Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

„Lecker kochen für viele“

Die Evangelisch-Freikirchliche Akademie Elstal bietet regelmäßig das Seminar „Lecker kochen für viele“ an. Am 30. März war es wieder soweit. Die Teilnehmenden lernten und schmeckten das Handwerk des Kochens.

Vier Meisterköche erwarteten in Hamburg 20 Kochbegeisterte unterschiedlichen Geschlechts und Alters aus unterschiedlich großen Gemeinden. Darunter waren der Sterne- und Fernsehkoch Erich Häusler, der als Kochlehrer eigentlich schon einige Jahre im Ruhestand ist, und Andrea Schneider, die Leiterin des Seminars.

Dieter Richter aus der EFG Leverkusen schreibt in seinem ausführlichen Bericht: „Es geht schließlich um den bewussten Umgang mit Fleisch, Gemüse und anderen unter der Aufsicht Gottes gewachsenen Zutaten.“ Denn Essen sei nicht nur Essen, Kochen nicht nur einfach Kochen, Essen in der Gemeinschaft nicht nur Nahrungsaufnahme, so Richter. „Auch die Bücher der Bibel durchzieht eine Kulturgeschichte des gemeinsamen Essens und Trinkens bis hin zum heutigen Abendmahl“, berichtet Richter von einem Vortrag beim Seminar. Diese Kulturgeschichte sei nicht von der Geschichte der Gemeinde Gottes zu trennen. „In vielen Gemeinden unseres Bundes wurde in jüngerer Zeit die Freude an der Zubereitung und an der regelmäßigen Tischgemeinschaft neu entdeckt und ebenso die Aufgabe, die Armen zu speisen“, schreibt Richter begeistert. Die Möglichkeit, gemeinsam zu essen, eröffne Wege und Türen zum direkten Miteinander und sei eine Chance für Begegnung und Gespräch.

Einen ausführlichen Bericht von Dieter Richter aus der EFG Leverkusen gibt es hier.

VEF: Neues Vorstandsmitglied, Evangelisation, Friedensarbeit

Am 9. April tagte in Kassel die Mitgliederversammlung der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF). Die Delegierten wählten ein neues Vorstandsmitglied, berieten über Grundlagen ganzheitlicher Mission und lernten zwei Bankhäuser kennen, deren Geschäftsziel in der Förderung freikirchlicher Gemeindearbeit besteht.

Die Mitgliederversammlung hat den Methodisten Stefan Kraft für ein Jahr in den Vorstand der VEF gewählt. Der 54-jährige Theologe ist Superintendent im Distrikt Essen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Kraft tritt an die Stelle von EmK-Bischof Harald Rückert, der aus persönlichen Gründen vorzeitig aus dem Gremium ausscheidet. VEF-Präsident Christoph Stiba dankte Rückert für „starke, richtungsweisende Impulse in der gemeinsamen Vorstandsarbeit“ und würdigte dessen Nachfolger: „Stefan Kraft hat in seiner Kirche auf Gemeinde-, Bezirks- und Distriktebene mitgearbeitet, bringt fundierte Leitungskompetenz und eine große Begeisterung für die kirchliche Arbeit mit. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit.“ Neben Stiba, im Hauptamt Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, gehören Marc Brenner von der Gemeinde Gottes als Vizepräsident sowie Frank Uphoff vom Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden und Frank Honsberg von der Heilsarmee weiterhin dem Vorstand an. Im März 2020 stehen die nächsten turnusgemäßen Wahlen an.###3_IMAGES###Christoph Stiba berichtete in der Mitgliederversammlung über weitere personelle Veränderungen. Horst Sebastian von der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten wird die VEF künftig in der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) vertreten. „Wir sind Holger Teubert, der dieses Amt viele Jahre mit großem Engagement ausgefüllt hat, sehr dankbar“, wie Stiba hervorhob. „Die EAK unterstützt Friedensarbeit vor Ort und entwickelt Konzepte, wie Konflikte ohne Gewalt zu lösen sind, was gerade angesichts der zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung enorm wichtig ist. Gut, dass wir als Freikirchen hier mitgestalten können.“

Die jährlich stattfindende Interkulturelle Woche habe, so Stiba, ebenfalls ein Thema von hoher gesellschaftlicher Relevanz im Blick: das Zusammenleben der Menschen in Deutschland. Der VEF-Präsident dankte John Uzuh für seine Mitarbeit im Vorbereitungskreis. Eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger wird noch gesucht. Zunächst arbeitet jetzt Peter Jörgensen, der VEF-Beauftragte am Sitz der Bundesregierung, in dem Gremium mit. Stiba erinnerte auch an das gute Material, das jedes Jahr für die Interkulturelle Woche entwickelt wird: „Auf der Internetseite gibt es viele Impulse, die Gemeinden für ihre Arbeit nutzen können, von einem umfassenden Materialheft bis hin zu Gottesdienstbausteinen.“

Inhaltlicher Schwerpunkt war die Weiterarbeit am Thema der letzten Mitgliederversammlung: Evangelisation. Die Delegierten tauschten sich in Kleingruppen über fünf Thesen aus und zogen daraus Schlüsse für die Arbeit der VEF. „Wir werten die Gruppenarbeit noch aus, aber einige Tendenzen zeigen sich doch schon ganz deutlich“, so Vorstandsmitglied Frank Uphoff: „Die VEF selbst ist keine Evangelisationsbewegung, sondern ein Netzwerk von Kirchen, die missionarisch aktiv sind. Über die VEF können wir uns gut vernetzen, auch mit anderen Organisationen wie der Lausanner Bewegung, was wir verstärkt tun wollen.“ Zudem gebe es zur Evangelisation einen großen inhaltlichen Konsens, so Uphoff: „Mission geschieht für uns Freikirchen in Wort und Tat – wir haben die Menschen ganzheitlich im Blick, mit dem, was sie brauchen. Und als Freikirchen stehen wir für Mission, die frei von Zwang oder Druck ist. Gott hat den Menschen einen freien Willen gegeben und ihnen ein Liebesangebot gemacht. Und von diesem Geschenk wollen wir reden und die Liebe Gottes weitergeben.“###3_IMAGES###Zu Gast in der Mitgliederversammlung waren leitende Vertreter zweier Bankhäuser, die in den 1920er-Jahren von freikirchlichen Christen zur Unterstützung von freikirchlichen Gemeinden gegründet wurden und dies mit ihren Spareinlagen bis heute tun. Vorstandsvorsitzende Elke Müller stellte den Delegierten die Spar- und Kreditbank Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden eG (SKB Bad Homburg) vor, Vorstandssprecher Volkmar Birx die Spar- und Kreditbank des Bundes Freier evangelischer Gemeinden eG (SKB Witten). Müller berichtete, die SKB Bad Homburg habe in den vergangenen fünf Jahren fast 500 Gemeinden und Werken Kredite in Höhe von mehr als 92 Millionen Euro gewährt. Wie die Bad Homburger Bank stehe auch die SKB Witten für „ausschließlich positiv ethische, soziale und ökologische Geldanlagen“, so Birx. Nach Angaben von Elke Müller und Volkmar Birx hatten beide Geldhäuser in ihrer fast hundert Jahre langen Geschichte noch nie einen Kreditausfall in ihrem Kerngeschäft mit Gemeinden und Werken.

Die nächste VEF-Mitgliederversammlung findet am 26. und 27. November im thüringischen Bad Blankenburg statt.

Grundkurs Seelsorge und Beratung 2017/2019

Der Grundkurs Seelsorge und Beratung 2017/2019,

den der AK Seelsorge (BFeG) und die Akademie Elstal (BEFG) zusammen anbieten, ist abgeschlossen.

Gott ist es, der in der Seelsorge handelt. Und wir sind sein Werkzeug. An diesem Werkzeug durften wir, 20 Teilnehmende, 5 Pastoren und 15 Ehrenamtliche, für 1 ½ Jahre in 4 Kursblöcken in Elstal arbeiten. Unter der fachkundigen Leitung von Friederike Heinze, Jens Mankel, Rüdiger Franz und Sven Dreger sind wir uns selbst auf die Spur gekommen und jeder von uns hat sich in dieser Zeit weiterentwickelt. Wir haben uns nicht nur mit interessanter Theorie auseinandergesetzt, sondern vor allem mit uns selbst, unserer Wahrnehmung für uns, unseren Gefühlen, unserer Biografie und eigenen inneren „blinden Flecken“. Dies geschah auf verschiedenen Wegen, durch Körperwahrnehmungsübungen, Gruppen- und Einzelgespräche, Gesprächsprotokolle und Predigtbesprechungen. Die Möglichkeit für mich, meinen seelsorglichen Kontakt zu Menschen anzusehen und zu überprüfen, hat mich innerlich gestärkt und sicherer gemacht. Ich habe entdeckt, dass ich mich selbst in jedem seelsorglichen Kontakt mitbringe und ich habe ein neues Bewusstsein für mich, meine Gefühle, meine Biografie und meine Fähigkeiten entwickelt. Dieser Kurs hat mich persönlich bereichert und mir unglaublich viel Spaß gemacht.

Kristina Bröge, FeG Berlin-Moabit

Für den nächsten Kurs, der im September 2019 startet, diesmal in Weltersbach, kann man sich noch bis 30.4.2019 bewerben.

Die inspirierende Kraft kultureller Unterschiede

Vor 27 Jahren kam BEFG-Präsidiumsmitglied Alfred Aidoo aus Ghana als Missionar nach Deutschland, wurde Pastor einer Gemeinde, in der Menschen aus 45 Ländern gemeinsam Gottesdienst feiern. Er ist überzeugt: Christen aus verschiedenen Kulturen können sich in ihrem Glauben gegenseitig inspirieren, doch es kann durchaus herausfordernd sein, sich darauf einzulassen.

Wenn in der New Life Church in Düsseldorf hunderte Christen aus Ghana, Nigeria, Äthiopien und vielen weiteren Ländern Afrikas sowie der Karibik Lobpreis machen, dann geht es laut und fröhlich zu. Leidenschaft und Lebendigkeit zeichnen die Gottesdienste aus. Die Gebete sind ebenso emotional wie die Musik. Wir tanzen, singen, jauchzen. Manche, die das nicht gewohnt sind, finden das befremdlich. Sie fühlen sich wie in einem Gospel-Konzert mit durchinszenierter Choreografie.

Dabei sind die Gottesdienste alles andere als eine Show: Sie sind authentisch, Ausdruck unserer Kultur. Es ist unsere Mentalität, die beim Singen und Tanzen deutlich wird. Interessanterweise sind sich die Menschen, die Gemeinden des New Life Netzwerks besuchen, in Glaubensdingen sehr ähnlich. Und das, obwohl sie aus 45 verschiedenen Ländern kommen. Natürlich gibt es zwischen diesen Ländern Afrikas und der Karibik große Unterschiede, aber die liegen in anderen Bereichen, in der Sprache, beim Essen. Die Fröhlichkeit, mit der wir Gottesdienste feiern, die Art, unseren Glauben zu leben, die verbindet uns.

