ERF Plus - Wort zum Tag

1. Mose 39,20.21

Es gibt Lebensumstände, die wie ein Gefängnis wirken. Zum Beispiel – Schmerzen. Schmerzen können einen Menschen einkerkern. Ein freies Leben ist nicht mehr möglich. Tun und lassen, was man will – daran ist mit Schmerzen gar nicht zu denken. Ein Ende der Gefängniszeit ist in vielen Fällen nicht absehbar – vielleicht lässt sich ein Freigang heraushandeln, etwa durch Tabletten. Dann aber beginnt wieder die Haftzeit. Die Wirkung der schmerzlindernden Medikamente lässt nach.

Ein anderer Lebensumstand, der wie ein Gefängnis wirken kann: z. B. die Arbeitsstelle. Vorgesetzte und Kollegen können einen einkerkern. Die Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu tun ist sehr groß. Was passiert? Ein Rückzug ins innere Gefängnis.

Vielleicht fallen ihnen noch andere Gefängnisse ein. Beziehungen, Einschränkungen oder Handikaps, die wie ein Kerker wirken. Vielleicht leben sie gerade selbst in solch einem Gefängnis und denken mit Schrecken daran.

Das Losungswort für den heutigen Tag beschäftigt sich auch mit jemandem, der im Gefängnis gesessen hat. Es geht um Josef. Die Bibel erzählt von den dramatischen Umständen, unter denen Josef in ein Verlies geworfen wurde. Vor rund 3000 Jahren spielte diese Geschichte im alten Ägypten. Josef war als Sklave hoch gestiegen. Im Hause des Kämmerers war er zu Ansehen gekommen, er hatte volle Verfügungsgewalt in dem Haus. Doch dann warf die Ehefrau des Kämmerers ein Auge auf Josef. Sie wollte mehr von ihm. Josef widersetzte sich. Er machte das nicht mit, weil er Gott gehorchen wollte. Das Ergebnis? Josef landete im Gefängnis. Die gedemütigte Frau des Kämmerers verleumdete Josef. Und das war zunächst einmal das Ende der Karriere. Ich kann mir vorstellen, dass Josef diese Zeit im Gefängnis auch als inneres Gefängnis empfand. Er hatte doch alles richtig machen wollen. Hatte nach Gottes Willen gefragt. Dennoch saß er nun fest. Diese Zeit im Gefängnis ging auch nicht schnell vorbei.

„Josef blieb im Gefängnis“, heißt es in unserem Bibelwort. Es änderte sich nicht alles sofort. Das ist ja manchmal so eine Hoffnung von Christen: Ich spreche ein Gebet und alles wird gleich danach besser. Gott macht es so, dass ich mein inneres Gefängnis umgehend verlassen kann. Ja, das kann sein. Gott kann das machen, dass Schmerzen und Nöte sofort aufhören und ich mein inneres Gefängnis verlassen kann. Gott kann das machen - muss er aber nicht. Es ist seine freie Entscheidung. In jedem Fall gilt aber der Zuspruch des heutigen Losungswortes: „Josef blieb im Gefängnis, aber der HERR war mit ihm.“

Der Herr war mit ihm! Das Gefängnis stand noch -  aber dennoch war Gott da. Ich wünsche Ihnen, dass Sie heute die gleiche Erfahrung machen. In welchem Gefängnis Sie auch immer sich befinden, Gott ist da. In Jesus hat er sich tief hinabgebeugt in diese Welt. Es gibt kein Gefängnis dieser Welt, in das Jesus nicht kommen könnte um zu trösten, zu stärken – um einfach da zu sein.

Autor: Pfarrer Andreas Hannemann

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Hiob 1,21

Was müsste Gott heute tun, damit Sie ihn aus vollem Herzen loben? Ich persönlich hätte da einige Wünsche. Umso bemerkenswerter fand ich, was in der Bibel von einem der großen Vorbilder im Glauben berichtet wird. Dieser Mann beantwortet die Frage durch das, was er tut. Er lobt Gott. Nur tut er das nicht, nachdem er gerade erlebt hat, wie Gott hilft und segnet. Wie Gott ihn versorgt und beschenkt. Nein. Er lobt Gott, nachdem er erfahren hat, dass Kriminelle ihn um sein ganzes Vermögen gebracht haben. Und er war reich. Sehr reich. Und er lobt Gott, nachdem er erfahren hat, dass alle seine Kinder bei einer Naturkatastrophe ums Leben gekommen sind. Angesichts dieser Verluste und mitten im Schmerz lobt Hiob - so heißt der Mann, von dessen Umgang mit Gott uns erzählt wird - seinen Schöpfer.

Ist es ohnmächtiger Schmerz, der ihn dazu treibt? Ist Hiob so erschüttert, dass er von Sinnen ist? Oder steckt etwas anderes hinter seinen Worten, so wie sie im Buch Hiob, Kapitel 1 Vers 21 festgehalten sind: „Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen, der Name des HERRN sei gelobt!“

Auf jeden Fall ist sich Hiob sehr bewusst, dass das, was er hatte, ihm von Gott gegeben war. Vielleicht war er ein kluger und weitsichtiger Unternehmer, der nachhaltig gewirtschaftet hat. Doch er schreibt seinen Reichtum nicht seinem Können zu. Er verweist nicht stolz auf das, was er geleistet hat. Hiob sieht sich abhängig von Gott. Der hat ihm gegeben. Und der hat offensichtlich zugelassen, dass Hiob der Besitz genommen wurde. Ob reich oder nicht, Hiob weiß sich abhängig von Gott. Und dem steht Lob zu, ganz unabhängig von Hiobs wirtschaftlicher Situation.

Doch wie sieht es aus, wenn Eltern ein Kind verlieren? Ob durch Krankheit oder Armut und mangelnde Ernährung verursacht oder durch einen Unfall. Christen sehen neugeborene Kinder als ein Geschenk Gottes. Ein Geschenk, das sie staunend und demütig annehmen. Und sich darüber freuen. Unvorstellbar, solch ein Geschenk zurückgeben zu müssen. Hiob hat die Kinder, die Gott ihm gegeben hat, offensichtlich nicht als sein Eigentum begriffen. Er gesteht Gott zu, auch über sie zu verfügen. Ihr Tod schmälert nicht Gottes Souveränität. Gott schafft und erhält Leben. Er darf es nehmen. Von diesem Schöpfer weiß Hiob sich abhängig. Ihn zu loben heißt auch anzuerkennen, dass wir seine Geschöpfe sind.

Gott zu loben setzt nicht voraus, dass es mir gut geht. Den Schmerz eines Hiob wird wohl nur ermessen können, wer selbst ein Kind verloren hat. Gott zu loben setzt voraus, dass ich mir bewusst bin, in welcher Beziehung ich zu ihm stehe. Gott ist kein Götze, der meine Pläne und was ich tue, segnen soll. Ich muss nicht dafür sorgen, dass er mir wohlgesonnen ist. Ich muss auch nicht dafür sorgen, dass er keine schlechte Laune mir gegenüber hat. Dem Hiob hat er sich als allmächtiger Schöpfer offenbart. Nicht er schuldet Antwort. Hiob kann Gottes Fragen nicht beantworten. Der Verlust von Besitz und Familie lässt Hiob nicht an Gott zweifeln. Vielleicht sind in seinem Lob seine Fragen und sein Schmerz schon eingeschlossen. Nicht aufgeschrieben, doch nicht überhört.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie heute Gott loben können. Weil es ihm zusteht. Wenn er gibt. Wenn er nimmt. Das Lob steht Gott zu.

Autor: Werner Heise

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Psalm 36,6

Autor: Werner Heise

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1. Petrus 5,7

Als junger Christ habe ich in unserer Jugendgruppe oft eine Vertonung unseres Tagesverses gesungen: „Alle eure Sorge werfet auf ihn, denn er sorget, denn er sorget, denn er s-o-o-o-o-o-rget für euch!“ Das Lied gefällt mir bis heute.

Dennoch habe ich heute ein Problem: Über dieses Bibelwort lässt sich schlecht einfach so reden, man muss es erfahren. Gut, das ist bei vielen Bibelworten so. Sie berichten von Erfahrungen und wollen zum Vertrauen einladen. Sie wollen den Weg zu dieser Erfahrung dem Hörer oder Leser des Wortes öffnen.

