ERF Plus - Wort zum Tag

Jesus macht frei von jeglicher Schuld

Ich bin vor einiger Zeit im Straßenverkehr geblitzt worden, ohne dass ich es gemerkt habe. Ich habe es erst erfahren, als der Brief kam, in dem stand, wann und wo ich geblitzt wurde und dass ich eine Strafe zahlen muss.

Ich bin früher schon einmal geblitzt worden, da wusste ich aber, dass ich schneller gefahren bin als erlaubt.

So ist das Leben. Manchmal weiß der Mensch, dass er schuldig geworden ist und manchmal muss es ihm gesagt werden. Manchmal merke ich das selber, in einer Predigt oder beim Lesen der Bibel. Und manchmal sagen mir Freunde, dass mein Leben nicht so ist, wie Gott das möchte. Wenn ich daran denke, was ich in meinem Leben schon alles getan habe, bewusst oder unbewusst, was Gott als Sünde bezeichnet, da kommt doch einiges zusammen. Würde ich das alles aufschreiben, das wäre ein langer Schuldbrief. Es ist auch nicht schön sich daran zu erinnern.

Zum Glück gibt es Jesus und den Kolosserbrief des Paulus, denn da steht im Kap.2,14: „Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn aufgehoben und an das Kreuz geheftet.“

Anders gesagt: Jesus hat meine ganzen Sünden mit ans Kreuz genommen, der ganze lange Brief ist vernichtet. Weil das wahr ist und weil ich das glaube, habe ich mein Leben Jesus anvertraut. Ich habe Vergebung erfahren, Er hat mich frei gemacht von jeglicher Schuld.

Ein Polizist, der meinen Strafzettel zerreißen würde, also wenn es das gäbe, den würde es nicht viel kosten, das zu tun. Ganz anders bei Jesus Christus. Ihn hat es das Leben gekostet, er starb für alle meine Schuld. Das ist kaum zu fassen. Dazu kommt noch, es gilt nicht nur mir, es gilt auch noch universal für alle Menschen. Das ist kaum zu glauben, jeder Mensch, der sich heute dem auferstandenen Jesus anvertraut wird Vergebung erfahren.

Und dabei ist egal, was auf dem Schuldbrief steht, viel oder wenig, ganz Schlimmes oder weniger Schlimmes, es ist auch egal, wer du bist, Gott kennt kein Ansehen der Person.

Deshalb gilt jedem: Jesus macht dich frei von jeglicher Schuld, er hat deinen Schuldbrief zerrissen.

 

Autor: Hartmut Gießler

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Gottes Gnade hört niemals auf!

Der Sänger und Psalmbeter Asaph fragt in Psalm 77,10: „Hat Gott vergessen gnädig zu sein, oder sein Erbarmen im Zorn verschlossen?“

Die Antwort auf diese Fragen ist „nein, Gott hat nicht vergessen, gnädig zu sein“. Gott ist gnädig und barmherzig. Er kann es gar nicht vergessen, denn es ist sein Wesen. Das Problem ist nur, ich sehe das nicht immer. Und ich finde das sehr tröstlich, dass ich damit nicht alleine bin. Schon Asaph in der Bibel ging es auch so. Bei ihm damals war es nicht viel anders als bei mir heute. Äußere Umstände, die mir nicht guttun, Probleme und Nöte, aber auch eigenes Versagen. Und Gedanken, die entstehen, weil ich auf die Allgemeinheit höre, auf das, was man sagt und tut und vieles andere mehr. Das kann dazu führen, dass ich denke: Gott hat vergessen gnädig zu sein. Diese Gedanken zu haben ist nicht einmal schlimm, denn ich kann von Asaph lernen, wie ich damit umgehen kann.

Asaph schaut auf die Israeliten, auf das Volk Gottes, auf das, was sie tun und lassen. Er sieht Vieles, nur die Gnade Gottes nicht. Dann aber erinnert er sich an das, was Gott getan hat. Wie Gott in der Vergangenheit sein Volk gesegnet und geführt hat. Im gleichen Atemzug spricht Asaph von der Größe Gottes und von den Wundern, die er getan hat. Das hilft, die Gnade und Barmherzigkeit Gottes wieder neu in den Blick zu bekommen.

Das will ich auch tun, mich erinnern. Ich beginne beim Volk Gottes. Was hat sich alles erfüllt, von dem, was Gott vorausgesagt hat im Alten Testament und Neuen Testament. Die jüdischen Menschen kamen wieder zurück in das Land ihrer Väter. Israel wurde nach vielen Jahrhunderten wieder ein eigener Staat, das ist einmalig in der Weltgeschichte. Die Hebräische Sprache ist neu geboren worden. Das Land blüht auf, heute noch. All das und noch vieles mehr hat Gott in seiner Gnade vorausgesagt und erfüllt. Und ich sehe die Gnade Gottes.

Und ich blicke auf mein eigenes Leben und forsche nach, wo Gott mir gnädig war. Ich durfte als Jugendlicher mein Leben Jesus anvertrauen und hab Vergebung erfahren.

Ich bin gesegnet, auch wenn ich nicht alles verstehe, was geschehen ist.

Und ich blicke ins Alte Testament und Neue Testament, ich schaue vor allem auf Jesus, wie er ist und was er tut, und ich stelle fest: Gott hat nicht vergessen gnädig zu sein.

Autor: Hartmut Gießler

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Gott bringt Menschen von unten nach oben

Haben Sie ein Gewächshaus? Ich habe lang danach gesucht und fand endlich das richtige - schön stabil und genau die richtige Größe. Doch bevor wir es im Garten aufbauen, stellt sich die Frage: Wie machen wir das mit dem Fundament? Der Boden ist nämlich feucht, und wenn unser Glashaus an einer Seite absackt, könnten die Scheiben splittern. Ein Fundament ist also dringend nötig.

Ein Fundament braucht man aber nicht nur für ein Gewächshaus. Die ganze Welt braucht ein Fundament. Und sie hat ein Fundament. Nicht von Menschen durchdacht, sondern von Gott selbst empfangen.

Heute geht es in der Losung der Herrenhuter Brüdergemeine um dieses Fundament. 

Ich lese aus dem 1. Buch Samuel, Kapitel 2 Vers 8:

Der Welt Grundfesten sind des Herrn, und er hat die Erde darauf gesetzt.

Soweit der kurze Vers aus der Bibel. 

Der Welt Grundfesten sind des Herrn, und er hat die Erde darauf gesetzt.

Diese Aussage stammt nicht von einem Mann, der sich mit Bauen und Fundamenten beschäftigt, sondern von einer Frau. Sie hieß Hanna und lebte in Israel, vor etwa 3000 Jahren. Sie benutzte dieses Bild, um Gott zu loben.

Lange hatte Hanna gehofft, ein Kind zu bekommen, denn kinderlos zu sein, das war damals extrem schlimm.

In ihrer Not hatte Hanna gebetet, und Gott hatte ihr Gebet erhört. Sie bekam einen Sohn und nannte ihn Samuel. Hanna war so dankbar, und ihr Dankgebet ist uns in der Bibel überliefert. Sie lobt Gott dafür, dass er Niedrige erhöht. Dass er Arme reich macht. Dass er Hungrige sättigt und sogar Verstorbene aus dem Totenreich herausführt. Von unten nach oben - so lautet bei ihr die Devise. Das macht Gott. Und so fühlt sie sich jetzt. Voller Dank und Freude.

Hanna weiß: Die Grundfesten dieser Welt sind ein Fundament, das Gott gegründet hat. Dass Arme und Bedürftige nicht unten am Boden bleiben, sondern - so wie sie es selbst erlebt hat - hochgehoben werden.

Im Alten Israel haben immer wieder Propheten im Auftrag Gottes darauf hingewiesen, wenn die Fundamente wackelten. Und sie riefen auf, umzukehren, nicht mehr Menschen zu unterdrücken, nicht mehr Arme auszunutzen.

Auch heute wackeln die Fundamente oft, und es ist wichtig, dass wir unsere Augen und Ohren öffnen, und wahrnehmen, wo Unrecht geschieht.

Wo sind die Menschen, die unten sind? Oder die, die sich ganz unten fühlen?

Es gibt Flüchtlinge. Sie brauchen Hilfe. Und es gibt Alte und Einsame. Menschen, deren Beziehungen kaputt gegangen sind.

Kann ich dazu beizutragen, dass Menschen, die sich unten fühlen, hochkommen? 

Mir fällt übrigens auf, dass es Jesus auch so gemacht hat. Er hat denen besondere Aufmerksamkeit geschenkt, die ganz unten waren. Aber noch mehr als das. Er war selbst ganz unten, starb den Tod am Kreuz und ist wieder auferstanden. Gerade haben wir das an Karfreitag und zu Ostern gefeiert. Von unten nach oben - vom Tod zum Leben.

Daher darf ich ihm vertrauen, dass er sich mir ganz besonders zuwendet, wenn ich unten bin. Auch wenn ich Angst habe. Auch wenn ich sehe, dass vieles ins Wanken kommt - ich darf zuversichtlich sein. Das Fundament dieser Welt hat Gott gegründet.

Über unser Gewächshaus müssen wir uns selbst Gedanken machen.

Die Grundfesten der Welt - die stehen allerdings fest. Da gibt es nichts mehr zu entscheiden.

Nur noch, danach zu leben.

Autor: Sigrun Teßmer

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Da wird es mir ganz warm …

„Mir vam“ - Das heißt: Friede sei mit euch.

