ERF Plus - Wort zum Tag

Trost mitten im Leid

Leid kennt zahllose Gesichter, verschiedene Härtegrade und eine unterschiedliche Trefferquote unter uns. Der eine ist mehr, der andere weniger belastet und ganz ohne Leid verläuft kein Menschenleben. - Alle unsere Leiderfahrungen zeigen, wir leben jenseits von Eden. Dennoch ist die Zeit der Leiden auf unser irdisches Dasein begrenzt.

Die Ewigkeit jedenfalls wird uns endgültig befreien von allem, was uns heute Not macht, Tränen fließen lässt oder Schmerz bereitet. - Wenn Jesus lehrt „Selig sind, die Leid tragen“, ist zuerst in der Sprache des Neuen Testamentes eine ganz bestimmte Art des Leides gemeint: Vorrangig ist an Mitmenschen gedacht, die mit tiefem Schmerz um einen geliebten Toten klagen und trauern.

Auffällig ist im Alten wie im Neuen Testament, dass Leid Menschen, die mit Gott leben, genauso treffen kann wie jene, die ohne ihn leben. So trauert Jakob um seinen verschollenen Sohn Joseph (1. Mo 37,34); König David tagtäglich um seinen Sohn Absalom (2. Sam 13,37) und Maria um ihren Bruder Lazarus (Joh 11,33).

Warum wird ausgerechnet den Trauernden von Jesus Seligkeit oder Glücklichsein zugesprochen? Leid allein jedenfalls kann uns kein Glück bringen. So sagt es uns unsere menschliche Logik. Beide, Leid und Glück, scheinen zwei sehr voneinander entfernten Welten anzugehören. Doch was bei Menschen unmöglich ist, ist durchaus bei Gott denkbar.

Deshalb liegt das Schwergewicht dieses Wortes Jesu nicht im „Leid tragen“, sondern im Trost Gottes. Gott weiß, dass unentwegter Sonnenschein ein Land zur Wüste macht. Und darum braucht es in unserem Leben den „Regen des Leides“, um bestimmte Erkenntnisse über Gott zu bekommen und hilfreiche Erfahrungen mit Gott zu machen. Eine dieser Einsichten findet sich in Psalm 34,19: „Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind und hilft denen, die zerschlagenen Geistes sind.“

Wie gelangt Gottes Trost insbesondere am Grabe eines geliebten Menschen zu uns?

Manch einer hat Gottes Trost durch Worte anderer Christen erlebt, die ihn durch diese schwere Zeit begleitet haben. Andere sind durch Gottes Wort von der Hoffnung auf die Ewigkeit bei Gott so getröstet worden, wie nie zuvor. Und etliche sind besonders eindrücklich am offenen Grabe von der Gewissheit getragen, dass selbst der Tod ihren geliebten Angehörigen nach Römer 8 nicht von der Liebe Gottes trennen kann.

Auf welche Art und Weise uns Gottes Trost erreicht, stets geht er auf die Liebe unseres himmlischen Vaters zurück, den Paulus darum den „Gott allen Trostes“ nennt. Gott allein weiß, was wir benötigen und er wird es seinen Kindern nicht vorenthalten.

Autor: Matthias Dreßler

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Staunende Kinderaugen

Wer kennt sie nicht? Staunende Kinderaugen, gefüllt mit Glück, begeistert vom Augenblick, einfach voller Freude über ein kleines Geschenk?

Können wir noch staunen – als Erwachsene? Staunen über Gottes Wesen, das ganz von seiner Liebe zu uns geprägt ist? Staunen über sein Wirken, das uns trägt, führt und bewahrt? Staunen über die Kraft seines Wortes, das uns Mut und Trost schenkt, das uns den Weg weist und das Ziel seiner Ewigkeit vor Augen malt? Staunen über das Wunder seiner Schöpfung, die uns durch Saat und Ernte täglich mit Brot versorgt?

Im Römerbrief, Kapitel 11, Vers 36 bekennt der Apostel Paulus staunend und anbetend die umfassende Schöpferkraft Gottes: „Von ihm und durch ihn und zu ihm ist alles. Ihm sei Ehre in Ewigkeit!“.

In dieser Welt können wir nichts, aber auch gar nichts Gutes entdecken, was nicht zuvor durch die Hände Gottes gegangen ist. Bis ins Detail ist alles in göttlicher Weisheit auf Gott selbst ausgerichtet.

Darum kann ein Beter im Psalm 139,14 als persönliches Bekenntnis voller Staunen formulieren: „Ich danke dir dafür, dass ich so wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“

Und Psalm 96 spricht sogar vom „Jauchzen aller Bäume vor dem Herrn“ und von der „Fröhlichkeit des Feldes“. Und der Prophet Jesaja (44) kennt die „frohlockenden Berge“.

Zahlreiche Gründe können jeden, der mit Gott lebt, zum Staunen anregen.

Paulus stehen vor allem Gottes unerforschliche Wege und sogar seine unbegreiflichen Gerichte mit seinem Volk Israel vor Augen. Ein plan- und zielloser „Amoklauf der Geschichte“ ist für ihn undenkbar. Und Paulus ist sich dessen ganz sicher: Eines Tages wird Gottes Weisheit „ganz Israel“ als Gerichtete retten. Den Ratschluss Gottes über seinem Bundesvolk Israel kann keiner durchkreuzen. Am Ende wird die Liebe Gottes siegen, die sein Volk durch das finstere Tal der Zerstreuung genauso begleitet hat wie zu seiner neuen Existenz im verheißenen Land.

Wer wollte nicht darüber genauso staunen wie über Gottes Angebot an alle Völker, sein Heil annehmen zu können? Das Geheimnis der Versöhnung Gottes mit seiner Menschheit in Christus (2. Kor 5,18) bleibt unerforschlich. „Von Gott und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge.“ - Umfassender kann nicht beschrieben werden, dass zu Gottes Schöpfungswerk unauslöschlich sein Versöhnungswerk gehört. Gott hat den Anfang dieser Welt gestaltet und er wird sie zu seinem Ziel führen und zwischendurch keinen von uns allein lassen. Und was uns rätselhaft an unserem Weg bleibt, ist dennoch von der Weisheit Gottes umschlossen.

Und was ist, wenn ich gerade meilenweit vom Staunen über Gottes Güte und Liebe entfernt bin, weil ich nicht verstehe, was um mich oder mit mir passiert? Dann lohnt es sich, mit Julie Hausmann zu beten oder zu singen:

„Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht: So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!“.

Amen

Autor: Matthias Dreßler

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Ein freudiger Anruf

In regelmäßigen Abständen ruft mich ein guter Bekannter an. Er meldet sich erst mal nicht mit Namen. Sein erster Satz am Telefon lautet: Die Freude am Herrn ist unsere Stärke.

Dieser Satz stammt aber nicht von meinem Bekannten, sondern von Esra. Er war Schriftgelehrter und Priester. Ein Teil seines Volkes war aus der Gefangenschaft freigelassen worden. In Jerusalem bauten sie den Tempel wieder auf. Doch bei der Stadtbefestigung - der Mauer - kam die Bautätigkeit zum Erliegen. Nehemia bekam die offizielle Erlaubnis des Perserkönigs, die Stadtmauer neu aufzubauen. Mit Gottes Hilfe und vielen Mitarbeitern gelang ihm das Werk in 52 Tagen.

Doch es sollte nicht beim äußeren Bauen bleiben. Der geistliche Aufbau lagen Nehemia und Esra sehr am Herzen. Darum versammelte sich das ganze Volk auf einem großen Platz. Esra sollte Gottes Wort - das waren damals die 5 Bücher Mose - laut vorlesen, auslegen und die Menschen daran erinnern. Das Wunder geschah: Als sie das Wort Gottes von Esra hörten, erkannten die Menschen ihre Schuld und die Folgen. Sie waren betroffen und weinten. Doch dabei sollten sie nicht stehenbleiben. Es gibt einen, der größer ist als unser Versagen. Es gibt eine Freude, die alle menschliche Schuld überragt. Es ist der heilige Gott, der mit seinen Leuten neu anfängt. Darum ruft es Esra den Menschen zu: Seid nicht bekümmert. Denn die Freude am Herrn ist eure Stärke. (Nehemia 8,10)

Ich weiß nicht, in welcher Situation Sie zurzeit stecken. Vielleicht schleppt sich in Ihrem Leben momentan auch manches nur mühsam dahin: Es scheint keine schnelle Lösung eines Konfliktes zu geben. Ihr Arbeitsplatz soll irgendwann wegfallen. Die Diagnose des Arztes und die bevorstehende Operation schauen alles andere als rosig aus.

Ja, und da sind Worte gefallen, die Sie vielleicht gerne zurücknehmen würden. Vielleicht haben Sie Dinge getan, die vor Gott und den Menschen nicht in Ordnung waren. Sie sind schuldig geworden. Das alles lastet wie ein schwerer Rucksack auf Ihnen. Wie gut, dass Gott uns die Gemeinschaft nicht aufkündigt. Wie gut, dass er sogar noch einen Schritt weitergeht als zu Zeiten Nehemias und Esras.

