ERF Plus - Wort zum Tag

Gott geht voran

Neulich zeigte mir jemand, der immer wieder Abenteuer-Urlaube macht, seine „Outdoor-Ausrüstung“: Wetterfeste Kleidung, imprägnierter, warmer Schlafsack, Buschmesser und anderes mehr. „Wissen sie, was aber das allerwichtigste ist?“, fragte er mich und antwortete gleich selbst: „Man muss einen guten Führer haben, der sich auskennt und weiß, was er uns zumuten kann. Manchmal geht er mit uns schwierige Wege. Ich hätte oft lieber den breiteren und bequemeren gewählt. Aber“ – so sagte er – „der führt nicht zum Ziel“.

In dem Gotteswort für heute übernimmt Gott selbst die Führung: Der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten (2.Mose 13,21). Die Israeliten mussten - anders als wir heute – nicht darüber diskutieren, ob es sich um einen Waldbrand handelt oder nicht, sie waren ja in der Wüste, vielleicht haben sie sich an dem schönen Schauspiel erfreut, eine nette Abwechslung in der kargen Gegend. Vielleicht haben sie dabei sogar an Gott gedacht. Aber es hätte ihnen nichts genutzt, wenn sie sich nicht aufgemacht hätten und der Wolken- und Feuersäule hinterher gegangen wären. Erst als sie sich mit Gott auf den Weg machten, war ihnen geholfen. Nachfolge führt zum Ziel.

Theologische Diskussionen mögen zwar interessant sein, aber helfen mir nicht für mein Leben, gerade nicht in den schweren Zeiten meines Lebens. Ich kann Jesus für einen guten Menschen halten, aber das hilft mir nicht, wenn ich nicht die Zusage des auferstandenen Christus für mein Leben annehme. „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. So wie das Volk Israel Gott folgte, der ihm den Weg durch Wolken- und Feuersäule zeigte, und gerettet wurde, so können und sollen wir Jesus Christus nachfolgen. Erst wenn wir uns mit Jesus Christus auf den Weg machen, ist uns geholfen. Denn in ihm haben wir einen guten Führer, der weiß, was er tut und der unsere Lebenswege kennt, viel weiter als wir sie überhaupt übersehen können. Vielleicht geht er mit uns auch schwere Wege, Wege, die uns ganz und gar nicht gefallen, aber er bleibt an unserer Seite und führt uns letztlich ans Ziel.

Walter Schulz hat es so gesagt:

Gott liebt diese Welt. Feuerschein und Wolke und das heilge Zelt sagen seinem Volke: Gott ist in der Welt!

Gott liebt diese Welt. Ihre Dunkelheiten hat er selbst erhellt: im Zenit der Zeiten kam sein Sohn zur Welt!

Gott liebt diese Welt. Durch des Sohnes Sterben hat er uns bestellt zu des Reiches Erben. Gott liebt diese Welt!

Gott liebt diese Welt. In den Todesbanden keine Macht ihn hält, Christus ist erstanden: Leben für die Welt!

Autor: Superintendent i. R. Rainer Kunick

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Den Schatz entdecken

„Bares für Rares“ ist seit vielen Jahren eine der beliebtesten Fernsehsendungen, die schon mit der Goldenen Kamera und dem Deutschen Fernsehpreis prämiert wurde. Menschen können Gegenstände mitbringen, die von Experten kommentiert, auf Echtheit geprüft und auf ihren Wert geschätzt werden. Manch einer von den Gästen ist überrascht, was das, was sie vom Speicher hervorgeholt haben, wert ist. Das Alte und vielleicht schon Vergessene ist plötzlich wieder wertvoll. Die spannende Frage ist: Geben die Händler dem Besitzer bar den Schätzwert oder nicht.

In unserem Gotteswort für heute geht es auch um einen Schatz, der wieder wertvoll wird. „Darum gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausvater, der aus seinem Schatz Altes und Neues hervorholt (Matthäus 13,52). Am Ende der langen Gleichnisrede spricht Jesus von einem Schriftgelehrten, der verstanden hat, dass Gottes Wort und Gottes Liebe ihm gilt - und nun ein Jünger geworden ist. Als Schriftgelehrter kannte er alle Gesetze des Alten Testaments, alle Gebote und Verbote und versuchte danach zu leben. Bei aller gesetzlichen Pflichterfüllung litt er vielleicht darunter, dass er immer wieder scheiterte und merkte: Durch meine Leistung kann ich vor Gott nicht bestehen. Die Gebote und Verbote zeigen mir zwar meine Schuld, meine Gottesferne auf, aber sie wird mir nicht vergeben.  Aber nun, in der Begegnung mit Jesus und seinem Wort erkennt er, dass Gottes Wort wirkt und Frucht bringt. Nun sieht er das Alte Testament in einem ganz neuen Licht, er erkennt den Schatz, den er hat und das Neue, das Jesu Wort ihm bringt.

Auch wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Wer in unserer Gesellschaft etwas gelten will, der muss viel leisten. Jesu Wort macht uns deutlich: Wir können nicht durch unsere Leistung vor Gott bestehen, sondern wir leben von Gottes Gnade, von Gottes Vergebung. Martin Luther hat diesen Schatz entdeckt und beschreibt in seinem Selbstzeugnis das so: „Ich aber fühlte mich, obwohl ich als Mönch ein untadeliges Leben führte, vor Gott als einen von Gewissensqualen verfolgten Sünder…und hasste förmlich jene gerechte, die Sünder strafende Gottheit. Bis nach tage- und nächtelangem Nachsinnen sich Gott meiner erbarmte …und ich anfing zu begreifen“, dass Gottes Gnade allein mich rettete. „Nun fühlte ich mich geradezu wie neugeboren…“ Aber Luther hat nach wie vor auch das Alte Testament geschätzt.

Der Schriftgelehrte in unserem Gotteswort, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, hat nun aus seinem Schatz Altes und Neues hervorgeholt. Neu sind für ihn Jesu Worte, aber er weiß, auch Jesus beruft sich auf das Alte Testament. Uns geht es auch so, wenn wir dem Worte Jesu folgen, wir lesen das Alte und das Neue Testament und entdecken darin den großen Schatz für unser Leben.

Arno Pötsch hat es einmal so gesagt:

Es ist ein Wort ergangen, das geht nun fort und fort, das stillt der Welt Verlangen wie sonst kein ander Wort.

Das Wort hat Gott gesprochen, hinein in diese Zeit. Es ist hereingebrochen im Wort die Ewigkeit.

Erhalt das Wort in Gnaden, gib, Gott, ihm freien Lauf. Du Wort von Gott beladen, spreng Tür und Riegel auf.

 

Autor: Superintendent i. R. Rainer Kunick

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„Da gehen die Wellen hoch …“

„Da gehen die Wellen hoch.“ „Das Wasser ist mir über dem Kopf zusammengeschlagen.“ „In der Menge der Arbeit untergehen“. Oft benutzen wir in unserem Alltag Redewendungen, in denen das Meer eine Rolle spielt.

In der Bibel lesen wir eine Geschichte von Jesus und seinen Schülern. Dieser Geschichte könnten die Sätze, die wir bis heute gebrauchen, entnommen sein. Jesus und seine Jünger sind in einem Boot auf dem See Genezareth in Israel unterwegs. Der See ist bekannt für seine tückischen Winde. Sehr schnell verwandeln sie den See, der eben noch ruhig da lag, in ein tosendes Chaos. So passierte es den Männern, die mit Jesus im Boot unterwegs waren. Jesu Begleiter geraten in Panik. Sie waren einiges gewohnt. Etliche kannten den See auch sehr gut, sie waren ja Berufsfischer gewesen. Aber das jetzt brachte sie an den Rand ihrer Kräfte. Zu allem Überfluss schlief Jesus seelenruhig im Boot. Er bekam offenbar nicht mit, dass sie in Lebensgefahr gerieten. Schließlich weckten sie Jesus. Der stand auf, wunderte sich über ihren kleinen Glauben, und bedrohte den Wind und das Meer. „Da wurde es ganz still“, – so heißt es im Evangelium des Matthäus.

Diese kleine Geschichte hat viele Menschen schon ermutigt. Menschen, die in ihrem eigenen Leben erfahren haben: Das Wasser steht ihnen bis zum Hals, die Wogen schlagen ihnen über dem Kopf zusammen. Das ganze Leben scheint ein aufgewühlter Hexenkessel zu sein. Sie drohen im Chaos zu versinken.

Was tun die Begleiter Jesu? In ihrer Verzweiflung schreien sie ihre Not heraus. „Jesus hilf, wir gehen unter!“ Das ist wohl das Sinnvollste, das man in Zeiten großer Not tun kann: Zu schreien: „Jesus hilf!“ Und dann haben sie erfahren, dass Jesus ihren Schrei gehört hat. Er ist gekommen und hat dem Wind und den Wogen geboten, still zu sein.

Eine kleine Begebenheit ist mir noch wichtig an der Geschichte. Jesus ist ja die ganze Zeit mit im Boot. Die Männer sind nicht allein. Jesus schläft zwar, aber er ist dabei. Die Männer hätten sagen können: Solange Jesus mit im Boot ist, kann uns nichts passieren. Aber das haben sie offenbar gar nicht mehr im Bewusstsein.

