Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

"Und? Wie wars?" - 2. Kursblock Seelsorge & Beratung

„Ich bin ich - und du bist du“ - „ Ach, was du nicht sagst?!“ - Es klingt ziemlich banal. Doch bei näherem Hinsehen überlege ich: Will ich meine Gesprächspartner nicht manchmal doch in meine eigenen Wünsche drängen? Will ich ein anderes Gemeindemitglied im Gespräch so überzeugen, dass es genauso denkt wie ich? Lass ich mich von anderen Menschen einspannen, weil sie denken ich müsste etwas tun oder lassen, was ich eigentlich gar nicht will? Und schon sind wir mitten in den spannenden Überlegungen, die wir in den Theorieeinheiten des Grundkurses Seelsorge und Beratung geführt haben.

Der Kurs, mit 20 Teilnehmenden aus unterschiedlichen Gemeinden der Bünde der EFG und FEG, umfasst neben diesen Theorieeinheiten Selbsterfahrungen in der Gruppe, Körpererfahrungsübungen sowie Besprechungen von Gesprächsprotokollen und Predigten. Zwischen den Kursblöcken vertiefen wir die Thematik mithilfe von vorgegebener Literatur und durch Treffen in Regionalgruppen.

Ich möchte gerne exemplarisch einen Einblick geben, wie zwei dieser Elemente mich ganz persönlich beeinflussen und mir gut tun.

Zum zweiten Kursblock kamen wir alle aus unterschiedlichen Situationen. Viele von uns kamen aus dem stressigen Alltag. Während die meisten Kursteilnehmenden mit ihrem Berufsalltag beschäftigt waren, stellt mich meine Elternzeit mit meiner kleinen Tochter vor andere Herausforderungen: Zeit für mich?! Zeit um mich mit meinen Bedürfnissen auseinanderzusetzen, meine Grenzen und Wünsche zu spüren? So etwas gibt momentan eher wenig. Und dann kam der Seelsorgekurs.

Mit den Körpererfahrungen, bei denen es darum geht sich mit seinem Körper auf ein Angebot einzulassen, z.B. das Erspüren eines Stachels einer Kastanie. Damit verbunden stellten wir uns die Frage: Was macht das mit meinem Körper? Spüre ich den Stachel beim Laufen oder beim Stehen? Auf diese Weise Kontakt mit mir selbst aufzunehmen und mich wahrzunehmen tut mir gut, weil ich im Alltag oft vergesse auf die Stimme meines Körpers zu hören. Damit verbunden ist häufig, dass ich auch die Stimme Gottes aus dem Blick verliere. Auch in Seelsorgegesprächen bin ich manchmal so sehr bei meinem Gegenüber und empfinde mit, sodass ich die Wahrnehmung dessen, was bei mir selbst passiert, ganz unbewusst ausschalte. Deshalb sind diese Übungen sehr wertvoll.

Am Anfang des ersten Kursblocks konnten wir uns alle wenig unter den Selbsterfahrungsgruppen vorstellen. Wir sind in eine Gruppe von je 10 Teilnehmenden und 2 Kursleitenden eingeteilt. Die Zeit der Selbsterfahrung füllt die Gruppe selbst, indem einzelne Teilnehmende Themen einbringen, die ihnen wichtig sind. Für mich ist das sehr eindrucksvoll. Wir haben einen sehr wertschätzenden Umgang in unserer Gruppe und von Beginn an wurden sehr persönliche Themen eingebracht. Die Gruppe stellt Rückfragen an die Person, gibt einen Rat, stellt Vermutungen an, konfrontiert oder spiegelt, wie die Person auf eine andere Person wirkt. Es wird also all das gemacht, was auch in der Seelsorge passiert. Zu sehen, wie heilsam und weiterführend das für eine andere Person ist und selbst zu spüren, wie sehr einem die Gruppe helfen kann, selbst einen Weg zu finden, ist für mich ein sehr praxisnaher Lernprozess. Ich profitiere daraus für mich persönlich und meinen Reifungsprozess und erhalte viele Anregungen für den Umgang mit Gruppenprozessen und für die Gesprächsführung in Seelsorgegesprächen.

Vielleicht habe ich den einen oder anderen mit diesen Eindrücken neugierig gemacht auch mehr über diese Elemente oder die weiteren Elemente unseres Grundkurses zu erfahren. Ich kann ihn nur weiterempfehlen. Er stößt wertvolle Prozesse für mich und meine Beziehungen an.

Weitere Informationen zum Grundkurs Seelsorge & Beratung gibt es hier

Lassen wir uns inspirieren!

„Was inspiriert Dich?“ frage ich die Menschen in meinem Umfeld. „Gute Gespräche“, sagt die eine. „Stille!“, meint der andere. „Ein gutes Buch“, „anrührende Musik“, „andere Menschen“ – die Antworten sind sehr unterschiedlich. Das Tolle ist: Fast alle der genannten Inspirationsquellen kann man auch auf der Bundesratstagung dieses Jahr in Kassel finden. Und diese haben eins gemeinsam: sie beziehen sich alle auf Jesus Christus.

„INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“ ist das Thema unseres Bundes für dieses und für nächstes Jahr. Dabei geht es, so skizziert es das Mission Statement, um das Hören auf die lebendige Stimme Gottes, darum, sich auf seine eigene Spiritualität zu besinnen und sich durch die Ausdrucksformen anderer bereichern zu lassen. Und es geht darum, dass „Christus durch unser Handeln in der Begegnung mit anderen Menschen und in der Gesellschaft Gestalt gewinnt.“

Darüber nachzudenken, wie das gelingen kann, soll Thema der Bundesratstagung sein. Und Möglichkeiten, das auszuprobieren, gibt es viele. Worte, Sätze, Bilder können an der Schreibwand „Inspiriert leben heißt für mich...“ gesammelt werden, um so im Laufe der Tagung Anregungen und Gedankenanstöße zu geben. Gedankenanstöße können auch Menschen aus anderen christlichen Traditionen geben, wie zum Beispiel Pater Nikodemus Schnabel. „Wo findet die Seele ein Zuhause?“ heißt die Frage, auf die wir den Benediktiner gebeten haben, in der Konferenzveranstaltung am ersten Abend zu antworten. Beim Workshop „Musik und Inspiration“ kann man der Frage auf den Grund gehen, wieso Musik für viele eine Quelle der Inspiration ist, und dabei auch Erfahrungen mit geistlichen Impulsen machen. Ist die Form meiner Spiritualität eigentlich typisch für meine Generation und trennt mich das von den anderen Generationen, oder gibt es da viel mehr Gemeinsamkeiten als ich eigentlich vermute? In einem Erzählcafé kann man sich darüber mit anderen auszutauschen und sich dabei durch die Vielfalt und die Lebendigkeit des persönlichen Glaubens der Gesprächspartner und -partnerinnen inspirieren lassen. Beten kann man überall – im Plenum und im Gottesdienst gemeinsam mit den anderen Teilnehmenden der Bundesratstagung, im Raum der Stille, beim Spaziergang auf der Straße. Foren, Bibelarbeiten, Konzerte, Markt der Möglichkeiten – da ist bestimmt jede Menge Inspiration dabei, egal welche Antwort man auf die eingangs gestellte Frage geben würde. Und das sind nur einige Beispiele des wirklich inspirierenden Programms dieser Tage rund um Himmelfahrt.
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Außerdem ist der Bundesrat das höchste Entscheidungsgremium unseres Bundes und je mehr Delegierte teilnehmen, desto repräsentativer können die Beschlüsse für unseren vielfältig zusammengesetzten Gemeindebund gefasst werden. Verantwortung zu übernehmen und mit zu entscheiden, kann auch inspirierend sein.

Ich bin gespannt, was da passiert, über Himmelfahrt in Kassel. Und ich bin gespannt, welche Folgen das hat – wie Christus Gestalt gewinnt, denn auch da, da bin ich sicher, gibt es viele Möglichkeiten. Insofern: Lassen wir uns inspirieren! Schnell zur Bundesratstagung anmelden und dann auf nach Kassel! 

Das Evangelium eindrücklich vermittelt

Vom 11. bis 17. März veranstaltete die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Waldkraiburg gemeinsam mit der Evangelischen Kirche sowie der Christlichen Freikirche Mühldorf PROCHRIST LIVE mit dem bekannten Evangelisten Ulrich Parzany. Ein persönlicher Bericht von EFG-Pastor Benjamin Klammt.

Nach Monaten der intensiven Planung und des zuversichtlichen Gebets war es endlich soweit: Die Evangelisation fand im großen Saal des Hauses der Kultur statt. Die Besucherzahl bewegte sich zwischen 160 und 255 Gästen pro Abend. Auch wenn somit einige Plätze leer blieben, war es eine sehr gesegnete Veranstaltung. Als Ulrich Parzany Tag für Tag die Gäste dazu einlud, ihr Leben Jesus zu übergeben und nach vorne zum Kreuz zu kommen, folgten zahlreiche Besucher dieser Einladung. Wir sind sehr dankbar, dass etwa 50 Menschen ihr Leben Jesus Christus übergeben haben.

