ERF Plus - Wort zum Tag

Der Gott des Trostes

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis.“ - So hat der Apostel Paulus seinen zweiten Brief an die Christen in Korinth eröffnet.

Dieser Satz hat aber noch eine alles entscheidende Fortsetzung: „… damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.“

Damit ist sofort klar: den Trost, den Paulus erfährt, bekommt er nicht zum Selbstzweck. Er ist sozusagen nicht der Endverbraucher von Gottes tröstender Zuwendung, sondern so etwas wie ein Großhändler, er kann und soll ihn weitergeben. Was er von Gott bekommen hat, das hat er auch für andere bekommen.

Im folgenden Abschnitt des Briefes ist viel von Leid und Bedrängnis die Rede. Paulus war in großer Not. Er deutet lebensbedrohliche Situationen in Kleinasien an. Aber er wurde gerettet, und das soll auch den Korinthern Mut machen. So zieht es sich wie ein roter Faden durch den Text: Wenn wir von Gott Trost empfangen haben, dann auch für euch in Korinth. Ihr hattet an meinem Leiden Anteil, ihr sollt auch an meinem Trost Anteil haben.

Nun fallen hier immer wieder die Worte „Trost“ und „trösten“. In unserer Kultur und unserem heutigen Verständnis ist trösten so etwas wie mit Worten streicheln, gut zureden und Mut machen. Das ist nicht ganz falsch, aber damals verstand Paulus darunter wesentlich mehr. Er war Jude und lebte in seiner hebräischen Bibel. Und dort bedeutet „trösten“ unendlich viel mehr als nur mit Worten streicheln. Im hebräischen Denken kann man gar nicht unterscheiden zwischen einem bloßen Begriff und der Realität. Schon auf der ersten Seite der Bibel, im Schöpfungsbericht, wird es deutlich: Gott spricht – und es geschieht. Geht gar nicht anders, denn Wort und Tat sind untrennbar, sind sogar dieselbe Vokabel im Hebräischen.

So auch hier: Trösten bedeutet immer auch: helfend eingreifen. Da gerät etwas in Bewegung.

Das heißt also biblisch „Trost“: Mit Wort und Tat für eine positive Veränderung eintreten.

Und wenn Gott in unserem Bibelwort „Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes“ genannt wird, dann ist sofort klar, dass er uns nicht überfordert, wenn wir andere in diesem Sinne trösten, ihnen beistehen und ihnen helfen sollen. Denn was immer wir sagen und tun in einer Notlage – unsere Kraft dazu und unser Engagement kommt direkt von ihm selbst.

Ich habe das vor gut sechs Jahren selbst sehr deutlich erlebt, was Trost bedeutet: Ich lag nach einer schweren Operation wochenlang im Krankenhaus. Und dann gab es Anrufe, die mich mit frommen Sprüchen geradezu überfluteten, sie waren sicher gut gemeint, aber sie halfen mir wenig. Ich kam mir fast vor wie Hiob im Kreis seiner frommen Freunde mit ihren hoffnungslos richtigen und doch so hilflosen Sprüchen. Ich habe solche Gespräche möglichst schnell beendet.

Aber dann gab es auch Leute, die nicht viele Worte machen, die kamen, setzten sich an mein Bett und hatten Zeit, sprachen manchmal ein kurzes Gebet und einen Segen. Das tat gut, das war hilfreich.

Daran denke ich noch heute dankbar zurück und möchte auch ein solcher Mensch sein, der andere wirklich trösten kann, im Namen und in der Kraft Gottes.

 

Autor: Pastor Wolfgang Buck

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Zu Jesus gehören

Das ist eine radikale Aussage, die da im Markusevangelium im dritten Kapitel steht, vor allem, wenn man den dramatischen Hintergrund beleuchtet:

Der Evangelist Markus berichtet ein paar Zeilen vorher (V 21), dass die Familie von Jesus ihn möglichst schnell aus dem Verkehr ziehen möchte. Ihnen wird es allmählich peinlich, was er da macht. Sie sagen, einfach ausgedrückt: unser Jesus, der spinnt. Und sie wollen ihn am liebsten entführen und ihn daheim erst einmal unter Hausarrest stellen, bis sich der Wirbel um seine Person gelegt hat. Sie stehen draußen und wollen ihn holen.

Jesus aber befindet sich in einem Haus, umringt von allen möglichen Leuten: Da sind die Kranken, die auf eine Heilung hoffen, da sind andere Notleidende, da sind natürlich auch Neugierige, da sind seine Schüler und Anhänger – und da sind jetzt auch einige Theologen, die extra von Jerusalem nach Galiläa gekommen sind, um sich selbst ein Bild zu machen und ihn kritisch und theologisch zu befragen.

Und mitten in diese Diskussionen kommt die Nachricht: Draußen stehen deine Mutter und deine Brüder und wollen dich sprechen. Von Joseph ist auffälligerweise keine Rede, vielleicht lebte er schon nicht mehr. In dem Fall übernehmen normalerweise die Söhne die Leitung der Familie. Dazu muss man wissen, dass der Zusammenhalt der Familie damals ein sehr hohes Gut war. Es galt auch, den Ruf der Familie nicht zu beschädigen. Maria und die jüngeren Brüder von Jesus scheinen den Eindruck zu haben, jetzt endlich einschreiten zu müssen. So kann es mit dem ältesten Bruder nicht weitergehen. Er bringt die ganze Familie in Verruf.

Jeder normale Rabbi hätte damals die Diskussion unterbrochen, wäre nach draußen gegangen und hätte voller Ehrerbietung Mutter und Geschwister begrüßt. Diese Ehre war man seiner Herkunftsfamilie schuldig. Aber Jesus bleibt im Haus und reagiert völlig unerwartet, fast schroff: „Wer sind meine Mutter und meine Brüder?“, fragt er, schaut in die Runde auf seine Diskussionspartner und fährt fort: “Das sind meine Mutter und meine Brüder!“ Und dann spitzt er noch einmal zu – und das ist unser heutiges Textwort: "Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter."

Jesus geht nicht nach draußen, lässt den Besuch also einfach vor der Tür stehen. Unerhört in der damaligen Gesellschaft. Ich stelle mir lebhaft vor, wie jetzt ein Raunen durch die Zuhörerschar geht. Wie kann man so hart sein?

Die Geschichte bekommt jetzt fast schon symbolische Züge: Es gibt ein Drinnen und ein Draußen. Drinnen sind die, die Gottes Wort hören und tun – und draußen sind alle anderen, und wenn es sogar die eigenen Verwandten sind. Das ist hart.

Und noch etwas fällt mir an dieser Begebenheit auf. Jesus sagt nicht: „Wer an mich glaubt“, oder so ähnlich, sondern: „Wer Gottes Willen tut…“ Es geht Jesus also gar nicht nur um eine innere Überzeugung, sondern um einen Glauben mit der Tat.

Familie (auch wenn man den Begriff damals so nicht kannte) – das ist ab jetzt die Gemeinschaft der Nachfolger. Genau das hat die Urgemeinde später aufgegriffen, ging doch die Trennung oft genug mitten durch die engsten familiären Beziehungen. Die Christen nannten sich Brüder und Schwestern und standen liebevoll füreinander ein, unabhängig vom sozialen Status. Echter Glaube zeigt sich nicht nur im Reden, sondern vor allem im solidarischen Handeln.

 

Autor: Pastor Wolfgang Buck

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Herzenskenner

Neulich saß ich beim Arzt. Die Wartezeit habe ich mir mit Lesen in einer der Illustrierten verkürzt. Dabei stieß ich auf den Bericht einer Frau. Schon jahrelang litt sie unter Schmerzen.

Sie hatte verschiedene Ärzte aufgesucht. Aber keiner hatte ihr helfen können. Bis sie schließlich einen Arzt fand, der die richtige Diagnose stellte und mit einer entsprechenden Therapie der Frau helfen konnte.

Wer aufmerksam die Geschichte der Menschheit betrachtet, kommt schnell zu der Frage: Woran krankt sie eigentlich? Und wer sein eigenes Leben ungeschminkt beurteilt, stellt schnell fest: Auch ich bin von dieser Krankheit angesteckt. Aber um welche Krankheit dreht es sich denn?

Dem Propheten Jeremia erklärt Gott seine Diagnose und stellt sich als der Arzt vor, der wirklich helfen kann. Wir finden diese Information im Kapitel 17, in den Versen 9+10 in diesem Buch des Propheten Jeremia:

Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen? Ich, der HERR, kann das Herz ergründen und die Nieren prüfen und gebe einem jeden nach seinem Tun.

Gott sagt: Unser Herz – damit meint die Bibel die Mitte unseres Lebens – unser Herz ist verkehrt. Es krankt am Unglauben. Es rebelliert gegen Gott. Es begehrt gegen Gottes Willen und Führungen auf. Das ist die Krankheit der Menschheit und meine auch.

Gott sieht durch. Seine Diagnose ist die richtige. Beim großen Treffen der Apostel in Jerusalem, von dem uns in dem Kapitel 15 (Vers 8) der Apostelgeschichte berichtet wird, nennt Petrus Gott den „Herzenskenner“. Das ist er wirklich. Er kennt mein Herz. Auch die verborgenen Winkel und die versteckten Ecken, die ich keinem zeigen will.

Ich kann anderen Menschen etwas vormachen. Ich kann mich auch selbst über meinen Zustand belügen. Aber Gott kann ich nichts vormachen. Ihn kann ich nicht belügen. Er schaut durch.

Er ist aber auch der einzige, der mein Herz verändern kann. Deswegen heißt Jesus auch „Heiland der Welt“. Er ist in die Welt gekommen, um unser krankes Herz zu heilen. Wenn wir uns in seine Behandlung begeben, dann beginnt der Heilungsprozess. Und aus Trotz und Angst werden Liebe und Vertrauen zu Gott.

