ERF Plus - Wort zum Tag

Römer 12,2

Es soll einen frommen Mann gegeben haben, der keinen Fernsehapparat in seinem Hause haben wollte. Aber als er alt und allein war und auch nur noch wenig aus dem Haus gehen konnte, bestellte er doch einen. Als das Gerät angeliefert wurde und er auf dem Karton las „Fernsehen bringt ihnen die Welt ins Haus“, soll er gesagt haben: „Nehmt den Fernsehapparat gleich wieder mit, denn mit der Welt will ich nichts zu tun haben“.

Sie lächeln vermutlich über diese nette Geschichte wie ich, weil wir ja wissen, dass wir in der Welt leben und uns ihr nicht entziehen können. Die entscheidende Frage aber ist: Übernehmen wir alles, was die anderen sagen und tun, empfangen wir unsere Impulse vom  „Mainstream“  unserer Zeit, dem, was vorherrscht, oder von Gott? Der Apostel Paulus gibt uns den Rat, ja mehr noch die Anweisung: Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.(Römer 12,2).

Es muss ein „Ruck“ durch Deutschland gehen, hat der frühere Bundespräsident Roman Herzog einmal gesagt und meinte damit, aus Gleichgültigkeit und Anpassung aufzubrechen. Muss auch so ein „Ruck“ durch uns Christen gehen, damit wir uns durch Erneuerung unseres Sinnes ändern? Manchmal wünsche ich mir das auch.  Aber Paulus weiß, dass wir oft dazu zu schwach sind. Deshalb redet er im Zusammenhang unseres Gottes Wortes von der Barmherzigkeit unseres Gottes, die uns verändert.  Er will uns die Kraft geben, unseren Sinn zu erneuern und von ihm her in unserer Welt, dort wo wir leben und arbeiten, zu wirken. Wichtig ist, dass wir immer wieder uns an die Kraftquelle Gottes anschließen, um genug Energie für unser Leben zu bekommen. Als ich vor einiger Zeit in einem ICE fuhr, wurde mir das besonders deutlich: Wir saßen alle sehr gemütlich in unserem Waggon. Einige lasen, andere arbeiteten am Laptop, der Kaffee schmeckte, die Raumtemperatur stimmte.  Es war richtig schön. Allerdings standen wir schon eine halbe Stunde auf der Strecke. Als dann die Durchsage kam: „Wir bitten um Entschuldigung, wir haben einen Oberleitungsschaden“, dachte ich spontan: So ist das oft auch in unseren Gemeinden und in meinem Leben. Wir haben uns bequem eingerichtet, aber kommen nicht von der Stelle. Wenn wir uns an Gottes Kraftquelle anschließen, nimmt  auch das Leben in unseren Gemeinden und mein eigenes Leben wieder Fahrt auf in die richtige Richtung, hin zum Ziel. Gott will uns helfen, unseren Sinn zu erneuern, damit wir prüfen können, was Gottes Wille ist. Wir leben ja in einer Zeit, in der viele Informationen und Meinungen auf uns einströmen, in der die öffentliche Meinung eine große Macht hat. Die Kölner sagen so schön: „Wat krisse heute nit alles in den Kopp jeklopt“.

Wenn wir von der Energie Gottes her leben, können wir prüfen, was Gottes Wille und was gesellschaftliche Meinungsmache ist – und unser Leben dann immer wieder neu nach ihm ausrichten. Dann wird auch Gottes Wille ein Stückweit trotz aller Brüche in unserem Leben und unserer Schuld, die wir immer wieder begehen, durch uns deutlich werden: Das Gute, das Wohlgefällige, das Vollkommene. Unsere Welt braucht heute solche Menschen, Menschen die hellwach sind bei allem, was in unserer Welt geschieht, die Zeitung lesen, Nachrichten aufnehmen und  für das Geschehen in unserer Welt beten und die auch hier und da ihre Stimme erheben. Dag Hammarskjöld, der erste UNO-Generalsekretär von 1953 bis 1961, ein bekennender Christ, hat es einmal so gesagt: „Einmal hast du mich gepackt Gott – und so war mein ganzes Leben ein Leben für dich mitten in der Welt.“

 

Autor: Superintendent i. R. Rainer Kunick

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Jesaja 38,19

Unsere Kinder sollen wissen, was uns wichtig ist. Sie werden durch ihre Eltern geprägt. Es gibt so einen Satz: Das, was du tust, redet so laut, dass ich nicht hören kann, was du sagst. Reden und Tun sollen also übereinstimmen. Wie können wir unsern Kindern vermitteln, was uns wichtig ist? Mehr als Gebote und Anweisungen wirkt es, wenn sie teilhaben können an den Erfahrungen, die wir mit Gott machen. Zeugnisse von Gottes Wirken oder Eingreifen spornen eher dazu an, es selbst mit Gott zu versuchen. Menschen möchten etwas von Gottes Handeln erfahren.

Leben wir selbst von solchen Erfahrungen von Gottes Wirken und Eingreifen? Sind es immer neue Erfahrungen oder liegen sie Jahrzehnte zurück? Ihr sollt meine Zeugen sein, hat Jesus gesagt. Zeugen berichten von dem, was sie gesehen und erlebt haben. Das können kleine, alltägliche Dinge sein oder auch Großes.

Im Alten Testament lesen wir von Hiskia, dem König von Juda. Er hat einige tiefgreifende Erfahrungen mit Gott gemacht. Z.B.: Jerusalem wird von Assur belagert. Dabei werden Hiskia, die Bevölkerung von Jerusalem und ganz besonders ihr Gott verhöhnt. Sie würden erobert werden. Auch ihr Gott könne ihnen nicht helfen. Hiskia schickt in dieser Not zum Propheten Jesaja um ein Wort von Gott. Der lässt ihm eine gute Nachricht melden: Der Angreifer muss abziehen und wird ums Leben kommen. Dieser aber schickt noch eine Drohbotschaft an Hiskia. Mit dieser geht Hiskia in den Tempel. Er breitet das Schreiben vor Gott aus und ruft ihn an. Und Gott hört auf Hiskias Gebet. Da wird die Rettung bestätigt. Welch ein Wunder!

Dann aber wird Hiskia todkrank. Jesaja bestätigt ihm seinen nahen Tod. Hiskia weint und schreit zu Gott. Und dieser erhört ihn und gibt ihm fünfzehn weitere Lebensjahre. Hiskia lobt seinen Gott. All diese Erfahrungen kann er seinen Kindern weitergeben. Er sagt es im Loblied: Der Vater macht den Kindern deine Treue kund. Jesaja 38,19

Hiskia hat Gott erfahren als einen, der da ist, wenn wir um Hilfe schreien. Er ist auch da, wenn es uns gut geht. Wir haben allen Grund, ihn zu loben und zu preisen. Das sollen eben auch unsere Kinder und andere Menschen hören und miterleben. Gottes Treue muss ihnen bezeugt werden.

Unsere Nächsten bekommen natürlich auch mit, wenn wir mit Gott hadern oder er in unserem Leben keine große Rolle spielt. Wie leicht vergisst man die wunderbaren Erfahrungen. Das ist auch bei Hiskia geschehen. Sein Reichtum ist ihm zu Kopfe gestiegen. Er muss damit vor ausländischen Gästen protzen. Der Tadel, den er daraufhin von Gott erhält, lässt ihn kalt. Leider ist bei seinem Sohn und Nachfolger nicht das Lob von der Treue Gottes angekommen. Er wurde einer der schlimmsten Könige von Juda.

Wir haben es nicht in der Hand, wie unsere Kinder und Mitmenschen auf unser Reden reagieren. Aber wir können ihnen Gottes Treue und Liebe bezeugen und wir können für sie beten. Wir können mit ihnen für ihre kleinen und großen Anliegen beten. So können sie selbst diese Erfahrung machen.

 

Autor: Pfarrerin Dagmar Rohrbach

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Matthäus 5,48

Ich wollte immer eine gute Mutter sein. Ich wollte keine Fehler in der Erziehung machen. Ich habe mich informiert, Bücher gelesen, mir Gedanken gemacht. Trotzdem ist es mir nicht gelungen. Ich war nicht vollkommen. Gott sei Dank ist aus den Kindern doch etwas geworden.

Nobody is perfect. So heißt es ja und das trifft nun wirklich zu. Da stoße ich doch im Wort für heute auf den – gelinde gesagt – herausfordernden Satz: Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Matthäus 5,48 Jesus hat ihn in seiner Bergpredigt zu seinen Jüngern gesagt. Was meint er damit? Er hat doch seine Jünger gekannt und wusste, wie wenig perfekt sie waren. Das Darum zu Beginn des Satzes weist auf den Zusammenhang dieses Bibelverses hin. Den sollte man grundsätzlich immer beachten. Jesus hat in diesem Abschnitt über die Feindesliebe gesprochen. Er macht deutlich, dass jetzt nicht mehr Gleiches mit Gleichem vergolten werden soll. So tun das die Menschen von sich aus. Jesus sagte: Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen. Diese Aussage ist genauso herausfordernd wie seine Zusammenfassung im Wort für heute: Seid vollkommen.

Kinder werden von ihren Eltern geprägt auch in ihren Verhaltensweisen. So sollen auch wir uns vom himmlischen Vater prägen lassen, von ihm lernen, wie er mit den Menschen umgeht. Gott lässt allen Menschen Gutes zukommen. Viele merken es nicht oder nehmen es einfach als selbstverständlich. Die oft gestellte Frage müsste man eigentlich umformulieren: Warum lässt Gott das Gute zu? Wir haben es häufig nicht verdient.

Es ist ein Grundton in der Bergpredigt: Gott ist gut und sorgt als himmlischer Vater für seine Kinder. Ich komme deswegen nicht zu kurz, wenn ich auf Negatives nicht re-agiere. Jesus hat mich frei gemacht. Ich muss nicht mehr zurückschlagen, wenn irgendeiner mich angreift.

Aber ist das so einfach? Und gar die Forderung Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Das ist doch unerfüllbar. Wenn ich schon als Mutter nicht vollkommen war, obwohl ich es doch wollte, wie sollte dies dabei möglich sein? Da könnte man verzagen.