Diese Leidenschaft gehört zu uns, und ich merke, dass sie einen sehr positiven Einfluss auf unseren Glauben hat. Denn wir öffnen uns dadurch für Gott und sein Wirken. Wir lassen ihn hinein, geben ihm Raum. Wir lassen zu, dass er wirkt. Und so ist der Gottesdienst für uns ein Ort des Rückzugs, an dem wir auftanken können. Im Alltag gibt es genug Probleme. In der Gemeinde lassen wir sie los. Die Gemeinde ist eine Oase. Dort gibt es Balsam für die Seele.

Ich sehe, dass diese Art des Lobpreises für manche, die hier geboren wurden, fremd ist. Doch ich glaube, von dieser Leidenschaftlichkeit könnten unsere deutschen Geschwister lernen. Es würde ihnen guttun, wenn sie sich davon eine Scheibe abschneiden. Ich beobachte an vielen Stellen, wie Deutsche aus sich herausgehen. Beim Fußball zum Beispiel. Ich kenne Leute, die singen und tanzen, wenn sie zum BVB ins Stadion gehen. Oder auch beim Karneval. Aber in der Gemeinde sind sie dann plötzlich still. Gott lieben, ihm dienen und das auf eine fröhliche Weise tun – das stärkt den Glauben.

Oft ist es ja so, dass eine Stärke von Menschen oder auch von Menschengruppen auch eine Schwäche ist. So ist es ein wenig mit der Lebendigkeit. Die afrikanischen Kulturen sind sehr laut. Sich selbst hört man dabei kaum. Man findet keine Ruhe. Wir sind oft so sehr von einer Gruppendynamik geprägt, dass der oder die Einzelne sich dabei selbst total vergisst.

Hier habe ich von meinen deutschen Geschwistern gelernt, wie man sich findet und zur Ruhe kommt. Erst in der Stille lernt man, zwischen der Stimme der Gesellschaft und der Stimme Gottes zu unterscheiden. Das ist die Stärke der Stille, die ich gefunden habe. Das finde ich sehr stark. Und auch als ganze Gemeinde, als New Life Church, haben wir von unseren deutschen Geschwistern gelernt. Wir sind oft zu laut im Gebet. Wir beten alle auf einmal. Diese Art stört den, der gewohnt ist, still im Gebet zu sein. Wir haben gelernt, uns zu bremsen, damit wir die Anderen in der Stille nicht stören.

Nicht nur im gemeinsamen Gottesdienst gibt es Unterschiede, sondern auch in der persönlich gelebten Frömmigkeit. So spielt in unserer Kultur das Gebetsleben eine ganz besondere Rolle. Wenn wir ein Problem haben, dann ist das Gebet für uns das erste, an das wir denken. Bevor wir irgendwelche andere Hilfe in Anspruch nehmen, gehen wir zu unserem geistlichen Leiter. Wenn ein Afrikaner krank ist, ruft er als erstes seinen Pastor an und bittet um Gebet. Bevor er zum Arzt geht! Gebet ist für uns das A und O. Zum Arzt gehen wir dann natürlich auch, aber die Reihenfolge ist eine andere. Ich beobachte, dass unsere deutschen Geschwister in der Regel erst einmal zu weltlichen Fachleuten gehen, wenn sie Hilfe brauchen.

Sehr schade finde ich es, wenn sogar in kirchlichen Veranstaltungen nicht oder kaum gebetet wird. Ich glaube, von einem intensiveren Gebetsleben, wie es bei uns üblich ist, könnten deutsche Christen echt profitieren. Ich habe so viele Wunder erlebt – in meinem eigenen Leben und in meinem Umfeld. Letzten Februar riss in meinem Arm eine Sehne. Die Ärzte im Krankenhaus wollten sofort operieren. Doch zuhause haben wir mit den Kindern als erstes gebetet. So fest ist der Glaube an Gebet, dass wir so handeln. Und wir sehen das Resultat. Ich bekam erst einmal keinen Termin für ein MRT, doch nach vier Wochen war mein Arm komplett geheilt, ohne Operation. Mein Arzt war sehr überrascht, dass es ohne OP ging.

In Bezug auf kulturelle Unterschiede zwischen Christen wünsche ich mir, dass wir sehen, wie sehr Vielfalt bereichert, wenn wir uns darauf einlassen. Konflikte bleiben dabei natürlich nicht aus. Wenn unterschiedliche Bibelerkenntnisse aufeinanderprallen, kann das herausfordernd sein. Und wenn das Laute unserer Kultur auf das Ruhigere der deutschen Kultur stößt, kann das anstrengend sein und auch zu Streit führen.

Aber in der New Life Church bleiben die Geschwister trotz Sprachbarrieren zusammen und feiern gemeinsam Gottesdienst. Auch in meiner neuen Gemeinde in Neuss gibt es kulturelle Unterschiede, doch die erleben wir als Bereicherung. Christus ist der Klebstoff, der uns zusammenhält. Unterschiedliche Sichtweisen machen den Horizont weiter. Eine gesunde Mischung aus theologischem Wissen, Erfahrungen und Prägungen tut einer Gemeinde gut. Und es ist im Sinne Jesu, im Frieden zusammenzubleiben.

Alfred Aidoo ist Mitglied im Präsidium des Bundes. 25 Jahre lang hat er in der New Life Church Düsseldorf mitgearbeitet. Seit 2017 ist er Pastor der EFG Neuss.

…weil mein Herz dafür brennt!

Traditionell bittet der BEFG zu Ostern um Spenden zur Förderung seiner Bildungsarbeit. Neben dem umfangreichen Fortbildungsangebot der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie wird die Ausbildung für den pastoralen und diakonischen Dienst an der Theologischen Hochschule Elstal unterstützt.

Vor nicht allzu langer Zeit studierten Sara und Samuel Holmer selber noch in Elstal. Seit September vergangenen Jahres arbeiten sie als Pastorenehepaar in Hannover-Linden und sind von ihrer Arbeit begeistert: „Wenn ich das Gefühl habe, ich kann Leuten dabei helfen, das Evangelium neu für sich zu ergreifen und die Freiheit des Evangeliums zu erfahren, dann ist das einfach wunderbar!“ So beschreibt Samuel seinen Dienst. Auch für Sara ist die Arbeitsstelle mehr Berufung als Beruf: „Es ist das, was ich sowieso machen würde, weil mein Herz dafür brennt.“
 
„Eine Gemeinde zu leiten, das Evangelium zu verkünden, ist herausfordernd. Predigt und Lehre angemessen vorbereiten, Beziehungspflege, Seelsorge: All diese Dinge brauchen viel Zeit, erfordern besondere Kenntnisse“, weiß Prof. Dr. Michael Kißkalt, Rektor der Theologischen Hochschule, an der aktuell über 60 junge Menschen auf ihren Dienst vorbereitet werden. „Das Studium ist biblisch fundiert, wissenschaftlich reflektiert und gemeindebezogen. Wissen, Sein  und Tun!“ Neben der theologischen Fachkompetenz gehe es gleichermaßen um die Entfaltung von Persönlichkeit und Spiritualität sowie die Befähigung zu verantwortlichem Handeln: „zur Ehre Gottes und zum Wohle der Menschen – als Hauptamtliche im Gemeindedienst.“

Christoph Stiba, Generalsekretär des Bundes, unterstreicht des Weiteren die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements: „Die zahlreichen Ehrenamtlichen in unseren rund 800 Bundesgemeinden tragen ebenso tatkräftig dazu bei, dass Gottes Reich Gestalt gewinnt. Das umfangreiche Programm der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal unterstützt die vielen Engagierten – durch Seminare und Fortbildungen zu den Themen Gottesdienstgestaltung, Leitung, Lobpreis, Diakonie, Finanzen, Familie und Generationen, Mission, Seelsorge und Psychologie und vieles mehr.“

In der Spendenbitte des BEFG lädt der Generalsekretär die Mitglieder des Bundes herzlich dazu ein, die Bildungsarbeit der Hochschule sowie der Akademie mit einer Spende und durch Kollekten zu unterstützen: „Wir wollen Menschen dabei helfen, ihre Berufung zu entfalten und ihr Potential zu entwickeln, um so unsere Gemeinden zu stärken. Wir wollen Menschen unterstützen, deren Herzen für Gott brennen!“

Wie Gemeinden auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren

Nach dem Auftakt der jährlichen regionalen Konferenzen am vergangenen Wochenende führen an diesem Samstag vier BEFG-Landesverbände ihre Ratstagungen durch. Bereits am Freitagnachmittag beginnt die zweitägige Jahreskonferenz des ChristusForums Deutschland (AGB). Das Themenspektrum reicht vom Umgang mit Fake News und gesellschaftlicher Polarisierung über Konzepte für eine „vitale Gemeinde“ und gute Leitungsarbeit bis hin zur Stärkung zwischenmenschlicher Beziehungen.

„Gemeinde leiten und Gemeinde leiten – das ist nicht immer dasselbe.“ So schreibt es der Landesverband Bayern in der Einladung zu seiner Ratstagung im mittelfränkischen Gunzenhausen: „Die Herausforderungen für Leiterinnen und Leiter sind je nach Gemeindegröße recht unterschiedlich. Eine Gemeinschaft von 40 Menschen ‚funktioniert‘ anders als eine Gemeinde mit 220 Mitgliedern – und braucht eine anders akzentuierte Führung.“ Und so steht die Konferenz unter der Überschrift: „40, 100, 220 – Gemeinden in unterschiedlichen Größen leiten“, denn: „Kommunikation, Strukturen, Leitungsstil folgen nicht einfach einem bestimmten Ideal. Sie müssen sich an vielen Faktoren ausrichten und auch an der Größe der Gemeinde orientieren.“ Als Referent haben die bayerischen Baptisten Dr. Oliver Pilnei eingeladen, den Leiter der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal. BEFG-Präsident Michael Noss wird ebenso dabei sein wie Referentin Jasmin Jäger.

„Unser Land ist materiell reich, aber unglaublich arm an Beziehungen.“ So schreibt es das ChristusForum Deutschland (AGB) in der Einladung zu seiner Jahrestagung, die unter der Überschrift „Generation beziehungs(un)fähig?!“ steht. Passend zum Untertitel der Konferenz „Beziehungen fördern, heilen, stärken“ werden in Referaten Antworten auf Fragen wie diese gegeben: „Wie kann Gemeinde Menschen in ihrer Beziehungsnot helfen? Was braucht sie selbst, um beziehungsfähig zu sein? Wie wird sie angesichts der gefühlten Bedürfnisse zur ‚Suppenküche gegen das Magenknurren der Seele?‘“ Markus und Antje Schäller werden als Referenten „die gesellschaftliche Not vor Augen führen und Mut machen, ihr entgegenzutreten.“ Als Vertreter des BEFG wird Bundesgeschäftsführungsmitglied Udo Hermann bei der Tagung in Wiedenest mit dabei sein.