Der Prophet Jeremia hat das begriffen. Denn einige Verse später bittet er: Heile du mich, HERR, so werde ich heil. Hilf du mir, so ist mir geholfen.

Wenn wir von Gott gezeigt bekommen, wie verkehrt unser Herz ist, dann können wir uns nur in seine Behandlung begeben. In einem Lied heißt es: „Und suchst du meine Sünde, flieh ich von dir zu dir.“ Das ist der beste Weg zur Heilung. Ich darf bitten: „Schaffe in mir Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen  Geist.“ (Psalm 51,12)

Gott um ein neues Herz bitten, das ist das einzige, was wir zu unserer Heilung dazutun können. Solche Bitten erfüllt Gott gern.

Für eine Freizeit hatte ein Mitarbeiter zwei junge Männer angemeldet. Nach einigen Tagen stellte ich fest, dass sie Alkoholiker waren, die schon zum Frühstück angetrunken kamen. Und in meinem Herzen bauten sich die Ablehnung und der Ärger immer mehr auf.

Aber die Situation änderte sich nicht, es wurde stattdessen immer schlimmer. Bis Gott mir zeigte, dass mein Verhalten nicht seine Art war, der die Verlorenen sucht. Ich bat Gott um Vergebung und die Fähigkeit, sie zu lieben. Und Gott tat es. Als mir am nächsten Morgen einer der beiden entgegenstolperte, habe ich ihn in die Arme genommen und ihm gesagt, dass Gott ihn liebt und verändern will. Und auf einmal entstand eine Verbindung zwischen uns. Gott kann Herzen ändern, bei anderen und bei mir.

 

Autor: Rainer Dick

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Erschreckende Erkenntnis

Welche schreckliche Erkenntnis:

Ein junger Arzt besucht einen medizinischen Kongress. Einer der Referenten stellt seine Forschung nach einer lebensbedrohlichen Krankheit vor. Bei den Symptomen, die er aufzählt, stellt der junge Arzt mit Erschrecken fest, dass alles auf ihn zutrifft.

So ergeht es Menschen, die ihre Sünde erkennen. Auch einem Psalmbeter ergeht es so. Er betet: Ich bekenne meine Schuld, bekümmert bin ich meiner Sünde wegen. Psalm 38, Vers 19.

Friedrich  von Bodelschwingh sagt: „Nichts ist feiger als die Ausrede, nichts ist größer als das Zugeben der Schuld.“

Wenn dieser Satz stimmt, dann ist der Beter des Psalms ein ganz Großer. Sicher: Er hat noch andere Nöte und Probleme im Leben, eine Krankheit, die andere als abstoßend empfinden, Unverständnis von Freunden und Gehässigkeiten von Feinden. Aber am meisten schmerzt ihn seine Schuld. Im Psalm wird nicht konkret benannt, was der Beter sich zuschulden kommen ließ. Gott aber weiß es. Dabei geht es nicht um ein allgemeines  Sündengefühl. Sünde ist immer konkret. Es sind nicht „Puppensünden“, wie Martin Luther sagt. Es ist die Missachtung von Gottes Willen, die Übertretung der Gebote.

Wenn Gott einem Menschen Sünde zeigt, dann ist er bei diesem Menschen an der Arbeit. Denn in Johannes 16, Vers 8, sagt Jesus, der Sohn Gottes, dass uns Gottes Geist unsere Sünde zeigt. Gott legt seine Hand auf unser eigentliches Elend. Er schenkt Sündenerkenntnis. Wenn das geschieht, dann tut Sünde weh. Dann fangen wir an, über unsere Schuld traurig zu sein.

Ich sitze mit einem Mitarbeiter auf einem Parkplatz in meinem Auto. Er berichtet von den Schwierigkeiten, mit denen seine Familie kämpft. Er verschweigt auch nicht die Probleme in seiner Ehe, die ihm in der letzten Zeit zu schaffen machen. Doch dann beginnt er unter Tränen, seine Sünde zu beichten. Dass er den Gott, der ihn liebt und dem er gehört, so missachtet hat – das tut ihm am meisten weh. Ich bin froh, dass ich ihm sagen kann: Mit deinem Bekenntnis bist du an der richtigen Stelle bei Jesus. Der nimmt dir die Sünde weg.

Aus Sündenerkenntnis wurde Sündenbekenntnis und daraus Gottes Vergebung. Gott schenkt Sündenerkenntnis, um unser Leben zu heilen. Dazu ist Jesus in die Welt gekommen. Das ist der Auftrag, mit dem ihn sein Vater in die Welt gesandt hat. Schon sein Name besagt das: Jesus wird sein Volk retten von ihren Sünden. Die Passionszeit führt es uns wieder deutlich vor Augen: Jesus ist der Heiland der Sünder.

Aber er heilt nicht oberflächlich. Er legt den Krankheitsherd des Lebens bloß. Das ist nicht angenehm und tut weh. Es ist kein Wunder, dass der Beter des Psalms bekümmert ist.

Es sind Stunden Gottes in meinem Leben, wenn er mir meine Sünde zeigt. Wenn es auch wehtut und mich traurig macht – ich will ihm stillhalten. Er hat ja nur Liebesabsichten. Darauf hat er sich festgelegt, wenn er durch den Propheten Hesekiel sagen lässt: „Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tod des Gottlosen, sagt der Herr HERRund nicht vielmehr daran, dass er sich von seinen Wegen bekehrt und lebt.“ (Hes. 18, 23) Wenn er mir meine Schuld abnimmt, dann ist die Last meines Lebens weg. Dann kann ich froh in den Tag hineingehen. Ich verstehe den Reformator Martin Luther, wenn er schreibt:

„Wo Vergebung der Sünden ist, da ist Leben und Seligkeit. “

Solch ein befreites und frohes Leben ist jedem Menschen zu wünschen. Ich hoffe, Sie sind  an diesem Tag auch so ein Mensch.

 

Autor: Rainer Dick

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In meiner Demut lasse ich mich von niemandem übertreffen

Das Wort hat es nicht leicht: Demut. Es ist in Verruf geraten und wird in vielen augenzwinkernden Sprüchen karikiert. „In meiner Demut lasse ich mich von niemandem übertreffen.“ Oder: „Ich schreibe gerade an einem neuen Buch über die demütigsten Männer der Bibel - und was sie von mir lernen können.“ Frech sind diese Sprüche. Und allzu oft leider allzu berechtigt. Da gibt sich einer bescheiden und demütig und will damit doch nur ganz und gar unbescheiden vor den anderen glänzen. Demut verkommt zur frommen Verkleidung. Demut lächelt außen, Hochmut grinst innen.

Hat am Ende Petrus gar dazu aufgerufen? „Alle miteinander bekleidet euch mit Demut“, schreibt er in seinem ersten Brief, Kapitel 5, Vers 5. Sich mit Demut bekleiden? Demut überwerfen wie einen Regenmantel? Und darunter bleibt alles, wie es ist? Bleiben wir, wie wir sind? Selbstherrliche Angeber? Viel Schein, wenig Sein?

O nein, wir würden Petrus arg missverstehen. Sein Satz steht in einer Liste von Mahnungen an die Ältesten und die anderen Mitglieder der christlichen Gemeinde. Die Ältesten zum Beispiel sollen die Gemeinde weiden „nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund“. Also mit Innen und Außen. Authentisch. Und die Jüngeren, um die es danach geht, sollen sich den Ältesten unterordnen, weil Gott „den Hochmütigen widersteht, aber den Demütigen Gnade gibt.“ Sich mit Demut bekleiden heißt hier also: Zieht an, was eurem innersten Wesen entspricht.

Überhaupt geht es ihm nicht nur darum, sich Menschen unterzuordnen, sondern Gott. Demütig sein vor ihm. Seiner gewaltigen Hand sollen sich die Christen, die diesen Petrus-Brief bekommen, unterordnen.

Demut heißt also: Sich unterordnen. Unter Gott. Und da, wo es geboten ist, auch Menschen.

Zugegeben, beides fällt uns Heutigen nicht allzu leicht. Wir leben in einer Zeit, in der sich scheinbar niemand mehr einem anderen unterordnen mag, in der es Autoritäten überall schwer haben. Politiker, Polizisten, Feuerwehrleute, Kirchenleute - sie alle bekommen immer wieder zu hören und zu spüren: Von euch lassen wir uns überhaupt nichts mehr sagen! Und wir erleben, wie eine jahrhundertealte Ordnung ins Wanken gerät. Jeder meint, sagen und tun zu können, was seinem eigenen Nutzen dient. Und unsere Gesellschaftsordnung droht zu zerbrechen.

Sich einordnen. Sich anderen unterordnen. Einander dienen. Im Betriebsmanagement hat man das schon lange als wichtige Regel fürs Zusammenleben erkannt. „Servant leadership“ nennt man das hier. Dienende Leiterschaft. Ich diene den anderen und sie dienen mir. Die Chefs den Mitarbeitern, die Mitarbeiter den Chefs, der Betrieb seinen Kunden und Lieferanten. Weil ja jeder gleichzeitig Kunde und Lieferant ist. Was das heißt, hat mir Heinz-Horst Deichmann, der erfolgreiche Schuhhändler, vor Jahren in einem Interview so gesagt: „Wir sollen es so machen wie Schuhverkäufer. Die knien vor ihren Kunden.“

Die Aufforderung von Petrus ist somit ausgesprochen zeitgemäß. Einander dienen. Anerkennen, dass der andere eine andere Rolle hat. Andere Kompetenzen. Ihm zuhören, ihn ernst nehmen, ihm Gutes ermöglichen. Und umgekehrt erwarten können, dass er sich mir unterordnet, wo ich die Verantwortung trage, mehr Know-How habe. Im Betrieb, in der Gesellschaft, in der Gemeinde.

