Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

Neue Ausgabe „Akademie im Gespräch“

Häuptlingssohn, Freiheitskämpfer, politischer Gefangener, Friedensnobelpreisträger, erster schwarzer Präsident Südafrikas. Nicht nur in seinem Land, sondern auch in Deutschland, hat Nelson Mandela viele Menschen durch seine Geschichte für ihr eigenes Leben inspiriert. Für „Akademie im Gespräch“ haben wir die Erinnerungen und persönlichen Eindrücke von sieben Zeitzeugen zusammengestellt: zwei aus Südafrika, fünf aus Deutschland, im Alter von 15 bis 70 Jahren. Wir wollen Sie als Leserin oder Leser dadurch zu eigenen Gedanken und Erinnerungen anregen, und laden Sie ein, etwas davon mit uns zu teilen.

Wo die Liebe Gottes sichtbar wird

Joachim Gnep, Leiter des Dienstbereichs Mission, und Frank Wegen, Mitglied im Komitee von German Baptist Aid (GBA), reisten Anfang Juni nach Jordanien und in den Libanon, um sich die von GBA unterstützten Projekte anzusehen. Ihr Fazit: „Wir waren tief berührt und beeindruckt, wie konkret die Liebe Gottes in diesen Projekten sichtbar wird.“ Von diesen berührenden und beeindruckenden Erlebnissen erzählen sie in ihrem Reisebericht.

Eine fröhliche Stimmung schlägt uns entgegen. Eine Handvoll Frauen ist damit beschäftigt, Seife herzustellen. Frauen, die der Kriegshölle in Syrien entronnen sind und in Jordanien einen neuen Anfang versucht haben. Sie berichten, was sie hinter sich haben. Eine Frau spricht davon, wie ihr siebzehnjähriger Sohn durch einen Kopfschuss getötet und ihr Mann durch Folter arbeitsunfähig wurde. Eine andere zeigt uns auf ihrem Handy Bilder ihres zerstörten und in Trümmern liegenden Hauses in Syrien, das sie zurücklassen mussten. Unvorstellbares Leid haben diese Frauen hinter sich. Und schauen heute wieder nach vorn, sie können sogar lachen.

Wir befinden uns in der Seifenwerkstatt des Zarqa Life Centers, einem baptistischen Projekt in Zarqa, eine gute halbe Autostunde östlich von Amman/Jordanien. Seit vergangenem Jahr wird das Projekt von German Baptist Aid unterstützt. Es fördert Frauen gezielt und nachhaltig und hilft ihnen dabei, ein Einkommen zu generieren, um für ihre Familien sorgen zu können. Die Frauen fühlen sich im Center wertgeschätzt und angenommen und verbringen so viel Zeit wie möglich hier. Sie äußern immer wieder ihre Dankbarkeit. Es ist eine sehr dichte Atmosphäre, man kann die Liebe Gottes hier förmlich atmen. ###3_IMAGES###„Für hochwertige Seife gibt es einen Markt“, erläutert uns Gertrud Khoury, die Leiterin der Einrichtung. Also habe man im vergangenen Jahr viel investiert, um Seife in Handarbeit herzustellen, die den Qualitätsansprüchen auch genügt. In der Seifenwerkstatt können wir uns davon überzeugen und die Produkte in ihren verschiedenen Entstehungsstadien begutachten, vor allem aber den Eifer und die Freude sehen, mit dem die Frauen hier an der Arbeit sind. Die Frau, die ihren Sohn verloren hat, erzählt, dass ihr jemand einen Jesusfilm geschenkt habe. Sie habe ihn sich zusammen mit ihrem Mann angeschaut und am Ende wehmütig gesagt: Wenn dieser Jesus heute leben würde, er würde uns in unserer Not sicher auch helfen. In der darauffolgenden Nacht sei ihr Jesus im Traum erschienen und habe zu ihr gesagt: Es gibt mich tatsächlich und ich helfe dir. Diese Frau hat neuen Lebensmut gewonnen und hat mittlerweile in der Seifenwerkstatt Verantwortung übernommen.

„Wir müssen nun schauen, wie wir uns mehr Abnehmer unserer Produkte erschließen“, meint Gertrud Khoury, denn monatlich wird momentan noch mehr Seife mit verschiedenen Duftrichtungen produziert als abgenommen. ###3_IMAGES###Die Seifenwerkstatt ist nur ein Arbeitszweig des Zarqa Life Centers. Das Center hilft Frauen auf ganz verschiedenen Ebenen und ist nicht nur für syrische Flüchtlingsfrauen offen, sondern auch für Jordanierinnen oder Palästinenserinnen, die in prekären Verhältnissen leben. Es gibt eine Reihe von Bildungsangeboten wie Englischunterricht oder auch Arabischunterricht für Analphabeten. Es gibt psychosoziale Unterstützung und auch Andachten, an denen manche der Frauen mit Interesse teilnehmen. Dem Center angegliedert ist ein Kindergarten mit drei Erzieherinnen, die auch einen Blick für Kinder mit Einschränkungen haben, sowie eine kleine Poliklinik.

Im Libanon lebt fast jeder dritte Mensch „flüchtig“. Insgesamt sind es geschätzt 1,5 Millionen Syrer (davon die Hälfte Kinder), die hier Schutz suchen – in einem historisch bedingt eigentlich feindseligen Umfeld. Seit mehr als 10 Jahren arbeitet German Baptist Aid sehr eng mit der baptistischen Lebanese Society for Education and Social Development (LSESD) zusammen. ###3_IMAGES### Der erste Projektbesuch führt uns an die syrische Grenze nach Zahle im Osten des Landes, wo wir zuletzt ein medizinisches Projekt gefördert haben. Die renovierte und deutlich erweiterte Baptistengemeinde dort ist voller quirligem Leben: jeden Tag bekommen hier 600 Kinder in zwei Schichten Schulunterricht durch überwiegend syrische Lehrkräfte, die selbst das Schicksal der Flucht teilen. Zum sehr umfangreichen diakonischen Engagement der Gemeinde gehört unter anderem auch das neu entstandene Community Center, direkt neben einem Flüchtlingslager im Bekaa-Tal. „Für diese Menschen ist es zu weit in die Stadt“, sagt Naji Daoud, der Projektverantwortliche. In liebevoll gestalteten Containern neben einem großen Spielplatz wird Englisch und Arabisch unterrichtet, in einem anderen stehen Waschmaschinen. In weiteren Containern finden sich das Medical Center, in dem täglich 25 bis 30 Menschen behandelt werden, und eine Kleiderkammer.

Eine weitere Station unserer Reise liegt im Nordosten von Tripoli: Child friendly Spaces. 250 Kinder werden hier ein- bis zweimal in der Woche unterrichtet. Auch hier lehren überwiegend Geflüchtete aus Syrien. Wir nehmen an einer Unterrichtseinheit mit einer Psychologin teil, die Werte vermittelt – heute: „Alle Menschen sind gleichwertig!“.

Ein anderer Raum für Diagnose und Therapie ist für die Arbeit von SKILD („Smart Kids with Individual Learning Differences“) reserviert. Dieses ebenfalls von GBA unterstützte Projekt bietet Kindern mit Lernschwierigkeiten landesweit Hilfe, deren Behinderungen ansonsten gesellschaftlich tabuisiert werden. Michel Sawan als Mitarbeiter der Ortsgemeinde zeigt uns schließlich die regelmäßig ausgeteilten Hygienepakete für Familien. „Wir wollen den Kindern in der Liebe Gottes begegnen, das ist das Wichtigste“, sagt er.###3_IMAGES###Diese Haltung erfüllt in besonderer Weise auch das Tahaddi Education Center, mitten in einem der Beiruter Elendsviertel. Konsequent und sehr professionell wird hier auf die Bedürfnisse der geschätzt 10.000 Menschen reagiert, die unter unbeschreiblichen Bedingungen leben. Es gibt ein Programm für Kleinkinder bis fünf Jahre, Schulunterricht auf hohem Niveau, Sportunterricht auf der Dachterrasse, ein Medizinisches Zentrum, Sozialarbeit vor Ort und auch „zu Hause“, psychologische Betreuung, ein Computerraum zum Erlernen von Grundkenntnissen für den Arbeitsmarkt. Im Nähzentrum stellen Frauen auf engstem Raum mit viel Geschick Schürzen, Topflappen, Taschen und andere Gegenstände für den täglichen Bedarf her. Auch die 2.400 Decken für das Winterprojekt werden hier gefertigt und stolz präsentiert. Ein doppelter Nutzen: die sehr engagierten und selbstbewussten Frauen verdienen damit Geld für den Lebensunterhalt.

Wir begleiten die Leiterin Catherine Mourtada zu Hausbesuchen durch die verwinkelten Gassen und Trampelpfade. Immer wieder klebt ein übler Gestank in der heißen Luft – wir halten den Atem an. Atemberaubend ist aber vor allem, wie sehr Catherine hier geachtet und bei den in erbärmlichen Zuständen lebenden Menschen wirklich „zu Hause“ ist. Sie weiß um die Geschichten der Menschen hier zwischen Wellblech und Müll. In den Gesprächen notiert sie, was vom Nötigen am nötigsten ist. Zurück in ihrem Büro platzt ein kleines Kind mit verletztem Fuß mitten in ein wichtiges Gespräch. Sofort wendet sich Catherine dem Kind zu und verarztet es. Diese Erfahrung steht sinnbildlich für das, was wir in Tahaddi und auch den anderen Projekten erlebt haben: die Menschen stehen immer im Mittelpunkt! Wo immer die Kraft der Liebe Gottes sonst erfahrbar ist: während der Reise gab es viele Momente, wo sie uns in der Begegnung mit so unterschiedlichen Menschen förmlich anstrahlte.

Fusion bestätigt

Das Albertinen-Diakoniewerk, Hamburg, eine Einrichtung im Status der Bekenntnisgemeinschaft mit dem BEFG, und die Immanuel Diakonie, Berlin, hatten am 7. Juni über einen geplanten Zusammenschluss zur „Immanuel Albertinen Diakonie“ informiert.

Nun haben sowohl die Gemeindeversammlung der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Berlin-Schöneberg, Hauptstraße, K.d.ö.R., Alleingesellschafterin der Immanuel Diakonie, als auch die Mitgliederversammlung des Albertinen-Diakoniewerks e.V. am 26. Juni (in Berlin) bzw. am 30. Juni (in Hamburg) mit überwältigender Zustimmung den Weg für die Fusion von Immanuel Diakonie und Albertinen-Diakoniewerk zur Immanuel Albertinen Diakonie freigemacht. In den nächsten sechs Monaten werden nun die rechtlichen Umsetzungsschritte vollzogen, um zum 1. Januar 2019 mit dem fusionierten Unternehmen zu starten.

