Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

Sich einsetzen für eine gerechtere Welt

Rund 6000 begeisterte Zuschauer erlebten am Samstag die beiden Aufführungen des Chormusicals Martin Luther King in der Alsterdorfer Sporthalle. „Wunderbare Musik, tolle Darsteller und eine Botschaft, die auch heute noch gilt“, urteilte eine Zuschauerin in der Pause. 1354 Sängerinnen und Sänger aus der Region haben das Stück vom Leben und Wirken des schwarzen amerikanischen Bürgerrechtlers in monatelanger Probenarbeit einstudiert und zusammen mit internationalen Musical-Darstellern und einer Big Band aufgeführt. Und sie haben sich anstecken lassen von Kings Traum von einer besseren Welt: Rund um die Hamburger Aufführungen kamen 19.072,23 Euro zusammen für ein Wasserprojekt von Brot für die Welt in Kenia, gespendet vom Chor und dem Publikum.

Matthias Kleiböhmer von der Stiftung Creative Kirche, die das Mitsing-Musical gemeinsam mit kirchlichen Partnern vor Ort auf die Bühne bringt, begrüßt am Abend Christoph Stiba als Schirmherren des Hamburger Chorprojektes und der gesamten Deutschlandtour. Er ist der Generalsekretär des Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland, also der Baptisten- und Brüdergemeinden – auch Martin Luther King war Baptist. Dann wendet Kleiböhmer sich an das Publikum: „Wir laden Sie ein zu einer Zeitreise in das Jahr 1968! In den USA erreicht die Bürgerrechtsbewegung um den Baptistenpfarrer Martin Luther King immer größere Bedeutung. King bezahlt sein Engagement mit dem Leben. Und seine Gefährten stehen vor der Entscheidung: Träumen wir seinen Traum von einer gerechteren Welt weiter? Und geht das – ohne Gewalt?“

Davon erzählt das Chormusical in zwei ebenso bewegenden wie unterhaltsamen Stunden, und das Hamburger Publikum ist restlos begeistert. Gemeinsam mit dem riesigen Chor, den Kleiböhmer den Zuschauern als den Star der Aufführung vorstellt, singen und tanzen internationale Musical-Darsteller auf der Bühne, begleitet von einer Big Band. Sie erzählen vom Werdegang des ehrgeizigen jungen Mannes, wie er seine Frau Coretta kennenlernt und mit ihr eine Familie gründet. Vom Nobelpreis und dem Ku-Klux-Klan, seinem Besuch in West- und Ost-Berlin, von seinen äußeren wie inneren Kämpfen, den Unterstützern und den Widersachern. ###3_IMAGES### Den Projektchor mit Laiensängerinnen und -sängern dirigieren gleich zwei Profis: Manuel Schienke und Micha Keding, beide im Hauptberuf Kantoren für Popularmusik. Sie haben gemeinsam die Proben geleitet und den riesigen Chor auch bei den Aufführungen simultan dirigiert. Manuel Schienke: „Es war ein Fest! Eine so schöne Atmosphäre, und der Chor hat so viel gegeben! Es imponiert mir, wenn Menschen ihrer Freizeit so viel an Kraft und Aufwand opfern, die Texte auswendig lernen, zur Probe kommen und sich begeistern lassen. Es ist ja wirklich was rübergekommen, und das fand ich ganz, ganz toll! Und dann diese Rhythmen…! Schon als ich die CD das erste Mal gehört habe, war ich sofort gefesselt, weil es genau meine Musik ist, diese Mischung aus Motown, Gospel und Funk.“ Auch Micha Keding ist sehr zufrieden: „Schon bei den Proben sang der Chor jedes Mal exakter und hat sich immer besser auf uns Dirigenten eingestellt. Jetzt bei den Aufführungen ist er sagenhaft. Ich bin überhaupt begeistert von dem Konzept, dass heute so viele Leute begeistert gemeinsam in Projekten singen und das immer mehr zum Trend wird. Denn Singen macht glücklich – es ist sogar wissenschaftlich belegt, dass Singen den ganzen Körper zum Schwingen bringt, Glückshormone und andere Botenstoffe ausschüttet und bestimme Hirnareale beeinflusst: Angst zum Beispiel wird beim Singen ausgeschaltet.“

Schirmherr Christoph Stiba, der bereits die Uraufführung des Mitsing-Musicals in Essen erlebt hat: „Die Hamburger Inszenierung ist von der Aussagekraft und der Eindrücklichkeit sehr gelungen, sehr ansprechend. Generell wird Kings Aussage in dem Stück sehr klar, besonders im letzten Lied vor der Pause, wo Martin Luther King von seinem Traum singt und was ihn antreibt, zusammengefasst in dem schönen Satz ,Wer nicht glaubt, wer nicht hoffen kann, ist kein Realist‘. Also, eine Perspektive über die Gegenwart hinaus zu haben und zu sehen: Es kann sich etwas verändern. Damals vor 60 Jahren, als das alles in den USA begann, waren es einige, die sich zusammengetan haben, und dann wurden es immer mehr. Ich glaube, dass es heute immer noch so ist. Ich habe mich umgesehen und gedacht: Mensch, ja. Über 1000 Sängerinnen und Sänger, ganz viele Leute in der Halle. Wir können was bewegen! Es sind ja gar nicht so wenige, wenn die sich mal zusammentun und in diesem Geist, in dem Martin Luther King gelebt hat – im Geist Jesu, möchte ich sagen – ihr Leben gestalten und diese Welt mitgestalten, da kann was draus werden, da kann man ins Träumen kommen.“ ###3_IMAGES### Doch nicht nur Christen machen mit bei diesem Projekt. Hartmut Cohrs ist bekennender Atheist und trotzdem begeistert: „Mich fasziniert die Musik – und das Gesamtprojekt, dass so viele Menschen gemeinsam singen. Ich habe auch schon ein paarmal Gänsehaut bekommen heute, weil das hier eine große Stimmgewalt ist. Bei den kleineren Proben war ich manchmal der einzige Bass.“ Im Foyer stehen drei Frauen, denen man ansieht, dass sie Mutter und Töchter sind. Andrea Foerster hat mitgesungen und ist begeistert: „Wenn man mit so vielen Leuten aus voller Brust singt, das tut einfach gut.“ Auch ihre Mutter Anita (91) hat die Lieder geübt und überlegt mitzusingen. „Dann wäre ich die älteste Teilnehmerin gewesen.“ Schwester Marita ist gerade aus Israel zu Besuch und musste natürlich mit in die Sporthalle. Auch sie wäre gern im Chor gewesen und ist froh, wenigstens die Aufführung mit erlebt zu haben: „Ein tolles Erlebnis!“

Für das aufwändige Chorprojekt haben sich die Stiftung Creative Kirche, der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (Baptisten- und Brüdergemeinden), die Johann-Gerhard-Oncken-Kirche und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zusammengetan. Projektpartner des Chormusicals ist Brot für die Welt. Im Rahmen der Aktion Gospel für eine gerechtere Welt unterstützt das Chormusical Martin Luther King ein Projekt von Brot für die Welt im Norden Kenias, das den Zugang zu sauberem Trinkwasser sichert. Weitere Aktionspartner sind der Versicherer im Raum der Kirchen und die Bank im Bistum Essen. Das Chormusical wird unterstützt durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon. ###3_IMAGES### Das Chormusical ist bis Anfang April bundesweit unterwegs und kommt am 21. Mai auch auf die Bundesratstagung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden nach Kassel.

Seminar für farsisprachige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Dreißig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 15 Gemeinden von Flensburg bis Ingolstadt, Karlsruhe bis Dresden nahmen an dem Seminar teil, das die Evangelisch-Freikirchliche Akademie erstmals anbot.

Viele Gemeinden in Deutschland haben in den letzten Jahren Menschen aus dem Iran und Afghanistan getauft und aufgenommen. Die jungen Christen wollen ihren Glauben vertiefen und sich am Gemeindeleben aktiv beteiligen. ###3_IMAGES###

Da sie aber noch nicht so gut Deutsch können, dass sie von den bisherigen Schulungsangeboten profitieren würden, hat Thomas Klammt, Referent für Integration und Fortbildung im BEFG, dieses neue Programm mit einem Team farsisprachiger Leiter gemeinsam entwickelt. „Es begeistert mich, dass die Menschen, die wir in den letzten Jahren gefördert und ausgebildet haben, jetzt selbst zu Lehrern werden.“ Amir Paryari, Pastor in Mainz, führte die Seminargruppe in Grundlagen des Leitens ein. Dazu gehörte auch eine gesunde Selbsteinschätzung mit Hilfe eines Persönlichkeitsprofils. Omid Homayouni, Pastor im Landesverband Nordwestdeutschland, präsentierte seine Erfahrungen mit der Integration und der deutsch-persischen Gemeindeentwicklung. Außerdem übersetzte er die Bibelarbeit von Thomas Klammt zum Thema: „Inkarnation: Wie Gott Mensch wurde und was das für uns bedeutet“. Azadeh Taghipour (Hannover) leitete die Gruppe musikalisch an, Gott zu loben und anzubeten. Und es gab viel Zeit, sich kennen zu lernen und auszutauschen, über die Erfahrungen der Flucht und des Ankommens in Deutschland, über die unterschiedlichen Gemeindesituationen und die Möglichkeiten, sich darin zu engagieren. ###3_IMAGES###

Am Ende wünschten sich die Teilnehmenden, beim nächsten Mal noch mehr Zeit zum Lernen zu haben. Wiederkommen wollen sie auf jeden Fall. Für das Jahr 2020 sind bereits drei weitere Seminarwochenenden geplant, bei denen dann auch die Pastorinnen Flor Abojalady (Berlin) und Zohreh Niazi Vahdati (Dortmund) mitarbeiten werden.

Grundkurs Mentoring

Vom 17. bis 18. Januar veranstaltete die Evangelisch-Freikirchliche Akademie Elstal in Kooperation mit dem Marburger Bibelseminar und der GGE (Geistliche Gemeinde Erneuerung) das Seminar „Grundkurs Mentoring“.

Was bedeutet eigentlich der Begriff „Mentoring“? Wie lässt er sich von anderen Themenbereichen, wie dem Coaching und der Seelsorge, abgrenzen und inhaltlich füllen? Wie genau sieht die praktische Umsetzung des Mentorings aus und warum ist Mentoring, besonders auch im Kontext der Gemeindearbeit, wichtig?

Diesen und anderen Fragen wurde im  „Grundkurs Mentoring“ nachgegangen. Der mit 31 Teilnehmenden gutbesuchte Kurs war alters- und kontextmäßig bunt gemischt, eine Begebenheit, die die Kursteilnehmer und Kursteilnehmerinnen als große Bereicherung erlebt haben. Denn: Neben einem Überblick und einer theoretischen Einführung in die Grundsätze des Mentorings machten praktische und persönliche Übungen einen großen Bestandteil des Seminars aus. So konnten alle Teilnehmenden in Gruppenübungen erproben, wie Mentoringgespräche geführt werden können, und dafür den Einsatz unterschiedlicher Gesprächstechniken ausprobieren. Diese Art der Selbsterfahrung hat Raum für die persönliche Reflexion geboten und durch den Erfahrungsaustausch auch der Gruppe insgesamt gedient. Die beiden Kursleiterinnen, Christine Faix und Judith Westerheide, haben die theoretischen Inhalte mit eigenen Erfahrungen anschaulich und persönlich vermittelt und dadurch auch Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer inspiriert, im Bereich des Mentorings aktiv zu werden. Das Wochenendseminar war neben den Übungs- und Lerneinheiten gekennzeichnet von einer guten und offenen Kursatmosphäre und intensivem Austausch im Kurs, aber auch bei gemeinsamen Mahlzeiten und Kaffee- und Kuchenpausen.

