ERF Plus - Wort zum Tag

Rente in Sicht

Wenn man – wie ich – so langsam in Richtung Rentenalter kommt, lernt man es besser zu verstehen, was Ps. 71,9 so formuliert: „Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlass mich nicht, wenn ich schwach werde.“

Wenn die eigenen Kräfte weniger werden – sind wir dann auch weniger wert? Kann Gott uns dann nicht mehr so gebrauchen wie bisher?

Der Psalmbeter erinnert sich in den Versen vorher daran, was Gott ihm seit seiner Jugendzeit Gutes getan hat. Wie Gott ihm geholfen hat, ihn durch Schwierigkeiten hindurchgeführt hat. Denn Schwäche ist ja nicht auf das Alter beschränkt. Und weil er Gottes Hilfe in seinem Leben immer wieder erfahren hat, lässt ihn das auch getrost werden - jetzt, wo das Alter seinen Tribut fordert.

Der Vers 9 ist daher keinesfalls nur ein Vers für alte Menschen. Ich selbst habe diesen Vers auch früher öfter einmal gebetet. Herr, halte mich fest. Verwirf mich nicht. Selbst dann nicht, wenn ich einmal alt werde und meine Kraft dauerhaft zurückgeht. Dieses Gebet hat mir Trost gegeben für Zeiten der Schwäche.

Vielleicht erleben Sie gerade eine solche Zeit. Vielleicht ist es auch die gegenwärtige Corona-Situation, die Ihnen zu schaffen macht. Die Sie untätig werden lässt oder vielleicht auch zur Untätigkeit zwingt. Die Ihnen Angst macht und Sie lähmt. Da kann so ein Vers wie dieser helfen, den Kopf zu erheben.

Machen Sie es doch wie der Psalmschreiber: Fangen Sie an darüber nachzudenken, was Gott schon Gutes in Ihrem Leben getan hat. Wie Gott Sie in der Vergangenheit durch Zeiten der Schwäche hindurchgetragen hat. Nehmen Sie sich einen Zettel und schreiben auf, was Ihnen einfällt. Und dann danken Sie Gott für diese Dinge. Der Gott, der Sie bisher getragen hat, der Ihnen bisher geholfen hat, wird Sie auch in der Zukunft nicht verlassen.

Das bedeutet nicht, dass dadurch plötzlich alles einfach und leicht wird. Der Psalmdichter betet ja auch nicht, dass Gott die Schwachheit seines Alters wegnehmen möge. Er bittet vielmehr darum, dass Gott ihn auch im Alter tragen und ihn nicht verlassen wird. Das ist ja gerade das Besondere an dem Gott, an den wir glauben: Er hält es mit den Schwachen. Er lebt, wie Jesaja das einmal sagt (Jes. 57,15) nicht nur in der Höhe und im Heiligtum, sondern gerade auch bei denen, „die zerschlagenen und demütigen Geistes sind“.

Auch Paulus hat diese Erfahrung gemacht. Er war schwach, denn er kämpfte mit einer körperlichen Krankheit. Wir wissen nicht genau, was das war. Es belastete ihn jedenfalls sehr und hatte auch viele Auswirkungen auf seinen Dienst. Deshalb betete er zu Gott und bat ihn, dass er ihn heile. Wie oft hatte er das an Anderen erlebt: Gott war und ist ein Gott, der heilen kann. Aber Paulus wurde nicht geheilt. Gott machte ihm aber klar, dass er ihn auch mit seiner Schwachheit gebrauchen kann. Ja, dass das sogar Gottes Größe besonders deutlich macht, dass er in unserer Schwachheit mächtig ist.

In diesem Sinn lade ich Sie ein, unseren Psalmvers noch einmal ganz persönlich zu beten. Gleichgültig, ob Sie sich gerade schwach fühlen, ob Sie alt sind oder sich vor dem Alter fürchten. Sie dürfen ihn bitten: „Herr, verwirf mich nicht in meinem Alter, verlass mich nicht, wenn ich schwach werde.“ Und Sie dürfen gewiss sein, dass er dieses Gebet erhören wird.

Autor: Hans-Georg Wünch

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Wenn Gott meinen Namen ruft

Wenn jemand meinen Namen ruft, das macht was mit mir. Was? – Das kommt ganz auf den Tonfall an.

Da gibt es diesen „schön, dass du da bist“-Tonfall. Den hatte meine Mutter immer drauf, wenn ich zu Besuch kam, nachdem ich von zu Hause ausgezogen war [Uuuuwe]. Dann gibt es da diesen „Ich-will-was-von-dir“-Tonfall, mit dem die Kollegen durch den Flur rufen [UwE]. Wohl zu unterscheiden von dem „Ich-brauche-deine-Hilfe“-Tonfall [Uuwe]. Dann gibt es den „Was-hast-du-ausgefressen"-Tonfall [UWE!]. Und es gibt den lauten „Wo-bist-du“-Ruf, der durchs ganze Haus geht [UUWEE]. Der Ton macht die Musik.

„Aaadaaam, Wo bist du“- Das erste Mal, das in der Bibel erwähnt wird, dass Gott zum Menschen spricht. Das war dieser „Wo-bist-du“-Ruf, vielleicht schon kombiniert mit dem „Was-hast-du-getan“-Tonfall. In den lauen Abendstunden geht Gott durch den Garten Eden und ruft den Menschen, weil er ihn nicht mehr finden kann. „Adam, wo bist du?“ Indem Gott so ruft, nimmt er Adam – und uns – als Mensch, als Personen, ernst. Er erachtet ihn – und uns – für würdig, Verantwortung zu übernehmen. Für sich selbst. Sogar für seine ganze Schöpfung.

Dass Adam sich vor Gott versteckt, dokumentiert den Erkenntnisgewinn, den ihm der Sündenfall gebracht hatte: Er hatte nämlich plötzlich gemerkt, dass der nackt war. Gott und der Umwelt schutzlos ausgeliefert. Er hatte gemerkt, dass er mit dem heiligen, gerechten Gott keine Gemeinschaft mehr haben konnte. Die Angst vor Gott saß ihm nun im Nacken. Wenn Sie sich vorstellen, dass Gott Ihren Namen ruft – was ist Ihre erste Reaktion?

Adams Reaktion ist uns heute fremd geworden. Wir haben uns daran gewöhnt, dass es Gottes Aufgabe ist, gnädig zu sein, zu vergeben, der „liebe Gott“ zu sein. Wenn Gott den Menschen in der Bibel nahekommt, ist die Reaktion oft zuerst: Erschrecken! Ich sündiger Mensch passe doch nicht zu diesem heiligen Gott! Vielleicht können wir hier sogar von Adam noch was lernen.

Szenenwechsel: Der Prophet Jesaja hat eine Vision von der Zukunft – konkret der Zukunft seines Volkes Israel. Wieder ruft Gott die Menschen, die sich von ihm abgewandt haben, beim Namen: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“, heißt es in Jes 43,1.

Ein ganz anderer Tonfall! Weil die Menschen damals aber noch wussten: Wenn Gott beim Namen ruft, dann ruft er zu Verantwortung, dann muss man sich stellen. Deswegen ruft Gott zuerst „Fürchte dich nicht“! Dieser Satz steht ungefähr 70 mal in der Bibel. Ganz oft von Gott oder Engeln gesagt. Mal eher in dem Sinn „Fürchte dich nicht vor deinen Feinden, ich bin bei dir!“ – mal eher „Fürchte dich nicht – vor mir“. Der Engel Gabriel zu Maria – „Fürchte dich nicht!“ - nicht vor mir, vor der Nähe oder Gegenwart Gottes, in der ich lebe, Maria. Gott ist dir gut!

„Fürchte dich nicht, ich habe dich bei deinem Namen gerufen“, sagt Jesaja zum Volk Israel. Stopp! Ein kleiner Satz fehlt: „Fürchte dich nicht. Ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. du bist mein!“

Was löst es in mir aus, wenn Gott meinen Namen ruft? Erschrecken – „So weit bin ich noch nicht!“? Schlechtes Gewissen – „Ooh, ertappt!“? Oder einfach nur Freude? – Letzteres geht nur, wenn ich erlöst bin, wenn ich nicht mehr „Adam“ bin. Wenn Jesus mich erlöst, befreit, geheilt, reingewaschen hat. Aber: Genau dadurch, dass Jesus meinen Namen auf der Liste hat und dem Vater weitersagt, und der Vater mich beim Namen ruft, bin ich ja erlöst.

Versuchen Sie mal, sich den Tonfall vorzustellen, in dem der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn den Namen seines Sohnes gerufen hat, als der er ihn am Horizont erkannte. Und dann stellen Sie sich vor, dass Gott so Ihren Namen ruft. Und horchen Sie doch heute mal, ob Sie Gott nicht rufen hören!

Autor: Uwe Bertelmann

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Gefangen im Drachenpanzer

„Es war einmal ein Junge namens Eustachius Knilch, und diesen Namen hatte er fast verdient.“ – Mit diesem Satz beginnt der Roman „Die Reise auf der Morgenröte“ von C. S. Lewis, Band 5 der Narnia-Chroniken.

Eustachius Knilch – unausstehlich. Selbstsüchtig. Ein verwöhntes Mamasöhnchen. Eine Nervensäge. Ein Egoist und Narzisst, wie er im Buch steht. Wider Willen wird er in die Geschichte, also nach Narnia, hineingezogen. Eustachius findet dann einen Goldschatz. Und dieser Schatz, so sein selbstsüchtiges Kalkül, würde ihn zum Herren über alle anderen machen. Das Gegenteil passiert natürlich: Der Schatz beherrscht ihn. Nur noch von Gier und Herrschsucht getrieben, verwandelt sich Eustachius in einen Drachen. Hier hat Lewis vermutlich ein Motiv aus der nordischen Sage von dem habgierigen Riesen Fáfnir aufgenommen. Fáfnir verwandelt sich selbst in einen Drachen, um seine geraubten Schätze zu bewachen. Der Drache, der auf seinem Schatz sitzt – ein uraltes Bild.

