ERF Plus - Wort zum Tag

Gottlose Atheisten

Im Römischen Reich hatten die Christen einen seltsamen Spitznamen. Atheoi wurden sie genannt. Gottlose Atheisten. Wie kam das? Sie lehnten die Teilnahme am Kaiserkult ab. Den hielten sie für Götzendienst. Deshalb wurden sie Atheisten genannt.

Das lässt tief blicken. Offensichtlich hatten die Römer ein feines Gespür für echt und unecht. Den meisten war klar, dass der Kaiserkult nur ein Riesentheater war und nichts als eine menschengemachte Show. Offenbar gab es für sie nur selbstgebastelte Götter. Dass es einen Gott gibt, der nicht erfunden ist – das konnten sie gar nicht denken. Das war Atheismus für sie.

Die Christen allerdings hatten auch ein feines Gespür. Warum nahmen sie nicht teil am Kaiserkult? Sie wussten zwar auch, dass der Kaiserkult nur ein Riesentheater war, aber für sie war hier eine Grenze überschritten. Denn für sie galt Gottes Wort aus dem Jeremiabuch: Lauft nicht anderen Göttern nach, um ihnen zu dienen und um euch vor ihnen niederzuwerfen, und reizt mich nicht mit dem Machwerk eurer Hände.

 Im Kaiserkult forderte der Kaiser ein Vertrauen und einen Gehorsam in einem Maße, das nur dem wahren Gott vorbehalten ist. Dieser Kult war nicht mehr abgedeckt durch das Pauluswort: Ein Christ sei untertan der Obrigkeit. 

Leider hatten im letzten Jahrhundert nur wenige Christen in Deutschland ein solches Gespür. Paul Schneider war einer von ihnen. Ein Treue-Eid auf den Führer war für ihn undenkbar. Letztendlich endete deshalb sein Leben im Konzentrationslager in Buchenwald.

Für ihn war Gott kein selbstgemachtes Instrument zur Steigerung menschlicher Größe, sondern umgekehrt. Er wusste: Gott hat mich gemacht und deshalb verdient er mein Vertrauen.

„Dein Gott ist das, woran dein Herz hängt“, sagte Martin Luther einmal. Woran hängt Ihr Herz? Nehmen Sie sich heute ein bisschen Zeit, das zu prüfen. Oft ist es ja ein schleichender Prozess, dass sich Dinge und Mächte an die oberste Stelle in unserem Leben setzen. Das können fragwürdige Dinge sein wie Gier, Groll, Gewalt und Geld, aber auch gute Dinge wie Freunde, Kunst und Bildung.

Ein anderer Reformator, Johannes Calvin, hat das menschliche Herz als eine dauerhafte Götzenfabrik bezeichnet. Jede und jeder hat da eine andere Produktpalette. Das ist ein harter Satz. Wenn mein Leben nur so von Götzen wimmelt, die sich um den ersten Platz rangeln – wie kann ich überhaupt herausfinden, ob mein Herz an dem lebendigen Gott hängt oder an selbstgemachten Götzen aus eigener Produktion?

Ich finde das nur heraus, wenn ich frage: Wo hat sich der lebendige Gott denn selbst offenbart, und zwar so eindeutig, unmissverständlich und endgültig, dass alle Täuschung ausgeschlossen ist?

Manche Menschen sagen: Gott zeigt sich in der Natur. Das ist zwar nicht ganz falsch, aber auch nicht eindeutig. Manche Religionen ahnen: Es wird einmal einen Tag der Abrechnung, des Gerichts, der Rechenschaft geben. Da wird sich Gott als Richter zeigen. Auch das ist richtig, aber auch nicht unmissverständlich.

Unverwechselbar zeigt sich Gott in Kreuz und Auferstehung. Das kann kein Mensch erfinden. Das ist unglaublich. Dass er ein Richter ist, leuchtet vielen noch ein. Aber dass er ein „Backofen voller Liebe“ ist, wie Luther sagt, auf diese Idee kommt kein Mensch. Das hat er am Kreuz bewiesen. Da hat er menschliche Logik durchkreuzt und sie durch Liebe ersetzt. Das hat er an Ostern bewiesen. Da hat er die Macht der Mächtigen in den Schatten gestellt.

Deshalb lade ich Sie ein, mitzubeten: Mein Herz hängt treu und feste an dem, was Dein Wort lehrt.

Autor: Pfarrer Matthias Adt

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Auf der Suche nach Gerechtigkeit

„Wenn die Lebenden wüssten, was die Toten schon wissen, dann würde jeder mit Jesus durchs Leben gehen“, das las ich kürzlich in einer Internet-Nachricht. Im Himmel wird alles anders, besser, schöner, leuchtender und vor allem gerechter. Das ist eine Hoffnung, die uns im christlichen Glauben erfüllt und leitet.

Meine Suche nach positiven Beispielen „Gerechtigkeit auf Erden“ ist eher mager ausgefallen. Hier und da gibt es eine Nachricht, dass jemand Gerechtigkeit widerfahren ist, vielleicht begnadigt wurde oder seine Unschuld bewiesen werden konnte. Meist steht Gerechtigkeit aber in Zusammenhang mit Vergeltung. Allenfalls sind wir selbstgerecht.

Ungerechtigkeit gibt es oft auf dieser Erde. Die täglichen Nachrichten strotzen davon: Menschen in Afghanistan werden gezwungen ein Leben zu führen, das ihnen nicht entspricht; Flüchtlingen, die ein Leben in Freiheit suchen, wird kein Asyl gewährt; die westliche Welt lebt im Überfluss, während Kinder in Afrika verhungern; denen, die sowieso schon wenig haben, wird noch das Letzte genommen. Die Liste der Ungerechtigkeiten ist lang.

Es ist schwer in diesem Leben, auf dieser Welt Gerechtigkeit zu finden, doch das Bedürfnis danach ist groß. Und weil das Verlangen, dieser Hunger nach Gerechtigkeit so groß ist, macht es sich die Werbung gerne zu Nutzen. Voll davon sind politische Propaganda und Wahlversprechen. Sie werben für wirtschaftliche Gerechtigkeit, gerechte Fürsorge und Vorsorge und vor allem für die soziale Gerechtigkeit. Ob und wie diese Versprechen umgesetzt, ja eingehalten werden – nun ja, die Realität zeigt lediglich eine „Scheingerechtigkeit.“

Also bleibt uns nur auf die Ewigkeit zu hoffen und zu warten. Doch, wie werden wir gerecht? Die frommen Gläubigen im Judentum glaubten noch, dass das strikte Einhalten der Gesetze zur Gerechtigkeit und zu Gott führt. Jesus hat uns eines Besseren belehrt: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater als nur durch mich", sagt er. (Joh. 14,6)

Er ist gerecht. Er hat unsere Schuld beglichen. Jesus ist die Brücke, der Regenbogen zu Gott. Es ist gut ihn zu kennen und zu lieben, dazu lädt Jesus uns ein. Durch ihn kommen wir Gott nah. Er gibt uns Frieden mit Gott und ewige Sicherheit.

Die Tatsache, dass wir aus Glauben von Gott von aller Schuld freigesprochen worden sind, beinhaltet einen großartigen Segen. Das Leben setzt den Kurs für die Ewigkeit. Es ist gut, ja das Beste, mit Jesus durch dieses Leben zu gehen. Im Glauben an ihn können wir sagen: Das Warten der Gerechten ist Freude und wird im Himmel – in und nach diesem Leben - noch größer werden. Spr. 10,28

Autor: Heike Knauff-Oliver

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Gutes tun

Gerade haben wir eine langjährige Partnerschaft zwischen den Gemeinden gefeiert und viele wohltuende Erinnerungen ausgetauscht. „Ihr habt uns neuen Mut und Zuversicht im Glauben gegeben“, bestätigte ein Zeitzeuge.

Alles begann vor über 40 Jahren: „Als Christen haben wir eine Verantwortung füreinander. Wir müssen unseren Brüdern und Schwestern im anderen Teil Deutschlands in diesen Zeiten beistehen“, erklärte mir mein Vater bei einer Reise in die DDR Ende Dezember 1980.

Unter schlechten Witterungsbedingungen machte er sich zusammen mit dem Gemeindepfarrer und sieben anderen Kirchenvorstehern auf den Weg von Nordhessen gen Osten. Im Gepäck Kaffee, Kakao und viele andere Lebensmittel, die in der DDR damals gar nicht oder nur schwer zu bekommen waren. Die Reise war zu diesen Zeiten alles andere als ein Vergnügen. Viele Amtshürden waren zu nehmen und vor allem galt es, eine wenig menschenfreundliche Grenze zu überwinden. Der Besuch einer Kirchengemeinde galt als besonders verdächtig und wurde mit Argwohn betrachtet. Doch es hat sich gelohnt. Die Begegnung mit den Glaubensgeschwistern hinterließ bleibende Eindrücke auf beiden Seiten. Das Interesse und die Unterstützung aus dem Westen stärkte die Gemeinde.

Dieses Zeichen für christliche Hilfe – füreinander da sein – ist ganz im Sinne des Apostels Paulus. Der hat vor knapp 2.000 Jahren die christlichen Gemeinden in Galatien ermahnt: „Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal 6,2).

Er weiß, dass es Christen nicht ganz leicht haben, je nachdem, in welchem politischen Umfeld sie gerade leben, dass sie Liebe und Zuwendung brauchen. So war es damals und so ist das auch heute in vielen Ländern der Erde. Christliche Gemeinden brauchen Unterstützung; Gebet und Mitmenschen, die ihnen Zuversicht geben, um im Glauben die aktuellen Herausforderungen zu überstehen. So wie unsere Partnergemeinde damals zu DDR-Zeiten. Es gab noch viele Begegnungen unter schwierigen Bedingungen. Doch es entstanden auch wunderbare Beziehungen über die scheinbar unüberwindbare Grenze hinweg.