Vorangegangen waren weitreichende Informationen und Diskussionen in Mitgliederversammlungen und Workshops. Umfangreich wurde auch die Website www.immanuelalbertinen.de genutzt.

„Mit diesem notwendigen juristischen, aber auch wichtigen moralischen Zuspruch der Gesellschafter können wir nun mit allen gemeinsam die Segel für die Zukunft in der Immanuel Albertinen Diakonie setzen“, so Udo Schmidt, Geschäftsführender Direktor der Immanuel Diakonie.  

„Unseren Vereinsmitgliedern ist wichtig, dass wir als Immanuel Albertinen Diakonie zeigen können, wie wichtig und unverzichtbar diakonisches Handeln in dieser Gesellschaft ist und bleibt“, stellt Matthias Scheller, Vorstandsvorsitzender des Albertinen-Diakoniewerks e.V., heraus.

Wichtigstes Anliegen des Zusammenschlusses ist es, für Patienten, Bewohner, Gäste, Klienten und Kunden gemeinschaftlich ein noch besseres und für die Beschäftigten noch attraktiveres diakonisches Unternehmen werden zu können. Diesem Prinzip folgend, werden jetzt eine Vielzahl von Projektgruppen gebildet. Themen sind beispielweise der Austausch von Best Practice-Modellen medizinischer oder therapeutischer Zusammenarbeit, die Optimierung der Gewinnung von neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder die Schaffung einheitlicher IT- und Softwarestrukturen.

Das Evangelium - ganz leicht gesagt!?

Leichte Sprache kann ganz schön schwer sein. Das haben 20 Mitarbeiter/-innen aus unterschiedlichen nordrhein-westfälischen Gemeinden erfahren. Am 30. Juni haben sie, gemeinsam mit Pastorin Andrea Schneider (Oldenburg), zum Thema „Leichte Sprache“ in der Friedenskirche Remscheid gearbeitet. Um es praktisch werden zu lassen, haben zwei Gemeinden Bibeltexte vorgeschlagen. Diese wurden für bereits geplante Gottesdienste in „Leichte Sprache“ übertragen. In Remscheid wurden sie direkt am nächsten Tag im Gottesdienst „ausprobiert“ und sind auf positive Resonanz gestoßen.

Bei der Übertragungsarbeit wurde deutlich, dass es zunächst darum geht, den Text selbst zu verstehen. Immer wieder sind dabei Entscheidungen zu treffen, die auf das eigene Verständnis zurückgehen. Ist Gott mein Trost – oder tröstet er? Welche Gedanken verbinden die Text-Arbeiter/-innen mit Trost? Was ist passiv, was aktiv für sie? So haben sich spannende Diskussionen an diesem Workshoptag ergeben. Herausgekommen sind wunderschöne Texte. Texte, die aufhorchen lassen. Sie klingen anders. Neue Gedanken werden möglich. Und sie führen zurück zum ursprünglichen Text . „Das muss ich noch einmal in meiner Lutherbibel nachlesen ...“ Leichte Sprache hilft so nicht nur dem Hörenden, sondern auch demjenigen, der den Text schreibt. Der ihn vorträgt. Leichte Sprache ist durch die UN-Konvention für Rechte von Menschen mit Behinderungen im gesellschaftlichen Leben angekommen. Und das ist gut so! Barrierefreie Zugänge zu unseren Kirchen sind selbstverständlich geworden. Natürlich sollen Rollstuhlfahrer/-innen ebenerdig unsere Räumlichkeiten erreichen können. Unsere Sprache hingegen ist nicht immer barrierefrei, sondern „Kirchensprech“. Ich selbst bin gedanklich bei der Abendmahlsliturgie hängengeblieben. Die Einsetzungsworte zum Kelch habe ich immer als sperrig empfunden. Aber da ich sie als Konfirmand schon auswendig lernen musste, sind sie mir in Fleisch und Blut übergegangen. „Nehmet hin und trinket alle daraus, dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ Diesen Satz habe ich in Leichte Sprache übertragen. Jetzt klingt er so: „Ihr sollt alle aus dem Becher trinken. Das ist ein Bild. Es bedeutet: Ich verbinde mich mit euch. Ich vergieße mein Blut für euch. Und vergebe euch eure Schuld.“ Leichte Sprache hilft mir Gedanken zu sortieren, zu reduzieren und Begriffe zu öffnen. Alle Teilnehmer/-innen des Workshops haben Lust daran gefunden sich verständlicher auszudrücken und wir dürfen gespannt sein, welche schönen Texte aus ihrer Arbeit entstehen. Vielleicht hören wir sie ja irgendwann im Gottesdienst.

„Europas Seele und die Opfer von Flucht und Vertreibung“

Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) hat sich in einer heute veröffentlichten Stellungnahme dafür ausgesprochen, Hilfe für Menschen in lebensbedrohlicher Not zur obersten Priorität in der deutschen und europäischen Flüchtlingspolitik zu machen. Wenn Europa das Recht auf Asyl aushöhle, verkaufe es seine Seele und löse sich aus einem weltweiten Rechts- und Wertekonsens.

„In Europa macht sich eine erschreckende Geisteshaltung breit: Eigene Interessen werden über den Schutz von Menschen gestellt, die in lebensbedrohlicher Not Schutz suchen“, so beginnt die Stellungnahme, die Präsident Christoph Stiba für den VEF-Vorstand gemeinsam mit Peter Jörgensen, dem Beauftragten der VEF am Sitz der Bundesregierung, gezeichnet hat. Die eigene Bequemlichkeit, der eigene Wohlstand würden höher gewertet als die Menschenrechte, das Recht auf Asyl werde ausgehöhlt. „Europa steht wie noch nie seit dem zweiten Weltkrieg in der Gefahr, sein eigenes Wertefundament und das der internationalen Staatengemeinschaft aufzugeben.“ Die Verfasser berufen sich auf das „Evangelium von der Liebe Gottes, die allen Menschen gilt“, auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, auf Artikel 16 des deutschen Grundgesetzes sowie auf die Europäische Menschenrechtskonvention.

Wissend um die Krisen und lebensfeindlichen Umstände, aus denen Menschen fliehen, plane Europa, Hilfe zu unterlassen und die Probleme vor seine Grenzen auszulagern: „Grenzschutz ist im Kern ein legitimes Anliegen. Die Abschottung gegen Flüchtlinge in elementarer Not hingegen ist menschenverachtend.“ Ein Richtungswechsel sei nun dringend erforderlich. Es müsse alles darangesetzt werden, internationale Humanitätsstandards einzuhalten und die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung beherzt aufzugreifen. „Solange diese nicht erreicht sind, muss Europa mindestens denen Schutz bieten, deren Leben bedroht ist, die unter Flucht und Vertreibung leiden.“

Die Arbeit des Bundes und seiner Gemeinden nachhaltig geprägt

Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) hat in einem Gottesdienst mit zahlreichen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern Pastor Friedrich Schneider als „kreativen und innovativen Kopf“ gewürdigt, der Menschen geprägt und die Arbeit der Freikirche an vielen Stellen nachhaltig vorangebracht hat. Das langjährige Mitglied der Bundesgeschäftsführung geht nach 22 Jahren in der überregionalen Arbeit Ende Juni in den Ruhestand. Zuvor hatte er 16 Jahre als Gemeindepastor gearbeitet.

BEFG-Präsident Michael Noss zeichnete in seiner Laudatio auf Schneider das Bild eines leitenden Mitarbeiters, der bescheiden aus dem Hintergrund entscheidende Fäden gezogen habe: „Du hast zahlreiche kluge Gedanken zu Papier gebracht und eine Menge in Bewegung gesetzt, von dem viele nicht wissen, dass du derjenige warst.“ So habe Schneider zur Weiterentwicklung der jährlichen Bundeskonferenzen beigetragen und auch das ökumenische Engagement des Bundes, etwa in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), mitgeprägt.  ###3_IMAGES###

Generalsekretär Christoph Stiba führte in seiner Rede weitere Beispiele für Friedrich Schneiders Wirken auf. So habe dieser zu Beginn der 2000er-Jahre die Zukunftskommission und damit die neue Struktur des Bundes mitgestaltet. Als Leiter des Dienstbereichs Gemeindeentwicklung habe er dann ab 2003 bedeutsame Impulse gegeben und Initiativen an den Start gebracht, von denen im BEFG viele bis heute erfolgreich sind. „Unter deiner Federführung ist das Beraternetzwerk entstanden, hat sich die Bildungsarbeit für Ehrenamtliche des Bundes weiterentwickelt, sind Handreichungen für Gemeinden erdacht und formuliert worden. Du hast konflikthafte und schwierige Gemeindesituationen begleitet und die Öffentlichkeitsarbeit des Bundes mit aufgebaut. Und du hast engagiert in der Bundesgeschäftsführung und im Präsidium mitgearbeitet.“ Sein „Husarenstück“ habe Friedrich Schneider mit der Entwicklung und Etablierung des Fachbereichs Familie und Genrationen vollbracht: „Mit sehr viel Engagement, Kreativität und Schwung hast du dich dieser Aufgabe gestellt, die alten Strukturen und Inhalte von Frauenwerk und GemeindeSeniorenwerk in dem neuen Fachbereich neu und zukunftsrelevant zu organisieren, zusammen mit den vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und dann auch ab 1. März 2016 mit Dagmar Lohan als Referentin. Vor dieser Leistung habe ich eine Menge Achtung!“

Dagmar Lohan selbst beschrieb Schneider als „Geburtshelfer“ für den Fachbereich: „Du hast gesagt, dass man Kinder so lange begleiten muss, bis sie selbst laufen können. Beim Fachbereich hast du gute Elternarbeit geleistet.“ Lohan würdigte Schneiders großen Erfahrungsschatz im Blick auf den Bund und dankte ihm für die Weitergabe seines Wissens. ###3_IMAGES###

Schon bevor Friedrich Schneider den Dienstbereich Gemeindeentwicklung von 2003 bis 2014 leitete, entwickelte er Gemeindearbeit vor Ort nachhaltig weiter – so etwa in der Kreuzkirche Oldenburg, wo er von 1989 bis 1996 Pastor war. Der damalige Gemeindeleiter Wolfgang Hofmann berichtete in seinem Grußwort, die Gemeinde habe sich damals „auf zu neuen Ufern“ gemacht, vor allem in der Evangelisation seien neue Impulse gefragt gewesen: „Darauf hast du dich mit Energie und konzeptioneller Kreativität eingelassen. Das Café-Konzept zum Beispiel hat gezündet. Und du hast Kleingruppen entwickelt. Heute gibt es 70 Kleingruppen.“ Mit dem Ziel, „Kirchenferne in unserem säkularisierten Land anzusprechen“, sei schließlich der Sonntagsgottesdienst in den Fokus gerückt worden: „Von Musik über Moderation bis hin zur Verkündigung wurde alles überarbeitet. Dieser Gottesdienst wurde sehr erfolgreich.“

Auch aus seiner ersten Gemeinde in Elmshorn, in der Friedrich Schneider von 1980 bis 1989 Pastor war, waren einige Gäste zur Verabschiedungsfeier angereist. In einem persönlichen Grußwort dankte Catana Dargel-Jermies, die heutige Gemeindeleiterin, Schneider dafür, dass er sie „als junges Mädchen aufs richtige Lebensgleis gesetzt“ habe. An Schneider und seine Frau Andrea gerichtet sagte sie: „Ihr zwei habt mein Glaubensleben geprägt. Vielen Geschwistern in der Elmshorner Gemeinde geht es so –  ihr seid in deren Herzen, und das auch noch nach 30 Jahren.“###3_IMAGES###

Ermutigung, Austausch, Gestaltungstipps

Vom 11. bis 14. Juni trafen sich 13 Pastoren und eine Pastorin im Begegnungszentrum in Weltersbach, um sich gemeinsam relevanten Fragen rund um das Dienstende und den Übergang in den Ruhestand zu widmen. Einige Ehefrauen waren mitgekommen und hatten so die Gelegenheit, sich gemeinsam mit ihren Partnern auf diese neue Lebensphase einzustellen. Udo Hermann, Leiter des Dienstbereichs Mitarbeiter und Gemeinde, Dagmar Lohan, Referentin im Fachbereich Familie und Generationen, und Hartmut Priebe, Pastor im Ruhestand, bildeten das Leitungsteam der Tagung.

