Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

„Demenz – Leben mit Honig im Kopf“

„Demenz – Leben mit Honig im Kopf“ lautete das Thema des Impulstags Diakonie, zu dem der BEFG und das Diakoniewerk Kirchröder Turm am 20. Oktober gemeinsam eingeladen hatten.

„Der Umgang mit der steigenden Zahl an Demenzkranken ist eine ethische Frage an unser Werteverständnis und Menschenbild und mit den Zukunftsfragen unserer Gesellschaft vernetzt“, lautete die Ausgangsthese zu diesem Tag. Die 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschäftigten sich schwerpunktmäßig mit den Fragen: „Wie können positive Perspektiven aussehen?“ und „Welche Auswirkungen hat der Einsatz von Musik bei Menschen mit Demenz?“

Gabriele Löding, BEFG-Referentin für Diakonie, hielt das Impulsreferat zum Umgang mit demenziell erkrankten Menschen. Dabei hob sie hervor, wie wichtig Gewohnheiten und die Einbeziehung aller Sinne und der Gefühle sowohl für die an Demenz Erkrankten als auch für die sie Pflegenden seien.

Johanne Dziewas, Studentin der Musikwissenschaften, erläuterte, dass Musik sowohl der Demenz vorbeugt, als auch in der Demenz Emotionen, Erinnerungen und Aktivitäten fördern kann.

In drei Workshops am Nachmittag näherten sich die Teilnehmenden, die sowohl Angehörige von an Demenz Erkrankten als auch Interessierte und Betroffene waren, dem Thema auf unterschiedliche Weise: Die Leiterin des Ambulanten Hospizdienstes im Diakoniewerk Kirchröder Turm Sabine Schmidt tauschte sich mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur „Basalen Stimulation“ aus, bei der es darum geht, Menschen durch Berührung, Stimulation und Sinnesanregungen zu fördern und zu aktivieren. „Ich hatte noch nie etwas von basaler Stimulation gehört“, sagte eine Teilnehmerin. „Nach dem Workshop bin ich begeistert, dass ich dadurch eine neue Möglichkeit gefunden habe, mit meiner an Demenz erkrankten Oma zu kommunizieren. Durch die Berührung bin ich ihr nah, und sie spürt es. Das finde ich toll!“

Monika Glaßer, Therapeutin in der Beratungsstelle für Lebens- und Beziehungsfragen im Diakoniewerk Kirchröder Turm, bot einen Workshop zum Thema „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten … Kommunikation bei Demenz“ an. Johanne Dziewas gab in ihrem Workshop „Anregungen für den Einsatz von Musik an Demenzerkrankten“ und erhielt gute Rückmeldungen: „Ich arbeite in einer Seniorenresidenz. Die Anregungen, die wir für den Einsatz von Musik bei demenziell Erkrankten bekommen haben, fand ich persönlich super! Ich bin sehr motiviert, Musik nun viel stärker in die Arbeit zu integrieren.“

Auch insgesamt kam die Veranstaltung gut an. So zog eine ältere Teilnehmerin am Ende des Tages ein positives Fazit: „Seit Jahren pflege ich meinen demenziell erkrankten Mann. Dieser Tag hat mir so gut getan, weil ich hier offen von meinen Erfahrungen und Herausforderungen sprechen konnte.“

Weitere Impulstage Diakonie sind vom Dienstbereich Mission für 2019 in unterschiedlichen Regionen geplant.

Liebet einander

 „Love one another“ (Liebet einander) – das war das Thema der Europäischen Baptistischen Frauenkonferenz, die vom 20. bis 23. September in Lviv (Lemberg) in der Ukraine stattfand. Gisela Bullermann nahm als Abgeordnete des Forums Frauen im BEFG an dieser Konferenz teil. Einen Bericht über ihre Eindrücke können Sie hier lesen.

Die Konferenz des Europäischen Baptistischen Frauenbundes (EBWU) findet alle fünf Jahre immer in einem anderen europäischen Land statt. Zu den 85 Teilnehmenden in diesem Jahr gehörten 80 Frauen aus 30 Ländern und fünf Männer, die als Begleitung mitgekommen waren. Besonders hoch war der Anteil der Frauen aus den osteuropäischen Ländern und ehemaligen Sowjetrepubliken wie Moldawien, Weißrussland, Russland, Aserbaidschan und Usbekistan. Es waren sogar zwei Amerikanerinnen aus Illinois angereist. Die Skandinavierinnen waren mit zwölf  Frauen auch gut vertreten. Das kleine Land Libanon schickte fünf Frauen zur Konferenz. Der Libanon hat eine Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen. Es fehlt an Vielem. Der Kontakt zu den europäischen Frauen ist für die libanesischen Frauen sehr wichtig. Die baptistischen Frauen engagieren sich in der Flüchtlingsarbeit und helfen, wo sie können.

Zum Eröffnungsabend begrüßte die bisherige Präsidentin der EBWU, Aniko Ujvari, alle Gäste und dankte den Gastgeberinnen, den ukrainischen Frauen, für die Einladung. Zur Vorstellung hatte Wies Dijkstra, bisherige Vizepräsidentin der EBWU, sich etwas Originelles ausgedacht. Sie stellte jeweils eine Abgeordnete in der alphabetischen Reihenfolge der entsendenden Länder vor. Sie zeigte zunächst ein gemaltes Frauenporträt aus dem entsprechenden Land. Danach kam die Abgeordnete nach vorne, steckte ihren Kopf in einen großen Bilderrahmen und wurde fotografiert. Dazu sagte sie ihren Namen und  den Satz: „I am God‘s masterpiece“ – „Ich bin Gottes Meisterstück“. Das war ein guter Auftakt und eine großartige Ermutigung für alle Frauen.