Der Landesverband Hessen-Siegerland wird sich bei seiner Ratstagung in Hohenahr-Erda damit beschäftigen, wie Kirchengemeinden der gesellschaftlichen Polarisierung etwas entgegensetzen können. „Gesellschaft in der Zerreißprobe – Herausforderungen an die Gemeinde Jesu“, zu diesem Thema wird Dr. Michael Rohde, leitender Pastor der EFG Hannover-Walderseestraße sprechen. In ihrem Grußwort verweisen die Landesverbandsleitungsmitglieder Rainer Chrupala und Thorsten Lehr auf Julius Köbner und Martin Luther King als Baptisten, die sich politisch engagierten und damit etwas bewirkten. Und sie stellen die Frage: „Gilt nicht auch uns das Wort aus Jeremia 29,7: ‚Suchet der Stadt Bestes!‘?“ Nicht nur Präsidiumsmitglied Jürgen Tibusek und Regionalreferent Christopher Rinke, die als Vertreter des Bundes an der Ratstagung teilnehmen, sind auf die Impulse hierzu sicher gespannt.

Im Januar fand ein Klausurtag des Landesverbandes Thüringen zum Thema „Gemeinde als Zuhause“ statt. Wie Landesverbandsleiter Roger Hofeditz berichtet, wurde dort wieder einmal deutlich, wie wichtig es für Gemeinden ist, ermutigende Impulse für ihre Arbeit zu erhalten. Und genau solche Impulse möchte Benno Braatz bei der Ratstagung in Ilmenau geben. Der Regionalreferent für Ostdeutschland im Dienstbereich Mission wird über „Vitale Gemeinde“ sprechen. Dahinter steckt ein von der Anglikanischen Kirche entwickeltes Programm zur Gemeindeentwicklung, so Braatz: „Der Gemeinde wird darin geholfen, ihren eigenen Weg hin zur Christusebenbildlichkeit zu finden, passend zu unserem Jahresthema ‚INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt‘. Sieben Merkmale vitaler Gemeinden werden dabei vorgestellt, die dem Charakter Jesu entsprechen.“ Bei der Konferenz mit dabei sein wird auch Präsidiumsmitglied Michael Lefherz.

Auch bei der Tagung des Landesverbands Sachen in Schneeberg wird es Impulse zum Jahresthema des Bundes geben, wenn auch mit einer anderen Stoßrichtung: „Inspiriert Leben – im Spannungsfeld zwischen Fake News und der Guten Nachricht“. Dazu schreibt Landesverbandsleiter Peter Fugmann: „Das digitale Zeitalter hat uns eine Medien- und somit auch Informationsflut beschert, die uns schlicht überfordert. Wer berichtet Tatsachen und Fakten? Wer versucht, manipulativ die Stimmung zu beeinflussen? Was ist wahr und was nicht?“ Fake News sei zu einem festen Begriff unserer Tage geworden, so Fugmann: „Was macht diese Entwicklung mit uns und unserem Glauben? In der Predigt zu unserem Thema wollen wir hören, wie wir als Christen und Gemeinden die Herausforderungen unserer Zeit persönlich und gemeinsam meistern können.“ Präsidiumsmitglied Dirk Zimmer wird als Bundesvertreter mit dabei sein.

BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba wünscht den vier Landesverbänden und dem ChristusForum Deutschland im Namen des Bundes „Gottes reichen Segen und konstruktive Beratungen bei ihren Tagungen.“

Auf die Zukunft ausgerichtet

Der Landesverband Niedersachen-Ostwestfalen-Sachsen-Anhalt (NOSA) traf sich am 30. März in Herford zu seiner jährlichen Ratstagung.

„Wir wollen mit Jesus planen, bauen, Zukunft gewinnen.“ Darin waren sich die 118 Abgeordneten aus den Gemeinden und Einrichtungen des Landesverbandes NOSA einig. Das haben sie dadurch ausgedrückt, dass sie zum Abschluss dekorative Würfel mit Schlüsselworten gemeinsam stapelten.

Anlässlich der jährlichen Ratstagung haben sie über die zukünftige Ausrichtung ihres Verbandes beraten. Grundlage der Ausrichtung ist ein Kernsatz, der bei der Tagung anhand der sechs Seiten eines Würfels vorgestellt wurde: „Wir sind ein regionaler Verband von Gemeinden, die leidenschaftlich Jesus und die Menschen lieben, vielfältig ihre Gaben einsetzen, verbindlich einander unterstützen und engagiert leben, damit Glaube vor Ort erfahrbar wird.“

In einem kreativen Prozess konnten die Abgeordneten an 13 Stationen Vorschläge zur Umsetzung diskutieren, neue Ideen einbringen oder eigene Schwerpunkte formulieren. Dabei ging es um so unterschiedliche Aspekte wie die regionale Verknüpfung von Gemeinden, Sportturniere, die Einrichtung eines YouTube-Kanals oder klösterliche Einkehrtage. Eine im Landesverband eingerichtete Steuerungsgruppe wird die Ergebnisse des kreativen Prozesses sichten und die Umsetzung einzelner Schritte in die Wege leiten.

Bei der Ratstagung wurde den Teilnehmern und Teilnehmerinnen von der Arbeit von Einrichtungen innerhalb des Landesverbandes und des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden informiert. Unter anderem informierten das Gemeindejugendwerk, die Spar- und Kreditbank, die Stiftung Chance zum Leben, EBM INTERNATIONAL, und der Referent für Mission und Gemeindeentwicklung des Landesverbandes, Pastor Jürgen Tischler. Dazu gab es erste Informationen zu einer freikirchlichen Initiative, die mit verschiedenen Aktionen an die erste neuzeitliche Gläubigentaufe vor 500 Jahren erinnert. Diese fand 1525 in Zürich statt. Neben den Baptisten, die sich in der Tradition der reformatorischen Täufer sehen, sind besonders die Mennoniten an der Vorbereitung des Jubiläums für 2025 beteiligt. Es werden ab 2020 jährliche Schwerpunktthemen vorbereitet.

Die Abgeordneten verabschiedeten bei der Ratstagung auch den Haushalt und die Finanzplanung des Landesverbandes. Mit großer Mehrheit beschlossen sie die Erhöhung des von den Gemeinden pro Mitglied zu entrichtenden Jahresbeitrags auf 27 Euro für 2020 und 2021. Mit Dank wurde die Finanzverantwortliche Eva-Maria Ruppert aus Wolfenbüttel nach acht Jahren aus ihrem Dienst verabschiedet. Einstimmig wurde ihre Nachfolgerin Ursula Kassühlke aus Northeim in ihr neues Amt gewählt.

Der Landesverband NOSA gehört zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden und vertritt 86 Gemeinden mit über 11.000 Mitgliedern. Landesverbandsleiter ist Dr. Fred Pieneck.

Mit Freude zur Mitarbeit motivieren

Der Landesverband NRW traf sich am 30. März in Essen zu seiner jährlichen Ratstagung.

212 Teilnehmer aus 91 Gemeinden kamen auf Einladung der EFG Essen-Altendorf ins Lighthouse Essen.

Die Ratstagung 2019 stand unter dem Motto „Ehrenamtliche finden und fördern“. So entwickelte Dr. Stefan Vatter, Coach und Berater für Gemeinden, in seinem Referat als Leitlinie eine Grundhaltung der Freude. Da wo Leitende ihre Freude am Reich Gottes mitzubauen ehrlich und authentisch vorleben, entsteht eine anziehende Attraktivität für andere Menschen, hier selbst gerne mitzuwirken. Dabei gehe es auch darum, den Rucksack von ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen auf dem Weg der Nachfolge Jesu nicht zu voll zu packen, „denn wir tragen ein sanftes Joch“. 

Kernpunkte der darauffolgenden Impulse aus der Praxis waren die Offenheit für neue Ideen von Menschen, die sich einbringen möchten, eine möglichste frühe Einbindung von jungen Gemeindemitgliedern, das sehr hohe Potenzial der unter 30-Jährigen zu erkennen und zu fördern und alle Dienste in der Gemeinde stets durch Wertschätzung, Dankbarkeit, Lob und auch Belohnung anzuerkennen. 

Ein Schwerpunkt der Ratstagung war die Wahl der Leitungsmitglieder. Wiedergewählt wurden Hildegard Gabler, Werner Hahm und Leo Schouten, neu in die Leitung hineingewählt wurden Hartmut Hoevel und Martin Hamann. Zum Kassierer wurde Heinz Fude ernannt, als Leiter des Gemeindejugendwerks (GJW) wurde Marc Vollmer entsandt.
 
Verschiedene Berichte aus den Arbeitsbereichen des Landesverbandes NRW und die Finanzen bestimmten den Nachmittag der Ratstagung: Nach Vorlage des Kassenberichts 2018 wurde der Haushaltsplan 2019 verabschiedet.

Ort der Tagung des Landesverbandsrat NRW am 28. März 2020 wird die EFG Marl-Drewer sein.

Für Gleichberechtigung in Baptismus und Gesellschaft

Europäische baptistische Frauen in Führungspositionen trafen sich Ende März in Kroatien, um sich auszutauschen, gemeinsam Gott zu suchen und die Frage der Gleichberechtigung zu diskutieren. Sam Mail, BEFG-Referentin für die Arbeit mit Teenagern, Jugendlichen und Jungen Erwachsenen war eine der Teilnehmerinnen dieses „Women Leaders' Retreat“ der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF).

Zagreb Flughafen. Die Sonne scheint. Ein leichter Wind kommt auf. Ich sitze in einem Café und warte auf meinen Flug nach Hause. Drei volle Tage liegen hinter mir. Drei Tage, die aus ganz unterschiedlichen Gründen noch lange in mir nachhallen werden.

Ich merke, wie unsortiert und gemischt meine Gedanken und Gefühle sind. Die breite Palette von Freude, Dankbarkeit, Trauer, Betroffenheit und Ärger – ein wahres Wechselbad der Emotionen.

Hinter mir liegt eine intensive Zeit mit 16 anderen Frauen. Frauen, die ich bis vor Kurzem noch gar nicht kannte, aber denen ich mich nun von Herzen verbunden fühle.

16 Baptistinnen aus den unterschiedlichsten Ecken Europas. 16 Nachfolgerinnen Christi. 16 Frauen, die in ihren Ländern, in der EBF, in der BWA irgendeine Form von Verantwortung übernommen haben, ihren Kontext mitzugestalten, weil sie Gott lieben und sich als Christinnen zutiefst berufen fühlen.

Frausein ist dabei nur ein Nebenschauplatz, der aber immer wieder – mal offensichtlicher, mal versteckter – zum Thema gemacht wird. Und das ist nicht immer einfach.

Egal, ob Generalsekretärinnen, Direktorinnen Theologischer Fakultäten, Pastorinnen, Professorinnen, Präsidentinnen oder Referentinnen, sie alle sind in Crikvenica zusammengekommen, um sich auszutauschen, um Fragen und Frustrationen auf den Tisch zu bringen, um zu ermutigen und ermutigt zu werden.

Was sie vereint, ist die Suche nach einem guten, heilsamen, gemeinsamen Weg nach vorne. Die Suche auf die Antwort der Frage: Wie können alle Menschen – Frauen und Männer gleichermaßen – ihren Platz in der Gemeinde, im Königreich Gottes hier auf Erden finden und ausüben? Wie kann die Frage der Gleichberechtigung so diskutiert und neu gedacht werden, dass sich alle Seiten gehört und verstanden fühlen und dass am Ende Chancengleichheit und Freiheit für alle dabei herumkommen? Wie kann es zu einer Selbstverständlichkeit werden, dass Frauen in Führungspositionen nicht mehr in der Minderheit sind?