Die Verkündigung Parzanys war freundlich, zugewandt und zugleich direkt, und herausfordernd. Insgesamt spürte man seine von Gott verliehene Vollmacht und Klarheit in der Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi, das er den Anwesenden auch unter Bezugnahme auf eigene Erlebnisse und eindrückliche Beispiele vor Augen malte. Inhaltlich orientierte sich der evangelische Theologe dabei an den vorgegebenen Themen wie beispielsweise „Gott liebt mich“, „Gott will mich“ oder „Gott sucht mich“. Beim Thema „Gott erwartet mich“ sprach Parzany an, dass die Bibel Gott auch als Richter beschreibt.

Die musikalische Gestaltung der einzelnen Abende übernahm die Band Salz. Deren Liedauswahl war mehr als gelungen und sorgte für eine wunderbare Atmosphäre.

Das Rahmenprogramm war bunt gemischt: So gab es mehrere Anspiele, Andachten anhand von Alltagsgegenständen, Interviews und die persönliche Auseinandersetzung mit der eigenen Krankheit mit anschließendem Zeugnis.

Der sonntägliche Abschlussgottesdienst in der Evangelischen Kirche war mit etwa 300 Besuchern fast so gut besucht wie der dortige jährliche Weihnachtsgottesdienst. Auch hier predigte Parzany noch einmal in aller Klarheit und lud zu Jesus ein, der gekommen sei, um sein Leben als Lösegeld für viele zu geben (Mt. 20,28).

Nun heißt es für uns beteiligte Gemeinden, all jene zu begleiten, die sich auf den Weg mit Jesus machen, mit ihnen über den Glauben und ihre Zweifel zu sprechen und ihnen auch vorzuleben, wie erfüllt das Leben an der Hand Jesu ist.

Als Gemeinde sind wir sehr gespannt, wie es weitergeht. Besonderer Dank gilt allen, die zum Gelingen der Evangelisation beigetragen haben!

Hirte, Macher, Menschenfreund

Pastor Friedbert Neese ist Ende März nach fast elf Jahren als Mitglied der Bundesgeschäftsführung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in den Ruhestand verabschiedet worden. Zahlreiche Wegbeleiterinnen und Wegbegleiter würdigten ihn als erfolgreichen Gestalter, fürsorglichen Seelsorger, beziehungsorientierten Menschenfreund und konstruktiven Ratgeber. Neeses Pionierarbeit im Aufbau des heutigen Dienstbereichs Mitarbeiter und Gemeinde wurde dabei besonders herausgestellt.

Die offizielle Dienstentpflichtung Neeses erfolgte am 8. März beim Konvent der Ordinierten Mitarbeitenden des Bundes im hessischen Willingen durch BEFG-Präsident Michael Noss und Generalsekretär Christoph Stiba. Beim Konvent zwölf Jahre zuvor habe noch niemand gewusst, dass es bald einen neuen Dienstbereich für die Beziehungen zwischen Bund, Gemeinden und Hauptamtlichen geben werde, erinnerte sich Neese in seiner Ansprache. Doch bald darauf sei er bereits als dessen Leiter berufen worden und habe den Dienst dann im Sommer 2007 begonnen. Darauf bezugnehmend hob Christoph Stiba hervor: „Du hast unglaublich viel bewirkt, aufgebaut und in Gang gesetzt. Du hast dem Dienstbereich eine Struktur gegeben.“ Er habe Neese stets so wahrgenommen, dass dieser sich seinen Aufgaben „mit Herz und Verstand gewidmet habe“, so Stiba: „Du warst nie nur Funktionär oder Verwalter, sondern immer auch Pastor, Hirte. Deshalb passt es, wenn wir dich heute inmitten deiner ‚Herde‘ entpflichten.“ Michael Noss zitierte in seiner Ansprache die Bibelstelle aus dem Johannesevangelium, in der Jesus sich selbst „Licht der Welt“ nennt: „Ein solcher Träger des Lichts warst du, bist du, wirst du auch in Zukunft sein. Menschen, die leben wie du, sind Gesegnete Gottes und geben diesen Segen weiter.“ ###3_IMAGES### Beim Konvent in Willingen hoben die Vertreter der berufsständischen Vereinigungen im BEFG das gute Verhältnis zu Friedbert Neese als dem für sie zuständigen Mitglied der Geschäftsführung hervor. So betonte Manuel Lüdin vom Vertrauensrat der Pastorenschaft, Neese habe das Vertrauen zwischen Bund und Pastoren gefördert: „Es ist ein Friedensdienst, den du getan hast.“ Michael Job vom Konvent der Diakoninnen und Diakone beschrieb Neese als „Glücksfall“. Stets sei dieser für die Diakonenschaft dagewesen. ###3_IMAGES### „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“ – diesen Ausruf aus Psalm 18,30 bezeichnete Friedbert Neese in seinem Grußwort an die Kolleginnen und Kollegen als „angemessene Haltung“ für den geistlichen Dienst: „Geht nicht gibt’s nicht – bei Gott sind keine Dinge unmöglich. Wir haben einen wunderbaren Beruf!“ Trotz der Herausforderungen, die auch dazugehörten, sei es wichtig, sich dies immer wieder vor Augen zu führen.

Eine Woche nach dem Konvent bot die Sitzung des Präsidiums des Bundes in Elstal Gelegenheit, auf den Dienst von Friedbert Neese zurückzublicken. Dieser selbst ging in einem persönlichen Bericht ausführlich auf die Bereiche seiner Arbeit ein und erinnerte unter anderem an die langjährige Entwicklung eines neuen Dienstrechts, die Neuregelung des Anfangsdienstes und die Erarbeitung neuer Gehaltsregelungen. Neese wies auch auf die abnehmenden Studierendenzahlen an der Theologischen Hochschule Elstal bei gleichzeitiger Verrentung starker Pastorenjahrgänge hin. Dadurch habe die Nachfrage der Gemeinden das „Angebot“ an Hauptamtlichen 2017 erstmals überstiegen. „Ich wünsche mir Menschen, die sich von Gott in den vollzeitlichen Dienst rufen lassen. Dafür sollten wir wieder verstärkt werben!“, so Neese. ###3_IMAGES### Zu einer offiziellen Verabschiedung lud das Präsidium im Rahmen seiner Sitzung auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundes ein. Der Rektor der Theologischen Hochschule Elstal, Prof. Dr. Michael Kißkalt, dankte Friedbert Neese, dass dieser als zuständiges Mitglied der Bundesgeschäftsführung das Anliegen der Hochschul-Akkreditierung als Kollege und Freund mitgetragen habe: „Im Miteinander von sachlicher Analyse und seelsorgerlichem Beistand warst und bist du uns als Hochschule sehr wertvoll.“ Auch Kißkalts Vorschläge für eine Qualifizierung der Leiter internationaler Gemeinden im BEFG habe Neese wohlwollend, unterstützend und gleichzeitig kritisch beratend aufgenommen und damit wesentlich zum Gelingen des Pastoralen Integrations- und Ausbildungsprogramms (PIAP) beigetragen.

Auch Heike Beiderbeck-Haus vom Netzwerk „Beratung von Gemeinden“ stellte ein konkretes Projekt heraus. In einer guten Zusammenarbeit habe Neese zusammen mit ihr und Friedrich Schneider den Interimsdienst entwickelt, der sich erfolgreich entwickelt habe. ###3_IMAGES### Die Präsidiumsmitglieder Michael Lefherz und Holger Huhn sowie Personalreferent Thomas Seibert würdigten Friedbert Neese als Menschen mit einem feinen Gespür und einer großen Wahrnehmungsgabe für seine Mitmenschen. Generalsekretär Christoph Stiba hob am Ende einen Aspekt hervor, den er als entscheidend für die gesamte Arbeit des Bundes beschrieb: „Die Gemeinde war dir immer wichtig. So warst du gerne Gemeindepastor, und auch in deiner überregionalen Arbeit war die Liebe zur Gemeinde für dich handlungsleitend.“

Beim Bundesrat vom 9. bis 12. Mai in Kassel wird Friedbert Neese im Kreise der Gemeindevertreter offiziell verabschiedet.

Martin Luther Kings Ideale nach wie vor aktuell

Berlin/Frankfurt a.M. (epd). Die Baptistengemeinden in Deutschland haben den schwarzen Menschenrechtler und Baptistenpastor Martin Luther King jr. zu seinem 50. Todestag gewürdigt. Sein Ideal von einer friedlichen, gerechten und solidarischen Welt habe bis heute nichts an Aktualität verloren, sagte Michael Noss (Berlin), Präsident des baptistischen Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Friedensnobelpreisträger Martin Luther King wurde am 4. April 1968  in Memphis (US-Bundesstaat Tennessee) ermordet.

