Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

Bunt zusammenwachsen

Das Präsidium und die Bereichsleiter des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) haben am 11. Januar bei einem Klausurtag die Entwicklung des Bundes im Blick auf die zunehmende Internationalität der Gemeinden sowie ihre Auswirkungen und Konsequenzen besprochen.

„Aus der ganzen Welt, aus Ost und West, aus Nord und Süd werden die Menschen in Gottes neue Welt, zu Gottes Fest kommen“, hielt Pastor Michael Lefherz eine Andacht über Lukas 13,29 und verwies auf das Mission Statement „Bunte Gemeinde“. In den letzten Jahren sind die Gemeinden des BEFG bunter geworden. Viele Ehren- und Hauptamtliche haben sich diakonisch für Geflüchtete eingesetzt und sie in den Gemeinden willkommen geheißen. Diese Entwicklung bringt auch neue Herausforderungen mit sich. In den Gemeinden wird spürbar, dass Gott uns manchmal an unsere Grenzen führt, um Vorurteile verschwinden zu lassen und neue Geschichten zu schreiben. Wie kann diese neue Geschichte aussehen? Wie kann Integration gelingen?

Mit diesen Fragen und Entwicklungen beschäftigte sich das Präsidium und die Bereichsleiterkonferenz wiederholt bei ihrem Klausurtag am 11. Januar. Thomas Klammt, Referent für Integration und Fortbildung, gab den Anwesenden einen Einblick in die gegenwärtige Situation der Bundesgemeinden: Im BEFG sind laut dem aktuellen Jahrbuch 35 internationale Gemeinden. Sie machen etwa vier Prozent des Bundes aus. Von ihnen gehören 18 zu der Internationalen Mission in Deutschland (IMD). Darüber hinaus haben viele andere Bundesgemeinden internationale Mitglieder und fremdsprachige Angebote. Das trifft auf ungefähr ein Viertel aller BEFG-Gemeinden zu. Nach Englisch sind Angebote auf Farsi (persisch) mit 20 Prozent die zweithäufigste Fremdsprache in den befragten Gemeinden. Zudem können internationale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Pastorale Integrations- und Ausbildungsprogramm (PIAP) der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie absolvieren. Nach zwei abgeschlossenen Kursen wurden so bereits 18 Teilnehmende ordiniert und arbeiten heute als Pastorinnen und Pastoren in den Gemeinden oder überörtlich.

Im Hinblick auf die Internationalität im BEFG stellte Thomas Klammt fest, dass die interkulturelle Gemeinschaft zunehmend auch in Gottesdiensten erlebt wird: durch Übersetzung, Beteiligung von Fremdsprachigen bei Musik, Gebet, Lesung bis hin zur Verkündigung. Sie wirke sich jedoch erst langsam auch auf die Besetzung von Leitungsaufgaben oder Anstellungen von Migrantinnen und Migranten aus. Kritisch merkt er an, dass die Kulturen des Gebens sehr verschieden sind, was sich auf die finanzielle Beteiligung der Migranten am Haushalt von Gemeinden und Bund auswirke. „Veränderung braucht Optimismus und einen langen Atem. Und auch die Bereitschaft zum Streit. Niemand hat gesagt, die Gesellschaft der Vielheit sei eine gemütliche Angelegenheit“, zitierte er den Autor Mark Terkessidis. Integration bedeute Zusammenwachsen und das sei ein Prozess.

Von seinen Erfahrungen berichtete Pastor José Malnis, Verantwortlicher für die Latinoarbeit im Landesverband Bayern: „Als Latinogemeinde wollen wir in die deutsche Gemeinde integriert sein. Gemeinsam wollen wir Gott loben und verkündigen. Dazu brauchen wir auch mehr Ausbildungsmöglichkeiten in anderen Sprachen und Mentoring-Programme.“ Auch der Iraner Omid Homayouni aus der EFG Varel, der überörtlich auch für den Landesverband Nordwestdeutschland arbeitet, wünschte sich ein Für- und Miteinander von der deutschsprachigen und den internationalen Teilgemeinden. Ebenso berichtete Präsidiumsmitglied Alfred Aidoo von seinen Erfahrungen. Er stammt aus Ghana und ist heute Pastor in einer deutschen Gemeinde. Scott Corwin, Pastor der International Baptist Church in Berlin-Steglitz, erzählte von dem Übergang seiner Gemeinde von einer amerikanischen Garnisonsgemeinde zu einer multi-ethnischen und multi-kulturellen Gemeinde.

Profitieren wollten die Teilnehmenden des Klausurtags auch von den Integrationsarbeiten anderer Länder. Joachim Gnep, Leiter des Dienstbereichs Mission, stellte die Erfahrungen aus Polen, Österreich und Schweden vor und was der Bund daraus lernen könne. In einer Gruppenarbeit nahmen Präsidiumsmitglieder und Bereichsleiter die verschiedenen Impulse auf und erarbeiteten Vorschläge für die konkrete Weiterarbeit: Ausbildungs- und Fortbildungsangebote, interkulturelle Beratungsmöglichkeiten und auch Programme, die gezielt die Integration von Migranten der zweiten Generation im Blick haben sollen sowie die Repräsentation internationaler Geschwister in Gremien auf den unterschiedlichen Ebenen. „Die Veränderung der letzten Jahre ist für unseren Bund eine Bereicherung “, meinte BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba, „Integration ist dabei nicht immer einfach und schnell.“ Schritt für Schritt würden die Gemeinden „zusammenwachsen und zusammen wachsen“, sagte er. „Wir sind als Bund aus bunten Gemeinden miteinander auf dem Weg.“ Und er fügte hinzu: „Vielleicht kann das auch bei den anstehenden Präsidiumswahlen sichtbar werden, wenn aus den Landesverbänden und Gemeinden auch Personen mit Migrationshintergrund vorgeschlagen werden und kandidieren.“

Wie eine Surferin von Gott getragen

Prof. Dr. Andrea Klimt hat Baptistinnen und Baptisten aus aller Welt über ihre Gottesvorstellungen befragt. In ihrem Beitrag zur zweiten Säule des Jahresthemas („Die eigene Spiritualität wertschätzen“) beschreibt sie, was deren Antworten über eine typische baptistische Frömmigkeit aussagen.

Thereza ist unter schwierigen Umständen aus Rumänien nach Österreich geflohen. Wenn sie auf ihr Leben zurückblickt, ist sie dankbar. Dankbar, dass die Flucht gelungen ist. Dankbar, dass sie in der Lage war, die deutsche Sprache zu erlernen. Sie sieht in ihrer gelungenen Flucht eine Führung Gottes, und das Erlernen dieser schwierigen Sprache nimmt sie als ein Geschenk aus Gottes Hand. Miguel aus Puerto Rico fühlt sich von Gott aufgefangen und trotz eines schweren Fehlers wieder angenommen und geliebt. „Das war Gottes Plan“, sagt Yara aus Afghanistan über ihren Weg nach Österreich. „Wenn wir in Afghanistan geblieben wären, dann würden wir jetzt nicht mehr leben“, ist sie sich sicher. Karin bekommt mit, wie zwei Männer sich an einer U-Bahn-Station streiten. Der eine redet sehr abwertend auf den anderen ein. Karin hat den Impuls, etwas zu tun und mischt sich ein. Der Streit wird beendet. „Gott hat mir den Mut gegeben, dazwischen zu gehen. Ich weiß nicht, ob ich das von mir aus so gemacht hätte“, sagt sie mir in unserem Gespräch. Johannetta ist weit über achtzig Jahre alt und sagt mit Blick auf ihren letzten Lebensabschnitt: „Ich weiß, dass Gott mich erwartet.“ Elena fühlt sich nach ihrer Scheidung von Gott begleitet. Eine dringend benötigte Wohnung, die ihr durch eine Mitarbeiterin der Stadt vermittelt wird, sieht sie als ein Geschenk von Gott. Clara, eine ältere langjährige Baptistin aus den USA sagt, dass sie sich in ihrem Leben durch Gott getragen fühlt, wie eine Surferin auf ihrem Surfbrett. Ana aus Kuba denkt ständig an Gott, weil sie für die Menschen betet, die um sie herum Nöte haben oder in schwierigen Lebenssituationen sind.

Ihre Geschichten haben mir meine baptistischen Gesprächspartnerinnen und -partner während meiner Forschungsarbeiten erzählt. Sie haben mich fasziniert. Ich hatte mir zur Aufgabe gemacht, etwas über „Gottesvorstellungen baptistischer Erwachsener“ zu erfahren. Dazu habe ich mit circa 60 Personen aus unterschiedlichen Kulturen gesprochen. Was haben sie gemeinsam und was davon könnte als eine „typisch baptistische Frömmigkeit“ verstanden werden? Diese Frage habe ich mir unter anderem gestellt.

Baptisten und Baptistinnen deuten die Erfahrungen in ihrem Leben und Alltag als Gotteserfahrung. Allen gemeinsam war, dass bedeutende Lebensereignisse im Rückblick mit Gott in Verbindung gebracht wurden. Sie wurden als Plan oder Führung Gottes gesehen. Gott hat bei der Flucht geholfen, hat versorgt, Mut gegeben, in schwierigen Situationen begleitet und bewahrt.

Gefühle, die Gott gegenüber geäußert werden, sind vor allem Vertrauen und Dankbarkeit. Die Mehrheit der Befragten beschreibt eine Veränderung ihrer Gottesvorstellung im Laufe der Zeit, wobei oft von kritischen Lebensereignissen ein verändernder Impuls ausgehen kann. Oft ist das Vertrauen der Einzelnen gerade durch Krisenzeiten gewachsen, was nicht automatisch bedeutet, dass die Betroffenen in der Krise selbst die Nähe Gottes stark erlebt haben. Oft ist es eher die Rückschau auf eine bewältigte Krise, die das Vertrauen stärkt.

Aber nicht nur besondere Situationen, sondern vor allem der Alltag wird mit Gott in Verbindung gebracht. Um herauszufinden, ob die Befragten bestimmte Rituale oder Gewohnheiten haben, habe ich folgende Frage gestellt: „Gibt es bestimmt Zeiten, Orte oder Situationen, in denen Du öfter an Gott denkst?“ Die Antworten der befragten Baptistinnen und Baptisten aus verschiedenen Kulturen ähneln sich. Die meisten von ihnen beantworten die Frage sinngemäß so: „Ja... (kurzes Nachdenken), aber eigentlich: Nein! Keine bestimmten Orte – ich denke überall an Gott. Nein, eigentlich keine bestimmten Zeiten – ich denke immer an ihn. Nein, eigentlich keine bestimmten Situationen – ich denke überall an ihn.“ Man könnte dies mit „immer und überall“ wiedergeben.