Passiert uns das in unserem Leben nicht auch? Selbst erfahrene Christen kommen schon mal an ihre Grenzen, wenn in ihrem Leben irgendetwas passiert, was alles durcheinanderwirbelt.  Und wir reagieren, als sei Jesus gar nicht mit im Boot. Der Sturm und die Wellen bringen uns so in Panik, dass wir fast mitsamt unserem Glauben über Bord gehen. Kürzlich saßen meine Frau und ich im Büro eines Autohändlers. Der Vertrag für unser neues gebrauchtes Auto war schon unterschrieben. Zu unserer Überraschung schloss der Autohändler plötzlich die Tür und erzählte von dem, was seine Familie in den vergangenen Wochen Schlimmes erlebt hatte. Feuer war ausgebrochen, zwei Großväter waren gestorben, und auch sein kleiner Sohn war plötzlich gestorben. Seine ganze große Not und Verzweiflung brach fast aus ihm heraus. Er hatte offenbar noch mit niemanden darüber reden können. Beim nächsten Treffen fragte ich ihn, ob ich für ihn beten dürfe. Gerne willigte er ein. Und so betete ich für diesen türkischen Mann, dass Jesus kommen möge und die aufgewühlten Wogen in seinem Leben beruhigt. Sichtlich bewegt bedankte er sich.

Ich weiß nicht, was passieren wird. Aber ich vertraue darauf, dass Jesus eingreifen und diesem Mann begegnen wird als der, der dem Wind und den Wogen des Lebens gebietet. In Ihrem Leben kann er das auch. Und er wird es tun, wenn Sie sich voll Vertrauen an ihn wenden. Sagen Sie ihm Ihre Not. Schreien Sie Ihre Verzweiflung heraus. Sie brauchen sich nicht zu schämen. Auch in Ihrem Leben kann das geschehen, was Matthäus berichtet: „Und Jesus stand auf und bedrohte den Wind und das Meer. Da wurde es ganz still.“

 

Autor: Pfarrer Johannes Kiuntke

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„Sie haben die Wahl!“

Jemand macht eine abwertende Bemerkung. Und in Ihrem Kopf geht ein Wirbel an Gedanken los. Wie hat der oder die das gemeint? Bin ich wirklich so?  Oft trifft solch eine Bemerkung auf ein eh schon angeknackstes Selbstwertgefühl. Dann fühlen wir uns bestätigt in unserer Meinung über uns selbst. Ich wusste es doch, ich tauge nichts; ich bin nicht gut genug, bin ein Versager. Mich mag ja doch niemand.

Es gibt Menschen, die bei allem und jedem ein „Haar in der Suppe finden.“ Für sie haben wir oft wenig schmeichelhafte Bezeichnungen. Wir nennen sie vielleicht „Korinthenkacker“, „Pingelfritze“ oder ähnlich. Solche Leute können einem das Leben richtig schwer machen.

Im Volksmund kennen wir einen Satz, der hier auch zutrifft: „Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es heraus.“ Reden wir Böses, so müssen wir uns nicht wundern, wenn es böse zurück schallt. Reden wir Gutes, dann hat das auch entsprechende Auswirkungen.

Eine Frau und Mutter welkte zunehmend vor sich hin. Ihr Mann fand in vielen Ehejahren kaum anerkennende Worte für sie, sondern nur Kritik. Das machte sie völlig fertig. So konnte und wollte sie nicht weiterleben. Da war die Versuchung groß, als ein Mann auftauchte, der sie bewunderte, ihr schmeichelte und ihr Komplimente machte. In einem Ehekurs sollten die Teilnehmenden 10 Punkte aufschreiben, die sie an ihren Ehepartnern gut fanden. Ein Mann war dabei, der keinen einzigen positiven Punkt über seine Frau zu sagen wusste. Sie können sich vielleicht vorstellen, wie die sich fühlte.

Anders ist es, wenn jemand eher das Gute im Gegenüber sieht. Wenn Eltern, eine Erzieherin oder ein Lehrer das Kind ermutigt in dem, was es gut kann. Manchmal sind das kleine Dinge. Vielleicht ist das Kind ja wirklich ungeschickt, aber es kann gut zuhören, sieht, wo es gebraucht wird, kann andere trösten. Kinder und Erwachsene, die so Ermutigung erfahren, blühen regelrecht auf. „Suchet das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr Leben könnt, so wird der Herr, der Gott Zebaoth, bei euch sein, wie ihr rühmt“, heißt es im Buch des Propheten Amos. Tatsächlich hängen wirklich unser Leben und unsere Lebensqualität davon ab, ob uns Gutes oder Böses widerfährt.

Die Worte des Amos‘ sind freilich nicht nur auf das Reden bezogen. Seine Predigt gilt bis heute als Beispiel für eine umfassende Kritik an den sozialen Verhältnissen seiner Zeit. Das Volk Israel lebte nicht nach den Geboten Gottes. Die Leute taten, was sie wollten. Arme wurden benachteiligt, vor Gericht wurde Unrecht gesprochen, Korruption und Betrug waren weit verbreitet. Im Namen Gottes prangert Amos diese schlimmen Verhältnisse an, bei denen die „kleinen Leute“ auf der Strecke blieben. „Suchet das Gute und nicht das Böse“ – bezieht sich also nicht nur auf das Reden oder Denken über sich selbst oder andere.

Wie gerne würden wir oft Menschen, die wir „Böses tun“ sehen oder die eine negative Haltung ausstrahlen, verändern. Das Problem ist, dass wir jemanden anderen nicht verändern können. Wir können uns nur selber ändern. Wenn Sie zu den Menschen gehören, die beim Gegenüber eher das Negative sehen, dann bedenken Sie, was Sie mit Ihren Bemerkungen oder mit Ihrer Kritik auslösen und anrichten können. Und überlegen Sie, wie Sie vielleicht das Positive verstärken.

Wenn Sie zu den eher empfindlichen Menschen gehören, die bei jeder kritischen Bemerkung beleidigt und eingeschnappt sind, dann könnten Sie daran arbeiten und sich fragen, woher das kommt. Manchmal hilft es, mit einem Seelsorger oder einer Seelsorgerin gemeinsam zu überlegen, wie ich mein Denken verändern und mein Selbstwertgefühl stärken könnte. Was hat mich geprägt, was hat mich so empfindlich werden lassen? Die gute Nachricht ist: Niemand muss für den Rest seines Lebens so bleiben wie er/sie ist. Wir können uns verändern. Und weil Gott ein Gott ist, dem unser Leben wichtig ist, wird er uns dabei helfen.

 

Autor: Pfarrer Johannes Kiuntke

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Staunende Liebe

Im Psalm 18 blickt der biblische König David auf sein Leben zurück. So viele Erfahrungen hat er mit Gott gemacht. Er ist in viele notvolle Situationen gekommen. Feinde haben ihn bedrängt. Freunde haben ihn im Stich gelassen. In seiner Not hat er zu Gott geschrien und immer wieder das gewaltige Eingreifen Gottes erlebt. Das schildert er hier eindrucksvoll. Gott hat ihn aus Bedrängnis befreit. Davids Feinde mussten fliehen oder wurden vernichtet. Dazu könnte David einfach Danke sagen. Aber er fängt hier an mit dem Satz: Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke. Psalm 18,2.

Das ist der Satz, der über seinem Leben steht. Das Wort für ‚lieben‘, das hier steht, ist nicht das übliche Wort im Hebräischen. Das, was hier einmalig steht, hängt sprachlich mit dem Wort: ‚Mutterleib‘ zusammen. Es beschreibt also eine innige Beziehung und große Geborgenheit. Mit starker und zugleich zarter Liebe umklammert David seinen Gott. Er weiß sich geborgen bei Gott wie ein Kind bei seiner Mutter, im Mutterschoß. Er hat erfahren, wie Gott ihn nicht nur von seinen Feinden und Bedrängnissen befreit hat. Gott hat ihn auch zurechtgebracht, wenn er auf falschen Wegen war. Unter seiner Leitung konnte David der Mann nach dem Herzen Gottes werden, wie Gott ihn immer wieder nennt.

Zu Beginn seines Weges mit Gott heißt es oft: „David dachte in seinem Herzen.“ Nach seiner Vorstellung handelte er dann auch. Das Ergebnis war nicht sehr gut. So nach und nach lernte David, dass es viel besser war, Gott in der jeweiligen Situation um Rat zu fragen, als nach eigenen Vorstellungen vorzugehen.

Das hat sein Leben zutiefst geprägt. Er erfuhr die Annahme Gottes trotz der verschiedenen Fehltritte und Eigenmächtigkeiten immer und immer wieder. Er war bereit umzukehren, wenn es nötig war. David wusste, dass er alles seinem Gott verdankte.

Das Wort ‚lieben‘ in diesem Satz bezeichnet eine von großer Kraft und Zartheit getragene Liebe. Sie erfährt die nötige Stärke gerade in der Anlehnung an Gott. Die Zeitform im Hebräischen zeigt zugleich den festen Entschluss Davids, in solch einer Liebe zu seinem Gott beständig zu bleiben.

