Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

Wildlife Sandheide

Mit dem Sonderkonto „Gemeinden helfen Flüchtlingen“ unterstützt der BEFG Gemeinden, die sich in der Arbeit mit Geflüchteten engagieren. Ein gefördertes Projekt ist der Pfadfinderstamm, den die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Erkrath gemeinsam mit einem Verein vor Ort gegründet hat.

"Wildlife Sandheide" - unter diesem Motto treffen sich seit fast einem Jahr jeden Donnerstag von 17:00 bis 19:00 Uhr circa 20 Kinder in der Sandheide, um gemeinsam Abenteuer zu erleben. Der Stadtteil Sandheide in Erkrath ist ein Viertel, das hauptsächlich von Menschen mit Flucht - und Migrationshintergrund bewohnt wird. Entsprechend bunt ist die Zusammensetzung des Treffens: Luan aus Albanien, Sinan aus der Türkei, Michelle aus Deutschland, Hamad aus Pakistan, Fayed aus Afghanistan und Kinder aus einigen anderen Ländern spielen gemeinsam, lernen die Natur in ihrer Umgebung kennen und schätzen, und hören und erleben christliche Werte.

Begonnen hat alles mit einer Pilotphase von zehn Wochen vor den Sommerferien 2018: Der Verein füreinander e.V., der schon seit einigen Jahren eine erfolgreiche sozial-karitative Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Sandheide betreibt, und die Royal Rangers der EFG Erkrath Treffpunkt Leben haben sich zusammengetan, um gemeinsam ein naturnahes, erlebnispädagogisches Angebot auf Basis der Pfadfinderpädagogik zu schaffen. Das Ziel: Kinder mit der bestehenden Pfadfinderarbeit der EFG Erkrath zu vernetzen und ihnen und ihren Familien den Schritt in die Gemeinde zu erleichtern.

Als Treffpunkt steht dazu ein Spielplatz mit angrenzendem Wald zur Verfügung. Alles nötige Material wird in einem Imbissanhänger gelagert. Jeden Donnerstag wird dieser an den Waldrand gefahren, die Türen und die Seitenklappe geöffnet und schon kann's losgehen. Die Anschaffung von Material und Anhänger wurde durch großzügige Unterstützung der Flüchtlingshilfe des BEFG ermöglicht.

Die Kinder der Anwohner, die ansonsten nicht in den Wald gehen, werden mit dem Projekt "Wildlife Sandheide" von der Straße geholt, mit erlebnispädagogischen Ansätzen in ihrer Persönlichkeit gefördert und durch Andachten wird ihnen Gottes gute Botschaft näher gebracht. Die Kinder sind dazu in Gruppen von sechs bis acht Teilnehmern aufgeteilt. Gemeinsam gilt es, in diesen Teams dann diverse Abenteuer zu bewältigen: Der Umgang mit Messer, Säge und Beil wurde erlernt, die Kinder haben sich im Dunkeln in den Wald getraut - auch ohne Taschenlampe -, haben Schätze gefunden, Pizza im Feuer gebacken, einen Staudamm im Bachbett gebaut und viele andere unvergessliche Momente erlebt.

In den zentralen Inputs wurden Werte, wie Ehrlichkeit oder Treue vermittelt, der Wert des Einzelnen hochgehalten und Gottes Liebe in Wort und Tat erlebbar gemacht. Die Betreuung erfolgt dabei durch pädagogische Fachkräfte und durch ehrenamtliche Mitarbeiter. Besonders erfreulich ist die Reaktion der Anwohner: Ein anerkennendes Wort einer vorbeifahrenden Anwohnerin, die Kuchenspende der Ranger-Mütter oder ein junger Mann aus der Sandheide, der selbst als Mitarbeiter aktiv wird - all das zeigt, dass die Menschen in der Sandheide der Arbeit positiv gegenüberstehen und diese oft genug auch mit Wort und Tat unterstützen.

Aus dem Pilotprojekt ist ein neuer Pfadfinderstamm entstanden - lebendig, laut und bunt - wie die Kinder in der Sandheide.

„Super Mischung aus Tagung, Gemeinschaft und Spiritualität“

„Super Mischung aus Tagung, Gemeinschaft und Spiritualität“, schrieb ein Teilnehmer oder eine Teilnehmerin nach der Bundesratstagung 2018 in den Auswertungsbogen. In wenigen Wochen ist es soweit: Dann treffen sich wieder um die 1.000 Abgeordnete und Gäste zur Bundesratstagung 2019 in Kassel. Julia Grundmann hat sich die Rückmeldungen aus 2018 angesehen, die Lust machen, vom 29. Mai bis 1. Juni mit dabei zu sein.

Ein Bestandteil der Bundesratstagung sind die Verhandlungssitzungen und Foren, bei denen besonders die Delegierten der Gemeinden, Landesverbände und Werke – der Bundesrat – gefragt sind, um über wichtige Themen des Gemeindebundes zu beraten und Weichen für die gemeinsame Arbeit zu stellen. Das geschieht, so jedenfalls ein Eindruck aus dem letzten Jahr, „angenehm locker, teils humoristisch – und trotzdem konzentriert im Plenum“.

Der andere Bestandteil ist das bunte Glaubensfestival mit Gottesdiensten, Bibelarbeiten, Workshops und vielen Mitmachangeboten: „Ein kleiner Kirchentag der Baptisten.“ Die Konferenzveranstaltungen außerhalb der eigentlichen Ratstagung „waren ausgesprochen inspirierend und sehr gut dazu geeignet, auch jüngere Menschen aus den Gemeinden zu begeistern“, so empfand es ein Teilnehmer oder eine Teilnehmerin 2018.

„INSPIRIERT LEBEN … das Christus Gestalt gewinnt“ wird wieder das Thema in diesem Jahr sein. „Inspiriert leben in Krisenzeiten“, „Inspiriert leben als Friedensstifter“, „Inspiriert leben aus der Beziehung zu Gott“ – dies sind nur einige Beispiele davon, worum es schwerpunktmäßig gehen wird. Ansgar Hörsting, Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, wird etwas davon erzählen, wie der Glaube auch durch herausfordernde Zeiten trägt. Dr. Fernando Enns, Mennonit und Professor in Hamburg und Amsterdam, wird einen Impuls zum Thema „Gefährdeter Frieden – tragfähige Perspektiven“ geben. Was einen unter anderem noch erwartet: ein Gottesdienst an Himmelfahrt, den Mara Sieloff, Samantha Mail, Udo Rehmann und Christoph Petersen gestalten. Zuspruch, Ermutigung und Segen durch Claudia Sokolis-Bochmann, André Krause und Michael Schubach. Sieben verschiedene Bibelarbeiten, Workshops, Konzerte und Mitmachangebote und eine große und abwechslungsreiche Ausstellung mit Ständen der vielen Arbeitsbereiche, Initiativen und Werke in und um unseren Bund. Und daneben natürlich Zeit für Begegnung, Gespräche und Stille.

„Für mich ist die Bundesratstagung in Kassel immer eine schöne Gelegenheit, alte Freunde zu treffen und neue Bekanntschaften zu knüpfen“ – so fasst eine regelmäßige Bundesratstagungsbesucherin ihre Motivation zusammen, sich Ende Mai auf den Weg nach Kassel zu machen. „Ich komme gerne wieder und lade immer heftig ein“, formuliert ein Anderer.

Besonders Menschen unter 27 Jahren sind herzlich eingeladen teilzunehmen. Wer dieser Altersklasse angehört, kann auf einem besonderen Ticket nach Kassel reisen. Näherer Informationen dazu gibt es hier.

Wer noch nicht angemeldet ist, sollte dies also schnellstens nachholen und kann dann hoffentlich im Juni auch sagen: „Ich bin froh, Teil einer solchen Kirche zu sein und bin sehr gestärkt nach Hause gefahren. Der Geist Gottes war spürbar.“

Hören und Entdecken

Die Mitglieder, Freunde und Freundinnen der Bethel-Gemeinde in Berlin-Lichterfelde haben in der Passionszeit das Markusevangelium neu gehört und entdeckt. Pastor Volker Bohle berichtet von dem Projekt.

Aufgrund der guten Erfahrungen aus dem Jahr 2018 haben wir uns entschlossen, „Hören & Entdecken“ auch in diesem Jahr in der Passionszeit durchzuführen. Das Lesen des Markusevangeliums sollte dabei im Mittelpunkt stehen, genauso wie die wöchentlichen Tageszeitengebete in der Mitte der Woche und das „Hören & Entdecken“-Tagebuch für alle Gemeindemitglieder und Freunde. Teil dieses Projektes waren auch die Gebetsstationen im Gemeindehaus, besonders aber der Austausch über die Erfahrungen mit den Texten und Gebeten im Gottesdienst, an einer Interaktionswand oder der extra eingerichteten Chatgruppe.

Nun, wie wars? Die kleine, aber feine Chatgruppe mit zwölf Teilnehmenden war sehr aktiv. Die wöchentlichen Tageszeitengebete um 6:30, 15:30 und 20:00 Uhr im Gemeindehaus wurden unterschiedlich, von insgesamt bis zu 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer genutzt. Wer wollte, konnte parallel Zuhause eine kleine Gebetsliturgie durchführen. Denn es gab ja unser „Hören & Entdecken“- Booklet, auch mit der Möglichkeit, ein Tagebuch zu führen. Wichtig waren in dieser Zeit die Gottesdienste. Hier haben wir zu Beginn nach den Erfahrungen der vergangenen Woche gefragt. Die Verkündigung hat den Text aus dem Markusevangelium für diesen Tag aufgenommen und ausgelegt. Und gegen Ende des Gottesdienstes konnten die Teilnehmenden die Gebetstationen – Anbetung, Sorge, Fürbitte, Vergebung und Versöhnung – aufsuchen und es wurde erneut ermutigt, miteinander das zu teilen, was Einzelne konkret in diesem Gottesdienst „gehört oder entdeckt“ haben.

