ERF Plus - Wort zum Tag

2. Korinther 9,6

Seit ein paar Jahren bekommen meine Kinder Taschengeld. Und es ist ganz interessant zu sehen, wie die Kinder mit ihrem plötzlichen Reichtum umgehen. Da ist die eine Tochter, die das Taschengeld spart. Und wenn sie sich mal was kauft – was Süßes oder vielleicht ein kleines Andenken – dann überlegt sie sehr lange: Ist die Sache mir das wirklich wert? Aber eigentlich ist Geld ihr gar nicht so wichtig. Sie vergisst auch schon mal über Wochen, das Taschengeld bei uns einzufordern. Und so sammelt es sich an. Wer weiß, vielleicht hat sie eines Tages einen größeren Wunsch, den sie sich dann erfüllen kann.

Meine andere Tochter ist da ganz anders. Hundert Dinge fallen ihr sofort ein, die sie gerne hätte. Und wenn wir sagen, dass sie nicht alles einfach so kriegen kann, ist ihre Antwort: „Dann kaufe ich mir das eben von meinem Taschengeld!“ Aber sie schafft es nicht, über längere Zeit zu sparen. Die Süßigkeiten an der Supermarktkasse sind viel zu verlockend. Also gibt sie ihr Geld leichtherzig aus – und trägt ihre Trophäen nach Hause. Oder isst sie gleich auf.

„Denkt daran“, schreibt Paulus an die Korinther, „wer spärlich sät, wird nur wenig ernten. Aber wer mit vollen Händen sät, auf den wartet eine reiche Ernte.“

Meine ältere Tochter, die sparsame, hat nicht oft etwas für ihr Geld in der Hand. Sie sät nicht – sie erntet nicht. Die Kleine dagegen gibt freizügig aus – und hat auch was davon. „Wer spärlich sät, erntet wenig, wer mit vollen Händen sät, auf den wartet eine reiche Ernte.“

Nun geht es Paulus nicht ums Taschengeld – sondern ums Spenden: Gib für Gott ab von dem, was du hast. Und du wirst erleben, dass es sinnvoll ist. Dass anderen geholfen wird. Oder dass die Gemeinde blüht. Und Gott gefällst du damit auch noch. Keine Frage: Spenden ist wichtig. Aber wie? Haben Sie einen Dauerauftrag, so dass regelmäßig Geld für einen guten Zweck vom Konto abgebucht wird? Oder warten Sie lieber ab und spenden gezielt? Oder werfen Sie einfach jede Woche den gleichen Betrag in die Kollekte, egal wofür? Paulus meint: Wie du es machst, ist egal. Hauptsache du tust es. Und du tust es aus freien Stücken. Weil es sich für dich richtig anfühlt. Weil Gott es dir so aufs Herz gelegt hat.

Wenn ich den Umgang meiner Töchter mit ihrem Taschengeld beurteilen sollte, wäre ich hin- und hergerissen. Einerseits bewundere ich die Große. Die gut überlegt und Sparsamkeit übt. Und dann ganz gezielt kauft, was sie für richtig hält. Aber ist das nicht auch ganz schön knauserig? Andererseits gefällt mir auch der unbedarfte Umgang der Kleinen. Schließlich ist Geld zum Ausgeben da und nicht zum Horten. Aber muss sie nicht lernen, auch mal abzuwarten?

Neulich gab es einen Moment, der mich wirklich zum Staunen gebracht hat. Wir waren als Familie im Zoo. Am Ausgang gab es einen Souvenirshop. Die Augen meiner Kleinen gingen fast über. Am liebsten hätte sie alle Stofftiere gehabt, die dort lagen. Aber ziemlich schnell wurde klar: Für nichts davon reichte das Kleingeld in ihrem Geldbeutel.

Die Große dagegen erklärte unbeeindruckt: Ich hab genug Stofftiere. Das brauche ich alles nicht. Wohl wissend, dass neben ihren paar Euro im Geldbeutel zu Hause noch viel mehr im Sparschwein lag. Dann bemerkte sie die traurigen Augen ihrer kleinen Schwester. Sie sah noch mal genauer in die Auslage. Schließlich kaufte sie einen kleinen Stoffaffen und drückte ihn der Kleinen in die Hand. Einfach so. Und wir gingen mit zwei strahlenden Kindern nach Hause. Die Kleine strahlte, weil ihr ein Wunsch erfüllt wurde. Und die Große, weil sie einen Wunsch erfüllen konnte.

Wer mit vollen Händen sät, auf den wartet eine reiche Ernte. An diesem Tag haben unsere Töchter beide geerntet. Und die Große hat gelernt: Etwas zu geben macht mich nicht ärmer – sondern reicher.

Also: Wie und wofür geben Sie eigentlich? Und von welchem Überfluss könnten Sie heute abgeben? Das muss ja nicht unbedingt Geld sein. Man kann auch Zeit verschenken. Oder praktische Hilfe. Eins ist sicher: Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.

Autor: Annette Lapp

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Apostelgeschichte 16,40

Im Frühling dieses Jahres erhielt ich ein E-Mail von meiner Freundin aus den USA. Ihre schwer behinderte Tochter war ganz unerwartet gestorben. Ich spürte ihren tiefen Schmerz und ihre Trauer aus jeder Zeile des Mails. Beim Lesen wünschte ich mir, näher bei ihr zu sein und sie schnell besuchen zu können. Ich hatte das Bedürfnis, sie zu sehen, sie zu umarmen und mit ihr über diesen grossen Verlust und ihre Gefühle zu sprechen.

Ist es nicht so? Wenn jemand in unserem näheren Bekanntenkreis etwas Schweres erlebt, haben wir das Bedürfnis, möglichst bald eine Begegnung mit dieser Person zu haben: Wir wollen bei ihr sein, sie ermutigen und trösten.

Dem Apostel Paulus ging es genau so, als er in Philippi im Gefängnis saß. Weil er eine junge Sklavin im Gebet von Dämonen befreit hatte, wurde er ins Gefängnis gesteckt. Er hatte nichts verbrochen. Er hatte nichts getan, was falsch war. Weil die Frau aber nicht mehr wahrsagen konnte, versiegte für den Besitzer der Sklavin eine wichtige Geldquelle. Es kam zu einem Aufruhr in der Stadt. Aus Wut und Rache wurden Paulus und Silas hinter Schloss und Riegel gesetzt. Da saßen sie nun in der sichersten Zelle des Gefängnisses: misshandelt, verprügelt, verwundet und ungerecht behandelt. Ihre Gefühle fuhren zweifellos Achterbahn.

Kurz zuvor hatten sie in Philippi einen geistlichen Aufbruch erlebt. Menschen waren zum Glauben gekommen und eine kleine Gemeinde rund um die Purpurkrämerin Lydia war entstanden. Und jetzt das! Die Gläubigen von Philippi hatten alles miterlebt und waren geschockt. Aber Paulus und Silas ließen sich nicht unterkriegen. Die beiden Gefangenen entschieden sich – trotz allem Unverständnis – Gott anzubeten und ihm Loblieder zu singen. Sie sangen und beteten gegen die Angst, laut und inbrünstig. In ihrem Hinterkopf hatten sie vielleicht das Bild der jungen Gemeinde rund um Lydia, die jetzt traurig und entmutigt war.

Plötzlich bebte die Erde, ihre Ketten sprangen auf, und die Türen des Gefängnisses öffneten sich. Paulus und Silas waren plötzlich frei. Sie hätten eigentlich fliehen können. Aber sie blieben im Gefängnis und stellten sich dem Gefängnisaufseher. Dieser wollte sich wegen des Vorfalls umbringen, aber sie konnten ihn daran hindern. Nachdem sich auch noch der Gefängnisaufseher und seine Familie bekehrt hatten, gingen Paulus und Silas zuerst zum Hause der Lydia. Diesen Moment beschreibt unser heutiger Vers des Tages:

Da gingen Paulus und Silas aus dem Gefängnis und gingen zu der Lydia. Und als sie die Brüder und Schwestern gesehen und sie getröstet hatten, zogen sie fort.“ (Apg. 16,40).

Paulus und Silas gingen zu den Gläubigen. Sie wollten sie sehen, sich ihnen zeigen und erzählen, was sie alles erlebt haben. So konnten sie die Gemeinde trösten. Erst dann zogen sie weiter. Auch wir brauchen ab und zu jemanden, der uns besucht und tröstet. Und ein anderes Mal sind wir aufgefordert, jemanden zu besuchen und zu trösten – vielleicht gerade heute. Unser Sehen, Trösten und Weitergehen: Wer in unserm Umfeld könnte das gerade heute brauchen?

Übrigens: Ich werde meine Freundin in den USA nächstes Jahr besuchen. Ich möchte sie sehen, trösten und mit ihr zusammen Zeit verbringen. Bevor sich unsere Wege dann wieder trennen werden.