Möglicherweise sind es nicht nur Baptisten, die so antworten. Es ist also möglicherweise keine originär baptistische Antwort, aber es ist möglicherweise eine typische Antwort für Baptistinnen und Baptisten: Gott ist für mich immer und überall präsent, und ich erlebe dies in meinem Alltag und auch in besonders herausfordernden Lebenssituationen. Nach meiner Erfahrung ist es so für Baptisten weltweit: Alles ist mit Gott verbunden. Der Alltag ist vom Gedanken an Gott durchdrungen.

Das Gebetsleben von Baptistinnen und Baptisten erscheint wie ein ständiger Dialog mit Gott. Es ist also weniger rituell auf bestimmt Orte oder Zeiten festgelegt oder an bestimmte Gebetshaltungen und vorformulierte Gebete gebunden. Vieles, was erlebt wird, fließt ins Gespräch mit Gott ein. Baptistinnen und Baptisten sind überzeugte und hoffnungsvolle Beter. Sie sind überzeugt davon, dass es Sinn macht, alles im Gebet zu Gott zu bringen. Sie rechnen mit dem Eingreifen Gottes. Interessanterweise handelt es sich hier weniger um ein „übernatürliches“ Eingreifen Gottes, vielmehr wird damit gerechnet, dass Gott durch Menschen handelt. Die von Gott erfahrene Hilfe auf der Flucht geschieht oft durch Menschen, die helfen und zur Seite stehen. Südafrikanische Baptistinnen und Baptisten erzählten mir, dass es für sie eine Antwort auf ihre Gebete war, wenn plötzlich ein Korb mit Essen vor der Türe stand oder ein Stipendium für das Schulgeld gewährt wurde.

Diese Beobachtung schließt auch die Erfahrung ein, dass Gott durch mich handeln kann und ich daher ebenfalls im Gebet frage: „Was soll ich tun? Wie soll ich mich verhalten?“ Auch diese Perspektive taucht in den Gesprächen auf, wie das Beispiel von Karin zeigt.

Eine wesentliche Rolle für die Frömmigkeit von Baptistinnen und Baptisten ist das Lesen in der Bibel. Das ist für sie eine Möglichkeit, eben diesen „Willen Gottes“ in Erfahrung zu bringen. Dabei werden viele Aspekte der biblischen Botschaft verinnerlicht, so dass das Handeln im Alltag davon bestimmt werden kann.

Im nächsten Beitrag der Artikelserie zum Jahresthema beschreibt Prof. Dr. Andrea Klimt die Bedeutung der Gemeinde für den Glauben von Baptistinnen und Baptisten. Darauf folgt ein Artikel von Alexander Rockstroh über typische Ausdrucksformen der Frömmigkeit in der Brüderbewegung.

Literatur:
Klimt, Andrea – Gottesvorstellungen baptistischer Erwachsener im interkulturellen Vergleich, Göttingen 2017

„Gewagt! 500 Jahre Täuferbewegung 1525-2025“

2025 jährt sich die erste täuferische Glaubenstaufe von 1525 in Zürich zum 500. Mal. Aus diesem Anlass bereitet eine Arbeitsgruppe, zu der Vertreter der Mennoniten, der Baptisten und der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) gehören, fünf Themenjahre vor. Der Beginn ist 2020 mit dem Thema „gewagt! mündig leben“. 

Die Themenjahre sollen anregen, darüber nachzudenken, was Christsein unter täuferischen Vorzeichen im 21. Jahrhundert bedeutet. Die Täufer waren im 16. Jahrhundert Teil des reformatorischen Aufbruchs. Sie zeichneten sich durch eine große Vielfalt aus, die bis heute die täuferischen Gemeinden und Kirchen prägt. Die Erinnerung an 500 Jahre Täuferbewegung soll dazu herausfordern, sich mit den eigenen Traditionen auseinanderzusetzen, den Glauben Anderer wahrzunehmen und sich selbstbewusst und dialogfähig in die ökumenische Diskussion einzubringen.  

Zu jedem Themenjahr wird ein Magazin veröffentlicht, das in Gesprächs- und Hauskreisen, Gemeinden, ökumenischen Gremien sowie in Bildungseinrichtungen zu Diskussionen über das jeweilige Jahresthema anregen soll. Ausstellungen, Materialien für Schule und Bildungsinstitutionen sowie Tagungen werden die Auseinandersetzung mit den zurückliegenden 500 Jahren täuferischer Geschichte illustrieren und vertiefen. Der  Auftakt für „500 Jahre Täuferbewegung“ ist Himmelfahrt 2020.

Träger der geplanten Aktionen ist der Verein „500 Jahre Täuferbewegung 2025 e.V.“  mit Sitz in Frankfurt/Main in der Ökumenischen Centrale der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Vorsitzende ist PD Dr. Astrid von Schlachta, Dr. Andreas Liese ihr Stellvertreter.

Die Themenjahre:

2020: gewagt! mündig leben
Taufe – Freiwilligkeit – Religionsfreiheit
2021: gewagt! gemeinsam leben
Gleichheit – Verantwortung – Autonomie
2022: gewagt! konsequent leben  
orientiert an Jesus – nonkonform – bekennen – Martyrium
2023: gewagt! gewaltlos leben
Friedenskirche – Widerstand – Versöhnung
2024: gewagt! Hoffnung leben
Reich Gottes – Utopie – Erneuerung

Die Täufer waren eine reformatorische Bewegung, die im frühen 16. Jahrhundert entstand. Zu ihr gehörten Gruppen wie die Mennoniten und die Hutterer, die Schweizer Brüder und Melchioriten sowie  viele  einzelne,  kleinere  Gemeinden.  Sie  verfolgten  das  Ziel,  als  mündige  Menschen gemeinsam und konsequent ein an biblischen Maßstäben orientiertes Leben zu führen. Ihre Ideale waren  die  Freiheit  des  Glaubens  und  die  Gewaltlosigkeit.  Für  ihren  Glauben  nahmen  sie Verfolgung, erzwungene Migration und Diskriminierung in Kauf. Heutzutage zählen Gruppen wie Mennoniten, Mennoniten Brüdergemeinden, Hutterer und Amische sowie Baptisten und Quäker, die im frühen 17. Jahrhundert im Zusammenhang mit der englischen Reformation entstanden, zum weiten Spektrum der täuferischen Kirchen.

Kontakt: 
PD Dr. Astrid von Schlachta
Vorsitzende „500 Jahre Täuferbewegung 2025 e.V.“ 
mennoforsch(at)t-online.de
Telefon: 06352 700 519

Pastor Bernd Densky
Geschäftsführer „500 Jahre Täuferbewegung 2025 e.V.“ 
bernd.densky(at)ack-oec.de
Telefon: 069 247027-18

 

 

 

Unterstützung für diakonisch aktive Gemeinden

„In vielen Gemeinden ist die Bereitschaft zum diakonischen Handeln vorhanden und gehört zum Gemeindealltag. Die Arbeit mit Geflüchteten hat viele Gemeinden bereichert.“ Zu diesem Resümee kamen die regionalen Diakoniebeauftragten Susan Jose für den Bereich Schleswig-Holstein und Almut Siodlaczek für den Bereich Hessen. Hier stellen sie die Arbeit der regionalen Diakoniebeauftragten vor.

Wir haben eine Befragung unter allen Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in unserer Region durchgeführt, um zu ermitteln, welche Angebote es in den Gemeinden im diakonischen Bereich gibt und welche Fragen, Wünsche und welcher Bedarf dazu bestehen. Ziel dieser Befragung war es, einen Einblick in die diakonischen Arbeiten zu bekommen, um Informationen zielgerichteter weiterzugeben und auf Bedürfnisse reagieren zu können. Darüber hinaus haben wir recherchiert, welche Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten es für die jeweilige Region gibt. So konnten wir zum Beispiel im Landesverband Hessen die Information über eine finanzielle Projektförderung im Bereich Krabbelgruppen an Gemeinden weitergeben.

Die Erfassung der Daten war ein erster Schritt. Für dieses Jahr planen wir, Vernetzungs- und Austauschangebote zu schaffen und Beratung anzubieten. Wir wünschen uns, dass das Konzept der regionalen Diakoniebeauftragten weiter bekannt gemacht und auch in den anderen Landesverbänden dafür geworben wird. Denn es ist unser Anliegen, dort weitere Diakoniebeauftragte zu gewinnen, sodass in jedem Bundesland regionale Diakoniebeauftragte etabliert werden oder Diakoniewerke entstehen. Die Diakoniebeauftragten sollten möglichst Diakoninnen oder Diakone sein, da sie durch ihre Ausbildung die nötige Qualifikation besitzen und als ordinierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch für den BEFG als Diakoniebeauftragte gegenüber externen Gremien auftreten können.

Geschlechterrollen, Nähstuben und etwas Bewegung

„Mitarbeitende, die Geflüchtete auch außerhalb der Gemeinde begleiten, werden häufig kaum im Gemeindeleben wahrgenommen“, hat Daria Kraft beobachtet. Sie arbeitet in der Fachstelle für Integration und Geflüchtete im Diakoniewerk der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in Baden-Württemberg. Vornehmlich im Großraum Stuttgart unterstützt sie die Gemeinden bei ihrem Engagement vor Ort.

Es gibt unzählige schöne Erlebnisse, und meist profitieren die Helfenden selber von ihrem Engagement. Dennoch bringt die anspruchsvolle Arbeit auch Herausforderungen mit sich. Wie gehe ich mit traumatisierten Geflüchteten um und wie verarbeite ich belastende Themen selbst? Diese Frage stand bei einem Seminartag am 20. Oktober in der Evangelisch-Freikirchlichen Martin-Luther-King-Kirche in Stuttgart-Zuffenhausen im Mittelpunkt. Worauf kommt es bei einer Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge an? Wie gehe ich damit um, wenn „meine“ Patenfamilie abgeschoben wird? Die Fachstelle bietet für solche Fragen Gruppensupervision und Coaching für die Ehrenamtlichen an, damit diese ihre Arbeit reflektieren und Lösungen finden können. Daria Kraft plant weitere Schulungstage zu Themen wie „Menschen und Kulturen verstehen“, „Selbstfürsorge“ oder „Geschlechterrollen in patriarchalen Gesellschaften“. Bei allen Angeboten können die Teilnehmenden oft auch vom gegenseitigen Austausch und der Vernetzung profitieren.

Daria Kraft möchte als Diplompädagogin und Pastorin ermutigen, die Arbeit mit Geflüchteten als Teil diakonischer Gemeindearbeit wertzuschätzen. Mitarbeitende öffentlich im Gottesdienst zu senden, zu segnen und zu Wort kommen zu lassen, ist ihr ein Anliegen. Deren Engagement ist vielfältig: Es gibt (Sprach-)cafés, Angebote für geflüchtete Kinder, Glaubenskurse oder Gottesdienste in Fremdsprachen, Nähstuben, Fußballvereine, Besuche in Unterkünften, oder es wird mit Hilfe ehrenamtlicher Geflüchteter gekocht und ein Mittagstisch für die Stadt angeboten. Zudem unterstützt eine Vielzahl von Gemeindemitgliedern die Geflüchteten im alltäglichen Leben, etwa bei Behördengängen oder der Arbeits- und Wohnungssuche. Sie bieten ein Ohr für Sorgen und Nöte oder teilen gar ihre Wohnung oder das Haus. Ungefähr 350 Ehrenamtliche in 15 Gemeinden sind mit circa 700 Geflüchteten im Stuttgarter Raum unterwegs.

