Bund Ev.-Freikl. Gemeinden

Neu nachdenken über die Geschichte der Frau in Kirche und Bibel

Vom 5. bis 7. Juli fand in Nassau/Bahamas die 9. Internationale Baptistische Konferenz für Theologische Ausbildung (Baptist International Conference on Theological Education – BICTE) als Vorkonferenz zum jährlichen Delegiertentreffen des Baptistischen Weltbunds, der Baptist World Alliance (BWA) statt. Mit 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 33 Ländern war es die bisher größte Konferenz, zu der die BWA-Kommission für theologischen Ausbildung alle fünf Jahre einlädt. Dies war unter anderem dem Thema „TogetHER: Re-Imagining, Re-Reading HERstory in the Church“ (Gemeinsam: IHRE Geschichte in der Gemeinde neu erinnern und neu lesen) zu verdanken. Im Zentrum der Überlegungen und Vorträge stand der (pastorale) Dienst von Frauen.

Molly Marshall (USA), Präsidentin des Central Baptist Theological Seminary, beleuchtete die besondere Leistung von Frauen im pastoralen Dienst. Ihre einzigartigen Begabungen würden einen wichtigen Beitrag zur positiven Veränderung von christlicher Identität und Praxis bilden. Marshall stellte besondere (Geistes-)Gaben von Frauen heraus, auf die die Kirche nicht verzichten sollte, zum Beispiel, dass Frauen, gerade dadurch, dass ihre Rolle oft hinterfragt wird, ihren Dienst nicht selbstverständlich nähmen, sondern als ein Privileg sähen. Außerdem würden Frauen Bibeltexte aus ihrer Perspektive anders sehen, worin eine notwendige Ergänzung zur herkömmlichen patriarchalen Sichtweise bestehe. Frauen im pastoralen Dienst vermittelten außerdem ein anderes Gottesbild. Allein durch ihre Präsenz und ihre Art zu predigen, würde Gott nicht mehr so einseitig männlich wahrgenommen werden können. Die Person der Predigerin könne nicht ein zu eins auf Gott projiziert werden. Frauen befassten sich darüber hinaus mit den Anforderungen des Lebens auf eine realistische Weise. Marshall bezog sich hier auf eine Studie, in der verschiedene Arten spezifisch weiblichen Wissens nachgewiesen wurden. Frauen verstünden unter anderem, dass Wissen durch die perspektivische Voreingenommenheit und den sozialen Ort geprägt sei. Entscheidende Bedeutung hätten dabei Empathie und das Wahrnehmen von Nuancen. Frauen hätten gelernt, scheinbare Unmöglichkeiten zu bewältigen und sähen die Komplexität gebrechlichen menschlichen Lebens. Diese Qualitäten könnten, so Marshall, gerade Frauen in Leitungsgremien einbringen. So würden sie zu einem Werkzeug der Gnade Gottes. „Marshall schlussfolgerte, dass die Gemeinde diese Gaben der Frauen im pastoralen Dienst wie nie zuvor brauche, wenn sie sich als zuverlässige Haushalterin (der Gaben Gottes) erweisen wolle.“

Textinterpretation bei Bibelübersetzungen

Im Zentrum baptistischen Interesses steht die Bibel, denn auf ihrem Zeugnis beruht der christliche Glaube. Valérie Duval-Poujol (Frankreich) zeigte in ihrem spannenden und fundiert recherchierten Vortrag auf, welchen Einfluss Bibelübersetzungen auf das Engagement von Frauen in Gemeinde und Gesellschaft haben. Sie wies sehr präzise nach, dass viele Bibelübersetzer dort, wo sie die Wahl haben, Entscheidungen in einer geschlechtsbezogenen Perspektive treffen. In der Übersetzung neutestamentlicher Texte wird zum Beispiel das griechische Wort für Mensch (anthropos) häufig mit „Mann“ wiedergegeben. Auch in Bezug auf den „Peritext“ – wie ein Text in Verse und Abschnitte gegliedert wird, wie interpunktiert wird oder welche Überschriften gesetzt werden – sind Entscheidungen der Übersetzer oft gegen die Stärkung der Rolle von Frauen in Kirche und Gesellschaft ausgefallen. Gerade anhand der verschiedenen Übersetzungen wird deutlich, dass wir hier Gottes Wort in einer menschlichen Übersetzung, das heißt verbunden mit den Entscheidungen und Interpretationen der Übersetzerinnen und Übersetzer haben, die ihrerseits durch ihre (eventuell patriarchale) Kultur geprägt sind. Duval-Poujol wies darauf hin, dass wir als Theologinnen und Theologen besonders gefordert sind, genau in den Text zu schauen, um die eigentliche Intention zu erfassen.