Im Anschluss daran stellten einige Frauen noch ein anderes Meisterstück nach: das berühmte Gemälde „Die Nachtwache“ von Rembrandt. Dazu schlüpften die Darstellerinnen in unbequeme mittelalterliche Männerkleidung mit hohen Stulpenstiefeln, bekamen Schwerter und Degen und mussten genau die Stellung einnehmen, die die Personen auf dem Bild innehaben. Es war zwar anstrengend, so lange in einer bestimmten Haltung still zu stehen, doch die Mühe hatte sich gelohnt, es war ein großer Erfolg. ###3_IMAGES### Am Freitag hielt Ksenija Magda aus Kroatien, die Präsidentin des Baptistischen Weltbunds der Frauen, eine Bibelarbeit zu dem Text aus Johannes 15,1-17, der in Kleingruppen vertieft wurde. Nachmittags gab es Workshops zu verschiedenen Themen. Im Plenum wurde aus der Arbeit unterschiedlicher Länder berichtet. Besonders Frauen aus Osteuropa unterstützen und fördern sehr aktiv Frauen in ihren Gemeinden, damit diese sich ihren Fähigkeiten entsprechend einbringen können. Rev. Dr. Lauran Bethell aus Kalifornien, jetzt in den Niederlanden lebend, berichtete von der Arbeit des Anti-Trafficking-Netzwerkes, das sich gegen Menschenhandel einsetzt. Auch hier sind es überwiegend Frauen, die anderen Frauen versuchen zu helfen, welche mit Versprechungen eines guten Jobs nach Westeuropa gelockt werden und dann in der Prostitution landen oder auch als moderne Haushaltssklavinnen ausgebeutet werden. ###3_IMAGES### Am Samstag feierte die EBWU ihren 70. Geburtstag mit einer großen Torte. Vorbereitet wurde der Zusammenschluss der baptistischen Frauen bereits 1947 als sich der Baptistische Weltbund (BWA) in Kopenhagen traf. Viele Frauen kamen zu diesem Treffen und Mrs. George Martin lud sie ein, sich von ihren Plätzen zu erheben und laut den Bibelvers aus Johannes 3,16 in ihrer Muttersprache aufzusagen: „Denn Gott hat der Welt seine Liebe dadurch gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat und nicht verloren geht.“ Spannungen untereinander und Bitterkeit, verursacht durch die harte Zeit des Zweiten Weltkrieges, sollten endgültig beendet sein. 1948 traf sich die BWA in London und 19 Frauen, Europäerinnen und Amerikanerinnen, setzten die Idee einer schwesterlich geprägten, europäischen Mitgliedschaft in die Tat um. Somit ist der Europäische Baptistische Frauenbund ein Jahr älter als die Europäische Baptistische Föderation (EBF), deren Ratstagung im Anschluss an die Konferenz der Frauen in Lviv stattfand. Das Ziel der Baptistinnen war von Anfang an eine engere Gemeinschaft und eine größere Zusammenarbeit getragen vom tiefen Wunsch, das Leben der anderen und ihre alltäglichen Schwierigkeiten, mit denen sie leben, besser zu verstehen. Sie regten an, ein fünfköpfiges Komitee zu gründen. Ebenso trafen die Frauen die Entscheidung, in regelmäßigen Abständen ein bestimmtes Thema mit Fragen in einem Rundschreiben zu veröffentlichen, einen Gebetstag einzuführen und sich ein Projekt zu Weihnachten zu überlegen. Besonders der Gebetstag im November war den Frauen ein wichtiges Anliegen, wenn sie gemeinsam füreinander und für die Anliegen der Welt beten. Niemals kann Nachfolge tiefer, reicher und kraftvoller sein, als wenn Herz und Seele zusammen vor Gott treten, so war ihre Aussage. Mehr als ein halbes Jahrhundert später durften 80 Frauen in Lviv den 70. Geburtstag feiern und dabei dankbar an die Schwestern von damals mit ihrem Mut, ihrer Tatkraft und ihrer Entschlossenheit denken. ###3_IMAGES### In diesem Jahr schieden alle fünf Frauen aus dem Leitungskomitee gleichzeitig aus, so dass dieses komplett neu gewählt werden musste. Ein wichtiger Grundsatz bei der Kandidatinnenfindung war es, ein gutes Gleichgewicht von Vertreterinnen aus West- und Osteuropa zu haben. Fabienne Seguin aus Frankreich wurde zur neuen Präsidentin der EBWU gewählt. Vizepräsidentin ist Ruth Madarova aus der Slowakei. Alexandra Anderson aus Wales ist neue Sekretärin der EBWU und Ligita Bodniece aus Lettland neue Schatzmeisterin. Als weitere Mitglieder gehören Siham Daoud aus dem Libanon und Cristina Pokidkoaus Moldawien dem Leitungsgremium an. ###3_IMAGES### Die finanzielle Lage der EBWU hat sich, so wurde es während der Konferenz deutlich, dramatisch verschlechtert. Das ehemalige Frauenwerk im BEFG hatte durch seine vielen Gruppen regelmäßig hohe Beiträge gespendet. So konnte die Arbeit weitergeführt und die Frauen durch Projekte unterstützt werden. Sie wurden in den Zusammenkünften ermutigt und in ihrer geistlichen Entwicklung gestärkt. Ein großer Teil der Spenden kam durch den Baptistischen Weltgebetstag zusammen, der jedes Jahr im November gefeiert wird. Durch den Wegfall vieler Frauengruppen in Deutschland sind die Spenden rapide zurückgegangen. Frauengruppen in Deutschland, die sich mit anderen europäischen Frauengruppen vernetzen wollen, können einfach per E-Mail Kontakt aufnehmen und Verbindung halten. Im jährlich erscheinenden Magazin „News & Views“, das auch kostenlos auf der Internetseite der EBWU heruntergeladen werden kann, gibt es interessante Berichte aus ganz Europa nachzulesen. Und mit der Member-Fee, einer Art Mitgliedsbeitrag, kann die wichtige, solidarische Arbeit der EBWU unterstützt und gefördert werden.

