Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

hoffnungsfest erreichte über eine halbe Million Zuschauer

Hunderttausende Zuschauer und große Zustimmung erreichte die evangelistische Woche hoffnungsfest, die der proChrist e.V. produziert und vom 7. bis 13. November auf www.hoffnungsfest.eu, dem proChrist-YouTube-Kanal und Bibel TV ausgestrahlt hat.

Der 1. proChrist-Vorsitzende Roland Werner resümiert: „In neuer Gestalt und explizit als TV-Sendung produziert, konnten wir mit hoffnungsfest in dieser schwierigen Coronasituation ein starkes Programm senden. Im Nachhinein können wir nur staunen, dass wir diese Entscheidung richtig getroffen hatten. hoffnungsfest hat die höchste Verbreitung einer Evangelisationswoche auf YouTube, die wir jemals hatten: Seit dem 7. November konnten wir über 230.000 Abrufe verzeichnen. Zusammen mit den Bibel TV-Zuschauern haben wir über eine halbe Million Menschen erreicht.“ 

Das Programm stand unter dem Thema ‚Gott erleben – Jesus begegnen‘. Zu den festen Elementen gehörten Impulspredigten, ein Hingabegebet, Bibeltexte und die Einladung, eine persönliche Glaubensentscheidung zu treffen. Persönliche Glaubens- und Lebensgeschichten vervollständigten die evangelistischen Abende im Talk-Format. Die Gäste – darunter Flavio Simonetti, Samuel Koch, Déborah Rosenkranz, Bernd Gombert und Tabitha Bühne – erzählten offen und ehrlich von ihrer Suche nach Hoffnung, von geplatzten Erwartungen, Erfolg und Scheitern. Und sie berichteten, wie sie der christliche Glaube zu einem entscheidenden Wendepunkt geführt hat. Abgerundet wurde jeder Abend durch musikalische Beiträge, zum Beispiel von Margarete und Lothar Kosse, Chris Lass und Anja
Lehmann.

375 Kirchen und Gemeinden an rund 150 Übertragungsorten feierten in kleinem oder großem Rahmen ein hoffnungsfest. Hinzu kamen über 200 private Gastgeber, die zum hoffnungsfest ins Wohnzimmer eingeladen hatten.

hoffnungsfest steht nachträglich auch mehrsprachig zur Verfügung

Neben der deutschsprachigen Sendung wurde hoffnungsfest in Deutsche Gebärdensprache, Englisch, Arabisch, Farsi, Chinesisch und Kroatisch übersetzt. Auf www.hoffnungsfest.eu können die Sendungen in allen sieben Sprachen weiterhin abgerufen werden.  

hoffnungsfest geht 2022 weiter

Roland Werner ermutigt, 2022 ein eigenes hoffnungsfest zu feiern: „Jesus Christus ist die Hoffnung für diese Welt und unser persönliches Leben. Das ist eine Botschaft, die uns am Herzen liegt. Deshalb verlängern wir dieses evangelistische Angebot. hoffnungsfest kann auch 2022 als Gemeinde- oder Wohnzimmer-Variante gefeiert werden. Wir hoffen, dass einzelne Christen und christliche Leiter durch die außerordentlich positiven Erfahrungen nun ermutigt sind, auch für ihre Regionen ein hoffnungsfest 2022 anzubieten.“

Etwa 50 Rednerinnen und Redner stehen im kommenden Jahr für regionale hoffnungsfeste zur Verfügung. Das Team in der proChrist-Geschäftsstelle berät gerne, wie diese oder die Wohnzimmervariante individuell umgesetzt werden können.

„Dynamic Gospel – New Europe“

Eigentlich hätte der Kongress schon im Herbst 2020 als Präsenzveranstaltung im polnischen Wisła stattfinden sollen. Dann wurde alles um ein Jahr verschoben. Am Ende fand der Kongress auf einer digitalen Konferenzplattform statt, die plenaren Teile wurden aus der Lighthouse Church im britischen Southampton gesendet.

Insofern war die Veranstaltung zunächst ziemlich typisch für alles, was wir aus diesen Covid-Jahren kennen. Eben noch eine Video-Konferenz. Und ich gestehe, entsprechend verhalten waren auch meine Erwartungen.

Die vorgeschalteten Gebets- und Einstimmungstreffen besuchte ich hin und wieder, an den ebenfalls angeregten Impact-Groups konnte ich mich aus terminlichen Gründen nicht beteiligen.

Mit der Auftaktveranstaltung wich die Skepsis einer steigenden Aufmerksamkeit. „Wie das dynamische Evangelium Europa erreichte“ war die thematische Klammer für verschiedene kurzweilige Impulse, die nicht nur angewandte europäische Kirchengeschichte waren, sondern auch die Bedeutung Europas für die Verbreitung des Evangeliums in der Welt beleuchten. Einschließlich einer kritischen Reflexion der bisweilen unheiligen Allianz von Kolonialismus und christlicher Mission.

Am zweiten Tag der Konferenz standen die aktuellen Entwicklungen für Europa im Zentrum der Betrachtung. Ausgangspunkt war der „Missionsreport“ von Jim Memory, der in Nationalismus, Finanzen, Migration, Klimawandel und Digitale Desinformation die fünf größten Herausforderungen für die europäische Gesellschaft sieht, eine starke Säkularisierung Europas konstatiert und Einflussfaktoren beschreibt, wie eine Re-Evangelisation Europas eine positive Wirkung auf ein verunsichertes Europa haben könnte.

Ermutigende Beispiele für konfessionsübergreifende Ansätze für die Gründung neuer Gemeinden kamen aus Skandinavien. Dort ist es im Rahmen eines nationalen Prozesses „normal“ geworden, in Fragen der Gemeindegründung nicht mehr in einem Silodenken von Denominationen und Konfessionen festzustecken, sondern als Kirchen gemeinsam aktiv zu werden, um Zukunft von Gemeinde real werden zu lassen.

Kleiner gewordene Gemeinden ermutigte Charles Kridiotis im Seminar „Simple church“ dazu, die Kompliziertheit des Gemeindelebens zu reduzieren und wesentliches in den Blick zu nehmen. Die meiste Energie allein in einen Gottesdienst für Insider zu investieren, würde dem Wesen der Gemeinde nicht gerecht. Vielmehr sollte ein wesentlicher Teil der Aktivität in Jüngerschaftsschulung  und dessen Anwendung gehen.

Milieusensible Formen von Kirche vor allem im urbanen Umfeld kamen im Seminar „Moving in as a mission“ zur Sprache. Dabei geht es um das intentionale Hinziehen in bestimmte Wohnbezirke, um als Nachbar selbst zur guten Botschaft zu werden.

Der dritte Konferenztag stand unter dem Vorzeichen des bewussten Gestaltens der Zukunft. Im Morgenplenum ging es um die Bedeutung und Chance von Diversität. „Auf die unterdrückten und marginalisierten Stimmen zu hören“ sei nicht nur „angesagt“, sondern auch nachweislich der Schlüssel zu einem ganzheitlichen Verständnis des Evangeliums in dieser Welt. In der (immer noch unzureichenden) Gleichberechtigung von Frauen oder im  Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus liegt nicht nur eine gewaltige Aufgabe, sondern auch ein unglaubliches Potenzial zur Weiterentwicklung.

Unter den Seminaren reizte mich (selbstredend) das Thema „Revitalisierung“ am meisten. Hier war es wertvoll, die Ansätze aus anderen Kirchen und Ländern kennen zu lernen und zugleich zu  merken, dass wir mit unserem  Projekt:Revitalisierung im BEFG auf vielversprechenden Weg und konzeptionell auf hohem Niveau unterwegs sind.

Emotionales Highlight des ganzen Kongresses war für mich der Abendabschluss mit der mitreißenden Predigt von Kate Coleman, dem umwerfenden 1-Person-Theater von Jenny Flannagan über die Sara-Verheißung und die anschließende Ermutigung von Raphaël Anzenberger, der das Lachen der Sara mit unserer Sicht auf die Wirkung des Evangeliums auf unsere säkularisierte Welt verknüpfte. Ja die ganze Tiefe dieses sehnsuchtsvollen und doch auch ungläubigen, des nicht für möglich haltenden und doch erwartungsvollen Lachens ist mir ins Mark gefahren. Und gerne teile ich die Erfahrung der „schwangeren Sara“, zu erleben, wie das scheinbar Unmögliche durch Gottes Kraft Realität wird.

Der vierte Tag schloss die Klammer zum Einstieg am Mittwoch mit dem Schlussvortrag „Aus der Vergangenheit lernen, der Zukunft begegnen“ und dem Sendungsgottesdienst mit der leidenschaftlichen Abschlusspredigt von Luke Greenwood, der darum warb, die Sehnsüchte und Bedürfnisse vor allem junger Menschen ernst zu nehmen und ihnen mit dem Evangelium eine tragfähige Orientierung in ihren Lebensfragen zu geben.

Fazit: Die durchaus schwierige Herausforderung, in äußerlich und innerlich sehr bewegten Wochen den Raum für einen Online-Kongress frei zu halten und mich einzulassen auf diesen Impuls einer gemeinsamen Sendung, hat sich mehr als gelohnt. Ich bin sehr ermutigt für die schon laufenden Aufgaben, herausgefordert, neu Gelerntes auf den verschiedenen Ebenen meiner Arbeit einzubringen und die Vision neu zu justieren.

Aus bedingungsloser Liebe zu uns Menschen

„Gott kommt zu uns! Das feiern wir an Weihnachten. Doch wir bezeugen es nicht nur Heiligabend, sondern an 52 Sonntagen und 365 Tagen – in unseren Gemeinden und in unserem persönlichen Umfeld.“ So schreibt es Christoph Stiba in der Spendenbitte des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG). Traditionell bittet der Bund zu Weihnachten um Spenden zur Förderung der Mission in Deutschland.

Jede der rund 800 Bundesgemeinde kommt dem gemeinsamen Missionsauftrag auf ihre Weise nach. Der Dienstbereich Mission unterstützt sie dabei auf vielfältige Weise. So werden beispielsweise 26 Gemeindegründungsprojekte durch den Bund in ihrer Arbeit begleitet und auch finanziell unterstützt.