Dabei ist es Daria Kraft wichtig, auf Augenhöhe zu agieren und Integration als einen Prozess zu verstehen, bei dem sich beide Seiten aufeinander zu bewegen. Um diese Bewegung zu fördern, engagiert sie sich in der Fachstelle etwa für Patenschaften oder beim Fundraising für Begegnungsprojekte. Ein solches Begegnungsprojekt ist zum Beispiel die von der Aktion Mensch unterstütze „Dialogrikscha“ – eine Fahrradrikscha, bei der sich bis zu drei Personen gemütlich unterhalten können, während selbstverständlich eine andere Person sich abstrampeln muss. Eine mitunter schweißtreibende Gelegenheit zur Begegnung, von Jung und Alt, Geflüchteten und Einheimischen.

Straßenexerzitien

Straßenexerzitien sind für BEFG-Diakoniereferentin Gabriele Löding eine besondere Quelle der Inspiration. Sie hat erlebt, dass Gott sich beim Unterwegssein auf der Straße oft auf überraschende Weise finden lässt.

Inspirationen, besondere Gedanken, Einfälle und Erlebnisse, die meinem Leben eine Tiefe geben und mein Verhältnis zu Gott und den Menschen intensivieren – das wünsche ich mir immer wieder. Das möchte ich erleben in besonderen Zeiten, aber auch im Alltag. Eine solche Inspiration wurden für mich die Exerzitien auf der Straße.

Es hat lange gedauert, bis ich mich darauf eingelassen habe. Doch dann war es soweit: Ich habe mich zu Straßenexerzitien angemeldet. Der einzige Zeitpunkt in meinem vollen Terminkalender, der passte führte mich nach Bern. Am Nachmittag kam ich mit dem Zug in der Stadt an. Vom Bahnhof aus war es nur ein kurzer Weg bis zur Dreifaltigkeitskirche, deren Gemeindehaus ein sehr einfaches Quartier – wie immer bei Straßenexerzitien – für uns zwölf Teilnehmende, Begleiter und Begleiterinnen bot. Nach einem ersten Kennenlernen und der Einführung gab es den Impuls für den ersten Tag auf der Straße: „Kommt erst mal an und verlangsamt euren Schritt.“ Ich merkte bald, dass sich das leichter anhörte als es sich umsetzen ließ. Mein Kopf war noch voll mit Gedanken, Terminen und Erlebnissen und mein Tempo war schnell. Erst als ich mich entschied, barfuß zu gehen (es war Sommer), die Schuhe und damit auch einen Schutz abzulegen, wurde mein Schritt bedächtiger. Eine Schnecke auf dem Weg wurde für mich zum Symbol für die Langsamkeit. Als ich dann auch mein Geld zu Hause ließ und nur ein Brot und Wasser mitnahm, wurde meine Konzentration auf das Wesentliche gelenkt. Ich war da, um Gott neu zu begegnen. Je mehr es mir gelang, mich auf die Gegenwart, den Ort an dem ich war, einzulassen, desto mehr konnte ich verweilen, desto intensiver konnte ich meine Umgebung und meine Gefühle wahrnehmen und darin die Spur Gottes finden.

Dass profane Orte zu heiligen Orten werden können, erfuhren wir in einem der Gottesdienste, die wir am Ende eines Tages feierten. Mose ist auf der Suche nach neuen Weideplätzen für seine Schafherde. Dabei kommt er an einem Dornbusch vorbei und sieht, wie dieser brennt, ohne zu verbrennen. Mose ist neugierig, nimmt sich Zeit zum Verweilen, Hinsehen und Hinhören und lässt sich von Gott ansprechen und berühren. Ich erlebte bei meinen Straßenexerzitien auch besondere Orte, zum Beispiel die Aare, den Fluss, der mit einer starken Strömung durch Bern fließt. Als ich mich an einem Tag in seine Strömung begab, merkte ich, wie sie mich vitalisierte, davon trieb und mir half, mich einfach hinzugeben, loszulassen und Gottes gute Schöpfung genießen zu können. Das führte mich zum Danken und Loben.

Ich erlebte aber auch anderes. An einem anderen Tag ging ich ins Amt für Migration. Im Wartebereich verweilte ich und  beobachtete, wie Menschen unterschiedlicher Nationen aufgerufen wurden und immer wieder hinter einer Tür verschwanden, die sich nur für einen kurzen Moment öffnete. Eine Frau kam weinend wieder heraus und ging weg. Plötzlich überfiel mich selbst ein starkes Gefühl des Fremdseins. Ich fühlte mich fremd und allein dort in dem Amt und auf den Straßen Berns, bis ich zu einer Kirche kam. Sie war offen, ich ging hinein und saß lange dort. Langsam nahm ich wahr, wie ich mich im Fremdsein geborgen fühlte. Ich konnte annehmen, dass ich mich fremd, alleine, auf Hilfe angewiesen und bedürftig fühlte und spürte mich stark in Gott geborgen. Mir wurde klar: Alles Leben beginnt mit dem Bedürftigsein und endet auch so – wir leben als Empfangende. An diesem Tag wurde ich mit meinen Ängsten und Nöten konfrontiert, merkte aber, auch damit bei Gott gut aufgehoben und von ihm beschützt zu sein.

Ja, Gott begegnet mir immer wieder auf überraschende Weise, wenn ich mir die von Gott geschenkte Zeit dafür nehme. Bei den Exerzitien hatten wir viel Zeit: morgens für die Andacht, dann sechs Stunden auf der Straße und nach der Rückkehr Zeit, um Gottesdienst zu feiern, das Abendessen zu kochen und zu genießen. Danach hatten wir viel Zeit, damit jede und jeder aus der Gruppe über das Erlebte reden konnte. Das führte bei mir zu tiefer Dankbarkeit für die Erfahrungen des Tages und für das Anteilnehmen und  -geben. Für mich wurden die Exerzitien zu einem Loslassen in die Zeit und die Anwesenheit Gottes hinein. Exerzitien auf der Straße heißt: Gott finden und sich von ihm finden lassen – auf der Straße beim Unterwegssein. Nicht ich will bei dieser Übung etwas für Gott tun, sondern Gott will mich überraschen und beschenken. Da Gott überall gegenwärtig ist, können wir ihn auch überall suchen und finden.

Die Bibel enthält viele Geschichten, die beschreiben, dass Menschen auf dem Weg, auf der Straße sind. Die Bibel erzählt von Menschen, die sich von Gott bewegen ließen. Wir lesen, welchen Weg Mose gegangen ist, Abraham und Sara, Rut, Noomi, und Jona, von den Wegen Jesu und seiner Jünger. Jesus war viel auf der Straße unterwegs, er ließ sich anrühren von Orten, er weinte über Jerusalem und er begegnete auf der Straße Menschen und seinem Vater.

Durch das Unterwegssein werden innere und äußere Prozesse angeregt, geraten in Bewegung. Wer in Bewegung bleibt, körperlich und gedanklich, bleibt auch im Glauben in Bewegung. Als Gläubige sind wir immer wieder aufgerufen den nächsten Schritt zu gehen, nicht stehen zu bleiben. Gott setzt uns auch heute noch in Bewegung.

Die Straßenexerzitien sind eng verbunden mit dem Jesuiten und Arbeiterpriester Christian Herwartz (*1943). Er lebte in einer offenen Kommunität in Berlin. Ende der 1990er-Jahre baten ihn Einzelne, ihre persönliche geistliche Auszeit gerade in diesem Umfeld zu begleiten. Aus diesen Anfängen erwuchs eine Bewegung, die inzwischen weit verbreitet ist und entwickelten sich vielfältige Formen von Straßenexerzitien. Zum Kennenlernen werden mehrstündige Straßenexerzitien angeboten, ansonsten dauern sie sieben bis zehn Tage. Bei Interesse biete ich gerne Exerzitien an.

Botschafter der Versöhnung

Jetzt liegt er in Scherben. Ein Hammerschlag von Jens Mankel hat den Teller zertrümmert.
Auch gute Beziehungen werden manchmal so abrupt zerstört. Oft scheint ein Zurück nicht möglich – alles ist zerbrochen.

„Versöhnt leben – mit Gott, mit anderen und mit mir selbst“ war das Thema eines Seminarwochenendes für persische Christen und ihre deutschen Freunde.  Aus sechs Gemeinden in Nordwestdeutschland kamen die 50 Frauen, Männer und Kinder; die meisten von ihnen sind in den letzten Monaten oder Jahren aus dem Iran oder Afghanistan nach Deutschland geflüchtet und Christen geworden. Sie waren eingeladen, sich mit ihrem Glauben und der Bibel näher zu beschäftigen. Damit jeder alles verstand, wurden alle Beiträge von Omid Homayouni übersetzt, von Deutsch nach Farsi oder von Farsi nach Deutsch. Dabei wurde deutlich, dass Versöhnung für manche Menschen aus der iranischen Kultur eine besondere Bedeutung hat, da sie dort erlebt haben, dass nach Konflikten Mauern gezogen und Kontakte vermieden werden.

Gott aber schenkt Versöhnung und will, dass wir den Weg zu ihm finden, so wie der „Verlorene Sohn“ zurückkehrt zum Vater. Dort wird er von dessen ausgebreiteten Armen umschlossen. Aber er muss auch erfahren, dass sein Bruder sich ihm verweigert. Als Christen haben wir Vergebung geschenkt bekommen, so dass wir versöhnt mit Gott, unseren Nächsten und mit uns leben können.

Als Referenten leiteten Thomas Klammt und Jens Mankel von der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal zum Nachdenken über die biblischen Berichte und das eigene Lebensverhalten an, unterstützt von Heike Scharf und Uwe Fischer, Dozenten des evangelischen Bildungshauses Rastede. Daneben gab es Zeit zum Singen, Spielen, Tanzen und zu intensiven persönlichen Gesprächen. Die Teilnehmer genossen die ruhige Freizeit-Hotel-Atmosphäre, die Betreuung der Kinder durch Fachpersonal und dass man sich an gedeckte Tische setzen konnte. Zum Abschluss wurden sie am Sonntagmorgen in einem Gottesdienst mit Abendmahl als „Botschafter der Versöhnung“ gesegnet. Dankbar für die gemeinsamen Tage und mit neuer Hoffnung und Motivation fuhren alle in ihre Gemeinden zurück.