Er verlässt den Himmel bei Gott und wohnt unter uns. Jesus teilt unser Leben ganz. Er wird ein kleines Kind in der Krippe. Er wird ein junger Mann, der zwölf Freunde um sich sammelt. Er spricht Worte, die Menschen faszinieren. Er tut Wunder, heilt Kranke, speist Hungrige und weckt Tote auf. Dann geht er aufs Ganze: Er lädt unser ganzes Versagen, unsere Schuld und Sünde auf sich und stirbt stellvertretend für uns den Tod am Kreuz. Von dort breitet er die Arme aus und ruft uns zu: Kommt her zu mir alle, die ihr müde und beladen seid. Ich will euch erquicken, erfrischen und erneuern. Das alte ist vergangen und vergeben. Ihr dürft neu anfangen.

Wie geht das? Sie dürfen ihn beim Wort nehmen. Sie dürfen das, was Sie bedrückt und belastet vor Jesus ausschütten. Sie dürfen ihn um Vergebung bitten. Dann gilt Ihnen der Zuspruch: Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei (Johannes 8,36) Da kommt echte und bleibende Freude auf, die über diesen Tag und dieses Leben weit hinausreicht. Und sollten Sie jemals auch so einen Anruf bekommen, wie ich von meinem Bekannten, dann können Sie mit Gewissheit antworten: Ja, die Freude am Herrn ist auch meine Stärke.

Autor: Matthias Rapsch

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Pilgern

Wer in den Bergen zu einer Tour aufbricht, der braucht die passende Ausrüstung und viel Ausdauer. Schöne aussichtsreiche Berggipfel lassen sich nicht mal so nebenbei bezwingen. Schnell kann das Wetter umschlagen oder die Sonne so intensiv scheinen, dass wir auf jeden Fall einen ausreichenden Schutz brauchen.

In der Bibel wird unsere Lebensreise auch mit einer langen Wanderung und Pilgereise verglichen. In der Mitte der Bibel stehen Gebete und Lieder, auch Psalmen genannt. Sie wurden bei verschiedensten Anlässen gebetet und gesungen.

Im 121.Psalm geht es um eine Pilgerreise zum Tempel nach Jerusalem. Die Wallfahrer sind noch unterwegs. Der Tempel ist schon von weitem zu sehen. Er steht für die erfahrbare Gegenwart Gottes. Hier können Menschen Gottes Weisungen empfangen und in ihrem Glauben gestärkt werden. Aber der Weg ist noch weit und mühsam. Gefahren lauern und so manche Erschöpfung kann sich einstellen. Deshalb wendet sich der Wallfahrer an den lebendigen Gott. Wer kann mir helfen? Dann folgt sein Bekenntnis: Meine Hilfe kommt von Gott, der Himmel und Erde gemacht hat. Danach ermutigt der Beter auch seine Wegbegleiter. Er lädt sie ein, sich dem Schutz Gottes und seiner Hilfe anzuvertrauen:

Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts. (Psalm 121,5–6)

Wir sind heute zwar nicht auf einer Pilgerreise zum Tempel in Jerusalem, aber auf unserer Lebensreise läuft auch nicht immer alles glatt. Es gibt Streit und Konflikte in der Familie oder unter den Arbeitskollegen. Die täglichen Herausforderungen machen uns oft zu schaffen. Wir fühlen uns leer und erschöpft. Unerwartet trifft uns womöglich eine Krankheit oder anderes Leid.

Ihnen allen gilt die Einladung und Zusage: der Herr ist dein Schutz. Zu Gott, dem Herrn, dürfen wir jederzeit mit unseren Nöten kommen und unser Herz bei ihm ausschütten. Er ist uns in Jesus Christus ganz nahegekommen. Er hat unser Leben geteilt mit all seinen Höhen und Tiefen. Er ist sogar bis in die tiefste Sohle am Kreuz auf Golgatha gestiegen, um uns neues Leben und Hoffnung zu schenken.

Seit dem Ostermorgen ist er als der auferstandene Herr in Rufweite. Bei ihm finden wir Schutz und Hilfe, wenn uns die raue Alltagssonne und die Unruhe in der Nacht bedrohen. Er vergibt uns gern, wenn wir zu ihm kommen. Er möchte unsere Verletzungen heilen, die wir anderen und die andere uns zufügen. Bei ihm finden unsere aufgescheuchten und gehetzten Seelen Ruhe. Von seinen Worten können wir leben und Kraft schöpfen.

Deshalb können Sie heute ermutigt in den Tag gehen. Egal, was kommt und wie lang Ihre Lebensreise noch dauert: Sie sind mit Jesus Christus nie mehr allein. Sprechen Sie doch mit ihm. Die Bibel nennt das Gebet. Dieses Reden ist keine Einbahnstraße. Gott redet auch mit Ihnen durch sein Wort, durch Begegnungen mit Menschen und alltägliche Erlebnisse. In ihm haben Sie den besten Wegbegleiter, den man sich vorstellen kann. Er wird Sie auch an der Todesschwelle nicht allein lassen, sondern in das neue und ewige Zuhause bei ihm führen.

Autor: Matthias Rapsch

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Das Gleichnis vom blinden Blindenführer

Kürzlich habe ich von einer alten Dame gehört, die eine vielbefahrene Straße überqueren wollte. Sie zögerte, denn der Verkehr war sehr stark und es gab keine Ampel.

Nachdem sie schon einige Zeit gewartet hatte, kam ein Mann zu ihr mit der Frage: „Kann ich mit Ihnen die Straße überqueren?“ Erleichtert nahm sie dieses Angebot an und fasste seinen Arm. Der Weg, den die beiden jetzt gingen, war alles andere als sicher. Der Mann wurde selbst unsicher, als er sich mit der Frau in einem Zick-Zack-Kurs durch den Verkehr schlängelte. „Sie haben uns beinahe getötet“, erklärte die Dame ärgerlich, als sie endlich das Trottoir der anderen Seite erreichten, „Sie gingen ja wie ein Blinder.“ „Ich bin blind“, gab der Mann zur Antwort, „darum habe ich Sie ja gefragt, ob ich mit Ihnen die Straße überqueren könnte“.

Ich staune immer wieder, wie gut stark sehbehinderte und blinde Mitmenschen den modernen Verkehr bewältigen mit einem Blindenlangstock oder Blindenhund. Tastbare Bodenleitsysteme und Blindenampeln helfen ihnen dabei. Zur Zeit des Neuen Testaments gab es das alles noch nicht. Und da auch noch keine Antibiotika und Augenoperationen zur Verfügung standen, lebten wohl recht viele Blinde in Israel. Immer wieder werden sie in den Evangelien erwähnt. So auch in der Bergpredigt, als Jesus den folgenden Vergleich gebrauchte und zu seinen Jüngern sagte: „Kann denn ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?“ (Lukas 6,39).

Das Sprichwort vom blinden Blindenführer war in der Antike gut bekannt. Man versteht es sofort, denn die Antworten auf die rhetorische Frage von Jesus waren klar: Nein! Ein Blinder kann einem anderen Blinden nicht den Weg weisen. Ja! Beide werden in eine Grube fallen. Doch was genau wollte Jesus damit seinen Jüngern veranschaulichen und erklären? Von welchen Blinden spricht er im übertragenen Sinne?

Nicht nur unsere Augen, sondern auch unser Herz und Verstand können verblendet und blind sein. Gerade den Pharisäern warf Jesus immer wieder vor, sie seien „blinde Blindenführer“, die das Volk in die Irre führen würden. (Mt 15,12.14; 23,16-24).

Er beschuldigte sie, andere belehren zu wollen, nur nicht sich selber (Röm 2,19-21).

Sie führten ihre Schüler ins Verderben mit ihrer Selbstgerechtigkeit, Heuchelei und Inkonsequenz im Umgang mit Gottes Wort. Genau davor warnt nun Jesus seine Nachfolger. Er sagt: „Seid nicht pharisäisch, sondern barmherzig (V. 26). Verurteilt andere nicht (V. 37) und hütet euch davor, voreilige Urteile über andere zu fällen (1.Kor 4,5)“.

Wie oft habe ich mich schon über den Splitter im Auge meines Mitmenschen empört, ohne den Balken in meinem eigenen Auge zu bemerken! (vgl. Luk 6,41) Genau in diesen Momenten werde ich zu einem „blinden Blindenführer“, der nicht mehr seelsorgerlich und barmherzig mit den Schwächen anderer umgeht. Nur mir gegenüber bin ich großzügig und barmherzig, indem ich meine Schwächen und Fehler gern bagatellisiere oder verstecke.

Und was meint Jesus dazu? Er sagt: Du Heuchler! Entferne zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du klar sehen, um auch den Splitter aus dem Auge deines Mitmenschen zu ziehen!“ (V. 42b). Das Brett vor dem Kopf muss also weg. Dann bin ich nicht mehr blind und kann wieder klar und scharf sehen. Vor Gott prüfe ich mich daher und bitte ihn aufrichtig um Selbsterkenntnis. Dann bekenne ich meine Schuld und nehme Christi Vergebung und die verändernde Kraft des Heiligen Geistes in Anspruch. Erst dann kann ich anderen den Weg weisen zu Jesus, der unsere innere Blindheit heilt und uns einen wunderbaren Durchblick im Leben schenkt. Möchten Sie das nicht auch?