„Die Tagung hat meine Frau und mich stark ermutigt.“ Dieses Fazit zog Pastor Jürgen Bohle aus der EFG Lüneburg. „Zum einen, weil wir uns mit Kollegen(paaren) über unsere Erfahrungen, Enttäuschungen und „Erfolge“ austauschen konnten. Zum anderen, weil wir durch die Tagungsleitung auf kreative und humorvolle Weise angeleitet wurden, die Übergangsphase in den Ruhestand konkret zu gestalten.“

Neben der Reflexion der Dienstzeit und dem Austausch über das Erlebte im Dienst, wurden auch Fragen zum Rentenantrag, der Ruhegeldordnung und der bevorstehenden Entpflichtung geklärt. Hartmut Priebe nahm die Teilnehmenden in seine Erfahrungen aus dem Übergang und der Gestaltung des Ruhestandes mit hinein. Mit methodischer Vielfalt zu Gruppen- und Einzelarbeit wurden die Teilnehmenden angeregt, sich mit dem Älterwerden und dem zukünftigen Ruhestand zu befassen.

Auch die Kultur sollte nicht zu kurz kommen und so unternahm die Gruppe eine Exkursion zum Altenberger Dom und genoss die gute Küche in einem nahegelegenen Restaurant. Besonders intensiv war der Gottesdienst am Ende der Tagung. Udo Hermann sprach anhand des Bibeltextes aus 2. Korinther 1,3-11 über Trost. Er entfaltete die Thematik der Lebenskrisen und des Zweifels auf sehr persönliche und tiefgründige Weise und sprach seinen Zuhörern den Trost Gottes zu. Die anschließende Abendmahlsfeier und auch die persönlichen Gebete und Segenswünsche für jeden Einzelnen waren intensiv und kraftspendend.

Alles in allem war es nach Aussage der Teilnehmenden eine gelungene und abwechslungsreiche Tagung. Und die nächste Tagung im Jahr 2019, so sagten sie, sei ein absolutes Muss für ordinierte Mitarbeiter, die in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen.

"Ein Mitgehen durchs finstere Tal."

Vom 11. – 14. Juni nahmen acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer am ersten „Basiskurs Notfallseelsorge“ der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie teil. Geleitet wurde der Kurs von André Carouge und Bernhard Ludwig, beide langjährig in der Notfallseelsorge tätig.

Die Notfallseelsorge ist darauf ausgerichtet, Opfer, Angehörige, Beteiligte und Helfer von Notfällen in der akuten Krisensituation zu beraten und zu stützen. Auch Hilfe nach häuslichen traumatischen Ereignissen, wie nach erfolgloser Reanimation, plötzlichem Kindstod und Suizid, sowie Begleitung der Polizei bei der Überbringung von Todesnachrichten gehört zum Einsatzspektrum.

Die Seminarinhalte reichten von praktischen Einheiten (Einsatzindikationen und Zusammenarbeit mit Rettungskräften) bis hin zu inhaltlichen Vorbereitungen (Theologische Grundlagen der Notfallseelsorge und Psychotraumatologie).

Teilnehmer Marco Bergelt schildert seine Erfahrungen so:

"Mit großen Erwartungen bin ich zu diesem Seminar gefahren – und sie wurden mehr als erfüllt! Zwei Dozenten, voller Hingabe, langer Erfahrung und Leidenschaft, begleiteten uns Teilnehmerinnen und Teilnehmer in dieses Thema hinein.

Bin ich bereit, mich auf diesen Bereich der menschenzugewandten Hilfe, in extremen Lebens-Not-Situationen, einzulassen? Das Seminar fordert heraus und geht an die „Nieren“. Unsere Herzen und Gedanken wurden sensibilisiert und zugleich herausgefordert. Ich persönlich möchte im Gebet hören, wie Gott darüber denkt. Wie er mit uns Menschen mitleidet und durch Notfallseelsorger es Realität werden lässt: „Kommt her zu mir, alle die ihr belastet – mühselig – gebrochen – überfordert seid, ich will euch erquicken – zur Ruhe bringen – heilen – helfen“.

Selbstfürsorge und Selbstschutz stehen auch ganz oben. Denn die zu erbringende Hilfe, darf nicht dazu führen, dass der Helfende dadurch Schiffbruch erleidet. Hier brauche ich Zeiten des Gebets, des Fragens und Hörens, der Gewissheit, dass Gott bei mir ist, um in die nicht vorhersehbaren Notsituationen von Menschen mit hineinzugehen.

Voller Dankbarkeit über die wichtigen und sehr guten Impulse bin ich wieder in meinem Alltag angekommen. Ich hoffe, dass sich noch viel mehr Menschen auf den Weg machen, um sich in Notfallseelsorge schulen zu lassen."

Dr. Martin Metzger verstorben

Prof. Dr. Martin Metzger ist am 10. Juni im Alter von 90 Jahren gestorben. Der BEFG-Pastor im Ruhestand war emeritierter Professor für Alttestamentliche Wissenschaft und Biblische Archäologie an der Universität Kiel sowie Lehrbeauftragter an der Theologischen Hochschule Elstal.

 „Martin Metzger war sein Leben lang voller Wissensdurst und Forscherdrang und hatte die Gabe, Anderen neue Erkenntnisse anschaulich und eindrücklich zu vermitteln“, würdigten BEFG-Präsident Michael Noss und Generalsekretär Christoph Stiba den Verstorbenen in einem Nachruf. „Wir sind Gott dankbar, dass Martin Metzger für Generationen von Menschen ein Segen geworden ist und bis zum Schluss Andere inspiriert hat. Als diesen begabten und begnadeten Menschen behalten wir ihn in dankbarer Erinnerung.“

Nach seinem Studium am baptistischen Predigerseminar trat Metzger den Gemeindedienst in einer Kölner Brüdergemeinde an und studierte Theologie an der Universität Bonn, wo er Ende der 50er Jahre promovierte. Er arbeitete als Hebräisch- und Griechisch-Lehrer sowie als Dozent für Altes Testament am Theologischen Seminar. Als erster Freikirchlicher habilitierte Metzger 1969 an der Theologischen Fakultät in Hamburg auf dem Gebiet der biblischen Archäologie. „Metzger war ein exzellenter Wissenschaftler, der zahlreiche Bücher und Aufsätze veröffentlicht hat“, schreiben Stiba und Noss in ihrem Nachruf. „Sein Grundriss der Geschichte Israels gehört zu den Standardwerken theologischer Forschung und Lehre. Dabei blieb er aber stets menschenverbunden und bodenständig.“ Die biblische Archäologie sei seine besondere Leidenschaft gewesen. Er hat an vielen Ausgrabungen im Nahen Osten teilgenommen. So war er 1960 bei einer Ausgrabung in der Hethiterhauptstadt Ḫattuša und begleitete von 1964 bis 1980 die Ausgrabungen am Tell Kāmid el-Lōz im Libanon. Noch bis in sein 90. Lebensjahr hinein führte er Museumsbesuche mit Theologiestudierenden durch.

Martin Metzger war von 1955 bis zu ihrem Tod 2015 mit der Lehrerin Lucie Metzger, geb. Sinnhoeffer verheiratet. Er hinterlässt vier erwachsene Kinder.

Die Trauerfeier und die Beisetzung finden am 21. Juni 2018 um 14:00 Uhr in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Dorfstr. 5 in 24220 Flintbek statt.

Schwere Unwetterschäden im Pilgerheim Weltersbach

Der Geschäftsführer des Diakoniewerks, Joachim Noß, berichtete: „So etwas habe ich noch nie erlebt. Unvorstellbare Wassermassen sind in der Nacht auf Sonntag durch das Tal gelaufen. Schwer beschädigt wurden die Kirche, die Gemeinschaftshalle und das Begegnungszentrum sowie ein Teil des liebevoll und in Eigenarbeit angelegten Bibelgartens. Auch vier der sechs Altenheime sind betroffen.“ Einige Bewohnerinnen und Bewohner sowie „die bei uns untergekommenen Flüchtlinge“ habe man evakuieren müssen, so Noß, der dennoch erleichtert ist: „Wir danken Gott, dass niemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist.“

BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba machte sich am Mittwoch vor Ort ein Bild der Lage. Dabei erlebte er, wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Bewohnerinnen und Bewohner unter der Leitung von Joachim Noß und Gemeindepastor Christoph Becker mit Menschen aus dem Ort Hand in Hand zusammenarbeiten, um Schmutz und Dreck zu beseitigen: „Der Zusammenhalt ist stark und, wenn man dem Ganzen eine positive Seite abgewinnen will, ein Segen inmitten dieses Unglücks.“

Die Schäden beschrieb Stiba als „dramatisch“. Im Wesentlichen würden die Sanierungskosten zwar sehr wahrscheinlich von der Versicherung übernommen. Dennoch gebe es neben der psychischen Verarbeitung des Geschehens auch einige wirtschaftliche Herausforderungen, so der Generalsekretär. So müsse beispielsweise für einige Wochen ein Zelt für die Gottesdienste und andere Veranstaltungen angemietet werden. „Für diese Kosten kommt keine Versicherung auf. Inwieweit der Bund die Gemeinde und das Diakoniewerk unterstützen kann, werden wir in den nächsten Tagen klären. Auf jeden Fall lade ich die Bundesgemeinschaft herzlich dazu ein, für unsere Geschwister in Weltersbach und für alle Menschen zu beten, die von den Unwettern betroffen sind.“

„I have a dream“ – 50 Jahre nach Kings Tod

Der amerikanische Baptisten-Pastor Martin Luther King hat die Welt verändert. Vor 50 Jahren wurde er ermordet. Andreas Malessa hat ein Musical über den gläubigen Bürgerrechtler geschrieben. Im Interview mit dem Christlichen Medienmagazin pro verrät der Autor, was die Menschen heute noch von Martin Luther King lernen können, warum der Baptismus weltweit gespalten ist und warum es wichtig ist, sich in Zeiten von Pegida und AfD mit dem US-Bürgerrechtler zu beschäftigen. Die Fragen stellte Norbert Schäfer.

pro: Warum ist die Beschäftigung mit Martin Luther King im 21. Jahrhundert immer noch wichtig?