So erklärte man mir, als ich zu Besuch in Russland war. Ich hatte auch gleich eine gute Eselsbrücke: Mir vam - das hört sich doch so an wie „mir ist warm“. Und vielleicht kann ich ja wirklich sagen: Wenn ich Frieden habe, dann wird mir ganz warm.

Doch in der letzten Zeit wurde es mir eher kalt. Je mehr man von Krieg hört, umso mehr wird es uns bewusst: Wir sehnen den Frieden herbei. Wir brauchen ihn so sehr.

Die Entwicklungen in der Ukraine hätten uns lehren können, selbst Frieden zu leben, aber stattdessen lese ich, dass Menschen sich dazu hinreißen lassen, friedliche Russen in Deutschland zu schikanieren. Das macht mich traurig.

So kann ich nur hoffen und beten, dass das wirklich bald Friede wird. Und gleichzeitig weiß ich, dass es auch in Zukunft immer noch Aggressionen zwischen einzelnen Menschen und Menschengruppen geben wird. Wie gut wäre doch so ein richtiger Friede, weltweit, und bis in die Familien und in die Herzen hinein, dass es uns so richtig warm wird.

Der Lehrtext für den heutigen Tag steht im Epheserbrief, Kapitel 2 Vers 17:

Christus ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren.

In einem einzigen Satz kommt hier zwei Mal das Wort „Frieden“ vor. Und in dem ganzen Abschnitt ist auch ganz oft vom Frieden die Rede. Christus hat Frieden verkündigt, und er ist selbst der Friede.

Eigentlich haben wir hier die Lösung dieser ganzen Probleme.

Frieden gibt es. In Christus. Und zwar für alle, für die Fernen und die Nahen.

Damals gab es in der Gemeinde Ephesus Menschen unterschiedlicher Herkunft. Solche, die aus dem Judentum kamen und schon an diesen einen Gott glaubten, der Himmel und Erde geschaffen hat. Sie wussten, dass Gott es gut mit ihnen meint, dass er Frieden möchte. Sie brachten Gott regelmäßig Opfer. Sie wussten: Wir sind schuldig und brauchen die Versöhnung. Und Jesus war ja selbst Jude gewesen und aufgewachsen in dieser Kultur und in diesem Glauben. So waren die Juden nahe dran an dem, was er erzählte. Jesus war am Kreuz gestorben und hatte durch seinen Tod alle Sünde auf sich genommen. So hatte er Frieden möglich gemacht zwischen Mensch und Gott. Jesus hat den Tod besiegt und ist auferstanden. Das sollte für alle bedeutsam werden.

In der Gemeinde in Ephesus gab es auch Menschen, die nicht aus der jüdischen Tradition kamen, sondern die früher an verschiedene Götter geglaubt hatten. Auch sie durften diesen Frieden erleben, den Jesus geschenkt hat. Sie waren die Fernen. Sie hatten innerlich eine größere Strecke zurückzulegen als diejenigen, die aus dem jüdischen Umfeld kamen. Und doch sollte es für alle gelten. Der Friede ist da - für die Fernen und die Nahen.

Und er ist unabhängig von der politischen Situation in einem Land. Menschen in der Ukraine können diesen Frieden erleben, und Menschen in Russland ebenso wie Menschen in Deutschland. Jeder, fern und nah, ist eingeladen zu diesem Frieden mit Gott.

Als der auferstandene Jesus seinen Jüngern erschien, sagte er zu ihnen: „Friede sei mit euch!“ (Lk 24,36) Was für ein schöner Gruß. Was für ein guter Osterwunsch!

„Mir vam“ heißt es nach meinen Recherchen übrigens nicht nur in Russisch, sondern auch in Ukrainisch. Jetzt muss ich nur noch auf die passende Gelegenheit warten, diese Worte Menschen aus Russland oder aus der Ukraine zu sagen. Und sicherlich wird dann nicht nur ihnen, sondern auch mir selbst ganz warm ums Herz.

Autor: Sigrun Teßmer

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Schweigen ist Gold

Als die drei Freunde Hiobs all das Unglück hörten, das über ihn gekommen war, kamen sie und saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war.
Hiob 2,11.13

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, so heißt es in einem Sprichwort. Es gibt Situationen, in denen man reden muss. Es gibt aber auch Situationen, in denen Schweigen wirklich Gold ist.

Hier bei Hiob haben wir eine solche Situation. Sprichwörtlich sind ja auch die Hiobsbotschaften geblieben, also die schlechten Nachrichten.
Bei Hiob folgte eine schlechte Nachricht auf die nächste. Am Ende bleiben nur er und seine Frau noch übrig.
Hiob aber wird auch noch körperlich geplagt: „Eitrige Geschwüre brachen an Hiobs Körper aus, von Kopf bis Fuß.
Voll Trauer setzte Hiob sich in einen Aschehaufen, suchte eine Tonscherbe heraus und begann sich damit zu kratzen.“ (Hiob 2,7+8 HFA)
So fanden ihn seine Freunde vor. Dieses Elend verschlug ihnen die Sprache. Sieben Tage und Nächte sitzen sie bei ihm und schweigen.
Das waren in seiner Leidenszeit sicher die besten Tage. Hier fühlt er sich verstanden. Hier tragen die Freunde seine Last mit. Später wollen sie das Leid Hiobs ergründen und scheitern dabei schmählich.
Manchmal lässt Leid auch uns verstummen. Uns fällt kein vernünftiges Wort ein. Selbst Worte der Bibel helfen nicht immer weiter. Ich denke an den plötzlichen Tod eines jungen Familienvaters. Ein engagierter Mitarbeiter im CVJM und der Kirchengemeinde. Was sage ich da als Prediger? Zunächst habe ich gar nichts gesagt. Ich habe die Ehefrau in die Arme genommen und geschwiegen. Nur Nähe gegeben und stilles Mitleiden. Das Einzige, was mir dann einfiel, war die Aussage des Psalmbeters: „Dennoch bleibe ich stehst an dir...“ (Ps. 73).

Ich sagte: „Wir können jetzt nur um eins bitten, das Gott uns die Kraft gibt, an ihm zu bleiben.“

Wenn Menschen, die wir kennen, in große Not geraten, wagen wir manchmal keinen Besuch bei ihnen. Wir fühlen uns einfach unsicher. Was soll ich da sagen?
Wir können hier von Hiobs Freunden lernen. Der Leidende erwartet nicht große Worte von uns, sondern tröstende Nähe. Nicht immer habe ich es richtig gemacht. Manchmal meinte ich, doch etwas sagen zu müssen. Im Nachhinein habe ich gedacht, Schweigen wäre besser gewesen. Gerade wenn wir unsicher sind, dürfen wir es Gott sagen und ihn um Weisheit bitten.

Eins steht auf jeden Fall fest, zu viele Worte schaden. Manchmal reden wir uns auch beim Versuch zu trösten um „Kopf und Kragen“.

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Der Trost liegt in unserer Aufrichtigkeit. Der Leidende spürt, ob wir es ehrlich meinen. Ich halte fest, tröstende Nähe ist angesagt.

Autor: Eberhard Adam

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Der Eine Name

Petrus spricht von Jesus: In keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden. (Apostelgeschichte 4,12)

Namen sind Schall und Rauch, sagt man. Stimmt das denn wirklich? Hier unter uns Menschen mag es stimmen. Ich kann meinen Namen ändern. Es gibt Künstlernamen. Manche behalten bei der Eheschließung bewusst ihren Namen, weil er schon bekannt ist.
Petrus spricht in unserem Bibelwort auch von einem Namen. Er und Johannes müssen sich vor dem Hohen Rat, der geistlichen Leitung der Juden verantworten. Sie haben einen Menschen geheilt. Der Hohe Rat will nun herausfinden, wie sie das gemacht haben. Petrus und Johannes werden also vorgeladen.
Petrus sagt es ganz klar: „Wenn wir uns heute dafür verantworten müssen, dass wir einem kranken Menschen Gutes getan haben, und wenn ihr uns fragt, auf welche Weise er denn gesund geworden ist, dann sollt ihr alle und das ganze israelitische Volk wissen: Es geschah im Namen von Jesus Christus aus Nazaret, den ihr habt kreuzigen lassen und den Gott von den Toten auferweckt hat. Seine Kraft hat bewirkt, dass dieser Mann hier gesund vor euch steht.“ (Apg. 4,9+10)
Ein klares Bekenntnis mit einer harten Anschuldigung.

Es geht also hier um Jesus Christus. Petrus sagt, dieser Name hat Kraft. Eigentlich ist Jesus ein gewöhnlicher Name in Israel, auf Hebräisch Jehoschua.

Petrus macht aber klar, um welchen Jehoschua, Jesus es hier geht. Es geht um Jesus den Christus, zu Deutsch, den Gesalbten. Damit ist den Menschen damals klar, Petrus spricht hier von dem erwarteten Heilsbringer Israels, dem Messias.
Petrus macht auch unmissverständlich klar, was das für ihn bedeutet. Nur im Namen dieses Jesus liegt das Heil für die ganze Welt. Der Name Jesus, ist also nicht Schall und Rauch. Der Name steht für die Person. Nicht nur sein Name lebt weiter, sondern dieser Jesus ist von den Toten zurückgekommen. Es ist der, den Gott auferweckt hat. Man kann also seine Kraft und Lebendigkeit aktuell noch erfahren. Genau das ist geschehen mit dem lahmen Mann, der vor dem Tempel saß.
Wenn das stimmt, was Petrus hier sagt, dann gilt das auch noch heute.