Mein Vater hat mir vermittelt, wie wichtig Gemeindearbeit ist. In seine Fußstapfen tretend habe ich mich mehrere Jahre zwischen Weihnachten und Neujahr auf den Weg gemacht; den Kofferraum immer vollgepackt mit notwendigen Lebensmitteln, auch Orangen, Mandarinen, Kakao und vor allem Schokolade. Wie bei der Bescherung an Heiligabend leuchteten die Augen der Kinder des Gemeindepfarrers der Partnergemeinde, wenn ich den Kofferraum öffnete – es war eine Freude und beschämend für mich zugleich, weil es mir den Überfluss im Westen so bewusst machte. Es waren aber nicht nur die Leckereien, die für Freude sorgten, sondern mehr noch der Besuch – die Erkenntnis: Wir sind nicht vergessen.

In seinem Brief an die Galater hat Paulus das gute Tun an anderen Christen besonders im Blick. Er ist überzeugt: Gutes tun hängt eng mit Gottes Geist zusammen (Gal. 6,8). Wer in diesem Vertrauen handelt, wird ewiges Leben ernten, sagt er. Was wir aussäen, werden wir ernten (Gal 6,8). Gutes tun tut gut. Wie groß ist der Segen schon in diesem Leben. Wie wird es erst sein, wenn wir in der großen Gemeinde mit Jesus zusammen sind. Deshalb sollen wir, solange wir noch Zeit haben, allen Menschen Gutes tun, besonders aber denen, die mit uns im Glauben verbunden sind, rät Paulus. (Gal 6,10) Fragen Sie doch einfach heute: Was kann ich dir Gutes tun?!

Autor: Heike Knauff-Oliver

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Trost für Untröstliche

Trösten, was verbinden Sie mit diesem Wort? So etwas wie: Kopf hoch, es wird schon wieder? Oder: Nimm es doch nicht so schwer, andere machen ganz anderes mit? So etwas nennt man leidiges Trösten. Dadurch ist dies Wort in Verruf gekommen. Die heutige Losung spricht von Trost: „Tröstet, tröstet mein Volk! Spricht Gott, der Herr.“ Das steht in Jesaja 40,1. Der große Unterschied ist: Gott ruft hier zum Trost auf in eine trostlose Situation hinein. Er will echten Trost für sein Volk.

Echten Trost brauchen die Menschen immer. Ob der Säugling, der schreit, oder der Sterbende, der froh ist um die Hand, die er halten kann. Wie ist es für den Arbeitslosen bei der soundsovielten Absage, für den Kranken oder für die Einsamen? Wie ist es bei von der Pandemie oder von Unwetter Betroffenen? Was kann da wirklich Trost sein? Da ist es gut, nicht allein zu sein. Aber oft können wir nicht viel mehr tun, als in den Arm nehmen oder die Hand halten. Oft fühlt man sich dabei hilflos.

Aber wenn Gott unseren Trost will, ist das etwas ganz anderes. Er lässt uns Ermutigung zusprechen. Damit ist er da, er, der Helfer. Und was für ein Helfer!

Dazu müssen wir die Situation kennen, in die der Bibelvers spricht: Im Jahre 597 und noch einmal im Jahre 587 vor Christus haben die Babylonier Jerusalem eingenommen und zerstört. Ein großer Teil des Volkes wurde nach Babylon deportiert. Zunächst gab es unter den Gefangenen noch die Hoffnung auf eine baldige Heimkehr. Gott würde sie doch nicht im Stich lassen. Aber im Lauf der Zeit machte diese Hoffnung einer tiefen Resignation Platz. Die Gefangenen glaubten sich von Gott vergessen.

In Jesaja 49,14 drücken sie es so aus: „Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat meiner vergessen.“ Gott hat den Menschen ihre Schuld vor Augen geführt. Durch ihre Gottlosigkeit, ihr Los-sein von Gott haben sie sich in diese Situation gebracht. Gott hält uns mehrfach vor wie in Jeremia 2,27: „Denn sie haben mir den Rücken zugekehrt und nicht das Gesicht. Aber zur Zeit ihres Unglücks sagen sie: Steh auf und rette uns.“ Kann man so mit Gott umgehen? Erst kümmert man sich nicht um Gott und dann soll er, bitte schön, helfen. Die Menschen mussten erst einmal erkennen, dass nur eine stetige Zuwendung zu Gott sie voranbringt.

Das zu erkennen, fällt vielen auch heute schwer. Auch für uns sind die Ereignisse der letzten Zeit bedrängend und könnten uns ins Nachdenken bringen.

Nun könnte man meinen, Gott habe genug von solchen Menschen. Aber er hat schon im ersten Teil des Jesajabuches neben den Gerichtsankündigungen Verheißungen der Wiederherstellung gesetzt. Hier im Kapitel 40 setzt es voll ein. Der Ruf: „Tröstet, tröstet mein Volk“, gibt den Anstoß zu neuen Rufen. Es wird nicht gesagt, wer ruft, wer antwortet. Entscheidend ist das, was gerufen wird. Es ist eine Reihe von Befehlen. Sie sind ein Anstoß. Etwas soll in Bewegung kommen. Die Situation wird nicht bleiben, wie sie ist. Gott ist ein Gott der Tat. Durch ihn geschieht Veränderung auch in Situationen, die uns aussichtslos erscheinen. Er spricht also: „Tröstet, tröstet mein Volk!“ Doppelt kommt das „tröstet“. Das betont die Dringlichkeit. Der Ruf soll unbedingt gehört werden. Und Gott nennt es immer noch mein Volk.

Das soll auch uns Hoffnung geben. Gott sieht die Not und er lässt nicht im Stich. Da können wir nur dankbar uns diesem Gott zuwenden und bei ihm bleiben.

Autor: Pfarrerin Dagmar Rohrbach

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Welch eine Zumutung!

Ich rüttle Sie kurz am frühen Morgen mit einer Zumutung aus Morgenidylle und Kaffeegenuss auf. Da schreibt doch Paulus an die Gemeinde in Thessalonich kurz und bündig, klipp und klar: Allezeit freut euch! Unablässig betet! 1.Thessalonicher 5,16.17

Also mir ist nicht immer zum Freuen zumute. Und beten sollte man sicher auch mehr. Was soll diese Aufforderung? Und dann noch das betont vorangestellte: allezeit.

Paulus ist die Freude offensichtlich sehr wichtig. Freuen bedeutet für mich auch mehr als: „Seid allezeit fröhlich“, wie es Luther übersetzt hat. Schon in Philipper 4,4 schrieb Paulus: „Freut euch im Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch!“ Hierzu ist zu bemerken, dass Paulus im Gefängnis saß, als er das schrieb. Und das war nicht annähernd so, wie es heute in unseren Ländern üblich ist. Aber auch in Thessalonich hatte es Schwierigkeiten gegeben. Es gab Aufruhr gegen die Apostel und sie mussten die Stadt verlassen. Wie sollten sie sich darüber freuen? Auch bei uns läuft vermutlich nicht alles rund. Bei den zunehmenden Katastrophennachrichten können wir nur ahnen, was das für die Betroffenen bedeutet. Ist da Freude angesagt? Ein Hinweis kann uns dabei helfen: Im Griechischen klingt bei sich freuen vom Wortstamm immer Gnade mit. Da scheint unser Gott uns durch seine Gnade zur Freude verhelfen zu wollen.

Einen weiteren Hinweis finden wir in Philipper 4,4. Da heißt es: „Freut euch im Herrn.“ D.h. Paulus war nicht einfach in Schwierigkeiten, er war zuallererst im Herrn, in Jesus Christus, erst dann im Gefängnis. Jesus hat ihn von allen Seiten umgeben. Das stand ihm allezeit vor Augen. Dieser Jesus hat sein Leben für ihn gegeben. Er hat ihn aus der religiösen Gesetzlichkeit befreit zur Freiheit der Kinder Gottes. Er hat ihn noch dazu erwählt, sein Evangelium zu verbreiten. Gott hat ihm sogar im Gefängnis Loblieder in der Nacht geschenkt. Das alles sind Hinweise für uns, dass es doch keine Zumutung ist, sich allezeit zu freuen. Die augenblicklichen Umstände mögen nicht gut sein. Unser Gott und Retter ist immer noch derselbe. Er ist da, er lässt uns nicht im Stich.

Damit wir das nicht vergessen, gibt es die zweite Zumutung für heute: „Unablässig betet!“ Auch hier steht das unablässig betont voran. Wir dürfen den ganzen Tag im Kontakt mit Gott bleiben, über alles mit ihm reden. Wir können aus Sorgen ein Gebet machen, die schlimmen Nachrichten vor Gott bringen. Das kann uns in allen Lebenslagen durchtragen. Unsere Gedanken sind ja ständig in Bewegung. Wir können diese Gedanken auf Jesus ausrichten, sein Wort im Herzen bewegen. Immer wieder nur staunen, was er für jeden von uns getan hat. So hängen Freude und Beten zusammen mit allezeit und unablässig.

Gott will, dass wir uns freuen und beten. Er weiß, dass uns das schwierig erscheint. Aber im Blick auf Jesus wird das möglich. Wir lernen, in Jesus zu bleiben, auf ihn zu schauen. Wir machen dafür einfach Schritt für Schritt.

Autor: Pfarrerin Dagmar Rohrbach

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Wer bin ich?

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,

ich trete aus meiner Zelle

gelassen und heiter und fest

wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.

 

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? 

Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?

 

Wer bin ich? Der oder jener?

Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.

Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

 

Das sind Auszüge aus einem Gedicht von Dietrich Bonhoeffer, der von den Nationalsozialisten im Gefängnis ermordet wurde. Mich berührt dieses Gedicht jedes Mal. Auch ich stelle mir die Frage, wer ich bin. Ich bin jung und habe trotzdem schon einiges erlebt, was mich geprägt hat. Ich trage schöne Erinnerungen in mir, aber genauso auch Verletzungen. Ich bin durch Menschen um mich herum geprägt worden und habe einiges von ihnen gelernt. Meine Träume und Sehnsüchte treiben mich an, weiter nach vorne zu gehen. Gleichzeitig bremsen mich Ängste und Zweifel aus. – Auch sie sind irgendwie Teil von mir. Und zu all diesen Fragen und Gedanken, die ich über mich habe, kommen auch noch Aussagen von anderen über mich. Auch sie schätzen mich ein und sagen aus ihrer Perspektive, wer ich bin.

In der Bibel wird die Frage nach der Identität immer wieder aufgegriffen. Der Apostel Paulus, der nach Jesu Tod viele Gemeinden im Mittelmeerraum gegründet hat, schreibt in seinem Brief an die Galater in Kapitel 2, Vers 20: Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.

Das ist erstmal eine ziemlich herausfordernde Aussage. Jesus scheint irgendwie meine Identität zu bestimmen. Aber was bedeutet das für mich?

Paulus schreibt diese Aussage, als er sich mit einem anderen Apostel – und zwar mit Petrus – streitet. Petrus hatte in Antiochia mit Christen gegessen, die vorher keine Juden gewesen waren. Als jüdische Christen nach Antiochia hinzukamen, distanzierte sich Petrus, der selbst Judenchrist war, jedoch von den nicht-jüdischen Christen, mit denen er vorher gegessen hatte. Dies tat er, weil die neu angereisten jüdischen Christen auch nach ihrer Bekehrung zu Jesus Christus noch immer das jüdische Gesetz befolgten und dadurch nicht mit nicht-jüdischen Christen zusammen aßen.

Genau dieses Verhalten kritisiert Paulus. Er ist sich sicher: Wer einmal zu Jesus Christus gefunden hat, der hat eine ganz neue Identität bekommen. Das bedeutet also: Es ist nicht entscheidend, was ich vorher gemacht habe und an welche Regeln ich mich vorher gehalten habe – Jesus macht alles neu. Ich lebe neu durch ihn. Aber nicht ich lebe – mit all meinen Wünschen, Talenten, Ängsten und Verletzungen –, sondern Jesus Christus lebt in mir. Er schenkt mir eine vollkommen neue Identität. Und das bedeutet Freiheit! Weder meine Verletzungen durch andere Menschen noch meine Talente bestimmen, wer ich bin, sondern Jesus. Ich bin frei von allem, was ich über mich denke und was andere über mich sagen.

Dass Jesus Christus in mir lebt, bedeutet nicht, dass ich zu einer Marionette werde, die keine Entscheidungen mehr treffen kann. Nein, es ist vielmehr ein Versprechen. Ich kann mich geborgen fühlen, so wie sich Bonhoeffer trotz aller Umstände bei Gott geborgen wusste. Und im besten Fall können auch die Menschen um mich herum diese neue Identität erleben. Wenn Jesus Christus in mir lebt, definiert er, wer ich bin. Das heißt, dass andere Jesus durch mich kennenlernen können. Ich lebe dann, aber nicht ich, sondern Christus lebt in mir.

Was bedeutet das konkret? Das bedeutet, dass ich ziemlich viel Kontrolle abgeben muss. Es bedeutet aber auch, dass ich frei bin. Ich bin frei, mich nicht mehr von dem bestimmen zu lassen, was ich glaube, was mich ausmacht. Vielmehr weiß ich, dass Jesus Christus selbst in mir lebt. Er gibt mir meine Identität. Und das kann mich mutig machen. Mutig, Entscheidungen zu treffen, die auf den ersten Blick so gar nicht nach mir scheinen. Entscheidungen, die aber auf den zweiten Blick auf Jesus Christus in mir hinweisen.

Autor: Hannah Thielmann

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Kerzen, Grill und Lagerfeuer

Kerzen, Grill und Lagerfeuer – das sind alles Dinge, die ich sehr mag. Ich mag den Geruch von Duftkerzen. Ich liebe den rauchigen Geschmack von gegrilltem Gemüse. Und ich lausche gerne dem Knistern des Lagerfeuers, während es mich wärmt und am Abend Gemeinschaft ermöglicht.

Hausbrand, Waldbrand und Verbrennungen – das sind alles Dinge, die ich nicht mag. Ich trauere mit den Menschen, die durch Hausbrände alles verlieren. Es ist schrecklich, dass durch Waldbrände große Teile der Natur zerstört werden. Und Verbrennungen schmerzen sehr.

Eines steht fest: Feuer kann sowohl wunderschöne Dinge ermöglichen als auch brutal zerstören. Feuer wärmt, erhellt und zündet Dinge an. So kann ich an Silvester über das Feuerwerk staunen und am Geburtstag die Kerzen auf dem Kuchen anzünden. Gleichzeitig kann aber auch ein kleiner Funke ganze Häuser und Wälder niederbrennen. Dann ist Feuer zerstörerisch.

Ähnlich wie mit dem Feuer ist es auch mit Worten. Ich liebe Komplimente! Ich sage Menschen gerne, wenn sie eine großartige Ausstrahlung haben, oder wenn ich sie für etwas sehr bewundere. Dann ermöglichen meine Worte wunderschöne Dinge – sie bauen auf und sind wertschätzend. Leider passiert es mir aber auch manchmal, dass meine Worte brutal zerstören. Wenn ich mich streite, kann es vorkommen, dass ich Dinge sage, die mein Gegenüber verletzen. Solche Worte können sehr tief gehen und länger hängenbleiben.

Dass Feuer und Worte in ihrer Zerstörungs- und Schöpferkraft ähnlich sind, wird auch schon in der Bibel beschrieben. Im Jakobusbrief im Neuen Testament heißt es in Kapitel 3 in den Versen 5 und 6: Seht, wie klein ist das Feuer und wie groß der Wald, den es anzuzünden vermag! Auch die Zunge ist ein Feuer.

Es wird deutlich: Die Zunge und die mit ihr gesprochenen Worte haben ziemlich viel Macht. Wie ein kleines Feuer einen großen Wald in Brand steckt, so kann auch die Zunge ähnliche Zerstörung anrichten. Was ich sage, hat also große Auswirkungen auf mich und die Menschen um mich herum.

Aber was hat das Ganze mit Gott zu tun? In den Versen, die auf die Verse 5 und 6 folgen, schreibt der Autor des Jakobus-Briefs, dass die Zunge nicht gezähmt werden kann. Und weiter kritisiert er: „Mit der Zunge loben wir den Herrn und Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Bilde Gottes gemacht sind.“ Das passt irgendwie nicht zusammen. Und das macht der Autor deutlich. Meine Worte scheinen also zu verraten, wie es in meinem Inneren aussieht. Da ich die Zunge nicht zähmen kann, ist sie wie ein Fenster in mein Innerstes. Und wenn ich Gott, den Schöpfer, lobe, aber seine Geschöpfe verfluche, scheint es eine Schieflage zu geben. Das passt nicht. Meine Zunge ist dann wie ein zerstörerisches Feuer – angezündet von schlechten Gedanken und nicht von Gott.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Da ich meine Zunge selbst nicht kontrollieren kann, muss sie von einer guten Quelle angezündet werden. Und wer könnte da besser geeignet sein als Gott?! Wenn ich mich von ihm und von seiner Liebe verändern lasse, ändern sich meine Gedanken. Es ändert sich alles an mir. Dann erzählt meine Zunge mit liebevollen Worten von ihm. Dann sind meine Worte ein Fenster zu Gott und andere Menschen können über meine Worte auf diesen genialen Gott schließen! Wenn ich mit Gott in einer Beziehung lebe und ihm die Gestaltung meines Lebens überlasse, dann ist meine Zunge kein kleines Feuer, das einen großen Wald zerstört, sondern ein wärmendes und helles Licht für mich und alle anderen. Um diese Veränderung kann ich Gott bitten – jeden Tag.

Und dann zündet Gottes Funke in meinem Leben Kerzen, Grill und Lagerfeuer an.

Autor: Hannah Thielmann

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Eine Segensgeschichte

Ich zucke immer zusammen, wenn es in den Nachrichten heißt, dieses oder jenes Gremium habe irgendeinen Plan „abgesegnet“. Ich weiß, was die meinen: Sie haben zustimmend genickt. Als würden sie ein Schlusswort dazu sprechen. Ein Schlusswort ist der Segen, keine Frage, kennen wir ja aus unserem Gottesdienst. Aber Gott segnet uns nicht ab, sondern spricht uns den Segen zu. Das Kreuz tritt dazu. Segen kommt von Gott und geht durch unser Leben. Luther sagte ja auch, segnen heißt eigentlich mehren, vermehren. Als Gesegnete gehen wir in die Woche, zu den anderen. Und das kommt im Bibelwort aus dem 4. Buch Mose Kapitel 6, Vers 25 klar zum Ausdruck: „Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.“

Gott meint es gut mit dem Menschen, er zeigt den Menschen sein freundlichstes Gesicht, sein freundliches Angesicht, was leuchten soll und auf den Menschen gelegt wird, wie die Sonne ihre Strahlen über die Landschaft legt und erhellt, erwärmt, erheitert. Das ist aber wie in einer guten Beziehung zwei-seitig. Das hat das Volk Israel von Anfang an gemerkt oder eben lernen müssen: „Israel kann nur leben im Angesicht Gottes, d.h. in Gottes Gegenwart.“ Und: es gibt „nur da Leben, wo Gott hinschaut“ (Hermann Spieckermann). Nicht umgekehrt: Wo nur Verzweiflung ist, da ist Gott nicht, da schaut er nicht hin, sondern: Wir bitten Gott um seinen Segen, dass wir nicht ohne ihn, ohne Gott sind, dass unser Leben nicht in Verzweiflung läuft und endet. Der Segen erinnert uns an Gottes Handeln. Und daran, wer bewahrt, wer rettet, wer Leben fördert. Darum ist der Segen so wichtig.