Wenn Geschäftsführer den Lobpreis leiten…

Vom 12. bis zum 14. Oktober fand die Tagung zu Finanz- und Rechtsfragen in der Ferienstätte Dorfweil im Taunus statt. Über 50 Leitungs- und Finanzverantwortliche aus Gemeinden des Bundes nahmen an der Tagung teil, die der BEFG zwei Mal im Jahr gemeinsam mit der Spar- und Kreditbank Bad Homburg (SKB) durchführt.

Die finanziellen und steuerlichen Herausforderungen, mit denen Finanzverantwortliche in Ihrer Arbeit für die Ortsgemeinde zu tun haben, sind komplex und ändern sich stetig. Zudem gewinnen rechtliche Fragen im Gemeindealltag zusehends an Bedeutung. Das Referententeam, bestehend aus Hauptamtlichen des Bundes, Mitarbeitenden der SKB sowie Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern, informierte die Teilnehmenden umfangreich und ging konkret auf Fragen und Problematiken aus dem Gemeindealltag ein.

Das Themenspektrum ist traditionell weit gefächert: Es reicht von Staatskirchenrecht, Versicherungen und Gemeinnützigkeit über Spendenrecht, Fundraising, Treuhandverwaltung und Immobilien bis hin zur Rolle des Kassenverwalters, Lizenz- und Urheberrecht, Aufzeichnungs-und Buchführungspflichten, Geldanlagen und Online-Banking.

Mit etwa 20 Vorträgen bietet die Tagung generell ein straffes Programm. Fast die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war zum ersten Mal dabei. Ihnen gab Bernd Primke gleich zu Beginn den Rat, bei der Fülle der Themen selektiv zuzuhören: „Viele Themenfelder sind für sich schon so umfassend, dass sie ein ganzes Wochenende füllen würden, können hier aber nur angerissen werden.“ Daher empfiehlt das Vorstandsmitglied der SKB auch, die Tagung häufiger zu besuchen und das erworbene Wissen immer wieder aufzufrischen. ###3_IMAGES###Auch Katrin und Dirk Nekwinda aus der EFG Rodewisch nahmen zum ersten Mal teil: „Vieles ist neu für uns.“ Bei aller Intensität hätten sie jedoch die wichtigsten Fragen beantwortet bekommen. „Die Referenten hatten in den Pausen immer Zeit für unsere Anliegen und haben uns individuell kompetente Auskunft erteilt.“ Immer wieder bildeten sich während des Wochenendes kleinere Gesprächsgruppen.
 
In den Vorträgen wurde auch die geistliche Ebene der Tätigkeit von Finanzverantwortlichen stets hervorgehoben. Das Seminarprogramm selbst bot kurze Auszeiten und geistige Inputs: mit einer Andacht am Freitagabend, einem geistlichen Einstieg zu Beginn des intensiven Samstagsprogramms und einem Gottesdienst am Sonntag mit Fürbittengebeten in Kleingruppen.

„So entsteht auf diesen Tagungen immer auch ein besonderes Miteinander“, berichtet Volker Springer. „Das Eis wird gleich zu Beginn durch ein lockeres Kennenlernen gebrochen. Das Wochenende bietet uns die Möglichkeit, mit den Geschwistern persönlich in Kontakt zu treten“, betont der kaufmännische Geschäftsführer des Bundes.

Spätestens wenn die Vorstandsvorsitzende einer Bank predigt und der kaufmännische Geschäftsführer des Bundes den Lobpreis leitet, wissen alle Teilnehmenden um das besondere Miteinander und den einzigartigen Charakter dieser Tagung.

„Versöhnung in Christus“

Zahlreiche Baptistinnen und Baptisten aus Europa trafen sich vom 24. bis 29. September in Lviv (Lemberg) in der Ukraine zur jährlichen Ratstagung der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF).

Das Thema der Konferenz lautete „Versöhnung in Christus“. EBF-Generalsekretär Tony Peck forderte die Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf, Versöhnung durch Friedensstiftung zu verkünden und zu praktizieren. Er sagte: „Lasst Frieden in der Welt sein und lasst ihn mit uns beginnen.“ Auch die Präsidentin der EBF, Jenni Entrican forderte die Delegierten heraus, „sich zu engagieren, einander zuzuhören und gemeinsam zu beten.
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BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba, der auch Vorsitzender des Nominierungsausschusses der EBF ist, zeigte sich dankbar: „Es ist wirklich ein Gottesgeschenk, dass wir die Möglichkeit hatten, uns friedlich und ohne Angst vor Verfolgung in der Ukraine zu treffen. Das ist keine Selbstverständlichkeit, wie einige der Berichte gezeigt haben.“ So habe die ukrainische Regierung auch schon Gottesdienste von Baptistengemeinden aufgelöst und ihnen Geldstrafen auferlegt. Besonders beeindruckt zeigte sich Stiba von einem Bericht des ukrainischen Baptistenpastors Elisey Pronin. Bis ins Jahr 2014 war dieser der Pastor einer Gemeinde mit 300 Mitgliedern in der Region Luhansk. Als dort der Krieg ausbrach, hätten Separatisten ihm gedroht, seine Kirche niederzubrennen und ihn umzubringen, wenn er sie nicht unterstütze. Pronin berichtete, dass die Drohung wahrgemacht wurde und im August 2014 seine Kirche komplett ausbrannte. Mit seiner Familie flüchtete Pronin aus der Ostukraine, heute lebt er in den USA. Seine Erfahrungen verarbeitete er in dem Buch „Chronicles of Undeclared War“ (Chroniken eines Krieges ohne Kriegserklärung). Auf der Ratstagung berichtete er auch von seiner Suche nach einem Weg zur Versöhnung. „Sieh die Menschen, wie Gott die Menschen sieht“, – Diese Erkenntnis sei für ihn persönlich zum Ausgangspunkt geworden, Versöhnung anzustreben, auf Versöhnung zu hoffen und Schritte der Versöhnung zu gehen, so Pronin. ###3_IMAGES###