Zur Sorglosigkeit aufgefordert werden wir an diversen Stellen der Bibel:

In Psalm 55: „Wirf deine Last auf den HERRN, er wird dich versorgen, den Gerechten lässt er niemals wanken.“ (Psalm 55,23)

In der Bergpredigt sagt Jesus: „Sorgt euch also nicht um den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selber sorgen.“ (Matthäus 6,34)

Paulus formuliert radikal: „Sorgt euch um nichts“ (Philipper 4,6)

Wie kommen wir zu einem sorgenfreien Leben? Das kann uns von unserem Typ her sehr unterschiedlich schwer fallen. Die einen neigen viel eher dazu, sich Sorgen zu machen als andere. Da kommt man mit ein paar gut gemeinten Ratschlägen nicht ans Ziel. Wie kann man dagegen ankämpfen, von Sorgen belastet, geplagt oder im schlimmsten Fall sogar aufgezehrt zu werden? Wer sich intensiv sorgt, der leidet. Ich empfinde es als nicht zielführend, aktiv gegen Sorgen anzukämpfen, z.B. im Bemühen um positive Gedanken. Ich schlage einen indirekten Weg vor:

Alle vier Evangelien widmen dem Leiden Jesu zwei volle Kapitel. Wenn Sie nun leiden – eben z.B. unter der Last von Sorgen – dann vertiefen Sie sich ins Leiden Jesu. Gehen Sie gedanklich und betend mit ihm durch die letzten Tage in seinem Erdenleben. Beten Sie ihn an als den, der unsere Schmerzen und auch unsere Sorgen trägt. Im guten Fall können Sie den Rucksack Ihrer Sorgen abstreifen. Das ist ein aktiver, ein bewusster Schritt. Lassen Sie los! Vertrauen Sie IHM, dem Schmerzensmann. Vertrauen Sie ihm Ihre Sorgen an. Und wenn Sie Ihr Gebet abschließen, dann lassen Sie den Rucksack bitte liegen, anstatt ihn wieder mitzutragen.

Jesus, du bist den Weg in die Tiefe gegangen. Du hast Mitleid empfunden z.B. für Menschen, die den Widerwärtigkeiten des Lebens schutzlos ausgeliefert sind. Und du kannst unsere Sorgen tragen, er-tragen. Wir wollen sie loslassen und bei dir niederlegen.

Autor: Pfarrer Alexander Nussbaumer

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Johannes 17,15

Das Abschiedsgebet Jesu ergreift mich jedes Mal, wenn ich es lese. Es sind die letzten Worte Jesu bevor sein Leiden anfängt, die uns Johannes überliefert. Jesus betet nicht für sich selber, obwohl er genau weiß, was ihm bevorsteht. Er bittet für seine Jünger, er bittet damit für uns. Und wie er das tut!

Eine dieser Bitten bildet den heutigen Tagesvers. Es ist Jesus klar, dass wir mit dem Bösen konfrontiert sind. Wir sind passiv damit konfrontiert, indem wir darunter leiden, indem wir andere darunter leiden sehen. Wir sind aktiv damit konfrontiert, indem die Versuchung an uns herantritt, selber böse zu handeln.

Petrus schreibt in seinem ersten Brief: „Euer Widersacher, der Teufel, geht um wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.“ (1. Petrus 5,18)

Und dieses „Verschlingen“ ist nicht abstrakte Theorie. Der Teufel kennt unsere Schwachstellen. Der brave Buchhalter unterschlägt Geld, der strahlende Gemeindeleiter bricht die Ehe usw.

Im Unser-Vater-Gebet lehrt uns Jesus beten: „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“ (Matthäus 6,13)

Wir machen die Bitte Jesu aus dem Abschiedsgebet zur unseren, indem wir das Mustergebet Jesu sprechen: Lass uns nicht in Gefahr geraten, dir zu misstrauen, sondern löse uns aus den Fesseln des Bösen. Dabei dürfen wir uns auf die Verheißung Gottes abstützen, von der Paulus schreibt:

„Gott aber ist treu: Er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kräfte versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausweg schaffen, dass ihr die Kraft habt, sie zu bestehen.“ (1. Korinther 10,13)

Jesus bittet nicht darum, dass wir aus der Welt genommen werden. Die „Welt“, das ist das ganze undurchschaubare Spiel von Kräften und Gegenkräften, das ganze Gemisch von Wunderbarem und Schrecklichem, das verwirrende Geflecht von Gut und Böse. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir kamen schon Gedanken an Weltflucht. Ach, könnte ich doch das alles hinter mir lassen! Zumal wir selber ja nicht einfach außenstehende Betrachter sind, sondern wir sind gezwungen, im ganzen Gemenge mitzumischen. Dabei gibt es so manches, das uns ins Schleudern bringt.

Jesus bittet seinen Vater im Himmel, dass er uns „vor dem Bösen bewahrt“. Nehmen wir das als Verheißung für den heutigen Tag. Stellen wir mutig unseren Mann, unsere Frau, mit Jesus im Herzen, der uns die Kraft geben wird, in der Welt zu bestehen.

Jesus, bewahre mich vor dem Bösen. Lass mich auf deinen Wegen gehen, damit ich nicht in die Fänge des Bösen gerate.

Autor: Pfarrer Alexander Nussbaumer

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Markus 4,38–39

Ich sehe den jungen Mann noch vor mir sitzen. Wir hatten lange Gespräche über Fragen, ob und wie die Schöpfung noch überleben könnte. Ganz aufgeregt rief er in die Gesprächsrunde hinein: „Wir sitzen doch alle in einem untergehenden Boot!“ Er hat ja nicht ganz Unrecht, dieser junge Mann. Wir sind wirklich bedroht. Und viele spüren es oft genug, wie hilflos wir sind.

Das kam mir wieder in den Sinn, als ich aus dem Markus-Evangelium Kapitel 4, in den Versen 38-39, las:

„Die Jünger weckten Jesus auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen? Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig! Verstumme! Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille.“

Sie saßen in einem Boot auf dem See Genezareth, die Jünger, und fürchteten um ihr Leben. Sturm kommt auf. Lebensgefahr droht. Sie wussten als erfahrene Fischer Bescheid, was bei Sturm auf sie zukommt. Angst überfällt die Männer. Und Jesus schläft. Was für ein Gegensatz. Radikaler kann er nicht sein.

Ist es möglich, dass die Jünger Jesus gleichgültig sind? Wahrlich nicht! Er ist ja mit im Boot - derselben Gefahr ausgesetzt wie sie. Und was tun die Jünger in ihrer Not? Sie wecken Jesus. Mitten im Sturm muss das heftig gewesen sein, laut. Und Jesus greift ein. Er spricht sein Wort - und es wird still. Still wurden die Naturgewalten. Still wohl auch die verängstigten Herzen der Jünger. „Es ward eine große Stille“, heißt es.

Jesus kennt die Bedrohungen, die lähmen und Angst machen. Er kennt die Bedrohten, die voller Sorge um ihr Leben sind. In der Sturmerfahrung der Jünger können wir ja auch unsere Geschichte erkennen, die im Grunde nicht anders ist als bei jenen: das Schiff unseres Lebens ist von Stürmen bedroht.

Freilich, die Fluten können sehr wohl zerstören und vernichten. Das erfahren wir auch. Doch sie können das Wort, das ins Leben ruft, nicht zum Verstummen bringen. Jesus bändigt das Meer mit seinem Wort - und zeigt damit, dass er der Herr ist über Mächte, die das Leben bedrohen, und dass er sie in ihre Schranken weisen kann.

Unser Leben ist nicht frei von Angst. Sie ist Realität. Jesus nimmt die Angst ernst, die uns überkommt. Und mitten in den Stürmen der Angst ist er gegenwärtig - wie einst bei den Jüngern. Und es wurde still - „es ward eine große Stille“ - lesen wir. Stille macht ruhig, lässt aufatmen und gibt Kraft.