Demut anziehen. Oder besser noch sich reinziehen. Nicht demütig tun. Niemand wird ärmer dabei. Im Gegenteil: Wir profitieren voneinander. Und die Gesellschaft. Und die Welt.

Wie’s geht, hat Jesus gelebt. Er, der Herr, der Gottessohn und Menschensohn, hat seinen Jüngern die Füße gewaschen wie ein Hausangestellter.

Ich könnte es also auch anders sagen: Statt Demut anziehen - Jesus anziehen, ihn hineinlassen in unsere Gedanken und Gefühle, ihn hineinlassen ins Herz unseres Wesens, ins Herz unseres Zusammenlebens.

 

Autor: Jürgen Werth

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Gerecht und gnädig – wie geht das zusammen?

Was für ein Bekenntnis! „Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken.“ So festgehalten im großen Lobpsalm 145.

Gerecht und gnädig. Oder, wie man auch übersetzen könnte, gerecht und gütig, treu, fromm.

Gerecht und gnädig. Bei uns Menschen schließen die beiden Begriffe einander oft genug aus. Wer seine „gerechte Strafe“ bekommt, darf nicht auf Gnade hoffen. Und Güte und Treue spielen da schon überhaupt keine Rolle.

Aber bei Gott geht beides zusammen. Er ist gerecht. Heißt: Er hält sich an seine Regeln, seine Ansprüche und Zusprüche. Er wird sich selber gerecht. Gott ist kein Willkürherrscher, kein launischer Herrscher, der einfach tut, was ihm gerade so gefällt. Er ist unbestechlich. Lässt sich nicht um den Finger wickeln von denen, die’s besonders geschickt anstellen. Er wird jedem Menschen gerecht. Man kann sich auf ihn verlassen. Jeder.

Seine Regeln hat er selber entlassen. Und sie entspringen und entsprechen seinem Wesen. Für mich sind sie vor allem mit zwei Begriffen umschrieben: Wahrheit und Liebe. Es gibt bei ihm keine Lüge, keinen Betrug, kein Hintenherum. Das alles braucht man ja auch gar nicht, wenn man liebt. Und das tut er. So sehr, dass er - viele Jahrhunderte nachdem David das Bekenntnis aufgeschrieben hat - seinen Sohn in die Welt schickt. Und die Strafe für alle Ungerechtigkeiten in der Welt auf die eigene Kappe nimmt.

Weil er eben nicht nur gerecht ist, sondern auch gnädig. Gütig. Treu. Sich selbst treu, seiner Liebe treu, und seinen geliebten Menschen. Paulus jubelt später: „Sind wir untreu, so bleibt er treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“ (2. Tim 2,13)

Gott ist gnädig. Er vergibt denen, die schuldig geworden sind. Er richtet die auf, die gefallen sind. Er lässt die wieder bei sich wohnen, die sich eigene Behausungen gebaut haben und da verkümmert sind. Gott ist gnädig. In seinem Sohn und durch seinen Sohn.

Gerecht und gnädig. Die beiden hebräischen Begriffe, die hier stehen, spielen im jüdischen Bewusstsein eine zentrale Rolle. „zaddik“ und „chassid“. Mit diesen Begriffen bezeichnen sich fromme Juden bis heute. Weil sie an den gerechten und gnädigen Gott glauben. Weil sie ihm nachfolgen wollen. Weil sie ihr Leben an ihm ausrichten wollen. Weil sie handeln wollen wie er.

Aber kann man das überhaupt? Wer ist schon wirklich gerecht? Wer wird den Lebensregeln Gottes gerecht? Nicht nur hin und wieder, sondern immer? Und wer ist schon immer gnädig und gütig und treu? Können Menschen wirklich „Zaddikim“ und „Chassidim“ sein, Gerechte und Gnädige?

Paulus sagt: Nein, das überfordert uns Menschen. Wir kriegen das nicht hin, so sehr wir uns auch bemühen. Gerade deshalb hat der gerechte und gnädige Gott ja Christus geschickt, den einzig ganz und gar Gerechten und Gnädigen. Darum ist Christus gestorben und auferstanden. Darum hat er für alle Menschenschuld bezahlt. Seitdem gilt: Wer sich an ihn hält, der wird gerecht und gnädig. Nicht durch eigene Anstrengung, sondern durch ihn und in ihm. „Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid. Damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd eingehn.“ So dichtet und verdichtet es später Nikolaus Graf von Zinzendorf.

Durch Christus gerecht gemacht. Gnädig von Gott aufgenommen. Und nun wieder in die Welt geschickt mit dem Auftrag, diese himmlische Gerechtigkeit, diese göttliche Gnade zu lehren und zu leben. Das ist und bleibt nun der Lebensauftrag der Christen.

Wo ich ihn wohl heute erfüllen kann?

 

Autor: Jürgen Werth

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Staunen über Gottes Handschrift

Als unsere Kinder noch kleiner waren, sangen wir oftmals zusammen: „Wer hat all die Blumen gemacht, in ihrer ganzen Farbenpracht und wer lässt Vögel fliegen?“ Unsere Tochter fand damals, dass diese eine Strophe nicht ausreiche. Sie dichtete eine zweite: Wer hat all die Sterne gemacht, in ihrer ganzen Strahlenpracht und wer lässt die Fische schwimmen? Im Refrain von diesem Schweizer Mundartlied heißt es dann: „Du bist mein Gott, bist mein Schöpfer, der Schöpfer der ganzen Welt, du bist mein Gott, du bist der größte Held.“

Auch der Prophet Nehemia hat das schon vor langer Zeit erkannt. Wir können es im neunten Kapitel des Buches Nehemia lesen: Du bist der HERR, du allein! Du hast den Himmel geschaffen mit all seinen Sternen! Die Erde und das Meer sind dein Werk mit allen Geschöpfen, die es dort gibt. Du hast ihnen das Leben geschenkt; die Mächte des Himmels beten dich an. (HFA)

Unsere Kinder wie auch Nehemia haben sich etwas ganz Wertvolles erhalten und leben es aus. Etwas, was in der heutigen Gesellschaft und in unserer Lebensweise oftmals verloren gegangen ist. Wie wohltuend wäre es doch, einfach einmal innezuhalten von unserem Tun und einen Blick in die Schöpfung zu werfen? Innezuhalten, zu schauen und zu staunen und Gott zu loben.

Dazu motiviert mich der Vers aus Nehemia. In meinem Alltag einmal anhalten, durchatmen und Gott loben und ehren. Jetzt im Frühling fällt mir das leicht. Jetzt, wo es wirklich wieder heller draußen wird, wo die Sonne die Natur wieder erwachen lässt und die Frühlingsblumen mit ihren Farben spielen. Wenn ich mich dann so umsehe, ist es doch ganz einfach, Gottes Handschrift in allem zu erkennen. Zu glauben, dass es nicht Zufall und Urknall waren, sondern ein Gott, der uns das Leben und diese Welt geschenkt hat. Ein Gott, der alles bis ins kleinste Detail durchdacht hat und dann sprach: Es werde.

Ich möchte es wieder neu mit den Kindern und von Nehemia lernen, Gott zu loben. Ihn zu ehren, indem ich immer wieder neu anfange zu staunen über seine Schöpfung, unsere Erde. Ich möchte wieder die kleinen Wunder des Lebens bestaunen, wenn ein Schmetterling über die Wiese fliegt, wenn ich die Bienen summen höre. Ich möchte Gott für die vielen wundervollen Dinge danken, die er uns jeden Tag schenkt.

Und diese Dankbarkeit möchte ich mit meinen Mitmenschen teilen. Ich möchte Sie daran teilhaben lassen und Sie einladen, auch diesen Schöpfer-Gott in ihrer Umwelt zu entdecken. Und durch diese Entdeckungen zu erfahren, dass Gott der Herr allein ist. Dass er der Gott ist, der den Himmel und die Erde und auch jeden einzelnen von uns geschaffen hat und gesagt hat: Es ist sehr gut.

Autor: Janine Haller

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Die Antwort auf alle Lebensfragen

Unsere Söhne lieben eine gute Abenteuergeschichte. Am liebsten solche mit einer Schatzsuche und vor allem dem Schatz-Finden. Es wäre auch sicherlich ein wundervoller Anblick, einmal wirklich einen verborgenen Schatz zu finden. Die Truhe von Dreck und Erdreich zu befreien und dann langsam den Deckel zu öffnen und dann dieser Augenblick des Erstaunens. Der glitzernde und funkelnde Schatz in der Schatztruhe.

Die wenigsten von uns werden im wahren Leben eine solche Schatzkiste finden. Doch das muss uns gar nicht enttäuschen, denn Paulus schreibt in Kol 2: In ihm, also in Christus, sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. Während wir bei Schätzen sofort funkelnde Juwelen und Diamanten vor Augen haben, spricht Paulus hier von ganz anderen Schätzen. Nicht das Materielle steht hier im Vordergrund, sondern die Schätze der Weisheit und Erkenntnis. Der englische Philosoph Francis Bacon soll einmal gesagt haben: Wissen ist Macht. Wenn wir heute etwas wissen wollen, dann ist der Griff zum Handy fast automatisiert und Google wird befragt. Auf die ganz wichtigen Fragen des Lebens hat auch das Internet nur ungenügende Antworten.

Paulus schreibt nun: In Christus sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. Das ist die Antwort auf meine Lebensfragen. Ich muss sie nicht googeln, ich muss auch nicht irgendwelchen spirituellen Leitern im Leben nacheifern. Die Antwort liegt zum Greifen nah. In der Person Jesus Christus. In Jesus sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. Vor gut drei Monaten haben wir Weihnachten gefeiert. Das kleine Kind in der Krippe. Jesus Christus ist Gottes Sohn, der sich auf den Weg zu uns Menschen macht.