Andreas Malessa: Erstens: Weil in unseren wirtschaftlichen Verteilungskämpfen und Abstiegsängsten manche Bürger ihre Regierungen bitten, sie mögen doch die Bevölkerung wieder nach Rasse, Religion, Herkunft, Bildungstand oder Leistungsfähigkeit sortieren und die einen bevorzugen und die anderen benachteiligen. Da hat bereits vor 60 Jahren Martin Luther King in den noch von der Apartheid geprägten USA gesagt: Das geht aus theologischen Gründen nicht. Ob Schwarze, Latinos, Frauen oder Wenigbegabte - alle sind ebenbildliche Geschöpfe Gottes und deswegen mit Menschenwürde und Menschenrechten ausgestattet. Dies gilt es auch heute - vom Evangelium her - in Sozialpolitik umzumünzen und konkret werden zu lassen. Wir haben inzwischen ja auch bei uns Politiker, die völlig berechtigte Ängste und Sorgen in Hass gegen andere transformieren und mit Hinweis auf ordnungspolitische Notwendigkeiten einen „verstehbaren“ oder „verzeihlichen“ Rassismus fördern.

Und zweitens?

Zweitens: Weil sein Traum – „I have a dream“ – gar nicht „sein“ Traum war, sondern Gottes Traum ist vom „Shalom“, vom Friedensreich. Am 28.8.63 in Washington zitierte King lauter biblische Bilder aus Jeremia, Jesaja, Amos und Micha. So ein Traum ist keine Illusion, sondern eine Utopie. Und Utopien sind Ideen, die es wert sind, verfolgt zu werden, auch wenn sie momentan noch keine physische Wirklichkeit sind: Die Utopie des 17. Jahrhunderts war Friede zwischen Katholiken und Protestanten. Die Utopie des 18. Jahrhunderts war die Abschaffung des monarchischen Feudalismus zugunsten rechtlicher Gleichheit aller Bürger. Die Utopie des 19. Jahrhunderts war die Abschaffung der Sklaverei. Die Utopie des 20. Jahrhunderts war Friede zwischen den Völkern Europas. Alle diese „Träume“ sind langfristig Wirklichkeit geworden. Deswegen halte ich die Beschäftigung mit dem „Traum“ eines Bürgerrechtskämpfers, Friedensnobelpreisträgers und Pastors wie Martin Luther King für hochaktuell.

Was können wir von Martin Luther King lernen, wenn es um die Überwindung von Rassismus oder Diskriminierung geht?

Gewaltlosigkeit. King hat nicht nur Unrecht benannt, sich empört und Wind gemacht, sondern er hat bereits im Dezember 1955 etwas getan, worüber wie heute wieder neu nachdenken: Ob wir nicht als Kunden einen Boykott veranstalten, der die Industrie und die Wirtschaftspolitik zwingt, humanere und gerechtere Arbeitsverhältnisse zu schaffen und Umweltstandards einzuhalten: King bat seine Gemeinde und alle Afroamerikaner in Montgomery (Alabama), nicht mit den öffentlichen Bussen zu fahren, solange die noch nach Rassen getrennt waren. Vorne konnten Weiße sitzen, hinten im Bus mussten Schwarze dicht gedrängt stehen. Vorne wurde das Ticket gelöst, dann musste der Fahrgast außen herum nach hinten und dort wieder einsteigen. Bei Regenwetter machten sich die Busfahrer einen Spaß daraus, die Türen nicht zu öffnen, sondern los zu brausen. Das junge Ehepaar King wohnte in Sichtweite einer Bushaltestelle und sah sowas täglich. Da hat sich der damals 26-jährige Pastor gesagt: Dann fahren wir halt nicht mehr Bus. Mal sehen, wie lange das die städtischen Verkehrsbetriebe aushalten. Nach 381 Tagen des Boykottes wurde die Trennung nach Rassen in den Bussen und den öffentlichen Gebäuden abgeschafft. Das war der Anfang vom Ende der Apartheid in den USA. Das hat King strikt gewaltlos durchgeführt.

Nach welcher Maxime hat King damals gehandelt?


Er hat sich selbst und seine Mitstreiter auf fünf Punkte verpflichtet: Erstens, jeden Tag über die Lehre und das Leben Jesu nachzudenken, zweitens, nie zu vergessen, dass wir Gerechtigkeit und Versöhnung wollen, nicht den Sieg. Drittens, im Geist der Liebe zu gehen, denn Gott ist Liebe, viertens, täglich darum zu beten, dass Gott dich benutzen möge um anderen zur Freiheit zu helfen und fünftens, auf Gewalt der Faust, der Zunge und des Herzens zu verzichten.

Am 5. Mai 1963 knieten die Demonstranten nieder und verharrten im stillen Gebet, sodass die Polizisten sich weigerten, mit Wasserwerfern gegen sie vorzugehen. Diese Befehlsverweigerung der Polizisten, der Ungehorsam in Uniform, gilt als das Wunder von Birmingham. Wenn ich lese, dass King auf die Gewalt der Zunge und des Herzens verzichtet hat und mir dann im Internet die Shitstorms ansehe, die – leider auch auf christlichen Portalen – gegen Andersglaubende und Andersdenkende abgefeuert werden, dann ist das sehr aktuell.

Was bedeutet Martin Luther King für den weltweiten Baptismus?


King hatte die vitale Herzensfrömmigkeit afroamerikanischer Freikirchler, die sich nun aber nicht in die fromme Beschaulichkeit der eigenen Gemeinde zurückziehen. Sehr empathische, mancherorts charismatische, Gottesdienste bei gleichzeitig hohem Sozialengagement wird von der Mehrheit der Baptisten praktiziert. Der Baptismus in den USA ist kirchenpolitisch leider gespalten in drei oder vier eher „nördliche“ Kirchenbünde und einen „südlichen“ Baptistenbund, der im Bürgerkrieg 1863 für die Beibehaltung der Sklaverei war und dies natürlich biblisch begründete.

Das ist lange her. Ist das nicht überwunden?

Diese Spaltung ist meines Erachtens nicht wirklich überwunden, sondern hat sich während der zwei Legislaturperioden von George W.Bush und erst recht durch die tragikomischen Ungeheuerlichkeiten von Donald Trump vertieft. Als sich zum Beispiel die „Baptist World Alliance“ 2003 mit überwältigender Mehrheit gegen den Irakkrieg aussprach, traten die südlichen Baptisten aus dem Weltbund aus. Baptistische Theologie hat sich immer bewegt zwischen zum Beispiel Jimmy Carter und Martin Luther King auf der einen Seite - einer alltagsrelevanten, für die Humanisierung der Gesellschaft engagierten Frömmigkeit - und zum Beispiel Franklin Graham auf der anderen Seite, einer ebenfalls hochengagierten, aber politisch ultrareaktionären Haltung. Er ist zwar Vorsitzender der Hilfsorganisation „Samaritans Purse“, unterstützt aber bis heute jenen Donald Trump, der die Empfänger solcher Hilfe „Scheißhaus-Länder“ nannte. Schade für das Erbe seines kürzlich verstorbenen, hochangesehenen Vaters Billy Graham.

In der Galerie der Märtyrer in Westminister Abbey steht Martin Luther King in einer Reihe mit Dietrich Bonhoeffer. Wie bewerten Sie das?


King gehört ganz sicher in die Liste christlicher Märtyrer, schon wegen seines gewaltsamen Todes am 4. April 1968. Auch hier wieder aktuelle Parallelen; Zu Kings Zeiten fuhr der Ku Klux Klan einfach langsam durch die Schwarzenviertel der Städte, um die Bewohner einzuschüchtern und ihnen zu drohen. Seit Januar 2015 „spazierten“ rund 150 Bürger in Tröglitz neun Sonntage lang um das Haus ihres Pfarrers und ehrenamtlichen Bürgermeisters Markus Nierth herum, weil der sich für Flüchtlinge engagiert hatte. Organisiert hatte das die NPD. Markus Nierth warf hin, aus verständlicher Angst. Die Nicht-Strafbarkeit solcher Drohmärsche ist für Pegida und AfD bis heute eine wichtige Entdeckung geworden. Da war King bereit, lieber an der Seite der Bedrohten zu sein. Er wurde zwanzig mal verhaftet, 13 mal gab es Anschläge auf sein Leben bis hin zum Bombenanschlag auf die Baptistengemeinde in Birmingham, bei dem vier Kinder ums Leben kamen. King war kein Heiliger und sollte auch nicht als solcher vergoldet werden. Aber King ist ein protestantischer Märtyrer des 20. Jahrhunderts und verdient jedes ehrende Gedenken.

Vielen Dank für das Gespräch!


„Genau so etwas brauchen wir“

Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Hoffnungskirche in Bremen-Walle hat ihr Elly-Krimmer-Haus eingeweiht. In dem 3,4 Millionen Euro teuren, fünfstöckigen Neubau auf dem Gelände der Gemeinde ist die Kindertagesstätte „Schatztruhe“ untergebracht, in der 40 Kinder in drei Gruppen betreut werden. Zudem gehört zu dem Bau auch das Nachbarschaftsprojekt „Hoki 58“ und ein gemeinschaftliches (inklusives) Wohnprojekt mit 16 Wohnungen. Fünf Wohnungen wurden von der Lebenshilfe Bremen dauerhaft angemietet. Ein Durchgang führt auf die Rückseite des Gebäudes und in den großen, grünen Innenhof. Zentrum des Hauses ist ein großer Gemeinschaftsraum mit Gartenzugang.

Das Haus ist nach der gebürtigen Jüdin Elly Krimmer benannt, die 1921 in Erfurt Christin geworden und dort in der Baptistengemeinde getauft worden war. 1931 schloss sie sich der Bremer Hoffnungskirche an. Sie arbeitete als Hausdame und Schneiderin. 1941 wurde die 56-Jährige von den Nazis in das Ghetto Minsk deportiert. Dort verliert sich ihre Spur. Nach Kriegsende wurde sie für tot erklärt.