Und jetzt hören wir das Wort Jesu gegen die Stürme in unserem Leben und in unserer Zeit, wenn er sagt: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“, (Joh. 16,33). Die Angst ist gegen uns. Jesus Christus ist für uns. Vertrauen wir darauf, wenn Zweifel anfangen zu bohren, wenn Sorgen überhand nehmen, wenn die Angst uns einholt. In einem „untergehenden Boot“ sitzen wir nicht, wie es jener junge Mann meinte. Denn: im Schiff unseres Lebens ist Jesus Christus. Er behält das letzte Wort. Alles andere muss schweigen. Darum: „seid getrost“! Die Angst lähmt - doch sie darf uns nicht bezwingen. Jesus Christus macht getrost - er will uns Frieden bringen.

Autor: Pfarrer i. R. Manfred Bittighofer

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1. Könige 8,27

Längst zerstört ist der wunderschöne und würdevolle Tempel, den der König Salomo einst in Jerusalem bauen ließ. Nur ein Fundament als Klagemauer des wieder aufgebauten Tempels steht davon heute noch. Eine „Wohnung Gottes“ sollte der Tempel sein. Ein Ort seiner Gegenwart, ein Ort der Anbetung. Zur Einweihung des ersten Tempels sprach Salomo ein Gebet. Merkwürdig, der König erkannte dabei: Gott ist nicht festzulegen! „Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen?“, so fragt er in seinem Gebet. So prächtig der Tempel auch ist: er kann nicht der Raum sein, auf den Gott sich beschränken lässt. Und so lesen wir in 1. Könige 8 in Vers 27 weiter: „Salomo sprach: ‚Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?‘“ Das Weltbild des Beters aus uralter Zeit ist natürlich anders als das unsrige. Die Erde wurde begrenzt wahrgenommen, so als ende sie am Firmament oder an den großen Wassern. Und doch ahnte Salomo etwas von der unendlichen Größe Gottes „der Himmel und Erde erfüllt“ (Jeremia 23,24).

Diese Wahrheit ist zeitlos, unermesslich. Martin Luther konnte dazu fast widersprüchlich sagen: „Nichts ist so klein, Gott ist noch kleiner. Nichts ist so groß, Gott ist noch größer.“ Auf die Frage Salomos, ob Gott wirklich auf Erden wohnt, gibt es eine Antwort, um die er freilich noch nicht wissen konnte. Ja, Gott ist auf die Erde gekommen. Er ist nicht verborgen, unvorstellbar ferne von uns Menschen. Der Gott, von dem Salomo sagt, dass „der Himmel und aller Himmel Himmel“ ihn nicht fassen können, der ist „auf Erden kommen arm, dass er unser sich erbarm“, so bringt es Martin Luther in seinem  Weihnachtslied auf den Punkt. (EG 23,6).

Ein menschliches Antlitz trägt Gott in Jesus von Nazareth. In ihm hat er sich zu  erkennen gegeben und ist uns ganz nahe gekommen. Er hat selbst den Schrecken des Todes ertragen am Kreuz auf Golgatha und hat sich in die Erde graben lassen. Das ist unser Gott! Und er hat das Grab aufgesprengt an jenem Ostermorgen und das Zeichen der Neuschöpfung gesetzt. Die schreckliche Endgültigkeit des Todes ist besiegt - in Christus Jesus, dem Auferstandenen. Das ist unser Gott! Damit ist uns gesagt:  Wo wir auch hinkommen, Gottes Hand greift nach uns.

Wie begrenzt unser Wissen auch ist, Gott ist nichts verborgen. Und wenn wir von Gott reden, dann ist da nicht irgendein „höheres Wesen“ gemeint oder einer, der harmlos über den Sternen thront und den das da unten nichts angeht. Wenn wir von Gott reden, dann sind wir mitbetroffen - denn: Gott steht nicht abseits, wenn es um uns geht. Der, den wir nicht fassen können, der kommt uns in Jesus Christus entgegen. Er will das Zentrum unseres Lebens sein - ungeteilt. Ja, Gott will uns zu seiner Wohnung machen, man kann auch sagen: zu einem Tempel, in dem sein Geist regiert (1. Kor. 6,19).

„Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen?“ Gott ist gegenwärtig und verliert sie nie aus seinen Augen.

Autor: Pfarrer i. R. Manfred Bittighofer

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2. Timotheus 2,19

„Vielleicht kennt ja jemand jemanden, der jemand kennt“ – Unter dieser Überschrift machen sich heute viele in sozialen Netzwerken auf die Suche. Die einen suchen eine neue Wohnung oder ein neues Auto, andere nach der Lösung eines technischen Problems oder nach irgendeinem Spezialisten. Es ist gut, wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt! Das Bibelwort für heute sagt uns aber, dass das Entscheidende ist, dass uns jemand kennt, in 2. Timotheus 2,19 heißt es: „Der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen.“

Das heißt doch: Jesus kennt Ihren Namen. Er kennt Ihre Vergangenheit, er kennt Ihre Verhältnisse. Er kennt Ihre Stärken und Ihre Schwächen. Er weiß bestens Bescheid über Sie. Von Jesus wird im Johannesevangelium (2,24f) gesagt, dass er sie alle kannte. „Über die Menschen brauchte ihm niemand etwas zu sagen, denn er kannte das menschliche Herz bis auf den Grund.“ Aber der Satz aus dem Timotheusbrief bezieht sich nicht auf irgendwelche Menschen, sondern auf eine bestimmte Gruppe. „Der Herr kennt die Seinen“, also, die, die zu ihm gehören, seine Gemeinde. Wie ein Hirte die Schafe kennt, die zu seiner Herde gehören, so kennt Jesus seine Gemeinde. Jesus sagt: „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die meinen kennen mich. …Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen“ (Joh. 10,14.27f). Was für eine Zusage! Welch herrliche Tatsache zu wissen, dass Jesus mich kennt! Welche Geborgenheit im Leben und im Sterben!

Bei Alten- und Krankenbesuchen habe ich es oft erfahren, wie viel Kraft und Trost in dieser Tatsache liegt, dass Jesus, der gute Hirte, uns kennt!  Ein Lied, das ich schon in meiner Kindheit gesungen habe, habe ich in den letzten Jahren auch öfter an Sterbebetten gesungen: „Weil ich Jesu Schäflein bin, freu ich mich nur immerhin über meinen guten Hirten, der mich wohl weiß zu bewirten, der mich liebet, der mich kennt und bei meinem Namen nennt.“ Ich werde nie vergessen, wie ich dieses Lied mit einer alten Frau aus meiner Gemeinde an ihrem Sterbebett gesungen habe und ihr dann noch das Jesuswort aus dem Johannesevangelium – aus meinem Gedächtnis heraus zitierte: „Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und gebe ihnen das ewige Leben.“  Da unterbrach sie mich und sagte laut mit erhobenen Zeigefinger „und sie folgen mir“. Den kurzen Satz hatte ich vergessen. Es war mein letzter Besuch bei ihr und dieser Hinweis auf den vergessenen Satz ist für mich wie zu einem Vermächtnis geworden.

Dass Jesus uns kennt, hat Folgen!  Das dürfen wir nicht vergessen!

Der Apostel Paulus hat die Gemeinde Jesu oft mit einem Haus verglichen, das auf einem festen Fundament steht. Im Timotheusbrief greift er dieses Bild vom Haus auf und schreibt,  dass dieses Fundament ein Siegel hat. Das Siegel ist Zeichen des Eigentums. Als wir vor einigen Jahren eine Eigentumswohnung kauften, gingen die Verkäufer und wir zum Notar. Der hat mit seinem Siegel und mit seiner Unterschrift bestätigt, wem die Wohnung nun gehört. Mit dem Siegel sind wir auf der sicheren Seite. Die Wohnung gehört wirklich uns. So sicher, so gewiss können Christen sein, dass sie zu Jesus gehören. Bei allen Höhen und Tiefen im Leben und im Glauben.