Autor: Ruth Bai-Pfeifer

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Psalm 106,1

Sicher ist Ihnen der lange, sehr heiße Sommer immer noch in Erinnerung. Gewiss, dieser Sommer hatte ganz wunderbare Seiten. Aber es gab auch Schattenseiten. Bei uns in der Nähe von Zürich hat es über fünf Wochen lang nicht mehr geregnet. Die Seen und Flüsse erwärmten sich drastisch. Das Gras und der Mais auf den Feldern verdorrten. Die Bäume wechselten frühzeitig in den Herbstmodus und ihre Blätter fielen zu Boden. Weil es kein frisches Gras mehr gab, mussten die Bauern ihren Tieren Heu füttern, das  eigentlich für den Winter bestimmt war. Auch viele Menschen litten unter dieser Hitze. Das war eine besorgniserregende Jahrhundert-Dürre. Manch einer betete ernsthaft um Regen, auch wenn er es mit dem Beten sonst nicht so am Hut hatte. Als dann an einem Morgen ganz überraschend die ersten Regentropfen fielen, und es länger als nur fünf Minuten sanft geregnet hatte, sah man plötzlich viele fröhliche Gesichter. Ich beobachtete ein kleines, drei oder vier Jahre altes Mädchen: Es hüpfte in seinen Gummistiefeln in eine Pfütze, hielt die Händchen in die Luft, um den Regen zu spüren und jauchzte laut. Ich saß in meinem Auto und musste beim Anblick dieser Kleinen laut lachen.

Passt das nicht wunderbar zur heutigen Tageslosung? Sie lautet: Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

Dass es wieder regnete, war wirklich ein Grund, Gott zu danken. Wir haben aber noch viele andere Gründe, um Gott dankbar zu sein und seine Güte in unserem Leben zu sehen. Der Schreiber dieses Psalms nimmt uns in den folgenden Versen mit auf die längst vergangene Reise des Volkes Israel durch die Wüste. Er beschreibt, wie das Volk Gott immer wieder ungehorsam war, sich gegen ihn auflehnte und dadurch Schuld auf sich lud. Irgendwann schrien die Israeliten zu Gott und kehrten wieder zu ihm zurück. ER setzte seine Befreiungsaktion fort – trotz ihres Motzens. Als sie Gottes Eingreifen sahen, lobten und dankten sie Gott. Viel zu schnell vergaßen sie wieder, was Gott Gutes für sie getan hatte. Ihre Loblieder und ihre Anbetung verstummten. Und bei den nächsten Problemen lehnten sie sich wieder gegen ihren Gott auf.

Ist dieser Psalm nicht wie ein Spiegelbild für unser Verhalten? Auch wir erleben immer wieder Gottes Eingreifen, seine Wunder und Güte in unserem Leben. Aber so schnell ist wieder alles vergessen. Wenn Schwierigkeiten auftauchen – Krankheit, Sorgen mit den Kindern oder sonstige Notlagen –, wenn das Leben anders verläuft, als wir uns das vorgestellt haben, dann klagen wir Gott an. Wie oft meinen wir, nicht mehr glauben zu können, wenn Gott nicht so eingreift, wie wir das erwartet haben? Offensichtlich sind wir kein bisschen besser, als es das Volk Israel war.

Können wir aktiv etwas gegen dieses Verhaltensmuster tun? Ich glaube: Ja. Probieren Sie einmal folgendes Rezept aus: Beten Sie doch einfach mehrmals täglich, ganz egal wie es Ihnen geht – ob etwas gut läuft und oder ob Sie etwas nicht verstehen – den Vers 1 aus Psalm 106: Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

Dieses Gebet wird Ihnen helfen, das Leben aus Gottes Perspektive zu sehen. Ja, es stimmt: Gott ist freundlich, und seine Güte währt ewiglich!

Autor: Ruth Bai-Pfeifer

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Hebräer 6,12

Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt der Volksmund. Kann die Hoffnung nicht auch schon vorher sterben? Bei Abraham wäre es mehr als verständlich gewesen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wer hätte dem fast hundertjährigen Abraham diesen Satz zugemutet, nachdem er fast 25 Jahre vergeblich auf den von Gott verheißenen Sohn gewartet hat?

Abraham hat die Hoffnung nicht sterben lassen, auch wenn sie manchmal vielleicht schon in den letzten Zügen lag. Darum wird Abraham uns  aus dem Hebräerbrief als Vorbild hingestellt, dem wir es gleich tun sollen: Tut es denen gleich, die durch Glauben und Geduld die Verheißung erben.

Seine Frau Sarah tat es ihm nicht gleich. Sie nahm das Ganze nicht ernst und konnte nur darüber lachen, dass sie Jahrzehnte nach der Menopause das erste Mal schwanger werden sollte. Aber Abraham war sich gewiss, dass es sich um eine Zusage von Gott handelte. Und darum hielt er gegen alle menschliche Erfahrung an der Hoffnung fest. Er ließ sich nicht abbringen vom Vertrauen in Gottes Wort.

Das Warten über Jahrzehnte fiel Abraham bestimmt nicht leicht. Wie schnell bin ich als Christ genervt in unserer schnelllebigen Zeit, wenn Christus mit seinem Eingreifen zu lange auf sich warten lässt. Wenn die gesundheitlichen Beschwerden nicht schnell genug weggehen, wo ich doch in Gott den besten Arzt habe. Wenn die Kinder sich immer weiter vom Weg des Glaubens entfernen, statt ihn zu finden. Wenn die Kriegstreiber weiter triumphieren und immer mehr Menschen unter ihnen leiden.

Gott kann doch heilen, er will doch, dass alle gerettet werden und er ist doch der Friedefürst. Warum geschieht dann nicht jetzt, was ich mir darunter vorstelle?

Ja, das könnte das Problem sein, dass meine Vorstellungen und meine Erwartungen nicht deckungsgleich sind mit Gottes Zukunftsplänen. Er erfüllt seine Verheißungen nicht unbedingt nach meinem Zeitpan. Und daher stehe ich in der Herausforderung, entweder mich in Geduld zu üben und an der Verheißung festzuhalten oder die Hoffnung sterben zu lassen.

Das Warten kann einschläfern, träge machen. Daher ist die Hoffnung mit der Aufforderung verbunden, nicht träge zu werden. Für den, der auf Christus vertraut, stirbt die Hoffnung nie, sondern sie erfüllt sich. Manchmal erst nur teilweise. Es geht besser, aber noch nicht vollständig gesund. Die Kinder sind in einer Orientierungsphase und öffnen sich für Neues. Zwei verfeindete Länder schließen Frieden.

Wird aus dem Glauben ein beständiges Vertrauen, das die Verheißung ererbt? Ich wünsche Ihnen den langen Atem, der die Hoffnung am Leben erhält.

Autor: Günter-Helmrich Lotz

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2. Chronik 18,4

Die Machthaber dieser Welt gehen gern Bündnisse ein, um sich dadurch Verstärkung zu holen gegen andere Mächte. Wir sehen gegenwärtig, wie das Zurückweichen der USA als Weltmacht dazu führt, dass andere Mächte Verbindungen eingehen. So wollen sie mehr Einfluss gewinnen.

Das Ganze ist nicht neu. Bereits vor knapp 3000 Jahren lud Ahab, der König Israels, Joschafat, den König von Juda, zur Waffenbrüderschaft gegen Gilead ein. Ahab wollte gegen Ramot in Gilead ziehen und suchte Verstärkung. Die erste Reaktion von Joschafat: klar, da machen wir mit, wir sind doch Brudervölker. Doch dann kommt Joschafat noch ein anderer Gedanke. Bevor solch eine weitreichende Entscheidung getroffen wird, braucht es noch etwas. Vor einer wichtigen Weichenstellung geht es darum sich zu vergewissern, ob der eigene Plan auch dem Willen Gottes entspricht. Darum ist die Aufforderung an König Ahab ein wichtiger Zwischenschritt: Frage doch zuerst nach dem Wort des Herrn.

Doch wie soll das gehen? Wie kann man das Wort des Herrn erfragen für eine konkrete Situation? Nun, dafür hat Ahab 400 Propheten, die er antreten lässt. Ahab war Gott entfremdet und seine sogenannten Propheten eigentlich nur Speichellecker. Das heißt, sie sagten, was der König hören wollte. Zieh hinauf, ihr werdet siegen.

Joschafat kommt das nicht geheuer vor und deshalb fragt er, ob nicht noch ein echter Prophet Gottes da sei. Und damit kommt ein anderer Prophet ins Spiel namens Micha. Auf ihn ist König Ahab sauer, weil der ihm schon mehrmals ungeschminkt Gottes Nein zu den Absichten des Königs entgegen geschleudert hat. Aber in diesem Fall lässt er ihn trotzdem holen. Und zu aller Überraschung stimmt er in den Chor der 400 Propheten mit ein. Er beugt sich dem Druck der Erwartungen. Ahab ist so irritiert, dass er nachfragt. Daraufhin offenbart der Prophet, was Gott ihm wirklich gezeigt hat. Nämlich der Waffengang wird in einer Niederlage und mit dem Tod Ahabs enden. Trotz der Warnung wird der Marschbefehl erteilt. Und die Schlacht endet tatsächlich mit einer Niederlage und dem Ende von König Ahab.

Es lohnt sich, wenn auch wir auf Joschafat hören: „Frage doch zuerst nach dem Wort des Herrn“ Allzu leicht vergessen wir, nach dem Willen Gottes zu fragen. Stattdessen verlassen wir uns meist allein auf unsere Erfahrung, unser Bauchgefühl oder unsere feste Überzeugung.