Eines davon ist Braunschweig Connect, eine „moderne Gemeinde für die heutige Generation“, wie Pastor Tobias Kron es beschreibt. „Wir wollen Umbruch, möchten Kirche neu denken, neu erfinden – nah dran an den Menschen und ihrem Lebensalltag.“ Diese Vision treibt den Gemeindegründer schon seit seinem Studium um. Mitte 2015 nahm sie Gestalt an, Anfang 2016 feierte ein Kernteam von etwa 12 Leuten den ersten Gottesdienst in einem Braunschweiger Kino. Mittlerweile zählen sie bis zu 120 Besucherinnen und Besucher, hinzu kommen nochmals Hunderte Interessierte online: „Als Teil der Gemeinde und nicht bloß als Zuschauende.“

Neben engagierten Gründerinnen und Gründern, die von Grund auf etwas Neues aufbauen, berät und begleitet der Dienstbereich auch alle bestehenden Gemeinden in ihrer Missionsarbeit. Manche Gemeinden sind aus verschiedenen Gründen womöglich an den Punkt gelangt, wo ein Neuanfang nötig wird. Das bereichsübergreifende „Projekt:Revitalisierung“ aus dem Dienstbereich Mission hilft und ermutigt Gemeinden auf dem Weg der Veränderung. Ziel ist, dass diese Gemeinden eine neue Relevanz für ihre Umgebung entfalten und hoffnungsvolle Perspektiven entstehen.

 „Ich bin der festen Überzeugung, dass Gott nicht nur Menschen, sondern auch Gemeinden und Regionen heilen kann! Ich glaube, es gibt eine Chance im Zerbruch“, erzählt Pastorin Kathrin Böttche. Sie ist eine von insgesamt 20 gemeindeerfahrenen Begleiterinnen und Begleitern des Projekts, die nach Bedarf eine Gemeinde über zwei Jahre in insgesamt acht Treffen begleiten und befähigen. „Mich motiviert meine persönliche Erfahrung, dass Jesus aus Zerbrochenheit etwas sehr Schönes machen kann. Denn die Gemeinde Jesu ist eine zukunftsfähige Überwinderin.“

In der Spendenbitte des BEFG lädt Christoph Stiba dazu ein, die vielfältige Arbeit des Dienstbereichs Mission mit einer Weihnachtsspende zu unterstützen. „Gott wird Mensch – aus bedingungsloser Liebe zu jedem einzelnen von uns. Das wollen wir gemeinsam in unseren Gemeinden nicht nur Heiligabend feiern, sondern unseren Mitmenschen jeden Tag in Wort und Tat bezeugen.“

Kindesschutz, Menschenrechte, theologische Ausbildung

Gemeinde soll für Kinder und Jugendliche ein sicherer Ort sein, an dem sie vor Missbrauch und Gewalt geschützt sind. Dieses Anliegen bildete das Schwerpunktthema der Mitgliederversammlung der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF). Die Delegierten der 15 Mitgliedsbünde befassten sich bei der Online-Sitzung am 23. und 24. November auch mit dem „Zukunftsthema Pastorenausbildung“ und dem politischen Engagement der Freikirchen.

Berichte, wie Freikirchen sich für den Kindesschutz engagagieren, standen am Anfang der Sitzung. Oliver Gall, der Leiter des Fachbeirats „Sexueller Gewalt begegnen“ der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, beschrieb zunächst die grundsätzliche Bedeutung des Themas. Rechne man die Dunkelziffer ein, müsse man mit 240.000 Fällen von Kindesmissbrauch im Jahr in ganz Deutschland ausgehen. Eine Herausforderung von Gemeindearbeit sei, dass soziale Nähe im Gemeindekontext Tätern den Missbrauch erleichtern könne, wenn man nicht präventiv dagegen vorgehe. Deshalb sei seine Kirche in der Vorbeugung aktiv, mit einem Verhaltenskodex für Mitarbeitende, Publikationen und Schulungen. Wenn ein Missbrauchsfall gemeldet wird, ist bundesweit ausschließlich der Fachbeirat für die Bearbeitung zuständig. „Keine Weisungsbefugnis durch die Kirchenleitung, finanzielle Unabhängigkeit und absolute Vertraulichkeit der Gespräche mit den Opfern“ beschrieb Gall als einige der prägenden Merkmale der Arbeit des Fachbeirats.

Christian Rommert vom Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) stellte das Konzept seiner Freikirche vor, die seit 2008 „Auf dem Weg zur sicheren Gemeinde“ ist. Seit 2018 gibt es eine von Rommert mit entwickelte Anlaufstelle für Opfer sexueller Gewalt, bei der der BEFG mit einer unabhängigen externen Einrichtung zusammenarbeitet. Für Gemeinden sei es wichtig, für das strategische Vorgehen von Tätern sensibilisiert zu werden und Gegenstrategien zu entwickeln und umzusetzen. Hier gibt es im BEFG umfassendes Material. Bischof Harald Rückert berichtete über Prävention und Intervention in der Evangelisch-methodistischen Kirche. Die Kirche hat verschiedene Materialien wie einen „Notfallplan“ herausgegeben. Für Missbrauchsopfer gibt es mehrere Kontaktstellen. Gemeinden, in denen Missbrauch stattgefunden hat, können externe Beratung in Anspruch nehmen.

In der anschließenden Diskussion schilderten Vertreterinnen und Vertreter anderer VEF-Kirchen über ihre Schutzkonzepte. Es wurde deutlich, dass die Bünde präventiv gut aufgestellt sind. Hinsichtlich der Intervention bei Missbrauchssituationen will die VEF prüfen, wie ein gemeinsames Vorgehen aussehen könnte, das ein – von den Kirchen unabhängiges – geregeltes Verfahren gewährleistet.

Antisemitismus, Menschenrechte, Verschwörungstheorien

Konstantin von Abendroth, der VEF-Beauftragte am Sitz der Bundesregierung, stellte aktuelle Schwerpunkte seiner Arbeit dar. Eines der Themen, mit denen er sich zurzeit vertieft befasst, ist der Einsatz gegen Antisemitismus. Der Politikbeauftragte erinnerte auch an das Schreiben der VEF-Arbeitsgruppe zum Weltflüchtlingstag „Menschenrechte sind #unverhandelbar“ und die Online-Veranstaltung „VEF im Gespräch“ zum Thema Verschwörungstheorien. Zudem berichtete er über seine Mitarbeit in der Ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche und das Engagement der VEF bei der Interkulturellen Woche, für ihn ein „wertvoller Beitrag für das Miteinander unserer Vielfalts-Gesellschaft“.

Theologische Ausbildung

Prof. Dr. Michael Kißkalt, Rektor der Theologischen Hochschule Elstal, berichtete in der Mitgliederversammlung über die Treffen der von ihm geleiteten VEF-Arbeitsgruppe „Theologische Aus- und Weiterbildung“. Vertreterinnen und Vertreter aller freikirchlichen Ausbildungsstätten tauschen sich dort aus. „Die Hochschulen müssen immer wieder neue Wege gehen, um Menschen für das Studium und auch den pastoralen Dienst in den freikirchlichen Gemeinden zu begeistern“, so Kißkalt. Beliebt seien aktuell Studiengänge, in denen Theologie mit einem anderen Fachgebiet, etwa der Sozialen Arbeit, kombiniert wird. Ein fundierter theologischer Schwerpunkt sei für den Gemeindedienst jedoch unerlässlich. In der Diskussion schilderte auch Bischof Harald Rückert von der Evangelisch-methodistischen Kirche seine Beobachtung, dass sich „Rollenbilder von Pastoren sehr schnell ändern. Hier ist ein Austausch zwischen Hochschulen und Trägerkirchen wichtig.“ VEF-Präsident Christoph Stiba betonte, das Engagement der VEF-Arbeitsgruppe sei „bei diesem Zukunftsthema“ von hoher Relevanz. „Gerade im Bereich der theologischen Ausbildung gibt es für die Freikirchen gute Möglichkeiten der Zusammenarbeit.“

Gegenseitige Unterstützung

In ihren Berichten schilderten einige Delegierte die Herausforderungen im Umgang mit dem neuen Infektionsschutzgesetz. Es entwickelte sich ein Austausch darüber, wie hier gute Lösungen für die Kirchen und die Gemeinden aussehen können. Im Anschluss an die Sitzung stellte der BEFG den Delegierten ein Papier zur Verfügung, das beschreibt, was Gemeinden als Dienstgeber nun beachten müssen. Christoph Stiba hob hervor, dass es eines der Anliegen der VEF sei, dass sich die Bünde gegenseitig in ihrer Arbeit und ihrem gesellschaftlichen Engagement unterstützen. 

VEF bekommt 2022 neues Vollmitglied

„Weil die Mitgliederversammlung wegen der Entwicklung der Pandemie kurzfristig online durchgeführt werden musste, wurde die Vorstellung der Apostolischen Gemeinschaft auf das nächste Treffen verschoben, das dann hoffentlich in Präsenz stattfindet“, so Christoph Stiba. Die Freikirche ist bisher Gastmitglied und möchte Vollmitglied werden. Zudem habe die Apostolische Kirche, die bisher nicht zur VEF gehört, Antrag auf Gastmitgliedschaft gestellt, wie Stiba berichtete. Die nächste Mitgliederversammlung findet am 12. April 2022 statt.

Innehalten, beten und verändern

Das Präsidium des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) hat am 19. November alle Interessierten zu einer Offenen Präsidiumssitzung (OPS) mit Austausch und gemeinsamen Gebet eingeladen. Das Referat des Abends stand unter der Überschrift „Warum die Coronakrise zur Chance für den BEFG werden kann“.

BEFG-Präsident Michael Noss begrüßte die etwa 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Offenen Präsidiumssitzung und ermutigte in seiner Andacht, dass Christinnen und Christen bei aller Ungewissheit der Coronakrise wissen können: „Wir haben einen Gott, der da hilft und vom Tode errettet.“ (Psalm 68,21)

Im ersten Teil der OPS führte der BEFG-Referent für Gemeindegründung Klaus Schönberg in seinem Impuls „Warum die Coronakrise zur Chance für den BEFG werden kann“ aus, dass die Coronakrise zum Testfall der Veränderungsfähigkeit von Gemeinden geworden sei. Für Gemeindewachstum sei das Veränderungsverhalten von Gemeinden entscheidend. In gesunden Gemeinden gebe es stets innovative Personen, die vorangehen, eine frühe Mehrheit, die mitgeht, und eine späte Mehrheit, die erstmal abwartet, und schließlich Personen, die eine Veränderung verweigern. Es sei ein Fehler, alle mitnehmen zu wollen und in Entscheidungsprozessen zu viele Schleifen zu drehen. Denn dann würden innovative und für die Weiterentwicklung notwendige innovative Personen frustriert die Gemeinde verlassen und das Gemeindewachstum stagnieren. Stattdessen schlug er vor, dass Gemeindeleitungen sich ein Mandat mit einem Versprechen geben lassen, einfach mal ausprobieren zu können, um als Gemeinde agil, flexibel und zeitnah auf Veränderungen zu reagieren. So entstehe eine Kultur, in der sich die Gemeinde ständig selbst erneuert.