So ermutigt Paulus seinen jungen Mitarbeiter Timotheus damals und uns heute: „Der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen.“

Autor: Pastor Lothar Leese

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Matthäus 19,13

Montags zum Reitunterricht, dienstags zum Musikunterricht, mittwochs zum Ballett, donnerstags zum Sport – wo werden Kinder überall hingebracht?! „Mama-Taxi“ ist in diesem Zusammenhang zu einem geflügelten Begriff geworden, weil es meist die Mütter sind, die ihre Kinder zu den verschiedenen Angeboten chauffieren. Sicherlich ist es gut und sinnvoll, wenn Kinder nach ihren Neigungen und Begabungen gefördert werden. Bei der Fülle der Angebote habe ich aber manchmal den Eindruck, dass Kinder nicht nur gefördert, sondern überfordert werden. Auch hier gilt sicherlich der Satz: „Weniger ist manchmal mehr“.

Das Bibelwort für heute berichtet auch davon, dass vermutlich Mütter, vielleicht waren es auch Väter, Tanten, Onkel oder andere Familienangehörige, Kinder zu jemandem brachten. Der Evangelist Matthäus erzählt (19,13): „Da wurden Kinder zu Jesus gebracht, dass er die Hände auf sie legte und betete.“ Nicht nur Matthäus, sondern auch Markus und Lukas hielten diese Geschichte für so wichtig, dass sie auch davon berichten. Die „Kinder“, die hier zu Jesus gebracht wurden, sind nach dem Urtext Heranwachsende bis zu etwa 7 Jahren. Im Judentum galt das Kind im Unterschied zur griechisch-römischen Umwelt als kostbares Geschenk und wurde als Segen Gottes empfangen. So heißt es in Psalm 127,3: „Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn, und Leibesfrucht ist ein Geschenk.“

Die religiöse Erziehung setzte schon früh ein: So werden bereits die Eltern in 5. Mose 6,6f aufgefordert: „Behaltet die Gebote im Gedächtnis, die ich euch heute verkündige! Prägt sie euren Kindern ein, und sagt sie euch immer wieder vor – zu Haus und auf Reisen, wenn ihr euch schlafen legt und wenn ihr erwacht.“ Auch Kindersegnungen mit Handauflegung waren im Judentum gut bekannt. Nicht nur zu ihrem Vater gingen die Kinder, um sich segnen zu lassen, sondern auch zu berühmten Rabbinern. So ist der Wunsch verständlich, dass damals Kinder zu Jesus gebracht wurden, damit er „die Hände auf sie legte und betete.“

Jesus macht die gesegneten Kinder nicht schon zu Nachfolgern, aber wenn Jesus sie segnet, dann kommen diese Kinder in den Ausstrahlungsbereich göttlicher Liebe. Bei allem, was wir für unsere Kinder tun können und sollen, ist es für Christen das Wichtigste, dass sie ihre Kinder zu Jesus bringen und unter Gottes Segen stellen.

In vielen Gemeinden gibt es Kindersegnungen nach der Geburt im Rahmen eines Gottesdienstes oder Kinder werden bei der Einschulung gesegnet

Wichtig ist auch, dass heranwachsende Kinder im Gebet begleitet werden: Z.B. abends mit dem Kind beten, wenn es zu Bett gebracht wird. Morgens, wenn es in die Kita oder in die Schule geht, können wir unsere Hände auf sie legen und ein kurzes freies Segensgebet sprechen. Und je nach Alter und Situation aus der Kinderbibel vorlesen oder Familienandachten halten.

Wenn wir unsere Kinder nicht prägen, prägen andere sie. Das geht in der Kita los und in der Schule und im Freundeskreis weiter. Und die mediale Reizüberflutung überschwemmt heute unsere Kinder mit vielen negativen Angeboten. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir unsere Kinder oder Enkel früh genug auf Jesus hinweisen.

Vielleicht haben Sie keine Kinder oder Enkel. Dann möchte ich Sie ermuntern, für die Kinder in Ihrer Nachbarschaft und Ihrer Gemeinde heute einmal gezielt zu beten. Und vielleicht beten Sie auch für die Eltern und die Mitarbeiter im Kindergottesdienst und in anderen Gemeindegruppen, dass es ihnen gelingt, die ihnen anvertrauten Kinder mit Jesus vertraut zu machen.

Autor: Pastor Lothar Leese

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Psalm 127,3

Autor: Pastor Lothar Leese

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Jesaja 58,7

Im Buch des Propheten Jesaja steht der Satz: „Die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus“.

Das ist eine klare Anweisung. Sie geht von Gott aus. Aber gerade darüber ist gegenwärtig in Europa ein bitterer Streit ausgebrochen. Denn auf einmal standen Obdachlose in Massen vor der Tür, sodass die Sorge aufkam, die Räume im Haus könnten nicht für alle ausreichen. Und ist nicht zu befürchten, dass man, wenn sich die Aufgenommenen breit machen, am Ende selbst in die Ecke gedrängt werden könnte?

Gottes Wort gebietet Nächstenliebe. Ich darf nicht darüber hinweggehen, dass die Obdachlosen Menschen sind wie ich. Ihre Bedürfnisse sind genauso berechtigt wie meine eigenen. Bei Jesaja heißt es : „Entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut.“ Behandle sie wie Verwandte.

Aber nun fällt mir auf, dass zur Zeit zwischen denen, die zwar nicht ihr eigenes Haus, aber doch unser Land für Aufnahme offen halten wollen, und denen, die meinen, die Grenzen schließen zu müssen, Vorwürfe und Unterstellungen von beiden Seiten immer schärfer werden. Man feindet sich an. Sogar in Parlamentsdebatten kommt ein hasserfüllter Ton auf. Selbst das Wort „Nächstenliebe“ wird wie ein Schlagstock gebraucht, der den Kopf des Nächsten treffen soll. Entzieht man sich da nicht auch seinem ´Fleisch und Blut`?

Von ähnlichen Zuständen handelt das 58. Kapitel des Jesajabuches. Dort ist von Fasten die Rede. Fasten ist eine fromme Übung. Aber Gott sagt: Ihr seid untereinander so rücksichtslos, dass ich auf eure Fastenzeit keinen Wert lege. Für uns könnte das bedeuten: Wenn ihr Einheimischen nicht einmal unter euch im gleichen Haus zusammenkommen und über eure Sorgen und Anliegen vernünftig miteinander sprechen wollt, was soll man dann von den so genannten „Werten“ denken, die ihr zu verteidigen vorgebt, und von eurer Offenheit für Fremde? Ein Fasten, das für mich annehmbar wäre, sagt Gott, müsste begleitet sein von gegenseitiger Einfühlung. Aber Einfühlung setzt ein grundlegendes Wohlwollen voraus. Das vermisse ich bei euch. Die Bibel spricht von „Liebe“.

Um wirklich Liebe aufbringen zu können, müsste man aber wohl die Erfahrung der bewegenden Liebe Gottes gemacht haben. Als erstes wäre also daran zu erinnern, wie Gott der Welt Liebe erwiesen hat. Jesus ist gekommen, um Entzweite zu versöhnen und die gegenseitigen Anschuldigungen durch Vergebung zu entschärfen.

Wenn die Gastgeber als Christen gemeinsam von dieser Erfahrung ausgehen würden, könnten sie sich wohl über verantwortbare Maßnahmen verständigen. Man müsste einmütig im Rahmen des Möglichen solche, die wirklich „im Elend ohne Obdach sind“, aus Liebe „ins Haus“ aufnehmen. Der 1. Johannesbrief ruft dazu auf: „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt“ (4,19).

Autor: Pfarrer i. R. Dr. Wolfhart Schlichting

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Sprüche 5,21

Politiker berufen sich manchmal auf das „christliche Menschenbild“. Wenn man wissen will, was darunter zu verstehen ist, muss man die Bibel befragen. Zu dem, was die Bibel über den Menschen sagt, gehört jedenfalls auch das Sprichwort: „Eines jeden Wege liegen offen vor dem Herrn“. Es steht im Buch der Sprüche, Kapitel  5, Vers 21.

Nach diesem Sprichwort stehen wir alle unter Beobachtung. Niemand bleibt unbeachtet. Daraus folgt: Wenn ich mir vorstelle, dass Gottes Augen auf mich gerichtet sind, muss ich nicht ständig andere Leute auf mich aufmerksam machen. Ich bin nicht darauf angewiesen, Beachtung zu finden. Mein Ansehen habe ich bereits bei Gott.