Solche Erkenntnis, wie wir sie hier im Psalm 18 sehen, geschieht oft erst im Rückblick. Mitten im Kampf kommt man sich vielleicht allein und verloren vor. Aber im Blick zurück auf Ihr Leben können auch Sie hoffentlich leichter die Spuren Gottes und seine Führung erkennen.

Man sagt gerne: „Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.“ Aber das muss ja nicht schlecht sein. Das Beste ist, wenn Sie sich ganz bewusst der Führung Gottes anvertrauen, einmal grundsätzlich und dann jeden Tag neu das bestätigen. Fordern Sie Gott heraus, Sie auch in Ihrem Leben seine Führung erfahren und erkennen zu lassen. Vertrauen Sie ihm! Das ist das Beste, was Sie tun können. Sie werden Spannendes und Überraschendes und auch Herausforderndes erleben.

Vielleicht kommt es ganz anders, als Sie gedacht oder geplant haben. Aber erfahren Sie dabei diese herzliche Liebe und Geborgenheit, wie ein Kind bei seiner Mutter, wie es bei David war.

 

Autor: Pfarrerin Dagmar Rohrbach

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Er gibt alles

Woran denken Sie beim Begriff Hirte? Ist es die Idylle, mit den Schafen in der freien Natur zu sein? Viel Zeit zu haben, während die Tiere friedlich vor sich her grasen? Die Realität sieht anders aus. Erst recht damals in Israel. Da war Wasser und grünes Gras alles andere als selbstverständlich. Dazu kam die Gefahr von wilden Tieren. Davor musste der Hirte die Schafe beschützen. In der Bibel ist Hirte auch ein Bild für den König oder Machthaber. Dieser sollte für die ihm anvertrauten Menschen gute Lebensbedingungen schaffen. Er soll sich für die Interessen seiner Leute einsetzen, ihnen Schutz und Sicherheit bieten. Leider sorgten die Hirten oft erst einmal für ihr eigenes Wohl. Wie es den Menschen ihres Volkes ging, war ihnen egal. Kommt uns das bekannt vor?

Aber nun kommt einer und zeigt den Unterschied. Jesus sagt in aller Deutlichkeit: Ich, ich bin der gute Hirte und ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich. Joh10,14 Das ist das Wort für heute. Hier hat einer den großen Anspruch, das zu sein, von dem die Welt träumt. Das ist das, was wir in kaum einem Staat erleben. Welche Eigenschaften hat dieser Hirte vorzuweisen? Er kennt seine Leute. Das Wort, das hier für kennen steht, bedeutet ein umfassendes Vertrautsein. Jesus gibt sein Leben für die Schafe. D.h. er lebt für sie mit dem Einsatz seines ganzen Lebens. Er ist da für sie. Er schützt sie vor den Gefahren sogar mit dem Einsatz seines Lebens. Der Grund: Ihm liegt an ihnen. Er kennt sie mit Namen. Er sucht eine Beziehung zu ihnen. Wenn sie sich darauf einlassen, hören sie auf ihn und folgen ihm.

Als Hirte ist er für Trinken und Futter zuständig und auch für ihren Schutz. Auch dazu hat er sich geäußert: Ich, ich bin das Brot des Lebens. Joh6,35a Und: Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten. Joh4,14a. Er gibt nicht nur das, was wir brauchen. Er gibt sich selbst. Ihm liegt an uns, so heißt es hier. Und er gibt das Leben und das im Überfluss. Was wollen wir mehr?

Vielleich möchten Sie nicht gerne mit Schafen verglichen werden. Andere Tiere scheinen eindrucksvoller. Sie haben Klauen oder scharfe Zähne, Hörner oder sonst etwas, mit dem sie Angreifer abwehren können. Schafe haben das nicht. Sie haben dafür einen Hirten. Und mit Jesus können wir den guten Hirten haben. D.h. aber auch: Wir müssten uns seiner Führung anvertrauen, vertrauensvoll, wie ein Schaf seinem Hirten.

Da bleibt die Frage: Wollen Sie sich diesem guten Hirten anvertrauen für Zeit und Ewigkeit? Es wird auch dann Schwierigkeiten geben. Aber er ist da. Sie sind nicht mehr allein. In einem Schweizer Anbetungslied heißt es: Was ich brauche, gibst du mir, darum; Herr, bin ich bei dir, weil niemand anders bieten kann, was ich, Herr, bei dir haben kann.

 

Autor: Pfarrerin Dagmar Rohrbach

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Helfen können

Ich werde die Situation nie vergessen. Ich war noch ein junger Diakon. Unsere Nachbarin war auf die Intensivstation eingeliefert worden. Es gehe ihr nicht so gut, sagten die Angehörigen. Ich beschloss, sie zu besuchen. Dann war ich auf der Station und fand sie vor - inmitten von Schläuchen und Apparaten. Etwas hilflos stand ich herum. Was konnte ich ihr sagen? Mir fiel Psalm 23 ein. Ich betete ihn langsam. Dann wieder Schweigen und auch Unbehagen.

Eine Schwester kam vorbei. Sinngemäß sagte sie: „Sie haben das aber auch noch nicht oft gemacht.“ Ich fühlte mich so ertappt. Sie hatte gut gemerkt, wie schwer es mir fiel, mich wirklich auf die schwere Situation einzulassen, das Leiden meiner Nachbarin wirklich wahrzunehmen und dass ich am liebsten schnell wieder gegangen wäre.

Später habe ich mir überlegt, woher meine Unsicherheit kam. Ich hatte einfach noch nie so eine schwere Krankheit erlebt. Ich wollte helfen, ohne mich wirklich auf das Leiden einzulassen.

Inzwischen bin ich älter geworden. Ich habe einige Menschen kennen gelernt, die durch Schweres hindurch gegangen sind, die aber gerade dadurch gelernt haben, Menschen in ihren Nöten nahe zu sein. Anteil zu nehmen. Sie können wirklich ermutigen. Von ihnen geht etwas Heilsames, Aufbauendes aus. Wer sie an der Seite hat, wird getröstet und ermutigt.

Und dann denke ich an Jesus Christus. Er kann trösten und beistehen wie kein Zweiter. Als Sohn Gottes hat er viel Schweres durch gemacht. Erfüllt vom Geist Gottes hat er gepredigt, geheilt, ermutigt, Menschen ihre Schuld vergeben. Durch ihn haben viele die Nähe Gottes gespürt. Aber er selbst hat auch viel Schweres erfahren. Menschen haben ihn nicht verstanden, ja sogar abgelehnt. Schließlich nagelten sie ihn ans Kreuz. Verlassen von Menschen und  auch von Gott hing er dort.

Aber in dem allen hat Jesus sein Vertrauen auf den Vater im Himmel nicht aufgegeben. Er hat durchgehalten. Und nach seiner Kreuzigung hat der Vater im Himmel ihn von den Toten auferweckt und ihm neues Leben gegeben. Und dann sagte er seinen Jüngern, dass er ihnen durch seinen Heiligen Geist nahe sein wird, so nahe, dass er sogar sagte, er würde in ihnen wohnen. Das gilt bis heute:  Er, der selbst in allem Schweren durchgehalten hat, lebt durch seinen Geist in uns, damit auch wir durchhalten können.

Ich muss also die Herausforderungen, auch die Belastungen nicht alleine tragen. Wenn ich also in eine schwere Situation komme, dann will ich mich daran erinnern. Jesus Christus ist durch seinen Heiligen Geist bei mir. Er will mir Kraft für diese Situation geben.

Und wenn ich schuldig geworden bin, dann erinnert mich sein Geist daran, dass er für mich gestorben ist, mir meine Schuld vergibt. Wenn ich versucht werde, das Vertrauen auf Gott aufzugeben, dann ist sein Geist bei mir, der in mir das Vertrauen am Leben hält.

Autor: Lothar Eisele

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Raum für die Liebe

Ich bete gerne für Menschen, mit denen ich befreundet ich. Dafür, dass sie gesund bleiben oder gesund werden. Dafür, dass sie ihre Prüfungen schaffen oder dass sie eine geeignete Arbeitsstelle finden. Dafür, dass sie sich mit den Leuten in ihrer Umgebung vertragen.

Und ich bete auch gerne für mich selbst. Dafür, dass Gott mir Kraft gibt für die Aufgaben heute. Dafür, dass ich mir nicht zu viel vornehme und alle Herausforderungen gut bewältigen kann. Dafür, dass ich gesund bleibe. 

Das ist so der Inhalt meiner Gebete, die ich so tagaus tagein zu meinem Vater im Himmel schicke.

Das Gebet des Apostels Paulus klingt ganz anders. Es steht gleich am Anfang des Philipperbriefes. Dort schreibt er, dass er regelmäßig für die Menschen in Philippi betet. Er betet dafür, dass die Schwestern und Brüder in Philippi von Liebe erfüllt sind. Liebe zum Vater im Himmel. Liebe zu Jesus Christus. Liebe untereinander. Auch Liebe zu den Menschen in der Umgebung, den wohlwollenden und den feindlichen. Vielleicht denkt er dabei an Lydia, die Purpurverkäuferin, in deren Laden die Gemeinde begonnen hat. Vielleicht denkt er an den Kerkermeister, der ihn erst eingesperrt hat und der dann zum Glauben an Jesus Christus gefunden hat.