Für mich die bewegendste Szene im Buch: Der Löwe Aslan erscheint und reißt dem Drachen mit seinen Klauen die Drachenhaut ab – es „schmerzte schlimmer als alles, was ich jemals gespürt habe“, erzählt Eustachius später. Nachdem die Haut endlich abgezogen ist, taucht Aslan Eustachius in eine Quelle, und Eustachius wird wieder Mensch – ein veränderter, neuer Mensch, der nachher durchaus zu Heldentaten fähig ist. Eustachius hatte Schichten von Schutzpanzern um sich gelegt. Seine Unausstehlichkeit. Sein Egoismus. Seine Gier – Schutzpanzer.

Gleich nach dem Sündenfall, in 1.Mose 3,9-10: Gott sucht Adam im Garten und findet ihn nicht, denn Adam und Eva haben sich im Gebüsch verkrochen - da heißt es: „Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt.“

„Ich bin nackt“ – und schutzlos. Also baue ich Schutzpanzer um meine Seele. Und der erste, hilflos wirkende Schutzversuch war, sich vor Gott im Gebüsch zu verstecken. Nicht nackt, nicht schutzlos sein – also bauen wir einen Drachenpanzer um uns selbst, in dem wir dann aber gefangen sind. Egal - der soll uns schützen! Je mehr ich über diese Geschichte nachdenke: Es steckt eine Menge „Eustachius Knilch“ in mir. Und ich fange an zu überlegen, was meine Schutzpanzer sind, in denen ich gefangen stecke. Wie oft reagiere ich lieblos, nur um irgendetwas nicht an mich ranlassen zu müssen? Wie oft glaube ich, dass irgendwelche Dinge mir Sicherheit geben, damit ich nicht auf andere angewiesen bin?

Adam fürchtet sich, weil er nackt ist. Schutzlos. Nicht, dass das nicht vorher schon so gewesen wäre – aber jetzt wird es Adam bewusst, weil er sich selbst aus Gottes Schutzbereich hinausbegeben hat.

Gott selbst greift zur Erste-Hilfe-Maßnahme. Er macht dem Menschen Kleidung aus Fellen. Sozusagen eine erste, provisorische Schutzschicht. Aber das löst Adams Problem nicht. Adam wird sich weitere Schutzpanzer bauen, weil er sich nackt fühlt. Er wird künftig autonom und selbstständig versuchen müssen, sich zu schützen. Und er wird unter all den Schutzpanzern zum Eustachius Knilch.

Wir alle sind Adam – oder Eva – und brauchen einen Aslan, wir brauchen Jesus – der uns die Schutzpanzer abzieht. Ja, das kann schmerzhaft sein, wenn wir uns den eigenen Schutzpanzern um uns herum stellen müssen. Wenn wir all die Sicherheiten, an die wir unser Herz gehängt haben, all die Schätze loslassen müssen. Wenn wir ehrlich alle Schutzbehauptungen aufgeben müssen.

Das Wunderbare in der Geschichte von Lewis: Aslan befreit Eustachius nicht nur, er heilt ihn auch, indem er ihn in der Quelle untertaucht. Nackt werden vor Gott, alles loslassen, und untertauchen in der Taufe. Ganz ohne sich schämen zu müssen. Und immer wieder will Jesus uns die Drachenpanzer abkratzen. Mein Gebet für diesen Tag ist, dass ich das zulasse.

Autor: Uwe Bertelmann

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Lange angekündigt, endlich da

Schon viele Jahrhunderte lang hallte das Versprechen durch die Geschichte. Eigentlich seit den frühesten Tagen der Menschheitsgeschichte ist es klar: Ein Retter wird kommen! Gott wird ihn schicken, damit das, was im Argen liegt, wieder in Ordnung gebracht werden kann.

Menschen haben diese Ankündigung gehört und der Botschaft geglaubt. Sie haben gehofft und sich die bange Frage gestellt: Wann wird es endlich so weit sein? Werde ich es erleben, wenn Gott den verheißenen Erlöser schickt? Bin ich dabei, wenn alles wieder gut wird?

Dann trat der Prophet Jesaja auf. Auch er sprach vom Retter Gottes. Aber irgendwie klang das bei ihm anders.

Jesaja redete nicht von dem, was die Leute sich vorstellten. Nicht von einem mächtigen politischen Herrscher vom Kaliber eines Königs David und auch nicht von der Befreiung aus feindlicher Unterdrückung. Jesaja prophezeite vielmehr, dass Gottes Hilfe völlig anders aussehen würde als zunächst gedacht.

Im 53. Kapitel des nach Jesaja benannten Buches beschreibt der Prophet in prägnanten Bildern den kommenden Retter. Dieses Kapitel beinhaltet eine der wichtigsten Vorhersagen des Alten Testaments. Dort heißt es, ich zitiere:

„Er hat die Sünden vieler getragen, und für die Übeltäter trat er ein“ Jesaja 53,12.

Liest man die vorangehenden Verse 1 bis 11, wird deutlich, dass hier von jemandem die Rede ist, der nicht von politischer Unterdrückung befreit, sondern von Sünde und ihren Folgen im persönlichen und gesellschaftlichen Umfeld.

Jesaja macht deutlich: Gott wird nicht an den Symptomen kurieren. Nein, er wird sich des grundsätzlichen Problems annehmen. Er schickt den Erlöser, der dieses Problem überwinden kann.

Was von Jesaja angekündigt wurde, ist mehrere Jahrhunderte später Wirklichkeit geworden. Mit Jesus Christus hat Gott sich eingemischt. Er ist Mensch geworden und hat höchstpersönlich für eine angemessene Lösung gesorgt. Und damit ist es genauso gekommen, wie Jesaja das vorhergesehen hatte: Jesus hat die Sünden der vielen auf sich genommen und ist für die Übeltäter eingetreten.

Aber der seinem Volk von Gott Versprochene hat noch mehr möglich gemacht. Mit Jesus Christus ist Gottes Heil über die Grenzen der jüdischen Nation hinaus bis zu Ihnen und mir gedrungen. Gottes Heil gilt in gleicher Weise für mich und für Sie.

Ich kann Jesajas Feststellung zu meiner machen und Sie können das für sich genauso sagen: Jesus hat meine Schuld getragen. Er ist für mich eingetreten.

Autor: Wolf-Dieter Kretschmer

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Ein wertvolles Versprechen

Elifas ist ein Mann, der es gut meint. Sein Freund Hiob hat Schweres erlitten. Raubüberfälle haben ihn wirtschaftlich ruiniert. Der plötzliche Tod seiner Kinder infolge einer Naturkatastrophe setzt ihm aufs Ärgste zu. Hiob ist verzweifelt. Als Elifas die Nachricht von den grauenvollen Geschehnissen hört, eilt er ohne zu zögern herbei. Er will in dieser notvollen Zeit bei seinem Freund sein und diesem Trost spenden.

Was Elifas vorfindet, bricht ihm förmlich das Herz. Er erkennt den leidgeprüften Hiob kaum wieder. Hiob ist buchstäblich ein Häufchen Elend geworden.

Elifas hält sich an die Regeln, die damals üblich sind. Er verbringt schweigend viel Zeit mit dem leidgeprüften Freund und drückt so sein Mitgefühl aus. Erst nach einer Woche traut er sich, überhaupt etwas zu sagen.

Was Elifas dann ausspricht, kommt aus einem aufrichtigen Herzen. Er meint es gut mit Hiob. Allerdings wird schnell deutlich, dass seine Worte nicht trösten. Das meiste, was er zu sagen weiß, entspringt einem sehr begrenzten Gottesbild, das er sich zurechtgelegt hat.

Allerdings liegt Elifas nicht in allen Punkten verkehrt. Er spricht beispielsweise über Eigenschaften Gottes, die zutreffen und es wert sind, sich vor Augen zu halten. Zwei dieser Eigenschaften erwähnt er in seiner Rede. Sie sind im Buch Hiob 5,11 aufgeschrieben.

„Er [Gott] erhebt die Niedrigen und schenkt den Trauernden großes Glück“, Hiob 5,11.

Elifas weiß, dass niemand Gottes Aufmerksamkeit entgeht. Auch die nicht, die nach gesellschaftlichen Maßstäben als unbedeutend gelten. Gott sieht jeden und reicht allen die Hand. Jedem steht es offen, sie zu ergreifen. Auch will er den Trauernden die Tränen trocknen und ihnen Glück schenken.

Für mich ist das ein wichtiger Gedanke, den ich in diesen Tag mitnehme: Ich werde gesehen. Und zwar vom Allerhöchsten! Auch wenn ich den Eindruck habe, dass niemand sonst mich wahrnimmt, Gott tut es. Seine Blicke sind nicht streng, kontrollierend oder verurteilend. Nein. Es sind die liebevollen Blicke des „Vaters im Himmel“, von dem Jesus Christus im Evangelium spricht.

Gott sieht mich liebevoll an. Es tut nichts zur Sache, wie ich mich fühle und ob ich eine bedeutsame Rolle innehabe. Er will mir in meiner Not begegnen und mich aufrichten. Dazu hat er Jesus Christus gesandt, der mich einlädt mit den Worten: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erfrischen“, Matthäus 11,28.

Ich bete: Danke, lieber Vater im Himmel, im Namen von Jesus Christus für dieses wunderbare Angebot. Herr, du siehst meine Mühe und auch die Last, die ich mit mir trage. Bitte erfrische mich. Bitte richte mich wieder auf, damit ich mit Elifas bekennen kann: Du erhebst die Niedrigen und schenkst den Trauernden großes Glück. Amen.