Abschließend ermutigte Klaus Schönberg die Bundesgemeinschaft, sich auf eine sich verändernde Gesellschaft und die Chance der Transformation einzulassen, das Evangelium neu zu erzählen und Menschen einzuladen, die Freude des Evangeliums zu erleben. In anschließenden Breakout-Gruppen wurde der Vortrag diskutiert, zum Beispiel wie die Veränderungsfähigkeit von Personen und Gemeinden eingeübt werden kann und welche Instrumente dafür zur Verfügung stehen.

Der zweite Teil „Beten mit dem Präsidium“ begann mit Dank. Die Teilnehmenden trugen Dinge, für die sie dankbar sind, in das Online-Tool Mentimeter ein und ließen auf diese Weise eine „Dankwolke“ entstehen. Die Präsidiumsmitglieder Andrea Kallweit-Bensel, Lea Herbert und Eckart Müller-Zitzke griffen den gesammelten Dank im Gebet auf und dankten zum Beispiel für Solidarität, Freundschaften und Familie, Gottes Gegenwart, Bewahrung, Fürsorge und seinen Geist, für Menschen in Gemeinden, die mutig und zukunftsweisend sind und unverbesserliche Hoffnung und Lebensfreude haben.

Präsidiumsmitglied Dirk Zimmer zeigte in seinem Impuls – in Rückbezug auf die Predigt im Bundesgottesdienst von Deborah Storek zu Matthäus 9,35-10,1.5 – auf, dass Jesus seine Jünger aufforderte, nicht gleich loszulaufen, sondern erst einmal zur Seite zu treten, innezuhalten und zu beten, dass Gott die Menschen anspricht und auswählt, die aktiv werden sollen. Jesus schickt die Zwölf aus der Schar seiner Nachfolgerinnen und Nachfolger los. Neben den Zwölf seien die anderen innerlich und betend an der Sendung der Zwölf beteiligt gewesen. Genauso sei es auch Anliegen dieser OPS, die Chancen und Herausforderungen der aktuellen Situation ins Gebet zu nehmen und auf Gott zu hören. Daher wurden im Anschluss Gebetsanliegen aus den Dienstbereichen und von EBM INTERNATIONAL gesammelt, und in Breakout-Rooms wurde dafür gebetet, zum Beispiel für German Baptist Aid und die Winterhilfe im Libanon, in der Ukraine und der Türkei, die neue Zusammensetzung der Akademie Elstal, Silvesterfreizeiten des GJW, die Studierenden der Theologischen Hochschule Elstal und die Versöhnung in der Leitung des Kameruner Baptistenbundes. Darüber hinaus bat das Präsidium für die Gesellschaft in der Coronakrise zu beten.

Veranstaltung Lebenskunst - Tanz

In Bewegung pur, so zeigte Pastorin Claudia Sokolis-Bochmann den Teilnehmenden im Online-Projekt „Lebenskunst – Kunst des Lebens“ des Forum Älterwerdens den Psalm 23 in einer ersten Einspielung, die in der Wiederholung mit Sprache von ihr unterlegt wurde, im Sinne der vertonten Bewegung. Auf Musik verzichtete die Musik- und Bewegungspädagogin an diesem Abend und vermittelte die Freude und Leidenschaft an Bewegung und tänzerischen Ausdruck in ihrem Referat und durch ihre Darstellungen. Seit sie am Ende ihres Anfangsdienstes im Jahr 2009 ihre Abschlussarbeit zu dem Thema „Tanzen als Sprache des Glaubens“ vorlegte, arbeitet sie an den Themen Rhythmen und Klängen, Leiblichkeit und Ausdruck, ganzheitlicher Spiritualität. In Einzelstunden und Seminaren unterrichtet sie „laudieren“ als Körperarbeit. Die sinnlich-ästhetische Wahrnehmung und Verkündigung des Wortes Gottes wurde an diesem Abend reflektiert, ebenso wie der Ausdruck an Lebensfreude und eigenes Körpererleben.

Am 9. September bekamen die Teilnehmenden Einblick in den persönlichen Weg der Referentin zum Thema, wurden anthropologische, theologisches und kulturell-religiöse Aspekte betrachtet und miteinander über Erfahrungen ausgetauscht. Am Seminar nahmen Personen aus unterschiedlichen Regionen teil.

Dankbar wurde in den Rückmeldungen zum Ausdruck gebrachten, dass Bewegung und Tanz in dem Format „Lebenskunst“ zur Sprache kamen und Verkündigung und Gebet mit und durch den Körper gelebt werden kann. 

Veranstaltung Lebenskunst - Sprache

Am 13. Oktober 2021 fand die vierte Online-Veranstaltung der Lebenskunst-Reihe statt. Diesmal zum Thema Sprache - Das Gesagte und das Gemeinte. 

„Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist der gleiche wie zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen“, zitierte Andreas Malessa Mark Twain am Anfang des Online-Angebotes des Forum Älterwerden.

Pointiert, humorvoll und situationsbezogen karikierend ließ Malessa die Teilnehmenden erleben, wie unterschiedlich Menschen im Beruf und auch in der Gemeinde miteinander reden. An Beispielen wurde deutlich, dass Sprache häufig nicht verständlich ist: Wir werden täglich mit Texten konfrontiert, für die wir einen „Übersetzer“ brauchen, wie z.B. bei Verträgen. Auch, dass Sprache als Herrschaftstechnik genutzt werden kann, wurde thematisiert und ebenso, dass die Verwendung bestimmter Worte die Herkunft des Sprechers erahnen lassen; als „Bibelsprech“ nannte Malessa beispielsweise „Ort des Heils“, „Salbung“ u.Ä. Auch, wie starke Gefühle sprachlich zum Ausdruck kommen können, wurde angesprochen und mit der Frage verbunden: „Wie kann ich ehrlich und nicht verletzend Gefühle beschreiben?“. Malessa warb dafür, dass wir uns einer Sprache bedienen, die weder bedroht noch verklausuliert: Sprache muss respektvoll sein!  

Für einen Austausch in Kleingruppen forderte er die knapp 40 Teilnehmenden mit den Impulsen heraus: „Traue ich mich konkret zu sein? Wie häufig wird an der Wahrheit vorbei geredet? Wo beginnt höfliche Verlogenheit? Und: Wie viel Wahrheit ist zumutbar?“

Der Austausch zeigte, dass es oftmals gerade im eigentlich vertrauten Raum der Gemeinde schwer fällt, einander zu sagen, was wir meinen. Auch der Umgang mit Lob wurde in diesem Zusammenhang angesprochen: Welches Lob ist angemessen? Wird auch inflationär mit Lob umgegangen oder wird es gar instrumentalisiert?“ 

In einem abschließenden Input regte Andreas Malessa an, das eigene Vokabular auszubauen, und zwar durch Lesen. Er nannte Beispiele belletristischer Literatur und hob hervor, wie wertvoll das Lesen der Bibel ist. Denn die Bibel erzählt Geschichten, denen nichts Menschliches fremd ist, so Malessa. Er führte aus, dass die Sprache in der Bibel immer Übersetzung und Übersetzung immer auch Interpretation ist: Die Sprache Jesu wurde aus dem Aramäischen ins Hebräische übersetzt, dann ins Griechische, Lateinische, Deutsche. Er hob auch hervor, dass beim Bibellesen der immer auch der historische und  kulturelle Kontext zu beachten ist. Bibellesen ermöglicht, sich für den Sprachgebrauch der Autoren der Bibel zu interessieren und so auch den eigenen zu erweitern.

Malessa schloss seine Ausführungen mit einem Zitat aus dem Ende des 18. Jhd.: „Wer es nicht einfach sagen kann, studiere so lange, bis er es einfach sagen kann.“

Mit dieser Onlineveranstaltung erweiterte das  Forum Älterwerden die Reihe „LebensKunst – Kunst des Lebens“ - nach den Themen Musik, Malerei, Tanz - und plant für 2022 weitere Angebote. 

Deutlich wurde auch dieses Mal, dass es zunehmend mehr die themen- und interessenorientierten Angebote sind, die favorisiert werden. Denn sie legen die Menschen nicht auf einen Jahrgang fest; sie bringen Menschen miteinander ins Gespräch, und das bedeutet bei dieser Reihe konkret: Wie können verschiedene Ausdruckformen der Kunst  bei der „Daseinsbewältigung“ helfen?

3. gemeinsamer Seelsorgetag NRW am 6. November 2021

Am 6. November fand der 3. für FeG und EFG gemeinsame Seelsorgetag NRW statt. Das ursprünglich in Präsenz angedachte Treffen wurde auf ein zweistündiges verkürzt und via Zoom in die Küchen und Wohnzimmer von rund 90 Teilnehmenden übertragen.

In seinem Referat „Seelsorge 4.0 | Die Muttersprache der Kirche geht onlife“ entfaltete Jens Mankel, Seelsorgereferent im Bund FeG und BEFG, zunächst den Begriff der Muttersprache. Sie ist die erste Sprache, die mir begegnet und vertraut ist. Dieser Gedanke ist gut auf die Seelsorge übertragbar. Sie ist die Sprache, in der Gott mir als ganzen Menschen begegnet und sich mir zuwendet. Die „Seelsorge-Sprache“ muss sozusagen von jedem Christenmenschen gesprochen werden, kann aber, wie die Muttersprache auch, erlernt und gefördert werden. Der nächste Schwerpunkt lag auf dem Zusatz „4.0“. Jens Mankel führte durch verschiedene Seelsorgeverständnisse und zeigte auf, dass Online-, Email- und Chat-Seelsorge zu den modernen Plattformen von Seelsorgebegegnungen gehören. Der Referent entschied sich bewusst für das Adverb „onlife“ in den Titel des Seelsorgetages zu setzen, ein Begriff, der von dem italienischen Philosophen Luciano Floridi stammt. Er beschreibt die Verschränkung analoger und digitaler Lebenswelten. Diese wird z.B. durch ein vielfaches Blicken auf unser Smartphone im Alltag spürbar.

Das nehme ich für mich mit: Seelsorge kann und soll sich diese Ebene bewusstmachen und sie nutzen.