Auch wenn dieser Satz ganz richtig übersetzt ist, kann man ihn als Anspruch und als Zuspruch ansehen. Im Griechischen steht hier die Zukunftsform. Ihr werdet vollkommen sein. Es ist einmal als unbedingtes Gebot zu verstehen und zu übersetzen mit ‚ihr sollt‘, genauso wie im Hebräischen bei den Zehn Geboten. Aber ich denke, es darf auch mit Zukunftsform übersetzt werden: ‚ihr werdet vollkommen sein‘. Das ist typisch für Gott: Er gibt und er fordert. Aus allem, was er uns gibt durch den Heiligen Geist, ergibt sich auch die Erwartung und die Forderung, es umzusetzen. Mir hilft das Bild des römischen Brunnen. Wir empfangen von Gott zuerst: Liebe, Gnade, Barmherzigkeit und noch so viel mehr. Das, was wir empfangen, können wir weitergeben. Gott gibt jeden Nachschub. Der Zuspruch führt aber zum Anspruch. Gott will, dass seine Leute hier auffallen mit ihrem Verhalten. Sie sollen sich unterscheiden. Die sind Licht in der Welt allein durch ihre Zugehörigkeit zu Jesus. An ihrem Verhalten soll das für alle Welt sichtbar werden.

 

Autor: Pfarrerin Dagmar Rohrbach

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Jeremia 22,3

Das ist ein rechtschaffener Mensch – mein Gesprächspartner schaut mich an. Irgendwie sind wir auf das Thema gekommen, was wir von einigen unserer Bekannten halten. Ich kenne den, über den wir da gerade reden, ebenfalls. Ehrlich und anständig – so schätze ich ihn ein. Wer sich auf den verlässt, ist nicht verlassen. Ich erinnere mich an Begegnungen mit diesem Menschen und denke im Stillen: wie gut, dass ich ihn kenne.

Kurze Zeit später auf dem Nachhauseweg  kommt mir das Gespräch noch einmal in den Sinn. Die Gedanken beginnen zu kreisen und plötzlich bin ich bei der Frage gelandet: wie ist das eigentlich bei mir? Bin ich ein rechtschaffener Mensch? Ich bleibe bei dem Wort hängen und sinniere: was ist eigentlich rechtschaffen wirklich – Recht schaffend – also: schafft da jemand Recht? Und wenn ja – wem?

Ich kam an diesem Tage nicht zu einer Antwort, der Alltag verdrängte den Gedanken. Einige Zeit später traf ich Abdul, einen jungen Mann aus Afghanistan, der seit einigen Monaten in einer Sammelunterkunft im Nachbarort untergebracht ist. Eine Familie aus unserer Gemeinde engagiert sich für die Menschen dort, etwa 30 Männer aus unterschiedlichen Ländern leben da zusammen. Abdul hat sich einladen lassen, in unsere Gemeinde zu kommen. Er besucht Gottesdienste und einen Bibelkreis, hat Kontakt zu einigen Familien und versucht, beim Treff nach dem Gottesdienst sein Deutsch zu verbessern. Er interessiert sich für den Glauben an Jesus, hat angefangen, in der Bibel zu lesen, die wir ihm in seiner Sprache besorgt haben und betet.

Abdul ist traurig an diesem Tag. Seine Frau und sein Kind sind noch in Afghanistan und warten auf die Ausreise. Einer der Verwandten ist umgekommen. Er ist hier und hat Papiere auszufüllen, die er nicht versteht. Jetzt schaut er mich an. „Kannst Du mir Recht schaffen?“ Er hält mir den Packen Papiere hin, der ihn zur Verzweiflung gebracht hat und meint, ob ich ihm beim Ausfüllen helfen kann. Seltsam, dass er ausgerechnet diesen Satz dafür gebraucht. Ich merke schnell, dass ich mit den Formularen selbst an Grenzen komme. Was ist wirklich gemeint, welche Angaben sollen wohin, manche Fragen bleiben einfach offen. Kann ich ihm Recht schaffen? Ich muss gestehen, dass ich die Frage mit „Nein“ beantwortet habe. Kann ich nicht. Ich kenne aber jemand, der sich mit diesen Formulardingen schon häufiger auseinandergesetzt hat. Ein Telefonat später ist ein Termin vereinbart, der Bekannte will sich drum kümmern.

Wochen später treffe ich Abdul nach dem Gottesdienst bei einer Tasse Kaffee. Er strahlt mich an. „Du hast geholfen!“, sagt er, „wie gut, dass ich dich kenne!“. Seine Frau und sein Kind dürfen ausreisen, seine Anerkennung ist durch, er darf bleiben. Ich freue mich mit ihm und bin etwas verschämt. Ich habe doch gar nichts gemacht. Noch nicht einmal mit den Formularen kam ich richtig zurecht. Ich habe nur die Verbindung zu einem hergestellt, der es besser konnte als ich.

Da lese ich in einer stillen Minute in meiner Bibel vom Volk Israel. Das Land lag damals wie ein Korn zwischen zwei Mahlsteinen. Im Süden und Norden zwei verfeindete Völker. Auf wessen Seite sollte es sich schlagen? Gott hat durch seine Propheten klare Hinweise gegeben, die Führung des Volkes ging andere Wege. Falsche Entscheidungen wurden getroffen und dumme Koalitionen eingegangen. Auch die Führung im Innern des Landes stimmte nicht mehr. Die Reichen wurden immer Reicher auf Kosten der Armen. Korruption und Machtgier, Flucht, Vertreibung und Deportation waren an der Tagesordnung. Es hat sich nicht viel geändert in dieser Welt, so denke ich  mir.

Die Gedanken von vor Wochen kommen mir wieder in den Sinn. Vielleicht ist das ja ein erster Schritt, rechtschaffen zu sein, das Naheliegende zu tun und die Augen nicht zu verschließen.

Ich mache Ihnen Mut, das heute zu probieren und spreche Ihnen dazu ein Wort zu, das ich im Buch des Propheten Jeremia gefunden habe: (Jeremia 22,3) So spricht der HERR: Schafft Recht und Gerechtigkeit und errettet den Beraubten von des Frevlers Hand und bedrängt nicht die Fremdlinge, Waisen und Witwen und tut niemand Gewalt an.

Autor: Werner Bücklein

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Kolosser 3,16

Es klingelt an unserer Haustür, es ist kurz nach sieben. Das kann nur unser Enkel sein, der seit einigen Monaten mit seiner Familie im Nachbarhaus wohnt. „Bei euch schmeckt das Frühstück besser“, hat er einmal gesagt und kommt nun beinahe jeden Morgen. Ich decke schon ganz automatisch für ihn mit, wenn ich den Frühstückstisch richte, koche ihm den Tee, den er so gerne trinkt. Es ist schon beinahe so, als würde er bei uns wohnen, wenn er immer mal wieder bei uns übernachtet. Das ist auch sehr schön, wenn abends kurz gefragt wird: „Wo möchtest du schlafen heute Nacht?“ und er dann die Auswahl hat, ob er hüben oder drüben zur Haustür hineingeht. Er kommt mit einer Selbstverständlichkeit, wie sie eben in vielen Familien da ist.

Ich weiß nicht, ob der Apostel Paulus solch ein Bild vor Augen hatte, als er den Kolosserbrief geschrieben hat. Er schreibt den Menschen, wie das mit Jesus ist, der gestoben, auferstanden und in den Himmel gefahren und der jetzt mitten unter uns mit seiner Kraft gegenwärtig ist. Er beschreibt die neue Art zu leben der Menschen, die an Jesus glauben. Wie sie böse und schädliche Verhaltensweisen ablegen und gute Gewohnheiten einüben. Oder, um es auf den Punkt zu bringen: er schreibt, wie ein Leben gut wird und gelingt. Manches in seinem Brief ist recht anspruchsvoll und nicht immer gleich und schon gar nicht einfach umzusetzen, etwa dann, wenn er den Leuten mit auf den Weg gibt: Lasst euch nicht mehr zum Zorn und zu Wutausbrüchen hinreißen. Schluss mit aller Bosheit! Redet nicht schlecht übereinander und beleidigt niemanden!  Hört auf, euch gegenseitig zu belügen. (Kolosser 3, 8+9).  Ihr seid doch Gottes geliebte Kinder, die zu ihm gehören. Darum soll jetzt herzliches Mitgefühl euer Leben bestimmen, ebenso wie Güte, Bescheidenheit, Nachsicht und Geduld. Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig. (Kolosser 3, 12+13).  

Ich sehe die Leute in Kolossä buchstäblich die Backen aufblasen. Puh! Wie soll das auf Dauer gehen? Wer das schon mal probiert hat, wird gemerkt haben, dass der Vorsatz schnell gefasst, das Umsetzen in die kleine Münze des Alltags aber ganz schön herausfordernd sein kann. Als ob Paulus die fragenden Blicke der Empfänger seines Briefes geahnt hätte, gibt er ihnen gleich noch einen Tipp, wie das gelingen kann. Er sagt: Lasst jemand bei euch wohnen. Macht ihm die Türe auf und bittet ihn herein. Er soll an eurem Tisch sitzen wie einer aus der Familie und soll mit einer Selbstverständlichkeit da sein, wie es nur bei engen Vertrauten vorkommt. Paulus sagt das so: Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit. (Kolosser 3, 16) Aus diesem guten Wort Christi erreichen mich Impulse, die meinen Alltag verändern. Hier lese ich von Mut und Trost, freue mich über einen Zuspruch des Segens Gottes und immer wieder auch Veränderung meines Denkens und Handelns.