In wenigen Wochen feiern wir Ostern: Gott, der seinen Sohn Jesus Christus am Kreuz sterben lässt - aus Liebe zu mir und dir. Jesus stirbt, damit jeder Mensch wieder in ein freundschaftliches Verhältnis zu Gott kommen kann. Und Jesus ist von den Toten auferstanden, weil Gott stärker als der Tod ist.

Wenn ich auf Jesus Christus blicke, dann entdecke ich Gottes größten Schatz für mich. In Jesus erkenne ich Gottes Liebe zu mir und seine große Hoffnung, dass ich durch seinen Sohn wieder in Gemeinschaft mit Gott komme.

Dabei geht es nicht darum, im Leben irgendwie religiös zu sein und bestimmte Regeln zu befolgen. Nein, ich darf auf Christus schauen. In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. Im Blick auf Jesus, auf all das, was die Bibel über ihn berichtet, kann ich den wundervollen Schatz entdecken, den Gott uns geschenkt hat. Ich kann mit Jesus reden. Ich darf ihm sagen, was mich bewegt und beschäftigt. Wenn ich so mein Leben und meinen Alltag mit ihm teile und verbringe, entdecke ich immer mehr den Schatz der Weisheit und Erkenntnis. Und dabei erlebe ich, dass Gott es unendlich gut mit uns meint.

Autor: Janine Haller

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Gibt es Größeres als die Vernunft?

Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Vers im Lauf meines Pastorenlebens am Ende einer jeden Predigt gesprochen habe: „Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, segne und bewahre eure Herzen in Christus Jesus, unserem Herrn.“ Dabei berührt mich eine Wendung darin immer aufs Neue: „der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft!“

Wieso höher als Vernunft? Ist denn nicht die Vernunft das Höchste, was uns Menschen gegeben ist? Macht sie uns nicht zu Ebenbildern Gottes? Wer predigt, soll doch verständlich predigen. Das heißt zu allererst: so laut und so deutlich predigen, dass es alle Zuhörenden verstehen können. Oft habe ich schon einen Gottesdienstbesucher erlebt, der enttäuscht aus der Kirche gegangen ist: „Die Pastorin ist ganz nett, aber leider habe ich das meiste nicht verstehen können. Es war viel zu leise!“ Was hilft die schönste Predigt, wenn sie schon rein äußerlich nicht verstanden wird?

Doch soll meine Predigt nicht nur laut und deutlich sein, sondern sie soll auch klar sein, also durchdacht und vernünftig. Was helfen laute, deutliche Worte, wenn die Gedanken wie Kraut und Rüben durcheinanderschießen? Dann muss ich hören: „Nach fünf Minuten habe ich abgeschaltet und bin meinen eigenen Gedanken nachgegangen. In dem, was der Pastor gesagt hat, habe ich weder Sinn noch Verstand gefunden. – Schade eigentlich, wo ich mich so auf die Kirche gefreut habe!“

Verständlich und vernünftig soll eine Predigt sein. Was meint dann aber der Kanzelsegen am Schluss mit seinem „Frieden, der höher ist als alle Vernunft“? Ist Gottes Sache unvernünftig? Geht gar der Glaube wider die Vernunft an? Das kann doch nicht sein! Um Frieden muss vernünftig gerungen werden. Es kann der Arbeitsfriede sein, der in einem Streik aufgekündigt wurde. In diesem Ringen zählen vernünftige Argumente, die zu einer gemeinsame Lösung führen. Oder die Argumente vor Gericht, die zwei streitende Parteien vortragen und in denen sie um ihr Recht ringen. Vernünftig muss doch sein, was sie zu sagen haben. Am Ende fällt der Richter sein Urteil. Auch das hat er vernünftig aus dem Gesetz begründet und so den Streitfall geschlichtet. Sein Urteil wird von den Parteien hingenommen, im guten Fall sogar angenommen als die vernünftige Lösung.

Aber Friede höher als Vernunft? Was ist damit gemeint? Gibt es Größeres als die Vernunft? Mir hilft bei diesen Fragen das Leben weiter. Denn das Leben ist größer als die Vernunft. Zum Beispiel hat neulich jemand zu mir gesagt: „Weißt du, das war eine Bauchentscheidung! Aber ich habe sie nie bereut. Sie war die beste, die ich fällen konnte!“ Eine Entscheidung also, die nicht unvernünftig getroffen wurde und doch höher war als Vernunft. Oder ein anderes Beispiel: Zwei Freunde beendeten ihren alten Streit, der ihre Freundschaft zerrissen hatte. Einer kam als erster auf den anderen zu mit den Worten: „Weißt du was? Einfach Schwamm drüber! Reden wir nicht mehr davon!“ Da mussten beide lachen und Friede kehrte ein, Friede, der höher ist als Vernunft!

Wo bleibt da Gott? Er ist mittendrin. Insbesondere dann, wenn der Glaube mir hilft, diesen höheren Frieden zu schließen. Denn Gott steht doch über den Gegensätzen, die Menschen so leicht auseinanderreißen! Er lässt seine Sonne über allen aufgehen. Und Jesus hat seine Jünger gelehrt, auch ihre Feinde zu lieben. Das heißt ja nicht, ihnen um den Hals zu fallen, sondern sie zu achten und ehren. Denn auch sie sind geliebte Geschöpfe Gottes und auch für sie hat Jesus am Kreuz sein Leben dahingegeben.

Frieden ist dort gefährdet, wo wir Menschen uns an unseren Standpunkt klammern. Doch wo wir unseren Blick zu Gott erheben, da kann uns diese Wahrheit im Herzen  wachsen, bis wir eines Tages aus der göttlichen Weite zu dem Frieden finden, der höher ist als alle Vernunft.

Autor: Pastor Dr. Georg Gremels

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Wo finde ich Gott?

„Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, / er birgt mich im Schutz seines Zeltes.“ (Psalm 27,5).

Böse Zeiten – von ihnen weiß der Beter des 27. Psalms ein Lied zu singen. Übeltäter bedrängen ihn, die ihm schaden wollen. Widersacher und Feinde stehen gegen ihn auf, die ihm das Leben schwermachen. Doch getrost wendet er sich an Gott im Gebet: Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, / er birgt mich im Schutz seines Zeltes.

Aber wohin kann ich gehen, wenn ich bedrängt werde? Der Psalmbeter geht in seiner Erinnerung weit zurück, bis in die Urzeiten Israels. Damals errichtete Mose die Stiftshütte, das heilige Zelt, in dem Gott sein Volk während der Wanderung durch die Wüste bis ins gelobte Land begleitete. Dort fanden sie Schutz vor den bösen Stürmen des Lebens. Dort gab er ihnen im heiligen Zelt Geborgenheit. Daran erinnert sich der Psalmbeter!

Aber warum greift er so weit zurück in seiner Erinnerung? Wäre es nicht einfacher gewesen, sich der Gegenwart Gottes jetzt zu vergewissern? Ihn fasziniert das Wüstenheiligtum, weil es das Volk durch wüste Zeiten begleitet hat. Und damit bin ich mitten in meinem heutigen Leben angelangt. Denn wo finde ich heute die Schutzhütte Gottes? Wo wird er mir sein Zelt in böser Zeit aufschlagen? Die Kirche oder das Gemeinschaftshaus können nicht gemeint sein, denn sie stehen „festgemauert in der Erden“.

Wo kann ich sein heiliges Zelt finden, das mich vor drohendem Unglück bergen kann? Seine Hütte steht in mir! Gottes Zelt ist mein Herz. Das erinnert mich an mein Kindergebet. Meine Mutter sprach es mit mir, als ich noch klein war: „Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein!“ Mein Herz, das ist seine Hütte und sein Zelt, in dem er selbst, Jesus, gegenwärtig wohnt und mich auf allen meinen Wegen begleitet.

Gott in meinem Herzen? Wie kann das gemeint sein? Vom Herzen reden wir symbolisch und doch zugleich wörtlich. Denn mein Herz schlägt inmitten meines Körpers, lebenslang. Solange es pocht, bin ich noch da. Ich lebe! Wenn mir etwas nahekommt, geht es mir zu Herzen. Ich kann mich von Herzen freuen, wenn ich meine Frau in den Arm nehme. Ich kann aber auch im Herzen tief betrübt sein über den Tod eines lieben Freundes. Und wenn meine kleine Enkelin zu Besuch kommt, dann drücke ich sie fest an mein Herz. Manchmal klopft mir das Herz bis zum Halse, wenn ich gerade mit knapper Not einen Autounfall habe vermeiden können. Und manchmal geht mein Herz auch in Sprüngen, wie Paul Gerhard dichtet, weil ich mich an diesem so gelungenen Tag in Gott freuen kann.

Dort im Herzen, wo meine Liebe, meine Gefühle meine Sehnsucht wohnen, dort ist auch er zuhause, mein Herr und mein Gott. Aber da genau brechen in mir Zweifel auf. Wo bleibt denn der Herr, wenn Sorgen um meine Gesundheit mein Herz bedrücken? Ich spüre nichts von seinem Schutz, wenn ich mich um mein Kind im Ausland ängstige. Warum beruhigt er mein Herz nicht, wenn mich berufliche Probleme umtreiben? Wo ist er dann, der Herr, in der Hütte meines Herzens, der doch in meinem Inneren zeltet?