Die Mitte der 1950er Jahre begonnene Bürgerrechtsbewegung habe ihre historischen Wurzeln zwar vor allem in einer lokalen Baptistengemeinde in Montgomery (Alabama), wo King Pastor war. Der Kampf gegen Rassendiskriminierung sei dann aber schnell zu einer „globalen und überkonfessionellen Geschichte geworden“, fügte Noss hinzu. Es freue ihn, wenn sich auch Christen anderer Glaubensrichtungen mit King identifizierten. Noss: „Die Geschichte von Martin Luther King ist Weltgeschichte, sie ist Pastorengeschichte und sie ist Baptistengeschichte.“

Martin Luther King sei es in seinen Bestrebungen vor allem um Gerechtigkeit gegangen, sagte Noss. Auch heute sei dies ein großes Thema, auch mit dem Hintergrund der Flüchtlingssituation in Deutschland. Zudem nehme der Rassismus weltweit „zumindest gefühlt“ zu. „Von daher glaube ich, dass Martin Luther Kings Bestreben nach der Gleichheit aller Menschen – das war ja sein großes Oberthema – mit seiner Botschaft des gewaltfreien Widerstandes in der Tradition Gandhis nach wie vor ungebrochen relevant ist“, betonte der 62jährige Noss.

Der baptistische Theologe Noss erinnerte an den historischen „Marsch auf Washington“ von 1963, wo mehr als 250.000 Menschen gegen die Rassendiskriminierung in den USA protestierten. Dort hielt King seine berühmte Rede „I have a dream“ („Ich habe einen Traum“). Zwar könne man Geschichte nicht wiederholen, aber ein solch „ungeheures Zeichen der Solidarität wäre für mich auch heute eine große Sache“. Vor allem wenn man bedenkt, dass ein Drittel der Teilnehmer damals Weiße waren, so der Schöneberger Pastor Noss.

Die Baptisten zählen zu den großen Konfessionsfamilien und sind Teil der reformatorischen Kirchengeschichte. Ihre Geschichte reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. 1639 entstand die erste US-amerikanische Baptistengemeinde, 1834 die erste deutsche Gemeinde in Hamburg. Von der Hansestadt aus breitete sich der Baptismus in Deutschland und anderen Ländern Europas aus.

Zu den Grundzügen baptistischer Lehre gehören das Prinzip der Freiwilligkeit, der Einsatz für Menschenrechte, Religions- und Gewissensfreiheit, Ökumene sowie die Trennung von Staat und Kirche. Getauft werden erwachsene Menschen, die eine persönliche Entscheidung für den Glauben an Jesus Christus getroffen haben. Die Gemeinden sind geprägt durch flache Hierarchien und basisdemokratische Strukturen.

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Für Freiheit, Gerechtigkeit und Versöhnung

Mit zahlreichen Veranstaltungen erinnern die Baptistengemeinden des BEFG an den Todestag des berühmten Baptistenpastors und Bürgerrechtlers Martin Luther King jr., der am 4. April vor 50 Jahren ermordet wurde. „Kings Erbe ist auch für uns Baptisten in Deutschland heute noch von ungebrochener Aktualität“, würdigt der Präsident des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG), Michael Noss, das Leben und Wirken des schwarzen US-Amerikaners.

„Gerade im Hinblick auf die in den letzten Jahren erheblich angestiegenen rassistisch motivierten Gewalttaten in Deutschland ist es wichtig, dass wir uns nicht nur an King erinnern, sondern das, was er gelebt und wofür er gekämpft hat, zu unserem eigenen Anliegen machen“, sagt Michael Noss, selbst baptistischer Theologe. Kings oberstes Anliegen sei der Einsatz für Freiheit, Gerechtigkeit und Versöhnung gewesen. Umso dankbarer sei er, so Noss weiter, „dass dies in vielen Gemeinden unseres Bundes und darüber hinaus ganz selbstverständlich gelebt wird.“ Denn dies sei der Auftrag, den Jesus Christus den Menschen gegeben habe.

Auch Generalsekretär Christoph Stiba stellt fest, dass das „Bedürfnis nach Abgrenzung und die Vorurteile gegenüber dem Fremden in unserer Gesellschaft zugenommen haben.“ Deshalb freue er sich über die Entwicklung innerhalb des Bundes der Baptisten- und Brüdergemeinden und anderer christlicher Kirchen, bei denen er diese Tendenz nicht erkennen könne. „Gerade in den letzten Jahren ist die Zahl der nicht-deutschstämmigen Mitglieder in vielen Gemeinden erheblich gestiegen. Martin Luther King hat gesagt: ‚Kein Problem wird gelöst, wenn wir träge darauf warten, dass Gott allein sich darum kümmert.‘“ So verabschiedete beispielsweise der Bundesrat, das höchste Entscheidungsgremium der Kirche, im Jahr 2016 eine Resolution zum Thema „Bunte Gemeinde – Staunen über Christus im Anderen“, in der die Gemeinden sich selbst den Auftrag geben, langfristig das Miteinander ganz unterschiedlicher Menschen zu gestalten – unabhängig von körperlicher Verfasstheit, Alter, Geschlecht, Sprache sowie ethnischen, sozialen und kulturellen Hintergründe. „Denn“, davon ist Stiba überzeugt, „Gottes guter Geist setzt Menschen in Bewegung und macht sie zu Friedenstiftern.“

Mit Ausstellungen, Podiumsdiskussionen, Radioandachten und Vorträgen begehen zahlreiche Baptisten und Baptistinnen das Martin Luther King-Gedenkjahr. Bei einem Radiogottesdienst mit dem Thema „Der Traum lebt!“, der am 15. April aus der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Oldenburg gesendet wird, wird Christoph Stiba die Predigt halten. Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Hamm stellt auf ihrer Internetseite eine umfangreiche Online-Dokumentation zur Verfügung. Der BEFG-Landesverband Berlin-Brandenburg feiert in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Berlin-Steglitz gemeinsam mit der International Baptist Church Berlin am 15. April einen Gedenkgottesdienst. Ein sogenannter „Flashmob“ am Brandenburger Tor, bei dem im Januar über 100 Personen mit Kerzen in der Hand das Lied „We shall overcome“ gesungen haben, soll am Todestag Kings wiederholt werden.

Viel mehr als nur Finanzen

Personalfragen, Arbeits- und Gesundheitsschutz, Spendenbuchhaltung, Bankverkehr, Datenschutz, Urheberrechte, Immobilienverwaltung: Die Aufgaben eines Kassenverwalters oder einer Kassenverwalterin gehen weit über die klassischen Tätigkeiten wie Buchen, Rechnungen bezahlen und Kollekten einsammeln hinaus. Für diese anspruchsvolle Arbeit helfen die Tagungen zu Finanz- und Rechtsfragen. Kassenverwalter Reinhard Litke berichtet von seiner Arbeit und von der Tagung, die Anfang März in Elstal stattfand.

Seit über 20 Jahren bin ich in meiner Gemeinde verantwortlich für Finanzen und verschiedene Verwaltungsaufgaben. Daher weiß ich, dass dieses Amt jede Menge Fachwissen im Dschungel zum Teil sehr komplexer rechtlicher Bestimmungen erfordert. Nur gut, dass es dafür in unserem Gemeindebund als äußerst praxistaugliche Schulungen die Tagungen zu Finanz- und Rechtsfragen gibt.

Vom 2. bis 4. März trafen sich im Bildungszentrum Elstal 52 Kassenverwalterinnen und -verwalter sowie Gemeindeleitungsmitglieder und neun hochkarätige Referentinnen bzw. Referenten, unter anderem Volker Springer, kaufmännischer Geschäftsführer des BEFG und Elke Müller, Vorstandsvorsitzende der Spar- und Kreditbank Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (SKB). Die anfängliche Empfehlung zum „selektiven Hören“ erwies sich für viele, besonders wenn sie erstmals diese Tagung besuchten, als unbedingt ernst zu nehmen. Denn in nur eineinhalb Tagen werden quasi sämtliche Themen vorgetragen bzw. in Workshops intensiv behandelt. Bei so viel Informationsdichte kann einem schon mal „schwindlig werden“. Aber die besondere Stärke dieser Tagung wurde auch wieder ganz deutlich: Die Referenten sind nicht nur kompetent, sondern gehen wirklichkeitsnah auf unsere Fragen und Probleme ein, bieten konkret umsetzbare Hilfen an und begegnen uns als Glaubensgeschwister auf Augenhöhe. Auch der vertrauensvolle Austausch untereinander in Pausen und am Abend bringt immer wieder neue und oft überraschende Erkenntnisse. Das stärkt – jedenfalls bei mir – nicht nur das Wissen sondern auch ganz enorm die Motivation für die Wahrnehmung dieser Aufgaben. Und wer meint, dass meine immerhin achte Tagung doch wohl nun keine wesentlichen neuen Aspekte mehr hätte bieten können, irrt gewaltig; meine diesjährigen „Favoriten“ und damit Herausforderungen sind: Europäische Datenschutzgrundverordnung, Künstlersozialabgabe und Einfuhrumsatzsteuer. Insofern ist die Tagung nicht nur für Neueinsteiger und Neueinsteigerinnen, sondern auch für „alte Hasen“ lohnenswert und jeder von uns hat sicherlich „sein Päckchen Hausaufgaben“ aber auch neuen Schwung mit in seine Gemeinde genommen.