Hoffen auf einen Nachholeffekt

Das laufende Haushaltsjahr 2021 ist – wie schon das Vorjahr – geprägt von den Auswirkungen der Coronakrise. Zahlreiche Veranstaltungen fielen aus, Reise-, Raum- und weitere Kosten entfielen quasi schlagartig. Die entfallenen Ausgaben führen dazu, dass rückläufige Einnahmen bis dato kompensiert werden. Um zum Jahresschluss ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen, bedarf es jedoch noch einiger Anstrengungen bei den Bundesbeiträgen und dem Bundesopfer, wie der kaufmännische Geschäftsführer Volker Springer auf der digitalen Bundesratstagung berichtete.

Nach Ablauf der ersten drei Quartale liegen die beiden wichtigsten Einnahmepositionen, die Bundesbeiträge aus den Gemeinden und die Bundesopfer-Spenden, erheblich unter den Vorjahreswerten. Bei den Beiträgen fehlen 100.000 Euro im Vergleich zu 2020. „Diese Lücke wird schwer zu schließen sein,“ weiß Springer. Eine Schwierigkeit liege bereits in der Haushaltsplanung. „Wir müssen mit Schätzwerten bei den Mitgliederzahlen des Folgejahres arbeiten. Coronabedingt hatten wir mit 1.000 Mitgliedern weniger gerechnet, es waren jedoch 2.500“. Unabhängig davon habe jedoch die Beteiligung generell nachgelassen. Entsprechend dringlich formulierte Springer die Bitte an alle Gemeinden, den Beitragszahlungen vollumfänglich nachzukommen.

Die Erhöhung der Bundesbeiträge um 2 Euro auf dann 73 Euro pro Jahr und Mitglied für 2022 sei gerade aufgrund dieser Entwicklung von hoher Bedeutung. 301 der 359 Delegierten stimmten dem Antrag auf Erhöhung zu. Mit Blick auf die kommenden Jahre bleibe abzuwarten, inwieweit der Corona-Effekt auf die Mitgliederzahlen schon abgeschlossen ist. „Es ist aber jetzt schon abzusehen, dass es beim Haushalt struktureller Anpassungen an die Mitgliederzahlen bedarf,“ so Springer.###3_IMAGES###Alternativen zum jetzigen Beitragsmodell, wie beispielsweise eine Formel auf Basis der Finanzkraft der Gemeinden, werden weiterhin geprüft. Die Dringlichkeit dazu unterstrich auch der Finanzsachverständige Torsten Sandersfeld.

Unabhängig von alternativen Zukunftsmodellen gewinnt das Bundesopfer, also Spenden und Kollekten für die Arbeit des Bundes, schon bei den aktuellen Zahlen an Bedeutung. Das betonte auch Präsidiumsmitglied Frank Fornaçon: „Die Erhöhung der Bundesbeiträge reicht nicht, um die Arbeit des Bundes nachhaltig zu sichern. Wir brauchen aber einen arbeitsfähigen, starken Bund.“ Spenden und Kollekten seien hier eine wichtige Ergänzung zu den Beiträgen und ein Zeichen gelebter Solidarität.

Aktuell liegt das Bundesopfer deutlich unter den Vorjahreswerten. In den ersten drei Quartalen sind erst 30 Prozent der geplanten 1,1 Millionen Euro eingegangen. Springer führte dazu zwei wesentliche Faktoren an: „Normalerweise erhalten wir immer wieder mal hohe Spenden von Einzelpersonen, die wir in der Form nicht erwarten konnten. Oder Gemeinden beteiligen uns an einer Erbschaft, nachdem wir gemeinsam mit ihnen den Verkauf einer vermachten Immobilie abgewickelt haben.“ Derartige Einnahmen gab es 2021 im Gegensatz zum Vorjahr so gut wie gar nicht. Als zweiten Faktor nannte Springer die Kollekten aus den Gemeinden zugunsten verschiedener Arbeiten des Bundes. „Aktuell haben wir hier 100 Zahlungen weniger aus den Gemeinden erhalten als im Vorjahr.“

Auf dem digitalen Bundesrat wurde auch eine Entlastung für viele Gemeinden beschlossen: die Senkung der Ausbildungsumlage. Sie wurde 2014 im Zuge der Neustrukturierung des Anfangsdienstes eingeführt und dient der Finanzierung von Fortbildungen, Supervisionssitzungen und einer qualifizierten Seelsorgeausbildung (KSA-Kurs) der Ordinierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Anfangsdienst. 2014 wurde beschlossen, dass alle Dienststellen und Dienstgeber, die einen Ordinierten Mitarbeiter oder Mitarbeiterin beschäftigen, 0,6 Prozent des Gehalts zur Finanzierung dieser Maßnahmen abführen. Nach nun drei kompletten Jahrgängen hat sich gezeigt, dass dieser Satz zu hoch berechnet ist. Die Delegierten stimmten für die vorgeschlagene Senkung auf 0,4 Prozent sowie eine zweckbestimmte Verwendung der entstandenen Rücklagen.

Abschließend wies Volker Springer darauf hin, dass in den kommenden Wochen höhere Ausgaben anstehen. Er hofft daher auf einen „Nachholeffekt beim Bundesopfer und den Bundesbeiträgen. Es bedarf der Mitwirkungen von Vielen, das bald endende Jahr noch zu einem guten Ende zu bringen. Bitte zahlt daher Eure Bundesbeiträge. Und bitte prüft, inwieweit ihr euch mit einer Bundesopfer-Spende am gemeinsamen Haushalt beteiligen könnt – als Gemeinde, aber auch als Privatperson. Jede Spende hilft!

Einen kreativen Vorschlag dazu lieferte eine Delegierte: Die Gemeinden mögen doch die durch die digitale Bundesratstagung gesparten Reisekosten und weitere coronabedingten Kosteneinsparungen an den Bund spenden.

Zusammen das Heute gestalten

Bei der Online-Bundesratstagung konnte jede Gemeinde in diesem Jahr erstmals zusätzlich zur regulären Zahl der Abgeordneten einen jungen Menschen unter 35 Jahren delegieren.

„Der Bundesrat war ein tolles Erlebnis“, findet Alessa Hagel, junge Delegierte der EFG Heidelberg. „Ich konnte sehr viel über den Bund und die verschiedenen Bereiche lernen, mich vernetzen und bei den verschiedenen Wahlen mitreden und abstimmen.“ Alessa Hagel war eine von 73 jungen Delegierten.

Denn der Bundesrat hat 2019 beschlossen, allen Gemeinden für Delegierte unter 35 Jahren ein zusätzliches Mandat einzuräumen. „Mit dieser Entscheidung haben wir als Bundesgemeinschaft die Weichen dafür gestellt, dass junge Menschen noch mehr als bisher gehört und in Entscheidungen einbezogen werden“, so BEFG-Präsident Michael Noss. Das sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Denn die jüngere Generation werde gebraucht, um Gemeinden mitzugestalten. Und er fügte hinzu: „Wir wollen junge Menschen gerne nicht nur als Verantwortungsträger von morgen wahrnehmen, sondern mit ihnen zusammen das Heute gestalten.“

Die jungen Delegierten hatten während der Konferenz zwei extra Treffen, um einander kennenzulernen und sich zu vernetzen. „Wir haben gemerkt, wie wertvoll es ist, diese Gruppe von Menschen zu haben, die in ihrer Generation und in ihren Anliegen verbunden sind“, sagte Naomi Maußer bei dem Bericht der jungen Delegierten im Plenum des Bundesrats. „Wir wollen den Bund bunt gestalten und wir wollen unsere Stimme hörbar machen.“ Jonas Löding, Vorsitzender des GJW-Bundesvorstands, der die Treffen der jungen Delegierten vorbereitet hatte, berichtete aus den Treffen, dass dabei angeregt wurde, eine Generationenquote für das Präsidium einzuführen, damit junge Leute auch vermehrt in Gremien des Bundes vertreten sind. Er kündigte einen entsprechenden Antrag für den kommenden Bundesrat an. Außerdem äußerte er den Wunsch, dass sich der Bund mit dem Thema „queere Menschen in unseren Gemeinden“ auseinandersetzt. Beide zeigten sich begeistert über den Austausch und bedankten sich für die Möglichkeit.

„Ich finde es richtig gut, dass wir so viele verschiedene Menschen sind. Allerdings haben manche in ihren Beiträgen die Angewohnheit, sehr schwierige Fachbegriffe einzubauen, die man teilweise googlen muss“, merkte GJW-Vorstandmitglied Jennifer Aworour an. „Vielleicht kann da ja mehr drauf geachtet werden. Gerade für junge Delegierte, die das erste Mal dabei sind, ist es vielleicht dann echt sehr komplex und hemmt einen vielleicht auch sie für 'nen Redebeitrag zu melden, weil man nicht sicher ist, ob man alles richtig verstanden hat.“

Alessa Hagel resümierte: „Auch wir jungen Delegierten wurden wahrgenommen und unsere Stimme zählte genauso wie alle anderen. Besonders schön fand ich auch die Treffen der jungen Delegierten vor und bei der Bundesratsversammlung, auf denen wir uns austauschen und vernetzen konnten. Alles in allem kann ich jedem und vor allem allen Jüngeren nur empfehlen, an der Bundesratstagung teilzunehmen, sich zu informieren und mitzureden.“ Die nächste Bundesratstagung findet 2022 über Himmelfahrt statt, und alle Gemeinden werden ermutigt und gebeten, zusätzlich junge Menschen zu delegieren.

Der Sendung folgen und „Gott handeln lassen“

Wenn Christinnen und Christen in Krisen und „mit leeren Händen“ ihren Blick auf Gott richten und sich von ihm senden lassen, kann er Großes durch sie bewirken. Diese Botschaft ging vom Bundesgottesdienst des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) aus, der am 7. November live ausgestrahlt wurde und sich mit dem Jahresthema der Freikirche befasste: „Dich schickt der Himmel“.

Pastorin Natalie Georgi moderierte die Live-Übertragung aus der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in Berlin-Schöneberg. Deborah Storek, Dozentin für Altes Testament an der Theologischen Hochschule Elstal, und Alexander Rockstroh, Geschäftsführer vom ChristusForum im BEFG, hielten die Predigt. Pop-Kantor Manuel Schienke und sein Gospelchor UpToYou gestalteten die, so eine Chat-Nutzerin: „wunderbare Musik“, die zuvor in der Gemeinde Kassel-Möncheberg aufgezeichnet worden war.

