Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

Abschlusstagung für Hauptamtliche im Anfangsdienst

19 Pastorinnen und Pastoren sowie eine Diakonin trafen sich zur Abschlusstagung ihres Anfangsdienstes. Dabei blickten sie auf die drei vergangenen Jahre und ihre Erfahrungen zurück.

Im Anfangsdienst nehmen die Hauptamtlichen neben dem Gemeindedienst regelmäßig an Fortbildungen teil und erhalten zum Beispiel Beratung und Begleitung in Form von Supervision. In der letzten Juniwoche kamen 20 Hauptamtliche im Tagungszentrum Weltersbach zusammen, um gemeinsam den Abschluss ihres Anfangsdienstes zu begehen. Mit dabei waren Hauptamtliche aus dem Dienstbereich Mitarbeiter und Gemeinde sowie Mitglieder des Vertrauensrates und der Leitung des Konvents der Diakone und Diakoninnen.

Udo Herrmann, Leiter des Dienstbereichs Mitarbeiter und Gemeinde, stellte schon zu Beginn der Tagung fest, dass dies eine der schönsten Veranstaltungen in seinem Dienstbereich sei. Es waren 48 intensive Stunden, in denen die sehr unterschiedlichen Anfangsdienste reflektiert wurden und in denen Gruppengespräche und Einzelgespräche stattfanden. Diese Gespräche sind für Hauptamtliche einer der letzten Schritte, um auf die Liste der Pastorinnen und Pastoren oder der Diakoninnen und Diakone zu gelangen. Danach saßen die Leitungsmitglieder der Tagung zusammen, um für jeden Teilnehmer und jede Teilnehmerin eine persönliche Rückmeldung zu formulieren. Gleichzeitig sprachen sie damit eine Empfehlung für die Bundesgeschäftsführung aus, die Hauptamtlichen zukünftig auf den Listen zu führen.

Die Atmosphäre der Tagung war von hoher Wertschätzung und großer Offenheit füreinander geprägt, denn in den drei Jahren haben sich die Kolleginnen und Kollegen kennen und schätzen gelernt. Davon ist auch Pastorin Charlotte Fehmer begeistert: „Ob drei oder schon zwanzig Jahre im Gemeindedienst, aus dem Ruhrpott oder aus Angola - es war sehr bereichernd, an den unterschiedlichen Erfahrungen teilzuhaben und auch meine eigenen Erlebnisse in diesem Kreis zu reflektieren.“ Dabei wurden Erfolge gefeiert, gute segensreiche Erfahrungen geteilt, aber auch manches Schmerzhafte aus den vergangenen drei Jahren angeschaut. Denn so unterschiedlich die Hauptamtlichen sind, so individuell sind ihre Lebens- und Diensterfahrungen. Mit dabei waren auch einige Kontaktstudenten mit theologischer Grundausbildung und längerer Erfahrung im Gemeindedienst, wie auch die Absolventen vom Pastoralen Integrations- und Ausbildungs-Programm (PIAP). Die PIAP-Absolventinnen und Absolventen arbeiten meist ehrenamtlich als Pastoren und Pastorinnen und bereichern mit den internationalen Gemeinden die Vielfalt in unserem Gemeindebund.

Am Ende der Tagung stand ein gemeinsamer Gottesdienst mit ermutigenden Worten von Pastor Norbert Kursch aus Lukas 5, 1-5 – der Berufung von Simon Petrus zum „Menschenfischer“. Dazu gab es eine musikalische Begleitung durch Pastor Hanno Sommerkamp und ein Abendmahl mit persönlichen Gebeten und Segnungen für die Kolleginnen und Kollegen. In der Auswertung wurde deutlich, dass die Begleitung und die Nähe im Anfangsdienst guttun. Außerdem sind der Rückhalt und die Wertschätzung durch die Bundesgeschäftsstelle und die eingesetzten Personen immer wieder spürbar gewesen, sind sich die Anwesenden einig. Die Fortbildungen und die angebotene Supervision helfen, den Anfangsdienst auch weiter als Zeit des Lernens und der Entwicklung zu begreifen. So konnten beim Abschluss alle Teilnehmenden der Aussage von Udo Hermann zustimmen: Diese Tagung war ihre schönste.

Ermutigungstag für Gemeinden

In Lutherstadt Wittenberg trafen sich 120 Menschen aus der Region Sachsen-Anhalt im Landesverband Niedersachsen – Ostwestfalen – Sachsen-Anhalt (NOSA) zu einem Gemeindeermutigungstag. Mit dabei war Pastor, Autor und Journalist Andreas Malessa, der über die Begegnung von Kornelius und Petrus predigte. Jürgen Tischler berichtet.

Der Gemeindeermutigungstag (GET) findet unregelmäßig als Treffen der Gemeinden in der Region Sachsen-Anhalt statt. Am 30. Juni versammelten sich etwa 120 Teilnehmende in Lutherstadt Wittenberg. Das regionale Treffen stand unter dem Motto „Das Verständigungswunder von Pfingsten geht weiter: Den Glauben heute zur Sprache bringen“. Andreas Malessa predigte zu dem Thema und am Nachmittag erwarteten die Teilnehmenden Workshops wie zum Beispiel „Sprache ist die Kleidung deiner Gedanken“, „Mut zum Zeugnisgeben finden“ oder zur Frage, wie Christen heute „verstehbar hörend“ vom Glauben reden können.

Andreas Malessa beleuchtete die Begegnung zwischen Kornelius, dem Hauptmann aus Cäsarea, und dem Apostel Petrus. Dabei fragte er, wie es zu der Begegnung kam und welche Rolle der Heilige Geist dabei spielte. Genussvoll-herausfordernd war neben der Sprache die Übertragung des Textes in die Gegenwart. Kornelius und seine erdachte Frau „Kornelia“ als postmoderne Menschen und Petrus als Vertreter zeitgenössischer Frömmigkeit. Malessa stellte sie dar mit ihrer „konfessionellen Heimatlosigkeit“, ihrer „Sehnsucht nach Spiritualität“ und dem „Ringen mit ihrem Gewissen“ in beruflicher und privater Verantwortung. So wurde der Bibeltext aus Apostelgeschichte 10 humorvoll und lebendig zur Herausforderung für die Teilnehmenden.

„Gesunder Menschenverstand kann geistinspiriert sein“, so Malessa. Er betonte, dass Christen die Bibel von hinten läsen, von Christus her. In der Konsequenz hieße das für Petrus: „Steig herab in Milieus, die nicht dein Niveau sind!“ Es sei nicht die Frage, „ob der Heilige Geist zu Menschen spricht, die zwischen allen konfessionellen Stühlen sitzen und trotzdem eine spirituelle Sehnsucht haben, die sie nicht mehr verbalisieren können“. Die Frage sei vielmehr, „ob wir es ihnen glauben.“

Kornelius und Petrus hätten etwas gemeinsam: Beide handeln ohne eine Genehmigung ihrer Heeresleitung oder ihrer Gemeinde. Sie überschreiten gemeinsam eine Grenze. Beide erzählen sich ihre Visionen – und stellen fest, dass sie kongruent sind! Erst jetzt im Nachhinein weiß Petrus, dass es nicht der „Zeitgeist“ war, der ihn verführt hat. Andreas Malessa, der auch Autor des Martin-Luther-King-Musicals ist, fragte die Besucher aus ganz Sachsen-Anhalt: „An welcher Stelle decken sich heute die Visionen? An welcher Stelle wollen ein nichtreligiöser Mensch und ich dasselbe?“

Bei Temperaturen von 38 Grad waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erstaunlich gut dabei und die Gemeinde ein bestens vorbereiteter Gastgeber. Brigitte Neumeister, Gemeindereferentin der EFG Wittenberg, die Band der Gemeinde und die Mitglieder der Regionalleitung gestalteten diesen Tag froher Gemeinschaft der Gemeinden. Karl-Heinz Wegner bot dazu parallel für die Kinder ein spannendes Aktivprogramm an. Bewegend berichtete der Ruheständler Hans-Joachim Schwan als „Alter Bär“ über die Indianerarbeit, die Freizeiten für Kinder von Strafgefangenen durchführt. Benno Braatz vom Dienstbereich Mission stellte sich als neuer Regionalbeauftragter vor. In die Regionalleitung neu gewählt wurde Hartmut Bick aus Quedlinburg. Jürgen Tischler vom Landesverband NOSA ermutigte die Gemeinden, neue Wege zum Gespräch zu suchen, und stellte das Projekt „TischGemeinschaft“ vor, das gerade an diesem Sonntag im Landesverband in Löhne mit der Eventkirche unterwegs war.

Karim kann wieder zur Schule!

Aufgrund der Unterstützung des Tahaddi-Centers muss der zwölfjährige Karim nicht mehr arbeiten. Das Center ist nur eines von vielen Projekten, die German Baptist Aid unterstützt. Neben Spenden zur Förderung von GBAid bittet der BEFG aktuell um Spenden für die Kinder- und Jugendarbeit des GJW.