Pastoraler Dienst von Frauen im Baptismus

Welchen Platz haben Frauen in einer baptistischen Theologie des Dienstes? Dieser Frage ging Paul Fiddes (Regents Park College – England) nach. Er stellte insbesondere heraus, dass Baptisten, wenn sie sich an Grundentscheidungen in ihrer eigenen Theologie erinnerten, den pastoralen Dienst von Frauen unterstützen müssten. Wesentlich für einen Dienst in der Gemeinde sind aus baptistischer Sicht die Berufung durch Christus und die Bestätigung durch die Gemeinde. Wo beides vorliegt stellt sich dann nicht die Frage des Geschlechts. Dies war in England ab 1922 in mehreren Situationen der Fall. Frauen, die sich von Christus zum pastoralen Dienst berufen fühlten, wurden durch die Gemeinde bestätigt. Die Baptist Union of Great Britain and Ireland schuf dann folgerichtig im Jahr 1826 die formalen Rahmenbedingungen dafür. Auch schon vorher (im 17. Jahrhundert) gab es in englischen Baptistengemeinden begabte, und von Christus zum pastoralen Dienst berufene Frauen, nur hat die Gemeinde damals (beschämenderweise aus der Sicht des Referenten) diese Berufungen nicht bestätig und die Frauen wurden nicht zu Pastorinnen ordiniert. Neben Berufung, Bestätigung durch die Gemeinde und Begabung sind innerhalb der baptistischen Perspektive ein weiterer Grund für die Ordination von Frauen die Menschenrechte. Positionen wie „gleich aber anders“ oder „Komplementarität“, die Frauen zwar die generelle Gleichheit vor Gott zugestehen, aber gegen die Ordination von Frauen argumentieren, müssten gründlich hinterfragt werden. Dass Christus das Haupt der Gemeinde sei, sei ein wesentlicher Aspekt des baptistischen Gemeindeverständnisses. Von daher ist die Argumentation, dass der Mann das Haupt der Frau sei und daher auch der Gemeinde vorstehen muss, unbegründet. Es gibt nur ein Haupt der Gemeinde und das ist Christus. Das kann nicht durch menschliche Leitung ersetzt werden. Ferner ist aus baptistischer Sicht eine Beteiligung von Frauen bei der Austeilung des Abendmahls unbedingt erforderlich, entgegen anderen theologischen Positionen, die aufgrund eines sakramentalen Verständnisses für die Austeilung einen Priester fordern. Nur Frauen und Männer gemeinsam könnten den ganzen „Leib Christi“ so verkörpern, wie er auch im Abendmahl symbolisiert wird, so Fiddes. In frühen Baptistengemeinden war es darüber hinaus eher üblich, eine Gemeinde kollegial im Team zu leiten zum Beispiel in einer Gruppe von Ältesten, von denen einer den Vorsitz hatte. Heute findet man dies in größeren Gemeinden, die von einem Pastorenteam geleitet werden. Schon der Generalsekretär der Britischen Baptisten forderte 1918 einen „neuen Platz von Frauen in der sozialen Ordnung“ und hoffte, „dass sie nicht länger vom höchsten Dienst in der Gemeinde ausgeschlossen würden“. Auch aus der Sicht des Referenten gäbe es gerade jetzt keine Entschuldigung mehr, Frauen von bestimmten Diensten in einer Gemeinde auszuschließen. Fiddes beendete seinen Vortrag mit dem Fazit, dass aus baptistischer Sicht klar sei, dass alle Arten ordinierten Dienstes ihren Platz in der Berufung durch Christus und der Bestätigung durch seine Jünger hätten, und nirgendwo sonst.

Die Geschichte von Akiko Matsumara, die in der 70er Jahren auch Vizepräsidentin der BWA-Frauenarbeit war und als Pionierin für den pastoralen Dienst von Frauen gelten kann, wurde von Eiko Kanamaru (Japan) als Beispiel für weibliche baptistische Spiritualität in Japan erzählt.

Zwei weitere Vorträge von André Bokundoa-Bo-Likabe, Präsident der Church of Christ in Congo, über das Versöhnungswerk Jesu Christi und unseren verantwortlichen Umgang damit – wir sollen herauszufinden, was für alle gut ist, ohne Diskriminierung – und von Regina Sudheer-Alexander über ihre Berufung, ihr Leben und ihre Arbeit mit Angehörigen der „Unberührbaren“ in Indien rundeten das inhaltliche Programm ab.

Theologisch fundiertes Panoptikum konkreter Themen

Auf alle Vorträge gab es jeweils anschließend Antworten aus drei verschiedenen Perspektiven. Theologische Lehrerinnen und Lehrer verschiedener baptistischer Hochschulen und Seminare hatten sich im Vorfeld eingehend mit den wesentlichen Punkten der Vorträge befasst und antworteten darauf aus ihrer Sicht. So ergab sich ein vielfältiges, theologisch fundiertes Panoptikum konkreter Themen, das über den Materialdienst der BWA allen Interessierten zu Kenntnisnahme und den Bünden zur Diskussion zur Verfügung steht. Es bleibt zu hoffen, dass die einzelnen Gemeinden und Unionen, die im Hinblick auf den Dienst der Frau als Pastorin Diskussionsbedarf haben, diese Materialen zur Kenntnis nehmen und sie diskutieren.

Abschlusspodium: „Frauen im pastoralen Dienst ermutigen“

„Frauen im pastoralen Dienst zu ermutigen“ war das Motto des Abschlusspodiums. Hier beantworteten theologische Lehrerinnen und Lehrer aus vielen verschiedenen Ländern diverse Fragen der Teilnehmenden, wie zum Beispiel: „Wie habt ihr Diskriminierung von Frauen erlebt? Und wie kann sie überwunden werden?“ „Wie überlebt man den Schmerz der mangelnden Anerkennung durch die Gemeinden oder auch Attacken und Ungerechtigkeiten von Kollegen im Dienst?“ Zum Abschluss des Plenums stellte der amtierende Präsident der BWA, Paul Msiza, die Position der Baptist Convention of South Africa deutlich heraus: Nach dem Ende der Apartheid war den Verantwortlichen bezüglich der Entscheidung im Hinblick auf den pastoralen Dienst klar, dass sie hier keine Unterscheidung zwischen Männern und Frauen machen wollten. Nachdem sie jahrzehntelang durch die weiße südafrikanische Bevölkerung unterdrückt wurden, sahen sie in einer Ungleichbehandlung von Frauen und Männern eine andere Form von Apartheid. So entschied die Baptist Convention of South Africa den Dienst der Frau als Pastorin einzuführen.  

Resolution verabschiedet

Aus der Tagung erwachsen ist eine „Resolution zur Anerkennung und Bestätigung der Berufung von Frauen in der Gemeinde“ die auf der nachfolgenden Ratstagung der Baptist World Alliance mit nur zwei Gegenstimmen angenommen wurde. Die letzte BWA-Resolution, in der der Dienst von Frauen in der Gemeinde bekräftigt wurde, wurde 1988 ebenfalls in Nassau verabschiedet. In der jetzigen Resolution wird dazu aufgerufen, „die vielfältigen Gaben und das Feingefühl zu würdigen, die Frauen in den Dienst Jesu Christi und in das Werk der baptistischen Familie auf der ganzen Welt einbringen“ und „den Mitgliedsunionen zu empfehlen, die Befähigung von Frauen und das Einbringen ihrer Gaben biblisch fundiert und gewissenhaft zu fördern.“ Baptisten und Baptistinnen werden dazu aufgerufen, „für die Lehren und Praktiken Buße zu tun“, die „verhindert haben, dass Frauen, als Menschen geschaffen nach dem Bilde Gottes und als vollgültige Glieder des Leibes Christi, aufblühen.“ Die Gemeinden sollen für die Kraft des Heiligen Geistes, die Veränderung bewirken will, offen sein, damit sie „die von Gott gegebene Berufung von Frauen zum Dienst in der Kirche“ bekräftigen können. BWA-Mitglieder sollten auch „eine Sprache verwenden, die in Gottesdienst, Kommunikation und Veröffentlichungen, einschließlich Bibelübersetzungen, sowohl Frauen als auch Männer bejaht“ und „gezielt darauf hinarbeiten, dass Frauen in allen Führungspositionen den gleichen Raum erhalten, sowohl in den Gemeinden, wie auch in baptistischen Bünden und Unionen und in der Baptist World Alliance.“