Vielleicht denken Sie jetzt, aber was hat das mit mir zu tun? Ich fühle mich ganz gesund. Mir geht es recht gut. Und will ich denn irgendwie „selig“ werden? Was ist das überhaupt, selig? Andere Bibelübersetzungen benutzen hier das Wort Rettung. Da kommt schon wieder eine Frage auf. Wovon muss ich gerettet werden?

Eine mögliche Antwort wäre, vor der Todesfurcht. Dieser Jesus kann uns die Angst vor dem Tod nehmen, heißt das ja.

Es heißt in der Bibel: So hat er, Jesus, alle befreit, die ihr Leben lang in der Furcht vor dem Tod gefangen waren. (Hebräer 2,15)
Jesus Christus will mir die Angst vor dem Tod nehmen. Ja, ich kann bezeugen, er tut das auch.

Von Michelangelo ist ein Gespräch mit seiner Gräfin bekannt, in dem er sagte: Ich bin 86 Jahre alt und hoffe, bald von Gott heimgerufen zu werden. Die Gräfin fragte: Sind Sie lebensmüde? Darauf der Künstler: Nein, lebenshungrig.

Autor: Eberhard Adam

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„Ich werde alt!“

Da, schon wieder ein graues Haar! Und die Fältchen im Gesicht werden auch immer mehr. Wer auf die 50 zugeht, kennt dieses Phänomen. Am Anfang war es noch schleichend, aber langsam ist es nicht mehr zu übersehen: Ich werde alt!

Mit Anfang 40 fühlt man sich noch jung, tatkräftig, als würde es immer so weitergehen. Doch mit Ende 40 merkt man, dass man nicht unsterblich ist.

Wie gehe ich damit um? Manche tönen sich die Haare gegen das Grau; gegen die Falten hilft nur teure Creme – wenn sie denn hilft. Andere nehmen es gelassen: Jede Falte erzählt eine Geschichte, jedes graue Haar hat seinen Grund.

Schlimmer als die kosmetische Sichtbarkeit des Alterns ist der Verlust der körperlichen Fitness und Gesundheit. Auch mit Sport und gesunder Ernährung ist es nicht aufzuhalten: hier ein neues Zipperlein, da ein knacksendes Knie; manchmal sind es sogar richtig schlimme Krankheiten.

„Unser äußerer Mensch verfällt“, bringt es der Apostel Paulus im 2. Korinthebrief, Kapitel 4, Vers 16 auf den Punkt – und beschönigt dabei nichts. Erst Verfall, dann Tod, das ist die nackte Wahrheit.

Wie gehen Sie damit um?

Mir ist in dieser Frage meine Großtante zum Vorbild geworden. Sie war bis ins hohe Alter eine wunderschöne Frau – ganz ohne Kosmetika. Die Schönheit strahlte von innen. Obwohl sie im Leben viel Schweres durchgemacht hatte, umgab sie ein innerer Friede und stille Lebensfreude. Was war ihr Geheimnis?

Es war ihr tiefer Glaube, in dem sie verwurzelt war; der ihr in allen Lebensstürmen und auch im Alter Halt gab. Äußerlich wurde sie immer älter; aber im Herzen blieb sie jung, weil sie sich täglich mit Gott traf. Ja, so kann ich es wohl nennen: Sie hatte eine innige Beziehung zu ihrem Schöpfer, und nahm sich Zeit, diese Freundschaft mit Gott zu pflegen. Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine, Gebet, Bibellesen, christliche Radiosendungen, viel Singen christlicher Lieder, Austausch mit anderen Christen – all dies hielt sie und ihren Glauben lebendig.

Sie war nicht altes-starr, sondern entwickelte sich auch im Alter innerlich noch weiter; sie ließ sich von Gott berühren und bewegen. Sie bekam Kraft von ihm, um nicht nur ihre Bürden des Alters zu tragen, sondern auch für andere da zu sein durch Gebet, Zuhören und Trösten. Sie ließ sich von Gott mit Liebe beschenken, und schenkte diese an andere weiter, Tag für Tag neu.

So ein Altern und solch eine Entwicklung habe ich vor Augen, wenn ich den ganzen Tagesvers von Paulus lese: „Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert.“ (2 Kor 4,16)

Ist das schon alles? So einfach ist das Geheimnis guten Alterns? Jein. Ich kann noch tiefer graben. Stichwort ist das „Darum“ am Anfang dieses Verses. „Darum werden wir nicht müde.“ Es bezieht sich auf den Vers davor. Darin geht es um Dankbarkeit. Dankbarkeit ist ein wahrer Jungbrunnen, macht fröhlich, hilft gegen Angst und Bitterkeit.

Die Dankbarkeit wiederum bezieht sich auf Gottes Liebe und Güte. Hier schließt sich der Kreis. Wer Gottes Liebe täglich begegnet und annimmt, der wird zwar äußerlich alt, aber innerlich ständig erneuert; er bleibt seelisch fit und gesund. Vielleicht verfällt sogar der Verstand durch geistige Alterungsprozesse. Aber die Seele wird nicht müde, Gottes Liebe zu empfangen und weiterzuschenken. Und sie freut sich auf die Herrlichkeit, die der folgende Vers nennt: die Herrlichkeit bei Gott, die uns nach dem Tod erwartet. Das nimmt Altern und Tod den Stachel. Der Glaube trägt, auch und gerade im Alter.

Autor: Gabriele Berger-Farago

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Nachhaltige Dankbarkeit

Kennen Sie das auch? Sie hoffen, beten und bangen auf etwas hin: ein gutes Diagnose-Ergebnis; eine Job-Zusage; eine erfolgreiche Examens-Note; ein versöhnliches Gespräch. Und wenn es dann tatsächlich gut ging – freuen Sie sich einen Moment, haken es ab, weiter geht’s im Leben.

Ich wünschte, ich wäre nachhaltig dankbar. Nicht nur einen flüchtigen Augenblick, sondern langanhaltende Freude über etwas, wovor ich Sorge hatte, und dann hat Gott doch geholfen.

Nachhaltige Dankbarkeit. Was kann ich dafür tun?

Jesus sagte zu dem Geheilten: »Geh nach Hause zu deiner Familie und deinen Freunden und erzähle ihnen, welches große Wunder der Herr an dir getan hat, und wie barmherzig er mit dir gewesen ist!« So lautet  Vers 19 aus dem Markusevangelium, Kapitel 5.

Hingehen und von dem Guten erzählen, das Gott mir geschenkt hat. Das hilft wirklich gegen das Vergessen.

Denn erstens brennen sich mir Dinge besser ins Gedächtnis, die ich anderen erzähle; je öfter, desto besser.

Und zweitens habe ich in meinen Mitmenschen Erinnerungshilfen, wenn wieder eine beängstigende Situation kommt. Meine Freunde sagen dann etwa: „Mensch, erinnere dich doch mal, wie Gott dir bei der letzten Prüfung geholfen hat. Dann wird er dir jetzt auch beim Jobwechsel beiseite stehen.“

Durch das Erzählen von Gottes Hilfe stärke ich also nicht nur den Glauben anderer. Sondern das begeisterte Teilen von Gottes Güte kehrt quasi zu mir zurück, wenn es den anderen berührt hat und er mich bei Bedarf an meine eigenen Worte und Gottes Hilfe erinnert.

Manchen Menschen hilft gegen das Vergessen, ein Gebetstagebuch zu führen. Einige schreiben ihre Erlebnisse mit Gott ausführlich auf. Andere machen einfach nur Listen mit ihren Gebetsanliegen, und wie Gott darauf geantwortet hat. In Notsituationen reicht schon ein Stichwort, um sich wieder zu erinnern, wie Gott mal geholfen hat; und daraus Mut zu schöpfen, dass er mich auch jetzt nicht im Stich lassen wird.

Aber was, wenn doch? Was, wenn Gott ein Gebet nicht erhört? Nicht heilt? Nicht so hilft, wie ich es erhofft und erbeten habe?

Schweigen und sich in sich selbst verkriechen ist eine typische, aber nicht unbedingt hilfreiche Reaktion.

Schweigen Gott gegenüber lässt meinen Glauben erstarren. Besser, ich schreie meine Enttäuschung, Wut und Angst hinaus und werfe sie Gott vor die Füße. So bleibe ich in Kontakt mit ihm, kann mich nach anfänglichem Nicht-Verstehen sogar von ihm trösten lassen.

Schweigen gegenüber anderen, wenn Gott nicht antwortet und ich verzweifelt bin, klingt zwar nach netter Schonung. Ich will ja meine Mitmenschen nicht in Glaubenszweifel bringen. Es reicht, dass ich am Ver-Zweifeln bin Gott gegenüber.

Allerdings könnte auch hier das Reden mit anderen Christen helfen. Wo ich nicht platte Antworten und leere Phrasen bekomme, sondern ein zugewandtes Ohr und Herz finde, fühle ich mich verstanden, getragen und getröstet. Auch durch meinen Nächsten kann Gott meinen Schmerz lindern.

‚Gottes Barmherzigkeit verkünden‘: Dazu muss ich weder Pastor noch redegewandt sein; weder Glaubensheld sein noch riesige Wunder erleben. Ich kann meine Augen öffnen und Gottes Güte in den kleinen Alltagsdingen entdecken: meine Erkältung ist nicht schlimmer geworden; das Kaffeetrinken mit meiner Freundin war richtig schön; der Regenguss kam erst, als ich zuhause angekommen war. Diese Alltagsgeschenke wahrzunehmen, macht dankbar. Sie anderen zu erzählen, hilft gegen das Vergessen und schenkt nachhaltige Dankbarkeit.