Autor: Wolf-Dieter Kretschmer

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Anders denken

Es ist mit Abstand meine liebste Ostergeschichte. Die Erzählung von den beiden Jüngern, die einige Tage nach Jesu Tod unterwegs nach Emmaus immer noch zu begreifen versuchen, warum er sterben musste.

Während sie unterwegs sind nach Emmaus, ist Jesus schon längst auferstanden. Die beiden Jünger haben davon zwar sagen hören. Aber sie bringen das Puzzle nicht zusammen. Sie diskutieren endlos, auch mit dem Unbekannten, der sie eingeholt hat. Seine Erklärungen zur Auferstehung klingen sinnvoll. Sie sind beeindruckt ... und kommen doch der frohen Botschaft immer noch nicht auf die Spur. Erst als sie mit dem Unbekannten zu Tisch sitzen und der das Brot bricht, wie es Jesus immer getan hat ... erst in dem Moment begreifen sie. Es fällt ihnen wie Schuppen von den Augen. Sie erkennen Jesus. Und im selben Moment ist der verschwunden.

Ich liebe diese Geschichte, weil sie meinem eigenen Erleben so nahekommt. Wie oft bin ich genau wie diese beiden Jünger unterwegs. Ich frage, ich diskutiere und wäge ab. Eigentlich habe ich alle Puzzleteile beieinander. Aber ich kriege sie nicht zusammen zu einem schlüssigen Bild. Ich brauche die Hilfe von Christus, um zu verstehen und glauben zu können. Und ich merke nicht, wie er schon längst mit mir im Gespräch ist und meinem Glauben auf die Sprünge hilft. Aber wenn dann der Groschen fällt, spüre ich ihn. Einen flüchtigen Moment nur - und doch lange genug, um glauben zu können.

Warum erkannten die Emmaus-Jünger Jesus nicht? Warum merke ich so oft nicht, wie nahe mir Christus ist und wie behutsam er Einsichten reifen und Glauben entstehen lässt in mir? – Den beiden Emmaus-Jüngern stellte Jesus in Lk 24,26 die Frage: „Musste der Christus das nicht alles erleiden, um in die Herrlichkeit seines Reiches zu gelangen?“ (Lk 24,26)

Es ist doch genauso, wie er es ihnen früher schon oft erklärt hatte. Aber sie hatten ihn nie richtig verstanden. Sie hatten die eigenen Erwartungen und Vorstellungen nicht losgelassen. Denen zufolge konnte Gott nicht leiden. Der Weg zum Sieg konnte unmöglich über die totale Niederlage führen. Der Messias musste ein unwiderstehlicher Kämpfer sein, ein Winnertyp und nicht ein leidender Gottesknecht.

Ich glaube, das Problem besteht darin, dass wir Menschen immer wieder mit unserer eigenen Logik begreifen wollen, was Gott will und tut. Es muss doch zu unseren Vorstellungen und Erwartungen passen. Wir verstehen zu wenig, wie radikal Gott unsere Wahrnehmung und unser Denken in Frage stellt. Beim Propheten Jesaja heißt es: ‚Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und meine Wege sind nicht eure Wege!‘ (Jes 55,8f) Wir stehen uns mit unseren Prinzipien und Wahrheiten immer wieder selbst im Weg. Wir verstehen nicht, weil wir zwar die richtigen Puzzleteile haben, aber die falsche Vorlage benutzen.

Ostern erleben wir dann, wenn wir unsere Vorstellungen, Erfahrungen und Überzeugungen loslassen können und uns auf die Worte Christi einlassen. Wenn wir es wagen, ganz anders zu denken als wir es gewohnt sind. Dazu laden die Emmaus-Geschichte und insbesondere Jesu Rückfrage ein: Wagt es, die Welt und das Leben aus Gottes Perspektive anzuschauen. Dann werdet ihr begreifen. Ihr werdet ihn hören und sehen. Und ihr werdet glauben.

Autor: Pfarrer Daniel Eschbach

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Gott geht mit

Ostersonntag. Heute ist alles klar: Christus lebt. Er ist auferstanden. – Wenn es doch so klar wäre! Häufig erlebe ich eher, was ein Kirchenlied so formuliert: „Ich werfe meine Fragen, Bitten, Ängste hinüber, wie ein Tau von einem Schiff ans Land. Vielleicht ist einer da und greift herüber, vielleicht nimmt einer mich an meiner Hand.“

Dieses Vielleicht vernebelt meine Gewissheit. Ich habe viele Fragen, Bitten und Ängste. Ich will glauben, dass Christus lebt, da ist. Ich sehne mich danach, dass er mich bei der Hand nimmt und zur Ruhe kommen lässt. Wage ich es, darauf zu vertrauen? Da ist dieses Vielleicht. Es macht mir Angst, mein ganzes Vertrauen auf diese eine Karte zu setzen.

Ich will es genauer wissen, möchte unhinterfragbare Klarheit, suche schlagende Beweise: Was stimmt wirklich? Lebt Christus tatsächlich? Wo ist Gott? Wie steht es wirklich um die Welt? Was kann ich glauben? Welchen Informationen darf ich trauen? Was ist denn nun die Wahrheit?

Schon die alten Israeliten suchten diese Sicherheit. Im zweiten Buch Mose wird die Geschichte vom goldenen Kalb erzählt. So versuchten sie, sich den Beweis für die Gegenwart Gottes selbst zu schaffen. Sie wollten Gott sehen können. Sie meinten, darauf angewiesen zu sein. Dabei übertraten sie aber eines der Gebote und Gott wurde sehr zornig. Mose musste hinterher alle seine Energie aufbringen, um Gott wieder versöhnlich zu stimmen. Danach war er selbst schwer angeschlagen und bat darum, Gottes Herrlichkeit sehen zu dürfen. Das wurde ihm aber verwehrt. Er werde Gott nur hinterhersehen dürfen, bekam er zu hören (vgl. 2. Mose 33,20-23). Und dazu die Zusage: ‚Mein Angesicht soll vorangehen. Ich will dich zur Ruhe leiten!‘ (2. Mose 33,14)

Gott hinterhersehen. – Das kommt mir bekannt vor: Der volle Durchblick fehlt mir. Von vorne, im Moment des Erlebens, sehe ich Gott nicht. Ich begreife nicht alles. Das Vielleicht kämpft mit dem Glauben. Zweifel scheinen stärker als die Zeichen für Gottes Nähe. Aber wenn ich dann zurückschaue, beim Nachdenken hinterher, kommen die Spuren Gottes zum Vorschein. Erst im Nachhinein, im Rückblick auf den Weg, den ich gegangen bin, merke ich so richtig: Ich war nicht allein. Ich war getragen, begleitet, wurde gesegnet. Und tatsächlich, wenn mir diese Einsicht geschenkt wird, finde ich besser zur Ruhe.

Gott geht mir voraus. Er ist immer schon da, wo ich hinkomme. Er ist mir auf Schritt und Tritt ganz nahe. Die Gute Nachricht Bibel übersetzt 1. Mose 14 so: „Ich werde mitgehen, du kannst ruhig sein!“ Das ist zwar kein ultimativer Gottesbeweis. Es verhindert nicht, dass mein Glaube unter manchem Zweifel leidet. Aber es ist die Einladung, sich dennoch auf die Nähe Gottes zu verlassen. Und es ist das Versprechen, so zur Ruhe kommen zu können.

Sehr bekannt ist jene Geschichte von einem Menschen, der im Traum auf sein Leben zurückblickt und entdeckt: In schwierigen Zeiten ist nur eine Spur zu sehen, weil er da von Gott getragen wurde. Darauf dürfen wir uns verlassen. Er geht mit. Wir können ruhig sein. Und uns daran halten, auch wenn wir es nicht sehen: Christus lebt.

Autor: Pfarrer Daniel Eschbach

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Das Kreuz mit dem Kreuz

Um die Frage, warum Jesus sterben musste, wird in der aktuellen Theologie und Verkündigung heftig gerungen.

War dieser schmähliche Kreuzestod Jesu um unseres ewigen Heils willen wirklich nötig? Hat Jesus damit das von Gott geforderte Opfer um unserer Sünden willen gebracht, um auf diese Weise seinen Zorn über die Sünden der Menschen zu besänftigen?

Kritiker wenden ein: „Was muss das für ein grausamer Gott sein, der von seinem unschuldigen Sohn ein solches Opfer fordert?! Wie passt ein solches Sühneopfer mit der Botschaft eines liebenden Gottes zusammen?“ Aber in seinem nächtlichen Vier-Augen-Gespräch mit dem Pharisäer Nikodemus macht Jesus ihm klar, dass sich im Opfer seines Lebens gerade die Liebe Gottes zu allen Menschen zeigt: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hingab“, sagt Jesus Nikodemus da.

Sein Tod am Kreuz ist also gerade nicht ein Opfer, das Gott von ihm fordert, sondern ein Opfer, das Gott selbst für uns alle aus Liebe bringt. Gott ergreift im Sterben Jesu die Initiative. Er selbst begibt sich in seinem Sohn Jesus in unsere Schuldgeschichte und nimmt sie samt ihrer Konsequenz, dem Tod, stellvertretend am Kreuz auf sich.

Der Theologe Wilfried Härle hat es so auf den Punkt gebracht: „Das Besondere und Charakteristische der Rede vom Sühnopfer im Neuen Testament besteht gerade darin, dass nicht mehr wir Menschen Gott Opfer bringen, um ihn gnädig zu stimmen, sondern dass Gott selbst sich in Jesus Christus zu unseren Gunsten, uns zur Liebe opfert“.

Fragen wir nach dem entscheidenden Grund, der dieses Opfer unumgänglich nötig macht, so stoßen wir in der Bibel immer wieder auf Gottes nicht kleinzukriegende Sehnsucht und Liebe zu seinen ihm entfremdeten und auf Abwege geratenen Menschenkindern. Um uns in die vertrauensvolle Gemeinschaft mit sich selbst zurückzugewinnen, war Gott zum Äußersten bereit: seinen eigenen, geliebten Sohn zu opfern. Das Sühnopfer ist demnach vor allem ein Liebesopfer.