In diesen gemeinsamen Tagen wird gelacht, diskutiert, geweint, theologisch gearbeitet und ausgetauscht. Erfolgsgeschichten von 100 Jahren Frauenordination in Großbritannien stehen neben ganz persönlichen Geschichten von Hass-E-Mails und Briefen, die den Betroffenen den Glauben und das ewige Leben absprechen. (Diese Geschichten werden leider viel zu oft und von viel zu vielen der Teilnehmerinnen erzählt.)

Die Frauen, denen ich hier begegne, sind müde und mutig zugleich. Sie sind engagiert, motiviert, klug und witzig. Manchmal sind sie aber auch ein bisschen desillusioniert. Sie tragen die Narben von längst noch nicht überstandenen Kämpfen. Sie sind verärgert und traurig darüber, dass das „Frauenthema“ immer noch ein Thema ist. Manche von ihnen gehen zurück nach Hause in einen Kontext, wo sie nichts über die Erfahrungen der letzten Tage öffentlich berichten dürfen. Das macht betroffen und erschüttert mich. Am Schluss sprechen aber alle davon, dass sie auf‘s Neue ermutigt heimkehren, sich weiterhin für die Chancengleichheit von Frauen im Baptismus einzusetzen.

Ich auch.

Wenn ich über das Gehörte, Erlebte und Geteilte nachdenke, merke ich, wie sehr ich es liebe Baptistin zu sein, wie dankbar ich für meine Rolle im GJW bin. Ich merke, wie sehr ich unseren Bund schätze und wie sehr ich mir eine Kirche wünsche, in der meine drei Töchter eines Tages gemeinsam mit anderen Frauen und Männern in der Realität leben können, von der Paulus schon in seinem Brief an die Galater sprach:

Hier gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Juden und Griechen, zwischen Sklaven und freien Menschen, zwischen Mann und Frau. Denn durch eure Verbindung mit Jesus Christus seid ihr alle zusammen ein neuer Mensch geworden. (Galater 3, 28)

Ich für meinen Teil habe beschlossen, mich weiterhin für Chancengleichheit zu engagieren: Im GJW, in unserem Bund, mit jungen Menschen, mit meinen eigenen Kindern. Und ich freue mich über alle, die sich mit mir zusammen auf die Reise macht und sich nicht von den schwierigen Fragen und Herausforderungen rund um dieses Thema abhalten lassen.

Nachhaltig für die Zukunft

Der Arbeitskreis „Evangelium und gesellschaftliche Verantwortung“ hat das Anliegen, auf gesellschaftliche und politische Entwicklungen aus baptistischer Sicht zu reagieren. Dazu beschäftigte er sich in seiner letzten Sitzung mit der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele, den „Fridays for Future“ und dem Gedenken zu 500 Jahre Täuferbewegung.

Am vergangenen Freitag demonstrierten weltweit wieder unzählige Schülerinnen und Schüler sowie Studierende – auch auf den Straßen vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Einen Tag zuvor, am 28. März, hat sich der Arbeitskreis „Evangelium und gesellschaftliche Verantwortung“ getroffen und stellte sich hinter das Anliegen der „Fridays for Future“-Bewegung, die weltweit für den Klimaschutz demonstriert. Vielfach werde in Politik und Medien mit Zynismus auf die demonstrierenden Schüler reagiert, wurde im Arbeitskreis festgestellt. Auch wenn die Schulpflicht nicht außer Acht gelassen werden darf, waren sich alle Mitglieder des Arbeitskreises einig, die „Fridays for Future“-Bewegung in ihrem Ziel zu unterstützen, konsequenter und dringlicher für den Klimaschutz einzutreten.

„Maßnahmen zum Klimaschutz“, so lautet auch eines der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (UN). Der Arbeitskreis „Evangelium und gesellschaftliche Verantwortung“, eine Kommission des Bundesrates des BEFG, setzt sich im Auftrag des Präsidiums für die Umsetzung von zwei der sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs) ein: für die Nachhaltigkeit von Konsum und Produktion sowie für den Klimaschutz. „Die SDGs greifen die Himmelreichgleichnisse Jesu in ihrer sozialen und globalen Dimension auf“, so Pastor Peter Jörgensen, der Beauftragte der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) am Sitz der Bundesregierung und Mitglied des Arbeitskreises. „In ihnen wird die Sorge um das Globalwohl konkret und wir sind im Rahmen der Nachfolge Jesu auch hier gefordert, Konsequenzen für unser Handeln zu ziehen. Nur so wird unsere Predigt von der Liebe Gottes glaubwürdig.“ Daher erarbeitet der Arbeitskreis einen Leitfaden für nachhaltigen Konsum und Produktion.

Eine andere Möglichkeit, in die Gesellschaft hinein zu wirken, ist für den Arbeitskreis die Erinnerung an 500 Jahre Täufergeschichte. Denn wer etwas wagt und aufsteht, erhält Aufmerksamkeit und kann Veränderungen herbeiführen. Vor bald 500 Jahren haben die Täufer mit der Taufe von mündigen Erwachsenen den Anfang der Täuferbewegung gesetzt. Unter dem Motto „Gewagt! 500 Jahre Täuferbewegung 1525 bis 2025“ wird dieses Gedenken mit fünf Themenjahren begangen: mündig, gemeinsam, konsequent, gewaltlos und Hoffnung leben. Zusätzlich soll es ein Magazin für die Gemeinden geben, um die damaligen Anliegen auf heute zu übertragen.

Raus aus der Komfortzone!

Melanie Berghoff, die zweite Vorsitzende des Konvents der Diakoninnen und Diakone des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG), berichtet, wie der Konvent sie ermutigt hat, Gott mehr zuzutrauen.

Manch einer sehnt sich nach einer Komfortzone, einer Wohlfühl-Oase inmitten der hektischen und stressigen Zeit, in der sich die Menschheit befindet. Einer Zeit, in der alles schnell und unübersichtlich ist und vieles sich vermischt und verschwimmt. Da ist es doch schön, das Bild von der bequemen Couch, in die man sich kuscheln und von vorne berieseln lassen kann. Der Input, den man in so einer Kuschelzone bekommt, ist leicht verdaulich und sehr leicht zu schlucken. Es muss sich gar nichts ändern – alles ist gut, so wie es ist. Was nach einem guten Wochenendprogramm nach einer anstrengenden Arbeitswoche klingt, kann auf Gemeinden gemünzt auf Dauer tödlich sein. Was macht Gemeinden heute relevant für die Menschen? Was sind Themen, die wir angehen sollten, um Menschen wieder Hoffnung und Glaube zu geben?

Diese Fragen und Gedanken waren Ausgangspunkt für unsere Konventwoche, die einmal im Jahr stattfindet. So trafen wir – das sind bis zu 35 Diakoninnen und Diakone – uns vom 11. bis 14. März im Bildungszentrum Elstal. Wir wollten uns herausfordern lassen, auftanken und für unsere Arbeit in Gemeinden und an anderen Orten, an denen wir arbeiten, inspiriert werden. Raus aus der Komfortzone! Unter diesem Motto luden wir Paul Michael Zulehner als Referenten ein. Er ist katholischer Priester aus Österreich, mittlerweile emeritierter Professor für Pastoraltheologie der Universität Wien und zählt zu den bekanntesten Religionssoziologen Europas.

Paul Zulehner forderte uns heraus. Er referierte mit unerschöpflich scheinendem Wissen über die christlichen Konfessionen und geschichtliche Mystiken, mythologische Erzählungen und kirchengeschichtliche Entwicklungen. Dabei hörte er seinem Gegenüber zu, fragte im Gespräch nach und war interessiert. Zulehner wollte wissen, was sein Gegenüber denkt und glaubt, um in einen Dialog zu treten, der freundlich, wohlwollend und grenzerweiternd für jeden Gesprächsteilnehmenden ist.

In den zwei Tagen, in denen wir ihn als Referenten gewinnen konnten, ging es immer wieder um die Fragen: Was können wir als Gemeinden den Menschen, die auf der Suche sind, bieten? Und was haben wir als Christen zu sagen und zu geben, wonach sich die Menschen sehnen; was ihnen fehlt?

Beim Studientag, bei dem auch andere interessierte Hörer teilnahmen, wurde uns durch Zulehner Folgendes besonders deutlich gemacht: Jesus steigt in das Reich des Todes, um die Menschheit aus dem Tod „herauszulieben“. Das ist so weit weg von jeglicher Komfortzone. Das ist die reinste Panikzone! Aber genau das sei die Kernbotschaft der Bibel. Gott will die Menschen retten und ins Leben zurückführen. Gott handelt auf der Erde, aber in erster Linie durch uns Menschen, die wir zu seiner Gemeinde gehören und dort leben und glauben. Wir als Christen „glauben Gott in die Welt hinein“. Durch uns ist Gott gegenwärtig auf der Erde. Damit das ein möglichst gutes und ansatzweise vollständiges Bild ergibt, müssen wir mit Gott verbunden sein. Wir müssen selbst nicht perfekt sein. Denn diesen Zustand können wir niemals erreichen. Aber wir müssen ständig mit Gott in Verbindung stehen, um ihn widerzuspiegeln.

Als Gemeinden in einer Welt, in der rechtes Gedankengut wieder mehr Gewicht bekommt, sollten wir relevante Gemeinden der Zukunft sein. Dazu sollten wir auf die Ängste in unserer Gesellschaft eingehen und sie ernst nehmen. Wir sollten dabei nicht rational versuchen zu argumentieren, sondern den Ängsten – die oft aus einem Gefühl heraus entstehen – ebenso auf emotionaler Ebene begegnen. Denn wer Angst hat, dem kann man nicht mit schlauen Worten antworten. Wir können ihm oder ihr nur ebenso mit Emotion und Gefühl begegnen und zeigen, was Gott bietet: Liebe, Annahme, Verständnis und Gnade. Dazu rief Zulehner uns immer wieder auf, Gott etwas zuzutrauen und daran zu glauben, dass Gott Dinge tun und verändern kann.

Die Konventwoche war voll von einem tiefen Ringen darum, was uns als Gemeinden ausmacht, was wir den Suchenden zu bieten haben, wie wir Gott in die Welt hinein glauben können, und was das alles auch für unsere ganz praktische Gemeindearbeit bedeuten könnte.

Als Konventleitung sind wir froh neben dem Referenten viele weitere wertvolle Begegnungen und Programmpunkte gehabt zu haben, wie der Besuch und Austausch mit unserem BEFG-Präsidenten Michael Noss und unserem Generalsekretär Christoph Stiba. Pastor Peter Jörgensen, der Beauftragte der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) am Bundestag, rundete das Thema mit seinen Erfahrungen am Regierungssitz, aber auch aus seiner Gemeinde praktisch ab. Außerdem arbeiteten wir in der Konventversammlung an unseren Grundsätzen und einer neuen Wahlordnung. Gottesdienst, Workshops und ein Kulturabend durften dabei nicht fehlen. Nach diesen Tagen in Elstal sind wir zuversichtlich, dass wir es sind, die Gott auf der Erde gegenwärtig werden lassen können. Und dass Gott mehr kann und mehr tun wird, als wir das bisher erlebt und verstanden haben.