Auch Joachim Gnep, Leiter des BEFG-Dienstbereichs Mission, erlebte die Begegnungen mit den ukrainischen Baptistinnen und Baptisten in Lviv als „äußerst beeindruckend“: Trotz der enorm angespannten politischen und wirtschaftlichen Situation seien die Gemeinden „aktiv und erleben an vielen Stellen einen geistlichen Aufbruch“, sagte er. Sie steckten viel Energie und Leidenschaft in Evangelisation und Diakonie. „Die intensive Unterstützung des großen humanitären Engagements in der Ostukraine durch German Baptist Aid, die Hilfsorganisation des BEFG, wird sehr dankbar und positiv aufgenommen.“

Während der Ratstagung wurden zwei Resolutionen verabschiedet. Eine fordert die Einhaltung der Religionsfreiheit in den ukrainischen Regionen von Luhansk und Donezk. Darin wird – ergänzt durch drei weitere Punkte – auf die Resolution Bezug genommen, die im Juli dieses Jahres vom Baptistischen Weltbund (BWA) in Zürich verabschiedet wurde. Leitung und Mitgliedsbünde der EBF verpflichten sich, „für die Verantwortungsträger zu beten, die Wahrheit in Liebe auszusprechen und Religions-  und Glaubensfreiheit in Luhansk und Donezk zu fördern.“ Die andere Resolution beschäftigt sich mit der anhaltenden Herausforderung durch Migration. Dabei wird einerseits anerkannt, dass sich viele Regierungen unter enormem Druck befänden, sowohl der bereits im Land lebenden Bevölkerung als auch den neuen Migranten gerecht zu werden. Gleichzeitig wird die Ausbreitung von Intoleranz verurteilt, die es Menschen legitim erscheinen lasse, die Religion, Nationalität oder Ethnie anderer Menschen abzulehnen. Dies führe, so heißt es in dem Text, „zu einer Zunahme von Angst statt Hoffnung.“

Das neue Jahresprogramm ist da!

Wie in jedem Herbst erhalten die Gemeinden des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden das neue Jahresprogramm der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal zugeschickt. Die Veranstaltungen sind den Themenfeldern Gottesdienst und Gemeindepraxis, Leitung und Gemeindeentwicklung, Mission und Integration, Seelsorge und Psychologie, Theologie und Gesellschaft sowie Familie und Generationen zugeordnet.

In den sechs Themenfeldern finden sich Angebote für alle Altersklassen und Interessensschwerpunkte. Es ist auch möglich, Referenten und Referentinnen in die Gemeinden vor Ort einzuladen und einen individuellen Workshop zu gestalten. Sprechen Sie uns an (akademie(at)baptisten.de oder Tel. 033234 74-168)!

Alle Angebote finden Sie in unserer Online-Ausgabe hier. Gerne schicken wir Ihnen auch ein gedrucktes Exemplar zu.

3. Kursblock Seelsorge & Beratung

„Ich will mich zeigen, will Gefühle benennen und auch aussprechen. Das habe ich in diesem dritten Kursblock besonders ausprobiert und fühle mich dabei sehr wohl. Es hat auf der Heimfahrt eine Lebendigkeit ausgelöst, die mich sehr froh macht und mir die Möglichkeit gibt, wieder ganz beschwingt in den Alltag zu starten.

Für uns 20 Kursteilnehmer/-innen des Grundkurses Seelsorge und Beratung 2017/2019 war dies bereits der 3. Kursblock, der wieder von Sonntag bis Donnerstag in Elstal stattfand.

Einen großen Raum nahmen die Arbeitseinheiten Selbsterfahrung in der Gruppe ein, wo es darum geht, sich mit der eigenen Person intensiv auseinanderzusetzen, Gefühle zu erspüren und sie auch vor der Gruppe auszusprechen. Wir haben uns anfangs sehr schwer getan, dies zu begreifen und auch umzusetzen. Inhaltlicher Schwerpunkt war in diesem Kursblock die eigene Biografie und die intensive Auseinandersetzung mit Menschen und Sätzen, die unser Leben geprägt haben. Auf dem Stundenplan stand auch die Theorieeinheit „Wie Gott in der Seelsorge gegenwärtig ist“. Wir besprachen eigene Predigten und vor allem Gedächtnisprotokolle eigener Seelsorgegespräche. Ziel dabei ist es, persönliche Fragestellungen aufzuzeigen und für sich zu klären. Es wurde aber nicht nur ernsthaft gearbeitet. Wir waren als Gruppe auch abends zusammen, konnten Alltagsprobleme teilen, aber auch viel zusammen lachen. Wir sind in der persönlichen Entwicklung und als Gruppe gewachsen. Zwischen den Kursblöcken treffen wir uns in Regionalgruppen und können so den Kontakt leicht halten. Ich empfinde diesen Kurs für mich als sehr hilfreich. Ich kann ihn nur weiter empfehlen.“

Im Frühjahr ist der abschließende Kursblock. Für den nächsten Kurs, der im Herbst 2019 in Weltersbach beginnt, läuft das Bewerbungsverfahren.

Gottes Gaben weitergeben

Traditionell bittet der BEFG zu Erntedank um Spenden für überregionale Projekte, durch die Menschen Gottes Liebe konkret erfahren. Nach diesem dürren Sommer und großen Ernteausfällen werde das Fest vielerorts möglicherweise in einem anderen Licht wahrgenommen, so BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba. „Verhungern muss hierzulande trotzdem niemand. Doch das ist nicht überall auf der Welt so.“

So sei Erntedank nicht nur Anlass, Gott dafür zu danken, dass er uns mit Nahrung, Wasser und vielen anderen Gaben versorgt. „Zu Erntedank denken wir auch an jene Menschen, deren Ernten tatsächlich nicht ausreichen, die kein sauberes Trinkwasser haben, denen Kleidung, medizinische Versorgung oder grundlegende Schulbildung fehlen. Wir geben von den Gaben, die Gott uns geschenkt hat“, so Stiba.

In diesem Jahr lädt der Bund Einzelpersonen postalisch und auf seiner Internetseite dazu ein, dies mit einer Spende an German Baptist Aid (GBAid) zu tun. „Durch die wertvolle Arbeit mit unseren Partnern vor Ort erfahren unzählige Menschen Gottes Liebe in Wort und Tat“, heißt es in dem Spendenaufruf. GBAid fördert über 50 humanitäre Hilfsprojekte in Osteuropa und Nahost.

