Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

Bundesgeschäftsführung zur Coronakrise

Die Corona-Krise spitzt sich weiter zu. Das öffentliche und soziale Leben wird weiter eingeschränkt. Und wahrscheinlich stehen wir erst am Anfang. Niemand kann heute exakt prognostizieren, was in den nächsten Wochen passiert. Ob aus der Krise eine Katastrophe wird oder ob es eine schwere, aber vorübergehende Situation bleibt, das hängt vor allem am Faktor Zeit und damit auch am Verhalten jeder Einzelnen und jedes Einzelnen. Wir alle können durch unser besonnenes Verhalten dazu beitragen, dass wir diese „Probe bestehen“, wie unsere Bundeskanzlerin am Mittwoch sagte. In Zeiten von Corona gilt: Bleib ruhig, aber mach vieles anders. Das betrifft nicht nur Händewaschen und Husten-Etikette. Wir müssen auch überlegen, wie wir mit unseren Veranstaltungen umgehen. Zahlreiche Großveranstaltungen sind bereits abgesagt worden, und es ist zu erwarten, dass sich das ausweiten wird. Was bedeutet das in der nächsten Zeit für die Veranstaltungen der Gemeinden, für die Landesverbandsräte und auch für die Bundesratstagung? Darüber hat die Bundesgeschäftsführung beraten und fasst zusammen:

a)   Jeder Veranstalter muss derzeit eine Risikoabwägung vornehmen, ob wegen der Ausbreitung des Coronavirus die Durchführung einer Veranstaltung noch angezeigt ist oder besser abgesagt werden sollte. Großveranstaltungen in Hessen, also auch in Kassel, sind seit heute bis zum 10. April 2020 nicht zulässig. Ob diese Regelung über den 10. April hinaus verlängert werden wird, müssen wir abwarten. Falls dieser Erlass nicht verlängert wird, werden wir uns bei unserer Entscheidung am Kriterienkatalog des Robert Koch Institutes (RKI) für Großveranstaltungen orientieren und uns mit dem Gesundheitsamt Kassel abstimmen. Unter Berücksichtigung dieser Bedingungen bereiten wir die Bundesratstagung weiterhin intensiv vor und laden alle Delegierten und Gäste herzlich ein, sich anzumelden. Sollte die Bundesratstagung 2020 zu einem späteren Zeitpunkt abgesagt werden müssen, wird es die Möglichkeit geben, bereits bezahlte Teilnehmerbeiträge erstattet zu bekommen.

b)   Die Verantwortung, ob eine Landesverbandsratstagung stattfindet oder abgesagt wird, liegt bei der Landesverbandsleitung. Ebenso verhält es sich mit Veranstaltungen in den Gemeinden. Hierfür trägt die jeweilige Gemeindeleitung die Verantwortung. In Bezug auf die kommenden Landesverbandsräte sind die Anweisungen der Gesundheitsbehörden vor Ort zu beachten. Natürlich auch im Blick auf alle Gemeindeveranstaltungen (zurzeit ist uns nur aus einer Stadt bekannt, dass Kirchen und Vereine gebeten wurden, auf ihre Veranstaltungen wie zum Beispiel Gottesdienste zu verzichten). Bitte informiert Euch im Vorfeld, ob die geplanten Veranstaltungen jeweils stattfinden (z.B. im Internet). Hier findet Ihr eine „Checkliste für Veranstaltungen“ der Stadt und Städteregion Aachen, die als Kriterienkatalog hilft, eine Risikobewertung für einzelne Veranstaltungen vorzunehmen, um eine gut begründete Entscheidung treffen zu können. Im Zweifel rät die Bundesgeschäftsführung dazu, alle Veranstaltungen, die nicht zwingend notwendig sind, nicht stattfinden zu lassen. In Einzelfällen kann es auch sinnvoll sein, den Teilnehmerkreis auf die Delegierten zu begrenzen und eine Sitzung oder Tagung auf die notwendigen Punkte zu beschränken.