Als ich das Gebet des Paulus lese, werde ich an Jesus Christus selbst erinnert. Jesus hat, kurz bevor der die Erde verlassen hat, auch für seine Nachfolger gebetet, dass sie in der Liebe und in der Einheit bleiben sollen.

Und in seinem Brief macht Paulus deutlich, dass sie die Liebe nicht durch eigene Anstrengung hervorbringen müssen, sondern dass sie ihnen durch den Heiligen Geist geschenkt wird. Paulus betet dafür, dass der Heilige Geist in den Menschen in Philippi Liebe und Freude wachsen lässt.

Und dann fügt er dem Gebet noch etwas Wichtiges bei: Er betet darum, dass die Liebe reich wird an Erfahrung und Erkenntnis und es ihr gelingt, das Beste nicht nur vom Schlechten, sondern auch vom nur Guten zu unterscheiden. Das ist ein wichtiger Hinweis.

Die Liebe will nicht nur das Gute, sie will das Beste für den anderen.

Ich sitze gerade an einer Predigt. Es klingelt an der Tür.  Ich öffne. Der Paketbote steht vor der Tür. Nehme ich das Paket nur achtlos entgegen und kritzle meine Unterschrift auf sein Empfangsgerät? Oder schenke ich ihm ein freundliches Lächeln. Wünsche ihm herzlich einen guten Tag?

Oder: Auf meinem Schreibtisch stapeln sich wieder einmal einige amtliche Schreiben, die dringend beantwortet werden müssen. Trotzdem. Immer wieder wandern meine Gedanken zu einem Mann, der seit einiger Zeit im Krankenhaus liegt. Kurzentschlossen steige ich ins Auto und fahre zu ihm. Er freut sich sehr über den Besuch.

Gott hat seinen Heiligen Geist in unser Leben gegeben, damit sich die Liebe ausbreitet. Die Frage: „Wie kann ich jetzt der Liebe in meinem Leben Raum geben?“, ist eine gute Orientierung.

Autor: Lothar Eisele

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Wert- und Motivseite

Bezahlen Sie auch noch gerne mit Bargeld? Ich schon. Ich halte gerne Münzen in der Hand. Und zwischendurch lasse ich meinen Blick auf einer Zwei-Euro-Münze ruhen und fühle mit dem Zeigefinger die Prägung nach. Die Wertseite ist auf allen Münzen gleich. Auf der anderen Münzseite wurden seit der Umstellung auf Euro unzählige Motive entwickelt. Prominente Persönlichkeiten, Sehenswürdigkeiten, Wappentiere, besondere Ereignisse. Jedes Land kann  seine Akzente setzen. Wertseite und Motivseite – das sind die zwei Seiten einer Münze.

Wollte man Christen mit Münzen vergleichen, könnte ich auch eine einheitliche Wertseite und eine vielfältige Motivseite entdecken. In 2 Timotheus 2,19 lesen wir: „Aber der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen; und: Es lasse ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen des Herrn nennt.“

Wieder machen zwei Bilder eine Sache deutlich. Mit dem festen Grund ist ein unsichtbares, aber tragendes Fundament gemeint. Gott ist und bleibt der feste Halt in unserem Leben, auch wenn alles andere wanken sollte. Oder aber mit dem Bild des Siegels ausgedrückt: Die Wertseite macht deutlich: „Der Herr kennt die Seinen!“. In der Bibel steht an diesen Stellen meist ein Wort, das für intimste persönliche Verbundenheit und Gemeinschaft steht. Gott hat sich mit Menschen verbunden. Er ist und bleibt treu, gerade weil er die Menschen kennt. Durch die ganze Geschichte Israels zieht sich dieser Zuspruch Gottes wie ein roter Faden. Weihnachten, Karfreitag und Ostern sind sichtbare Zeichen dieser Zuwendung Gottes zum Menschen. Mit Jesus ist uns Gott nahegekommen, hat Ja zu uns Menschen gesagt. Nun gilt: „Die ihn aber aufnahmen, denen gab er Vollmacht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.“ (Zürcher)

Auch mein Leben ist getragen von dieser Gewissheit. Und das, trotz allem Versagen und trotz allem Ungehorsam. Es ist der eindeutige Wert der Barmherzigkeit und Treue Gottes. Gott bekennt sich zu Menschen, die ihm vertrauen. Das ist die Wertseite des Siegels. Und das ist allen Menschen, die Gott vertrauen, ein gemeinsamer Wert. Die „Motivseite“ macht nun viele verschiedene praktische Auswirkungen und Erkennungszeichen deutlich. Solch ein Erkennungszeichen zeigt Paulus in dem gelesenen Zitat aus dem 2. Timotheusbrief auf. Es ist ein herausfordernder Anspruch Gottes: „Unrecht meide jeder, der den Namen des Herrn ausspricht.“ (Zürcher). Zuspruch und Anspruch gehören zusammen. Wer Jesus auf seinem Leben stehen hat, ihn bekennt, muss jesusmäßiges Leben drin haben. Und das nicht als Ideal eines vollkommenen Lebens, sondern als Orientierung für sein Denken, Fühlen und Handeln. Wahrheit und Klarheit sind Auswirkungen von Recht und Gerechtigkeit. Und das im praktischen Lebensbezug. Zum Beispiel - Im Blick auf den Umgang mit Menschen: Im Hören aufeinander, im Vertrauen zueinander, im Gespräch miteinander, im Respekt voreinander. Oder im Blick auf Finanzen: bei der Steuererklärung, in Versicherungsfragen, in Verhandlungen oder zweckdienlichen Geschenken. Schätzungen zufolge verliert Deutschland jährlich rund 100 Milliarden Euro an Steuereinnahmen durch Steuerhinterziehung. Wie völlig anders klingen da die Worte Jesu oder auch das Wort des Paulus an Timotheus. „Unrecht meide jeder, der den Namen des Herrn ausspricht!“ Auf Klarheit und Wahrheit liegt der Segen Gottes, selbst wenn mir dadurch zunächst offensichtliche Nachteile entstehen sollten. Wie gut, dass die andere Münzseite, die Wertseite, eindeutig ist. Wenn Gott die Seinen kennt, dann weiß er, was sie brauchen – heute und morgen. Das macht zuversichtlich.

 

Autor: Friedhelm Geiß

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Vitamin D

Wie gut tut es nach einer durchwachten Nacht mit sorgenvollen Gedanken, endlich die Fensterläden aufzustoßen und ins helle Licht zu schauen. Besser noch – die wärmenden Strahlen der Sonne, im Gesicht zu spüren. Was geschieht in diesen Augenblicken? In unserer Haut entsteht und entwickelt sich Vitamin D. Und dieses Vitamin  ist ein wichtiger Taktgeber im menschlichen Körper. Es ist das einzige Vitamin im Körper, das zu seiner Entwicklung den Einfluss von außen benötigt. Ohnehin wäre ohne die Energiequelle Sonne kein Leben auf der Erde möglich. Es wäre bei uns nicht nur zappenduster, sondern auch Pflanzen, Tiere und andere Menschen gäbe es nicht, und auch sonst keine Form von Leben.

Der Sonnenphysiker Herbert Friedmann bringt es so auf den Punkt: „Die Sonne erhält alles Leben auf der Erde, sie leuchtet uns, erwärmt den Boden, die Meere, die Atmosphäre, sie steuert das Klima, sie bringt Trockenperioden und Eiszeiten, sie treibt den Wind, der über die Erde weht und unser Wetter bestimmt. Ihre Stürme stören Radioverbindungen, verursachen elektrische Entladungen und markieren sogar die Baumringe mit Radioaktivität." (Herbert Friedman: Die Sonne, 1997)

Die Sonne ist und bleibt für uns Menschen ein unerreichbarer Stern. Ein riesiger Kernreaktor, glühend heiß, tödlich strahlend und alles verschlingend, was in ihren Anziehungsbereich gelangt. Und trotzdem gilt ihr Licht als Quelle des Lebens auf der Erde. Unfassbar und doch ganz nah und Leben schaffend. Und wie gut tun mir die warmen Strahlen am Morgen.

Als ob der Psalmbeter alle diese geheimnisvollen Hintergründe bereits gekannt hätte, vergleicht er in Psalm 84 den lebendigen Gott mit der Sonne.

„Gott der HERR ist Sonne und Schild“.

Ich finde den Vergleich sehr nachdenkenswert. Gott ist unfassbar und doch ganz nah, Leben schaffend und Leben erhaltend, spürbar und wirksam.

Martin Luther sagte einmal: „Ein Christ ist einer, der aus einem dunklen Haus hinausspringt in die helle Sonne.“ Das ist es doch. Entscheidendes ist passiert. Wo vorher Dunkelheit, Kälte, Orientierungslosigkeit und letztlich Tod herrschte, wird es auf einmal hell, ich spüre die Wärme der Geborgenheit und sehe meinen Weg wieder klar. Ich spüre eine Kraft, die mich trägt, und auch auf schwierigen Wegstrecken meines Lebens, weiß ich mich von Gott umgeben, geführt und bewahrt. Treffend drückt das der Psalmbeter in Psalm 84 aus: „Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln! Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen. Sie gehen von einer Kraft zur andern und schauen den wahren Gott in Zion.“

Wenn die Sonne für das Leben so unentbehrlich ist, wie viel mehr ist dann die Beziehung zu Gott „lebens-not-wendig“? Gönnen Sie sich doch heute einige Augenblicke, in denen Sie innehalten und sich der Sonne zuwenden. Lassen Sie sich anstrahlen und genießen Sie die wärmenden Strahlen auf ihrem Gesicht. Und dann richten Sie Ihre Gedanken auf Gott. Schön dabei ist, dass Gott nicht ca. 150 Millionen Kilometer von uns entfernt ist, sondern ganz nah bei Ihnen ist. Sagen Sie ihm, was Sie bewegt, was Ihnen Kummer bereitet, wo Sie Schmerzen haben und danken Sie ihm für seine Güte und Freundlichkeit. Danken Sie ihm, dass er für Sie heute Sonne und Schild, Leben, Schutz und Bewahrung ist.