„Perspektiven für eine multilaterale Ökumene“

Für eine „Ökumene der Teilhabe“ plädierte der Pastor i.R. Siegfried Großmann auf einem theologischen Arbeitstag am 17. März 2018 in der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal. Das Präsidium des BEFG richtete diesen Arbeitstag anlässlich des 80. Geburtstags seines früheren Präsidenten (2002 – 2007) aus.

In einem Grußwort würdigte BEFG-Präsident Michael Noss (Berlin) den Jubilar als jemanden, der auf faszinierende Weise eigene Themen setze, diese aber immer moderierend in den BEFG einzubringen verstehe, ein Pädagoge, der Menschen „auf Augenhöhe“ unterrichten könne.

Im Kreise von Präsidiumsmitgliedern, alten Weggefährten, Verwandtschaft und Studierenden moderierte Akademieleiter Dr. Oliver Pilnei das anspruchsvolle Programm, das aus dem zentralen Referat Großmanns, „Responses“ aus katholischer und evangelisch-landeskirchlicher Sicht sowie Aussprachen bestand.

In seinem Referat entfaltete Großmann anhand der Fragen „Wer ist Christ?“, „Was ist Taufe“ und „Was ist Kirche?“ die von ihm beobachteten bzw. wünschenswerten Stufen der Ökumene. Wo zu Recht die „Einheitskirche“ in Struktur und Dogmatik als Ziel der Ökumene abzulehnen sei, sei ihm doch das derzeitige Verharren in der „versöhnten Verschiedenheit“ zu wenig, weil „wir einander brauchen, in unserer Unterschiedlichkeit, aber auch auf dem unabwendbaren Weg aller europäischen Kirchen zur Freiwilligkeitskirche“.
Anhand persönlicher Erlebnisse plädierte er für weitere Schritte. Ein Schritt in die „geistliche Ökumene“ sei für ihn dort möglich, wo zusammen gebetet, an der Bibel gearbeitet und das Leben geteilt würde. Dann wäre es möglich, dass die Kirchen sich ihren jeweiligen Glauben nicht nur abnehmen, sondern den eigenen sogar im anderen finden könnten.

Als Endpunkt stellt er sich jedoch eine „Ökumene der Teilhabe“ vor, die er anhand des „Koinonia“-Begriffs der Bibel entfaltete. Dabei forderte er eine echte Teilhabe an den jeweils anderen Ausdrucksformen der unterschiedlichen Kirchen. Als praktisches Beispiel nannte er den Papst, den er sich als eine Art Sprecher der Christenheit vorstellen könnte, ohne sich ihm als Freikirchler in irgendeiner Weise unterzuordnen. Beim größten baptistischen Vorbehalt, der Säuglingstaufe, plädierte er dafür, diese nicht mehr als „ungültig“ abzuqualifizieren, sondern sie als eine Art Anfang zu akzeptieren, der zwar unvollständig sei, dem aber die notwendige Lebensübergabe dann später folgen könnte. Großkirchen könnten in der Frage der Evangelisation dagegen von Freikirchen mit ihrem erwecklichen Hintergrund profitieren.

Dr. Lothar Penners, Prof. Em. der Theologischen Hochschule Vallendar und ehemaliger Leiter der Schönstatt-Bewegung konstatierte aus katholischer Sicht dass das baptistische Taufverständnis aktuell in kirchlichen Bewegungen aufgenommen werde, sowie auch die Heiligung als notwendiger Aspekt des christlichen Lebens.
Dr. Reinhard Hempelmann, Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (Leipzig) betonte, dass er die derzeit gelebte Einheit nicht als eine Vorstufe auf eine weitergehende Einheit verstehen könne. Seiner Erkenntnis nach begründe der neutestamentliche Kanon nicht die Einheit, sondern die Vielfalt der Konfessionen. Jedoch sei dort auch die Einheit geboten. Also hätten die Kirchen auf die Gefährdungen der Einheit zu achten und sie ihrerseits zu stärken. Dabei sollte der menschlichen Antwort auf das Evangelium immer neu Raum gegeben werden, in Zeugnis, Diakonie, Anbetung und Gemeinschaft.

Abends verwöhnte der Jubilar seine Gäste noch mit einem 90minütigen Klavierkonzert, in welchem er die „Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn präsentierte, worauf der Tag mit einem gemütlichen Beisammensein ausklang.


Hauptamtliche auf der Suche nach dem Glauben

Alle drei Jahre sind alle Pastoren und Pastorinnen, Diakone und Diakoninnen eingeladen, sich zu einer gemeinsamen Fortbildung zu treffen. Dieses Jahr waren es 500 Teilnehmende, darunter ungefähr 30 Diakone und Diakoninnen, die sich unter dem Motto „Vom Suchen und Finden des Glaubens“ mit einem sehr persönlichen Thema – das zugleich einen theologischen Kernbegriff darstellt –  erfolgreich auseinander gesetzt haben. Pastor Christoph Schirrmacher war einer von ihnen. Lesen Sie hier seinen Bericht.

Um zehn vor sechs stehe ich an jenem Montagmorgen auf – ungefähr siebeneinhalb Stunden später bin ich am Ziel, dank des öffentlichen Nahverkehrs und eines Kollegen, der seinen Bus mit Pastoren vollgepackt ins Sauerland gefahren hatte. Endlich! Ich will mich entspannt zurücklehnen, aber schon direkt am Anfang wird deutlich, dass es um das Unterwegssein gehen wird – eben um das Suchen und Finden. Dafür steht auch der in der Halle aufgebaute Kreuzweg. In dessen acht Abteilen kann ich das Leiden Christi bis zur Kreuzigung nachvollziehen. Bei einer letzten Station bin ich eingeladen, Abendmahl zu feiern.

Zu Anfang teilen die Mitglieder des AK Fortbildung ihr persönliches Suchen und Finden mit uns. Ich bin sofort angerührt, als eine Kollegin offen von einer tiefen Glaubenskrise spricht und ihren Weg der Bewältigung. Damit ist für mich ein Vorzeichen gesetzt. Auch alle anderen Berichte kommen mir nahe. Überall scheint ein Glaube durch, der kein einmal bezogener Standpunkt ist, sondern der immer wieder neu gelebt wird. Das wird auch in der Reihenfolge der vier Hauptreferate deutlich, in denen der Weg des Glaubens abgebildet wird.

Dr. Max Zimmermann spricht über „Glaube am Anfang“. Er begeistert uns als Zuhörer mit dem Bild einer Herzenswaage. Er lädt uns ein, den Menschen um uns herum im übertragenen Sinn kleine „Jesus-Gewichte“ zu überreichen, in dem wir im Alltag unseren Glauben leben und davon reden. Auf diese Weise würde die Waagschale in Richtung „Glauben“ gedrückt, bis dann eines Tages „Jesus so relevant wird, dass das ganze Leben hin zu Christus umschlägt.“ In der anschließenden Aussprache würdigt Zimmermann Impulse, die dieses Bild weiterdenken und bestätigt so den am Anfang geäußerten Wunsch, miteinander ins Gespräch kommen zu wollen.

Im Vortrag von Prof. Dr. Sabine Bobert geht es um „Glaube als Beziehung“. Zuerst spricht sie über ihre Bekehrung, Taufe und das Theologie-Studium in Buckow zu DDR-Zeiten, aber auch ihren Weg aus dem Baptismus heraus in eine theologische Weite hinein, die mich als Zuhörer zugegebenermaßen irritiert, auch wenn ich aus dem Vortrag viele Denkanstöße mitnehme. Ich merke, dass die baptistische Prägung ihr nach wie vor wichtig ist, zum Beispiel wenn sie erzählt, wie ihr gerade während einer Tai-Chi-Übung ein früher auswendig gelernter Vers aus Galater 3,1 in den Sinn kam und sie so angeregt wurde, nach spezifisch christlicher Spiritualität zu fragen. Sie beschäftigte sich daraufhin mit dem Mönchstum, um Übungen aus den Anfängen christlicher Mystik (zum Beispiel das Herzensgebet) „straßenmissionarisch“ tauglich zu machen. Mystik ist für sie eine Wahrnehmungsschulung der Gegenwart Gottes, denn wenn wir Gott nicht wahrnähmen, liege das nicht an seiner Abwesenheit sondern an der „Zumüllung“ unserer Aufmerksamkeit. In den Seminaren, die sie anbietet, bekennt sich Bobert zum Christentum, übersetzt ihre Übungen aber auch in andere religiöse Hintergründe. Sie sieht das als einen diakonischen Dienst an, der außerhalb des Christentums auf Interesse stoße.