Eine neu- und eine alttestamentliche Bibelstelle standen bei der Predigt im Fokus. Deborah Storek zeigte anhand von Matthäus 9,35-10,10, wie Christen in Krisen wie der aktuellen Pandemie Kraft finden können. So habe Jesus bei der Sendung seiner Jünger im Blick gehabt, wie erschöpft und hilflos diese gewesen seien: „Jesus schickt seine Jünger nicht einfach los. Zuerst nimmt er sie mit ins Gebet.“ Darin liege – angesichts der aktuellen Herausforderungen – eine „große Chance: dass wir ganz persönlich, als Gemeinden und als Bund ins Gebet gehen. Dass wir den Blick neu zum Himmel richten, weil unsere Kraft am Ende ist.“ ###3_IMAGES###Alexander Rockstroh ging in seinen Ausführungen zu 2. Mose 2,1-10 auf das schwere Dilemma der Mutter von Mose, Jochebed, ein, die angesichts der geplanten Ermordung aller männlichen Säuglinge vor der Frage stand: auf die Schergen des Pharaos warten oder das eigene Kind selbst töten? Sie habe ihren Glauben und ihr Vertrauen in Gott trotz der scheinbar ausweglosen Situation behalten und sogar „die Anweisung des Pharaos erfüllt, den Jungen in den Nil zu werfen – nur sie tut es auf ihre eigene und von Gott inspirierte liebevolle Art und Weise: Sie setzt das Körbchen aufs Wasser und entlässt dieses Kind in die Hände und in die Liebe Gottes.“ Durch das Vertrauen und das Hören auf Gott sei die Rettung gelungen – und Mose dem Plan Gottes gemäß zu einem geistlichen Leiter geworden. „Das Grundprinzip Gottes mit seinen Leuten: lernen, Gott handeln zu lassen! Nur wer loslässt wird gehalten!“

Auch heute sende Gott die Krisengeplagten, die Menschen mit leeren Händen, die Kraftlosen, die ihm vertrauen. Ihnen rufe er zu, so Deborah Storek zum Abschluss der Predigt: „Das Wesentliche habt ihr, meine gute Botschaft, die Leben verändert. Meine Kraft, die in euch wirkt. So schickt euch der Himmel. Mit einem wunderbaren Auftrag – und leeren Händen, die offen sind zum Himmel.“ ###3_IMAGES###In zwei Videos wurden Gemeinden in Euskirchen und Bremen vorgestellt, wie sie in ihrem Umfeld wirken. Beide Videos sowie der gesamte Gottesdienst stehen auf YouTube bereit.

Zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer sendeten während der Übertragung im Live-Chat auf YouTube Grüße aus allen Regionen Deutschlands. Viele berichteten davon, dass der Gottesdienst in Gemeindehäusern übertragen wird, etwa in Schwerin, wo 60 Menschen dabei waren. Eine Nutzerin bedankte sich „für den Gottesdienst und die gute Botschaft“, eine andere für „die Mut machende Predigt“. Eine Zuschauerin freute sich über den „verbindenden Gottesdienst“.

Zeugnis für den einen Herrn und Glauben

Der Bundesrat des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) hat beschlossen, einen Antrag auf Mitgliedschaft im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) zu stellen.

Seit mehr als vier Jahren befand sich der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in einem Beratungsprozess, ob beim ÖRK ein Antrag auf Mitgliedschaft gestellt werden soll. Bei der digitalen Bundesratstagung vom 5. bis zum 7. November war es nun soweit: Eine Mehrheit von 83 Prozent der Abgeordneten stimmte dafür. Zehn Prozent waren dagegen, sieben Prozent enthielten sich.

Pastor Dirk Zimmer, Leiter des Theologischen Ausschusses des Präsidiums, und Prof. Dr. Uwe Swarat, Professor für Systematische Theologie an der Theologischen Hochschule Elstal, brachten den Antrag in den Bundesrat ein. Dirk Zimmer skizzierte kurz die über vierjährige Geschichte des Entscheidungsprozesses. Nachdem die ACK-Delegierten des BEFG im Januar 2017 den Beitritt zum ÖRK angeregt hatten und nach internen Beratungen im Präsidium, wurde auf dem Bundesrat 2018 ein Forum zum Thema „Mission und Evangelisation im ökumenischen Kontext“ mit Prof. Dr. Michael Kißkalt, Rektor der Theologischen Hochschule Elstal, und Prof. Dr. Uwe Swarat angeboten. Die Teilnehmenden sprachen sich mit überwältigender Mehrheit dafür aus, dass das Präsidium das Thema der Mitgliedschaft im Weltkirchenrat weiterverfolgt. Auf dem weiteren Weg wurde der mennonitische Professor Dr. Fernando Enns, Mitglied des Zentralausschusses des Weltkirchenrats, auf dem Bundesrat 2019 als Referent eingeladen und stellte sich Fragen der Abgeordneten zum ÖRK. Zur weiteren Meinungsbildung fanden regionale Diskussionsveranstaltungen zum Thema statt, und der Theologische Ausschuss veröffentlichte für die Gemeinden ein Handbuch.

Jetzt vor der Abstimmung führte Prof. Dr. Uwe Swarat als wichtigstes Argument für einen ÖRK-Beitritt aus: „Verbindliches ökumenisches Engagement ist ein Muss für alle Gemeinden und Kirchen, die dem Willen unseres Herrn Jesus und seiner Apostel folgen wollen.“ Darüber hinaus stehe in der Rechenschaft vom Glauben, der baptistischen Bekenntnisschrift: „Der eine Geist schenkt viele Gaben, die sich in den Ortsgemeinden, aber auch in den voneinander getrennten Kirchen in gegenseitig bereichernder Vielfalt auswirken können.“ Aus dieser Erkenntnis folgt laut Swarat, dass der Bund die Gemeinschaft mit anderen Kirchen suchen sollte, weil auch anderen Kirchen der Heilige Geist Gaben geschenkt hat, durch die der Bund bereichert werden könne und umgekehrt.

Einzelne Delegierte äußerten den Einwand, dass sie einige Stellungnahmen des Weltkirchenrats nicht unterstützen könnten. Andere erwiderten, dass der ÖRK eine Plattform biete, ins Gespräch zu kommen und als Stimme hörbar zu werden. Nach einer engagierten Diskussion im digitalen Plenum des Bundesrates stimmte die Mehrheit der Delegierten für den Aufnahmeantrag. Generalsekretär Christoph Stiba begrüßt das Ergebnis: „Viele Mitglieder unseres Bundes engagieren sich bereits auf unterschiedlichen Ebenen in der Ökumene. Nun können wir auch auf Weltebene sichtbar machen, dass wir Teil der Gemeinde Jesu sind, und gemeinsam mit den von uns getrennten Kirchen Zeugnis für den einen Herrn und den einen Glauben geben.“

Wiedergewählter BEFG-Präsident Noss: „Stellung beziehen, Mut machen, Zeichen des Friedens setzen, ein offenes Ohr haben“

„Als Christinnen und Christen sind wir mitten in unsere Lebenswirklichkeit gesandt!“ Das hat Michael Noss nach seiner Wiederwahl als Präsident des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) gesagt. Er wurde bei der Online-Bundesratstagung der Freikirche am 6. November mit 90,5 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Corinna Zeschky wurde durch das Präsidium als Stellvertreterin des Präsidenten bestätigt.

In Anlehnung an das Jahresthema des BEFG „Dich schickt der Himmel“ hob Michael Noss am Rande der Konferenz hervor, dass der Missionsauftrag Jesu alle Lebensbereiche umfasse: „Wir sind in der Gemeinde füreinander da – und ebenso in Gesellschaft und Politik gesandt. Wir beziehen Stellung und machen Mut, wir fragen nach und wir setzen Zeichen des Friedens, wir schaffen Orte der Gemeinschaft und haben ein Ohr für die Belange einzelner Menschen“, so Noss. Und so könne durch das Wirken Gottes an vielen Stellen ein „Dich schickt der Himmel“-Moment entstehen: „Vielleicht hat jemand ein richtiges Wort im richtigen Augenblick, hilft vielleicht mit einer beherzten Tat oder vermittelt eine erlebbare Gegenwart, nicht selten mit Trost. Dass diese oder jener als Gesandte des Himmels wahrgenommen werden, hat etwas mit dem Besonderen der Situation zu tun, mit der man eigentlich nicht rechnen konnte. Aber nun ist sie da und erzeugt nicht selten ein tiefes Erstaunen.“

Turnusgemäß endete mit dem Bundesrat die Wahlperiode von sechs der dreizehn Präsidiumsmitglieder. Neu in das Gremium gewählt wurden die Pastorin der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Berlin-Steglitz Natalie Georgi und die Pastorin Patricia Kabambay-Nkossi von der internationalen BEFG-Gemeinde New Life Church in Düsseldorf. Neben Michael Noss und Corinna Zeschky wiedergewählt wurden der Vizepräsident des Landgerichts in Braunschweig Eckart Müller-Zitzke und die Dozentin an der Biblisch-Theologischen Akademie Wiedenest Andrea Kallweit-Bensel. Nicht zur Wiederwahl stellte sich der Kaufmann Holger Huhn. Pastor Frank Fornaçon konnte nicht wiedergewählt werden, da er bereits drei Amtszeiten absolviert hat. Mitglieder des Präsidiums bleiben Pastorin Lea Herbert, die Pastoren Volker Bohle, Veit Claesberg und Dirk Zimmer, die Trauerrednerin Dorothee Oesemann, die Juristin Cornelia Gerlach und Alexander Rockstroh, Geschäftsführer vom ChristusForum im BEFG.

Auch die dreiköpfige Verhandlungsleitung des Bundesrats wurde neu gewählt. Deren bisherige Sprecherin, die Unternehmensberaterin und Trainerin Birte McCloy (Gettorf), wurde wiedergewählt. Als neue Mitglieder der Verhandlungsleitung wurden die Juristin Lisa Hochhaus (Ingelheim) und der Pastor Benedikt Elsner (Hannover) bestimmt. Wilma Lükenga-Kruse und Matthias Lotz stellten sich nicht zur Wiederwahl.

Die Verwaltungswirtin Claudia Edler (Offenburg), der Ingenieur Jörg Brandes (Berlin), der Bankbetriebswirt Andreas Raschke (Halberstadt), der Unternehmensberater Stephan Hoster (Eckental) und der Betriebswirt Holger Köppen (Marienheide) wurden als Finanzsachverständige gewählt. Ihre Aufgabe besteht darin, den Bundesrat bei Finanz-Entscheidungen zu vertreten, die nicht bis zur nächsten Konferenz warten können. Dabei geht es insbesondere um die vorläufige Genehmigung des kommenden Bundeshaushalts.

Zu Mitgliedern des Kirchengerichts des BEFG bestimmten die Bundesratsdelegierten die Richterinnen Miriam Schaufelberger (Schwalbach) und Dr. Anne-Katrin Wilts (Wuppertal), die Juristin Dorothea Clausonet (Elmshorn), die Diakonin Irmgard Neese (Norden), den Richter a.D. am Oberverwaltungsgericht für Berlin und Brandenburg Diethard Dahm (Berlin) und den Pastor i.R. Siegfried Wolf (Kassel).