Aber musste Christus wirklich leiden - ein für alle Mal um der Sünde willen, der Gerechte für die Ungerechten, um uns zu Gott zu führen, wie der Apostel im 1. Petrusbrief schreibt? Hätte sich dieses Ziel nicht auch ohne die brutalen Begleitumstände eines schmählichen Verbrechertodes am Kreuz erreichen lassen? Und: Wiegen unsere Schuld und Gottesferne wirklich so schwer, dass es keine andere Lösung als dieses blutige Opfer dafür gab?

Jesus hat genau diese Fragen in seinem einsamen Ringen mit Gott in Gethsemane kurz vor seinem Tod gestellt. Und Gott hat seinem Sohn klargemacht: „Mein Sohn, es muss sein. Es gibt keinen anderen Weg, die Menschen zu erlösen und sie von meiner Liebe zu überzeugen!“ Darum – und nur darum – ist Jesus im Gehorsam den schweren Weg ans Kreuz gegangen. Für uns. An unserer Stelle. Zu unseren Gunsten.

Wenn heute selbst manche Christen die Heilsnotwendigkeit des Todes Jesu ablehnen, dann hängt das auch damit zusammen, dass sie - vermutlich von einem humanistischen Menschenbild beseelt - die Schuld und Bosheit des Menschen weit weniger dramatisch einschätzen, als die Bibel es tut. Aus biblischer Perspektive ist die Sünde des Menschen eine Realität, die unser Leben vergiftet und zerstört. Dieser Sünde ist nicht mit augenzwinkerndem Verharmlosen nach dem Motto „Wir sind doch alles kleine Sünderlein!“ beizukommen, sondern mit einer zu allem entschlossenen, letzten Kraftanstrengung.

Dazu noch einmal Wilfried Härle: „Das Kreuz Christi steht für die Arbeit und Mühe, die wir Menschen Gott mit unserer Sünde machen, die er um seinetwillen tilgt und ihrer nicht mehr gedenkt. Damit steht das Kreuz für die göttliche Möglichkeit und Wirklichkeit, dass Böses mit Gutem vergolten werden kann, damit wir im Frieden mit Gott leben können“.

Autor: Pastor Klaus Jürgen Diehl

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Grenzen überwinden

Es ist offensichtlich, dass unsere Gesellschaft in immer unterschiedlichere Interessengruppen auseinanderfällt und das uns miteinander Verbindende immer mehr in den Hintergrund tritt. Manche sehen in der Unterschiedlichkeit den Ausdruck einer erfreulichen Vielfalt. In Wirklichkeit aber führen die betonten Unterschiede und Gegensätze dazu, uns immer häufiger voneinander abzugrenzen und übereinander herzuziehen. Es ist schon erschreckend, mit welchem Spott und welcher Häme in den sozialen Netzwerken Andersdenkende bedacht werden. Manchen Zeitgenossen scheint es geradezu Vergnügen zu bereiten, Dreck auf die zu werfen, die anders ticken oder leben als sie selbst.

Was ist bloß mit unserer Gesellschaft los, dass wir so übereinander herfallen? Dass wir jeden Anstand und Respekt vermissen lassen, wenn wir es mit Menschen zu tun haben, die nicht in unser Denk- und Lebensmuster passen? Warum sehen wir in dem Fremden zuerst die Bedrohung – und nicht eine Bereicherung?

Sicher gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Antworten darauf. Aber ein wesentlicher Grund scheint mir darin zu liegen, dass wir in dem Andern – so fremd und abstoßend sein Verhalten zunächst erscheinen mag – nicht mehr zuerst das geliebte Geschöpf Gottes sehen, für den Jesus wie für uns alle am Kreuz gestorben ist. Ja, auch ich habe meine Schwierigkeiten, wenn ich an die Corona-Pandemie bestreitenden Querdenker oder an Verschwörungsanhänger mit ihren abstrusen Verdächtigungen denke. Aber weil sie wie ich von Gott geschaffen und geliebt sind, habe ich kein Recht, ihre Fremd- und Andersartigkeit zum Anlass zu nehmen, ihnen Respekt und Wertschätzung vorzuenthalten.

Ja, ich möchte noch einen Schritt weiter gehen. Im Epheserbrief schreibt der Apostel Paulus passend zum heutigen Karfreitag: „Christus ist unser Friede!“

Es ist interessant, in welchem Zusammenhang dieser Satz steht. Ausgangspunkt ist die traditionelle, stark religiös bedingte Gegnerschaft von Juden und Heiden. Als von Gott auserwähltes Volk sahen Juden verächtlich auf die heidnischen Nachbarvölker herab und waren bemüht, sich in jeder Hinsicht von ihnen abzugrenzen. Doch dann sorgt Jesus mit seinem Sterben und dem Auftrag zur weltweiten Mission dafür, dass die bisher trennenden Grenzen überwunden werden.

Der zu Pfingsten ausgegossene Heilige Geist bewirkt, dass Menschen aus unterschiedlichen Völkern und Rassen sowie verschiedener Herkunft und Bildung im Glauben an Jesus zueinanderfinden und beglückende Einheit erleben. Damit sind nicht automatisch alle Konflikte aus der Welt geschaffen. Zwischen Juden- und Heidenchristen blieben damals gravierende Unterschiede bestehen, die wir bis heute in der Vielfalt unterschiedlicher Konfessionen und Kirchen erleben – und manchmal auch seufzend erleiden. Ich denke daran, dass zwischen Katholiken und Protestanten immer noch kein gemeinsames Abendmahl möglich ist.

Aber entscheidend ist, dass wir in Jesus, seiner Botschaft, seinem Leiden, Sterben und Auferstehen die gemeinsame Mitte finden, die uns in versöhnter Verschiedenheit beieinander hält.

Dass Christus unser Friede ist, bedeutet nun aber nicht, dass uns der Friede wie eine reife Frucht in den Schoß fällt. Immer wieder lesen wir im Neuen Testament, dass wir uns um den Frieden bemühen, ja, ihm nachjagen sollen. Das gilt ganz besonders auch in unserer Zeit, die – wie ich eingangs erwähnte - von so viel Friedlosigkeit und Hass bestimmt ist. Da sind wir als Christen besonders herausgefordert, den abschätzigen und gemeinen Reden über andere entgegenzutreten und uns entschlossen für einen respektvollen Umgang miteinander einzusetzen.

Autor: Pastor Klaus Jürgen Diehl

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Eigentlich …

Eigentlich... „Eigentlich sollte ich mehr Sport treiben,…“; „Eigentlich sollte ich gesünder essen,…“; „Eigentlich wollte ich mehr beten,…“; „Eigentlich hat er ja Recht,….“; Ich weiß eigentlich, was bei mir dran wäre, aber…“.

„Eigentlich“ ist ein merkwürdiges Wort. Eigentlich meint eigentlich: „so ist es wirklich“. Gebraucht aber wird es für einen guten Vorsatz, der leider nur Wort, Gedanke oder Traum geblieben ist. Oder ist es der berühmte „innere Schweinehund“, der mich hindert, das zu tun oder anzuerkennen, was mir längst klar ist?

Der Ansatz ist da, aber die Kraft zur Verwirklichung fehlt. Die Erkenntnis ist da, aber die Anerkenntnis würde zu viel Konsequenzen fordern. „Eigentlich“ ist der Grenzstein zwischen innerem Wollen und äußerer Realität. Dieses Verhalten zieht sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte. Besonders deutlich wird das in der Passionsgeschichte. Im Johannesevangelium, Kapitel 18 lesen wir:

Jesus antwortete dem Hohenpriester: Ich habe frei und offen vor aller Welt geredet. Ich habe allezeit gelehrt in der Synagoge und im Tempel, wo alle Juden zusammenkommen, und habe nichts im Verborgenen geredet. Was fragst du mich? Frage die, die gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe.“ (Johannes 18,20-21)

In einem Vorverhör versucht der Hohepriester Hannas, Jesus belastende Aussagen zu entlocken. Er befragt ihn zu seinen Jüngern und zu seiner Lehre. Gerne wollten sie Jesus als Verführer anklagen. Jesus aber lässt sich nicht darauf ein, sondern weist von sich weg auf Augen- und Ohrenzeugen in der Öffentlichkeit. Seine Arbeit geschah nicht geheimnisvoll aus dem Hintergrund, sondern öffentlich dort, wo Lehre und Meinungen und Taten überprüft werden konnten. In der Synagoge und im Tempel.

In Jerusalem gab es genug Leute, die bezeugen konnten, was Jesus gelehrt und gesagt hatte. Eigentlich hätte Hannas Jesus Recht geben müssen. Aber was nicht sein durfte, konnte nicht sein. Deshalb werden für die anschließende Verhandlung beim Hohepriester Kaiphas, das wissen wir aus dem Matthäusevangelium, falsche Zeugen organisiert und mit entsprechenden Aussagen geimpft. Doch die widersprechen sich. Der Prozess droht zu scheitern.

Schließlich hält der Hohepriester Kaiphas die entscheidende Wahrheit Jesus hin: „Schwöre, bist du der Christus, der Sohn Gottes?“ Spannend ist, dass Kaiphas hier genau die Worte aufnimmt, die auch Petrus im Messiasbekenntnis ausgesprochen hatte. Und Jesus antwortet darauf: „Du hast es ausgesprochen!“ Meint – du kennst die Wahrheit.

Die Jesus richten, sagen die größte Wahrheit. Oder war es Verblendung? Eigentlich hätten sie Jesus erkennen müssen - als Messias und Sohn Gottes, aber das ließ ihre gesellschaftliche Stellung und religiöse Meinung nicht zu. So schafften sie ihn aus dem Weg. Aber die Wahrheit lässt sich nicht töten.