Nun haben wir keinen Micha in Rufweite, den wir fragen können. Was können wir also tun? Nach Gottes Willen fragen heißt zunächst einmal, ihn selbst zu fragen. Gott gegenüber im Gebet ganz offen aussprechen, worin ich mir Klarheit wünsche. Diese Klarheit kann eintreten, indem sich ein innerer Frieden einstellt im Blick auf einen Plan. Die Klarheit kann entstehen durch die Entwicklung äußerer Umstände. Oder auch durch ein Bibelwort, das scheinbar unmittelbar in die eigene Situation hineinspricht.

Auch wenn wir keinen Micha in Rufweite haben. Es gibt aber Menschen, die schon länger mit Gott unterwegs sind, die in seiner Nähe leben und dadurch weise und hellhörig für Gottes Reden geworden sind. Die nicht andern nach dem Mund reden, sondern anderen schon zum Mund Gottes geworden sind. Es ist hilfreich, sich solchen Menschen mit seinen Fragen anzuvertrauen. Sich hinterfragen zu lassen und so sich so heranzutasten, was wohl Gottes Wille ist.

Autor: Günter-Helmrich Lotz

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Psalm 40,9

Tun Sie gerne Gottes Willen? Ich würde auf diese Frage spontan erst einmal sagen: Ja. Doch bei längerem Nachdenken kommen mir ein paar Bedenken: Was ist, wenn Gottes Wille nicht mein Wille ist? Wenn Gott etwas von mir will, was mir gar nicht gefällt? Wenn etwas über mich kommt, vielleicht ein Unglück? Wenn etwas mit meinem Mann oder mit meinen Kindern passiert? Ist das dann Gottes Wille und werde ich das annehmen können? Oder wenn Gott eine Aufgabe für mich hat, die mir zu anstrengend oder zu groß erscheint? Werde ich dann auch noch freudig „Ja“ sagen und Gottes Willen tun?

Aber eigentlich vertraue ich doch auf Gott. Eigentlich weiß ich: Er meint es gut mit mir. Da wird er schon nichts wollen, was für mich so gar nicht nachvollziehbar ist. Oder?

Meine Erfahrung und  auch die Erfahrung vieler Menschen ist:  Es gibt Dinge im Leben, die sehen so überhaupt nicht nach Gottes Willen aus. Da gibt es finanzielle Nöte, Krankheit und Leid. Eigentlich will ich so etwas nicht haben. Ich möchte gut und zufrieden, gesund und glücklich leben und möchte gern, dass das so auch Gottes Wille ist, dann habe ich keine Probleme.

Hätten wir David gefragt, den Hirten auf dem Königsthron Israels vor rund 3.000 Jahren, ob er gern Gottes Willen tut - er hätte „Ja“ geantwortet. Zumindest schreibt er so in Psalm 40,9: Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz hab ich in meinem Herzen.

Dieser Vers ist die Losung für den heutigen Tag.

David ergibt sich nicht in sein Schicksal. Er sagt nicht: Das ist eben Gottes Wille, das muss ich so annehmen. Nein, David betet zu Gott in diesem Psalm und sagt ganz aktiv: Gott, ich tue deinen Willen gern. Aber woher weiß David, was Gottes Wille ist? Woher weiß David, ob er die eine oder die andere Entscheidung treffen soll? Die Antwort gibt uns der zweite Teil des Verses: Dein Gesetz hab ich in meinem Herzen. So schreibt David.

Gottes Gesetz ist sein Wille. Es ist das, was Gott den Menschen zu einem guten, sinnvollen Leben mitgegeben hat. Bekannt sind vor allem die 10 Gebote, aber es steht noch viel mehr in der Bibel über das, was Gott will. Und grundsätzlich kann ich überall entdecken: Es geht um Gemeinschaft, um gutes Zusammenleben, um Frieden, um gelingende Beziehungen - zwischen Mensch und Mensch - und zwischen Mensch und Gott. Das ist Gottes großer Gedanke hinter seinen Geboten. Wer das im Herzen hat, wird auch seine Entscheidungen entsprechend treffen.

David trifft mit Gottes Gesetz im Herzen andere Entscheidungen, als wenn er vor allem Macht und Reichtum anstrebt. Mit Gottes Gesetz im Herzen war David ein guter König für sein Land.

Und Gottes Willen zu tun, das geht auch heute im Alltag. Gerade dort, wo Menschen Dinge erleben, die nicht zu Gottes Willen zu passen scheinen, gerade dort gilt es, anderen beizustehen, zu trösten, aufzubauen, miteinander zu beten und füreinander da zu sein. Hier ist jeder eingeladen, sich mit einzusetzen, dass Gottes Wille getan wird. Und wenn ein Mensch zu Ihnen sagt: Ich muss dieses Leiden jetzt tragen, das hat Gott mir auferlegt, das ist sein Wille - dann können Sie antworten: Dass ich Dir beistehe und helfe in Deiner Not, das ist Gottes Wille. Und dann tun Sie, was Ihr Herz Ihnen sagt. So kommt Gottes Wille in unser Leben hinein. Denn Gottes Wille ist nicht Schicksal. Gottes Wille ist durchdrungen von Liebe und Frieden. Und dann können Sie auch das Gebet von David zu Ihrem eigenen machen: Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz hab ich in meinem Herzen.

Autor: Sigrun Teßmer

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Psalm 92,5

Autor: Sigrun Teßmer

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2. Korinther 1,3

Der Bibelvers steht im 2.Korintherbrief, Kapitel 1, Vers 3 und heißt:

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes.“

Paulus schreibt am Anfang des 2.Korintherbriefes mehrfach vom Leiden und von der Feindschaft, die er als Christ erlebte. Das war mitunter so hart, dass er und seine Mitarbeiter „am Leben verzagten“ und sogar dem Sterben nahe waren. So schlimm das auch war, so erlebten sie aber auch, dass Gott ihnen half und sie tröstete.

Paulus beklagt sich aber nicht bei Gott über die Verfolgung. Stattdessen schreibt er: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus“. - Gott zu loben meint unter anderem, ihm dankbar zu sagen, wie viel er mir bedeutet. Das heißt: Paulus wollte trotz aller Not Gott ehren.

Sich nicht bei Gott beschweren, sondern ihm danken, weil er uns trotz mancher Not viel Gutes gibt. - So hielt es Paulus und lobte Gott. Denn er hatte Gottes Zuwendung oft erlebt. Auch viel Bewahrung, Führung und Segen. Paulus wusste auch, dass Gott seinen Kindern nicht nur sonnige Zeiten verheißen hat.

So kam er auch in Bedrängnisse, die er mit seinen Mitarbeitern zu verkraften hatte. Solche Zeiten prägen unser Leben - und lassen uns in der Regel im Glauben reifen. Denn Gott lässt uns in schweren Zeiten nicht allein - weil er mit seinem Trost da ist. Ja, Paulus nennt Gott sogar den „Gott allen Trostes“. D.h., dass er der Ursprung alles echten Trostes ist. Paulus gebraucht dafür ein Wort, das auch „ermutigen“, „zusprechen“ oder „beistehen“ bedeutet. - Ja, es ist so, dass Gott uns Notvolles zumuten kann. Aber auch in solchen Situationen ist Gott gegenwärtig und macht uns Mut. Er lässt uns nie allein, auch wenn wir seine Gegenwart nicht immer spüren.

So kann es sein, dass Gott uns in solchen Zeiten ein Wort der Verheißung gibt, das uns eine Zeit begleitet. Ich selbst habe es wiederholt so erlebt. Es kann z.B. das Wort von Jesus sein, der seinen Nachfolgern sagt: „Ich bin bei euch alle Tage ...“. Wenn ein solches Wort uns zugesprochen wird, merken wir, dass Gott uns dadurch helfen will. Die Folge kann sein, dass das Notvolle uns nicht mehr so stark umtreibt wie bisher. Stattdessen kann das Bedürfnis größer werden, Gott öfter zu danken - vielleicht mit folgenden Worten: „Herr, ich danke dir, dass du da bist. Ich danke dir, dass du mein Problem zu deinem Problem machst, weil du für mich sorgen willst.“

Wenn Sie solche Erfahrungen machen, kann Gott Sie befähigen, auch andere zu trösten (V. 4). Das kann so aussehen, dass Gott Ihnen für einen Gesprächspartner ein helfendes Wort gibt, das ihm entscheidend weiter hilft. Das sind sehr ermutigende Erfahrungen. So zeigt sich Gott tröstend in unserer Not, so dass wir aufatmen können. - Darum lebe ich gerne mit ihm, denn er ist ein guter Tröster.

Autor: Walter Köhler

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5. Mose 6,5

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“


 Das Volk Israel hatte von Gott die 10 Gebote bekommen - und gleich darauf fügte er dieses markante Wort hinzu. Waren denn die 10 Gebote nicht genug? Offenbar nicht, denn Gott wollte uns noch sagen, dass unsere Beziehung zu ihm als ganzheitliche Liebe gelebt werden soll. Er meinte nicht die Gefühlsliebe, die wir in der Regel gut kennen. Nein, die Liebe, die Gott meint, ist eine Beziehung, die das ganze Leben auf ihn ausrichtet.