„Ein Bibeltext, der mich angesprochen hat, war zum Beispiel die Sturmstillung: In der Gegenwart Jesu wird es im positiven Sinne still. Jesus lässt uns nicht untergehen. Oder die Salbung in Bethanien: Wenn ich erkenne, ‚was dran ist‘, es dann auch zu tun“, so ein Gemeindemitglied. In Erinnerung an die Pessach-Sederfeier Jesu mit seinen Freunden gab es ein festliches Essen mit Abendmahl am Gründonnerstag – Fußwaschung inklusive. Ein weiterer Höhepunkt war der liturgische Karfreitagsgottesdienst mit Lesungen aus dem Markusevangelium, Zeiten der Stille und mit den Worten Jesu am Kreuz. Am Ostersonntag ging es um die Kraft der Auferstehung, die sogar Steine aus dem Weg räumen kann. „Hören und Entdecken inspiriert mich, weil die anderen in der Gruppe Dinge sehen, die ich nicht sehe. Ich erkenne Neues und bin durch sie bereichert“, freut sich ein anderes Gemeindemitglied.

So unterschiedlich Menschen sind und das alltägliche Leben ist, so unterschiedlich waren die konkreten Erfahrungen des „Hörens & Entdeckens“: mal viel und intensiv, mal wenig und manchmal gab es gar nichts zu berichten. Und doch war der gemeinsame Austausch wichtig und zugleich eine große Bereicherung für jeden Einzelnen. Immer wieder hat es uns erstaunt, wie Jesus gelebt, geredet und gehandelt hat. Aber auch das Unverständnis seiner Freunde hat uns beschäftigt, die Menschenfreundlichkeit und Passion Jesu haben uns fasziniert, manchmal irritiert, vor allem aber inspiriert.

Am 5. Mai findet zum Abschluss der „Doppelpunkt : Gottesdienst“ statt, der den Schwerpunkt darauf legt, dass es aus dem Hören es auch zum Handeln kommen möge.

ChristusForum Deutschland: „In jeder Beziehung ermutigend“

Vom 5. bis zum 6. April fand die Jahreskonferenz des ChristusForums Deutschland (Arbeitsgemeinschaft der Brüdergemeinden) in Wiedenest statt.

Die Abgeordneten beschlossen, im nächsten Jahr den Namensänderungsprozess der Arbeitsgemeinschaft der Brüdergemeinden innerhalb des BEFG abzuschließen. Diese nennt sich ab dem 1. Januar 2020 nur noch ChristusForum Deutschland.

Zum Jahresthema „Beziehungs(un)fähigkeit“ ermutigten Antje und Markus Schäller, die Beziehungsnot in der Gesellschaft ernst zu nehmen. Denn über alle Generationen und Milieus hinweg gehöre es zu den größten Bedürfnissen unserer Zeit, in stabilen und harmonischen Beziehungen zu leben. Sie ermunterten dazu, die Früchte des Heiligen Geistes als „Beziehungskompetenzen“ zu verstehen.

Mehr Informationen zur Jahreskonferenz, den Vorträgen und zur Namensänderung gibt es im aktuellen Newsletter der Brüdergemeinden.

„Den internationalen Baptismus über Jahrzehnte geprägt“

Am 23. April ist der US-amerikanische Theologe und langjährige Generalsekretär des Baptistischen Weltbundes (BWA), Dr. Denton Lotz, im Alter von 80 Jahren verstorben. „Mit ihm ist eine Persönlichkeit von uns gegangen, die den internationalen Baptismus über Jahrzehnte geprägt und auch viele Spuren in Deutschland hinterlassen hat“, so BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba.

Mit seinem unermüdlichen Einsatz für Evangelisation und Religionsfreiheit habe Lotz „das inhaltliche Profil des Baptistischen Weltbundes entscheidend geschärft“, wie Stiba hervorhob. „Mit Führungsstärke und strategischem Geschick hat er Initiativen im Bereich der Bildung und der Mission mit auf den Weg gebracht, die sich als großer Segen erwiesen haben. Sein tiefer Glaube und seine Liebe zu Menschen waren für Denton Lotz die Triebfeder seines Handelns.“ Als Dozent am Internationalen Baptistischen Seminar im schweizerischen Rüschlikon habe Denton Lotz junge Menschen gefördert und ihnen das Rüstzeug für ihre geistliche Arbeit – auch in Deutschland – mitgegeben, so Stiba: „Sein Dienst wird noch lange nachwirken.“

Denton Lotz wurde 1939 im US-Bundesstaat New York als Sohn einer väterlicherseits deutschstämmigen Familie geboren. Nach dem Bachelor-Studium an einer staatlichen Universität und einem mehrjährigen Militärdienst studierte er an der Harvard University in Boston Theologie und schloss 1970 an der Universität Hamburg seine Protomotion zum Doktor der Theologie ab. In den folgenden zehn Jahren waren er und seine Frau Janice als Missionare tätig. Schwerpunkt der Arbeit war die Aus- und Weiterbildung von einheimischen Baptistenpastoren in Mittel- und Osteuropa. In Rüschlikon war Denton Lotz in dieser Zeit Professor für Mission und Homiletik. 1980 ging er zurück in die USA und arbeitete seitdem hauptamtlich für die BWA, zunächst als Referent, später als Leiter der Jugendabteilung. 1988 wurde er als Nachfolger des tödlich verunglückten Gerhard Claas BWA-Generalsekretär. Er hatte dieses Amt bis zum Eintritt in den Ruhestand 2007 inne und war zentral an wichtigen Weichenstellungen beteiligt. So half er, 1991 die Baptist International Conference on Theological Education (Baptistische Internationale Konferenz zu Theologischer Bildung) an den Start zu bringen. Er spielte eine entscheidende Rolle beim Umzug der BWA-Zentrale nach Falls Church im US-Bundesstaat Virginia 2001. Vier Jahre später stellte er die Initiative Living Water (Lebendiges Wasser) vor, durch die Baptisten in aller Welt zu Evangelisation und Leiterschaft befähigt werden sollen. Seither haben 4.500 Teilnehmer, von Kuba bis Bangladesch, das Programm durchlaufen.

Die ehemalige BEFG-Generalsekretärin Regina Claas, Tochter von Gerhard Claas, erinnert sich an Dr. Denton Lotz als „langjährigen treuen Freund unserer Familie, als persönlichen Ratgeber – und als Vorbild“, etwa im Einsatz für Menschenrechte. Auf seinen vielen Reisen sei Lotz immer wieder mit Ungerechtigkeit, Unterdrückung, Unfrieden und der Verletzung von Religionsfreiheit und Menschenrechten konfrontiert worden, so Claas: „Darüber konnte er nicht schweigen. Er kämpfte gegen solche Ungerechtigkeit und setzte sich im Namen Jesu unermüdlich für Freiheit und Versöhnung ein.“ Ihren jährlich verliehenen Menschenrechtspreis hat die BWA so auch nach Denton Lotz und seiner Frau Janice benannt. Deren Unterstützung sei für den Dienst ihres Mannes von unschätzbarer Bedeutung gewesen, so Regina Claas, die den Verstorbenen würdigte: „Sein scharfer Verstand, sein phänomenales Gedächtnis und sein umfangreiches Wissen gepaart mit seinem weiten Herzen machten ihn zu einem geschätzten Redner und Berater, ob auf der Weltbühne religiöser und säkularer Führer oder in der kleinsten und ärmsten Dorfkirche.“

Und so zählte Denton Lotz auch bekannte Persönlichkeiten zu seinem Freundeskreis. Die BWA zitiert in einer ausführlichen Würdigung in englischer Sprache den Evangelisten Billy Graham mit einem Satz, den er an Lotz zu dessen Dienstende 2007 schrieb: „Deine Führungskraft und Deine persönlicher Glaube waren mir Inspiration und Segen.“ Zum selben Anlass betonte der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter, Lotz habe mit seiner Leitungsbegabung entscheidend zu den Erfolgen der BWA in den letzten 20 Jahren beigetragen und „einer großartigen Organisation mit Überzeugung und Ehre gedient.“

Christus im Handeln sichtbar machen

Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden ist Kooperationspartner des Chormusicals über Martin Luther King, für das Andreas Malessa den Text verfasst hat. In seinem Beitrag zur INSPIRIERT LEBEN-Artikelserie beleuchtet er den Glauben des berühmten Bürgerrechtlers und Baptistenpastors.

„Die Stelle kann ich nicht singen, da muss ich immer heulen“, sagt Marita und lächelt entschuldigend. Sie hat ein halbes Jahr lang 22 Lieder geübt. In einem kleinen Chor, der sich aus vier norddeutschen Dörfern zusammenfand, um beim Musical „Martin Luther King – Ein Traum verändert die Welt“ in der Grugahalle Essen unter 1.200 Singenden mitzuwirken. Sechs Stunden Busfahrt, drei Stunden Generalprobe, zwei Stunden Premiere liegen hinter ihr, aber sie strahlt. „Meine Teenagertochter singt auch mit. Von sich aus! Zum ersten Mal machen wir was zusammen. Ich bin geschieden, wissen Sie, und da…“ Wieder bricht ihr die Stimme. Welche Liedzeile, welche Szene sie denn so berühre, will ich wissen.
„Wenn der Heilige Geist in Kings Gefängniszelle tritt und singt ‚Nimm meine Hand, komm, ich halt‘ Dich fest. Hab‘ keine Angst, ich bin hier.‘“