Tomás Mackey: Designierter BWA-Präsident

Vom 8. bis 12. Juli 2019 fand in Nassau, Bahamas, die jährliche Tagung des Baptistischen Weltbunds (Baptist World Alliance/BWA) statt. Die Delegierten der 239 Mitgliedsunionen befassten sich in den fünf Tagen mit relevanten kirchlichen und gesellschaftlichen Themen wie Menschenrechte, Religionsfreiheit und Gleichstellung. Inspirierende Predigten, lebendiger Austausch und gute Begegnungen prägten die Tagung.

Tomás Mackey aus Argentinien wurde als designierter neuer Präsident der BWA vorgestellt. „Seine Liebe zu Gott und den Menschen und seine mehr als 30 Jahre lange Erfahrung im Dienst der Baptisten auf lokaler, nationaler, regionaler und internationaler Ebene zeichnen ihn in besonderer Weise für diese wichtige Rolle im Leben der weltweiten baptistischen Familie aus”, heißt es von Seiten des Baptistischen Weltbunds. Mackey ist der Nachfolger von Paul Msiza aus Südafrika der bei der Ratstagung im Juli kommenden Jahres verabschiedet wird.

Ein Highlight beim Eröffnungsabend, der „Bahamian Cultural Night“, war die Beteiligung der Polizeikapelle Nassaus und der Auftritt der Junkanoo All-stars, einer schrillen, bunten Sambagruppe. Die Teilnehmenden wurden mit mitreißenden Rhythmen in die bahamaische Kultur hineingenommen. Zu dieser Kultur gehört auch die enge Verbindung von Kirche und Staat. Dies wurde einerseits durch die Beteiligung der staatlichen Vertreterin Lanisha Rolle, Ministerin für Jugend, Sport und Kultur, am Eröffnungsabend und andererseits durch die gemeinsame Feier der Unabhängigkeit Bahamas am nächsten Abend deutlich. Die Delegierten waren am zweiten Abend des Treffens eingeladen, an einem ökumenischen Festakt zur Feier des 46. Jahrestages der Unabhängigkeit, unter dem Motto „United we stand Bahamas … together we can”, teilzunehmen. Faszinierend war die dramaturgische Darstellung der Geschichte der Unabhängigkeit Bahamas und der Stolz, der für die Bahamaerinnen und Bahamaer daraus resultiert. Der Abnahme einer militärischen Parade und der Segnung der bahamischen Flagge – für die europäischen Teilnehmenden eher befremdend – folgte dann zum Ende des Abends ein großes Feuerwerk. Baptisten stellen auf den Bahamas mit 37,5 % die größte christliche Denomination dar.

Ein wesentlicher Teil der Arbeit während des jährlichen BWA-Treffens findet in Kommissionen statt. Hier werden aktuelle theologische Positionen ausgetauscht z. B. zu baptistischer Spiritualität, theologischer Ausbildung, baptistischer Identität, baptistischer Lehre, christlicher Ethik, Mission, Evangelisation, Religionsfreiheit, sozialer und ökonomischer Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung, Bewahrung der Schöpfung, Menschenrechten und anderen relevante Themen. Zur Arbeit der Kommissionen tragen unter anderem Theologinnen und Theologen oder andere Expertinnen und Experten mit eigens zu diesem Anlass vorbereiteten Beiträgen zu vorher festgelegten Fragestellungen bei. Pastor Thomas Klammt, Referent des BEFG für Integration und Fortbildung und Mitglied des Vorstands der BWA, berichtete über „Gemeinde als Zufluchtsort“ aus der Flüchtlingshilfe und den Erfahrungen mit Kirchenasyl. Neben der Gelegenheit zum Austausch wird auch danach gefragt, wo Handlungsbedarf ist und was die BWA tun kann.

Aus der Arbeit der Kommissionen werden dann bei Bedarf Resolutionen erstellt. In diesem Jahr gab es zwei Resolutionen. Zum einen wurde eine „Resolution zur Anerkennung und Bestätigung der Berufung von Frauen in der Gemeinde“ mit nur zwei Gegenstimmen angenommen. Die letzte BWA-Resolution, in der der Dienst von Frauen in der Gemeinde bekräftigt wurde, wurde 1988 ebenfalls in Nassau verabschiedet. In der jetzigen Resolution wurde dazu aufgerufen, „die vielfältigen Gaben und das Feingefühl zu würdigen, das Frauen in den Dienst Jesu Christi und in das Werk der baptistischen Familie auf der ganzen Welt einbringen“ und „den Mitgliedsunionen zu empfehlen, die Befähigung von Frauen und das Einbringen ihrer Gaben biblisch fundiert und gewissenhaft zu fördern.“ Baptisten und Baptistinnen werden dazu aufgerufen, „für die Lehren und Praktiken Buße zu tun“, die „verhindert haben, dass Frauen, als Menschen geschaffen nach dem Bilde Gottes und als vollgültige Glieder des Leibes Christi, aufblühen.“ Die Gemeinden sollen für die Kraft des Heiligen Geistes, die Veränderung bewirken will, offen sein, damit sie „die von Gott gegebene Berufung von Frauen zum Dienst in der Kirche“ bekräftigen können. BWA-Mitglieder sollten auch „eine Sprache verwenden, die in Gottesdienst, Kommunikation und Veröffentlichungen, einschließlich Bibelübersetzungen, sowohl Frauen als auch Männer bejaht“ und „gezielt darauf hinarbeiten, dass Frauen in allen Führungspositionen den gleichen Raum erhalten, sowohl in den Gemeinden, wie auch in baptistischen Bünden und Unionen und in der Baptist World Alliance.“
 