Was hier geschah, wiederholt sich immer wieder. Wider besseres Wissen werden immer wieder Urteile gefällt, Meinungen verbreitet, Stimmung gemacht. Und manchmal kommt es mir vor wie bei jenem starken Raucher, der sich ärgerte über den Artikel über die Gefährlichkeit des Rauchens in der Zeitung. Er kündigte daraufhin den Bezug der Zeitung.

Wie gut, dass Jesus den Weg des Leidens für uns gegangen ist. Wie gut, dass er dadurch für jeden und jede die Chance zum Neubeginn eröffnet hat. Wie gut, dass durch Kreuz und Auferstehung neues Leben entstehen und wachsen kann und aus „eigentlich“ auch ein „Ja – ich werde…“ werden kann.

Autor: Friedhelm Geiß

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Vater, vergib!

In diesen Tagen begleiten viele Christen gedanklich Jesus auf seinem Weg ans Kreuz. Ich auch. Wie oft habe ich diese Berichte schon gelesen oder gehört. Die letzten Worte Jesu haben eine besondere Bedeutung und Tiefe. Und deshalb möchte ich seinen Worten nachspüren, sie klingen lassen in meinem Herzen und mich dadurch selbst ansprechen lassen.

So auch das Wort Jesu am Kreuz, wie es im Lukasevangelium, Kapitel 23, Vers 34 übermittelt ist:

Jesus sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass das erste und das letzte Wort, das Jesus am Kreuz gesprochen hat, mit dem kindlichen Vertrauenswort: „Vater“ beginnt? „Vater, vergib ihnen“ und „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.“

Niemand in Israel wagte, Gott so anzusprechen. Jesus aber tut es. So bildet diese Anrede den Moment der Heimkehr. Und liegt darin nicht bereits ein tiefer Trost verborgen? Wie viel Not und Schmerz waren bis dahin über Jesus hinweggegangen? Gethsemane mit dem Leidenskampf, Tränen und blutiger Schweiß; die Jünger haben ihn verlassen, keiner hat ihm die Treue gehalten, allein. Ganz allein musste er den Weg der Erniedrigung gehen, und Stunde um Stunde wurde es dunkler und schmerzlicher für ihn.

Jesu Leben endet zwar in Angst und unter Gottlosen und Übeltätern. Und doch strömt von diesem Kreuz ein Strom der Barmherzigkeit in unsere zerrissene Welt. Ein Kreuz im Museum des Münsters auf der Insel Reichenau hat für mich – seit ich es kenne – eine tiefe Bedeutung. Es ist für mich das Kreuz der Barmherzigkeit geworden. Egal an welcher Stelle ich in dem Raum stehe, ich habe immer den Eindruck, der Gekreuzigte schaut mich mit seinen Augen an. Und es ist kein schmerzverzerrter, leidender Blick, sondern es sind Augen der Barmherzigkeit.

Wem schaut Jesus vom Kreuz in die Augen? Da sieht er die Pharisäer, die zwar erkannten, aber nicht anerkennen wollten, da sieht er Menschen, die schweigend einfach allem hinterherlaufen, da sieht er die rohen Soldaten, die brutal und ohne Rücksicht ihr Handwerk ausüben. Und da sieht er mich und Sie mit seinen Augen der Barmherzigkeit an. Unter Schmerzen und Qualen spricht er noch einmal. Und das Ergebnis allen Leidens fasst er in ein Wort zusammen: „Vater“.

Kein Vorwurf, keine Abrechnung oder Aufrechnung, keine Enttäuschung, sondern einfach „Vater“.

Er wendet sich an den, der das Leben ist und in dem keine Finsternis ist und bittet für die, die vor ihm stehen und ihn ans Kreuz gebracht haben. „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Und schließt dieses Gebet nicht auch die ein, die sehr wohl wissen, was sie tun?

Beachten wir: Jesus betete nicht: Vergib, was sie getan haben, sondern „was sie tun“. Seine Fürbitte für uns schließt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ein.

Damit wird das Kreuz zum Hoffnungszeichen. „Vater – ich bezahle jetzt alles, lass sie frei sein!“

Ist dieser Augenblick nicht das Kernwort der Liebe Gottes? Eine Liebe, die es fertigbringt, den Hass zu überwinden und anstatt eines Fluches zu beten: „Vater - vergib ihnen!“ Das ist die Kraft der Liebe Gottes.

Von diesem Wort Jesu lebe ich auch. Wie viel bin ich ihm und Menschen schuldig geblieben an Liebe, Gaben, Kraft, Zeit, Geld, Ehre, mein Leben? Wie gut, dass auch über meiner Unwissenheit, über meinen erkannten und unerkannten Sünden, über alles was war und noch kommen wird, dieses Wort Jesu gesprochen ist. Und nun höre ich, dass er für mich um Vergebung bittet. Er bittet den Vater für mich um das Startkapital zum Neubeginn. Und ich darf aufatmen, frei werden und bekomme damit auch die Kraft zur Vergebung.

So bleibe ich unter dem Kreuz stehen und höre für mich dieses Wort: „Vater- vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“

Autor: Friedhelm Geiß

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Fest begründeter Glaube

„Ich war dabei!“ „Ich hab᾽s gesehen!“ Es gibt kein stärkeres Argument, als wenn ich sagen kann: „Ich bin Augenzeuge! Aber ich habe es doch mit meinen eigenen Augen gesehen!“ „Ich bin mir in der Sache völlig sicher!“

Petrus schreibt in seinem zweiten Brief sein Testament. Schon im ersten Kapitel ist für ihn klar: Ich werde bald sterben. Deshalb muss ich den Gemeinden noch einmal mitgeben: Ihr habt einen festen Grund. Ihr habt ein solides Fundament eures Glaubens. Das trägt auch dann, wenn ich nicht mehr da bin und eure Fragen beantworten kann. „Ich will allen Fleiß darauf verwenden, dass ihr dies allezeit nach meinem Tod im Gedächtnis behaltet“, sagt Petrus. Unser Glaube ist gewiss, er trägt im Leben und im Sterben, denn die Bibel gibt uns einen sicheren Halt.

Es gibt Leute, die meinen, die Bibel sei nicht vertrauenswürdig. Sie sei ein Märchenbuch, also Geschichten, wie sie die Brüder Grimm gesammelt haben. Wir müssten die Bibel also auf eine Ebene stellen mit Hänsel und Gretel, Rotkäppchen, Schneewittchen und den Bremer Stadtmusikanten. Bestenfalls gehe es in der Bibel um Mythen und Sagen, Legenden vom Ursprung und Ziel der Menschheit. Die müsse man aber nicht ernstnehmen, so meinen einige.

Petrus behauptet hier das Gegenteil! Was er erzählt, das ist wirklich passiert, und er war dabei.

Er grenzt sich ab: Wir sind nicht Mythen und Märchen gefolgt, als wir Apostel euch von Jesus und von seinem Kommen am Ende der Zeiten erzählt haben. Sondern, und jetzt kommt der Bibelvers für heute: „Jesus Christus empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: ,Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!‘“

Petrus war Augenzeuge. Er war mit Jesus zusammen auf dem Berg Tabor gewesen. Dort sah er mit eigenen Augen, dass Jesus plötzlich von himmlischem Glanz umgeben war! Aus einer Wolke kam die Stimme von Gott selber, die das sagt: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Das kann man in Matthäus 17 nachlesen, und dort sagt Gott auch noch: „Den sollt ihr hören!“ Petrus kann es bezeugen: Ich war dabei! Das sind feste Tatsachen, keine „Fake News“ was übersetzt heißt: „gefälschte Nachrichten“. Gott bestätigt es selber: Jesus ist Gottes Sohn. Er ist mehr als nur ein normaler Mensch. Er wird von Gott geehrt und verherrlicht, Gott selber redet. Der Vater beglaubigt Jesus, seinen Sohn. Er hat Jesus in unsere Welt geschickt, damit wir hier im Leben glauben und eines Tages in seine Welt kommen können, in den Himmel.

Dieser Glaube hat eine feste Grundlage. „Das Evangelium, das wir verkündigen, haben wir uns nicht aus den Fingern gesaugt“, schreibt der Reformator Martin Luther zu dieser Bibelstelle. Es ist gewiss, dass es – gemeint ist das Evangelium - von Gott ist. Auf Gottes Wort ist Verlass, damit kann ich leben und mich auch im Sterben darauf verlassen.

„Das ist mein lieber Sohn, den hört, der ist euer Doktor!“, sagt Luther. Der Sohn, der ist euer Lehrer, er ist der Professor in Glaubensdingen. Er sagt es, und deshalb hat unsere Gewissheit im Glauben eine feste Grundlage: Gott, der Vater, stellt sich hinter Jesus, seinen Sohn. Was Gott sagt und was Jesus sagt, ist uns in der Bibel überliefert.

Ich will heute froh werden an dieser festen Tatsache: Gott hat Jesus als meinen Retter in die Welt geschickt. Seinem Wort kann ich vertrauen, im Leben und im Sterben. Und heute.

Autor: Pfarrer Dr. Jochen Eber

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Nicht von dieser Welt

„Nicht von dieser Welt“, das sagen manche Leute spöttisch über Christen. Die Christen scheinen aus ihrer Sicht nicht ganz zu kapieren, wie es in dieser Welt zugeht und wie man sich da verhält. Heute lese ich einen Vers vom letzten Blatt der Bibel, im 22. Kapitel der Offenbarung des Johannes. Der klingt auch wie „nicht von dieser Welt“, könnte ich sagen. Da steht: Seine Knechte werden ihm dienen und sein Angesicht sehen, und sein Name wird an ihren Stirnen sein. Diese Bibelstelle spricht von den Christen, die in der ewigen Welt, bei Gott im Himmel, angekommen sind. Deshalb will ich meiner Auslegung heute die Überschrift geben: „Nicht von dieser Welt!“

Die Christen sind am Ziel ihres Glaubens angekommen. Sie sind im Himmel, in dem Gott selber und Jesus Christus regieren. Als Zeichen der Macht von Gott und seinem Sohn wird hier der „Thron von Gott und dem Lamm“ genannt.