Baptistenpastor Martin Luther King, geboren 1929, ist durch seinen Kampf gegen die Rassen-Apartheid in den USA, durch seine berühmte „I have a dream“-Rede, durch den Friedensnobelpreis 1964 und natürlich seine Ermordung 1968 als politischer Bürgerrechtler in die Geschichte eingegangen. Seine Frömmigkeit, sein Glaube, seine Theologie werden dabei selten erwähnt. Liegt das möglicherweise noch immer daran, dass er den Konservativen damals zu liberal, den Liberalen zu konservativ, den Charismatikern zu politisch und den Säkularen zu fromm war? Zu Lebzeiten und in den USA mochte das stimmen. Weltweit und rund 50 Jahre nach seinem Tod aber liegt das „Fremdeln mit King“ vielleicht daran, dass seine Grundüberzeugung heutzutage schwer vermittelbar ist: King glaubte an die verändernde Kraft des Leidens. „Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. Unsere Hoffnung steht fest für Euch: Wie Ihr an den Leiden teilhabt, so habt Ihr auch am Trost teil.“ (2. Korinther 1,5 und 7).###3 IMAGES###Als Pastorensohn in Atlanta/Georgia hört und singt er jeden Sonntag die Spirituals der Sklaven des 19. Jahrhunderts. „Nobody knows the trouble I‘ve seen“. Als Theologiestudent liest er Dietrich Bonhoeffers Bücher „Nachfolge“ und „Widerstand und Ergebung“. Als Doktorand an der Uni Boston verliebt er sich in die Opernsängerin Coretta Scott, und die ist erstmal irritiert, dass sich Martin zum Beten am liebsten hinkniet. Und worüber er beim Dating am liebsten redet. Sie erinnert sich: „Martin glaubte so inbrünstig daran, dass man seine Feinde lieben solle und dass es besser sei, geschlagen zu werden, als zu schlagen. Weil ungerechtes Leiden dazu beitrage, den Anderen von seinem Hass zu erlösen, meinte er.“

King ist 27, jungverheiratet, soeben Vater geworden und Pastor seiner ersten Gemeinde, als er 1955/56 den Busstreik von Montgomery anzettelt. Einen Kundenboykott gegen die Rassentrennung im öffentlichen Nahverkehr. Seine Demonstranten lässt er „geistliche Prinzipien“ unterschreiben, bevor sie sich in Birmingham den Wasserwerfern und Polizeihunden entgegenstellen: „Ich verpflichte mich, täglich über das Leben und die Lehre Jesu Christi nachzudenken. Nicht den Sieg, sondern die Versöhnung anzustreben. Im Geist der Liebe zu marschieren, denn Gott ist Liebe. Auf die Gewalt der Faust und der Zunge zu verzichten und täglich dafür zu beten, dass ich andere in die Freiheit führe.“ Radikal praktisch übt er das mit den Demonstranten, indem sie sich gegenseitig rohe Eier auf dem Kopf aufschlagen, ohne Gegenwehr zu leisten. Ihre hartnäckige Gewaltlosigkeit führt im Mai 1963 zum „Wunder von Birmingham“: Die Polizisten verweigern den Räumungsbefehl, weil sie nicht auf kniend Betende schlagen wollen.

King überlebt in den nur 13 Jahren seiner Tätigkeit vier Bombenanschläge auf seine Wohnung, eine Messerattacke, erhält ungezählte Morddrohungen am Telefon. Er wird mehrmals zusammengeschlagen und über 20 Mal verhaftet. „Dann kam die Nacht, als ich einfach nicht mehr konnte. Ich stand auf, machte mir Kaffee in der Küche und betete laut: Herr, ich verliere den Mut. Ich will das Richtige tun, aber jetzt ist Schluss. In dem Moment hörte ich Jesus wie eine innere Stimme zu mir sagen: Steh auf für Gerechtigkeit und Wahrheit, Martin. Ich werde mit Dir sein.“###3 IMAGES###Können die rund 24.000 Choristen, die sich zurzeit auf rund 20 Musical-Aufführungen in 13 Städten für das Frühjahr 2020 vorbereiten, für ihren beruflichen und familiären Alltag etwas aus Martin Luther Kings Glaubenserfahrungen ziehen? Erstaunlich viel, sagen die: Entwaffnend (!) menschenfreundliches Reden und Handeln, kleine Zeichen der Nächstenliebe, Einsatz für Respekt, Wertschätzung und Gerechtigkeit auch für Mitmenschen anderer Rasse, Religion oder Kultur – das braucht keine Helden der Tugendhaftigkeit, sondern Normalos, die von Jesus Christus und seinem Heiligen Geist inspiriert sind. Die weitherzig glauben, hartnäckig hoffen und selbstlos lieben können, weil sie ihren Lebens- und Glaubensmut nicht selbst hergestellt haben, sondern als Motivation von Gott geschenkt bekamen.

„Wissen Sie“ – Marita hat wieder Festigkeit in der Stimme, ihre gepiercte Teenietochter ist dazugekommen – „ich bin der DDR aufgewachsen und hab‘s nicht so mit der Kirche. Unser Dirigent hat uns aber alles erklärt, von Moses und Amos und Jesus und was der Martin Luther King alles so gepredigt hat. Jetzt will er, dass wir einen gemeinsamen Gottesdienst gestalten. Bei uns im Kaff! Dürfen da auch Ungetaufte mitmachen?“ „Ja“, sage ich, „auf jeden Fall. So hatten wir uns das mit dem Musical ohnehin gedacht.“

BEFG-Pastor Andreas Malessa ist Hörfunkjournalist, Buchautor und Texter der Musicals „Amazing Grace“ und „Martin Luther King“.

„Lecker kochen für viele“

Die Evangelisch-Freikirchliche Akademie Elstal bietet das Seminar „Lecker kochen für viele“ an. Am 30. März war Dieter Richter aus der EFG Leverkusen dabei und berichtet begeistert, wie er das Handwerk des Kochens neu entdeckt hat.

„Lecker kochen für viele“ – So lautete das Seminarangebot der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal für Gemeindeköche am 30. März in Hamburg. Das Stichwort „Kochen“ erweckt bei mir immer große Aufmerksamkeit. Aber ob ich ein Seminar brauche? Könnte ich nach circa 25 Jahren Kocherfahrung für den Sonntagstreff mit etwa 60 Gästen oder für Pfingstzeltlager mit maximal 200 Teilnehmern oder für Freizeittreffen und Mitarbeiterseminare mit Selbstverpflegung für das GJW Rheinland nicht selber mal ein Seminar veranstalten?

Große Überraschung erlebte ich vor Ort. Vier Meisterköche erwarteten 20 Kochbegeisterte unterschiedlichen Geschlechts und Alters aus unterschiedlich großen Gemeinden, um mit ihnen ihren eigentlich freien Samstag zu verbringen. Darunter der Sterne- und Fernsehkoch Erich Häusler, der als Kochlehrer eigentlich schon einige Jahre im Ruhestand ist, es aber einfach nicht lassen kann und Andrea Schneider, Buchautorin und ehem. Sprecherin d. „Wort zum Sonntag“. Sie waren bereits vor uns da, um mit einem reichhaltigen Brötchenfrühstück Andrea Schneider, welche für die Akademie Elstal die Leitung des Seminars übernommen hatte, Gelegenheit zu geben, unsere biblischen Grundlagen für den Dienst als Koch in der christlichen Gemeinde darzulegen.

Irgendwie habe ich es ja schon immer geahnt, dass Essen nicht nur Essen, Kochen nicht nur einfach Kochen, Essen in der Gemeinschaft nicht nur Nahrungsaufnahme ist. Auch die Bücher der Bibel durchzieht eine Kulturgeschichte des gemeinsamen Essens und Trinkens: von Adams und Evas Biss in den Apfel bis zum heutigen Abendmahl. Diese Kulturgeschichte ist nicht von der Geschichte der Gemeinde Gottes zu trennen. In vielen Gemeinden unseres Bundes wurde in jüngerer Zeit die Freude bei der Zubereitung und an der regelmäßigen Tischgemeinschaft neu entdeckt und ebenso die Aufgabe, auch die Armen zu speisen.

Damit das Ganze in vielerlei Hinsicht gelingt, stehen wir jetzt in der gut organisierten Großküche des Cateringunternehmens von Rainer Bothe, welches die Bezeichnung „kreativ“ im Namen trägt. Hier werden täglich 7.000 hochwertige Essen vornehmlich für Kitas, Seniorenheime und Schulen zubereitet und ausgeliefert.

Bevor jedoch mit dem eigentlichen Kochen begonnen werden kann, erhalten wir eine wichtige Wissensgrundlage zur Gesunderhaltung. Denn alles, was vom Körper aufgenommen werden kann, enthält das Risiko krankmachender Keime. Diese gilt es auszuschalten. Ein trockenes und Stunden füllendes Thema? Mitnichten! Erich Häusler verleiht den damit verbundenen Pflichten anhand von vielen Praxisbeispielen eine Selbstverständlichkeit, als ob wir alles immer schon so gemacht hätten. Außerdem räumt er mit Spülirrtümern auf. Teller, die für die Spülmaschine vorgespült werden sollen, dürfen beispielsweise keinesfalls mit heißem Wasser in Berührung kommen. Immer kalt, damit nichts anbäckt! Oder Schneidebretter sollten aus Holz sein, obwohl jahrelang in allen Hygienevorschriften stand, dass Kunststoff dank guter Spüleigenschaften auf jeden Fall geboten sei. Dass bei der Verwendung Mikroplastik in die Speisen gerät, ist erst seit Neuerem bekannt. Glasbretter kommen übrigens auch nicht in Frage.

Nun aber zum Eigentlichen. Wie und vor allen Dingen womit wollen wir handwerklich vorgehen? Denn Kochen ist Handwerk und keine Motorunterstützung! Aber das wussten viele von uns auch vorher schon. Selbst in der Erstellung von großen Mengen wird zum Messer gegriffen. Groß muss es sein und richtig scharf! Es geht schließlich um den respektvollen Umgang mit Fleisch, Gemüse und anderen unter der Aufsicht Gottes gewachsenen Zutaten. Gemüse, auch wenn es geschält wird, sollte immer gründlich gewaschen werden – warum? Dazu später mehr.

Ich sehe zum ersten Mal in meinem Leben, auf welch vielfältige Art eine einfache Selleriestange oder Zucchini geschnitten werden kann. Feine dünne Stifte und Scheibchen für Salate, zentimetergroße Würfelchen fürs Ratatouille, etwas größere Rauten für die Suppe. Die unterschiedlichen Formen sind wichtig für die richtige Geschmacksentfaltung und für die Berücksichtigung von Garzeiten im Zusammenhang mit anderen Zutaten. Diese Techniken gelten auch für viele andere Gemüsesorten.

