ERF Plus - Wort zum Tag

Gott gibt sich für Sie hin – aus Liebe

Gott liebt uns Menschen. Diese Botschaft zieht sich durch die Geschichte, diese Botschaft hatte bei Gott immer wieder die allererste Priorität, unabhängig von der Treue der Menschen. Darum ließ er die Propheten seine Gedanken und Pläne zur Rettung der Menschen verkünden. Auch Jesaja tat das und verkündigte:

Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt. Jes. 53,5

Mit Jesus als dem Sohn Gottes, der „Knecht Gottes“ wie er bei Jesaja genannt wird, erfüllt sich dieses Wort. Aus Liebe zu den Menschen ging er ans Kreuz und nahm die Schuld, die Strafe der Menschen, auf sich. Sein stellvertretender Tod lässt jeden Menschen leben und nicht nur das: Jeder wird dadurch frei. Die alten Bindungen und Ketten von Schuld, Scham und schlechten Einflüssen werden dort gesprengt. Tiefer Frieden erfüllt denjenigen, der das annimmt. Jesu vergossenes Blut und seine Wunden bringen innere Heilung und neue Gedanken für den, der das glaubt.

Gott liebt Sie, heute, jetzt in diesem Moment. Jesus ist auch für Sie ans Kreuz gegangen. Jesus wünscht sich, dass Sie diesen tiefen Frieden, seine Heilung annehmen und erleben. Vielleicht gibt es Erfahrungen, die Sie daran zweifeln lassen oder Sie hören das so zum ersten Mal. Vielleicht sehnen Sie sich danach, so geliebt zu werden, wie Sie sind. Gott weiß das. Er sieht Ihr Herz. Bitte nehmen Sie sich die Zeit, darüber mit Gott zu reden. 

Ich möchte Sie ermutigen, dabei auch Gott zuzuhören und seine Liebe heute neu zu Ihrem Herzen sprechen zu lassen. Geben Sie ihm jetzt die Gelegenheit, dass ER seine Güte und Barmherzigkeit und seine Wahrheit und Zusagen über Ihrem Leben neu aussprechen mag.

Der deutsche Liedtext von Reckless Love = Gewagte Liebe von Stefan Schöpfle und Mia Friesen drückt das hervorragend aus. Er begleite Sie heute durch den Tag:

Bevor ich ein Wort sprach, sangst du Lieder über mich. Du warst schon immer gut zu mir. Du hast mich geformt, mir Leben eingehaucht. Du warst schon immer gut zu mir.

Ich war noch dein Feind, doch du hast gekämpft um mich. Du warst schon immer gut zu mir. Ich war mir nichts wert, doch du hast bezahlt für mich. Du warst schon immer gut zu mir.

O, wie endlos, überwältigend, gewagt ist, wie du liebst. O, du kämpfst für mich und spürst mich auf, lässt neunundneunzig stehn. Ich weiß genau, dass ichs nicht verdient hab, doch du gibst dich für mich hin. O, wie endlos, überwältigend, gewagt ist, wie du liebst.

Du erleuchtest alle Schatten, erklimmst alle Berge, um mir nachzugehn.

Du zerstörst alle Mauern, vertreibst alle Lügen, um mir nachzugehn.

O, wie endlos, überwältigend, gewagt ist, wie du liebst. O, du kämpfst für mich und spürst mich auf, lässt neunundneunzig stehn. Ich weiß genau, dass ichs nicht verdient hab, doch du gibst dich für mich hin. O, wie endlos, überwältigend, gewagt ist, wie du liebst.

 

Autor: Klaudia Wolf

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Beten: Mein Wille geschehe?

Wenn ihr mich in meinem Namen um etwas bitten werdet, werde ich es tun.

Das hat Jesus gesagt. Zu seinen Freunden. Vor 2.000 Jahren. Ich lese ihn heute in meiner Bibel, im Johannesevangelium Kapitel 14, Vers 14. Und ich frage mich, was ich mit diesem Satz heute anfange, „wenn ihr mich in meinem Namen um etwas bitten werdet, werde ich es tun“. (NGÜ)

Gilt das auch für mich? Funktioniert das auch noch heute, wenn ich Jesus um etwas bitte? Um irgendwas?

Generationen von Christen haben innig und tiefgreifend gerungen mit der Spannung zwischen dem Beten um Etwas und dem Nicht-Passieren dieses Etwas. Viele haben gebetet um Heilung – und sind doch krank geblieben. Viele haben gebetet um Wohlstand – und sind doch arm geblieben. Viele haben gebetet um Bewahrung – und sind doch wegen ihres Glaubens verfolgt worden. „Wenn ihr mich in meinem Namen um etwas bitten werdet, werde ich es tun“ - ist dieser Satz von Jesus am Ende gar kein Versprechen, sondern eher ein Versprecher?

Ich merke: Ich komme nicht weiter, wenn ich diesen einen Satz für sich allein lese, ihn aus seinem Zusammenhang reiße. Denn das macht ihn am Ende zur magischen Formel, die Jesus mir vermeintlich in die Hand gibt. Die Praxis aus 2000 Jahren Kirchengeschichte beweist das Gegenteil. Wie arrogant wäre es zu denken, dass alle diese Christen einfach nur nicht richtig gebetet hätten!

Der Satz von Jesus – ich muss ihn anders – besser - verstehen. Am besten im Zusammenhang dessen, was Jesus bei der Gelegenheit sonst noch gesagt hat zu seinen Freunden. Jesus hat damals versucht, seinen Freunden begreiflich zu machen, was es bedeutet, an ihn zu glauben. Ihm zu vertrauen. Ihm zu folgen. „Vertraut mir!“, so lädt Jesus seine Freunde im Johannesevangelium, Kapitel 14, Vers 1 ein, und in den folgenden Sätzen malt er ihnen vor Augen, wie weit er ihnen selbst vertrauensvoll entgegenkommt – indem er nämlich bereitwillig und rückhaltlos mit ihnen teilt, in dreifacher Hinsicht:

Da ist erstens der Wohnort, das räumliche Zusammensein. „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen, und ich gehe jetzt hin, um dort einen Platz für euch bereitzumachen“, sagt Jesus in Vers 2. Ja, Jesus wird gekreuzigt werden und auferstehen und in den Himmel auffahren, und sie werden ihn eine Zeitlang nicht sehen, aber am Ende, sagt Jesus, „werde ich zurückkommen und euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin“. Christen werden am Ende da zu Hause sein, wo Christus zu Hause ist.

Und Jesus teilt zweitens den Zugang zu seinem himmlischen Vater mit seinen Freunden. Vers 7: „Wenn ihr mich kennt, werdet ihr auch meinen Vater kennen.“ Das heißt: Wenn ihr mich, Jesus, kennenlernt, wer ich bin und wie ich bin – dann lernt ihr dadurch auch Gott den Vater kennen. Denn „ich lebe im Vater und der Vater in mir“. Christen können in dem Maß Gott kennen, wie sie Christus kennen.

Drittens: Jesus teilt seine Vollmacht mit seinen Freunden. Vers 12: „Wer im Glauben mit mir verbunden bleibt, wird die gleichen Taten vollbringen, die ich tue“. Jesus erinnert seine Freunde an das, was sie Gott durch ihn hatten tun sehen: Wie seine Predigten den Zuhörern mitten durchs Herz gingen. Wie Gott auf sein Gebet hin Kranke gesund gemacht hatte. Wie Menschen aufgrund der Begegnung mit ihm neues Vertrauen zu Gott gefasst hatten. All das, sagt Jesus ihnen, teile ich mit euch: Wenn ihr in meinem Namen predigt, wenn ihr betet, wenn ihr Menschen ermutigt – dann werde ich all das durch euch tun. Wenn Christen im Namen Jesu handeln, dann handelt Christus durch sie.

Es ist dieses vertrauensvolle Miteinander, in das Jesus dann sein Versprechen legt: Wenn ihr mich in meinem Namen um etwas bitten werdet, werde ich es tun. Dieser Satz ist keine magische Formel, kein Gebetsrezept, kein göttlicher Automatismus. Er formuliert vielmehr eine Gewissheit, aus der heraus ich heute als Christ lebe: Ich werde bei Christus zu Hause sein. In ihm begegnet mir schon jetzt Gott selbst. Und wenn ich in seinem Namen handle, dann wird er durch mich handeln.

Nicht als Erfüllungsgehilfe meiner nach formalen Kriterien richtig gebeteten Wünsche und Vorstellungen. Sondern – viel besser – als der Gott, der sein eigenes Leben vertrauensvoll mit mir teilt, und der mich einlädt: „Vertraue mir. Komm und folge mir nach!“

Autor: Dr. Jörg Dechert

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Freuen lernen gegen alle Umstände

Was wäre, wenn es möglich wäre, zu jedem Zeitpunkt des Lebens glücklich zu sein? Sich unabhängig von den äußeren Umständen zu freuen? Würde ich das wollen? Würden Sie das wollen?

Auf den ersten Blick erscheint diese Vorstellung absurd. Wie soll das gehen, ohne die Augen zu verschließen vor all dem Leid und all dem, was so offensichtlich kritikwürdig ist an unserer Welt? Müsste ich nicht eine naive, rosarote Brille aufsetzen und mein Denken ausschalten, um mich in allen Lebenslagen freuen zu können?