Man könnte unsere Geschichte als Geschichte des Segens Gottes erzählen. Aber das heißt nicht, dass sie für uns einfach eine Erfolgsgeschichte wäre, gerade von unten nach oben und durch die Decke. Das mag es ja geben, aber es sind Ausnahmen. Mir wäre angst, wo es nur aufwärts geht. Manche Segensgeschichte ist eine Krankheitsgeschichte. Manche, wie gesagt. Auch die Geschichte des Volkes Israel und die der christlichen Kirche geht nicht einfach aufwärts, die führt durch Krisen und zeigt, wie zerbrechlich wir Menschen sind – und wie verlässlich der Segen Gottes mit uns geht.

Bei unserem letzten Klassentreffen bin ich ihr nach Jahren wieder begegnet. Biologie hat sie studiert, Veterinärmedizin auch noch, Tierärztin wollte sie werden, guter Abschluss, dazu einen Mann, der Betriebswirt war. Dann wurde das erste Kind geboren, geistig behindert. Die Tierärztin blieb zu Hause, der Mann stieg im elterlichen Geschäft seiner Frau ein, ein zweites Kind kam, der Betrieb wurde Richtung Konkurs gefahren, die Ehe auch. Sie schickt ihren Mann in die Wüste. Ihre Eltern kümmern sich verstärkt um die Kinder, sie steigt fachfremd ins Geschäft ein, wird Geschäftsführerin, schafft es, alles wieder auf Kurs zu bringen. Ich staune und frage, wie sie das alles hat stemmen können – und sie gibt mir mit einem Blick zu verstehen, dass sie das nicht aus sich heraus hat – und ich entdecke, dass Gott seine Leute nicht im Stich lässt.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.“ Und dann: „Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“ Was mit dem Segnen in Gang kommt, endet im Frieden. Gott gewährt Schutz im bedrohten Bereich des persönlichen Lebens, setzt Frieden im empfindlichen Bereich des sozialen Miteinanders. Der Segen mit der Geste des Kreuzes ist das letzte Wort, was wir aus dem Gottesdienst mitnehmen, hinein in das Miteinander, an dem sich bewährt, dass wir mit Gottes gnädig zugewandtem Gesicht in den Tag gehen.

Autor: Pfarrer Dr. Siegfried Meier

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Eine enge Pforte

In Bethlehem wurde schon früh eine Kirche über dem Ort erbaut, der nach der Überlieferung der Geburtsplatz Jesu ist. Die Kirche ist schön und groß und fast immer gut besucht, Bethlehem ist schließlich auch ein Touristenort, aber auch ein umstrittener Ort, immer wieder Schauplatz von Auseinandersetzungen.

Wer in die Kirche will, stößt auf ein Problem: Es gibt kein beeindruckendes Portal, sondern nur eine Pforte, etwa 1,20 m hoch. Da muss man sich klein machen, um durch die enge Pforte zu gehen – für mich ein klassisches Beispiel dafür, was Jesus meint, wenn er von der „engen Pforte“ spricht. Das Bild steht ja sprichwörtlich für einen Weg, den nicht jeder nehmen kann. Wer in Bethlehem mit seinen 1,80 m ankommt, muss den ganzen Oberkörper hinunterbeugen. Ein Bild, was für sich spricht.

Im Gespräch mit seinen Jüngern kommt die enge Pforte ins Spiel. Seine Jünger fragen Jesus, wie das denn in Zukunft sein wird, ob denn viele selig werden, ob viele im Reich Gottes, bei und mit Gott ewig leben werden. Sie reden sicher aus Erfahrung, haben mitbekommen, dass nur wenige sich Jesus anschließen, dass er auf viel Ablehnung stößt. Daher scheint mir diese Frage nicht als theoretisch, wollen wir mal darüber sprechen, was mit den anderen so passiert, sondern eine bange Frage, schließlich kennen wir das aus unserer eigenen Umgebung, kennen Frauen, Männer und Kinder oder leben sogar mit ihnen zusammen, denen der Glaube an Jesus Christus egal ist.

Und Jesus macht aus der theoretischen Frage eine praktische Aufforderung: Ringt ihr darum, dass ihr durch die enge Pforte geht. Gut, dass die anderen euch nicht egal sind, aber wenn ihr wie selbstverständlich davon ausgeht, dass ihr ohnehin euren reservierten Platz habt, dann geht es euch nicht anders als denen, die mir mit Ablehnung begegnen. Die denken sicher auch: Für uns ist die Sache doch klar. Geradewegs in den Himmel. Muss man sich keine Gedanken machen.

Ringt darum, sagt Jesus Christus.

Ihr hört und seht das Evangelium, und das ruft euch zum Reich Gottes. Jetzt. Die Dringlichkeit verbindet sich mit der Notwendigkeit, im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein alter Bekannter sagte mir: Wenn es Brei regnet, muss man mit großen Löffeln nach draußen gehen. Das Reich Gottes ist nichts Theoretisches. Es eröffnet hier die Möglichkeit, mit Jesus Christus zu leben und verschiebt das Ganze nicht an irgendeinen Punkt in der Zukunft. Warum nicht jetzt diesen Ruf hören? Entsprechend ermuntert Jesus seine Jünger und sagt mit einem Wort aus dem Lukasevangelium, Kapitel 13, Vers 29: „Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“

Und ich erinnere mich an die Gleichnisse Jesu, wo genau das passiert: Wer zuvor gar nicht eingeladen war, bekommt nun eine Extra-Einladung, am Tisch zu sitzen, auch diejenigen, die das wohl kaum glauben können, dass sie nun dazugehören. Haben die denn „gerungen“, hereinzukommen? Wir verstehen „ringen“ sicher als einen Weg, unsere Ansprüche zu erkämpfen, mit breiten Ellenbogen doch noch durch die Tür zu kommen, obwohl wir da – bleiben wir im Bild der Pforte der Bethlehemer Kirche – sicher eine unglückliche Figur abgeben würden.

Das Ringen ist ein Verlangen, dazuzugehören. Wer bittet, der empfängt, sagt Jesus. Wer bittet, weiß, über wen der Weg ins Reich Gottes führt.

Autor: Pfarrer Dr. Siegfried Meier

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Hilfreiche Selbst-Sicht

„Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da? Habt ihr auch so gut geschlafen? Na, dann ist ja alles klar.“

Sie kennen vielleicht noch diesen Liedvers von Jürgen von der Lippe - wenn schon nicht aus dem Radio, dann vermutlich doch aus dem eigenen Herzen. Kann ich diesen Sorgengeist loswerden?

Jesus macht klar: Es kommt auf die Sichtweise an. Er lädt ein: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“

Vögel sind ja nicht viel wert. An anderer Stelle fragt Jesus: „Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen?“ Trotzdem ernährt sie der himmlische Vater. Gott weiß also, was nötig ist. Und er versorgt jede und jeden. So kann uns die Sicht auf die Vögel eine hilfreiche Selbst-Sicht vermitteln: Denn wie viel mehr als Vögel sind doch wir Menschen!

Aber stimmt das? Ist nicht die ganze Schöpfung, also nicht nur der Mensch Gottes gutes Werk? Doch, nach Gottes Wort ist der Mensch das Ebenbild Gottes und damit in besonderer Weise aus der Schöpfung herausgehoben.

Unter dieser Voraussetzung ist der Gedankengang sofort nachvollziehbar. Wenn sich Gott schon so um einen geringer erscheinenden Teil der Schöpfung - wie die Vögel - kümmert, wie viel mehr um uns Menschen. Was soll da noch die Sorge?

Aber die Fragen hören nicht auf: Nehme ich nicht Tag für Tag das Gegenteil wahr? Der Hunger in der Welt nimmt wieder zu. Tausende von Flüchtlingen sind unterwegs auf der verzweifelten Suche nach Sicherheit und Auskommen. Und die Bilder von der Flutkatastrophe im Juli stecken vermutlich weiter auch in Ihren Köpfen und Herzen und die Betroffenen kämpfen nach wie vor mit den Folgen der Flut.

Beispiele, die zeigen: Sorgen sind mehr als berechtigt. Und unsere Sprache verrät es: Sind nicht die Sorgen geradezu notwendig, damit der Mensch „vorsorgt“, damit er dafür „sorgt“, dass sich die Ernährungslage verbessert, Frieden und Gerechtigkeit herrschen und die Erderwärmung gestoppt wird?

Aber können Sorgen das bewirken? Bleiben Sorgen nur der vermutlich notwendige Einstieg in Veränderungsprozesse, für die der Mensch verantwortlich ist? Oder machen sie sich dann selbstständig, verderben die Lebensfreude und lähmen sogar oft jede Initiative?

Wie schnell werden Menschen vom Sorgen- zum Bedenkenträger! Dann beschweren die Sorgen nur noch das Herz und weiter geschieht nichts.

Jesus bezieht das auf das persönliche Leben: Niemand kann durch Sorgen sein Leben verlängern. Auch das ist im Zeichen des medizinischen Fortschritts fragwürdig geworden.

Die Menschheit entdeckt immer mehr Möglichkeiten, das Leben zu verlängern. Aber zum einen sollte man dabei die Frage stellen, um welchen Preis das bisweilen nur gelingt. Und zum andern ist klar: Mit Mitteln des Sorgens ist keine Lebensverlängerung möglich, auch heute nicht.

Im Gegenteil: ich kann dadurch das Leben sogar verkürzen. Aber das will Gott ganz sicher nicht, denn er ist ein Liebhaber des Lebens. Des zeitlich begrenzten Lebens wie auch des ewigen Lebens.

Wenn Gott für das Vergängliche schon so verschwenderisch sorgt, wie viel mehr wird er es für diejenigen tun, die er für die Ewigkeit erschuf und erwählte!

Es kommt also auf die Sichtweise an. Recht betrachtet, hält uns die Schöpfung eine Anti-Sorgen-Predigt.