Die Teilnehmenden lernten, dass es im Mentoring um eine freiwillige und persönliche Eins-zu-Eins-Beziehung geht, in der der Mentor seinen Wissens- und Erfahrungsschatz mit seinem Mentee teilt und somit zu der individuellen Persönlichkeits- und Glaubensentwicklung beiträgt. Dabei wird in andere Menschen investiert und voneinander gelernt. Darüber hinaus werden durch Mentoringbeziehungen auch generationsübergreifende Gemeinschaften, wie es in der Gemeinde der Fall ist, gefördert und gestärkt.

Einen besonderen Dank möchte die Theologische Hochschule Elstal der GGE ausdrücken: Diese hat Studierenden angeboten, den Kursbeitrag zu übernehmen, wodurch es vielen Studierenden der TH Elstal möglich war, am Grundkurs Mentoring teilzunehmen.

Neue Wege in der gegenseitigen Hilfe

Das Entwicklungsteam, das aus dem Thinktank zu den Strukturen des BEFG entstanden ist, hat seine Arbeit aufgenommen. Unter der Leitung von Stefan ter Haseborg ist das Team auf der Suche nach neuen Ideen und Projekten.

Wenn Gemeinden in ihrer Arbeit an ihre Grenzen kommen, gehört es zur Bundesgemeinschaft, sich gegenseitig zu unterstützen. Doch die Bundesstruktur kommt mitunter an ihre Grenzen. Wenn beispielsweise immer mehr Gemeinden das Gemeindeprogramm, das bisher als normal galt, nicht mehr aufrechterhalten, weil es an Mitarbeitenden fehlt. Wie kann die Bundesgemeinschaft hier besser helfen?

Um die Struktur des Bundes zu verändern, hat das Präsidium auf dem Weg zur „Bundesgemeinschaft 2025“ nach dem Thinktank das Entwicklungsteam eingesetzt. Es soll neue Ideen und Projekte ausprobieren, um die Struktur des Bundes gegebenenfalls – nicht auf einmal, sondern in kleinen Schritten – an die Bedürfnisse und Herausforderungen von Gemeinden und Landesverbänden sowie an die gesellschaftlichen Veränderungen anzupassen.

Zum Entwicklungsteam gehören Dagmar Wegener (Pastorin Berlin-Schöneberg), Holger Huhn (Präsidiumsmitglied, Gemeindeleiter Gera), Dennis Sommer (Pastor Wetter-Grundschöttel), Udo Rehmann (GJW-Leiter) und Stefan ter Haseborg als Projektleiter. Das Team wurde vom Präsidium beauftragt, initiativ, fördernd und innovativ die weitere Umsetzung der Gedanken des Thinktanks voranzutreiben. Dazu gehört es, den Bund vor Ort präsenter zu machen und regional überschaubare Initiativen zu befähigen. So wird beispielsweise ein sogenanntes regionales Kompetenzzentrum in Nordwestdeutschland und Norddeutschland konzipiert. Außerdem gibt es ein Team, das die Finanzstruktur des Bundes überdenkt.

„Wir verstehen unseren Bund im Sinne der Ecclesia (altgriechisch die Herausgerufene, geistliche Gemeinschaft) und der Einheit des Leibes. Diese Gemeinschaft ist mehr als der Einzelne und mehr als die Summe der Gemeinden“, ist sich das Entwicklungsteam einig. Auch das Präsidium und die Bundesgeschäftsführung wünschen sich, dass die Gemeinden stärker Hilfe durch das Miteinander in der Bundesgemeinschaft vor Ort erhalten. „Das Entwicklungsteam sehen wir als Chance, frei und ohne Angst vor Ungewohntem und in einer großen Beweglichkeit, Neues zu wagen“, heben Präsident Michael Noss und Generalsekretär Christoph Stiba die Bedeutung des Entwicklungsteams hervor. „Als Verantwortliche wollen wir Freiräume schaffen, in denen mutig anderes ausprobiert werden kann.“

Das Entwicklungsteam möchte seinen Auftrag in einer agilen Arbeitsweise umsetzen und bietet in diesem Zusammenhang ein Agilitätstraining an: „Damit wollen wir die Mitarbeitenden im Bund – in Gemeinden, Landesverbänden, im Gemeindejugendwerk und in der Bundesgeschäftsstelle – mit einer neuen Art und Weise vertraut machen, Projekte durchzuführen und eine Organisation zu verändern“, erklärt Stefan ter Haseborg. Er ermutigt Gemeinden, dem Entwicklungsteam von ihren Ideen und Projekten zu berichten: „Teilt uns gerne mit, wo Ihr als Gemeinde neue Wege geht. Denn wir erfinden nicht alles neu, sondern freuen uns auf eure Gedanken.“ Man wolle Neues wagen, so ter Haseborg: „Wenn eine Idee nicht funktioniert, beenden wir das Projekt natürlich, aber erst einmal schaffen wir Raum für neue Einfälle.“

Das Entwicklungsteam ist unter e-team(at)baptisten.de zu erreichen und freut sich über Fragen und Ideen.

 

Oncken Verlag in vorläufiger Insolvenz

Der Oncken Verlag hat Insolvenz angemeldet. BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba drückte in einer ersten Stellungnahme sein Bedauern aus und betonte die „über Jahrhunderte andauernde Prägekraft des Verlags und dessen Segensspuren für den deutschen Baptismus“. Nach Angaben von Geschäftsführerin Silke Tosch werden die Oncken-Zeitschriften bis auf Weiteres erscheinen. Zudem arbeite man daran, die Weiterführung bestimmter Geschäftsbereiche langfristig zu sichern.

„Leider haben die Sanierungsversuche der letzten Jahre nicht so gegriffen, wie man es sich vorgestellt hatte, und der Oncken Verlag musste am 19. Dezember 2019 Insolvenz anmelden“, so Tosch in einem schriftlichen Statement. „Mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter werden nun Möglichkeiten ausgelotet, eine Weiterführung wesentlicher Geschäftsbereiche zu realisieren.“ Im Oncken Verlag werde weitergearbeitet, und die Zeitschriften würden bis auf Weiteres erscheinen, so die Geschäftsführerin. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Verlag arbeiten aktuell unter einem enormen Druck. Deshalb sind wir auch über eine Unterstützung durch Gebet und Fürbitte dankbar.“

BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba hob in seiner Erklärung die Leistungen des Verlags und die historisch engen Beziehungen zu den Baptisten hervor: „Noch bevor Johann Gerhard Oncken in Hamburg die erste Baptistengemeinde auf dem europäischen Festland gründete, rief er 1828 den Verlag ins Leben. Seitdem haben Publikationen aus dem Hause Oncken wie die Kinderzeitschrift ‚Der Morgenstern‘ Generationen von Baptisten geprägt.“ Auch die Zeitschrift DIE GEMEINDE, ehemals „Der Wahrheitszeuge“, und andere Veröffentlichungen seien bis heute für tausende Leserinnen und Leser „eine feste Größe. Wir sind Gott dankbar für die Verbreitung des Evangeliums in der bewegten 191-jährigen Verlagsgeschichte.“

Oncken-Geschäftsführerin Silke Tosch bittet die Gemeinden darum, den Verlag für DIE GEMEINDE „mit Nachrichten aus dem Gemeindeleben zu versorgen“ (per E-Mail an gemeinde(at)oncken.de). Dies erleichtere dem Verlagsteam angesichts zusätzlicher Aufgaben wegen des vorläufigen Insolvenzverfahrens die Arbeit. Der BEFG wurde zwischenzeitlich in die laufenden Gespräche über die Weiterführungsmöglichkeiten eingebunden. „Unser Wunsch ist es, dass die bisherige gute Zusammenarbeit in den verschiedenen Bereichen fortgesetzt werden kann“, so Christoph Stiba: „In diesem Rahmen unterstützt der BEFG die Fortführungsbemühungen.“

Der Oncken Verlag gehörte seit 1878 dem Bund der Baptisten und seit 1942 dem BEFG als dessen Nachfolgeorganisation. Seit 2006 ist die Oncken-Stiftung Eigentümerin des Verlags.

Hände und Füße Jesu sein

Dr. Alia Abboud ist Bereichsleiterin für Entwicklung der Lebanese Society for Educational & Social Development (LSESD), der Libanesischen Gesellschaft für Bildung und Soziale Entwicklung. Diese baptistische Organisation mit Sitz in Beirut hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Partnerkirchen so zu stärken und mit den nötigen Ressourcen auszurüsten, dass sie den Menschen in ihrer Umgebung helfen können. German Baptist Aid und der Landesverband Bayern des BEFG unterstützen diese Arbeit. In einem Interview mit Julia Grundmann berichtet Alia Abboud, wie LSESD arbeitet und was sie dabei erlebt.  

Dr. Alia Abboud, was sind die Aufgaben von LSESD?

Wir haben sechs verschiedene Arbeitsbereiche, durch die wir die Kirchen ermutigen und der Gesellschaft dienen wollen: das Arabische Baptistische Theologische Seminar (ABTS), unseren Verlag „DAR MANHAL AL HAYAT“ (Quelle des Lebens), die Baptistische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (BCYM), das Programm MERATH (Middle East Revive and Thrive, was so viel bedeutet wie „Der Nahe Osten lebt und gedeiht“), SKILD (Smart Kids with Individual Learning Differences, also „Schlaue Kinder mit Lernschwierigkeiten“) und die Beirut Baptist School, eine Schule für 3- bis 18-Jährige, die eine exzellente akademische Ausbildung anbietet, die auf christlichen Werten basiert. Das ermöglicht uns, sehr integrativ und ganzheitlich zu arbeiten.

Wo ist LSESD tätig?

Unser Fokus liegt vor allem auf dem Nahen Osten und Nordafrika. Von unseren sechs Arbeitsbereichen arbeiten einige eher lokal, andere regional und wieder andere sogar global. Wenn wir uns also beispielsweise das Theologische Seminar ansehen: Dort studieren Menschen aus Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten, Syrien, aus dem Irak, dem Sudan und dem Libanon. Wir haben aber auch Onlinestudienprogramme, die sogar Studierende in den Golfstaaten erreichen. Unser Verlag arbeitet gerade an einem Langzeit-Entwicklungsprojekt, bei dem akademische Lehrbücher herausgeben werden sollen, die dann in theologischen Seminaren und Schulen in ganz Nordafrika und dem Nahen Osten genutzt werden können.

Im Libanon ist fast jeder dritte Mensch ein Flüchtling. Insgesamt sind es geschätzt 1,5 Millionen Syrer und Syrerinnen, die hier Schutz suchen. Welche Rolle spielt LSESD in dieser Situation?