Als Christuszeuge unterwegs

Adolf Pohl ist am Nachmittag des 10. Dezembers im Alter von 91 Jahren verstorben. Als „Christuszeugen“, der „in seiner weisen, klugen und seelsorgerlichen Art vielen Menschen zum Segen geworden ist“, bezeichnen BEFG-Präsident Michael Noss und Generalsekretär Christoph Stiba Adolf Pohl in einem Nachruf des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG). Adolf Pohl war Pastor i.R. des BEFG und Direktor des Theologischen Seminars Buckow in der DDR.

Nach seinem Theologiestudium in der späteren Hamburger Kirchlichen Hochschule und am Predigerseminar der deutschen Baptisten in Hamburg, das wegen der Zerstörung des Hamburger Geländes 1947 und 1948 den Studienbetrieb zunächst in Wiedenest wiederaufnahm, war er von 1950 bis 1957 als Gemeindepastor in Berlin-Lichtenberg tätig. Nach drei Jahren als Schriftleiter der Monats-Zeitschrift „Wort und Werk“ des BEFG in der DDR wechselte er 1959 als Lehrer an das neu gegründete Theologische Seminar in der DDR. Dort blieb er bis zur Zusammenlegung der ost- und westdeutschen Seminare in Buckow und Hamburg nach der Wiedervereinigung. „Dieser Berufung ging er mit Begeisterung nach und bezeichnete sie als seine ‚Lebensaufgabe‘“, so Noss und Stiba. Das Amt des Direktors des Theologischen Seminars Buckow hatte er von 1964 bis 1970 inne.

Adolf Pohl ist Autor verschiedener theologischer Bücher, unter anderem hat er in der Reihe Wuppertaler Studienbibel Kommentare zur Offenbarung des Johannes, zum Markusevangelium, zum Galaterbrief und zum Römerbrief verfasst. Diese liegen auch in anderen Sprachen, unter anderem slowakisch, vor. Sein Buch „Staunen, dass Gott redet“ wurde ins Arabische übersetzt. „Wichtig war es ihm auch in seiner wissenschaftlichen Arbeit, nie den Bezug zur Ortsgemeinde zu verlieren. So brachte er sich auch nach seinem aktiven Dienst bis zuletzt in die Gemeindearbeit ein“, heißt es im Nachruf des BEFG.

„Adolf Pohls Denken und Reden war zutiefst von biblischen Worten und Einsichten durchtränkt, ohne dass es in irgendeiner Weise biblizistisch flach wirkte. Es ist Adolf Pohl in einzigartiger Weise gelungen, den wunderbaren Vielklang der Bibel zu hören und differenziert darzustellen“, würdigte Prof. Dr. Michael Kißkalt, Rektor der Theologischen Hochschule Elstal, den Verstorbenen. Vor drei Jahren hatten Studierende der Hochschule Adolf Pohl in Buckow besucht. Dort habe er einen ermutigenden Vortrag zur „Rolle der Theologie heute“ gehalten und davon berichtet, wie es trotz des „wachsamen Auges“ des Staates in der DDR möglich gewesen sei, Pastoren auszubilden. Dieser Besuch habe bleibenden Eindruck bei Studierenden und Dozierenden hinterlassen.

Adolf Pohl war seit 1953 mit Brigitte Pohl, geborene Meie, verheiratet. Er hinterlässt vier erwachsene Söhne.

In einem Kondolenzschreiben des Bundes an die Familie heißt es: „Gott hat einen großartigen Menschen und Theologen vollendet. Wir haben Adolf Pohl immer als einen demütigen Menschen wahrgenommen, der aufgrund seines Verstandes, seines theologischen Wissens und seiner Rhetorik auch hätte stolz sein können. Das war er nicht. Er blieb für viele der Bruder in Christus, der ihnen den Heiland mit Sinn und Verstand lieb gemacht hat. Das hat ihn ausgezeichnet.“

Die Trauerfeier ist am 22. Dezember 2018 um 11:00 Uhr in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Buckow-Müncheberg, Neue Promenade 34, 15377 Buckow.

Martin Luther King: 2.000 Sängerinnen und Sänger

Wenn vom 19. bis 23. Juni 2019 ganz Dortmund zum Kirchentag wird, gibt es eine Veranstaltung, bei der allein schon die Zahl der Mitwirkenden jeden Rahmen sprengt: Das neue Chormusical „Martin Luther King – Ein Traum verändert die Welt“ wird am Donnerstag, 20. Juni 2019, in der Westfalenhalle 1 aufgeführt, mit internationalen Musicaldarstellern, Big-Band, Streichorchester – und einem riesigen Chor als Herzstück der Inszenierung: „Wir suchen bis zu 2.000 Sängerinnen und Sänger, die mitmachen möchten“, sagt Ralf Rathmann, Vorstand der Stiftung Creative Kirche, die das Stück zusammen mit dem Kirchentag auf die Bühne bringt. „Mitsingen kann jeder. Die Stücke sind so angelegt, dass auch Laien Spaß bei den Proben und der Aufführung haben. 1.000 Choristen sind schon angemeldet.“

Es ist dann die zweite Aufführung des Werkes über den vor 50 Jahren ermordeten Friedensnobelpreisträger und Baptistenpastor King und seinen Kampf für eine Welt, die die Menschen nicht nach Hautfarbe, sondern nach Charakter beurteilt. „Kings Traum und sein Mut, gewaltlos Widerstand zu leisten, kann uns noch heute in unserem gesellschaftlichen Engagement als Vorbild dienen“, sagt Christoph Stiba, Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (Baptisten- und Brüdergemeinden), die bei diesem Projekt ebenfalls Kooperationspartner sind. Die Uraufführung des Chormusicals von Andreas Malessa (Text), Hanjo Gäbler und Christoph Terbuyken (Musik) findet am 9. und 10. Februar 2019 als ökumenisches Projekt in der Grugahalle in Essen statt. „Das Stück nimmt in einer gelungenen Mischung aus Gospel, Rock 'n' Roll, Motown und Pop die Zuschauer mit in eine Zeit, die erstaunlich viele Parallelen zu unserer Gegenwart hat“, sagt Wolfgang Beiderwieden, stellvertretender Pressesprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland, „die Songs sind einfach klasse. Nun sind wir gespannt auf die Umsetzung und die Reaktionen des Publikums.“

Großer Chor probt abwechselnd dezentral und gemeinsam

Das Nachfolgeprojekt des vielumjubelten „Pop-Oratoriums Luther“ aus dem Reformationsjahr wird wieder einen riesigen Chor in Szene setzen: Dessen Sängerinnen und Sänger bereiten sich dezentral an ihren jeweiligen Wohnorten vor, proben zwischendurch in großer Runde und singen dann auf dem Kirchentag gemeinsam die Aufführung in der großen Westfalenhalle 1. Für Andreas Duderstedt, Pressesprecher der Evangelischen Kirche von Westfalen, ein besonderer Grund zur Freude: „Wir hatten schon die Pop-Oratorien ‚Luther‘ und ‚Die 10 Gebote‘ in der Westfalenhalle, beide Mal ein großartiges Erlebnis. ‚Martin Luther King‘ zum Kirchentag nach Dortmund zu holen, war da nur folgerichtig.“

Besonders attraktiv ist die Möglichkeit zur doppelten Teilnahme: „Wer sich zum Mitsingen beim Chormusical anmeldet, erhält einen Ausweis, der zum Besuch aller Kirchentagsveranstaltungen während der fünf Tage berechtigt“, sagt Carsten Kranz vom Vorstand des Kirchentags.

Im Rahmen der Aktion Gospel für eine gerechtere Welt unterstützt das Musical ein Projekt von Brot für die Welt im Norden Kenias, das den Zugang zu sauberem Trinkwasser sichert. Weitere Aktionspartner sind die Bank im Bistum Essen und die Versicherer im Raum der Kirchen. Die begleitende Bildungskampagne wird gefördert durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW. Das Chormusical in Dortmund ist ein Gemeinschaftsprojekt der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Evangelischen Kirche von Westfalen, der Evangelischen Kirche im Rheinland und des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland.

Infobox

•    Mitmachen können sowohl Chöre als auch einzelne Sängerinnen und Sänger. Informationen, Termine und Anmeldung unter www.king-musical.de/dortmund.
•    Wer mitsingt, erhält mit der Teilnahmegebühr (ab 26 Euro) einen Ausweis, der zum Besuch aller Kirchentagsveranstaltungen berechtigt.
•    Die reguläre Dauerkarte des Kirchentages kostet 98 Euro für Frühbucher bis zum 8. April 2019: www.kirchentag.de/teilnehmen  
•    Tickets für Zuschauer der Aufführung am 20. Juni 2019 um 20 Uhr in der Westfalenhalle 1 gibt es in Form von Dauer-, Tages- oder Abendkarte: www.kirchentag.de/teilnehmen/karten_und_preise.html 
•    Anmelde- und Tickethotline: 02302 2822222

Christliche Spiritualität

In der Arbeit der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal haben wir immer wieder mit interessanten Leuten zu tun, die sich in einzelnen Themen sehr gut auskennen und Experten für ihren Bereich sind. Einige von ihnen sind Referentinnen und Referenten in unseren Seminaren. Immer wieder bringen wir solche Leute zusammen, um mit ihnen intensiv ein Thema zu bereden. Die Diskussion wird aufbereitet und als „Akademie im Gespräch“ einem größeren Publikum zugänglich gemacht.

Passend zum aktuellen Jahresthema „INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“ kreiste das letzte Gespräch um christliche Spiritualität. Das Ergebnis ist hier nachzulesen.

Jetzt auch in einer Version für mobile Endgeräte!

„Osterleute - unterwegs von Ostern bis Pfingsten“

Kommendes Ostern werden Geschenke verteilt: Die Gemeinden im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) erhalten 2019 den Osterkalender als Geschenk des Bundes und der Landesverbände.