Dabei bin ich auf ein alte Wahrheit Philipp Jakob Speners gestoßen, einer der Gründer des Pietismus. Er meint: Wenn Ängste dich umtreiben, wenn Sorgen dich quälen, wenn Schweres dein Herz aufwühlt, dann bist Du noch zu sehr in deinem Kopf. Gott aber wohnt in der Tiefe deines Herzens. Dahin gilt es hinabzusteigen! Wie das geht? Ich will ihn in der Hütte seines Wortes aufsuchen. Ich will mir den ganzen Psalm 27 vornehmen, bis ich spüre, wie mein Herz im Durchbeten ruhiger wird. Oder rufe ich eine liebe Freundin, einen Freund an und spüre, wie mir mein Herz leichter wird? Oder finde ich ihn in mir auf einem langen Spaziergang und erfahre ihn dann in der Hütte meines Herzens und im Zelt meiner Seele?

Autor: Pastor Dr. Georg Gremels

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Gott legt sich fest

Es gehört mit zum Schönsten meines Pfarrberufes, wenn ein Paar vorspricht, um kirchlich zu heiraten. Oftmals erzählen mir die beiden, wie sie sich kennengelernt haben. Sie erzählen, dass sie schon viel miteinander erlebt haben, auch schon mal die eine oder andere Krise durchgestanden, nun aber wirklich entschlossen sind, gemeinsam durch das Leben zu gehen. Und wenn dann in der Kirche laut und deutlich das „Ja“ ertönt und die beiden sich danach manchmal auch küssen und die Hochzeitsgäste klatschen, dann ist das wirklich ein bewegender und spannender Moment.

Doch dann gibt es eben auch die andere Erfahrung. Eine junge Frau erzählt, dass ihre Ehe schon ein Jahr nach der Hochzeit am Ende ist. Vom lauten und deutlichen „Ja“ zueinander ist nichts mehr übrig. Streit, Enttäuschung, Schläge, dann der Auszug und der Satz: „Ich will nicht mehr zurück.“

Menschen versprechen viel, aber oftmals haben die Versprechen nur eine kurze Halbwertszeit. Viele Menschen haben diese Erfahrung gemacht: Sie haben erlebt, dass Treue brüchig ist.

Die Bibel berichtet davon, dass nicht nur Menschen mit Treulosigkeit konfrontiert werden. Auch der lebendige Gott erfährt immer wieder, dass Menschen ihre Zusagen nicht einhalten. Im Alten Testament wird in vielen Geschichten erzählt, wie Menschen sich von Gott abwenden, ihn links liegenlassen, ja mehr noch, ihn abservieren und andere Götter anbeten. Wieder und wieder erfährt er das.

Umso erstaunlicher ist es, wie Gott sich zeigt. Obwohl er von uns Menschen immer wieder enttäuscht wird, hält er uns die Treue. Obwohl er immer wieder erlebt, dass wir uns abwenden von ihm, ihm nicht den ersten Platz in unserem Leben einräumen, hält er uns die Treue.

Der Apostel Paulus schreibt im Hinblick auf das Volk Israel „Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen“. Und dieser Satz gilt nicht nur für das Volk Israel, dieser Satz gilt auch für Christen, für Menschen, die ihr Leben Jesus Christus anvertraut haben. Der lebendige Gott hat sich festgelegt. Wer sein Leben Jesus Christus anvertraut, den nimmt er an als sein Kind. Er hält zu ihm. Er schenkt inneren Frieden, Freude und Vertrauen.

Er vertraut seinen Kindern Aufgaben an. Durch seinen Geist rüstet er sie auch aus mit den Gaben, die sie brauchen, um ihren Auftrag zu erfüllen.

Und er sagt ihnen zu, dass er sie ein Leben lang begleiten wird.

Und davon lässt Gott sich nicht abbringen. Auf keinen Fall. Auch dann nicht, wenn wir ihn enttäuschen. Auch dann nicht, wenn wir schuldig werden. Seine Zusage uns gegenüber gilt. Und deshalb dürfen wir immer wieder zu ihm umkehren. Er nimmt uns an und bleibt an unserer Seite.

Es ist 48 Jahre her. Damals war ich 12 Jahre alt. Zum ersten Mal habe ich in diesem Alter begriffen, dass Jesus Christus Herr in meinem Leben sein möchte. In einem Gebet habe ich mich ihm anvertraut. Und seither erfahre ich es, dass er wirklich mit mir geht. Aber es gab Zeiten, da habe ich mich von ihm entfernt, bin eher eigene Wege gegangen.

Aber die schöne Erfahrung war: Egal was war, ich konnte immer wieder zu ihm umkehren. Er hat mich nicht zurückgewiesen. Immer wieder konnte ich an meiner ursprünglichen Berufung anknüpfen. Ich lernte Jesus als den kennen, der wirklich vertrauenswürdig ist und bleibt. Darauf will ich mich auch in Zukunft verlassen.

Autor: Lothar Eisele

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Guten Appetit

Ich werde den älteren Pfarrkollegen nie vergessen. Er war auf dem Land aufgewachsen. Wie selbstverständlich hatte er sich angewöhnt, regelmäßig im Gottesdienst am Sonntag für „gnädiges“ Wetter zu beten. Als Landpfarrer wusste er, wie dringend Landwirte darauf angewiesen sind, dass  genügend Regen fällt und die Sonne scheint, damit die angebauten Pflanzen wachsen können. Und obwohl er schon längst nicht mehr in der Gemeinde ist, erinnern sich besonders die Älteren an ihn, wenn es wieder einmal eine längere Zeit der Trockenheit im Sommer gibt.

Auch wenn wir es gewohnt sind, durch den Supermarkt zu gehen und zwischen Lebensmitteln in großer Auswahl wählen können: Selbstverständlich ist dies alles nicht. Es ist ein Wunder, dass Jahr für Jahr Obst und Gemüse wachsen und wir, zumindest hier in Europa, in großer Auswahl essen dürfen.

Wenn ich meine Konfirmanden frage, wer von ihnen im normalen Alltag ein Tischgebet spricht, dann sind es eigentlich immer nur wenige, die sich melden. Es scheint ja so selbstverständlich, dass wir Essen und Trinken auf dem Tisch haben, da ist ein Danke an unseren Schöpfer anscheinend nicht mehr notwendig.

Und doch: Das Wort aus den Psalmen erinnert daran; auch wenn es wir Menschen sind, die Gemüse, Getreide und Obst anbauen, dass es wirklich wächst, reift und schließlich geerntet werden kann, ist letztlich ein Geschenk Gottes an uns. Er ist es, der die Welt so geschaffen hat, dass Pflanzen, Tiere und Menschen fruchtbar sind. Letztlich ist es seine Fürsorge für uns Menschen, die es ermöglicht, dass wir Tag für Tag zu essen haben.

Und deshalb ist dieses Psalmwort eine Erinnerung und Ermutigung, Gott, dem Schöpfer, zu danken, nicht nur einmal im Jahr an Erntedank, sondern täglich. So wie die Beziehungen in einer Familie gefestigt werden, wenn man sich regelmäßig dankt für das, was der andere für einen Gutes tut. So festigt und intensiviert sich auch die Beziehung zu unserem Schöpfer, wenn wir nicht achtlos zur Kenntnis nehmen, wie er uns täglich Gutes zukommen lässt, sondern ihm dafür danken.

Noch etwas: Weil er es ist, von dem das Gute kommt, will ich auch die Lebensmittel, die mir zur Verfügung stehen, achten und wertschätzen. Es sind wirklich zu viele Lebensmittel, die in unserem Land täglich weggeworfen werden. Deshalb ist es mir wichtig, dass wir, wenn wir auf das Konfirmandenwochenende fahren und am Buffet stehen, nicht mehr auf den Teller häufen, als wir tatsächlich essen. Lieber zuerst einmal weniger und probieren.

Zunehmend denke ich auch: Es ist gut, wenn wir die Erde, die Gott uns zum Anbau der Früchte zur Verfügung stellt, auch gut behandeln und nicht unnötig belasten. Ist es wirklich in seinem Sinn, wenn wir Lebensmittel durch die halbe Welt befördern oder den Boden mit unnötigen Giften belasten? Wir verdanken den modernen Anbaumethoden viel. Aber wir sind aufgerufen, Gottes Erde gut zu behandeln. Wie gut, wenn wir wenigstens hin und wieder Nahrungsmittel kaufen können, die ganz in der Nähe wachsen, wo wir wohnen.

Und schließlich: Nicht überall auf der Welt stehen Lebensmittel in solch einem Übermaß zur Verfügung wie bei uns. Neulich sagte ein Kollege zu mir: Als ich das erste Mal in Afrika war und die Armut dort wirklich wahrgenommen habe, da habe ich plötzlich gewusst, warum Gott uns so viel in Deutschland anvertraut hat. Ich schaute ihn fragend an: Na, damit wir es teilen mit unseren ärmeren Schwestern und Brüdern. Wie gut, dass es inzwischen viele Projekte gibt, die die Landwirtschaft in Gegenden fördern, die klimatisch nicht so günstige Voraussetzungen haben wie wir hier in Deutschland.

Der Bibelvers aus den Psalmen hat es in sich. Je mehr ich über ihn nachdenke, desto mehr fange ich spontan an zu beten: Lieber Vater, vielen Dank für das Essen, das ich diese Woche genießen durfte. Lass mich achtsam werden im Umgang mit Lebensmitteln. Und mach uns hier bereit, den Menschen beizustehen, die nicht genug zu essen haben. Amen

Autor: Lothar Eisele

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Warnschilder

Wodurch kann ich Entscheidendes über Gott erfahren? Im Psalm19, 12 heißt es: „Dein Knecht lässt sich durch deine Gebote warnen.“ Im Psalm 19 werden zwei Horizonte angesprochen: Gottes Macht kann sich einem Menschen über der Pracht der herrlichen Schöpfung Gottes erschließen.

Und Gottes Weisheit verbirgt sich in seinem Wort, in seiner Weisung, in seinem Gebot.