Eine zweite Resolution gab es „zu aktuellen Erscheinungsformen religiöser Intoleranz und religiös motivierter Gewalt“. „Tiefe Besorgnis über die jüngsten Fälle religiöser Intoleranz und religiös motivierter Gewalt“ wurde geäußert und Beispiele für Angriffe auf Synagogen, Moscheen und Kirchen im vergangenen Jahr aufgezeigt. In der Resolution wird das Anwachsen von Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Christenverfolgung kritisiert – unter Berufung auf einen kürzlich vom britischen Außen- und Commonwealth-Ministerium in Auftrag gegebenen Bericht, in dem festgestellt wurde, dass etwa 245 Millionen Christen durch starke Verfolgung gefährdet sind. Die Resolution erinnerte ferner daran, dass 2019 der 85. Jahrestag einer historischen Resolution war, die 1934 auf dem fünften baptistischen Weltkongress in Berlin verabschiedet wurde. Vor dem Hintergrund des aufkommenden Faschismus und der Begegnung in einem mit riesigen Hakenkreuzen geschmückten Saal stimmten die Baptisten mutig gegen „Antisemitismus und alle anderen Formen religiöser und rassistischer Vorurteile“. Es wurde bei dieser Gelegenheit auch daran erinnert, dass Thomas Helwys 1612 appellierte, Juden, Christen und Muslimen zu erlauben, Gott in Freiheit zu verehren und miteinander in Frieden zusammenzuleben. „Wir stehen allen Menschen, die unter Gewalt, Verletzung und Schaden leiden, unabhängig von Religion, Rasse, Geschlecht, Kultur oder ethnischer Zugehörigkeit, solidarisch und mitfühlend gegenüber“, heißt es in der Resolution; und wir fordern Baptistinnen und Baptisten auf, in Frieden mit allen zu leben und so „zu bekräftigen, dass Hass und Gewalt Respekt, Liebe und Glauben nicht besiegen können.“ Solche Handlungen, so die Schlussfolgerung, dienen „als prophetische Antwort auf Gottes Liebe gegen alle Äußerungen von Terrorismus, Gewalt und religiöser Intoleranz.“

Während der Tagung wurde sehr wertschätzend an Dr. Denton Lotz, den im April dieses Jahres verstorbenen ehemaligen Generalsekretär der BWA, erinnert. Viele kurze Statements von Menschen, die ihm besonders verbunden waren, machten deutlich, wie engagiert, kompetent und warmherzig Denton Lotz seinen Dienst ausgeübt hat. Eine bleibende Erinnerung an ihn ist auch der Denton & Janice Lotz Human Rights Award, der in diesem Jahr von Janice Lotz an Pastor Dr. Burchel Taylor, für den langjährigen persönlichen Einsatz und auch den Einsatz seiner Gemeinde für den Erhalt von Menschenrechten in Jamaika, ging.

Die Kongressleitung hatte einige Baptisten aus Venezuela eingeladen, um von der sich zuspitzenden Notlage im Land zu berichteten und um sie der Solidarität der weltweiten Baptistengemeinschaft zu versichern. Viele Menschen verlassen das Land, um Arbeit zu suchen und so ihre Familien zu unterstützen. Den Kongressteilnehmenden wurden venezolanische Geldscheine ausgeteilt. Sie symbolisieren die Wertlosigkeit der venezolanischen Währung und sollen den Teilnehmenden als Gebetserinnerung dienen.

Der Generalsekretär der BWA, Dr. Elijah Brown, berichtete über sein erstes Dienstjahr, indem er die fünf zentralen Aufgabenbereiche beleuchtete: Gemeinschaft und Einheit stärken, Mission und Evangelisation leben, Not- und Entwicklungshilfe leisten, Menschenrechte und Religionsfreiheit verteidigen, Theologisches Nachdenken und transformative Leitung fördern. Erstmals präsentierte er die „Baptist World Trends“: insbesondere in Afrika erleben die Baptistengemeinden außergewöhnliches Wachstum; zugleich leiden sie stark unter den wirtschaftlichen Bedingungen, niedrigen Einkommen und Nahrungsmittelknappheit. Über ein Drittel aller Baptisten weltweit leben in Ländern, in denen Verstöße gegen die Menschenrechte und religiös motivierte Gewalt verbreitet sind.

Als 240. Mitgliedsbund der BWA wurde die „Zomi Baptist Convention“ aus Myanmar aufgenommen, die 28000 Mitglieder in 190 Gemeinden hat.

2020 findet der Weltkongress der BWA in Rio de Janeiro, Brasilien, statt. Alle fünf Jahre treffen sich neben den Delegierten auch weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den einzelnen Bünden, die Arbeit der Kommissionen pausiert und es gibt ein inspirierendes Programm, ermutigende Gottesdienste und aufbauende Gemeinschaft für mehrere tausend Besucherinnen und Besucher aus aller Welt.

Weitere Impressionen von der Ratstagung in Nassau finden sich im YouTube-Kanal oder auf der Facebookseite der BWA.

Highway to Heaven

Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Trossingen veranstaltete ihren fünften Gottesdienst für Motoradfahrerinnen und -fahrer.