Jetzt zu den gut gewaschenen Abschnitten, die normalerweise sofort im Müll landen. Hier werden sie sorgfältig in einem sauberen Behältnis gesammelt. Ausnahme: Sie sind angefault oder enthalten Giftstoffe, wie zum Beispiel Tomatenblüten. In einem Topf mit kochendem Wasser dürfen diese „Abfälle“ mit reichlich Salz circa eine halbe Stunde gemütlich vor sich hin köcheln. Der Sud, den wir dann beim sorgfältigen Abseihen gewinnen, kann in kleinen Portionen, zum Beispiel in Eiswürfelaufbereitern, eingefroren werden. Für künftige Kocherlebnisse hat man sofort einen hochwertigen Gemüsefond zur Hand (Brühwürfel adé).###3_IMAGES###Auch aus unserem Menüplan möchte ich kein Geheimnis machen: Petersilienwurzel-Cremesuppe mit Pistazien-Klößchen, Putenbruststreifen mit Kokos und Cashewkernen und Basmati-Curry-Reis, „Ratatouille“, also italienisches tomatisiertes Gemüse, handgeschabte Eierspätzle und Mango-Pfirsich-Joghurtmousse mit Himbeermark.

Ich hatte mich für die Zubereitung der Spätzle gemeldet. Eigentlich ganz einfach. Ein dünnflüssiger Teig aus zwei Kilo Mehl wird mit 20 Eiern, Salz und Muskatnuss in einer kleinen Wanne mit den Händen durchgemischt bis eine gleichmäßige Konsistenz erreicht ist. Da ich bereits weiß, dass er durch ein Lochblech gedrückt werden soll, erscheint sie mir zu flüssig. Fast hätte ich noch Mehl dazu gemischt. Aber Rainer Bothe gibt mir den Tipp, die halbe Stunde Standzeit abzuwarten, dann kann man immer noch eingreifen. Guter Tipp!

Das Spätzleblech liegt wie eine Brücke auf dem großen Topf mit kochend sprudelndem Salzwasser. Jetzt darf ich diese mittlerweile sehr zähe Teigmasse mit einem breiten Spachtel in kurzer Zeit durch die nur Cent großen Löcher drücken. Nur langsam tropfen die „Knöpfle“, schnell schmerzen Hand und Unterarm. Der Kochmeister drängt, die bereits wallenden Spätzle dürfen sich nicht auflösen. Wir haben fünf Durchgänge geplant. Durchgang heißt, Teigmasse durchs Sieb drücken, die nach wenigen Minuten durchgegarten Knöpflespätzle mit einem Sieb herausheben und in ein mit kaltem Wasser gefüllten Becken abschrecken. Zu meiner Erleichterung habe ich für den fliegenden Wechsel eine kräftige Ablöse. Köche sind Teamplayer. Kurz vor dem Servieren werden die Spätzle in einer großen Pfanne mit Butter angeschmelzt, also langsam mit Butter ohne Bräunung angebraten.

Der Nachteil beim Zubereiten eines Menüs besteht darin, dass uns Kochlehrlingen die anderen Zubereitungen zum Teil entgehen; man kann halt nicht überall gleichzeitig sein. Aber an den abwechslungsreichen kulinarischen Erlebnissen dürfen wir anschließend gemeinsam teilhaben. Die Freude am gemeinsamen Mahl ist jetzt besonders groß.

Da sitzen wir nun leicht erschöpft und staunen uns gegenseitig an: Das alles sollen tatsächlich wir selbst gekocht haben? Ich will uns hier jetzt nicht selbst loben, aber die Dankbarkeit ist schon ganz besonders. Besonders groß auch gegenüber „unseren“ sehr geduldigen Profiköchen und der Akademie Elstal für diese wunderbare Möglichkeit der Weiterbildung. Mich erstaunt immer noch das überaus hohe Niveau dieses Seminars bei erschwinglichem Beitrag und freue mich schon auf das nächste Mal.

Was nun nehme ich mit in unsere Gemeinde? Um es kurz zu sagen: sehr viel. Neben dem Wissen und den neuen Erkenntnissen auch die Gewissheit, dass wir mit der Möglichkeit der gemeinsamen Mittagessen Wege und Türen zum direkten Miteinander eröffnen. Oft bestimmt der „Zufall“, mit wem wir Tischgemeinschaft haben. Bedienen wir uns dieser Chancen zu Begegnung und Gespräch in einer Zeit, wo der Mensch in der Gefahr steht, sich in sozialen Netzwerken zu verlieren und dort meist nur neue Formen der Einsamkeit kennenlernt, dann bieten wir persönliches Gegenüber und gemeinschaftliche Freude beim von Gott gewollten Genuss gesunder Speisen. Denn wir sind Eingeladene Gottes und dürfen Einladende sein.

„Lecker kochen für viele“

Die Evangelisch-Freikirchliche Akademie Elstal bietet regelmäßig das Seminar „Lecker kochen für viele“ an. Am 30. März war es wieder soweit. Die Teilnehmenden lernten und schmeckten das Handwerk des Kochens.

Vier Meisterköche erwarteten in Hamburg 20 Kochbegeisterte unterschiedlichen Geschlechts und Alters aus unterschiedlich großen Gemeinden. Darunter waren der Sterne- und Fernsehkoch Erich Häusler, der als Kochlehrer eigentlich schon einige Jahre im Ruhestand ist, und Andrea Schneider, die Leiterin des Seminars.

Dieter Richter aus der EFG Leverkusen schreibt in seinem ausführlichen Bericht: „Es geht schließlich um den bewussten Umgang mit Fleisch, Gemüse und anderen unter der Aufsicht Gottes gewachsenen Zutaten.“ Denn Essen sei nicht nur Essen, Kochen nicht nur einfach Kochen, Essen in der Gemeinschaft nicht nur Nahrungsaufnahme, so Richter. „Auch die Bücher der Bibel durchzieht eine Kulturgeschichte des gemeinsamen Essens und Trinkens bis hin zum heutigen Abendmahl“, berichtet Richter von einem Vortrag beim Seminar. Diese Kulturgeschichte sei nicht von der Geschichte der Gemeinde Gottes zu trennen. „In vielen Gemeinden unseres Bundes wurde in jüngerer Zeit die Freude an der Zubereitung und an der regelmäßigen Tischgemeinschaft neu entdeckt und ebenso die Aufgabe, die Armen zu speisen“, schreibt Richter begeistert. Die Möglichkeit, gemeinsam zu essen, eröffne Wege und Türen zum direkten Miteinander und sei eine Chance für Begegnung und Gespräch.

Einen ausführlichen Bericht von Dieter Richter aus der EFG Leverkusen gibt es hier.

VEF: Neues Vorstandsmitglied, Evangelisation, Friedensarbeit

Am 9. April tagte in Kassel die Mitgliederversammlung der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF). Die Delegierten wählten ein neues Vorstandsmitglied, berieten über Grundlagen ganzheitlicher Mission und lernten zwei Bankhäuser kennen, deren Geschäftsziel in der Förderung freikirchlicher Gemeindearbeit besteht.

Die Mitgliederversammlung hat den Methodisten Stefan Kraft für ein Jahr in den Vorstand der VEF gewählt. Der 54-jährige Theologe ist Superintendent im Distrikt Essen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Kraft tritt an die Stelle von EmK-Bischof Harald Rückert, der aus persönlichen Gründen vorzeitig aus dem Gremium ausscheidet. VEF-Präsident Christoph Stiba dankte Rückert für „starke, richtungsweisende Impulse in der gemeinsamen Vorstandsarbeit“ und würdigte dessen Nachfolger: „Stefan Kraft hat in seiner Kirche auf Gemeinde-, Bezirks- und Distriktebene mitgearbeitet, bringt fundierte Leitungskompetenz und eine große Begeisterung für die kirchliche Arbeit mit. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit.“ Neben Stiba, im Hauptamt Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, gehören Marc Brenner von der Gemeinde Gottes als Vizepräsident sowie Frank Uphoff vom Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden und Frank Honsberg von der Heilsarmee weiterhin dem Vorstand an. Im März 2020 stehen die nächsten turnusgemäßen Wahlen an.###3_IMAGES###Christoph Stiba berichtete in der Mitgliederversammlung über weitere personelle Veränderungen. Horst Sebastian von der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten wird die VEF künftig in der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) vertreten. „Wir sind Holger Teubert, der dieses Amt viele Jahre mit großem Engagement ausgefüllt hat, sehr dankbar“, wie Stiba hervorhob. „Die EAK unterstützt Friedensarbeit vor Ort und entwickelt Konzepte, wie Konflikte ohne Gewalt zu lösen sind, was gerade angesichts der zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung enorm wichtig ist. Gut, dass wir als Freikirchen hier mitgestalten können.“

Die jährlich stattfindende Interkulturelle Woche habe, so Stiba, ebenfalls ein Thema von hoher gesellschaftlicher Relevanz im Blick: das Zusammenleben der Menschen in Deutschland. Der VEF-Präsident dankte John Uzuh für seine Mitarbeit im Vorbereitungskreis. Eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger wird noch gesucht. Zunächst arbeitet jetzt Peter Jörgensen, der VEF-Beauftragte am Sitz der Bundesregierung, in dem Gremium mit. Stiba erinnerte auch an das gute Material, das jedes Jahr für die Interkulturelle Woche entwickelt wird: „Auf der Internetseite gibt es viele Impulse, die Gemeinden für ihre Arbeit nutzen können, von einem umfassenden Materialheft bis hin zu Gottesdienstbausteinen.“