Das Wort Christi soll reichlich bei mir wohnen - ich merke an meinem eigenen Alltag, dass auch das gar nicht so einfach ist. So manches Mal bin ich wie überrollt von den alltäglichen Dingen, dass ich erst am Nachmittag merke: Ich habe ja noch gar keine Bibel gelesen. Dabei suche ich doch die Nähe Gottes, möchte, dass er mich anspricht und berührt. Wie gut, dass ich die Losungen in meiner Terminmappe abgeheftet habe! Wie gut, dass die Bibel auf meinem Schreibtisch liegt.  Ein paar Minuten Zeit kann ich immer dafür frei machen, am besten am Morgen, wenn ich den Tag richte wie einen Frühstückstisch. Pünktlich kurz nach 7 klingelt dann unser Enkel an der Haustür. Selbstverständlich bitte ich ihn herein und nehme mir Zeit für ihn – warum nicht auch für das gute Wort des lebendigen Gottes?

 

Autor: Werner Bücklein

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Psalm 13,6

Mit dieser Freude  bekommen wir ein  nachhaltiges Lebensprinzip  für unseren weiteren Weg durch dieses Jahr. Vielleicht brauchen Sie ja jetzt den Frühling für Ihre Lebenskraft. So mancher hat zu Beginn dieses Jahres neue Vorhaben zur Lebensgestaltung geplant.. Aber bald sind die gutgemeinten Entschlüsse für ein angeblich besseres Leben schon längst Vergangenheit geworden. Ein Grund dafür ist dieser: Unser Verstand sagt uns schon ziemlich klar, was besser und hilfreich für unsere Lebensgestaltung ist.  Aber wenn Sie nach einer Entdeckung des Wichtigen sagen „Eigentlich …“, dann ist der gute Entschluss schon gestorben. Weil Ihr Herz nicht dabei war und  auch, weil Sie alleine eine Veränderung versuchten.

Aber die Lösung  für dieses Problem wird uns in dem Satz des Tages aus dem Alten Testament gezeigt; da steht: „Mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst. Und ich vertraue darauf, dass du so gnädig bist.

Diese beiden Sätze sind ein Gebet. Sie sind nachzulesen  im Psalm 13. Derjenige oder diejenige, der da betet, befindet sich in der Lebensverbindung des Glaubens im Vertrauen auf Gott. Diese Zweierbindung ist echt stark und nachhaltig. Ausgerechnet dieser Psalm mit der „Glückszahl“ 13 ist ein Gebet in einer Krisensituation: Wo ist denn Gottes Hilfe angesichts von Anfeindung und Kritik?

Aber dieses Gebet verliert sich nicht im Jammern und in trüben Gedanken. Nachdem die Krisensituation  ausgesprochen wurde, kommt das große Aber: „Ich vertraue darauf, dass du, Gott, mir gnädig bist.“ Das, was hier geschieht, wird in der Psychologie z. B. als Resilienz bezeichnet. Das ist die Fähigkeit von uns, Widerstandskraft gegen das Negative zu haben und sie positiv anzuwenden: Sei mutig und stark! Denn Gott ist mit dir!  Und schon ist die Lage verändert.

Und das Gebet lautet dann: „Gott ich freue mich, mein Herz freut sich, weil du so gerne hilfst.“

Diese Freude, welche Gott uns in der Glaubensverbindung schenkt, ist wie ein Herzschrittmacher.  Im medizinischen Bereich sendet  dieser  Stromstöße in die Herzmuskeln, damit das regelmäßige Schlagen des Herzens im Takt bleibt.  Auf  jeden Fall sind es Impulse von außen, die in das Herz hineinwirken. Drei Jahrhunderte bevor diese medizinische Hilfe für das biologische Herz erfunden wurde, hatte Paul Gerhard in dem Weihnachtslied gedichtet: Fröhlich soll mein Herz springen vor Freude. Weil Jesus Christus geboren ist und nun heute für uns da ist.  Der Ort seines  Wirkens  ist nun nicht das biologische Herz, sondern das geistliche Herz als  die Mitte unseres  persönlichen Lebens.

Dazu sagt Jesus Christus: Euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Diese Freude ist nicht oberflächlich und auch  keine aufgesetzte Fröhlichkeit. Dieses Geschenk hat daher seinen besten Platz in unserem Herz. Die Freude entsteht und lebt  durch tröstende und ermutigende Gedanken der Bibel. Dadurch wird unser geistliches Herz mit Nahrung versorgt und gestärkt. Damit finden wir in Lebenskrisen und Herausforderungen, aber  auch im Alltag Halt und Orientierung.

Im 2. Timotheusbrief finden wir ein Beispiel, wie Gott dafür sorgt, dass diese Freude über Jesus in unserem Leben ankommt. Ich gebe diesen Satz in der Gegenwartsform wieder: Gott gibt uns nicht den Geist der Furcht, sondern seinen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

 

Autor: Pfarrer Heinz-Günther Brinken

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Römer 13,10

Denn es geht um alles, was Menschen brauchen. Und es ist das Beste und Endgültige, was Gott uns gibt, nämlich dieses: Glaube Hoffnung und Liebe. Aber die Liebe ist die größte unter ihnen.  

Diese Gedanken  des Apostels Paulus sind vielen Menschen unterschiedlichen Glaubens bekannt. Im 13. Kapitel des  Römerbriefes lesen wir  im 10. Vers:  „Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses.“ 

Dieser Satz überrascht mit seiner Einfachheit. Und er hat beim ersten Lesen vor einigen Wochen  bei mir diese Frage ausgelöst:  Lieber Paulus, ist das jetzt der Minimalkonsens für menschliche Gemeinschaft?  Oder könnte man das nicht besser positiv ausdrücken? Wie wäre es damit: „Die Liebe sagt: Seid nett zueinander“?  Oder sollen wir rufen: Aber das Wichtigste ist doch die Nächstenliebe!

Natürlich brauchen wir ein Minimum an Regeln, um auf rein menschlicher Ebene miteinander umzugehen. Aber das reicht nicht aus. Und tatsächlich hat dieser einfache Satz von Paulus eine Fortsetzung, nämlich diese: „Die Liebe ist des Gesetzes Erfüllung.“ Mit dem Gesetz sind die Gebote Gottes gemeint.  In dem kurzen Abschnitt am Ende von Römer 13 erinnert Paulus zunächst an einige der  zehn Gebote, welche das Zusammenleben regeln. Genannt wird dabei die eheliche Treue sowie ein Nein zu Diebstahl  und zu Neid und Begehrlichkeit.

Im Denken der Bibel ist Liebe  mehr als schöne Gefühle. Denn die  Liebe wirkt um Gottes Willen konkret in der Gestaltung unseres  Lebens: Liebevolle Zuwendung im Zusammenhang mit den zehn Geboten. Diese sind bereits Grundlage des ersten Bundes Gottes mit dem Volk Israel gewesen. Diese wurden nun durch Jesus Christus im zweiten Bund Gottes für uns neu bestätigt.

Gott liebt uns in und durch Jesus Christus. Diese Liebe gießt er durch den Heiligen Geist in unsere Herzen. Weil das im Glauben an ihn so geschehen ist,  können wir auch lieben. Und mehr braucht es nicht. Denn wer liebt, schreibt der Apostel Paulus, erfüllt das ganze Gesetz. Es ist die Liebe, wie sie Jesus versteht und wie Paulus im Römerbrief von ihr schreibt.

Wir sind es gewohnt, Liebe nur als ein Gefühl anzusehen, doch Paulus spricht von der Liebe nicht als Gefühl,  sondern er spricht von der Liebe als Arbeit. Denn das kann es ja manchmal sein, wenn wir versuchen, Gottes Gebote zu halten. Uns fliegt das nicht zu, sondern wir müssen  daran arbeiten. Wir  fragen, was Gott in einer bestimmten Situation von uns möchte. Wege überlegen, wie Gottes Wille zu befolgen ist. Und dann die Gedanken auch noch in die Tat umsetzen. Manchmal gegen das, was ich mir wünsche oder auch was ich fühle. Denn meine Wünsche und auch meine Gefühle können ja falsch sein. Doch die Liebe, wie Jesus sie uns vorgelebt hat, diese Liebe Christi kann nicht falsch sein.

Eine Kontrollfrage im Qualitätsmanagement lautet: Was hindert Sie, dies oder das zu tun? Was hindert es uns, diese Liebe zu erwidern? Einzugehen auf diesen großen Liebesvorschuss? Entscheidend ist immer die Bitte aus einem  Lied: „Nimm Gottes Liebe an, du brauchst dich nicht allein zu mühn.“ Ja, so ist es!  Gottes liebe kann nicht nur, sie wird Kreise ziehen in unserem Leben.

 

Autor: Pfarrer Heinz-Günther Brinken

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1. Mose 28,16

Jakob ist auf der Flucht. Vielleicht sollte ich besser sagen, er macht sich vorsichtshalber rar. Jakob hat sich das Erstgeburtsrecht und den väterlichen Segen mit Tricks und Schwindeleien ergaunert. Jetzt muss er sich vor seinem Bruder Esau in Acht nehmen, denn der ist mächtig sauer.

Mutter Rebecca hält es für weise, dass Jakob für eine Weile verschwindet. Sie rät ihm, die Verwandtschaft im fernen Haran aufzusuchen, bis Esau sich beruhigt hat. Dann soll Jakob zurückkommen.

Jakob folgt dem Rat seiner Mutter und macht sich auf den Weg. Sein Weg führt ihn durch das Land Kanaan bis nach Mesopotamien. Unterwegs träumt Jakob. Er sieht eine Leiter, die in den Himmel ragt und auf der Engel auf- und absteigen. Gott spricht im Traum zu Jakob. Er stellt sich ihm vor als der Gott seines Vaters Isaak und seines Großvaters Abraham. Dann verheißt Gott Jakob, dass der Boden, auf dem Jakob ruht, später einmal seinen Nachkommen gehören wird.

Im 1. Buch Mose 28,16 heißt es: „Als Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht!“ 

Mit anderen Worten: Jakob wird sich bewusst, dass er bis dahin etwas nicht wahrgenommen hat, nämlich die Gegenwart des allmächtigen Gottes. Ich finde das in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert.

1. Hier in Bethel hat Jakob seine erste Gottesbegegnung. Bis zu diesem Zeitpunkt ist Gott, der Herr, nur der Gott seiner Vorfahren, Isaak und Abraham gewesen. Das ändert sich in dieser Nacht. Gott spricht direkt zu Jakob. Er macht Jakob eine Verheißung.