Wir wollen durch unsere Arbeit insgesamt eine Kulturveränderung bewirken. Vielleicht kann eine kleine Geschichte das gut veranschaulichen: Als der Syrienkrieg begann, besuchte ich einen Pastor nahe der syrischen Grenze und fragte ihn: „Warum engagiert Ihr euch als Gemeinde nicht in der Flüchtlingsarbeit für syrische Geflüchtete? Er antwortete mir: „Wenn wir das tun, würden wir viele unserer Gemeindemitglieder verlieren, denn sie leiden immer noch an den Verletzungen die sie durch die syrischen Soldaten erfahren haben.“ Das stimmte mich traurig, weil ich überzeugt davon war, dass es eine gute Gelegenheit gewesen wäre, „Hände und Füße Jesu“ zu sein. Ein Jahr später kam dieser Pastor auf LSESD zu und fragte, ob sie als Gemeinde nicht ein Lernzentrum für 100 syrische Flüchtlingskinder einrichten könnten. Zwei Jahre später gründeten sie noch ein Zentrum für 200 Kinder. Im dritten Jahr eröffneten sie einen Spiel- und Freizeitraum für nochmal 65 Kinder. Als ich den Pastor fragte, wie diese Veränderung zustande käme, sagte er: „Gott nutzt unsere Arbeit mit den syrischen Geflüchteten, um uns etwas über ihn beizubringen. Und die erste Lektion, die wir gelernt haben, ist Vergebung!“ Diese Gemeinde hat nicht ein libanesisches Mitglied verloren.

Wenn jemand in eine unserer Gemeinden kommt, dann ist es nicht wichtig, welche politische Meinung er hat und auf welcher Seite er steht. Die Kirche ist ein Ort, an dem jeder willkommen ist. Und das ist die Rolle, die die Kirche in diesen unruhigen Zeiten einnehmen sollte: eine friedfertige Rolle – sowohl in Syrien als auch im Libanon als auch in anderen Teilen der Welt. Wir sind Hände und Füße Jesu.

Was unterscheidet LSESD von anderen Nichtregierungsorganisationen?

Ich bin eine Geschichtenerzählerin, also möchte ich auch dazu eine Geschichte erzählen: Der Pastor einer unserer Partnergemeinden und seine Familie leben in Syrien in einer Region, die zu Kriegsbeginn viele Binnenvertriebene aufnahm. Also öffneten sie ihre Kirche und halfen den Menschen mit allem, was sie zum Leben brauchten. Als ich einmal mit einer Kollegin die Gemeinde besuchte, staunten wir über die vielen Gottesdienstbesucherinnen und -besucher. Der ganze Gang, der Altarraum – alles war mit Stühlen vollgestellt. Meine Kollegin und ich mussten uns einen Stuhl teilen, weil alle Sitzplätze belegt waren. Das Dach der Kirche war undicht und es tropfte die ganze Zeit durch die Decke. Eine Klimaanlage gab es nicht. Aber die vielen Leute saßen einfach da und feierten Gottesdienst mit viel Wärme in ihrem Herzen. Sie kamen in diese Gemeinde, weil sie sahen, dass es eine Gemeinde war, die Liebe und Fürsorge lebte. Sie sagten: „Wir kommen, weil euer Jesus Gebete erhört und weil ihr euch mit großer Ernsthaftigkeit um uns kümmert.“ Unser Antrieb ist ein anderer als der von nichtchristlichen Hilfsorganisationen. LSESD ist eine glaubensbasierte Organisation, deren Ansatz ganzheitlich ist. Wir glauben, dass glaubensbasierte Organisationen wie LSESD eine Rolle bei der Bewältigung von Problemen wie Armut und Verletzlichkeit spielen müssen. Warum? Weil der Glaube zählt! Er ist Teil des Alltags.

Was verbirgt sich hinter SKILD?  

In dem Kontext, in dem wir leben, haben es Menschen, die „anders“ sind, oftmals schwer. Gerade Kinder mit besonderen Bedürfnissen werden häufig einfach nicht verstanden. Deshalb haben wir 2011 mit SKILD begonnen. Dabei ging es zunächst vor allem um individuelle Unterstützung der Kinder in unseren Lernzentren. Zur selben Zeit machte ein lokaler Fernsehsender eine Dokumentation über Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Darin sprachen der Geschäftsführer von LSESD Nabil Costa und seine Frau darüber, welch ein Segen ihr Kind für sie ist. So etwas war bisher noch nie dagewesen. Als die Sendung ausgestrahlt wurde, erhielten wir Anrufe aus dem ganzen Land von Familien, die mit derselben Situation kämpften, aber nicht wussten, dass ihren Kindern geholfen werden kann. Deshalb machten wir es uns – neben der individuellen Hilfe – zur Aufgabe, dass die Wahrnehmung dieser Kinder im Land zunimmt. Und dabei arbeiten wir mit dem Bildungsministerium und dem British Council zusammen und beziehen auch immer die Medien mit ein.

Apropos Medien: Einer der Arbeitsbereiche ist der DAR MANHAL AL HAYAT-Verlag. Was wird außer den eingangs erwähnten Lehrbüchern noch vom Verlag veröffentlicht?

Faszinierend ist hier besonders die Wirkung der Bilderbibeln, die unser Verlag herausgegeben hat. Eigentlich waren diese für Kinder bestimmt, aber wir waren sehr erstaunt, wie hoch die Nachfrage auch bei den Erwachsenen war. Eine Frau erzählte, dass ihre Neffen eine Bilderbibel geschenkt bekamen; da der Vater aber nicht lesen konnte, fragte er sie, ob sie den Jungen nicht vorlesen könne. Sie sagte: „Je mehr ich las, desto fragender wurde ich. Also fragte ich meinen Bruder, woher er die Bibel habe. Er gab mir die Adresse der Kirche.“ Die Frau nahm die Bilderbibel, ging zu der Gemeinde und sagte: „Ich habe das hier, nun gebt mir bitte das echte Buch.“ Also schenkte man ihr eine Bibel. Sie las die Bibel und wandte sich mit ihren Fragen immer wieder an die Gemeinde. Schließlich kam sie zum Glauben. Ich durfte bei ihrer Taufe dabei sein, bei der sie sagte, sie sei durch die Bilderbibel zum Glauben gekommen. Das ist so wunderbar!

Vielen Dank für dieses Gespräch, Alia Abboud!


Ein herzliches Dankeschön auch an German Baptist Aid und den Landesverband Bayern für die Unterstützung unserer Arbeit. Das ist ein großer Segen für uns. Gott begabt uns alle unterschiedlich. Nicht alle haben die Gabe, zu predigen oder zu evangelisieren. Aber wenn wir unseren Glauben leben, uns als Christinnen und Christen aktiv in die Gesellschaft einbringen, dann machen wir die Menschen um uns herum auf Christus aufmerksam. Das ist etwas, was ich bei meiner Tätigkeit bei LSESD gelernt habe. Alles, was der Herr von uns will, ist, dass wir ihm vertrauen und ihm gehorsam sind, der Rest ist Gottes Werk. Aber wir sind seine Hände und seine Füße.

Werner Wolf verstorben

Werner Wolf ist am 19. Dezember 2019 im Alter von 94 Jahren gestorben. Von 1976 bis 1988 gehörte er der Bundesleitung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) an und war von 1984 bis 1988 dessen Vizepräsident.

Zudem hatte er sechs Jahre lang das Amt des Vorsitzenden der Abteilung Heimatmission inne. Als 1984 der Kongress der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) in Hamburg stattfand, war er der Vorsitzende des Organisationskomitees. Von 1990 bis 2000 war er Datenschutzbeauftragter des Bundes. Auch war er Mitglied der Mandatsprüfungskommission des Bundesrates. In der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Hamburg-Harburg, der er bis zu seinem Tod angehörte, war er 25 Jahre lang Gemeindeleiter. Von Beruf Vermessungsingenieur diente er jahrzehntelang als Laienprediger in vielen Gemeinden Norddeutschlands.

Bescheiden, freundlich, zugewandt, mit einer großen Liebe zur Gemeinde – so beschreiben ihn seine Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter. „Gott schenkte ihm die Gabe der Leitung und er ist vielen Menschen zum Segen geworden“, heißt es in einem Kondolenzschreiben von BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba an die Witwe des Verstorbenen. Pastor i.R. Eckhard Schaefer, der Werner Wolf seit 1950 kannte, sagt über ihn: „Er war ein wahres Organisationstalent: zuverlässig, gewissenhaft und in gutem Sinne prinzipientreu.“

Werner Wolf hinterlässt seine Frau Ilse Wolf, mit der er im April 2018 Gnadenhochzeit (70 Ehejahre) feiern konnte.

Die Beerdigung findet am Montag, dem 13. Januar, um 11:30 Uhr auf dem Neuen Friedhof Harburg, Bremer Straße 236 in 21077 Hamburg statt.

Gott kommt zu uns

Gott zieht es nach unten. So berichtet es dieses alte Anbetungslied der ersten Christen, das der Apostel Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Philippi zitiert.

Den Schöpfer des Himmels und der Erde hält es nicht im Himmel, sondern ihn zieht es nach unten, auf die Erde. Er entäußert sich selbst. Er gibt seine göttliche Gestalt, einen Teil seines Wesens auf und begrenzt sich selbst. Er wird sichtbar, erkennbar und nahbar. Gott wird Mensch. Das macht Weihnachten in jedem Jahr so besonders und attraktiv. Sicher haben das heute längst nicht mehr alle Menschen bewusst im Blick, und sie feiern Weihnachten trotzdem. Doch das ist der eigentliche Grund dafür, dass wir Weihnachten feiern: das Wunder, dass es Gott nach unten zu seinen Menschen zieht und sie sehen, wer und wie er ist!

Wir Menschen haben in der Regel eher einen Zug nach oben und wollen gerne groß herauskommen. Wir wollen eher bedeutend sein, nicht klein und unbedeutend. Macht und Einfluss spielen eine wichtige Rolle. Und mancher Mächtige spielt sich auf, als wäre er Gott. Aber während wir Menschen versuchen, wie Gott zu sein, tut Gott seinerseits alles, um Mensch zu werden. Selbst, wenn es ihn den Himmel kostet. Er klammert sich nicht an das, was ihm zusteht, himmlische Macht und Herrschaft, sondern er entäußert sich selbst.

Und dann geht dieses alte Christuslied noch einen Schritt weiter. Nicht nur ein Mensch wurde er. Ein Knecht wurde er! In der englischen Bibel (NIV – New International Version) steht: „He made himself nothing.“ Er machte sich zu einem Nichts. Da taucht sofort nicht nur das Bild des ohnmächtigen Babys in der Krippe vor den Augen auf, das auf die Hilfe seiner Eltern angewiesen ist, sondern auch das Bild des geschundenen und gekreuzigten Gottessohns. He made himself nothing. Gott geht ins Extreme, vom Anfang bis zum Ende. Er bückt sich tief, um ganz nah bei uns zu sein.

„Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht.“ (V. 5) Wenn es Gott so zu seinen Menschen nach unten zieht, dann sollen wir uns nicht mit Wohlanständigkeit und Rechtgläubigkeit zu ihm empor dienen. Wir sollen Gott dann nicht oben suchen, im Himmel, über den Sternen, dort, wo keiner hinkommen kann, sondern unten, in dem Kind in der Krippe und in dem Mann am Kreuz. Dort kann jeder hinkommen. Hirten und Könige. Arme und Reiche. Angesehene und Unangesehene. Auch jeder von uns. Wir sollen dann den Herrn aller Herren suchen bei denen, die hungrig sind. Bei denen, die nackt sind und nichts haben. Bei denen, die geschunden sind, krank und einsam. Bei denen, die Fremde sind. Bei denen, die ohne alles vor Krieg und Terror und Gewalt fliehen mussten und nun in unserer Gegend eine Herberge suchen. Bei den Mühseligen und Beladenen. Dort überall sollen wir den Herrn aller Herren suchen. Das sagt uns Weihnachten. Denn: He made himself nothing. Ein Knecht wurde er. Ein Mensch. Und deshalb ist er dort unter den Menschen und bei den Menschen zu finden, besonders bei denen, die ihn nötig brauchen.