Mit Begeisterung und Kreativität den Anderen begegnen

Um für andere Menschen zu Himmelsboten zu werden, gilt es, mit Begeisterung und Kreativität in den Dialog mit ihnen zu treten – das war das Fazit der Diskussion im Online-Talk zum BEFG-Jahresthema am Freitagabend auf der Bundesratstagung. Dr. Emilia Handke, Jason Liesendahl, Sibylle Beck und Eric Klausch berichteten im Gespräch mit Pastorin Lea Herbert und Pastor Dennis Sommer davon, was ihnen als Christinnen und Christen wichtig ist und wohin sie sich von Gott geschickt fühlen.

Pastorin Dr. Emilia Handke, Leiterin des Werks „Kirche im Dialog“, schilderte, wie Mitstreiterinnen und Mitstreiter in ihrem Werk mit der so genannten Pop Up Church auf die Straße gehen, um dort mit den Menschen die „heißen Fragen“ zu Kirche und Glauben zu besprechen. So zogen sie an Ostern mit buntgeschmückten Lastenrädern und Fahrradanhängern als „funkelnde Hoffnungsflotten“ durch verschiedene Ortschaften, um Lieder zu singen, Musik zu spielen und so mit den Menschen die Osterfreude zu teilen. „Wir haben dort alles erlebt, was man erlebt, wenn man als Kirche auf die Straße geht“, sagte sie. „Irritationen und Distanz, aber auch ganz berührende Momente.“ So habe ein Mann in einer Seniorenresidenz die Osterlieder lauthals mitgesungen, bei einer Frau seien beim Hören der bekannten Melodien Freudentränen geflossen.

Der Lehrer, Blogger und Podcaster Jason Liesendahl erzählte, wo er überall Gott begegnet: „Gott ist in dieser Welt schon am Werk. Und wir können das entdecken und können da miteinsteigen.“ Wichtig sei ihm dabei, anderen Menschen zuzuhören, denn „wer weiß, vielleicht hört man dann auch Gottes Stimme im Anderen.“ Vor allem sollte man dabei, davon ist Liesendahl überzeugt, die Menschen „am Rand“ wahrnehmen: „Ich glaube, dass es oft so ist, dass die Menschen, die man gar nicht im Blick hat, vielleicht genau das zu sagen oder zu geben haben, was im Moment fehlt.“

Pastorin Sibylle Beck nahm die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit in die Geschichte hinein, wie sie – inspiriert von einem Buch – von einer Lehrerin zur Gemeindegründerin wurde. Außerdem teilte sie ihre Erfahrung von Gottesdienstbesuchen in anderen Gemeinden. Ob sie sich in Gottesdiensten wohlfühle oder es ihr „den Hals zuschnüre“ habe nichts damit zu tun, wie groß oder modern eine Kirche sei, sondern ob man etwas von Hoffnung, Leben und der Güte Gottes spüren könne, sagte Beck. Wichtig sei ihr zu merken: „Die haben echt ein Herz für Jesus.“ Deshalb bemühe sie sich bei der Gottesdienstfeier in ihrer Kirche, Dinge nicht vorauszusetzen, sondern Gottesdienste so verstehbar wie möglich zu gestalten, „damit niemand sich schlecht fühlen muss, weil er etwas nicht weiß.“

Eric Klausch berichtete in seinem Gesprächsbeitrag von der Arbeit von „Power on“, ein Verein, der ursprünglich als Kindercamp gestartet war und mittlerweile zu einer großen Initiative geworden ist, bei der Kinder und Jugendliche zwischen 14 und 27 Jahren sich mit relevanten Fragen des Lebens auseinandersetzen. Ein großes Thema sei dabei der Auftrag, „diese Schöpfung und Welt zu erhalten“. Er habe erfahren, dass viele junge Menschen kraftlos geworden sind. Der christliche Glaube sei in diesem Zusammenhang für ihn wichtig, „weil er Hoffnung gibt.“ Außerdem könne der Glaube verändern: „Meine Vision ist es, Hoffnung zu verbreiten, damit Menschen aufblühen und sich fühlen, als würde sie der Himmel schicken, und mit dieser Kraft dann durchstarten.“

Den Chatkommentaren zufolge war die Diskussionsrunde für viele der Anwesenden interessant und inspirierend. Die Abschlussrunde mit Statements der Gesprächspartner und -partnerinnen und eine Abfrage der Zuschauerinnen und Zuschauer zeigten, dass vor allem Begeisterung, Gerechtigkeit, Dialog, Begegnung, Leidenschaft, Veränderung, Gemeinschaft und Kreativität wichtig sind, wenn man „vom Himmel geschickt ist“.

„Dich schickt der Himmel!“ – Bundesratstagung vom 5. bis 7. November

Die Bundesratstagung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) findet vom 5. bis 7. November mit rund 600 Delegierten und Gästen zum ersten Mal rein digital statt. Auf der Tagesordnung des Kirchenparlaments stehen Wahlen zum Präsidium und zu anderen Gremien sowie weitere zentrale Bundesthemen wie etwa die Aufnahme neuer Gemeinden und der Beschluss über eine mögliche Mitgliedschaft im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK). Das Zweijahresthema „Dich schickt der Himmel“ steht als Motto über dem Bundesrat und dem Bundesgottesdienst am Sonntag. „Damit nehmen wir unseren Auftrag als Christinnen und Christen in dieser Welt in den Blick“, so BEFG-Präsident Michael Noss.

Das Jahresthema befasse sich mit dem Auftrag, so Noss, dass „wir als Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu Gesandte sind, die – gleichsam vom Himmel geschickt – das Evangelium verbreiten und Menschen zu einem Leben mit Jesus Christus einladen“. Die Botschaft der Hoffnung von einem liebenden Gott, „der uns auch in herausfordernden Zeiten die Treue hält“, gelte es weiterzutragen – durch Worte und Taten, die anderen Menschen Mut machen und sie stärken. „Dieser Auftrag ist in der Arbeit unseres Bundes und seiner Gemeinden handlungsleitend und steht somit auch als Leitmotiv über den Entscheidungen, die wir beim Bundesrat gemeinsam treffen.“

Wie der Bund seinen Gemeinden dabei helfen kann, diese Sendung zu leben, wird bei der Konferenz auch Thema sein, wie BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba hervorhebt: „Wir werden das neue ‚Projekt:Revitalisierung‘ vorstellen, das Gemeinden unterstützt, die kraftlos geworden sind.“ Gott könne nicht nur Menschen verändern, sondern auch ganze Gemeinden, die dann „Perspektiven entwickeln und mit neuer Kraft in ihr Umfeld hineinwirken.“

Nachdem die Bundesratstagung 2020 wegen der Corona-Pandemie ausfallen musste, kommt eine 2019 beschlossene Neuerung nun erstmals bei einem Delegiertentreffen des BEFG zum Tragen: Jede Gemeinde kann zusätzlich eine Abgeordnete oder einen Abgeordneten unter 35 Jahren entsenden. Verhandlungsleiterin Birte McCloy freut sich, dass viele Gemeinden davon Gebrauch machen: „Junge Menschen können neue, frische und zukunftsweisende Perspektiven in den Bundesrat einbringen und unsere Freikirche auf diese Weise mitgestalten und prägen. Es ist gut, dass die junge Generation früh die Möglichkeit hat, Verantwortung in unserem Bund zu übernehmen.“

Sechs von dreizehn Mitgliedern des Präsidiums sowie der Präsident oder die Präsidentin des Bundes werden beim diesjährigen Bundesrat gewählt. Zudem werden die Delegierten die Verhandlungsleitung des Bundesrats, die Finanzsachverständigen und die Mitglieder des Kirchengerichts bestimmen. Auf der Tagesordnung steht auch die Entscheidung, ob der BEFG Antrag auf Mitgliedschaft im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) stellt. Sechs Gemeinden wollen als selbstständige Bundesgemeinden in den BEFG aufgenommen werden. Zudem wird es um die Bundesfinanzen und um Ordnungsänderungen gehen.

Bei einem öffentlich übertragenen Online-Talk am Freitagabend werden Menschen von ihren „Dich schickt der Himmel!“-Momenten erzählen, darunter die Pastorin des ICF Karlsruhe, Sybille Beck, und der Blogger und Podcaster Jason Liesendahl. ###3_IMAGES### Der Bundesgottesdienst wird am 7. November ab 10 Uhr per YouTube live aus der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Berlin-Schöneberg übertragen, in der auch das „Bundesratsstudio“ aufgebaut wird. Deborah Storek, Dozentin für Altes Testament an der Theologischen Hochschule Elstal, und Alexander Rockstroh, Geschäftsführer des ChristusForums im BEFG, werden in ihrer Predigt der Frage nachgehen, wie Christinnen und Christen in der gegenwärtigen Krisenzeit ihren Sendungsauftrag leben können. Gemeinden werden berichten, was es für sie bedeutet, vom Himmel geschickt zu sein. Pop-Kantor Manuel Schienke und der Gospelchor „UpToYou“ werden die Musik gestalten.

„Nachdem 7.000 bis 8.000 Menschen an unserem Gottesdienst im Sommer online teilgenommen haben, freue ich mich sehr darauf, dass wir diese besondere Form der Bundesgemeinschaft auch zum Abschluss unserer Bundesratstagung wieder erleben werden“, so BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba.

24x Weihnachten neu erleben

Die Kampagne für Glauben und Hoffnung, „24x Weihnachten neu erleben 2021“ will Motivation und Inspiration für die Advents- und Weihnachts-Gottesdienste vor Ort sein und viele Menschen in die Kirchen bringen. Gemeinden können dazu ganz neues, professionelles Material nutzen und sich im „Kirchenfinder“ auf der Webseite sichtbar machen. Als Highlight wird eine multimediale Weihnachtsshow mit insgesamt 2.000 Mitwirkenden auf RTL up und Bibel TV ausgestrahlt.

2020 war „24x Weihnachten neu erleben“ die Antwort auf die Frage „Wie können wir trotz Corona die Weihnachtszeit gut gestalten und feiern?“.

Nach dem Erfolg mit über 700 teilnehmenden Kirchen wird die Kampagne neu lanciert, mit fünf ausgearbeiteten Predigtvorlagen und kreativen Elementen zur Gestaltung der Advents- und Heiligabend-Gottesdienste, Material für Kinder- und Jugendarbeit und mit Video-Impulsen für Kleingruppen. Gesprochen werden die Videoimpulse dieses Jahr von Tobias Teichen, Margot Käßmann, Andreas Boppart und Jana Highholder.