Der zwölfjährige Karim* lebte glücklich mit seiner Familie in einem Haus mit Garten, Obstbäumen und Gemüsebeet in Syrien – bis der IS in die Region kam und die neunköpfige Familie in den Libanon fliehen musste. Wegen Rückenproblemen kann Karims Vater Ibrahim nicht mehr arbeiten. Seine Mutter Fatima putzt das Haus ihres Vermieters für 3,50 Dollar am Tag – viel zu wenig für die monatliche Miete von 200 Dollar. So waren seine Eltern gezwungen, Karim von der Schule zu nehmen, damit er ebenfalls Geld für die Familie verdient.

Durch das Tahaddi-Center in Hay-el-Gharbeh, einem der Elendesviertel der libanesischen Hauptstadt Beirut, erfahren sie Hilfe. Das Center bietet umfangreiche Unterstützung: Kleinkindbetreuung, Schulunterricht, klassische Sozialarbeit, medizinische und psychologische Betreuung sowie ein Nähzentrum, in dem Frauen Geld für ihren Lebensunterhalt verdienen können. Karims Familie erhielt unter anderem Mietzuschüsse. Dadurch kann Karim wieder zur Schule gehen, statt arbeiten zu müssen. Mit einer Spende an German Baptist Aid besteht die Möglichkeit, Projekte wie dieses zu fördern. Weitere Projekte finden Sie auch in den aktuellen Projektinformationen, die das GBAid-Komitee vierteljährlich veröffentlicht.###3_IMAGES###Außerdem bittet der BEFG in diesem Sommer um Spenden für die Arbeit des Gemeindejugendwerks. Das GJW fördert, qualifiziert und ermutigt die zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich Woche für Woche in den Ortsgemeinden engagieren. Sie spielen in den Biografien der Kinder und Jugendlichen oft eine prägende Rolle bei einer Entscheidung für Jesus: „Sie sind Vorbilder im Glauben und wichtige Ansprechpartner“, weiß Udo Rehmann, Leiter des Dienstbereichs Kinder und Jugend. „Wir wünschen uns, dass die Kinder eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus erfahren, die ihrem Leben Sinn und Hoffnung gibt. Die biblische Botschaft soll für junge Menschen erlebbar und jede Ortsgemeinde ein phantasievoller und sicherer Lebensraum sein.“

Das Gemeindejugendwerk unterstützt die Mitarbeitenden durch zeitgemäßes Material und Schulungen. Viele Stundenentwürfe, Andachten und Kinderteile für den Gottesdienst sind auf „EDITION GJW online“ kostenlos verfügbar. Zudem bietet das GJW Webinare zu relevanten Themen an. Und durch die Kunterbunte Box erleben Kinder auf spielerische Weise und multimedial, also mit dem Handy in der Hand und gleichzeitig durch die Gemeinderäume streifend, alttestamentliche Geschichte hautnah.

* die Namen sind aus Sicherheitsgründen geändert

Osterleute gestalten

Pastorin Claudia Sokolis-Bochmann hat im Kreativkreis für das Jahresthema und im Redaktionskreis des Osterkalenders mitgearbeitet. In einem persönlichen Rückblick auf das Jahresthema „INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“ beschreibt sie ihre Erfahrungen mit dem Osterkalender.

Das Telefon klingelte. Ich wurde zum ersten ThinkTank zum Jahresthema 2018/19 nach Elstal eingeladen. Damals ahnte ich noch nicht, wie intensiv und prägend die nächsten Jahre werden sollten. Mein Weg mit dem Jahresthema begann mit diesem Treffen im September 2016 und meine Neugier war geweckt, ebenso wie mein Wunsch mitzugestalten. Langeweile hatte ich wahrlich nicht, im Dienst und darüber hinaus genügend Termine. Aber dieses eine Wort hatte mich gepackt: Thementrägerin. Im ThinkTank fiel es, und fiel gleich in mein Herz. Thementrägerin wollte ich sein, für das Thema „Spiritualität“ stehen. Sicher, ich war schon vorher dafür bekannt, deshalb ja auch eingeladen. Doch es schien, als sei da noch mehr möglich. Auch in unserem Bund. Es folgte meine Mitarbeit im Kreativkreis für das Jahresthema und dann für die Bundesratstagungen 2018/19. Zudem erhielt ich die Anfrage, im Redaktionsteam des Osterkalenders mitzuarbeiten, und auch dazu fand ich ein Ja. Meine Kreativität konnte ich hier wie da zum Einsatz bringen.

In den Arbeitskreisen und Aufgaben lernte ich eine Menge Leute neu oder anders kennen. Sie inspirierten mich mit neuen Ideen und Gedanken und ließen mich ins Fragen kommen. Einige der Mitarbeitenden wurden für eine Zeit intensive Gegenüber. Wege gingen wir gemeinsam, auch bei Unterschiedlichkeiten, feierten Etappen, freuten uns an Ergebnissen, brachten Themen ins Gespräch.

Ende 2018 war ich dankbar, dass sich das Ende mancher Arbeitskreise und Aufgaben abzeichnete, einfach, weil Leben und Dienst sich geändert hatten und ich mich mehr auf das Thema konzentrierte, darüber arbeitete und referierte, in Lehre investierte und raus aus organisatorischen Aufgaben trat, um weiter Thementrägerin zu sein.

Doch die Zeit des Osterkalenders hatte es für mich noch in sich und hat mich nachhaltig geprägt. Diese Zeit zwischen Ostern und Pfingsten werde ich nicht vergessen. Zumal sie auch gemeindlich für uns von den Themen des Osterkalenders geprägt war. Redaktionell und als Autorin am Kalender mitzugestalten, war schon ein Geschenk für mich und hatte zur Auswirkung, dass ich in besonderer Weise den Kalender beworben und verschenkt hatte, in Gemeinde, an Freunde und Familie. Das Thema für Bibelstunden und Gottesdienste war klar, und ich freute mich über Rückmeldungen von Freunden, die lange nichts mit Gemeinde zu tun haben, aber angesprochen wurden.

In der Gemeinde lasen wir gerade den Einstieg des Osterkalender „Osterleute gehen weiter“ und wir ahnten noch nicht, was geschehen würde. Kurze Zeit darauf starb eine Mitarbeiterin aus der Mitte der Gemeinde, mitten im Abendmahlsgottesdienst wurde sie in die Ewigkeit berufen. Gerade hatte ich über „Osterleute lieben“ gepredigt, über Petrus, der ans andere Ufer geht. Die Mitarbeiterin hatte sich vor Ostern einige Kalender erbeten, um sie weiterzugeben, und mir gerade in der Woche vor ihren Tod erzählt, wie ansprechend sie den Kalender findet und wie wichtig es sei, die Osterbotschaft in die Welt hinauszutragen. Dann starb sie. Und schon am Sonntagmittag stellte sich mir die Frage, ob nun ein Themenwechsel dran war. Weitermachen wie geplant?

Die Osterleute wurden mir und uns als Gemeinde zum Halt. Sie gaben uns einen „Rahmen“ in schwerer Zeit. Auf der Beerdigung verkündigten wir die Osterbotschaft und erzählten von den Osterleuten, die weitergehen. Mehr als 200 Leute hörten an dem Tag von der Hoffnung und Kraft der Auferstehung, Fremde nahmen den Osterkalender mit, weil er der Mitarbeiterin wichtig war. Worte, die ermutigten, trösteten und Kraft gaben. „Jesus lebt, mit ihm auch ich, das ist meine Zuversicht“. Zu diesem Lied folgte mein eigenes Gedicht und viele, die mich auf dem Friedhof hörten, lasen dieses Bekenntnis und wir kamen ins Gespräch.

Mein Mann, der seine erste Frau auf ähnlich schmerzliche Weise so plötzlich verloren hatte, übernahm die Stephanus-Predigt und verkündigte den offenen Himmel. Osterleute hoffen. Wir brauchten keine anderen Themen zu suchen, mussten uns nicht überlegen, wie wir die nächsten Wochen gestalten sollten. Wir ließen uns einfach fallen in die Perikopen der Osterleute. Ich war dankbar für Predigten der Kollegen aus Elstal, Anregungen des Hauskreismagazins und fühlte mich in dieser Zeit getragen von den Osterleuten. Und nicht nur symbolisch. Kolleginnen und Kollegen, Freunde nahmen Anteil, beteten mit, ermutigten. Texte, die ich mit redigiert hatte, bekamen einen neuen Klang, Bilder sprachen an und in mir wuchs die Dankbarkeit, in so ein Netz – die Gemeinschaft – eingebunden zu sein und an dieser Aufgabe mitgewirkt zu haben. Und wenn es nur für uns als Gemeinde war, nur für diese Zeit des Abschiednehmens – mein Einsatz über die Jahre und im Bund hatte sich gelohnt.