Und es ist tragisch und kaum fassbar, dass es damals Menschen gab, die diese Menschenfreundlichkeit Gottes in Jesus Christus nicht sehen wollten oder konnten. Nicht allen gefiel, was Gott damals tat, als er in dem Kind in der Krippe in diese Welt kam. So hatte man sich das nicht gedacht: Gott bei den Mühseligen und Beladenen. Zuerst bei Maria und Josef, dann bei den Hirten und später bei den Armen und den Kranken und den Kaputten der damaligen Gesellschaft. Der, der von Gott erwartet wurde, der Messias, kam als einer, der sich gleich von seiner ungöttlichen Geburt an mit den Allergeringsten abgab. Das passte nicht ins Bild. Weder ins Bild der frommen Theologen noch ins Bild der weltlichen Obrigkeit. Deshalb hat der König Herodes ihm schon als Baby nach dem Leben getrachtet. Und später wurde er verraten, gefangen genommen und gefoltert. Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben. Dieses alte Anbetungslied zieht Weihnachten und Karfreitag in einem Satz zusammen: „Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“

Der Kreuzestod Jesu sollte von vorneherein zu seiner Entäußerung dazu gehören. Das Ziel seiner Menschwerdung hatte Jesus erst erreicht, als er, der Gerechte, der Liebe lebte und Freude schenkte, am Kreuz starb. Als das Urteil über ihn gesprochen und an ihm vollzogen wurde. Er erniedrigte sich selbst. He made himself nothing. Der eingeborene Sohn des Vaters starb wenige Jahre, nachdem es das erste Mal Weihnachten wurde, für das, was die Sünde einer ganzen Menschheit ist. Für Gottlosigkeit und Selbstbezogenheit der Menschen. Für böse Gedanken. Für jede Lieblosigkeit. Für die Gleichgültigkeit. Für die Sturheit und Unversöhnlichkeit. Für dich und mich. „Denn Gott ist durch Christus selbst in diese Welt gekommen und hat Frieden mit ihr geschlossen, indem er den Menschen ihre Sünden nicht länger anrechnet.“ (2. Kor. 5, 19 nach Hfa) So deutet der Apostel Paulus das Christusgeschehen etwa zur gleichen Zeit in einem Brief an eine andere Gemeinde in Korinth.

Das ist der Christus Gottes, der Friedefürst, das Kind in der Krippe und der Mann am Kreuz. Das ist der, den Gott vom Tod auferweckte und wieder zu Ehren brachte und dessen Tun er damit für alle Zeit und Ewigkeit bestätigte. Warum Gott vor gut 2000 Jahren diesen Weg ging oder nur gehen konnte, bleibt letztlich ein Geheimnis. Deshalb sind die Weihnachtszeit sowie die Passionszeit seit jeher Zeiten der Besinnung und Einkehr, um diesem Geheimnis begegnen und nachsinnen zu können. Dass wir etwas Anderes aus der Weihnachtszeit gemacht haben, ist ein anderes Thema. Aber das können wir ja ändern.

In diesem Lied werden zum Schluss die beiden Körperteile genannt, auf die es in der Weihnachtszeit und im Glauben generell ganz besonders ankommt: Knie und Zunge. Die Knie beugen vor dem herunter gekommenen Gott, der uns in Jesus begegnet und erkennbar wird, und ihn bezeugen vor den Menschen. Das wäre eine angemessene Antwort auf das Geheimnis der Weihnacht.

Baptismus und Sozialismus

Der Studientag „Baptismus und Sozialismus“ des Historischen Beirats beschäftigte sich am 30. November mit dem Verhältnis der Baptisten zum Sozialismus und Kommunismus in den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts.

Wie entwickelte sich das Verhältnis zwischen Marxisten und freikirchlichen Christen? Wie viel Sozialismus steckte im DDR-Bund? Und was bedeutete dies für die Beziehungen zum westdeutschen Bund in der eher antikommunistisch orientierten Bundesrepublik? Und schließlich: Wie haben sich Baptisten 1989/90 zum Ende des Staatssozialismus verhalten, und wie weit sind Gemeinden im Osten bis heute geprägt durch die sozialistische Vergangenheit? Das waren die Fragen, die auf dem Studientag 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution und 50 Jahre nach Gründung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in der DDR gestellt wurden. Die Tagung wurde vom Historischen Beirat des BEFG sowie vom Verein „Evangelisch-Freikirchliche Zeitgeschichte“ veranstaltet und fand in der EFG Berlin-Friedrichshain statt, in dem einzigen Gebäude der Baptisten in der DDR, das vor allem mit Geldern aus der BRD und des Weltbundes gebaut werden konnte.

Dr. Simone Thiede, Religionswissenschaftlerin aus Hamburg, und die Leiter des Historischen Beirats, Dr. Andreas Liese und Reinhard Assmann, untersuchten, wie die deutschen Baptisten sich mit den Sozialisten auseinander gesetzt haben. Während sich Baptisten besonders in den englischsprachigen Ländern in verschiedenen Fragen bewusst politisch engagierten und das als diakonische Aufgabe ansahen, war das Ideal der deutschen Baptisten eher sich aus der Politik herauszuhalten. Diakonie wurde als Einzelfallhilfe verstanden, nicht als politische Aufgabe. Trotzdem gab es immer wieder Personen wie Carl August Flügge, der feststellte, dass Sozialisten und Baptisten Interesse haben, die soziale Notlage der Arbeiter zu lindern. Beide Gruppen gehörten für Reichskanzler Bismarck zu den Reichsfeinden, fremdelten aber miteinander, weil Baptisten den atheistischen Sozialismus nicht akzeptieren konnten und religiöse Sozialisten Mühe hatten, verstanden zu werden. In der entstehenden DDR kannten sich manche Kommunisten und Kirchenleute aus ihrer Zeit in den Konzentrationslagern und mussten ein neues Miteinander im Alltag finden. Das war je nach politischer Großwetterlage und persönlichem Standort zu manchen Zeiten schwierig und herausfordernd. Der Kalte Krieg forderte die Beschäftigung mit dem Sozialismus und Marxismus heraus. In einem Interview mit Diethard Dahm wurde dabei deutlich, dass die Antworten und Konsequenzen für Baptisten in der DDR und für die Studentenbewegung der 68er in der Bundesrepublik sehr unterschiedlich waren. Beeindruckend waren in diesem Zusammenhang auch die Zeitzeugenberichte von Prof. Dr. Carl-Jürgen Kaltenborn, Ingrid Ebert und Uwe Dammann.

Die rund 70 Teilnehmenden waren überwiegend Menschen mit DDR-Erfahrung. Deutlich wurde dabei, dass Gespräche mit Zeitzeugen notwendig sind. Es gibt zum Beispiel nur wenig Quellen aus baptistischen Gemeinden darüber, wie Einzelne oder Gemeinden sich an der Friedlichen Revolution beteiligt haben. Könnte der Historische Beirat des BEFG zum Beispiel regelmäßig zu Erzähl-Tagen einladen? Vielleicht wird es über diesen Weg auch möglich, Verletzungen und Missverständnisse zwischen Ost und West aufzuarbeiten sowie politische und ethische Verantwortung neu zu reflektieren.

Frischer Wind in den Mühlen

„Wo der Wind des Wandels weht, bauen die einen Windmühlen und die anderen Mauern“ – so sagt es ein chinesisches Sprichwort. Frischen Wind für die Zukunft wünscht sich auch der Landesverband Baden-Württemberg, wie Renate Girlich-Bubeck und Annette Tesch vom Landesverband berichten.

Auch wenn die Windmühlen eher in den nördlichen Bereich der Republik passen, hat sich der Landesverband Baden-Württemberg entschieden, „Windmühlen“ für die Struktur und die Leitung des Landesverbandes zu bauen. Wie in vielen Landesverbänden so hat sich auch in Baden-Württemberg manches geändert. Die Gründe dafür sind vielfältig. Beim letzten Rat stellte sich die Frage, wie die Arbeit konkret weitergehen und was „die Mühlen“ antreiben soll. Schnell war man sich einig, dass diese Frage nach unserem Verständnis nicht nur von der Leitung, sondern von den Gemeinden bedacht werden soll. Eine „Zukunftswerkstatt“ wurde vorgeschlagen.

Der Einladung waren 33 interessierte Engagierte aus 15 Gemeinden des Ländles gefolgt. Gemeinsam mit der Leitung des Landesverbandes wurde über dessen Zukunft nachgedacht und diskutiert. In kontroversen Unterhaltungen und persönlichen Berichten wurde ein breites Bild der aktuellen Situation gezeichnet. Der Landesverband ist durch seine Angebote vielfältig erlebbar und wird doch in seiner Funktion von Gemeinde zu Gemeinde sehr unterschiedlich wahrgenommen. Im intensiven Austausch wurden Erwartungen und Wünsche der Gemeinden an die Arbeit des Landesverbandes zusammengetragen. Vernetzen – austauschen – beraten, das sind und bleiben zentrale Aufgaben! Aber welche Strukturveränderungen sind nötig, um in dieser Weise handlungsfähig zu sein? Diese Frage wird uns im zweiten Teil der Zukunftswerkstatt am 8. Februar 2020 beschäftigen. Dazu sind erneut alle Interessierten eingeladen! Rückmeldungen aus Gemeinden, Resultate der ersten Zukunftswerkstatt, Ergebnisse des Thinktanks des Bundes und die Auswertung der Gemeindeberichte für das Berichtsheft werden Grundlage für weitere Überlegungen sein, um den erforderlichen Wind für die Mühlen nicht zu hindern, sondern ihm Freiraum zu geben. Viele Menschen in Baden-Württemberg beten um Weisheit und gute Entscheidungen, und so haben wir Mut und Zuversicht für den weiteren Weg!

50 Jahre Martin-Luther-King-Haus

Das nach dem US-Bürgerrechtler und Baptistenpastor benannte Martin-Luther-King-Haus in Schmiedeberg im Erzgebirge ist 50 Jahre alt geworden. Das „King’s“, wie es kurz genannt wird, ist eine Einrichtung im Status der Bekenntnisgemeinschaft mit dem BEFG.

Das Jubiläum mit 200 Gästen wurde bereits im Frühjahr begangen, allerdings hatten die neuen Hauseltern, Andreas und Esther Kuhnert, vergessen, die Zeitschrift DIE GEMEINDE darüber zu informieren. Man habe das Jubiläum gefeiert, wie es der christliche Liedermacher Manfred Siebald in einem seiner bekannten Lieder formuliert habe: „Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich still und leise.“ Auch das Jubiläum habe man in aller Stille begangen.

Andreas Kuhnert erinnert sich in einem Gespräch mit der GEMEINDE an die Anfänge. In der Friedenskapelle der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Schmiedeberg habe man schon nach dem Zweiten Weltkrieg erste Rüstzeiten angeboten – in Schlafsälen mit Strohsäcken auf engsten Raum. Um auf die steigende Nachfrage reagieren zu können, hätten Gemeindemitglieder beschlossen, in unmittelbarer Nähe des Gemeindehauses ein Freizeithaus zu bauen. Das Baumaterial habe man durch den Abriss von sechs baufälligen Häusern gewonnen. Und so habe man den Bau allen Widrigkeiten in der DDR zum Trotz am 13. Dezember 1969 einweihen können. Die Gründerväter hätten das Haus bewusst nach Martin Luther King benannt, der ein Jahr zuvor in Memphis erschossen worden war. „Die Verantwortlichen damals wollten seinen Namen in Erinnerung behalten“, weiß Kuhnert.