Der frühere Pastor der Gemeinde, Ralph Zintarra (Springe), erinnerte in seiner Festpredigt an die Namensgeberin des Hauses. Zudem ermutigte er die Gemeinde, weiterhin der Stadt Bestes zu suchen, wie sie es mit dem Neubau bereits getan habe. Die Ortsamtsleiterin Ulrike Pala lobte in ihrer Festrede den zeitlos-klassischen Bau, der äußerlich die Umgebung aufwerte. „Genau so etwas brauchen wir mitten in Walle“, sagte sie.

Wie Gemeindereferent Simon Görler sagte, sind bis auf zwei bereits alle Wohnungen vermietet. Besonders freut er sich, dass auch der Bauleiter der Firma, die das Haus gebaut hat, in eine der größeren Wohnungen eingezogen ist: „Das zeugt von guter Qualität.“ Görler schätzt, dass über 400 Interessenten beim Einweihungsfest vorbeigeschaut haben. Eines der ältesten Gemeindemitglieder, Renate Worreschk (88), durfte das rote Band durchschneiden und damit den Neubau offiziell eröffnen. Diese Ehre hatte sie sich, so Görler, regelrecht verdient. Als es darum ging, das Gelände aufzuräumen und für das Fest „fein“ zu machen, sei sie die erste Freiwillige gewesen, die sich gemeldet habe.

Matthias Frost, der Vorstandsvorsitzender des Evangelisch-Freikirchlichen Diakoniewerks Tabea in Hamburg, war ebenfalls zugegen. In der Planungsphase hatte die Gemeinde überlegt, einen Partner mit an Bord zu nehmen. Frost hat nach Görlers Worten dabei geholfen, ein geschärftes diakonisches Profil zu entwickeln und schließlich die Gemeinde ermutigt, das Projekt auch ohne Partner zu betreiben. Die Hoffnungskirche hat 113 Mitglieder.

Freikirchen und Judentum

„Das Verhältnis der Freikirchen zum Judentum“ war das Thema der Jahrestagung des Vereins für Freikirchenforschung (VFF) am 26. und 27. Mai im Internationalen Tagungszentrum „Karimu“ in Burbach-Holzhausen im südlichen Siegerland an der westfälisch-hessischen Landesgrenze.

Der 70. Jahrestag der Gründung des Staates Israel sei bei den Freikirchen in Deutschland bisher kein Anlass gewesen, sich damit eingehender zu befassen, stellte Dr. Christoph Raedel, 1. Vorsitzender des VFF und Professor für Systematische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule Gießen, bei der Tagungseröffnung fest. Anders wäre es dagegen beim Thema Freikirchen und Judentum. Hierzu gingen die Meinungen auseinander, ob die Erwählung des Volkes Israel durch Gott von Dauer sei oder durch Jesu Tod am Kreuz sein Ende fand, sodass die christliche Kirche an die Stelle Israels trat. Dabei gehe es auch um die Frage, ob sich die Juden als Einzelne oder sogar als Nation zu Jesus bekehren müssten, um in die Kirche integriert zu werden.

Baptisten und Juden

Dr. Dirk Sager, Professor für Altes Testament an der Theologischen Hochschule des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Elstal bei Potsdam, befasste sich mit dem christlich-jüdischen Dialog in evangelisch-freikirchlicher Perspektive. Dazu stellte er eine „Handreichung“ vor, die am 7. Mai 1997 vom BEFG-Bundesrat in Hamburg beschlossen wurde und den baptistischen Gemeinden als theologische Arbeitshilfe dienen soll. Darin wird festgestellt: „Eine ‚Verwerfung‘ oder ‚Verstoßung‘ Israels hat nicht stattgefunden.“ Es wird präzisiert: „Gott hat seinen Bund mit Israel nicht gekündigt, sondern durch Verheißung erneuert und in Christus bestätigt.“ Die Handreichung befasst sich weiter mit den Abschnitten „Juden und Christen – was uns verbindet“, „Grenzen des Dialogs“, „Die Lehren aus der Geschichte“ sowie „Konkretionen zum Dialog zwischen Juden und Christen“.

Evangelikale Bewegung und Judentum

Dr. Gerhard Gronauer, evangelisch-lutherischer Pfarrer in Dinkelsbühl und Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte an der CVJM-Hochschule Kassel, hielt ein Referat über das Verhältnis der deutschen evangelikalen Bewegung nach 1945 zum Judentum. Schon vor der NS-Zeit habe es in freien Werken der Gemeinschaftsbewegung sowie in Freikirchen antisemitische Tendenzen gegeben. Davon sei auch nach dem 2. Weltkrieg noch bei Erich Sauer etwas zu spüren gewesen. Er habe sich darüber gewundert, dass Gott im Alten Testament gerade Israel, eine angeblich minderwertigere Rasse, erwählte. Per Faye-Hansen sah dagegen in der Gründung des Staates Israel ein Wirken Gottes. Erich Schnepel erwartete die Bekehrung aller Juden in Israel zu Jesus. Das glaubte Heinrich Wiesemann nicht. Er war davon überzeugt, dass die Juden von Gott verworfen seien. Der Sechstagekrieg 1967 mit der Eroberung Ostjerusalems und des Westjordanlandes durch das israelische Militär habe unter den Evangelikalen eine „Israel-Euphorie“ hervorgerufen. Sie sahen in dem Ereignis die Erfüllung biblischer Prophezeiungen und spekulierten über das Ende der Welt sowie die Wiederkunft Jesu. In den 1980er Jahren hätte in der westdeutschen Bevölkerung eine Offenheit geherrscht, sich mit dem Holocaust zu befassen, sodass es inzwischen auch unter Evangelikalen eine Bereitschaft zum christlich-jüdischen Dialog gebe.

Messianische Juden
Dr. Hanna Rucks, evangelisch-lutherische Pastorin in Harpstedt/Landkreis Oldenburg, sprach über das Selbstverständnis und die kirchliche Selbstverortung der messianischen Juden. Bei ihnen handele es sich um Juden, die an Jesus als den Messias Israels glauben. In den USA würden 90 Prozent der Juden, die an Jesus glauben, sich selbst nicht als messianische Juden bezeichnen. In Deutschland wäre dies wohl ähnlich. Die messianisch-jüdischen Gemeinden könnten von ihrer Organisationsform, ihren Überzeugungen und theologischen Inhalten, ebenso wie von ihrer Geschichte, als „Freikirche“ gewertet werden. Doch sprächen drei Aspekte dagegen: Die Bedeutung des Staates Israel, die Distanz zum Kirchenbegriff und die Absage davon, eine „Denomination“ unter vielen anderen zu sein, so Rucks.

Privatdozentin Dr. Stephanie Pfister, Lehrbeauftragte an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, befasste sich ergänzend mit Konversion und Glaubensleben messianischer Juden in Deutschland. In der Bundesrepublik gebe es von ihnen 40 Gemeinden und Gruppen mit etwa 1.000 regelmäßigen Gottesdienstbesuchern. Davon wären knapp 600 tatsächlich messianische Juden, die zu 95 Prozent aus der ehemaligen Sowjetunion stammten. Die Gemeinden zeichneten sich durch jüdische Elemente im Gottesdienst aus.

Altlutherisches Zeugnis unter den Juden
Dr. Volker Stolle, Mannheim, emeritierter Professor für Neues Testament der Lutherischen Theologischen Hochschule Oberursel, hielt den Vortrag „Das Zeugnis der altlutherischen Kirche unter den Juden“. In der altlutherischen Kirche schlossen sich jene lutherischen Gemeinden in Preußen zu einer vom Landesherrn unabhängigen Kirche zusammen, welche die 1817 erfolgte Union zwischen lutherischen und reformierten Gemeinden nicht akzeptierten. Erst 1841 wurden die Altlutheraner staatlich geduldet. 1972 schloss sich die altlutherische Kirche in der Bundesrepublik und 1991 auch in Ostdeutschland der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) an.

Für die Altlutheraner sei laut Stolle die Einstellung Martin Luthers zu den Juden entscheidend gewesen. Der Reformator habe die Ansicht vertreten, dass nach Jesu Tod und Auferstehung zu Pfingsten die Zeit der apostolischen Kirche ohne Bindung an ein bestimmtes Volk als das geistliche Reich Christi begann. Damit sah Luther einerseits alle jüdischen Erwartungen aufgehoben oder erfüllt und andererseits auch diejenigen Heilszusagen eingelöst, die Gott den Völkern außerhalb Israels gemacht hatte. Keineswegs seien für Luther die Juden damit aus der Kirche hinausgedrängt. Vielmehr könne nach seiner Überzeugung ihr eigentlicher, ihnen von Gott bestimmter Platz nur innerhalb der christlichen Kirche sein. Deshalb hatten die Altlutheraner bei ihrer Mission nicht nur die heidnischen Völker im Blick, sondern auch die Juden. Dies war umso selbstverständlicher, als in Preußen eine Reihe der Pastoren der Evangelisch-Lutherischen Kirche vorher in der „Judenmission“ tätig gewesen sei.

Marienschwesternschaft und Israel

Einen Einblick in die Wandlung der Israel-Theologie der Evangelischen Marienschwesternschaft in Darmstadt gab der Pfarrer und Wissenschaftliche Referent am Konfessionskundlichen Institut des Evangelischen Bundes Bensheim, Dr. Dirk Spornhauer. Die Mitbegründerin der Schwesternschaft, Klara (Basilea) Schlink, habe eine besondere Heiligungstheologie entwickelt. Zu ihr gehörte die Vorstellung, dass Gott ganz bewusst negative Erfahrungen („Prüfungen“) den Christen schicke, damit diese lernten, in ihr böses Herz hineinzuschauen und zu erkennen, dass sie Erlösung nötig haben. Sünde verunehre Gott, deshalb müsse dafür Buße getan werden. Schlink habe das Volk und den Staat Israel gleichgesetzt. Da die Deutschen eine kollektive Schuld an den Juden begangen hätten, müssten sie jetzt dem Volk Israel mit tätiger Liebe begegnen. Später rief sie dazu auf, dass kleine Gruppen innerhalb der Christen und Juden hierbei den Anfang machen müssten, um dem drohenden Gericht Gottes zu entgehen. Ab 1967 ging es ihr um den einzelnen Menschen in seiner Beziehung zu dem Messias. Da Gott über die Sünde Schmerzen empfinde, gelte es ihn zu trösten und eine „Klagetrösterschar“ zu bilden.