Autor: Jürgen Neidhart

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Wie können wir Gott begegnen?

Tief in uns gibt es eine Sehnsucht, Gott zu begegnen: die Sehnsucht nach etwas Größerem. Die Sehnsucht nach etwas, was erhebt. Wir sind immer auf der Suche nach dem Wahren, das uns wirklich erfüllen kann. Und keine der unzähligen Ersatzbefriedigungen hilft uns da weiter.

Wie können wir denn Gott begegnen? Wie kann dieses Vakuum ausgefüllt werden?

Gott hat uns mit dieser Sehnsucht geschaffen. Wer ihm begegnen möchte, muss von sich selbst und seinen Umständen wegschauen und zu Gott aufblicken. Wie soll das praktisch aussehen? Psalm 95 beginnt mit den folgenden Worten:

„Kommt, lasst uns jubeln dem HERRN, jauchzen dem Fels unsres Heils! Lasst uns mit Dank seinem Angesicht nahen, ihm jauchzen mit Liedern! Denn ein großer Gott ist der HERR, ein großer König über allen Göttern.“

Das Herz des Psalmsängers ist erfüllt von seinem Gott. Daher kann er gar nicht anders, als uns voller Begeisterung zu einer Begegnung mit Gott einzuladen: „Kommt, lasst uns jubelnd und jauchzend in Gottes Gegenwart treten!“ Manchmal ist mein Jubel jedoch recht verhalten, zum Beispiel nach dem Aufstehen am Morgen. Vielleicht ist mir überhaupt nicht zum Jubeln zumute. Gestern Abend vor dem Fernseher habe ich noch gejubelt, als unsere Nationalmannschaft ein Fußballtor geschossen hat. Trotzdem hat sie verloren!

Um unabhängig von der eigenen Situation auf Gott zu schauen und die Begegnung mit ihm zu suchen, kann uns das Lesen eines Psalms eine unschätzbare Hilfe sein. Warum gibt es immer und in jeder Lage genügend Gründe, um Gott freudig und dankbar zu begegnen? Der Psalmist schildert uns Gott mit den folgenden Worten: Er ist der Fels unsres Heils (V. 1), der feste und sichere Grund unserer Erlösung. Er ist ein einzigartig großer Gott (V.3); er ist der König aller Könige und Herr aller Herren (vgl. 1Tim 6,15).

Er ist über alle Dinge als Schöpfer erhaben, denn er hat die ganze Welt und auch uns gemacht (V.4-6). Er ist unser Gott und sorgt wie ein Hirte wunderbar für die Seinen (V. 7). Oder wie es David sagte: „Der HERR ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen“ (Psalm 23,1).

Nichts ist diesem Gott verborgen. Über alles behält er die Kontrolle. Wir stehen auf sicherem Boden, denn auf Gott ist Verlass. Er ist zuverlässig und treu.

Wenn ich mir das bewusst mache, wie groß, herrlich, reich und wunderbar unser Gott ist, dann sehne ich mich nach seiner Gegenwart. Dann bin ich auch bereit, ihm persönlich oder zusammen mit anderen Anbetern in der richtigen Art und Weise zu begegnen.

Gott verdient unseren Dank, unseren fröhlichen Lobpreis und unsere Anbetung.

Als nüchterner Mitteleuropäer äußere ich meine Liebe zu ihm weniger mit einem lauten Freudenausbruch oder einer Standing Ovation, aber gern mit fröhlichen Liedern wie diesem: „Jubelnde Freude füllt nun mein Leben. Jesus hat Sieg und Kraft mir gegeben… Darum gehör ich ihm!“ (Norman Clayton). „Wer singt, betet doppelt!“ Dieser hilfreiche Tipp stammt vom Kirchenvater Augustinus.

Ich will heute Gott danken, für das, was er für uns getan hat und unablässig tut. Ich will Gott loben für seine große Macht und Herrlichkeit. Und wer möchte, kann einstimmen und voller Ehrfurcht und Hingabe anbeten, so wie es der Psalmist empfiehlt: „Kommt, wir wollen uns niederwerfen, uns vor ihm verneigen, lasst uns niederknien vor dem HERRN, unserem Schöpfer!“ (Psalm 95,6)

Und so werden wir Gott begegnen können und unsere Sehnsucht ist gestillt.

Autor: Jürgen Neidhart

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Ich nicht!

Nach einem triumphalen Einzug in Jerusalem, dem Hinauswurf der Geschäftemacher aus dem Tempel, steht Jesus dort und lehrt. Dringt damit ein in den Bereich der Hohenpriester und der Ältesten. Obwohl Jesus sich bereits für das Volk Israel als der vorhergesagte Messias erwiesen hatte, fragen ihn die geistlichen Führer jetzt nach seiner Vollmacht. Rede und Gegenrede wechseln ab und dann erzählt Jesus ein Gleichnis und fragt sie in der ersten Hälfte:

Was meint ihr aber hierzu? Ein Mensch hatte zwei Söhne, und er trat hin zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, geh heute hin, arbeite im Weinberg!

Der aber antwortete und sprach: Ich will nicht. Danach aber gereute es ihn, und er ging hin. (Matthäus 21, Verse 28 und 29)

Die Zuhörer damals werden sich gewundert haben. Da tritt ein Mensch zu seinem Sohn und spricht mit ihm. Doch das war nach damaliger Sitte eigentlich gar nicht üblich. Denn in jener Zeit ruft ein Vater seine Kinder und sie wären zu ihm gekommen, um sich ihre Aufträge abzuholen.

Der Mensch spricht: Mein Sohn, gehe heute hin. Für mich hört sich das mehr nach einer Bitte an als nach einem Befehl.

Beschämt muss ich zugeben, dass ich als Kind und Heranwachsender auch meinen Eltern oft an den Kopf geworfen habe: Ich will nicht. Natürlich wählte ich dann mit dem Älterwerden immer diplomatischere Worte. Da mussten noch Hausaufgaben erledigt werden oder es wurde darum gefeilscht, wann der Auftrag denn auszuführen wäre. Morgen ist doch auch noch Zeit dafür oder nächste Woche. Mal sehen, keine Lust.

Heute behaupte ich als Vater von fünf Kindern, dass dieses Verhalten wohl erblich sein muss.

„Ich will nicht“ sagt der erste Sohn. Danach gereut es ihn und er geht. Was ihn dazu letzten Endes getrieben hat, doch der Bitte des Vaters zu folgen, das wissen wir nicht. Es scheint Jesus aber auch nicht wichtig zu sein. Ausschlaggebend ist, dass der erste Sohn seinen Unwillen bereut und danach in den Weinberg geht.

Einmal gefällte Entscheidungen können also korrigiert werden und lassen sich ändern, wenn sie als falsch erkannt werden. Umkehr ist möglich.

Auch ich habe oft mein trotziges „Ich will nicht“ gegenüber meinen Eltern zurückgenommen und ihren Bitten entsprochen. Vielleicht waren mir Zweifel gekommen, ob dieser Unwille richtig war. Oder ich spürte, wie sich das Klima zu Hause abkühlte. Aber auch meinen Eltern war es wichtig, dass ich schließlich tat, um was sie mich gebeten hatten.

In der Bibel begegnen uns mehrfach Menschen, die auch erst nicht wollen und später dann doch Gottes Geboten folgen. Ich denke an Mose, den späteren Anführer des Volkes Israel. Trotz einer eindrucksvoller Gottesbegegnung am brennenden Dornbusch weigerte sich Mose zunächst, nach Ägypten zu ziehen. Um das Volk zu befreien.

Mir fällt auch der Prophet Jona ein. Der sollte auf das Wort des Herrn hin in die Stadt Ninive gehen, um die Bewohner zur Umkehr von ihren bösen Wegen zu bewegen. Jona geht dann auch, aber in die falsche Richtung. Und Gott muss den Himmel, das Meer und einen großen Fisch in Bewegung setzen, um Jona wieder zurückzubringen.

In dieser ersten Hälfte des kleinen Gleichnisses kann ich viel Menschenkenntnis, Verständnis und Zuneigung entdecken. Jesus weiß um das Hin und Her unserer Herzen. Er hält das aus, dass auch wir Christen einmal falsch liegen können. Er rechnet damit, dass wir Fehler machen in unserem Leben.

Aber Jesus schätzt es sehr, wenn wir uns korrigieren lassen. Vielleicht durch unser Gewissen und durch die Leitung des Heiligen Geistes. Und was mich besonders begeistert ist: Jesus macht uns das frühere „Ich will nicht“ nie mehr zum Vorwurf.

Autor: Herbert Laupichler

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Attraktiv?

Der Prophet Jeremia hatte die undankbare Aufgabe, den Rest Israels in der Zeit vor dem Exil in Babylon mit seinem prophetischen Dienst zu begleiten. Ein Teil des Volkes war bereits verschleppt, unter anderem auch die Propheten Daniel und Hesekiel. Jeremia war jedoch in Jerusalem geblieben. Und scheinbar machten die führenden Männer unbeeindruckt weiter wie bisher. Denn Jeremia muss ihnen vorwerfen, dass sie die Schafe der Herde Gottes zugrunde richten. Sie zerstreuen, vertreiben und sehen nicht wie gute Hirten nach ihnen.