Im Juni reisten Joachim Gnep und Frank Wegen für GBAid nach Jordanien und in den Libanon, um sich unterstützte Projekte anzusehen – unter anderem die Seifenwerkstatt des Zarqa Life Centers in Jordanien. „Das baptistische Hilfsprojekt fördert Frauen gezielt und nachhaltig und hilft ihnen dabei, ein eigenes Einkommen zu generieren“, so Wegen. Diese syrischen Frauen haben unvorstellbares Leid hinter sich. „Eine Frau hat davon erzählt, wie ihr siebzehnjähriger Sohn durch einen Kopfschuss getötet und ihr Mann durch Folter arbeitsunfähig wurde. Eine andere hat uns auf ihrem Handy Bilder ihres zerstörten und in Trümmern liegenden Hauses in Syrien gezeigt, das sie zurücklassen musste“, berichtet Joachim Gnep. In der Werkstatt fühlten sie sich wertgeschätzt und angenommen, schauten nach vorn, könnten sogar wieder lachen. „Die Frau, die ihren Sohn verloren hat, erzählte, dass ihr jemand einen Jesusfilm geschenkt hat. Sie hat ihn sich zusammen mit ihrem Mann angeschaut und am Ende wehmütig gesagt: Wenn dieser Jesus heute leben würde, er würde uns in unserer Not sicher auch helfen. In der darauffolgenden Nacht sei ihr Jesus im Traum erschienen und habe zu ihr gesagt: Es gibt mich tatsächlich und ich helfe dir. Diese Frau hat neuen Lebensmut gewonnen und hat mittlerweile in der Seifenwerkstatt Verantwortung übernommen.“

Mit den eingehenden Erntedank-Spenden an German Baptist Aid wird eine Vielzahl solcher Projekte in Nahost und in Osteuropa unterstützt.

Was ist eigentlich Fundraising?

Am 7. September lud der Landesverband NRW gemeinsam mit der EFG Leverkusen zu einem Workshop-Abend zum Thema Finanzen und Fundraising ein. Initiatorin und Organisatorin dieses Treffens, das erstmalig in dieser Weise veranstaltet wurde, war die Gemeindeleiterin der Leverkusener Gemeinde Anne Traub. Ihre Erfahrungen fasst sie in einem persönlichen Bericht zusammen.

Spenden einwerben fängt in den eigenen Gemeinden an. Was früher selbstverständlich thematisiert und gelebt wurde, braucht heute eine neue Sprache und will erlernt sein. Diese Einsicht bildete den Einstieg in die abwechslungsreichen Vorträge von Volker Springer, kaufmännischer Geschäftsführer des BEFG und Timo Neumann, Spenderbeauftragter des BEFG, die den weiten Weg aus Elstal ins Rheinland zum Workshop an einem Freitagabend nicht gescheut hatten. Ziel des Abends war es, den Gemeinden des Landesverbandes NRW ihr Wissen und ihre Erfahrungen zum Einwerben von Spenden weiterzugeben und einen Austausch der Gemeindeverantwortlichen untereinander zu fördern.

Beide Referenten wiesen auf die Gemeinsamkeiten ihrer bundesweiten Tätigkeiten mit den Herausforderungen von Gemeindeverantwortlichen hin. Sie konnten sich kompetent und praxisorientiert in die Welt der Ortsgemeinden hineindenken und zahlreiche Tipps zur Verbesserung des lokalen Fundraisings weitergeben.

Volker Springer machte deutlich, wie wichtig eine gute Kommunikation der eigenen finanziellen Situation ist. Dabei muss immer der Adressat berücksichtigt werden: bei Finanzsachverständigen sollte ein Gemeindehaushalt anders dargestellt werden als in der Jahresgemeindestunde. Zahlen können in anschauliche Bilder „verpackt“ werden, so Springer. Eine verständliche Darstellung der teils komplexen Zahlen eines Haushalts stärkt bei den Gemeindemitgliedern das benötigte Vertrauen in die Arbeit ihrer Finanzverantwortlichen.

Potenzielle Spender benötigen zudem einen positiven Ausblick, so Timo Neumann. Nicht: Wo mangelt es an Geld? Sondern: Was bewirkt meine Spende? Das Werben um kleine Beträge mit Zweckbindung überzeugt die Geber mehr als ein Jammern über lückenhafte Haushalte.
Einige Beispiele für erfolgreiches Fundraising stellte David Glaubitz aus der Gemeinde Essen-Schonneberg vor, die auch Online-Portale nutzen und somit einen erweiterten Spenderkreis über die eigenen Mitglieder hinaus erreichen. Auch bei manchen Stiftungen und staatlichen Organisationen können Mittel für diakonische Gemeindeprojekte beantragt werden – das Wissen um das „Wo und Wie“ ist entscheidend.

Nach intensiver Fragerunde und Diskussion stellten die Teilnehmer des Workshops einhellig fest: Der anregende Abend war ein Gewinn. Sie nahmen konkrete Ideen mit und den Vorsatz, diese auch umzusetzen. 

Das Format eines gemeinsamen Austauschs von Finanzverantwortlichen auf regionaler Ebene gepaart mit Inputs von Mitarbeitenden der Bundesgeschäftsstelle feierte an jenem Freitagabend Premiere – darf aber gerne wiederholt werden. Gemeinden, die Interesse an einem solchen Treffen mit anderen Gemeinden und Mitarbeitenden aus Elstal haben, können sich an Timo Neumann wenden. Auch bei Fragen rund um das Gemeinde-Fundraising gibt er gerne Auskunft: tneumann(at)baptisten.de

Sicher durch spannungsreiche Zeiten führen

Dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fit gemacht werden, Menschen in ihrer Gemeinde sicher durch spannungsreiche Zeiten zu führen – das war das Ziel des Seminars „Achtung Hochspannung“ vom 31. August bis 1. September in Elstal.