Jesus sagte zum Beispiel: Ihr müsst eure Frömmigkeit nicht demonstrativ vor euch hertragen; Gott weiß schon Bescheid. Und auf die Höhe eurer Spenden müsst ihr nicht ausdrücklich hinweisen. Gott sieht auch das Verborgene. Der Glaube, von Gott angesehen zu sein, erspart mir die Mühe, mich jederzeit ins rechte Licht rücken zu müssen. Auf das Ansehen bei den Menschen kommt es nicht an.

Andererseits bin ich durch dieses Sprichwort gewarnt: Auch was ich verheimlichen möchte, ist bereits durchschaut. „Alle Wege“, die ich gehe, „liegen offen vor dem Herrn.“ Nichts entgeht ihm. Und das wird wohl bedeuten,- da mag man sagen, was man will,- dass alle meine Schritte, Planungen und Entschlüsse nach Gottes bekannten Geboten beurteilt werden. An ihnen ist abzulesen, was in seinen Augen wünschenswert und was abwegig ist. Im Zusammenhang des 5. Kapitels der Sprüche ist von etwas Abwegigem die Rede. Wir nennen es gewöhnlich „Fremdgehen“. Ob es heimlich oder offen geschieht -, Gottes unbestechlicher Blick fällt darauf. Was mit den Worten: ‚Es liegt offen vor ihm‘, ausgedrückt wird, besagt im hebräischen Text: Gott sieht nicht zerstreut darüber hinweg, sondern nimmt es als das wahr, was es nach seinem Urteil ist.

Aber um dieses Beobachtet-sein richtig aufzufassen, muss man wissen, wer der Beobachter ist. Aus der Bibel weiß ich von ihm, dass er nicht ein missgünstiger Aufpasser ist, der mich auf eventuelle Fehltritte festnageln will. Seit Menschengedenken hat man ihn als den kennengelernt, der Menschen, die auf ihn hören, so führt, wie es ihnen zuträglich ist, und sich bemüht, sie vor Verstrickung zu bewahren. Darin ähnelt er einem Hirten, der die ihm Anvertrauten weder laufen lässt noch gängelt, sondern behutsam und zielstrebig zur Weide leitet. Jesus sagt: „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich“ (Johannes 10,14). Er fügt übrigens hinzu: „Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“ Das heißt: Wenn sie sich in ausweglose Gefahr verloren haben, rettet er sie unter Einsatz seines Lebens.

Das „christliche Menschenbild“ besagt, dass unser Leben sich unter den Augen eines guten Hirten abspielt, dem wir zutrauen dürfen, dass er uns durch sein Wort recht leitet.

Autor: Pfarrer i. R. Dr. Wolfhart Schlichting

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Römer 8,26

„Ach, mit dem Beten ist das so eine Sache. Da hab‘ ich meine Schwierigkeiten. Ich weiß oft gar nicht, was ich beten soll“, sagte jemand nach dem Gemeindekreis zu mir. Im Gebet geht es doch um das Zentrale unseres Glaubens. Wer nicht weiß, wie er beten soll, der ist wirklich arm dran – denke ich. Paulus aber sagt das ganz anders. Er sagt: Wir alle wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt. Erstaunlich, er macht hier keinen Unterschied zwischen erfahrenen und regelmäßigen Betern und solchen, die kaum beten.

Für ihn ist beim Beten der Heilige Geist wichtig. In unserem Gotteswort für heute sagt er: Der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt, sondern der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen (Römer 8,26). Gottes Geist hilft uns weiter, er hilft unserer Schwachheit auf. Ich denke an die Krankenschwester, die einem bettlägerigen Patienten wieder auf die Beine hilft, an einen, der einem auf die Straße hingefallenen Menschen wieder aufhilft. So hilft uns der Geist bei unserem Beten. Er bewirkt, dass wir in die Stille hinein hören, auf Gott hören, fragen, was wohl in Gottes Sinn zu beten wäre. Wir kommen dann – wie von selbst – zuerst zum Danken und dann erst zum Bitten, was ja bei unseren Gebeten den meisten Raum einnimmt. Wenn wir beten, sind es immer erste, stotternde, egoistische, manchmal auch phrasenhafte Sprechversuche, aber alles kommt gut bei Gott an.

Das bewirkt der Heilige Geist. Er tritt auch für uns mit unaussprechlichem Seufzen ein, wenn wir so in Not sind, dass wir nur noch stammeln können. Gottes Geist übersetzt und vermittelt das Gott schon richtig. Er verwandelt und korrigiert unser Beten so, dass alles bei Gott richtig ankommt. So können wir auch zuversichtlich um alles bitten, was egoistisch scheint: um die eigene Gesundheit, für den Krebskranken, für unsere Kinder und Enkel, für das Elend in unserer Welt, von dem wir jeden Tag aus den Nachrichten erfahren.

Wir haben schon erfahren, dass Gott nicht alle unsere Gebetsanliegen erfüllt. Dietrich Bonhoeffer hat es einmal so gesagt: „Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen“. Manchmal müssen wir – vielleicht auch schmerzhaft – feststellen, dass unsere Gebetswünsche mit dem Willen Gottes nicht im Einklang sind. Unser Gotteswort macht uns Mut zu beten, nicht weil wir es so gut können, sondern weil Gottes Geist unserer Schwachheit aufhilft.

Zu unserem Glauben gehört das Gebet, unser unvollkommenes Gebet. Wir sollten die Gebetszeit am Tag nicht vernachlässigen. Der Evangelist Spurgeon erzählte einmal von zwei Waldarbeitern, die mit stumpfen Sägen und Äxten Bäume fällen wollten. Als ihnen das nicht gelang, rief ein Passant ihnen zu: „Ihr müsst eure Sägen und Äxte erst einmal schleifen.“ Da riefen sie zurück: „Du hast ja recht, aber dazu haben wir jetzt keine Zeit.“ Geht es uns nicht genau so, wenn wir an unser Tageswerk gehen, aber keine Zeit zum Gebet haben?!

Autor: Superintendent i. R. Rainer Kunick

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Kolosser 1,13

„Unter neuer Leitung“ – so steht es manchmal am Fenster einer Gaststätte. Wir wissen nicht genau, was damit gemeint ist. Aber wenn das Restaurant vorher einen verfallenen Eindruck machte und nun frisch renoviert ist, gehen wir davon aus, es ist auch innen gemütlicher und die angebotenen Speisen sind schmackhafter. Auch unser Leben – so sagt es unser Gotteswort für heute – steht unter einer neuen Leitung. Er hat uns errettet aus der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines geliebten Sohnes (Kolosser 1,13).

Was mit Finsternis gemeint ist, wissen wir alle. Die Nachrichten des Fernsehens zeigen uns blutige und tote Menschen in Kriegsgebieten, verhungernde Kinder, Flüchtende ohne Obdach und anderes mehr. Schrecklich, diese Macht der Finsternis, der wir oft so ohnmächtig gegenüberstehen. Schlimm, was Menschen anrichten. Aber diese Macht der Finsternis kennen wir ja auch in uns selber. Die Bibel nennt das Sünde. Sie trennt uns von Gott und unseren Mitmenschen. Aber nun macht uns unser Gotteswort für heute deutlich: Gott hält zu uns. Wir sind gerettet aus diesem Sog, der uns nach unten zieht. Die Macht der Finsternis hat sich ausgetobt am mittleren der drei Kreuze von Golgatha. Als begnadete Sünder sind wir versetzt in das Reich seines geliebten Sohnes. Wir werden uns zwar weiterhin ärgern über unsere Fehler, die wir machen im Umgang mit lieben Menschen, unserem Ehepartner und unseren Kindern, wenn wir anderen Menschen gegenüber  „aus der Haut“ fahren.

Solange wir in unserer Welt leben, bleiben wir schuldig und müssen täglich um Vergebung bitten. Aber wir bleiben da nicht sitzen, unsere Versetzung ist nicht gefährdet, weil Gott die, die an ihn glauben, schon damals am Kreuz längst versetzt hat in das Reich seines geliebten Sohnes. Weil uns vergeben wird, können wir andere um Vergebung bitten, an denen wir schuldig geworden sind – und auch anderen vergeben. Weil wir in das Reich seines Sohnes versetzt sind, der ja das Licht der Welt ist, können wir auch Lichter entzünden, wo Finsternis ist.