Und doch… Und doch will ich diese Idee nicht vorschnell vom Tisch wischen. Denn da ist dieser eine Bibelvers im Neuen Testament, der mich seit vielen Jahren nicht loslässt:

Freut euch, was auch immer geschieht; freut euch darüber, dass ihr mit dem Herrn verbunden seid! Und noch einmal sage ich: Freut euch! (NGÜ)

So steht es im Philipperbrief Kapitel 4, Vers 4, geschrieben von Paulus, dem krisenerprobten Apostel und hochgebildeten Theologen, an die junge christliche Gemeinde in Philippi. Und Paulus war eigentlich nicht der Typ, der anfällig gewesen wäre für eine rosarote Brille. Wie hat er das also gemeint, mit der Freude „was auch immer geschieht“?

Die Suche nach einer Antwort führt uns vielleicht nach Rom im ersten Jahrhundert nach Christus. Paulus, der vielgereiste Gemeindegründer, war wegen seines Glaubens verhaftet worden und für seinen Prozess an den Hof des Kaisers überstellt worden. Während immer mehr Christen in den Städten des römischen Reiches mit Todesdrohungen eingeschüchtert oder wegen ihres Glaubens ermordet wurden, versuchte Paulus, aus der Haft heraus Briefkontakt zu halten mit den Gemeinden, die er gegründet hatte. Möglicherweise auch zu den Christen in Philippi. Während er selbst auf sein mutmaßliches Todesurteil wartete, versuchte er, den vielen jungen Christen Mut zu machen, trotz allem an ihrem Glauben festzuhalten.

Paulus wusste ziemlich genau, was sie wohl gerade durchmachten. Schließlich war er selbst oft wegen seines Glaubens bedroht worden. „Ihr habt jetzt denselben Kampf zu bestehen wie ich – den Kampf, den ihr miterlebt habt, als ich bei euch war, und in dem ich – wie ihr gehört habt – immer noch stehe.“, so Paulus in Philipper 1 Vers 30. (NGÜ)

Aber für Paulus scheint die entscheidende Schlacht nicht der Widerstand gegen die Staatsmacht zu sein, sondern das innere Festhalten der Christen an Gottes Versprechen einer neuen Welt und an einer Haltung, die ihren Herrn Jesus Christus ehrte. So schreibt Paulus in Kapitel 2, Verse 3 bis 5:

„Rechthaberei und Überheblichkeit dürfen keinen Platz bei euch haben. Vielmehr sollt ihr demütig genug sein, von euren Geschwistern höher zu denken als von euch selbst. Jeder soll auch auf das Wohl der anderen bedacht sein, nicht nur auf das eigene Wohl. Das ist die Haltung, die euren Umgang miteinander bestimmen soll; es ist die Haltung, die Jesus Christus uns vorgelebt hat.“ (NGÜ)

Und hier – bei der inneren Haltung – liegt für Paulus die Quelle der Freude, mitten in allen bedrohlichen äußeren Umständen. Ab Vers 16: „Haltet daher an der Botschaft fest, die zum Leben führt! Dann kann ich dem Tag, an dem Christus wiederkommt, voll Zuversicht entgegensehen, glücklich darüber, dass ich das Ziel meiner Arbeit nicht verfehlt habe und dass meine Mühe nicht umsonst gewesen ist. Und selbst wenn ich zum Tod verurteilt werde und sterben muss, werde ich mich freuen.“ (NGÜ)

Mitten in seiner Haft, mitten in der heraufziehenden Christenverfolgung, findet Paulus einen Grund, sich zu freuen: Dass die innere Stärke und das Vertrauen der Christen Jesus vor aller Augen ehrt. „Das soll also eure Einstellung sein, liebe Freunde“ – so fordert er sie in Kapitel 4 heraus, und weiter: „Haltet daher treu zum Herrn! Ihr seid doch meine Geschwister, die ich liebe und nach denen ich mich sehne; ihr seid meine Freude und mein Siegeskranz“. Und dann kommt unser Freude-Vers, Philipper 4 Vers 4: Freut euch, was auch immer geschieht; freut euch darüber, dass ihr mit dem Herrn verbunden seid! Und noch einmal sage ich: Freut euch!

Ich lese das, ich höre das, und es packt mich, zugegebenermaßen trotz einiger leichter Zweifel: Wenn es wirklich möglich ist, sich in jeglichen Lebensumständen an der Verbindung zu Gott so zu freuen wie Paulus das beschreibt – dann möchte ich das erlernen und erleben.

Ich glaube, das wäre einen Versuch mehr als wert. Finden Sie nicht?

Autor: Dr. Jörg Dechert

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Referenzen

Waren Sie schon einmal in der Situation, jemanden für einen Job anzustellen? Es ist gar nicht so einfach, gut auszuwählen unter denen, die sich bewerben. Die Bewerbungsunterlagen streichen die Leistungen und Begabungen der Kandidierenden so gut wie möglich heraus und übertreiben vielleicht ein wenig. Zugleich werden Schwächen nicht gerade verschwiegen, aber doch relativiert. Wer also könnte am besten geeignet sein für die Stelle?

Eine Hilfe zur guten Entscheidung können Referenzauskünfte sein. Mit den Bewerbungsunterlagen kann man Personen angeben, bei denen der Stellenanbieter nachfragen kann. Überzeugende Referenzen sind oft ein wichtiges Kriterium bei der Vergabe eines Jobs.

Das ging mir durch den Kopf, als ich in 2. Korinther 10,18 den Satz las: „Nicht wer sich selbst empfiehlt, gilt als bewährt, sondern wen der Herr empfiehlt!“ (ZB) Die Lutherbibel übersetzt statt ‚bewährt‘ mit ‚tüchtig‘. – Nun ja, eine gute Referenz von Gott selbst, das wäre wohl eine große Hilfe bei der Jobsuche.

Nun geht es im 2. Korintherbrief allerdings nicht direkt um eine Stellenbewerbung. Sondern Paulus bemüht sich gegenüber der Gemeinde um seine Glaubwürdigkeit als Apostel. Und zwar im Vergleich mit Konkurrenten, die sich selbst in den Vordergrund gespielt haben. Als Trumpf versucht er dabei, seine Demut ins Spiel zu bringen.

„Demut ist der Mut, sich nicht zu vergleichen“ soll Teresa von Avila einmal gesagt haben. Auf dieser Linie scheint mir auch Paulus‘ Argumentation zu liegen: Ihn zeichnet nicht aus, dass er besser ist als die anderen. Sondern das Ja Gottes zu ihm, die Berufung durch Christus macht seine Referenz aus. Darum will er nicht prahlerisch mit anderen um die Gunst der Gemeinde wetteifern. Er verlässt sich aber auf die Gnade Gottes, die für ihn spricht.

So einfach ist das gar nicht. Die Verlockung, sich etwas größer zu machen, als man ist, sich in ein etwas besseres Licht zu rücken, ist stark. Nicht nur, wenn man sich um einen Job bewirbt. Oft reicht auch schon die Aussicht auf ein wenig Anerkennung oder Applaus. Ich fürchte, es gibt auch heute in der christlichen Szene viel unnötige PR im Sinne von Eigenwerbung. Oft habe ich dafür sogar ein wenig Verständnis. Ich beobachte aber, dass daraus eben nicht nur Wettbewerb, sondern auch Konflikte entstehen können. Und das ist dann doch bedauerlich.

Man soll ja bekanntlich zuerst vor der eigenen Haustür wischen. In diesem Sinne sehe ich den Satz des Paulus vor allem als Hilfe zur Selbsteinschätzung: Bin ich ehrlich in der Art, wie ich mich anderen gegenüber gebe? Wage ich es, auch Schwäche zu zeigen? Stehe ich dazu, dass nicht meine Leistung, sondern Gottes gnädiges Wirken das Entscheidende ist in allem, was ich tue? - Den Philippern schrieb Paulus: „Ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war“ (Philipper 2,5, Schlachter). Sich nach Jesu Vorbild ganz auf die Liebe Gottes verlassen.

Schließlich ist ja nicht entscheidend, was andere Menschen von uns denken, sondern wie Gott uns sieht. Er schaut uns außerordentlich wohlwollend an. Und er ist bereit, uns die Referenz zu geben: Er bzw. sie ist mein Kind.

Autor: Pfarrer Daniel Eschbach

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Erinnerungen

Kürzlich habe ich alte Dateien auf der Festplatte meines Computers durchstöbert. Dabei habe ich Videosequenzen entdeckt, die ich schon lange vergessen hatte.

Die Kamera war damals ganz neu. Und ich habe einfach drauflos gefilmt. Unsere Kinder waren noch klein. Zu sehen war eigentlich nichts Sensationelles: Die Kinder im Quartier beim Spielen; eine Bergwanderung, die wir als Familie machten; Small-Talk in der Bergbahn ... Und doch hat das ganz viel mit mir gemacht.

Beim Anschauen sind Erinnerungen erwacht, weit über das in den Filmchen Sichtbare hinaus. Und es wurde mir wieder bewusst: Was für eine tolle Zeit war das doch, als wir so als Familie miteinander unterwegs waren. Ich habe große Dankbarkeit gespürt: Für viele gute, kleine Momente und Tage, die wir zusammen erlebt haben. Und Freude kam auf: Die Kinder sind längst erwachsen, haben sich entwickelt, ihren Platz im Leben gefunden und sind gut unterwegs. Die Beziehung zu ihnen hat sich verändert, aber sie ist intakt geblieben. Was für ein Geschenk!

Erinnerungen sind wichtig. Wir Menschen haben einen Hang zur Vergesslichkeit und sehen deshalb bei Widerstand oder Problemen schnell schwarz. Dabei haben wir schon so viel erlebt, was uns hoffnungsvoll, zuversichtlich stimmen könnte. Wir müssen nur unsere Erinnerungen lebendig halten.