Zu einem Leben mit Jesus Christus wurde im Motorradgottesdienst der EFG Trossingen, bei Villingen-Schwenningen, eingeladen. Zu dem Gottesdienst unter dem Motto „Highway to Heaven“ – in Anspielung auf den bekannten Popsong „Highway to Hell“ – kamen 80 Besucher – darunter 30 Motorradfahrer mit ihren Fahrzeugen. Damit es genügend Platz gab, waren an dem Tag die Straßen rund um das Gemeindezentrum gesperrt worden. Der hauptberufliche Vorstand des Christlichen Schul- und Erziehungsvereins in Freiburg, Alexander Pollhans, sprach über die Aussage von Jesus Christus: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Der bekennende Motorradfan wies darauf hin, dass Jesus Christus der einzige Weg zu Gott sei. Sein Schulverein ist Träger der Freien Christlichen Schule und der Kindertagesstätte Bunte Burg in Freiburg. Für die Musik im Gottesdienst sorgte die Esslinger Gruppe „Die Väter“. Im Anschluss gab es Pizza, die von einer örtlichen Pizzeria in ihrem Pizzawagen vor Ort zubereitet wurde. Der Motorradgottesdienst fand zum fünften Mal statt. Nach einem Bericht der Gemeinde waren sich die Besucher einig: „Das war ein toller Motorradgottesdienst, der auch im kommenden Jahr angeboten werden sollte.“ Wie der frühere Gemeindeleiter Helmut Schön der GEMEINDE sagte, gibt es in der Gemeinde keine Motorradgruppe, aber drei Motorradfahrer. Weil sie gerne Motorradgottesdienste besuchten, sei die Idee aufgekommen, in der Gemeinde so einen Gottesdienst anzubieten. Seit fünf Jahren stoße nun dieser Gottesdienst auf große Resonanz: „Die Biker kommen aus ganz Baden-Württemberg und Bayern.“ Die Gemeinde hat rund 80 Mitglieder.

Workshop Moderation in St. Michaelisdonn

27 Teilnehmende aus Neumünster, Schleswig, Kiel, Kappeln, Heide und St. Michaelisdonn waren angereist, um neue Ideen zur Gestaltung interessanter Gottesdienste sammeln zu können. Immerhin ist Gottesdienst die Begegnung mit unserem Herrn und den Menschen, die in unsere Gemeinde nach St. Michaelisdonn kommen. Das sind nicht nur Mitglieder, sondern auch Gemeindefremde bzw. Freunde und oft auch Urlauber.

Welche Aufgabe hat hier die Moderation und welche hat sie nicht?
Andrea und Friedrich Schneider vermittelten uns Programmpunkte für ein mögliches Gottesdienstmodell. Grund-Sätze waren z.B. „authentisch sein“, „wirkungsvoll agieren“, die „Funktion mit Würde erfüllen“ und „lebendig Glauben bekennen“!

Wir bekamen Denkanstöße, wie die Moderation Kontakt zu den Besucherinnen und Besuchern aufnehmen kann, um miteinander „Gottes-Dienst“ zu erleben und zu feiern. Wir übten „Textlesungen“, sahen uns an, wie ein Musik- und Anbetungsteil gestaltet werden kann und wie auch die Gemeinde ihre Antwort an Gott richten, also aktiv teilnehmen kann. „Anteil-nehmen und -geben“ war ein wichtiger Punkt und natürlich die drei „W’s“: Was, Wann, Warum?

Der Tag war prall gefüllt von Informationen und dem gegenseitigen Austausch, von praktischen Übungen und damit verbundener konstruktiver und somit wertvoller Kritik.
Unser aller Dank gilt Andrea und Friedrich Schneider. Ihre professionelle und motivierende Art lässt sicher noch manches nachklingen in unseren Köpfen und wird ganz bestimmt demnächst praktische Anwendung finden.

Projektpartner, die gut tun!

Joachim Gnep, der Leiter des Dienstbereichs Mission im BEFG, und seine Frau haben in der Türkei und in Jordanien Projekte besucht, die German Baptist Aid unterstützt. Die Begegnungen, zum Beispiel im „Zarqa Life Center“, haben ihn tief beeindruckt.

„Die Christen sind gute Menschen! Sie tun das, was eigentlich wir Moslems tun sollten.“ Der Stadtteilbürgermeister sitzt neben mir und schlägt mir beim Reden immer wieder mit der Hand auf Oberschenkel und Knie – vor Begeisterung, wie er sagt, dass wir extra aus Deutschland angereist sind und muslimischen Flüchtlingen helfen. Wir sind gerade erst in Adana gelandet und befinden uns schon eine knappe Stunde später mit Pastor Şükrü und unserer Delegation im Stadtteilbüro des Bürgermeisters, nebst einem ehemaligen Bürgermeister aus einem anderen Stadtteil und einigen Angestellten.

Diese Szene gleich zu Beginn steht sinnbildlich für die Art, wie die noch sehr jungen und kleinen Gemeinden in der Türkei arbeiten: Sie sind großartig vernetzt und tun ihre sozialdiakonische Arbeit in enger Kooperation mit den kommunalen Behörden und wichtigen Personen des öffentlichen Lebens. Sie verstecken sich nicht, obwohl es allen Grund dazu gäbe: Die Veranstaltungen der Gemeinden finden in Adana, Samsun und Izmir unter Polizeischutz statt. Den Pastoren stehen Leibwächter zur Verfügung. In einem Land mit mehr als 99 Prozent Muslimen kommt es immer wieder zu Drohungen und Anfeindungen.

Im Stadtteil, in dem sich die kleine Gemeinde in Adana mit Unterstützung von German Baptist Aid (GBA) engagiert, leben circa 20.000 geflohene Menschen bei ursprünglich 30.000 Bewohnern. Die Not ist groß. Obwohl in den letzten Jahren viele Häuser aufgestockt und erweitert wurden, gibt es immer noch Flüchtlingscamps. Zu einem dieser Camps im Süden von Adana fahren wir auf besonderen Wunsch des Bürgermeisters, um auch dort mit Lebensmittelpaketen zu helfen. Schnell ist der LKW von Menschen umsäumt, besonders von Frauen und Kindern. Die 100 Pakete werden nicht wahllos verteilt, sondern bedarfsorientiert gegen einige Tage zuvor zugeteilte Berechtigungsscheine.###3_IMAGES###Einige Tage später in Izmir erleben wir eine ähnliche Aktion in der Altstadt. In den vielen heruntergekommenen Häusern finden Geflohene Obdach, weil sonst niemand dort wohnen will. Das Team der Baptistengemeinde in Izmir arbeitet freundlich und professionell und macht mit den Paketen auch Hausbesuche. Der dortige Bürgermeister führt höchst selbst penibel die Bedarfsliste und macht seine Häkchen. In Samsun im Nordosten werden dagegen Lebensmittelgutscheine an die geflohenen Menschen ausgegeben, weil diese zu weit verstreut leben.