In den letzten Jahrhunderten wurde hier auf der Erde mehrfach versucht, einen gerechten Staat einzurichten. Da kaum jemand noch an die kommende gerechte Welt von Gott glauben wollte, sollten die Bilder aus der Johannesoffenbarung hier im Diesseits verwirklicht werden. Wie im Himmel sollte es zugehen, aber hier auf der Erde und ohne Gott: keine Krankheiten mehr und keine Sorgen, ewiger Friede und immerwährende Gleichheit aller Menschen in jeder Hinsicht. – Doch ohne Gott und auf dieser Welt hat es nie geklappt, diese Ideale zu realisieren. Was als maximale Freiheit geplant war, zeigte sich als Diktatur und Unfreiheit.

Auch die etwas schlichteren sogenannten „Urlaubsparadiese“ dieser Welt können ihr Versprechen nicht halten. Aus dem angeblichen „Bäderparadies“ werde ich nach ein paar Stunden wieder in die Probleme am Arbeitsplatz oder in der Familie geschickt. Tropische Inseln müssen als Vorbild vermeintlicher Sorglosigkeit herhalten. Aber wer einmal in den Tropen und auf einer dieser Inseln gelebt hat, der weiß, dass auch unter Palmen das Leben nicht unbedingt paradiesisch ist. Viele Besucher haben direkt erfahren, dass mancher Einwohner lieber in Deutschland leben würde als auf der Insel.

Auf der Erde können wir Menschen also nicht das Paradies herstellen, egal wie sehr wir uns anstrengen. Frieden und wahre Ruhe gibt es nur, wenn wir als Christen nach dem Tod bei Gott im Himmel sein werden. Diesen Himmel schildert die Bibel auf ihren letzten Seiten. Wie tröstlich ist für die Gläubigen, die von Herzen bei Gott sein wollen, was hier steht. Drei Dinge sind es.

Das erste: Sie werden Gott dienen. Die Gläubigen werden Gott und Jesus Christus in Ewigkeit die Ehre geben. Sie werden den Vater und den Sohn loben und preisen, denn ihnen gehört allein der Dank – auf ewig.

Das zweite: Die Christen werden Gottes Angesicht sehen. Auf der Erde konnte kein Mensch Gott direkt sehen, wenn er zu ihnen gesprochen hat. In unserem Leben können wir an Gott und Jesus nur glauben und ihn erfahren; wir können sie nicht sehen. Aber nach dem Tod ist das Ziel erreicht: Wir werden den Vater und den Sohn sehen.

Und das dritte: Sein Name wird an der Stirn der Gläubigen zu sehen sein. Das heißt: Sie sind Gottes Eigentum, sie gehören Gott, dem Vater, und Jesus, seinem Sohn. Jesus ist das Opferlamm, das für die Sünden der Welt gestorben ist. Wer an ihn glaubt, wird ewig leben.

Beten Sie mit mir: „Herr Jesus, ich will eines Tages auch bei dir im Himmel sein, dich selber sehen und dich loben! Stärke meinen Glauben!“ Amen.

Autor: Pfarrer Dr. Jochen Eber

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Im Auftrag Gottes unterwegs

Kraftvoll wird die Lebendigkeit der wenigen Jahre charakterisiert, in denen Jesus als Mensch unter uns Menschen unterwegs war. Mit seinem Wandern von Ort zu Ort fing alles an.

„Hast du ihn schon gesehen? Hast du mit ihm gesprochen?“ – so oder ähnlich werden sich die Menschen gegenseitig gefragt haben, als er unterwegs war in ihren Städten und Dörfern.

Immer mehr wurden es mit der Zeit, die ihn sehen und hören wollten. Einer namens Zachäus kletterte sogar auf einen Baum, ihn zu sehen. Wegen der vielen Menschen, die Jesus begleiteten, war dies die einzige Möglichkeit, ihn zu sehen. Ein anderer rief laut: „Herr, hilf mir“, damit er wahrgenommen wurde. Wieder andere suchten theologische Streitgespräche mit ihm und diskutierten bis in die Nacht.

Als Wanderprediger des Evangeliums möglichst vielen Menschen zu begegnen, ihnen Gottes Liebe nahezubringen, das Himmelreich Gottes zu erschließen und zur Nachfolge einzuladen, war Jesus unterwegs in den Städten und Dörfern.

Er lebte nicht zurückgezogen an einem einzigen Ort, um die die Menschen zu sich kommen zu lassen. Dann hätte es bestimmt manche Begegnungen mit ihm gar nicht gegeben. Und nach seinem Tod und seiner Auferstehung wäre dann vielleicht nur ein einziges religiöses Zentrum als Heiliger Ort entstanden. Das war aber gar nicht seine Absicht.

Vielmehr wandte er sich sehr aktiv den Menschen zu. Er suchte sie auf in ihren Häusern. Er sprach sie an und rief einzelne in seine Nachfolge.

Schon als Zwölfjähriger, so berichtet der Evangelist Lukas, sorgte er in Jerusalem für Aufsehen, als er mitten unter den Lehrern im Tempel zu finden war. Erwachsen geworden, hat er die örtlichen Gottesdienste, wie es der Tradition entsprach, nicht nur besucht, sondern sich sehr lebendig an ihrer Gestaltung beteiligt.

Er predigte dort das Evangelium vom Himmelreich Gottes, das mit ihm gekommen war. Er lud zur unmittelbaren Gemeinschaft mit Gott ein, dessen Willen zu tun, dessen Liebe zu leben sei. Diese neue Auslegung des Gesetzes wurde zu einem wesentlichen Grund für die Auseinandersetzung mit den Pharisäern. Sie berieten untereinander, wie sie ihn umbringen könnten.

Jesus lebte das, was er lehrte. Bei ihm gab es keine Trennung zwischen Lehre und Leben, wie es den Pharisäern vorgeworfen werden konnte. Jesus warf ihnen vor: „Sie binden schwere Lasten zusammen, die kaum zu tragen sind. Die legen sie den Menschen auf die Schulter. Aber sie selbst wollen keinen Finger krumm machen, um sie zu tragen.“ (Mt. 23,4 Basisbibel)

Jesus war nicht gekommen, um den Menschen Lasten aufzulegen, sondern sie von ihrer Schuld zu befreien und zu entlasten! Er sprach an alle die große Einladung aus, die auch uns heutigen Menschen gilt:

„Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Ich will euch Ruhe schenken.29Nehmt das Joch auf euch, das ich euch gebe. Lernt von mir: Ich meine es gut mit euch und sehe auf niemanden herab. Dann werden eure Seelen Ruhe finden.“ (Mt. 11,28 Basisbibel)

Es wird von Menschen berichtet, die diese Einladung annahmen. Sie wurden durch Jesus an Leib und Seele geheilt und fanden Heil und Leben in ihm. Seine Verkündigung des Himmelreiches war untrennbar mit der Befreiung von leiblichen und seelischen Nöten verbunden und brachte den Menschen neues Leben. Mit ihm, dem Sohn Gottes, war ja das Leben, das Licht und die Liebe Gottes erschienen.

Bis heute ist die von Jesus verkündigte Botschaft die gute Nachricht von Gott. Sie ist eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt. Sie schenkt uns den Frieden, die Gerechtigkeit und Liebe Gottes. Sie entlastet, sie versöhnt und bringt Heil und Segen.

Mit dieser heilsamen Botschaft, die alle Lebensbereiche umfasst, können wir als Christen heute dem Beispiel Jesu folgen und zu unseren Mitmenschen unterwegs sein.

Autor: Pfarrer Helmut Heiser

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Nicht vergessen!

Ein altes - aber bis heute sehr aktuell gebliebenes Wort Gottes scheint sehr hell über unserem Leben auf dem Hintergrund der Geschichte Israels auf. Als Israel auf dem Weg in das gelobte Land war, hatte es mit sehr widrigen Verhältnissen, Hunger und Mangel zu kämpfen. Nur getragen von der Verheißung Gottes und durch seine Hilfe konnte Israel sich immer wieder aufraffen, Stück um Stück weiterzugehen. Denn einmal angekommen, sollte es endlich für alle genug geben. Auch an dem von Gott verheißenem Wohlstand, Frieden und Sicherheit.

Das gab Kraft, wieder weiterzugehen und mit Gott auf dem Weg zu bleiben. Sie träumten alle davon, einmal richtig satt zu werden, eigene Häuser zu bauen und endlich genießen und es sich rundherum gutgehen zu lassen! Dieses Ziel sollte unbedingt erreicht werden.

In diese Zukunftsgedanken meldet sich nun unverhofft die warnende Stimme Gottes zu Wort. Hören Sie, worauf es Sie aufmerksam macht:

"Wohlstand kann gefährlich werden: Du isst und wirst satt. Du baust dir wunderschöne Häuser und wohnst darin. Dann kann dein Herz überheblich werden, und du vergisst den Herrn, deinen Gott.“

Verstehen Sie das nicht falsch: Hier wird kein Wasser in den Wein gegossen, hier fällt kein Raureif auf die Blüte, die zur reifen Frucht wachsen soll. Es bleibt ja dabei: Gott ist ein Liebhaber des Lebens und hat genug für alle geschaffen. Mit Dankbarkeit und Freude kann genossen und geteilt werden, was er auf dieser fruchtbaren und schönen Erde wachsen und gedeihen lässt.

Das menschliche Herz kann sehr schnell vergessen, woher alle diese guten Gaben kommen. Doch Wohlergehen ist keine Selbstverständlichkeit und einen Anspruch auf Wohlstand gibt es nicht. Gott macht auf die Gefahr der Gedankenlosigkeit aufmerksam, die sich rasch einstellen kann, wenn der Bauch voll und die Wohnsituation komfortabel ist. Rasch kann vergessen werden, ihm dafür zu danken und mit anderen zu teilen.