Intensiv, angefüllt und zugleich atmosphärisch fröhlich und entspannt erlebten die 25 Teilnehmenden aus dem ganzen Bundesgebiet die zwei Tage: „Durch den offenen und trotzdem behutsamen Umgang der Trainer und Teilnehmer untereinander entstand eine sehr produktive und motivierende Atmosphäre, die uns neben der Erfahrung ‚wir sind nicht allein mit unseren Fragen‘ auch hilfreiche Methoden zur Führung von Gruppen an die Hand gegeben hat“, so das Fazit eines Teilnehmers aus Braunschweig.

Aufgrund der hohen Nachfrage hatte die Akademie neben Birte McCloy und mir mit Stefan ter Haseborg noch einen dritten Referenten gewonnen. Dadurch wurde ein methodisch abwechslungsreiches Arbeiten möglich, das dem unterschiedlichen Bedarf der Teilnehmenden gerecht wurde.

Zum Auftakt wurde das Polarity Management vorgestellt. Diese Methode zielt darauf ab, für Gemeinden typische Spannungsfelder nicht als einfach zu lösende Probleme zu behandeln, sondern als Polarität zu begreifen – als Spannungsfeld, das weder zu vermeiden noch aufzulösen ist, sondern konstruktiv gestaltet werden muss, wie zum Beispiel die Polarität von Tradition und Innovation. Eine Teilnehmerin aus Erfurt fand es „etwas ernüchternd zu erkennen, dass Themen immer wieder kommen, weil sie nun mal keine Probleme sind, die man lösen kann, sondern es sich um Pole handelt, zwischen denen es kontinuierlich hin und hergeht.“ Doch: „Wenn zu dem Erkennen dann aber Handwerkzeug hinzukommt, mit dem man von der Theorie zur Praxis gelangt, hilft das ungemein.“

Auch über eins der so genannten Baptist Principles, der individuellen Freiheit von Glaube und Gewissen (Religionsfreiheit), das das System Baptismus nachhaltig prägt, wurde ausführlich gesprochen.
 
Weiter standen Konflikt- und Changemanagement im Vordergrund. In diesem Zusammenhang wurden folgende Fragen bearbeitet und diskutiert: „Welche Emotionen, Bedürfnisse und Werte stehen hinter vordergründigen Sachaussagen? Wie lässt sich angesichts unterschiedlicher Werte eine breitere Handlungsbasis gewinnen?“. Dabei wurde ein besonderes Augenmerk auf das eigene Konfliktverhalten gelegt. Dieses zu verstehen, konstruktiv zu erweitern und gezielt einzusetzen, ist für Leitende ein Schlüssel, um in gemeindlichen Spannungsfeldern sicher zu agieren. „Ich habe erwartet, dass ich die Prozesse unserer Gemeinde im Seminar einbringen und reflektieren kann und dass ich ein paar Tools an die Hand bekomme, mit denen ich arbeiten kann“, so ein Teilnehmer aus Wermelskirchen. „Ich habe allerdings nicht erwartet, dass das Team der Akademie in Elstal in knapp 30 Stunden so viele wertvolle Inhalte und Werkzeuge vermitteln kann, die mir auf längere Sicht und auch schon sehr direkt weiterhelfen.“

Wie oft in Seminaren mit Teilnehmenden aus unterschiedlichen Gemeinden und Situationen haben diese auch diesmal sehr von der Vernetzung und dem Austausch untereinander profitiert. Oder wie es ein Leitungsmitglied aus dem Landesverband Nordwestdeutschland formulierte: „Eigentlich ein Pflichtwochenende für zukünftige und jetzige Leiter.“

Frohe Botschaft und Drachensport: ewigkite.de-Team wächst

Drachenfliegen, Powerkiten, Kitesurfen: Bei ewigkite.de verbinden Christen ihr Hobby damit, Kirche für die Menschen vor Ort zu sein. Seit gut zehn Jahren sind sie mit aufblasbarer Kirche und eigenen Drachen auf Drachenfestivals im norddeutschen Raum unterwegs – unter der Flagge des Dienstbereichs Mission im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG). Mit Pastor Erik Neumann bekommt das baptistische Projekt ab diesem Herbst lutherische Verstärkung.

Darüber freut sich der Leiter von ewigkite.de, BEFG-Missionsreferent Carsten Hokema, sehr. Seit Jahren gebe es verstärkt Kontakte in die Szene der Kitesufer, so Hokema, doch weder die 15 Ehrenamtlichen noch er selbst hätten dies aus Zeitgründen weiter ausbauen können. „Mit Erik Neumann haben wir nun einen Pastor und ausgebildeten Kitesurflehrer im Team, der dafür sogar mit einer Viertelstelle von der Landeskirche Hannovers als Kite-Pastor angestellt wird!“

Seine Pfarrstelle in Dissen zwischen Bielefeld und Osnabrück hat Neumann dafür reduziert. Der 51-Jährige lernte das Projekt ewigkite.de 2017 kennen. „Eine halbe Stunde habe ich mit den Mitarbeitern geredet. Das hat gereicht, der Funke sprang über!“, so Neumann. „Wir ticken gleich, was das Anliegen angeht, mit dem Evangelium dort hinzugehen, wo die Menschen sind“.