Denn Gott ist nicht nur unser Schöpfer. Er will auch, dass das Miteinander von gegenseitiger Liebe bestimmt ist. Gott liebt uns - und wir sollen ihn auch lieben.

Wie kann das praktiziert werden, wenn unsere Liebe zu ihm „von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzer Kraft“ sein soll? - Es ist die Entscheidung, Gott zum Mittelpunkt des Lebens zu machen und bewusst nach seinem Willen zu leben. Denn Liebe zu Gott redet nicht nur von der Liebe, sondern sucht seine Gemeinschaft und seinen Willen.

Sie fragen vielleicht, ob wir das überhaupt können. Diese Frage ist verständlich. Aber in der Bibel wird Gott nicht nur so beschrieben, dass er heilig und gerecht ist, sondern auch „barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte“ (Ps.103, 4). - Das sagt David, weil er Gottes Liebe vielfach erfahren hat. In seinem Leben hatte er allerdings manches Notvolle zu verkraften. Daran sehen wir, dass wir Gott auch dann lieben können, wenn in unserem Leben nicht alles so glatt läuft.

Wie sieht unsre ganzheitliche Liebe zu Gott nun aus? Johannes beschreibt es im Neuen Testament so: „Das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten“ (1.Joh.5, 3). Daran wird klar, dass unsere Liebe zu Gott nicht theoretisch ist. Konkret kann das so aussehen, dass wir beim Lesen der Bibel oder in einer Predigt von Jesus hören, der uns sagt: „Komm, folge mir nach!“. Vielleicht haben Sie diese Einladung schon öfter gehört, sind aber bisher nicht darauf eingegangen. Jetzt aber merken Sie, dass diese Einladung Sie wirklich persönlich meint - und dass Sie Jesus nicht ausweichen sollten.

Ich ermutige Sie, dass Sie sich Jesus öffnen und ihn in ihr Leben einladen. Wenn Sie das wollen, können Sie ihm sagen: „Herr Jesus, du rufst mich, damit ich mit dir lebe. Vergib mir meine Schuld und nimm mich an, so wie ich bin.“

Viele, die ihn in ihr Leben aufgenommen haben, wussten hinterher, dass sie ab jetzt zu Gott gehören. Danken Sie ihm dafür und leben Sie bewusst mit ihm weiter. Lesen Sie die Bibel und tun Sie, was Gott Ihnen deutlich macht. Er hilft Ihnen. Das ist konkrete Liebe zu Gott - und er bekommt für Sie eine zentrale Bedeutung. Er beschenkt Sie mit einer neuen Lebensqualität. - - Und: Er wird Ihnen viel Grund zum Danken geben.

Autor: Walter Köhler

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Psalm 23,4

Er feierte seinen 90.Geburtstag. Eine Schar junger Leute sang ihm ein Ständchen. Der frühere Kreisdekan lud sie zu Kaffee und Kuchen ein. Dabei erzählte er: Er wisse nicht, wie oft er in seinem Leben die Bibel durchgelesen habe. Für ihn stehe ihr schönster Satz in Psalm 23. Er bestehe nur aus vier Worten: „Du bist bei mir.“

Was für eine Gewissheit, die König David von Gott hatte! Wenn er bloß nicht zuvor gesagt hätte: „Ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück.“ Damit habe ich meine Probleme. Ich bin kein furchtloser Typ, eher ein ängstlicher. Ich könnte im Blick auf mich nicht so reden. David von sich aus vermutlich auch nicht. Seine Furchtlosigkeit konnte er nur mit der Gegenwart Gottes begründen: „Denn du bist bei mir.“

David kannte nämlich die Geschichte vom brennenden Dornbusch in der Wüste, als Mose unbedingt Gottes Namen wissen wollte und die Antwort erhielt: „Ich bin, der ich bin.“ Genauer übersetzt: „Ich bin der, der da ist." Das war Gott für David. Kein ferner Gott. Einer, der bei ihm war! Kein abwesender Gott. Einer, der das Leben voll mit ihm teilte! Kein erdachter Gott. Einer, von dem er erwarten durfte: „Dein Stecken und Stab trösten mich.“

Der Stecken diente den Hirten Israels als Verteidigungswaffe gegen wilde Tiere, die ihre Herden bedrohten, und war aus knüppelhartem Olivenholz. Der Stab, über zwei Meter lang, diente zum Beiseiteschieben gefährlicher Dornensträucher. Oder auch dazu, den Schafen sanft über den Rücken zu streichen, um sie bei aufziehendem Gewitter oder anderer drohender Gefahr zu beruhigen.

Stecken und Stab eines Hirten lassen mich an den Quer- und Längsbalken des Kreuzes denken, an dem der starb, der sich mit dem „Guten Hirten“ von Psalm 23 identisch erklärte: Jesus Christus! Er verteidigt uns, wenn der große Gegenspieler Gottes, der Teufel, uns „wie ein brüllender Löwe zu verschlingen" droht (1. Petrus 5,8). Er befreit uns, wenn wir uns im Dornengestrüpp der Sünde verfangen haben und vergibt uns. Er nimmt uns die Angst, den größtmöglichen Supergau unseres Lebens zu erleiden: nämlich einmal von Gottes Himmel ausgeschlossen zu sein.

Weil Jesus das Tal des Todes und darin Angst, Einsamkeit und Verlassenheit selbst kennengelernt hat, ist er in jedem finsteren Tal unseres Lebens bei uns. Auch in dieser Hinsicht ist er ganz der Vater: jemand, der immer für uns da ist! Immer mit uns, neben uns und vor uns ist. Auch immer unter uns ist, um uns aufzufangen, wenn Ratlosigkeit oder Hilflosigkeit, Angst oder Trauer, Mutlosigkeit oder Hoffnungslosigkeit uns lähmen oder schier verzweifeln lassen.

Bei Jesus gibt es wirklich Trost! Ich kann es bezeugen. In den vergangenen sechs Jahren mussten meine Frau und ich durch eine Reihe dunkler Täler von Krankheit und Trauer gehen. Und es werden nicht die letzten gewesen sein. „Wie haben Sie das ausgehalten?", fragt man uns oft. Wir können sagen: „Weil Gott uns gehalten, getragen und getröstet hat!“ Ich bin immer noch kein furchtloser Typ. Doch die Erfahrung, dass Gott Geborgenheit und Kraft, Ermutigung und Zukunft schenkt, lässt mich jetzt sagen – auch wenn es mit zitterndem Herzen ist: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“

Autor: Pfarrer i. R. Gerhard Weinreich

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Philipper 4,4

Wie geht es Ihnen? Freuen Sie sich auf diesen Tag bzw. über seinen bisherigen Verlauf? Oder auch nicht? Paulus ruft uns heute zu: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“

„Moment mal,“ denken Sie vielleicht: „Man kann Freude doch nicht befehlen! Ich habe sie oder habe sie nicht. Das hängt von meiner Gefühlslage ab – ob ich gerade ein Hoch oder ein Tief habe. Vielleicht schwebte Paulus gerade im Aufwind eines Hochs."

Tat er nicht! Keine Spur von „Schweben“. Beim Schreiben seines Briefes nach Philippi „sitzt" er – im landläufigen Sinne dieses Wortes. Nämlich im Gefängnis, weil er Jesus als Retter der Welt predigte. Er weiß nicht, ob ihm schon morgen der Prozess gemacht wird. Er weiß nicht, ob er übermorgen noch lebt. Trotzdem ruft er die Philipper zur Freude auf! Es muss eine besondere Freude sein. Eine, die nicht an der Oberfläche bleibt. Eine, die tiefer geht, bis an die Grenzen unseres Lebens reicht. Und selbst dort noch erfahrbar ist.

Diese Freude hatte Paulus für sich gefunden. Wie Dietrich Bonhoeffer, jener Christ, der wegen seines Glaubens monatelang im Gestapogefängnis von Berlin saß. Er schrieb einmal aus der Haft: „Es gibt eine Freude, die von Not, Schmerz und Angst des Herzens nichts weiß. Sie hat keinen Bestand, sie kann nur für Augenblicke betäuben. Die Freude Gottes ist durch die Armut der Krippe und die Not des Kreuzes hindurch gegangen. Darum ist sie unüberwindlich und unwiderlegbar. Sie leugnet nicht die Not, wo sie da ist, aber sie findet in ihr, gerade in ihr Gott. Sie bestreitet nicht den Ernst der Sünde, aber sie findet gerade so die Vergebung. Sie sieht dem Tod ins Auge, aber sie findet gerade in ihm das Leben. Um diese Freude, die Jesus schenkt, geht es. Sie allein ist glaubwürdig, sie allein hilft und heilt.“ Soweit die nachdenkenswerte Sicht eines Dietrich Bonhoeffer.

Auch Paulus weiß um diese Freude. Für ihn gibt es sie "allewege". Auf allen Lebensstrecken, sie mögen bequem oder steinig, geradlinig oder kurvenreich verlaufen, vorhersehbar oder uneinsichtig sein. Man sieht sie auf strahlenden Gesichtern und auf tränennassen. Die Freude in Gott hängt davon ab, ob ein Mensch sich auf hellen und dunklen Wegen bei Gott weiß und deshalb bei Trost sein kann, weil er nie verlassen und vergessen ist.