Inhaltlicher Schwerpunkt war die Weiterarbeit am Thema der letzten Mitgliederversammlung: Evangelisation. Die Delegierten tauschten sich in Kleingruppen über fünf Thesen aus und zogen daraus Schlüsse für die Arbeit der VEF. „Wir werten die Gruppenarbeit noch aus, aber einige Tendenzen zeigen sich doch schon ganz deutlich“, so Vorstandsmitglied Frank Uphoff: „Die VEF selbst ist keine Evangelisationsbewegung, sondern ein Netzwerk von Kirchen, die missionarisch aktiv sind. Über die VEF können wir uns gut vernetzen, auch mit anderen Organisationen wie der Lausanner Bewegung, was wir verstärkt tun wollen.“ Zudem gebe es zur Evangelisation einen großen inhaltlichen Konsens, so Uphoff: „Mission geschieht für uns Freikirchen in Wort und Tat – wir haben die Menschen ganzheitlich im Blick, mit dem, was sie brauchen. Und als Freikirchen stehen wir für Mission, die frei von Zwang oder Druck ist. Gott hat den Menschen einen freien Willen gegeben und ihnen ein Liebesangebot gemacht. Und von diesem Geschenk wollen wir reden und die Liebe Gottes weitergeben.“###3_IMAGES###Zu Gast in der Mitgliederversammlung waren leitende Vertreter zweier Bankhäuser, die in den 1920er-Jahren von freikirchlichen Christen zur Unterstützung von freikirchlichen Gemeinden gegründet wurden und dies mit ihren Spareinlagen bis heute tun. Vorstandsvorsitzende Elke Müller stellte den Delegierten die Spar- und Kreditbank Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden eG (SKB Bad Homburg) vor, Vorstandssprecher Volkmar Birx die Spar- und Kreditbank des Bundes Freier evangelischer Gemeinden eG (SKB Witten). Müller berichtete, die SKB Bad Homburg habe in den vergangenen fünf Jahren fast 500 Gemeinden und Werken Kredite in Höhe von mehr als 92 Millionen Euro gewährt. Wie die Bad Homburger Bank stehe auch die SKB Witten für „ausschließlich positiv ethische, soziale und ökologische Geldanlagen“, so Birx. Nach Angaben von Elke Müller und Volkmar Birx hatten beide Geldhäuser in ihrer fast hundert Jahre langen Geschichte noch nie einen Kreditausfall in ihrem Kerngeschäft mit Gemeinden und Werken.

Die nächste VEF-Mitgliederversammlung findet am 26. und 27. November im thüringischen Bad Blankenburg statt.

Grundkurs Seelsorge und Beratung 2017/2019

Der Grundkurs Seelsorge und Beratung 2017/2019,

den der AK Seelsorge (BFeG) und die Akademie Elstal (BEFG) zusammen anbieten, ist abgeschlossen.

Gott ist es, der in der Seelsorge handelt. Und wir sind sein Werkzeug. An diesem Werkzeug durften wir, 20 Teilnehmende, 5 Pastoren und 15 Ehrenamtliche, für 1 ½ Jahre in 4 Kursblöcken in Elstal arbeiten. Unter der fachkundigen Leitung von Friederike Heinze, Jens Mankel, Rüdiger Franz und Sven Dreger sind wir uns selbst auf die Spur gekommen und jeder von uns hat sich in dieser Zeit weiterentwickelt. Wir haben uns nicht nur mit interessanter Theorie auseinandergesetzt, sondern vor allem mit uns selbst, unserer Wahrnehmung für uns, unseren Gefühlen, unserer Biografie und eigenen inneren „blinden Flecken“. Dies geschah auf verschiedenen Wegen, durch Körperwahrnehmungsübungen, Gruppen- und Einzelgespräche, Gesprächsprotokolle und Predigtbesprechungen. Die Möglichkeit für mich, meinen seelsorglichen Kontakt zu Menschen anzusehen und zu überprüfen, hat mich innerlich gestärkt und sicherer gemacht. Ich habe entdeckt, dass ich mich selbst in jedem seelsorglichen Kontakt mitbringe und ich habe ein neues Bewusstsein für mich, meine Gefühle, meine Biografie und meine Fähigkeiten entwickelt. Dieser Kurs hat mich persönlich bereichert und mir unglaublich viel Spaß gemacht.

Kristina Bröge, FeG Berlin-Moabit

Für den nächsten Kurs, der im September 2019 startet, diesmal in Weltersbach, kann man sich noch bis 30.4.2019 bewerben.

Die inspirierende Kraft kultureller Unterschiede

Vor 27 Jahren kam BEFG-Präsidiumsmitglied Alfred Aidoo aus Ghana als Missionar nach Deutschland, wurde Pastor einer Gemeinde, in der Menschen aus 45 Ländern gemeinsam Gottesdienst feiern. Er ist überzeugt: Christen aus verschiedenen Kulturen können sich in ihrem Glauben gegenseitig inspirieren, doch es kann durchaus herausfordernd sein, sich darauf einzulassen.

Wenn in der New Life Church in Düsseldorf hunderte Christen aus Ghana, Nigeria, Äthiopien und vielen weiteren Ländern Afrikas sowie der Karibik Lobpreis machen, dann geht es laut und fröhlich zu. Leidenschaft und Lebendigkeit zeichnen die Gottesdienste aus. Die Gebete sind ebenso emotional wie die Musik. Wir tanzen, singen, jauchzen. Manche, die das nicht gewohnt sind, finden das befremdlich. Sie fühlen sich wie in einem Gospel-Konzert mit durchinszenierter Choreografie.

Dabei sind die Gottesdienste alles andere als eine Show: Sie sind authentisch, Ausdruck unserer Kultur. Es ist unsere Mentalität, die beim Singen und Tanzen deutlich wird. Interessanterweise sind sich die Menschen, die Gemeinden des New Life Netzwerks besuchen, in Glaubensdingen sehr ähnlich. Und das, obwohl sie aus 45 verschiedenen Ländern kommen. Natürlich gibt es zwischen diesen Ländern Afrikas und der Karibik große Unterschiede, aber die liegen in anderen Bereichen, in der Sprache, beim Essen. Die Fröhlichkeit, mit der wir Gottesdienste feiern, die Art, unseren Glauben zu leben, die verbindet uns.

Diese Leidenschaft gehört zu uns, und ich merke, dass sie einen sehr positiven Einfluss auf unseren Glauben hat. Denn wir öffnen uns dadurch für Gott und sein Wirken. Wir lassen ihn hinein, geben ihm Raum. Wir lassen zu, dass er wirkt. Und so ist der Gottesdienst für uns ein Ort des Rückzugs, an dem wir auftanken können. Im Alltag gibt es genug Probleme. In der Gemeinde lassen wir sie los. Die Gemeinde ist eine Oase. Dort gibt es Balsam für die Seele.

Ich sehe, dass diese Art des Lobpreises für manche, die hier geboren wurden, fremd ist. Doch ich glaube, von dieser Leidenschaftlichkeit könnten unsere deutschen Geschwister lernen. Es würde ihnen guttun, wenn sie sich davon eine Scheibe abschneiden. Ich beobachte an vielen Stellen, wie Deutsche aus sich herausgehen. Beim Fußball zum Beispiel. Ich kenne Leute, die singen und tanzen, wenn sie zum BVB ins Stadion gehen. Oder auch beim Karneval. Aber in der Gemeinde sind sie dann plötzlich still. Gott lieben, ihm dienen und das auf eine fröhliche Weise tun – das stärkt den Glauben.

Oft ist es ja so, dass eine Stärke von Menschen oder auch von Menschengruppen auch eine Schwäche ist. So ist es ein wenig mit der Lebendigkeit. Die afrikanischen Kulturen sind sehr laut. Sich selbst hört man dabei kaum. Man findet keine Ruhe. Wir sind oft so sehr von einer Gruppendynamik geprägt, dass der oder die Einzelne sich dabei selbst total vergisst.

Hier habe ich von meinen deutschen Geschwistern gelernt, wie man sich findet und zur Ruhe kommt. Erst in der Stille lernt man, zwischen der Stimme der Gesellschaft und der Stimme Gottes zu unterscheiden. Das ist die Stärke der Stille, die ich gefunden habe. Das finde ich sehr stark. Und auch als ganze Gemeinde, als New Life Church, haben wir von unseren deutschen Geschwistern gelernt. Wir sind oft zu laut im Gebet. Wir beten alle auf einmal. Diese Art stört den, der gewohnt ist, still im Gebet zu sein. Wir haben gelernt, uns zu bremsen, damit wir die Anderen in der Stille nicht stören.

Nicht nur im gemeinsamen Gottesdienst gibt es Unterschiede, sondern auch in der persönlich gelebten Frömmigkeit. So spielt in unserer Kultur das Gebetsleben eine ganz besondere Rolle. Wenn wir ein Problem haben, dann ist das Gebet für uns das erste, an das wir denken. Bevor wir irgendwelche andere Hilfe in Anspruch nehmen, gehen wir zu unserem geistlichen Leiter. Wenn ein Afrikaner krank ist, ruft er als erstes seinen Pastor an und bittet um Gebet. Bevor er zum Arzt geht! Gebet ist für uns das A und O. Zum Arzt gehen wir dann natürlich auch, aber die Reihenfolge ist eine andere. Ich beobachte, dass unsere deutschen Geschwister in der Regel erst einmal zu weltlichen Fachleuten gehen, wenn sie Hilfe brauchen.

Sehr schade finde ich es, wenn sogar in kirchlichen Veranstaltungen nicht oder kaum gebetet wird. Ich glaube, von einem intensiveren Gebetsleben, wie es bei uns üblich ist, könnten deutsche Christen echt profitieren. Ich habe so viele Wunder erlebt – in meinem eigenen Leben und in meinem Umfeld. Letzten Februar riss in meinem Arm eine Sehne. Die Ärzte im Krankenhaus wollten sofort operieren. Doch zuhause haben wir mit den Kindern als erstes gebetet. So fest ist der Glaube an Gebet, dass wir so handeln. Und wir sehen das Resultat. Ich bekam erst einmal keinen Termin für ein MRT, doch nach vier Wochen war mein Arm komplett geheilt, ohne Operation. Mein Arzt war sehr überrascht, dass es ohne OP ging.

In Bezug auf kulturelle Unterschiede zwischen Christen wünsche ich mir, dass wir sehen, wie sehr Vielfalt bereichert, wenn wir uns darauf einlassen. Konflikte bleiben dabei natürlich nicht aus. Wenn unterschiedliche Bibelerkenntnisse aufeinanderprallen, kann das herausfordernd sein. Und wenn das Laute unserer Kultur auf das Ruhigere der deutschen Kultur stößt, kann das anstrengend sein und auch zu Streit führen.