Prof. Dr. Volker Spannengenberg schreibt in seiner Predigt zum Osterkalender: „Zeit in der Zeit“. So lautet der Titel, den der Schweizer Theologe Robert Leuenberger seinem Buch über das Gebet gegeben hat. „Zeit in der Zeit“. Kürzer kann man wohl kaum beschreiben, was ein Gebet ist. Und schöner vermutlich auch nicht. Denn genau das ist es, was Menschen tun, wenn sie beten: Sie nehmen sich Zeit. Zeit in der Zeit. Zeit für Gott. Zeit für sich selbst. Und Zeit für andere.“ Nach dem Todesfall hatten wir im Juli jeden Donnerstag „Treffen am Kreuz“ – wir hatten Zeit für Stille und Gebet. Kein Programm, einfach Zeit. Und mit denen die da waren eine intensive Zeit. Mich selbst hat diese Predigt sehr angesprochen und in der Zeit ganz für mich in die Situation hineingepasst.

Die aktuelle Situation und die letzten drei Jahre haben mich verändert. Sie haben mich vertieft, mich stärker an meinen eigenen Herzschlag gebracht und mich auf meine Themen gestoßen, an denen ich arbeiten will, für die ich mich einsetze. Dafür mir die Zeit zu nehmen, hat sich als Segen ausgewirkt und ich bin dankbar, dass 2016 das Telefon bei mir klingelte und ich gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, mich einzubringen, mitzugestalten.

Child Friendly Spaces

Child Friendly Spaces ist eines von mehreren Bildungsprojekten, die von German Baptist Aid unterstützt werden. Pastor Frank Wegen berichtet von seinem Besuch bei diesem Projekt im Libanon.

Im Libanon halten sich derzeit knapp 500.000 syrische Flüchtlingskinder auf, von denen weniger als die Hälfte eine Schule besuchen kann. Die Baptisten im Libanon haben sich an verschiedenen Stellen im Land dieser Herausforderung angenommen und sind aktiv geworden. So auch in einer ländlichen Gegend im Norden des Landes, wo sie vor circa fünf Jahren durch die Unterstützung von German Baptist Aid eine Einrichtung eröffnen konnten: Child Friendly Spaces. Das ist ein Konzept, das weltweit in Krisengebieten zum Einsatz kommt. Es bietet den Kindern neben Angeboten zum Lernen und Spielen vor allem einen sicheren Zufluchtsort, an dem sie sich aufhalten und ein kleines Stück Normalität erleben können.

Frank Wegen, Komiteemitglied bei German Baptist Aid, hat die Einrichtung Mitte Juni besucht und ist begeistert von dem Dienst für die Kinder und ihre Familien. Aktuell nehmen knapp 200 Kinder im Alter von sieben bis 13 Jahren im Laufe einer Woche zu festgelegten Zeiten an diesem Programm teil, manche an einem Tag in der Woche, andere auch mehrfach. In der Einrichtung bekommt jedes Kind ein Sandwich, das es vor Ort verzehren muss, erläuterte Michel Sawan, der Projektkoordinator. Zudem erhalten sie einmal im Monat ein Lebensmittel- und Hygienepaket.

Der Alltag vieler Familien ist von Armut und Gewalt geprägt. Sie sind darauf fokussiert, das tägliche Überleben zu sichern. Deshalb erscheint vielen syrischen Eltern Bildung als Nebensache, und sie sehen die Bildung ihrer Kinder nicht als Chance und möglichen Weg aus der Armut. Da sei oft viel Überzeugungsarbeit nötig. Das Mitarbeiterteam wird regelmäßig geschult, gerade auch die Themen rund um den Kindesschutz haben einen wichtigen Stellenwert.

Und was ist, wenn Kinder die Altersgrenze erreicht haben? Frank Wegen erfährt: Für die Kinder, die mit dreizehn Jahren aus dem Programm ausscheiden, weil sie die obere Altersgrenze erreicht haben, wurde ein wöchentliches Treffen eingerichtet. Es ist in etwa wie eine Jugendstunde in Gemeinden, wo über Themen gesprochen wird, die die Teenies bewegen, und es viel Spiel und Spaß gibt. Das Angebot wird gut angenommen. Über die Jahre ist viel Vertrauen gewachsen und die Mitarbeiter sind für die jungen Leute oft die ersten Ansprechpartner und Vertrauenspersonen. Frank Wegen freut sich, wie aus kleinen Anfängen eine in der ganzen Region bekannte und respektierte Einrichtung geworden ist.

2000 Stimmen singen vom Traum

Es war eines der Highlights beim 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund: 2.000 Stimmen sangen am Fronleichnamstag vor 8.000 Besuchern im Rund der Westfalenhalle vom Traum, der die Welt verändert hat. Gemeinsam mit Musical-Solisten und einer Big-Band brachte der große Chor, dessen Sängerinnen und Sänger sich aus ganz Deutschland für diese Aufführung zusammengefunden hatten, das Chormusical „Martin Luther King – Ein Traum verändert die Welt“ auf die größte Bühne der Region.

Die Besucher der zweistündigen Aufführung waren hingerissen vom Spiel der professionellen Musical-Solisten, den 22 Songs in einer Mischung aus Motown, Gospel und Pop, von denen jeder einzelne Ohrwurmpotenzial hat, sowie der atemberaubenden Kulisse, die die Westfalenhalle bietet. Eine Zuschauerin: „Ich bin ganz begeistert, allein wegen der schieren Größe des Chors. Die vielen Stimmen, das Miteinander – das überträgt sich auf die Zuhörer und Zuschauer.“###3_IMAGES###EKD-Ratsvorsitzender Heinrich-Bedford-Strohm, der auch bundesweiter Schirmherr der Musical-Tournee im Jahr 2020 ist: „Es war ganz stark! Es ist ein wunderbares Gefühl hier zu sitzen, in diesem großen Rund, mit 10.000 Menschen, die zuhören. Sein Wirken, diese Grundorientierung Martin Luther Kings heute Abend auch in die Herzen gesungen zu sehen, das ist schon ganz stark.“ Weiter: „Sich begegnen, monatelang üben und dann zusammenkommen zur Hauptprobe und zur Aufführung, ein riesengroßes Gefühl der Gemeinschaft im Singen –das ist aus meiner Sicht ein echtes Zukunftsmodell, und ich wünsche mir viel mehr davon!“

Christoph Stiba, Generalsekretär im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R. und ebenfalls bundesweiter Schirmherr des Chormusicals: „Sehr ehrlich in dem, was an Konflikten in den einzelnen Personen, ist, auch an Ratlosigkeit um Martin Luther King: Wie reagieren wir jetzt auf die Anfeindungen, wie stehen wir dazu, dass Malcolm X die Ziele mit Gewalt umsetzen will? Dass es trotzdem in dieser friedvollen Art geschehen ist, das fand ich sehr berührend, und ich glaube, dass uns das für heute sehr viel zu sagen hat.“

Im Jahr 2020 geht das Chormusical in elf Städten bundesweit auf Tournee.

Der BEFG auf dem Kirchentag in Dortmund

Auch dieses Jahr war der BEFG beim Deutschen Evangelischen Kirchentag vom 19. bis 23. Juni mit einem Stand beim Markt der Möglichkeiten vertreten. Dort gab es neben Informationen die Möglichkeit, ein Erinnerungsfoto mit Martin Luther King zu machen oder Figuren und Symbole aus Wacholderholz zu schleifen. Mit dabei war BEFG-Referentin Jasmin Jäger.

„Martin Luther King war Baptist.“ Diese Aussage sorgte an dem Stand des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden mitunter für Erstaunen und für viele Sympathien. Denn mit am Stand saß ein Pappaufsteller von Martin Luther King. Mit überschlagenen Beinen, Zigarette in der Hand und dem Gesicht zur Seite gewandt, wirkte er so, als würde er sich mit jemandem unterhalten. Viele Kirchentagsbesucherinnen und -besucher ließen sich mit King fotografieren. Die entstandenen Fotos konnten dann als Erinnerung an den Kirchentag mitgenommen werden.

„Was ist dein Traum für eine bessere Gesellschaft?“ Diese Frage wurde an eine Leinwand geworfen, und jeder konnte mittels einer Onlineplattform anonym seinen Traum hinterlassen: „Mehr Klimaschutz, Freiheit, Rücksichtnahme, Frieden und Freundlichkeit“ oder der Wunsch, dass jede und jeder genau so respektiert wird, wie er oder sie ist und glaubt. „I have a dream… ich träume von Respekt zwischen den Menschen und gegenüber der Umwelt.“

Martin Luther King und seine Anliegen wurden auch bei der Aufführung des Chormusicals „Martin Luther King – Ein Traum verändert die Welt“ sichtbar. Rückblickend von seiner Ermordung wurde das Leben Kings durch seine Frau Coretta, Rosa Parks, seine frühere Lehrerin, seinen Gegner Malcolm X und Polizisten gesanglich nacherzählt. „Die Botschaft ist aktueller denn je und wird über sehr gute Musik und Inszenierung direkt in die Herzen aller gesungen“, schwärmte Rita von Radzibor, die bei der Uraufführung in Essen mitgesungen hatte. „Einfach toll! Inmitten von Jungen und Älteren zu singen, ist eine Bereicherung für Kopf und Seele.“ Als Baptisten und Brüdergemeinden ist der BEFG Kooperationspartner des Musicals. Nach der Kirchentagsaufführung geht das Musical 2020 auf Tournee.