2. Die weitere Reise nach Mesopotamien erfolgt ab jetzt unter anderem Vorzeichen. Gott verspricht Jakob, dass er ihn unterwegs bewahren und sicher wieder zurück in die Heimat bringen wird.

Wie in den folgenden Kapiteln des 1. Buchs Mose nachzulesen ist, hält sich Gott an sein Versprechen. Jakob erreicht Wochen später seine Verwandtschaft und wird dort herzlich aufgenommen. Er gründet eine Familie und baut sich mühsam eine eigene Existenz auf. Jakob erlebt Gottes Wohlwollen.

Soweit die Geschichte von Jakob. Ich habe mich gefragt, ob ich auch einen solchen Meilenstein in meinem Leben gehabt habe. Einen Moment, von dem ich – wie Jakob – sagen kann: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht! – Ich habe nie eine Vision gehabt. Mein Glaube ist eher nüchtern als euphorisch. Und doch kann ich sagen: Es gibt mehrere Momente in meinem Leben, von denen ich behaupte, dass Gott gegenwärtig gewesen ist. Diese Erfahrungen sind mir sehr nahe gegangen. Sie haben mein Leben nachhaltig und in guter Weise geprägt.  

Wie ist das bei Ihnen? Können Sie ein solches Erlebnis in Ihrem Leben benennen? Gibt es in Ihrer Biographie einen Moment, an dem aus dem Gott der Väter Ihr eigener Gott wurde? Ich meine diesen Aha-Moment, an dem der Glaube an Gott und die Erlösung durch Jesus Christus für Sie persönliche Wirklichkeit geworden sind?

Jakob hat sein Zuhause verlassen müssen. Unterwegs muss er sich ziemlich entwurzelt vorgekommen sein. Daheim gab es keinen Platz für ihn. Er war Zuhause nicht mehr willkommen. Die Verwandten waren weit weg in einem fremden Land. In dieser Situation begegnete ihm der Allmächtige.

Ich kenne Ihre Lebensumstände nicht. Vielleicht sind auch Sie unterwegs. Sie fühlen sich entwurzelt, vielleicht auch missverstanden. Möglicherweise müssen Sie Ihre Situation einem groben Fehlverhalten zu schreiben, dass Ihnen passiert ist. Letztendlich spielt es keine Rolle, warum Sie unterwegs sind. Wichtig ist, dass Sie eine Antwort auf die Frage geben können: Ist Gott, der Herr, der Gott meiner Väter oder ist er auch mein Gott, mein Herr und Heiland? 

 

Autor: Wolf-Dieter Kretschmer

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Psalm 32,3.4.5

Wenn ich als Kind etwas angestellt hatte, dann fiel es mir schwer, beispielsweise meiner Mutter in die Augen zu schauen. Meine Schuld drückte sehr aufs kindliche Gewissen. Selbst heute noch ertappe ich mich dabei, dass ich schuldbewusst den Blick senke, wenn ich etwas falsch gemacht habe.– Die kindliche Prägung wirkt erstaunlicherweise bis heute.

Deshalb kann ich den König David gut verstehen, wenn er im zweiten Bußpsalm folgende Worte findet:

„Da ich meine Übertretungen verschweigen wollte, verschmachteten meine Gebeine. Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir. Darum bekannte ich dir meine Sünde“, Psalm 32,3.4.5.

Bei David war es sogar noch einen Zacken schärfer. Bei ihm hatte das schlechte Gewissen gesundheitliche Auswirkungen. So verstehe ich es, wenn David davon spricht, dass seine Gebeine verschmachteten.

Unbewältigte Schuld kann tatsächlich negative Folgen nach sich ziehen. Sie kann Beziehungen belasten, ja, sogar dauerhaft schädigen. Unbewältigte Schuld ist wie ein langsam wirkendes Gift. Auf die Dauer zerstört sie das Leben.

Und warum setze ich mich immer wieder diesem Gift aus? Warum mache ich nicht kurzen Prozess – oder sollte ich besser sagen: reinen Tisch?

Die Antwort ist genauso unangenehm. Ich bin ein stolzer Mensch. Mich behindert mein eigener Stolz. Ich habe keine Lust zuzugeben, dass sich mich schuldig gemacht habe. Lieber suche ich angestrengt nach einer Ausrede  … und verrenne mich immer weiter, so wie es König David getan hat.

„Deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir“, sagt David und meint damit Gott. Schuld wirkt in mehreren Dimensionen: Zum einen in der Horizontalen, bei dem Menschen, an dem ich schuldig geworden bin. Aber sie wirkt auch in der Vertikalen, in Richtung Gott. Das hat damit zu tun, dass begangene Schuld häufig auch eine Übertretung eines Gebotes Gottes ist.

Ein Beispiel: Wenn ich jemanden belüge, bin ich einem Menschen gegenüber nicht nur unwahrhaftig, sondern breche auch eines der 10 Gebote, nämlich: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden“.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich nicht eher ruhig werde, bevor ich nicht das aus der Welt geschafft habe, was mich belastet. Und zwar in zwei Richtungen: Gegenüber dem, an dem ich schuldig geworden bin und gegenüber Gott.

Wie soll ich das anstellen, frage ich mich. Auch darauf hat David eine Antwort. Einige Verse weiter, in Psalm 32, Vers 8, lässt er Gott zu Wort kommen. Er sagt: „Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.“

Mit anderen Worten, ich brauche nur auf Gott zu achten. Wenn ich mich sensibel für seine Sicht mache, werde ich erkennen, was als Nächstes zu tun ist.

Und damit bin ich wieder bei meiner Kindheit: Ich brauchte meine Mutter nur aufmerksam anzuschauen und ich wusste, was zu tun war bzw. wie ich mich zu verhalten hatte. Die Redewendung „ein vielsagender Blick“ trifft bei uns zu Hause zu.

Ich lade Sie ein, es heute David gleich zu tun: Suchen Sie das Gespräch mit Gott. Bekennen Sie ihm Ihre Schuld und – wenn es einen Menschen gibt, dem Sie Unrecht getan haben – klären Sie auch das. Machen Sie reinen Tisch. Erleben Sie, was es heißt, Vergebung zu empfangen.

Autor: Wolf-Dieter Kretschmer

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1. Thessalonicher 5,9

Der Tag des Herrn wird kommen - davon waren die Christen überzeugt, denen Paulus den ersten Thessalonicherbrief zusandte. Umgetrieben waren sie aber von der Frage, wann das geschehen wird, wann Jesus wiederkommen wird. Paulus bestätigt sie in dem, was sie schon wissen: Jesus wird kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. So hatte es Jesus selbst schon verkündet und das hatte er ihnen darum auch so weitergegeben. Doch auch später sind in der Geschichte der Christenheit immer wieder voreilige Spekulationen und Berechnungen im Blick auf die Wiederkunft Christi angestellt worden. Das geschah nicht nur von Sektenpredigern, sondern auch von so ehrenwerten Christen wie Johann Albrecht Bengel oder Friedrich von Bodelschwingh. Warum eigentlich? Reichte ihnen die Auskunft unseres Herrn nicht aus, dass wir uns um den Zeitpunkt seiner Wiederkunft keine Gedanken machen sollen, dass wir aber jederzeit dafür bereit sein sollen, dass er wiederkommt?

Vermutlich ist es die beklemmende Vorahnung eines unmittelbar bevorstehenden Endes dieser Welt, die Christen immer wieder darüber nachdenken lässt. Schon am Ende des ersten Jahrtausends war dies der Fall oder im ausgehenden Mittelalter. Aber auch in unseren Tagen bewegt manche Christen diese Frage, vielleicht angeregt durch die Möglichkeit einer atomaren Katastrophe oder durch die Furcht vor einer unumkehrbaren Umweltzerstörung.

Dahinter steht dann aber doch irgendwie die Vorstellung, dass Gott dadurch, dass er die Vernichtung seiner guten Schöpfung zulässt, das Gericht über diese Welt kommen lässt. Und hier schreitet Paulus mit  dem ersten Thessalonicherbrief Kapitel 5 Vers 9 ein. Er schreibt: „Gott hat uns nicht dazu bestimmt, dass wir dem Zorn verfallen, sondern dass wir die Rettung erlangen durch unseren Herrn Jesus Christus.“

Dass wir uns nicht missverstehen: dadurch beschönigt Paulus nichts. Der Jüngste Tag, von dem die Christen sprechen, ist zwar von einem Bert Brecht zum „Sankt Nimmerleinstag“ erklärt worden. Paulus aber weist daraufhin: Je sicherer sich die Menschen wähnen, um so plötzlicher und schrecklicher wird das Erwachen sein. So unvermutet, wie die Wehen über eine schwangere Frau kommen, bricht der Tag des Herrn herein. Begreifen wir die Zeichen der Zeit? Wissen wir, was die Stunde geschlagen hat? Zwar ist es keineswegs ausgemacht, dass die so genannten Propheten des Weltuntergangs mit ihren Prognosen recht behalten. Christen sollten sich vor abgrundtiefen Pessimisten hüten, die kopfscheu machen, aber auch vor unverbesserlichen Optimisten, die blind machen gegenüber drohenden Gefahren und rufen „Friede, Friede!“ - und ist doch kein Friede. Nur wer auf das Ende gefasst ist, wird die Fassung nicht verlieren, wenn es so weit ist.

Es kommt darum auf die Perspektive an, die wir in dem bevorstehenden Gericht Gottes gewinnen. Ganz gleich, wie und wann Gott sein Gericht vollziehen wird, entscheidend ist die Gewissheit: Als Kind Gottes gehöre ich zu Jesus. Darum wird mich der Vater ansehen wie seinen eigenen geliebten Sohn, egal, was ich auf dem Kerbholz habe. Die Grundstimmung ist darum nicht mehr verzweifelt und düster, sondern hoffnungsvoll und zuversichtlich. Paulus fährt darum fort: Jesus Christus „ist für uns gestorben“. Das heißt einerseits: Er hat stellvertretend den Zorn Gottes auf sich gezogen, der eigentlich uns hätte treffen müssen. Und das heißt andererseits: Er ist uns zugut gestorben. Durch Jesus erfüllt sich, was schon der Prophet Jesaja verkündete: „Die Strafe liegt auf Ihm, auf dass wir Frieden hätten.“ In dieser Gewissheit können wir fröhlich und getrost durch den Tag gehen, ganz gleich was kommen mag.