Ist von allem genug da, dann gilt es, dafür zu sorgen, verantwortlich, nachhaltig und gerecht mit den guten Gaben Gottes umzugehen.

Nachdem Israel das verheißene Land erreicht hatte, haben in der späteren Geschichte Israels die Propheten immer wieder auf die Gottesvergessenheit und daraus resultierende, bittere Missstände hinweisen müssen. Der Prophet Micha etwa erinnerte daran: „Es wurde dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: Gottes Wort halten, Liebe üben und in Demut den Weg mit deinem Gott gehen.“ (Micha 6,8)

Menschen verfügen oft wie selbstverständlich und selbstherrlich über die Mittel und Möglichkeiten ihres Lebens, ohne darüber nachzudenken, ob ihr Lebensstil der Liebe Gottes zu seiner gesamten Schöpfung und der Zukunft unseres Planeten Erde entspricht! Das erzeugt Ungerechtigkeit und führt zu Unfrieden.

In unserer Zeit und unserem Land leben wir im Vergleich zu anderen Ländern in Wohlstand und Frieden. Gerade jetzt können wir Christen zeigen, dass unsere Herzen nicht überheblich geworden sind. Wir können sorgfältig unser Leben mit Gott gestalten und in einer global gewordenen Welt bewusst lokal, gerecht und nachhaltig konsumieren.

Autor: Pfarrer Helmut Heiser

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Absturz in die christliche Mittelmäßigkeit?

Und das auch noch, ohne es zu merken! Dieser Gedanke kam mir in den Sinn, als ich den Satz aus dem NT, aus dem Buch der Offenbarung 2, Vers 5 gelesen hatte:

„Bedenke, aus welcher Höhe du gefallen bist, kehr um zu den Werken des Anfangs.“

Eine kurze Warnmeldung und ein kurzer Hinweis auf die geistliche Problemlösung. Und es ist wirklich Gefahr im Verzug. Denn es geht hier nicht um Stilfragen, sondern um die Zukunft christlicher Existenz!

Am Anfang des Buches Offenbarung werden sieben Briefe an christliche Gemeinden auf dem Gebiet der heutigen Türkei überliefert. Dazu gehört auch die christliche Gemeinde in Ephesus. Hier hatte der Apostel Paulus längere Zeit persönlich und schriftlich mit der Verkündigung des Evangeliums gewirkt. Und nun wurde dieser Brief des Engels für die Gemeinde in Ephesus geschrieben, der sich in der Offenbarung findet. Zunächst erhalten die Gemeindeglieder und die Leitung eine positive Wertung: Gott sagt der Gemeinde: „Ich weiß, wie du lebst, ich kenne deinen unermüdlichen Einsatz. Du hast um Gottes Willen viel ausgehalten, ohne dich entmutigen zu lassen.“

Die Gemeindeglieder könnten daraufhin sagen: „Siehst du, wir sind gut, besser als wir dachten.“ Das große ABER kommt sofort. Mit dem Aber wird der geistliche christliche Höhenflug zu einer Notlandung auf dem Boden der Tatsachen. Der Gemeinde wird gesagt: Du liebst Jesus Christus nicht mehr so wie am Anfang. Die Zukunft eurer christlichen Existenz ist gefährdet. In Vers 4 heißt es: „Ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast“.

Na ja, vermutlich haben die Christen in Ephesus noch eine zweite Liebe zu Jesus im Herzen oder im Kopf. Sonst hätten sie ja nicht in ihrem Glauben leben können. Aber die bisherige Glaubens- bzw. Gemeindegeschichte braucht einen neuen Aufbruch in die Zukunft.

Die geistliche Problemlösung dazu ist einfach: „Kehre um zu den Werken des Anfangs.“ Nichts anderes als eine Reformation. Reformation bedeutet: zurückfinden, umkehren zu der Form des ursprünglichen Evangeliums. Erinnert euch an den Anfang eures Glaubens. Schaut euch die Grundlagen des christlichen Glaubens neu an. Und lebt diese ganz praktisch und konkret, wie ihr es längst schon in der Geschichte eurer Gemeinde getan hattet.

Soweit der Brief für die Gemeinde in Ephesus. Und heute? Ist das auch ein Brief für Ihre Gemeinde, in der Sie leben? Also: Wie wäre es mit Reformation in der Karwoche und zu Ostern?

Denn Jesus Christus hat uns mit seiner Liebe nicht verlassen. Nochmal neu anfangen und die Liebe zu Jesus Christus empfangen. Die Liebe von uns zu Jesus Christus ist nicht identisch mit einem Fürwahrhalten von Tatsachen über Jesus. Und die erste, grundlegende Liebe ist mehr als ein von uns erzeugter emotionaler Glaube. Diese erste Liebe zu Jesus, diese grundsätzliche Liebe aus unserem Herzen, empfangen wir immer wieder neu. Im Gebet, beim Bibellesen und im Gespräch mit anderen Christen. Und sie ereignet sich im Gottesdienst sowie durch unsere Taten der Barmherzigkeit. So kehren wir immer wieder zurück zu den Werken des Anfangs.

Autor: Pfarrer Heinz-Günther Brinken

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Vollmacht und Fürsorge des gekreuzigten Christus

Der Karfreitag in der nächsten Woche ist ein guter Tag. Er erinnert uns an das Sterben von Jesus Christus am Kreuz. In der englischen Sprache heißt der Karfreitag: „Good Friday, guter Freitag“. Die Begründung dafür, warum der Karfreitag gut ist, finde ich in dem Wortwechsel zwischen Jesus und einem zweiten Mann am Kreuz.

Er ist aufgeschrieben im Lukasevangelium, Kapitel 23, Vers 42 und 43: Der Übeltäter sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.

Wer bin ich und welche Gedanken kommen mir, wenn ich diese beiden Sätze auf mich wirken lasse? Ich sehe den Verbrecher, der erkannt hat, dass dieser Jesus neben ihm unschuldig ist. Ja, mehr noch, ausgerechnet bei Jesus, der auch bald sterben wird. Aber bei ihm ist die Rettung für ein neues Leben zu erwarten.

Ich sehe Jesus am Kreuz. Er spricht vom Paradies. Im Kontrast dazu sehe ich Blut, Schweiß und Schmerzen bei Jesus und den beiden anderen Männern am Kreuz.

Und ich höre die Bitte des Mannes: “Denk an mich!“ Als ob es nichts Wichtigeres gäbe, als an einen gemeinen Verbrecher zu denken! Jesus nimmt die Bitte auf, mehr noch, er stiftet eine neue Gemeinschaft. Du wirst bei mir sein im Paradies, im Himmel, ja, bei Gott. Das ist eine feste Zusage von Jesus.

Es ist eigentlich so einfach zu sagen: Bitte denk an mich, Jesus. Und doch so schwer. Angst, Sorge, Schmerz und Trauer können so groß sein, dass der Gedanke an Gott kaum noch Platz hat. Der Verbrecher aber macht es vor: Denk an mich. Und Jesus sagt ihm zu: Du wirst nicht alleine sein. Im Leben nicht und im Tode auch nicht. Jesus macht Ernst mit der Gottesgemeinschaft, sie gilt dem üblen Verbrecher genauso wie Ihnen und mir.

Das alles wäre ohne die Realität der Auferstehung Jesu vom Tod undenkbar.

Die Realität der Auferstehung von Jesus Christus hat reale Folgen für mein Sterben und mein Leben.

„Jesus Christus, bitte denke an mich“, sagte der Mann wenige Stunden vor seinem Sterben. Diese Bitte kann es auch für uns zu verschiedenen Zeiten unseres Lebens geben. Sozusagen mitten im Leben kann diese Bitte oder auch die Frage überraschend auftauchen. Vor zwei Jahren fragte mich eine Konfirmandin: Was ist mit mir, wenn ich gestorben bin? Was geschieht mit mir? Wer ist dann da für mich?

Fragen wie diese sind so elementar, sie lassen sich nicht verdrängen. Es geht dabei um Sinn, Trost und Ziel für unser Leben. Diese Fragen werden wir nicht los. Die Antwort darauf von Jesus bleibt nicht nebulös. „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

Ich bitte Jesus: „Jesus Christus, bitte denke an mich, wenn ich aus meinem irdischen Leben herausgerufen werde.“ Und Jesus antwortet mir: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Und auch das ist für mich damit gemeint: Jesus Christus denkt mitten im Leben, in meinem Alltag an mich, darauf vertraue ich. Durch Jesus Christus empfange ich im Alltagsleben die Ermutigung durch den Heiligen Geist. Es ist der Heilige Geist, mit dem Gott Jesus vom Tod auferweckt hat. Und durch ihn werde ich persönlich mit Jesus Christus verbunden. Jeden Tag neu stärkt der Heilige Geist mein Vertrauen auf Jesus!

Autor: Pfarrer Heinz-Günther Brinken

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Gottes Familiensegen

„Soll ich meinen Freund heiraten? Ich habe Angst davor“, sagte uns eine junge Frau auf einer Freizeit. „In meiner Verwandtschaft sind fast alle geschieden und leben oft mit wechselnden Partnern zusammen. Mir tun vor allem die Kinder leid. So will ich nicht leben.“ Sie hatte gehört, dass meine Frau und ich verwitwet und neu verheiratet waren. Wir hatten erzählt, wie Gott uns zusammengeführt und wir diesen Schritt im Vertrauen zu ihm und zueinander gewagt hatten. Wir erzählten ihr, dass uns Gottes Segen für unseren neuen gemeinsamen Lebensweg ganz wichtig war und wir deshalb auch die kirchliche Trauung gewünscht hatten, die von unseren erwachsenen Kindern und Schwiegerkindern gestaltet wurde.