Die Schöpfung, zu der jeder von uns zählt, lebt vom natürlichen Licht der Sonne. Und zugleich sind wir auf das geistliche Licht aus seinem Wort angewiesen. Und nichts soll diese beiden Quellen unseres Lebens außer Kraft setzen, solange diese Erde bestehen wird.

„Dein Knecht lässt sich durch deine Gebote warnen.“ Ehe diese Selbstverpflichtung ausgesprochen wird, lobt Psalm 19 die besondere Qualität des Gesetzes Gottes, zu der die Gebote Gottes gehören: Das Gesamtgesetz Gottes ist vollkommen und zuverlässig. Es benötigt keine veränderte und verbesserte Neuauflage. Das Gesetz Gottes ist zugleich mit göttlicher Weisheit und Wahrheit gefüllt und es erfüllt das Menschenherz mit Freude.

Schließlich lenkt dieser Psalm unsere Gedanken auf einen Gesichtspunkt von besonderer Bedeutung: Indem die Gebote Gottes uns den richten Weg zeigen, warnen sie uns vor möglichen Verirrungen. Warnungen sind nicht immer beliebt. Welches Kind hört gerne auf die Warnungen seiner Mutter? Welche Hausfrau entdeckt mit Freude durch eine Lebensmittelwarnung etwas in ihrem Kühlschrank, das offensichtlich schädlich ist? Welcher Mann lässt ausgerechnet sein neues Auto gerne in die Werkstatt zurückrufen?

Warnungen können etwas Lästiges und Unbeliebtes sein. Andererseits machen Warnungen Sinn.

Ein Verkehrsschild, das eine straffe Kurve anzeigt, will Leben erhalten. Eine Virenwarnung im Computer möchte vor weiterer Schädigung der vorhandenen Daten schützen. Damit wäre der Kern jeder Warnung benannt. Sie will bewahren. Sie will schützen. Sie will, dass das Leben gelingt. Sie will etwas Gutes.

Dein Knecht lässt sich durch deine Gebote warnen. Ein Mensch hat erkannt, dass ihm die Gebote Gottes dienen. Leichtsinnig und unbesonnen wäre es, ihnen nicht zu folgen. Wird etwa ein Tourist eine Tsunamiwarnung seines Urlaubsgebietes in den Wind schlagen? Kaum. Genauso wenig lässt sich dieser Psalmbeter davon abbringen, die Warnungen Gottes zu beachten.

Die Thora, die Gebote Gottes, für uns heute in erster Linie die 10 Gebote, haben mindestens drei Grundbedeutungen: Als Spiegel decken sie unsere persönliche Schuld auf; als Riegel verbieten sie, was der menschlichen Gesellschaft und damit uns schaden würde und als Zügel wollen die Gebote Gottes uns davor bewahren, vom richtigen Weg abzuweichen.

Allerdings entfalten die Gebote Gottes keine magische Eigenwirkung. Sie verlangen die Bereitschaft, ihrem Freiraum zu folgen. Zugleich schützen sie uns vor Übermut, vor Fehltritten und vor bösen Überraschungen. In ihrer Beachtung liegt tatsächlich ein „großer Lohn“ so Psalm 19, 12b).

Das ermutigt uns, dem Wort Gottes als Gebot und Angebot zu vertrauen und seinen Wert und seine Weisheit persönlich zu erfahren.

Autor: Matthias Dreßler

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Eine Adresse fürs Gebet

Zu allen Zeiten haben Menschen eine Adresse für ihre Gebete gesucht und gefunden. Insbesondere in Situationen der Not haben sie sich mit Stoßgebeten nach Hilfe und Rettung ausgestreckt.

Wie notiert Bonhoeffer? „Menschen gehen zu Gott in ihrer Not, flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot, um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod. So tun sie alle, … Christen und Heiden.“

Etliche beteten zu den ihnen bekannten Göttern und Götzen aus Holz oder Stein. Psalm 115 beschreibt eindrücklich, was von ihnen zu erwarten ist: „Ihre Götzen sind […] von Menschenhänden gemacht. Sie haben Mäuler und reden nicht, sie haben Augen und sehen nicht. Sie haben Ohren und hören nicht, sie haben Nasen und riechen nicht. Sie haben Hände und greifen nicht, Füße haben sie und gehen nicht […].“ Eigentlich sind Sie „Nichtse“, wie Psalm 96,5 betont. Hilfe ist jedenfalls nicht von ihnen zu erwarten.

Keineswegs ist es Gottes Missgunst oder Gottes Neid, uns den Umgang mit nichtsnutzigen Göttern zu untersagen, denn: Gott kennt keine wirklichen Konkurrenten. Stattdessen will er verhindern, dass wir unser Herz in die Abhängigkeit fremder oder finsterer Mächte bringen und am Ende leer ausgehen.

Wie ganz anders steht es mit jedem Gebet zu dem lebendigen Gott, wie er uns in der Bibel geschildert wird. Vor keinem unserer Gebete verschließt er sein Ohr. Er schätzt unseren Kontakt zu ihm. Und es ist für ihn keine wirkliche Herausforderung, für uns einzutreten und unsere Sache zu einem guten Abschluss zu bringen. Gerne steht er auf der Seite derer, die ihm ganz und gar vertrauen.                     

Wer sagen kann, „Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten“, hat den Mehrwert Gottes als entscheidende Adresse seines Gebetes entdeckt. Nur der Allerhöchste ist zu aller erforderlichen Hilfe befähigt. Ihm ist keine Schranke gesetzt. Darum gibt er sich zuerst Abrahm, dann Mose und später immer wieder Hiob als „El-Schaddai“, der Allmächtige, zu erkennen.

Doch Gott der Allerhöchste und Allmächtige nutzt seine allumfassende Macht und Kraft nicht, um ein weltweites Aggressionspotential zu entfalten, wie es die Diktatoren aller Zeiten getan haben. Er ist mit seiner Stärke der große Gott, der für uns eintritt. Darum kann der Beter des Psalmes 57 sagen „Im Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht“, auch wenn ich mich fühle, als wäre ich umgeben von Löwen, die „gierig nach mir schnappen“.

Mit Bonhoeffer können wir festhalten: „Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not, sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot, stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod, und vergibt ihnen beiden.“

Das ist Gottes Zielvorstellung für jeden von uns.

Gott sorgt sich in seiner Macht als Allerhöchster um unser geistliches Heil und ebenso um die Heilung mancher persönlichen Nöte. Und was wir in unserem Leben nicht verstehen, müssen wir nicht begreifen. - Der Allerhöchste jedenfalls kennt keine andere Grenze seines Wirkens als seinen eigenen Willen, seinen Ratschluss und seinen Plan mit uns. Doch er respektiert den Willen von uns Menschen!

Gewiss bleibt, dass er unser Leben zu einem guten Ende in seiner Ewigkeit führen will.

Autor: Matthias Dreßler

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Was brauche ich wirklich?

Manchmal träume ich so vor mich hin. Was wäre wohl, wenn … - … wenn, wie im Märchen, eine Fee auf mich zukommen würde und ich einen Wunsch frei hätte. „Oh, wie schön!“, denke ich, „Einen Wunsch frei!“ - was gäbe es da nicht alles zu wünschen? Gesundheit natürlich und Fröhlichkeit, ein neues Auto oder überhaupt etwas mehr Geld? Ich könnte ja 10% davon spenden und Gutes tun. Oder die Heilung zerbrochener Beziehungen?

Je länger ich nachdenke, desto mehr Wünsche fallen mir ein und auf einmal heißt es nicht mehr „Oh, wie schön“, sondern „Ach, wie schrecklich, ein Wunsch frei!“ Welcher mag wohl der richtige sein und woran sollte ich das erkennen?

Ähnlich mag es dem jungen König Salomo ergangen sein. Nur wurde der nicht von irgend einer Fee gefragt, sondern vom lebendigen Gott. Was wird so einem jungen Mann, der gerade König geworden ist, durch den Kopf gegangen sein? Was kann der nicht alles gebrauchen?

Im Gespräch mit Gott sagt er: „Ich weiß weder ein noch aus.“ In der Bibel lesen wir davon, dass Salomo dann einen Entschluss gefasst hat. Der Wunsch, den er äußert, kam nicht zufällig über seine Lippen, nicht aus einem Bauchgefühl heraus. Er hatte sich entschlossen. Das Dringlichste, was er brauchte, war ein gehorsames Herz, damit er verstehen könne, was gut und böse ist.

Seltsam, dieser Wunsch. Mit dem Wort „Gehorsam“ können wir heute nicht mehr recht etwas anfangen, zu sehr hat es in unserer eigenen Geschichte Schlimmes mit sich gebracht. Und doch gilt es, da genau hinzuhören. In diesem Wort „Gehorsam“ steckt ja das Wort „hören“ drin und eben dieser Entschluss, dem Gehörten Folge zu leisten. Genau dazu hat sich dieser junge König entschlossen. Ich will auf Gott, den Herrn, hören und das tun, was Er sagt.

Die Antwort Gottes bleibt nicht aus: „Weil du darum bittest und bittest weder um langes Leben noch um Reichtum noch um deiner Feinde Tod, sondern um Verstand, auf das Recht zu hören, siehe, so tue ich nach deinen Worten. Siehe, ich gebe dir ein weises und verständiges Herz." (1. Könige 3, 11+12). In der Folge lesen wir in der Geschichte Salomos, wie sich das Versprechen Gottes bewahrheitet hat. Salomos Weisheit war buchstäblich weltberühmt, viele Menschen kamen, um sich Rat bei diesem Mann zu holen.