Autor: Gabriele Berger-Farago

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Geduldig dranbleiben

Ich höre gern zu, wenn Andere erzählen, was sie Gutes mit Gott erlebt haben. Wie er sie beschenkt hat. Ob eine passende Wohnung zur rechten Zeit oder die Nachricht, dass eine Operation gut verlaufen ist. Ich kann mich mitfreuen. Anders geht es mir, wenn berichtet wird, dass eine schwere Erkrankung vorliegt und keine Hoffnung besteht, dass es besser wird. Oder die Situation in einer Gemeinde so verfahren erscheint, dass keine Lösung erkennbar ist. Da wird mir das Herz schwer. Und manchmal kommt die Frage auf: Wie lange noch?

Im Jakobusbrief wird an Hiob erinnert. „Von der Standhaftigkeit Hiobs habt ihr gehört und habt gesehen, zu welchem Ende es der Herr geführt hat; denn der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer.“ So heißt es dort in Kapitel 5 Vers 11. Wer das Buch Hiob im ersten Teil der Bibel liest, wird nicht immer den Eindruck haben, dass Gott barmherzig ist. Am ehesten noch gegen Ende des Buches. Wo berichtet wird, dass Gott dem Hiob nicht nur erstattet, was er verloren hat, sondern ihm mehr gibt als das.

Aber hilft mir der Blick auf Hiob? Den Glaubenshelden, den scheinbar nichts in seinem Glauben an Gott erschüttert, egal was passiert. Es heißt von ihm, dass er geduldig ausharrt. Trotz schmerzhafter Verluste und Krankheit. Obwohl sein Glaube infrage gestellt wird. Hiob wendet sich nicht von Gott ab, als nicht mehr erkennbar ist, dass Gott ihn versorgt und schützt. Als das, was seine Freunde über Gott sagen, nicht mehr stimmt. Hiob bleibt im Gespräch mit Gott.

Ja, es tut mir gut, wenn ich höre oder lese, wie Gott geholfen hat. Ich fange an zu hoffen, dass er es bei denen, für die ich bete, auch zu einem guten Ende führt. Dass er auch mit mir zu seinem Ziel kommt. Gott ist nicht wie ein Trainer, der danebensteht und seine Sportler gnadenlos antreibt. Damit sie trotz aller Schmerzen durchhalten, Höchstleistungen bringen und siegen. Jakobus erinnert daran: Gott leidet mit. Er ist barmherzig. Daran soll mich die Geschichte Hiobs erinnern. Dies festzuhalten, heißt nicht, dass ich Gottes Handeln immer verstehen oder nachvollziehen kann. Aber ich kann beten: ‚Du hast doch gesagt, dass du barmherzig und gnädig bist!’ Und Gott überlassen, wie er führt.

Manche Gemeinden haben für sich eine Form gefunden, wo einander erzählt werden kann, was Einzelne mit Gott erlebt haben. Zum Beispiel in bestimmten Gottesdiensten. Oder zum Jahresende, wenn Rückblick gehalten wird. Andernorts geschieht dies dort, wo Christen sich treffen, um gemeinsam in der Bibel zu lesen. Sie nehmen sich Zeit, um darüber nachzudenken, was die in der Bibel erwähnten Personen mit Gott erlebt haben. Sie bringen eigene Fragen und Erlebnisse ins Gespräch ein.

Jakobus erinnert mich daran, dass ich immer wieder Zeiten brauche, in denen ich mich damit beschäftige, was Gott tut und wie er ist. Denn das Leben als Christ ist nicht mit einem Spaziergang oder einem Sprint zu vergleichen, sondern eher mit einem Dauerlauf. Da kommt nicht ans Ziel, wer begeistert gestartet ist. Wer geduldig dranbleibt, wenn der Schwung des Anfangs nachlässt und Schmerzen sich einstellen und zunehmen, der kommt an. Wer nicht aufgibt.

Ich sprach mit einem jungen Mann, der regelmäßig längere Strecken läuft. Mich interessierte, was er tut, um solche langen Wege durchzustehen. Nun, er trainiert viel, um in Übung zu bleiben und den Körper an die Belastung zu gewöhnen. Die Schmerzgrenze zu erhöhen. Zu lernen, mit welchen Schmerzen er weiterlaufen kann und bei welchen Schmerzen er abbrechen muss. Und bei den ganz langen Strecken braucht er etwas zu essen und vor allem Wasser. Dranbleiben will geübt sein. Ob für ein läuferisches Ziel oder unseren Lebens-lauf.  

Autor: Werner Heise

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Großer Auftrag, große Verantwortung

Es sollte ein familienfreundlicher Gottesdienst sein. So beschlossen wir im Vorbereitungsteam, dass ich nicht von der Kanzel predige. Auf einem Sitzkissen saß ich mitten unter den Kindern und Teenies. Erzählte nach und nach den Evangelien-Text. Durch Fragen und Antworten machten wir uns klar, wie es wohl gewesen war, als Jesus damals im Tempel in Jerusalem lehrte. Was er gesagt hatte und was das mit uns zu tun hat.

Als einige Tage später das Gespräch auf diesen Gottesdienst kam, sagte jemand, es habe sich so angefühlt, als ob Jesus selbst mit uns geredet hätte. Das zu hören, hat mich einerseits gefreut. Denn Jesus sagte ja: „Wer euch hört, hört mich.“ So zum Beispiel aufgeschrieben im Evangelium nach Lukas, Kapitel 10 Vers 16. Jesus sagte das zu einer größeren Gruppe von Leuten, die in die umliegenden Städte und Dörfer gehen sollten. Bevor Jesus selbst in diese Orte kam, sollten sie dort schon bekannt machen, was auch er öffentlich predigte: Die Herrschaft Gottes beginnt bei euch (vgl. Lk. 10,9). Sie waren sozusagen seine Botschafter. Wer sie hörte, wusste, was Jesus zu sagen hatte.

 

Ich finde, es ist eine große Ehre, von Jesus beauftragt zu sein. Zu sagen, was er gesagt hat. Das gilt nicht nur für die, die berufen sind, Gottes Wort auszulegen. Ob beruflich oder ehrenamtlich. Alle, die auf Jesus Christus vertrauen und ihm gehorchen, dürfen Sprachrohr Gottes sein.

Zurzeit genießen die, die Gottes Wort predigen, hierzulande kein hohes gesellschaftliches Ansehen. Das hat nicht nur mit schlimmen Verfehlungen von Männern und Frauen zu tun, die in Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen gearbeitet haben. Es hat auch damit zu tun, dass Menschen gelegentlich spüren: Hier wird nicht Gottes Wort weitergesagt. Hier wird nur die eigene Meinung vorgetragen. Kürzlich berichtete mir jemand, dass ihm eine Audiodatei einer Predigt zugeschickt wurde. Er hörte hinein und war enttäuscht. Denn der Redner legte keinen Bibeltext aus, sondern sprach nur darüber, dass man sich nicht impfen lassen sollte. Ich war erleichtert, dass mein Gesprächspartner sich an einen verantwortlichen geistlichen Leiter der betreffenden Gemeinde gewandt hat. Ähnliches habe ich mit anderen Themen auch schon erlebt. Doch wer beauftragt ist, Gottes Wort zu sagen, sollte das nicht missverstehen oder missbrauchen.

„Wer euch hört, hört mich“ bedeutet nicht, dass eine Predigt nur aus aneinander gereihten Bibelzitaten bestehen darf und die, die verkündigen, keine eigene Meinung haben. Aber als Botschafter Gottes trage ich eine Verantwortung dafür, das Evangelium weiterzugeben, die gute Nachricht davon, dass wir durch Jesus Christus gerettet werden, und nicht meine Meinung, zu welchem Thema auch immer. So wie Jesus den Menschen seiner Zeit von dem weitersagte, was Gott am Herzen lag, soll ich von dem reden, was uns in der Bibel über Gott mitgeteilt wird.  

Der Verfasser des 1. Petrusbriefes hat es klar ausgedrückt. Wenn jemand berufen ist, Gottes Wort auszulegen, dann soll Gott durch ihn sprechen (1. Ptr. 4,11). Das erinnert mich an meine heilige Verantwortung. Es geht nicht darum, beeindruckende Gedanken vorzutragen. Nicht um religiöse oder fromme Show. Gott selbst will zu Wort kommen. Und dazu beauftragt er Menschen. „Wer euch hört, hört mich.“ Das ermutigt mich. Und stellt mich zugleich infrage: Wessen und welche Botschaft gebe ich weiter? Mit meinen Worten und mit meinem Leben.             

Autor: Werner Heise

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Das Werk Gottes

Das hätte den Menschen am See Genezareth gut gefallen. Einen König zu haben, der sie jeden Tag mit Brot versorgt. So denken sie nach dem Wunder der Brotvermehrung. Weit über 5000 Menschen wurden satt durch fünf Brote und zwei Fische. Ein unfassbares Wunder und die Leute wollen Jesus zum König machen. Doch er entzieht sich den Menschen, lässt seine Jünger mit dem Boot vorausfahren und geht ihnen auf dem Wasser hinterher. In der Stadt Kapernaum treffen sich dann alle wieder. Vor dem Hintergrund der Brotvermehrung erklärt Jesus ihnen, dass er das Brot des Lebens ist und die Leute meinen, sie können sich dieses unvergängliche Brot durch gute Werke erarbeiten.