Das Ostergeschenk des Bund besteht aus dem kostenlosen Osterkalender und Predigtentwürfen. Zusätzlich kann das Hauskreismagazin mit Kleingruppenmaterial beim Bundes-Verlag erworben werden.
Der Osterkalender füllt das Jahresthema des Bundes mit Leben. Die täglichen Impulse werden zeigen, wie „Christus Gestalt gewinnt“, wenn die Dynamik der Ostergeschichte Menschen verändert und INSPIRIERT LEBEN lässt. Die Impulse werden für die persönliche Stille Zeit ebenso geeignet sein wie für Kleingruppen, die als Ergänzung auch das Hauskreismagazin nutzen können: Die Ausgabe Nr. 2, die am 27. Februar 2019 erscheint, stellt das vertiefende Kleingruppenmaterial für den Osterkalender bereit. Auch Predigtentwürfe für die Sonntagsgottesdienste sind in Planung. Der Kalender wird kostenlos direkt an die Gemeinden geliefert. Sollten die Kalender nicht ausreichen, können gegen eine Spende weitere Kalender angefordert werden. Der Osterkalender beginnt an Gründonnerstag und endet an Pfingsten. Die Idee ist, in dieser Zeit den Weg der Auferstehung weiterzugehen und nicht bei Ostersonntag stehenzubleiben. Ermutigendes und Nachdenkliches aus biblischen Zeiten und der Gegenwart soll den Leserinnen und Lesern dabei veranschaulichen, wie die österliche Dynamik Menschen verändert. Der Osterkalender soll helfen, den Weg der Auferstehung weiterzugehen. Für die siebeneinhalb Wochen wird es acht übergeordnete Themen geben: „Osterleute... gehen weiter, zweifeln, lieben, hoffen, singen, beten, warten und gehen hin.“

Das Kollegium der Theologischen Hochschule Elstal stellt Predigten zu folgenden „Osterleuten“ bereit (als Download hier abrufbar ab Mitte März):

1.Woche: Osterleute gehen weiter – Maria | Joh 20,11-18 (Michael Kißkalt)
2. Woche: Osterleute zweifeln – Thomas | Joh 20,24-30 (Carsten Claußen)
3. Woche: Osterleute lieben – Petrus | Joh 21,15-19 (Martin Rothkegel)
4. Woche: Osterleute hoffen – Stephanus | Apg 7,54-60 (Ralf Dziewas)
5. Woche: Osterleute singen – Paulus und Silas | Apg 16,23-40 (Dirk Sager)
6. Woche: Osterleute beten – Jesus + die betende Gemeinde |Joh 17,1-26 (Volker Spangenberg)
7. Woche: Osterleute warten – Maria (die Mutter) | Apg, 1,10-14 (Uwe Swarat)
Pfingsten: Einladende Hausgemeinschaft | Apg 2,42-47 (Andrea Klimt)

„Menschenrecht und Christenpflicht“

„Es ist ein Anliegen von ungebrochener Aktualität, sich auf die Menschrechte zu besinnen und sie zu beachten, wenn wir uns die Entwicklungen in Europa und weltweit anschauen: Die Armut nimmt zu, Menschen werden wegen ihrer Religion verfolgt, eigene Interessen werden über den Schutz von Menschen gestellt.“ Mit diesen Worten hat der Präsident der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), Christoph Stiba, die Bedeutung der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ gewürdigt. An deren Verkündigung vor 70 Jahren erinnert die VEF in einer heute veröffentlichten Stellungnahme.

„Bedenkliche Entwicklungen im In- und Ausland, durch die Menschen in ihren elementaren Rechten – etwa Meinungs- und Pressefreiheit, Religionsfreiheit, Asylrecht – eingeschränkt werden, machen es notwendig, dass wir uns immer wieder für die Würde eines jeden Menschen stark machen“, so Stiba. Dass die Menschenrechte „einen global akzeptierten Bezugsrahmen darstellen“, sei in hohem Maße der Erklärung vom 10. Dezember 1948 zu verdanken.

Die VEF beschreibt die „Menschenrechtsidee“ in ihrer Stellungnahme als einen „der stärksten und wirkungsvollsten Gedanken der Gegenwart“, den es zu schützen gelte: „Unsere Solidarität, unser Einsatz und unsere Fürbitten gelten allen Menschen, denen grundlegende Menschenrechte, Würde und Freiheit vorenthalten werden.“ Ihre Aufgabe sehe die VEF darin, das Evangelium von der Liebe Gottes in Wort und Tat zu den Menschen zu bringen: „Dazu gehören die Einladung zum Glauben an Jesus Christus und die Sorge um unsere Welt, in der wir leben. Das Wohlergehen der Menschen ganzheitlich im Blick zu haben, ist unser Anliegen.“ Deshalb sei die VEF nicht nur dankbar für die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“, sondern unterstütze auch die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals/SDGs).

Für Peter Jörgensen, den VEF-Beauftragten am Sitz der Bundesregierung, stellen die 17 SDGs eine Konkretisierung elementarer Menschenrechte dar: „Gemeinsam mit der Initiative ‚Micha Deutschland‘ versuchen wir, ein Bewusstsein für diese wichtigen Ziele zu schaffen. Keine Armut, kein Hunger, Klimaschutz, Bildungschancen unabhängig vom sozialen Status, Gleichberechtigung und Sicherheit durch Frieden – diese Anliegen machen den Geist der Menschenrechtsidee greifbar.“ Als roter Faden ziehe sich das Konzept eines globalen Gemeinwohls durch Menschenrechtserklärung und SDGs, so Jörgensen: „Motiviert durch das biblische Doppelgebot der Liebe wissen wir uns den Menschenrechten verpflichtet.“

Was sich der Geschäftsführer zu Weihnachten wünscht

Während mit der Adventszeit das Kirchenjahr gerade begonnen hat, geht das Haushaltsjahr mit schnellen Schritten auf die Zielgerade. Beim Bund ist die Weihnachtszeit auch immer Spendenzeit. Der kaufmännische Geschäftsführer des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden Volker Springer berichtet im Gespräch mit Jasmin Jäger, wie wichtig Spenden für den Bund sind und wie sich der aktuelle Haushalt entwickelt.

Jasmin Jäger (JJ): Zur Weihnachtszeit begegnen mir viele gemeinnützige Organisationen, die Spenden sammeln. Das Geschäftsjahr neigt sich dem Ende zu. Wie sieht das beim Bund aus?

Volker Springer (VS): Die Weihnachtszeit ist auch für den Bund eine sehr wichtige Zeit. Es ist gewissermaßen eine Jahresend-Rallye. Im Dezember entscheidet sich das Jahresergebnis, weil dann klar wird, ob wir erreichen, was wir uns vorgenommen haben. Kommt tatsächlich rein, was wir geplant und beim Bundesrat ja auch gemeinsam abgestimmt haben? Oder haben wir eine Lücke und wenn ja: wie groß ist diese Lücke?

JJ: Und wie weit sind wir gerade noch vom Ziel entfernt?

VS: Derzeit haben wir eine deutliche Lücke zum Vorjahr. Beim Bundesopfer, den freien Spenden, muss ich leider sagen, dass wir Stand Ende November im Vergleich zum Vorjahr knapp 100.000 € hinten liegen. Den Planwert zu erzielen, ist immer schwierig. Doch die Lücke darf nicht zu groß werden, um das Haushaltsergebnis nicht zu gefährden. Mit 100.000 € hinter dem Vorjahr in den Dezember zu gehen, ist schon eine Bürde. Das ist auch die Position, die mir im Moment Sorgen macht. Wenn diese Lücke nicht geschlossen wird, könnte das dazu führen, dass wir als Bundesgemeinschaft insgesamt ein Problem mit dem Haushaltsergebnis haben werden.

JJ: Und woran liegt das dieses Jahr?

VS: Wir haben uns das im Einzelnen angeguckt. Das ist ein Mix aus verschiedenen Positionen. Zum einen hatten wir 2017 die ein oder andere größere Sonderspende von Einzelpersonen, die man so nicht einplanen kann, die für uns aber natürlich immer sehr hilfreich sind. Zum anderen ist es aber auch so, dass von den Gemeinden insgesamt weniger Bundesopfer-Spenden gekommen sind. Das lief dieses Jahr bislang nicht so gut wie im letzten Jahr. Da erhoffe und wünsche ich mir, dass der Haushalt im Dezember noch Zuwachs bekommt. Auch die Reaktionen auf unsere Spendenbriefe, in denen wir um Spenden für verschiedene Arbeiten des Bundes werben, fielen dieses Jahr geringer aus als geplant. Aktuell bitten wir ja um Weihnachtsspenden für die Mission.

JJ: Neben den Spendenbriefen und dem Bundesopfer gibt es doch auch noch den Bundesbeitrag. Ich erinnere mich, dass wir beim Bundesrat die Höhe des Beitrags beschlossen haben. Wir haben uns als Bundesgemeinschaft also weitestgehend verpflichtet, einen Beitrag in einer bestimmten Höhe zu zahlen. Wie liegen wir denn mit den Bundesbeiträgen?

VS: Der Bundesbeitrag ist mit rund 60 bis 65 Prozent der wesentliche Finanzierungsbaustein des Bundeshaushaltes. Im September lagen wir noch deutlich unter dem, was wir geplant und gemeinsam auf dem Bundesrat vereinbart haben. Darauf haben wir im Oktober hingewiesen und die Gemeinden über ihren aktuellen Zahlungsstand informiert.

JJ: Und wie waren die Reaktionen darauf?

VS: Ich habe viele ermutigende Rückmeldungen bekommen und in dem Sinne sind dann auch Taten gefolgt. Ich glaube, wenn wir gemeinsame Anstrengungen unternehmen, kriegen wir das mit dem Bundesbeitrag gut hin, so wie geplant.

JJ: Gilt das auch für das Bundesopfer?

VS: Nur bedingt. Ich wünsche mir vor allem beim Bundesopfer noch Reaktionen. Da würde ich mich wirklich sehr freuen, wenn Gemeinden oder auch Privatpersonen nach Möglichkeiten suchen, sich zu beteiligen und eine freie Spende für den Haushalt, also sogenannte Bundesopfer-Spenden, tätigen. Damit wir die Lücke zum Vorjahr schnellstmöglich verkleinern können. Das würde mich sehr freuen, das wäre sozusagen eine Art verfrühtes Weihnachtsgeschenk für den kaufmännischen Geschäftsführer.

Rote Lichter für Religionsfreiheit

Ein rot beleuchtetes Gemeindehaus? Das erregt Aufmerksamkeit. Die Gemeinde Kassel-West hat in der Woche vor dem 28. November ihre Straßenfront mit roten Scheinwerfern erleuchtet, um auf die Einschränkung der Religionsfreiheit in vielen Teilen der Welt hinzuweisen.

Rot angestrahlt hat die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Kassel-West geleuchtet. Die Gemeinde
folgte damit einer Anregung des Generalsekretärs des Baptistischen Weltbundes, Elijah Brown, am #redwednesday (roter Mittwoch) teilzunehmen. Die Kampagne wurde in England von katholischen und evangelischen Christen ins Leben gerufen. Am 28. November beleuchten viele Gemeinden ihre Kirchen und Kathedralen, darunter auch viele Baptisten. Dieser Tag erinnert an die Opfer von religiöser Verfolgung und soll auf die Einschränkung der Religionsfreiheit in vielen Teilen der Welt hinweisen. Christen sähen sich in 130 Ländern mit Einschränkungen konfrontiert, so der „Ökumenische Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit“, Muslime in 117 Ländern.  

Die Gemeinde Kassel-West hat mit ihren roten Lichtern ein Zeichen gesetzt. Denn sie haben die Einschränkungen durch ihre Kontakte zu Geflüchteten, die ihre Heimat um ihres Glaubens willen verlassen mussten, mitbekommen und wollen für Religionsfreiheit einstehen. „Bei uns sind alle willkommen, egal ob sie Christen, Muslime, Yesiden sind oder vom Islam zum Christentum Konvertierte," betont Pastor Frank Fornaçon. „So ist uns auch die Zusammenarbeit am Runden Tisch der Religionen sehr wichtig". Sie erregten Aufmerksamkeit in ihrem Stadtteil. Im Rahmen der Kampagne berichtete Dr. Claudia Baumgart-Ochse über die Lage des Menschenrechts Religionsfreiheit vor einem interessierten Publikum im Café der „Kirche im Hof“. Sie ist Gemeindemitglied und Mitarbeiterin am Leibniz-Institut der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt.