Aber in der New Life Church bleiben die Geschwister trotz Sprachbarrieren zusammen und feiern gemeinsam Gottesdienst. Auch in meiner neuen Gemeinde in Neuss gibt es kulturelle Unterschiede, doch die erleben wir als Bereicherung. Christus ist der Klebstoff, der uns zusammenhält. Unterschiedliche Sichtweisen machen den Horizont weiter. Eine gesunde Mischung aus theologischem Wissen, Erfahrungen und Prägungen tut einer Gemeinde gut. Und es ist im Sinne Jesu, im Frieden zusammenzubleiben.

Alfred Aidoo ist Mitglied im Präsidium des Bundes. 25 Jahre lang hat er in der New Life Church Düsseldorf mitgearbeitet. Seit 2017 ist er Pastor der EFG Neuss.

Seminar für Angehörige homosexueller Menschen

Vom 29. bis 31. März 2019 fand in der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie in Elstal unter dem Titel „Mein Sohn ist schwul!“ – „Meine Tochter lesbisch!“ – „Und nun?“ ein Seminar für Angehörige homosexueller Menschen statt. An dem in Kooperation mit Zwischenraum e.V. organisierten Wochenende nahmen 13 Teilnehmende aus unterschiedlichen konfessionellen Hintergründen teil, vorwiegend aus Baptistengemeinden.
Es gab viel Zeit für den Austausch miteinander, zum Abschluss haben wir Gottesdienst gefeiert. Ein großes Thema war die Frage, zum Teil von Menschen aus Gemeindeleitungen, wie sie das Thema Homosexualität in ihrer Gemeinde auf die Tagesordnung setzen können. Die Frage der Co-Homosexualität, also wie das Coming-Out eines Angehörigen auch den Blick auf mich als Angehörigen verändert, stand neu auf der Tagesordnung. Neben biblisch-theologischen Impulsen war Raum für Einzel- und Kleingruppengespräche.
Ein Folgeseminar ist in Planung.

…weil mein Herz dafür brennt!

Traditionell bittet der BEFG zu Ostern um Spenden zur Förderung seiner Bildungsarbeit. Neben dem umfangreichen Fortbildungsangebot der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie wird die Ausbildung für den pastoralen und diakonischen Dienst an der Theologischen Hochschule Elstal unterstützt.

Vor nicht allzu langer Zeit studierten Sara und Samuel Holmer selber noch in Elstal. Seit September vergangenen Jahres arbeiten sie als Pastorenehepaar in Hannover-Linden und sind von ihrer Arbeit begeistert: „Wenn ich das Gefühl habe, ich kann Leuten dabei helfen, das Evangelium neu für sich zu ergreifen und die Freiheit des Evangeliums zu erfahren, dann ist das einfach wunderbar!“ So beschreibt Samuel seinen Dienst. Auch für Sara ist die Arbeitsstelle mehr Berufung als Beruf: „Es ist das, was ich sowieso machen würde, weil mein Herz dafür brennt.“
 
„Eine Gemeinde zu leiten, das Evangelium zu verkünden, ist herausfordernd. Predigt und Lehre angemessen vorbereiten, Beziehungspflege, Seelsorge: All diese Dinge brauchen viel Zeit, erfordern besondere Kenntnisse“, weiß Prof. Dr. Michael Kißkalt, Rektor der Theologischen Hochschule, an der aktuell über 60 junge Menschen auf ihren Dienst vorbereitet werden. „Das Studium ist biblisch fundiert, wissenschaftlich reflektiert und gemeindebezogen. Wissen, Sein  und Tun!“ Neben der theologischen Fachkompetenz gehe es gleichermaßen um die Entfaltung von Persönlichkeit und Spiritualität sowie die Befähigung zu verantwortlichem Handeln: „zur Ehre Gottes und zum Wohle der Menschen – als Hauptamtliche im Gemeindedienst.“

Christoph Stiba, Generalsekretär des Bundes, unterstreicht des Weiteren die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements: „Die zahlreichen Ehrenamtlichen in unseren rund 800 Bundesgemeinden tragen ebenso tatkräftig dazu bei, dass Gottes Reich Gestalt gewinnt. Das umfangreiche Programm der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal unterstützt die vielen Engagierten – durch Seminare und Fortbildungen zu den Themen Gottesdienstgestaltung, Leitung, Lobpreis, Diakonie, Finanzen, Familie und Generationen, Mission, Seelsorge und Psychologie und vieles mehr.“

In der Spendenbitte des BEFG lädt der Generalsekretär die Mitglieder des Bundes herzlich dazu ein, die Bildungsarbeit der Hochschule sowie der Akademie mit einer Spende und durch Kollekten zu unterstützen: „Wir wollen Menschen dabei helfen, ihre Berufung zu entfalten und ihr Potential zu entwickeln, um so unsere Gemeinden zu stärken. Wir wollen Menschen unterstützen, deren Herzen für Gott brennen!“

Wie Gemeinden auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren

Nach dem Auftakt der jährlichen regionalen Konferenzen am vergangenen Wochenende führen an diesem Samstag vier BEFG-Landesverbände ihre Ratstagungen durch. Bereits am Freitagnachmittag beginnt die zweitägige Jahreskonferenz des ChristusForums Deutschland (AGB). Das Themenspektrum reicht vom Umgang mit Fake News und gesellschaftlicher Polarisierung über Konzepte für eine „vitale Gemeinde“ und gute Leitungsarbeit bis hin zur Stärkung zwischenmenschlicher Beziehungen.

„Gemeinde leiten und Gemeinde leiten – das ist nicht immer dasselbe.“ So schreibt es der Landesverband Bayern in der Einladung zu seiner Ratstagung im mittelfränkischen Gunzenhausen: „Die Herausforderungen für Leiterinnen und Leiter sind je nach Gemeindegröße recht unterschiedlich. Eine Gemeinschaft von 40 Menschen ‚funktioniert‘ anders als eine Gemeinde mit 220 Mitgliedern – und braucht eine anders akzentuierte Führung.“ Und so steht die Konferenz unter der Überschrift: „40, 100, 220 – Gemeinden in unterschiedlichen Größen leiten“, denn: „Kommunikation, Strukturen, Leitungsstil folgen nicht einfach einem bestimmten Ideal. Sie müssen sich an vielen Faktoren ausrichten und auch an der Größe der Gemeinde orientieren.“ Als Referent haben die bayerischen Baptisten Dr. Oliver Pilnei eingeladen, den Leiter der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal. BEFG-Präsident Michael Noss wird ebenso dabei sein wie Referentin Jasmin Jäger.

„Unser Land ist materiell reich, aber unglaublich arm an Beziehungen.“ So schreibt es das ChristusForum Deutschland (AGB) in der Einladung zu seiner Jahrestagung, die unter der Überschrift „Generation beziehungs(un)fähig?!“ steht. Passend zum Untertitel der Konferenz „Beziehungen fördern, heilen, stärken“ werden in Referaten Antworten auf Fragen wie diese gegeben: „Wie kann Gemeinde Menschen in ihrer Beziehungsnot helfen? Was braucht sie selbst, um beziehungsfähig zu sein? Wie wird sie angesichts der gefühlten Bedürfnisse zur ‚Suppenküche gegen das Magenknurren der Seele?‘“ Markus und Antje Schäller werden als Referenten „die gesellschaftliche Not vor Augen führen und Mut machen, ihr entgegenzutreten.“ Als Vertreter des BEFG wird Bundesgeschäftsführungsmitglied Udo Hermann bei der Tagung in Wiedenest mit dabei sein.

Der Landesverband Hessen-Siegerland wird sich bei seiner Ratstagung in Hohenahr-Erda damit beschäftigen, wie Kirchengemeinden der gesellschaftlichen Polarisierung etwas entgegensetzen können. „Gesellschaft in der Zerreißprobe – Herausforderungen an die Gemeinde Jesu“, zu diesem Thema wird Dr. Michael Rohde, leitender Pastor der EFG Hannover-Walderseestraße sprechen. In ihrem Grußwort verweisen die Landesverbandsleitungsmitglieder Rainer Chrupala und Thorsten Lehr auf Julius Köbner und Martin Luther King als Baptisten, die sich politisch engagierten und damit etwas bewirkten. Und sie stellen die Frage: „Gilt nicht auch uns das Wort aus Jeremia 29,7: ‚Suchet der Stadt Bestes!‘?“ Nicht nur Präsidiumsmitglied Jürgen Tibusek und Regionalreferent Christopher Rinke, die als Vertreter des Bundes an der Ratstagung teilnehmen, sind auf die Impulse hierzu sicher gespannt.

Im Januar fand ein Klausurtag des Landesverbandes Thüringen zum Thema „Gemeinde als Zuhause“ statt. Wie Landesverbandsleiter Roger Hofeditz berichtet, wurde dort wieder einmal deutlich, wie wichtig es für Gemeinden ist, ermutigende Impulse für ihre Arbeit zu erhalten. Und genau solche Impulse möchte Benno Braatz bei der Ratstagung in Ilmenau geben. Der Regionalreferent für Ostdeutschland im Dienstbereich Mission wird über „Vitale Gemeinde“ sprechen. Dahinter steckt ein von der Anglikanischen Kirche entwickeltes Programm zur Gemeindeentwicklung, so Braatz: „Der Gemeinde wird darin geholfen, ihren eigenen Weg hin zur Christusebenbildlichkeit zu finden, passend zu unserem Jahresthema ‚INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt‘. Sieben Merkmale vitaler Gemeinden werden dabei vorgestellt, die dem Charakter Jesu entsprechen.“ Bei der Konferenz mit dabei sein wird auch Präsidiumsmitglied Michael Lefherz.

Auch bei der Tagung des Landesverbands Sachen in Schneeberg wird es Impulse zum Jahresthema des Bundes geben, wenn auch mit einer anderen Stoßrichtung: „Inspiriert Leben – im Spannungsfeld zwischen Fake News und der Guten Nachricht“. Dazu schreibt Landesverbandsleiter Peter Fugmann: „Das digitale Zeitalter hat uns eine Medien- und somit auch Informationsflut beschert, die uns schlicht überfordert. Wer berichtet Tatsachen und Fakten? Wer versucht, manipulativ die Stimmung zu beeinflussen? Was ist wahr und was nicht?“ Fake News sei zu einem festen Begriff unserer Tage geworden, so Fugmann: „Was macht diese Entwicklung mit uns und unserem Glauben? In der Predigt zu unserem Thema wollen wir hören, wie wir als Christen und Gemeinden die Herausforderungen unserer Zeit persönlich und gemeinsam meistern können.“ Präsidiumsmitglied Dirk Zimmer wird als Bundesvertreter mit dabei sein.

BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba wünscht den vier Landesverbänden und dem ChristusForum Deutschland im Namen des Bundes „Gottes reichen Segen und konstruktive Beratungen bei ihren Tagungen.“

Auf die Zukunft ausgerichtet

Der Landesverband Niedersachen-Ostwestfalen-Sachsen-Anhalt (NOSA) traf sich am 30. März in Herford zu seiner jährlichen Ratstagung.

„Wir wollen mit Jesus planen, bauen, Zukunft gewinnen.“ Darin waren sich die 118 Abgeordneten aus den Gemeinden und Einrichtungen des Landesverbandes NOSA einig. Das haben sie dadurch ausgedrückt, dass sie zum Abschluss dekorative Würfel mit Schlüsselworten gemeinsam stapelten.

Anlässlich der jährlichen Ratstagung haben sie über die zukünftige Ausrichtung ihres Verbandes beraten. Grundlage der Ausrichtung ist ein Kernsatz, der bei der Tagung anhand der sechs Seiten eines Würfels vorgestellt wurde: „Wir sind ein regionaler Verband von Gemeinden, die leidenschaftlich Jesus und die Menschen lieben, vielfältig ihre Gaben einsetzen, verbindlich einander unterstützen und engagiert leben, damit Glaube vor Ort erfahrbar wird.“

In einem kreativen Prozess konnten die Abgeordneten an 13 Stationen Vorschläge zur Umsetzung diskutieren, neue Ideen einbringen oder eigene Schwerpunkte formulieren. Dabei ging es um so unterschiedliche Aspekte wie die regionale Verknüpfung von Gemeinden, Sportturniere, die Einrichtung eines YouTube-Kanals oder klösterliche Einkehrtage. Eine im Landesverband eingerichtete Steuerungsgruppe wird die Ergebnisse des kreativen Prozesses sichten und die Umsetzung einzelner Schritte in die Wege leiten.

Bei der Ratstagung wurde den Teilnehmern und Teilnehmerinnen von der Arbeit von Einrichtungen innerhalb des Landesverbandes und des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden informiert. Unter anderem informierten das Gemeindejugendwerk, die Spar- und Kreditbank, die Stiftung Chance zum Leben, EBM INTERNATIONAL, und der Referent für Mission und Gemeindeentwicklung des Landesverbandes, Pastor Jürgen Tischler. Dazu gab es erste Informationen zu einer freikirchlichen Initiative, die mit verschiedenen Aktionen an die erste neuzeitliche Gläubigentaufe vor 500 Jahren erinnert. Diese fand 1525 in Zürich statt. Neben den Baptisten, die sich in der Tradition der reformatorischen Täufer sehen, sind besonders die Mennoniten an der Vorbereitung des Jubiläums für 2025 beteiligt. Es werden ab 2020 jährliche Schwerpunktthemen vorbereitet.

Die Abgeordneten verabschiedeten bei der Ratstagung auch den Haushalt und die Finanzplanung des Landesverbandes. Mit großer Mehrheit beschlossen sie die Erhöhung des von den Gemeinden pro Mitglied zu entrichtenden Jahresbeitrags auf 27 Euro für 2020 und 2021. Mit Dank wurde die Finanzverantwortliche Eva-Maria Ruppert aus Wolfenbüttel nach acht Jahren aus ihrem Dienst verabschiedet. Einstimmig wurde ihre Nachfolgerin Ursula Kassühlke aus Northeim in ihr neues Amt gewählt.

Der Landesverband NOSA gehört zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden und vertritt 86 Gemeinden mit über 11.000 Mitgliedern. Landesverbandsleiter ist Dr. Fred Pieneck.

Mit Freude zur Mitarbeit motivieren

Der Landesverband NRW traf sich am 30. März in Essen zu seiner jährlichen Ratstagung.

212 Teilnehmer aus 91 Gemeinden kamen auf Einladung der EFG Essen-Altendorf ins Lighthouse Essen.

Die Ratstagung 2019 stand unter dem Motto „Ehrenamtliche finden und fördern“. So entwickelte Dr. Stefan Vatter, Coach und Berater für Gemeinden, in seinem Referat als Leitlinie eine Grundhaltung der Freude. Da wo Leitende ihre Freude am Reich Gottes mitzubauen ehrlich und authentisch vorleben, entsteht eine anziehende Attraktivität für andere Menschen, hier selbst gerne mitzuwirken. Dabei gehe es auch darum, den Rucksack von ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen auf dem Weg der Nachfolge Jesu nicht zu voll zu packen, „denn wir tragen ein sanftes Joch“. 

Kernpunkte der darauffolgenden Impulse aus der Praxis waren die Offenheit für neue Ideen von Menschen, die sich einbringen möchten, eine möglichste frühe Einbindung von jungen Gemeindemitgliedern, das sehr hohe Potenzial der unter 30-Jährigen zu erkennen und zu fördern und alle Dienste in der Gemeinde stets durch Wertschätzung, Dankbarkeit, Lob und auch Belohnung anzuerkennen. 

Ein Schwerpunkt der Ratstagung war die Wahl der Leitungsmitglieder. Wiedergewählt wurden Hildegard Gabler, Werner Hahm und Leo Schouten, neu in die Leitung hineingewählt wurden Hartmut Hoevel und Martin Hamann. Zum Kassierer wurde Heinz Fude ernannt, als Leiter des Gemeindejugendwerks (GJW) wurde Marc Vollmer entsandt.
 
Verschiedene Berichte aus den Arbeitsbereichen des Landesverbandes NRW und die Finanzen bestimmten den Nachmittag der Ratstagung: Nach Vorlage des Kassenberichts 2018 wurde der Haushaltsplan 2019 verabschiedet.

Ort der Tagung des Landesverbandsrat NRW am 28. März 2020 wird die EFG Marl-Drewer sein.

Für Gleichberechtigung in Baptismus und Gesellschaft

Europäische baptistische Frauen in Führungspositionen trafen sich Ende März in Kroatien, um sich auszutauschen, gemeinsam Gott zu suchen und die Frage der Gleichberechtigung zu diskutieren. Sam Mail, BEFG-Referentin für die Arbeit mit Teenagern, Jugendlichen und Jungen Erwachsenen war eine der Teilnehmerinnen dieses „Women Leaders' Retreat“ der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF).

Zagreb Flughafen. Die Sonne scheint. Ein leichter Wind kommt auf. Ich sitze in einem Café und warte auf meinen Flug nach Hause. Drei volle Tage liegen hinter mir. Drei Tage, die aus ganz unterschiedlichen Gründen noch lange in mir nachhallen werden.

Ich merke, wie unsortiert und gemischt meine Gedanken und Gefühle sind. Die breite Palette von Freude, Dankbarkeit, Trauer, Betroffenheit und Ärger – ein wahres Wechselbad der Emotionen.

Hinter mir liegt eine intensive Zeit mit 16 anderen Frauen. Frauen, die ich bis vor Kurzem noch gar nicht kannte, aber denen ich mich nun von Herzen verbunden fühle.

16 Baptistinnen aus den unterschiedlichsten Ecken Europas. 16 Nachfolgerinnen Christi. 16 Frauen, die in ihren Ländern, in der EBF, in der BWA irgendeine Form von Verantwortung übernommen haben, ihren Kontext mitzugestalten, weil sie Gott lieben und sich als Christinnen zutiefst berufen fühlen.

Frausein ist dabei nur ein Nebenschauplatz, der aber immer wieder – mal offensichtlicher, mal versteckter – zum Thema gemacht wird. Und das ist nicht immer einfach.

Egal, ob Generalsekretärinnen, Direktorinnen Theologischer Fakultäten, Pastorinnen, Professorinnen, Präsidentinnen oder Referentinnen, sie alle sind in Crikvenica zusammengekommen, um sich auszutauschen, um Fragen und Frustrationen auf den Tisch zu bringen, um zu ermutigen und ermutigt zu werden.

Was sie vereint, ist die Suche nach einem guten, heilsamen, gemeinsamen Weg nach vorne. Die Suche auf die Antwort der Frage: Wie können alle Menschen – Frauen und Männer gleichermaßen – ihren Platz in der Gemeinde, im Königreich Gottes hier auf Erden finden und ausüben? Wie kann die Frage der Gleichberechtigung so diskutiert und neu gedacht werden, dass sich alle Seiten gehört und verstanden fühlen und dass am Ende Chancengleichheit und Freiheit für alle dabei herumkommen? Wie kann es zu einer Selbstverständlichkeit werden, dass Frauen in Führungspositionen nicht mehr in der Minderheit sind?

In diesen gemeinsamen Tagen wird gelacht, diskutiert, geweint, theologisch gearbeitet und ausgetauscht. Erfolgsgeschichten von 100 Jahren Frauenordination in Großbritannien stehen neben ganz persönlichen Geschichten von Hass-E-Mails und Briefen, die den Betroffenen den Glauben und das ewige Leben absprechen. (Diese Geschichten werden leider viel zu oft und von viel zu vielen der Teilnehmerinnen erzählt.)

Die Frauen, denen ich hier begegne, sind müde und mutig zugleich. Sie sind engagiert, motiviert, klug und witzig. Manchmal sind sie aber auch ein bisschen desillusioniert. Sie tragen die Narben von längst noch nicht überstandenen Kämpfen. Sie sind verärgert und traurig darüber, dass das „Frauenthema“ immer noch ein Thema ist. Manche von ihnen gehen zurück nach Hause in einen Kontext, wo sie nichts über die Erfahrungen der letzten Tage öffentlich berichten dürfen. Das macht betroffen und erschüttert mich. Am Schluss sprechen aber alle davon, dass sie auf‘s Neue ermutigt heimkehren, sich weiterhin für die Chancengleichheit von Frauen im Baptismus einzusetzen.