„Da fragten sie ihn: Was sollen wir tun, dass wir Gottes Werke wirken? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“ Nachzulesen im Evangelium nach Johannes, Kapitel 6, die Verse 28 und 29.

Was sollen wir tun, dass wir Gottes Werke wirken? Jesus hatte vom ewigen Leben gesprochen. Und die Menschen meinten, durch das Halten der unzähligen Gebote und durch gute Werke würden sie dieses ewige Leben erreichen. Dabei sprechen sie von Gottes Werken in der Mehrzahl.

Die Menschen erkannten, dass Jesus hier von einer Forderung sprach, die Gott an sie stellte, und sie waren bereit, dieser nachzukommen, wenn er ihnen sagte, was sie tun sollten. Sie selbst glaubten, dass sie mit einem gottgefälligen Leben und guten Werken das ewige Leben erwerben könnten.

So rief auch der Gefängnisaufseher in der griechischen Stadt Philippi dem gefangenen Apostel Paulus und seinem Begleiter Silas zu: „Ihr Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde?“ Denn kurz davor hatte ein Erdbeben die Türen des Gefängnisses geöffnet und der Aufseher hatte Angst um sein Leben.

Immer wieder denken Menschen, dass sie etwas tun können, um vor Gottes Gericht gerettet zu werden. Und bis heute denken Menschen, dass sie selbst etwas dazu tun können, um Gott gnädig zu stimmen. Die Menschen wollen sich meist nichts schenken lassen. Denn wenn etwas einen Wert haben soll, wollen die Menschen dafür arbeiten und sich anstrengen. Nur zu gerne möchten sie dann auch stolz auf ihre Leistung sein.

Die Menschen um Jesus herum fragen: „Was sollen wir tun?“ Und Jesus antwortet: „Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“ Es braucht also nicht viele Werke, sondern ein Werk Gottes reicht aus. In der Antwort von Jesus erkenne ich auch eine Reihenfolge. Gott bewirkt in den Menschen, dass sie an den von Gott gesandten Jesus Christus glauben können.

Kurz ausgedrückt: Zuerst hat Gott etwas getan. Und erst danach komme ich. Zuerst hat Gott sich für mich entschieden und seinen Sohn gesandt. Jesus selbst hat dazu ganz deutlich gesagt: „Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater (im Himmel) gegeben“.

Mir drängt sich dazu ein Bild auf: Oft wird das Evangelium mit einem Rettungsring verglichen, der einem Schiffbrüchigen in höchster Not zugeworfen wird. In dem der Ertrinkende seine Hand nach dem Ring ausstreckt, macht er das, was ihm niemand abnehmen kann. Jeder so Gerettete wird dankbar sein, dass ein Schiff in der Nähe war und aufmerksame Seeleute ihm einen Rettungsring zugeworfen haben. Und er noch die Kraft hatte, diesen auch zu ergreifen.

Und tatsächlich: niemand kann mir den Glauben abnehmen. Diesen Schritt hin zu Jesus Christus muss ich ganz alleine tun. Aber wenn ich ihn getan habe, dann darf ich mir auch nichts darauf einbilden. Als wenn es meine Leistung ist, an Jesus glauben zu können.

Vielmehr will ich danken für Gottes Werk an mir, dass ich an seinen Sohn Jesus Christen glauben kann.

Autor: Herbert Laupichler

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Der neue Mensch

Wenn ein neues Produkt auf den Markt kommt, zum Beispiel ein neues Auto, dann werden Fragen gestellt. So wird diskutiert, was denn eigentlich neu ist an dem Auto. Oder auch für welche Gruppe von Kunden das Neue an dem Automodell wichtig sein kann. Oder ob das Neue überhaupt gebraucht wird. Antworten auf diese Fragen finden sich dann wieder in den Hochglanzprospekten und anderen Werbebotschaften. Mit einem Schuss Neugier auf das Neue.

Auch der Apostel Paulus schreibt an die Christen in der griechisch geprägten Stadt Ephesus von Erneuerung und von etwas Neuem: „Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.“ Nachzulesen im Brief an die Epheser, Kapitel 4, die Verse 23 und 24.

Zieht den neuen Menschen an, so fordert der Apostel Paulus die Christen in Ephesus auf. Doch was ist denn neu an diesem Menschen? Paulus gibt die Antwort: Der neue Mensch ist nach Gott geschaffen in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Dieser Mensch ist voll auf die Ansprüche Gottes ausgerichtet, er ist bis auf den Grund gerecht und damit geeignet, Gott gegenüberzutreten. Der neue Mensch ist für Gott in Heiligkeit bei Seite gestellt und ihm geweiht.

Aber wer braucht denn einen neuen Menschen? Ich denke, alle Menschen ohne eine Beziehung zu Gott und Jesus Christus. So wie es Paulus den Christen in Rom schreibt: »Da ist kein Gerechter, auch nicht einer; da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der Gott sucht.«

Doch wer von diesem Weg umkehrt, Gott sucht, das Geschenk des Glaubens annimmt und Jesus sein Leben übergibt, der wird ein neuer Mensch. Der bekommt dadurch vor Gott eine neue Identität. Wir Christen stehen nun nicht mehr als Sünder vor Gott, das macht nun nicht mehr unser Wesen aus. Wir sind jetzt solche, die in Christus eine neue Schöpfung geworden sind. Und nur die sieht Gott. Das ist die eine unveränderliche Seite.

Aber warum schreibt Paulus dann den Christen in Ephesus: Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an? Paulus gebraucht hier das Bild des täglichen Anziehens eines Kleidungsstückes. Was auf dieser Erde von jedem gesehen werden kann. Jeder soll sehen, dass wir Christen, erneuert in unserem Denken und Wollen jeden Tag den neuen Menschen anziehen.

Denn wenn ein Mensch Christ wird, bleibt er ja in dieser Welt, in seiner Umgebung. Ich entscheide mich, Jesus nachzufolgen, aber das heißt schließlich noch lange nicht, dass ich plötzlich wie ausgewechselt bin. Gottes Ziel mit uns Christen ist es daher, unser Wesen zu verändern und uns dadurch immer mehr zu der Person zu machen, die er sich ursprünglich mit uns gedacht hat. Deshalb schreibt Paulus: Zieht den neuen Menschen an. Zieht an, was zu einem Christen passt.

Ich möchte anziehen, was den neuen Menschen ausmacht und von meinen Mitmenschen gesehen werden soll. So wie Paulus es in einem seiner Briefe schreibt: Zieht nun an herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut! Zieht an, was dem anderen guttut.

Die Christen in Ephesus waren damals heftigen Einflüssen ausgesetzt. Da gab es einerseits Juden, die sich auf das Gesetz des Mose stützten. Die als Christen erst einmal ein tieferes Verständnis von Gnade kennen lernen mussten. Und auf der anderen Seite Griechen, die ungeheuer stolz waren auf die Verehrung der griechischen Göttin Artemis. Und die begreifen mussten, dass nur Jesus Christus von sich sagen konnte, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.

Da brauchte es, wie heute auch, die Kraft des Heiligen Geistes, sich jeden Tag neu für die Nachfolge von Jesus und das Anziehen des neuen Menschen zu entscheiden.

Autor: Herbert Laupichler

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Mir fehlt der Durchblick

In Radebeul bei Dresden befindet sich ein Blindengarten. Die Weg sind alle gut markiert, besonders für Blinde. Er führt durch den Garten. Das Besondere sind sehr unterschiedlich duftende Sträucher und Blumen. Teils sind Geländer angebracht, dann gibt es auch durch unterschiedliche Bodengestaltungen eine Hilfe zur Orientierung. An dem Geländer sind in Blindenschrift die Namen der Gewächse angebracht. Gut gesichert, fühlen sich die blinden Menschen wohl, die verschiedenen Gerüche wahrzunehmen. Auch für Sehende ist dieser Weg ein Erlebnis. Für einen Blinden ist es immer eine enorme Herausforderung, in einem unbekannten Gelände ohne Anhaltspunkte, sich zurecht zu finden. Es sei denn, es gibt einen Begleiter, der sie führt. Entweder am Arm angefasst oder durch Worte, geschieht eine Leitung. Manchmal begegnen mir auch Menschen mit einem Blindenstock oder einem Hund, der eine Orientierung gibt. Sehende Menschen können sich in einem auch für sie unbekannten Gelände, auf jeden Fall besser zurechtfinden.
Manchmal erlebe ich mich auch wie ein Blinder. Ich sehe zwar eine Situation, kann aber die Zusammenhänge nicht erfassen. Mir fehlt der Durchblick. Das irritiert. Dann gehe ich zu einem anderen Menschen und frage ihn, ob er mir helfen kann.
In dem Bibelwort aus dem Propheten Jesaja Kap. 42, Vers 16 hören wir folgendes: „Gott spricht: Die Blinden will ich auf dem Weg leiten, den sie nicht wissen; Ich will sie führen auf den Steigen, die sie nicht kennen.“
Der Text macht am Beispiel einer Augenerblindung deutlich, wie wichtig die Leitung durch Gott selbst ist. Da wird diese Aussage zu einem Wort im übertragenen Sinn. Eindeutig wird Gott als der Blindenführer bezeichnet. Er will leiten, auch auf Wegen, die noch unbekannt sind.
In der Begleitung von blinden Menschen habe ich das Vertrauen als eine entscheidende Voraussetzung erlebt. Ohne Vertrauen geht gar nichts. So erlebe ich das auch in der Begegnung mit Gott. Ich kann mich ihm anvertrauen, auch als Sehender. Ich weiß nicht, was morgen sein wird, bzw. in der nächsten Minute. Ich kann immer nur aus dem Moment leben und aus der bisherigen Erfahrung, dass ich meinen Weg bis hierher gehen konnte. So ist der Bibeltext eine sehr klare Ermutigung, auch auf unbekannten Wegen mit Zuversicht weiterzugehen. Auch wenn ich nicht weiß, wohin der Weg geht, kann ich der Zusage Gottes vertrauen. Zweimal wird auf den neuen Weg hingewiesen. Damit wird die Dringlichkeit angesprochen, dass Gott neue Wege gehen kann und wird. Je nach Veranlagung erleben wir neue Wege als sehr spannend oder auch als eine Gefahr. Für manche sind sie ein neues Abenteuer, andere sehen darin eine Verunsicherung.