Im Gottesdienst während der Kampagne wurde besonders für Bulgarien gebetet. Dort sind drastische gesetzliche Beschränkungen der Religionsfreiheit für Anhänger kleinerer Kirchen geplant. Im Rückblick auf die Aktion meinte Pastor Frank Fornaçon: „Wir hoffen, dass im kommenden Jahr mehr Kirchen in Deutschland unserem Beispiel folgen."

Licht des Lebens

Seit einigen Jahren bittet der BEFG zu Weihnachten um Spenden zur Förderung der Mission. „Zu Weihnachten feiern wir, dass Gott sich klein gemacht hat, durch Jesus Christus Mensch geworden ist – aus bedingungsloser Liebe zu uns. Diese Botschaft wollen wir teilen“, so BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba.

Für einige Christen in Deutschland ist das Weihnachtsfest neu. Sie sind aus Afghanistan oder aus dem Iran nach Deutschland gekommen. In ihrer Heimat durften sie Weihnachten nicht öffentlich feiern, kennen es nur aus Filmen. Andere sind erst hier zum Glauben gekommen. „Selbst Nichtchristen kennen in Deutschland Weihnachten. Für uns aber ist alles neu“, berichtet Omid Homayouni. Für den gebürtigen Iraner ist Weihnachten „ein besonderes Fest, weil es einen direkten Bezug zu unserem ganz persönlichen Glauben hat.“ Omid engagiert sich in der deutsch-persischen Gemeindeentwicklung des Dienstbereichs Mission: „Wir wollen gemeinsam mit unseren deutschen Geschwistern im Glauben wachsen. Das ist Integration in die Gemeinde Jesu: voneinander lernen und auf diese Weise miteinander wachsen.“

Auch viele Menschen aus Lateinamerika finden in Gemeinden des Bundes eine geistliche Heimat. BEFG-Pastor José Luis Malnis gehört zum Leitungskreis der Internationalen Mission in Deutschland des Dienstbereichs Mission und begleitet Latino-Gruppen in Bayern. Weihnachten veranstalten sie eine gemeinsame Feier nach dem Gottesdienst und laden dazu Lateinamerikaner ein, die neu in der Umgebung sind. „Weihnachten ist für uns eine Feier für die Familie und für unsere Nachbarn. In unseren Heimatländern feiern wir auf der Straße. Der Kontakt zu anderen Menschen ist uns sehr wichtig. Das möchten wir auch hier in Deutschland leben.“

Christoph Stiba lädt die Mitglieder des Bundes in der Spendenbitte des BEFG dazu ein, die Arbeit des Dienstbereichs Mission mit einer Spende zu unterstützen: „Wir wollen Gemeinde neu entdecken, neue Gemeinden gründen, Menschen integrieren, die schon lange bei uns wohnen oder neu zu uns gekommen sind, gemeindenahe Diakonie fördern, weltweit humanitäre Hilfsprojekte unterstützen und bei Katastrophen schnell Hilfe leisten. Wir wollen Menschen für Gott begeistern und sein Licht bezeugen!“

Ist Mission essbar?

TischGemeinschaft heißt das neue Evangelisationsformat des Dienstbereichs Mission, das am ersten Dezemberwochenende erstmals in einer Gemeinde des BEFG durchgeführt wurde. Sven-Erik Tornow, Leiter dieser Kölner Gemeinde, berichtet von der Premiere.  

Ist Mission essbar? – Nein, nein, nicht der alte Kalauer mit den im Halbkreis versammelten Löwen, die vor dem Verspeisen des Missionars noch brav beten, ist gemeint. Es geht um miteinander essen, an einem Tisch sitzen, reden, Gemeinschaft erleben und um evangelistische Predigten. Kann so etwas ein Konzept für eine missionarische Gemeinde sein? Als Gemeinde Köln sagen wir eindeutig ja! Warum? Weil wir es gemeinsam mit Carsten Hokema, dem Regionalreferenten für die Region Nord, ausprobiert haben.

Zum Material, das der Referent in einem kleinen Anhänger mitbrachte, gehört eine 6,5 mal 2,5 Meter große Kopie des im Original noch ein Drittel größeren Bildes „Das letzten Abendmahl“ von Leonardo Da Vinci. Irgendwie kennt dieses Bild jeder. Aber wenn Da Vincis Figuren einem fast lebensgroß gegenübersitzen, dann hat das Ganze plötzlich einen ganz anderen, ansprechenden Aspekt.

Ungezwungen offen

Wenn wir im Rahmen von Gottesdiensten Abendmahl feiern, so geschieht dies meistens sehr reduziert. Ursprünglich war das Abendmahl Teil eines ganz normalen Abendessens. Da wurde diskutiert, getrunken, gegessen und sinniert. Ganz unbekümmert und ziemlich unfromm. Genau so sah auch der erste Abend in der „Friedenskirche – Baptisten mitten in Köln aus“.  Etwa 120 Gäste hatten an den Tischen im Gottesdienstraum Platz genommen und genossen ein Drei-Gänge-Menü, welches wir der Einfachheit halber und um ausreichend Zeit für unsere Gäste zu haben, von einem Caterer bestellt hatten. Die anschließende evangelistische Verkündigung forderte auch dazu auf, die Einladung Gottes an seinen Tisch anzunehmen.

TischGemeinschaft outdoor

Gespannt waren wir auf den Straßeneinsatz am Samstag. Menschen kommen gern zusammen. Sagt man. Würde das auch einfach an einem öffentlichen Ort klappen? Mit dem diesmal am Anhänger des Dienstbereichs Mission montierten Gemälde stellten wir uns auf einen großen Platz hinter einem der berühmten Kranhäuser im Kölner Rheinauhafen. Vor dem Gemälde standen ein großer Tisch und 13 Stühle. Nicht nur die mitgebrachte Tischdecke sah der auf dem Da Vinci-Gemälde zum Verwechseln ähnlich, sondern die gesamte Szene. Gemeinsam mit Passanten, die trotz windigem Wetter am großen Tisch Platz genommen hatten, verbrachten wir einige Stunden unter freiem Himmel und kamen mit ihnen über Gott und die Welt ins Gespräch. Unsere Gäste versorgten wir mit Kaffee, Tee, Glühwein und Plätzchen. Besonders interessant und auch lustig war die Begegnung mit 13 jungen Männern, die eine gute halbe Stunde TischGemeinschaft mit uns hatten. Sie setzten sich vor das Bild mit Jesus und seinen 12 Jüngern, unterhielten sich mit den Mitarbeitern und fragten interessiert nach, als es um christliche Inhalte ging. 

Beziehungserlebnis pur

TischGemeinschaft ist ein sehr flexibles Konzept. Ob man den Abend mit 120 Gästen oder, wie an unserem zweiten Abend, nur mit 20 Besuchern durchführt – Gemeinschaft erlebt man auf jeden Fall.  Spontan setzten wir uns mit den Gästen am zweiten Abend um den großen Tisch direkt vor dem Bild. Es wurde ein sehr eindrücklicher Abend des gemeinsamen Redens, Hörens und Lernens. Ein Beziehungserlebnis pur. Unmittelbar und nah. Die Verkündigung der Abende drehte sich rund um die Tischreden Jesu und um das Gleichnis vom großen Festmahl, in dem Jesus Gott als den vorstellt, der an seinem Tisch für alle Menschen einen Platz frei hat.

Schmecken wie freundlich der Herr ist

Am ersten Advent feierten wir den Abschluss der Evangelisation mit einem gemeinsamen Gemeindefrühstück und einem sich daran anschließenden Abendmahlgottesdienst. Wir haben in den Tagen mit TischGemeinschaft gehört, „gesehen und geschmeckt, wie freundlich der Herr ist“. Und wenn vor dem großen Abendmahlsgemälde im Gottesdienstraum aus der brötchenschmierenden Gemeinde eine Abendmahlsgemeinde wird, dann wächst die Vorfreude auf das, worum es im Gottesdienst inhaltlich ging: Das Festmahl im Reich Gottes, zu dem Menschen aus allen Himmelsrichtungen kommen werden.

TischGemeinschaft? Ein leckeres und ansprechendes Konzept und ein spannendes Miteinander.
Manchmal war es ein bisschen so wie im Speisesaal des Klosters, in dem Da Vincis Bild ursprünglich hing. Und man hatte den Eindruck, dass man mit Jesus und seinen 12 Nachfolgern in einem Raum ist. Das macht einfach Mut. Und satt.

Sowohl über diesen ersten ansprechenden und gelungenen Einsatz der Materialien als auch über die inhaltliche Ausrichtung der Kurzevangelisation freuen sich besonders die drei Regionalreferenten des Dienstbereichs Mission. Ab 2019 werden Benno Braatz (Region Ost), Carsten Hokema (Region Nord) und Christopher Rinke (Region Süd) mit dem Format in den Gemeinden unterwegs sein. Neben zwei evangelistischen Abendveranstaltungen und einem Straßeneinsatz gehört auch ein Gottesdienst mit Frühstück zu der kompakten Veranstaltung.

Evangelium weitergeben, Orientierung in Lebensfragen

„Die Zukunft der Kirche hängt entscheidend von unserer Bereitschaft und Fähigkeit ab, den Glauben weiterzugeben.“ Mit diesem Appell hat der Theologe, Autor und Bibelübersetzer Prof. Dr. Dr. Roland Werner in der Mitgliederversammlung der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) dafür geworben, in den Kirchen ganz neu eine „Theologie und Praxis der Evangelisation“ umzusetzen. Bei der Tagung im brandenburgischen Elstal befassten sich die Delegierten aus den VEF-Kirchen zudem mit dem Lebensschutz, mit Asylverfahren von Konvertiten und mit den Vorbereitungen auf einen historischen Jahrestag.