Der Stand des BEFG hatte nicht nur King-Fans zu Besuch. Seit zehn Jahren bietet Friedrich Kleibert, Pastor i.R., am Stand des Bundes seine Holzschleifarbeiten an. Er war gut vorbereitet. Sorgfältig ausgesägte Rohlinge aus duftendem Wachholderholz warteten auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kirchentages. Ob Kreuze, Fische, Elche, Rosen oder Notenschlüssel, die Holzarbeiten trafen bei Jung und Alt auf Begeisterung. „Die letzten Jahre war ich auch schon an diesem Stand“, schwärmt eine Teilnehmerin. „Man muss gar nicht viel reden, man kann einfach nur vor sich hin schleifen. Bei dem vielen Programm ist das ein guter Ausgleich.“ Eine andere Teilnehmerin berichtete, dass sie mit den Holzteilchen ihren Glauben ausdrücke.

Mit am Stand waren auch Gabriele Löding, Referentin für Diakonie, Regionalreferent Ost Benno Braatz und Regionalreferent Süd Christopher Rinke sowie Studierende der Theologischen Hochschule Elstal. „Das ist mein erster Kirchentag und ich finde es interessant, bewusst als Baptistin hier zu sein und anderen zum Beispiel von unserem Taufverständnis zu erzählen“, so Studentin Svenja Burmann. BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba war auch dabei: „Aufgefallen ist mir bei meinem Besuch vor allem das enorme Engagement vieler Beteiligter. Beim Kirchentag kommen Menschen zusammen, die sich aus ihrem Glauben heraus für Anliegen einsetzen. Das ist ein ermutigendes Signal in die Gesellschaft hinein.“

Gott meint es gut

Der 10. Internationale Kongress der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS) fand vom 5. bis 8. Juni in Würzburg statt. Die 850 Teilnehmenden beschäftigten sich mit den Bedingungen für den psychotherapeutischen und seelsorgerlichen Umgang mit Patienten in einer digitalisierten Welt.

„Als Christen können wir den digitalen Veränderungen mit Gelassenheit begegnen. Auch die digitalen Werke enden in der analogen Leiblichkeit,“ meinte Jens Mankel am Ende des 10. Kongresses der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge. Der Referent der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal war begeistert: „Ich habe tieferen Einblick in die Digitalisierungsprozesse bekommen.“ In über 100 Vorträgen und Seminaren hatten Fachleute Gefahren und Chancen der Digitalisierung diskutiert. Zehn Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren unter 30 Jahre alt.

Unter den baptistischen Teilnehmenden waren Cornelia Nikesch, Jürgen Tischler und Prof. Dr. Andrea Klimt. Cornelia Nikesch, die langjährige Mitarbeiterin des Frauenwerkes war bereits zum dritten Mal dabei. Für sie ist tröstlich, „dass Maschinen nicht mehr können als Gott“. Tischler, der im Landesverband Niedersachsen-Ostwestfalen-Sachsen-Anhalt Gemeinden berät, ist überzeugt, „dass das Thema eine entscheidende Revolution behandelt, die unsere Gemeinden herausfordert.“ Und die Professorin für Praktische Theologie Dr. Andrea Klimt war beeindruckt: „Das war eine kurze kompakte Form von Fortbildung!“

Prof. Dr. Wolfgang Stock und der Experte für Fragen der Internetsucht Eberhard Freitag reflektierten die Praxis. Der Kommunikationsberater Stock bedauerte die wachsende Uninformiertheit vieler Menschen, trotz oder wegen einer immer mehr zunehmenden Informationsflut. Er hielt sich jedoch nicht mit dem Bedauern auf. Nicht jeder liebe Veränderungen und doch sei die Gegenwart von rasanten Veränderungsprozessen geprägt.

Theologische Impulse kamen von Prof. Dr. Matthias Clausen aus Marburg und von Dr. Mihamm Kim-Rauchholz, Professorin an der Internationalen Hochschule in Bad Liebenzell. Sie eröffnete die Tage mit Andachten, die aufmerksame Zuhörer fanden. Ein allgemeiner Gottesglaube sei ambivalent, weil er offenlässt, ob man diesen Gott fürchten oder lieben muss. Entscheidend ist daher die Offenbarung Gottes in Jesus Christus. In ihm wird eindeutig sichtbar, dass Gott vertrauenswürdig und den Menschen gut gesonnen ist. Sie betonte, dass in einer sich rapid wandelnden Welt gilt, was Paulus im Römerbrief formulierte: „Ich bin gewiss, dass nichts uns scheiden kann von der Liebe Gottes.“

Michael Borkowski, selbst Referent beim Kongress äußerte sich dankbar über den Kongress, der „Fürsorge durch Gottes Wort und eine dichte menschenfreundliche Atmosphäre“ miteinander verbindet. „Der Kontakt mit vielen Kolleginnen und Kollegen tut einfach gut.“

Für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer war ein Konzert mit Dieter Falk ein besonderer Leckerbissen. Am Flügel begeisterte er mit klassischen und modernen Kirchenliedern, teils improvisiert, ausgewählt auf Zuruf der Besucherinnen und Besucher. Man spürte, dass er seine ersten musikalischen Schritte in einer Freien evangelischen Gemeinde gemacht hatte. „Wie bei einem Familientreffen“ empfand jemand den Abend.

Am Rande des Kongresses hatte eine Gruppe von 170 Demonstranten aus dem Spektrum der linksalternativen Szene gegen den Kongress protestiert. Sie vermuteten fundamentalistische und homophobe Ziele dieses Kongresses. Von Seiten der APS und der Teilnehmenden wurde mit Unverständnis und Bedauern auf diese Gleichsetzung von christlichen Werten und diskriminierenden Einstellungen reagiert. Die APS versteht sich als Gesprächsplattform für christliche Therapeutinnen und Seelsorger aller Konfessionen und sieht eine ihrer wichtigsten Aufgaben gerade darin, Toleranz und gegenseitiges Verständnis zu fördern.

Dr. Martin Grabe, der Vorsitzende der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge, rief die Teilnehmenden in seinem Schlusswort auf, ohne Angst die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, ihr gleichzeitig angemessene Grenzen zu setzen und mit Gottvertrauen in die Zukunft zu gehen.

Der nächste Kongress findet 2021 statt.

Werkstatttag „Familiengerechte Gemeinde“

Wie sieht eine familienfreundliche Gemeinde aus und wie kann die eigene Gemeinde familienfreundlicher werden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Werkstatttags am 11. Mai in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Teterow.

Die Art des Familienlebens befinde sich in unserer Gesellschaft im Wandel, so heißt es in der Ausschreibung zum Werkstatttag „Familiengerechte Gemeinde“. Der Fachbereich Familie und Generationen hatte dazu ins mecklenburgische Teterow eingeladen. Über 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten sich auf den Weg. Gemeinsam mit Gabriele Löding, Referentin für gemeindenahe Diakonie im Dienstbereich Mission, und Simon Werner, Referent für Bildung im GJW, reflektierten die Teilnehmenden ihre Gemeindesituation: „Was läuft gut, was trägt zur Familienfreundlichkeit in unseren Gemeinden bei? Was hemmt uns, familienfreundlich zu sein, und was fehlt uns?“ Die beteiligten Mitarbeitenden aus den verschiedenen Gemeinden fanden vieles, was in den Gemeinden familienfreundlich ist: ein Familienzentrum, Seniorenarbeit und ein Winterspielplatz. Aber es gab auch manches, was als hemmend empfunden wurde, wie etwa die Angst vor Veränderungen oder der Mitarbeitermangel.

Die Teilnehmenden befassten sich außerdem mit statistischen Erhebungen für den Landkreis Rostock Land und Teterow im Speziellen. Diese machten deutlich, dass die gefühlte „Kinderlosigkeit“ trügerisch ist. Denn die Statistik weist im Ausblick bis 2030 stabile Zahlen für Menschen im Kindes- und Jugendalter aus. Allerdings zeigt die Statistik auch, dass nur etwa 50 Prozent der Familien in das gewohnte Familienbild passen. Wie offen sind Gemeinden für Familienmodelle der Jetztzeit? Simon Werner führte den Teilnehmenden vor Augen, dass die Bibel gar nicht das eine Familienbild überliefert, und dass Familie herausfordernd und veränderlich ist. Seine These: „Wir sind familienfreundlich, wenn wir nicht nur zu Familien freundlich sind, die unseren Vorstellungen entsprechen.“ Das war am Ende für den einen oder anderen ein wichtiger Satz „zum Mitnehmen“. Anschließend positionierten sich die Teilnehmenden zu bestimmten Aussagen oder Fragen im Raum, zum Beispiel zu der Frage, ob die eigene Gemeinde für neue Familien willkommen heißend, befremdlich oder vereinnahmend wahrgenommen wird. Daraus ergaben sich interessante Gespräche über den eigenen Standpunkt.