 

Autor: Pfarrer Jens Brakensiek

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Jesaja 42,8

Wacht Gott eigentlich eifersüchtig über seinen guten Ruf? Man könnte diesen Eindruck gewinnen, wenn man das Losungswort für den heutigen Tag hört. Es steht im Buch des Propheten Jesaja im 42. Kapitel in Vers 8: „Ich, der HERR, das ist mein Name, ich will meine Ehre keinem andern geben noch meinen Ruhm den Götzen.“

Verhält sich Gott, der Herr, hier nicht wie ein Promi, der gegen jede verleumderische Schlagzeile der Klatschpresse eine einstweilige Verfügung erwirkt? Oder wie eine Firma, die kleinlich jede Verletzung ihrer Markenrechte juristisch verfolgt?

Richtig, Gott hätte wohl alles Recht der Welt dazu! Wer maßt sich nicht alles an, sich an Gottes Stelle zu setzen und somit Gottes Ehre für sich einzustreichen? Ob es nun Gentechniker sind, die in der Bauplan der Schöpfung eingreifen und darauf auch noch stolz sind. Ob es die Computerspezialisten sind, die sich brüsten, auf digitalem Wege künstliche Intelligenz zu erschaffen. Oder ob es die Kernforscher sind, die durch die drohende Erderwärmung wieder offene Ohren finden mit ihrem trügerischen Traum von einer emissionsfreien Energiegewinnung durch die Atomkraft. Die Reihe ließe sich fortsetzen. Der Mensch spielt Schöpfer. Und damit nimmt er dem die Ehre, der diese Welt so wunderbar geschaffen hat.

Man könnte also meinen, dass es in dem 42. Kapitel des Jesajabuches darum geht, dass Gott eifersüchtig auf seinen Ruf achtet. Und zugleich müsste man dann doch auch fragen, warum der Herr gegen all die neuen Götzen nichts unternimmt!

Da ist es wohl ratsam und gut, den Zusammenhang zu beachten, in dem dieses Wort ausgesprochen wurde. Da heißt es zuvor: „Ich habe dich geschaffen und bestimmt zum Bund für das Volk, zum Licht der Heiden, dass du die Augen der Blinden öffnen sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker.“ Aber von wem redet Gott hier? Im Zusammenhang der Geschichte Israels kann man an den Perserkönig Kyros denken, dessen Edikt im Jahre 538 vor Christus den Israeliten die Heimkehr aus der babylonischen Gefangenschaft ermöglichte. Schon so betrachtet ist Gottes Ehre nicht mit den Allüren menschlicher Herrscher zu verwechseln. Gott legt seine Ehre nicht in Prunk und Protz. Gott legt seine Ehre vielmehr darein, dass er sein Volk befreit. Das war schon sein Name seit alters her: der, der sein auserwähltes Volk aus der Knechtschaft in Ägypten befreite. Natürlich ist Gott auch der Schöpfer dieser Welt. Aber schon in der Schöpfungsgeschichte wird deutlich, wofür Gottes Herz vor allem schlägt: für seine geliebten Menschen. Und genau darum geht dieses Wort noch weit über den zeitgeschichtlichen Rahmen des alten Israel hinaus. Als Jesus Jahrhunderte später ein anderes Wort aus dem Buch des Propheten Jesaja las, das einen ganz ähnlichen Inhalt hat, sagte er seinen Zuhörern: „Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.“

Durch Jesus Christus, den Sohn Gottes, hat Gott den Bund geschlossen, der allen Menschen gilt. Durch diesen Bund sind Sie eingeladen, Gottes Kinder zu werden und als Kinder Gottes zu leben. Jesus ist das Licht - nicht nur das Licht Israels, sondern auch das Licht der Heiden. Also ist er das Licht der ganzen Menschheit. Und Jesus hat es dem zweifelnden Täufer zugesagt: „Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.“ Wenn wir also Gott die Ehre geben wollen, dann tun wir das am besten dadurch, dass wir auf sein Wort hören, Jesus Christus nachfolgen und auch andere zum Glauben an ihn einladen.

 

Autor: Pfarrer Jens Brakensiek

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Joel 4,16

Bäume sind entlaubt, obwohl nicht Winter ist. Auf den Feldern steht kein Halm mehr. Nahezu komplette Ernteausfälle beim Getreide und beim Wein. Nein, ich rede nicht von der Dürre im Sommer 2018 in Deutschland. Was mich betraf: Schwitzen und das Benzin war etwas teuer. Weinjahrgang dafür vorzüglich. Gut, die realen Folgen … nein, die ökologische Katastrophe, von der ich rede, ist eine Heuschreckenplage. Beschrieben im Buch Joel, im Alten Testament. Und wenn da kein Halm mehr auf dem Feld stand, ging es auch dem Menschen ans nackte Überleben. Der hatte allerdings damals bei solchen Katastrophen noch nicht einmal seine Hand im Spiel. Anders als wir heute! Wobei – die Menschen in der Antike hätten mir hier widersprochen. Solche Katastrophen hatten immer auch mit den Göttern zu tun. Wir opfern, die Götter liefern. In Israel war die Zahl der Götter auf 1 reduziert. Es gibt einen Schöpfer des Himmels und der Erde. (Wie intolerant, soll doch jeder seinen Gott … - dachten die anderen Völker). Für Joel stellt sich die Sache also so dar: Nicht: Weil wir nichts mehr zum Opfern haben, zürnt uns Gott. Sondern: weil wir uns nicht um Gott geschert haben, und Gott seinen Segen von uns genommen hat, haben wir nun nichts mehr, womit wir noch ein Opferfest bestreiten könnten. In dieser Situation sagt Joel: Seinem Volk wird der HERR eine Zuflucht sein und eine Burg den Israeliten. (Kap. 4,16). Heißt: Wenn wir nicht endlich anfangen, Gott nach seinem Willen zu fragen, wird diese Heuschreckenplage nur ein Vorbote sein. Dann wird statt ein paar Insekten ein riesiges Volk kommen und alles kurz und klein machen. Aber dann sieht Joel noch weiter – sieht eine Zeit, in der die Berge „von süßem Wein treifen“ und die „Hügel von Milch fließen“. Schlaraffenland. Nicht wörtlich zu verstehen – ein Bild dafür, dass in Gottes Friedensreich alle mehr als genug haben. Joel sieht Gefahr, Chaos – aber auch Gottes gute Zukunft. Wo immer im Weltenchaos wir gerade stehen: „Ein feste Burg ist unser Gott …“ – so die Hymne der Reformation von Martin Luther. Joel: Heuschreckenplage und Bedrohung durch kriegerische Völker. Luther: Pest, Bedrohung durch die Türken vor Wien und einen Papst, den man als Antichrist sah. Wir haben heute andere Probleme. Das Weltwirtschaftsforum gibt immer einige Wochen vor seinem Jahrestreffen in Davos einen Risikobericht heraus. Der liest sich dieses Jahr gar nicht gut:  Klimawandel, Datenkriminalität, geopolitische Krisen und weltwirtschaftliche Spannungen. Und statt gemeinsam die Herausforderungen anzugehen, nehmen Spaltungen und nationaler Egoismus zu. Die Welt schlafwandelt in eine Katastrophe, hieß es dort. Schön, wenn’s die Lenker der Weltwirtschaft auch merken. Meine Frau jedenfalls mag abends vor dem Schlafengehen schon keine Nachrichten mehr schauen, weil sie dann eben nicht schlafen kann.

„Seinem Volk ist Gott eine feste Burg“ – also denen, die nach ihm fragen. Die sich von Jesus erlösen lassen und ihm nachfolgen. Deshalb: Kein Grund zu Panik. Gott überschaut das Weltenchaos. Ich kann nicht die Welt retten – das hat Jesus bereits getan. „Es wird regiert“, hat der Theologe Karl Barth gesagt. Das gibt mir Ruhe, Gelassenheit – aber auch Realismus. Ich will nicht mit in der Katastrophe schlafwandeln. Luther wird bekanntlich nachgesagt, er habe am Tag vor dem Weltuntergang noch einen Apfelbaum pflanzen wollen. Ich kann das Brexit-Chaos nicht verhindern, aber ich will mich in meinem kleinen Rahmen für Recht und Gerechtigkeit und für Gottes Schöpfung einsetzen. Will mich an Gott halten, zu ihm fliehen – und dafür beten, dass immer mehr Weltenlenker das auch tun. Seinem Volk wird der HERR eine Zuflucht sein und eine Burg den Israeliten.

Autor: Uwe Bertelmann

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Psalm 31,17

Haben Sie heute schon die Herrnhuter Losung gelesen? „Lass leuchten dein Antlitz über deinen Knecht; hilf mir durch deine Güte!“ Psalm 31,17. Schöner Vers. Ich stelle mir vor, wie ich aufwache, und Gottes freundliches Gesicht mich stahlend hell anlächelt. Und wie Gott mir dann durch den Tag hilft. Auch der nächste Vers, Vers 18, ist schön: „Herr, lass mich nicht zuschanden werden, denn ich rufe dich an.“ – Ein kurzes Telefonat mit Gott am Morgen, wo ich Gott darum bitte, dass mir nichts zustößt. Das war die erste Hälfte. Vers 18 hat aber noch eine zweite Hälfte. Die ist weniger schön – nicht wirklich geeignet, in einen Lostopf mit erbaulichen Sprüchen getan zu werden (Kann mich auch nicht erinnern, dass er mal Losungstext war). Die geht nämlich so: „Die Frevler sollen zuschanden werden und verstummen im Totenreich.“ Also: erste Hälfte „Lass mich nicht zuschanden werden“ – zweite Hälfte: „Die Frevler sollen zuschanden werden.“  Über mir soll das Licht Gottes aufgehen, für die anderen - die Gottlosen, und ich zähle meine Feinde dazu, alle, die ich nicht abkann, nervende Kollegen, lärmende Nachbarn und meinen alten Deutschlehrer - soll dann gelten: Fahrt in die Finsternis und haltet im Totenreich die Klappe. Nicht gerade fromme Wünsche.