Nicht alle Finsternis unserer Welt können wir beseitigen, aber mithelfen, dass es heller werden kann. Die christlichen Werke, die weltweit helfen, brauchen unser Gebet und auch unsere materielle Hilfe. Wir sind doch durch unsere Versetzung in das Reich des Sohnes Gottes reich beschenkt.

Mir gefällte das Wort Martin Luthers: „Herr, du hast die Sache angefangen, du hast mir dein heiliges Wort gegeben und mich angenommen unter die, die dein Volk sind, die dich erkennen, loben und preisen. So gib nun Gnade, dass ich bei deinem Worte bleibe, mache es so licht und hell in meinem Herzen, dass viele Trost und Freude davon empfinden.“

Autor: Superintendent i. R. Rainer Kunick

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2. Samuel 15,26

Um Gottes Willen! Wer wird aus meinem Leben?

Eine merkwürdige Frage? Muss es nicht heißen: Was wird aus meinem Leben? In dieser bekannten Form stellt sich diese Frage zum Beispiel  für junge Menschen. Sie müssen eine Entscheidung treffen im Blick auf Ausbildung und Beruf. Sie stellt sich auch, wenn Sie im Verlauf Ihres Lebens in  einer schwierigen Situation stecken. Sicher ist dann für Sie zunächst nur dieses: So wie bisher geht es nicht weiter mit meinem Leben. Und als Antwort auf diese Frage wird eine möglichst objektive und sachliche Entscheidung gefällt. Ob es die richtige gewesen ist, können wir erst im Nachhinein feststellen.

Aber ich denke, die andere Frage – Wer wird aus meinem Leben? – geht tiefer.  Hier sind wir als ganze Person gefragt mit Herz, Seele, Körper und Verstand. Dazu gehören die Beziehungen, in denen wir leben. Oder ein Ort, der für uns eine Heimat ist oder neu werden muss.

Dazu gehört die grundsätzliche Entscheidung: Wer ist nun wirklich verantwortlich für unser Leben und für die Entscheidungen, die zu fällen sind?

Vielleicht nach dem Modell „Freiheit für mich“? Sie würden sich dann vor einen Spiegel stellen und sagen: „Hallo, hier bin ich. Ich entscheide und gestalte mein Leben, wie es mir gefällt.“. Das ist das Modell „Leben im Ich-Design“.  Der Philosoph Jean Paul Sartre notierte schon vor einigen Jahrzehnten: „Das was ich bin, das bin ich rein durch das, was ich aus meinem Leben mache. Nur so bin ich ganz frei und Herr meiner selbst.“ Das wäre  die Freiheit, ohne Vorgaben von Gott unser Leben zu gestalten. Aber es ist ein verteufeltes Glück der Freiheit. Denn  wir würden dabei auch  Fehlentscheidungen treffen. Und wenn wir Misserfolg haben, durch unsere oder die Schuld anderer, werden wir  untergehen. Die Frage ist: Wo sind wir von dieser Art selbst gemachter Lebensgestaltung gefährdet  und betroffen?

Darum müssen wir auf das andere Lebensprinzip achten.  Ich benenne es mal so: „Freiheit  durch Vertrauen auf Gottes Willen.“

Dazu  ermutigt uns der Satz des heutigen Tages: „Siehe hier bin ich. Der Herr mach´s mit mir, wie es ihm wohlgefällt.“

Hier bin ich: Mit meiner Vergangenheit, die ich nicht rückgängig machen kann. Hier ist meine Gegenwart mit dem ganz normalen Alltag. Hier stehe ich mit einer Entscheidung, die ich heute und möglichst bald treffen muss. Und hier lebe ich mit meiner Zukunft.  Aber: Wissen Sie, wer Sie in fünf Jahren sein werden?

Ich kann es ziemlich genau sagen: Dann bin ich kurz vor Beginn meines Ruhestandes. Aber viel mehr als ein konkretes Datum kann ich nicht nennen. Hier muss  ich an das Relative meiner Pläne denken und mit dem Apostel Jakobus sagen: „So Gott will und wir leben“.

Der Theologe Dietrich Bonhoeffer hatte im Sommer 1939 eine schwierige Entscheidung für seinen Lebensweg zu treffen. Dabei notierte er in seinem Tagebuch: „ ….Ich kenne mich nicht mehr aus. Aber Gott kennt sich aus; und am Ende wird alles Handeln und Tun klar und rein sein.“

Dieses Vertrauen auf Gott gilt es, in unserem Planen und Gestalten nie zu vergessen. Denn Gott handelt und gestaltet mein Leben schon, bevor ich entscheide und handle. Auf diese vorausschauende Fürsorge vertraue ich und berge mich in seiner Liebe. Dann empfange und behalte ich das, was Gott mir schenkt: Durch den Heiligen Geist bin ich sein geliebtes Kind. Heute und in Zukunft.

Autor: Pfarrer Heinz-Günther Brinken

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Epheser 1,7

Glauben Sie an oder in Jesus Christus?

Durch das Geschehen an Ostern hat Gott uns einen neuen Status gegeben. Dieser Status ist eng verbunden mit einem Besitz für uns. Dieser wird uns heute im ersten Kapitel des Epheserbriefes mitgeteilt. Das ist von der Bedeutung her wie die Benachrichtigung über einen sehr großen Gewinn:

In Jesus Christus haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade.“

Das ist hier geschrieben als Tatsache und nicht als Wunsch oder Vermutung.

Damit besteht Ostern nicht aus Frühlingsgefühlen, welche dann welk auf dem Kompost des Alltags landen. Das hier beschriebene Heil durch Jesus Christus ist nur möglich durch die Realität seiner Auferstehung. Dadurch hat Gott in Jesus Christus Tatsachen geschaffen, die auch in unser Leben hineinwirken.

Daraufhin frage ich jetzt (nochmal): Glauben Sie an oder in Jesus Christus?

Was für eine Frage? Natürlich „an“ würden Sie spontan sagen; so sind wir es ja gewohnt zu sagen. Wenn wir es überhaupt vor anderen Menschen aussprechen. Aber nun steht in diesem Satz aus Eph. 1, dass wir in Jesus den Reichtum seiner Gnade empfangen haben. Da steht nicht durch, mit oder wegen Jesus. Die Aussage „in Jesus Christus leben und in ihm etwas empfangen“, begegnet uns an vielen Stellen im Neuen Testament. Es ist also nicht eine Frage der Grammatik, ob wir an oder in Jesus sagen.

Christsein heißt in Christus sein. Merken Sie den Unterschied? Normalerweise wird gesagt: „Wir glauben an Jesus und vertrauen auf ihn.“ Aber irgendwie steht hier das ich und das wir im Vordergrund. Das, was wir an Glauben, Verstehen oder Fürwahrhalten von uns aus aufbringen wollen und können. Oder eben auch nicht.

Darum sage ich es so: Ich glaube in Jesus Christus, wir glauben in ihm.

Das ist nur möglich durch das Wunder und die Realität seit Ostern. Sie wurde geschaffen durch das neue Schöpfungshandeln Gottes in der Auferweckung Jesu Christi vom Tod. Dadurch wurde für uns der Reichtum der Gnade Gottes wirksam. Wir befinden uns nun in Jesus Christus in diesem Lebensraum der Gnade.

Das nämlich ist Ostern: Teure und wertvolle Gnade! Denn die Vergebung der Sünde löst das Problem des endgültigen Todes. Dadurch wurde für uns der Lebensraum der Gnade eröffnet. Dieser Reichtum der Gnade von Jesus Christus wurde mit Blut bezahlt Es ist eine Währung, die nicht in unsere Lebenswelt passt. Dort bekommen wir manches sogar auf Kredit; und müssen später doch alles selber zahlen.