„Ein herzliches Dankeschön an das Referententeam! Wir haben im Austausch, beim Analysieren und beim Betrachten biblischer Impulse viel gelernt und würden gern im nächsten Jahr weitermachen“, sagte einer der Teilnehmer. Der Werkstatttag fand am Sonntag im familienfreundlichen Gottesdienst in Teterow eine praktische Ergänzung. Zusammen mit Cornelius Herrmann, dem Jugendpastor aus Mecklenburg-Vorpommern, erlebten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen fröhlichen bunten Gottesdienst, in dem die uneingeschränkte Annahme Gottes im Mittelpunkt stand.

Kinderschutz, Frieden, Generationengemeinde, Strukturen

Zu vertiefenden Diskussionen bestimmter Themen in kleinerem Rahmen eignen sich die Foren auf der Bundesratstagung besonders gut. Die Foren haben Antragsrecht und dienen laut Geschäftsordnung des Bundesrats der Vorbereitung von Entscheidungen und der Beratung von Grundsatzfragen.

Das Forum zum Thema Sichere Gemeinde beschäftigte sich mit den gemeinsamen Standards für die Mitarbeit, die es seit 2017 in allen Gemeindejugendwerken (GJWs) gibt. Dies werde als sehr hilfreich empfunden, denn, so GJW-Referent Jason Querner: „Das schafft Klarheit für unsere Mitarbeitenden, für Eltern und Teilnehmende, und wir können als Träger der freien Jugendhilfe auch dem Jugendamt darlegen, wie wir den Kinderschutz sicherstellen.“ Da ein Großteil der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aber vor Ort in den Gemeinden geschehe, wünschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums, dass auch die Gemeinden sich diese Standards zu eigen machen, und kündigten an, im nächsten Jahr einen entsprechenden Antrag in den Bundesrat einzubringen. Zudem wurden die Gemeinden ermutigt, sich mit dem Thema Sichere Gemeinde auseinanderzusetzen. Ein entsprechendes Begleitheft kann auf der Internetseite des GJWs heruntergeladen werden.

Am Gesprächsforum „Gefährdeter Frieden – tragfähige Perspektiven: Inspiriert leben als Friedensstifter“ nahmen der Friedensforscher Prof. Dr. Fernando Enns, die Geschäftsführerin von Micha Deutschland, Stefanie Linner, und Vertreter des Arbeitskreises „Evangelium und gesellschaftliche Verantwortung“ teil. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutierten sie darüber, ob es Situationen in der Welt gibt, die Gewalt erfordern, und wie Gemeinden und Einzelne friedensstiftend in die Gesellschaft hineinwirken könnten. Als Praxisbeispiel wurde eine Aktion der EFG Hamm vorgestellt, die sich dafür eingesetzt hat, dass ein Demonstrationszug von Rechtsradikalen nicht mehr an ihrem Gemeindehaus vorbeiführt. Dies hatte zur Folge, dass die Gemeinde nun mit vielen Akteuren vor Ort vernetzt sei, die sich gegen Rechtsextremismus einsetzen.

Im Forum „Inspiriert leben in einer Gemeinde mit allen Generationen – Vision und Wirklichkeit“ tauschten sich rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer darüber aus, wie sie die Generationengemeinschaft in ihren Gemeinden erleben. Prof. Dr. Andrea Klimt von der Theologischen Hochschule Elstal formulierte in einem Impulsreferat ihre Vision von einer Gemeinde mit allen Generationen so: „In und durch Christus miteinander verbunden, nimmt die Gemeinde ihre Aufgabe wahr, Kontrastgesellschaft zu sein und integriert Unterschiede von Alt und Jung und weit darüber hinaus“, so Klimt. „Sie schafft Raum für alle Menschen und beteiligt alle an Entscheidungsprozessen. Gemeinde mit allen Generationen fördert ihre Stärken und nutzt Konflikte zu einem fairen Miteinander. Gemeinde mit allen Generationen verbringt viel Zeit miteinander und setzt sich gemeinsam für wichtige Anliegen unserer Gesellschaft ein.“ Außerdem wurde das neue Figurentheater des Fachbereichs Familie und Generationen vorgestellt. Dabei handelt es sich um 30 Zentimeter große Stabpuppen, die unter Anleitung selbst angefertigt werden und vielfältig in der Gemeindearbeit eingesetzt werden können.

Mit 247 Personen sehr gut besucht war auch das Forum zu den Strukturen des Bundes. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer überlegten gemeinsam, wo die Stärken und Schwächen der derzeitigen Verknüpfung von Bund, Landesverbänden und Gemeinden liegen und ob und wie diese Zusammenarbeit neu organisiert werden kann. Denn, so formuliert es BEFG-Präsident Michael Noss: „Es gehört zu den alten Weisheiten und auch zur Geschichte unseres Bundes, dass eine Struktur dem Leben dienen muss und nicht umgekehrt das Leben die Struktur bedient. Deshalb müssen Strukturen auch immer wieder auf den Prüfstand und sich fragen lassen, ob sie noch tragen oder ob sich das Leben nicht längst andere Wege gesucht hat und über den strukturellen Rahmen hinausgewachsen ist.“ Die Ergebnisse des Gesprächs im Forum werden nun gesammelt und in die Weiterarbeit an diesen Fragen eingebracht.

„Das Volk Israel und die Gemeinde Jesu Christi“

Auf der Bundesratstagung des BEFG wurde am 31. Mai 2019 nach jahrelanger Vorarbeit die „Rechenschaft vom Glauben“ im Hinblick auf das Verhältnis von Juden und Christen geändert. Darin wird deutlich: Der alte Bund Gottes mit Israel – die Erwählung Israels – bleibt bestehen und die Verheißung Gottes gilt durch den neuen Bund in Jesus Christus allen Menschen.

Der Fachkreis „Christen und Juden“ im BEFG hat sich seit 2014 mit einer neuen Formulierung der „Rechenschaft vom Glauben“ beschäftigt. Im Kern ging es dabei in der bisherigen Version um den Satz: „Der neue Bund, in dem Gott seine Herrschaft der Gnade für alle Menschen aufgerichtet hat, löst den alten Bund ab und bringt ihn zugleich zur Erfüllung.“ Die neue Fassung verzichtet auf die Gegenüberstellung von „alter und neuer Bund“. Vielmehr heißt es: „Gott hat seinen Bund mit Israel nicht aufgekündigt, als er durch Jesus Christus einen neuen Bund gestiftet und darin seine Herrschaft der Gnade für alle Menschen aufgerichtet hat.“

Bereits in einer Handreichung „Zum Verhältnis von Juden und Christen“ aus dem Jahre 1997 wurde deutlich, dass dieses Verständnis im BEFG nicht mehr geteilt wird. Zusammen mit dem Kollegium der Theologischen Hochschule Elstal und mit Hilfe von Impulsen aus dem Forum des Bundesrates 2018 hat der Fachkreis die neue Fassung des fünften Abschnitts der „Rechenschaft vom Glauben“ erarbeitet. Zudem wurde der neue Textabschnitt von jüdischen, messianischen und evangelisch-lutherischen Gesprächspartnern als respektvoll gegenüber der bleibenden Erwählung Israels bezeichnet. „Wir sind dankbar für den mehrjährigen Prozess der Beratung und Arbeit an diesem Passus der ‚Rechenschaft vom Glauben‘“, so BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba. „Die Änderung bringt unsere Haltung gegenüber Israel zum Ausdruck. Gut, dass das jetzt auch in dem für uns so wichtigen Dokument bezeugt wird.“

Die „Rechenschaft vom Glauben“ ist „Ausdruck und Zeugnis der Übereinstimmung der Gemeinden im Glauben“, heißt es im Vorwort. In den Siebziger Jahren wurde sie in einem Beratungsprozess für den deutschsprachigen Raum – auch für den Baptistenbund in Österreich und in der Schweiz – erarbeitet. In der „Rechenschaft vom Glauben“ wird die grundlegende theologische Position des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden beschrieben. Auf der Bundesratstagung wurde die Neufassung mit einer überwältigenden Mehrheit angenommen.

„Das Volk Israel und die Gemeinde Jesu“, so lautet der neuen Titel des Abschnittes. Juden und Christen warten demnach gemeinsam auf das verheißene Gottesreich. „Wir erreichen mit dieser Änderung unser wichtigstes Anliegen“, freut sich Pastor Dr. Michael Rohde, Leiter des Fachkreises, über die angenommene Änderung: „Wir drücken als Christen im BEFG unser Bekenntnis zu Jesus Christus aus und zugleich machen wir unmissverständlich klar, dass der Bund Gottes mit Israel weder aufgehoben noch ersetzt worden ist.“

Schwieriges Jahr mit glimpflichem Ausgang

„Wir hatten ein schwieriges Jahr mit einem glimpflichen Ausgang“, so lautet das Fazit von Volker Springer, dem kaufmännischen Geschäftsführer des BEFG, auf der Bundesratstagung in Kassel.