Vielleicht denken Sie jetzt: „Mich hat Gott noch nie gefragt.“ Und doch beten Sie ja. Bitten ein ums andere Mal um Gesundheit, Wohlergehen, für die Familie und den Arbeitsplatz, den Frieden in der Welt und in Ihrem Herzen. Wer aber könnte Gott um etwas bitten, wenn Er nicht vorher gesagt hat: „Bittet, so will ich Euch geben.“

Es kommt wie bei Salomo nun darauf an, einen Entschluss zu fassen. Was brauche ich wirklich? So manches Mal muss auch ich sagen: „Herr, ich weiß weder ein noch aus.“ Ich möchte doch, dass mein Leben gelingt. Ich möchte, dass mein Glaube wächst. Ich möchte, dass ich mit Zuversicht in die Zukunft sehen kann. So viele Wünsche.

Haben wir doch den Mut zu beten: „Gib mir ein weises und verständiges, gib mir ein gehorsames Herz.“

Autor: Werner Bücklein

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Ein Tipp für die nächste Trockenzeit

Wir waren schon eine Weile unterwegs. Seit einer guten halben Stunde ging es nur noch bergauf, die Sonne brannte schon mit großer Kraft auf uns nieder. Von den Konfirmanden, mit denen ich im Berner Oberland eine Wanderung zum Gipfel eines Berges machte, war nicht mehr viel zu hören. Das fröhliche Murmeln der Gruppe war einem angestrengten Schweigen gewichen, unterbrochen von so manch heftigem Schnaufen. Alle Jugendlichen waren freiwillig mitgekommen, diejenigen, die nicht wandern wollten, waren an diesem Tag im Schwimmbad.

Wir hatten einen ortskundigen Bergführer dabei, ausreichend Proviant und gutes Schuhwerk. Allein die Wasserflaschen waren schon alle. Zu sehr schien die Sonne, der Weg war anstrengender, als so mancher der Jugendlichen es sich vorgestellt hatte. So dauerte es auch nicht mehr allzu lange, bis die Frage kam: „Wann sind wir endlich da?“

Versprochen war uns ein wunderschöner Blick in die Berge, eine Wiese oben am Gipfel zum Picknick und ein Weg mit eindrucksvollen Naturerlebnissen. Das alles war im Augenblick gar nicht mehr so interessant. Viel wichtiger war die Frage: Woher bekommen wir frisches Wasser? Der Bergführer nickte nur und murmelte etwas, was sich wie „Flachland“ anhörte. Dann, zur Gruppe gewandt: „Wartets nur, bald.“

Und wirklich kamen wir keine zehn Minuten später an eine Stelle, an der eine Quelle aus dem Berg quoll. Jemand hatte sie gefasst, so dass sich das Wasser in einem Becken sammelte. Wie auf ein unhörbares Kommando stürmten die Konfirmanden los und tranken in vollen Zügen, füllten nach und nach die Wasserflaschen neu. „Dass Wasser so gut schmecken kann“, meinte einer der Jugendlichen zu mir.

Diese Begebenheit liegt schon ein paar Jahre zurück, aber sie ist mir gut in Erinnerung geblieben. So manches Mal habe ich daran zurückgedacht, wenn in meinem eigenen Leben so etwas wie „Trockenheit“ oder „Durst“ aufkam. Es ist ja nicht so, dass in einem Christenleben von Sieg zu Sieg geeilt wird – jedenfalls nicht bei mir. Unwegsame Pfade bin ich gelaufen, oft steil bergauf und vor Allem auch anstrengend – um im Bilde zu bleiben. Dann ertappe ich mich dabei, dass ich bete, so wie mich damals die Konfirmanden fragten: „Wann bin ich endlich da?“ und bin genauso ungeduldig wie diese Jugendlichen.

Diese trockenen Zeiten im Leben können ganz schön zusetzen. Da hilft es nichts, dass um einen herum die Welt so schön ist wie bei einer Bergwanderung. Wo Kummer und Leid in ein Leben hereinbrechen und Krisen das Glauben schwer machen, verstummt das frohe Gemurmel schnell und es bleibt angestrengtes Schweigen des Alltags. Wenn dann noch die geistliche Wasserflasche leer geworden und keine Erfrischung in greifbarer Nähe scheint, ist die Not groß.

Wie gut, dass gerade auch in diesen Zeiten die Hilfe nicht weit weg ist. David, der König in seinem Volk Israel war, kennt diese Dürreperioden des Lebens zur Genüge. Verfolgung und eigene Schuld haben Leben und Glauben schwer werden lassen. Immer wieder aber hat er sich mit dem, was sein Leben gerade ausgemacht hat, an den lebendigen Gott gewandt. Über seine Erfahrung mit Gott schreibt er viele Lieder und Gebete. So singt er einmal: „Bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.“ In diesem Psalm 39 beschreibt David, wie Gott sich um diese Welt kümmert. Menschen dürfen zu Gott kommen und bei ihm wie aus einer Quelle frisches, gutes Wasser trinken, das den Durst des Lebens löscht und zufrieden macht.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in der Begegnung mit dem lebendigen Gott diese Erfrischung erleben und dann wie dieser Konfirmand sagen können: „Dass Wasser so gut schmecken kann.“

Autor: Werner Bücklein

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Jesus hilft, die Last meines Lebens zu tragen

„Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ Der Apostel Paulus rechnet in diesem Bibelwort ganz nüchtern damit, dass es im Miteinander auch unter Christen nicht immer richtig klappt. Und deshalb schreibt er im vorangehenden Vers: „Liebe Brüder, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid; und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest.“

Es kommt also immer wieder vor, dass wir Fehler machen, sagt der vorangehende Vers. Er rät uns auch, was wir dann machen sollen: Wir sollen nicht beurteilen und verurteilen; wir sollen nicht den anderen schneiden und ihn nicht mehr beachten. Sondern wir sollen ihn geduldig auf den richtigen Weg zurückbringen und selber aufpassen, dass wir nicht Fehler machen.

„Einer trage die Last des anderen“ folgt nach dieser Ermahnung. Trage die Fehler des anderen! Trage seine Last, was er falsch gemacht hat. Damit machst du, was Christus von den Christen will. Damit zeigst du, dass du als ein Christ lebst.

So gilt es zum Beispiel in der Ehe, dass wir die Last des anderen mit ihm gemeinsam tragen. – Der Gegensatz dazu wäre: ich bin stark. Ich schaffe das alleine. Auch die anderen sollen es alleine schaffen. Ich kümmere mich um nichts, jeder soll nach sich selber schauen. So denken gerade die Männer oft. Doch in der Ehe sind Mann und Frau zusammengestellt, dass sie füreinander da sind und miteinander tragen. „Bis dass der Tod euch scheidet“, sagt der Pfarrer am Traualtar, und so versprechen es die Eheleute. Vom Beginn der Ehe an sollen Mann und Frau füreinander da sein und gegenseitig die Last des Lebens miteinander teilen und tragen. Dafür sind Mann und Frau bestimmt, dass sie einander helfen, wo es nötig ist.

„Einer trage die Last des anderen, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“

Das heißt zum einen: (1) Trage die Last, die der andere trägt. Wenn es Probleme gab am Arbeitsplatz. Wenn es Unstimmigkeiten mit dem Vorgesetzten gibt, Ärger mit einem unangenehmen Kollegen – dann trägt doch die Frau mit, wenn ihr Mann leidet. Was für Lasten trägt eine Mutter für ihre Familie! Die Kinderkrankheiten, die Schulaufgaben und die Schulprobleme der Kinder, Streit mit den Kameraden, rebellierende Jugendliche in der Pubertät und was es sonst noch alles gibt: Auch in der Familie trägt einer die Last des anderen mit. Dazu kommt noch der Wunsch, Familie und Beruf weitgehend unter einen Hut zu bringen. In einer Familie, wie sie nun mal ist, gibt es viele Lasten zu tragen.

„Einer trage die Last des anderen, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ Das meint nicht nur: Trage die Last mit, die der andere trägt. Sondern das heißt auch: (2) Trage die Last, die der andere ist. Ich bin einmal fröhlich und einmal traurig. Oder ich bin niedergeschlagen und fertig mit der Welt. Ich gehe dem anderen auf die Nerven und mein Gegenüber mir, jeder mit seinen besonderen Charakter. Doch da heißt es: Trage und ertrage den anderen. Er ist dir eine Last, wie du auch ihm eine Last bist. Das ist beidseitig, und nicht nur der andere ist diese Last.

Was bei dem Thema nicht unter den Tisch fallen darf: Wir tragen die Lasten unseres Lebens nicht allein. Ich kann Gott bitten, wenn ich mich abplage. Und Gott, der Vater lässt mich nicht im Stich. Das verspricht der 68. Psalm: „Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.“

 

Autor: Pfarrer Dr. Jochen Eber

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Unterwegs mit der Bibel

Der Mann aus Äthiopien war ein besonderer Mann! Er kam aus dem großen Königreich im Norden von Afrika. Das reichte nilaufwärts von Ägypten vom heutigen Sudan bis nach Äthiopien. Er hat eine weite Reise auf sich genommen. Er fuhr wohl auf einem Pferdewagen und hatte seine Diener dabei. Der Äthiopier war nicht nur reich, sondern er war Finanzminister der Königin seines Landes. Er hat ihr persönliches Vermögen verwaltet, das war zugleich das Vermögen des ganzen Staates.

Ein Spitzenbeamter aus Afrika – und doch war er anscheinend nicht zufrieden. Er hatte es bis an den höchsten Punkt der Erfolgsleiter gebracht. Als Finanzminister hat er ausgesorgt. Dennoch hat ihm etwas gefehlt. In der Gegend, aus der er kommt, gab es schon seit langer Zeit eine jüdische Gemeinde. Wahrscheinlich hat er durch die Juden erfahren, dass sie den einen, wahren Gott in Jerusalem verehren. Er scheute nicht die Kosten. So ist er selbst  nach Jerusalem gereist und hat dort diesen Gott verehrt.