Wie die wärmende Sonne auf Ihrer Haut gesundes Vitamin D produziert, so könnte die Zeit in der Gegenwart Gottes Ihrem Leben neue Kraft und Zuversicht schenken.

Autor: Friedhelm Geiß

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Sei fröhlich und guten Mutes

Gott handelt nicht fair. An diesen Satz muss ich mich erst einmal gewöhnen, denn er entspricht so gar nicht meinem Gerechtigkeitsempfinden. Aber das ist die Botschaft aus dem Gleichnis der beiden verlorenen Söhne; diese berühmte Geschichte, die Jesus seinerzeit erzählt hat.

Gott ist nicht fair. Und der Vater in der Geschichte von Jesus ist es auch nicht. Weder geht er mit seinem Zweitgeborenen so um, wie dieser es verdient hätte. – Der jüngere Sohn hatte immerhin  seinen Teil des väterlichen Vermächtnisses verprasst und war jetzt mittellos zu Hause aufgekreuzt. –  Noch verhält sich der Vater dem älteren Sohn gegenüber fair. Denn, anstatt Verständnis für dessen Ärger zu zeigen, will der Vater, dass er sich freut und mitfeiert, weil der bankrotte Partylöwe jetzt wieder zu Hause ist.

Im Lukasevangelium wird Jesus mit den Worten zitiert: 

Der Vater sprach zu dem älteren Sohn: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden. (Lukas 15,31–32)

Vorausgegangen war die Feststellung des älteren Bruders, dass er immer verzichtet hatte. Was der ältere Bruder verstehen lernen muss, ist die Großzügigkeit und Vergebungsbereitschaft seines Vaters. Der setzt sich nämlich ganz bewusst über das hinweg, was andere für richtig und angemessen, also fair, empfinden und schmeißt stattdessen eine Willkommensparty. Seine Begründung:  „Dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.“ Das ist Grund genug zu feiern.

Ich glaube, dass es Jesus um meine Haltung geht. Da ist zunächst einmal die Haltung des älteren Sohns, die an Verbitterung erinnert und dann ist da noch die Haltung des Vaters dem jüngeren Sohn gegenüber, die überhaupt nicht dem entspricht, was man erwarten könnte. Keine Spur von Vorwürfen oder Ablehnung. Stattdessen heißt er seinen gescheiterten Sohn mit offenen Armen willkommen und freut sich über seine Rückkehr.

Wenn Jesus dieses Gleichnis erzählt, dann tut er das mit einem Hintergedanken. Er will zeigen, wer Gott ist. Gott ist so, wie der Vater in der Geschichte. Gott heißt jeden willkommen, der sich an ihn wendet. Er freut sich. Und es stört  ihn überhaupt nicht, ob irgendjemand das fair findet oder nicht. Ihm reicht es, wenn er sein totgeglaubtes Kind in die Arme schließen kann.

Was für eine wunderbare Botschaft. Sie und ich werden mit offenen Armen von einem liebenden Vater im Himmel, Gott höchstpersönlich, willkommen geheißen.

Was haben Sie und ich doch für einen wunderbaren Gott!

 

Autor: Wolf-Dieter Kretschmer

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Was ist Wahrheit?

Das Bibelwort  lesen wir beim Evangelisten Matthäus:

Jesus spricht: Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

In einem bekannten Lied heißt es: „Sprich zum aufgewühlten Meer meiner Seele in mir, Herr: Friede mit dir. Friede mit dir.“ Ich kenne diese Sehnsucht: Mit inneren Frieden in den Tag zu gehen. Nicht getrieben, nicht gejagt zu werden, sondern Ruhe für die Seele zu finden.

Und das verspricht Jesus denen, die sich in seine Nachfolge rufen lassen. Er benützt dazu ein Bildwort, das Wort „Joch“. Unter sein „Joch“ sollen wir kommen. Das Joch war ein hölzernes Gestell, das den Zugochsen aufgelegt wurde und ihnen dadurch die Last erleichterte. In der Zeit des Neuen Testaments wurde es als Bild für „unter einer Herrschaft leben“ gebraucht. Und in diesem Sinne benützt es Jesus.

Wer unter seiner Herrschaft lebt, erfährt den Frieden Gottes, der findet Ruhe für seine Seele. Wenn Jesus mein Herr ist, dann lebe ich jeden Tag unter seiner guten und segnenden Hand. Wenn ich mein Leben ihm anvertraut habe, brauche ich mir um meine Zukunft keine Sorgen zu machen. Jesus sorgt für mich. Wenn ich ihm angehöre, dann hat er die Verantwortung für mein Leben, für Zeit und Ewigkeit übernommen. Und er sagt mir, was für mich gut und richtig ist. Das kann ich bei ihm lernen.

Jesus, mein Herr, nimmt mich in einen lebenslangen Lernprozess hinein. Zwei Dinge  bietet er mir in dieser Lektion an: Sanftmut und Demut. Zu beidem gehört – wie schon das Wort sagt – Mut. An Jesus selbst kann ich sehen, was er damit meint: Sanftmut, der auch den Feinden vergibt.

Am Kreuz betet Jesus: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Und Demut, die sich nicht zu fein dazu ist, die dreckigen Füße von anderen zu waschen. „Ein Beispiel habe ich euch gegeben“, sagt er dabei zu seinen Jüngern.

Um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19.Jahrhundert lebte in Berlin der Baron von Kottwitz. Der war Christ und verwendete seinen Besitz, um Bedürftigen zu helfen. Eines Tages traf er in einem Studentenwohnheim auf einen Studenten, der schimpfte und fluchte, weil es ihm nicht gelang, seine verdreckten Stiefel auszuziehen. Wortlos bückte sich von Kottwitz und zog dem jungen Mann die Stiefel aus. Beschämt fragte dieser: „Herr Baron, wo haben sie solche Demut gelernt?“  Und Kottwitz antwortete: „Bei meinem Herrn und Heiland Jesus Christus.“

„Erziehung ist Liebe und Beispiel.“ Dieses Wort eines großen Pädagogen gilt auch für alle, die Jesus ihren Herrn nennen. Sie schauen auf ihn und lernen von ihm. Und so erfahren sie, dass ein Leben unter seiner Herrschaft unsere Seele befriedet. Das sollte man einfach ausprobieren.

 

Autor: Wolf-Dieter Kretschmer

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Demut gelernt

Autor: Rainer Dick

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Schön wär's

Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! Denn dort verheißt der HERR Segen und Leben bis in Ewigkeit. Dieses Wort aus Psalm 133 begleitet uns heute. Ja, schön wär’s! Mit manchen Brüdern und Schwestern will das gar nicht so richtig gelingen.

Der Mann, mit dem meine Frau vor ein paar Tagen auf dem Marktplatz unseres Wohnortes ins Gespräch kam, drückte es so aus: „An Gott glaube ich schon. Aber mit dem Bodenpersonal habe ich so meine Schwierigkeiten.“

Geht es Ihnen ähnlich? Stehen Ihnen auch sofort Menschen aus der Familie, aus der Nachbarschaft, aus der Gemeinde vor Augen, mit denen es Mühe macht, „einträchtig beieinander zu wohnen“?

Das Psalmwort stammt aus einem Lied, das Wallfahrer beim Einzug nach Jerusalem gesungen haben. Und unter denen gab es sicher einige, die sich miteinander schwer taten. Aber was schaffte eine frohe und lebenswerte Gemeinschaft unter ihnen?

Alle ziehen zum Tempel, um den Gott Israels zu loben und anzubeten. Sie haben sich auf den Weg gemacht, um das Wort seiner Vergebung zu hören. Sie erleben die große bunte Schar der Kinder Gottes. Sie sehen die Gemeinschaft der Heiligen. Jeder von ihnen ist auf den HERRN ausgerichtet. Die Gemeinschaft des Glaubens hier auf dieser Erde ist schon eine Anzahlung auf  die Ewigkeit.

Wenn wir so unser Leben ausrichten, wenn wir heute auf Jesus, den Sohn Gottes unseren Blick richten und nicht scheel zur Seite schauen, dann kann die Gemeinschaft auch unter uns gelingen. Wo Christen sich um ihren Herrn sammeln und auf ihn schauen, werden die Unterschiede, die uns trennen, kleiner und der Segen, den Gott schenkt, größer. Die Gemeinschaft der Heiligen bekommt Strahlkraft nach außen. „Seht, wie haben sie einander so lieb“, sagte man von den Christen im römischen Imperium. Und die Umwelt wurde neugierig auf den, der solche Gemeinschaft möglich macht. „Dass sie alle eins seien – damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast“, betet Jesus.