c)    Im Übrigen sollte bei Veranstaltungen im Vorfeld generell aktiv darauf hingewiesen werden, dass folgende Personen ein erhöhtes oder hohes Infektionsrisiko aufweisen. Menschen sollten für sich eine Teilnahme an Veranstaltungen prüfen und gegebenenfalls nicht teilnehmen, wenn sie

  • in den vom RKI definierten Risikogebieten wohnen (RKI-Risikogebiete),
  • mit Personen aus den vorgenannten Risikogebieten Kontakt hatten,
  • Kontakt mit infizierten Personen hatten oder selbst infiziert sind,
  • Kontakt mit Verdachtsfälle hatten,
  • Symptome einer Infektion aufweisen (Husten, Schnupfen, Halskratzen, Fieber und Durchfall).

d) Hier findet Ihr Hinweise und Maßnahmen zum Verhalten in der Gemeinde, um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten. Allgemein wird geraten, selbst einzuschätzen, ob die Teilnahme an einer Veranstaltung, zum Beispiel aufgrund einer Vorerkrankung, angebracht ist.

Es ist und bleibt wahr, dass wir auch in Krisenzeiten in Gottes Hand sind. Darum handeln wir nicht aus Angst oder in Panik, sondern aus Verantwortung und Solidarität mit den Mitmenschen, deren Gesundheit in Gefahr sein könnte. Vielleicht sind Besonnenheit und Gelassenheit in diesen Tagen die anmutigsten Formen des Gottvertrauens. Hoffen und beten wir, dass wir bald wieder andere Themen haben. Und tun wir unser Bestes dafür.

Christoph Stiba
Generalsekretär

Zeiten der Stille

Wie lassen sich Elemente geistlichen Lebens in einen gemeindlichen Beratungsprozess integrieren? Das war eine der Fragen, mit der sich insgesamt 15 Interimspastoren und -pastorinnen im Rahmen ihrer jährlichen Tagung im Bildungszentrum Elstal beschäftigten.

Als Referentin führte die lutherische Pfarrerin Susanne Weichenhan die Teilnehmenden einen Vormittag lang durch Zeiten der Stille und der Betrachtung eines Bibeltextes. Die Erfahrung ermutigte mehrere Teilnehmende, ähnliche Erfahrungsräume in die Gestaltung ihrer Dienste einzubeziehen. „Ich fühle mich sehr erfrischt“, war das begeisterte Fazit einer Teilnehmerin. Neben der Fortbildung ist der kollegiale Austausch ein wesentliches Element der Tagung. „Das hat mir sehr geholfen für meinen nächsten Einsatz“, meinte eine Teilnehmerin.

Der Interimsdienst ist ein Angebot des Bundes, Gemeinden in Übergangszeiten zu unterstützen. Interimspastoren und -pastorinnen sind für einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten jeweils für mehrere Tage pro Monat vor Ort, um Veränderungsprozesse zu begleiten, Krisen zu verarbeiten oder die Erwartungen bei der Berufung eines neuen Pastors bzw. einer neuen Pastorin zu klären. Sie bringen neben ihrer pastoralen Erfahrung beraterische Kompetenzen mit. „Hier kommt ein Pastor, eine Pastorin auf Zeit. Gerade dieser Mix aus zielorientierter Beratung einerseits und Predigt, Bibelgespräch, Gottesdienst, geistlichen Prozessen andererseits macht das ganz Besondere des Interimsdienstes aus“, meinte Heike Beiderbeck-Haus, die mit Thomas Seibert das Team im Dienstbereich Mitarbeiter und Gemeinde bildet. Interessierte Gemeinden können sich an Heike Beiderbeck-Haus wenden.

Gottesdienst und Infektionsrisiko

Das „Coronavirus“ (SARS-CoV-2) breitet sich in Deutschland aus. In Menschenansammlungen ist eine Übertragung wahrscheinlicher. Gottesdienste, Gruppentreffen sowie persönliche Gesprächssituationen können zur Verbreitungsherden von Grippe- und Coronaviren werden. Wir bitten die Gemeindeleitungen um erhöhte Aufmerksamkeit und die Mitglieder sowie Gäste um Beachtung der üblichen Hygienemaßnahmen.