Unterwegs auf Gottes Spur

Der Impulstag „Missionale Gemeinde“ fand am 23. März in der EFG Hof statt. Der BEFG-Regionalreferent Ost Benno Braatz berichtet von seinen Beobachtungen und erklärt, was „missionale Gemeinde“ bedeutet.

Volles Programm war für die Teilnehmenden aus fünf Gemeinden angesagt, als sie von Christopher Rinke, dem Regionalreferenten Süd im Dienstbereich Mission, und Thilo Maußer (EFG Brandenburg/Havel) in Theorie und Praxis missionaler Gemeindearbeit eingeführt wurden.

Schon in der Begrüßungsrunde ging es darum, das Gegenüber bewusst wahrzunehmen, statt es bei einem flüchtigen „Hallo“ zu belassen. Das Video „Kirche geht“ veranschaulichte, dass die ursprüngliche Bewegung der Christen hin zu den Menschen ins Stocken geraten ist und wieder neu entdeckt werden will. Die Notwendigkeit, zu den Menschen zu gehen, wurde untermauert durch eine Bibelarbeit über Lukas 10,1-13, die Aussendung der 72 Jünger. „Was bedeutet es, wenn Jesus uns losschickt?“, war die Leitfrage dazu. In Zweierteams wurde anschließend praktisch geübt, die Beobachtungen des Partners am Bibeltext bewusst wahrzunehmen, indem dessen Äußerungen notiert und später im Plenum mitgeteilt wurden.

Missionale Gemeindearbeit hat das Ziel, „Mission“ wieder als Missio Dei zu begreifen, also als Gottes ureigenste Mission. Nicht wir sind die vornehmlich Handelnden, sondern Gott wirkt an den Menschen unserer Umgebung und wir sind auf seiner Spur mit ihnen unterwegs und dürfen das Leben mit ihnen teilen. Diese veränderte Haltung bedeutet keine Geringschätzung bisheriger Arbeit, sondern ist die Suche nach neuen Antworten in einem sich verändernden Umfeld. Ein Bild verdeutlichte das; das Bild einer Brücke, die eine Flutkatastrophe überstanden hat, aber nun nicht mehr am richtigen Ort steht, weil sich das Flussbett an anderer Stelle gebildet hat. Ein neuer Übergang ist nötig, um auf der anderen Seite anzukommen.

Für eine solche Brücke ist genaues Hinsehen und -hören nötig. Die Teilnehmenden konnten das in einem einstündigen Stadtrundgang – allein oder zu zweit – üben. „Wo handelt Gott bereits, sodass wir an seine Mission anknüpfen können?“, lautete dabei die Fragestellung.

Es gilt, ein neues Interesse an den Menschen zu gewinnen. Das führt mitunter zu ganz neuen ungewohnten Formen kirchlichen Lebens. Als Beispiel wurde den Teilnehmern „Kirche Kunterbunt – Kirche, wie sie uns gefällt“ oder im englischen Raum „Messy Church“ – Kirche für Unperfekte –vorgestellt. Bei dieser Art von Kirche geht es darum, Kirche zum familiären Gemeinschaftserlebnis für alle Generationen zu machen, damit Glaube erlebt und Gott entdeckt wird. Gemeinsames Spiel, Tischgemeinschaft und andere Aktivitäten finden dort im Gottesdienst neben gewohnten Elementen ihren Platz.

Anderen christlichen Traditionen auf der Spur

Sich von anderen christlichen Traditionen und Ausdrucksformen inspirieren lassen, das ist die dritte Säule des Jahresthemas „INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“. BEFG-Pastor Dr. Thomas Illg berichtet von seiner Auseinandersetzung mit anderen Konfessionen.

Im jungen Hamburger Stadtteil Hafencity gestalten Menschen aus 21 Kirchen das Ökumenische Forum. „2 aus 21“ ist eine Veranstaltungsreihe, die zwei Mitgliedskirchen ins Gespräch bringt. Nach einer gemeinsam gestalteten Andacht soll im Gespräch der Kirchenvertreterinnen und -vertreter die Verschiedenheit in der Einheit der Kirchen sichtbar werden und sicher auch die Einheit in der Verschiedenheit. An den Abenden bisher trafen Anglikaner auf Altkatholiken, römisch-katholische Geschwister auf Herrnhuter, die Evangelisch-lutherische auf die Methodistische Kirche. Die letzte Kirchenpaarung bildeten die Serbisch-orthodoxe Kirche und die Reformierte Kirche in Hamburg, um über theologische Kernthemen und charakteristische kirchliche Traditionen ins Gespräch zu kommen. Ein wichtiges Thema war die unterschiedliche Bedeutung von Bildern in beiden Kirchen. Während Ikonen im Bereich orthodoxer Spiritualität große Bedeutung haben, sieht die reformierte Tradition aus theologischen Gründen keine Bilder in Kirchen vor. Bilderfülle trifft auf gestalterische Schlichtheit. Beide Zugänge sind theologisch begründet. Das bietet die Chance, dem geistlichen Gehalt der fremden Tradition auf die Spur zu kommen. Der Reiz des Fremden kann neugierig machen. Es kann im Glauben der anderen aber auch eine Verheißung aufleuchten, die einer Sehnsucht im eigenen Glaubensleben die Hand reicht. Menschen beobachten, dass die offene Begegnung mit anderen christlichen Traditionen zu einer vertieften Auseinandersetzung mit der eigenen Spiritualität führt. Im Gespräch mit anderen wird das eigene Profil klarer. Diese vergleichende Sicht führt nicht allein zu einer Bewertung der anderen Tradition, sondern auch der eigenen; und die muss nicht zwangsläufig positiv ausfallen.

Nicht erst heute suchen Menschen in den vielfältigen kirchlichen Landschaften nach Formen und Ausdrucksmöglichkeiten geistlichen Lebens. Die Meditation in ihrer geschichtlichen Vielfalt haben viele Christinnen und Christen als geistliche Übung für sich entdeckt. Sie haben für sich einen Schatz gehoben, der lange verdeckt war, aber immer schon zur Kirche gehörte. So unterschiedlich Formen und konfessionelle Hintergründe meditativer Übungen sein mögen, es geht im Kern um das Warten auf Gott und darum, in Gottes Gegenwart gegenwärtig zu sein. Aus baptistischen und anderen freikirchlichen Kontexten stammende Menschen finden Gefallen an Traditionen, die Wurzeln im klösterlichen Leben haben. Sie nehmen eine geistliche Begleitung in Anspruch, lassen sich ausbilden als geistliche Begleiterinnen und Begleiter. Sie setzen sich nicht nur intensiv mit den alten Schätzen geistlicher Übungen auseinander, sondern mit ihrem eigenen geistlichen Leben. Andere entdecken die schlichte Form des Jesus-Gebets. Mit dem Ein- und Ausatmen beten sie: Jesus Christus. So gelingt es ihnen besser, in den multiplen Anforderungen des Alltags im Gebet und geistlich konzentriert zu sein.

Welche Elemente einer freikirchlichen oder baptistischen Spiritualität nennen wir im Gespräch mit anderen Kirchen? Die besondere Bedeutung des Priestertums aller Glaubenden, Gebetsgemeinschaften, die persönliche Stille Zeit oder unsere freiheitliche Weise, Gottesdienste zu gestalten? Vielleicht bringt uns das Fehlen liturgischer Agenden gerade dazu, die liturgischen Bücher der anderen aufzuschlagen, um nach Gebeten und Texten mit Tiefgang zu suchen. Viele Aspekte freikirchlicher Spiritualität scheinen sich um das Bekennen des Glaubens zu drehen. Wir legen Wert auf die Bekehrungsgeschichte eines Menschen. Die Hinwendung zu Christus wird öffentlich vor der Gemeinde bezeugt, und im Verständnis von Taufe und Abendmahl ist uns der Bekenntnisaspekt wichtig. Diese Einschätzung teilen wir übrigens mit der reformierten Theologie. Mir ist die Beschäftigung mit meditativen Texten und geistlicher Lyrik aus dem Luthertum des 17. Jahrhunderts wichtig geworden. Das Gesangbuch hält einige Texte aus dieser Zeit bereit. Autoren und auch Autorinnen halten in ihren Gebeten, Liedern, Predigten und Andachten engen Kontakt zu biblischen Texten, und sie begreifen sich, konfessionelle Grenzen überwindend, als Teil einer größeren Lesegemeinschaft. Sie schöpfen aus Werken der spätmittelalterlichen Mystik oder aus antiken christlichen Quellen. Das Ergebnis zeugt nicht von Verwirrung oder Wahllosigkeit, eher wird die ganze Breite menschlicher Erfahrungen in das geistliche Leben einbezogen und mit biblischen Worten in Kontakt gebracht. Glauben meint hier Zutrauen zu Gott und Vertrauen auf die Verheißungen Gottes.

Darin finde ich das schöpferische, helfende und heilende Handeln Gottes, das Ursprung des Bekennens ist. Hier steht nicht der Glaube oder die Bekehrung an erster Stelle, sondern Gottes Handeln, das Glauben weckt. Nicht das Bekennen der feiernden Gemeinde steht im Vordergrund, sondern Gottes Wort an seine Menschen. Gottes Handeln ist immer der Anfang christlicher Spiritualität, das wird mir in der Beschäftigung mit dieser Glaubenstradition deutlich. Und das kann entkrampfend wirken: Wenn Gott sich zu seinen Kindern bekennt, dann muss der Glaube nicht durch das eigene Bekennen hervorgebracht werden. Ist das Baptisten gänzlich fremd? Bestimmt nicht. Vielmehr bringt auch hier eine andere christliche Tradition mit ihren Worten zum Ausdruck, was mir wichtig geworden ist. Sie erweist sich als Korrektiv und macht auch kritikfähig im Umgang mit der eigenen Glaubenskultur. Das finde ich inspirierend.

Im Herbst könnte wieder „2 aus 21“ stattfinden, dann mit baptistischer Beteiligung. Welche der anderen Kirchen dann wohl mit am Tisch sitzt?

Soforthilfe für Malawi, Mosambik und Sierra Leone

Die Katastrophenhilfe des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) unterstützt die Opfer der Überschwemmungen und des Zyklons Idai in Mosambik und Malawi sowie die Opfer eines Feuerausbruch in Sierra Leone mit einer Soforthilfe in einer Gesamthöhe von 41.000 Euro.