Heute bemühten sich die Marienschwestern, so Spornhauer, einige Besonderheiten im Leben und der Lehre der Gemeinschaft zu relativieren oder abzulegen, die auf theologische Prägungen der Gründerinnen zurückzuführen seien. Diese hätten teilweise zu einer jahrzehntelangen Isolation der Schwesternschaft in weiten Teilen der evangelischen Welt geführt.

Siebenten-Tags-Adventisten und Juden
Auf den ersten Blick gebe es einige Gemeinsamkeiten zwischen Adventisten und Juden, die auf eine besondere Beziehung schließen ließen, stellte Dr. Johannes Hartlapp, Dozent für Kirchengeschichte an der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg, in seinem Vortrag „Verwandt – ähnlich – ungleich? Die Adventisten und ihre jüdischen Geschwister“ fest. Adventisten feiern den Sabbat von Freitagabend bis Samstagabend und sie lehnen unter anderem den Genuss von Schweinefleisch ab. Doch der Eindruck täusche. Die Feier des Sabbats hätten die Adventisten von den im 17. Jahrhundert in England entstandenen Siebenten-Tags-Baptisten übernommen. Zwar würden Adventisten die Ernährungsvorschriften in 3. Mose 11 beachten, doch dies sei mehr unter dem Einfluss der „Temperance Bewegung“ in den USA im 19. Jahrhundert geschehen, bei der es um eine gesunde Lebensweise ging. Heute gebe es viele Adventisten, die vegetarisch lebten und kein Fleisch äßen. Die altkirchliche Ansicht, dass Israel durch Jesu Tod nicht mehr Gottes Volk, sondern durch die christliche Gemeinde, bestehend aus Juden und Heiden, abgelöst worden sei, werde auch von Adventisten vertreten.

Als es auch in Deutschland Adventisten gab, hätten sie sich um eine sabbatfreie Arbeitsstelle bemüht und gern bei Juden gearbeitet. Wenn möglich hätten Adventisten ihre Kinder auch auf jüdische Schulen geschickt, weil dort der Samstag unterrichtsfrei war. Die Zahl der Adventisten jüdischer Herkunft sei aber auch in der NS-Zeit gering gewesen. Da im „Dritten Reich“ Adventisten unterstellt worden sei, „Neujuden“ zu sein, wären sie auf Distanz zum Judentum gegangen. Sie behaupteten, der Sabbat wäre kein jüdischer, sondern ein christlicher Feiertag und bezeichneten den Sabbat nur noch als „Ruhetag“. Einerseits hätten einzelne Adventisten damals Juden versteckt und ihnen das Leben gerettet, andererseits sei es in adventistischen Gemeinden zum Ausschluss von jüdischen Mitgliedern gekommen. 2005 äußerten die adventistischen Freikirchenleitungen in Deutschland und Österreich in einem gemeinsamen Schuldbekenntnis: „Wir beklagen zutiefst …, dass auch viele Siebenten-Tags-Adventisten an der Not und dem Leid ihrer jüdischen Mitbürger keinen Anteil nahmen… [und] dass Mitbürger jüdischer Herkunft von uns ausgegrenzt und ausgeschlossen, sich selbst überlassen und so der Gefangenschaft, Vertreibung oder dem Tod ausgeliefert wurden.“

Seit einigen Jahren bemühten sich in den USA adventistische Theologen jüdischer Herkunft die Distanz zwischen Adventisten und Juden zu überwinden. 2006 gründete die Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) der Siebenten-Tags-Adventisten ein „Jüdisch-Adventistisches Freundschaftszentrum“ in Jerusalem (heute in Paris), um das weltweite Judentum näher kennenzulernen. Auch in der Theologischen Hochschule Friedensau sei es laut Hartlapp zu Begegnungen mit jüdischen Landesrabbinern und auch mit messianischen Juden gekommen.

Verein für Freikirchenforschung

Die VFF-Jahrestagung schloss mit dem Beitrag von Dr. Andreas Liese, Bielefeld, „‘Zum Fluch für die Nationen gesetzt‘? Die Geschlossenen Brüder und ihr Verhältnis zum jüdischen Volk“. Die in Burbach-Holzhausen gehaltenen Referate werden im Jahrbuch des Vereins für Freikirchenforschung dokumentiert, das 2019 erscheinen soll. Der VFF wurde 1990 gegründet und hat gegenwärtig 175 Mitglieder.

Neue BEFG-Datenschutzordnung verabschiedet

Angesichts des bevorstehenden Inkrafttretens der Datenschutz-Grundverordnung der EU (DS-GVO) stand das Thema Datenschutz auch bei der Bundesratstagung vom 9. bis 12. Mai auf der Tagesordnung. Die Delegierten verabschiedeten eine neue Datenschutzordnung (DSO), die für alle Gemeinden des BEFG anstelle der DS-GVO gilt, mit dieser jedoch in Einklang steht. In einem Bundesratsforum war es zuvor darum gegangen, was Gemeinden nun verstärkt zu beachten haben. Ein wichtiger Punkt: Ab der kommenden Woche sollte die neue Muster-Datenschutzerklärung für alle Internetseiten von Gemeinden verwendet werden.

Im dem Forum betonte BEFG-Datenschutzbeauftragter Prof. Dr. Rainer Rumpel, Datenschutz sei kein Selbstzweck, und eigentlich sei der Begriff auch missverständlich. Denn es gehe im Kern nicht um den Schutz von Daten, sondern um den Schutz von Menschen vor missbräuchlicher Verwendung ihrer Daten. Unter dem Vorzeichen der gottgegebenen Würde jedes Menschen sollten gerade Christen dies unterstützen und einen Beitrag zum Schutz persönlicher Daten und damit der Persönlichkeitsrechte leisten. Rumpel stellt heraus, es sei nicht nur eine Last, sondern vor allem ein Privileg, dass der BEFG als Körperschaft des öffentlichen Rechts seine Angelegenheiten – innerhalb der geltenden Gesetze – selbstständig ordnen und verwalten kann. Insofern sei die DSO auf den Gemeindebund optimal zugeschnitten. Die im Anschluss an das Forum im Bundesratsplenum verabschiedete DSO gilt ab dem 24. Mai 2018. Ab diesem Tag steht sie voraussichtlich auch zum Download bereit steht.

Im Forum ging Rainer Rumpel anhand einer Präsentation auch der Frage nach, was die neue DSO nun für die Gemeinden bedeutet. Die Präsentation steht hier zum Download bereit und kann Gemeinden als Arbeitshilfe dienen. Ein wichtiger Punkt sei, so Rumpel, dass Gemeinden in bestimmten Fällen eine Datenschutz-Folgenabschätzung treffen müssten. Es gelte, das Risiko zu erkennen und zu bewerten, das durch die personenbezogene Datenverarbeitung entstehe. Dabei gehe es konkret um das Risiko, dass das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung durch die Datenverarbeitung beeinträchtigt wird. Anhand eines typischen Beispiels aus der Gemeindearbeit konkretisierte Rumpel, wie eine Folgenabschätzung durchgeführt werden kann. So stellte er die einzelnen Punkte vor, die Gemeinden bedenken müssen, wenn sie mit einem Mitgliederverzeichnis arbeiten. Rumpel ging auch auf das sogenannte „Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten“ ein, in dem alle Aktivitäten detailliert beschrieben werden, bei denen mit Personendaten gearbeitet wird. Diese Zusammenstellung sei formal zwar erst in vollem Umfang erforderlich, wenn eine Stelle des Bundes mindestens 50 Beschäftigte hat. „Allerdings ist das Verzeichnis eine wichtige Hilfe bei Datenschutz-Folgenabschätzungen und sollte deshalb im vollen Umfang aufgestellt werden“, so Rumpel. Zwingend erforderlich sei das Verzeichnis, wenn eine Gemeinde besonders schützenswerte Daten (Beispiel: Gesundheitsdaten) verarbeitet, die Verarbeitung nicht nur gelegentlich erfolgt oder wenn eine Videoüberwachung erfolgt.

Auch die technische Seite stellt ein wichtiges Handlungsfeld des Datenschutzes dar, wie im Forum deutlich wurde. Die Festplatten von Rechnern, mit denen personenbezogene Daten verarbeitet werden, müssen in der Regel verschlüsselt werden – ebenso alle anderen verwendeten Datenspeicher wie USB-Sticks oder Speicherkarten. Zudem werden auch auf Internetseiten oft personenbezogene Daten verarbeitet, und Gemeinden haben dafür Sorge zu tragen, dass die technischen Sicherungsmaßnahmen den Anforderungen des Datenschutzes genügen, insbesondere dem Stand der Technik entsprechen. Zudem wird allen Gemeinden geraten, die Muster-Datenschutzerklärung auf ihre Gemeinde anzupassen und spätestens ab dem 24. Mai auf der Startseite unter dem Stichwort „Datenschutz und Nutzungsbedingungen“ zu verlinken. Die Muster-Datenschutzerklärung wird spätestens ab dem 22. Mai unter dieser Meldung sowie auf der Internetseite zum Datenschutz bereitstehen.

Der BEFG wird in nächster Zeit weitere Informationen zum Thema Datenschutz herausgeben, schwerpunktmäßig im wöchentlichen Newsletter BUND kompakt. Die BEFG-Gemeinden werden gebeten, auf diese Veröffentlichungen zu achten.

Kaufmännischer Geschäftsführer: „Gutes Jahr, hart erarbeitet!“

„Es war ein gutes Jahr, dessen Haushaltsergebnis hart erarbeitet werden musste.“ Dieses Fazit zog Volker Springer, kaufmännischer Geschäftsführer des BEFG, bei der Vorstellung des Haushalts 2017. Mit einem Überschuss von 36.600 Euro konnte der Haushalt abgeschlossen werden. Das liege an der hohen Kostendisziplin, die alle Dienstbereiche und Arbeitsgebiete im letzten Jahr gezeigt hätten. Auch seien gezielt Gelder eingespart worden: „In nahezu allen Ausgabepositionen blieben wir unter den Haushaltsansätzen“, sagte Springer. Ein besonderes „Dankeschön“ gelte den Gemeinden, die den jährlichen Mitgliedsbeitrag, den Bundesbeitrag, in voller Höhe bezahlt und darüber hinaus noch weitere Spenden, das Bundesopfer, für die Arbeit des Bundes gegeben hätten. „Bitte bleibt dran und lasst nicht nach“, bat Volker Springer die Gemeinden, denn Bundesbeitrag und Bundesopfer seien die Grundlage für solides Arbeiten: „Wir brauchen hier dringend ein stabiles Fundament, um die vielfältigen missionarischen und diakonischen Projekte, die wir bundes- und weltweit haben, unterstützten und begleiten zu können.“

Besonders erfreut zeigte sich der kaufmännische Geschäftsführer über viele Spenden für die Schuldentilgung des Bundes. Auf Anregung einiger Abgeordneter des Bundesrates im vergangenen Jahr war ein Zukunftsfonds Schuldentilgung eingerichtet worden. Die Idee dahinter: 10.000 Mitglieder spenden einmalig 1.000 Euro. Innerhalb kurzer Zeit seien dort so viele Spenden eingegangen, „dass wir jetzt zusammen mit unseren Regeltilgungen rund 400.000 Euro von den elf Millionen Euro Schulden tilgen konnten“, freute sich Springer.