Mich beeindruckt, wie mutig und entschieden die jungen Gemeinden in Adana, Samsun und Izmir sich auf die Menschen und ihre Not einlassen. Sie setzen dabei unübersehbare Zeichen der Liebe Gottes, und diese Zeichen kommen an. Jeder gespendete Euro wirkt mehrfach: zuerst unmittelbar bei denen, die Hilfe bekommen. Darüber hinaus verändert sich das Gemeinwesen positiv und der Zusammenhalt wird gestärkt. Gleichzeitig hat die Arbeit der Christen positive Auswirkungen auf die Gemeindeentwicklung, weil viele Menschen ins Fragen kommen und Kontakt suchen. Und auch die Solidarität aus Deutschland kommt an, nicht nur in den Gemeinden.

Nach vier intensiven Tagen in der Türkei geht die Reise für meine Frau Sabine und mich weiter nach Jordanien. Dort unterstützt GBA das „Zarqa Life Center“ (ZLC), das für viele Frauen genau das geworden ist: ein „Lebens-Zentrum“! Seit 2017 wurden hier fast 2.000 jordanische und syrische Frauen begleitet, ermutigt, ausgebildet und in die Lage versetzt, die eigene Lebenssituation zu verbessern.###3_IMAGES###Als wir auf vielen Umwegen verspätet im ZLC ankommen, warten schon etwa 45 Frauen im neuen Gemeindegebäude, in dem auch ein medizinisches Zentrum untergebracht ist. Um ein Gespräch in Gang zu bringen, frage ich: „Was bedeutet Dir das ZLC und wie verändert es Dein Leben?“ Überraschend steht eine Frau nach der anderen auf – und erzählt! Einem fremden Mann aus Deutschland, und seiner Frau.

„Mein Leben war sehr schwer und ist es immer noch“, berichtete eine von ihnen. „Ich war allein mit allem und hatte schon keinen Mut mehr. Dann habe ich die Frauen hier im Center kennengelernt. Ich habe hier von Anfang an eine besondere Liebe gespürt, die ich so nicht kannte. Ich fühle mich hier angenommen und tanke hier Kraft.“ Und viele weitere Frauen erheben sich: „Ich habe hier nähen gelernt!“ – „Wir halten hier alle zusammen, das hier ist meine Familie!“ – „Ich konnte hier lernen und habe sogar mein Abitur geschafft!“ – „Ich kann jetzt Englisch!“ – „Ich verdiene mein Geld jetzt mit der Seifenproduktion – das gemeinsame Arbeiten und die Liebe untereinander, das tut mir so gut!“ – „Mein Leben lang konnte ich weder lesen noch schreiben und habe mich geschämt. Aber jetzt, wo ich alt bin, kann ich lesen und schreiben! Hier habe ich das gelernt. Die Lehrerin ist so geduldig. Ich bin jeden Tag dankbar dafür!“ …

Das Feuerwerk scheint auch Gertrud Khoury, die Leiterin, zu überraschen. Es hört gar nicht auf. Mehr als die Hälfte der Frauen steht auf und redet. Stichworte, die immer wieder fallen, sind: „Liebe“, „Familie“, „Schwestern“, „hat mein Leben verändert“. Meine Frau Sabine und ich sind tief berührt. Der ganze Raum ist erfüllt von den Schicksalen und der Lebensenergie dieser Frauen – und der verändernden Kraft der Liebe Gottes! So etwas habe ich in dieser Form woanders noch nie erlebt.

Die Geschichte von Nawja, deren Seifen-Startup erfolgreich arbeitet, findet sich als Video auf der  Homepage von GBA. Ebenso ein Bericht von Amal, deren Leben im ZLC eine ganz neue Qualität und Bestimmung erfahren hat.

Ich bin von Herzen dankbar für die Begegnungen und Eindrücke dieser Reise. Das Reich Gottes wächst – auch durch einfache Christen, die ihr Licht leuchten lassen!

21. Theologischer Grundkurs ist zu Ende gegangen

Auf der Internetseite heißt es (www.thgk.de): „Der … ThGK bietet seit über 40 Jahren … eine besondere Möglichkeit zur eigenen Weiterbildung.... (Er ist eine) Kombination aus Fernkurs und Seminareinheiten ...“

... und er ist auch:

Eineinhalb Jahre Bibellesen, theologisches Denken lernen, Fragen beantworten, sich Gedanken machen, gemeinsames Singen, Feiern, Gespräche, Lachen, zu einer Gemeinschaft werden, Predigen, Fragen stellen, Gottesdienste feiern, die Dozenten herausfordern und sich selbst herausfordern lassen, kurze Nächte (wer mag), Beten, Gott hören, einander Zuhören, Meinungen äußern und stehenlassen ...

Ich könnte noch lange aufzählen, weil 18 Monate eine lange Zeit sind. Aber plötzlich ist das letzte Seminarwochenende da, es gibt keine neuen Lehrbriefe mehr, dafür viel Zeit zum Rückblick und Auswerten – und dann geht es für die Teilnehmenden zurück in ihre Gemeinden, mit einem dicken Ordner voll Papier und noch viel mehr Wissen im Kopf.

Dieser Kursus ist eine Empfehlung für Menschen, die gerne tiefergraben wollen; die Bibelstellen neu verstehen und Zusammenhänge erkunden möchten, die sich für Kirchengeschichte interessieren, die Gottesdienstformen und Liturgie kennenlernen wollen, die mit einem Gang durch die Geschichte begreifen, wie sich Theologie und Glauben zu unterschiedlichen Zeiten entwickelt haben.

Etwas Zeit muss man natürlich einplanen: Die Seminare besuchen (8 Wochenenden + eine Seminarwoche), insgesamt 32 Lehrbriefe bearbeiten und rechtzeitig an die Dozenten schicken, je eine Exegese zu einem Text aus dem AT und NT anfertigen – und viel lesen!

So nach und nach erkennt man Zusammenhänge, bekommt die eine oder andere Antwort, tauscht sich mit anderen aus und stellt fest: Ich bin sprachfähiger geworden, wenn es um den Glauben und die Bibel geht. Und: Wir sind zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen, die trotz unterschiedlicher Gemeindezugehörigkeit zu einer Seminar-Gemeinde geworden ist. Unsere Dozenten haben uns mit großer Sachkenntnis, viel Geduld und Liebe durch die einzelnen Themen geführt, haben Fragen beantwortet und Fragen gestellt und uns geholfen, gründlich nachzudenken und vielleicht überraschende Entdeckungen zu machen.