Ich auch.

Wenn ich über das Gehörte, Erlebte und Geteilte nachdenke, merke ich, wie sehr ich es liebe Baptistin zu sein, wie dankbar ich für meine Rolle im GJW bin. Ich merke, wie sehr ich unseren Bund schätze und wie sehr ich mir eine Kirche wünsche, in der meine drei Töchter eines Tages gemeinsam mit anderen Frauen und Männern in der Realität leben können, von der Paulus schon in seinem Brief an die Galater sprach:

Hier gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Juden und Griechen, zwischen Sklaven und freien Menschen, zwischen Mann und Frau. Denn durch eure Verbindung mit Jesus Christus seid ihr alle zusammen ein neuer Mensch geworden. (Galater 3, 28)

Ich für meinen Teil habe beschlossen, mich weiterhin für Chancengleichheit zu engagieren: Im GJW, in unserem Bund, mit jungen Menschen, mit meinen eigenen Kindern. Und ich freue mich über alle, die sich mit mir zusammen auf die Reise macht und sich nicht von den schwierigen Fragen und Herausforderungen rund um dieses Thema abhalten lassen.

Nachhaltig für die Zukunft

Der Arbeitskreis „Evangelium und gesellschaftliche Verantwortung“ hat das Anliegen, auf gesellschaftliche und politische Entwicklungen aus baptistischer Sicht zu reagieren. Dazu beschäftigte er sich in seiner letzten Sitzung mit der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele, den „Fridays for Future“ und dem Gedenken zu 500 Jahre Täuferbewegung.

Am vergangenen Freitag demonstrierten weltweit wieder unzählige Schülerinnen und Schüler sowie Studierende – auch auf den Straßen vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Einen Tag zuvor, am 28. März, hat sich der Arbeitskreis „Evangelium und gesellschaftliche Verantwortung“ getroffen und stellte sich hinter das Anliegen der „Fridays for Future“-Bewegung, die weltweit für den Klimaschutz demonstriert. Vielfach werde in Politik und Medien mit Zynismus auf die demonstrierenden Schüler reagiert, wurde im Arbeitskreis festgestellt. Auch wenn die Schulpflicht nicht außer Acht gelassen werden darf, waren sich alle Mitglieder des Arbeitskreises einig, die „Fridays for Future“-Bewegung in ihrem Ziel zu unterstützen, konsequenter und dringlicher für den Klimaschutz einzutreten.

„Maßnahmen zum Klimaschutz“, so lautet auch eines der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (UN). Der Arbeitskreis „Evangelium und gesellschaftliche Verantwortung“, eine Kommission des Bundesrates des BEFG, setzt sich im Auftrag des Präsidiums für die Umsetzung von zwei der sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs) ein: für die Nachhaltigkeit von Konsum und Produktion sowie für den Klimaschutz. „Die SDGs greifen die Himmelreichgleichnisse Jesu in ihrer sozialen und globalen Dimension auf“, so Pastor Peter Jörgensen, der Beauftragte der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) am Sitz der Bundesregierung und Mitglied des Arbeitskreises. „In ihnen wird die Sorge um das Globalwohl konkret und wir sind im Rahmen der Nachfolge Jesu auch hier gefordert, Konsequenzen für unser Handeln zu ziehen. Nur so wird unsere Predigt von der Liebe Gottes glaubwürdig.“ Daher erarbeitet der Arbeitskreis einen Leitfaden für nachhaltigen Konsum und Produktion.

Eine andere Möglichkeit, in die Gesellschaft hinein zu wirken, ist für den Arbeitskreis die Erinnerung an 500 Jahre Täufergeschichte. Denn wer etwas wagt und aufsteht, erhält Aufmerksamkeit und kann Veränderungen herbeiführen. Vor bald 500 Jahren haben die Täufer mit der Taufe von mündigen Erwachsenen den Anfang der Täuferbewegung gesetzt. Unter dem Motto „Gewagt! 500 Jahre Täuferbewegung 1525 bis 2025“ wird dieses Gedenken mit fünf Themenjahren begangen: mündig, gemeinsam, konsequent, gewaltlos und Hoffnung leben. Zusätzlich soll es ein Magazin für die Gemeinden geben, um die damaligen Anliegen auf heute zu übertragen.

Raus aus der Komfortzone!

Melanie Berghoff, die zweite Vorsitzende des Konvents der Diakoninnen und Diakone des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG), berichtet, wie der Konvent sie ermutigt hat, Gott mehr zuzutrauen.

Manch einer sehnt sich nach einer Komfortzone, einer Wohlfühl-Oase inmitten der hektischen und stressigen Zeit, in der sich die Menschheit befindet. Einer Zeit, in der alles schnell und unübersichtlich ist und vieles sich vermischt und verschwimmt. Da ist es doch schön, das Bild von der bequemen Couch, in die man sich kuscheln und von vorne berieseln lassen kann. Der Input, den man in so einer Kuschelzone bekommt, ist leicht verdaulich und sehr leicht zu schlucken. Es muss sich gar nichts ändern – alles ist gut, so wie es ist. Was nach einem guten Wochenendprogramm nach einer anstrengenden Arbeitswoche klingt, kann auf Gemeinden gemünzt auf Dauer tödlich sein. Was macht Gemeinden heute relevant für die Menschen? Was sind Themen, die wir angehen sollten, um Menschen wieder Hoffnung und Glaube zu geben?

Diese Fragen und Gedanken waren Ausgangspunkt für unsere Konventwoche, die einmal im Jahr stattfindet. So trafen wir – das sind bis zu 35 Diakoninnen und Diakone – uns vom 11. bis 14. März im Bildungszentrum Elstal. Wir wollten uns herausfordern lassen, auftanken und für unsere Arbeit in Gemeinden und an anderen Orten, an denen wir arbeiten, inspiriert werden. Raus aus der Komfortzone! Unter diesem Motto luden wir Paul Michael Zulehner als Referenten ein. Er ist katholischer Priester aus Österreich, mittlerweile emeritierter Professor für Pastoraltheologie der Universität Wien und zählt zu den bekanntesten Religionssoziologen Europas.

Paul Zulehner forderte uns heraus. Er referierte mit unerschöpflich scheinendem Wissen über die christlichen Konfessionen und geschichtliche Mystiken, mythologische Erzählungen und kirchengeschichtliche Entwicklungen. Dabei hörte er seinem Gegenüber zu, fragte im Gespräch nach und war interessiert. Zulehner wollte wissen, was sein Gegenüber denkt und glaubt, um in einen Dialog zu treten, der freundlich, wohlwollend und grenzerweiternd für jeden Gesprächsteilnehmenden ist.

In den zwei Tagen, in denen wir ihn als Referenten gewinnen konnten, ging es immer wieder um die Fragen: Was können wir als Gemeinden den Menschen, die auf der Suche sind, bieten? Und was haben wir als Christen zu sagen und zu geben, wonach sich die Menschen sehnen; was ihnen fehlt?

Beim Studientag, bei dem auch andere interessierte Hörer teilnahmen, wurde uns durch Zulehner Folgendes besonders deutlich gemacht: Jesus steigt in das Reich des Todes, um die Menschheit aus dem Tod „herauszulieben“. Das ist so weit weg von jeglicher Komfortzone. Das ist die reinste Panikzone! Aber genau das sei die Kernbotschaft der Bibel. Gott will die Menschen retten und ins Leben zurückführen. Gott handelt auf der Erde, aber in erster Linie durch uns Menschen, die wir zu seiner Gemeinde gehören und dort leben und glauben. Wir als Christen „glauben Gott in die Welt hinein“. Durch uns ist Gott gegenwärtig auf der Erde. Damit das ein möglichst gutes und ansatzweise vollständiges Bild ergibt, müssen wir mit Gott verbunden sein. Wir müssen selbst nicht perfekt sein. Denn diesen Zustand können wir niemals erreichen. Aber wir müssen ständig mit Gott in Verbindung stehen, um ihn widerzuspiegeln.

Als Gemeinden in einer Welt, in der rechtes Gedankengut wieder mehr Gewicht bekommt, sollten wir relevante Gemeinden der Zukunft sein. Dazu sollten wir auf die Ängste in unserer Gesellschaft eingehen und sie ernst nehmen. Wir sollten dabei nicht rational versuchen zu argumentieren, sondern den Ängsten – die oft aus einem Gefühl heraus entstehen – ebenso auf emotionaler Ebene begegnen. Denn wer Angst hat, dem kann man nicht mit schlauen Worten antworten. Wir können ihm oder ihr nur ebenso mit Emotion und Gefühl begegnen und zeigen, was Gott bietet: Liebe, Annahme, Verständnis und Gnade. Dazu rief Zulehner uns immer wieder auf, Gott etwas zuzutrauen und daran zu glauben, dass Gott Dinge tun und verändern kann.

Die Konventwoche war voll von einem tiefen Ringen darum, was uns als Gemeinden ausmacht, was wir den Suchenden zu bieten haben, wie wir Gott in die Welt hinein glauben können, und was das alles auch für unsere ganz praktische Gemeindearbeit bedeuten könnte.

Als Konventleitung sind wir froh neben dem Referenten viele weitere wertvolle Begegnungen und Programmpunkte gehabt zu haben, wie der Besuch und Austausch mit unserem BEFG-Präsidenten Michael Noss und unserem Generalsekretär Christoph Stiba. Pastor Peter Jörgensen, der Beauftragte der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) am Bundestag, rundete das Thema mit seinen Erfahrungen am Regierungssitz, aber auch aus seiner Gemeinde praktisch ab. Außerdem arbeiteten wir in der Konventversammlung an unseren Grundsätzen und einer neuen Wahlordnung. Gottesdienst, Workshops und ein Kulturabend durften dabei nicht fehlen. Nach diesen Tagen in Elstal sind wir zuversichtlich, dass wir es sind, die Gott auf der Erde gegenwärtig werden lassen können. Und dass Gott mehr kann und mehr tun wird, als wir das bisher erlebt und verstanden haben.

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