Als Christen aber besitzen wir etwas, das kann uns kein Mensch geben. Das gilt seit Ostern. In den ersten beiden Kapiteln des Epheserbriefes beschreibt der Apostel Paulus wie die Realität der Auferstehung von Jesus für uns konkrete Folgen und Wirkungen hat: Auferweckung vom Tod geschieht schon mitten in diesem Leben. Das Ziel ist die endgültige Zukunft, die Gott schenkt. Das ist die Grundlage des Glaubens, der wirklich hält. Dieser Glaube lässt uns sagen: „Ich bin vergnügt, erlöst und befreit.“

Ergebnis: Wir können die Worte des Evangeliums und die Wege des Lebens, die unseren Glauben in Christus geprägt haben, nur geschenkt bekommen. Mit und in seiner Hilfe können wir von einem inneren Feuer neu erfasst ans Werk gehen. Dann gibt es mitten im Alltag immer wieder die österlichen Zeichen der Hoffnung und Zuversicht.

Autor: Pfarrer Heinz-Günther Brinken

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Offenbarung 1,5

Das Unwort des Jahres 2017 lautet „alternative Fakten“. Eine Beraterin des US-Präsidenten Donald Trump hat diesen Begriff in einem Interview verwendet. Damit hat sie versucht, strittige Aussagen zur Größe des Publikums bei der Amtseinführung von Donald Trump zu rechtfertigen.

Falsche Tatsachenbehauptungen und unwahre Aussagen – neudeutsch „Fake News“ genannt - werden ganz gezielt eingesetzt und verbreitet, um Meinungen zu beeinflussen und die Mächtigen dieser Welt noch mächtiger und erfolgreicher zu machen.

In einer Zeit, in der Falschmeldungen und die Mär von alternativen Fakten scheinbar immer salonfähiger werden, wächst aber auch die Sehnsucht nach Werten wie Ehrlichkeit, Treue und Verlässlichkeit. Was kann ich noch glauben? Wem kann ich trauen?

Einer, der als ehrlich, treu und verlässlich gilt, ist Jesus Christus. Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, wird er als der „treue Zeuge“ beschrieben. In Offenbarung 1,5 steht: „Jesus Christus ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Fürst der Könige auf Erden.“

Diese drei Attribute - treuer Zeuge, Erstgeborener von den Toten und Fürst der Könige auf Erden - weisen nicht nur darauf hin, dass Jesus ehrlich, treu und verlässlich ist. In diesen Beschreibungen steckt auch eine Menge Hoffnung und Autorität.

Die erste Aussage „Jesus ist der treue Zeuge“ macht deutlich: Was Jesus sagt, ist wahr. Er steht zu seinem Wort. Er schwenkt nicht um, als er selbst verurteilt wird und vor dem Hohen Rat und später dann vor Pilatus steht. Er bleibt bei seiner Aussage, dass er der Sohn Gottes ist. Auch wenn er dafür verhöhnt, gefoltert und schließlich getötet wird. Für mich ist Jesus der treue Zeuge. Die Wahrheit in Person. Auf ihn ist Verlass.

Weiter wird Jesus in dem Vers als „der Erstgeborene von den Toten“ beschrieben:

Vor gut 10 Tagen haben wir Ostern gefeiert. Überall auf der Welt haben sich Christen den hoffnungsvollen Ostergruß zugesprochen: „Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!“

Irgendwie unglaublich - und doch wahr. So steht es in der Bibel. Das Grab ist leer. Jesus lebt. Der Tod ist besiegt. Jesus ist der Erstgeborene von den Toten. Welch ein Triumph! Was für eine Hoffnungsbotschaft!

Wissenschaftlich ist die Auferstehung von Jesus nicht beweisbar. Aber die Aussagen in der Bibel sind für mich schlüssig. Sie ergeben Sinn. Ich muss nicht in der Hoffnungslosigkeit von Karsamstag steckenbleiben. Ich glaube, dass der Ostersonntag wahr ist. Jesus lebt. Er ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!

Als Drittes wird Jesus als „Fürst der Könige auf Erden“ bezeichnet.

Die Machthaber dieser Welt tragen eine große Verantwortung. Öffentliches Säbelrasseln von Staatenlenkern, wie wir es in den letzten Monaten immer wieder erlebt haben, finde ich jedoch eher beunruhigend. Nicht auszudenken, was passiert, wenn einer von diesen Mächtigen einen unbedachten Schritt tut. Es könnte verheerende Folgen haben für einen großen Teil der Menschheit.

Vor diesem Hintergrund finde ich es beruhigend und auch tröstlich zu wissen, dass am Ende alle Macht der Welt bei Jesus liegt. Dass Jesus der Fürst der Könige auf Erden ist.

Welche Machtkämpfe auch immer noch ausgetragen werden auf dieser Welt. Am Ende steht Gottes neue Schöpfung. Ein Friedensreich. Ein Ort, an dem Jesus regiert. Wo Liebe und Gerechtigkeit herrschen und wo Fake News und alternative Fakten keinen Platz haben.

Autor: Claudia Schmidt

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Philipper 1,6

Als ich vor einigen Monaten im westafrikanischen Benin unterwegs war, ist mir aufgefallen, wie viele Bauruinen es dort gibt. Meine Reisebegleiter haben mir erklärt, dass die Menschen anfangen zu bauen, sobald sie etwas Geld übrig haben. Wenn das Geld dann ausgeht, wird der Bau gestoppt. So gibt es viele Rohbauten, die nie fertig gestellt werden und die mit der Zeit sogar wieder verfallen.

Solche halbfertigen Gebäude gibt es überall auf der Welt. Unter dem Stichwort „unvollendete Bauwerke“ findet man im Internet eine lange Liste an Bauprojekten, die angefangen, aber nie vollendet wurden.

Auch in Wetzlar, der Stadt, wo der ERF seinen Sitz hat, gibt es so ein halbfertiges Bauprojekt. Der Wetzlarer Dom. Im 13. bis 15. Jahrhundert sollte die Romanische Kirche in eine Gotische Kathedrale umgewandelt werden. Der Umbau wurde begonnen, aber nie zu Ende geführt. Heute gilt dieser Mix aus Romanischer und Gotischer Baukunst als etwas Besonderes. Und der Wetzlarer Dom wird - so „unfertig“ er ist – fleißig genutzt, seit 1561 von evangelischen und katholischen Christen gemeinsam.

Der Dom in Wetzlar ist ein schönes Bild für das, was Gott in meinem Leben tun kann, wenn ich ihn als Bauherrn walten lasse. Er verändert mich, fügt Altes und Neues zusammen, so dass etwas ganz Besonderes, Einzigartiges und Schönes daraus entsteht. Auch wenn die verschiedenen Bauabschnitte sichtbar sind. Auch wenn noch nicht alles fertig und vollkommen ist, so ist das Gesamtwerk doch nützlich und brauchbar. Denn es ist ein Teil von Gottes Bauwerk. Also keine unnütze Bauruine, die irgendwann zerfällt und abgerissen wird.

Genau davor haben viele Menschen Angst. Sie haben das Gefühl, dass ihr Leben einer unnützen Bauruine gleicht, die irgendwann zerfällt und nichts mehr wert ist.

Aber Gott hat einen ganz anderen Plan für unser Leben. Er will Bauwerke aus uns machen, die in Ewigkeit Bestand haben. Um das umzusetzen, hat er Jesus als Bauherrn eingesetzt. Und wenn ich heute zu Jesus sage: Ja Herr - ich glaube an dich. Ich will nach deinen Maßstäben leben, deine Gebote halten. Du sollst der Bauherr in meinem Leben sein. Dann fängt er an zu bauen und zu gestalten. Und was Jesus anfängt, das bringt er auch zu Ende. Das hat er versprochen.

Der Apostel Paulus hat den Christen in Philippi, Mitgliedern der ersten christlichen Gemeinde auf dem europäischen Kontinent, geschrieben: „Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“ Kann man nachlesen im Philipperbrief Kapitel 1 Vers 6.

Paulus hat den Philippern von Jesus erzählt. Die Menschen haben Jesus als ihren Herrn angenommen. Und so hat Jesus angefangen zu bauen. Die Gemeinde ist gewachsen. Und auch die Christen dort sind im Glauben gewachsen. Der Bau schreitet voran. Und so wird langsam sichtbar, dass dort etwas Besonderes entsteht.