Dazu konnte Gott nicht schweigen und kündigte durch Jeremia an: „Ich will die Übriggebliebenen meiner Herde sammeln aus allen Ländern und will sie wiederbringen zu ihren Weideplätzen, dass sie fruchtbar sein sollen und sich mehren.“ (Jeremia 23,3)

Wobei mit dem Ich Gott gemeint ist. Gott spricht von seiner Herde und vergleicht damit die Menschen in Israel mit einer Herde von Schafen. Sie runzeln die Stirn? Ich auch. Denn oft gilt ein Schaf als dumm und schwach. Und doch ist es besser dran als alle anderen Tiere. Denn es hat einen Hirten, der für das Schaf sorgt, es begleitet und schützt. So müssen Schafe nicht kämpfen, sie werden gehütet, gepflegt und geweidet. Der Hirte kennt jedes einzelne Schaf. Er trägt die kleinen und leitet die großen, er versorgt die Kranken und schont die müden.

Gott hatte die Aufsicht und Fürsorge für die Herde weitergegeben. An Könige, Priester und Leviten. Und diesen Hirten, dieser Elite des Volkes, wirft Gott nun vor, dass sie sich nur selbst geweidet haben. Sie sind mit der Herde umgegangen, als ob sie ihr Eigentum wäre. Sie haben die Menschen als Untergebene betrachtet und nicht als etwas, das ihnen anvertraut war.

Die Führer des Volkes Israel haben sich nicht wie Hirten verhalten, sich nicht um die Schwachen, Kranken, Verirrten und Verwundeten gekümmert. Und darum haben die Schafe die Orientierung verloren. Sie hatten keine Vorbilder und keine Führer mehr.

Sie wurden nicht mehr geweidet. Und jetzt sind sie zerstreut und schutzlos. Doch Gott überlässt seine Herde nicht ihrem Schicksal. Er lässt Jeremia sagen, dass er die Herde wieder sammeln will. Gott will immer nur das Beste für seine Herde. Was in der Geschichte des Volkes Israel auch immer wieder eindrucksvoll bewiesen wird. Doch nun zu uns Christen.

Wenn ich das Neue Testament richtig verstehe, gehören die Nachfolger von Jesus, also wir Christen, auch zu der Herde Gottes. Und Jesus selbst malt sich als der gute Hirte vor die Augen seiner Zuhörer. Der seine Schafe zusammenruft, um sie auf gute Weideplätze zu führen.

Doch Jesus ist jetzt im Himmel. Und Gott hat für das Hüten der Herde Gottes Menschen berufen. Menschen, die in Jesus den guten Hirten sehen, der sein Leben gegeben hat für seine Schafe.

Gott hat auch heute die Aufgabe des Hirten weitergegeben. Und ich denke, wo bin ich da als Hirte gefragt? Wo hat Gott mich und sicher Sie auch als Hirte hingestellt?

Doch ich will ehrlich sein und gebe zu, dass ich oft an der Aufgabe scheitere. Dass ich von mir enttäuscht bin oder mich so machtlos fühle. Falls es Ihnen auch manchmal so geht: Sie und ich sind nicht allein. Wir tragen nicht allein die Verantwortung für den uns anvertrauten Teil der Herde Gottes.

Denn Gott hat zugesagt, dass er die Übriggebliebenen seiner Herde sammeln wird aus allen Ländern und er sie wiederbringen will zu ihren Weideplätzen, dass sie fruchtbar sein sollen und sich mehren. Gott nimmt sich also selbst seiner Herde an.

Autor: Herbert Laupichler

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Mehr als ein Schmusetuch

Wie zärtlich das klingt: „Gott, unser Heiland“.

Der große Gott will, dass alle heil werden. Alle - und das heißt: Wie eine Mutter sich herunterbeugt, die blutende Wunde am Knie anschaut, dem Kind über den Kopf streichelt und tröstend sagt: „Das wird wieder!“, und dann wird die Wunde gesäubert und ein Pflaster kommt drauf.

„Gott, der Heiland“ – ein ungewohntes Bild, vor allem, wenn ich so die Religionen der Welt anschaue!

Und ich kenne diesen Vers auch eher als „Keule“: „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ – also: Entscheide dich heute, wo du die Ewigkeit verbringen willst: Himmel oder Hölle!“ – Und das ist ja auch richtig; wir dürfen aus dem Evangelium kein Schmusetuch machen, kein: „Ist nicht so schlimm!“ - drüber gepustet und „gut ist…“

Und wie wichtig ist es, sich jetzt zu entscheiden, jetzt im Leben! Weil es für das Leben jetzt so wichtig ist!

Ich denke an die Begegnung mit einem Hilfesuchenden zurück. Er kam immer wieder, ich habe ihm immer wieder Geld gegeben, aber es taten sich immer wieder „Löcher“ auf: „Nur noch dieses eine Mal, bitte!“ – und jedes Mal hoffte ich: das war jetzt die entscheidende Hilfe. Und er sagte auch: „Ich bete immer wieder!“ Bis ich begriff, was „Beten“ für ihn heißt: Gott bestürmen mit seiner Bitte, immer wieder! Aber Beten ist doch auch: auf Gott hören! Das kannte er offenbar nicht. Hätte ich ihm doch lieber den Weg zu Jesus gezeigt, statt ihm Geld zu geben! Und irgendwann musste ich meine Telefon-Nummer sperren, weil die Bitten nicht mehr aufhörten. Das Beste bin ich ihm schuldig geblieben!

Gott, unser Heiland, will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen – darin sind zwei Wahrheiten versteckt: Ohne Jesus sind wir blind und wir sind verloren. Wir sind blind – denn sonst würden wir die Wahrheit ja kennen – und darum sind wir verloren…

Was ist Wahrheit? Das frage ich mich auch oft: etwa, die Wahrheit über mich. Wie bin ich wirklich? Jahrelang dachte ich: Ich bin faul. Dann erkannte ich: Nein, im Gegenteil: ich bin zu fleißig - nur kriege ich mit meinem Fleiß eben auch nicht alles gebacken, so wie es richtig gut wäre... Ich bin für meine eigenen Fehler blind, ich brauche die anderen; ich brauche Gott, um zu wissen, wer und wie ich bin.

Wie ist denn die Welt: schön oder schlecht? Wenn ich im Fernsehen Berichte sehe über die Mafia, über Kindesmisshandlung – wie schrecklich; gibt es überhaupt etwas Schönes und Gutes auf der Welt? Wenn ich in meinem Garten bin und das Leben blüht: ja, wie schön, wie vollkommen ist doch diese Welt! - Stimmt denn beides?

Ja, beides stimmt! Wunderschön ist diese Welt, vieles ist so gut – aber wir brauchen doch Rettung: Wir sind verloren! Ich fühle mich manchmal „verloren“; unfähig, diese Welt zu ertragen, geschweige denn, sie zu bezwingen: „Wie mache ich was? Wie wird es gut?“

Ich bin blind dafür, und ich bin verloren! Aber zum Glück kenne ich Jesus, und ich habe ihm mein Leben gegeben: Ich gehöre ihm! Aber für viele andere ist das nicht klar: Sie kennen nicht den Vater im Himmel. Die Vergangenheit ist nicht gefüllt mit Vergebung. Gewissheit, nach dem Tod zu Jesus zu gehen - haben sie nicht. Sie kennen nicht das Glück, auf Gott zu hören und seinen Willen zu tun.

Warum nicht? Mancher sagt „Sie wollen halt nicht!“ Sind sie einfach zu bockig? Ich weiß es nicht, denn ich kann in keinen Menschen hineinsehen. Ich muss es auch nicht wissen, warum mancher Jesus ablehnt. Aber ich weiß: Wer Jesus JETZT nicht als Heiland und Retter hat, der verpasst so viel! Am Ende auch den Himmel bei ihm. Und ich will mein Augenmerk darauf richten, anderen das Wichtigste zu geben, nicht nur ein bisschen. Herr, hilf mir dabei!

Autor: Pfarrerin Renate Schmidt

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Anstrengend?

Manche denken: „Christsein ist doch sehr anstrengend: Man muss die 10 Gebote halten, Gutes tun, immer nett sein…“ Paulus sieht das ganz anders: Christsein ist Geschenk und Gabe, vom Anfang bis zum Ende!

Er sagt: Wie ihr nun angenommen habt den Herrn Christus Jesus, so lebt auch in ihm, verwurzelt und gegründet in ihm und fest im Glauben.

Das erste ist also: den Herrn Jesus Christus annehmen – ohne Gegenleistung, als Geschenk und Gabe. Und dann daraus zu leben - das ist das zweite. Leben wie ein Baum, der in der Erde steht, ganz lebendig ist und nicht gleich umfällt beim ersten Sturm. In Jesus leben – wie ein Baum in der Erde lebt!