Verantwortung der Gemeindeleitung

  • Verantwortung der Gemeindeleitung: Die Verantwortung für die Ortsgemeinden liegt bei der jeweiligen Gemeindeleitung: Bitte seien Sie wachsam und informieren Sie sich an den entsprechenden Stellen.
    | Infektionsschutz.de | Bundesgesundheitsministerium | Robert-Koch-Institut
  • Konkrete Maßnahmen im Gemeindehaus:
    • Drucken Sie bitte je nach Zielgruppe folgende Infografiken aus und hängen Sie diese aus, damit jeder mitbekommt, was zu tun ist. | Infografiken in sechs Sprachen >>
    • Hängen Sie an gut sichtbaren Stellen im Foyer aus: „Aktuelle Informationen zum Coronavirus“:
      deutsch | englisch | türkisch
  • Zusammenarbeit mit den Behörden: Arbeiten Sie bereitwillig mit den Behörden zusammen und fragen Sie gegebenenfalls beim Gesundheitsamt um Rat.

Verhaltensweisen im Gottesdienst | Gemeindegruppen

  • Zu Hause bleiben: Wer sich krank fühlt, sollte Zuhause bleiben und sich – wenn vorhanden – den Livestream anschauen oder auf Rundfunk- und Fernsehgottesdienste ausweichen.
  • Körperkontakt vermeiden: Vermeiden Sie in dieser Zeit unnötigen Körperkontakt. Freundliche Begrüßung geht auch ohne Händeschütteln.
  • Räume lüften: Bitte sorgen Sie für eine gute Belüftung der Gottesdiensträume und der Nebenräume.
  • Abstand halten: Beim Husten oder Niesen größtmöglichen Abstand halten: in die Armbeuge oder in ein Papiertaschentuch niesen und es entsorgen: Hände waschen!
  • Abendmahl: Vermeiden Sie beim Abendmahl (Mahl des Herrn) in diesen Wochen den Gemeinschaftskelch und benutzen Sie nach Möglichkeit Einzelkelche.

Gebet und Unterstützung

  • Gebetsaufforderung: „Betet für die Regierenden und für alle, die Gewalt haben, damit wir in Ruhe und Frieden leben können, in Ehrfurcht vor Gott und in Rechtschaffenheit. So ist es gut und gefällt Gott, unserem Retter.“ | Die Bibel: 1. Timotheus 2,2-3
  • Politiker: Bitte beten Sie im Gottesdienst für die verantwortlichen Politiker um Weisheit in dieser Krisensituation.
  • Forscher: Beten Sie für die medizinischen Forscher, dass Gott ihnen Einsicht und Kreativität gibt, ein Gegenmittel für das Virus zu finden.
  • Erkrankte: Beten Sie für die Erkrankten um Heilung und Genesung.
  • Tipp zur Hilfe und Unterstützung: Sollte es zu Krankheitsfällen kommen, richten sie einen telefonischen Meldedienst ein. Sollte es zu einer Quarantäne kommen, bieten Sie sich als Gemeinde an, für diese Menschen einzukaufen oder sie in sicherer Entfernung zu unterstützen.

Alternative Treffen

  • Sollten aus gesundheitlichen Gründen größere Ansammlungen von Menschen behördlich untersagt werden, können andere gottedienstliche Treffen in Betracht kommen:
  • Kleine Gruppen: Zuhause treffen und Hausgottesdienste in der Familie feiern. Die Pastorin oder der Pastor könnte dafür einen Ablauf, eine Liturgie oder Vorlesepredigt mit Hinweisen oder Fragen vorbereiten und sie per Mail oder zum Download zur Verfügung stellen.
  • Technische Hilfsmittel: Livestream nutzen, Predigt per Audio oder Video aufnehmen und herumschicken oder zum Download anbieten.
  • Virtuelle Lösungen: Gottesdienst oder Hauskreis per Chat oder Video-Konferenz ausprobieren.