Die Zuständigkeiten im erweiterten Team sind klar geregelt, erklärt ewigkite.de-Gründer Hokema: „Durch Erik Neumann kann endlich die Kitesurfarbeit ausgebaut werden. Ich selbst werde mich auf die Drachenszene konzentrieren, die auf Drachenfesten mit Großdrachen unterwegs ist.“###3_IMAGES###Erik Neumann wird nicht nur die Deutschen Kitesurfmeisterschaften begleiten, sondern auch Kite-Camps für Männer, Familien und Paare anbieten. Das Miteinander verschiedener Altersgruppen und Konfessionen ist ihm nicht fremd: „Vor meinem Dienst als Pastor habe ich als Regionalreferent der Studentenmission in Deutschland mit verschiedenen Konfessionen zusammengearbeitet.“

2019 wird ewigkite.de auf acht Drachenfesten vertreten sein und insgesamt sieben Kite-Camps anbieten. Carsten Hokema betont: „Wir würden uns freuen, wenn viele Freunde und Mitglieder unserer Gemeinden Erik Neumann auf einem Kite-Camp kennenlernen. Und wenn sie Freunde und Bekannte mitbringen, die mit Glauben und Kirche keinen oder nur wenig Kontakt haben!“

Gemeindearbeit, aber nicht aus eigener Kraft

In den vergangenen Jahren haben viele farsisprachige Menschen aus dem Iran und Afghanistan in BEFG-Gemeinden zum christlichen Glauben gefunden. Die deutsch-persische Gemeindeentwicklung gibt Impulse für die Gemeindearbeit mit diesen Menschen. So fanden seit 2017 mehrere Arbeitstage für leitende Mitarbeitende statt, die sich nun auch einmal zum persönlichen Austausch trafen. Thomas Klammt, Referent für Integration und Fortbildung, berichtet.

Mit dabei waren bei dem Treffen vom 3. bis 5. August neben den Ehepartnern auch einige Kinder. Das Evangelische Bildungshaus in Rastede nahe Oldenburg war der ideale Ort, um unser Frühgebet im „Schöpfungsgarten“, einen Abendmahlsgottesdienst in der Pauluskapelle und sportliche Betätigung an der Tischtennisplatte zu genießen.

Am Samstag war ein Ausflug auf die Insel Langeoog dran – Schifffahrt und Stranderlebnis an einem der heißen Sommertage dieses Jahres. Das diente nicht nur der Erholung und dem Kennenlernen in dieser vergrößerten Runde. Wir kamen dadurch auch in intensive Gespräche über das, was uns inspiriert, was unsere Familien stärkt und wie wir den nötigen Ausgleich zum beanspruchenden Dienst in Gemeinde und Flüchtlingshilfe finden können. Das wurde in der abendlichen Gesprächsrunde vertieft und diskutiert: Wie kann ich meine Berufung in Ehe, Familie, Gemeinde und Gesellschaft so in Einklang bringen, dass die Familie nicht darunter leiden muss? Aus Epheser 5,25 haben wir uns klar machen lassen, dass ein Pastor nicht mit der Gemeinde verheiratet ist – die Gemeinde ist doch die „Braut Christi“. Das kann uns Zuversicht geben, weil wir wissen dürfen, dass Jesus selbst sich um seine Braut kümmert. Das schafft Freiraum und gibt Gelassenheit, für unsere Familie da zu sein.

Dass Gott aber natürlich auch uns Menschen gebraucht, um für seine Gemeinde zu sorgen, haben wir ebenfalls in den Blick genommen. In einer Bibelarbeit über Philippus haben wir aus Apostelgeschichte 8,26ff. und 21,8 gelernt, wie „inspiriert leben“ in Gemeinde, Mission und Familie aussehen kann. Und es war auch Zeit für die Weiterarbeit an den konkreten Aufgaben der deutsch-persischen Gemeindeentwicklung: Welche nächsten Projekte und Schritte sind dran? Wir empfinden nicht nur Verantwortung für die jeweiligen Gemeindesituationen, aus denen wir kommen, sondern auch für die größere Bewegung, in die Gott uns gestellt hat. Sie ist nicht nur in Baptistengemeinden in Deutschland spürbar – und deshalb wollen wir die Vernetzung mit anderen Verantwortlichen in Europa verstärken.

Das Jahresthema des BEFG „INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“ fand zum Abschluss Ausdruck in einem Gottesdienst. Wir erlebten, wie Christus uns im Abendmahl greifbar nahekommt. Mit seinem Segen hat er uns zurück in den Alltag gesendet.

Sommerfestival voller Gottesmomente

„Es wird eskalieren! Weil BUJU ist; weil Gott da ist; und weil ihr da seid!“ Als Timo Meyer die BUJU-Teilnehmenden mit diesen Worten in einer energiegeladenen Eröffnungspredigt begrüßt, hatten sie bereits einen vollen BUJU-Nachmittag hinter sich: Aus ganz Deutschland anreisen, in die Homezones einziehen, das Festivalprogramm erobern und es sich pünktlich um 20:00 Uhr vor der Hauptbühne bequem machen.

20:00 Uhr - Hauptbühne, das war auch an den folgenden BUJU-Tagen der Moment, an dem die Teilnehmenden nach einem vollen Festivaltag zum gemeinsamen Gottesdienst zusammenkamen. Direkt hinterm Elbdeich mit der untergehenden Sonne im Rücken ließen sich 1.000 junge Menschen an vier Abenden für eine ehrliche Jesusbeziehung in den Stürmen und Untiefen des Lebens und Glaubens begeistern. Christoph Petersen findet in seiner Predigt am zweiten BUJU-Tag klare Worte. „Gott kämpft um dich, weil er dich liebt! Lass dir von ihm sagen, wer du bist, was er über dein Leben denkt! ... Lass dich herausfordern, nicht so lari-fari zu leben“.

Den dritten Abend nutzt Lindsey McClintock, um die Teilnehmenden herauszufordern, ihr Leben zu leben, in das Nichts hinauszutreten und Gott zu begegnen. ###3_IMAGES###Daran knüpft Mira Ungewitter in der Abschlusspredigt an und erinnert daran, dass Gott uns nicht berufen hat, um auf dem Sofa sitzen zu bleiben. Das Leben mit Gott ist ein Abenteuer, in dem man auch mal Angst hat und ins Straucheln gerät. So wie Petrus, der mitten auf dem Wasser anfing zu sinken. – Aber wir dürfen uns darauf verlassen, dass Jesus auch uns in diesen Momenten die Hand reicht!