Das Thema „Glaube in Beziehung“ wird von Prof. Dr. Peter Zimmerling vorgestellt, indem er über das Potential gemeinschaftlich gelebten Glaubens spricht. Einen starken Akzent legt er auf die Gemeinde als sichtbares Zeichen des Reiches Gottes, nämlich als Chance, schon heute die Erneuerung der Schöpfung mitzubekommen. Trotz aller Hindernisse werde erlebt, dass der Glauben an Jesus Christus immer mehr Gestalt annimmt. Das wird nachfolgend weiter konkretisiert, in dem er beispielsweise die christliche Gemeinde als Schule der Beziehungsfähigkeit vorstellt, als Raum des Vertrauens und der Persönlichkeitsentwicklung. Zuletzt spricht er noch über Gefahren für die christliche Gemeinschaft. So darf dürfe der Glaube der Gemeinschaft nicht zum Ersatz für den eigenen Glauben werden. Auch dürften die Mitglieder ihre Identität nicht zuerst über die Gemeinschaft definieren und so emotional abhängig werden. Außerdem sieht er es als Problem an, wenn nicht „der auferstandene Christus zwischen den Mitgliedern steht“ (Bonhoeffer), sondern deren seelische Übereinstimmung die Grundlage der Gemeinschaft bilde. Menschen, die nicht mit der Mehrheit übereinstimmen, würden dann schnell „herauseitern.“

Dr. Johannes Hartl vom Gebetshaus Augsburg ist für den Abschlussvortrag „Glaube in Anfechtung“ zuständig. Er wählt dafür nach meiner Einschätzung die Form der Predigt. Er definiert Anfechtung vor allem als Entmutigung. Anhand von Elias Flucht in die Wüste identifiziert er Einzelkämpfertum und ein zu hohes Maß an Eifer ohne konkreten Auftrag Gottes als Ursache. Bei Nehemia findet er dann Strategien der Entmutigung. Anschließend zeigt er dann anhand von Nehemia und Elia Möglichkeiten der Reaktion auf: „Den Feind beim Namen nennen“, „sich in Lobpreis flüchten“, „eine neue Begegnung mit Gott suchen“ und „nicht alleine zu kämpfen“. Die Predigt ermutigt mich und andere Kollegen. Ich höre aber auch Kritik, zum Beispiel wird die fehlende Möglichkeit zur Aussprache moniert, denn man hätte gerne nachgefragt, wo nach Ansicht von Hartl die Linie zwischen entmutigender Anfechtung und berechtigter Kritik verlaufen würde.

Die Predigt des Abschlussgottesdienstes hält Friedbert Neese. Er spricht anhand von Micha 6,8 über Glaube in Bewegung. Mit dem zentralen Begriffs dieses Verses, der z.B. mit Güte, Treue oder Gnade übersetzt werden kann, beschreibt er den Wunsch Gottes nach ganzer Hingabe, weil Gott „nicht nur ein Thema für den Sonntag, sondern unser Alltag sein will.“ Im Rahmen des Konvents, sozusagen seiner „Gemeinde“, wird er Friedbert Neese auch feierlich in den Ruhestand verabschiedet und entpflichtet. In den Würdigungen wird deutlich, wie sehr er nach seinem Dienstantritt 2006 das neue Aufgabengebiet geprägt und gute Rahmenbedingungen gesetzt habe. Nachfolger als Leiter des Dienstbereichs ist bereits Udo Hermann. Aber nicht nur für diese beiden Brüder ist der Konvent eine entscheidende Marke auf dem Weg. Neben Hermann scheiden auch Petra Reinecke und Manuel Lüdin aus der Leitung der Pastorenschaft aus. Ihre Aufgaben übernehmen Harald Kufner, Volker Schmitt und Dr. Matthias Walter. Auch auf Seite der Diakoninnen und Diakone gibt es Veränderung. Nach jeweils acht Jahren Amtszeit scheiden Michael Job und Damaris Werner aus, die neue Konventleitung besteht aus Melanie Bergerhoff, Agatha Dziuk, Petra Klatt, Jörg Nebe und Sven Schneider.

Es ist nach 2015 der zweite gemeinsame Konvent von Diakonen und Pastoren und inzwischen schon eine Selbstverständlichkeit. Man kann also von guten Aussichten auf den nächsten Konvent sprechen. Ich persönlich mache mich mit einem Kopf voller Anregungen wieder auf den Rückweg und freue mich auf den Alltag, der im Gemeindeleben auf mich wartet. Dieses Gefühl der Zufriedenheit bestätigen mir auch andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer. So sind wir weiter unterwegs beim Suchen und Finden des Glaubens und freuen uns schon auf den nächsten Konvent.


Rückblick auf Haiti-Kooperation

Mehr als 900.000 Euro haben Gemeinden und Einzelpersonen nach dem verheerenden Erdbeben vom 12. Januar 2010 für die Menschen in Haiti gespendet. Neben der Unterstützung von Not- und Soforthilfemaßnahmen ist der BEFG eine Partnerschaft mit dem haitianischen Baptistenbund eingegangen. Über einen Zeitraum von sechs Jahren wurden kontinuierlich basisnahe sozial-diakonische Projekte gefördert, um den Menschen zu helfen. Im Sommer 2017 endete diese Zusammenarbeit. Über die verschiedenen Projekte und Erfahrungen dieser Kooperation wurde jetzt eine Broschüre fertig gestellt und veröffentlicht.

Der 12. Januar 2010 hat sich tief in das Gedächtnis der Haitianer eingeprägt. Es gibt kaum jemanden, der nicht Freunde oder Familienangehörige in dieser Katastrophe verloren hat. Das Beben zerstörte die Hauptstadt Port-au-Prince im Süden, zu spüren war es aber im ganzen Land. Fast alle wichtigen Gebäude von Behörden und Ministerien wurden zerstört. Das Bild vom eingestürzten Präsidentenpalast ging um die Welt. Mehr als 300.000 Menschen starben unter den Trümmern, weitere rund 300.000 Menschen wurden verletzt, mehr als 1,5 Millionen haben ihre Häuser verloren und wurden obdachlos. Es wird geschätzt, dass rund drei Millionen Menschen, ein Drittel der haitianischen Bevölkerung, von dem Erdbeben betroffen waren. Die Solidarität und Hilfsbereitschaft der Haitianer untereinander, aber auch der weltweiten Gemeinschaft waren überwältigend groß. Der BEFG erhielt Spenden in Höhe von mehr als 900.000 Euro. Auf dem Kongress des Baptistischen Weltbundes (BWA) 2010 entstanden Kontakte zu Vertretern des haitianischen Baptistenbundes Convention Baptiste d’Haïti (CBH) und es entwickelte sich die Idee einer Zusammenarbeit, die in den folgenden Monaten weiter Gestalt annahm. Während einer Sondierungsreise im Februar 2011 erkundeten Ekkehard Becker und Michael Kißkalt die Möglichkeiten für konkrete Projekte, wenige Monate später wurden die Verträge unterzeichnet und die auf sechs Jahre angelegte Kooperation begann. Es folgten weitere Reisen und gegenseitige Besuche, um die Arbeit zu begleiten, den Verlauf der Projekte auszuwerten sowie die Partnerschaft zu stärken. Zum Ende der Kooperation fand 2017 eine Auswertungsreise statt, auf der die haitianischen Partner ihre Dankbarkeit für das gegenseitige Vertrauen und die verlässliche kontinuierliche Unterstützung zum Ausdruck brachten. Auch auf deutscher Seite wird ein positives Fazit gezogen. „Wir blicken dankbar und auch ein bisschen stolz auf dieses umfangreiche Projekt zurück. Alle Beteiligten haben viel geleistet. So manches Mal waren wir auch herausgefordert, doch insgesamt freue ich mich darüber, wie viel Gutes und wie viel Segen für die Menschen in Haiti bewirkt werden konnten“ sagt Generalsekretär Christoph Stiba zum Ende der Kooperation. Dem schließt sich auch Joachim Gnep, Leiter des Dienstbereich Mission und Vorsitzender des Haiti Komitees an: „Das war eine spannende und lehrreiche Erfahrung, auf die ich gern zurückblicke.“

Für den wissenschaftlichen Austausch ohne weitere finanzielle Förderung bleibt die Zusammenarbeit zwischen der Theologischen Hochschule Elstal und der Université Chrétienne du Nord d’Haïti bestehen. Dafür wurde im September 2017 eigens ein neuer Kooperationsvertrag unterzeichnet.