„Was hat euch Chinesen eigentlich bewogen, Christen zu werden“, frage ich Steffi, eine junge Chinesin. Sie denkt kurz nach und sagt dann: „Die Liebe der amerikanischen und koreanischen Missionare.“

Für mich ist dieses Bibelwort ein Ansporn, schon heute auszuprobieren, wie ich auch mit denen einträchtig beieinander sein kann, die mir überhaupt nicht liegen. Da will ich auf Jesus schauen. Er hat den anderen genauso geliebt wie mich. Und ich will Jesus bitten, mir die Liebe zum anderen zu geben.

„Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! Denn dort verheißt der HERR Segen und Leben bis in Ewigkeit.“

Der Liederdichter Gerhard Tersteegen hatte mit vielen Menschen zu tun. Sicher gab es unter ihnen auch solche, die ihm gar nicht lagen. Aber er konnte sagen: „O wie lieb ich Herr, die Deinen, die dich suchen, die dich meinen. O wie köstlich sind sie mir. Wie ward oft mein Herz erquicket, wenn ich Seelen hab erblicket, die sich ganz ergeben dir.“

Da möchte ich mit einstimmen.

Autor: Rainer Dick

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Vor niemandem auf die Knie fallen

„In dem Namen Jesu sollen sich beugen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“ Philipper 2,10 – Manches in der Bibel passt nicht mehr in unsere Kultur. Wir beugen heute nicht mehr unsere Knie vor irgendwelchen Königen – bestenfalls eine Verbeugung oder einen Knicks vor der britischen Queen, aber auch das haben sich z. B. der derzeitige US-Präsident und seine Gattin abgewöhnt.

Wir sind heute autonom, regieren uns selbst, bestimmen miteinander im Dialog, was richtig und falsch ist. Kniefall geht da gar nicht mehr! Und der Apostel Paulus, von dem dieser Satz stammt, setzt ja noch einen oben drauf: Die Knie von allen Menschen sollen sich im Namen von Jesus beugen und bekennen, dass Jesus der Herr über diese Welt ist. Ist das nicht in höchstem Maße intolerant? So kann doch der Dialog zwischen den Religionen nicht funktionieren: Eine Religion behauptet, die Wahrheit zu haben, und alle anderen sollen sich unterwerfen. Das hatten wir in der Geschichte jahrhundertelang. Und wozu hat es geführt? - Dass im Namen der Religion schreckliche Kriege geführt wurden. „Und wenn ihr nicht freiwillig unseren Gott anbetet, müssen wir euch notfalls mit Gewalt dazu zu bringen. Unterwerfung unter unsere Herrschaft natürlich inklusive.“ Das wollen wir nicht mehr!!!

Also: Seien Sie vorsichtig, wenn Sie diesen Vers zitieren. Er widerspricht allem, was wir in unserer westlichen Kultur zu glauben gelernt haben.

Allerdings sollten wir zwei Dinge nicht vergessen:

1. Jetzt mal abgesehen von irgendwelcher Gewalt oder irgendwelchem Druck, ausgeübt im Namen der Religion. Woher wissen wir denn so genau, dass es keine Wahrheit gibt, die tatsächlich für alle Menschen gilt? Ist das nicht letztlich genauso eine Glaubensaussage, wie es der Satz ist: „Jesus ist der Herr der ganzen Welt, und zwar für alle!“? – Beweisen lässt sich das eine so wenig wie das andere. Wenn es aber tatsächlich so ist, dass es doch die eine Wahrheit gibt; wenn Paulus recht hat, und Jesus wirklich der rechtmäßige Herrscher der ganzen Welt ist? – Dann wäre es allerdings sehr empfehlenswert, diese Herrschaft anzuerkennen. Übrigens: Die Überzeugung, dass jeder nach seiner Facon selig werden soll, kann genauso tolerant oder intolerant vertreten werden, wie jeder andere Glaube auch. Wenn alle Katzen grau sind, bekommt derjenige ein Problem, der behauptet, eine schwarz-weiße gesehen zu haben …

2. Einzelne Sätze aus dem Zusammenhang zu reißen, ist ja immer gefährlich. Von wem sagt Paulus denn, dass er Herr über die ganze Welt ist? Lesen Sie mal den Zusammenhang – ab Philipper 2,6. Das ist der berühmte „Christus-Hymnus“ von Paulus. Da besingt Paulus den, der selbst freiwillig alle göttliche Macht aufgegeben hat. Der sich selbst erniedrigt hat – bis zum entehrenden Tod am Galgen. Der sich aus Liebe ganz hingegeben hat, den Menschen gedient hat bis zur absoluten Selbstaufgabe. Und der wird mit diesem Charakter und in diesem Sinn die Welt regieren.

Ja, ich glaube, dass dies die Wahrheit ist, die für die ganze Welt gilt. Aber in dem Moment, wo irgendjemand diese Wahrheit intolerant oder mit Macht durchsetzen will, hat er sie gerade völlig verloren. Diese Wahrheit kann ich nur dienend und liebend weitergeben, oder ich habe selbst von ihr überhaupt nichts begriffen.

Und vor diesem Herrn – und nur vor ihm! – beuge ich gerne meine Knie. Es widerspricht vielleicht unserem kulturellen Instinkt und unserer Überheblichkeit, sich irgendwem unterzuordnen und „die Knie zu beugen“. Aber ich möchte meine Knie vor diesem Gott beugen. Vor seiner Liebe. Seiner Demut. Seiner Hingabe für mich. Und wenn ich das tue, merke ich: Ich muss es vor keiner menschlichen oder irdischen Instanz tun. Vor denen kann ich dann gerade und aufrecht stehen.

Autor: Uwe Bertelmann

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Für die nächste Generation

Was will ich meiner Tochter eigentlich weitergeben? Was soll die nächste Generation von meiner Generation erben? Haus und Hof und ein ordentliches Bankkonto – da sind wir Deutschen bisher spitze. Wäre mir aber nicht so wichtig. Die Fähigkeit, dass sie selber auf eigenen Beinen stehen und für ihr Leben sorgen kann, wenn die Zeiten vielleicht rauer werden? Eine lebenswerte Welt, die sich um nicht mehr als 2 Grad gegenüber der vorindustriellen Welt erwärmt hat? Keine Frage! Ja, das auch. Maßstäbe, die auch in einer digitalen Welt noch gelten – wie Respekt vor dem anderen, auch bei Facebook, Insta & Co.? Ja, natürlich!

Nur: Will die nächste Generation das überhaupt noch hören? Muss nicht jede Generation selbst ihren Weg gehen? Nun, es könnte sein, dass uns in unserer Kultur da etwas verloren gegangen ist. Ich fand schon immer, dass Geschichte das spannendste Schulfach war. Und wenn man sich dann mal etwas mit der Weimarer Zeit, also der Zeit vor dem Nationalsozialismus, beschäftigt – das Gefühl, der Verlierer zu sein. Wirtschaftskrisen. Der Ruf nach dem starken Mann, der Deutschland wieder groß machen wird – manche Sprüche und Gedanken von heute klingen verdächtig nach dem, was damals laut auf den Straßen geschrien wurde. Und wenn man sieht, wie das geendet ist – wir können eine Menge von dem lernen, was unsere Eltern und Großelterngeneration durchbuchstabiert hat. Und die Generation nach uns wird von uns lernen – sei es positiv oder negativ.

Im Judentum gibt es hier eine ganz starke, wichtige Tradition, die schon im Gesetz des Mose dem Volk befohlen war: Präge der nachkommenden Generation das Gesetz Gottes ein – und nicht nur das Gesetz, sondern auch das, was Gott in der Geschichte getan hat. Wie lebendig diese Tradition war, sehen wir in Psalm 78, aus dem die Herrnhuter Losung für heute stammt. Dort heiß es in V 3+4: „Was wir gehört haben und wissen und unsre Väter uns erzählt haben, das wollen wir nicht verschweigen ihren Kindern.“ – und dann erzählt der Psalm die Geschichte des Volkes Israel vom Auszug aus Ägypten bis zur Herrschaft Davids  – in einem Lied mit 72 Versen. Was Gott getan hatte, wurde mündlich weitergegeben. Es wurde aber auch schriftlich festgehalten und so exakt wie möglich kommenden Generationen weitergegeben – entsprechend entwickelten die Rabbinen eine unglaubliche Perfektion beim genauen Abschreiben der Bibel.

Wir haben da heute noch mal ganz andere Möglichkeiten. Wir können die Berichte der Zeitzeugen in Bild und Ton erhalten. Und selber weitergeben an die nächste Generation.

Aber was möchte ich nun weitergeben? In der Zeit der SED-Diktatur hat der Liedermacher Theo Lehmann in einem Lied gesungen:

„ Die Mächtigen kommen und gehen, und auch jedes Denkmal mal fällt.

Bleiben wird nur, wer auf Gottes Wort steht, dem sichersten Standpunkt der Welt.