Ich gebe zu, dass ich die zweite Hälfte von Vers 18 auch so nicht bete. Aber es sind zwei Seiten einer Medaille. Nur zusammen machen sie eine tiefe Wahrheit deutlich: Es geht ja gar nicht um persönliche Animositäten – die lärmenden Nachbarn und nervenden Kollegen und erst recht nicht den Deutschlehrer, der vermutlich unter mir ebenso gelitten hat, wie ich unter ihm. Nein! Die Frevler sollen aufhören, Gott zu lästern. Die Lügner sollen mit ihrer Lüge aufhören. Die Ausbeuter mit ihrem Ausbeuten. Die Gewalttäter mit ihrer Gewalt. Wo Gottes „Antlitz“ scheint – also in der unmittelbaren Gegenwart Gottes – hat all das keinen Platz. Wir Menschen sind die berühmte „Krone der Schöpfung“. Alles, was uns Menschen entwürdigt, was Leben zerstört, macht dieses Werk Gottes kaputt. Das kann Gott, der Sie und mich liebt, nicht mit ansehen. „Lass leuchten dein Antlitz über deinem Knecht“, heißt also logischerweise auch: „Mach der Lüge, dem Frevel, der Ausbeutung ein Ende.“ Und dieses Spiel findet ja auch in mir selbst statt, in meinen inneren Kämpfen: Wenn ich möchte, dass Gottes Antlitz mich freundlich anlächelt, dann muss ich auch zulassen, dass Gott mich sozusagen durchleuchtet, das Dunkle ans Licht bringt und vernichtet. Wenn ich mich wirklich mal schonungslos im Licht Gottes betrachten könnte – da würden Sachen zutage kommen, für die ein Therapeut viele Sitzungen brauchen würde, um sie mir zu Bewusstsein zu bringen. Die kleine Lüge, um einen Fehler doch nicht eingestehen zu müssen, ist da nur die Oberfläche. Meine Argumente im Streit, bei denen ich vorgebe, es gehe mir nur um die Sache oder die Wahrheit – und in Wirklichkeit geht es um Eitelkeiten, Einfluss, Macht. Die Beziehung in der Familie und zu meinen Eltern, die wir uns immer so schön harmonisch reden - In Wirklichkeit … Ganz schön schwer auszuhalten in der Gegenwart Gottes. Und ich merke: Gott muss den Lügner und den Frevler in mir vernichten.

Zum Glück: Ist tatsächlich schon passiert. Es gab einen Moment in der Weltgeschichte, in dem Gottes Antlitz überhaupt nicht mehr über den Menschen geleuchtet hat –das war der Moment, als Jesus am Kreuz starb. Wo Gott selbst alles Finstere, alles Zerstörerische, alles Selbstzerstörerische, alle Auflehnung gegen ihn auf sich selbst gezogen hat. Wie ein Blitzableiter. Und ins Totenreich abgeleitet hat. Und deswegen leuchtet Gottes Antlitz nicht mehr nur über mir, sondern in mir. Und auch das muss ich zulassen. Dass Gott in meiner Finsternis das Licht anknipst. „Lass leuchten dein Antlitz über deinen Knecht; hilf mir durch deine Güte!“

Autor: Uwe Bertelmann

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Johannes 8,12

Können Sie sich ein Leben ohne Licht und Sonne vorstellen? Ein Leben ohne Sonnenauf-  und Sonnenuntergang, ohne einen Wechsel der Jahreszeiten, Wärme und Kälte, Tag und Nacht, Sommer und Winter?

Ich muss gestehen, dass mir eine solche Vorstellung sehr schwer fällt – Licht hat ja nicht nur einen enormen Einfluss auf unsere Stimmungen, auf unsere gesamte Gesundheit, Licht ist die Voraussetzung für unser gesamtes Leben auf dieser Erde. Es gibt dem Leben ganz verschiedene Farben und ordnet es durch seinen eigenen Rhythmus.

Gleich zu Anfang der biblischen Schöpfungsgeschichte hat Gott als erstes Werk das Licht geschaffen. Er hat es von der Finsternis, aus der kein Leben hervorging, geschieden: „Er nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht.“

Licht und Finsternis – das sind seit alters wahre Gegensätze, die jeder Mensch bis heute leiblich durch die Augen erfahren kann: bin ich unterwegs, brauche ich Licht, um mich räumlich zu orientieren und sicher zu bewegen. In totaler Finsternis lässt sich keine Entscheidung treffen, welcher Weg eingeschlagen werden soll.

Jesus hat sich selbst einmal in übertragenem Sinne als das Licht der Welt bezeichnet, um durch diesen Vergleich deutlich zu machen, wie unverzichtbar er für uns Menschen ist und was er für uns an Orientierung für unser Leben mit sich bringt, wenn wir ihm nachfolgen.

So hat er in Johannes 8, 12 gesagt: „Ich bin das Licht dieser Welt. Wer mir folgt, tappt nicht mehr im Dunkeln. Er wird das Licht des Lebens haben.“

Licht dieser Welt ist Jesus, weil er durch sein ganzes Leben hindurch von der Krippe bis zum Kreuz und seiner Auferweckung offenbart hat, wer Gott ist. Die Menschen, die ihm während der Zeit seines irdischen Lebens nachgefolgt sind, gehörten als erste zu denen, die erfahren und wissen konnten, dass Jesus geboren war, um die Menschen und Gott miteinander zu versöhnen.

Als Lichtträgern hatte er ihnen den Auftrag gegeben, seine Reden und Taten, seine gesamte Lebensgeschichte durch ihr eigenes Leben zu bezeugen. Sie brauchten sich nun nicht mehr über den Sinn und das Ziel ihres Lebens im Unklaren sein, sondern konnten sich nach den Worten und Taten Jesu richten. Dadurch war ihr Leben hell und licht geworden. Sie wussten sich von Jesus geliebt, sie vertrauten seiner Nähe und all den Verheißungen, die er ihnen gegeben hatte: Das Licht des Lebens würde auch in schweren Zeiten nie von ihnen weichen, selbst im Tode würde es nicht verlöschen. Sie wussten: Wer mit Jesus verbunden ist, der hat das Leben bekommen. Sie verließen sich auf sein Wort:

„Wer mir folgt, tappt nicht mehr im Dunkeln. Er wird das Licht des Lebens haben.“

Diese Verheißung gilt  für alle, die zu ihm gehören. Als Christen sind wir eingeladen, ganz bewusst in seinem Licht und seiner Liebe zu leben. Diese Lebensart vom Wechsel aus der Dunkelheit ins Licht beschreibt die Bibel in Epheser 5,9 so:

Früher ward ihr Teil der Dunkelheit. Aber jetzt seid ihr Teil des Lichts, denn ihr gehört zum Herrn! Führt also euer Leben wie Menschen, die zum Licht gehören! Denn das Licht bringt als Ertrag lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.“ 

Jeder neue Morgen, an dem die Sonne aufgeht, erinnert uns daran, dass wir an diesem neuen Tag als Christen durch Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit unser Licht leuchten lassen. Dann wird die Dunkelheit weichen und das Licht wachsen. Denn wir gehören zu Jesus. Wir sind Teil seines Lichtes.

Autor: Pfarrer Helmut Heiser

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Psalm 113,5–7

Können Sie noch staunen? Oder haben Sie die die Neugier auf neue Entdeckungen und Erfahrungen im Alltag verloren? Es sind  oft die kleinen Entdeckungen oder Erlebnisse im grauen Alltag, die uns das Staunen und die Neugier neu lehren! Doch meistens sind wir im Herzen, mit den Händen oder in Gedanken so beschäftigt, dass wir gar nicht für Neues offen sind. Dann tut es gut, mal wieder neu das Staunen zu lernen. Bei mir war das so:

Vor ein paar Tagen waren wir mit einem Teil unserer Familie und den noch sehr kleinen Enkelkindern draußen spazieren. Nach langer, grauer Winterzeit schien die Sonne seit mehreren Tagen. Zwar war es erst Februar, aber sehr mild. Die goldgelben Winterlinge und Krokusse in vielen Farben hatten in den Vorgärten ihre Blüten geöffnet, sie streckten sie der wärmenden Sonne entgegen. Plötzlich ein Ruf: „Da! Eine Hummel!!!“ – Wir waren zwar ziemlich verteilt auf dem Weg, aber im Nu waren alle um dieses imposante, brummende Insekt versammelt.  Wir standen nun sehr aufmerksam und staunend um die Hummel herum und freuten uns mit den Kindern.

Eigentlich ein Ereignis, das nicht der Rede wert ist. Und doch hat es mir wieder deutlich gemacht, dass wir in der Fülle der Eindrücke und Gedanken oft das Staunen über das wirklich Wunderbare in unserem Leben vergessen. Wir sollten es immer mal wieder neu entdecken!

Vielleicht ist das auch in unserem Leben mit Gott so. Auch da brauchen wir immer mal wieder ein Innehalten, Hinsehen, Staunen und neu, von diesem Staunen erfüllt, Weitergehen.