Ich finde es ermutigend, dass Gott in jedem Fall den Überblick hat und leitet. Hier ist nichts weiter gefragt als mein Vertrauen. Bisher konnte ich da so viele gute Erfahrungen machen, dass ich es als eine Ermutigung höre. Veränderungen im Leben fordern uns immer wieder heraus. Ich habe glücklicherweise noch keine Situation erlebt, wo mein Leben keinen Ausweg hatte. Ich kenne jedoch Menschen, die schwierige Lebensphasen hatten und nicht wussten, dass es einen Ausweg gibt. Es ist für sie eine besondere Herausforderung, überhaupt eine Möglichkeit zu entdecken. Gut, wer sich in so einer Situation beraten lässt. Dieses Bibelwort des Propheten Jesaja zeigt auf, dass es Einen gibt, der uns zur Seite stehen will. Auch wenn es ganz neue Wege sind, ist er da. Ich höre darin auch die Zusage, es sind Wege der Hoffnung und des Friedens. Auch das habe ich bei blinden Menschen gelernt, sie orientieren sich erst einmal, bevor sie losgehen. Sie nehmen wahr, tasten vorsichtig, in welche Richtung der Weg geht. Auch ich möchte zuerst hören, wo Gott redet, wo es Impulse von ihm gibt, den Weg weiterzugehen.    

Autor: Pfarrer Uwe Winkler

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Eine große Aufgabe

Heute hören wir im Bibeltext eine Bitte, verbunden mit einer Aufforderung. Das Ziel ist ein gelingendes Leben.

Im Hebräerbrief Kapitel 13 steht folgendes: „Der Gott des Friedens rüste euch aus mit allem Guten, dass ihr seinen Willen tut.“

Die Bitte ist an Gott gerichtet. Er soll uns mit allem Guten ausfüllen. Die Aufforderung geht an uns, damit wir seinen Willen tun. Am Anfang steht das Handeln Gottes. Er gibt uns zuerst. Dabei wird hier eine entscheidende Eigenschaft Gottes genannt. Er ist ein Gott des Friedens. Dieser ganz normale alltägliche Frieden ist damit gemeint. Beim Verlust von Frieden spüren wir umso mehr die Wucht des Unfriedens. Für mich als Christ zeigt sich diese Eigenschaft Gottes in Jesus. Wo er aufgetreten ist, hat er echten Frieden gebracht und den faulen Frieden aufgedeckt. Sein Reden und Tun hatte zur Folge, dass Menschen selbst diesen Frieden erfahren. Frieden mit anderen, Frieden mit sich selbst und keiner brauchte Angst vor Gott zu haben. Jesus hat in seinen Worten jedem Menschen den Frieden zugesagt. Eindrücklich wird das an den Sätzen deutlich, wie z.B. „Freuen dürfen sich,“ oder auch: „Wohl denen, die Frieden stiften, sie werden Kinder Gottes heißen.“

 

Überwältigend ist Jesus seinen Weg des Friedens gegangen, indem er nicht mit der Gewalt des Schwertes sein Recht erfochten hat. Damit hätte er schon im Ansatz zerstört, was er überhaupt wollte. Das wurde oft auch an den kleinen Gesten deutlich, wie er sich Menschen zugewendet hat, wie er ein Wort der Ermutigung aussprach, wie er die Gedanken der Menschen erkannte und ihnen immer wieder eine Brücke zum Miteinander baute.

Diese Zuwendungsfreude zu den Menschen hat nicht aufgehört.

Aus dieser Erfahrung, dass wir Beschenkte sind, fällt es dann auch viel leichter, seinen Willen zu tun. Bei uns sind es auch die vielen kleinen Entscheidungen und Handlungen, die zum friedlichen Miteinander führen.

Ich finde es immer wieder beeindruckend, wenn sich auch jetzt viele Menschen für den Frieden einsetzen, für Hilfe von Menschen aus anderen Ländern mit einer anderen Kultur.

Auch wenn es anderen Menschen schwerfällt, diesen Frieden zu leben, sollten sich die Friedensstifter nicht entmutigen lassen.

Als Christen sehen wir uns von Gott begabt und ermutigt, das zu tun. Es ist eine unendlich große Aufgabe, die manchmal unendlich viel von uns fordert. Wir müssen sicher nicht mehr machen, als wir können. Was uns möglich ist, sollten wir jedoch mit ganzer Kraft versuchen. Da schließt sich auch so ein Geheimnis auf. Indem sich ein Mensch uneigennützig auch für andere einsetzt, wird er selbst Ermutigung erleben. Der Dank für das eigene Leben rückt mehr in den Mittelpunkt.

Was mir dabei dennoch zu schaffen macht, ist die Gewalt des Unfriedens, die sich oft so zerstörerisch durchsetzt. Das nimmt mir manchmal den Mut und ich frage mich, für was soll ich mich so einsetzen? Hat es denn überhaupt noch einen Sinn, wenn durch Unfrieden so viel Zerstörung geschieht?  Auch wenn es diese Gedanken gibt, will ich den Bezug zu dem Gott des Friedens immer wieder suchen. Da entdecke ich den entscheidenden Unterschied zwischen mir und Gott. Ich werde enttäuscht und resigniere. Ich sinne auf Vergeltung. So etwas kann ich bei Gott nicht finden. Er hätte schon längst die Freundschaft mit uns Menschen aufkündigen können. Er ist sicher nicht auf uns angewiesen. Wir Menschen sind jedoch auf ihn angewiesen. Wir brauchen immer wieder diese Ermutigung und den starken Hinweis. Gottes Eigenschaft ist Frieden und wo wir ihn in unser Leben hereinlassen, breitet sich dieser Frieden aus. Wie von selbst möchte ich dann seinen Willen tun. Suchen wir immer wieder neu den Weg des Friedens. Weil er für uns ist, kann ich auch mit dieser Haltung in unserer Welt leben.  

Autor: Pfarrer Uwe Winkler

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Zwischen Sehnsucht und Horror

Ort der Sehnsucht oder Horrorvorstellung? Diese beiden Stichworte kamen mir in den Sinn, als ich Prediger 12, Vers 14 las. Da heißt es: „Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, alles, was verborgen ist, es sei gut oder böse.“

Dieser Satz ist und bleibt eine Herausforderung. Die einen erwarten das Gericht sehnsuchtsvoll: Endlich, endlich kommt alles Böse einmal auf den Tisch. Endlich wird das Unrecht beim Namen genannt. Das ist und bleibt die große Hoffnung der Entrechteten und Geschundenen, … und das zu Recht! Andererseits wird damit die Messlatte recht hochgelegt. Wer ehrlich zu sich selber ist, weiß: Ja, da wird es eng. Muss denn wirklich alles ans Tageslicht gezerrt werden?

Was machen wir dann mit diesem Satz? Ich kann ihn nämlich nicht als „alttestamentlich“ abtun. Denn auch im Neuen Testament wird vom Gericht gesprochen. Jesus tut das immer wieder, direkt und auch verschlüsselt, ganz eindeutig! Für viele unserer Zeitgenossen aber passt das nicht mehr in ihre Vorstellungen von Gott. Er soll doch ein Gott der Liebe sein, … oder? Wie kann er dann so unnachgiebig sein, so pingelig?

Aus der Sicht der Netten, der Rechtschaffenen, derer die meinen, immer alles richtig zu machen, ist das sicher so. Aber Jesus, der Sohn Gottes, sieht das anders. Wer so argumentiert, macht es sich zu einfach. Damit wird Gott kleingemacht.