Wie ein Baum – das ist ein wunderschöner Vergleich für einen Menschen, der mit Jesus lebt: Wie stark und fest steht ein Baum in der Erde verwurzelt! Er ist ein Segen für seine Umgebung: Eine mittelgroße Buche etwa verbraucht in nur einer Stunde mehr als zwei Kilo Kohlendioxid, also für den Menschen schädliche Luft. In der gleichen Zeit produziert sie 1,7 Kilo Sauerstoff – das reicht am Tag für 20 Menschen; sie bindet mehr als 100 kg Staub im Jahr; im Sommer verdunsten ihre etwa 30.000 Blätter mehrere hundert Liter Wasser; in der Nähe des Baumes ist die Umgebung spürbar einige Grad kühler. Könnte man so nicht auch sagen: Christen sind für ihre Umgebung ein Segen?

Und das Wichtigste beim Baum sieht man gar nicht: die Wurzeln! Wurzeln geben dem Baum Halt – und ernähren ihn, sie ziehen Wasser und Nährstoffe aus der Erde. Dicke Wurzeln – und ganz wichtig: die feinsten Würzelchen. Woher bekommen sie das? Aus der Erde, in der sie verankert sind. Die ist für mich ein Vergleich für Jesus!

Ein Baum ist höchst lebendig - sogar im Winter, wenn die Blätter abgefallen sind und er sieht aus wie tot – nein: er wartet auf den Frühling! Wenn die Sonne länger scheint, die Tage länger werden, dann steigen die Säfte in ihm hoch und er treibt wieder aus.

Der Baum soll leben und wachsen. Wie tut er das: die Luft anhalten – „Pressen! Pressen!“? Nein, natürlich nicht. Durch die Wurzeln wird er selbstverständlich versorgt mit allem, was er braucht.

Wie kann ich als Christ feststehen, leben und wachsen? Indem ich mit Jesus verbunden bin, fest in ihm, und er gibt mir alles, was ich brauche. Ich wachse nicht durch gute Vorsätze, durch Kraftanstrengungen…

Lebt in Jesus, verwurzelt und gegründet in ihm und fest im Glauben: In Jesus leben – das klingt so einfach, wie kann das gehen? Ich nehme Jesus mit in meine Arbeit; also ich denke an ihn, ich rede mit ihm; die Worte der Bibel sind für mich wie frische Luft, wie Nährstoffe… Ich vertraue darauf, dass er mich mit allem versorgt, was ich zum Leben brauche.

Auch im Winter des Lebens, wenn ich mich gar nicht lebendig fühle??? Ja, auch dann! Und es heißt, dass die Wurzeln eines Baumes stärker und tiefer werden, wenn der Boden trocken ist, wenn ihnen etwas fehlt - dann haben sie Sehnsucht nach Wasser und graben sich tiefer ins Erdreich. Ist das nicht sehr verheißungsvoll: Auch dürre Zeiten haben ihren Sinn und geben mir noch mehr Halt – weil ich dann mehr nach Jesus suche?

Lebt in Jesus - Der Satz nach diesem Bibelwort scheint mir so ein Schlüsselwort zu sein: Seid reichlich dankbar! (sagt Paulus), also: ich danke für das, was ich habe – was ich bekomme – und so lebe ich davon. Im Danken fließt mir zu, was ich brauche.

Ich will das jetzt gleich mal tun: „Herr Jesus, danke, dass du mich auch heute ernährst! Du gibst mir, was ich brauche, ich vertraue darauf. Du wirst es mir auch geben für die Menschen, die mich heute brauchen. Ich danke dir schon jetzt für Vergebung, für Hoffnung, für Freude an diesem Tag.“ Amen.

Autor: Pfarrerin Renate Schmidt

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Kein Grund zum Neid – Freude soll geteilt werden

Im Hintergrund ist verhaltenes Murmeln zu hören. Doch dann vernimmt man laute Rufe der Begeisterung. Zahlen schwirren durch den Raum. Bilanzen werden hochgerechnet. Die Leute sind aus dem Häuschen. Das ist doch ein Sechser im Lotto. Wenn man bedenkt, dass für eine Arbeitsstunde ein veritabler Silbergroschen ausbezahlt wird, dann müssen bei zehn Stunden mindestens fünf Silberstücke herausspringen – eigentlich weit mehr.

Aber nichts dergleichen. Als sie nacheinander ins Lohnbüro kommen, werden die Gesichter immer länger. Werden am Ende alle über einen Kamm geschert? Jeder bekommt seinen Silbergroschen, und zwar egal, ob sie einen langen Tag in der heißen Sonne geschuftet haben oder erst kurz vor Feierabend eingestellt wurden. Das ist nicht fair. Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Jetzt schlägt die Stimmung um. Widerspruch wird laut. So geht das wirklich nicht.

Im heutigen Bibeltext aus Matthäus 20,10-12 erzählt Jesus eine Skandalgeschichte: „Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und auch sie empfingen ein jeder seinen Silbergroschen. Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben.“

Wenn Menschen den Eindruck gewinnen, sie würden ungerecht behandelt, dann hört die Freundschaft schnell auf. Das ist schon bei Kindern so.

Beim Einstellungsgespräch waren alle hoch zufrieden. Ein Silbergroschen, das ist ein großzügiger Tageslohn. Damit kann man eine große Familie satt bekommen und am Ende bleibt sogar noch etwas übrig. Der Gutsherr geht Stunde für Stunde auf den Marktplatz, um zusätzliche Arbeitskräfte anzuheuern. Er verspricht jedem gerechte Bezahlung und sie sind damit einverstanden.

Am Abend fängt er damit an, die zuletzt Gekommenen auszuzahlen – und zwar jeden mit einem Silberstück. Das ist sensationell. Eine Lohnerhöhung um tausend Prozent. Die Leute auf dem Hof sind elektrisiert. Was werden dann diejenigen bekommen, die schon bei der Frühschicht eingestiegen sind? Aber dann die Enttäuschung – auch nur ein Silbergroschen? Jetzt gibt es heftigen Protest. Der Chef weist die Klagen freundlich - aber bestimmt - zurück. Dieser Lohn war vereinbart und diesen Lohn habt ihr auch erhalten. Wenn ich weit über Tarif bezahle, dann ist das meine freie Entscheidung. Warum rebelliert ihr, nur weil ich so großzügig bin?

Gott rechnet anders als wir Menschen. Er bemisst das Entgelt nicht nach Arbeitsstunden und Leistung, sondern nach seiner überschwänglichen Güte. Neider werden abgewiesen. Alle haben Grund zur Dankbarkeit. Der mittelalterliche Kirchenlehrer Thomas von Aquin stellt treffend fest: „Neid ist die Traurigkeit über das Wohlergehen eines anderen.“ In dem Gleichnis fragt der Besitzer: „Ist dein Auge böse, weil ich so gut bin?“ Bei Gott ergeht Gnade vor Recht. Allen Beteiligten ist Gerechtigkeit widerfahren. Aber viele dürfen staunen, weil Gott sie unverhofft mit Güte überschüttet.

Und wir? Stimmen wir Gottes Freundlichkeit zu? Gönnen wir allen, die im Weinberg des Herrn arbeiten, das Übermaß göttlicher Gnade? Denn wer sich nicht an Gottes Barmherzigkeit mit anderen freuen kann, der lehnt seinen Nächsten im Grunde seines Herzens ab. Er pocht auf sein Verdienst und ärgert sich über Gottes Gnade.

Gehen Sie, liebe Hörerin und lieber Hörer, heute in diesen Tag mit der frohen Zuversicht, dass es ein Vorrecht ist, dem himmlischen Vater zu dienen.

Amen.

Autor: Pfarrer Dr. Rolf Hille

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Wie schwache Christen wieder auf die Beine kommen

Sie ist restlos begeistert und entzückt, die ältere Dame, bei der ich zu Besuch bin. Sie zeigt mir auf ihrem Handy einen Videoclip von ihrer Enkelin. Die ist gerade mal ein Jahr alt und beginnt, auf eigenen Beinen zu stehen. Am Stuhl zieht sie sich hoch. Dann macht sie unsichere, ziemlich wackelige Schritte auf ihren Papa zu. Die Arme weit ausgestreckt, um seine Hand zu fassen. Das sieht wirklich ganz drollig aus.

„Darum stärkt die müden Hände und die wankenden Knie und macht sichere Schritte mit euren Füßen, damit nicht jemand strauchle wie ein Lahmer, sondern vielmehr gesund werde.“ So heißt unser heutiges Bibelwort aus dem Hebräerbrief, Kapitel 12, Vers 12 und 13.

Sicherlich sind viele Ältere unter Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer. Sie können nicht mehr mit so schnellen Schritten durch den Tag gehen wie in jüngeren Jahren. Die Knie beginnen zu zittern. Oft fehlt die Kraft. Die Hände fühlen sich zu schlaff an, um zuzupacken.

Aber der Hebräerbrief hat noch eine andere Situation im Auge. Er richtet sich an eine müde gewordene Gemeinde. Der Schwung des Aufbruchs ist längst verflogen. Leid, Verfolgung, Schwierigkeiten prägen das Leben. Viele sind abgehängt, sie kommen nicht mehr zum Gottesdienst. Die Bibel sagt ihnen nichts. Zum Beten sind sie zu müde. Die Nachfolge ist zu anstrengend. Sie wollen den Weg nicht mehr weitergehen.