In Südostafrika kam es in den letzten Wochen zu heftigen Regenfällen, massiven Überflutungen und zu einem Zyklon. In Mosambik verloren viele Familien ihr gesamtes Hab und Gut. Die Soforthilfe des Bundes wird 100 Familien mit Baumaterial und Nahrungsmitteln helfen. Der BEFG hat beschlossen, dafür 15.000 Euro aus dem Katastrophenfonds einzusetzen. Auch in Malawi kam es zu heftigen Überschwemmungen. Die Regierung von Malawi erklärte drei Distrikte im Süden des Landes zur nationalen Katastrophenregion. Ernten wurden vernichtet und einzelne Gebiete sind durch zerstörte Straßen weitgehend isoliert. Rund 16.000 Euro aus dem Katastrophenfonds sollen in Malawi der Soforthilfe dienen. 1.100 Menschen sollen dadurch mit Lebensmitteln versorgt und Dächer repariert werden. Die Katastrophenhilfe setzt die Gelder in Zusammenarbeit mit EBM INTERNATIONAL zielgerichtet vor Ort ein.

„Wir denken an die Menschen, die Opfer dieser Katastrophe geworden sind. Wir beten für die Menschen in Mosambik und insbesondere auch in Malawi und wollen sie auch finanziell unterstützen“, so BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba. „Unser Bund hatte bis 2016 eine enge Partnerschaft mit Malawi. Viele Kontakte und Freundschaften sind dadurch entstanden. Als Bund wollen wir nun unseren Geschwistern in ihrer Not beistehen. Wir denken ebenso an die vielen Notleidenden an uns nicht bekannten Orten.“

Auch Joachim Gnep, Vorsitzender der Katastrophenhilfe, verweist auf unbeachtete Katastrophen: „Von vielen Katastrophen wird kaum Notiz genommen, weil sie nicht medienwirksam zu uns durchdringen. Als Bund nehmen wir auch solche Regionen in den Blick, um unsere Partner und Gemeinden vor Ort zu unterstützen. Die Soforthilfe ist für uns ein Zeichen der Solidarität und Verbundenheit.“ Zu diesen unbeachteten Orten gehören die Slums von Kru Bay in Sierra Leone. Dort hat ein Feuer 120 Häuser zerstört. Die Katastrophenhilfe des Bundes wird 10.000 Euro als Soforthilfe aus dem Katastrophenfonds für Kru Bay bereitstellen. Nach dem Ausbruch des Feuers haben etwa 700 Menschen ihr Zuhause verloren. Ein hauptamtlicher Projektmanager koordiniert die Hilfe vor Ort und setzt sich insbesondere für alleinerziehende Frauen und deren Kinder ein. Neben Nahrungsmitteln wie Reis werden auch Schulmaterialien benötigt. Spenden an den allgemeinen Katastrophenfonds ermöglichen es dem BEFG, bei Katastrophen wie diesen schnell und unbürokratisch zu helfen.

Allgemeiner Katastrophenfonds:
Projektnummer 45004
IBAN: DE14 5009 2100 0000 0333 08
(Konto des BEFG bei der Spar- und Kreditbank Bad Homburg)

Bei Spenden für Flutopfer bitte die Projektnummer 45012 angeben.

Christus im Handeln sichtbar werden lassen

Die EFG Hamm hat sich auf die Suche gemacht, wie sie Nachfolge Christi in ihrer Stadt leben kann. Dabei hat sie sich Martin Luther King zum Vorbild genommen und ist gesellschaftspolitisch aktiv geworden.

Unser gesellschaftliches Engagement begann damit, dass wir versucht haben, unsere Umgebung wahrzunehmen, durch Gespräche mit Sozialarbeitern der Stadt, durch Gebetsspaziergänge im Quartier. Wir haben uns bemüht, aufzunehmen, was im Quartier südliche Innenstadt da ist, was unsere Mitmenschen haben und was sie brauchen. Und haben begonnen, ohne Berührungsängste mit Menschen guten Willens zusammenzuarbeiten.

Daraus entwickelte sich das diakonische Projekt „Pfeffermühle“. Ein Team von ehrenamtlichen Mitarbeitenden, unterstützt von Honorarkräften, bereitet jeden Samstag mit Kindern aus der Innenstadt gemeinsam eine Mahlzeit zu. Dann wird zusammen gespielt. Es gibt kreative Angebote oder auch gemeinsame Ausflüge. Einige Kinder sind bereits einige Jahre dabei, manche arbeiten mittlerweile mit. Für uns ist das Angebot ein Geschenk an die Menschen der Stadt.

Vor einigen Jahren haben wir uns entschlossen, bewusst zu unserer Identität als Baptisten zu stehen und herauszustellen, in welchem Sinn wir Baptisten sind. So haben wir begonnen, in Predigten und Gruppenstunden uns intensiver mit Dr. Martin Luther King Jr. zu beschäftigen. Auf unserer Homepage haben wir eine inzwischen bundesweit beachtete Dokumentation zu Martin Luther King aufgebaut. Damit wollen wir zeigen: Wie der Baptistische Weltbund und wie der Baptistenpastor Martin Luther King verstehen wir als Baptistengemeinde in Hamm den Einsatz für Menschenrechte als wichtige Äußerung des Evangeliums.

Ein weiterer Auslöser für uns als Gemeinde, uns tiefer auf das Denken und Wirken von Martin Luther King einzulassen, war eine Demonstration der Partei „Die Rechte“. Am 20. Juli 2013, dem Gedenktag an die Widerstandskämpfer in der NS-Zeit, zog die Demo auf dem Weg vom Bahnhof zur Stadtmitte direkt vor unserem Gemeindehaus entlang. Ich stand mit meiner Frau vor unserer Kirche und sagte mir: einmal und nicht wieder! Die Straße gehört nicht den Rechten und der Tag des Widerstandes schon gar nicht! Und: Wir dürfen als Gemeinde die Anwohner und Passanten, die teilweise mit Kleinkindern am Straßenrand standen, nicht allein lassen. So wurde die Demo für uns zur Herausforderung zum zivilgesellschaftlichen Engagement. Vorbild für unser Handeln ist dabei Martin Luther King, den seine Frömmigkeit zum gesellschaftspolitischen Handeln führte.

Seitdem vertrete ich als Pastor unsere Gemeinde beim „Runden Tisch gegen Radikalismus und Gewalt“, einem Zusammenschluss von über dreißig Akteuren der Stadt für Demokratie und Toleranz. Im Auftrag der Stadt Hamm hat der Runde Tisch ein Handlungskonzept gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit erarbeitet, mit Handlungsempfehlungen auch für den interkulturellen und interreligiösen Dialog. Als Gemeinde haben wir bei Demonstrationen der Rechten mehrere Gegen-Demonstrationen des Runden Tisches unterstützt und uns an ihnen beteiligt, zum Beispiel vor der neu errichteten zentralen Einrichtung für 800 Geflüchtete.

Wir sind gegen etwas, weil wir für etwas stehen. Folglich haben wir mit einigen Akteuren vom Runden Tisch und anderen Interessierten den Verein „Flüchtlingshilfe Hamm“ gegründet. Schwerpunkt des Vereins ist die wöchentliche kostenlose Beratung sowie die Unterstützung bei Alltagsfragen. Zwischen Gemeinde und Verein besteht eine enge Zusammenarbeit in der Begleitung von Geflüchteten. So finden die jährlichen Sommerfeste mit bis zu 500 Teilnehmenden im Innenhof unseres Gemeindezentrums statt.###3_IMAGES###In einem Stadtteil mit hohem Anteil von Migranten und dem einzigen Stadtteil Hamms, in dem die Partei „Die Rechte“ ein Ratsmitglied stellt, setzt sich eine Künstlergruppe mit unterschiedlichen Projekten für Toleranz ein. In Zusammenarbeit mit dieser Gruppe ist in den letzten vier Jahren ein „Ring der Friedensnobelpreisträger“ entstanden. Er möchte Impulse geben für ein friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen. Gerne haben wir als Gemeinde die Patenschaft für die Gedenktafel für Martin Luther King im Friedenspark übernommen.

Aus der Zusammenarbeit im Friedenspark entstand die Bodenplastik, die der Hammer Künstler Jockel Reisner in Gedenken an Martin Luther King gestaltete und die wir vor unserem Gemeindehaus verlegt haben. Das Zitat darauf, das aus der Friedensnobelpreisrede von Martin Luther King stammt, begleitet mich seitdem und fordert mich immer wieder heraus, es bewusst nachzusprechen. „Ich glaube daran, dass unbewaffnete Wahrheit und bedingungslose Liebe das letzte Wort haben werden.“

Die Erarbeitung von Handlungsempfehlungen für den interkulturellen und interreligiösen Dialog führte auch zur Mitarbeit beim Interreligiösen Friedensgebet, das in Hamm jeweils Anfang Januar stattfindet. Im letzten Jahr haben sich alle Vertreter der Religionsgemeinschaften, die sich am Interreligiösen Friedensgebet beteiligen, darauf verständigt, das Friedensgebet mit Zitaten aus Kings Rede „Das Haus der Welt“ zu gestalten, im Gedenken an dessen Ermordung vor 50 Jahren.

Zum gleichen Thema haben wir einen WDR5-Radiogottesdienst gestaltet, den auch NDR Info und RBB Kulturradio übertragen haben. Ausgehend vom Gleichnis vom Barmherzigen Samariter haben wir darin geschildert, wie wir versuchen, Kings politische und gesellschaftliche Gedanken umzusetzen. Viele differenzierte Rückmeldungen brachten zum Ausdruck, dass der Gottesdienst für Zuhörende ein guter Rückenwind war, sich vor Ort in der Begleitung von Geflüchteten, in der Politik und im Umweltschutz zu engagieren.

Das Jahresthema des Bundes „INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“ bedeutet für uns als Gemeinde: Von Christus und seinem Handeln inspiriert wollen wir uns gesellschaftspolitisch engagieren. Und in der Überzeugung handeln: „Es ist immer die richtige Zeit, das Richtige zu tun“ (Martin Luther King).

Eine außergewöhnliche Familie

Zwei Mal im Jahr trifft sich die Exekutive der Baptist World Alliance (BWA), also der weltweiten baptistischen Familie mit etwa 47 Millionen Mitgliedern in 125 Ländern. Dieses Leitungstreffen brachte Anfang März wieder über 30 Frauen und Männer aus 20 Ländern zusammen, die drei Tage lang im BWA-Center in Falls Church (USA) über das Wirken Gottes auf allen Kontinenten erfahren und diskutiert haben. BEFG-Referent Thomas Klammt ist Mitglied der Exekutive und berichtet, worum es bei dem Treffen ging.

Anders als in Europa und Nordamerika erleben Baptistengemeinden in Lateinamerika, Afrika und Asien großes Wachstum. Aus Bangladesch wird berichtet, dass in den letzten 20 Jahren jede der 200 Baptistengemeinde eine weitere Gemeinde gegründet hat! Im Nachbarland Indien findet man allerdings auch die größten Volksgruppen, die vom Evangelium fast unerreicht sind. Mission und Evangelisation waren deshalb das Hauptthema der Exekutive, auch beim Festabend, zu dem Generalsekretär Dr. Elijah Brown zahlreiche Freunde und Unterstützer der BWA eingeladen hatte. Sie waren besonders beeindruckt vom Bericht einer syrischen Pastorin, die in Damaskus den Jesus-Film ins öffentliche Kino gebracht hat.