Mut zum Vertrauen auf Gott

Die Gemeinde Jesu und das Reich Gottes hat zu allen Zeiten und in möglichen und unmöglichen Situationen bestanden, durchgehalten und trotzdem Gott gelobt sowie den Menschen im Umfeld gedient. Lasst uns miteinander auf unseren Gott, Heiland und Retter vertrauen, der Herr der Lage ist: auf ihn vertrauen, helfen wo Nöte sind, für andere beten und den Gesunden und Kranken im Namen Jesu Mut zusprechen.

Fragen und Beratung

Die USB-Dienstleistungen GmbH steht für konkrete Fragen der Gemeindeleitung zur Hygiene und Prävention gerne zur Verfügung: info(at)usb-net.de

Mit freundlicher Genehmigung des Bundes Freier evangelischer Gemeinden.

Oncken Verlag Kassel: Nach Insolvenz geht es weiter

„Es gibt die J.G. Oncken Nachf. GmbH nicht mehr. Aber es gibt weiterhin den Oncken Verlag!“ Das sagte Silke Tosch, Geschäftsführerin der J.G. Oncken Nachf. GmbH, nachdem der Verlag am 1. März von der Blessings 4 you GmbH übernommen wurde. Kurz vor Weihnachten musste die Kasseler J. G. Oncken Nachf. GmbH Insolvenz anmelden. Die Stuttgarter Firma Blessings 4 you führt den Oncken Verlag nun unter bekanntem Namen weiter.

Nachdem Anfang 2018 bereits das Verlagsgebäude der J.G. Oncken Nachf. GmbH verkauft worden und im April 2019 die Versandbuchhandlung an die Blessings 4 you GmbH übergegangen war, habe man gehofft, ausreichende Sanierungsmaßnahmen ergriffen zu haben, so Tosch. „Leider erwies sich das zurückgebliebene Verlagsgeschäft als nicht kostendeckend, sodass wir im Dezember 2019 Insolvenz anmelden mussten.“ Dankbar zeigte sich Tosch, jetzt leitende Redakteurin der verlagseigenen Zeitschrift DIE GEMEINDE, dass die Blessings 4 you GmbH nun auch den verbliebenen Verlag samt seinen angestellten Mitarbeitenden übernommen habe: „Damit konnten nicht nur sieben Arbeitsplätze, sondern auch die Zukunft der Printmedien gesichert werden, die immer noch eine wesentliche Bedeutung in der Information und Vernetzung innerhalb unseres Gemeindebundes haben.“ Froh sei sie zudem, dass das Geschäft unter dem traditionsreichen Namen Oncken Verlag weitergeführt werden könne.

„Über Jahrhunderte hat der Oncken Verlag den deutschen Baptismus geprägt und Segensspuren hinterlassen“, sagte BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba. „Publikationen aus dem Hause Oncken haben Generationen von Baptisten geprägt. So dankbar wir für die Verbreitung des Evangeliums in der bewegten 191-jährigen Verlagsgeschichte sind, so sehr betrübt uns die Insolvenz des Oncken Verlags. Gleichzeitig sind wir froh darüber, dass wesentliche Geschäftsbereiche durch Blessings 4 you nun weitergeführt werden. Wir wünschen dem Verlag Gottes Segen und freuen uns auf eine segensreiche Zusammenarbeit.“

Die Blessings 4 you GmbH ist aus der ehemaligen Versand- und Verlagsbuchhandlung der Evangelisch-methodistischen Kirche hervorgegangen. Sie wird von Angela May und Tobias Blessing geführt. Der Unternehmenssitz liegt in Stuttgart.

In kleinen Schritten verändern

Das Präsidium hat das Entwicklungsteam eingesetzt, um in kleinen Schritten den Bund zu verändern. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der regionalen und überregionalen Arbeit des BEFG lernten bei einem Agilitätstraining die Arbeitsweise des Entwicklungsteams kennen, um neue Impulse im BEFG zu setzen.