„Hierzulande haben wir den Glauben privatisiert und sind deshalb als Christen in der Öffentlichkeit und im Alltag nicht sichtbar“, so die Analyse von Roland Werner. Darum sei die Evangelisation in einer Krise: „Bevor wir wieder stärker evangelistisch aktiv werden, müssen wir mit unserem Glauben aus der Privatsphäre heraustreten. Denn der Glaube ist zwar persönlich, aber nicht privat!“ Wenn man dann über den Glauben ins Gespräch komme, sei es wichtig, Evangelisation nicht isoliert zu sehen: „Soziale Verantwortung und Evangelisation gehören zusammen. Wenn wir sie gegeneinander ausspielen, lähmen und schwächen wir uns selbst.“

Der Glaube dürfe nicht nur unter Gleichaltrigen geteilt werden, sondern müsse auch an jüngere Generationen weitergegeben werden: „Sonst stirbt der Glaube aus“, so Roland Werner. Kirchen hätten nun die Aufgabe, das Anliegen der Evangelisation auf allen Ebenen der kirchlichen Arbeit zu verankern und evangelistisch begabte Frauen und Männer zu fördern und auszubilden. Die Weitergabe der frohen Botschaft müsse in einer Weise geschehen, die Menschen ganz unabhängig von ihrem Milieu oder ihrem kulturellen Background verstehen: „Wir wollen kulturell flexibel und in großer Vielfalt predigen, dabei jedoch stets Christus im Blick haben, unser Zentrum.“###3_IMAGES###Die Delegierten waren sich einig in dem Anliegen, die Evangelisation auf VEF-Ebene weiter zu stärken. „Dafür wollen wir zunächst vorhandene Netzwerke nutzen, denn nicht jeder muss das Rad neu erfinden“, so VEF-Präsident Christoph Stiba. Deshalb werde man künftig enger mit der von Roland Werner geleiteten „Koalition für Evangelisation“ zusammenarbeiten: „Eine gute Gelegenheit ist die Teilnahme am Runden Tisch der Koalition am 3. und 4. Juni 2019 im Kloster Volkenroda.“

Lebensschutz

„Das Leben und die einzigartige Würde des Menschen als unantastbare Gabe Gottes sind von Anfang an und bis zu dessen Ende zu schützen und zu respektieren.“ Mit diesem Motto gibt die Stiftung ProVita Orientierungshilfe in medizinethischen Fragen, die den Anfang und das Ende des Lebens betreffen – von vorgeburtlicher Diagnostik über Schwangerschaftskonfliktberatung bis hin zu Sterbebegleitung und Palliativmedizin. Dr. Detlev Katzwinkel und Dr. Heike Fischer vom ProVita-Vorstand stellten der Mitgliederversammlung die Arbeit der „Stiftung für Lebensethik“ vor. „Es ist uns wichtig, keine einfachen Antworten zu geben, sondern differenziert hinzuschauen“, betonte Heike Fischer. Denn, so Detlev Katzwinkel, man wolle mit Menschen ins Gespräch über Lebensthemen kommen: „Wir suchen den Diskurs und begegnen anderen Meinungen nicht mit Verurteilung.“

VEF-Politikbeauftragter Peter Jörgensen, Christoph Stiba und andere VEF-Delegierte zeigten sich dankbar für das Angebot der Stiftung, der VEF beratend zur Seite zu stehen. „Für die Positionierung der VEF in diesen schwierigen ethischen Fragen ist es gut, vom Knowhow von Fachleuten profitieren zu können, die sich auf der gleichen Wertebasis für den Lebensschutz einsetzen, der uns sehr wichtig ist“, so Stiba. Der VEF-Präsident äußerte auch seine Wertschätzung für die differenzierte Herangehensweise der Stiftung: „Plakative Aussagen helfen bei diesen fundamentalen Fragen des Lebens, bei denen es um persönliche Schicksale geht, niemandem weiter.“

Ablehnung christlicher Asylbewerber

Asylanträge christlicher Konvertiten werden oftmals dann abgelehnt, wenn es den Bewerbern in den Verfahren nicht gelingt, über die persönliche Dimension ihres Glaubens Auskunft zu geben. Diese Beobachtung und seine Vorschläge, wie damit umzugehen ist, erläuterte der VEF-Kirchenasylbeauftragte, Rechtsanwalt Andreas Hantschel aus Frankfurt.###3_IMAGES###Hantschel führte in der Mitgliederversammlung aus, dass Bewerber, die aufgrund ihrer Konversion zum christlichen Glauben Asyl in Deutschland beantragen, laut einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts nachweisen müssen, dass sich bei ihnen eine feste religiöse Überzeugung gebildet hat und eine Prägung der religiösen Identität erfolgt ist. Um dies darzulegen, reiche es nicht aus, so Hantschel, dass der Bewerber von außen sichtbare Aktivitäten aufzähle, etwa die Teilnahme am Gottesdienst oder die Mitarbeit im Kirchencafé. Vielmehr sei es unerlässlich, vom inneren Glaubensprozess zu berichten und die Entscheider so ins eigene Herz blicken zu lassen. „Wo Glaubensgeschwister dies tun und die Tiefe ihres persönlichen Glaubens nachvollziehbar beschreiben, stehen die Chancen für ihr Asylverfahren gut.“

Gemeinden werden gebeten, sich mit Fragen zum Thema Asyl an die Migrationsbeauftragten ihrer Freikirchen zu wenden.

500 Jahre Täuferbewegung

Mit fünf Themenjahren ab 2020 und einem großen Abschluss zu Himmelfahrt 2025 will eine überkonfessionelle Initiative an 500 Jahre Täuferbewegung erinnern. Reinhard Assmann vom Trägerverein nahm die VEF-Mitgliederversammlung mit hinein in die Geschichte und stellte den aktuellen Stand der Planungen vor.

Der 21. Januar 1525 gilt als Beginn der Täuferbewegung. Nach einer „heftigen öffentlichen Diskussion über die Kindertaufe fand an diesem Tag die erste sogenannte Gläubigentaufe statt“, so Assmann. „Die Täufer verstanden sich stets als Teil der Reformation, wollten weiterführen, was sie in den frühen Jahren Luthers und Zwinglis verstanden hatten.“ Die Mennoniten verstünden sich als direkte Nachfahren der Täufer, doch „auch einige andere heutige Freikirchen sehen sich theologisch in der Tradition der Täuferbewegung.“

Dem Gründerverein gehören Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden (AMG), des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG), des Bibelseminars Bonn und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) an. Ihr Ziel sei es, „an die Täuferbewegung zu erinnern, den Jahrestag 2025 gemeinsam zu begehen und dabei viele miteinzubeziehen“, wie der pensionierte Baptistenpastor Assmann hervorhob. Die vorgeschalteten Themenjahre werden sich mit den fünf Schwerpunkten „mündig, gemeinsam, konsequent, gewaltlos und Hoffnung leben“ befassen. Es sollen Begleitmaterialien und Veranstaltungen angeboten werden. „Wir freuen uns, wenn sich viele Menschen an den Vorbereitungen beteiligen“, so Reinhard Assmann. Interessierte können sich in der Ökumenischen Centrale der ACK melden.###3_IMAGES###

Theologischer Grund- und Aufbaukurs

Dr. Oliver Pilnei vom BEFG und Jürgen Stolze von der Evangelisch-methodistischen Kirche stellten den Delegierten den Theologischen Grund- und Aufbaukurs der VEF vor. Seit über 40 Jahren bietet der Kurs eine theologische Fortbildung. Allein in den letzten zehn Jahren gab es über 400 Absolventinnen und Absolventen. VEF-Präsident Christoph Stiba würdigte den Kurs als „fundierte theologische Grundlegung für Laienprediger und alle an Theologie Interessierten.“ Er ermutigte dazu, das Angebot in den Freikirchen bekannt zu machen.

Mitgliederversammlung der aej

Einmal im Jahr trifft sich die evangelische Jugend bei der Mitgliederversammlung der aej – dieses Jahr vom 22.11. bis 25.11. in Pappenheim in Bayern. 120 Delegierte aus 32 Organisationen sind vertreten, das GJW mit vier Mandaten und Maria Hofmeister als zweiter stellvertretenden Vorsitzenden der aej.

Hauptthema der Tagung war der Rechtspopulismus. Dr. Matthias Quent vom Jenaer Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft hielt das Impulsreferat. Das Plenum verabschiedete das gemeinsame Positionspapier „Haltung zeigen und Ursachen beseitigen“. „Keine Akzeptanz rechtspopulistischer Einstellungen im demokratischen Meinungsstreit“ dürfe es geben. „Wir fordern konstruktive und tragfähige europäische Lösungen“ heiß es darin unter anderem zum Umgang mit Geflüchteten.

Mit der Verabschiedung des langjährigen Geschäftsführers Ottokar Schulz geht in der aej eine Ära zu Ende. Mit Leidenschaft und Sachverstand hat er die Interessen der evangelischen und damit auch der evangelisch-freikirchlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auch gegenüber der Bundespolitik vertreten. Dafür gebührt ihm großer Dank.

Mit Martin Luther-King erinnerte Udo Rehmann in seiner Andacht am Freitagmorgen daran, dass nur die tätige Liebe (Eph 3,18) gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen kann: „hate cannot drive out hate, only love can do that“. Maria Hofmeister gestaltete den sehr nachdenklichen Gottesdienst zum Tagungshauptthema am Samstagabend mit.

„Für mich war es die erste aej-Mitgliederversammlung, daher war ich sehr gespannt was mich erwartet. Mir hat diese Veranstaltung gezeigt, wie wichtig und wertvoll es ist, sich als evangelische Jugend zusammenzuschließen und für einen gemeinsamen Standpunkt zu kämpfen und diesen dann nach außen zu tragen und zu vertreten. Gemeinsam haben wir eine größere Stimme und können uns damit z.B. in aktuelle Debatten erfolgreich mit einbringen.“ (Simon Milewski als Teil der GJW-Delegation aus dem GJW Baden-Württemberg)

Die aej ist die jugendpolitische Stimme der evangelischen Jugend. Durch die Partizipationsstrukturen haben junge Menschen die Möglichkeit, sich in den großen Debatten der Gesellschaft Gehör zu verschaffen.

„Wie kommt der Geist in die Beratung?“

„Wie kommt der Geist in die Beratung?“ lautete das Thema des jährlichen Beratertreffens am 12. November in Kassel. 43 Männer und Frauen waren gekommen, um sich gemeinsam darüber auszutauschen, wie das Jahresthema des Bundes „INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“ in der Gemeindeberatung verankert werden kann.