Martin Luther sagte in einer Predigt zum Freudenappell des Paulus einmal: „Gott lacht mich an. Er ist mir freundlich. Über den Herrn sich freuen, das ist sich verlassen, rühmen, trotzen und pochen auf den Herrn als auf den gnädigen Vater.“ Ja, Gott lacht Sie und mich an – in Jesus. In ihm lacht uns Gottes Liebe an, kommt sie uns ganz nahe. In Jesus umhüllt sie uns von Kopf bis Fuß.

Deshalb glücklich der, der mit dem Sänger von Psalm 73 sagen kann: „Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte!“ Die Freuden der Welt sind alle nur kurzlebig, weil vergänglich. Wer sich aber zu Gott und an Jesus hält, hat Grund zu ewiger Freude. Denn sie mündet einmal in die Herrlichkeit des Himmels ein, um nie mehr zu vergehen. Recht hat er daher, der Paulus, wenn er uns heute zuruft: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“

 

Autor: Pfarrer i. R. Gerhard Weinreich

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Philipper 2,11

Da wird mancher wohl sagen „O dass ich tausend Zungen hätte und einen tausendfachen Mund… – was für ein Gott, so voller Liebe, so mächtig, und er hat alles so gut gemacht…“ Mancher wird vielleicht auch geschockt und entsetzt sagen: „Was für ein Gott – dann gibt es ihn also doch? Hätte ich nur auf ihn gehört, als ich noch auf der Erde lebte…“

Paulus spricht hier von dem Zeitpunkt, wenn Gott die Erde erneuert. Wenn seine Kinder endlich ganz bei ihm sind, ihn sehen, ihn anbeten: weil der neue Himmel und die neue Erde sichtbar sind. Paulus sagt: alle werden vor Jesus niederknien. Alle im Himmel – also die Engel und die Gläubigen dort; alle auf der Erde und unter der Erde – das meint wohl die, die wir „tot“ nennen. Menschen und Mächte und Gewalten. Freunde und Feinde.

Für die Christen wird es ein Tag der Freude sein, für alle anderen vielleicht eher ein Tag des Entsetzens; und mancher wird vielleicht zähneknirschend sagen müssen: „Ich bin nicht der Herr der Welt – ER ist es!“ Bekennen werden es alle.

Alle werden knien vor Gott. Zum Zeichen dafür: ER ist groß, ich bin kleiner als er.

Ich habe gelesen: die alten Griechen und Römer lehnten es ab, vor ihren Göttern zu knien. Das empfanden sie als unwürdig eines freien Bürgers.

Ist Knien unwürdig? Ich denke an meine Tante Hanna: sie wohnte mit in unserer Familie und half ihrer Schwester -meiner Mutter- bei den neun Kindern. Sie hatte ihre nachmittägliche Gebetsstunde; wenn einer von uns dann aus Versehens bei ihr anklopfte, dauerte es eine Weile, dann schloss sie die Tür auf und kam heraus, ohne Brille, auf dem Boden lag das Kniekissen. Sie betete für Missionare – und sicher auch für uns Kinder. War das unwürdig? Ich glaube, sie empfand es als Vorrecht, vor Gott sein zu dürfen und vor ihm für andere einzustehen. Obwohl sie nur Haushaltshilfe war, nicht verheiratet, keine Schönheit: „Ich darf vor Gott sein, ich bin Mitarbeiterin und Kind bei ihm“.

Knien, sich klein machen – weil das so ist: keiner von uns muss Gott sein. Das wäre wohl auch ziemlich anstrengend.

Bei allem, was uns von Muslimen unterscheidet, aber das berührt mich: in der Moschee zieht man die Schuhe aus, Muslime stehen ungeschützt vor Allah, hier ist für sie heiliger Raum. Man kniet auch vor Allah – der ganze Körper betet mit. Und: wenn man zum Gebet geht, dann kniet einer neben dem anderen, man lässt keine freien Plätze, man wählt nicht: möchte ich hier oder lieber dort sitzen – so wie das in unseren Kirchen oft ist. Es wird für mich an dieser Stelle deutlich: vor Gott sind alle gleich – da gibt es nicht sympathische und solche, die ich eher meide. Bei uns ist das vielleicht eher beim Abendmahl ein Problem: „O nein, wenn der zum Abendmahl geht, dann gehe ich nicht; neben dem möchte ich nicht stehen in der Teilnehmerrunde…“ Vor Gott stehen wir alle gleich – oder knien alle gleich. Wichtig ist nur das eine: dass Jesus Christus der Herr ist.

Aufgefallen ist mir: Jesus ist der Herr. Bei Muslimen gilt das Bekenntnis „Allah ist groß. Eigentlich: Allah ist größer“. Das ist ein Triumph: Mir ist wichtig in meinem Glauben: Jesus ist der Herr. Wie hat er gesiegt? Nicht mit Feuer und Schwert, sondern mit seiner Liebe. Er hat sich selbst hingekniet vor seine Jünger. Er hat selbst den Waschlappen in die Hand genommen und ihnen die Füße gewaschen. Da hat er sich nichts abgebrochen. So war sein ganzes Leben. Kein Triumph, bei dem andere ihre Niederlage eingestehen müssen, sondern Liebesdienst.

Und das will ich heute auch bekennen: Jesus ist der Herr. Schon jetzt ist er der Herr auch über meinen Alltag, über meine Sorgen und Herausforderungen und Unmöglichkeiten. Er kriegt auch das hin, zusammen mit mir.

Autor: Pfarrerin Renate Schmidt

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Römer 8,34

Wer will verdammen? Jeder von uns urteilt über andere – und jeder hat auch schon Werturteile über sich gehört: „Also nein: der ist ja unmöglich! So kann man doch nicht - - -“ Das liegt uns wohl im Blut, andere zu beurteilen: wenn der andere etwas schlechter macht, stehe ich besser da. Nein, es gibt es nur einen einzigen auf der Welt, der andere bewerten darf: Gott, der ins Herz sieht.

Leistung beurteilen – eine Note geben, das erleben Schüler in der Schule. Das kann ein gesunder Wettbewerb sein. Solange nicht der Mensch selbst bewertet wird: wertvoll – wertlos. Jesus sagte zu seinen Jüngern: Richtet nicht! (Mt.71) – Ihr seht nicht richtig, ihr habt da was im Auge, ihr seid blind für die eigenen Fehler.

Es ist gut, wenn ich mich selbst kritisch anschaue. Nicht nur die Fehler bei anderen suche. Wenn ich dann Sünde er-kenne und be-kenne. Einen Schritt drüber weg machen – und dann geht’s weiter, das Leben findet heute statt.

Was mich immer wieder beschwert, ist dieses feine Stimmchen in mir: Ich denke an Fehler, die ich nicht wiedergutmachen kann, und ich fühle mich schlecht. Wie oft denke ich an eine frühere Konfirmandin; - ich nenne sie hier mal „Carina“ – ihr Vater war gestorben vor Jahren; ich weiß nicht, warum wir unter vier Augen miteinander sprachen, aber ich weiß noch, dass ich zu ihr sagte: „Du musst auch Gott verzeihen, dass er dir deinen Vater genommen hat!“  Wie es im Vaterunser heißt: „wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“. Noch heute könnte ich mich in die Seite treten  für diesen ach so klugen Satz! Wie dumm, so was in der Situation zu sagen! Wie oft habe ich später für dieses Mädchen gebetet, dass ihr dieser Satz nicht geschadet hat, und dass ihr Leben gelingt. Wenn ich müde bin oder krank, dann tauchen manchmal solche und ähnliche Situationen in mir auf. Natürlich: ich war Anfängerin im Amt, ziemlich unbedarft! Aber es ist ja nicht so, dass ich jetzt – viele Jahre später – nur noch hilfreiche Sätze ausspreche. Damit andere sogar vom Glauben abhalte… Wer will verdammen? Ich tue es manchmal selbst. Aber das will Gott nicht. Er will schon gar nicht, dass mir die Freude am Leben wegbleibt. Vernebelung – das ist Strategie des Teufels… Nein: wenn mir Sünde einfällt – auch das, wo ich nicht genau weiß: war das jetzt gut oder nicht? – Dann hin zu Jesus! Vor ihm bekennen, um Vergebung bitten – und es ist vor ihm weg! Wenn es dann wieder und wieder in mir auftaucht: ES IST WEG! Ich mache ja Gott zum Lügner, wenn ich wieder und wieder zerknirscht bin darüber!

Auch im Johannesevangeliums steht so was: Wenn uns unser Herz verdammt, dann ist Gott größer als unser Herz und erkennt alle Dinge (1.Johannes 3,20)

Gott will nicht verdammen. Verdammen wäre: von sich wegstoßen, in der Nacht landen. Nein: Gott will Leben für uns im inneren Frieden und in Freude! Hat er bewiesen: Christus Jesus ist hier, der gestorben ist,… der auferweckt ist, der … für uns eintritt. Sogar jetzt noch, heute tritt er für mich ein.    