Dazu kann uns für heute ein wirklich staunender Zwischenruf aus Psalm 113 helfen. Es ist ein Psalm, der für alle geschrieben ist, die in ihrem Leben mit und für Gott unterwegs sind und ihm dienen, ein Psalm, der Gottes Unvergleichlichkeit, Erhabenheit über alles, aber auch seine große Nähe zu uns Menschen und zu aller Schöpfung beschreibt. Da steht:

„Wer ist wie der Herr, unser Gott, der oben thront in der Höhe, der niederschaut in die Tiefe, auf Himmel und Erde; der den Geringen aufrichtet aus dem Staube?“

Diese in diesen Versen beschriebene Erhabenheit Gottes mit seinem Engagement für die Armen, die oft übersehen werden, lauten in den Worten der Übersetzung der Basisbibel:

„Wer ist wie der Herr, unser Gott? Er steigt hinauf, um in der Höhe zu thronen. Er beugt sich nieder, um in die Tiefe zu schauen.- Einzigartig ist er im Himmel und auf der Erde! Den Geringen zieht er aus dem Staub. Den Armen holt er von den Müllhalden.“

In diesen Worten zeigt sich eine starke Aktivität Gottes:

Gott „schaut“ nicht nur in die Tiefe, sondern er „beugt sich nieder“, um in die Tiefe zu schauen, er „zieht“ den Geringen aus dem Staub und „holt den Armen von den Müllhalden“.

Ich jedenfalls staune wieder ganz neu über diesen nicht nur hier beschriebenen Wesenszug Gottes. Und ich spüre,  wie mich das anspornt.

Gott gibt uns selbst ein Beispiel dafür, wie aufmerksam und engagiert auch wir Christen für die leben sollen, deren Leben in dieser Welt durch bittere Armut bestimmt ist.

Weil wir einen solchen Gott haben, der alle Menschen ansieht und sich "niederbeugt“, der „den Armen von den Müllhalden holt“, danke ich ihm für alle, die sich heute für das Wohl und die Würde von Geringen und Armen bewegen, die gemeinsam mit uns Christen nicht wegschauen, sondern sich für deren Heil und Wohl engagieren. Wie  sollten sie sonst erfahren, dass ihnen Gottes Liebe gilt?

Autor: Pfarrer Helmut Heiser

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Psalm 109,31

Waren Sie schon in großer Not, Not durch Anfeindung, Mobbing, Gemeinheiten, Anklagen oder auch Gewalt? Auch schwere Diagnosen oder Arbeitslosigkeit sind solche Situationen. Wie können wir da noch den Blick auf Jesus halten und Glauben bewahren? David hat viele solche Situationen erlebt. Er hat gelernt, sich mit allem an seinen Gott zu wenden. Er weiß, dass er sein Herz vor ihm ausschütten kann. Und das tut er in einem sehr herausfordernden Psalm. Er beginnt mit einem Lob Gottes. David weiß, was er mit seinem Gott schon erlebt hat. Er hängt an ihm mit allen Fasern seines Lebens.

Dann schildert er all die gegnerischen Anläufe, alles das, was ihm angedroht wurde. Alles, was seine Gegner ihm antun. Wie sie ihn verfluchen. Und das ist happig. Er könnte daran zerbrechen. Für den Ankläger steht im Hebräischen der Satan. Es geht also um teuflische Angriffe auf den Gesalbten Gottes, d.h. den Menschen, den Gott für eine besondere Aufgabe gewählt hat. Hinter diesen Gegnern steht der Satan als Feind alles Göttlichen und hetzt sie auf. Deswegen ist nicht der Mensch der eigentliche Feind, der Feind ist der Feind. Auch heute ist der irrationale Widerstand gegen Christen ist ja eigentlich unverständlich. Was tun sie denn Schlimmes? Ganz im Gegenteil, sie leben Werte, die der Gesellschaft und dem Staat gut tun. Diese sind heute leider immer weniger verbreitet und das mit verheerenden Folgen.

In dieser Lage wendet David sich an seinen Gott, besinnt sich auf dessen Stärke. Er ruft um Hilfe. Er schildert Gott die Anklagen, die gegen ihn erhoben werden. Und er hofft auf Gottes Eingreifen. Und so heißt es hoffnungsvoll im Wort für den Tag: Denn er steht dem Armen zur Rechten, dass er ihm helfe von denen, die ihn verurteilen. Psalm 109,31 Das ist die Gewissheit, die David geschenkt bekommen hat. Er hat es immer wieder erfahren, dass die Feinde nicht erfolgreich waren. Gott kann Fluch in Segen wandeln. Die Gegner sollen erkennen, dass es Gottes Handeln ist. Dagegen können sie nicht an.

Ist das nun die Erfahrung, die wir machen? Steht uns Gott in unseren Auseinandersetzungen bei? Wie viele Christen müssen unter Verfolgung leiden. Sie werden zu Unrecht angeklagt. Asia Bibi aus Pakistan ist nur ein Beispiel unter vielen. Sie wurde nach neun Jahren im Gefängnis von der angeblichen Blasphemie freigesprochen. Sie lebt weiter in Lebensgefahr. Ist das dann ein leeres Wort? Wir verstehen Gottes Handeln oft nicht. In der Verfolgung wachsen die Gemeinden häufig. Gott hat Mittel und Wege, um seinen Christen beizustehen. Er kann ihnen Schutz geben oder tiefen Frieden und Heilung.

Das, was wir in schweren Situationen brauchen, ist die Gewissheit von oben für unseren Weg. Wir können mit Gott ringen, wie es hier im Psalm gezeigt wird. Er kann einen wunderbaren Ausweg schenken oder helfen, einen schweren Weg anzunehmen im Vertrauen in seine gute Führung. Jesus hat in Gethsemane so mit seinem himmlischen Vater gerungen, bis er seinen unglaublich schweren Weg gehen konnte. Seitdem können Christen eines sicher wissen: Satan, der Feind, der sie Tag und Nacht vor unserem Gott verklagt, wird keinen Erfolg haben. Aus dieser furchtbaren Anklage können alle gerettet werden, die Jesus als ihren Erretter annehmen. Dann gilt das für Zeit und Ewigkeit. Jesus Christus, der zur Rechten des Vaters im Himmel ist, tritt für uns ein.

Autor: Pfarrerin Dagmar Rohrbach

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5. Mose 8,3

Innehalten und Zurückblicken, wann ist das angebracht? Der Blick zurück kann schmerzhaft sein und uns vom Vorwärtsgehen abhalten. Aber es kommt eben darauf an, wie man zurückblickt. Im Zusammenhang mit dem heutigen Wort zum Tag geht es darum, aus dem vergangen Erlebten etwas für die Zukunft zu lernen. Das Volk Israel ist am Ende der langen Wüstenwanderung. Demnächst soll es ins gelobte Land gehen. Mose liegt es sehr am Herzen, den Menschen einzuschärfen, worauf es auch in Zukunft ankommt. Sie haben bei dieser Wanderung viele Erfahrungen gemacht. Es war nicht immer leicht. In der Wüste sind Hunger und Durst ein Problem. Woher soll das Lebensnotwendige kommen? Immer wieder gab es prekäre Augenblicke. Es geht um die grundlegende Frage: Was ist für unser Leben wirklich lebensnotwendig? Hier macht Gott durch Mose den Menschen deutlich: Brot ist wichtig. Aber: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von allem, das aus dem Mund des HERRN geht. 5. Mose 8,3. Der Satz ist aus der Geschichte aus dem Neuen Testament bekannt, wo Jesus vom Teufel versucht wird. Der Zusammenhang beim Volk Israel macht aber deutlich, worum es da geht. Gott hat das Volk vierzig Jahre lang in der Wüste wandern lassen. Dadurch wurden sie bedrückt, betrübt und gedemütigt. Es konfrontierte sie mit ihrem mangelnden Vertrauen zu Gott. In schwierigen Situationen wird deutlich, was Gott hier so ausdrückt: damit kundwürde, was in deinem Herzen wäre, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht. Gott hatte ihnen die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten ermöglicht. Ein unglaubliches Geschehen. Er hat ihnen seine Gebote gegeben und zwar ihnen zum Guten. Das, was er nun von ihnen erwartet, ist Vertrauen. Vertrauen in ihn und seine rechtzeitige Hilfe. Wir in unseren reichen Ländern können ja leicht feststellen: Unser Wohlergehen führt bei vielen zum Irrtum, dass sie Gott nicht bräuchten.

Die Menschen damals mussten Durst und Hunger spüren. Dann riefen sie zu Gott und erfuhren seine wunderbare Hilfe. Würde das ihr Vertrauen stärken? In der nächsten Not zeigte sich wieder: Leid lehrt beten, aber auch fluchen. Und das trotz Manna, Wasser aus dem Felsen und sogar Wachteln, die Gott ihnen als Nahrung schickte.

Wir brauchen Brot und Wasser zum Leben. Aber das erhält nur unser biologisches Leben. Menschen sind zu mehr geschaffen und berufen. Der lebendige Gott will liebevollen Umgang mit ihnen. Dazu müssen wir auf ihn hören, mit ihm reden, uns ihm anvertrauen, erkennen, wie sehr wir von ihm abhängig sind. Aber das ist eine Abhängigkeit, die uns freimacht. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von allem, das aus dem Mund des HERRN geht. Wir leben erst wirklich, wenn wir das lebendige Wort Jesus Christus in unser Leben aufgenommen haben. Christus ist unser Leben; erst durch ihn leben wir richtig. Er hat uns durch seinen Kreuzestod erlöst und uns dadurch ewiges Leben schon jetzt und hier gegeben. Das ist ein Leben in ganz anderer Qualität. Frei von Schuld. Ein Leben mit Sinn. Gott stellt mich dann an die Stelle, wo er mich brauchen kann. Dann wird das Leben alles andere als langweilig.

Autor: Pfarrerin Dagmar Rohrbach

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Jesaja 43,16

In der Bibel lesen wir, dass Gott den Israeliten einen Weg durch das Meer gebahnt hat. Glauben Sie, dass das wirklich so war? Dass das Wasser wirklich zurückgewichen ist? Dazu ein kleiner Witz: Ein junger Theologiestudent liest in der Bibel. Er sitzt dabei auf einer Parkbank. Neben ihm sitzt ein Pfarrer. Plötzlich schreit der Student auf: "Gott ist super. Er hat das Volk Israel durch das Meer geführt!" Da sagt der Pfarrer: "Das ist alles zu erklären. Das Wasser war an dieser Stelle des Meeres nur ca. 20 Zentimeter tief. So konnten sie leicht hindurchgehen." - "Aha. Danke!" sagt der Student und liest weiter. Plötzlich schreit er wieder: "Hey Gott ist superspitze, echt genial" „Was ist denn nun schon wieder?" fragt der Pfarrer. "Hey - Gott hat die Ägypter in nur 20 Zentimeter tiefem Wasser ertränkt!" Wir sehen, wie wir es auch drehen und wenden, nach dem biblischen Bericht hat Gott auf jeden Fall ein Wunder getan. Dann können wir auch daran festhalten, dass er einen Weg durch das Meer frei gemacht hat.