Schauen Sie hin. Gott möchte dann durch sein Wort Ihre Blickrichtung lenken. Damit nicht die Sorgen das Leben erdrücken. Dem Sorgengeist entkomme ich nicht mit Blick auf die eigenen Möglichkeiten. Jesus ermutigt zum Blickwechsel. Sieh nach oben, sieh die Vögel. Erkenne Gottes Möglichkeiten. Sieh auf Jesus.

Autor: Pfarrer Jens Brakensiek

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Ein Spezial-Frieden?

Heute geht es um Frieden. Jesus verspricht allen, die ihm nachfolgen: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“

Aber was ist das für ein „Spezial-Frieden“, von dem Jesus da redet? Ist das ein „Frieden light“? Also kein echter Frieden, nur so einer im Herzen?

Eine Art religiöse Beruhigung: „Mag es um mich herum auch unfriedlich zugehen, ich bin im Frieden mit mir selbst. Meinetwegen auch mit Gott. Und wenn’s geht, auch mit der Umwelt. Aber das findet alles nur innerlich statt. Das hat nichts mit meiner Umgebung direkt zu tun. Daran kann ich ja eh kaum was ändern.“ - Hat Jesus das so gemeint?

Das Johannes-Evangelium, in dem dieses Wort zu finden ist, ist ja ursprünglich in griechischer Sprache verfasst. Und das griechische Wort für „Frieden“ lautet „Eirene“.

In der griechischen Mythologie war die Göttin Eirene eine Schwester von „Eunomia“, der guten Ordnung und von „Dike“, dem Recht und der Gerechtigkeit.

Die Botschaft dahinter: Frieden kann nur bestehen, wenn auch Recht und Ordnung herrschen. Das hat also mit dem Gemeinwesen zu tun, in dem man lebt.

Friedrich Schiller drückt das so aus: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Ist das dann ein besserer Frieden - im Gegensatz zum inneren Frieden, von dem Jesus zu reden scheint?

Aber halt! Jesus redete und dachte ja hebräisch bzw. aramäisch und nicht griechisch. Er spricht hier also nicht von Eirene, sondern vom Schalom. Schalom aber meint Unversehrtheit, Heil.

Da geht es nicht nur um Befreiung von Unheil und Unglück, sondern auch um Gesundheit, Sicherheit, Geborgenheit.

Noch deutlicher wird das, wenn man sich klar macht, in welcher Lage sich Jesus befand, als er dies seinen Jüngern sagte. Er hat sein Leben mit seinen Jüngern geteilt. Jesus hat Sünden vergeben. Er hat Wunder getan. Er hat die Menschen eingeladen, Gott zu vertrauen. Und er hat seinen Jüngern gezeigt, was es heißt, Liebe und Versöhnung zu leben.

Dann ist die Zeit reif. Bald wird Jesus gefangen genommen, misshandelt und getötet. Er weiß das und verabschiedet sich von seinen Jüngern, unter anderem mit diesem Wort vom Frieden.

Das ist vorausschauend. Denn letztlich hat Gott Frieden mit den Menschen geschlossen durch den Tod seines Sohnes Jesus Christus am Kreuz. Das meint Jesus, wenn er von „seinem“ Frieden spricht.

Aber was bedeutet dieser Friede konkret? Eine Antwort: Friede mit Gott bedeutet Geborgenheit in der Liebe Gottes.

Die liebevolle Beziehung, in der Jesus mit seinen Jüngern gelebt hat, bleibt bestehen, auch wenn Jesus weggeht. Und sie wirkt sich aus. Jesus sagt ihnen: „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“

Liebe ist nicht nur Gefühl, sondern zeigt sich in der Tat, im Leben, im Alltag. Besonders dann, wenn es schwierig wird. Mit einem Nachbarn. Mit einem Familienmitglied. Mit einer Kollegin.

Wie gut ist es dann zu wissen, dass ich nicht allein bin. Dass da jemand mitgeht, der mich unterstützt, wie es ein Freund tut. Nicht nach dem Munde redet, aber doch den Rücken stärkt.

Diesen Frieden mit Gott erfahren Sie, wenn Sie sich Jesus anvertrauen. Überall. Jederzeit.

Es gibt dann keine Situation mehr, die Sie allein bestehen müssen. Jesus ist bei Ihnen. Bei ihm sind Sie geborgen.

Das ist keine Einbildung. Der Friede Gottes ist erfahrbar und hat Strahlkraft. Den schenkt Jesus. Darum: Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

 

Autor: Pfarrer Jens Brakensiek

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Eine Kultur der Barmherzigkeit

Jesus sagt: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen“. Ein starker Satz. Hoffentlich hören Sie ihn jetzt nicht in belangloser Routine – „barmherzig sein, ja, oft gehört“. Jesus will uns herausfordern.

Ich denke an den See Genezareth. In einer Reisegruppe standen wir oberhalb von Kapernaum. Dort, so sagt man, könnte Jesus die Bergpredigt gehalten haben. „Selig sind …“ – so beginnt sie. „Selig sind, die geistlich arm sind, … die Leid tragen, … die Sanftmütigen …“.

Unser Blick geht hinunter zur Straße. Zu Jesu Zeit waren dort nicht nur Bauern und Fischer unterwegs, sondern auch römische Soldaten, von vielen stöhnend verachtet. Aber Jesus sagt: „Selig sind die Barmherzigen.“

Drüben bei Kapernaum war Zollstation und Zahlstation - Geld für die Besatzungsmacht. Da kommt Wut auf. Aber Jesus sagt: „Selig sind die Sanftmütigen.“

Der Blick wandert hinüber zu den Felsen. Dort versteckten sich später Zeloten, „Eiferer“. Sie wollten mit Gewalt um Freiheit kämpfen. Aber Jesus sagt: „Liebt eure Feinde! Selig sind die Barmherzigen.“

Ist Jesus weltfremd? Nein, er hat das beste Programm für die Welt. Sein Blick bleibt nämlich nicht nach unten an Wut und Spannungen hängen. Sein Blick geht zu Gott. Da wird es spannend. Die Barmherzigen werden Barmherzigkeit erlangen.

Oder mit der Jahreslosung aus dem Lukasevangelium: Euer Vater im Himmel ist barmherzig mit euch – und wie! Jeden Tag leben wir aus seiner Güte. Immer neu beschenkt er uns mit Kraft und Mut.

Auch in Leidensstrecken gilt: Wir fallen nicht aus seiner Hand, sondern bleiben gehalten. Versöhnung stiftet Gott, Liebe auch über den Tod hinaus.

Und nun: Lebt diese Barmherzigkeit! Ihr könnt sie empfangen, müsst sie nicht produzieren. Jesus will immer neu eine erwartungsfrohe Sensibilität für Gottes Barmherzigkeit in uns wecken – und den Mut, damit zu leben, ja damit zu wuchern. Dort, wo Spannungen belasten, wo das Wort der Versöhnung nicht über die Lippen kommt. Wo Hassbotschaften den Ton angeben, wo Menschen schnell richten und miteinander fertig sind, noch bevor sie begonnen haben, sich zu verstehen.

Eine Kultur der Barmherzigkeit – sie ist nötig. Wir brauchen sie dringend gegen manche Trends unserer Zeit. Wer sich in sie einübt, wird immer barmherziger - auch mit sich selbst. Barmherzigkeit hat immer etwas Befreiendes!

Wobei es ein Missverständnis gibt: Barmherzigkeit heißt nicht, alles geschehen und laufen zu lassen! Auch Jesus übt manchmal scharfe Kritik an Zuständen und an einzelnen Menschen.

Er lehrt uns nicht, Ungerechtigkeit zu vertuschen. Aber wie wir sie beim Namen nennen und wie wir dabei miteinander umgehen – das soll von Barmherzigkeit geprägt sein. Auch im Wahlkampf schließen sich kritische Auseinandersetzung und ein barmherzig-würdevoller Umgangsstil keineswegs aus.

Jesus will uns aus engen Grenzen der Hartherzigkeit befreien. Er will uns von Kaltherzigkeit heilen. Er setzt die Barmherzigkeit des Vaters dagegen.

Oben auf dem Berg am See Genezareth lasen wir damals die Bergpredigt – und beteten dann, was mitten in ihr steht: Vater unser im Himmel - vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern. Da wird der Blick weit, wirklich weit.

 

Autor: Prälat Ulrich Mack

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Die Logik des Paulus

Ein freundlicher Spendenaufruf liegt im Briefkasten. Und aus einer Zeitschrift fällt ein Überweisungsträger mit dringenden Bitten. Die Not ist groß.

Ich vermute, Sie kennen das. Wie gehen wir damit um? Wie gehen wir am Opferkasten der Kirche vorbei? Und wie, wenn uns ein Obdachloser am Straßenrand seine Hand entgegenstreckt?

Manchmal ist Spenden gar nicht so einfach. Aber noch viel mühsamer ist es oft für die, die um Opfer und Spenden werben. Wie kann man Menschen zum Geben motivieren – ehrlich, mit guten Argumenten, ohne falschen Druck?

Vor dieser Frage stand schon der Apostel Paulus. Er startete eine kräftige Spendensammlung für die Gemeinde in Jerusalem. Die hatte Unterstützung nötig.

Mit der Zahl der Mitglieder waren auch soziale Herausforderungen gewachsen. Witwen und andere mussten versorgt werden. Zudem stand die Gemeinde unter öffentlichem Druck. Sie brauchte Hilfe. Paulus hatte sie versprochen.

Die Gemeinden Mazedoniens hatten schon viel Geld gesammelt. Paulus ist begeistert. Jetzt schreibt er nach Korinth. Im zweiten Korintherbrief ist deutlich zu spüren, wie sehr ihm die Sammlung für Jerusalem am Herzen liegt. Sein Spendenaufruf steht in Kapitel 8, und in Kapitel 9 bringt er ihn noch einmal auf den Punkt.