Das gilt auch und ganz besonders für den Glauben. Wenn wir uns nicht immer wieder in Erinnerung rufen, was wir schon alles mit und dank Gott erlebt haben, wird der Glaube schnell einmal klein, brüchig oder hohl.

In etlichen Psalmen gibt es Passagen, die bewusst Israels Erinnerungen aktivieren, sie wieder ins Bewusstsein holen, um so das Vertrauen von Gottes Volk zu stärken. So zum Beispiel in Psalm 105. Da wird die ganze Geschichte Israels mit seinem Gott von A bis Z aufgerollt. In den Versen 40-42 klingt das dann zum Beispiel so: „Als sie ihn baten, ließ er Wachteln kommen, mit Brot vom Himmel machte er sie satt. Er öffnete den Felsen und Wasser kam hervor, wie ein Strom ergoss es sich durch die Wüste. Das tat er wegen seines heiligen Versprechens, das er seinem Diener Abraham gegeben hatte.“ (GNB)

Gott war an Israels Seite. Die ganze Zeit. Er hat für sein Volk gekämpft, hat es beschenkt, es bewahrt. Unzählige Ereignisse bestätigen, was er zuerst Abraham versprochen hatte: „Ich will bei Dir sein und dich segnen!“ – Es stimmt. Gott ist und bleibt da. Wir können uns darauf verlassen. Was er versprochen hat, gilt. Darum kann, wer sich an ihn hält und auf ihn vertraut, selbst in schwierigen, unsicheren Zeiten zuversichtlich bleiben und die Hoffnung bewahren.

Erinnerungen sind wichtig, weil sie uns für aktuelle Herausforderungen die nötige Kraft und Zuversicht schenken, weil sie unser Gottvertrauen stärken und unsere Angst überwinden. Darum: Warum gönnen Sie sich nicht gleich noch ein paar Minuten, um in Erinnerungen zu schwelgen? Und ich meine jetzt vor allem Erinnerungen an das, was Sie mit Gott schon erlebt haben. Eine Art persönliches Erntedankfest. – Es könnte Ihnen helfen, den Herausforderungen, die heute vielleicht auf Sie warten, zuversichtlich zu begegnen. Ich wünsche Ihnen einen guten, gesegneten Tag.

Autor: Pfarrer Daniel Eschbach

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Gott schenkt Freiheit und Leben

In unserer Nachbarschaft leben Waschbären. Einige wurden mit Lebendfallen gefangen und vom Jäger erschossen. Ganz schön aufregend für unsere Kinder, die die lebendigen Waschbären in der Falle noch gesehen hatten und dann die Schüsse hörten.

Fallen werden aufgestellt, um Tiere, die man nicht da haben möchte, zu fangen oder auch zu töten.

In Psalm 25,15 ist von einer Falle die Rede - hier ist es ein Netz. Der Vers heißt so: Meine Augen sehen stets auf den Herrn, denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.

Der Psalmbeter kennt Fallen. Nicht nur solche für Tiere, sondern auch für ihn selbst. Er weiß: Es gibt da Menschen, die ihm Böses wollen. Oder die ihn loswerden wollen, wie einen Schädling im Garten. Der Beter benutzt dieses Bild der Falle, um das deutlich zum Ausdruck zu bringen. Es ist so, als ob er mit seinem Fuß darin hängenbleiben soll.

Was tut er nun in dieser Situation? Er vertraut auf den Herrn. Er ist mit seinen Augen beim Herrn. Warum wohl? Man könnte ja auch sagen: Meine Augen schauen auf den Boden, damit ich die Fallen gleich entdecke und nicht aus Versehen hineintrete. Es ist ja auch gar nicht so dumm, auf manchen Wiesen die Augen auf den Boden zu richten, damit man sieht, wo man nicht reintreten sollte.

Aber der Beter sagt: Er schaut auf den Herrn. Der Herr weiß ganz genau, wo die Fallen stehen. Und diese Fallen müssen ja auch nicht alle am Boden sein.

Das Netz ist ein Bild für die Falle im Allgemeinen. Der Fuß, der ins Netz tritt und darin hängen bleibt, heißt: Der Mensch ist gefangen worden, hat nicht mehr die Kontrolle. Andere können über ihn verfügen. Er hat sich verwickelt, verstrickt. Solche Fallen können ja auch mit Worten, mit Fangfragen ausgelegt werden.

Verschiedene Bibelstellen fallen mir dazu ein. Jesus wurden auch Fangfragen gestellt. Es gab Menschen, die verhindern wollten, dass viele Jesus nachfolgten. Und so wollten sie Jesus durch die Fangfragen einwickeln. Sie erhofften sich, dass er sich verstricken würde in Widersprüche. Dass er sich selbst unglaubwürdig machen würde. Jesus ist nicht in die Falle getappt.

Doch der Psalmbeter weiß: Er wird in die Falle tappen. Das lässt sich nicht verhindern. Und er braucht jemanden, der ihn da wieder herausholt. Der ganze Psalm, in dem unser Vers steht, ist durchdrungen von dem Wissen: Ich brauche Hilfe. Ich brauche Vergebung. Ich brauche Gott, der mich führt und der mir aus der Falle heraushilft.

Wenn ich an den Waschbären denke die Falle bedeutete für ihn: Tod. Hätte jemand die Falle geöffnet - er wäre blitzartig draußen gewesen. Da bin ich mir sicher. Freiheit und Leben, das zieht.

Genau das ist es auch, was Jesus geben möchte. Freiheit und Leben. Dafür hat er sich selbst gefangen nehmen und ans Kreuz schlagen lassen. Sein Tod ist unser Leben. Mit seinem Tod hat er uns frei gemacht von der Sünde. Wer an ihn glaubt, der darf aufatmen. Er darf aus der Falle herausspringen und weitergehen, mit den Augen auf den Herrn Jesus gerichtet.

Der Psalmbeter wusste noch nichts von Jesus. Er kannte Gott, den Schöpfer. Er kannte Gott, der mit seinem Volk einen Weg gegangen war. Gott, an den er sich persönlich wenden konnte. Es ist derselbe Herr, der gnädig ist und gerne vergibt, der befreit und der sich für das Leben einsetzt.

Was für ein guter Gott, der Freiheit und Leben schenkt!

Autor: Sigrun Teßmer

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Auf Gott ist Verlass

Es war bei einer Bergwanderung. Irgendwie war ich auf ein Geröllfeld gekommen. Ich weiß nicht, ob ich den falschen Weg erwischt hatte, aber ich war nun mal dort. Und nun versuchte ich, mich vorsichtig von diesem Geröllfeld wegzubewegen. Dahin, wo es wieder sicher aussah. Eine Wiese war dort. Als ich bei der Wiese angekommen war, sah ich ein Schild, und darauf stand - von der anderen Seite allerdings - man sollte nicht weitergehen, wegen Lebensgefahr. Da wurde mir nachträglich noch ganz heiß.

Hat Gott mich aus dieser Gefahr gerettet? - könnte ich mich fragen - oder war ich einfach umsichtig genug und hab mich rechtzeitig - vorsichtig - aus der Gefahrenzone begeben? Auf jeden Fall bin ich heil aus der Situation herausgekommen.

Der Apostel Paulus schreibt im 2. Korintherbrief Kapitel 1, Vers 10: Aus großer Todesnot hat er uns errettet und wird er uns erretten; auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt.

Paulus meint damit: Gott war es. Er hat uns errettet. Er wird uns auch in Zukunft erretten. Auf Gott haben wir unsere Hoffnung gesetzt.

Geht es Ihnen so ähnlich wie mir? Große Todesnot gehört nicht zu dem, was ich täglich erlebe und empfinde. Ja, manche Leute aus einer anderen Generation - Leute, die den Krieg miterlebt haben, die Flucht erlebt haben, die können aus Erfahrung von großer Todesnot sprechen.

Auch der Apostel Paulus. Er war im 1. Jahrhundert unterwegs im Mittelmeerraum und predigte von Jesus. Nicht alle seine Zuhörer waren ihm wohlgesonnen. Es gab verschiedene Situationen, in denen es wirklich um Leben und Tod ging. Er kam ins Gefängnis, wurde sogar gesteinigt, und als die Leute glaubten, er sei tot, ist er wieder aufgestanden. Und dieser Paulus ist es, der sagt: Gott hat uns errettet aus Todesnot. Paulus schließt daraus: Das wird er auch in Zukunft tun.

Für mich ist das erst einmal ein ganz schön großer Abstand. Paulus ist weit weg, und solche schlimmen Erlebnisse kenne ich - Gott sei Dank - persönlich nicht. Doch was ich kenne, ist diese Erfahrung: Ein Erlebnis mit Gott in der Vergangenheit stärkt das Vertrauen zu ihm auch für die Zukunft.

Auf meinem persönlichen Lebensweg habe ich erlebt: Gott hat mir nie zu früh, aber auch nie zu spät gezeigt, was als nächstes dran war. Ja, es war wirklich nie zu spät. Und so ist in mir das Vertrauen gewachsen. Ich konnte dann auch in neuen Situationen vertrauen. Ich wusste: Gott wird schon rechtzeitig die nächsten Weichen stellen. Und nie wurde ich enttäuscht.

Wenn der Apostel Paulus von Errettung aus Todesnot spricht, dann muss ich allerdings auch noch an eine andere Todesnot denken als nur die körperliche. Denn dass Gott unseren Körper vor dem Tod verschonen würde, steht nirgends in der Bibel. Allerdings gibt es noch einen anderen Tod, der uns bedroht - nämlich der Tod als ewiger Tod. Als Trennung von Gott - für immer.