Vor dem Hintergrund der Kompetenzen beider Partner und den zur Verfügung stehenden Mitteln wurde von Anfang an bewusst die Entscheidung getroffen, in die (Aus-) Bildung von Menschen und in sozial-diakonische Projekte zu investieren und weniger in bauliche und infrastrukturelle Maßnahmen. So konnten, dank der großzügigen Hilfe der vielen Spenderinnen und Spender Kinder regelmäßig zur Schule gehen und einen Abschluss machen. Gemeinden machen sich neu Gedanken über ihre Art des diakonischen Engagements für die Menschen in ihrer Umgebung und werden dafür von Daniel Louis unterstützt, der dafür an der Theologischen Hochschule Elstal ausgebildet wurde. Viele Kleinbauern bauen jetzt selbst ökologisch und nachhaltig Gemüse an, statt es teuer auf dem Markt zu kaufen. Das verbessert die Ernährungssituation und die Haushaltskassen vieler Familien. Frauen versorgen durch die Aufklärungsarbeit des Frauenwerks ihre Familien besser. Über diese und weitere Projekte wird in der nun fertig gestellten und veröffentlichten Broschüre berichtet. Neben vielen Fotos finden sich darin auch Lebensgeschichten von Menschen, die von den Projekten profitiert haben.

Die Rolle der Älteren in der Gemeinde

Der Impulstag des Forums „Älterwerden“ am 18. Februar war mit über 80 Teilnehmenden in der EFG Kassel-West außerordentlich gut besucht. Es ging um „Die Rolle der Älteren in der Gemeinde“.

„Eine Gleichung mit drei Unbekannten“, wie Friedrich Schneider als Moderator des Tages bemerkte. In einem Fachgespräch mit Jutta Teubert, der Leiterin des Forums, und Dagmar Lohan, der Referentin im Fachbereich Familie und Generationen des BEFG, wurde deutlich, dass Ältere sich heute nicht mehr in typische Rollenklischees zwängen lassen. „Das Alter ist bunt, die Rollen durch vielfältige Faktoren bestimmt“, so Jutta Teubert. Die unterschiedlichen Optionen und Lebenssituationen lassen sich auch für ein neues Miteinander der Generationen nutzen. „Traditionelle Seniorengruppen haben zwar immer noch ihre Berechtigung, aber daneben gibt es eine Fülle von Projekten, die unabhängig vom Lebensalter persönliche, aber auch diakonische Anliegen aufnehmen“, sagte Dagmar Lohan.

Am Nachmittag erläuterten Pastorin Heimke Hitzblech (Wetter-Grundschöttel) und die Pastoren Norbert Giebel (Kassel-Möncheberg) und Peter Krusemark (Siegen-Weststr.), wie sie die Rolle der Älteren in ihren Gemeinden wahrnehmen und begleiten. In allen drei Gemeinden gibt es neben dem „normalen“ Gottesdienst spezielle Angebote mit viel Lobpreis, die eher Jüngere ansprechen. „Sonst würden die einfach wo anders hingehen“, so Heimke Hitzblech. „Wir haben insgesamt unseren älteren Geschwistern in den letzten Jahren viel zugemutet“, sagte Norbert Giebel. Umso erfreulicher, dass viele Ältere andere Formen „ertragen“ und Mitarbeitende ermutigen, gerade wenn sie erleben, dass ihre Enkel dadurch Gemeinde für sich entdecken können.

Ein Kommentar eines 29-jährigen Teilnehmers:  „Der Impulstag in der Gemeinde Kassel-West war großartig. Es war spannend zu sehen, wie der Begriff ‚alt‘ unterschiedlich interpretiert wird und welche Herausforderungen und Veränderungen zukünftig der Seniorenarbeit bevorstehen. Mit Verwunderung habe ich die nahezu homogene Altersstruktur der (meist älteren) Teilnehmer wahrgenommen. Das Thema  ‚Rolle der Älteren‘ in der Gemeinde geht alle an. Die  ‚Alten‘ können mit ihrer Lebenserfahrung in der Rolle des Ermutigers und Mentors den Jungen hilfreich zur Seite stehen, in einer Welt, die vielfältige Entscheidungen erfordert. Diese große Ressource sollte jede Gemeinde nutzen!“

„Wozu braucht es die Ökumene?“

In vielen Städten gibt es eine örtliche Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Für die Ebene der Bundesländer entsendet jeder BEFG-Landesverband Delegierte. Diese treffen sich jeweils zu Jahresbeginn gemeinsam mit den Bundesdelegierten in Elstal. Es geht darum, sich abzustimmen und über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Pastor Martin Seydlitz war dabei und berichtet über die Themen des Treffens.

Beim diesjährigen Treffen am 26. Januar stand der Rückblick auf das Reformationsjubiläum im Mittelpunkt. Friedrich Schneider, Referent im Generalsekretariat, zog eine geteilte Bilanz. Es gab gute Erfahrungen an vielen Orten: Gemeinden haben sich mit ihrer Geschichte beschäftigt – etwa mit Hilfe der Reformationsausstellung unseres Bundes. Auch konnten zwischenkirchliche Kontakte in Gottesdiensten, Vorträgen und anderen Veranstaltungen belebt werden. Die kleine Ortsgemeinde in Wittenberg hat ihre Räume zur Verfügung gestellt und wurde über den ganzen Sommer zu einem wichtigen Bestandteil der Weltausstellung zur Reformation. Besonders bei den großen bundesweiten Veranstaltungen wurde aber Ökumene rein „bilateral“, als Gemeinschaft zwischen Evangelischer Landeskirche und katholischer Kirche verstanden. Sichtbar wurde das beispielsweise beim großen Versöhnungsgottesdienst in Hildesheim unter dem Motto „healing of memories“. Die Verfolgung der Täufer und später auch der Freikirchen wurde nicht angesprochen. Und dass Martin Luther King jr. kein Lutheraner, sondern ein Baptistenpastor war, wird von mancher lutherischen Stimme gern unterschlagen. Dennoch: Der geschwisterliche Austausch über die Grenzen der eigenen Gemeinde hinaus war wichtig und ist auch in Zukunft durch nichts zu ersetzen.

Derzeit führt unser Bund Lehrgespräche mit der VELKD (Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands). In einer hochkarätig besetzten Arbeitsgruppe, in die neben dem Generalsekretär auch unsere Fachhochschule eingebunden ist, wird die gemeinsame theologische Basis, aber auch der Erkenntnis-Unterschied ausgelotet. Erfahrungsgemäß benötigen solche Gespräche mehrere Jahre, um in Ergebnisse zu münden. Der Ausschuss greift auch auf das sogenannte „BALUBAG Papier“ zurück.  Dieses Konvergenzdokument von 2009 wurde in unseren Gemeinden und auf Bundesräten vielfältig diskutiert.

Thema bei den Delegiertentreffen in Elstal ist immer wieder auch die Anstellung von Freikirchlern in kirchlichen Einrichtungen bzw. die Erteilung des Religionsunterrichtes durch freikirchliche Lehrer. Es wird in einigen Landeskirchen problematisch, wenn Religionslehrer aus ihrer Kirche in eine Freikirche wechseln. In der Landeskirche Hannover etwa erlischt damit die Unterrichtserlaubnis. Für viele Bewerber gibt es peinliche „Gewissensprüfungen“, die an Zeiten von Anhörungen der Wehrdienstverweigerer erinnern.

„Theologisches Schwarzbrot“ gab es auf dieser Delegiertentagung auch: Prof. Dr. Michael Kißkalt gab Einblicke in das Thema „Mission heute“. Er führte aus, dass Evangelisation immer ein Austausch auf Augenhöhe sein muss und sprach damit den Anwesenden aus dem Herzen.

Unternehmerisches Denken für Gemeindegründer

Die Gründer:Zeit-Konferenz des Dienstbereichs Mission vom 18. bis 19. Januar in Leipzig stand in diesem Jahr unter dem Titel „Ecclesiopreneurship“. Diese Wortschöpfung aus Ecclesia (Kirche) und Entrepreneur (unternehmerischer Gründer) macht anschaulich, welche Haltungen einem Gemeindegründer helfen können, die komplexen Herausforderungen einer Gemeindegründung zielorientiert bewältigen zu können. Ein Bericht von Regionalreferent Christopher Rinke.
 