Paulus schreibt: „Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit.“

Interessant, wie Paulus hier argumentiert. Er appelliert nicht an ein Mitleids-Gefühl. Er malt auch nicht die Not in Jerusalem vor Augen.

Er schildert Gottes Güte. Er zeigt: Was wir zum Leben haben, ist von Gott geschenkt. Selbst den Samen, aus dem Getreide und Brot wurden, hat Gott gegeben. Und darum ist es nur gerecht, das Empfangene zu teilen.

Ich habe diese geistliche Logik einmal in Afrika erlebt. Unser Kirchenbezirk hatte eine Partnerschaft mit Gemeinden in Kamerun begonnen. Wir, eine kleine Delegation, planten einen Besuch, sammelten Spenden; und dann konnten wir eine beträchtliche Summe als Geschenk mitbringen – dringend gebraucht für soziale Zwecke, Schulen und Kirchendach.

Die afrikanischen Christen freuten sich, aber - und das überraschte mich - sie machten keinen großen Akt daraus.

Oft ist es ja so: wer reich beschenkt wird, fällt fast auf die Knie vor dem Spender, und der sonnt sich stolz in Dankeshymnen. Ganz anders bei den Kameruner Christen.

Die Dekanin dort erklärte mir später: Wenn wir in Christus zusammengehören, dann gehört uns das, was Gott uns zum Leben und Wirken geschenkt hat, gemeinsam. Ihr habt gerade mehr als wir und teilt das mit uns. Wir danken euch, und gemeinsam danken wir Gott für das, was er uns schenkt.

Paulus schreibt nach Korinth: „Euer Überfluss diene ihrem Mangel“ – und irgendwann kann es einmal umgekehrt sein, wenn ihr Hilfe braucht. So wachsen aus Samen, die Gott gibt, „Früchte der Gerechtigkeit“.

Dabei, so Paulus, bitte ja kein Druck oder Zwang! Jeder soll nur so viel geben, wie er will und kann.

Zugegeben: Spenden ist nicht immer leicht. Aber beim nächsten Spendenaufruf im Briefkasten will ich an die Logik des Paulus denken.

Autor: Prälat Ulrich Mack

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Einfach machen?

Auf einem Kalenderblatt habe ich gelesen: Hätte, sollte, könnte, müsste… Nur war jedes dieser Worte durchgestrichen und dahinter stand fett: Machen! Einfach machen.

Von klein auf habe ich es so gehört und gelernt und Sie vielleicht auch. Nicht immer alles lange erwägen und prüfen, sondern anpacken. Einfach mal machen. Einen ersten Schritt wagen. Beginnen, nicht warten. Im Beginn liegt der Gewinn.

Aber dann kommt man im Laufe des Lebens in Situationen, wo man plötzlich nichts mehr machen kann. Wo einem die Hände gebunden werden.

Nicht nur im Corona-Lockdown, wenn die Firma Kurzarbeit verordnen musste, weil einfach zu wenig geht, weil es plötzlich auch in einer Boombranche nur noch ums Durchkommen geht.

Der brutale Stopp, das „aus der Hand reißen“, kann einen auch ganz privat treffen. Manchmal kommt man mit Machen einfach nicht weiter. Da kann man nichts mehr machen. Weil man zum eigenen Kind oder einem anderen nahen Menschen keinen Zugang mehr findet. Oder eine Krankheit einen brutal ausbremst.

Davon handelt auch der Bibelvers aus dem Markusevangelium: Ein Vater weiß nicht mehr weiter. Sein Sohn ist wie besessen. Er zerstört sich selbst. Die Jünger von Jesus können ihm nicht helfen. Der Vater wendet sich jetzt direkt an Jesus. Der Vater bittet ihn und spricht: „Wenn du etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!“ (Markus 9,22)      

Er kann nichts mehr machen. Andere konnten ihm nicht helfen. Kann Gott noch etwas machen? Dem Sohn helfen?

Ich rolle die Geschichte von hinten auf, weil dort die eigentliche Pointe steht. Es gibt Dinge, die können nur durch Beten geändert werden. So sagt es Jesus zu den Jüngern.

Es gibt Situationen, die geduldiges und erwartungsvolles Einstehen vor Gott erfordern, die wir nicht einfach so „machen“ können.

Immer wieder muss ich lernen, loszulassen und etwas ganz bewusst Gott anvertrauen, allein oder mit anderen im Gebet.

Gerade die brutalen Stopps erweisen sich oft als Momente, in denen man erfährt, was Gott kann, was er macht, wenn ich nichts mehr bewegen kann.

Vielleicht geht sogar deshalb manches nicht mehr vorwärts, weil ich vor lauter Machen das Beten vergessen oder verlernt habe. Ich gehe auf Menschen zu, ich packe Aufgaben an, aber ist mir auch bewusst, wie begrenzt meine Möglichkeiten sind?

Manches Machen ist sogar umsonst, wenn ich nicht Gott um sein Machen und seinen Segen bitte, mit meinen Vorhaben und Aufgaben vor ihn komme.

Ohne Gebet, ohne eine Prüfung vor Gott, ohne seinen Segen ist Machen vergebliche Liebesmühe. Beten und Machen gehören zusammen.

Und ganz ehrlich, häufig geht es mir so wie dem Vater in unserer Geschichte. Da ist etwas zu schwierig, zu groß, zu unüberschaubar, ja unlösbar für mich. Traue ich es Gott zu? Bitte ich, wie der Vater Jesus bittet? Oder mache ich den anderen etwas vor, als ob ich immer und überall ein Macher wäre?

Der Vater konnte nicht mehr, wusste nicht mehr weiter. Er hat verzweifelt nur noch um Erbarmen gebeten. Selbst sein Glaube war angegriffen und kaputt. Er sagte zu Jesus: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

 Loslassen und hören, was Gott will. Nicht nur machen, sondern sich führen lassen, Schritt für Schritt an der Hand Gottes einen Weg gehen.

Autor: Kirchenrat Dan Peter

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Fürsorge, Dankbarkeit, Freude

Fürsorge, Dankbarkeit und Freude. Das habe ich gerade erlebt am 90. Geburtstag der Großtante. Selbst für die Urenkel wurde gesorgt. Eine riesige Kiste mit Legobausteinen und Bilderbüchern wartete im Restaurant in einer Ecke und draußen gab es für die Älteren einen flachen Wasserbrunnen.

So wurde ein langer Nachmittag mit Essen und Kaffeetrinken auch für die Kleinsten abwechslungsreich und interessant. Was für eine Freude. Und wer nass geworden ist? Sogar Handtücher und Wechselkleidung waren dabei.

Da hatte jemand vorgedacht und dann auch hinterher wieder alles in Ordnung gebracht und aufgeräumt. Bei Kindern ist das ja noch relativ überschaubar und irgendwie zu lösen. Und im richtigen Leben? In meinem Alltag?

Dienstagmorgen. Besprechung in der Abteilung. Eine Kollegin stellt vor, was sie gerade alles angehen muss. Sie freut sich über ihre herausfordernden Aufgaben, wird dann unvermittelt nachdenklicher.

Sie sagt: Da ist so viel voneinander abhängig und fast unüberschaubar. Manchmal werde ich unsicher, sogar unruhig. Habe ich noch alles im Blick und nichts Wichtiges vergessen? Ist das überhaupt zu schaffen? Andere nicken oder pflichten bei. Kann überhaupt gelingen, woran wir gerade sind?

Diese Frage scheint momentan viele zu beschäftigen. Sogar der erfahrene Showmaster Thomas Gottschalk, der normalerweise sehr entspannt und unaufgeregt wirkt, sagte in einem Interview: „Ich bin mürbe!“ Er leide sehr unter dem Corona Hin und Her, unter der Gesamtsituation. Immer wenn man denke, es gehe aufwärts, komme ein Rückschlag.

Der Prophet Jesaja nimmt genau das in den Blick. Damals für das Volk Israel, das voller Angst und mit wenig Möglichkeiten dastand. Menschen, die mühsam ihren Tag meistern mussten, die oft nicht wussten, wie und ob es überhaupt weitergeht in ihrer Krisenzeit.

Jesaja sagte (52,12): „Der Herr wird vor euch herziehen und der Gott Israels euren Zug beschließen.“ Es soll also sein wie damals, als alles unsicher und unüberschaubar war, bei der Wüstenwanderung. Gott steht seinen Menschen weiterhin bei.

Dieses Bibelwort behielt seine Bedeutung, gerade in Krisenzeiten. Heute richtet es sich an Menschen, denen die Kraft und der Mut auszugehen drohen, denen manches einfach zu viel und zu unüberschaubar wird. „Der Herr wird vor euch herziehen und der Gott Israels euren Zug beschließen.“

Gerade die Mürben hat Gott im Blick. Vertraut neu Gottes Führung und Fürsorge. Und wie geht das? Das somalische Fotomodel Iman, inzwischen 66 Jahre alt, hat kürzlich auf Instagram gepostet: „Schau zurück und danke Gott. Schau nach vorne und vertraue Gott.“

Es ist eine einfache Botschaft an alle Besorgten und Mürben und Überforderten. Gott sagt: „Ich bin da. Bei eurer Wüstenwanderung. Ich habe euch immer im Blick. Geht weiter euren Weg mit mir. Ich helfe euch da durch. Der Weg ist längst bereitet. Ja noch mehr. Ich gehe auch hinter euch her, räume hinter euch auf. Ich mache sogar aus dem Zurückgelassenen, aus dem Unvollendeten, aus dem Misslungenen etwas. Euer ganzer Lebensweg wird von mir begleitet und gesegnet.“    

Ich höre das Jesaja-Wort heute für mich. Sie auch? „Der Herr wird vor euch herziehen und der Gott Israels euren Zug beschließen.“ „Schau zurück und danke Gott. Schau nach vorne und vertraue Gott.“

 

Autor: Kirchenrat Dan Peter

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Warten ist schwer

Warten fällt uns in der Regel schwer! Einige warten schon lange auf eine Gehaltserhöhung oder Beförderung, andere können es kaum bis zum nächsten Urlaub abwarten.