Ich weiß gar nicht, aus welchen natürlichen Todesgefahren Gott mich schon gerettet hat. Ich weiß nicht, ob das Geröllfeld so eine Todesgefahr war. Aber irgendwann werde ich sterben. Doch ich weiß, dass Gott mich vor dem ewigen Tod - vor dieser Todesnot - retten wird. Denn dafür ist Jesus auf diese Welt gekommen. Er hat den Tod besiegt. Er hat die Trennung von Gott überwunden. Durch ihn ist der Weg frei zum Vater im Himmel.

Darauf darf ich meine Hoffnung setzen. Und Sie auch.

Autor: Sigrun Teßmer

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Grenzenlose Vergebung

Folgende Wortfetzen aus der Unterhaltung zwischen einer Mutter und ihrem Sohn schnappe ich in der Fußgängerzone auf. Das Kind schreit: „Mama, der Sven hat mir einfach eine reingeboxt, so ganz ohne jeden Grund.“ Die Mutter: „Und, hast du zurückgeschlagen?“ Der Kleine erwidert selbstbewusst: „Ja, klar!“ Daraufhin die Reaktion der Mutter: „Dann ist es ja gut!“

Typisch Echoprinzip: „Wie du mir, so ich dir!“ Das ist uns vertraut. Wir leben nach dem Prinzip, wie man in den „Wald“ meines Lebens hineinruft, so hallt es durch mich zurück. Wie beim Ping-Pong-Spiel, gebe ich den Ball wieder genauso zurück, wie er mir zugespielt wird. Dieser Grundsatz scheint eine Art menschliches Grundgesetz, aus dem es uns nur schwer auszubrechen gelingt.

Ganz anders verhält es sich bei Gott, wie wir heute in Psalm 103, 10 lesen: „Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.“

In dieser Welt wird Schuld meistens mit Vergeltung beantwortet. Aber Gott ist so ganz und gar anders. Psalm 103 singt ein Loblied auf Gottes Barmherzigkeit, die das gängige Echoprinzip des „Wie du mir, so ich dir“ durchbricht.

„Gott vergibt, das ist ja sein Metier!“ – so spottete einst der Dichter Voltaire. So locker dahergesagt, verliert die Rede von der Vergebung den Ernst, der ihr eigentlich zukommen muss. Und es wird ein Problem offenkundig, das mit dem Phänomen der Vergebung eng verbunden ist: Vergebung kann ihrer Natur nach nicht zur „Schleuderware“ werden.

Vergebung ist kostbar. Sie kostet Gott am Ende sogar das Leben - im Sterben seines Sohnes Jesus.

Und sie bezieht sich auf Situationen, die durch das geprägt sind, was in den Worten der Bibel Sünde und Schuld heißt. Und das sind Situationen, in denen das Gelingen des Lebens und der menschlichen Beziehungen auf dem Spiel steht.

Vergebung ist tatsächlich Gottes Sache, aber nicht oberflächlich, sondern mit Ernst und Tiefe, damit verbunden, dass der, dem vergeben wird, Einsicht in seine Schuld zeigt und zur Umkehr bereit ist. Es gehört zum großen Reichtum unseres Glaubens, dass Gott uns immer wieder einen neuen Anfang ermöglicht.

Wer Gottes vergebender Liebe vertraut, der kann neu anfangen. Denn wer sich auf Gott verlässt, der wird nicht auf sein Versagen festgelegt. Wer auf ihn baut, der bekommt eine neue Perspektive für sein Leben.

Grenzenlose Vergebung, das ist Gottes Geschenk, das er uns in Jesus Christus macht. Und „wo Vergebung ist, da ist Leben und Seligkeit“, hat Martin Luther einmal gesagt.

Autor: Jürgen Schweitzer

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Sehen und gesehen werden

Eine tobende Menschenmenge, Stars und Sternchen, ein roter Teppich, Blitzlichtgewitter, Glanz und Glamour. Hollywood. Oskar Preisverleihung. Die besten Filme und ihre Darstellerinnen werden gekürt. Wer sich auf dem roten Teppich in Szene setzen kann – wer dort gesehen wird - der ist wer.

Sehen und gesehen werden. Wir kennen wohl alle diesen Wunsch. Egal ob bei einem Treffen mit Freunden, bei der Veranstaltung vom Sportverein, beim Einkaufen oder im Beruf. Es tut gut, wenn wir von unseren Mitmenschen gesehen werden. Denn das bedeutet: Wir werden wahrgenommen. Wir werden beachtet. Man schenkt uns Aufmerksamkeit. Wir stehen im Mittelpunkt. Das gibt Selbstvertrauen. Da merkt man: Ich komme an. Die anderen interessieren sich für mich. Ich bin wer.

Um das „Sehen und gesehen Werden“, geht es auch in den Versen 2 und 3 aus dem Lukasevangelium Kapitel 19: „Da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen.“

Jericho vor 2000 Jahren. Auch da war ordentlich was los. Eine tobende Menschenmenge. Mittendrin Zachäus. Er wollte Jesus unbedingt sehen. Erst mal nicht mehr, nur sehen, einen Blick drauf werfen und sich eine Meinung bilden.

Zachäus klettert in einen Maulbeerbaum. Zum Zuschauen ist das der ideale Platz: Ein stabiler, nicht allzu hoher Stamm, eine ausladende Krone mit wenigen, aber dicken Ästen, auf denen man bequem sitzen kann, und ein dichtes Blätterwerk, wie eine Wand aus grünem Laub, das von innen genug Löcher zum Durchgucken bietet und die Blicke von außen abhält. Ideal, wenn man sehen will, ohne gesehen zu werden, wenn man erst mal beobachten will, alles aus einer sicheren Entfernung.

Plötzlich blicken zwischen den Blättern des Maulbeerbaums zwei Augen, die sagen: Ich sehe Dich. Ich weiß, wer du bist.

Und als Zachäus seinen Namen hört, zuckt er vielleicht zusammen, zieht den Kopf ein, hält den Atem an und wartet auf das, was sonst immer kommt, wenn die Leute ihn, den kleinen, reichen Oberzöllner, auf der Straße erkennen: abfällige Bemerkungen, offene Beschimpfungen, wütende Fragen von denen, die sich ungerecht behandelt fühlen und damit vielleicht sogar Recht haben. Aber all das bleibt aus. Stattdessen: „Komm runter von deinem Baum – heute muss ich bei dir zu Gast sein.“

Sehen und gesehen werden. Das verändert vieles.

Der Zaungast, der eigentlich nur gucken wollte, wird verwickelt in das Geschehen und stellt fest: Es geht um mich. Hier will jemand mit mir zu tun haben, noch mehr: Er braucht mich. Nicht als Zuschauer, sondern als Mitspieler.

Jesus schaut mich wie Zachäus an, mit einem aufmerksamen, liebevollen Blick.

Er schaut mich an mit meinen Verwundungen und Verletzungen, mit meinen Träumen und Sehnsüchten, den Um- und Irrwegen meines Lebens. Wo ich so liebevoll angeschaut werde, kann ich mich selbst auch mit anderen Augen sehen.

Jesus schaut mich an mit den Augen der Liebe, weil er ein tiefes Interesse an uns Menschen hat.

Der Mensch, wir, sind Gottes große Leidenschaft.

Autor: Jürgen Schweitzer

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Termine mit Gott

Ja, so ist es! Zunächst bekommen Sie Ihren persönlichen Termin mit Gott. Und dann  sind Sie bei ihm zuhause!

Diesen Termin können wir jeden Tag haben. Vielleicht am Morgen des Tages oder mittags. Eine Zeit zur Stille, für Gedanken aus der Bibel und für das Gebet.

Es ist ganz einfach Ihre persönliche Entscheidung, dass Sie diesen Termin wahrnehmen. Das lesen wir heute im Psalm 26, Vers 12: „Ich will den Herrn loben in den Versammlungen“. Das ist eine klare Entscheidung. Ich will Gott loben, zu ihm beten. Und wenn ich das möchte, dann geschieht es auch.

Davor sagt der Psalmbeter auch noch: „Mein Fuß steht fest auf rechtem Grund“. Er oder auch sie ist eine Persönlichkeit, welche „geerdet“ ist. Diese Lebensgrundlage besteht in der Glaubensverbindung mit Gott. Und wenn wir schon in der Lage sind, auf festem Grund zu stehen, dann können wir uns auch auf den Weg machen zum Gottesdienst mit dem gemeinsamen Gotteslob.

Jetzt geht es um die Termine, welche Sie zusammen mit anderen Christen wahrnehmen: Es ist der persönliche Weg hin zum Gotteshaus. Und dann sind Sie willkommen im Gotteshaus. Das muss noch nicht einmal Kirchenmauern haben.

So wurde zum Beispiel der Innenhof eines Seniorenzentrums zum Gotteshaus. Und die Heimbewohner erlebten diesen Gottesdienst mit an den Fenstern und auf den Balkonen. Und seit März dieses Jahres ermöglichten zunehmend mehr Internet-Gottesdienste in Ortsgemeinden das Gotteslob in vielfältiger Form. Aus der Distanz und zugleich gemeinsam. Wie gut, dass auch auf diese Art der Gottesdienst unsere geistliche Heimat wird und bleibt. Aber die erste Wahl sind jetzt natürlich wieder die Gottesdienste mit der anwesenden Gemeinde.

Denn: Wir wollen Gott den Herrn loben in den Versammlungen.

Gottesdienst und Gotteshaus als Ort der Beheimatung in Gottes Gegenwart, das ist Thema des Psalms 26. Im Vers 8 dieses Psalms steht dazu:

Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, wo deine Ehre wohnt.“

Dieser Satz ist der der Dreh- und Angelpunkt dieses Psalms.