Pfarrerin Isabel Hartmann vom Gemeindekolleg der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Deutschlands (VELKD) leitete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch einen steten Wechsel von Input, Übung und Reflexion an, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Dabei wünsche sie sich, so äußerte sie zu Beginn des Tages äußerte, dass „Sie sich nicht nur kongnitiv mit dem Denken Neues überlegen, sondern dass wir miteinander ins Hören kommen auf Gott, der unter uns ist.“

Das Netzwerk „Beratung von Gemeinden“, sagte BEFG-Referentin Heike Beiderbeck-Haus, habe von Anfang an einen hohen Anspruch an die Professionalität der Beraterinnen und Berater gehabt. Wer Teil des Netzwerks werden wolle, müsse gewisse Kriterien erfüllen und Standards einhalten. Mit dazu gehöre, dass sich der Berater beziehungsweise die Beraterin mit der eigenen Meinung zurückhalte. Dennoch, so Beiderbeck-Haus, spiele die spirituelle Situation gerade im Bereich der Gemeindeberatung eine große Rolle und müsse berücksichtigt werden. „Und zwar sowohl die spirituelle Situation der zu beratenden Gemeinde als auch der Beratenden selbst“.  Denn: „Das Thema berührt tief unsere eigene Frömmigkeit, die je nach Prägung sehr unterschiedlich ist – und unser professionelles Verständnis von Beratung.“ Deshalb sei man auf dem Beratertreffen der Frage nachgegangen wie beide Bereiche zusammengehören und wo sie sich unterscheiden. ###3_IMAGES### Am Vormittag beschäftigten sich die Teilnehmenden mit den verschiedenen Arten von Problemlagen, die sich manchmal sehr einfach, mitunter aber auch sehr komplex darstellten. „Meistens“, so stellte ein Teilnehmer fest,  „wird von den Ratsuchenden eine ‚einfache‘ Antwort erwartet, die den Impuls der Beratung mit einem ‚Punkt‘ abschließt. Dagegen öffnet ein ‚Doppelpunkt‘. Er verbindet die Argumente mit der Weiterführung des Prozesses und erfordert Mut, nicht abzuschließen und die Argumentation offen zu halten.“ Bei einer komplexen Problemlage, so wurde deutlich, müsse immer wieder auf das Intuitive geachtet werden und auf die Emotionen und die Sehnsucht des Einzelnen, man müsse „erspüren und erproben, was der nächste Schritt ist“. Das übten die Anwesenden ganz praktisch, indem es immer wieder Phasen der Stille gab, wo jeder ganz „bei sich“ sein konnte. Zur Frage nach dem „Geist in der Beratung“ konnte man sich dann über die eigene Sehnsucht austauschen und einander rückmelden, was man beim anderen diesbezüglich jeweils wahrgenommen hat. Erfreulich sei dabei gewesen, so Heike Beiderbeck-Haus, dass „nicht suggeriert wurde, dass ich in diesen Minuten große Erkenntnisse gewinne, sondern ich hatte auch die Freiheit, die Erfahrung zu machen, dass ich gar nichts spüre. Es war kein Druck, kein Muss, kein Machen gefragt, sondern nur die Aufmerksamkeit für das, was in dem Moment geschieht.“ ###3_IMAGES### Am Nachmittag lag der Schwerpunkt auf der Beschäftigung der im Mission Statement formulierten ersten Säule des Jahresthemas: „Wir wollen die lebendige Stimme Gottes hören und daraus leben.“ Dabei wurde deutlich, dass die Stimme Gottes von jedem einzelnen sehr unterschiedlich wahrgenommen wird: Durch Worte, zwischenmenschliche Beziehungen oder einfach durch ein „Bauchgefühl“. „Der Geist Gottes spricht vielstimmig“, so Isabel Hartmann, „und nicht immer herrscht danach dann Eindeutigkeit und Einmütigkeit.“ Wichtig sei es, sich gemeinsam auf die Suche zu machen, in die Tiefe zu gehen und sich dabei Zeit zu lassen. ###3_IMAGES### Bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern kam das Treffen überwiegend positiv an. „Ich finde es immer gut, einmal neue Methoden und Zugänge auszuprobieren, das heißt, nicht nur theoretisch vorgestellt zu bekommen, sondern gleich praktisch umzusetzen“, war das Fazit eines Teilnehmers. „So kann man eigene Erfahrungen machen und lernt Neues, was ein Gewinn ist. Man lernt aber auch, zu welchen Dingen man eventuell nicht so den Zugang hat. Auf jeden Fall ist dies eine Bereicherung.“

Im Netzwerk „Beratung von Gemeinden“ sind zurzeit 66 aktive Beraterinnen und Berater tätig. Das Netzwerk soll in Zukunft weiterentwickelt werden, insbesondere in Bezug auf einzelne Regionen, in der es zurzeit keine Beraterinnen und Berater gibt. Außerdem wird gemeinsam mit dem BEFG-Referenten für Integration, Thomas Klammt,  die interkulturelle Beratung auf den Weg gebracht.

In der Hektik auf Gott hören

„Hören auf Gottes lebendige Stimme“, das ist die erste Säule und damit ein zentrales Anliegen des BEFG-Jahresthemas „INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“. Pastorin Claudia Sokolis-Bochmann beschreibt, wie ihr dieses Hören in der Hektik des Alltags gelingt.

Während ich mit diesem Artikel beginne, wird im Raum neben mir geschraubt, werden meine Regal abgebaut. Ich bin mitten im Umzug, habe seit über einem Jahr eine Fernbeziehung und kenne die Autobahn und Bahnhöfe zwischen Hamburg und meinem neuen Wohnort recht gut. Hektik, sprich Betriebsamkeit, und To-do-Listen sind gerade Teil meines Alltags. Was für ein Jahr: Hochzeit und Familienbesuche, Weiterbildung und Dienstwechsel, Autokauf und Umzug. Ein Leben auf der Autobahn des Lebens – das klingt allzu vertraut. Das Jahr verging wie auf einer ICE-Strecke: ziemlich schnell. Und neben all den Terminen und Aufgaben habe ich neue Leute kennengelernt, viel Schönes erlebt, neue Gebiete erkundet, Informationen und Eindrücke gesammelt.... Stille im Alltag sieht von außen betrachtet sicher anders aus. Und ja, ich freue mich auch schon, wenn mein Sessel wieder aus dem Umzugswagen geladen wird und er seinen Platz gefunden hat.

Das ist nämlich mein „guter Ort“ – eigentlich egal wo er steht. Vor dem Start in den Tag hier nochmal sitzen, bewusst ein- und ausatmen, Tagebuch schreiben, Bibel lesen; abends den Tag Revue passieren lassen und abschließen, das tut mir gut. Ich liebe den Rhythmus meines Lebens, liebe Rituale, die meinen Tag begleiten, meinem Leben Ruhe geben. Dabei sind das gar nicht die großen Dinge, die viel Aufwand brauchen, sondern eher – ganz im Kleinen – das bewusste Hinhören und Achtgeben. Es sind die kleinen Gesten und Bewegungen, die mir helfen zur Ruhe zu kommen und bei mir zu sein. Ich höre mir zu, wenn ich über die Straße gehe, höre die Schritte auf dem Asphalt, lausche dem Wasser, wenn ich meinen Tee aufgieße, blicke die Kassiererin im Laden bewusst an, wenn ich bezahle und ihr einen schönen Tag wünsche. Ich freu mich, wenn sie meinen Blick wahrnimmt und den Gruß erwidert.

Zwei Themen haben mich in den letzten Jahren intensiv begleitet: das Hören und das Üben. Das Thema „Hörendes Gebet“ begleitet mich schon lange, doch in der Zusatzausbildung zur Musik- und Bewegungspädagogin (ARS) bekam das Thema Hören nochmal eine ganz andere Qualität. In den Seminaren, die ich mit einem Pastoren-Kollegen zum Thema anbiete, war und ist es uns immer wichtig, dass das Hören auf Gottes Stimme stets im Alltag verankert ist, auch dann, wenn keine Zeit für lange Einkehrzeiten bleibt. Auf Gottes Stimme zu hören ist nicht nur die Fähigkeit einzelner begabter oder kontemplativer Leute. Gott redet nicht nur in unsere Freiräume und Stille Zeiten hinein. Doch, und davon bin ich überzeugt: Hören braucht Übung. Sich selber empfangsbereit machen, die Sinne wecken, aufmerksam werden und wahrnehmen, was ist, das kann überall geschehen. Als Jugendliche hat mich der Satz geprägt: „Was nicht regelmäßig geschieht, geschieht in der Regel mäßig“, und in verschiedensten Bereichen merke ich, wie Fähigkeiten leiden, wenn ich sie nicht praktiziere – denke ich da nur an Fremdsprachenkenntnisse, die lange nicht zum Einsatz kamen.

Mit meinen Instrumenten habe ich gelernt, dass Üben nicht heißt, ein Stück immer und immer wieder zu spielen, um vielleicht festzustellen, dass man es immer noch nicht kann. Üben heißt, da vielleicht nur eine Tonverbindung herauszunehmen und zu trainieren, Läufe mal anders zu rhythmisieren, vorwärts und rückwärts zu spielen, das Tempo zu variieren. Mit den Jahren habe ich gelernt, auch ohne Instrument zu üben – mental. Und ja, ich habe gelernt, dass ganz andere Komponenten mein Spiel auf der Flöte verbessern können. So hat es Auswirkungen, wenn ich viel mit dem Körper arbeite und dadurch eine bessere Körperpräsenz sowie Atmung habe. Es hat Auswirkungen, zu welcher Tageszeit ich spiele, in welcher Umgebung ich bin, wer mir zuhört. Und auch, wenn ich dann mal ein paar Tage und Wochen die Flöte nicht zur Hand nehmen und vielleicht nur singen oder summen kann, habe ich Melodien und Töne im Ohr, kann sie spielen und wieder aufnehmen, was ich gelernt habe. Das geht, wenn ich dranbleibe: auf welche Art und Weise auch immer.

Stille im Alltag klingt nach Sehnsuchtsort, klingt nach großen Freiräumen und Ruhe. Bei all dem, was am Tag ansteht und auf uns einströmt an Inhalten und Aufgaben, fällt das Innehalten schwer – wie fast alles, das ich nicht geübt, mir nicht im Kleinen angeeignet habe. Vor gut zwei Jahren sprach mich der Text aus 1. Chronik 22,9 an. Dort heißt es, dass Salomo „ein Mann der Ruhe“ sein wird. Neben all dem Erleben und Sehnen, Gottes Stimme zu hören, in seiner Gegenwart zu sein, wuchs in mir der Wunsch, eine „Frau der Ruhe“ zu werden. Wie ein ruhiger See zu sein, auf dem die Sonne sich spiegeln kann. Empfangsbereit zu sein, für Worte, die in mir und durch mich zum Klingen kommen können, mitten im Alltag einfach mal stehen zu bleiben.

So liebe ich nicht nur den Klang meiner Schritte, sondern auch das Stehen an roten Ampeln. Ich lasse mich von Gott beschenken durch die Menschen, die ich sehe, freu mich an der Farbenpracht der Schöpfung. Ich lausche den Worten, die in mir nachklingen – weil ich ein Wort gelesen oder gelernt habe, es mit Tinte auf Papier brachte oder ich es lesen konnte: in der U-Bahn, auf dem Smartphone, auf einer Werbefläche, an einer Hauswand.... Und halt: Da klingt doch tatsächlich beim Einkauf eine Zeile durch den Lautsprecher, die mich berührt. Ist vielleicht nicht meine Welle und Musik – aber vielleicht doch gerade das Reden Gottes zu mir. Mitten in der der Betriebsamkeit kann ich hinhören und mich unterbrechen lassen. Kann selber das Tempo reduzieren und stehen bleiben. Wie gut, dass Gott mehr Möglichkeiten hat und nicht an meinen Sessel gebunden ist, der mittlerweile auch wieder seinen Platz gefunden hat und in dem ich wieder üben kann, in der Stille zu hören, damit es in der Betriebsamkeit des Alltags gelingt.

Seiten