Ich persönlich hatte im letzten Sommer gehofft, dass wir 2021 Covid 19 längst überwunden hätten, aber ich lag falsch. Ich warte immer noch darauf.

Der christliche Liederdichter Paul Gerhardt hat einmal gesagt: „Warten ist ein bitteres Kraut!“ Ja, warten fällt uns schwer, den Kindern ganz besonders, aber auch uns Erwachsenen. Wir wollen möglichst alles sofort haben. Besonders schwer fällt es uns, nichts tun zu können, um etwas zu beschleunigen.

Um das Warten geht es auch in dem Bibelvers für heute. In Psalm 33, 20 heißt es: „Unsere Seele harrt auf den HERRN, er ist uns Hilfe und Schild.“

Das etwas altertümliche Wort „harren“ heißt nichts anderes als „warten“ oder „hoffen." Besonders schwer fällt mir das Warten auf Gott, auf seine Antwort, wenn ich schon öfter für ein bestimmtes Anliegen gebetet habe – und anscheinend nichts passiert. Dann werde ich sehr schnell ungeduldig.

Ich möchte, dass Gott meine Gebete möglichst am gleichen Tag erhört – und nicht 6 Monate später. Aber der allwissende Gott weiß schon, warum er manche Bitten nicht sofort erfüllt. Er will mir sagen:„Vertrau mir, wenn ich deine Bitte nicht sofort erfülle. Ich weiß, was ich tue. Ich habe meine Gründe, vertraue mir!“

Gestern habe ich in der Bibel von Abram gelesen, der von Gott die Zusage bekommen hatte, dass seine Frau und er Kinder bekommen werden. Aber es dauerte und dauerte. Lange Zeit passierte nichts.

Abram und Sarai wurden schon ungeduldig und suchten nach Wegen, wie sie nachhelfen konnten, dass Gottes Versprechen wahr wird.

Lange 25 Jahre musste das alte Ehepaar warten, bis Gott seine Zusage wahrmachte und ihnen Isaak schenkte. Aber wir sehen: Gott steht zu seinem Wort!

Ich möchte Sie ermutigen, heute im Laufe des Tages einmal den großartigen Psalm 33 im Zusammenhang zu lesen. Sie werden entdecken, dass uns Gott dort als der Schöpfer begegnet, als der souveräne Herrscher und als der Retter.

Das alles hat der Psalmdichter vor Augen, wenn er betet: „Unsere Seele harrt auf den Herrn!“ Er hat Gott als den kennengelernt, dem er vertrauen kann.

In Psalm 33, 4 steht: „Denn des Herrn Wort ist wahrhaftig und was er zusagt, das hält er gewiss!“ Dieser Bibelvers hat schon oft mein Vertrauen auf Gott und auf die Zuverlässigkeit seiner Zusagen gestärkt. Er gehört zu den Bibelversen, die ich auswendig kenne.

Der Psalmbeter hat Gott kennengelernt als den, dem er vertrauen kann. Mehr noch: als den, der uns hilft und uns schützt.

Das bedeutet nicht, dass wir als Christen keine Probleme kennen oder nicht krank werden. Auch als Menschen, die Gott glauben, kennen wir schwierige Zeiten. Der Unterschied ist aber der, dass wir wissen: Gott steht uns immer zur Seite! Er ist da, er ermutigt uns, er gibt uns Hoffnung und Zuversicht. Es passiert uns nichts als das, was Gott zulässt.

Diese Gewissheit gibt mir eine große Gelassenheit, auch in schwierigen Zeiten!

Als Christen wissen wir, an wen wir glauben. In Jesus hat Gott sich uns zu erkennen gegeben als der, der uns von Herzen lieb hat und absolut verlässlich ist, auch wenn wir ihn nicht immer verstehen.

Lassen Sie uns deshalb in das Gebet des Psalmdichters mit einstimmen: „Unsere Seele harrt auf den HERRN, er ist uns Hilfe und Schild!“

Autor: Pastor Raimund Puy

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Es ist mir eine Ehre

Zu den großen Sehnsüchten von uns Menschen gehört, dass wir erleben, dass wir gebraucht werden! Wenn wir etwas wirklich Sinnvolles tun, dann spüren wir, dass unser Leben Bedeutung hat. Das tut gut!

Der Bibelvers für heute macht uns deutlich, dass Christen sicher sein können, dass ihr Leben wirklich Bedeutung hat. Der Apostel Paulus schreibt in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth: „Wir sind Gottes Mitarbeiter!“

Christen wissen: Jesus hat mich in seine Gemeinschaft gerufen und mich zu Gottes Kind gemacht! Diese Tatsache hat mein Leben verändert!

Die Aussage des heutigen Bibelverses geht noch weiter: Durch Jesus bin ich nicht nur Gottes geliebte Tochter, Gottes geliebter Sohn geworden, nein als Christ bin ich nun Gottes Mitarbeiterin, Gottes Mitarbeiter!

Das ist wirklich eine starke Aussage, finde ich! Lassen Sie uns noch einen Augenblick darüber nachdenken. Wir dürfen Gottes Mitarbeiter sein – das ist sein großes Geschenk an uns!

Gott könnte natürlich auch ohne uns. Er könnte die Engel beauftragen, seine Aufträge auf Erden auszuführen. Aber das Erstaunliche ist: Gott will nicht ohne uns, er will nicht auf uns verzichten, wir sind für ihn wichtig! Er, der allmächtige Gott, will Sie und mich in seinem Team haben.

Immer, wenn ich darüber nachdenke, gerate ich ins Staunen! Jesus Christus hat einmal gesagt: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt: „Ich habe euch dazu bestimmt, zu gehen und Frucht zu tragen – Frucht, die Bestand hat.“

Dieser bedeutsame Satz Jesu kann das Leben von Menschen verändern. Er steht im Johannesevangelium, Kapitel 15 Vers 16. Jesus Christus selbst sagt hier, dass unser Leben Bedeutung haben soll. Er möchte so gerne, dass sich durch unser Leben und Tun etwas verändert in dieser Welt. Wir sind wichtig!

Was ist dabei zu beachten? Als Gottes Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist für uns das Verhältnis zum Chef das Wichtigste. Wir haben den besten Chef der Welt. Das hat er bewiesen, als er Jesus Christus für uns sterben ließ, damit wir in sein Team aufgenommen werden können.

Er ist kein Chef, der weit weg ist, sondern der uns persönlich kennt und der es wirklich gut mit uns meint! Wichtig ist, dass wir uns Zeit nehmen für die Gemeinschaft mit Gott.

Er will uns immer wieder motivieren und ermutigen, er will uns aber auch den Platz zeigen, an dem er uns gebrauchen will. Das ist wichtig, damit wir als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gottes durch unseren Dienst Erfüllung erfahren.

Noch eine Frage zum Schluss: Lohnt es sich, Gott zu dienen? Manchmal fehlt mir die Motivation, manchmal habe ich Enttäuschungen erlebt. Lohnt es sich, dranzubleiben und Gottes Mitarbeiter zu sein?

Ja, es lohnt sich! In Gottes Team können wir etwas wirklich Sinnvolles mit unserem Leben bewirken, Frucht, die Bestand hat – wie Jesus es ausdrückt. Jesus sagt (Joh. 12,26): „Wer mir dient, den wird mein Vater ehren!“

Was für eine Perspektive: Es ist Gott absolut nicht gleichgültig, ob wir ihm dienen oder nicht. Im Gegenteil: Gott wird uns einmal dafür ehren, wenn wir uns in diesem Leben für ihn einsetzen. Das motiviert mich sehr!

Ich erinnere mich noch genau daran: Beim ersten christlichen Jugendkongress Christival 1976 in Essen predigte Ulrich Parzany über diesen Satz: „Wir sind Gottes Mitarbeiter“.

Diese Aussage hat mich nie mehr losgelassen. Ich habe dann Theologie studiert und bin Pastor geworden. Heute, kurz vor meinem Ruhestand, kann ich nur sagen: „Ja, es lohnt sich, Gott zu dienen!“

Es gibt dem Leben wirkliche Erfüllung, sein Mitarbeiter zu sein! Es ist eine Ehre und ein Vorrecht, zum Team des lebendigen Gottes zu gehören!

Autor: Pastor Raimund Puy

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Mit leiser Stimme

Wir leben in einer lauten Welt. Das haben Sie sicher auch schon erlebt. Sie sitzen im Zug. Im Abteil sitzen junge Leute. Sie hören Musik. Sie ist so laut eingestellt, dass alle Mitreisenden notgedrungen mithören müssen.

Oder Sie gehen ahnungslos auf dem Gehsteig. Plötzlich dröhnt das Wummern der Bässe aus einem vorbeifahrenden Auto. Überall werden wir beschallt. Zuweilen werden Lautstärken erzeugt, die an die Schmerzgrenze gehen. Gewiss, manchmal muss es laut zugehen. Laute Stimmen übertönen die leisen Stimmen. Sie verschaffen sich Gehör.

Viele Menschen sind schwerhörig. Manche sind taub. Das gilt nicht nur im Blick auf die Akustik. Manche sind schwerhörig und taub für Gottes Stimme.

Gott redet oft leise, unaufdringlich. Nur in der Stille legt Gott normal seinen Anker an. Gottes Stimme hat es in unserer lauten Welt schwer.

Daran musste ich denken, als ich das Gottesknechtslied las, dem das Bibelwort für diesen Tag entnommen ist. Gott der Schöpfer und Herr der Welt setzt auf die leisen Töne. Er macht keinen Lärm, auch nicht um sich. Es ist nicht Gottes Art, auch nicht die Art von Jesus.

Im Lied vom Gottesknecht im 42. Kapitel des Jesajabuches ist die Rede davon, dass dieser Auserwählte Gottes nicht laut herumschreien wird.