Wir sollten uns vor Augen halten: Ja, jeder Mensch, wirklich jeder ist in Gottes Augen vor ihm schuldig. Und wer schuldig ist, wird sich verantworten müssen. Das erwarten wir von jedem Gericht. Das heißt dann aber auch: Ja, Gott hat alles Recht der Welt, Gericht zu halten, den Dingen einmal wirklich auf den Grund zu gehen. Aber, … und das wird nicht gesagt: Gott will damit niemanden vernichten. Zum Beispiel hat er nach der Sintflut dem Noah versprochen: So werde ich nie wieder mit der Schöpfung umgehen, solange sie besteht. Sein Ziel war es, die Menschen zurückzugewinnen. Deshalb baute er ihnen immer wieder neu Brücken. Am stärksten kommt das bei Jesus zum Ausdruck. Er war kein Diktator. Bei ihm gab und gibt es nur Freiwillige. Jesus hat niemanden gezwungen und er wird auch niemanden zwingen. Jeder hat das Recht, sich Jesus, also dem Himmel, zu verweigern. Es bleibt nur das eine, ich zitiere Wolfgang Kraska: „Hoffentlich lassen sie sich trotzdem noch von Gottes Liebe durch das Gericht gewinnen und in den Himmel hineinlocken.“

Noch einmal: Es ist wunderbar, zu wissen: Ja, trotz Schuldspruch bin ich allein durch Jesus in Gottes neuer Welt willkommen. Oder, noch einmal Wolfgang Kraska: „Es gibt Hoffnung für alle und für Christen Gewissheit.“

Autor: Pastor Johannes Schmidt

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Das Kind an der Ampel

Sicher haben Sie das auch schon einmal miterlebt: Sie stehen an einer Ampel und warten auf Grün. Da kommt ein Kind angerannt und Sie hören den Ruf der Eltern: Bleib stehen! Wenn alles gut läuft, bleibt das Kind stehen. Die Eltern nehmen es an die Hand und warten gemeinsam auf Grün.

 Der Prophet Jesaja sagt im Auftrag Gottes etwas Ähnliches: „Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand.“

Viele sagen jetzt vielleicht schnell: Das ist doch gut! Ich bin an Gottes Hand sicher. Er hält mich, auch wenn es um mich herum drunter und drüber geht. Das hilft mir, ruhig zu werden oder ruhig zu bleiben. Manche gehen noch weiter und zitieren den Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln.“ Es ist und bleibt für viele zunächst ein ermutigendes Bibelwort. Das ist unbestreitbar die eine Seite dieses Jesaja-Wortes.

Darf ich Sie jetzt aber noch einmal mit zurücknehmen zu dem Kind an der Ampel? Aus Erfahrung mit den eigenen Kindern weiß ich: Ja, meine Kinder haben mein Rufen fast immer gehört und sind auch stehengeblieben. Aber, … als ich sie an die Hand nehmen wollte, verweigerten sie das manchmal. Sie wollten nicht an die Hand genommen werden. Was in ihnen vorging, weiß ich natürlich nicht. Vermutlich wollten sie mir einfach nur sagen: Du, ich kann das schon selber. Ich brauche deine Hand nicht. Ich bin doch schon groß!

Könnte von daher dieser Vers aus Jesaja 42 eine andere Bedeutung bekommen? Ich meine, ja! Er weist darauf hin: Gottes Ruf, sein Reden kann für uns manchmal auch zu einer Herausforderung werden. Dieser Gott ruft Menschen in seinen Dienst. Er hat für sie bestimmte Aufgaben. Er will durch sie sein Reich bauen, Neues auf den Weg bringen, die Welt verändern. Und was machen wir? Wir haben da so unsere eigenen Vorstellungen. Das passt uns manchmal einfach nicht in den Kram. Dann kann es passieren, dass Gott uns an die Hand nehmen wird. Er will uns zu sich ziehen, damit wir ihm zuhören. Da steht nicht so sehr das gute Gefühl der Sicherheit und der Nähe durch unseren Gott im Vordergrund. Da geht es zuerst um ihn, um seinen Auftrag, um seine Ziele. Und zum Zweiten auch um unser Hören oder noch deutlicher: um unseren Gehorsam.

Ich wünsche Ihnen für den heutigen Tag, dass Sie die Nähe und Hilfe durch unseren Gott erfahren. Ich wünsche Ihnen aber auch, dass Sie erkennen, wenn es um mehr geht. Unser Gott will möglicherweise mit Ihnen sprechen. Bitte reißen Sie sich dann nicht los! Oder anders: Hören Sie gut zu!

Autor: Pastor Johannes Schmidt

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Innere Größe zeigen

Der Evangelist Markus berichtet uns diese Geschichte: „Dann nahm Jesus ein Kind und stellte es in ihre Mitte. Er schloss es in seine Arme und sagte zu den Jüngern:» Wer ein Kind wie dieses aufnimmt und sich dabei auf mich beruft, der nimmt mich auf. Und wer mich aufnimmt, nimmt nicht nur mich auf, sondern auch den, der mich gesandt hat. «“(Mk 9,36-37)

Von Jesus hatten die Menschen im Dorf und in der Gegend schon viel gehört. Dann hatte es sich rumgesprochen: Der Meister, Jesus kommt durch unser Dorf. Er ist auf dem Weg. Wir können ihn sehen und vielleicht wird er uns auch eine Geschichte erzählen. Aufgeregt breitet sich die Stimmung aus, auch unter den Kindern. Die Menschen lassen alles stehen und liegen, weil sie Jesus sehen wollen und hören möchten, was er zu sagen hat. Doch zunächst hören sie, wie die Jünger auf dem Weg streiten. Sie diskutieren darüber, wer wohl der Wichtigste von ihnen ist. Vermutlich stellt jeder der Jünger seine Vorzüge dar und will im besten Licht erscheinen. Mir kommt das sehr bekannt vor. Die eigenen Schwächen unter den Teppich kehren. Die Stärken hervorheben, vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas aufpolieren – aber nur nicht angeben, denn das wäre ja verwerflich.

Als die Jünger und Jesus im Dorf ankommen, beendet Jesus dieses Selbstdarstellungstheater recht abrupt. Es geht nicht darum mich selbst im rechten oder gar besten Licht zu präsentieren, sondern darum, wie es in meinem Herzen aussieht. Es geht Jesus darum, dass wir den Menschen dienen, nicht aus müssen, sondern aus echtem Bedürfnis heraus. Und um seinem Punkt Ausdruck zu verleihen, nimmt „Jesus ein Kind und stellte es in ihre Mitte. Er schloss es in seine Arme und sagte zu den Jüngern:» Wer ein Kind wie dieses aufnimmt und sich dabei auf mich beruft, der nimmt mich auf. Und wer mich aufnimmt, nimmt nicht nur mich auf, sondern auch den, der mich gesandt hat.«

Darum geht es. Nicht mit Ellenbogen durch die Welt und das Leben gehen, sondern besonders die Schwachen und Schwächsten im Blick zu haben. Gerade die Kinder sind mehr als Erwachsene auf Versorgung und Schutz angewiesen. Und Jesus verbindet sich mit ihnen. Wer die Schwachen der Gesellschaft aufnimmt und sich auf Jesus beruft, nimmt ihn selbst auf. Was für eine Ehre. So kann diese Begebenheit mich ganz neu zum Nachdenken bringen. Wie begegne ich denen am Rande der Gesellschaft? Dem Mann, der jeden Tag mit einer Dose an der Bushaltestelle sitzt? Für viele scheint das vergebliche Liebesmühe zu sein, sich um solche Menschen zu kümmern. Heute sitzt der Mann nicht mehr in der Bushaltestelle, sondern hat ein möbliertes Zimmer, macht ein bezahltes Praktikum und kann den Menschen wieder in die Augen schauen. Gott im eigenen Leben aufzunehmen, ist der größte Schatz, den wir haben können.

Autor: Janine Haller

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Hope Spreader

Im Frühling 2021 rief eine christliche Organisation in der Schweiz zu einer Aktion auf mit dem Slogan: «Hope Spreader statt Super Spreader». Also, Leute mit Hoffnung anzustecken statt mit dem Coronavirus. Diese Aktionstage sollten kreativ genutzt werden, um den Menschen Hoffnung zu machen. Sei es mit Blumen, selbstgeschriebenen Karten, Einkäufe erledigen oder was auch immer. Nicht das Weltgeschehen sollte im Vordergrund stehen, sondern Hoffnung. Es gibt ganz verschiedene Hoffnungen: Wie die Hoffnung auf dem Heimweg, dass noch genügend Milch im Kühlschrank ist. Oder die Hoffnung, dass mein Auto die nächste TÜV Prüfung besteht. Aber diese Hoffnungen waren bei der Aktion nicht gemeint. Keine beliebige Hoffnung nach dem Motto: Hoffen wir auf das Beste. Sondern eine ganz andere Hoffnung.

Von dieser Hoffnung schreibt Paulus der Gemeinde in Kolossä: Und ihr dürft euch nicht von der Hoffnung abbringen lassen. Sie erwächst aus der Guten Nachricht, die ihr gehört habt. (Kol 1,23) Diese Hoffnung, von der Paulus hier schreibt, ist mehr als mein Hoffen, dass noch genügend Milch im Kühlschrank ist. Paulus Hoffnung kommt aus dem Hören der guten Nachricht. Und darum bin ich Fan von Kirchgemeinden. Wir brauchen die Gemeinschaft mit anderen Christen. Denn ich kann mir das Evangelium nicht selbst zusprechen. Ich brauche den anderen, so wie Jesus die Jünger berief, der es mir immer wieder erzählt. Sei es im Gottesdienst, im Hauskreis, beim Kirchenkaffee, bei Begegnungen. Damit ich die gute Nachricht, dass Jesus mich kennt und liebt, trotz all meiner Fehler immer wieder höre. Dass sie Teil meines Lebens wird. Und ich bin überzeugt, dass man diese Hoffnung, dass Gott mir meine Schuld vergibt, nicht nur akustisch hören können soll, sondern auch ganz praktisch erleben kann. Denn die Hoffnung verändert mich. Ein nettes Wort zum Briefträger, ein Lächeln für den Busfahrer, das Angebot für jemanden zu beten. So wird die Hoffnung am Leben gehalten und vor allem immer weitergetragen.