Für das Volk Israel ist diese Erfahrung ganz entscheidend. Auch die Propheten knüpfen daran an. Z.B. der Prophet Jesaja. Wir lesen in Jesaja 43,16: Der HERR macht im Meer einen Weg und in starken Wassern Bahn. Dieses Wort ist an das Volk in der Verbannung in Babylonien gerichtet. Es soll die Hoffnung stärken: So wie Gott Israel damals aus Ägypten befreit hat, so wird er es auch wieder tun.

Wir sind weder in Ägypten noch in Babylonien. Aber wir kennen vielleicht auch Situationen, in denen wir uns ähnlich fühlen. Vielleicht sind wir gefangen in Sorgen, die uns nicht loslassen. Oder es gibt Menschen, die uns schaden wollen, so wie damals die Ägypter hinter dem Volk Israel hergejagt sind. Oder wir sind so schwach, dass wir den Eindruck haben: Ich komme alleine nicht weiter. Wenn es uns so geht, können wir den Zuspruch Gottes bei Jesaja auch auf uns beziehen. Gott kann uns auch in schwierigsten Situationen helfen. Er kann uns einen Weg heraus aus allen Problemen zeigen. So wie er den Israeliten einen Weg durch das Meer gezeigt hat. Das Meer steht in der Bibel auch für den Tod. Und wir kennen Überschwemmungen und Tsunamis, die Menschen in den Tod reißen. Dass Gott einen Weg durch das Meer schafft, heißt also auch:

Er zeigt einen Weg durch den Tod hindurch zum Leben. Weil Jesus alle Schuld auf sich genommen hat und für uns gestorben ist, brauchen alle, die sich an ihn halten, nicht mehr wirklich zu sterben. So können wir immer Hoffnung haben.

Für das, was uns heute belastet, heißt das: Wenn Gott sogar stärker ist als der Tod ist er auch stärker als alles, was uns heute das Leben schwer macht. Vielleicht haben Sie es gerade besonders schwer. Etwas liegt vor ihnen wie ein unüberwindbares Meer. Dann lassen Sie sich zusagen: Gott kann Ihnen helfen! Sie können sich ihm anvertrauen. Dann kann er Ihnen einen neuen Weg zeigen. Geben Sie nicht auf!

Autor: Pfarrer Dr. Christian Schwark

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Matthäus 24,35

Ich bin jetzt 52 Jahre alt. Bisher dachte ich: alt, das sind die anderen. Langsam muss ich mich damit auseinandersetzen, dass ich nicht mehr zu der jüngeren Generation gehöre. Für meine Kinder bin ich gefühlt uralt. Da wird mir neu bewusst: Alles vergeht. Irgendwann auch mein Leben. Vielleicht sagen Sie auch: 52 Jahre, das ist doch noch jung. Ich bin viel älter. Je älter wir werden, desto deutlicher steht uns vor Augen, dass unser Leben vergänglich ist. Manchmal versuchen wir das zu verdrängen. Aber wir werden immer wieder daran erinnert. Z.B. durch Krankheiten. Oder durch Menschen in unserem Alter, die sterben. Es ist schmerzlich, daran erinnert zu werden.

Es kann aber auch sein, dass wir gerade dann neue Hoffnung bekommen. Das heutige Bibelwort zeigt uns, dass nicht alles vergeht. Jesus sagt in Matthäus 24,25: Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen. Auch Jesus geht davon aus, dass alles vergeht. Nicht nur unser persönliches Leben. Sondern auch die ganze Welt. Himmel und Erde, das heißt die unsichtbare und die sichtbare Welt. Aber die Worte von Jesus bleiben. Was er sagt, hat Bestand.

Wir freuen uns oft, wenn Dinge, die wir kennen, bleiben, wie sie sind. Ich bin zum Beispiel gerne in der Stadt in der ich aufgewachsen bin und freue mich, wenn vieles noch so aussieht wie früher. Dann fühle ich mich irgendwie geborgen. Wie viel mehr können wir uns bei Gott geborgen fühlen, wenn wir hören: Sein Wort bleibt. Sein Wort bleibt, auch wenn sich Moden und gesellschaftliche Meinungen ändern. Sein Wort bleibt, auch wenn es in der Welt drunter und drüber geht. Sein Wort bleibt, auch wenn ich älter werde und mein Leben zu Ende geht.

Dieses Wort ist viel mehr als irgendwelche vertrauten Orte oder vertraute Gedanken. In seinem Wort sagt Jesus uns ganz konkret zu: Ich bin immer bei dir. Ich bin auch bei dir, wenn du schwach bist. Dann gebe ich dir neue Kraft. Und wenn du schuldig geworden bist. Dann kannst du mir alles bekennen und dich mir anvertrauen. Dann vergebe ich dir. Und ich bin auch bei dir, wenn du stirbst. Im Vertrauen auf mich, sagt Jesus, kannst Du ganz sicher sein: Der Tod ist nicht das Ende. Sondern ein neuer Anfang. Dann kommt ein neues Leben: das ewige Leben in Gottes neuer Welt. Mit Gottes Wort kann uns darum letztlich nichts passieren. Wir brauchen keine Angst vor dem zu haben, was kommt. Auch wenn sich vieles ändert oder nicht mehr so ist wie früher.

Das Wort Gottes finden wir in der Bibel. Gott redet durch die ganze Bibel zu uns. Ich möchte Ihnen darum Mut machen: Lesen Sie die Bibel! Am besten jeden Tag. Fragen Sie dabei z.B.: Was möchte Gott mir heute durch sein Wort sagen? Wie kann sein Wort mir helfen? Und lassen Sie sich nicht einreden, dass die Bibel antiquiert ist oder dass man sie heute nicht mehr so ernst nehmen muss. Die Bibel hat bisher alle politischen Systeme und alle Zeitströmungen überlebt. Sie ist und bleibt Gottes Wort. Mit Gottes Wort haben Sie etwas, was bleibt. Egal was der Tag heute bringt.

Autor: Pfarrer Dr. Christian Schwark

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Hesekiel 34,16

„Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken.“ – Was für eine Zusage, was für eine Willenserklärung?! Gott sagt: Ich will!

Das Volk Israel war politisch und geistlich am Ende. Die Truppen waren besiegt, das Land war besetzt, große Teile der Bevölkerung waren deportiert und in die babylonische Gefangenschaft geführt worden. Dort fühlten sie sich von Gott und Menschen verlassen. Gott hatte sein Volk aber nicht aufgegeben. Er hatte sie gestraft, um sie zu erziehen. Er hatte sie den Feinden ausgeliefert, damit sie spürten, wie es war, wenn Er seine Hand wegzog. Sie sollten erkennen: Wer Gott verlässt, wird Gottverlassenheit erleben. Aber dabei sollte es nicht bleiben. Gottes Gericht sollte Israel zur Umkehr bringen. Gott wollte sein Volk retten, nicht vernichten.

Gott beruft  den Priester Hesekiel zum Propheten und spricht durch ihn zum Volk. Aus dem 34. Kapitel seines Prophetenbuches stammt die heutige Losung. In diesem Kapitel spricht Gott vor allem die politischen und geistlichen Führer Israels an. Für das Gericht Gottes sind vor allem sie verantwortlich. Sie haben in ihrem Dienst versagt. Anstatt wie gute Hirten ihre Herde zu weiden und zu versorgen, haben sie sie ausgebeutet und vernachlässigt. Anstatt sich für sie einzusetzen und sie zu schützen, haben sie nur den eigenen Vorteil im Blick gehabt und die Herde sich selbst und sogar den Feinden und Räubern überlassen.

Gottes Volk ist am Ende, verirrt und zerstreut und ausgeplündert – und verantwortlich sind ihre gottlosen Hirten!

Gott verspricht, die Sache nun selbst in die Hand zu nehmen und sich um sein Volk zu kümmern und die schlechten Hirten zu entmachten.

„Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken.“

Es gibt Hoffnung. Es gibt Zukunft. Gott sagt: Ich will!

Und mitten in diesem prophetischen Kapitel taucht dann plötzlich eine Ankündigung auf, die Bibelleser hellhörig macht:

„Und ich will ihnen einen einzigen Hirten erwecken, der sie weiden soll… Der wird sie weiden und soll ihr Hirte sein…“ Hesekiel 34, 23

Und plötzlich bekommt dieses alttestamentliche Wort eine Bedeutung für uns, die wir heute leben. Denn die Erfüllung dieser Ankündigung war und ist Jesus Christus, der von sich selbst sagte:

„Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe…Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich… Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“ Johannes 10, 11 + 14 + 27 +28

In Johannes 10 im Neuen Testament können wir das nachlesen.

Gott hat sich entschieden nicht nur das jüdische Volk zu retten, sondern alle Völker. Sein Erbarmen gilt nicht nur den Juden, sondern auch uns, den Heiden. Jesus ist der versprochene und von Gott selbst ausgewählte und bevollmächtigte Hirte für alle Menschen. Niemand muss mehr von Gott verlassen sein oder sich so fühlen. „Wer den Namen des Herrn Jesus Christus anruft, wird gerettet!“

Und alle Hirten dieser Welt, so klein oder groß die Herde auch sein mag, für die sie Verantwortung tragen, sollten wissen: Sie müssen sich einmal verantworten vor dem, der als der himmlische Hirte seine Menschenherde nie aus dem Blick verliert und der sich entschieden hat:

 „Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken.“

 

Autor: Pastor Volkmar Glöckner

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