Dass man für den Bau überhaupt eine Baugenehmigung erhalten habe, sei bis heute ein Wunder, so Kuhnert. Denn das Grundstück lag eigentlich viel zu nah an der Weißeritztalbahn, der dienstältesten bis heute öffentlich betriebene Schmalspurbahn Deutschlands. Die Strecke führt seit 1882 von Freital-Hainsberg bei Dresden bis nach Kipsdorf im Osterzgebirge. Die politisch Verantwortlichen seien jedoch davon ausgegangen, dass diese Bahnstrecke ein absehbares Ende haben werde. Kuhnert freut sich: „Das Martin-Luther-King-Haus steht – und die Bahn fährt auch noch.” Viele Gäste seien von der Bahn begeistert und nutzten die Fahrten mit dem Dampfzug. Schon die damalige Baustelle sei ein Ort der Begegnung gewesen. „Helfer aus dem In- und Ausland kamen und brachten sich ein.“

Nach Fertigstellung traf man sich zu Kinder-, Jugend-, Gemeinde- und Familienfreizeiten. 2006 konnte ein weiteres Haus eingeweiht werden – mit zwölf barrierefreien Zimmern und einem hellen Saal mit 150 Sitzplätzen. Insgesamt verfüge das Haus heute über 45 Zimmer mit bis zu 124 Betten. Zur Verfügung stehen vier Gruppenräume, ein Raum der Stille, ein Tischtennis-Raum, ein Clubraum, eine Kaffeestube mit Gästeküche und eine Sauna. Der Tagessatz inklusive Vollpension für Erwachsene im Doppelzimmer beträgt 49 Euro. Mit der Gästeentwicklung ist Kuhnert zufrieden. In den letzten Jahren habe es 8.500 Übernachtungen pro Jahr gegeben, in diesem Jahr werde man rund 12.000 erreichen.

TischGemeinschaft mit Gott

„Gott ist einer von uns geworden, kam als Mensch zu uns Menschen auf die Erde. Er will Gemeinschaft mit uns haben, lädt uns ein an seinen Tisch. Diese Einladung geben wir weiter“, so Generalsekretär Christoph Stiba. Der BEFG bittet zu Weihnachten um Spenden zur Förderung der Mission in Deutschland.

„Ist an unseren weihnachtlichen Festtagstafeln eigentlich auch Platz für Menschen, die nicht zu unserer Familie gehören? Wer ist willkommen? Mit wem wollen wir Gemeinschaft haben?“, fragt Christoph Stiba. Jesus habe schließlich auch Tischgemeinschaft mit jenen Menschen gesucht, die geächtet und gemieden wurden: „Nicht die Starken bedürfen des Arztes, sondern die Kranken“ (Markus 2,17). „Jesu Beispiel wollen wir in unserer Bundesgemeinschaft folgen.“

Der Dienstbereich Mission unterstützt Gemeinden dabei, auf die Menschen ihrer Umgebung zuzugehen. Das neue Konzept TischGemeinschaft beispielsweise animiert dazu, fremde Menschen wie auch Freunde und Bekannte zu Tisch zu bitten: zu einem Dinner mit evangelistischer Verkündigung in den Gemeinderäumen und zu einem Brunch-Gottesdienst. Eingeladen wird auch in der Fußgängerzone – mit einem großflächigen Bild von Leonardo da Vincis Abendmahl und einem Tisch, der jeden Passanten dazu einlädt, sich dazuzusetzen: um zu verweilen und um ins Gespräch zu kommen.

Die EFG Kamp-Lintfort hat die drei Evangelisationstage durchgeführt, wie Pastor Marcus Bastek berichtet: „Wir hatten Menschen da, die sich nur kurz interessiert zeigten, und Menschen, die anderthalb Stunden vor dem Transparent von TischGemeinschaft saßen und tiefgreifende seelsorgerliche Gespräche geführt haben.“ Eine Begegnung ist ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben: „Eine Frau hat sich lange mit uns unterhalten. Und wir haben für sie gebetet. Das war völlig unnormal für sie. An diesem Abend ist sie wirklich berührt worden, was auch ich sehr berührend fand. Das nehme ich mit als Motivation.“

Christoph Stiba lädt in der Spendenbitte des BEFG dazu ein, die vielfältige Arbeit des Dienstbereichs Mission mit einer Weihnachtsspende zu unterstützen: „An Gottes Tafel ist für jeden einzelnen von uns ein Ehrenplatz reserviert. Gemeinsam wollen wir unsere Mitmenschen dazu ermutigen, dieser Einladung zu folgen und Platz zu nehmen.“

Kleiner Gemeindebund, großer gesellschaftlicher Einfluss

Mitte November besuchte eine Delegation des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) den ungarischen Baptistenbund. Eine Reportage von Dr. Michael Gruber.

Montagvormittag, Bibelkundeunterricht am Baptistischen Gymnasium im Budapester Stadtteil Országút. Heute geht es um Dankbarkeit. Schulpastor Krisztián Tóth fragt die vier Schülerinnen und zehn Schüler der achten Klasse, wofür sie dankbar sind. Mit seiner ruhigen und zugewandten Art geht der Mittdreißiger auf alle ein, sorgt dafür, dass neben den besonders Mitteilsamen auch alle ruhigen Schüler zu Wort kommen. So wie das Mädchen in der ersten Reihe, das eine starke geistige Behinderung hat. Fast alle hier haben eine körperliche oder geistige Beeinträchtigung. Der Pastor schreibt ihre Antworten auf das Smartboard, die elektronische Tafel, erarbeitet mit den Jugendlichen Kategorien von Dingen, für die man dankbar sein kann, bringt dies in Bezug zu Glaubensfragen. Dann singt die Klasse gemeinsam christliche Lieder, begleitet vom Schulpastor auf der Gitarre.

Rektorin Gabriella Kékesné Czinder hat den Gästen aus Deutschland zuvor ein Video über die Schularbeit gezeigt. In einer Szene sieht man Schüler im Anzug und Schülerinnen im Abendkleid beim gemeinsamen Tanz. Eines der Mädchen sitzt im Rollstuhl. Der Ball, so berichtet Kékesné Czinder, ist eine alte ungarische Tradition. Doch nur an ihrer Schule können auch gehbehinderte Jugendliche daran teilnehmen. Insgesamt hat die Schule 220 Schüler. 60 von ihnen sind gehbehindert, 40 Autisten, 50 haben andere Behinderungen. Das inklusive Konzept ist für Ungarn außergewöhnlich, wie uns die Rektorin erläutert. Weil es im Land nicht ausreichend Schulplätze für Kinder mit Behinderungen gibt, müssen manche von ihnen zu Hause bleiben – trotz Schulpflicht. Die Schule in Országút möchte ihren Absolventinnen und Absolventen eine Beteiligung am gesellschaftlichen Leben ermöglichen.###3_IMAGES###Es gibt in Ungarn 50 baptistische Schulen mit etwa 17.000 Schülern. Rund zehn davon wurden von Baptistengemeinden mit eigenen Mitteln gegründet, die anderen hat der Baptistenbund vom Staat übernommen, der für die Finanzierung sorgt. Die meisten Schulen konzentrieren sich auf bestimmte Talente der Schülerinnen und Schüler und sind auch bei nicht-baptistischen Eltern beliebt, beispielsweise drei Sportgymnasien oder viele Berufsschulen. Es gibt eigene baptistische Schulbücher, die auch in anderen kirchlichen Schulen gerne genutzt werden.

Der Vormittag hat zwei Dinge eindrücklich gezeigt, die für die Arbeit der ungarischen Baptisten typisch sind. Der kleine Bund wirkt an vielen Stellen in die Gesellschaft hinein. Und er hat dabei sein „wichtigstes Ziel, Mission, stets im Blick“, wie Generalsekretär Kornél Mészáros uns am Nachmittag berichtet.

Wie missionarisch und diakonisch der Baptistenbund und seine Gemeinden sind, erleben wir bereits bei unseren Gottesdienstbesuchen tags zuvor. Prof. Michael Kißkalt, der Rektor der Theologischen Hochschule Elstal, predigt an diesem Sonntag in einer Gehörlosengemeinde am Stadtrand von Budapest. Seit zehn Jahren betreibt der Bund seine „Spezialmission“ für Gehörlose, bietet für sie Gottesdienste, Freizeiten und Jugendarbeit an. Mit dem ungarischen Bibelinstitut arbeiten die Baptisten an einer Bibelübersetzung in Gebärdensprache, für Blinde entwickeln sie christliches Audio-Material.###3_IMAGES###BEFG-Präsidiumsmitglied Frank Fornaçon und ich sind zu Gast in der noch recht jungen Gemeinde in Vecsés, die sich im örtlichen Kulturzentrum trifft. In dem Raum im ersten Stock, der mit zwei verspiegelten Wänden zunächst viel größer wirkt als er ist, spielt eine Band mit Gitarre, Keyboard und Cajón auf Ungarisch mit einem treibenden Beat bekannte Songs à la Hillsong. Eine Frau erzählt im Zeugnisteil, wie im Nähkurs Frauen zum Glauben gefunden haben und wegen der guten Gespräche immer wieder kommen, obwohl sie eigentlich viel besser nähen können als die Gemeindefrauen, die den Kurs anbieten. Ein Student berichtet von seiner Arbeit unter Kommilitonen. Und Pastor Lajos Téglási bittet um Gebet für seine Missionsreise nach Pakistan. Wir erfahren auch, dass die Gemeinde Spenden sammelt, um einen ehemaligen Nachtclub als Gemeindehaus zu kaufen. Und Gemeindeleitungsmitglied Ádám Hegedűs zeigt uns Bilder von einem Freizeitangebot, durch das Kinder biblische Geschichten wie die von Daniel in der Löwengrube mit allen Sinnen und viel Spaß erfahren können – missionarische Erlebnispädagogik.###3_IMAGES###BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba und Präsidiumsmitglied Dorothee Oesemann besuchen einen Festgottesdienst in der Ersten Baptistengemeinde zu Budapest, der von einem professionellen Orchester gestaltet wird. Die Musiker dürfen in den Gemeinderäumen kostenlos proben, müssen dafür aber einmal im Jahr im Gottesdienst spielen, wo sie – auch hier der missionarische Impuls – mit dem Glauben in Berührung kommen.

Die schiere Fülle baptistischer Angebote beeindruckt uns auch am Montagnachmittag. Zusammen mit Dr. Ákos Bukovszky, dem Leiter für auswärtige Angelegenheiten des Baptistenbundes, der die ganze Zeit dabei ist und alle Gespräche übersetzt, fahren wir von der integrativen Schule aus in den schicken VI. Bezirk. Hier, nah am Budapester Zentrum und um die Ecke vom imposanten Hősök tere, dem Heldenplatz, reihen sich größtenteils sanierte Gründerzeitbauten aneinander. Zwischen Wohngebäuden und Botschaften: die Theologische Akademie der Baptisten. Studiendirektor Dr. Gedeon Urbán erzählt uns, dass von den 500 Studenten und Studentinnen gerade mal 25 Männer in der Pastorenausbildung für den Bund sind. Andere Theologiestudenten wollen beispielsweise Pfarrer in der Lutherischen Kirche werden, auch katholische Studenten sind dabei. Priester freilich können sie mit einem Abschluss hier nicht werden. Doch insgesamt sind in der Studierendenschaft zehn Konfessionen vertreten. Die Akademie bildet auch Gemeindekantoren sowie Seelsorger für den sozialen Bereich aus.###3_IMAGES###Danach treffen wir direkt nebenan in der Zentrale des Bundes die Leitung der ungarischen Baptisten. Im hellen Konferenzraum im Obergeschoss steht ein riesiger Besprechungstisch aus dunklem Holz, an allen Wänden hängen großformatige golden umrahmte Ölgemälde ehemaliger Präsidenten. Darunter in Schaukästen baptistische Devotionalien wie Schwarzweiß-Fotografien früherer Bundesleitungen oder die Schreibmaschine des früheren Mönchs und 1922 zum baptistischen Glauben konvertierten Schriftstellers und Dichters Dr. Imri Somogyi. Im Gespräch erfahren wir mehr über die Arbeit. Der Bund möchte 100 Gemeinden in 20 Jahren gründen. Baptisten geben auch Religionsunterricht an 300 nicht-baptistischen Schulen. Es gibt 100 soziale Einrichtungen, etwa in der Kinderpflege oder der Behandlung Suchtkranker. Und der Bund tut viel, um die Gruppe der Roma mit dem Evangelium zu erreichen.