Noch ist dieses Bauwerk nicht perfekt. Man sieht die unterschiedlich geprägten Bauabschnitte. An manchen Stellen muss auch Altes abgerissen und Neues aufgebaut werden. Wie auch immer das Bauwerk aussieht - perfekt oder unperfekt. Es ist bereits Teil von Gottes neuer Schöpfung. Die Vollendung wird noch kommen. Dafür sorgt Jesus, der von Gott als Bauherr für seine neue Schöpfung eingesetzt ist.

Das Gleiche kann auch für mein Leben gelten. Alles, was ich jetzt und hier tun muss, ist: Jesus als Bauherrn in meinem Leben akzeptieren und anfangen, mich von ihm verändern zu lassen. Denn was er anfängt, das wird er auch vollenden.

Autor: Claudia Schmidt

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Hebräer 13,20–21

Liebe ist kein bloßes Gefühl, sondern Tat. Was hätte mein Mann davon, wenn ich mich trotz meiner Liebesschwüre nur um mich selber kümmern würde – einzig um mein Glück und mein Wohlergehen? Er würde mir bald nicht mehr glauben, dass ich ihn liebe, und das zu recht. Wie zeigen Christen ihre Liebe zu Gott? Indem sie tun, was Gott will. Aber was will Gott? – Er will zum Beispiel, dass allen Menschen geholfen wird und sie die Wahrheit erkennen. Das heißt: Menschen sollen erkennen, dass Gott nicht einfach irgendein Privatgott ist für ein paar Millionen Christen oder für wen auch immer. Nein. Gott ist der Herr, der Gott der ganzen Welt, die er erschaffen hat. Er ist mitten drin im Weltgeschehen. Christen glauben an die verändernde Liebeskraft Gottes in dieser Welt, an die Vergebung aller Schuld durch den Tod und die Auferstehung von Jesus Christus für alle Menschen.

Manchmal kommt es mir aber so vor, als gelte die Liebe Gottes bloß denen, die meinen, ein Anrecht darauf zu haben. Ganz so, als gelte die Liebe Gottes nur einem Teil von uns. Doch alle anderen gingen leer aus. Sind die einen auserwählt und die anderen verworfen? Sollen diejenigen, die an Jesus glauben, sich vom Rest der Menschheit fernhalten, um Gott zu gefallen? Passt diese Haltung zu Jesus? Wird Jesus da nicht zum Privatbesitz, den seine Nachfolger nicht mit anderen teilen wollen? –

Soweit ich das beurteilen kann, verteidigt Jesus manchmal sogar den Frommen gegenüber, dass er auf offensichtlich gottlose Menschen zugeht. Denen gegenüber, die meinen, den Glauben für sich gepachtet zu haben. Jesus nimmt zuweilen diejenigen in Schutz, die außerhalb stehen. Er kann auf verlorene Menschen zugehen, breitet seine Arme aus und sagt: „Kommt her zu mir alle, die ihr eine Last tragt. Ich helfe euch.“ Deshalb ist er herabgestiegen aus seiner heilen Himmelswelt auf seine Erde. Er hat sein Heil aus dem Himmel mitgebracht, aus der Ewigkeit in die Zeit. Und überall, wo Jesus ist, ist auch seine Liebe, ist Versöhnung mit Gott und untereinander. Wo Jesus ist, kann Frieden schon jetzt gelebt werden. Wo Jesus ist, wird kein Mensch wegen seiner Herkunft verachtet.

Wenn Jesus in mir wirkt, dann kann ich an seiner Stelle Gutes weitergeben. Dann kann ich seinen Willen tun. Und dann werden Menschen durch mich ermutigt. Dann werden Menschen von mir auf Augenhöhe akzeptiert. Wenn aber im Umkehrschluss gilt: Ich begegne Menschen mit Verachtung. Ich schüchtere andere ein. Dann ist das sicherlich nicht das Gute, das nach dem Bibelvers für heute dem Willen Gottes entspricht. Dann bin ich ein Mensch, untüchtig zum Guten und zu tun, was Gott will. Wie wird Liebe glaubwürdig? Nur durch Taten der Liebe So wie meine Liebe zu meinem Mann auch nur durch Liebestaten glaubhaft ist. Denn Liebe ist kein bloßes Gefühl, sondern immer Tat.

Auf Gott trifft das übrigens voll und ganz zu. Er hat gehandelt. Und zwar aus Liebe. Gott sah die Not der Welt und sandte seinen Sohn mitten in die Gemeinschaft der Menschen. Eine nur allzu menschliche Gemeinschaft mit Liebe und Hass, Glaube und Unglaube, Armut und Reichtum, Frömmigkeit und Gottlosigkeit. Und für alle hat Jesus gelitten. Für alle ist er gestorben. Und damit hat er seiner Liebe die größte Tat folgen lassen.

Autor: Mag. Theol. Rositta Krämer

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1. Mose 21,17–18

In Matthäus 25 wird das Letzte Gericht geschildert. Die Menschen werden in zwei Gruppen aufgeteilt, in die Geretteten und die Verlorenen, heißt es da. Nach welchem Kriterium richtet der Richter?

Zu den Geretteten sagt er: „Ihr habt mich besucht, als ich krank oder gefangen war, ihr habt mich gekleidet und ernährt, als ich nackt oder hungrig war“ usw. Zu den Verlorenen sagt er dasselbe, einfach mit einem Minuszeichen davor: „Ihr habt mich nicht besucht, als ich krank oder gefangen war, ihr habt mich weder gekleidet noch ernährt, als ich nackt oder hungrig war“ usw.

Im Zusammenhang mit diesem Bibelwort habe ich vor Jahren einen großen Schock erlebt: Ich nahm als junger Christ an einem ökumenischen Jugendkongress teil. In einer Diskussionsrunde über Matthäus 25 wurde mit Verve die Meinung vertreten, es komme in unserem Leben ausschließlich auf die getanen oder unterlassenen guten Taten an.

Auf meinem Weg zum Glauben war mir die Rechtfertigungslehre Luthers jedoch gewaltig eingefahren: „Sola fide“, allein auf den Glauben, auf das Gottvertrauen kommt es an. Und jetzt das! Ich hörte von jungen Mitchristen das genaue Gegenteil.

Wie ist das mit dem Glauben und den guten Taten? Jakobus polemisiert in seinem Brief gegen diejenigen, die behaupten zu glauben und dann keine Taten vorzuweisen haben. Müssen wir also doch etwas zu unserem Heil beitragen?

Nein, wir müssen nicht und wir können nicht! Es liegt unserer menschlichen Natur zwar viel näher, einen eigenen Beitrag zu unserem Heil leisten zu wollen. Wenn wir das meinen, dann verkennen wir unseren Zustand vor Gott: Wir sind nachhaltig von ihm getrennt. Dieser Graben verhindert, dass wir aus eigener Kraft eine Brücke bauen können. Gott liebt uns so, dass er von sich aus diese Trennung überwindet, indem er in Jesus Christus Mensch wird. „Glauben“ bedeutet, sich auf dieses Angebot der Liebe einzulassen.

Und die guten Taten? Diese werden folgen, wenn wir Gottes Liebe wirklich verstanden haben, wenn wir von ihr ergriffen worden sind. Wir tun Gutes, nicht damit Gott uns liebt, sondern weil Gott uns liebt. Das ist die Umkehrung des Evangeliums.

Wir werden so mit den Menschen umgehen wollen, wie es Jesus tat. Dazu erzählte Jesus die Geschichte von einem Knecht, dem eine große Schuld erlassen wurde. Er ist darauf seinerseits nicht bereit, einem Mitknecht eine kleine Schuld zu erlassen. Dieser Knecht fällt in die Kategorie der Menschen in unserem Tagesvers. Die Liebe, die er erfahren hat, ist nicht in sein Herz eingedrungen und hat keine Früchte getragen. Die Vergebung, die er erfahren hat, zeigte keine Auswirkung.

Vater im Himmel, lass deine Liebe so tief in mein Herz eindringen, dass ich ein Spiegel davon werden kann.

Autor: Mag. Theol. Rositta Krämer

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