Das Ergebnis für 2018 liegt bei einem Minus von 20.350 Euro. Jan Schönknecht, Sprecher der Finanzsachverständigen, bestätigt: „Das Bundesopfer blieb 250.000 Euro und die Bundesbeiträgen 42.000 Euro unter dem Haushaltsansatz. Zudem gab es keine Sondereinnahmen im abgelaufenen Jahr. Unter diesen schwierigen Bedingungen haben Volker und sein Team sehr gute Arbeit geleistet. Die ‚rote Null‘ wurde quasi erreicht und zusätzlich weiter Schulden getilgt.“ Von den rund 11 Millionen Euro aus dem Jahr 2016 sind aktuell noch 10,3 Millionen übrig, sodass der Schuldenstand bereits 2020 siebenstellig werden könnte.  

Volker Springer führte aus, dass das Haushaltsjahr 2018 auch deshalb schwieriger gewesen sei als das vorige, weil es so gut wie keine außerordentliche Einnahmen gab: drei Objektverkäufe würden erst 2019 wirksam, es habe keine Einnahmen aus Nachlässen und keine höheren Sonderspenden gegeben. Das Bundesopfer fiel um 100.000 Euro schlechter aus als in den beiden Vorjahren. Für das negative Haushaltsergebnis sei zudem die geringere Beteiligung der Gemeinden beim Bundesbeitrag mitentscheidend gewesen.

Aus den Gemeinden wünscht sich Springer mehr Engagement – gerade bei den Spenden. Nach wie vor beteilige sich nicht mal ein Drittel der Bundesgemeinden durch Kollekten und Spenden am Bundesopfer. Aus den Reihen der Delegierten gab es diesbezüglich folgende Rechnung: Wenn die rund 500 Gemeinden, die sich bisher nicht beteiligen, an einem Sonntag im Jahr eine Kollekte sammelten, wäre das bei durchschnittlich 200 Euro eine Summe von 100.000 Euro, und ein ausgeglichener Haushalt wäre gute erreichbar.  ###3_IMAGES###Bezüglich der Bundesbeiträge gab es einen Antrag seitens der Delegierten, dass sich alle Gemeinden vollumfänglich an den Beiträgen beteiligen mögen. Auch Volker Springer betonte, wie wichtig es sei, dass Gemeinden sich dafür entschieden. So sei der Bundeshaushalt auch die Basis für wertvolle Arbeiten wie die humanitäre Hilfe von German Baptist Aid, die weltweite Katastrophenhilfe oder die Gemeindegründungsprojekte und vieles mehr. Auch Martin Grapentin aus dem Finanzausschuss verwies auf den „bunten Strauß an segensreichen Arbeiten, die aber leider alle Geld kosten.“

Der Erhöhung der Bundesbeiträge stimmten die Delegierten mit großer Mehrheit zu. Für das Jahr 2020 liegt der Bundesbeitrag bei 68,50 Euro (neue Bundesländer) beziehungsweise 69,50 Euro (alte Bundesländer).

Erfreuliche Neuigkeiten gab es hinsichtlich der Ruhegeld- und Versorgungsordnung (RGO). Die veranlassten Maßnahmen zur Stabilisierung sind gemäß einer ersten Überprüfung nach jetzigem Stand ausreichend. Die Entwicklung muss jedoch weiter eng begleitet werden. Hilfreich sei zudem ein außerordentlicher Vermögenszufluss in Höhe von rund 700.000 Euro von der Bergemann Renner Wohlfahrtsgesellschaft, der im Laufe des Jahres erfolgen würde, so Springer. Diese 1911 ins Leben gerufene, wenig bekannte Institution unterstützt Ordinierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Falle einer längeren Erkrankung. Sie kann ihrer Aufgabe jedoch aufgrund der veränderten steuerlichen Rahmenbedingungen nicht mehr satzungsgemäß nachkommen. Ihr bisheriger Zweck lässt sich am besten durch eine Stärkung der Deckungsrücklagen der RGO verwirklichen. Bedingung für die Übertragung ist die konsequente Fortführung der beschlossenen Sanierungsmaßnahmen.

Volker Springer dankte ausdrücklich allen Gemeinden und Einzelpersonen, die sich an den gemeinsamen Finanzen beteiligten und hofft auch in diesem Jahr auf breite Unterstützung und somit ein besseres Ergebnis. 

Ein lohnenswerter Blick von außen

Das Netzwerk „Beratung von Gemeinden“ bietet Chancen, neue Wege zu finden, Probleme zu lösen und konkrete Projekte voranzubringen. Dieses Jahr feierte das Netzwerk mit seinen 68 Beraterinnern und Beratern seinen 15. Geburtstag auf der Bundesratstagung.

Dort verirrte sich plötzlich ein Bäcker mit einer Torte auf die Bühne. Eine große 15 prangte auf ihr. Die Torte sei dem Netzwerk „Beratung von Gemeinden“ gewidmet, verriet Udo Hermann, Leiter des Dienstbereichs Mitarbeiter und Gemeinde. Gemeinsam mit Heike Beiderbeck-Haus, der Referentin für Gemeindeberatung, und Friedrich Schneider erinnerte er daran, wie das Netzwerk Schritt für Schritt gewachsen ist. Friedrich Schneider hat als ehemaliger Leiter des damaligen Dienstbereichs Gemeindeentwicklung das Netzwerk mit an den Start gebracht. Das Netzwerk „Beratung von Gemeinden“ hat zu dem Anlass auch ein Video präsentiert, in dem Personen, die mit ihrer Gemeinde eine Beratung in Anspruch genommen haben, zu Wort kommen.

„Da, wo Menschen zusammenleben, kann es immer wieder zu Konflikten kommen“, ist Hartmut Hoevel, Gemeindeleiter der EFG Mönchengladbach-Rheydt, überzeugt. „Weil man sich missverstanden fühlt, weil man eine Situation falsch eingeschätzt hat oder weil etwas eskaliert ist. Und das ist auch ganz normal, wenn Menschen zusammenleben.“ Deswegen habe er sich an das Netzwerk „Beratung von Gemeinden“ gewandt, um den Gemeindekonflikt mit Hilfe von außen zu bearbeiten. Die Probleme seien noch nicht alle gelöst, doch durch einen externen Berater konnten einige Prozesse angestoßen werden. Pastor Thorsten Lehr aus der EFG Gießen berichtet, dass unter anderem mit Hilfe eines Klausurwochenendes die Leitungsebene in der Gemeinde neu strukturiert wurde: „Dadurch wurden Verantwortungsbereiche und Aufgaben deutlicher erkennbar.“ Denn Gemeindeberatung sei nicht nur etwas für Krisensituationen. Es lohne sich immer, den Blick von außen einzuholen.

„Wir glauben, dass in jeder Gemeinde ein Potential steckt, das Gott in sie hineingelegt hat. Beraterinnen und Berater helfen dabei, das zu entdecken“, so Pastorin Heike Beiderbeck-Haus. Für die unterschiedlichen Herausforderungen in Gemeinden vermittelt sie das passgenaue Angebot. Die Angebote des Netzwerks sind vielfältig, von Team-Coaching und Mediation über begleitende Klausurwochenenden oder die Vermittlung eines „Pastors auf Zeit“ bis hin zu Zukunftswerkstätten oder längeren Veränderungsprozessen. Dabei wird für jede Anfrage Vertraulichkeit zugesichert. „Ich möchte Gemeinden ermutigen, die Angebote des Netzwerks zu nutzen und vielleicht einmal eine ‚Beratung vor der Beratung‘ zu machen, sich also darüber zu informieren, welche Möglichkeiten es gibt“, so Udo Hermann. „Denn die Angebote dienen Gemeinden als Unterstützung und befähigen, eine eigene Lösung oder eine neue Perspektive zu finden.“

BEFG prüft Mitgliedschaft im Weltkirchenrat

Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden prüft eine Mitgliedschaft im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK). Auf der Bundesratstagung wurde darüber diskutiert, und bei der nächsten Konferenz 2020 soll eine Entscheidung getroffen werden.

Auf der Bundesratstagung stellte der mennonitische Theologe Prof. Dr. Fernando Enns, der Mitglied im Zentralausschuss des Weltkirchenrates ist, die Geschichte und Ausrichtung des ÖRK vor. Der ÖRK wolle keine „Einheitskirche“ sein, sondern eine internationale Gemeinschaft der Kirchen. Baptisten aus 27 Bünden seien bereits Mitglied im ÖRK, so Enns. Nach seinem Vortrag wurde die Möglichkeit der Mitgliedschaft kontrovers diskutiert. Mehrere Delegierte befürworteten eine Mitgliedschaft, da sie die Einheit des Leibes Christi sichtbar ausdrücke. Andererseits wurden Bedenken geäußert, dass die Stellung zu Israel problematisch sei. Zudem gehöre die Russisch-orthodoxe Kirche zum Weltkirchenrat, die die Baptisten in Russland unterdrücke. Enns entgegnete, dass der Weltkirchenrat ein Forum biete, das Gespräch, auch mit der Russisch-orthodoxen Kirche, zu suchen und auf diese Weise Einfluss zu nehmen.