Nun ist es ein Trost, dass Gottes Wort ehrlich und schonungslos die Situation von den Anfängen der Christenheit beschreibt. Wenn Sie Jesus innerlich schon gekündigt haben und aus Enttäuschung seiner Gemeinde den Rücken kehren wollen, dann hören Sie bitte nochmals auf das heutige Wort von den wankenden Knien, den unsicheren Schritten und den müden Händen.

Jesus selbst hat den mühseligen Weg durch heiße Wüsten und über steinige Gassen auf sich genommen. Seine Hände haben die Lahmen berührt. Er hat den Tauben die Ohren geöffnet und die Aussätzigen geheilt. Er kennt die Müdigkeit, denn er hat schwere Lasten getragen. Wenn seine Knie dabei wankten, dann hat er den Vater im Himmel um Hilfe angefleht; besonders wenn er sich kraftlos fühlte.

Wenn wir auf Jesus schauen, dann bekommen wir neue Kräfte. Er schenkt Kraft anzupacken. Bei ihm erfahren wir, wie die Bibel den schwachen Glauben stärkt. Er nimmt uns mit hinein ins Gebet. So können wir sichere Schritte tun. Der Gottesdienst wird uns zur Raststätte auf dem Weg zum Ziel. Und wenn wir das Ziel vor Augen haben, die Heimat bei Gott, dann können wir aufrecht weitergehen. Das Ziel wird zur Ermutigung auf dem Weg.

Die Zeugen Jesu Christi, die uns vorausgegangen sind, inspirieren uns und schenken Mut. Es ist, wie der Hebräerbrief bildhaft sagt, eine große Wolke von Zeugen Jesu Christi, die uns vorausgegangen sind. Von ihnen geht eine ansteckende Gesundheit aus und wir können in die Liedstrophe einstimmen:

Ich will mich nicht mehr selber führen,


 Du sollst als Hirte mich regieren;


 so geh denn mit mir aus und ein!


 Ach, Herr, erhöre meine Bitten


 und leite mich auf allen Tritten;


 ich gehe keinen Schritt allein.

Amen.

 

Autor: Pfarrer Dr. Rolf Hille

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Wenn nicht du, wer dann?

Wenn unsere Tochter früher irgendwo nicht weiterkam, sagte sie einen bestimmten Satz zu mir, an den ich mich gut erinnere: „Hilf mir, du bist mein Vater“.

Damit sprach sie zweierlei aus. Zum einen ihr Vertrauen. Ich war der, der ihr schon geholfen hatte und der das wohl auch jetzt tun könnte. Und zum anderen beinhaltete der Satz eine Verpflichtung für mich. Du bist mein Vater, also bist du für mich verantwortlich und ich kann deine Hilfe zu Recht erwarten.

Den Psalmbeter verstehe ich ähnlich, wenn er zu Gott sagt: „Ich bin dein, hilf mir“ (Psalm 119,94).

Er ist wahrlich auf Hilfe angewiesen, weil er sich in Lebensgefahr befindet. Und das schon länger, so dass er Gott herausfordert mit Fragen wie: Wann tröstest du mich? Wie lange soll dein Knecht warten? Wann willst du Gericht halten über meine Verfolger? Fragen, die Gläubigen nicht fremd sind, wenn sie Schweres durchmachen. Aber in diesen Fragen schwingt auch das Vertrauen mit. Wenn einer helfen kann, dann du, Gott. Denn in der Vergangenheit habe ich das schon oft genug erlebt. Der Beter beruft sich auf das, was Gott zugesagt hat und erinnert sich an erfahrene Hilfe von Gott. Damit bringt er sein Vertrauen zum Ausdruck.

Andererseits behaftet er Gott bei seiner Verpflichtung.

Ich bin dein. Du bist mein Schöpfer. Mein Leben kommt von dir und hängt an dir. Darum bist du es jetzt, der es erhalten soll. Ich bin dein Kind, darum erwarte ich von meinem Vater im Himmel jetzt Hilfe. Außerdem bin ich dir mein ganzes Leben treu gewesen. Darum sei du jetzt, treuer Gott, mein Retter.

Irgendwie erinnert mich der Beter auch an Jakob, der von Gott massiv bedrängt wird und mit ihm ringt. Da klammert sich Jakob an Gott und stellt ihm Bedingungen. Ich lasse dich erst los, wenn du mich gesegnet hast. Das Ergebnis: Gott erklärt Jakob zum Sieger, doch Jakob behält zeitlebens einen Hüftschaden und muss hinken, aber er empfängt den erbetenen Segen.

Wer sein Leben Gott anvertraut hat, darf sich an ihn klammern, wenn er droht unterzugehen.

Er darf mit Gottes Hilfe rechnen, auch wenn er nicht unbeschadet bleibt. Auch der Apostel Paulus hatte von Gott das Versprechen erhalten, er werde Paulus beschützen. Und trotzdem musste er manche Prügel einstecken. Bei Gott gibt es keine Rundumversicherung, aber wer sich an ihn klammert, wird gehalten.

Wer Gott in seiner Bedrängnis um Hilfe bittet, darf sicher mit ihr rechnen. Mehr als meine Tochter mit meiner Hilfe gerechnet hat.

Autor: Günter-Helmrich Lotz

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Feiertag

Heute ist in drei Bundesländern Feiertag. Dreikönigsfest. Dabei waren es keine Könige, die das Jesuskind aufsuchten. Und ob es drei waren, weiß man auch nicht. Aus den drei Geschenken, die sie dem Neugeborenen brachten, Gold, Weihrauch und Myrrhe, hat man auf drei Personen geschlossen.

Es waren Männer, die die Bewegung der Himmelskörper erforschten und praktische Konsequenzen daraus zogen. Man könnte sagen: die Harald Leschs vor 2000 Jahren.

Sie stammten wahrscheinlich aus Babylonien, wohin die Juden weggeführt worden waren. Und von daher war den Babyloniern bekannt, dass die Juden auf einen Messias warteten, der sie befreien würde.

Die besonderen Himmelskonstellationen zu jener Zeit deuteten die Weisen als Hinweis, dass in Israel der erwartete Herrscher geboren sei. Und um diesem neuen Herrscher zu huldigen, und nicht zuletzt, um sich gut mit ihm zu stehen, nahmen sie eine beschwerliche Reise von über 1000 km auf sich.

Matthäus berichtet uns, dass die Weisen der Himmelserscheinung folgten und von ihr zum Kind geführt wurden. Vor ihm fielen sie nieder und beteten es an. Ihre Huldigung galt ausschließlich dem Kind, nicht der Mutter.

Die Besuchergruppen in der Weihnachtsgeschichte lassen uns zweierlei erkennen.

Jesus ist für alle gekommen. Zunächst erscheinen die jüdischen Hirten, sie haben den Vortritt. Sie gehörten zur untersten Schicht in Israel. Aber sie sind die ersten, denen die frohe Botschaft direkt vom Himmel verkündigt wird. Sie sind die ersten, die der neugeborene König an der Krippe empfängt. Dieser Jesus wird später einmal sagen: die Letzten werden die Ersten sein. So war es also schon von Anfang an. Die Looser können bei Jesus zu den Gewinnern werden. Die Benachteiligten werden privilegiert.

Andererseits zwingt das Jesuskind die heidnische Oberschicht in die Knie. Die Weisen gehörten zu den gebildeten Intellektuellen, zur Elite. Auch für sie ist Jesus gekommen. Und in seiner Gegenwart spüren sie, wie sehr sie ihn brauchen.

Ja, Jesus ist für alle gekommen, nicht nur für die Juden. Auch die Heiden haben Zutritt bei ihm und werden empfangen.

Ganz gleich – die Heruntergekommenen wie die Hochgekommenen sind bei Jesus willkommen. Er hat ausdrücklich gesagt: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Daher darf auch ich kommen und Sie dürfen kommen. Und wir dürfen alle Menschen unter dem Blickwinkel sehen, dass sie bei Jesus willkommen sind und er sie erwartet. Wie kann das unsere Sicht auf andere Menschen verändern und unseren Umgang mit ihnen?

Autor: Günter-Helmrich Lotz

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Das Leben und volle Genüge

2021 – das Jahr ist erst wenige Tage alt. Was wird auf uns zukommen? Wer hätte Anfang des letzten Jahres gedacht, dass das Jahr 2020 so verläuft, wie es dann geschehen ist.

Mir begegnen Menschen, die mit Sorge in die Zukunft blicken. Wer weiß, was kommt?

Die Corona-Pandemie hat gezeigt: Zukunft ist nicht bis ins Letzte planbar. Es können Dinge eintreten, mit denen niemand gerechnet hat, Ereignisse, die alles ändern.