Wie kann der kleine Bund mit seinen 12.000 Mitgliedern all dies stemmen? Präsident János Papp berichtet uns zunächst über eine Besonderheit in der ungarischen Steuergesetzgebung. Wer steuerpflichtig ist, muss 1 Prozent an eine Kirche zahlen, kann aber frei entscheiden, an welche. 35.000 Menschen und somit weit mehr als die steuerpflichtigen Mitglieder geben ihr Prozent an die Baptisten! Dafür wirbt der Bund auch mit einer Kampagne, die er zudem als „Evangelisationsmöglichkeit“ versteht. Darüber hinaus gibt der Staat viele seiner Aufgaben an verschiedene Kirchen ab und bezahlt diese dafür. Nur dadurch ist die umfassende Schul- und Hochschularbeit der Baptisten möglich. Und auch sonst zeigt sich der Staat großzügig, um die Arbeit der Kirchen zu ermöglichen. So hat der Baptistenbund kürzlich ein mehrstöckiges Gebäude gegenüber seiner Zentrale geschenkt bekommen. Dieses ist zwar renovierungsbedürftig, aber die Hälfte der Kosten für die Sanierung übernimmt: der Staat.###3_IMAGES###Das mehrstündige Gespräch mit der Leitung und unsere Treffen geben uns tiefe Einblicke in die Arbeit. Dass der ungarische Bund vom Staat profitiert, scheint mit einer positiven Haltung der Baptisten der Regierung gegenüber einherzugehen. Das wirkt auf uns, die deutsche Delegation, angesichts der offen fremdenfeindlichen Haltung der Orbán-Regierung erst einmal suspekt. Und in unseren Gesprächen wird auch deutlich, dass wir gerade beim Thema Flüchtlinge an vielen Stellen unterschiedliche Ansichten haben. Und doch tragen die Gespräche zu einem gegenseitigen Verständnis bei. Wir erfahren, dass die ungarische Geschichte im Vergleich zur deutschen zu einer anderen Prägung geführt hat. Während Migration zur deutschen Nachkriegsgeschichte dazugehört, gab es in Ungarn keine ähnlichen Entwicklungen. Stattdessen spielen die Eroberungen durch das Osmanische Reich Mitte des 16. Jahrhunderts und die dann 145 Jahre andauernde türkische Besetzung im kollektiven Geschichtsbewusstsein der Ungarn anscheinend noch eine große Rolle. In jedem Fall weiten die Gespräche den Blick, helfen, die eigene Position nicht absolut zu setzen. Während sich beispielsweise viele deutsche Baptistengemeinden stark für Geflüchtete einsetzen, sind ungarische Baptisten für die Minderheit der Roma aktiv. Und immer wieder stoßen wir in diesen Tagen auch auf offene Ohren, wenn wir von der Gemeindearbeit mit Migranten berichten.

Und so fasst der ungarische Baptistenpräsident János Papp es am Ende so zusammen: „Etliche Fragen verstehen wir natürlich anders, aber wir treffen uns in Brot und Kelch. Und ist es uns ein Anliegen, die Zusammenarbeit mit euch Deutschen enger zu gestalten.“ Gemeinsam etwas zu bewirken, das sei das Ziel, wie auch Christoph Stiba unterstreicht, nachdem er ein Abendmahlsgeschirr als Gastgeschenk überreicht hat: „Wir brauchen den Dialog zwischen Ost und West, zwischen verschiedenen Einstellungen, damit das Evangelium vorangebracht wird.

Bundesgemeinschaft 2025

Am 28. November hat der „Thinktank“ seine Arbeit nach zweieinhalb Jahren beendet. Die Fortführung geschieht nun durch das „Entwicklungsteam“ unter der Leitung von Stefan ter Haseborg.

Anfang 2017 startete der Thinktank, beauftragt vom Präsidium und mit vielen Grundsatzfragen im Gepäck: Wie kann der Bund sich den Gemeinden dienstbar machen? Wie ist eine Unterstützung möglich? Wie kann der Wunsch nach freikirchlicher und ökumenischer Zusammenarbeit strukturell unterstütz werden? Neben den Fragen wurden einige Probleme deutlich: eine Abnahme der konfessionellen Identität, ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber Bundesverantwortlichen, die strukturelle Finanzknappheit des Bundes und die Feststellung, dass manche der bewährten Strukturen heute nicht mehr tragen.

Zu Beginn wurden unterschiedliche Themenschwerpunkte herausgearbeitet. Diese sollten gestärkt werden und einer neuen Struktur eine Perspektive geben:

Mit Gemeinden vor Ort sollen neue Ideen für eine kreative, missionarische und zugleich ressourcenorientierte Gemeindearbeit entwickelt werden. Außerdem soll der Bund als Bund von Gemeinden auf vielfältige Weise die Liebe Gottes zu den Menschen bringen. Wo es sinnvoll und möglich ist, soll die Zusammenarbeit mit Christen aus Kirchen anderer Konfessionen gefördert werden. Bisher gewachsene Strukturen und Arbeitsweisen in Bund und Landesverbänden müssen überprüft werden und sind gegebenenfalls so zu verändern, dass sie im Rahmen der Möglichkeiten möglichst effektiv den Gemeinden dienen. Es soll hinterfragt werden, welche Angebote und Dienstleistungen des Bundes eine Bedeutung für die Ortsgemeinde haben und welche gegebenenfalls nicht.###3_IMAGES###Im Laufe der Arbeit im Thinktank wurde immer deutlicher, dass die Entwicklung einer grundlegend neuen Struktur für Bund und Landverbände nicht zielführend ist. An unterschiedlichen Stellen wurde die Erfahrung gemacht, dass solche Projekte und Initiativen in der Vergangenheit auf Ablehnung gestoßen sind.

Es wuchs die Idee, vielleicht auch deshalb, weil es dem Bund als einem Bund von Gemeinden am meisten entspricht, flexible und anpassungsfähige Projekte, Initiativen und Programme zu entwickeln, zu fördern und zu unterstützen. Das war nun nicht wirklich Neues, wird doch im Bund immer wieder so gearbeitet. Aber der Thinktank wollte den Fokus mehr darauf richten und weniger auf das Bedienen der vorhandenen Strukturen. Dieser Fokus soll durch eine agile Arbeitsweise verstärkt werden.

Immer im November findet die sogenannte Offene Präsidiumssitzung (OPS) statt. Dazu sind dann alle Referentinnen und Referenten des Bundes, die Bereichsleiter, die an der Hochschule Lehrenden, Verantwortliche aus den Landesverbänden und weitere Menschen mit einer Funktion im Bund eingeladen. Bei den OPS gibt es stets ein Schwerpunktthema. In diesem Jahr stellte der Thinktank seine bisherige Arbeit vor. Es war für manche der Teilnehmenden schon eine Herausforderung, akzeptieren zu müssen, dass es nichts „Handfestes“ gibt, was der Thinktank vorstellen kann. Es ging in erster Linie darum, sich mit einer Vorgehensweise und einer Idee vertraut zu machen. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass ein Wandel notwendig ist. Der Thinktank hat immer mehr gemerkt, dass der Bund auf manche Veränderung in der Gesellschaft und durch manche sich daraus ergebende Herausforderungen keine Antworten hat. „Wir dürfen aber als christusgläubige Menschen hoffnungsvoll in die Zukunft schauen, dürfen ausprobieren, Ideen entwickeln und so planen, wie es zur jeweiligen Situation vor Ort entspricht“, so BEFG-Präsident Michael Noss.###3_IMAGES###Auf spielerische Weise machten sich alle mit den Chancen eines agilen Handelns vertraut. So bietet diese Arbeitsweise durch ein kontinuierliches Ausprobieren zum Beispiel die Chance, schneller und besser auf Bedürfnisse in Gemeinden zu reagieren. Chancen und Stärken der Methode, aber auch deren Grenzen waren gut zu erkennen. Berichte aus Gemeinden und Landesverbänden rundeten das Bild ab. In einer Diskussionsrunde wurde sehr frei und offen darüber gesprochen, wie eine Umsetzung aussehen könnte, wo auf Vorhandenes und Gutes aufgesetzt werden kann. Wichtig ist dabei ein hoher Grad an Transparenz und Vernetzung auf dem Weg. Die Veränderung wird in vielen kleinen Schritten geschehen. Vorhandene und neue „Leuchtturmprojekte“ sollen direkt für die Gemeinden entwickelt und getestet werden. Was nicht funktioniert, kann dann auch getrost wieder aufgegeben werden. Bundesseitig sollen Projekte initiiert und begleitet werden. Initiativen von Gemeinden werden unterstützt und ebenfalls begleitet. Dabei soll die Bedeutung für andere Gemeinden gestärkt und gefördert werden.

Das Zielbild wird unter dem Arbeitstitel „Bundesgemeinschaft 2025“ angestrebt. Dabei wird der Bund dezentral gedacht. Regional überschaubare Strukturen sollen sich entwickeln. Dabei wäre es dringend notwendig, dass die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf ihre Weise diese Entwicklungen unterstützen.

Das „Entwicklungsteam“ nimmt ab sofort seine Arbeit auf. Zum Team gehören zurzeit Dagmar Wegener, Holger Huhn, Udo Rehmann und Stefan ter Haseborg. Das vorhandene Team soll noch um zwei weitere Personen erweitert werden. Weitere Informationen zu den Aktivitäten und Initiativen werden bereits auf dem Bundesrat 2020 in Kassel vorgestellt.

Zum Thinktank gehörten die ganze Zeit oder phasenweise: Benedikt Elsner, Stefan ter Haseborg, Udo Hermann, Holger Huhn, Jasmin Jäger, Wilma Lükenga-Kruse, Birte McCloy, Michael Noss, Raphael Pionke, Udo Rehmann, Christopher Rinke, Heiner Christian Rust, Udo Schmidt, Friedrich Schneider, Christoph Stiba, Karolin Theiss, Dirk Zimmer.

Von Spaltungen zu einer „großartigen Versöhnungsgeschichte“

„Deutschland ist ein Land, von dem Spaltungen ausgingen, mit einer großartigen Versöhnungsgeschichte.“ Mit diesen Worten führte Dr. Verena Hammes bei der Mitgliederversammlung der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) in das Schwerpunktthema „Ökumene“ ein. Auch die zivile Seenotrettung im Mittelmeer stand bei der Konferenz Ende November im thüringischen Bad Blankenburg auf der Tagesordnung. So beschlossen die Delegierten, dass die VEF Bündnispartner von „United4Rescue“ wird.