„Warum seid ihr eigentlich nicht Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen?“ Diese Frage war einigen Personen, die den BEFG in ökumenischen Gremien auf verschiedenen Ebenen vertreten, im Vorfeld immer wieder gestellt worden. Daher wandten sie sich mit der Bitte, einen Beitritt zu prüfen, an das Präsidium. Der Theologische Ausschuss des Präsidiums erörterte zusammen mit dem Kollegium der Theologischen Hochschule Elstal praktische Fragen einer Mitgliedschaft. So stehe zum Beispiel das im BEFG vorherrschende Grundverständnis von Mission nicht in Widerspruch zum Missionsverständnis des ÖRK. Vielmehr könne der BEFG den typisch freikirchlichen Akzent der Evangelisation selbstbewusst einbringen und werde auf offene Ohren stoßen. Außerdem gehöre ökumenisches Engagement zum Auftrag des BEFG. „Denn das Neue Testament zeigt uns Einheit sowohl als Gabe Gottes an seine Gemeinde wie auch als Verpflichtung zum Handeln für uns Christen. Gott hat uns ‚das Band des Friedens‘ geschenkt, das uns zusammenhält“, wie es in Epheser 4,3-6 stehe. Diese Einigkeit gelte es zu bewahren.

„Wenn es den ÖRK nicht gäbe, müsste man ihn erfinden“, so Professor Enns. „Denn die Herausforderungen in der Welt sind zu groß für eine Konfession allein. Vielmehr noch sind wir eins, weil Christus diese Einheit schon gestiftet hat.“ Professor Enns beantwortete viel Fragen; weitere noch offene Fragen sollen auf der nächsten Bundesratstagung geklärt werden. Ein Antrag, schon auf dem diesjährigen Bundesrat über die Mitgliedschaft abzustimmen, fand keine Mehrheit. Prof. Dr. Michael Kißkalt, der Rektor der Theologischen Hochschule Elstal, bot den Gemeinden an, ihre Fragen hinsichtlich des Weltkirchenrates bereits jetzt an die Hochschule zu richten oder auch Mitglieder des Kollegiums zu Vorträgen einzuladen. Denn auf der nächsten Bundesratstagung soll über die Mitgliedschaft entschieden werden.

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Der Religionsfreiheit und dem Recht auf Asyl verpflichtet

„Die deutsche Geschichte ist für uns Verpflichtung, denen Schutz durch Asyl zu gewähren, die wegen ihrer religiösen Überzeugungen bedroht werden.“ Mit diesen Worten hat der Bundesrat des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in einer heute verabschiedeten Resolution daran erinnert, dass „Religionsfreiheit und das Recht auf Asyl Grundrechte sind, die zusammengehören“. Im Vorfeld des Weltflüchtlingstags am 20. Juni fordert die Resolution von den staatlichen Stellen, dass über Asylanträge aus religiösen Gründen nur Menschen entscheiden, die dazu befähigt sind.

Die Resolution erinnert „dankbar“ daran, dass die Weimarer Reichsverfassung vor 100 Jahren und das Grundgesetz vor 70 Jahren Religionsfreiheit festschrieben. Zudem gebe es seit dem Fall der Mauer vor 30 Jahren „in ganz Deutschland eine umfassende Religionsfreiheit“. Gleichzeitig erinnert das Dokument daran, dass „die Nationalsozialisten die demokratischen Grundstrukturen zerstörten und elementare Grundrechte wie das auf Leben und den Schutz von Minderheiten missachteten. Wer – wie die Juden – verfolgt wurde und im Ausland kein Asyl fand, war der brutalen Verfolgung durch die Nationalsozialisten hilflos ausgeliefert.“

Die Verpflichtung zum Schutz für religiös Verfolgte ergebe sich aus der deutschen Geschichte. Menschen, denen aufgrund eines Religionswechsels Verfolgung drohe, bräuchten den staatlichen Schutz „in besonderer Weise – ob sie nun bereits in ihrem Herkunftsland konvertiert sind oder erst in Deutschland die Religion gewechselt haben.“

Bei der Entscheidung über Asylanträge aus religiösen Gründen sei „religiöse Fachkompetenz“ unerlässlich. Die Folgen dieser Beschlüsse seien für die Betroffenen weitreichend, ja möglicherweise existentiell. „Es darf nicht passieren, dass das Grundrecht auf Religionsfreiheit ausgehöhlt wird. Doch genau dies geschieht, wo Menschen, denen es wegen drohender Verfolgung aus religiösen Gründen zusteht, das Grundrecht auf Asyl nicht gewährt wird.“

Am Ende würdigt die Resolution das Engagement der Kirchengemeinden für Geflüchtete und ermutigt sie, hierin nicht nachzulassen: „Wir wünschen uns, dass Gemeinden Konvertiten in Fragen des Glaubens und der christlichen Lebensgestaltung eine Stütze sind und ihnen auch in juristischen Fragen beistehen.“

Noss wiedergewählt: Mutige Schritte angesichts des gesellschaftlichen Wandels

Altgediente Konzepte auch einmal über Bord werfen und mutige Schritte gehen, um die Liebe Gottes weiterzugeben, dazu hat Michael Noss nach seiner Wiederwahl als Präsident des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) ermutigt. Er wurde in Kassel bei der jährlichen Bundesratstagung der Freikirche mit 91 Prozent der Delegiertenstimmen in dem Amt bestätigt, das er bereits seit vier Jahren bekleidet. Corinna Zeschky wurde durch das Präsidium als Stellvertreterin des Präsidenten bestätigt. Der Bundesrat wählte zudem vier neue Mitglieder in das Präsidium. 

„Wir erleben in Deutschland und weltweit durch Globalisierung und Digitalisierung enorme Umbrüche, die auch vor der Kirche nicht haltmachen“, sagte Noss am Rande der Konferenz. Christen sollten sich auf den Wandel einlassen und den Mut haben, Neues zu wagen. „Mit einer festen Ausrichtung auf das Zentrum unseres Glaubens, Christus, sollten wir uns trauen, altgediente Konzepte auch einmal über Bord zu werfen und mutige Schritte zu gehen, um die Liebe Gottes weiterzugeben.“ Denn es gehe darum, in einem veränderten Umfeld das zu tun, was Jesus schon vor zweitausend Jahren getan habe: „Menschen ermutigen, sie stärken und ihnen die Hoffnung weitergeben, die das Leben von Grund auf verändern kann.“

Turnusgemäß endete mit dem Bundesrat die Wahlperiode von sechs Präsidiumsmitgliedern. Neu in das Gremium gewählt wurden die Pastorin Lea Herbert (Großhansdorf bei Hamburg), die Juristin Cornelia Gerlach (Dresden), der Pastoralreferent Veit Claesberg (Bergneustadt) und der Pastor Volker Bohle (Berlin). Wiedergewählt wurden die Trauerrednerin Dorothee Oesemann (Stendal) und Pastor Dirk Zimmer (Heiligenstadt in Oberfranken). Nicht zur Wiederwahl stellten sich Alfred Aidoo, Martin Grapentin und Michael Lefherz. Jürgen Tibusek, der bereits drei Amtszeiten absolviert hat, konnte nicht wiedergewählt werden. Auch der Vertreter des ChristusForums Deutschland (Arbeitsgemeinschaft der Brüdergemeinden, AGB) im Präsidium, Reinhard Lorenz, schied mit dem Bundesrat aus dem Gremium aus. Das ChristusForum hat seinen neuen Geschäftsführer Alexander Rockstroh als dessen Nachfolger bestimmt. Der AGB-Vertreter wird nicht durch den Bundesrat gewählt. Michael Noss dankte den scheidenden Mitgliedern für ihre Arbeit im Präsidium.

Mitglieder des Präsidiums bleiben Pastor Frank Fornaçon, die Dozentin Andrea Kallweit-Bensel, der Kaufmann Holger Huhn und der Direktor des Amtsgerichts Salzgitter, Eckart Müller-Zitzke.

Gerechter Frieden als Lebenshaltung

Gerechter Frieden sollte eine Lebenshaltung von Christinnen und Christen sein. Dafür plädierte der Mennonit und Friedenstheologe Fernando Enns bei seinem Vortrag „Gefährdeter Frieden – tragfähige Perspektiven: Inspiriert leben als Friedensstifter“ am 30. Mai auf der Bundesratstagung in Kassel.

Fernando Enns stellte den ökumenischen Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens vor, eine Initiative des Ökumenischen Rates der Kirchen, weil dieser ihn zurzeit persönlich sehr inspiriere. Friede habe für ihn, so Enns, immer eine politische Bedeutung und sei für ihn als Theologe und gläubiger Christ auch Verheißung und Zuspruch. Zudem könne Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung nicht einzeln gedacht und gelebt werden. Diese „Trias werden wir nicht mehr auseinanderreißen“, sagte Enns. „Außer die Waffen zum Schweigen zu bringen“, so zitierte Enns den Ökumenischen Aufruf zum Gerechten Frieden“, gehöre zum gerechten Frieden auch „soziale Gerechtigkeit, Rechtsstaatlichkeit, Achtung der Menschenrechte und Sicherheit für alle Menschen inklusive der Schöpfung.“ Wichtig sei es auch, im Frieden mit sich selbst zu sein.