Eine teure Buchrolle mit dem Text des Propheten Jesaja hat er sich für unterwegs gekauft. Jesaja ist eines der umfangreichsten Bücher im Alten Testament. Jetzt ist er auf der Heimfahrt. Sicher freut er sich schon auf zu Hause. Er liest in der Buchrolle, die er gekauft hat. Wahrscheinlich liest er auf Griechisch, das war die Weltsprache, so wie heute Englisch. Der Finanzminister ist an der Bibel interessiert. Er hat sich das etwas kosten lassen. Er will die Quellen studieren. Der Mann ist wirklich am Glauben interessiert. Sein Herz ist offen für Gott.

Dieser besondere Mann braucht es, dass er von Gott auf besondere Art und Weise begleitet wird. Der Apostel Philippus war sowieso schon unterwegs, da bekommt er von einem Engel den Auftrag: Reise zur Straße von Jerusalem nach Gaza! Philippus soll sich dort an die Straße stellen und abwarten, was passiert. – Das ist wirklich nicht die Aufgabe, mit der sich Philippus regelmäßig beschäftigt. Einfach an der Autobahn warten und dann missionarische Gespräche anfangen – das ist nicht jedermanns Sache. Deshalb muss ihn ein Engel beauftragen.

Nun kommt der Reisewagen des Ministers von Äthiopien, und jetzt bekommt Philippus den Auftrag, wiederum direkt von Gott: geh hin!

Der Leser auf dem Wagen versteht nicht, was er liest. Ich würde sagen: Das ist nicht schlimm. Das ist normal. Jeder, der Jesaja 53 zum ersten Mal liest, fragt sich doch: Von wem wird da geredet? Wer ist der unschuldige Gerechte, der wie ein Lamm für sein Volk geopfert wird? Wer ist dieser Mann, der wie ein Lamm seinen Mund nicht auftut, wenn der Scherer kommt?

Zumindest einige Menschen wissen zu dieser Zeit, wer im Jesajabuch gemeint ist: Jesus von Nazareth. Er ist der Messias, der Christus. In diesem Bibelwort wird schon einige hundert Jahre vor Jesus vorhergesagt, was eines Tages geschehen wird. Jesus ist als Gottes Sohn in die Welt gekommen, um uns zu retten. Er ist am Kreuz gestorben, aber nicht, weil er schuldig war. Sondern weil wir schuldig sind. Unsere Schuld und Sünde hat er getragen. Damit hat er den Weg zu Gott wieder frei gemacht. Wir sind frei! Wir sind gerecht, wir sind in Gottes Augen angenehm, wenn wir an Jesus Christus glauben.

Philippus steigt auf den Wagen und setzt sich zu dem Reisenden. – Mir fällt dazu auf: Auch ich bin auf meiner Lebensreise mit der Bibel unterwegs. Wenn ich etwas nicht verstehe, lese ich den weiteren Zusammenhang. Oder ich schaue nach den wichtigen Worten im Bibeltext: Wie werden sie in der ganzen Bibel verwendet? Oder ich frage einen Freund: Was heißt das? – Deshalb bete ich, und dieses Gebet können Sie sich zu eigen machen: Herr, hilf mir, wenn ich in der Bibel lese und Fragen habe. Ich will jemanden fragen, der mir helfen kann, dein Wort besser zu verstehen. Amen.

 

Autor: Pfarrer Dr. Jochen Eber

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Wenn der Groschen fällt

Bei einem der ganz Großen in der Menschheitsgeschichte ist der Groschen gefallen. Und das ist in mancherlei Hinsicht bemerkenswert, denn normalerweise leiden Menschen, die es aus eigener Kraft bis nach ganz oben geschafft haben, nicht an Selbstzweifel. Im Gegenteil. Man bezeichnet diese Sorte Mensch gerne als Alphatier. Ich rede von denen, die immer vorne sind, den Ton angeben und keine Bedenken haben, Konkurrenten wegzubeißen.

Also, noch einmal, einer dieser ganz Großen hat eine alles verändernde Erkenntnis. Die Rede ist von Nebukadnezar, dem babylonischen Imperator und stolzen Herrscher über ein gigantisches Reich.

Diesem Mann gewährt Gott einen verstörenden Traum. Nebukadnezar darf einen Blick in seine unmittelbare Zukunft werfen - und was er da zu sehen bekommt, verunsichert ihn zutiefst. Gott lässt ihm durch seinen Hofbeamten, den Propheten Daniel, ausrichten: Du bist reif fürs Gericht. Deine Selbstherrlichkeit hat ein Maß erreicht, das ich nicht mehr toleriere. Ich werde dich wie einen großen Baum fällen und dich bis in den Staub erniedrigen.

Genau so kommt es. Der größenwahnsinnige Nebukadnezar dreht durch. Geistige Umnachtung überfällt den Herrscher von jetzt auf gleich. Infolgedessen stürzt er tief. Die Details werden von Daniel im Kapitel 4 seines Buchs beschrieben. An dieser Stelle nur so viel: Der mächtige Nebukadnezar ist nur noch ein Schatten seiner selbst, ein jämmerliches Häufchen Elend, zurechtgestutzt vom allmächtigen Gott.

Aber dabei bleibt es nicht. Der gerichtete und gedemütigte Nebukadnezar wendet seine Blicke zum Himmel empor. Er sucht Hilfe in seiner großen Not bei dem, der allein Hilfe geben kann, beim Gott Israels. Und tatsächlich: Gott erbarmt sich über ihn und gibt ihm eine zweite Chance.

Davon legt der vormals so selbstherrliche König Zeugnis ab. Die Bibel zitiert Nebukadnezar, der über Gott folgendes zu sagen weiß: 

All sein Tun ist Wahrheit, und seine Wege sind recht, und wer stolz einherschreitet, den kann er demütigen. Daniel 4,34

Was Nebukadnezar bekennt, sind Erfahrungen, die er durchleben musste. Gott kann jenen demütigen, der stolz einherschreitet. Auch wenn der Stolze zu seiner Zeit der mächtigste Mann auf der Erde ist.

Das Alte Testament dient Christen als ein Lehrbuch. Hier können sie lernen, wie Gott in der Geschichte handelt und können Rückschlüsse für ihr eigenes Leben und ihren Glauben ziehen. Und genau das ist für heute die Herausforderung: von Nebukadnezar zu lernen.

Drei Dinge lerne ich:

1. Hochmut kommt vor dem Fall. Die Bibel bestätigt dieses alte Sprichwort.

2. Gott gibt jedem eine zweite Chance. Wenn ich mich an Jesus Christus wende, wird Gott mich hören und sich meiner erbarmen. 

3. Wie Nebukadnezar es vorgemacht hat, soll ich anderen von dem erzählen, was ich mit Gott erlebt habe. Wie er eingegriffen und mich aus meiner Not errettet hat. Über das Gute, was ich erlebt habe, über seinen Segen, will ich Gott öffentlich loben.

 

Autor: Wolf-Dieter Kretschmer

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Ein besonderes Geschenk

Gut, wenn man Freunde und Familie hat, die einem auf die Sprünge helfen. Ich rede von lieben Menschen, die mich beispielsweise an das erinnern, was wesentlich ist. Manchmal habe ich nämlich die Tendenz, Letzteres aus den Augen zu verlieren.

Der Apostel Paulus schreibt seinem Mitarbeiter Timotheus. Es ist bereits sein zweiter Brief. Paulus erinnert Timotheus in väterlich-freundlicher Art an all das Gute in seinem Leben. Seine Mutter Eunike und Großmutter Lois haben ihm im Glauben Wesentliches beigebracht. Und dann fordert der Apostel seinen Mitarbeiter auf, die Begabungen einzusetzen, die er für seinen Dienst bekommen hat. Paulus schreibt weiter: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit (2.Timotheus 1,7).

Drei Faktoren spielen ab jetzt eine Rolle im Leben von Timotheus. Gottes Geist hat ihn mit Kraft ausgerüstet, sowie mit Liebe und mit Besonnenheit erfüllt. Jetzt, da der Geist Gottes im Leben von Timotheus wirkt, bleibt für Angst kein Raum.

Ich finde es ausgesprochen ermutigend, dass Sie und ich das heute noch genauso in Anspruch nehmen können wie Timotheus seinerzeit. Warum?  Weil wir es mit demselben Geist Gottes zu tun haben.

Gott gibt Ihnen und mir Kraft für die Aufgaben, die er uns stellt

Nein, es ist mitnichten so, dass Gott Sie oder mich mit etwas beauftragt und dann sagt, dass wir schauen sollen, wie wir zurechtkommen. Gott lässt mich nicht allein. Und er lässt Sie auch nicht im Stich. Jesus Christus hat versprochen, Ihnen und mir nahe zu sein. Durch Jesus Christus verfügen Sie und ich über alle Kraft, die notwendig ist, um das zu tun, was uns aufgetragen ist.

Gott erfüllt mit Liebe

Ich gestehe, dass diese Aussage in mir Unbehagen auslöst. Ich weiß nämlich nur zu gut, wie oft mir die Liebe für meine Mitmenschen fehlt, und damit meine ich Leute, die Gott mir in den Weg gestellt hat.Trotzdem gilt die Zusage: Gott erfüllt mich mit Liebe. Ich muss  nur davon Gebrauch machen. Das Dritte:

Gott stattet mit Besonnenheit aus

Er will Ihnen und mir Augenmaß und Weisheit geben, damit wir unseren Auftrag gut erledigen können.

Darf ich Ihnen etwas raten? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es mir gut tut, wenn ich mich mit Menschen umgebe, die ebenfalls Jesus Christus nachfolgen und die mich auf meinem Weg ermutigen können.

Autor: Wolf-Dieter Kretschmer

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