Ein anderes großes Thema der BWA ist der Einsatz für Religionsfreiheit und Menschenrechte. Aus Bulgarien erhielt die Exekutive die dankbare Meldung, dass ein Religionsgesetz verhindert werden konnte, dass die Schließung vieler Gemeinden bedeutet hätte. Zum aktuellen Geschehen in Venezuela berichteten die südamerikanischen Baptisten von ihren Hilfen für Geflüchtete und vom Einsatz für politische Gefangene, zu denen auch ein baptistischer Jugendpastor gehörte.

Die BWA organisiert Not- und Entwicklungshilfe, zum Beispiel in den von Hurrikans und Fluten betroffenen Gebieten in der Karibik oder in Indonesien. Zur besseren Vernetzung dieser Hilfsprogramme wird der Runde Tisch „Baptist Forum for Aid and Development“ (BFAD) gebildet, durch den in Katastrophenfällen sehr schnell und direkt reagiert werden kann. Durch einen Besuch im letzten Jahr zeigten die Verantwortlichen der BWA und der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) Solidarität mit den kriegsgeplagten Menschen in der Ukraine.

Das BWA-Center in Falls Church dient als Ausgangsbasis für die weltweite Vernetzung der baptistischen Familie mit dem Ziel, in der Welt einen Eindruck von Christus zu vermitteln: „Networking the Baptist Family to impact the world for Christ“. In den neu renovierten Räumen wurde nun das „Heritage and Mission Welcome Center“ eröffnet, an dessen Wänden die Geschichte der BWA und ihre heutige Landkarte und Aufgabenschwerpunkte präsentiert werden. ###3_IMAGES### Als Mitglied der Exekutive der BWA begeistert mich vor allem, wie wir als Christen aus allen Kontinenten zusammenkommen: den Lobpreis leitet ein Japaner, die Andacht ein Pastor aus Haiti, Gebet und Segen ein Brasilianer. Ich bete und arbeite gemeinsam mit Frauen und Männern aus Jamaika, England, Ghana, USA, Korea, Argentinien. Eine außergewöhnliche Gemeinschaft mit Jesus Christus als Mittelpunkt!

Für den 22. bis 26. Juli 2020 ist die weltweite baptistische Familie nach Rio de Janeiro eingeladen: „Together 2020“ heißt das Motto, unter dem erstmals die BWA-Konferenzen für Erwachsene und Jugendliche vereinigt werden. Diese Tage sollen das Leben der Menschen in Rio und der mehreren Tausend Teilnehmenden aus aller Welt mit der Kraft Gottes in Berührung bringen.

Gespräche statt Gräben

Eine Delegation des BEFG-Präsidiums und der Bundesgeschäftsführung hat sich am 17. und 18. März mit der polnischen Bundesleitung in Warschau getroffen. Beide Seiten verständigten sich, weiterhin über Gemeindegründung, die Arbeit unter Migrantinnen und Migranten und neue Entwicklungen im Gespräch zu bleiben

Die Leitungsgremien der polnischen und der deutschen Baptisten tagten nach langer Zeit zum ersten Mal wieder gemeinsam. Ein aktuelles Thema sowohl in Polen als auch in Deutschland ist Gemeindegründung. Der polnische Bund verzeichnet nicht nur ein stetiges Wachstum an Mitgliedern (auf gegenwärtig fast 6.000 Mitglieder mit etwa 10.000 Personen im Freundeskreis) sondern auch an Gemeinden. Während des Treffens wurde die 101. Gemeinde in den Bund aufgenommen. Besonders in größeren Städten entstehen neue Gemeinden, sodass es zum Beispiel in Posen bereits acht Gemeinden gibt.

Fast alle Gemeinden in Polen haben enge Kontakte zu ukrainischen Zuwanderern. Denn mehr als zwei Millionen Ukrainer sind in den letzten Jahren auf der Suche nach Arbeit nach Polen gezogen. Einige Mitglieder aus ukrainischen Baptistengemeinden haben sich polnischen Gemeinden angeschlossen, sodass mittlerweile etwa gleich viele ukrainische wie polnische Baptisten in Polen leben. Inzwischen sind viele ukrainische Angebote entstanden, und sieben ukrainische Pastoren arbeiten im polnischen Bund, die dadurch dem Pastorenmangel in Polen abhelfen. Einige von ihnen haben ihre Gemeinden im umkämpften Osten der Ukraine verloren. Interessiert diskutierten die Teilnehmer die Erfahrungen in Deutschland mit Migration aus dem Nahen Osten und Afrika.

Viele polnische Gemeinden haben in den letzten Jahren diakonische Projekte gestartet. Seit drei Jahren hat auch der Bund ein eigenes Diakoniewerk ins Leben gerufen, um die Arbeiten zu koordinieren. Ein aktuelles Projekt ist die Begleitung von Pflegefamilien für ehemalige Heimkinder.

Pastor Robert Merecz schilderte die Entwicklung in der Gemeinde Stettin. Eine enge Arbeitsgemeinschaft deutscher und polnischer Baptisten fördert den Aufbau eines „Christlichen Zentrums“ in einer 1854 gebauten ehemals deutschen Baptistenkapelle. Er warb darum, das Projekt stärker zu unterstützen, um mögliche EU-Fördergelder nutzen zu können. Dafür ist ein finanzieller Eigenanteil erforderlich, der mit Hilfe aus Deutschland aufgebracht werden soll. Diskutiert wurden darüber hinaus der Aufbau von Gemeindepartnerschaften und die Möglichkeit, in Deutschland arbeitenden Polinnen und Polen in deutschen Gemeinden ein Zuhause zu bieten.###3_IMAGES###Die polnischen Teilnehmer berichteten den Besuchern aus dem BEFG von der seelsorgerlichen Begleitung der Pastoren. „Oft sind die Pastoren die einsamsten Menschen in ihrer Gemeinde“, berichtete der Leiter des Seelsorgeprogramms. „Darum ist es sehr wichtig, genau hinzuhören, wie es den Kollegen geht.“ Udo Hermann, der den BEFG-Dienstbereich Mitarbeiter und Gemeinde leitet, schilderte die Maßnahmen in Deutschland, die dazu dienen sollen, besonders die Berufsanfänger zu ermutigen, rechtzeitig Hilfe zu suchen, wenn sie in eine Krise geraten. Ein erfolgreiches Modell des polnischen Bundes, ehrenamtliche Mitarbeiter zu stärken, ist seit einigen Jahren ein zweijähriges Mentorenprogramm, mit dem jeweils 35 junge Mitarbeiter durch 15 Mentoren begleitet werden.

BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba betonte: „Schritt für Schritt haben sich Deutschland und Polen nach dem Krieg angenähert, auch die Baptisten. Heute erleben wir in Europa, dass Gräben wieder aufzubrechen drohen. Es ist wichtig, dass wir dem gemeinsam etwas Verbindendes entgegensetzen. So wollen wir auch in der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) gut über- und miteinander reden.“ Dem polnischen Bund falle dabei eine wichtige Rolle zu, weil Polen sowohl zum Osten wie zum Westen gute Beziehungen pflegt. Matthäus Wichary, der Generalsekretär des polnischen Bundes, dankte Stiba für die Initiative, zusammen zu tagen: „Es kommt darauf an, Freundschaft zu erleben.“ Und Michael Noss, Präsident des deutschen Bundes, lud für 2020 zu einem Gegenbesuch nach Elstal ein.

Interimsdienst: Übergangszeiten sinnvoll gestalten

„Ein Interimsdienst ist eine gute Möglichkeit, Übergangszeiten sinnvoll und zukunftsorientiert zu gestalten.“ Darauf wies Pastorin Heike Beiderbeck-Haus beim jährlichen Workshop der Interimspastoren und -pastorinnen am 25. und 26. Februar in Elstal hin. In der Praxis seien das zum Beispiel Zukunfts- und Veränderungsprozesse, die Erwartungsklärung bei der Berufung eines neuen Pastors oder die Bewältigung von Krisensituationen.

Interimspastoren und -pastorinnen sind für einen Zeitraum von drei bis zwölf Monaten jeweils für mehrere Tage pro Monat vor Ort. Sie arbeiten in Seminarform mit der ganzen Gemeinde, begleiten Gemeindeleitungssitzungen und nutzen normale Gemeindeveranstaltungen wie Gottesdienste und Bibelstunden, um ihren Auftrag umzusetzen. Zurzeit sind 14 Pastoren und Pastorinnen für den Interimsdienst akkreditiert. Zur Akkreditierung gehört die Teilnahme am jährlichen Workshop zur Fortbildung und kollegialen Beratung. Das Thema der Fortbildung in diesem Jahr lautete: „Focus Gemeinde: Wie erschließe ich mir das System Gemeinde im Interimsdienst?“ Birgit Kersten-Regenstein, freiberufliche Unternehmensberaterin, Supervisorin und Trainerin, erarbeitete mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, wie sie relativ schnell erfassen können, welche Kultur in der jeweiligen Gemeinde gelebt wird. „Ich fühle mich sehr inspiriert“, war das begeisterte Fazit eines Teilnehmers. „Das hat mir sehr geholfen für meinen nächsten Einsatz“, ergänzte ein anderer Teilnehmer. Interimspastoren und -pastorinnen bringen neben ihrer pastoralen Erfahrung beraterische Kompetenzen mit. „Diese Kombination ist eine Art Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt der Beratungsangebote“, meinte Pastor Thomas Seibert, der mit Heike Beiderbeck-Haus das „Team Interimsdienst“ im Dienstbereich Mitarbeiter und Gemeinde bildet. Insgesamt zwölf Gemeinden haben diese Möglichkeit im letzten Jahr genutzt. Interessierte Gemeinden können sich an Heike Beiderbeck-Haus wenden.

Neue Perspektiven auf die Taufe

Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) trafen sich vom 6. bis 7. März in der Theologischen Hochschule Reutlingen zum Erfahrungsaustausch über die Taufe. Dabei wurden bei dem bisher trennenden Thema der Taufe Impulse zur Versöhnung gesetzt.

„Es ist eine Tagung von einer gewissen kirchengeschichtlichen Dimension“, begrüßte Roland Gebauer, der Rektor der Theologischen Hochschule Reutlingen, die Vertreterinnen und Vertreter der VEF und der EKD. Sie versammelten sich unter dem Thema „Neue Perspektiven auf die Taufe“ zu Begegnung und Erfahrungsaustausch. Die Tagung sollte laut der Ausschreibung dazu beitragen, „neue Zugänge zur Taufe und dadurch auch neue Zugänge zueinander“ zu erschließen. Denn „über lange Zeit hinweg haben Freikirchen und Landeskirchen beim Thema Taufe einen Schwerpunkt auf die Differenzen im Lehrverständnis gelegt und an der Taufe grundlegende Unterschiede ihres Glaubens- und Kirchenverständnisses festgemacht.“ Daraus ergab sich für die Tagung die Frage, inwieweit ein nicht exklusives Verständnis der eigenen Taufpraxis möglich ist.