Der über Deutschland hinwegfegende Orkan „Friederike“ forderte zunächst mal den Organisatoren selbst ein wenig dieses unternehmerischen Denkens ab. Durch die bundesweiten Zugausfälle und gesperrten Straßen waren Referenten und Teilnehmende bis zu zwölf Stunden unterwegs, um nach Leipzig zu kommen. Fast alle konnten sich durchkämpfen und kamen an.
 
Sechs neue Gründungsprojekte
Einem guten Start stand also nichts mehr im Wege. Gleich zu Beginn betonte Klaus Schönberg in seinen Gedanken zu 1. Korinther 3,11 („Einen anderen Grund aber kann niemand legen, als den der gelegt ist: Jesus Christus“), dass auch ein unternehmerisches Gemeindegründen immer ein solides Fundament in Christus braucht. Fünf der insgesamt sechs neuen Gründungsprojekte konnten sich anschließend vorstellen. Dazu gehören: die EFG „Windflüchter“ Barth, die BETANIA-Gemeinde Nürnberg, die Internationale Baptistengemeinde Schenefeld, Amazing Grace Baptist Church Hamburg, die EFG „Heimatgeber“ Henningsdorf und last but not least das Projekt „Kirche für Aschaffenburg“.  
 
Zwei Gemeindebünde – ein Ziel
Von Lernerfahrungen aus der Gemeindegründungsarbeit im Bund Freier evangelischer Gemeinden (BFeG) und dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden erzählten dann der Leiter der FeG-Inlandsmission Sascha Rützenhoff und unser Referent für Gemeindegründung Klaus Schönberg. Sie machten Mut, den Wert der Gründungsarbeit langfristig zu betrachten und Rückschläge als Trainingsfeld für Widerstandskraft zu verstehen, weil sie zweifellos zu einem Gründungsvorhaben dazugehören. Entscheidend sei es, in Menschen zu investieren – sowohl im Blick auf die Zielgruppe wie auch auf die Teammitglieder.
 
Gründerstorys mit Erfolgen und Scheitern
Über ihre Erfolge und ihr Scheitern berichteten einige Firmen- und Gemeindegründer in den „Gründer-Stories“. Entscheidend sei es, in Niederlage und Triumph immer wieder weiterzugehen, dran zu bleiben und die gemachten guten wie schlechten Erfahrungen für die nächsten Schritte zu nutzen.
 
Gründerpreis
Den erstmalig vergebenen Gründerpreis „Ecclesiopreneur des Jahres“ gewann in einem Publikumsvoting die EFG Klinga. Die Mitgründer Torben Menzel und Katharina Dörr verstanden es offenbar, ähnlich wie in ihrer musikalischen Arbeit vor Ort, auch den Konferenzteilnehmenden den Herzschlag ihrer Arbeit zu vermitteln – mit Leidenschaft für die Sache Gottes.

Am Freitag referierte Cris Zimmermann über die von ihm gegründete „Kirche in Aktion“, die in missionaler Weise eine stark sozial engagierte Kirche mit ganz verschiedenen Handlungsfeldern sowie Standorten im Rhein-Main-Gebiet ist. Für ihn zeichnen sich Gründende vor allem durch Leidenschaft, Durchsetzungskraft, Geschwindigkeit und Intuition aus.
 
Volker Springer brachte als kaufmännischer Geschäftsführer des BEFG eine ganz andere Blickrichtung ein. Anhand einer Risikobetrachtung ermutigte er Gründerinnen und Gründer dazu, die Wirksamkeit ihrer faszinierenden Projekte nicht durch leicht vermeidbare Fehler oder Unkenntnis in Sachen Gemeinnützigkeit, Rechtsvertretung, Buchführung, Finanzplanung oder Versicherungen zu gefährden.
 
Zahlreiche Workshops zu Gründerthemen rundeten die Gründer:Zeit-Konferenz ab, die nach einem Segnungs- und Sendungsteil nahtlos in die AmPuls-Konferenz überging.

„Ich werbe für das Warum!“

„Hingehen, wo Gottes Herz schlägt“ war das Motto der AmPuls-Konferenz des Dienstbereichs Mission, die vom 19. bis 21. Januar in Leipzig stattfand. Ziel der Konferenz war es, die Vielfalt der Mission zu entdecken und zu feiern, das Herz Gottes zu spüren, am Puls der Zeit zu sein und Gemeinde neu zu denken. Hauptreferentin war die lutherische Pastorin Dr. Sandra Bils von Kirche² in Hannover.

Pastorin Sandra Bils sorgte mit ihrem Referat „Gemeinde neu denken“ und ebenso mit ihrer Bibelarbeit zu Apostelgeschichte 8 für hilfreiche Erkenntnisse und Mut machende Gedanken. Anhand einer Studie über die Kirche in England nahm sie die insgesamt 150 Hörer an die Hand, um sie Schritt für Schritt mit den Ergebnissen der Studie und den daraus resultierenden Konsequenzen für die Gestaltung eines missionarisch ausgerichteten Gemeindelebens vertraut zu machen.

Sandra Bils legte großen Wert darauf zu betonen, dass es anhand der Studienergebnisse und der daraus abgeleiteten Folgerungen nicht darum gehe, ein fertiges Konzept umzusetzen. Sie hob hervor, dass Kirche, wenn sie neu gedacht werden soll, immer im Zusammenhang mit den Menschen, kulturellen Ausprägungen und mit dem gesellschaftlichen Umfeld, in dem sie sich befindet, gedacht werden muss. Dabei dürfe es aber nicht darum gehen, dass Christen ein kontextuell angepasstes Programm für ihre Mitmenschen entwerfen. Sie sollen mit den Menschen zusammen ein Programm gestalten, welches dann zugleich für die Menschen ist. Es sei auch immer danach zu fragen, welche Bedeutung Gottes Wirken in der Welt hat. Wenn Gemeinden in ihrem Umfeld andere Menschen am Gemeindeleben gestaltend teilhaben lassen, wird man die lebens- und gemeinschaftsverändernde Kraft des Glaubens erleben. Deutliche Worte fand Bils, als es um die strukturelle Ausrichtung kirchlichen Lebens ging: „Kirche ist der einzige ‚Verein’, der sich nur um die dreht, die noch nicht Mitglied sind!“

Im diesem Zusammenhang zitierte sie ihren Vorgesetzten, Arend de Vries, geistlicher Vizepräsident der Landeskirche Hannover: „Nicht der Erhalt der Institution, nicht die Fortschreibung der Strukturen, in denen Kirche heute existiert, sind das primäre Ziel kirchlicher Arbeit. Vorrang hat, dass Menschen das Evangelium kennenlernen und erfahren als die Macht und die Kraft, die Leben verändert.“

Insgesamt machte Sandra Bils auf freundliche und auch gegenüber theologisch anders denkenden Christen wertschätzende Weise Mut zu „radikalen Innovationen“ im gemeindlichen Bereich. Diese unterschied sie von „inkrementellen Innovationen“: Kleinschrittige Erneuerungen bedeuten für Bils nur Veränderungen an Bestehendem mit schrittweiser, häufig der Gesellschaft unangemessener und viel zu langsamer Weiterentwicklung. Dabei werde oft nur nach dem Wie gefragt.  Mit „radikaler Innovation“ verband Bils die Frage nach dem Warum. Wer es wage, auch im gemeindlichen Rahmen die Frage nach dem Warum zu stellen, würde an manchen Stellen überrascht werden, so Bils. Grundsätzliche Erneuerungen mit Blick auf Umfeld, Struktur und Praxis von Gemeinden, die auch zu grundlegenden Erneuerungen führen, können die Folge sein. „Ich werbe für das Warum!“

Mit ihrem Referat und auch mit ihren exegetischen und weiterführenden Anmerkungen zur Geschichte von Philippus und dem Kämmerer im Rahmen der Bibelarbeit, sorgte Sandra Bils dafür, dass die Teilnehmer auch in den Pausen der Tagung im regen Austausch über die Ausführungen waren. Ihre für das Evangelium und zur ganzheitlichen und liebevollen Zuwendung zu den Menschen einladenden Worte werden sicher bei vielen Teilnehmern der Konferenz zu konkreten Schritten im persönlichen Alltag und in der Gestaltung des Gemeindelebens führen.

Mit über 20 Workshops und Seminaren in zwei Zeiteinheiten und mit der motivierenden Vorstellung unterschiedlicher Arbeiten und Initiativen in Form  von Kurzreferaten  war das Tagesprogramm vielfältig und reichlich angefüllt. Neben den Hauptreferaten bildeten die Themen „Geistliches Leben“, „Gesellschaftliche Bedeutung gemeindlichen Handelns“ und  Themen zur „Praxis des Christseins“ weitere Schwerpunkte.

Der von André Krause, Pastor der EFG Leipzig, geleitete Segnungsabend am Samstag bildete ebenso wie der Sonntagsgottesdienst, den die Teilnehmer gemeinsam mit der Gemeinde Leipzig feierten, einen weiteren erfüllten Teil im rundum gelungenen Programm der AmPuls-Konferenz.