Und lehrt eure Kinder das eine, dass über Gott keiner mehr steht,

dass auch der Größte klein beigeben muss, wenn Gott kommt und alles vergeht.“

Für meine Tochter: Lass niemals zu, dass irgendetwas die Stelle Gottes einnimmt. Lass nicht zu, dass irgendetwas sich über Gott stellt. Egal was. Lass dich nicht von den Autoritäten deiner Zeit versklaven – nicht von YouTube, Insta & Co. Und glaube nicht alles, was sie sagen. Glaube aber, was der eine, wahre Gott dir sagt. Der sagt dir nämlich, dass er dich bedingungslos liebt und für dich alles gegeben hat. Ob es mir gelingt, das meinem Kind weiterzugeben – hoffentlich mit positivem Beispiel? Und wird sie hören wollen? Hoffentlich. Die Entscheidung muss sie einmal selber treffen. Mein Auftrag aber ist: So wie ich von der Generation vor mir gelernt habe, möchte ich der nächsten Generation von den Taten Gottes und von seinen Werten und seinem Wesen durch Wort und Tat etwas weitergeben. Maßstäbe wie Respekt vor anderen und Verantwortung für die Schöpfung sind da ausdrücklich inbegriffen!

Autor: Uwe Bertelmann

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Wo bin ich Zuhause?

Im 2. Korintherbrief in Kap. 5, V 6+7 lesen wir: „Deshalb bleiben wir zuversichtlich, obwohl wir wissen, dass wir nicht daheim beim Herrn sind, solange wir noch in diesem Körper leben.  Denn wir leben im Glauben und nicht im Schauen.“

Bei einem Gespräch über die Zukunft des Autos erzählte mir ein Experte, dass in Deutschland eine bestimmte Marke den Anschluss verpasst hat. Er führte weiter aus, dass es bei uns zwar viele kluge Köpfe gibt, aber zu wenig, die auch handeln. Mir ist das Gespräch beim Lesen dieses Bibeltextes wieder eingefallen. Ich stelle mir immer wieder einmal die Frage, was ist denn unsere reale Welt? In dem Gespräch mit dem Autoexperten spürte ich, das ist nicht meine Welt. Ich fahre auch ein Auto, bin aber nicht so interessiert, welche Marke nun ganz vorn ist, und wer den Anschluss evtl. nicht geschafft hat. Auch mag ich mir kein Urteil bilden, ob es in unserem Land kluge Köpfe gibt, die nur denken und nicht handeln.  Menschen leben in den unterschiedlichsten Welten mit ihrem ganz eigenen Blickwinkel. Was ich spüre ist, dass die unterschiedlichsten „Welten“ auf unserer Erde nur schwer zusammenkommen.  Und die Themen, an denen sich ein richtiger Konflikt entzünden kann, liegen mitunter gleich an der Tür.

Der Apostel Paulus benennt auch zwei unterschiedliche Welten, die aber in einer engen Beziehung stehen. Die eine Welt ist der Bereich Gottes. Die andere Welt ist unsere Erde. Beide sind verbunden durch Gott selbst. Wir haben den Zugang durch den Glauben. Christen wird mitunter vorgeworfen, in die Welt des Glaubens zu fliehen. Vielleicht gibt es auch solche Christen. Es gibt wohl überall Menschen, die aus ihrer Welt in eine andere fliehen. Manches ist harmlos, anderes ist gefährlich. Menschen versuchen z.B. durch Drogen ihrer realen Welt zu entfliehen. Andere versuchen es mit Gewalt oder auch Gleichgültigkeit.  Die reale Welt wird gemieden und der Versuch unternommen, in dieser Welt besser mit dem Leben zurecht zu kommen.

Paulus lebt aus dieser Gewissheit, sich immer wieder von Gottes Gegenwart ermutigen zu lassen. Er ist getragen von der Perspektive aus Gottes Welt. Paulus spricht hier auch eine große Sehnsucht aus. Was ihn von Scheinwelten unterscheidet ist, dass Paulus einen sehr realen Bezug zu seiner Situation hat. Er möchte daraus nicht fliehen. Er sieht aber in der Welt Gottes bessere Chancen, als hoffnungslos vor die Hunde zu gehen. Paulus weiß nur zu gut um die Verantwortung für diese Welt, verbunden mit der Hilfe von Gottes Gegenwart. Unser Vers beginnt mit dem Wort „zuversichtlich“. Das ist ein Ausdruck von Hoffnung. Paulus hat eine Hoffnung für und in dieser Welt. Er denkt nicht nur über die katastrophalen Zustände nach und resigniert. Er packt an, um Menschen eine Hoffnung zu geben. Paulus begeistert mich, weil ich bei ihm diese echte Hoffnung spüre. Für ihn ist Glauben eine lebendige Beziehung zu Gott.

Paulus hat sehr viele Menschen in die Nachfolge von Jesus Christus rufen können. Er hat aber auch Enttäuschung und massive Benachteiligung erlitten. Bei einer Überfahrt mit dem Schiff drohte auch er im Mittelmeer mit unterzugehen.  Angst war ihm vertraut. Seine Beziehung zu Jesus war dennoch fester, als die Gefahr. Für Paulus ist Glauben Herzenssache. Und das mit ganzem Einsatz. Unser Herz steht auch für die Verankerung unseres Lebens. Paulus konnte auch in den Schwierigkeiten von Hoffnung reden, weil sein Herz bei Gott geborgen ist. Da hat er seine Heimat. Da ist er zu Hause. Zuerst mit dem Herzen in der Welt Gottes geborgen zu sein, um sich dann auch in dieser Welt einzubringen.

Autor: Pfarrer Uwe Winkler

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2. Korinther 5,6–7

Im 2. Korintherbrief in Kap. 5, V 6+7 lesen wir: „Deshalb bleiben wir zuversichtlich, obwohl wir wissen, dass wir nicht daheim beim Herrn sind, solange wir noch in diesem Körper leben.  Denn wir leben im Glauben und nicht im Schauen.“

Bei einem Gespräch über die Zukunft des Autos erzählte mir ein Experte, dass in Deutschland eine bestimmte Marke den Anschluss verpasst hat. Er führte weiter aus, dass es bei uns zwar viele kluge Köpfe gibt, aber zu wenig, die auch handeln. Mir ist das Gespräch beim Lesen dieses Bibeltextes wieder eingefallen. Ich stelle mir immer wieder einmal die Frage, was ist denn unsere reale Welt? In dem Gespräch mit dem Autoexperten spürte ich, das ist nicht meine Welt. Ich fahre auch ein Auto, bin aber nicht so interessiert, welche Marke nun ganz vorn ist, und wer den Anschluss evtl. nicht geschafft hat. Auch mag ich mir kein Urteil bilden, ob es in unserem Land kluge Köpfe gibt, die nur denken und nicht handeln.  Menschen leben in den unterschiedlichsten Welten mit ihrem ganz eigenen Blickwinkel. Was ich spüre ist, dass die unterschiedlichsten „Welten“ auf unserer Erde nur schwer zusammenkommen.  Und die Themen, an denen sich ein richtiger Konflikt entzünden kann, liegen mitunter gleich an der Tür.

Der Apostel Paulus benennt auch zwei unterschiedliche Welten, die aber in einer engen Beziehung stehen. Die eine Welt ist der Bereich Gottes. Die andere Welt ist unsere Erde. Beide sind verbunden durch Gott selbst. Wir haben den Zugang durch den Glauben. Christen wird mitunter vorgeworfen, in die Welt des Glaubens zu fliehen. Vielleicht gibt es auch solche Christen. Es gibt wohl überall Menschen, die aus ihrer Welt in eine andere fliehen. Manches ist harmlos, anderes ist gefährlich. Menschen versuchen z.B. durch Drogen ihrer realen Welt zu entfliehen. Andere versuchen es mit Gewalt oder auch Gleichgültigkeit.  Die reale Welt wird gemieden und der Versuch unternommen, in dieser Welt besser mit dem Leben zurecht zu kommen.

Paulus lebt aus dieser Gewissheit, sich immer wieder von Gottes Gegenwart ermutigen zu lassen. Er ist getragen von der Perspektive aus Gottes Welt. Paulus spricht hier auch eine große Sehnsucht aus. Was ihn von Scheinwelten unterscheidet ist, dass Paulus einen sehr realen Bezug zu seiner Situation hat. Er möchte daraus nicht fliehen. Er sieht aber in der Welt Gottes bessere Chancen, als hoffnungslos vor die Hunde zu gehen. Paulus weiß nur zu gut um die Verantwortung für diese Welt, verbunden mit der Hilfe von Gottes Gegenwart. Unser Vers beginnt mit dem Wort „zuversichtlich“. Das ist ein Ausdruck von Hoffnung. Paulus hat eine Hoffnung für und in dieser Welt. Er denkt nicht nur über die katastrophalen Zustände nach und resigniert. Er packt an, um Menschen eine Hoffnung zu geben. Paulus begeistert mich, weil ich bei ihm diese echte Hoffnung spüre. Für ihn ist Glauben eine lebendige Beziehung zu Gott.

Paulus hat sehr viele Menschen in die Nachfolge von Jesus Christus rufen können. Er hat aber auch Enttäuschung und massive Benachteiligung erlitten. Bei einer Überfahrt mit dem Schiff drohte auch er im Mittelmeer mit unterzugehen.  Angst war ihm vertraut. Seine Beziehung zu Jesus war dennoch fester, als die Gefahr. Für Paulus ist Glauben Herzenssache. Und das mit ganzem Einsatz. Unser Herz steht auch für die Verankerung unseres Lebens. Paulus konnte auch in den Schwierigkeiten von Hoffnung reden, weil sein Herz bei Gott geborgen ist. Da hat er seine Heimat. Da ist er zu Hause. Zuerst mit dem Herzen in der Welt Gottes geborgen zu sein, um sich dann auch in dieser Welt einzubringen.