Ich überlege mir manchmal: Wie tritt denn Jesus vor Gott für mich ein? „Vater, sie war doch noch so unbedarft damals, als sie das der Carina sagte – verzeih ihr!“ So vielleicht? Noch wichtiger aber ist für mich, dass Jesus das wieder gut machen kann, was ich dumm, ungeschickt oder manchmal auch mit böser Absicht gesagt habe. Er kann das auch noch Jahre später machen – davon bin ich überzeugt. Zeit spielt für ihn keine Rolle. Für Carina beten – das ist immer gut. Gebete sind Kräfte. Und dann weitermachen - ich könnte mich auch verkriechen, weil Worte schädlich sein können. Aber das Evangelium muss unter die Leute, sie brauchen es.  Also, selbst wenn es daneben geht: „Ich hab einen guten Anwalt“: Jesus!

Autor: Pfarrerin Renate Schmidt

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Matthäus 6,33

Vor einiger Zeit bekomme ich eine christliche Zeitschrift in die Hand. Ich blättere etwas darin herum – bis mich ein Artikel in seinen Bann zieht. Dort beschreibt die Autorin Elena Schulte, was ihr hilft, sich für Gott zu öffnen. Das ist auch mein Wunsch – und so lese ich weiter. Unter der Überschrift „Ein Gespräch mit Gott schreiben“ erklärt sie die Methode:

Wenn sie Fragen an Gott hat, formuliert sie diese mit einem Stift in einer bestimmten Farbe auf einem Zettel. So, als würde sie Gott direkt etwas fragen. Dann nimmt sie einen Stift mit einer anderen Farbe und schreibt auf, was Gott wohl antworten könnte. Elena Schulte empfindet, dass die Antwort aus Gottes Sicht dazu hilft, weiter nachzudenken und erneut eine Frage zu stellen. Damit entwickelt sich ein fiktives Gespräch zwischen ihr und Gott ...

Interessant - denke ich und suche mir ein Notizbuch und zwei Stifte. Seitdem ist meine morgendliche Zeit mit Gott etwas länger – aber auch spannender.

Als erstes bete ich und bitte Gott, mich zu leiten. Dann erzähle ich ihm, wie es mir geht. Nenne meine momentanen Probleme, beispielsweise gesundheitliche und finanzielle und stelle Fragen. Für mich steht eine Zahn-OP an, die ziemlich teuer wird. Wie sollen wir das nur stemmen, trotz Zahnversicherung? Dann nehme ich den anderen Stift und schreibe auf, wie ich mir Gottes Antwort vorstelle. Erstaunlich schnell fließen die Worte aufs Papier. Dann lege ich das Büchlein zur Seite.

Nach einigen Tagen wiederhole ich diese Art von Gespräch. Es wird zur Gewohnheit. Einige Wochen später lese ich in einer stillen Stunde den gesamten Austausch – und staune. Es ist tatsächlich so, als würde Gott mir in einigen Dingen meine Sichtweise zurechtrücken.

Besonders das Beispiel mit der Zahn-OP fällt mir ein, als ich den Lehrtext aus den Herrnhuter Losungen lese, der für heute angegeben ist. Er steht in Matthäus 6:

„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“

Das alles – was ist denn das alles? Ich lese den Vers im Zusammenhang und erfahre, dass ich mich weder darum sorgen muss, wie ich satt werde, noch was ich zum täglichen Leben brauche. Nur Menschen, die Gott nicht kennen, sorgen sich darum. Christen dürfen vertrauen, dass ihr himmlischer Vater sie mit allem Wichtigen ausrüstet.

Und dann kommt die Aufforderung:

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.

Die Kurzfassung sagt also: „Kümmere dich um Gottes Kram, dann kümmert er sich um deinen!“ Und genau das steht auch in meinem Büchlein unter der Antwort Gottes, nachdem ich ihm meine Sorge wegen der Zahnarztrechnung gesagt habe: „Ich kenne dein Problem, liebes Kind. Du hast es mir schon so oft gesagt. Nun glaub doch endlich, dass ich eine Idee habe, wie ich helfen kann. Tu deine Arbeit für mich, dann sorge ich für dich!“

Einige Wochen später erfahre ich Gottes Hilfe in Form eines Telefonates. Meine Freundin erzählt mir, dass sie mehr Geld hat, als sie braucht. Und dass sie gerne das Defizit von meiner Zahnarztrechnung übernehmen will. Schließlich hat Gott sie ja nur deshalb so beschenkt, damit sie anderen in Not helfen kann. Das sei ihr Job.

Ich bin berührt und dankbar in einem. Und einmal mehr ermutigt mich dieses Erlebnis, meinem Herrn im Himmel zu vertrauen.

Ob dazu auf Dauer so ein Zwiegespräch hilft, bleibt abzuwarten.

Vielleicht ist diese Art auch nicht jedermanns Sache. Mir hat‘s geholfen. Ich kann mich so Gott besser öffnen. Und damit hat es sich für mich schon gelohnt.

Autor: Silke Stattaus

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Epheser 6,14–15

Vor einigen Monaten durfte ich eine orthopädische Reha in Anspruch nehmen. Ein langjähriges gesundheitliches Problem ist der Anlass dazu. Auf meinem Programm stehen viele Anwendungen. Los geht’s am ersten Morgen mit einer Massage. Schnell komme ich mit der Therapeutin ins Gespräch. Sie will wissen, in welchem Bereich ich arbeite. „Ich leite einen deutschlandweiten Frauenverein, zu dem viele Christinnen gehören, die Frühstücks-Treffen für Frauen vorbereiten.“ Meine Therapeutin staunt, dass es so etwas gibt. Ich erzähle ihr ein bisschen aus meiner Arbeit. Sie ist von dem beeindruckt, was sie hört.

Beim nächsten Termin bietet sie mir an, auch mir mal was Gutes zu gönnen. Sie will mich mit einer Therapieform behandeln, die ich nicht kenne. Ich bin ein bisschen skeptisch. Habe schon viel gehört von Therapien, die in der Esoterik angesiedelt sind. Da hinein will ich mich auf keinen Fall begeben. In den nächsten Tagen mache ich mich kundig, was das für eine Behandlung sein könnte. Dazu hilft mir sonst immer die Internetseite der Christlichen Heilpraktiker. Doch die ist gerade in Arbeit und nicht erreichbar. Abends unterhalte ich mich mit einer Mitpatientin, die mir begeistert genau von dieser Behandlung berichtet. Ich lasse sie mir erklären. Meine Skepsis weicht ein bisschen. Es klingt doch eigentlich gut und auch seriös.

Ich bete - und bitte Jesus um Klarheit. Dabei fällt mir die geistliche Waffenrüstung ein, die der Apostel Paulus den Nachfolgern von Jesus mit auf den Weg gibt. Sie ist in der Bibel in einem Brief aufgeschrieben, den er an die Christen in Ephesus schreibt. Wir Christen bekommen damit die Möglichkeit, uns vor den Gefahren der sichtbaren und unsichtbaren Welt zu schützen.

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    Da ist der Gürtel, der die Wahrheit erkennt.

    
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    Und der Brustpanzer, der die Gerechtigkeit fördert.

    
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    Schuhe stehen bereit, damit wir das Evangelium verkündigen.

    
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    Und der Schild des Glaubens wird die bösen Pfeile des Teufels abhalten.

    
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    Unser Kopf ist durch den Helm des Heils geschützt.

    
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    Und das Wort Gottes ist das Schwert, welches der Heilige Geist uns gibt.

    Zum Schluss werden wir ermutigt, die Lanze des Gebetes zu nutzen. Sie ist wie ein Türsteher, der über uns wacht.

    Wenn wir diese Waffenrüstung anlegen, so verspricht Paulus, dann können uns heimtückische Angriffe des Teufels nichts anhaben.

    So ermutigt entscheide ich mich für diese Therapie. Dann, während der Behandlung, bete ich. Einmal für die Masseurin, dass sie Jesus kennenlernt und ihr Herz für ihn öffnet. Auch dass ich im Gespräch eine Einflugschneise finde, um mit ihr über den Glauben zu sprechen. Und ich bete für mich. Dabei mache ich mir bewusst, dass Jesus in mir ist und dafür sorgt, dass mir nichts und niemand schaden kann.

    Christen wissen, dass sie in einer Welt leben, in der die Mächte von Himmel und Hölle miteinander kämpfen. Und sie sind mittendrin. Da fällt es manchmal schwer, Gutes von Bösem zu unterscheiden.

    Ich rate auf keinen Fall, leichtfertig alles auszuprobieren, was der Therapie-Markt zu bieten hat. Vielleicht ist es auch besser, lieber mal eine Behandlung abzulehnen. Aber da, wo wir uns nicht im Klaren sind, ist die Waffenrüstung Gottes ein wirksamer Schutz.

    Das gilt auch und vor allem für Menschen, die die gute Nachricht von Jesus verkündigen. Denn sie sind in besonderer Weise den Angriffen des Bösen ausgesetzt. Doch zum Glück mit Gottes Dienstkleidung auch gut geschützt.

    Am Ende der Reha schenke ich dieser Therapeutin ein Buch, das zum Glauben an Jesus einlädt. Sie freut sich darüber. Und ich bete , dass dieser Anstoß ihr Leben verändert.