Die Teilnehmer der Konferenz kamen einzeln oder auch als ganze Gemeindeleitung angemeldet aus dem Bundesgebiet und aus Österreich. Mit vertreten war auch eine Gruppe Studierender der Theologischen Hochschule Elstal.

Es wurde, wie bereits in den vergangenen Jahren an den Austragungsorten Bochum und München, deutlich, dass der regional wechselnde Veranstaltungsort manchem Teilnehmer die Anreise erleichterte: Nach Leipzig kamen überwiegend Teilnehmer aus den östlichen Bundesländern.

Für das kommende Jahr wurde bereits ein gut zu erreichender und für viele zentral liegender Ort festgelegt. Vom 18. bis 20. Januar 2019 wird die AmPuls-Konferenz in Hannover stattfinden.

Seminartag in Göttingen

In den letzten Jahren sind viele Menschen aus muslimischem Hintergrund, insbesondere aus dem Iran und Afghanistan, zum Glauben an Jesus Christus und in unsere Gemeinden gekommen. Nun wollen sie im Glauben wachsen und lebendige Glieder am Leib Christi sein. Was hilft ihnen dabei? Welche Rolle spielt ihr kultureller und religiöser Hintergrund? Welche Herausforderungen bringt die Freiheit mit sich? Wie kann in Gemeinden ein lebendiges und versöhntes Miteinander eingeübt werden?

An diesem Seminartag hören wir von einem iranischen und einem deutschen Referenten mit Erfahrungen in der deutsch-persischen Gemeindeentwicklung. Wir tauschen uns aus über unsere Fragen und arbeiten an neuen Ideen und Materialien.

Zur Veranstaltung

Etwas verändern, statt nur auf die große Politik zu warten

Am Martin Luther King Day, der in den USA ein nationaler Feiertag ist, wurde auch in der Berliner Sophienkirche des berühmten amerikanischen Bürgerrechtlers und Baptistenpastors gedacht. Hier hatte King 1964 mit seiner Botschaft des gewaltfreien Einsatzes für Freiheit und Gleichbehandlung die Zuhörerinnen und Zuhörer begeistert. Unter den Rednern am 15. Januar in Berlin waren der Außenminister der ersten frei gewählten DDR-Regierung, Markus Meckel, und der Präsident des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Michael Noss.
 
Weil es auch heute noch viel Hass in der Welt gebe, könne eine Rückbesinnung auf Martin Luther Kings Wirken Orientierung geben und Wandel bewirken, so Noss. „Es gilt, Andersartigkeit nicht als Bedrohung zu sehen, sondern als bereichernde Vielfalt zu würdigen.“ Von King zu lernen bedeute, das eigene Umfeld zu verändern, statt nur auf die große Politik zu warten. King sei ein großes Vorbild darin gewesen, enormen Widrigkeiten zum Trotz Dinge zu bewirken, die das Leben von Menschen zum Guten veränderten: „Wenn ich etwas von Martin Luther King lerne, dann ist es das ‚Dennoch‘ – ich kann mein Umfeld verändern.“
 
Auch Markus Meckel, der Kings Rede in der nahen Marienkirche 1964 als Zwölfjähriger miterlebt hatte, machte deutlich, dass die Botschaft des US-Amerikaners 50 Jahre nach dessen Ermordung  nichts von ihrer Aktualität verloren habe. Meckel, DDR-Außenminister von April bis August 1990 und langjähriger Bundestagsabgeordneter, zog in seinem Grußwort einen Bogen von 1964 über die Wendezeit bis heute. Bei seinem Berlinbesuch habe King bereits die Botschaft der Friedlichen Revolution vertreten. 25 Jahre später sei Meckel bestürzt gewesen, als ihm berichtet wurde, dass mehrere Mosambikaner bei den friedlichen Demonstrationen 1989 wegen ihrer Hautfarbe massiv ausgegrenzt wurden: „Im Aufbruch der Freiheit gleichzeitig die Erfahrung von Diskriminierung machen, das muss uns natürlich nachdenklich stimmen.“ Auch heute erlebe man diese Tendenz immer wieder, beispielsweise in der Pegida-Bewegung, so Meckel: „Wir müssen diese Menschen abholen auf dem Weg der Freiheit, zu dem immer auch die Freiheit der Andersdenkenden gehört und die Freiheit derer, die anders aussehen.“ Es gelte, Menschen zusammenzubringen, indem man sie in ihrer Würde und ihrer Freiheit ernstnehme, „wer auch immer sie sind: Es ist eine bleibende Botschaft von aktueller Relevanz.“
 
Frank Williams, Pastor der afroamerikanischen PFF Pentecostal Church of Berlin, bezeichnete den Einsatz gegen Rassismus und Diskriminierung als konfessionsübergreifende Aufgabe aller Kirchen: „Es kommt nicht darauf an, ob ich katholisch oder evangelisch bin, sondern darauf, ein Herz für Menschen zu haben.“ Martin Luther King selbst habe mit vielen Kirchen weltweit gearbeitet. Zentraler Kern seiner Botschaft sei dabei stets die Menschenwürde gewesen: „King glaubte, dass jeder Mensch ganz besonders ist. Der Schlüssel ist, die besondere Gabe jedes Einzelnen hervorzuholen und für andere wirksam werden zu lassen. Das geht nur durch die Liebe Gottes.“
 
Veranstaltet wurde die Gedenkfeier vom „Martin Luther King Memorial – SCLC-Komitee“ unter Leitung von Michael Markus Schulz, der ein Zeitzeuge des Berlinbesuchs Martin Luther Kings ist.

Seminar für Angehörige homosexueller Menschen

Vom 24. bis 26. November trafen sich in der Akademie in Elstal 14 Menschen, darunter mehrere Ehepaare. Sie kamen vorrangig aus Baptistengemeinden, aber auch aus einer FeG und einer Pfingstgemeinde. Eine Ehefrau eines schwulen Mannes war dabei, sonst ging es um Kinder, die schwul/lesbisch/trans sind. Im Referent*innen-Team waren Jens Mankel als Akademie-Referent für Seelsorge und Psychologie, Dagmar Wegener aus der EFG Berlin-Schöneberg, Oliver Pilnei als Akademieleiter und Christian Wagner und Thomas Fricke für Zwischenraum (www.zwischenraum.net).

Die Atmosphäre war durchgehend sehr offen und vertrauensvoll. Die Vorstellungsrunde am ersten Abend zeigte viele bewegende Einzelschicksale. Es wurde deutlich, dass in den Gemeinden und teilweise auch im Freundeskreis eine absolute Sprachlosigkeit zu diesem Thema herrscht. Bei 95% der Menschen wusste niemand aus der Gemeinde und teilweise auch aus dem Freundeskreis, dass sie an diesem Seminar teilnehmen! Umso wichtiger war es für die Teilnehmenden, an dieser Stelle miteinander und mit den Referenten ins Gespräch zu kommen.

Nach einem Impuls zum Thema Bibel und Homosexualität bekamen die Teilnehmenden am Samstag einen Einblick, wie die Gemeinde Berlin-Schöneberg den Meinungsbildungsprozess zum Thema Homosexualität gestaltet hat. Abends sahen wir den Film „Prayers for Bobby“, der für viele sehr bewegend war.

Am Sonntag haben wir zusammen einen Gottesdienst gefeiert, in dem an verschiedenen Stationen Möglichkeiten angeboten wurden, selbst etwas zu tun. Z.B. war es möglich, etwas auf einen Zettel zu schreiben und zu verbrennen, um es dazulassen. Die Teilnehmenden konnten einen Brief schreiben oder ein Bild gestalten. Und es gab die Möglichkeit der Einzelsegnung, die zahlreich genutzt wurde.

Die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Eine Teilnehmerin sagte, dass sie das erste Mal seit 27 Jahren angstfrei über ihre Themen reden konnte. Von sehr vielen Teilnehmenden wurde ein Folgeseminar gewünscht. Unser Fazit war, dass wir in dieser Konstellation (Akademie/Zwischenraum/Baptisten Schöneberg) für das Frühjahr 2019 wieder ein solches Angebot planen möchten. 

Es war eine gesegnete Zeit für alle Beteiligten. Betet gern für die Teilnehmenden, die teilweise sehr heftige persönliche Geschichten erlebt haben, um Kraft. Und um Mut, ihr Thema auch in die Gemeinden einzubringen. Für uns ist erneut deutlich geworden, wie wichtig es ist, in Gemeinden Räume zu öffnen, in denen miteinander gesprochen werden kann: Über die Bibel und ihre Auslegung, Erfahrungen von Ausgrenzung und Willkommen sein, darüber, wie Gemeinde miteinander wachsen kann.