Dessen Aussage überrascht wahrscheinlich nicht. Zumindest dann nicht, wenn wir in einem schönen und einladenden Kirchenraum angekommen sind. Dabei geht es nicht nur um die Schönheit von Architektur und sakraler Kunst. Sondern der dreieinige Gott in Christus durch den heiligen Geist spricht uns an und hilft uns. Denn alleine kommen wir mit unserem Leben nicht zurecht. Wir sind angewiesen auf diesen Ort im Gottesdienst, um Trost und Ermutigung zu empfangen. Das wird uns in diesem Psalm beschrieben in diesem Gebet: „Herr, schaffe mir Recht denn ich bin unschuldig.“

Stellen wir uns diesen Gottesdienstbesucher vor. Der Mann oder die Frau hat ein Problem. Die Leute reden schlecht und verbreiten Anschuldigungen und sagen: „Du bist schuld!“ Wie wird er den falschen Verdacht wieder los? Er könnte sich Rat holen bei Freuden oder in der Familie. Doch entscheidend ist der Gottesdienst und die Bitte: Gott, erlöse mich und sei mir gnädig!

Und Gottes Hilfe kommt an. Und wir können dann singen mit den Worten von Jochen Klepper: „Gott hält sich nicht verborgen… Er ist mir täglich nahe und spricht mich selbst gerecht“. Wir gehen dann anders mit unserem Alltag um. Wir empfangen Trost und Gelassenheit. Gott sei Dank!

Autor: Pfarrer Heinz-Günther Brinken

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Eigenen Mut loslassen und Gottes Gnade empfangen

Mit den täglichen Bibelversen aus dem Losungsbuch nehmen wir an einer Verlosung teil. Dabei gibt es nur Gewinne und keine Nieten. Wir gewinnen durch die Bibelverse  überraschende Einsichten und liebevolle Erinnerungen an elementare Glaubensgrundlagen.

Das gilt auch am heutigen 3. August. Dazu wurde ausgelost ein Satz aus dem Buch der Sprüche, Kapitel 3: Den Demütigen wird der Herr Gnade geben.—„Aber die Hochmütigen werden über ihre eigenen Füße stolpern“. Dieser zweite Satz steht nicht hier in Sprüche drei. Der ist mir so eingefallen.

Ich hatte mich gefragt, wie kann das Gegenteil von Demut beschrieben werden? Denn der heutige Bibelvers ist typisch für viele Aussagen in dem Buch der Sprüche. Dessen Aussagen regen unser Vorstellungsvermögen und Nachdenken an. So wird uns die Realität des Wortes Gottes, der Bibel, in besonderer Weise anschaulich.

Wir lesen die kurzen und einprägsamen Sätze und finden schnell Beispiele aus aktuellen Lebenssituationen. Wir erkennen, welche Lebenseinstellungen wertvoll sind. Und umgekehrt wird auch deutlich, was wir besser nicht tun sollten.

„Hochmut kommt vor dem Fall“, sagte der Trainer nach der ersten Saisonniederlage des Fußballvereins. Die waren einfach zu siegesgewiss gewesen gegen den Tabellenletzten.

Die Lebenseinstellung, welche mit Hochmut infiziert ist, sagt sich: „Ich schaffe das schon, mir kann keiner was“. Aber es tauchen Schwierigkeiten und Krisen auf. Dann verwandelt sich diese Selbstermutigung als negative Kehrseite in Depression und Jammern: „Alles ist schlecht, früher war alles besser, ich kann nicht mehr“. Vielleicht gibt es dann noch den Mut der Verzweiflung, vermischt mit Illusionen. Doch die Realität der Krise ist dann wie eine Sackgasse. Und so kommen wir nicht weiter.

Aber Gott wird Gnade geben. Im Neuen Testament, im 1.Petrusbrief, wird uns gesagt: Wir empfangen die Gnade Gottes, wenn wir unsere Selbstermutigung erst einmal loslassen. Und zugleich unterstellen wir uns der machtvollen und liebevollen Hand Gottes. Und dann entstehen Perspektiven zur Lösung von Problemen.

Wir empfangen dann durch den Heiligen Geist Ermutigung zum Leben und Mut zum Dienen für andere. So ist Demut im Denken der Bibel zu verstehen. Diese Demut ist nicht unterwürfig, sondern aktiv und empfangsbereit.

Weil ich durch Jesus Christus täglich die Gnade Gottes empfange, habe ich es nicht nötig, mich auf Kosten anderer hervorzuheben. Stattdessen höre, rede und handle ich auf Augenhöhe mit dem Nächsten. Demut bedeutet dann auch: Wir akzeptieren unsere Grenzen und sagen auch klar, was wir nicht können. Es wäre schon peinlich, wenn wir ein Versprechen abgeben, welches wir später nicht einhalten können.

Am Anfang hatte ich gesagt: „Die Hochmütigen werden über ihre eigenen Füße stolpern“. Jetzt lese ich in der heutigen Losung den Anfang aus dem Vers 34 in Sprüche drei. Da steht: „Gott wird der Spötter spotten“. Irgendwie passt das. Wer aus Selbstüberschätzung heraus ein Vorhaben in den Sand gesetzt hat, der wird am Ende die Lacher auf der anderen Seite haben.

Sei demütig und fürchte dich nicht! Denn Gott der Herr ist bei dir und macht dich stark durch seine Gnade.

Autor: Pfarrer Heinz-Günther Brinken

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Ein guter Mentor

Da ist ein junger Mann, der für sein Empfinden viel zu früh in Verantwortung gekommen ist. Er hatte sich das anders vorgestellt. Aber jetzt war es eben so. Er war Gemeindeleiter und musste älteren und weit erfahreneren Christen vorangehen. Das kann zur Belastung werden. Und in dem Versuch, es allen recht machen zu wollen, geht dann die Orientierung verloren.

Deswegen gibt der Apostel Paulus seinem jungen Mitarbeiter und Freund, Timotheus, hier einen wichtigen Rat. Er nennt ihm das Vorbild, an das er sich in seiner besonderen Situation halten kann. „Halte dich an das Vorbild der heilsamen Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe in Christus Jesus“, schreibt er. Was für eine Wohltat!

Da ist ein junger Mann in Verantwortung, der einen Mentor hat, der sich wirklich um ihn kümmert. Und er gibt ihm nicht nur ein paar Tipps für Gemeindeleitung, sondern er lässt ihn teilhaben an dem, was ihn selbst jeden Tag aufrechthält und ermutigt. Er spricht von den heilsamen Worten im Glauben und in der Liebe in Christus Jesus.

Heilsame Worte, Worte, die Balsam sind für die Seele! Gerade Menschen in Führungspositionen erleben oft genug, dass Menschen sie verletzen mit dem, was sie sagen. Und leider tun sie das oft genug mit voller Absicht. Gerade Pastoren oder Pfarrer erleben immer wieder, dass sie von ihren eigenen Leuten verbal angegriffen und regelrecht bloßgestellt werden.

Das sind schmerzhafte Erfahrungen; Erfahrungen, die blockieren, entmutigen und verhindern, dass Kreativität freigesetzt wird. Der Apostel Jakobus schreibt dazu in seinem Brief: „Auch die Zunge ist ein Feuer. Eine Welt voll Ungerechtigkeit ist die Zunge unter unsern Gliedern: Sie befleckt den ganzen Leib und setzt das ganze Leben in Brand und ist selbst von der Hölle entzündet.“ (Jak 3, 6)

Die Worte Jesu sind heilsam, heilen unsere Wunden, richten uns auf und helfen uns, vorwärtszugehen.

Jesus spricht in den Evangelien die Menschen nicht direkt auf ihre Sünden an. Sätze wie, „du hast das nicht eingehalten“ oder „du bist ein Sünder, weil…“ kommen nicht über seine Lippen. Nur den Pharisäern und Schriftgelehrten macht er massive Vorwürfe. Aber er kritisiert sie hauptsächlich wegen ihrer Herzenshaltung.

Wenn Jesus  Menschen begegnet ist, dann waren seine Worte wegweisend und ermutigend; herausfordernd immer wieder, sicher, aber immer spürbar von vollmächtiger Liebe geleitet! Jesus sagt z. B.: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, außer durch mich.“ (Joh 14,16 EU)

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Ohne mich könnt ihr nichts tun!“ (Joh 15,1)

„Kommt her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken!“ (Mt 11,28)

„Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“ (Joh 7,38)

Ich möchte diesen Rat des Apostels Paulus in mein Leben nehmen. Ich will mich nicht aufhalten und aufreiben an Worten, die mich verletzen oder verwirren sollen. Ich will auf die Worte Jesu hören, Worte, an denen ich meinen Glauben festmachen kann; Worte, die mein Herz mit Liebe erfüllen und mir Orientierung geben. Daran können wir uns halten!

Autor: Pfarrer Michael Sarembe

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Herz ist gefragt

Gott macht keine Unterschiede! Nichts, was wir sind oder tun, beeinflusst seine Haltung zu uns. Und das weder im Guten noch im Schlechten. Nichts, was wir tun, wird ihn dazu bringen, uns zu lieben. Genauso wie wir nichts dazu tun können, das ihn dazu bringen wird, uns zu hassen.

Der Apostel Paulus beschreibt dies im Römerbrief, Kapitel 10, Vers 12 so: „Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen.“

Ihm geht es nämlich in erster Linie gar nicht darum, an unserem Handeln etwas zu verändern oder zu verbessern. Ihm geht es zuerst einmal darum, eine Beziehung zu uns herzustellen. Wenn wir uns etwa wundern, dass wir mit einem Computer keine Emails verschicken können, dann hilft es nicht, die Tastatur sauber zu machen. Dann müssen wir nachschauen, warum keine Verbindung zum Internet besteht. Sonst wird keine Kommunikation möglich sein.