    
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Autor: Silke Stattaus

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1. Petrus 3,9

Vielleicht kennen Sie das auch. Jemand aus unserer Gemeinde hatte mich verletzt. Aus meiner Sicht hatte er Gott beleidigt. Aber auch mich. Seine Sätze waren ungeistlich und falsch gewesen.

Mein Gerechtigkeitssinn sagte mir: „So geht doch das nicht, das kann man so nicht stehen lassen.“ Ich ging zu meinem Vorsitzenden und schilderte ihm das Geschehene. Wir fanden einen Weg, um mit der Situation vernünftig umzugehen. Noch mehr: den Weg der Liebe zu beschreiten. Wir segneten den Mann, beteten für ihn, und überließen es dann Gott, sich um alles Weitere zu kümmern. Das ist vielleicht nicht immer der richtige Weg; manchmal muss man das Gespräch suchen. Aber in diesem Fall war es richtig, so zu handeln.

Petrus gibt der christlichen Gemeinde für den Konfliktfall ganz klare Anweisungen. Wir sollen nicht zurückschießen, wenn wir angeschossen werden. Wo wir das tun, verletzen wir einander gegenseitig. Und das Böse wird hochgeschaukelt. Es ist niemandem geholfen. Was wirklich hilft, ist segnen. Christen sind Gesegnete des Herrn. Wir sind gesegnet mit Heil, Gerechtigkeit, Frieden und vielem mehr aus dem göttlichen Reichtum.

Und nun dürfen wir das geschenkte Angeld der Liebe an andere weitergeben. Jesus sagt es so: „Bittet für die, die euch beleidigen. Segnet eure Feinde.“ Und der Apostel Paulus schreibt: „Auch wenn wir gescholten werden, so segnen wir.“

Was ist das für ein Geheimnis der Stärke? Gerade dann, wenn wir uns schwach fühlen. Ich darf, ich soll, ich kann segnen. Das kann sehr still geschehen. Indem ich zum Beispiel für den anderen bete. Dieses Gebet ist nicht nur ein leerer Wunsch, sondern ein reales Handeln, vorerst in der unsichtbaren Welt.

Ich lege den Namen Gottes und damit die segnende Kraft Gottes auf diesen Menschen. Nun gibt mir Gott seine volle Kraft, seine Vollmacht zum realen Handeln an diesem Menschen. Genau das dürfen wir auch in unseren christlichen Gemeinden tun. Einander segnen: Dem anderen beim Beten die Hand auf die Schulter oder den Kopf legen und ihm Gottes Handeln zusprechen. Ein Bibelwort, in dem Gott etwas verspricht, über dem anderen aussprechen. Dem Bruder, der Schwester im Glauben Gottes Güte, seine Liebe, seinen Frieden, seine Fürsorge und seine Heilung zusprechen. Das heißt segnen.

Das ist besonders wichtig in einer Zeit, in der ständig Anforderungen an uns gestellt werden. Wir brauchen es, dass Gott uns Gutes zuspricht. Wir brauchen seinen Segen.

Wir sind als Christen dazu berufen, gesegnet zu werden. Wir sind aber auch berufen, andere zu segnen.

Autor: Hartmut Giessler

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Hebräer 12,1–2

Es gibt Sätze, die man immer wieder hört. Dazu gehört auch der Satz: „Das ganze Leben ist ein Kampf.“ Aber: Stimmt dieser Satz überhaupt? Ja, das Glaubensleben ist ein Kampf, das stimmt. Aber es stimmt nicht immer. Manchmal darf ich auch ruhen im Glauben. Dazu gehört das Erlebnis, dass ich mit hineingenommen werde in die Wolke der Zeugen mit all den Frauen und Männern, die schon vor mir mit Gott gelebt haben. Zu wissen, dass ich nicht alleine bin, macht mir Mut.

Sicher, manchmal muss ich auch alles dran setzen, um auf dem Weg des Glaubens zu bleiben. Manchmal muss ich auch verzichten auf Dinge des Lebens, weil ich Jesus nachfolgen will: etwa auf einen Fernsehabend, weil ich zur Gebetstunde gehen will. Es gibt Zeiten, in denen ich mich anstrengen muss, wie ein Wettläufer, der sich auf seinen Lauf konzentriert. Das geschieht manchmal, vielleicht oft, aber nicht immer.

Ich weiß nicht, wie ermutigend die Aussage wirklich ist: „Als Christ musst du mit aller Anstrengung kämpfen.“ Wer schon viele Jahre kämpft, kann dabei auch müde werden. Als Christen sollten wir die Sünde immer wieder ablegen, um davon nicht gefangen zu werden. Und erleben trotzdem, dass wir dann doch wieder in neue Schuld geraten. Hier ist die Geduld wichtig, die im Hebräerbrief oft erwähnt wird. Verbunden mit dem Wissen, dass ich es alleine nicht schaffe.

Letztlich geht es nicht um meine Kraft, mein Können und meine Anstrengung. Es ist Jesus, der mich auch durch Schwierigkeiten bringt. Er ist es, der mit mir im Glauben beginnt und mit mir den Glauben vollendet. Selbst da, wo ich es geschafft habe, Sünde abzulegen, mich zu konzentrieren und mutig voranzugehen, selbst da ist ER es, der mich dazu befähigt hat.

Ich schaffe es nicht immer, genau das zu tun, was Menschen und was Gott von mir erwarten. Auch hier ist es Jesus, der mich durchträgt. Deshalb ist es so wertvoll, immer wieder auf ihn zu sehen: zu merken, wie er ist, wie er denkt, wie er handelt, wie er liebt und was er kann.

Das baut mich auf, das macht mir Mut, sowohl in meinem Gelingen wie auch in meinem Versagen.

Diese Erfahrung können alle Menschen machen, die im Glauben an Jesus leben, besonders auch Christen, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden.

Diese Verheißung gilt auch mir in meiner Welt: Es ist Jesus, der meinen Glauben an ihn erhält und zur Vollendung bringt. Bei all meinem Wollen und meiner Anstrengung, bei all meinem „müde Werden“ und der Erfahrung, dass ich es nicht schaffe, gilt: Jesus ist meine Zuversicht.

Er ist für uns gestorben am Kreuz. Er tat dies im Blick auf die Freude, nach seinem Tod und seiner Auferstehung wieder beim Vater zu sein. Und im Wissen, dass er uns so auf ewig retten konnte.

Jesus ist der Anfänger und Vollender unseres Glaubens.

Autor: Hartmut Giessler

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Apostelgeschichte 23,11

Immer nachts! Nachts kommen die Schmerzen. Nachts kommen die sorgenvollen Gedanken. Nachts kommen die Fragen nach der Zukunft. Wobei Zukunft manchmal bedeutet: "Werde ich den kommenden Tag erleben oder überleben?" Immer nachts. Da gibt es keine Ablenkung mehr. Keine Gespräche. Keine Begegnung. Da gibt es keine Perspektive. Es ist einfach zu dunkel. Nachts ist der Mensch auf sich geworfen. Und die Ereignisse des Tages hallen nach. Darum haben nicht nur Kinder oft Angst vor der Nacht. Auch viele Erwachsene lassen z. B. eine kleine Lampe brennen. Sie gibt wenigstens ein bisschen Orientierung.

Paulus geht es ganz ähnlich. Er hat einen schrecklichen Tag hinter sich. In Jerusalem läuft alles aus dem Ruder. Die Menge ist so aufgebracht über die Rede des Paulus, dass der römische Hauptmann ihn auspeitschen lassen will. Da beruft sich Paulus auf sein römisches Bürgerrecht. Nun kommt es zu einer Verhandlung vor dem Hohen Rat. Wieder geht es drunter und drüber. Kaum öffnet Paulus den Mund, lässt der Hohepriester ihn schlagen. Wie wird das alles ausgehen? Paulus ist ganz ratlos. Er hat auch guten Grund dazu, denn einige Fanatiker werden einen Schwur ablegen, ihn zu töten. In einer solchen Nacht ist einem nicht nach schlafen.

Doch dann redet Gott zu ihm. Sei getrost! Und schon diese beiden Worte ändern alles. Sie geben ihm die Perspektive zurück, die Paulus verloren gegangen war. Ich möchte das einmal ganz persönlich erzählen. Als ich vor einigen Jahren überraschend ins Krankenhaus musste, war ich sehr besorgt. Viele Fragen bewegten mich, was das nun bedeuten würde. Damals habe ich wie so oft zu meiner Bibel gegriffen und darin gelesen. Ich hatte mir die Psalmen ausgesucht, denn gerade die Psalmen enthalten viele Trostworte und Ermutigungen. Dabei entdeckte ich einen kleinen Vers in Psalm 4. Dort heißt der Vers 9: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, HERR, hilfst mir, dass ich sicher wohne. Für mich war das damals ein Wort direkt von Gott zu mir persönlich. So wie damals dieses "Sei getrost!" für Paulus. Es hat mich damals gelassen gemacht und ruhig. Ja, ich konnte sogar gut schlafen. Und in den darauffolgenden Tagen haben sich die Besorgnisse und Fragen erstaunlich und wunderbar geklärt. Ich habe mir damals in meine Bibel eine Notiz gemacht. Ich wollte diese Erfahrung nicht vergessen. Und immer, wenn ich wieder in eine sorgenvolle Lage geraten war, fiel mir auch dieser Vers ein und diese Erfahrung. Sie war ein Erlebnis mit Langzeitwirkung. Das bedeutet nicht, dass immer alles glatt ging - obwohl ich auch viel Bewahrung erlebt habe. Aber ich wusste und weiß: Ich bin nicht allein. Gott hat einen Weg mit mir.