In ihrem Vortrag würdigte Hammes, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), die breit angelegte Ökumene in Deutschland und beschrieb diese als „einzigartig“. Wenn man Ökumene ernstnehme, müsse man neben den großen Kirchen die ganze Vielfalt der Kirchenlandschaft in den Blick nehmen, wie es beispielsweise 2021 geplant sei. In diesem „großen Jahr der Ökumene“ findet zunächst im Mai in Frankfurt der 3. Ökumenische Kirchentag (ÖKT) statt und dann, im September in Karlsruhe, erstmals in Deutschland die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK). Die Freikirchen werden auf dem ÖKT mit eigenen Ständen auf dem Veranstaltungsgelände gemeinsam sichtbar sein und wollen zudem die von der ACK geplante „Polis“ unterstützen, durch die Ökumene während des Kirchentags auch im Frankfurter Stadtzentrum sichtbar werden soll. Dr. Lothar Triebel, Freikirchenreferent am Konfessionskundlichen Institut Bensheim, ermutigte die VEF, den Begriff „evangelisch“ aktiv mitzuprägen.

Mit dem 1. Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) Ekkehart Vetter und deren Generalsekretär Dr. Reinhardt Schink waren auch zwei führende Vertreter der DEA zu Gast, in deren Tagungshaus die Mitgliederversammlung stattfand. Beide würdigten in ihrem gemeinsamen Vortrag die gute Zusammenarbeit mit der VEF. Schink berichtete über das Zukunftsforum der Allianz, durch das junge Leute zur verantwortlichen Mitarbeit ermutigt werden sollen. Es sei ein großes Anliegen, die Allianz als Netzwerk zu stärken, an dem sich viele Menschen gemeinsam und ohne starke Hierarchien beteiligen können. Auch die Digitalisierung solle hierbei intensiv genutzt werden, so Schink.###3_IMAGES###VEF-Präsident Christoph Stiba hob ein Thema hervor, das in den Vorträgen von Hammes, Schink und Vetter vorkam und das auch für die VEF von hoher Bedeutung sei: „Es ist wichtig, mit den Migrantenkirchen ins Gespräch zu kommen, die zur Ökumene in Deutschland dazugehören.“

Die VEF wurde auf Beschluss der Mitgliederversammlung offiziell Bündnispartner von „United4Rescue – Gemeinsam Retten“. Das Bündnis hat das Ziel, ein eigenes Rettungsschiff ins Mittelmeer zu schicken, um so Menschenleben zu retten. Der Verein hebt die „Pflicht zur Seenotrettung“ hervor, wendet sich gegen eine Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung, setzt sich für faire Asylverfahren und sichere Häfen ein. „Menschen in Lebensgefahr muss geholfen werden“, so VEF-Präsident Christoph Stiba. „Wegschauen ist keine Option. Deshalb wollen wir jetzt gemeinsam ein Zeichen setzen und helfen, wo wir können.“

Die Mitgliederversammlung befasste sich auch mit der Zukunft der freikirchlichen Rundfunkarbeit. Andrea Schneider, seit 1996 Rundfunkbeauftragte der VEF, geht Mitte 2020 in den Ruhestand. Nachdem der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden diese Stelle bisher allein finanziert hat, werden die VEF-Kirchen dies ab 1. Juli 2020 gemeinsam tun. Der ehrenamtliche Vorsitzende der VEF-Arbeitsgruppe „Rundfunk und Fernsehen“, Jürgen Single, zeigte auf, welche großen Chancen es für die Freikirchen mit sich bringe, über Rundfunkgottesdienste und -andachten viele Menschen zur erreichen.

Auch die Leiterin einer anderen VEF-Arbeitsgruppe war in der Mitgliederversammlung zu Gast: Claudia Rohlfing berichtete davon, wie sich Mitarbeitende aus den unterschiedlichen Freikirchen zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vernetzen und vom Material und den Erfahrungen der Anderen profitieren.

Der Leiter des Runden Tisches „Gebet“ der Koalition für Evangelisation (Lausanner Bewegung) Bernd Oettinghaus stellte den Delegierten die Initiative „3. Oktober – Deutschland singt“ vor. Im kommenden Jahr sind Menschen aller Generationen und Kulturen am Tag der Deutschen Einheit eingeladen, in den Städten zu singen und zu feiern. Damit soll „ein Zeichen der Dankbarkeit und Einheit“ gesetzt werden: „Zur Erinnerung an die Friedensgebete und an das Wunder der Friedlichen Revolution bringen alle Sängerinnen und Sänger Kerzen mit – als Symbol für Frieden und Hoffnung im wiedervereinten Land und darüber hinaus.“###3_IMAGES###Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen wurde 1926 gegründet. Ihr gehören zwölf Mitglieds- und drei Gastkirchen an. Verschiedene Arbeitsgruppen der VEF befassen sich mit Themen wie Evangelisation und missionarischem Gemeindeaufbau, gesellschaftlicher Verantwortung, Rundfunkarbeit, Angeboten für Kinder und Jugendliche oder theologischer Aus- und Weiterbildung. Weitere Informationen: www.vef.de.

„Rosa bleibt sitzen – aber das Recht steht auf“

Weil sie sich geweigert hatte, ihren Sitzplatz im Bus für einen Weißen zu räumen, wurde die Afroamerikanerin Rosa Parks in Montgomery, Alabama, am 1. Dezember 1955 festgenommen. Ihr Gemeindepfarrer Martin Luther King und eine Bürgerinitiative organisierten den ersten Kundenboykott der jüngeren US-Geschichte, den „Busstreik von Montgomery“, den Anfang vom Ende der Apartheid in Amerika. Gleiche Rechte für Frauen und Männer aller Rassen und Religionen werden heute in Deutschland wieder in Frage gestellt. Grund genug, im „Chormusical Martin Luther King - Ein Traum verändert die Welt“ das Leben, die Wirkung und die Aktualität des Bürgerrechtlers und Friedensnobelpreisträgers zu thematisieren.

Das Chormusical startet im Januar 2020 seine Tournee durch dreizehn Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Rund 15.000 Chorsängerinnen und -sänger proben zurzeit die Gospel- und Popsongs, die sie zusammen mit professionellen Musicalsolisten und Big-Band in großen Multifunktionsarenen aufgeführt werden. Am 18. Januar 2020 wird das Werk von Andreas Malessa, Hanjo Gäbler und Christoph Terbuyken in der Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg mit mehr als 1.300 Sängerinnen und Sänger aus der Region aufgeführt.

Rosa Parks hätte sterben können an diesem Tag

„Es ist für mich eine große Ehre, die Rolle dieser Frau verkörpern zu dürfen“, sagt Sängerin und Schauspielerin Bonita Niesen, „sie hätte sterben können an diesem Tag, aber sie wusste, was getan werden muss. Das macht mir täglich Mut, mich gegen Ungerechtigkeit zu wehren.“

381 Tage lang gingen mehr als 50.000 Afro-Amerikaner zu Fuß zur Arbeit. Engagierte Weiße richteten private Mitfahrerzentralen ein. Bis 1959 war in immer mehr Bereichen des öffentlichen Lebens die Rassentrennung aufgehoben. Martin Luther King selbst bezahlte seinen gewaltlosen Einsatz für Gleichberechtigung und Menschenrechte 1968 mit dem Leben.

„Es gibt Gerechtigkeit, für die es sich zu kämpfen lohnt“

„Ich bin in den 70ern in Südafrika geboren“, erzählt Bonita Niessen, „mitten im Apartheidsystem. Die Bürgerrechtsbewegung von Nelson Mandela war noch in vollem Gange. Wir hatten die gleichen Themen! Eigentlich müsste heute so viel anders sein. Doch noch immer ist der Traum von Rosa Parks und Martin Luther King nicht überall auf der Welt Wahrheit geworden.“

15.000 Stimmen tragen Kings Traum weiter

Herzstück jeder Inszenierung ist der riesige Chor mit Sängerinnen und Sängern aus der jeweiligen Region – zwischen 300 bis 1.500 Mitwirkende je Aufführung. Vom Schulkind bis zur Oma, quer durch alle Berufe und Konfessionen. „Wir halten fest, trotz Spott und Hohn, dass bald schon, irgendwann, nicht Rasse und nicht Religion den Hass begründen kann“ singen sie zum wuchtigen Sound einer Big-Band und den Solisten.

Über 70.000 Besucher werden durch das Musical mit Kings Traum in Berührung kommen und seine Ideen in unsere heutige Situation tragen, die besonnene Stimmen ebenso nötig hat wie kluge Visionen.

Das komplette Interview mit Bonita Niessen finden Sie online unter www.king-musical.de/rosableibtsitzen.

Veranstalter der Aufführung in Hamburg ist die Stiftung Creative Kirche in Kooperation mit dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (Baptisten- und Brüdergemeinden), der Johann-Gerhard-Oncken-Kirche und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Schirmherr der Veranstaltung ist Christoph Stiba, Generalsekretär des Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland.

Projektpartner des Chormusicals ist Brot für die Welt. Im Rahmen der Aktion Gospel für eine gerechtere Welt unterstützt das Chormusical Martin Luther King ein Projekt von Brot für die Welt im Norden Kenias, das den Zugang zu sauberem Trinkwasser sichert. Weitere Aktionspartner sind der Versicherer im Raum der Kirchen und die Bank im Bistum Essen. Das Chormusical wird unterstützt durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon.

„Der Kunde ist der neue Boss“

„Agile Organisation“ war das Thema beim Treffen des Netzwerks „Beratung von Gemeinden“ mit 44 Teilnehmenden am 18. November in der Gemeinde Kassel-West. Martin Seydlitz, Mitglied im Fachbeirat „Beratung von Gemeinden“ und Mitorganisator des Beratertreffens, berichtet, wie er den Tag erlebt hat.

„Eine steigende Dynamik in gesellschaftlichen Veränderungen wirkt sich auch auf unsere Gemeinden aus“, so Pastorin Heike Beiderbeck-Haus, Referentin für Gemeindeberatung. „Wie gehen wir mit den Generationen X, Y und Z um? Wie reagieren wir angemessen auf ein verändertes Lebensgefühl und Mitarbeiterverhalten? Auf Situationen, in denen es schwerfällt, klassische Leitungsrollen zu besetzen?“ Zu diesen Fragen hat das Netzwerk „Beratung von Gemeinden“ André Häusling einen der deutschen Pioniere zum Thema „Agile Organisationen“ als Referenten eingeladen. „Mit der Firma HR Pioneers auf agile Personal- und Organisationsentwicklung spezialisiert, brachte er seine professionellen Pfunde mit der Leidenschaft für die Gemeinde Jesu zusammen – ein interessantes Crossover!“, so Beiderbeck-Haus.