Der Universitätsprofessor betonte, dass das Friedensuchen kein Ziel, sondern ein fortwährender Prozess sei, der aus der Inspiration lebt. Gerechter Frieden sei spirituell identitätsstiftend: „Wir lassen uns verwandeln durch Gebet und durch unser Handeln im Gebet.“ Und er fügte hinzu: „Wenn wir selbst verwandelt werden, können wir selbst zu Verwandlung führen.“ Fernando Enns lud dazu ein, den Pilgerweg zu gehen. Denn „Frieden beginnt vielleicht mit beten und gehen“. Auf dem Pilgerweg setze man sich verschiedenen Stationen aus, um von diesen zu lernen und inspiriert weiterzugehen. Er selber habe diese inspirierende Erfahrung beispielsweise im Niemandsland zwischen Thailand und Myanmar gemacht, wo tausende von Menschen schon jahrelang auf engstem Raum in Flüchtlingslagern zusammenleben. Diese seien staatenlos, hätten noch nicht einmal einen Flüchtlingsstatus und dürften die Region nicht verlassen. Diese Menschen, sagte Enns, würden ihr Leben selber organisieren: „Sie verwandeln ihre Situation, weil sie glauben, dass Gott auch in ihrer Situation, in ihrem Flüchtlingslager gegenwärtig ist. Man muss staunen über diesen Glauben, aber er steckt an.“ So gäbe es Schulunterricht für die Kinder und die Möglichkeit zu Studium und Ausbildung für die Heranwachsenden, obwohl deren Abschlüsse nirgendwo anders anerkannt werden würden. Doch diese Menschen wüssten: „Frieden und Gerechtigkeit ist auch für uns da, auch wenn die Welt uns vergisst. Gott hat uns nicht vergessen.“

INSPIRIERT LEBEN in Krisenzeiten

Zum Auftakt der Bundesratstagung 2019 hielt Ansgar Hörsting, der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden (BFeG), einen Impuls zum Thema INSPIRIERT LEBEN in Krisenzeiten.

Krisen gehören zum Leben dazu – aber sie können überwunden werden. Davon ist BFeG-Präses Ansgar Hörsting überzeugt. Daher sollten wir Krisen und Herausforderungen willkommen heißen. Denn es gäbe kein Leben ohne Angst und Bedrängnis. „Krise ist das neue Normal“, so Hörsting. Zum Auftakt der Bundesratstagung vom 26. Mai bis zum 1. Juni in Kassel berichtete er auch von eigenen Krisen – etwa Glaubenskrisen, in denen er befürchtete, den Glauben zu verlieren, oder Herausforderungen, die ihm zu groß erschienen.
In seinem Vortrag zum Thema „Herausfordernde Zeiten – durchtragender Glaube: Inspiriert leben in Krisenzeiten“ verglich Hörsting den Lebensweg mit einer Wanderung: „Es gab noch keine Wanderung, auf der ich nicht gedacht hätte: Warum bist du nicht besser zu Hause geblieben?“ In so einer Lage gelte es sich auf das Ziel zu konzentrieren. Übertragen auf das Leben heiße dies: „Ich brauche etwas, wofür ich lebe und wofür es sich lohnt zu leben.“ Für Christen könne dies bedeuten, dass sie sich dafür engagierten, das ganze Evangelium der ganzen Menschheit weiterzusagen oder sich einfach in andere Menschen zu investieren. Hörsting räumte ein, dass dies Kraft koste. Doch durchzuhalten könne man lernen. Auch in Krisenzeiten gelte es treu zu bleiben.
Das Neue Testament beschreibt nach Hörstings Worten nicht nur das Bild eines ständig siegreichen Lebens. Wer in einer Krise stecke, brauche Freunde oder Vorbilder. Manchmal könne es auch das Beste sein, Pläne zu verändern und realistische Ziele zu finden. Das habe er sowohl auf Wanderungen als auch in der Arbeitswelt erlebt. Eine Änderung der Wanderroute habe ihn vor Schaden bewahrt und die Umstellung von Arbeitsprozessen vor Dauerüberlastung. Das Einhalten des Sabbatgebotes – des arbeitsfreien Sonntags – gehöre ebenfalls dazu. Es gebe die Neigung, sich in Gemeinden nur die Siege zu erzählen, nicht die Niederlagen. Er habe die Erfahrung gemacht, dass da, wo er selbst ehrlich geworden ist und von seinem kleinen Glauben oder von Wunden und Narben erzählt hat, Zuhörer aufatmeten und sich verstanden fühlten. Zugleich seien Menschen, die trotz aller Hindernisse durchhalten, ein Vorbild für andere. Hörsting : „Auch ich hatte solche ermutigenden Personen in meinem persönlichen Umfeld.“ Gerade in der Krise sei ihm Gott neu begegnet. Vor allem habe er verstanden, dass Jesus Christus ja schon der Sieger sei. Glaube bedeute nichts mehr, als diesem Jesus Christus zu vertrauen – auch und gerade in Krisen und Herausforderungen.

Bundesratstagung: Mit Christus in der Mitte gesellschaftlich etwas bewegen

Mit der Bundesratstagung vom 29. Mai bis 1. Juni in Kassel beendet der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) offiziell sein Themenjahr 2018/19 „INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“. Für BEFG-Präsident Michael Noss geht es dabei um den Kern des Glaubens und dessen Auswirkungen: „Wo Menschen ihr Handeln an der Bibel ausrichten, können sie auch gesellschaftlich etwas bewegen.“

„Vom Evangelium her wollen wir Christus verkündigen und uns im Handeln und in Begegnungen mit anderen geistlich motivieren lassen“, so Noss. Die gute Botschaft von Jesus Christus solle im Leben der Christinnen und Christen ebenso Gestalt gewinnen wie in der Gesellschaft: „Das geschieht in der Verkündigung des Evangeliums und indem wir Verantwortung in unserem Umfeld übernehmen.“ Daraus ergebe sich für den BEFG beispielsweise der gemeinsame Einsatz mit „Micha Deutschland“ für die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs). Der Bundesrat nehme diese Verantwortung ebenfalls in den Blick, etwa mit einer Podiumsdiskussion an Himmelfahrt zum Thema „Vielfältige Aufgaben – gemeinsame Verantwortung: Inspiriert leben in der Gesellschaft“. Moderiert wird der Abend von Uwe Heimowski, dem Beauftragten der Deutschen Evangelischen Allianz beim Deutschen Bundestag und der Bundesregierung. Diskutieren werden „Micha Deutschland“-Geschäftsführerin Stefanie Linner, der Beauftragte der Vereinigung Evangelischer Freikirchen am Sitz der Bundesregierung, Peter Jörgensen, der entwicklungspolitische Beauftragte von „Brot für die Welt“, Thilo Hoppe, und der mennonitische Friedensforscher Prof. Dr. Fernando Enns.

Am selben Tag spricht Prof. Enns über das Thema „Gefährdeter Frieden – tragfähige Perspektiven: Inspiriert leben als Friedensstifter“. Dazu hebt BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba hervor, er betrachte die „aktuelle gesellschaftliche Situation mit Sorge: das Erstarken radikal-politischer Strömungen und die Polarisierung linker und rechter Gruppierungen, die sich zunehmend unversöhnlich gegenüberstehen. Wir wollen, vom Evangelium inspiriert, für die Menschenrechte und Freiheiten aller einstehen.“ Für ihn sei es wichtig, dass Bund und Gemeinden „auf versöhnliche Weise Position beziehen“, wie auch die aktuelle Jahreslosung dazu ermutige, Frieden zu suchen und ihm nachzujagen.

Den Eröffnungsvortrag der Bundesratstagung hält der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, Ansgar Hörsting, zum Thema „Herausfordernde Zeiten – durchtragender Glaube: Inspiriert leben in Krisenzeiten?“ Um INSPIRIERT LEBEN geht es auf dem Bundesrat zudem in einem Himmelfahrtsgottesdienst, in Erzählcafés, Bibelarbeiten, Workshops und bei einem kontemplativen Abend mit „Zuspruch, Ermutigung und Segen“. Zudem werden Konzerte mit dem Gospelchor „Up to you“ sowie mit Eberhard und Carola Rink angeboten. Und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich an den Abenden in den beliebten Lounges zum Austausch treffen.

Kern der Konferenz sind die Sitzungen des Bundesrats, also des Kirchenparlaments des BEFG, in das alle Gemeinden und Werke Delegierte entsenden können. Auf der Tagesordnung stehen die Aufnahme neuer Gemeinden, Beschlüsse zu den Finanzen, rechtliche Fragen sowie Wahlen zum Präsidium des Bundes, das nach dem Bundesrat zweithöchste Entscheidungsgremium des BEFG.

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