Das Entwicklungsteam des Bundes hat am 25. Februar zu einem Agilitätstraining in die EFG Potsdam eingeladen. Die 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Dienstbereichen in Elstal, den Landesverbänden und dem GJW lernten dabei eine agile Arbeitsweise kennen. Diese Arbeitsweise folge dem Prinzip, dass Projekte selbstorganisiert und nutzenorientiert in kleinen Teilschritten innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens durchgeführt werden und so zeitnah ein überprüfbares Ergebnis hervorbringen, erklärte André Häusling, der das Training leitete. Er und seine Firma „HR Pioneers“ beschäftigen sich damit, Strukturen innerhalb von Organisationen durch agile Werte und Prinzipien neu zu gestalten.

Das Agilitätstraining hatte das Ziel, den im Bund angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern agiles Arbeiten nicht nur theoretisch beizubringen, sondern auch praktisch erlebbar zu vermitteln. Die Teilnehmenden spielten das sogenannte „Ball Point Game“, bei dem Bälle ohne Bodenkontakt, jedoch so, dass alle sie mindestens einmal berührt haben, an einen Zielort gelangen müssen. Es verdeutlichte zum Beispiel die Selbstorganisation des Teams und das Pull-Prinzip, dass jede und jeder die Aufgabe, die vor einem liegt, fokussiert angeht – mit Ziel, aber ohne fertiges Endkonzept. Din mehreren Runden war zudem eine Qualitätssteigerung der Ergebnisse zu beobachten. Agile Prozesse können auf diese Weise die Struktur von Organisationen verändern.###3_IMAGES###Für Veränderungen gebe es stets innere und äußere Treiber, so Häusling. Sie seien Gründe dafür, die Arbeitsweise und Struktur einer Organisation zu überdenken. Die Teilnehmenden benannten im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden zum Beispiel die abnehmende konfessionelle Bindung oder die Überalterung von Gemeinden als treibende Faktoren. Aus diesen Gründen, die für eine Veränderung sprechen, entwickelten die Teilnehmenden Zielbilder, wie die Zusammenarbeit der Freikirchen, und überlegten sich, wie sie dieses Ziel mit konkreten, kleinen Schritten angehen wollen. Auf diese Weise arbeitet auch das Entwicklungsteam, das vom Präsidium des BEFG eingesetzt wurde. Es soll neue Ideen und Projekte ausprobieren, um die Struktur des Bundes gegebenenfalls an die Bedürfnisse und Herausforderungen von Gemeinden und Landesverbänden sowie an die gesellschaftlichen Veränderungen anzupassen. Daher werden in Zukunft weitere Agilitätstrainings angeboten, so Stefan ter Hasborg, Leiter des Entwicklungsteams.

Das Entwicklungsteam ist unter e-team(at)baptisten.de zu erreichen und freut sich über Frage und Ideen.

Mit Enthusiasmus für einen guten Sound sorgen

Seit 20 Jahren bietet Dr. Andreas Langbehn in Elstal Seminare für Tontechnikerinnen und Tontechniker aus Gemeinden an. Er ist Lehrbeauftragter für Musikpädagogik an der Universität der Künste in Berlin. Mittlerweile konnten schon über 1.800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von dem Angebot profitieren. Welche Bedeutung diese Arbeit für die Gemeinden hat und wie sich die Tontechnik in den letzten 20 Jahren entwickelt hat – darüber sprach Andreas Langbehn (AL) in einem Interview mit Julia Grundmann (JG).

JG: Kannst du dich noch an das allererste Tontechnikseminar erinnern?

AL: Ja klar, daran kann ich mich noch gut erinnern. Ich bin damals voller Enthusiasmus gestartet. Freitagnachmittag fing das Seminar an und eine halbe Stunde vor Mitternacht habe ich zum ersten Mal wieder auf die Uhr gesehen. Am Samstag habe ich dann ein Zehn-Stunden-Programm „durchgezogen“. Ich musste erst lernen, dass Pausen auch „Musik sind“, um als Musiker zu sprechen. Sie sind auch deshalb wertvoll, weil es hier zum Austausch zwischen den verschiedenen Teilnehmern kommt. Eine sehr wichtige und motivierende Komponente.