Gott will eine Beziehung herstellen zu jedem Menschen, ganz egal, wer er ist, wo er lebt oder welchem Volk er angehört. Niemand hat da einen Vor- oder Nachteil. Selbst Menschen, die zum auserwählten Volk Gottes, den Juden, gehören, haben hier keine Vorrechte. Es gibt keine Tradition, keine Zugehörigkeit zu einer Kirche oder Gemeinde, keine religiöse Leistung, keine besondere Fähigkeit, keinen Erfolg, der einen Menschen in den Augen Gottes in eine bessere Ausgangsposition bringen würde. Und das hängt mit dem Wesen Gottes zusammen.

„Gott ist Liebe“, so schreibt es der Apostel Johannes in einem seiner Briefe. Und Liebe nötigt niemanden. Sie sehnt sich nach Beziehung, nach Herzensnähe, inniger Verbindung. Das Motiv ist immer das Gegenüber!

So geht Gott mit uns um. Er will uns nicht manipulieren, damit wir so funktionieren, wie er sich das vorstellt. Er will unser Herz gewinnen. Und deswegen lässt er uns mitteilen, dass er für uns bereit ist. Wir sollen seinen Namen anrufen. Nicht als Bittsteller, die sich durch ein bestimmtes Verhalten oder durch Leistung ihren Zugang erarbeiten wollen, sondern als geliebte Kinder, die sich danach sehnen, in der Nähe ihres Vaters zu sein; die sich von ihm berühren, vergewissern, befreien, stärken, aufrichten lassen wollen.

Er ist reich für alle, die ihn so anrufen.

Wie rufen Sie ihn an? Wie gehen Sie auf Gott zu? Vielleicht erwarten Sie zu wenig von ihm. Ihn mit irgendetwas, was Sie sind oder tun beeindrucken zu wollen – das wird immer zu wenig sein. Aber da, wo Sie ihm Ihr Herz schenken, da wo Sie in kindlichem Vertrauen Ihr Herz ausbreiten; da wo Sie alles andere loslassen und einfach nur im Namen Jesu vor ihn treten und ihn suchen – da werden Sie seinen Reichtum entdecken. Den Reichtum eines Vaters im Himmel, der Sie so sehr viel mehr liebt, als Sie es sich vorstellen. Dann wird er in Ihnen diese Verbindung herstellen, die Beziehung zu ihm.

Danach hat Gott Sehnsucht. Das ist sein Reichtum; wenn Sie bei ihm angekommen und zuhause sind.

Autor: Pfarrer Michael Sarembe

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Fakenews?

Uralt und immer wieder ein Thema. „Du sollst kein falsches Gerücht verbreiten“ oder wie auch übersetzt werden kann: “Du sollst keine falschen Aussagen machen“. Heute kennen wir das unter dem Stichwort Fakenews.

Das 2. Buch Mose beschreibt in Kap 23 eine ganze Reihe solcher simplen und doch wirkungsstarken Aussagen. Ganz praktische Anweisungen für ein ehrliches Miteinander werden da gegeben.

Das Thema Wahrheit wird quer durch die Geschichte und Generationen zur Sprache gebracht. Unendlich viele Artikel und Aufrufe sind bisher dazu erschienen. Es scheint uns nicht loszulassen, das Thema mit der Wahrheit und der Lüge. Immer wieder brauchen wir die Ermahnung, ehrlich zu sein.

Ganz zentral steht diese Aussage auch in den 10 Geboten: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden gegen deinen Nächsten.“ Zuerst geht es um mich und den Wahrheitsgehalt meiner Botschaften. Dann erleben wir das auch von anderen.

Obwohl wir heute unendlich viele Möglichkeiten haben, Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, wird es nicht einfacher. Die Überprüfung vom Wahrheitsgehalt einer Aussage ist mitunter sehr aufwendig. In unserer schnelllebigen Zeit nimmt man sie sich oft auch nicht. Ständig neue Gerüchte. Dabei ist das mit der Wahrheit doch gar nicht so schwer. In unserem Sprachgebrauch hat das Wort „Gerücht“ schon einen gewissen Beigeschmack. Ein Gerücht ist etwas, was angezweifelt werden kann. Eine Nachricht kommt vom Hörensagen zustande.

In dem Ort, in dem ich einmal wohnte, sagte man, im Oberdorf hat die betreffende Person den Fuß verstaucht. Im Mitteldorf, da hat er sich das Bein gebrochen und im Unterdorf ist er dann schon gestorben. Ein Gerücht entwickelt eine Eigendynamik, die nur schwer zu bremsen ist.

Immer wieder beeindruckt mich die Geschichte von den drei Sieben: Eines Tages kam einer zum weisen Sokrates und war voller Aufregung. "He, Sokrates, hast du das gehört, was dein Freund getan hat? Das muss ich dir gleich erzählen." "Moment mal", unterbrach ihn der Weise. "hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?" "Drei Siebe?" fragte der andere voller Verwunderung.

"Ja, mein Lieber, drei Siebe. Lass sehen, ob das, was du mir zu sagen hast, durch die drei Siebe hindurchgeht. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?" "Nein, ich hörte es, erzählte und …“

"So, so! Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst - wenn es schon nicht als wahr erwiesen ist - so doch wenigstens gut?" Zögernd sagte der andere: "Nein, das nicht, im Gegenteil …“

"Aha!" unterbrach Sokrates. "So lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden und lass uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich so aufregt!" "Notwendig nun gerade nicht …

"Also", lächelte der Weise, "wenn das, was du mir erzählen willst, weder wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!"

Ob nun bewusst oder unbewusst Falschmeldungen verbreitet werden, die Wirkung ist verheerend. Menschen werden manipuliert. Der Wahrheitsgehalt einer Nachricht soll dann auch auf seine Wirkung überprüft werden. Schluss mit lustig wird es dann, wenn ich selbst betroffen bin. Ein tiefer Riss hat sich in das Vertrauen gezogen. Wie wir dann einander begegnen, ist eine echte Herausforderung. Die Folgen von Falschaussagen werden, je persönlicher sie sind, oft eine Spur tiefer Enttäuschung hinterlassen.

Falschmeldungen ziehen auch eine Spur der Verletzung nach sich. Vielleicht sind die Urheber solcher Infos auch nur verletzt und wollen andere verletzen. Es liegt nun an mir, diese Kette zu durchbrechen.

Autor: Pfarrer Uwe Winkler

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Stille

Für diesen Tag haben wir das Wort aus dem Propheten Zefanja: „Seid stille vor Gott dem Herrn, denn des Herrn Tag ist nahe.“

Zwei Aussagen werden hier in eine Beziehung gesetzt. Meine „Zeit der Stille“ und „der Tag des Herrn“. Für die Stille bin ich verantwortlich. Den Tag des Herrn kann ich nicht beeinflussen. Dieser Text zeigt mir jedoch, dass ich mich auf diesen Tag des Herrn vorbereiten kann.

In unserer lauten Welt ist es eine große Herausforderung, Stille zu haben. Auch wenn es ruhige Orte gibt, tönt so vieles in uns, dass es eine ganze Zeit zum Abschalten braucht. Ich spüre z. B. nach einem anstrengenden Tag, wie ich zur Stille kommen kann. Da waren die vielen Anforderungen und Termine. Meine Gedanken kreisen noch um das, was war. War es gut und was wühlt mich dabei noch auf? Ich suche die Beziehung zu Gott.

Diese Stille zu suchen, braucht eine gute Einübung. Bevor ich wirklich zur Ruhe komme, müssen sich erst einmal die ganzen Gedanken ordnen und setzen lassen. Ich erinnere mich an den Teich, der nach einem heftigen Regen aufgewühlt ist. Das aufgewühlte Wasser nimmt den Blick auf den Grund. Nach einigen Stunden haben sich die aufgewirbelten Partikel wieder abgesetzt. Dann kann ich die 60 cm durch das Wasser sehen.

Das ist für mich ein Vergleich, dass ich im Trubel des Alltags auch nicht auf den Grund sehen kann. Da ist so vieles, was aufgewirbelt wird und die Sicht nimmt. Bin ich zur Ruhe gekommen, kann ich auch viel deutlicher meinen Grund entdecken. Bei den Turbulenzen meines Lebens sehe ich bei aufgewirbeltem Bodensatz nicht die Stellen, die mir Halt geben. Da hilft ein Zur-Ruhe-Kommen, ein Stille-Werden in der Beziehung zu Gott. Meine Gedanken können sich besser konzentrieren. Ich kann dann meinen Gedanken nachgehen.

Dabei erlebe ich zwei unterschiedliche Erfahrungen von Stille. Da ist einmal eine drückende Stille. Die Zeit wird schwer. Dann kenne ich die Zeit der Ruhe, die mich erfrischt. So eine Stille ist wie ein Eintauchen in eine Geborgenheit. Ich bin zur Ruhe gekommen und das tut gut.

Unser Bibelwort aus dem Propheten Zefanja setzt „das Stille-Sein“ in diese besondere Beziehung: „denn des HERRN Tag ist nahe.“

Der Prophet Zefanja schreibt das vor gut 2600 Jahren den Menschen ins Gewissen. Der Tag des Herrn ist ein Offenbarmachen, was geschehen ist. Wir werden mit dem konfrontiert, was wir in unserem Leben geplant und durchgeführt haben. Keiner wird dem entkommen. Gott wird die Menschen zur Verantwortung ziehen, indem er wie in einem Spiegel das jeweilige Leben ablaufen lässt. Zefanja kündigt im Auftrag Gottes an, was sein wird. Dieser Tag des Herrn ist also nicht überraschend. Jeder kann sich darauf einstellen, um sein Lebensziel nicht zu verfehlen. Von daher ist es gut, wenn ich zur Ruhe und zur Besinnung komme.