Dieses Jahr wird ein Schwerpunkt auf die Belebung der örtlichen Gottesdienste der teilnehmenden Gemeinden gelegt. „Wir wollen durch diese Aktion die Gottesdienste vor Ort befeuern und Gemeinden helfen, in dieser Adventszeit viele Menschen zu erreichen“, sagt Geschäftsführer Markus Heusser über die diesjährige Kampagne.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem überkonfessionellen Miteinander, am breiten Spektrum der Sprecherinnen und Sprecher und den Autoren der Predigten (Dr. Klaus Douglass und Dr. Fabian Vogt von mi-di) und natürlich den vielen unterschiedlichen Kirchen und Gemeinden, welche die Kampagne durchführen.

Sowohl christliche Medienhäuser wie ERF und Bibel TV strahlen Programme rund um 24x Weihnachten neu erleben aus, aber auch säkulare Fernsehstationen wie RTL up begleiten „Weihnachten neu erleben 2021”.

ERF wird täglich den neuen Audio-Adventskalender ausstrahlen, auch Radio LifeChannel und livenet.ch sind aktive Medienpartner. Bibel TV zeigt am 4. Advent die multimediale Weihnachtsshow. Und bei RTL up wird die Show am 2. Weihnachtstag zu sehen sein.

Das riesige Team aus Karlsruhe ist hochmotiviert und steckt bereits mitten in den Proben und Vorbereitungen für das multimediale Event, das vom 9.-12. Dezember in der dm-arena auf einer 60 Meter breiten Bühne in 10 großen Shows live gezeigt wird.

„24x Weihnachten neu erleben“ basiert auf dem gleichnamigen Buch (SCM R. Brockhaus) für die Adventszeit, das Menschen helfen will, auf positive und kreative Weise mit Nachbarn, Arbeitskollegen und Freunden über den Ursprung von Weihnachten ins Gespräch zu kommen.   

„Wir sind für die Menschen hier!“

„Sehr bewegend sind die Begegnungen mit den Betroffenen, die große Dankbarkeit und tägliche Erfahrung, Menschen wirklich helfen zu können“, so Ralf Beyer, der neue Koordinator für Fluthilfe des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) und Freier evangelischer Gemeinden (FeG). Beide Freikirchen beauftragen den 51-jährigen Diplom-Volkswirt bis Juni 2022 mit der neu geschaffenen Funktion.

Das Hochwasser im Juli 2021 hat in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zahlreiche Menschen in ihrer Existenz schwer getroffen. Dabei sind nicht nur materielle Schäden, sondern auch tiefe seelische und traumatische Belastungen entstanden. Auch Gemeinden aus den beiden Freikirchen waren und sind von den Überflutungen betroffen.

Beide freikirchlichen Bünde hatten ihre Mitglieder und befreundeten Personen zu Spenden für die Opfer der Hochwasserkatastrophe aufgerufen. Durch die überwältigende Hilfsbereitschaft wurden für den FeG-Hilfsfonds und die BEFG-Soforthilfe in Summe knapp drei Millionen Euro gesammelt. Dadurch ist finanzielle Unterstützung möglich geworden, die den betroffenen Personen und Gemeinden bereits ausgezahlt wurde und weiterhin beantragt werden kann.

„Obwohl das Thema aus den Medien raus ist, sind die betroffenen Menschen dankbar, dass die Helferinnen und Helfer immer noch jeden Tag vor Ort präsent sind, weil die Not auch weiterhin besteht“, so Ralf Beyer, zu dessen Aufgaben der Aufbau von Expertise und von Beratungsteams zu staatlichen Fördermitteln und deren Antragstellung gehört. Darüber hinaus obliegt ihm die organisatorische und kaufmännische Steuerung der Initiativen und Hilfsangebote sowie koordinierende Begleitung der betroffenen Personen und Gemeinden beim Wiederaufbau. Das Ziel ist, dass die Spendengelder im Sinne der Spenderinnen und Spender eingesetzt werden und den Menschen in Notsituationen ganzheitlich und nachhaltig geholfen wird: praktisch und in den seelischen Nöten.

Ralf Beyer ist verheiratet, hat drei Kinder und ist Mitglied der FeG Bonn. Er hat umfangreiche Führungs- und Managementerfahrung in der IT- und Telekommunikationsbranche – als Geschäftsführer und Stratege. Ralf Beyer ist bereits über ein breit angelegtes ehrenamtliches Netzwerk mit verschiedenen Kooperationspartnern in der Fluthilfe aktiv. Deren tägliches Motto vor den Hilfseinsätzen lautet: „Wir sind für die Menschen hier und bleiben, um zu helfen!“

Abschluss Kurs Seelsorge und Beratung 2019-2021

Den vierwöchigen Kurs haben 16 Teilnehmende aus FeG und EFG abgeschlossen. Ein besonderer Kurs. Wegen der Coronapandemie musste eine der halbjährlichen Kurswochen verschoben werden. Erstmals gab es eine digitale Kurswoche. Die Abschlusswoche konnte wieder vor Ort stattfinden. Besonders war auch, dass es erstmals 3 iranische Teilnehmende im Kurs gab. Einer von ihnen berichtet:

„Meine Reisen plane ich immer sehr gut. Aber es gibt zwei große Reisen in meinem Leben, die ich nicht vorher planen konnte und die für mich mit viel Unsicherheit verbunden waren. Das eine war meine Flucht aus dem Iran nach Deutschland. Die zweite große Reise war dieser Kurs. Ich hatte wenig Ahnung, was auf mich zukommt. Ich wollte etwas lernen, damit ich anderen Menschen helfen kann. Und nun habe ich eine eigene seelsorgliche Entwicklung für meinen Glauben erlebt. Über eigene Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen, war für mich sehr fremd. Ich habe gelernt, sie wahrzunehmen und darüber zu sprechen, auch dann, wenn ich belastet bin. Ich habe gelernt, nicht zu allem JA zu sagen, sondern auch, wann ich NEIN sagen muss. Ich bin selbstbewusster geworden. Ich habe eine neue innere Ehrlichkeit bei mir entdeckt. Und durch diese Ehrlichkeit habe ich gelernt, wie ich mit anderen hilfreicher umgehen kann. Diese anderen sind Arbeitskollegen, Geschwister in der Gemeinde, Nachbarn, meine Familie und auch ich selbst. Ich erlebe eine neue Zufriedenheit und ich bin Gott von Herzen dankbar für diesen Kurs, für die Freundschaft der anderen Teilnehmenden, für die Geduld und Wertschätzung durch die Kursleitung und für Gottes Wunder, dass ich Veränderung erlebt habe. Veränderung kostet viel Zeit, Energie und bringt Unruhe. Aber es lohnt sich. Der Bedarf an Seelsorge in der eigenen Muttersprache ist unter unseren farsisprechenden Geschwistern groß. Deshalb möchte ich weiter in der Seelsorge lernen und es an andere weitergeben.“

Pastor Omid Homayouni | Varel | Referent für Migration und Integration im Landesverband Nordwestdeutschland (BEFG)

Für den nächsten Kurs, der im März 2022 in Elstal beginnt, läuft noch bis 30.11.2021 das Bewerbungsverfahren. Nähere Infos unter dem weiterführenden Link unten. 

Gemeinsam in die Zukunft

Der EBF-Council, die Ratstagung der Europäischen Baptistischen Föderation, fand vom 22. bis 25. September in Amsterdam statt. Erstmals war die Teilnahme hybrid, also vor Ort und online, möglich.

Ungefähr 80 Teilnehmende aus 40 Ländern Europas, Zentralasiens und dem Nahen Osten nahmen an der Tagung mit dem Thema „Gemeinsam Gottes Zukunft erkennen“ teil. Baptisten und Baptistinnen aller Prägungen und Lebensumstände kamen zusammen. Etwa 20 davon online. Pastor David Burau war vor Ort dabei und stellte fest: „Es war toll aus den vielen verschiedenen Ländern zu hören, wie Gott dort sein Reich baut und Menschen seine lebensverändernde Kraft erfahren. Es begeistert mich, dass Gott jeden Moment und jeden Menschen gebraucht. Er nutzt unsere persönliche Geschichte, unsere Art zu leben, unseren persönlichen Charakter.“

Ein zentraler Tagesordnungspunkt des Councils war die Ernennung des neuen Generalsekretärs der EBF, Alan Donaldson. Er tritt die Nachfolge des Briten Anthony Peck an, der im November in den Ruhestand geht. Dieser war zuvor 17 Jahre lang Generalsekretär der EBF. Er wurde am letzten Abend der Ratstagung in besonderer Weise geehrt. Alan Donaldson war lange Zeit Gemeindepastor in Schottland, bevor er Generalsekretär des schottischen Baptistenbundes wurde. In dieser Rolle organisierte er auch den EBF-Council 2019 in Glasgow, Schottland. Der scheidende Präsident der EBF, der Este Meego Remmel, wurde verabschiedet und der Schweizer Stefan Gisiger als neuer Präsident bestätigt. Sein Stellvertreter ist Mateusz Wichary aus Polen. Der Präsident wird immer für zwei Jahre gewählt. Gisiger war in den vergangenen zwei Jahren Vize-Präsident.###3_IMAGES### Während des Councils berichteten Delegierte aus dem Libanon über ihre Situation in den letzten zwei Jahren. „Der Bericht über die aktuelle katastrophale Lage im Libanon war schockierend, aber auch von Hoffnungszeichen begleitet“, sagte der neugewählte Präsident Stefan Gisiger.

Der Council verabschiedete eine Resolution zur 26. UN-Klimakonferenz, die dieses Jahr in Schottland stattfindet, um Mitgliedsbünde und Partner der EBF zu ermutigen, die Bedeutung der christlichen Gemeinschaft für die Bewahrung von Gottes Schöpfung zu betonen.

Vertreter des französischen Baptistenbunds erzählten von dem Einfluss des neuen Gesetzes gegen Radikalisierung in Frankreich, das auch die Religionsfreiheit einschränkt.