JG: Deine Seminare richten sich in erster Linie an Gemeindemitarbeiterinnen und -mitarbeiter. Gerade in Bezug auf die Tontechnik hat sich da in den letzten 20 Jahren ja einiges verändert.

AL: Das stimmt. Die Tontechnik ist in den meisten Gemeinden viel komplexer geworden. Bands oder Musikteams gehören mittlerweile zum Standard und erfordern eine immer bessere Tontechnik. Der Trend geht natürlich zu Multimedia, also auch Beamer- und Videotechnik haben sich dazugesellt. Wohl jede zweite Gemeinde ist inzwischen mit digitalen Mischpulten ausgestattet. War vor 20 Jahren Tontechnik noch eine Männerdomäne, so hatten wir beispielsweise beim letzten Seminar in Elstal über dreißig Prozent Frauen dabei.
 
JG: Du hast mal gesagt „Wer in seiner Gemeinde für den richtigen Ton sorgt, leistet missionarische Arbeit.“ Wieso?

AL: Willow Creek hat uns bereits vor gut 20 Jahren auf beeindruckende Weise gezeigt, wie gerade ein attraktiver Gottesdienst eine tolle Möglichkeit ist, um mit Kirchendistanzierten in Kontakt zu kommen. Musik und Multimedia haben dabei einen hohen Stellenwert, weil die Menschen dadurch sowohl rational als auch emotional angesprochen werden können. Durch gekonnt eingesetzte Tontechnik kommt das Ganze dann noch besser zu Geltung.

JG: Gibt es Seminarerlebnisse, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

AL: Ja! Sehr begeistert war ich von den beiden über 70jährigen Diakonissen, die in ihrer Kirchengemeinde für den richtigen Sound sorgen wollten. Ein Teilnehmer ist mal mit Wohnmobil angereist, weil die Zimmer ausgebucht waren, er aber unbedingt am Seminar teilnehmen wollte. Wenn jemand bereits zum fünften Mal an einem Seminar teilnimmt, freut mich das natürlich auch, heißt es doch, dass er jedes Mal was Neues lernt. Und wenn ich nach Jahren von ehemaligen Teilnehmern höre, dass sie mittlerweile selbst leitend für den guten Sound verantwortlich sind, motiviert mich das sehr, mit Schulung und Coaching weiterzumachen.

Deshalb würde ich mich sehr freuen, wenn sich in den nächsten Jahren weiterhin so viele Tontechniker schulen lassen bzw. Gemeinden Tontechniker nach Elstal schicken oder Vorortseminare bei mir buchen. Tontechniker werden mehr denn je gebraucht!

„Da will ich hin!“

Bei der Fortbildung im Anfangsdienst vom 17. bis 21. Februar lernten die Teilnehmenden, auf innovative Art und Weise Gottesdienste und Predigten zu gestalten.

„Da will ich hin!“ Zwanzig Leute bewegen sich durch den Lehrsaal, nehmen mit diesem Satz jeweils ein neues Ziel in den Blick und gehen hin. Was für den Zuschauer komisch aussieht, ist für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fortbildung im Anfangsdienst eine wertvolle Übung: mit Felix Ritter, Dramaturg aus Amsterdam, trainieren sie ihre Präsenz im Gottesdienst. „Felix Ritter hat mich in den Bann gezogen, mich herausgefordert und in neue Welten entführt,“ sagt einer von ihnen begeistert. Einen Tag lang lernten die jungen Leute „Predigen wie TED“: eine Botschaft kurz und klar präsentieren, mit einer persönlichen Geschichte und aus wenigen Stichworten. Am Ende des Tages waren zwanzig 1-Minuten-Predigten zu hören, die es in sich hatten!

Neben den intensiven Übungen zur Präsenz und Präsentation hatte die Fortbildung zwei weitere Schwerpunkte. Dr. Thorsten Dietz, Professor für Systematische Theologie in Marburg, entführte die Gruppe gedanklich ins Kino und zeigte anhand aktueller Filme und Serien, wie man heute über Sünde reden kann. Dr. Guido Baltes, Dozent in Marburg, erklärte und diskutierte mit den Teilnehmenden die Bedeutung der Musik im Gottesdienst. Ganz praktisch wurde das bei der Vorbereitung und Gestaltung des Abschlussgottesdienstes der Fortbildung.