Diese Erkenntnis klingt banal. Fast schon so alltäglich, dass ich mich kaum wage, sie noch auszusprechen. Theoretisch wissen das viele Menschen: Zukunft ist im Letzten ungewiss. Doch was im Kopf vielleicht klar ist, ist im Herzen noch lange nicht angekommen. Vielfach haben wir uns in Europa daran gewöhnt, dass Zukunft planbar ist. Gegen Überraschungen sichern wir uns ab, wir gehen fest davon aus, dass die Ansprüche ans Leben in Erfüllung gehen. Ein niedergeschlagener Mittzwanziger sagte mir: „Das haut mich echt um. Alles, was Leben ausmacht, geht nicht mehr. Ausgiebige Partys, spontane Kurzurlaube, halt alles, was Spaß macht. Ich hatte 2020 so viel vor…“

Jesus würde dem entgegenhalten: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge.“ So sagt er es im Johannesevangelium, Kapitel 10.

Volle Genüge - das bedeutet: von allem so viel, dass ich genug habe. Innerlich so reich beschenkt, dass ich glücklich bin! In den Versen vor diesem Satz spricht Jesus davon, dass er die Tür zum Leben ist. Der Glaube an Jesus darf nicht in einer äußeren Betrachtung des theoretisch Möglichen enden. Glaube ist nicht nur eine Betrachtung. Es geht um eine Beziehung. Jesus Christus ist die Türe zum Leben. Ich bin es – sagt Jesus. Er verweist nicht auf andere, er zeigt auf sich selbst und lädt zu einer Beziehung ein. Und Jesus ist es, der das Leben schenkt. Der von sich sagt: Ich bin das lebendige Brot, ich bin der Weinstock, ich bin das lebensspendende Wasser, das Herzen erfüllt, den Durst nach Leben stillt und satt macht.

Kraft seiner Auferstehung ist Jesus gegenwärtig. Er ist da, inmitten aller Trostlosigkeit und allem äußeren Verzicht.

Die letzten Monate haben mir wiederholt die Frage gestellt: Wie sehr hängst Du an den äußeren Dingen, die du bleiben lassen musst? Ja, ich habe die Weihnachtskonzerte vermisst, die Besuche auf dem Weihnachtsmarkt und all die schönen Äußerlichkeiten, die zum Leben für mich dazugehören und an die ich mich gewöhnt hatte. Ja, ich habe das Familientreffen vermisst, das eigentlich in den letzten Tagen zum Jahresbeginn hätte stattfinden sollen.

Ich habe mich dabei ertappt, dass ich enttäuscht war über das, was nicht passiert ist, ähnlich wie der Mittzwanzigjährige, von dem ich zu Beginn erzählte. Irgendwie haben sich Selbstverständlichkeiten ins Leben geschlichen, von denen ich das Gefühl hatte, dass ich geradezu einen Anspruch auf deren Verwirklichung hätte.

Jesus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge.

2021 möchte ich Jesus neu begegnen. Neu den Auferstanden fragen, ob ich in ihm wirklich das Leben und volle Genüge habe. Und dann will ich die Hände aufhalten und mich von Jesus beschenken lassen.

Autor: Pfarrer Andreas Hannemann

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„Es ist ein köstlich Ding“

„Es ist ein köstlich Ding“: Ich liebe die Sprache der Lutherbibel…

„Es ist ein köstlich Ding“ – so redet heute kaum noch jemand. Aber diese Formulierung setzt Bilder in meinen Gedanken frei. „Es ist ein köstlich Ding“: Da denke ich an ein gutes Essen, wohlschmeckend und außergewöhnlich. Oder an ein leckeres Getränk – erfrischend, kraftspendend. „Es ist ein köstlich Ding“ – ich sehe vor mir außergewöhnliche Pralinen und andere Leckereien.

„Es ist ein köstlich Ding“ – woran denken Sie? Der Schreiber des Hebräerbriefes denkt weder an Essen und Trinken noch an irgendwelche Leckereien.

„Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde“. Das ist es also, was köstlich ist, was erfrischt und stärkt: Dass das Herz fest werde. Schauen wir uns diese Aussage einmal näher an: Das Herz hat im hebräischen Denken eine besondere Bedeutung. Neben dem Organ Herz, das Blut durch den Körper pumpt, gibt es noch eine symbolische Bedeutung. Das Herz bezeichnet den Begegnungsort zwischen Gott und Mensch. Das Herz als Ort des Glaubens.

„Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde“ – Fest bedeutet nicht „hart“ oder „versteinert“, fest bedeutet nicht „gefühllos“ und „kalt“.

Fest bedeutet gefestigt, sicher, beständig, zuverlässig, treu…

Es ist wie in einer Beziehung: Der Ehemann sagt zu seiner Frau: Ich stehe fest zu dir. Mein Herz hängt an dir. Uns kann nichts trennen. Festigkeit als Ausdruck für eine starke Beziehung.

Der Schreiber des Hebräerbriefes hat einen Wunsch: Der Ort des Glaubens, das Herz, soll eine starke Beziehung zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes, haben – und damit zu Gott selbst. Nicht weich und wankelmütig soll die Beziehung sein – das Vertrauen zu Gott soll beständig, zuverlässig und treu sein. Genau das ist „ein köstlich Ding“ – erfrischend und stärkend.

Die Leckereien der Weihnachtszeit schenken einen kurzen Genuss. Köstlich – ja, unbedingt. Aber leider nicht sehr nachhaltig, wenn es um den Faktor Erfrischung geht.

Eine gute, starke Gottesbeziehung erfrischt dauerhaft. Es geht nicht um einen emotionalen Glaubenskick, sondern um die Köstlichkeit einer Gottesbegegnung, die Glaubensfreude und inneren Halt schenkt.

„Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade“ – durch Gnade: Gnade bedeutet: 100% geschenkt. Nicht ein klein wenig verdient und aufgrund eigener Fähigkeit berechtigterweise zugeteilt.

Gnade bedeutet: Eine gelingende, köstliche Gottesbeziehung bekommen wir durch Jesus geschenkt! Es liegt nicht an meiner Kraft, ob das Herz fest wird, es ist ein Geschenk Jesu.

Als Martin Luther starb, fand man auf seinem Schreibtisch einen letzten Satz, kurz vor seinem Tod geschrieben: „Wir sind Bettler, das ist wahr“. Es ist wie ein Vermächtnis, dieser Satz. Wir sind Bettler: Wir können Gott nichts geben. Wir können nur dankend empfangen. Dadurch wird die Beziehung zu Jesus Christus fest – köstlich!

Autor: Pfarrer Andreas Hannemann

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Jesus lehrt uns Barmherzigkeit

Jesus lehrt uns Barmherzigkeit: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Zuerst spricht Jesus mit diesem Satz seine Jünger an – also uns Christen. Demnach mangelte es bei den Jüngern damals und auch bei uns heute an Barmherzigkeit. Auch Christen können unbarmherzig sein. Wir richten uns zu selbstverständlich an anderen Menschen aus. „Wie du mir, so ich dir.“ Das ist ein bekannter Maßstab – ein allzu menschlicher Maßstab.

Aber Jesus bringt einen anderen Maßstab ins Spiel: wie auch euer Vater barmherzig ist“. Der Maßstab sind also nicht wir oder die allgemeine Meinung, sondern Gott, der himmlische Vater – und somit auch Gottes Wort, die Bibel.

Somit stehen wir vor dem großen Geheimnis der Barmherzigkeit Gottes, und durch Gottes Liebe ist erst Barmherzigkeit möglich. In der Bibel lesen wir, dass Gott sogar barmherzig und gütig ist gegenüber den Undankbaren und Bösen. Also denen gegenüber, die von Gott  nichts wissen wollen, die seine Barmherzigkeit nicht verdient haben. Aber wer hat Gottes Barmherzigkeit schon verdient? Ich jedenfalls nicht!

Dennoch habe ich als junger Mann mein Leben Jesus anvertraut. Dennoch bekannte ich ihm meine Sünden und nahm Jesu Vergebung an. Dennoch machte mich Gott zu seinem Kind. In der Bibel steht: „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen, die an seinen Namen glauben.“   Das ist Barmherzigkeit, dass Sie durch den Glauben an Jesus ein Kind Gottes werden – unverdient.

Am deutlichsten kommt diese unverdiente Barmherzigkeit zum Ausdruck am Fuße des Kreuzes. Dort geschah an Karfreitag, vor mehr als 2000 Jahren, was nirgendwo anders geschehen ist. Jesus, der Sohn Gottes, starb für die Sünde der Menschen. Gott versöhnte die Welt mit sich selber. Das zeigt uns, dass die Barmherzigkeit Gottes erst einmal einseitig ist – damit Menschen in eine lebendige Beziehung mit Gott kommen können.

In der Bibel lesen wir im Römerbrief, Kapitel 5, Vers 10: „Wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren.“ So sieht die Barmherzigkeit Gottes aus. Sie trifft uns an unserer schwächsten Stelle – in unserer Gottlosigkeit, in unserer Verlorenheit. Sie mutet einer Gesellschaft zu, sich mit Gottes Barmherzigkeit auseinanderzusetzen. Sie ist eine Aufforderung, besonders an die Menschen, die an Jesus glauben. „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“.