Der Haushaltplan 2018 wurde mit nur zwei Enthaltungen vom Bundesrat angenommen. In diesem Zusammenhang appellierte der Vorsitzende des Finanzausschusses Martin Grapentin noch einmal eindringlich an die Gemeinden, das Bundesopfer fest als Spende in ihren Haushalt einzuplanen: „Spendet uns keinen Trost, sondern tröstet uns mit einer Spende“, sagte er.

Der Bundesbeitrag pro Mitglied und Jahr wurde von den Abgeordneten für das Jahr 2019 um 2,50 Euro auf 65,50 Euro für die neuen Bundesländer bzw. um 1,50 Euro auf 67,50 Euro für die alten Bundesländer erhöht. Die für das Jahr 2018 festgelegte Zweckbindung von einem Euro für den Schuldenabbau entfällt ab dem Jahr 2019. Dafür solle, so lautet der Beschluss, „für die Dauer von fünf Jahren jeweils 1,50 Euro für die anteilige Übernahme der für die Stabilisierung der RGO erforderlichen Sanierungsbeiträge zweckbestimmt“ sein. Dies war notwendig geworden, weil die BEFG-eigene Versorgungskasse (Ruhegeldordnung, RGO) neu aufgestellt werden muss: „Wie andere Versorgungswerke auch sind wir betroffen vom demographischen Wandel, der ein verschlechtertes Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern verursacht“, erklärte Volker Springer, hinzu käme die negative Zinsentwicklung, sodass umfangreiche Stabilisierungsmaßnahmen erforderlich seien. Das Ziel müsse nun sein, die „Leistungsfähigkeit der RGO für die kommenden Jahrzehnte abzusichern.“ Über Diskussion und Beschlüsse zu dieser Thematik wird im BEFG-Newsletter BUND kompakt am 24. Mai etwas ausführlicher berichtet. 

Inspiriert leben auf der Bundeskonferenz

Etwas ist anders an diesem Himmelfahrtswochenende. Zwar ist wie (fast) immer die Bundeskonferenz des BEFG zu Gast in Kassel. Und wie fast immer füllen auch genug notwendige, aber eben auch trockene Themen die Tagesordnung: Datenschutzordnung, die Ordnung für rechtlich selbständige Einrichtungen im Status der Bekenntnisgemeinschaft mit dem BEFG, die Sanierung der Ruhegeldordnung und die lieben Finanzen. Erstaunlich ist aber, dass an diesem Donnerstag fast nichts davon auf dem Programm steht. Stattdessen lese ich „Markt der Möglichkeiten“ und immer wieder „INSPIRIERT LEBEN“.

Es gibt Erzählcafés, Workshops, verschiede Räume der Andacht und Stille, Mitmachaktionen und auch außer Haus sind Straßenexerzitien und Gebetsspaziergänge sowie eine Exkursion zur Kasseler Synagoge geplant. Und das ist schon die erste erlebte Inspiration für mich: Christus kann auf enorm vielfältige Weise für mich Gestalt gewinnen. ###3_IMAGES### Dem gehe ich mal genauer nach. Im Kolonadensaal 1 treffe ich Holger Huhn, der in seinem Workshop der Frage nach Musik und Inspiration nachgeht. Er fragt die Runde der Teilnehmenden nach ihren Zugängen zur Musik und erläutert biografisch, wie ihm Musik in herausfordernden Zeiten schon in seiner Kindheit zum Halt und zur Kraftquelle geworden ist. Dass er ursprünglich mal Musik studieren wollte, nach Intervention des Vaters dann aber doch irgendwie Kaufmann wurde. Und in seiner Handelsvertretung nun Klaviere & Flügel verkauft. Nach dem Austausch lädt er die Teilnehmenden ein, verschiedene geistliche Lieder zu hören und darauf zu achten, was sie in ihnen auslösen. Dabei fordert er ausdrücklich dazu auf, nicht mitzusingen, sondern sie auf sich wirken zu lassen. Er selbst berichtet von seinen Erfahrungen, von musikalischen Pausen bei wichtigen Entscheidungen, auch im Kontext der Gemeindeleitungsarbeit. Inspiration braucht offenbar Pausen und Musik kann helfen, Blockaden zu überwinden. 

Ich setze meine Reise fort und finde drei Räume weiter Dr. Stefan Stiegler, der in seinem Erzählcafé über „Spiritual Care- der Glaube als Energiequelle im Beruf“ spricht. Stiegler erläutert dies anhand von Praxisbeispielen aus dem Klinikalltag des Albertinen-Diakoniewerks. Gerade in emotionalen Extremsituationen sei es eine große Hilfe, auf Rituale zurückgreifen zu können, die über die sachliche Reflektion hinausgingen. Dabei gelte es, die individuellen spirituellen Zugänge der Mitarbeitenden aufzunehmen, die keineswegs auf freikirchlich-christliche Spiritualität beschränkt seien. Am Beispiel einer „existentiellen und spirituellen Fallbesprechung„ wird deutlich, dass Überforderung und Nöte auch im Arbeitsalltag einen Raum brauchen, in dem sie ausgesprochen oder ausgedrückt werden können. Dieser Raum kann dann auch zu einem Ort der Inspiration und Kraft werden, ganz so, wie wir es in den Psalmen Davids lesen können.

Lieder sind auch ein Thema im Nachbarsaal, wo Dagmar Lohan im angeregten Gespräch mit ihren Gästen der Frage nachgeht, ob die gelebte Spiritualität eher Brücke oder Graben im Miteinander der Generationen ist. Obwohl die Anwesenden der Meinung sind, dass gerade im Blick auf die spirituellen Ausdrucksformen mitunter unvereinbare Bedürfnisse aufeinanderprallen, finden sie dennoch eine Vielzahl von Möglichkeiten, Brücken zu bauen. Wo unterschiedliche Menschen miteinander im Gespräch sind, weitet sich der Horizont und aus Gegensätzen werden Schätze. Manchmal hilft es dabei, eine Generation zu überspringen. So seien die Glaubenserfahrungen der Großelterngeneration für Teenager und Jugendliche oft wieder wertvoll und inspirierend, während gleichzeitig das Gespräch mit den Eltern eher schwierig anmutet. Überhaupt fällt auf, dass es in den verschiedenen Beiträgen immer wieder um Zeit geht. Wo wir uns keine Zeit nehmen, kann weder Miteinander noch Inspiration wachsen. ###3_IMAGES### Ich nehme mir nun die Zeit, Hanna Buiting in Kolonnadensaal 3 zu besuchen. Die Wortkünstlerin, Bloggerin und Journalistin nennt ihren Workshop vielversprechend: „Wohin willst du gehen? - Schreibwerkstatt zu existentiellen Fragen des Lebens.“ Ich finde eine ausgesprochen stille Runde aus sehr konzentrierten Menschen vor. Hier wird geschrieben, geschnippelt und gedruckt. An verschiedenen Tischen finden sich Anleitungen, Beispiele und Materialien dafür wie Gefühle, Gedanken und Erlebnisse Ausdruck und Gestalt finden können. Die Ruhe, die hier herrscht, tut gut. Tatsächlich ist es fast lautlos. Und der Raum dabei voller Energie. Ich begreife, dass existentielle Fragen mitunter einen anderen Weg an die Oberfläche brauchen, als gesagt zu werden. Es beeindruckt mich zutiefst, die Menschen hier bei der Arbeit zu sehen. Ich kenne die existentiellen Themen nicht, die sie hier beschäftigen, aber sie wirken zufrieden, gelöst, inspiriert: ...

... Erfahrungen, die Menschen in Kirchen und Gemeinden allzu oft nicht mehr machen. „Warum ist Spiritualität so in und Kirchen so out, Herr Faix?“ war schon der Titel des Referats im Plenum an diesem Morgen. Im Erzählcafé lädt der Professor für praktische Theologie und Gemeindepädagogik der CVJM-Hochschule zum Erfahrungsaustausch in dieser Frage. So kommt es zu einer regen Diskussion über Wege, wie Kirchen und Gemeinden wieder auf die Spur der Suchenden und Interessierten kommen, wegen derer es sie ja eigentlich gibt. Faix verweist am Beispiel des Fußballfan-Gesprächs darauf, dass es darauf ankommt, sich selbst klar zu sein, was einem wichtig ist. „Wenn der andere merkt, dass wir beide für den Fußball brennen, dann nimmt er mir auch ab, wenn ich auch für den Glauben brenne. Menschen suchen im Gespräch immer den Anknüpfungspunkt, aber wenn dieser gefunden ist, respektieren sie auch Fremdes, wenn es dem Gesprächspartner auf dem Herzen brennt.“ So könne es übrigens extrem lehrreich sein, bei der Vorbereitung von Gottesdiensten und Veranstaltungen tatsächlich mal tatsächlich alle(!) zu beteiligen. Also auch die Eingeladenen. Am Ende komme es darauf an, Gott zuzutrauen, dass er auch durch unser (begrenztes) Ausprobieren hindurch zu den Menschen reden kann. ###3_IMAGES### Ausprobieren würde ich gerne noch viel mehr auf diesem Markt der Möglichkeiten. Tatsächlich habe ich nur einen Bruchteil der Angebote aufsuchen können. Es gab noch viel mehr: Vom Alltagsbeter bis zum Taizégebet, vom Praying in Color bis zum Trauerlabyrinth, dem Predigen mit Bildern und den Perlen des Lebens. Um nur einige der von mir ausgelassenen Angebote zu nennen.

Es inspiriert mich, dass es so viele Wege gibt, wie Menschen in ihrem Glauben Inspiration erfahren. Es begeistert mich, dass Christus auf so vielfältige Weise Gestalt gewinnen kann. Denn all diese Vielfalt der Möglichkeiten drückt eines nicht aus: Beliebigkeit. Vielmehr geht es um einen Horizont, der einfach größer ist als meine Erfahrung.

