wie Langzeit-Arbeitslose, die durch Ein-Euro-Jobs auf die Arbeit vorbereitet werden, dabei helfen können.

An die Referate schlossen sich parallele Gesprächs- und Austauschrunden an, in denen Fragen gestellt und die Themen vertieft werden konnten. Zum Schluss wurden die Teilnehmenden noch einmal motiviert, mutige Schritte zu gehen, sich zu vernetzen und für ihren Ort einzusetzen und Förderern die Möglichkeit zu geben, das Gute was sie tun, zu unterstützen.

Die Rückmeldungen der Teilnehmenden waren sehr positiv, sodass eine thematische Weiterführung geplant ist.

„Reich Gottes, Kirche, Gemeinde“

Zum ersten Mal bot die Akademie Elstal ein Seminar für farsisprachige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen als Videokonferenz an. Dadurch war es möglich, dass 75 iranische Christen und Christinnen aus ganz Deutschland daran teilnehmen konnten. Vier thematische Vorträge mit jeweils anschließender Diskussion füllten den Seminartag. Thomas Klammt war einer der Referenten und berichtet hier von der Veranstaltung. Omid Homayouni hat den Bericht übersetzt.

Bei dem Seminar am 13. Juni stand das Thema „Reich Gottes, Kirche, Gemeinde“ auf dem Programm. Zohreh Niazi Vahdati aus Dortmund zeichnete ein biblisches Bild von Gemeinde, in der die Einheit des Geistes und die Verschiedenheit der Menschen gelebt wird. Zum eigenen Nachdenken regte sie mit der Frage an: „Was ist mein Platz in der Gemeinde?“ „Das Thema Gemeinde ist ein wichtiges Thema“, sagte Azadeh Taghipour, die aus Hannover an der Videokonferenz teilgenommen hatte, „Für viele Neugläubige ist das nicht klar, was ‚Gemeinde‘ oder ‚Körper Christi‘ ist. Zohreh hat die wichtigen Punkte dazu erwähnt.“

In einem Beitrag von Amir Paryari wurde deutlich, dass Gottes Plan die Erneuerung der gesamten Schöpfung ist. In der Kirche wird etwas davon sichtbar und wir beten weiter: „Dein Reich komme!“

Bei meiner Einführung in die Entstehungsgeschichte und Merkmale der Kirchen habe ich zunächst die Unterschiede zwischen den orthodoxen, katholischen und evangelischen Kirchen aufgezeigt und auch die Besonderheiten der pfingstlerischen Bewegung und der Freikirchen erklärt.

Omid Homayouni legte seinen Schwerpunkt auf die besonderen Kennzeichen von Baptistengemeinden. Besonderes Interesse fanden seine Erklärungen, wie sich alle Mitglieder am Gemeindeleben beteiligen können und wie die Leitung der Gemeinde verstanden wird.
 
Julius Avdisho aus Karlsruhe zog ein positives Fazit: „Die Themen des Unterrichts waren sehr gut gewählt, und die angesehenen Prediger drückten es mit Genauigkeit und auf einfache Weise in unserer Muttersprache aus.“ Und auch Mohsen Kornelsen aus Hurlach sagte rückblickend: „Das Seminar hat meinen Horizont erweitert hinsichtlich der Bedeutung von Gemeinde. Jedes Bindeglied hat seine Aufgaben und Gaben zum Wohl der Gemeinde. Ich fand die Referate erfrischend und bereichernd. Die Zeit für den Austausch in Kleingruppen, hätte gerne etwas länger sein können.“

Als Akademie Elstal und im Leitungskreis der deutsch-persischen Gemeindeentwicklung sind wir sehr dankbar über die guten Erfahrungen mit Seminaren für Farsisprachige. In Zukunft wollen wir abwechselnd Wochenendseminare in Elstal und Online-Seminare anbieten, um den großen Bedarf an Schulung in der Muttersprache abzudecken. Vom 28. bis 30. August geht es um die Frage, wie wir die Bibel verstehen und auslegen können. Da wir bei diesem Präsenzseminar in Elstal voraussichtlich nur 20 Plätze anbieten können, bitten wir um baldige Anmeldung.