Die vier Abendsessions waren die Höhepunkte der BUJU-Tage, die morgens mit gemeinsamem Lobpreis an der Hauptbühne begannen. Anschließend konnten die Jugendlichen aus vielen verschiedenen Bible Studies die auswählen, deren Thema für sie am interessantesten war. "Die Letzten werden die Ersten sein‘ war der Titel der Bibelarbeit, die Nora (16) ins Nachdenken gebracht hat: „Es war gut, daran erinnert zu werden, dass es einem nichts bringt, sich mit anderen zu vergleichen. Und dass die eigene Kerze nicht heller leuchtet, wenn man die Kerzen anderer Menschen auspustet.“

Die BUJU-Nachmittage waren geprägt von einem umfangreichen Festivalprogramm und etwa 30 verschiedenen Seminaren: „Sagen können, was ich glaube“, „Meine Gemeinde neu denken“ oder „Bible-Art-Journaling“ sind nur drei Beispiele der Themen, die in den Seminaren behandelt wurden. ###3_IMAGES###Die Mischung aus tiefen Lebens- uns Glaubensfragen mit dem bunten Festivalprogramm und heißem Sommerwetter kam gut an und erzeugte eine ganz eigene BUJU-Atmosphäre auf dem Gelände in Otterndorf. „Es war super, dass es so viele Workshops und Festivalangebote gab! Aber nichts ist geiler als mit einem Eiskaffee im Schatten vor der Hängerbühne zu liegen und den Lobpreis zu genießen.“ freut sich David (14).

Nach Sonnenuntergang und Ende der Abendsession kamen alle, die ihren Glauben mit fetten Beats und gehörigem Schalldruck feiern wollten, bei Konzerten mit DJ FAITH, NORMAL IST ANDERS, den O’Bros und Crossfya auf der Hauptbühne voll auf ihre Kosten. Und wer es lieber etwas ruhiger mochte, konnte an der Hängerbühne Jonnes und Michalzik, Robin Zabel, PRIM und bei den Open-Mic-Sessions sogar die BUJU-Teilnehmenden selbst erleben. In etwas leiseren Tönen nahmen sie das Publikum mit hinein in die Gottesmomente, die sie für ihre Texte und Melodien inspiriert haben.

Mit dem anschließenden Mitternachtsgottesdienst endete dann das offizielle BUJU-Programm. – Aber wer wollte, durfte danach noch ein kleines Weilchen auf dem Deich stehen und der Milchstraße bei ihrer Wanderung über den Nachthimmel zuschauen.

Fünf Tage gingen schnell vorbei. Fünf Tage, für die wir sehr dankbar sind. Für alle Mitarbeitenden, die Unglaubliches geleistet haben. Für alle Menschen in den Gemeinden, die für das BUJU gebetet und gespendet haben. Ohne alle diese Menschen wäre das BUJU nicht möglich gewesen!

Und natürlich sind wir Gott dankbar. Für fünf Tage, in denen er uns in zahllosen lauten und leisen Gottesmomente begegnet ist und uns deutlich spüren ließ: Wir haben viel Grund, unseren Glauben und unser Leben zu feiern.

Fluchterfahrungen früher und heute

Flüchtlinge und Fluchterfahrungen gibt es nicht erst seit ein paar Jahren. Beim Studientag in Hannover-Linden präsentierte Pastor i.R. Hartmut Wahl vom Historischen Beirat des BEFG Ergebnisse seiner historischen Forschungen unter der Überschrift: „Der BEFG – ein Bund von Vertriebenen?!“ Pastor Michael Borkowski referierte über Traumata. Und Pastor Thomas Klammt, BEFG-Referent für Integration und Fortbildung, stellte am Anfang und Ende des Tages Verbindungen zu biblischen Texten her, die eine Fülle von Erfahrungen von Flucht, Exil und Leben in der Fremde enthält. Lesen Sie hier seinen Bericht.

In den Jahren 1945 bis 1950 verlor der Bund über ein Drittel seiner Gemeinden, weil die Mitglieder von Flucht und Vertreibung aus den ehemals deutschen Ostgebieten betroffen waren. Sie mussten in den Besatzungszonen eine neue Heimat finden – so entstanden zahlreiche neue Baptistengemeinden und manche kleine Stationsgemeinde wie die in Celle wuchs innerhalb eines Jahres von elf auf über 200 Mitglieder.

Die Flüchtlinge mussten den Verlust ihrer Heimat verkraften und waren auf vielerlei Weise traumatisiert, verunsichert. In den Gemeinden fanden sie ein neues Zuhause und auch materielle Unterstützung. Aber es gab auch ablehnende Reaktionen. Die Teilnehmer des Studientags waren überrascht von dem Ausmaß der Veränderungen, die baptistische Gemeinden in dieser Zeit erlebten. Michael Borkowski zeigte im Blick auf die neueren Fluchterfahrungen auf, dass dabei die kulturellen Unterschiede eine besondere Dimension haben. Die kulturellen Unterschiede führen zu einer noch tieferen Verunsicherung auf beiden Seiten, bei Geflüchteten und bei der aufnehmenden Kultur. Die Teilnehmer konnten an diesem Tag auch ihre familiären Erfahrungen aus der Nachkriegszeit neu oder erstmals in den Blick nehmen.

Am Nachmittag gab Michael Borkowski eine kurze Einführung zum Verständnis von Trauma. Und zeigte dann sehr praktisch auf, wie man auch ohne therapeutische Ausbildung dazu beitragen kann, dass Traumatisierte einen sicheren Raum finden und in ihrem Leben stabilisiert werden.

Die Gemeinde Hannover-Linden mit ihrem gelungenen Anbau des Gemeindehauses samt Dachterrasse war ein hervorragender Gastgeber. Die Teilnehmenden beteiligten sich rege an Gespräch und Diskussionen über die Themen des Tages. Die meisten von ihnen brachten Erfahrungen mit Flucht aus ihrer Familie oder aus ihrem Engagement in Gemeinde und diakonischen Projekten mit.

Die Begegnungen des Tages waren inspirierend; es lohnt sich, über Fluchterfahrungen von früher und heute ins Gespräch zu kommen – dafür bieten unsere Gemeinden einen guten Rahmen.