P.S. Zu den neuen Kursen kann man sich jetzt anmelden.

 

Abschlusstagung für Hauptamtliche im Anfangsdienst

19 Pastorinnen und Pastoren sowie eine Diakonin trafen sich zur Abschlusstagung ihres Anfangsdienstes. Dabei blickten sie auf die drei vergangenen Jahre und ihre Erfahrungen zurück.

Im Anfangsdienst nehmen die Hauptamtlichen neben dem Gemeindedienst regelmäßig an Fortbildungen teil und erhalten zum Beispiel Beratung und Begleitung in Form von Supervision. In der letzten Juniwoche kamen 20 Hauptamtliche im Tagungszentrum Weltersbach zusammen, um gemeinsam den Abschluss ihres Anfangsdienstes zu begehen. Mit dabei waren Hauptamtliche aus dem Dienstbereich Mitarbeiter und Gemeinde sowie Mitglieder des Vertrauensrates und der Leitung des Konvents der Diakone und Diakoninnen.

Udo Herrmann, Leiter des Dienstbereichs Mitarbeiter und Gemeinde, stellte schon zu Beginn der Tagung fest, dass dies eine der schönsten Veranstaltungen in seinem Dienstbereich sei. Es waren 48 intensive Stunden, in denen die sehr unterschiedlichen Anfangsdienste reflektiert wurden und in denen Gruppengespräche und Einzelgespräche stattfanden. Diese Gespräche sind für Hauptamtliche einer der letzten Schritte, um auf die Liste der Pastorinnen und Pastoren oder der Diakoninnen und Diakone zu gelangen. Danach saßen die Leitungsmitglieder der Tagung zusammen, um für jeden Teilnehmer und jede Teilnehmerin eine persönliche Rückmeldung zu formulieren. Gleichzeitig sprachen sie damit eine Empfehlung für die Bundesgeschäftsführung aus, die Hauptamtlichen zukünftig auf den Listen zu führen.

Die Atmosphäre der Tagung war von hoher Wertschätzung und großer Offenheit füreinander geprägt, denn in den drei Jahren haben sich die Kolleginnen und Kollegen kennen und schätzen gelernt. Davon ist auch Pastorin Charlotte Fehmer begeistert: „Ob drei oder schon zwanzig Jahre im Gemeindedienst, aus dem Ruhrpott oder aus Angola - es war sehr bereichernd, an den unterschiedlichen Erfahrungen teilzuhaben und auch meine eigenen Erlebnisse in diesem Kreis zu reflektieren.“ Dabei wurden Erfolge gefeiert, gute segensreiche Erfahrungen geteilt, aber auch manches Schmerzhafte aus den vergangenen drei Jahren angeschaut. Denn so unterschiedlich die Hauptamtlichen sind, so individuell sind ihre Lebens- und Diensterfahrungen. Mit dabei waren auch einige Kontaktstudenten mit theologischer Grundausbildung und längerer Erfahrung im Gemeindedienst, wie auch die Absolventen vom Pastoralen Integrations- und Ausbildungs-Programm (PIAP). Die PIAP-Absolventinnen und Absolventen arbeiten meist ehrenamtlich als Pastoren und Pastorinnen und bereichern mit den internationalen Gemeinden die Vielfalt in unserem Gemeindebund.

Am Ende der Tagung stand ein gemeinsamer Gottesdienst mit ermutigenden Worten von Pastor Norbert Kursch aus Lukas 5, 1-5 – der Berufung von Simon Petrus zum „Menschenfischer“. Dazu gab es eine musikalische Begleitung durch Pastor Hanno Sommerkamp und ein Abendmahl mit persönlichen Gebeten und Segnungen für die Kolleginnen und Kollegen. In der Auswertung wurde deutlich, dass die Begleitung und die Nähe im Anfangsdienst guttun. Außerdem sind der Rückhalt und die Wertschätzung durch die Bundesgeschäftsstelle und die eingesetzten Personen immer wieder spürbar gewesen, sind sich die Anwesenden einig. Die Fortbildungen und die angebotene Supervision helfen, den Anfangsdienst auch weiter als Zeit des Lernens und der Entwicklung zu begreifen. So konnten beim Abschluss alle Teilnehmenden der Aussage von Udo Hermann zustimmen: Diese Tagung war ihre schönste.

Ermutigungstag für Gemeinden

In Lutherstadt Wittenberg trafen sich 120 Menschen aus der Region Sachsen-Anhalt im Landesverband Niedersachsen – Ostwestfalen – Sachsen-Anhalt (NOSA) zu einem Gemeindeermutigungstag. Mit dabei war Pastor, Autor und Journalist Andreas Malessa, der über die Begegnung von Kornelius und Petrus predigte. Jürgen Tischler berichtet.

Der Gemeindeermutigungstag (GET) findet unregelmäßig als Treffen der Gemeinden in der Region Sachsen-Anhalt statt. Am 30. Juni versammelten sich etwa 120 Teilnehmende in Lutherstadt Wittenberg. Das regionale Treffen stand unter dem Motto „Das Verständigungswunder von Pfingsten geht weiter: Den Glauben heute zur Sprache bringen“. Andreas Malessa predigte zu dem Thema und am Nachmittag erwarteten die Teilnehmenden Workshops wie zum Beispiel „Sprache ist die Kleidung deiner Gedanken“, „Mut zum Zeugnisgeben finden“ oder zur Frage, wie Christen heute „verstehbar hörend“ vom Glauben reden können.