Das Jahresthema „INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“ wird mich herausfordern, neu zu lernen, persönliche und gemeinsame Wege zu finden, um mich von Christus inspirieren zu lassen. Und wertzuschätzen, dass andere ganz andere Wege finden, auf die ich nie gekommen wäre. An diesem Himmelfahrtstag jedenfalls bin ich schonmal beeindruckt, begeistert und beglückt. Mit diesem Vorzeichen werden auch die trockenen notwendigen Themen auf der Tagesordnung ihren Schrecken verlieren. Das könnte ja auch ein Modell für meinen Alltag werden…

„Warum ist Spiritualität in und Kirche out“

Spiritualität boomt! Studien belegen einen gesellschaftlichen Trend hin zur Sinnsuche und einem geistigen Leben, gleichzeitig erleben die großen Kirchen hohe Austrittszahlen, und auch viele Freikirchen kämpfen mit stagnierenden Mitgliederzahlen. Wie kommt es, dass eben jene Institutionen, die über Jahrhunderte das geistliche Leben in Europa prägten, solche Schwierigkeiten haben, die sinnsuchende Gesellschaft mit ihrer Botschaft zu erreichen? Dieser Frage widmete sich Tobias Faix, Professor für Praktische Theologie an der CVJM-Hochschule in Kassel, in seinem Vortrag „Warum ist Spiritualität in und Kirche out?“

Grundlegend sei die Beobachtung eines gegenwärtig stattfindenden Paradigmenwechsels, so Faix. Globalisierung, Digitalisierung, Individualisierung und eine gesellschaftliche Pluralisierung zeugten von „soziokulturellen Umbrüchen von großer Tragweite“. Bisherige Denk- und Wertesysteme würden heute in Frage gestellt und gäben vielen Menschen keinen Halt mehr. Habe das Christentum über lange Zeit die Deutungshoheit in den existenziellen Fragen des Lebens gehabt, so konkurriere es heute mit einer Vielzahl an Religionen und Philosophien. Existenzielle Fragen wie „Was ist das gute Leben? Was gibt Sinn und Halt?“ hätten in diesem Werte-Vakuum eine hohe Bedeutung, im Dschungel der Meinungen und Möglichkeiten nehme die Gesellschaft feste Glaubenswahrheiten und Dogmen jedoch als überholt und einengend wahr. Jugendliche, so Faix, „sehen sich verschiedene Entwürfe an und greifen sich das heraus, was ihnen subjektiv hilft und Sinn gibt.“ Wahrheit werde als das verstanden, was dem Individuum subjektiv guttut. Wichtig sei nicht mehr, was ich glaube (Glaubensinhalt), sondern wie ich glaube (Haltung und Praxis). Dabei könne es auch zur Vermischung verschiedener religiöser Elemente kommen („Patchwork-Religion“).

Um die Situation der Kirchen in diesem neuen Kontext zu verdeutlichen verwendete Faix das Bild einer Brücke, die neben einem Fluss steht, der seinen Flusslauf geändert hat: „Wir können die Brücke renovieren und schön anmalen, zum Beispiel durch modernen Lobpreis. Die Brücke führt dennoch nicht mehr über den Fluss.“ Stattdessen müssten wir unsere bisherigen Dogmen und Lehren hinterfragen, um die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit zu erreichen. Konkret wurde Faix bei klassischen Formen der Verkündigung. So sei beispielsweise die Rede von Schuld und Vergebung vielen Menschen fremd, da kein Schuldbewusstsein vorliege. Der Begriff Sünde werde als ethisch-bevormundend wahrgenommen und auch Kampfesmetaphorik, zum Beispiel der Kampf Gut gegen Böse, entspreche nicht dem pluralistischen Zeitgeist. Diese biblischen Botschaften seien für die Menschen von heute nicht mehr verständlich. Es bedürfe daher neuer Wege der Verkündigung, um die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit zu erreichen, so Faix. Gerade in der Leistungsgesellschaft seien die Themen Scham und Ausgrenzung hochaktuell. Der Mensch werde durch seine Arbeit, sein Aussehen oder seinen Verstand beurteilt, wie befreiend sei da die Rede von der bedingungslosen Annahme Christi und die gelebte Annahme von Menschen jeglicher Herkunft in den Ortsgemeinden. Christen sollten „die Sprengkraft des Kreuzes nutzen“, um bei und mit den Menschen zu sein und „anfassbar“ zu werden. Kirche dürfe nicht darin bestehen, innerhalb der eigenen vier Wände die immergleichen Dogmen rauf- und runter zu beten. Stattdessen sollten Christen ihr Umfeld sehr aufmerksam beobachten, zuhören und auf die Lebenswelt der Menschen eingehen. Es gehe nicht darum, das eigene Verständnis der biblischen Botschaft zu relativieren, sondern durch eine Haltung der Offenheit das Evangelium neu vorzuleben und verständlich zu machen. Dass dabei auch Altes hinterfragt und neu durchdacht wird, solle nicht als Gefahr verstanden werden, sondern als Aufgabe, das Evangelium lebendig in einen neuen Kontext einzupflanzen.

„Nein zu Rüstungsexporten in Krisengebiete“

Der Bundesrat des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) hat heute in Kassel mit überwältigender Mehrheit eine Resolution verabschiedet, die sich gegen Waffenexporte in Krisengebiete sowie für zivile Konfliktlösungen und eine verstärkte Bekämpfung von Fluchtursachen ausspricht. Die Initiative für die Resolution war von Delegierten des Kirchenparlaments ausgegangen, als Reaktion auf eine Rede von BEFG-Präsident Michael Noss und Generalsekretär Christoph Stiba. Diese hatten, anlässlich des 50. Todestags des Baptistenpastors Martin Luther King, die Bürgerrechtlerin Rosa Parks als Vorbild beschrieben.

Durch ihr Nein, im Bus ihren Platz für einen Weißen zu räumen, habe Parks 1955 andere ermutigt, „aufzustehen und sich gegen Unrecht auszusprechen“, so beginnt die Resolution. Heute sei es wieder an der Zeit aufzustehen: „Als Christinnen und Christen sehen wir den Menschen als Ebenbild Gottes an und setzen uns ein für die Würde aller Menschen. Darum sagen wir Nein zu Krieg und Gewalt. Wir sagen Nein zu Rüstungsexporten in Krisengebiete. Wir sagen Nein zum Export sogenannter Kleinwaffen.“ Der Bundesrat fordert, „Konflikte gewaltfrei zu lösen.“ Waffenlieferungen trügen dazu bei, die Spirale der Gewalt weiter zu beschleunigen. „Wir fordern, politische und finanzielle Ressourcen vorrangig in die friedliche und zivile Konfliktbearbeitung zu investieren“, so der Resolutionstext.

Die Resolution hebt hervor, dass sich die BEFG-Gemeinden „in hohem Maße in der Flüchtlingshilfe“ engagierten. „Dabei begegnen wir Menschen, die am eigenen Leib Krieg, Angst und Terror erfahren haben. Wir leiden mit ihnen.“ Mit einem Zitat Martin Luther Kings macht die Resolution deutlich, dass es nicht ausreiche, der „barmherzige Samariter zu sein für alle die, die am Wege liegen geblieben sind.“ Vielmehr gelte es zu „begreifen, dass die ganze Straße nach Jericho anders gebaut werden muss, damit nicht fortwährend Männer und Frauen geschlagen und ausgeraubt werden.“ In diesem Sinne sei es, so die Resolution, „dringend erforderlich, verstärkt Fluchtursachen zu bekämpfen, damit nicht noch mehr Menschen diese leidvollen Erfahrungen machen müssen.“ Besonders besorgt sei man über die aktuelle Eskalation der Gewalt im Nahen Osten.

 In seiner gemeinsamen Rede mit Generalsekretär Christoph Stiba hatte BEFG-Präsident Michael Noss hervorgehoben, man dürfe sich von gesellschaftlichen Fehlentwicklungen nicht entmutigen lassen, sondern müsse wie damals Rosa Parks aufstehen. „Heute fordern uns manche Entwicklungen wie etwa der zunehmende Antisemitismus gigantisch heraus, aber Rosa Parks hat gezeigt, dass ein einzelnes Nein eine Bewegung auslösen kann.“

Im Gebet der Seele ein Zuhause geben

Sich den Widrigkeiten des Lebens stellen, sich mit seinem ganzen Leben Gott anvertrauen und ehrlich beten – das waren die Tipps, die Pater Nikodemus Schnabel von der Benediktinergemeinschaft in Jerusalem den Gästen und Delegierten der BEFG-Bundesratstagung mit auf den Weg gegeben hat.  

Zum Thema „INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“ war der katholische Mönch als Eröffnungsredner eingeladen worden, um den Baptistinnen und Baptisten sowie den Mitgliedern der Brüdergemeinden Einblick in die Spiritualität einer anderen Konfessionsfamilie zu geben.

Wer sich der Frage stellen wolle, „was der Seele ein Zuhause gibt“, wie es im Titel des Vortrags hieß, müsse erst einmal die drei Triebkräfte ausmachen, die die „Seele vieler Menschen so unbehaust“ sein ließen, sagte Pater Nikodemus. Dies seien der Leistungsdruck, dem sich viele ausgesetzt fühlten, die Sorge der Menschen um das, was andere von ihnen hielten, und dass sich Menschen oftmals über das definieren, was sie besitzen. Wenn man selbst einmal die Maske abnehme, so Schnabel, und erforsche, warum man gestresst, traurig oder zynisch geworden ist, so stecke sicher eines dieser drei Grundprobleme dahinter. Wichtig sei es, dies zu erkennen und sich dann „in Gottes Hand fallen zu lassen“. Dabei habe Schnabel bei Christen und Christinnen die Erfahrung gemacht, dass sie auch schwere Schmerzerfahrungen aushielten. Sie sollten aber ehrlich im Gebet sein: „Haben Sie den Mut, das zu Gott zu tragen, was Sie bei sich als unerlöst erleben“, forderte er die Zuhörer und Zuhörerinnen auf, „bringen Sie Sehnsüchte und Wünsche vor Gott, die Sie selbst vielleicht nicht mal zu denken wagen. Gott kann gesund und frei machen.“ Für den Benediktiner selbst sei das Beten von Psalmen sehr hilfreich, „die schon viele Jahrhunderte lang Menschen getröstet haben. Denn Psalmen sind das beste Mittel gegen Selbstmitleid und eine Dehnübung fürs Herz.“

Informationsabend

Das Leben ist ein ständiger Austausch von Transaktionen – soll heißen: von Kommunikation zwischen Menschen. In Organisationen, in Beziehungen, in Gemeinden. Die Transaktionsanalyse ist eine vielseitige Methode, die sich in Seelsorge und Beratungsprozessen gut einsetzen lässt. Sie schult die Selbst- und Fremdwahrnehmung, leitet zu einer wertschätzenden Beziehungsgestaltung an und stellt ein breites methodisches Repertoire bereit, um Gespräche und Prozesse lösungsorientiert zu begleiten. 

Die Evangelisch-Freikirchliche Akademie Elstal bietet in Zusammenarbeit mit Friederike Heinze und Günter Hallstein eine Weiterbildung an, die sich gezielt an Menschen wendet, die in Seelsorge, Diakonie oder sozialen Institutionen tätig sind. 

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