Denn davor warnt Paulus uns auch, dass wir uns nicht abbringen lassen sollen von der Hoffnung. Hope Spreader statt Super Spreader. Ängste begegnen uns genügend im Leben. Ich merke, wie schnell ich mich eher auf das Schlechte und Negative konzentriere, mich davon beeinflussen lasse. Lasst euch nicht von der Hoffnung abbringen, klingt mir Paulus im Ohr. Das möchte ich heute ganz bewusst. Wie viel ermutigender und lebensverändernder könnte mein Umfeld sein, wenn ich offen, ungezwungen beginne meine Hoffnung mit den Menschen zu teilen? Heute soll ein Tag voller Hoffnung sein. Heute möchte ich einen Unterschied machen für die Menschen, denen ich begegne, dass sie Hoffnung spüren und erleben können. Denn ich habe die gute Nachricht von Jesus Christus gehört, aber so viele noch nicht.

Autor: Janine Haller

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Versprochen!

„Versprich nur das, was du auch halten kannst!“ - So mahnte mich mein Vater, wenn ich den Mund mal wieder zu voll nahm. Heute bin ich selber so alt wie er damals und muss zugeben: Ein guter Rat war das. Ich habe ihn bislang fast immer beherzigt. Nur fast, muss ich sagen. Denn Mensch bleibt Mensch. Wir irren öfter als wir denken und wir überschätzen uns öfter als wir denken. Kein Mensch ist einwandfrei und perfekt. Wie damals, als ich wirklich meine Versprechen einhalten wollte, z.B. zur vereinbarten Uhrzeit nachhause zu kommen. Einmal stürzte ich meine Mutter in die Verzweiflung, weil ich nach der Schule nicht kam. Ich hatte beim Spiel mit einer Freundin die Zeit vergessen. Sie können sich sicher vorstellen, was mir blühte, als ich schließlich spät nachmittags zuhause eintrudelte. Ich hatte mir nichts dabei gedacht. Aber als mich meine entsetzte und gleichzeitig erleichterte Mutter unter Tränen schüttelte und fragte: „Kind, wo bist du nur gewesen? Ich habe mir solche Sorgen gemacht!“, da wusste ich: Das darf ich nie wieder tun. Leichtfertige Versprechungen haben ihre Konsequenzen, wenn ich den Mund zu voll nehme und mich selbst überschätze. Es kann schiefgehen.

Nicht so bei Gott. Wenn er etwas verspricht, dann hält er es. Was er sich vornimmt, das macht er. Ich lese den Losungstext der Herrnhuter Brüdergemeine für heute aus dem Jesajabuch, Kapitel 25, Vers 1: „Herr, du bist mein Gott! Ich lobe und preise dich, denn du vollbringst wunderbare Taten. Was du vor langer Zeit beschlossen hast, das hast du in großer Treue ausgeführt.“

Was hat Gott schon lange versprochen? Und was wird er künftig tun? - Er wird ein Festmahl für alle Völker halten. Ein paar Verse weiter steht: „Dann zerreißt er den Trauerschleier, der über allen Menschen liegt, und zieht das Leichentuch weg, das alle Völker bedeckt. … Er wird den Tod für immer und ewig vernichten. Der Herr, der allmächtige Gott, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen. Er befreit sein Volk von der Schande, die es auf der ganzen Erde erlitten hat. Das alles trifft ein, denn der Herr hat es vorausgesagt.“ Gott verspricht den kriegsgeplagten Israeliten ein Ende aller Schrecken und Gräueltaten. Und darüber hinaus ein Ende von Leid und Elend für alle Menschen und Völker. Ist das nicht wunderbar?

Gott zu glauben, ihm zuzutrauen, dass er sein Wort hält, bedeutet Hoffnung für die ganze Welt. Für eine Welt, die von alters her von Krieg, Mord und Totschlag, Lug und Betrug beherrscht wird. Wann in der Geschichte der Menschheit gab es Frieden und Gerechtigkeit für alle? -  Noch nie! Doch genau das verspricht Gott: Frieden für die Völker und für jeden einzelnen Erdenbürger. „Erwarten wir getrost, was kommen mag, Gott ist bei uns am Abend und Morgen“, dichtete Dietrich Bonhoeffer, als die Welt im Paradeschritt unterzugehen drohte. 

Geben wir die Hoffnung auf Frieden nicht auf. Gott hat ihn versprochen. Zum Schluss lese ich aus dem Jesajabuch, Kapitel 19. Es geht darin um ein Völker übergreifendes Friedensversprechen: „Mitten in Ägypten wird ein Altar stehen, der dem Herrn geweiht ist, und an der Grenze des Landes wird man eine Gedenksäule für ihn errichten. In dieser Zeit wird eine Straße von Ägypten nach Assyrien führen. Die Assyrer und Ägypter besuchen einander und dienen gemeinsam dem Herrn. Israel ist dann der Dritte im Bunde, ein Segen für die ganze Erde. Der Herr, der allmächtige Gott, wird sich diesen Völkern zuwenden und sagen: Ich segne euch, Ägypter, ihr seid mein Volk! Ich segne auch euch Assyrer, ich habe euch geschaffen. Und ich segne euch Israeliten; ihr gehört zu mir.“

Gott liebt diese Welt. Sein Friedensversprechen beziehe ich deshalb mutig auf alle Länder, die sich zurzeit bekriegen.

Autor: Mag. Theol. Rositta Krämer

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„Alles fließt!“

Kaum etwas bleibt, wie es ist. Das Stete im Leben ist der Wandel. „Alles fließt“, behauptete einst ein weiser Grieche. Sollte er recht haben, könnte die menschliche Suche nach Halt und Festigkeit im Leben hier eine Erklärung finden. Wenn mir mein Leben durch die Finger rinnt, möchte ich es irgendwo festmachen können. Manche finden Halt in der Familie, andere in ihrer Weltanschauung. Ich glaube an Gott. Ich glaube und hoffe, dass er alles im Griff hat, wenn bei uns auf der Erde mal wieder vieles schief läuft, wie die Kriege in der Ukraine, im Jemen und in Syrien, die Taliban in Afghanistan und das Chaos im Libanon und so weiter. Zurzeit gibt es in 22 Ländern kriegerische Auseinandersetzungen. Das Erste, was im Krieg verloren geht, ist bekanntlich die Wahrheit, das Zweite ist die Menschlichkeit. Das wird sich niemals ändern. Das und die Tragödien, die Folgen für Mensch und Natur. Von alters her bis heute bleibt die Eroberung eines Landes, was sie schon immer war: brutal und Menschen verachtend.

Die Israeliten vor Jahrtausenden können auch ein Lied davon singen, was Krieg und Vertreibung mit ihnen gemacht haben. Unendliches Leid, Tod und Demütigungen mussten sie über sich ergehen lassen. Erstaunlich ist, wie sie ihre Niederlagen und Tragödien deuten. Oder anders gesagt, wie sie ihren Gottesglauben bewahren. Eine große Hilfe kommt von Gott selbst. Er befähigt Menschen unter ihnen, die ihnen Mut machen, sie ermahnen und unermüdlich Glaubenshalt vermitteln. Wie der Prophet Jesaja. Ich lese die Verse 6 bis 9 aus Kapitel 55 des Jesajabuchs:

„Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt! Betet zu ihm, solange er euch nahe ist! Hast du dich gegen Gott aufgelehnt? Bist du eigene Wege gegangen und eigenen Plänen gefolgt? Dann hör auf damit! Kehr deinem alten Leben den Rücken, und komm zum Herrn! Er wird sich über dich erbarmen. Unser Gott vergibt uns, was auch immer wir getan haben. Er sagt: Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und meine Wege sind nicht eure Wege. Denn wie der Himmel die Erde überragt, so sind auch meine Wege viel höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“

Was sind Gottes Gedanken? Was unterscheidet unsere Wege von seinen Wegen? Etwas weiter im Jesajabuch, Kapitel 58, Verse 6 bis 9 lässt sich herauslesen, wie Gott ist und was er sich für uns vorstellt: „Löst die Fesseln der Menschen, die ihr zu Unrecht gefangen haltet, befreit sie vom drückenden Joch der Sklaverei, und gebt ihnen ihre Freiheit wieder! Schafft jede Art von Unterdrückung ab! Gebt den Hungrigen zu essen, nehmt Obdachlose bei euch auf, und wenn ihr einem begegnet, der in Lumpen herumläuft, gebt ihm Kleider! Helft, wo ihr könnt, und verschließt eure Augen nicht vor den Nöten eurer Mitmenschen! Dann wird mein Licht eure Dunkelheit vertreiben wie die Morgensonne, und in kurzer Zeit sind eure Wunden geheilt. Eure barmherzigen Taten gehen vor euch her, meine Macht und Herrlichkeit beschließt euren Zug. Wenn ihr dann zu mir ruft, werde ich euch antworten. Wenn ihr um Hilfe schreit, werde ich sagen: Hier bin ich.“

Wie aktuell ist das denn? Barmherzig sein und helfen, wo es nur geht. Mitmenschlich sein.

Das will Gott heute wie damals. Darin wird er sich niemals ändern. Darin ist und bleibt Gott derselbe heute und in alle Ewigkeit. Und wir Menschenkinder? Wir finden Halt in Gott und durch ihn in dem, was uns menschlich macht, barmherzig und gütig. Kein Mensch muss bleiben, wie er ist. Das ist die gute Nachricht.

Autor: Mag. Theol. Rositta Krämer

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