Die Tagung startete mit einem Impuls zur Versöhnung von Bischöfin Petra Bosse-Huber, der Leiterin der Hauptabteilung Ökumene und Auslandsarbeit der EKD: „Wir wissen um die Diskriminierungen, die unsere freikirchlichen Geschwister erlitten haben.“ Und sie fügte hinzu: „Um zur Heilung zu gelangen, muss vielmehr heute unbedingt auf beiden Seiten der kritische Blick auf uns selbst hinzukommen.“ Um des gemeinsamen Zeugnisses zu Jesus Christus willen sei es wichtig, „darauf zu achten, dass unsere Selbstverständnisse sich nicht länger aus der Abgrenzung gegen das negativ gezeichnete Bild des Anderen speisen.“

„Die Absicht dieser Tagung liegt nicht darin, ein Lehrgespräch über die Taufe zu führen, sondern die Zusammenarbeit und das gegenseitige Verstehen auf einer pragmatischen Ebene voranzubringen“, so Pastor Christoph Stiba, Präsident der VEF, in seinem Impuls zur Versöhnung. Auch er hob eigene konfessionelle Verletzungen und die „schmerzhafte Selbsterkenntnis“ hervor, „wo wir selbstgerecht und überheblich, also nicht dem Geist Gottes gemäß in Vergangenheit und Gegenwart über den Glauben und die Frömmigkeit unserer landeskirchlichen Geschwister geurteilt haben und urteilen.“ Es müsse um ein „Zeichen der versöhnenden Kraft des Evangeliums“ gehen. „Denn damit steht und fällt die Glaubwürdigkeit der christlichen Kirchen und ihrer Botschaft in unserer Gesellschaft.“###3_IMAGES###VEF-Präsident Stiba wies darauf hin, dass es in den Freikirchen der VEF ein Miteinander unterschiedlicher Taufverständnisse gibt: Während die Heilsarmee auf die Taufe verzichtet, unterscheidet die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) zwischen säuglingsgetauften und erwachsenengetauften Mitgliedern oder sogenannten bekennenden Mitgliedern, die sich nach der Säuglingstaufe bewusst zu ihrem Glauben bekannt haben. Auch Baptisten, Pfingstler und Angehörige der Landeskirche teilten ihre zum Teil sehr persönlichen Erfahrungen mit der Taufe.

So zeigten die Erfahrungsberichte, dass sich die einzelnen Bilder des Christwerdens unterscheiden: Wie und wodurch gewinnt das Christwerden – die sogenannte christliche Initiation – seine volle Gestalt? Einig waren sich die Teilnehmenden, dass die persönliche Antwort eines Täuflings auf den Ruf Christi in die Nachfolge und somit in Verantwortung, den Initiationsprozess abschließt. Denn „auch für die Landeskirchen gehört das Bekenntnis zum Initiationsprozess und muss persönlich im Glauben adaptiert werden“, sagte Pfarrer Dr. Jörg Bickelhaupt, Referent für interkonfessionellen Dialog im Zentrum Ökumene. Jede und jeder müsse persönlich antworten. Doch wie starr ist dieser Zusammenhang von bekennendem Glauben und Taufe zeitlich und in seiner Abfolge festgelegt? Kann Taufe auch als ein lebenslanger Prozess verstanden werden? Darüber diskutierten die Teilnehmenden kontrovers.

Wenn VEF und EKD ökumenisch Schritte aufeinander zugehen wollen, müssen beide Seiten „eine Kröte schlucken“. Denn die Rückfragen und Diskussionen verdeutlichten, dass es denkbar schwierig ist, dass die VEF-Kirchen die Säuglingstaufe als eine gültige Form der Taufe anerkennen und dass die EKD und EmK die „Wiedertaufe“ nicht kategorisch ablehnen. Miteinander Taufe erleben – Wie geht das? Es wurden dazu einige Modelle vorgestellt, wie Taufe ohne Lehrkonsens denkbar sein könnte. Wer Interesse an der Tagung hat, kann die einzelnen Beiträge und Modelle in einer Veröffentlichung in der Reihe epd-Dokumentation nachlesen. VEF-Präsident Christoph Stiba resümierte beim Abschlusspodium: „Diese Tagung ist ein absichtsvolles Zeichen des Miteinanders zwischen der EKD und den in der VEF zusammengeschlossenen protestantischen Kirchen.“

Was ich an freikirchlicher Frömmigkeit schätze

In seinem Beitrag zur Artikelserie INSPIRIERT LEBEN beschreibt Privatdozent Dr. Albrecht Haizmann, der Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ist, wie freikirchliche Frömmigkeit ihn bereichert.

„Schätzen“ kommt von Schatz. Ein Schatz ist etwas Wertvolles. Etwas zu schätzen bedeutet, es nicht nur distanziert als wertvoll zu betrachten oder bewertend einzustufen, sondern persönlich als bereichernd zu empfinden.

Der Schatz ist das Evangelium von Jesus Christus. Unser gemeinsamer Schatz. Er gehört keiner einzelnen Kirche, keiner einzelnen Gemeinde, keinem einzelnen Menschen. Dieser Schatz ist für alle. Von Gott. Als Menschen empfangen und haben und verschenken wir ihn – „in irdischen Gefäßen“. So gewinnt Christus Gestalt. Zum Beispiel in Form unserer besonderen Frömmigkeit.

Was ich an freikirchlicher Frömmigkeit schätze, beruht auf persönlichen Begegnungen und Erfahrungen mit Menschen. Mit Geschwistern im Glauben. Mit Christen, die nicht wie ich einer evangelischen Landeskirche, sondern eben einer Freikirche angehören. Was an diesen Erfahrungen und Beziehungen bereichernd ist, betrifft längst nicht nur die Spiritualität. Aber doch auch.

Was schätze ich an freikirchlicher Frömmigkeit? Zunächst einmal, dass es „die“ freikirchliche Frömmigkeit gar nicht gibt, sondern eine ganze Palette von Freikirchen und darin jeweils eine große Vielfalt von Bewegungen, Richtungen und Prägungen der Frömmigkeit. Das allein ist schon bereichernd. Ich schätze, ich mag diese Vielfalt.

An freikirchlicher Frömmigkeit schätze ich deshalb vor allem, dass sie verschiedene Facetten reformatorischen Christentums exemplarisch umsetzt. Und zwar ganz bestimmte: Teils sind es vergessene oder verdrängte Aspekte reformatorischer Theologie. Teils sogar ganze reformatorische Bewegungen, die vom Mainstream der Reformation unterdrückt wurden und sich – jedenfalls hier bei uns – erst Jahrhunderte später in Freiheit entfalten durften. Vielleicht deshalb erscheint mir die freikirchliche Frömmigkeit auch irgendwie jung.

Charakteristisch für diese besonderen freikirchlichen Akzente der reformatorischen Frömmigkeit ist für mich die große Freiheit und Ursprünglichkeit, mit der sie biblische Impulse und urchristliche Ideale für den Glauben der Einzelnen ernst nehmen, in das Leben der Gemeinden aufnehmen – und so im besten Sinne evangelisch sind.

Besonders schätze ich die reiche Entfaltung des Dritten Glaubensartikels in der freikirchlichen Frömmigkeit. Die erfahrbare Lebenskraft des Heiligen Geistes, seine Gaben und Wirkungen werden hier nicht nur gelehrt, sondern in vielfältiger Weise auch gelebt.

Die Gemeinschaft der Heiligen, das Leben in und das Streben nach Heiligung, der Ernst der Nachfolge Jesu und die Ausrichtung des Lebens auf seine Wiederkunft – all das gehört zum Wesen des christlichen Glaubens. Das wissen alle Kirchen. Aber in den verschiedenen Freikirchen begegnet es mir in besonders prägnanter Gestalt. Hier ist der Dritte Artikel Programm. Hier wird mit persönlicher Entschiedenheit und hoher Verbindlichkeit nach urchristlichen Idealen gelebt und gestrebt. Die Frömmigkeit selbst, ein Leben im Glauben, ist das Ziel. Nicht umsonst hat man den Freikirchen „programmatische“ – ideologieverdächtigende – Schimpfnamen gegeben: Methodisten, Baptisten, Pfingstler.

Dass dies keine einseitige Vernachlässigung der anderen beiden Glaubensartikel bedeuten muss, weiß jeder, der die Logik des Glaubensbekenntnisses kennt und versteht: dass der Zugang zum ersten und zweiten durch den dritten Artikel hindurch führt. Wer aber auch nur ein paar Menschen aus den Freikirchen kennt, weiß es auch. Dazu muss man keine großen Namen nennen, wie etwa John Wesley, Martin Luther King oder Mary Webb. Im freikirchlichen Gesamtbild zeigen es die Herrnhuter mit ihrer besonderen Kreuzesfrömmigkeit oder die Mennoniten mit ihrem Engagement für Frieden und Schöpfungsbewahrung und die Heilsarmee mit sozialer Verantwortung.

Was ich daran schätze, ist jedoch nicht die (in den Landeskirchen oft allzu große) Ausgeglichenheit, sondern gerade die aus evangelischen Bewegungen der Frömmigkeit hervorgegangene Zuspitzung. Jede Freikirche – und ihre Kirchenfamilie – hat etwas Besonderes aus unserem gemeinsamen Schatz, das sie hochhält, das sie wachhält, und das wiederum sie selbst antreibt und prägt.

So ist es für mich bereichernd, dass freikirchlich-evangelische Frömmigkeit mit landeskirchlich-evangelischer Frömmigkeit einerseits selbstverständlich Gemeinschaft haben kann, andererseits jedoch nicht in ihr aufgeht. Beide können voneinander profitieren, einander auch heilsam relativieren, ohne ihre je eigene Frömmigkeit aufgeben zu müssen. Beide haben einander etwas zu geben, das ganz nahe beim Eigenen liegt – aber vielleicht auf der anderen Seite der Medaille.

Dass sie die Religionsfreiheit auf vielerlei Weise in Anspruch nehmen, ausprobieren, ausbreiten und hochhalten, gefällt mir besonders an den Freikirchen. Dem entspricht eine Frömmigkeit, die sich staatlichen Vorgaben gegenüber eigene Freiräume und auch gesellschaftlichen Konventionen oder dem Zeitgeist gegenüber bewusst ihre Unabhängigkeit bewahrt.

Dass andererseits viele Freikirchen so unbefangen moderne Medientechnik, populäre Musik oder zeitgemäße Formen und Gestalten des Gottesdienstes in ihr Gemeindeleben aufnehmen, ist mir gleichermaßen sympathisch. Zu dieser Aufgeschlossenheit für „neue Schläuche“ gehört nicht selten auch eine Offenheit für die weltweite Vielfalt der Sprachen und Kulturen dazu. Sie speist sich aus der internationalen und ökumenischen Verbundenheit in den oft weltweit verbreiteten Freikirchen.

Hat „schätzen“ – wenn auch nichts Distanziertes – vielleicht doch etwas Gebremstes, Reserviertes an sich? Man schätzt einen verdienten Mitarbeiter, einen anständigen Geschäftspartner. Aber im Glauben verbindet uns das Band der Liebe. Hier ist kein Platz für vornehme Zurückhaltung. Im Rückblick kann ich nur sagen: Vieles von dem, was ich aufgezählt habe, schätze ich nicht nur, nein ich mag, ich liebe es an der freikirchlichen Frömmigkeit!

Privatdozent Dr. Albrecht Haizmann ist Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg (ACK).

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