Ich habe für mich immer wieder einmal bewusst diese Zeiten der Ruhe eingeplant. So kann ich lernen, auf Gott zu hören. Das ist für mich eine wichtige Erfahrung. In meiner Zeit mit Gott wird mir bewusst, worauf ich mich verlassen kann.

Die Zeitangabe „der Tag des Herrn ist nahe“ warnt vor Gleichgültigkeit. Manchmal gibt es plötzlich eine Veränderung, manchmal kommt sie langsam. Der Ausbruch der Corona-Epidemie kam auch überraschend. Wir in Deutschland hatten etwas mehr Zeit, uns darauf vorzubereiten. Wie es dann jeder für sich erlebt, ist auch nicht vorherzusagen. Die konkreten Auswirkungen sind auch sehr unterschiedlich und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Innehalten, überlegen und orientieren, was ist wirklich wichtig, kommt in diesem Bibelwort auf den Punkt.

Schaffen wir es, die aufgewühlte Situation zu klären? Mir ist dabei wichtig geworden, die Chance einer echten Gottesbegegnung wahrzunehmen. Heute wird es dann für mich ein guter Tag des Herrn, weil ich Jesus in meinem Leben vertraue. Ich weiß, ich darf mit seiner Barmherzigkeit rechnen.

Autor: Pfarrer Uwe Winkler

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Hiobsbotschaften

Hiobsbotschaften haben wir in diesem Jahr viele gehört. Das Corona-Virus hat sie uns gebracht. Unvorstellbares wurde Realität: Die Grenzen Europas wurden geschlossen. Schulen, Kindergärten waren zu. Gottesdienste konnten in den Kirchen nicht mehr stattfinden.

Das gab es noch nie in der ganzen christlichen Geschichte. Doch zum Schutz unseres Nächsten und uns selbst wurde dies notwendig. Betriebe schlossen und der Urlaub für das Jahr 2020 ist passé oder steht auf der Kippe. Und die Hiobsbotschaften wurden bei vielen Menschen noch viel konkreter: Der Bruder oder die Großmutter im Krankenhaus auf Intensiv oder gar tot. Der eigene Betrieb, die Firma, kämpft ums Überleben. Der finanzielle Ruin steht vor Augen. Was in vielen Jahren mühsam aufgebaut wurde, ist kurz vor dem Aus. Ja, Hiobsbotschaften haben wir viele gehört.

Aber Hiobsbotschaften, woher kommt denn dieses Wort? Die Bibel erzählt uns von Hiob. Hiob war ein frommer Mann, er war sehr reich, hatte große Herden, viel Besitz und eine glückliche Familie – 10 Söhne und 3 Töchter. Doch an einem Abend geben sich viele Botschafter die Türklinke in die Hand und einer nach dem andern beginnt zu erzählen, was geschehen ist.

Unfassbares ist geschehen! Der ganze Besitz von Hiob, alle Herden, Schafe, Rinder, Kamele, alles ist weg, von Feinden geraubt. Und dann kommt das Schlimmste: Die Kinder! Alle 10 Söhne und 3 Töchter sind tot, in einem fürchterlichen Unwetter umgekommen. Der reiche Hiob ist plötzlich arm, bettelarm. Wie reagiert er? Er zerreißt seine Kleider zum Zeichen tiefer Trauer. Und dann sagt er: Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren (Hiob 1, Vers 21) Und dann lobt er Gott.

Wenn uns das Corona-Virus und die ganzen Hiobsbotschaften etwas lehren können, dann doch dies: Unsere scheinbar so sicher aufgebaute Welt, unser kleines Paradies auf Erden, ist brüchig geworden. Es hat Risse. Der Wohlstand, auf den wir uns verlassen, ist unsicher. Ja, nackt sind wir geboren worden und das letzte Hemd hat keine Taschen. Nichts können wir mitnehmen!

Was macht dann unser Leben aus? Was ist wichtig? Was gibt uns Halt? Das sind die Fragen des Corona-Virus an uns. Und unsere Antwort?

Hiob dankt Gott: Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, gelobt sei der Name des Herrn. So Hiob. (Kapitel 1, 21)

Und wir? Nicht das Corona-Virus hält uns in seiner Hand, Nein! Er, Jesus Christus, hält die Welt in seiner Hand, und auch uns, Sie und mich! Er sagt es uns zu: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. (Mt 28,18) Was für ein Herr! Auf ihn wollen wir schauen. Diesen Herrn wollen wir loben!

Autor: Dekan Volker Teich

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Was für ein Tag!

Die Bibel erzählt uns packende Glaubensgeschichten. Samuel, der große Richter Israels, lud sein Volk nach Mizpa ein. Und tatsächlich, sie kamen alle. Die Fürsten und einfachen Leute, Groß und Klein. Es wurde eine Art ergreifender Kirchentag in Mizpa.

Im Volk spürte man, dass die Sache mit Gott bei ihnen nicht in Ordnung war. Sie bekannten vor Gott ihre Schuld und versprachen einen Neubeginn des Glaubens mit Gott. Das war ein Fest!

Doch bei diesem Kirchentag geschah etwas Unfassliches: Die Fürsten der Philister hatten Nachricht bekommen von diesem Kirchentag. Und so planten sie Furchtbares. Sie wollten das Volk Israel während des Gottesdienstes angreifen und vernichten. Unerhört! Und tatsächlich, als die Israeliten fröhlich Gott lobten, ihre Schuld bekannten, da sahen sie plötzlich die Heere der Philister um sich herum.

Sie sahen, wie die Philister mit gezogenen Schwertern immer näherkamen. Entsetzt schauten alle auf Samuel und schrien: „Samuel, Samuel, bete doch für uns zum Herrn!“ Samuel kniete nieder und betete. Er stand auf, nahm ein Tier und opferte es auf dem Altar. Die Philister schien dies nicht zu beeindrucken. Sie rückten noch näher. Als sie zum Sturm auf das Volk Israel ansetzen wollten, brach plötzlich ein gewaltiger Gewittersturm los. Ein Gewitter, wie es kaum jemand erlebt hatte. Die Philister erschraken. Schrecken hatte sie gepackt. Sie konnten nicht anders. Sie mussten fliehen. Gott hatte sein Volk errettet.

Samuel sah ein paar große Steine. Er richtete sie auf und nannte diesen Ort Eben Ezer „Steine der Hilfe“. Und dann sprach er diesen Satz: „Bis hierher hat uns Gott geholfen!“ (1. Samuel 7, Vers 12) Staunend, fast stammelnd, sagte er diesen Satz: „Bis hierher hat uns Gott geholfen!“

Ja, bei uns Christen läuft nicht alles glatt! Es stimmt nicht: Glaube an Jesus und alles ist gut. Nein, oft ist es bei uns so wie in Mizpa. Da ist die großartige Gottesbegegnung. Da haben wir eine große Erfahrung mit Gott gemacht. Aber das Dunkle in unserem Leben, das, was uns Angst macht, ist nicht einfach weg. Es ist da! Ganz dicht neben der großen Erfahrung des Glaubens ist das Bedrohliche noch da.

Wie gut, wenn wir jemanden haben. Es muss nicht gleich der große Richter Samuel sein. Nein, es reicht eine Schwester oder ein Bruder, der für uns betet. Und wenn wir selbst gar nicht mehr beten können, dieser Bruder und diese Schwester beten. Und wie oft erfahren wir es dann auch: Gott ist mitten in der Dunkelheit da. Der gute Hirte Jesus hält uns mitten in der Dunkelheit in seiner Hand.

Und wie oft dürfen wir es dann auch staunend sagen: „Bis hierher hat mich Gott gebracht!“ Staunend darf ich dann die Geschichte meines Lebens durchgehen und überall Spuren Gottes entdecken.

Samuel richtet Steine auf. Eben Ezer nannte er diesen Ort: Hilfssteine. Haben Sie auch solche Hilfssteine? Schauen Sie sich doch einmal Ihre Wohnung oder Ihr Zimmer an. Gibt es da nicht Gegenstände, die Sie an die Hilfe Gottes in Ihrem Leben erinnern? Es müssen ja nicht riesengroße Steine sein. Es kann ein Bild oder ein Buch sein.

Gehen Sie es doch heute einmal durch. Ich wünsche Ihnen, dass Sie immer wieder sagen können: Ja, bis hierher hat uns der Herr geholfen, bis hierher hat mich Gott gebracht.

Autor: Dekan Volker Teich

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… und kein bisschen weise

„Sechzig Jahre – und kein bisschen weise“, so beginnt ein Lied, das Curd Jürgens einmal gesungen hat. „Sechzig Jahre – und kein bisschen weise, aus gehabtem Schaden nichts gelernt.“ Ja, so ist das – zumindest bei mir. Ich bin jetzt über sechzig Jahre alt und nehme immer noch Fettnäpfchen mit, die sich mir bieten. Wenn ich mich entscheiden muss, dann liege ich oft genug daneben. Und auf meine guten Ratschläge wartet auch keiner. Weisheit – davon fühle ich mich weit entfernt.