Vier Tage in Elstal, die nicht nur von intensivem Lernen, sondern auch vom fröhlichen Wiedersehen mit Studienfreunden und Kolleginnen geprägt waren. Die Akademie freut sich, auf diese Weise den wertvollen Dienst von Pastorinnen und Pastoren und Diakoninnen unterstützen zu können, und bereitet sich auf die nächste Fortbildung im September vor, bei der zum Beispiel „Theologisieren mit Kindern“ und „Jugendarbeit und Medien“ auf dem Programm stehen.

Neu. Starten. Durchstarten.

Wie kann der Glaube in der heutigen Zeit überzeugend weitergegeben werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Seminar „Neu. Starten. Durchstarten.“ vom Arbeitskreis Mission im Landesverband Norddeutschland.

Während des ersten Seminartages im November 2019 hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter der Anleitung von Pastor i.R. Gunter Stein aus Dortmund über ihr persönliches Glaubensleben nachgedacht und sich darüber ausgetauscht. Gunter Stein hatte den Tag durch seine Referate und seine einfühlsame Art zu einem sehr persönlichen Seminartag gemacht, der alle Beteiligten über das Besondere ihres eigenen Glaubens an Jesus Christus nachdenken ließ. Der Referent machte Mut, sich seines eigenen Glaubens gewiss zu sein und mit Hingabe den Weg der Nachfolge zu gestalten. Dabei sei es wichtig, immer Hörender zu bleiben, um aufmerksam zu sein für das Wirken des Heiligen Geistes.

Im Februar beim zweiten Treffen der Seminarreihe zu Fragen des persönlichen Glaubenslebens und zu aktuellen Gemeindefragen waren 25 Teilnehmende aus dem ganzen Landesverband in der EFG Eimsbüttel, Tresckowstrasse, zusammengekommen. Dieses Mal referierte Raphael Stein, Pastor in der EFG Stelle bei Hamburg. Raphael Stein legte in seinen Überlegungen einen Schwerpunkt auf das gesellschaftliche Umfeld des Christseins und Gemeindelebens. Anhand der aktuellen Sinusstudie gab er kurze Erläuterungen zu den unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus und ermutigte die Seminarteilnehmenden dazu, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, um in dem Umfeld, in dem sie leben, Kontakt zu Menschen zu gestalten und das Evangelium auf jeweils angemessene Weise weiterzugeben. Er machte auch deutlich, dass alle Mission ihren Ursprung in der Mission Gottes, der Sendung Jesu auf diese Welt, hat. Die Mission Gottes, so Raphael Stein, unterscheide nicht zwischen diakonischem Handeln und evangelistischer Verkündigung.

Wie schon am ersten Seminartag wechselten sich auch am zweiten Seminartag Vortragsteile, Austauschrunden und Gesprächsgruppen ab. Die Gemeinde Eimsbüttel hatte an beiden Tagen für einen rundum wohltuendes Äußeres gesorgt und zum Gelingen der Tage einen großen Teil beigetragen.

Am letzten Seminartag wird Pastor Carsten Hokema, EFG Hamburg-Altona, durch den Tag leiten und referieren. Dann wird es um die Frage gehen, wie der persönliche Glaube in einer multioptionalen und immer stärker divergierenden Gesellschaft und auch ganz persönlich an einzelnen Mitmenschen konkret und einladend weitergegeben werden kann. Der Tag will zu neuer persönlicher Sprachfähigkeit des Glaubens verhelfen.

 Das nächste und letzte Seminar, zu dem weitere Interessierte sich noch anmelden können (E-Mail an pastor(at)christuskirche.de), wird am Samstag, 18. April, von 10:00 bis 17:00 Uhr wieder in der EFG Eimsbüttel stattfinden.

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