 

Seelsorge in Coronazeiten

Wir befinden uns in einer gesellschaftlichen Ausnahmesituation. Gerade jetzt ist seelsorgerliche Begleitung und Ermutigung für viele Menschen wichtig. Doch die staatlich angeordnete soziale Distanz macht nicht nur viele Menschen einsam, sie erschwert auch die seelsorgerliche Begegnung. Denn Treffen im „realen Leben“ sind meist nicht mehr ohne weiteres möglich. Auf dieser Seite gibt es Hinweise, unter welchen Bedingungen und auf welche Weise trotz der Kontaktbeschränkungen Seelsorgetreffen möglich sind. Darüber hinaus lädt Jens Mankel, BEFG-Referent für Seelsorge und Beratung, zum Austausch über neue Wege in der Seelsorge ein.

Begegnung auf Augenhöhe

34 Gemeinden mit interkulturellem Profil findet man auf der neuen „Landkarte der Ermutigung“ des ökumenischen Netzwerks „Gemeinde auf Augenhöhe“. Sieben Gemeinden davon sind aus dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Thomas Klammt, BEFG-Referent für Integration und Fortbildung und Teil des überkonfessionellen Netzwerks, ist der Meinung, dass „die Beispiele aus unserem Bund und anderen Kirchen zeigen: Gemeinschaft von Christen aus aller Welt ist nicht nur ein Traum, sondern Realität an vielen Orten. Wir sind nicht allein auf diesem Weg, und es tut gut, die Erfahrungen, Hoffnungen und Sorgen miteinander zu teilen.“

Mit der neuen Online-Karte bietet „Gemeinde auf Augenhöhe“ einen Überblick über Kirchengemeinden, in denen Einheimische und Zugewanderte gleichberechtigt miteinander arbeiten. „Wir wollen den Gemeinden Mut machen, sich interkulturell zu öffnen“, sagt Oberkirchenrat Bendix Balke, der die Erstellung der Karte koordiniert.

In Deutschland leben vor allem in Ballungsräumen zunehmend mehr Christinnen und Christen aus unterschiedlichsten Ländern. In ihren Gemeinden und im Gottesdienst sprechen sie ihre eigene Sprache. „Internationale Gemeinden“ nennt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sie, den Begriff „fremd“ bewusst vermeidend.

Zum Startzeitpunkt am 23. Juni waren auf der Karte bereits 33 interkulturelle Kirchengemeinden verzeichnet, die Einheimische und Zugewanderte auf allen Ebenen von Leitung und Mitarbeit beteiligen. Diese Gemeinden seien Beispiele gelingender Praxis, so Balke. „Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Gemeinden, die sich internationalisiert haben.“ Sie hätten mit neuen Angeboten auf die große Zahl Geflüchteter der Jahre 2015 und 2016 reagiert. Über diakonische Hilfe und Austausch seien Flüchtlinge zur Gemeindearbeit gekommen.

Vor allem unter den evangelischen Landeskirchen seien solche Gemeinden zu finden, aber auch unter Freikirchen, gelegentlich auch unter katholischen und orthodoxen Gemeinden. „Neben einheimischen Gemeinden gibt es jedoch auch Gemeinden von Migranten, in denen Deutsche auf allen Ebenen mitwirken“, sagt Balke.

Ein Beispiel auf der „Landkarte der Ermutigung“ ist das International Gospel Center in Hannover. In der Selbstdarstellung der Gemeinde heißt es: „Wir legen Wert auf eine Atmosphäre der Wertschätzung, der Annahme und des Respekts. Wir glauben, dass jeder Mensch einzigartig, wertvoll und von Gott geliebt ist.“ Alle Veranstaltungen finden auf Deutsch und Englisch statt.

Bendix Balke hofft, dass weitere Gemeinden den Weg zum gleichberechtigten Miteinander wagen. Der Oberkirchenrat ist auf einer Projektstelle zur Gemeinschaft von Landeskirchen und Internationalen Gemeinden im Kirchenamt der EKD tätig. Das ökumenische Netzwerk „Gemeinde auf Augenhöhe“ ist ein breiter Zusammenschluss von evangelischen Kirchen, Missionswerke, freien Werken und Projekten.

An der Umsetzung der Karte sind die Evangelische Kirche in Deutschland, die Hanns-Lilje-Stiftung und die Universität Osnabrück beteiligt.

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