Und andere? Sind die weise? Doch, unsere Bundesregierung hat in der Corona-Krise immer wieder Entscheidungen getroffen, die ich weise fand. Bei den Politikern im Allgemeinen gibt es aber auch viel Hauen und Stechen und Profilierungssucht. Und andere weise Menschen? Erst einmal fällt mir keiner ein. Doch, meine Schwiegermutter. Sie hatte eine Weisheit, die zeigte sich weniger in einem riesigen Wissen. Sondern es war eine Herzensweisheit. Sie hatte ein gutes Gespür dafür, wann ein Mensch Trost und Beistand brauchte, und wann auch einmal eine feste Ansage. Bei ihr habe ich mir gern Rat geholt.

Was ist das überhaupt, Weisheit? Die Bibel erklärt sie im Buch der Sprüche so: „Wenn du nach Vernunft rufst und deine Stimme nach Einsicht erhebst, dann wirst du die Erkenntnis Gottes finden. Denn der Herr gibt Weisheit, und aus seinem Munde kommt Erkenntnis und Einsicht“ (Sprüche 2, Verse 3, 5b und 6).

Vernunft und Einsicht führen zur Erkenntnis. Vernunft ist für mich, wenn ich nur auf die Sache schaue, wenn ich persönliche Empfindlichkeiten außen vor lasse. Und Einsicht? Dazu gehört für mich, dass ich bereit bin, Ansichten von mir in Frage zu stellen. Dass ich sagen kann: Stimmt, wenn ich es so bedenke, dann muss ich meine Meinung ändern. Vernunft und Einsicht kommen, wenn ich bereit bin, von mir abzurücken. Wenn ich bereit bin, auch andere zu hören.

Die Bibel ermutigt mich: Höre doch auf Gott! Wenn du nach Vernunft – zu Gott – rufst, und wenn du – Gott – nach Einsicht fragst, dann wird er dir antworten. Dann wird er dir die Erkenntnis und die Einsicht schenken.

Ja, so erlebe ich es immer wieder. Ich bete zu Gott und frage ihn, wo ich nicht weiterkomme. Ich lese in der Bibel und suche darin Antworten auf Fragen, die mich umtreiben. Und ich finde Antworten. Es sind nicht immer die Antworten, die ich gerne hören möchte. Aber wenn ich sie umsetze, habe ich jedes Mal den Segen gespürt, der darin liegt.

„Sechzig Jahre – und kein bisschen weise, aus gehabtem Schaden nichts gelernt.“ Nein, so soll es nicht bleiben. Ich wünsche mir, dass ich lerne, mehr innezuhalten, mehr zu fragen. Vor allem: mehr Gott zu fragen. Und ich darf mich freuen, was er mir für Erkenntnisse schenkt.

Ich merke: Ich selbst brauche nicht weise zu sein. Denn das könnte mich eitel machen. Aber ich will eine Fragende bleiben. Und ich weiß, an wen ich mich mit meinen Fragen wenden kann: an Gott, meinen weisen Ratgeber.

Autor: Dorothee Döbler

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Geben oder nicht geben?

Ich wohne in Berlin. Jeden Morgen fahre ich mit der U-Bahn in die Innenstadt zur Arbeit. Da begegne ich ihnen – den Obdachlosen, den Bettlern, den Musikern. Und jeder wünscht sich ein paar Cent von mir.

Da gibt es den Querflötenspieler, ein etwas älterer Herr. Ich staune immer wieder, dass er auch schon morgens um halb acht seine Arbeit in der U-Bahn beginnt! Er spielt Musik zum Genießen, und ich mache die Augen dabei zu. Weil ich selbst Querflöte spiele, ist es mir eine Musikerehre, ihm etwas zu geben.

Dann kommt ein junger, verlotterter Mann: „Ham Sie mal ein paar Cents? Ich hab heute noch nicht gefrühstückt.“ Na, ob das stimmt? Es gibt so viele Angebote für Obdachlose in Berlin, wo sie kostenlos essen können. Und unterstütze ich mit einer Gabe nicht die Lebensweise dieses Menschen? Der ist noch so jung! Warum nimmt er nicht die Hilfe der Sozialarbeiter an und findet in das geregelte Leben zurück?

Beim Umsteigen treffe ich die Frau, die auf den Treppenstufen der Unterführung sitzt und singt. Sie könnte zum Volk der Sinti und Roma gehören. Ihr Gesang ist nicht schön, aber sehr inbrünstig. Und ich höre heraus, dass es gesungene Gebete sind. Wie hält diese Frau es nur durch, auf der zugigen Treppe zu sitzen und dann auch noch zu singen? Dass sie nicht schon nach einer halben Stunde heiser ist?!

Und manchmal treffe ich auch die Junkies, die Drogenabhängigen, die schon zittern, weil sie Nachschub brauchen. 

Alle wollen Geld von mir. Alle brauchen es. Brauchen sie es? Oder unterstütze ich damit nur einen Lebenswandel, der ihnen nicht guttut. Der ihnen sogar schadet? Weiß ich denn wirklich, was ihnen guttut und was ihnen schadet?

Soll ich jedem etwas geben? Dafür sind es zu viele! Sind sie das wirklich? Wenn ich jedem 20 Cent gäbe, dann wäre das – wenn ich ehrlich bin - für mich persönlich finanziell zu verschmerzen.

„Wer sich des Armen erbarmt, der ehrt Gott“, heißt es im Buch der Sprüche. - Wer sich des Armen erbarmt, der ehrt Gott. Das soll heißen: Wer dazu beiträgt, dass der Arme nicht mehr arm ist, der ehrt Gott.

In der Schöpfungsgeschichte der Bibel steht: Gott schuf den Menschen zu seinem Ebenbild. Darum begegnet mir in jedem Menschen das Ebenbild Gottes, egal wie er aussieht, egal in welcher Lebenssituation er sich gerade befindet.

Ich merke: Es verändert meinen Blick auf die Menschen, die mich in der U-Bahn anbetteln. Auch sie sind ein Ebenbild Gottes. Auch sie sind Menschen, die von Gott gewollt und geliebt sind.

Und es fällt mir leichter, ihnen etwas zu geben: ein paar Münzen für ihr Auskommen, ein Lächeln für den Respekt und die Wertschätzung und ein Segenswort, im Herzen gesprochen und – wenn ich manchmal mutig bin – auch laut.

Autor: Dorothee Döbler

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Hunger nach Gerechtigkeit

Wer hungert und dürstet, soll satt werden. Ich stelle mir eine festliche Tafel vor. Blumen und Kerzen schmücken den Tisch. Mehrere Gänge werden gereicht. Und an diversen Getränken wird auch nicht gespart. Der Appetit kommt beim Essen. Köstlich ist der Duft, der von den erlesenen Speisen ausgeht. Das Auge kann sich fast nicht sattsehen an kulinarischen Kreationen der Köche. Was für ein glückseliges Gefühl stellt sich nach diesem Festessen ein! Hunger und Durst sind längst gestillt.

Dieses Glück verspricht uns Jesus in der vierten Seligpreisung seiner Bergpredigt. „Selig sind“, so beginnt Jesus. Ich kann auch sagen: Glücklich zu preisen sind die Hungernden, denn sie werden gesättigt.

Viele denken zunächst an den Hunger nach Nahrungsmitteln. Jesus dagegen spricht vom Hunger nach Gerechtigkeit. Wenn im Neuen Testament von der Gerechtigkeit die Rede ist, dann geht es oft darum, dass jemand in Gottes Augen frei von Schuld ist. Nur diese Gerechtigkeit kann vor Gott bestehen. Mit Selbstgerechtigkeit können wir uns vor Gottes Angesicht nicht blicken lassen. Die Gerechtigkeit jedoch, die Gott uns schenkt, kann vor den Augen Gottes bestehen.

Gott betrachtet uns als gerecht, weil er uns unsere Verfehlungen und unsere Schuld vergeben hat. Wir stehen vor Gott da, als hätten wir noch nie gesündigt. Wir sind rein vor ihm und gerecht.

Als Martin Luther über diese Gerechtigkeit Gottes nachdachte, ging ihm ein großes Licht auf. Er fühlte sich wie neugeboren. Er hasste nicht mehr den zornigen Gott, sondern liebte ihn von ganzem Herzen.

Nach dieser Gerechtigkeit, die Gott schenken möchte, sollen wir trachten. Jesus fordert uns auf; „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen“ (Mt. 6, 33). Die vierte Seligpreisung hat Menschen im Blick, die vor Gott frei von Schuld werden wollen.

Jesus redet hier nicht von einem einfachen „Wollen“. Er spricht von Menschen, „die hungern und dürsten“. Wenn einer Hunger hat, dann entsteht bei ihm ein großes Verlangen nach dem Essen. Er kann es gar nicht erwarten, bis er sich an den gedeckten Tisch setzen kann. Selig sind nun diese Menschen, die mit einem genauso starken Verlangen von ihrer Schuld befreit werden möchten. Wer frei von Schuld ist, ist gerecht. Mit ihm ist Gott zufrieden.

In unserem Leben kann dieses Verlangen so aussehen, dass wir erkennen, so darf es nicht weitergehen wie bisher. Da habe ich meine Familienangehörigen zu wenig geliebt. Auch gegenüber meinen Geschäftskollegen und meinem Vorgesetzten habe ich es an Liebe und Zuwendung fehlen lassen. Oder ich stelle fest, für Gott und sein Wort habe ich mir zu wenig Zeit genommen. Alles andere war wichtiger. Wenn ich das alles heute vor Gott ausspreche, dieses Verlangen und Sehnen nach Veränderung, diesen Hunger und Durst, dann gilt das Versprechung von Jesus für mich heute: „Du kannst dich glücklich preisen, denn ich werde dich satt machen“.

Jesus wird den Hunger nach Gerechtigkeit stillen. Das hat er versprochen und das trägt mich am heutigen Tag.

Autor: Pfarrer Johannes Hruby

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