David Burau wurde in Gesprächen mit anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zwar manches Mal überrascht von „Vorstellungen von Lebensentwürfen oder richtigem Verhalten, von denen ich dachte, dass sie seit Jahrzehnten überwunden sind“; wesentlich und prägend waren für ihn jedoch „Erzählungen, wie Jesus Christus Menschen begegnet, wie sie ihn in ihrem Leben erleben, wie nah er ihnen ist und was er in ihren Ländern tut. Worte voll dankbarem Staunen, überschwänglichem Lob und tiefer Dankbarkeit. Erfahrungen des einen lebendigen Gottes, die uns verbinden.“

Viel Raum nahm auch das „Rebranding“ des International Baptist Theological Seminary (IBTS) bei den Verhandlungen ein. Das IBTS ist eine internationale Hochschule in Amsterdam, welche von der EBF finanziert und getragen wird. Sie soll den internationalen Austausch baptistischer Theologen und Theologinnen fördern und bietet daneben noch durch ihr „Learning Network“ Online-Kurse für Mitarbeitende in den Gemeinden an. Das „Learning Network“ wurde im vergangenen Jahr überarbeitet und bietet verschiedene mehrwöchige Kurse zu Themen wie Religionsfreiheit oder missionaler Leiterschaft an. Vorsitzender des Aufsichtsrats des IBTS ist Pastor Dr. Michael Rohde aus Hannover. ###3_IMAGES###Der Council endete mit einem gemeinsamen Gottesdienst. „Dabei haben wir uns Zeit genommen, um in die Gesichter unserer Geschwister zu sehen“, sagte David Burau. „Wir haben versucht, sie als Schätze zu sehen. Das ist der Leib Christi. In unseren Gemeindebünden, in unseren Gemeinden und in unserem Leben geben wir ihm eine Form. Mit großen Hilfsprojekten und persönlichen Kontakten, mit Konferenzen und Krankenbesuchen, Großem und Kleinem, international und vor Ort wird dieser Leib lebendig und sichtbar.“

Aus Deutschland haben David Burau, Christoph Stiba, Jonathan Kedaj, Joachim Gnep, Dr. Andrea Klimt und Dr. Matthias Walter am Council teilgenommen.

Der EBF-Council 2022 wird in Russland stattfinden.

„Ein gemeinsames Zeugnis für Jesus Christus“

Vor 50 Jahren taten sich drei Freikirchen zusammen und gründeten den Kalender „Wort für Heute“. Ein halbes Jahrhundert später ziehen die Kirchenverantwortlichen Zwischenbilanz: Generalsekretär Christoph Stiba (Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden), Präses Ansgar Hörsting (Bund Freier evangelischer Gemeinden) sowie Bischof Harald Rückert (Evangelisch-methodistische Kirche).

Herr Stiba, was sind ihre ersten Erinnerungen an „Wort für Heute“?

Christoph Stiba: Ich bin in einem baptistischen Elternhaus aufgewachsen und erinnere mich noch gut daran, dass meine Großmutter den Abreißkalender an der Wand hängen hatte und die täglichen Andachten gelesen hat. Für mich war damals aber eher die Kinderbibel von Bedeutung.

Herr Hörsting, die frühkindliche Begegnung mit „Wort für Heute“ hatten Sie vermutlich nicht.

Ansgar Hörsting: Das stimmt. Ich bin in einem katholischen Elternhaus groß geworden. Da hatten wir keinen Abreißkalender, aber tatsächlich auch eine Kinderbibel.

Herr Rückert, Sie waren 13 Jahre alt, als „Wort für Heute“ gegründet wurde. Was schätzen Sie bis heute an daran?

Harald Rückert: Der Andachtskalender ist eine gute Anleitung für die regelmäßige Beschäftigung mit der Bibel. Nicht jeder hat die persönliche Disziplin, fortlaufend in der Bibel zu lesen. Der äußere Anreiz, vielleicht auch die mahnende Erinnerung, ist da durchaus eine Hilfe. Wenn es so etwas nicht gäbe, müsste es umgehend erfunden werden.

Tatsächlich ist es für Familien heute gar nicht so leicht einen gemeinsamen Termin dafür zu finden.

Stiba: Das stimmt, deswegen lesen wir als Familie nicht regelmäßig in einem Andachtsbuch. Jedenfalls nicht gemeinsam. Das passt nicht so recht in den alltäglichen Rhythmus von Schule und Arbeit. Solche Andachtszeiten gestaltet jeder selber.

Umso bedeutsamer sind diese gemeinsamen Zeiten zum Beispiel an gemeinsamen freien Tagen oder im Urlaub. Da nutzen wir dann tatsächlich „Wort für Heute“ und erleben die Andachten als gute Impulse. Mit einem Wort Gottes, geistlichen Gedanken und Gebet gemeinsam in den Tag zu starten, ist dann für mich sehr wertvoll.

Was ist denn für Sie das Besondere an „Wort für Heute“?

Rückert:  Bei „Wort für Heute“ finde ich es besonders gut gelungen, wie sich theologischer Tiefgang mit Alltagserfahrung paart. Die kurzen Auslegungen gründen in der Bibel, schlagen den Bogen zum Alltag und vermitteln konkrete Impulse und Denkanstöße.

Stiba: Das Besondere? Wohl die Kombination von Autorinnen und Autoren aus drei unterschiedlichen Freikirchen, die ihre Andachten alle ehrenamtlich schreiben. Das macht die Verbundenheit deutlich und es zeigt, dass wir geistlich in eine Richtung gehen. Das finde ich ermutigend.

Welche Form bevorzugen Sie persönlich, den Abreißkalender oder das Buch?

Hörsting: Das Buch mag ich lieber. Dann fliegen nicht immer so viele Zettel in der Gegend herum. Außerdem: Will man einen Kalender an der Wand haben, dessen Datum stimmt, kann man die Texte nur umständlich lesen oder erst am Folgetag.

Gab es unter den ungefähr 18.000 Texten, die bisher verfasst wurden, einen der Ihnen noch besonders in Erinnerung ist?

Hörsting: Tatsächlich habe ich mir schon oft Andachten aufgehoben und in die Bibel gelegt. Leider habe ich jetzt keine dabei, die ich vorzeigen könnte.

Stiba: Ja, ich habe tatsächlich einen besonderen Tag: den 28. März 2020. Ich finde, dass das eine wunderbar passende Zeitansage war, als vor einem Jahr angesichts der Corona-Pandemie selbsternannte Endzeitpropheten auftraten. Zu dem Bibelwort „Den Tag oder die Stunde, wann das Ende da ist, kennt niemand. Nur der Vater kennt sie.“ Markus Kapitel 13, Vers 32. Lohnt sich, nachzulesen!

Rückert: Ich nehme aus Andachten gerne eine besondere Formulierung auf, die mich anspricht und die ich dann eine Weile erinnere und in mein Leben einzufügen versuche. Jüngstens war das: „Wer auf Härte mit Sanftmut reagiert, wird Wunder erleben.“ Das buchstabiere ich dann in konkreten Situationen.

Sie sind ja nicht nur Leser, sondern alle auch Autoren des Kalenders

Hörsting: Und das sehr gerne. Ich staune über die Wirkung. Manchmal habe ich dankbare Post bekommen von Menschen, die eine Andacht von mir gelesen haben, die ich – weil die Produktionsprozesse so lange sind – vor über einem Jahr geschrieben habe. Es berührt mich zu sehen, wenn eine Andacht im Leben von Menschen zur Umkehr oder zu einer Ermutigung geführt hat. Für solche Momente habe ich mich immer gerne beteiligt und Texte geschrieben.

Stiba: Das kann ich bestätigen. Nicht immer, aber immer mal wieder gibt es eine Rückmeldung zu einer Andacht. Meistens dankbare Stimmen, an eine kritische Rückmeldung kann ich mich jedenfalls nicht erinnern. Das mag aber auch an meiner selektiven Wahrnehmung liegen und soll jetzt keine Aufforderung sein…

Zum Schluss noch ein wenig über den gemeinsamen Freikirchen-Kalender hinausgedacht. Wenn Sie das Verhältnis der drei Freikirchen zueinander heute mit dem vor 50 Jahren vergleichen – was hat sich verändert?

Hörsting: Das kann ich nicht genau überblicken. Aber wenn ich es richtig beurteile, haben die Leitungspersonen damals wie heute eine gute Beziehung gepflegt. Sie leben den respektvollen und geschwisterlichen Austausch. Das ist wichtig. In den Gemeinden wächst eine Generation heran, die immer weniger Wert auf das je Eigene unserer Gemeindeverbände legt. Man kann das begrüßen als Ergebnis des zwischenkirchlichen Miteinanders. Oder auch kritisch sehen als Desinteresse an theologischen Inhalten.

Stiba: Ich kann es wie Ansgar Hörsting auch nicht vergleichen, aber für heute würde ich es auch auf alle Fälle als gut beschreiben. Auf Ebene der Kirchenleitungen gibt es freundschaftliche Beziehungen, nicht zuletzt auch durch das Miteinander in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen, der VEF. Und auf der Ebene der Gemeinden gibt es viel Zusammenarbeit vor Ort. Das finde ich wichtig, gerade weil die konfessionelle Bindung für die junge Generation weniger Bedeutung hat. Wir müssen doch als Christen zusammenstehen, „damit die Welt glaubt“, wie es im Johannes-Evangelium steht. Dazu trägt so gesehen dann auch „Wort für heute“ bei.

Gibt es heute vielleicht einen anderen Schritt hin zu mehr Gemeinsamkeit als damals Anfang der 70er?

Rückert: Vor fünfzig Jahren war es nötig, etliche theologische und gemeindepraktische Fragen mit Vorsicht auszutarieren. Beispielsweise die Vereinbarung, den Begriff „Kirche“ nicht zu verwenden und wegen unterschiedlicher Taufverständnisse nicht über die Taufe zu schreiben. Das ist heute, so habe ich den Eindruck, nicht mehr nötig. Darin zeigt sich die Annäherung unserer drei Freikirchen, wofür ich sehr dankbar bin.

Und was sagt der Blick in die Gegenwart?

Rückert: Heute sehe ich die nächste Herausforderung für uns darin, noch viel stärker ein gemeinsames Zeugnis für Jesus Christus abzulegen als die Unterschiede hervorzuheben. Die entkirchlichte Welt um uns herum kann mit der Betonung spitzfindiger Unterschiede nichts anfangen. Zum glaubhaften Zeugnis gehört auch, gemeinsam für wichtige Themen einzustehen und freundschaftlich füreinander einzutreten. Wenn Menschen nach Gemeinden suchen, wäre eine schöne Geste, selbstlos die Stärken jeweils anderer Gemeinden oder Kirchen hervorzuheben. Ich glaube, dass solch respektvoller Umgang anerkennend wahrgenommen wird.

Das Interview führte Martin Gundlach, Redaktionsleiter im Bundes-Verlag.

Erschienen in DIE GEMEINDE Ausgabe 20 | 3. Oktober 2021.

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