Unser Bibelvers spricht von Gottes Familiensegen: Gott segnete Mann und Frau und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan. (1. Mose 1,28)

Das Zusammenleben von Mann und Frau mit ihren Kindern segnet Gott. Diese Lebensform unseres Zusammenlebens in unserer Gesellschaft sollte niemand zerstören. Für Kinder ist es sehr wichtig zu wissen, woher sie kommen und wohin sie gehören, ein leibliches Herkommen zu haben. „Kinder sind eine Gabe des Herrn“ heißt es in Psalm 127,3.

Es gibt aber auch Menschen in der guten Schöpfung Gottes, die gleichgeschlechtlich orientiert sind und auch die, deren Geschlecht nicht so eindeutig auszumachen ist. Sie alle sollen einen anerkannten Platz in der Gesellschaft bekommen, der ihnen lange versagt wurde. Zurzeit streiten wir uns als Christen darüber, ob gleichgeschlechtliche Partnerschaften gesegnet oder gar kirchlich getraut werden können.

Dennoch – und das müssen wir klar sehen: Dies ändert nichts an dem, was uns in der Schöpfung als etwas Gutes gegeben ist: das Zusammenleben von Mann und Frau und das Kinderbekommen und das Werden einer Familie. So leben auch in unserer Gesellschaft die überwiegende Mehrheit aller Kinder zusammen mit ihren Eltern als Mann und Frau, Vater und Mutter.

In diesem Zusammenhang will ich auch nicht unerwähnt lassen, dass laut Statistik ca. 35 Prozent der erwachsenen Menschen in Deutschland in Single-Haushalten leben – und ich gehörte ja als Witwer auch ein paar Jahre dazu. Vielleicht nehmen wir sie in unseren Gemeinden zu wenig wahr. Pfarrerin Astrid Eichler, die das Netzwerk von Singles für Singles gegründet hat, weist darauf hin, dass sie ihre Arbeit nicht auf dem Hintergrund machen, dass die Ehe ein Auslaufmodel sei. Sie schreibt: “‚Seid fruchtbar und mehret euch‘ ist und bleibt der Schöpfungsauftrag Gottes. Aber Jesus hat auch hier eine neue Lebensmöglichkeit gezeigt. Er war, als jüdischer Rabbi, nicht verheiratet.“ Sie weist darauf hin, was unverheiratete Menschen in Klöstern und in Missionsgebieten für Bildung, Kultur und Gesundheit getan haben, dass sie vielen zum Segen geworden sind und sagt anschließend: „Seit Jesus ist ein erfülltes Leben nicht mehr an Ehe und Kinderzahl gebunden.“

Unser Gotteswort ruft dann noch dazu auf, dass der Mensch sich die Erde untertan machen soll. Der Mensch darf und soll das verwalten, was Gott in seiner Schöpferkraft schenkt und wachsen lässt. Was im Meer schwimmt, was Gott in die Erde an Rohstoffen gelegt hat, was er an Energie in Öl oder Gas, in Wind- oder Flusskraft zum Leben gibt – das alles hat Gott dem Menschen anvertraut. Auf diese Beziehung des Menschen zu Gott kommt es an, wenn der Mensch sich die Erde und ihre Güter „untertan“ macht. Auch hier sollen wir nach Gottes Willen fragen und nicht die Erde ausbeuten. Immer wieder neu sollen wir daran denken und danken und dann Gottes Schöpfung bebauen und bewahren.

Autor: Superintendent i. R. Rainer Kunick

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Energie von Gott

Neulich fuhr ich wieder einmal in einem ICE. Ich saß bequem, die Temperatur war angenehm, der Kaffee schmeckte, die Mitreisenden lasen Zeitung, arbeiteten am Laptop, hörten mit Kopfhörern Musik vom Smartphone oder schliefen. Es war richtig schön, ich fühlte mich wohl. Allerdings standen wir schon eine halbe Stunde auf freier Strecke. Dann kam die Durchsage: Wir bitten um Entschuldigung, wir haben einen Oberleitungsschaden.

Spontan dachte ich: So ist das auch in meinem Leben und im Leben unserer Gemeinden. Wir haben uns bequem eingerichtet, fühlen uns wohl, aber kommen nicht von der Stelle. Haben wir auch einen Oberleitungsschaden, fehlt uns Energie von Gott?

Gott will uns seine Energie, seinen Geist immer wieder schenken. Das sagt uns unser Gotteswort für heute zu: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit (2. Timotheus 1,7).

Den Geist der Furcht kennen wir: Wir haben Angst vor schlimmer Krankheit, sorgen uns um einen lieben Menschen, um die Zukunft unserer Kinder, um unseren Arbeitsplatz und vieles andere - gerade auch in dieser Corona-Zeit. Aber Gott gibt uns diesen Geist der Furcht nicht. Wir können Gott vertrauen in all unseren Sorgen und Ängsten. Die sind dann zwar nicht mit einem Schlag verschwunden, aber Gott ist in unserer Furcht und in unseren Sorgen mit dabei mit seiner Fürsorge.

An die Stelle der Heidenangst kann Gottvertrauen treten. Es ist ein Segen für den Einzelnen und die Gesellschaft, wenn die Ängste schrumpfen und das Vertrauen wächst. Vor allem gläubige Menschen können sich furchtlos engagieren, weil sie im Raum Gottes felsenfestes Vertrauen lernen.

Wo Gott uns seine Energie, seinen Geist gibt, haben wir Kraft, Liebe und Besonnenheit, sagt unser Gotteswort.

Vielleicht vertrauen wir gern auf unsere eigene Kraft und spüren doch manchmal auch unsere Kraftlosigkeit, spüren, dass unsere „Kraft-Batterie“ leer ist. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns immer an Gottes Energiequelle anschließen. Dietrich Bonhoeffer hat es einmal so gesagt: „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern auf ihn verlassen.“

Gott speist auch immer wieder unser Liebes-Konto. Weil er uns liebt, können und sollen wir – wenn auch immer nur bruchstückhaft – diese Liebe weitergeben. Von diesem Liebes-Konto können wir abheben und abheben und kommen doch nicht ins Minus, weil Gott uns immer mehr gibt, als wir abheben können.

In Israel gibt es zwei Seen: den See Genezareth und das Tote Meer. Im See Genezareth leben viele Fische, weil der Jordan-Fluss auf der einen Seite hinein- und auf der anderen Seite wieder abfließt. Im Toten Meer erstirbt alles Leben, weil es dort keinen Abfluss gibt. Wenn wir Gottes Gaben nur für uns behalten, erstirbt unser Glaube, denn er muss Herz, Hand und Fuß haben.

„Die höchste Krone ist die Besonnenheit mitten in den Stürmen der Gegenwart“, hat Jean Paul einmal gesagt. Gut, dass Gottes Geist uns immer wieder auch diese Gabe schenkt. Es scheint mir, dass wir in unserer aufgeregten Zeit die Besonnenheit besonders brauchen.

Tanken wir doch immer wieder neu auf an Gottes Energiequelle, dann wird unsere Furcht kleiner, Kraft, Liebe und Besonnenheit werden stärker.

Autor: Superintendent i. R. Rainer Kunick

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Gott hilft aus Nöten

Nach meiner Schulzeit war ich mit einer Missionsorganisation eine Zeitlang in Südostasien. Einmal waren wir als kleine Gruppe abends in einer großen Stadt unterwegs. Wir hatten ein ungutes Gefühl, als ob uns jemand verfolgte. Es fühlte sich ein wenig wie in einem Film an und ich schob das Gefühl auf Verfolgungswahn.

Doch dann traten Gestalten aus dem Dunkel. Sie bedrohten uns und wollten Geld. Nun war es allerdings so, dass die Mitarbeitenden auf dem Schiff nur 20 Dollar Taschengeld pro Monat erhielten. Wir waren also alles andere als reich, obwohl wir als Weiße vermeintlich als wohlhabend angesehen wurden.

Ich erinnerte mich an die Situation aufgrund des heutigen Tagesverses. Er stammt aus der Feder von König David. Er schreibt: Ich habe es selbst erlebt: Ich war am Ende, da schrie ich zum HERRN, und er hörte mein Flehen; aus aller Bedrängnis hat er mich befreit. (Ps 34,7 HFA)

Es gibt vielerlei Bedrängnisse, schwierige Situationen, Notlagen. Manche betreffen unsere Gesundheit, andere unsere Lebenssituation. Ich kann mich nicht mehr an alle Umstände der damaligen Situation erinnern. Ich meine, dass ich damals Gott bat, uns zu helfen, weil ich keinen Ausweg sah. Wir hatten kein Geld, auch keine teure Kleidung, keiner von uns hatte ein Handy. Eben so ein bisschen wie im Film. Die Zeit schien stehenzubleiben, wie würden wir heile aus dieser Notlage herauskommen? Würden wir überhaupt herauskommen?

Da sagte auf einmal einer der Männer: Ich hab die schon mal gesehen, die sind von dem großen Schiff im Hafen. Die haben auch kein Geld. Und damit drehten sie sich um und ließen uns in Ruhe.

Nicht alle schwierigen Situationen lösen sich so einfach und auch schnell auf. Das lehrt uns das Leben. Doch ich möchte glauben, was David hier schriftlich festgehalten hat: Ich kann jederzeit und mit allem zu Gott kommen, ihn anrufen, ihm meine Not, meinen Kummer, mein Unverständnis, alles darf ich ihm sagen.

Und dann darf ich wissen: Er hört mein Flehen. Gott hört mich. In einem anderen Psalm heißt es: Gott schläft und schlummert nicht. Gott hat keine Öffnungszeiten. Er macht keine Pause. Er hat immer ein offenes Ohr.

Vielleicht rettet er mich nicht so aus meiner Notlage, wie ich das gerne hätte. Aber ich weiß, dass er mich hört und in seinem Handeln keine Fehler macht.

Autor: Janine Haller

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