Andreas Malessa beleuchtete die Begegnung zwischen Kornelius, dem Hauptmann aus Cäsarea, und dem Apostel Petrus. Dabei fragte er, wie es zu der Begegnung kam und welche Rolle der Heilige Geist dabei spielte. Genussvoll-herausfordernd war neben der Sprache die Übertragung des Textes in die Gegenwart. Kornelius und seine erdachte Frau „Kornelia“ als postmoderne Menschen und Petrus als Vertreter zeitgenössischer Frömmigkeit. Malessa stellte sie dar mit ihrer „konfessionellen Heimatlosigkeit“, ihrer „Sehnsucht nach Spiritualität“ und dem „Ringen mit ihrem Gewissen“ in beruflicher und privater Verantwortung. So wurde der Bibeltext aus Apostelgeschichte 10 humorvoll und lebendig zur Herausforderung für die Teilnehmenden.

„Gesunder Menschenverstand kann geistinspiriert sein“, so Malessa. Er betonte, dass Christen die Bibel von hinten läsen, von Christus her. In der Konsequenz hieße das für Petrus: „Steig herab in Milieus, die nicht dein Niveau sind!“ Es sei nicht die Frage, „ob der Heilige Geist zu Menschen spricht, die zwischen allen konfessionellen Stühlen sitzen und trotzdem eine spirituelle Sehnsucht haben, die sie nicht mehr verbalisieren können“. Die Frage sei vielmehr, „ob wir es ihnen glauben.“

Kornelius und Petrus hätten etwas gemeinsam: Beide handeln ohne eine Genehmigung ihrer Heeresleitung oder ihrer Gemeinde. Sie überschreiten gemeinsam eine Grenze. Beide erzählen sich ihre Visionen – und stellen fest, dass sie kongruent sind! Erst jetzt im Nachhinein weiß Petrus, dass es nicht der „Zeitgeist“ war, der ihn verführt hat. Andreas Malessa, der auch Autor des Martin-Luther-King-Musicals ist, fragte die Besucher aus ganz Sachsen-Anhalt: „An welcher Stelle decken sich heute die Visionen? An welcher Stelle wollen ein nichtreligiöser Mensch und ich dasselbe?“

Bei Temperaturen von 38 Grad waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erstaunlich gut dabei und die Gemeinde ein bestens vorbereiteter Gastgeber. Brigitte Neumeister, Gemeindereferentin der EFG Wittenberg, die Band der Gemeinde und die Mitglieder der Regionalleitung gestalteten diesen Tag froher Gemeinschaft der Gemeinden. Karl-Heinz Wegner bot dazu parallel für die Kinder ein spannendes Aktivprogramm an. Bewegend berichtete der Ruheständler Hans-Joachim Schwan als „Alter Bär“ über die Indianerarbeit, die Freizeiten für Kinder von Strafgefangenen durchführt. Benno Braatz vom Dienstbereich Mission stellte sich als neuer Regionalbeauftragter vor. In die Regionalleitung neu gewählt wurde Hartmut Bick aus Quedlinburg. Jürgen Tischler vom Landesverband NOSA ermutigte die Gemeinden, neue Wege zum Gespräch zu suchen, und stellte das Projekt „TischGemeinschaft“ vor, das gerade an diesem Sonntag im Landesverband in Löhne mit der Eventkirche unterwegs war.

Karim kann wieder zur Schule!

Aufgrund der Unterstützung des Tahaddi-Centers muss der zwölfjährige Karim nicht mehr arbeiten. Das Center ist nur eines von vielen Projekten, die German Baptist Aid unterstützt. Neben Spenden zur Förderung von GBAid bittet der BEFG aktuell um Spenden für die Kinder- und Jugendarbeit des GJW.

Der zwölfjährige Karim* lebte glücklich mit seiner Familie in einem Haus mit Garten, Obstbäumen und Gemüsebeet in Syrien – bis der IS in die Region kam und die neunköpfige Familie in den Libanon fliehen musste. Wegen Rückenproblemen kann Karims Vater Ibrahim nicht mehr arbeiten. Seine Mutter Fatima putzt das Haus ihres Vermieters für 3,50 Dollar am Tag – viel zu wenig für die monatliche Miete von 200 Dollar. So waren seine Eltern gezwungen, Karim von der Schule zu nehmen, damit er ebenfalls Geld für die Familie verdient.

Durch das Tahaddi-Center in Hay-el-Gharbeh, einem der Elendesviertel der libanesischen Hauptstadt Beirut, erfahren sie Hilfe. Das Center bietet umfangreiche Unterstützung: Kleinkindbetreuung, Schulunterricht, klassische Sozialarbeit, medizinische und psychologische Betreuung sowie ein Nähzentrum, in dem Frauen Geld für ihren Lebensunterhalt verdienen können. Karims Familie erhielt unter anderem Mietzuschüsse. Dadurch kann Karim wieder zur Schule gehen, statt arbeiten zu müssen. Mit einer Spende an German Baptist Aid besteht die Möglichkeit, Projekte wie dieses zu fördern. Weitere Projekte finden Sie auch in den aktuellen Projektinformationen, die das GBAid-Komitee vierteljährlich veröffentlicht.###3_IMAGES###Außerdem bittet der BEFG in diesem Sommer um Spenden für die Arbeit des Gemeindejugendwerks. Das GJW fördert, qualifiziert und ermutigt die zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich Woche für Woche in den Ortsgemeinden engagieren. Sie spielen in den Biografien der Kinder und Jugendlichen oft eine prägende Rolle bei einer Entscheidung für Jesus: „Sie sind Vorbilder im Glauben und wichtige Ansprechpartner“, weiß Udo Rehmann, Leiter des Dienstbereichs Kinder und Jugend. „Wir wünschen uns, dass die Kinder eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus erfahren, die ihrem Leben Sinn und Hoffnung gibt. Die biblische Botschaft soll für junge Menschen erlebbar und jede Ortsgemeinde ein phantasievoller und sicherer Lebensraum sein.“

Das Gemeindejugendwerk unterstützt die Mitarbeitenden durch zeitgemäßes Material und Schulungen. Viele Stundenentwürfe, Andachten und Kinderteile für den Gottesdienst sind auf „EDITION GJW online“ kostenlos verfügbar. Zudem bietet das GJW Webinare zu relevanten Themen an. Und durch die Kunterbunte Box erleben Kinder auf spielerische Weise und multimedial, also mit dem Handy in der Hand und gleichzeitig durch die Gemeinderäume streifend, alttestamentliche Geschichte hautnah.

* die Namen sind aus Sicherheitsgründen geändert

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