Wer ursprünglich damit gemeint war, ist in der Forschung umstritten. Manche sehen den heidnischen König Kyros in dem Gottesknecht. Als Werkzeug Gottes erlaubte er den Verbannten in Babylon die Rückkehr in die Heimat.

Die frühen Christen sahen in diesen Liedern das Leben und Sterben von Jesus vorweg beschrieben. Der Gottesknecht steht in einer einzigartigen Beziehung zu Gott. Er hat einen einzigartigen Auftrag.

In seinem Reden und Handeln offenbart sich die Liebe und Zuwendung Gottes zu den Menschen. Sein Sterben bedeutet Heil für die Welt.

Diese Zuwendung Gottes wurde damals durch den Propheten den Israeliten in der babylonischen Gefangenschaft verkündet. Als sie am Ende waren, wurde ihnen Zukunft eröffnet. Als die Heimat verloren war und sie in der Fremde leben mussten, sagte Gott durch seinen Boten den neuen Anfang zu.

Gott steht zu seinen Zusagen. Gott ist in seiner Treue zu seinen geliebten Menschen beständig. Das war damals so im Blick auf die Verbannten in Babylon und auf sein Volk Israel. Das ist heute so.

Aus Israel ist Jesus hervorgegangen, der allen Völkern neues Leben schenken will. Sein Leben, seine Worte und Taten, sein Tod am Kreuz und seine Auferstehung sind von globaler Bedeutung. Jesus ist der Auserwählte Gottes. Auf ihm ruht Gottes Wohlgefallen.

Diese gute Nachricht muss unter die Leute. Das gilt, auch wenn sie im lauten Stimmengewirr unserer Zeit und in den unzähligen Nachrichten die täglich an unser Ohr kommen, leicht überlagert wird.

Gott sei Dank, haben wir heute vielfältige Möglichkeiten auch mit Mitteln der modernen Technik, Jesus als den Erlöser und Heiland der Welt zu bezeugen. Noch dringt seine leise Stimme, sein stilles Werben um jeden einzelnen Menschen in alle Welt.

Es liegt an Ihnen und mir, die Stille zu suchen und auf seine Stimme zu hören. Es ist unser christlicher Auftrag, zu bezeugen, was Gott im Gottesknechtslied über seinen Sohn sagt:

Siehe, das ist mein Knecht, den ich halte und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat.“

 

Autor: Dekan Michael Wehrwein

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Wüstenjahre

Wüstenzeiten sind oft schwierige Zeiten. Das galt für Mose und das Volk Israel auf dem Weg aus der Knechtschaft in Ägypten hin in das von Gott versprochene Land.

40 Jahre waren die Israeliten unterwegs. Sie erlebten schwierige Wegstrecken. Manche Entbehrungen mussten sie auf sich nehmen. Manchmal war die Angst stärker als die Zuversicht. Mose, ihr Anführer, wurde zuweilen angegriffen, seine Führungsrolle und seine Autorität wurden infrage gestellt. Das Volk murrte. Als es schwierig wurde, sehnten sie sich nach den Fleischtöpfen in Ägypten zurück. Der lebendige Gott hatte sie auf wunderbare Weise aus der Knechtschaft befreit. Immer wieder schenkte er ihnen die Zeichen seiner Gegenwart. Sie erlebten seine Fürsorge und erfuhren Wunder über Wunder.

Und trotzdem kündigten sie Gott den Gehorsam auf. Sie schufen sich ein Götzenbild und beteten das an. Sie mussten die schlimmen Folgen ihres Ungehorsams ausbaden. Und immer wieder musste sie Mose auf den richtigen Weg führen. Mose motivierte. Immer wieder rief er Gottes Bundesschluss und seine Zusage in Erinnerung. Mose hielt treu an Gottes Auftrag fest.

Das war nicht immer einfach. Gerade in den schwierigen Situationen des Wüstenweges mag es ihm manchmal angst und bange geworden sein. Feindliche Völker stellten sich den Israeliten in den Weg. Sie mussten manche Kämpfe bestehen.

Aber schließlich kamen sie zu dem von Gott versprochenen Ziel, dem Land der Verheißung. Im 5. Mosebuch, dem Buch Deuteronomium, wird die Rede des Mose überliefert. Er hat sie zum Abschluss der Wüstenwanderung vor dem Übergang über den Jordan gehalten. Mose blickt zurück. Er weiß sich auf seinem Weg von Gott gesegnet. „Der Herr, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände“ kann Mose im Rückblick auf sein und das Leben des Volkes Israel bekennen.

Von Gott weiß Mose sich auf dem Weg durch die große Wüste begleitet, getragen und geführt. Gott hat sein Wandern durch die große Wüste auf sein Herz genommen. Das wusste Mose. Dieses Wissen schenkte ihm Geborgenheit, Mut und immer wieder die nötige Kraft für den Weg. Gerade in den Schwierigkeiten und Herausforderungen war dies entscheidend. Es bewahrte ihn vor dem Aufgeben, vor Verzweiflung und Resignation.

Auch Ihr und mein Leben kennt schwierige Phasen, Wüstenerfahrungen. Da ist es gut und wichtig sich gerade dann an das segnende und bewahrende Handeln Gottes zu erinnern. Auch unsere Lebensgeschichte ist Teil der Liebesgeschichte Gottes.

Selbst wenn in manchen Situationen und Ereignissen Gott aus dem Blick geraten ist: Er war da und er ist da. Was wir vollbringen und erreichen, ist Ausdruck seiner Treue und Begleitung. Das gilt für die schönen und gelungenen Wegstrecken. Das gilt aber auch für Wüstenzeiten, für Scheitern und Misserfolg, in Schwachheit und in Glaubenskrisen.

Was das Losungswort der Herrnhuter Brüdergemeine aus dem .Mosebuch ausdrückt, gilt auch heute: „Er hat dein Wandern durch diese große Wüste auf sein Herz genommen.“ Es gilt auch heute, was später der Apostel Paulus im 2. Brief an die Korinther in seiner Schwachheit so beschrieben hat: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Kor. 12,9).

Wohl uns, wenn wir mit Paulus sagen können: „Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne.“ (2. Kor. 12,9b)

Autor: Dekan Michael Wehrwein

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Ein bahnbrechendes Ereignis mit Folgen

Große Ereignisse können ganz klein anfangen. Das sollte man aber nicht unterschätzen. Da wurde vor mehr als 2000 Jahren ein Kind unter ärmlichen Bedingungen geboren. Nur wenige haben erkannt, was das bedeutete. Dieses Ereignis sollte in der Folge vieles auf den Kopf stellen. Wir Menschen können dadurch in eine wiederhergestellte Beziehung zu Gott finden.

Paulus hat das erst nach einigem Irren erkannt. Er schreibt an seinen Mitarbeiter Titus, um ihm Anweisungen für seine Gemeinde zu geben. Er weist ihn darauf hin, dass die Christen ihr Leben mit Jesus nun ganz anders leben sollen als ohne ihn. Das scheint auf den ersten Blick nicht gerade leicht. Nach diesen Anweisungen zum Leben erinnert Paulus noch einmal an dieses bahnbrechende Ereignis. So heißt es im Wort für heute in Titus 2,14: „Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns loskaufte von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.“

Gott sah das Elend, das Leid, die Tränen, die Bosheit in unserer Welt. Jesus kam als Licht in die Welt und brachte die Gnade Gottes mit sich. Denn das war das Ziel seines Erscheinens: Menschen die Heimkehr zu Gott zu ermöglichen.

Verdient hat es kein Mensch. Alle hatten es durch ihr Verhalten verspielt. Durch sein liebendes Mitgefühl wusste Gott: Nur ein sehr spezieller Weg konnte den Menschen den Zugang zu dieser Gnade ermöglichen.

Hier steckt in einem Satz das ganze Evangelium. Da wird das Geschehen am Kreuz als Hingabe für uns beschrieben. Das Ziel war der Loskauf von aller Ungerechtigkeit. Stellen wir uns das mal vor: Ein Mensch, der als Sklave sein Schicksal erduldete mit allen möglichen Schikanen, wird unverhofft von jemandem losgekauft. Er ist frei, kann gehen, wohin er will. Was wird er tun? Wird er nicht aus Dankbarkeit seinem Befreier folgen, für ihn da sein?

Jesus hat am Kreuz sein Leben für uns gegeben. Er hat uns dadurch ermöglicht, von aller Verstrickung in der Ungerechtigkeit frei zu werden. Wir können als Befreite ein neues Leben beginnen.

Ungerechtigkeit, das ist etwas, das alle Menschen natürlicherweise schlimm finden. Zumindest, wenn es sie selbst betrifft. Niemand will ungerecht behandelt werden. Und doch prägt es das Leben von so vielen Menschen weltweit. Nehmen wir aber auch die Ungerechtigkeit wahr, die wir selbst anderen antun? Das schmerzt ja nicht uns, sondern die anderen. Deswegen ist das Werk von Jesus Christus nicht nur der Loskauf, unsere Erlösung, sondern es heißt weiter: „Und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum.“

Er hat uns nicht nur losgekauft, er hat uns gereinigt, d.h. alles uns noch anhaftende Böse abgewaschen. Wollen wir nun ganz für den da sein, der uns aus der Sklaverei der Ungerechtigkeit losgekauft hat? Das ist sein Ziel: Nicht nur uns zu reinigen von allem Bösen. Wir sollen sein: „eifrig zu guten Werken“. Eigenartigerweise brauchen wir dafür die Gnade. Durch diese ermöglicht Gott uns, unser Verhalten zu ändern.

Das ganz neu zu entdecken, möge Sie durch diesen Tag begleiten bis zum nächsten Erscheinen dieses Erlösers. Wir haben die einmalige Chance, inzwischen etwas für ihn in dieser Welt zu tun.

Autor: Pfarrerin Dagmar Rohrbach

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