Auch Paulus hat das erlebt. Und diejenigen von Ihnen, die seine Geschichte etwas kennen, wissen: Einfach war es nicht. Dennoch gilt: Sei getrost! Der Herr, der Paulus so ermutigt, der stand ihm auch bei auf den weiteren Wegen. Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, wünsche ich, dass Sie wie Paulus erleben: In der Nacht stand der Herr bei Paulus und sprach: Sei getrost! (Apostelgeschichte 23,11).

Autor: Direktor Manfred Schultzki

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Lukas 2,19

Dieser Vers ist dem Schluss der Weihnachtsgeschichte entnommen. Vielleicht ist es gut, ihn mal abseits des großen Festes zu hören. Dann fällt auf: Maria tut in dieser besonderen Nacht zweierlei:

1. Maria behält diese Worte

Zwar sind es die Worte der Hirten. Aber sie haben die Worte der Engel weitergegeben. Diese Worte will sie sich merken. Maria hätte auch andere Worte behalten können. Den Befehl des Kaisers z.B.: „Alle müssen sich auf den Weg machen und in Steuerlisten eintragen lassen.“

Solch ein Aufwand, nur damit bei den Mächtigen die Kohle stimmt. Oder sie hätte den Worten der Wirte Raum geben können „Hier ist kein Platz für euch.“ Maria wählt aus. Sie lässt bestimmte Worte hinter sich. Sie lässt nicht zu, dass diese Worte Raum in ihrem Herzen ausfüllen. Gerade so viel, dass sie aufbricht und weiterzieht. Worte, zum Verbrauch bestimmt. Aber zum Bewahren sind sie nicht geeignet.

Meine Frage ist: Welche Worte behalten Sie? Was prägen Sie sich ein? Kraftworte oder Streitworte? Worte, die Sie einmal sehr verletzt haben? Wie schmerzlich kann sich ein Wort in ein Leben einschneiden. Immer wieder erinnern sich Menschen: Damals, vor Jahren, ist mir das gesagt worden. Und es hat eine Mächtigkeit bekommen in meinem Leben. Manche Menschen tragen gerade bittere Worte sehr lange mit sich herum und können sie nicht vergessen.

Es gibt aber auch andere Worte, die uns erreichen und die wir behalten und bewegen können. Z.B. den Konfirmationsspruch oder den Trauspruch. Bei den Diakonissen nicht nur meines Mutterhauses ist das einfach. Sie tragen an einer Kette ein Kreuz mit ihrem Einsegnungsspruch. So haben sie ihn immer bei sich. Mit Konfirmationssprüchen ist das anders. Die Konfirmation liegt bei den meisten lange zurück. Da gibt es eine Urkunde, die Sie irgendwo aufbewahren. Wissen Sie Ihren noch? Oder Ihren Trauspruch vielleicht? –  Aber vielleicht sind einige von Ihnen gar nicht konfirmiert worden. Das soll jetzt ja auch kein Examen sein. Es geht um die Frage: Welche Worte bewahren Sie? Manche Worte vergisst man nicht. Aber welche sind das? Und welche Worte wollen Sie sich einprägen? Aufbauende, tröstende oder negative, verletzende?

Maria behielt alles, was die Hirten ihr erzählten. Und nicht nur das: 

2. Maria bewegt alle diese Worte.

D.h. sie bewahrt sie nicht nur auf wie Christbaumschmuck von früher. Sie bewegt sie. Sie geht damit um. Sie denkt darüber nach. Sie gibt diesen Worten Raum in ihrem Herzen und in ihrer Seele. Martin Luther hat einmal gesagt: Die Bibel ist ein Kräutlein; je mehr du es reibst, desto mehr duftet es. Genau das macht Maria. Und ich kann von ihr lernen. Es macht einen Unterschied, ob ich zwischen einem Schluck Kaffee und einem Bissen Frühstücksbrot in die Losung hineinsehe, oder ob ich mir Zeit nehme und innehalte. Erst dann kann ich das gelesene Wort in Beziehung zu meinem Tag und meinem Tagewerk bringen. Erst dann kann das Wort Gottes seine Kraft in meinem Leben - und auch in Ihrem - entfalten. Ja, es kann zu einem Steuer werden, das das Leben steuert. Vielleicht geschieht das gerade jetzt, indem Sie zuhören.

Autor: Direktor Manfred Schultzki

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Kolosser 2,8

Wie leicht oder schwer ist es, dass ich mich von den Meinungen und Stimmungen anderer Menschen beeinflussen lasse? Kann es sein, dass mein Vertrauen zu Gott eingeschränkt wird durch das, was andere Menschen so allgemein denken und sagen? Diese Fragen stelle ich mir nach einer interessanten Erfahrung, die ich vor einiger Zeit gemacht habe. Bei einer längeren Ausfahrt mit meinem Rennrad ist mir der Schlauch des Hinterrades geplatzt. Ausgerechnet an einer Stelle, die nicht sehr belebt ist und leider auch schon sehr weit von meinem Zuhause entfernt. Dummerweise hatte ich kein Werkzeug und keinen Ersatzschlauch dabei, wie es eigentlich üblich ist. Ärgerlich über mich selbst machte ich mich auf einen längeren Fußweg gefasst. So konnte ich ja nicht weiterfahren, sondern musste mein Rad schieben.

Wie überrascht war ich, als mir plötzlich geholfen wurde. Ich hatte mich erst wenige Minuten auf den Weg gemacht, da tauchte ein Rennradfahrer neben mir auf. Er hielt an und fragte, ob er helfen könnte. Ja, klar! Weil er alles dabei hatte, was in solch einem Fall nötig ist, war mein Hinterrad schnell repariert. Ich konnte meine Ausfahrt fortsetzen. In meinen Gedanken aber habe ich erst allmählich begriffen, was da gerade passiert war. Mir wurde klar, wie ungewöhnlich es ist, dass an dieser einsamen Stelle ausgerechnet zum Zeitpunkt meiner Radpanne jemand vorbeikommt. Nicht nur irgendjemand, sondern einer, der wie ich mit seinem Rennrad eine Tour unternahm, aber anders als ich, ein entsprechendes Reparatur-Set dabei hatte.

Ich musste denken: was für ein Geschenk! Soll ich das Zufall nennen oder wie ein Wunder ansehen und Gott für dieses Geschenk danken? Dabei hatte ich gar nicht gebetet. Im Moment der Reifenpanne hatte ich überhaupt nicht an Gott gedacht. Wollte Gott mir durch die außergewöhnliche Hilfe zeigen, dass er aber an mich denkt, mich sieht in meiner Not und mir beisteht? Viele Fragen und Gedanken gingen mir nun auf der fortgesetzten Radtour durch den Kopf. Warum habe ich mich nicht an Gott gewandt mit der Bitte, mir zu helfen? Meinte ich vielleicht, solch eine Radtour ist doch viel zu banal. Gott hat Wichtigeres zu tun, als sich um eine Reifenpanne zu kümmern. Oder rechne ich letztlich gar nicht mit der Möglichkeit, dass Gott mir an dieser Stelle helfen kann. Glaube ich es nicht, dass Gott so ungewöhnlich und wundersam handeln kann, also glaube ich letztlich nicht an Wunder?

Und plötzlich merke ich, wie diese Fragen und Gedanken das berühren, was Paulus hier im Kolosserbrief anspricht:

„Seht zu, dass euch niemand einfange durch die Philosophie und leeren Trug, die der Überlieferung der Menschen und den Elementen der Welt folgen und nicht Christus.“

Ich muss mich fragen, ob ich vielleicht schon eingefangen bin vom leeren Trug, der den Überlieferungen der Menschen und den Elementen der Welt folgt und nicht Christus? Gehört zu diesen Dingen nicht auch die Meinung, Gott kümmert sich nicht um so banale und alltägliche Kleinigkeiten wie ein geplatzter Reifen? Gott hat Größeres und Bedeutenderes zu tun, als mich in meinem ganz kleinen und persönlichen Leben so ernst zu nehmen?

Für mich war diese Erfahrung der Reifenpanne und der außergewöhnlichen Hilfe eine echte Lektion. Ich habe neu gelernt, mich möglichst in allem auf Gott zu verlassen. Ich habe gelernt, mich auch in solchen Situationen an Gott zu wenden, um seine Hilfe zu bitten und mit seinem Eingreifen zu rechnen. Das Erlebnis hat mein Vertrauen zu Gott gestärkt. Daran will ich mich halten und nicht bestimmen lassen, was sonst so die Menschen ohne Beziehung zu Christus über Gott denken und sagen.

 

Autor: Pastor Ralf Schöll

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