André Häusling hielt auf dem Beratertag ein glühendes Plädoyer für agile Organisationsstrukturen in unseren Gemeinden. Viele Gemeinden seien – trotz ihrer basisdemokratischen Grundordnung – von oben nach unten verfasst. Eine Schar von Mitarbeitenden sorgen für die Umsetzung von Ideen, die in der Leitung für richtig befunden wurden. Dieses Verfahren hat seine Stärken, lässt aber viel Potential ungenutzt. Häusling sieht in der Selbstorganisation einen großen Katalysator für die Produktivität von Systemen. Selbstorganisation bedeutet nicht, Dinge dem Zufall zu überlassen. Es bedeutet vielmehr Steuerung durch das Setzen von Rahmenbedingungen. Leitungspersonen sollten mehr Aufmerksamkeit auf das Coachen und Befähigen anderer verwenden, als ihre Unentbehrlichkeit bewusst oder unbewusst zu stärken###3_IMAGES###Organisationen, die ein „Pull-Prinzip“ (pull = ziehen) kultivieren seien leistungsfähiger. Mitarbeitende sollen demzufolge eingeladen werden, Verantwortung und Engagement an sich zu ziehen. Während das „Push-Prinzip“ bedeutet, Mitarbeitende zu fordern oder gar unter Druck zu setzen. Häusling spricht sich ganz grundsätzlich dafür aus, die vielerorts noch im Brauch befindliche Hierarchie, an der ein Leitungsgremium oder gar eine Einzelperson an der Spitze stehe, umzudrehen. Die alle Aktivitäten bestimmende Ebene sollten die Kunden sein. Die Anliegen und Bedürfnisse derer, für die eine Gemeinde oder Organisation da ist, müssten mehr in den Focus kommen. Hier gibt es gute Erfahrungen von Gemeinden, die sich diesbezüglich in einem Mentalitätswandel befinden. Eine Gemeinde entdeckt zum Beispiel, dass sie in ihrem Umfeld keine wirtschaftlich Armen hat. Stattdessen stellt sie fest, dass die Menschen in der Nachbarschaft sehr isoliert und beziehungslos leben. Mit der Organisation von Kochkursen und anderen Maßnahmen versucht sie nun, dem Bedürfnis vieler Menschen entgegen zu kommen. Für diese Angebote finden sich in der Gemeinde Engagierte. Die Leitung unterstützt ihrerseits die Mitarbeitenden und bildet sie, wo nötig, für ihre Aufgaben aus. „Der Kunde ist der neue Boss“, wirft Häusling als These in den Raum und wirbt dafür, sich in den Gemeinden konsequent daran auszurichten.

Obwohl der diesjährige Beratertag viele Vortragseinheiten bot, schien es den Teilnehmenden nie langweilig. Eine Spielerunde, am Ende sehr sorgfältig ausgewertet, zwei Gesprächsphasen und auch die Pausen zwischendurch lockerten auf. Vor allem aber war es der engagierten, kompetenten, erfrischenden Art des Referenten zu verdanken, dass am Ende langanhaltender Applaus zu hören war. Hier sprach einer aus der Praxis, der seine beruflichen Erfahrungen auf den Gemeinde- und Beratungsalltag anzuwenden verstand. So wurde dieser Tag für die allermeisten zu einer wertvollen, inspirierenden Erfahrung.

Im Netzwerk „Beratung von Gemeinden“ sind aktuell 65 Beraterinnen und Berater akkreditiert. Sie begleiten Gemeinden in Gesprächsprozessen, können für Klausurtage und Teamcoaching eingeladen werden, unterstützen bei Konfliktlösungen oder bringen bei einer Zukunftswerkstatt die Kreativität der Gemeinde in einen fruchtbaren Prozess. Wer das nutzen möchte, kann sich an die Referentin für Gemeindeberatung, Pastorin Heike Beiderbeck-Haus in Elstal wenden: gemeindeberatung(at)baptisten.de.

Theologischer Grundkurs gestartet

Der neue Theologische Grundkurs (ThGK) Südkurs startete am Wochenende vom 15. bis 17. November 2019 im frisch umgebauten Bildungs- und Begegnungszentrum der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Stuttgart. Der ThGK ist ein Kurs der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), der sich an theologisch Interessierte richtet.

Innerhalb von eineinhalb Jahren üben sich die Teilnehmenden in theologisches Denken ein, erproben sich in der Auslegung der Bibel und im Predigen, erwerben Grundwissen über Kirchen- und Theologiegeschichte und vieles mehr. Der aktuelle Kurs startete mit 23 Teilnehmenden im Alter von 23 bis 67 Jahren; davon elf Personen aus der EmK, jeweils drei aus Gemeinden des BEFG (Baptisten) und der Mennoniten, zwei Frauen vom Gospelforum (Vaihingen) und je einer Person aus der Evangelischen Landeskirche Baden, CVJM, Stadtmission Pforzheim und BFeG (Bund Freier evangelischer Gemeinden).

Beim Speeddating am ersten Abend konnte man in zwei Minuten erfahren, warum der andere sich zum Grundkurs angemeldet hat, was sie sich von dem Kurs erwartet und welche Bibelstelle seine Lieblingsstelle ist. Am Samstagvormittag ging es unter dem Titel „Gotteswort und Menschenwort“ um das Thema Bibelverständnis. Am Nachmittag wurden die Lehrbriefe vorgestellt, die die Teilnehmenden jeweils bis zum nächsten Kurs bearbeiten. Am Samstagabend stellten sich die Lehrer ausführlich vor. Das Seminar endete mit einer Gottesdienstfeier und Nachgespräch, bei dem alle dem Prediger Rückmeldungen geben konnten.

Samstag der Weltmission

Am 2. November fand in der New Life Church Düsseldorf der Samstag der Weltmission statt. Die Begegnung mit Menschen, die sich von den Freuden und Herausforderungen der Weltmission berühren lassen und für das eigene Engagement neue Anregungen erhalten wollten, stand dabei im Fokus. Fiona Waddell war einer von diesen Menschen und erzählt, wie sie den Tag erlebt hat.

„Es war super spannend die Projekte kennenzulernen und zu schauen, wo und wie ich mitmachen könnte. Die Workshop-Leiter haben mich sehr inspiriert, über Mission tiefer nachzudenken und zu reflektieren, was mich inspiriert zu missionieren.“ So lautete das Fazit einer Teilnehmerin beim Samstag der Weltmission.
Das Thema des Tages war „Mission Inspiriert Leben“. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen wurden ermutigt, darüber nachzudenken, was Mission ausmacht und was sie inspiriert, Mission zu unterstützen oder zu leben. Zum Einstieg begrüßte Pastor Simon Nkossi von der gastgebenden Gemeinde die Teilnehmenden herzlich. Die Band der New Life Church leitete eine berührende Lobpreiszeit.

Wie sind wir Teil von Gottes Mission?

Es war ein inspirierender Tag mit spannenden Gesprächen und Berichten. Die Frage, die sich durch den Tag zog, lautete: Wie sind wir Teil von Gottes Mission?
Dorothee Marks, Studentin an der Theologischen Hochschule Elstal, hielt ein Impulsreferat zu „Mission Inspiriert Leben“. Sie erzählte von ihren eigenen internationalen Erfahrungen aus Schweden, Malawi und den USA. Anhand der Apostelgeschichte 1, 3 bis 8 erklärte sie ihr Verständnis von Mission: Von Gott gesendet sein, das ist Mission. Von etwas zu zeugen, das einen bewegt. An welchem Ort? Damals hieß es „in Judäa, Samarien und bis an das Ende der Welt“. Auch heute kann es bedeuten, an ganz andere Orte in der Welt zu gehen oder direkt in der Heimat inspiriert zu leben. Am Ende stellte die Referentin ein paar Fragen zum eigenen Nachdenken: „Wo begegnet mir Jesus in anderen Menschen?“, „Was möchte ich konkret nächste Woche angehen, um mit Menschen in meinem Umfeld in Kontakt zu treten?“, „Wo möchte ich offen werden für Gottes Wirken in meiner Nachbarschaft?“

Vernetzung und Erfahrung

Es gab viele Gelegenheiten, sich zu vernetzen und verschiedene Missionsprojekte kennenzulernen, die man besuchen oder unterstützen könnte, zum Beispiel in Brasilien, Malawi, Indien oder Jordanien. In den Workshops wurde von Gerechtigkeit für Menschen mit Behinderungen im Libanon gesprochen, darüber, wie man in der Türkei Gemeinde für junge Menschen baut, und wie man Menschen begegnet, die Naturkatastrophen erlitten haben.

Dr. Alia Abboud, Direktorin der „Lebanese Society for Educational and Social Development“ berichtete von der gesellschaftlichen und politischen Situation im Libanon. Dort leisten die Baptistengemeinden als „Minderheit in der Minderheit“ mutig und engagiert ihren Beitrag. Sie engagieren sich besonders in der Flüchtlingshilfe, Bildungsarbeit und Inklusion von Menschen mit Behinderung. Abboud berichtete, wie Gott die Gemeinden im Libanon verändert hat, als sie sich dafür öffneten, Geflüchtete aus ihrem Feindesland Syrien zu unterstützen.

Grenna Kaiya, Projektleiterin von EBM INTERNATIONAL, erlebt eine besondere Herausforderung, wenn sie mit der Katastrophenhilfe in ihrer Heimat Malawi zu tun hat. Da soll sie genauso professionell arbeiten wie an allen anderen Projekten, ist aber zugleich ganz persönlich betroffen von den Auswirkungen der Katastrophen.

Ein Pastor aus Istanbul, Kürşad Ergüven, hat die Vision, eine Gemeinde für junge Erwachsene zu gründen, die er bei seiner Arbeit kennenlernt. Er berichtete von der politischen Situation in der Türkei, und wie es ist, dort als Christ zu leben.

Dr. Ingrid und Albrecht Gralle gaben in ihrem Workshop Einblicke in ihren Lebensweg. Sie waren vor vielen Jahren als Missionare in Sierra Leone tätig. Später haben sie dann in Deutschland ihre Tätigkeiten als Augenärztin und Buchautor als Gottes Auftrag erlebt. Gleichzeitig haben sie aber immer gerne Kontakte in andere Länder gepflegt und sich über Gottes Wirken dort gefreut.

Während des Tages konnte man sich über die Arbeit von German Baptist Aid, EBM INTERNATIONAL und Terra Nova Mondai informieren. Am Ende des Tages drückten alle ihren Dank an die Mitglieder der New Life Church Düsseldorf aus, die gute Gastgeber für diesen Tag waren. In einem großen Kreis empfing jeder den Segen Gottes und konnte ihn per Händedruck weitergeben.

Zweiter gemeinsamer Seelsorgetag NRW

Um die 200 Menschen trafen sich in Dortmund zum Austausch und zur Vernetzung rund um das Thema Seelsorge.

Zum zweiten für FeG und EFG gemeinsamen Seelsorgetag NRW trafen sich in der EFG Christuskirche Dortmund knapp 200 in der Seelsorgearbeit Engagierte. Wieder hatte das Planungsteam unter Federführung von Jens Mankel (Seelsorgereferent im Bund FeG und im Bund EFG) zu Vortrag, Workshops und Begegnung eingeladen. Hauptrednerin war Prof. Dr. Andrea Klimt (Theol. Hochschule Elstal). Im Vortrag ging sie auf eine sich ständig verändernde Welt ein. Gemeinden sehen sich heute von einer Vielfalt von Werten, Meinungen und Lebensentwürfen herausgefordert. Wie gehen Seelsorgende mit Widersprüchen, sich ändernden Lebensbedingungen und den sich daraus ergebenden Spannungen um? Wie können Veränderungsprozesse begleitet werden?

Zunächst durch eine innere Haltung der „Ambiguitätstoleranz“, die die Fähigkeit ausdrückt, Unverständliches anzunehmen und Widersprüche wahrzunehmen und auszuhalten. In dieser Haltung können Seelsorgende angemessen auf ihr Gegenüber reagieren. Denn: der Herr der Gemeinde, Jesus Christus, ist die Wahrheit in Person. Er ist lebendig, nicht abstrakt. Ein eindrückliches Beispiel für Ambiguitätstoleranz im Blick auf unterschiedliche Kulturen war die vorgestellte Beratungsarbeit „Lichtblick“ der gastgebenden Gemeinde. Sven Dreger stellte das interkonfessionelle Beratungsnetzwerk „leben:helfen“ vor. Am Nachmittag boten 13 Workshops die Möglichkeit, aktuelle Themen persönlich zu vertiefen. Die liebevolle Gastfreundschaft der Christuskirche machte erlebbar, dass zur Seelsorge auch die Leibsorge gehört.

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