Autor: Pfarrer Uwe Winkler

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Eine vertraute Beziehung

Mit meiner Frau habe ich eine vertraute Beziehung. Meiner Frau kann ich meine persönlichsten Gedanken mitteilen. So ein Vertrauen ist gewachsen über Jahre und Jahrzehnte. Durch Höhen und Tiefen haben wir uns kennengelernt. Die Verbundenheit ist so stark gewachsen, dass wir gern zusammen sind. In der Beziehung zu Menschen, die ich mag, spüre ich die gegenseitige Ermutigung.

In der Beziehung zu Gott erfahren wir auch Wertschätzung. Ganz behutsam hat das Mose erfahren. Hinter ihm lagen viele verschiedene Begegnungen. Eine intensive Beziehung war gewachsen. Mose spürte, wenn Gott mit ihm redete. Auch Mose hat wieder einmal das Gespräch gesucht und nun hat er eine Bitte. Er möchte die Herrlichkeit Gottes sehen. Ich weiß nicht, wieviel Mut er dazu aufbringen musste, um diese Bitte zu äußern. Er tat es und hat alles gewagt. „Lass mich deine Herrlichkeit sehen.“ Diese Bitte geht dem Satz von Heute voraus: „Der HERR spricht: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.“ So ist es uns im 2. Buch Mose im Kap 33 v. 19 überliefert.

In einer sehr behutsamen Weise geht Gott auf diese Bitte ein. Was nicht geht, ist Gott ins Gesicht sehen. Beim Segenswort von Moses Bruder, dem Aaron hören wir zwar vom Angesicht Gottes, damit ist jedoch mehr gemeint als die Gesichtszüge. Was Mose sehen darf ist, „hinter ihm hersehen.“ Es geht um des Wesen Gottes, das nicht in ein Bild unserer Vorstellung passt. Diese  Erfahrung wirkt so stark, dass Mose absolut beeindruckt ist.

 Dieser Text bringt zum Ausdruck, was ganz schwer in Worte zu fassen und doch ein sehnlicher Wunsch ist, wahrscheinlich nicht nur von Mose: „Die Herrlichkeit Gottes zu sehen.“ Das sind Sternstunden des Glaubens. Davon hat Mose lange gezehrt..  

„Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig.“ – Das ist eine Schlüsselerfahrung.

Als Mensch habe ich kein Recht, Gott sehen zu müssen. Es ist auch kein Gedanke des Verdienstes. Wenn ich lange genug Gutes getan habe, dann muss er sich mir zeigen. Es ist eine Erfahrung der Zuwendung.

Auch in der Begegnung mit Mose ist es eine Erfahrung der Gnade. Ich höre darin eine wichtige Ermutigung. Für mich ist die Aussage von der Gnade Gottes lebenswichtig geworden. Hier werde ich nicht klein gemacht und erniedrigt. Ich erfahre in meiner Situation immer wieder eine neue Chance. Ich komme oft genug an meine Grenzen, weil ich nicht perfekt bin. Ich mache Fehler und werde auch schuldig. In der Verantwortung vor Anderen muss ich dafür gerade stehen. Ich werde für eine falsche Entscheidung zur Verantwortung gezogen.

Auch vor Gott wird ein Fehlverhalten klar benannt. So habe ich gehandelt und das war nicht in Ordnung. Gottes gnädiges Handeln zeigt mir jedoch einen Weg, aus meiner Schuld wieder heraus zu kommen. Seine Zuwendung hält mir nicht meine Fehler vor, sondern nimmt sie weg. Er vergibt mir. Seine Gnade eröffnet Leben.

Gnade ist immer mehr, als was sich ein Mensch vorstellen kann. Gott rechnet nicht auf, er gibt überfließend. Ich entdecke immer mehr, dass so vieles in meinem Leben ein unverdientes Geschenk ist. So viele Menschen, mit denen ich zusammen leben kann,  viele Möglichkeiten, die ich jeden Tag erhalte, mein Leben zu gestalten oder  auch die Einstellung mit mir und Gott nicht am Ende zu sein. Das größte Geschenk, das uns Gott macht, ist seine Zuwendung. Da teilt er sich uns ganz mit.  Mich begeistert, dass er es ganz individuell tut. Weder Gott hat eine Schablone, noch sollten wir ihn in eine Schablone pressen.  Gottes Gnade erhalte ich nicht aus Berechnung. Sie ereignet sich  gerade in den Situationen, in denen ich es gar nicht vermutet hätte.

Autor: Pfarrer Uwe Winkler

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2. Mose 33,19

Mit meiner Frau habe ich eine vertraute Beziehung. Meiner Frau kann ich meine persönlichsten Gedanken mitteilen. So ein Vertrauen ist gewachsen über Jahre und Jahrzehnte. Durch Höhen und Tiefen haben wir uns kennengelernt. Die Verbundenheit ist so stark gewachsen, dass wir gern zusammen sind. In der Beziehung zu Menschen, die ich mag, spüre ich die gegenseitige Ermutigung.

In der Beziehung zu Gott erfahren wir auch Wertschätzung. Ganz behutsam hat das Mose erfahren. Hinter ihm lagen viele verschiedene Begegnungen. Eine intensive Beziehung war gewachsen. Mose spürte, wenn Gott mit ihm redete. Auch Mose hat wieder einmal das Gespräch gesucht und nun hat er eine Bitte. Er möchte die Herrlichkeit Gottes sehen. Ich weiß nicht, wieviel Mut er dazu aufbringen musste, um diese Bitte zu äußern. Er tat es und hat alles gewagt. „Lass mich deine Herrlichkeit sehen.“ Diese Bitte geht dem Satz von Heute voraus: „Der HERR spricht: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.“ So ist es uns im 2. Buch Mose im Kap 33 v. 19 überliefert.

In einer sehr behutsamen Weise geht Gott auf diese Bitte ein. Was nicht geht, ist Gott ins Gesicht sehen. Beim Segenswort von Moses Bruder, dem Aaron hören wir zwar vom Angesicht Gottes, damit ist jedoch mehr gemeint als die Gesichtszüge. Was Mose sehen darf ist, „hinter ihm hersehen.“ Es geht um des Wesen Gottes, das nicht in ein Bild unserer Vorstellung passt. Diese  Erfahrung wirkt so stark, dass Mose absolut beeindruckt ist.

 Dieser Text bringt zum Ausdruck, was ganz schwer in Worte zu fassen und doch ein sehnlicher Wunsch ist, wahrscheinlich nicht nur von Mose: „Die Herrlichkeit Gottes zu sehen.“ Das sind Sternstunden des Glaubens. Davon hat Mose lange gezehrt..  

„Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig.“ – Das ist eine Schlüsselerfahrung.

Als Mensch habe ich kein Recht, Gott sehen zu müssen. Es ist auch kein Gedanke des Verdienstes. Wenn ich lange genug Gutes getan habe, dann muss er sich mir zeigen. Es ist eine Erfahrung der Zuwendung.

Auch in der Begegnung mit Mose ist es eine Erfahrung der Gnade. Ich höre darin eine wichtige Ermutigung. Für mich ist die Aussage von der Gnade Gottes lebenswichtig geworden. Hier werde ich nicht klein gemacht und erniedrigt. Ich erfahre in meiner Situation immer wieder eine neue Chance. Ich komme oft genug an meine Grenzen, weil ich nicht perfekt bin. Ich mache Fehler und werde auch schuldig. In der Verantwortung vor Anderen muss ich dafür gerade stehen. Ich werde für eine falsche Entscheidung zur Verantwortung gezogen.

Auch vor Gott wird ein Fehlverhalten klar benannt. So habe ich gehandelt und das war nicht in Ordnung. Gottes gnädiges Handeln zeigt mir jedoch einen Weg, aus meiner Schuld wieder heraus zu kommen. Seine Zuwendung hält mir nicht meine Fehler vor, sondern nimmt sie weg. Er vergibt mir. Seine Gnade eröffnet Leben.

Gnade ist immer mehr, als was sich ein Mensch vorstellen kann. Gott rechnet nicht auf, er gibt überfließend. Ich entdecke immer mehr, dass so vieles in meinem Leben ein unverdientes Geschenk ist. So viele Menschen, mit denen ich zusammen leben kann,  viele Möglichkeiten, die ich jeden Tag erhalte, mein Leben zu gestalten oder  auch die Einstellung mit mir und Gott nicht am Ende zu sein. Das größte Geschenk, das uns Gott macht, ist seine Zuwendung. Da teilt er sich uns ganz mit.  Mich begeistert, dass er es ganz individuell tut. Weder Gott hat eine Schablone, noch sollten wir ihn in eine Schablone pressen.  Gottes Gnade erhalte ich nicht aus Berechnung. Sie ereignet sich  gerade in den Situationen, in denen ich es gar nicht vermutet hätte.

Autor: Pfarrer Uwe Winkler

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