Theoretisch wissen wir das, aber in der Praxis wird diese Barmherzigkeit von uns gefordert. Seid barmherzig – tut es einfach. Barmherzig sein ist keine Sache des Gefühls, sondern der Entschlossenheit. Das fängt ganz praktisch im Alltag unseres Lebens an. Neulich stand ich mit meiner Maske ziemlich angespannt an der Aldi-Kasse. Vor mir eine Frau, ebenfalls mit Maske, mit einem übervollen Einkaufswagen. Plötzlich sagte sie wie aus der Pistole geschossen: „Gehen Sie doch vor, Sie haben ja nur wenige Teile.“ Das ließ ich mir nicht zwei Mal sagen – ich war erleichtert und bedankte mich. Sie verhielt sich mir gegenüber barmherzig.

Jesus spricht bei der Barmherzigkeit unter anderem an: Ihr sollt nicht richten, ihr sollt vergeben. Richtet nicht.“ Unter keinen Umständen meint Jesus damit, dass wir auf Recht und Gerechtigkeit verzichten sollen. Vielmehr meint Jesus das unbarmherzige Richten. Stattdessen „vergeben“. Das bedeutet, andere Menschen „freisprechen“.  Es kostet einiges, wenn wir auf unser Recht verzichten und vergeben. Gott belohnt die Barmherzigen. Nehmen wir diese Herausforderung an in diesem neuen Jahr 2021!

Autor: Siegfried Skubski

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Nach Gottes Wort fragen, mit Gottes Wort leben

Der  Text aus Nehemia 8,8 ist für mich eine große Ermutigung: „Sie lasen aus dem Buch des Gesetzes Gottes, Abschnitt für Abschnitt, und erklärten es, sodass man verstand, was gelesen wurde.“

Hinter dem Volk Israel lag eine dramatische Zeit und auch Erfreuliches, so wie das Leben eben ist und auch wir es erfahren. Israel hatte die Mauern Jerusalems wieder aufgebaut. Diese Fertigstellung war für Israel eine wichtige Voraussetzung, um sicher leben zu können, denn sie waren von Feinden umgeben. Nach getaner Arbeit ist dann meist die Luft raus. So geht es mir wenigstens, wenn ich irgendeine Mammutaufgabe hinter mich gebracht habe, dann brauche ich einfach nur meine Ruhe.

Wenn irgendwelche Bauprojekte fertiggestellt sind, wird das Ganze meist mit einem Fest, mit einer Feier und geladenen Gästen besiegelt. Aber hier sehen wir etwas anderes. Das Volk Israel versammelt sich und ist sich zu hundert Prozent darin einig, dass nun der Priester Esra aus dem Gesetzbuch vorlesen soll. Sie wollen nicht nur ein Bauprojekt fertiggestellt haben und damit hat es sich. Vielmehr wollen sie wissen, was im Gesetzbuch steht. Heute würden wir sagen: wissen, was in der Bibel steht.

Nehemia beschreibt diese innere geistliche Haltung in Vers 3: „Und die Ohren des ganzen Volks waren dem Gesetzbuch zugekehrt.“ Oft ist es doch umgekehrt. Wir erledigen unsere Alltagsprojekte und haben kein Ohr für die Bibel. Wir wollen gar nicht wissen, was Gott für unser Leben bereithält. Wir nehmen uns nicht die Zeit, in der Bibel zu lesen. Oder  jemand predigt das Wort Gottes und manche Zuhörer sind gedanklich mit etwas ganz anderem beschäftigt, hören nicht richtig zu.

Aber dieses Zuhören ist eine wichtige Voraussetzung, um Gott und sein Wort überhaupt zu verstehen, um es umsetzen zu können im praktischen Leben. Deshalb hat Jesus, der Sohn Gottes Jahrhunderte später gesagt: „Wer Ohren hat zu hören, der höre.“ Damit ist diese innere Bereitschaft gemeint, diese Erwartung, dass Gott durch sein Wort zu mir redet. Zu mir ganz persönlich.

Damit sie ihn erst einmal akustisch verstehen können, stand Esra, der Priester, auf einer hölzernen Kanzel, also etwas höher. Es lag eine Spannung in der Luft. Denn in dem Augenblick, in dem Esra das Buch aufschlug, stand das Volk auf. Was für ein Respekt, was für eine Ehrfurcht vor Gottes Wort. Wie respektlos gehen wir manchmal mit der Bibel um.  Anstatt einfach mal innezuhalten, stille zu werden oder mit einem Gebet anzufangen, gehen wir oft an die Bibel heran wie an jedes andere Buch.

Bevor Esra überhaupt eine Silbe gelesen hatte, lobte er den Herrn. Wenn wir Gott loben, geben wir ihm die Ehre und den Vorrang in unserem Leben. Wir können auch Gottes Wort loben und rühmen.   

Als das Volk Israel im Wort Gottes unterwiesen wurde, wurdees traurig. Israel erkannten die Heiligkeit Gottes, es erkannteseine eigene Sünde. Esra lenkt den Blick des Volkes auf Gott: „Und seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.“ Das ist wohl deshalb so, weil wir bei Gott zur Ruhe kommen, weil wir bei ihm Freude bekommen, die auf Vergebung beruht. Diese Vergebung erfahren wir heute bei Jesus, dem Sohn Gottes. 

Die Bibel ist viel mehr als jedes andere Buch. Das Wort Gottes ist Kraft und Leben. Wenn wir uns mit dem Wort Gottes auseinandersetzen, werden wir Gott begegnen. Werden wir erfahren, wie kraftvoll sein Wort an uns wirkt und uns verändert. Petrus sagte in Übereinstimmung mit den anderen Jüngern zu Jesus: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ Was in der Bibel steht, kann uns kein anderes Buch geben.

Vergessen wir bei den Projekten unseres Lebens nicht, die Bibel aufzuschlagen. und machen wie Israel die Erfahrung, dass die Freude am Herrn und an seinem Wort unsere Stärke ist.

Autor: Siegfried Skubski

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Ein guter Vorsatz geht immer!

Neues Jahr – gute Vorsätze! Haben Sie sich etwas vorgenommen für das Jahr 2021? Ich noch nicht. Früher habe ich mal ´ne Liste geschrieben, aber durchgehalten habe ich sie fast nie. Inzwischen bin ich vorsichtiger geworden. Und ich frage mich: Kann ich überhaupt schaffen, was ich mir da vorgenommen habe? Andererseits: Ein guter Vorsatz – wenn er wirklich gut ist – lohnt sich! Nur müsste ich den erst finden.

Vielleicht werden Sie und ich ja heute gemeinsam fündig. Denn auch die Bibel hält passend zu Neujahr einige gute Vorsätze bereit. Der Apostel Petrus schrieb vor fast 2000 Jahren folgendes an seine Gemeinden. Nachzulesen im 1. Petrusbrief Kapitel 3, die Verse 8 und 9:

„Seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig. Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt.“

Ganz schön viel, was Petrus von seinen Leuten verlangt. Haben Sie mitgezählt? Sechs gute Vorsätze gibt er ihnen an die Hand:

  1. Seid allesamt gleich gesinnt!
  2. 
  3. Seid mitleidig!
  4. 
  5. Seid brüderlich!
  6. 
  7. Seid barmherzig!
  8. 
  9. Seid demütig!
  10. 
  11. Vergeltet nicht Böses mit Bösem!
  12. 

 

Wie muss es da wohl zugegangen sein, dass Petrus solches schreiben musste? Die Gemeinden lagen verstreut im damaligen Kleinasien, der heutigen Türkei. Sie kämpften ums Überleben. Die Christen waren nicht hoch angesehen bei der Bevölkerung. Weil sie anders waren, weil sie an Jesus glaubten. So kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen. Und die Christen fragten sich: Was können wir tun? Wie sollen wir uns richtig verhalten?

Zum einen gab Petrus ihnen „gute Vorsätze“ an die Hand. Die haben Sie schon gehört. Und zum zweiten schrieb er: „Liebe Leute, nehmt eure Berufung wahr. Seid ein Segen! Dann verhaltet ihr euch richtig.“

„Segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt.“

Das griechische Wort für Segnen, das hier steht, heißt wörtlich: gut reden. Das ist das eine. Segnen bedeutet aber auch: Gottes Liebe für einen Menschen erbitten. Beides hat Folgen! Damals wie heute. Wie kann dieser Segen wirksam werden in Ihrem und meinem Leben? Petrus zählt es auf:

  • Wer segnet, setzt sich ein für die Einheit der Christen: in der eigenen Gemeinde und weltweit. Seid gleichgesinnt, so drückte es Petrus aus. 
  • 
  • Wer segnet, nimmt sich das Leid eines anderen Menschen zu Herzen und begleitet ihn, betet für ihn. Er ist mitleidig und barmherzig. Vielleicht fällt Ihnen spontan jemand ein, der Ihr Mitleiden nötig hat?
  • 
  • Wer segnet, akzeptiert die Menschen so wie sie sind. Seid brüderlich, also geschwisterlich zueinander. Auch, wenn es Ihnen und mir bei einzelnen in der Gemeinde schwerfällt.
  • 
  • Wer segnet, schaut nicht auf andere herab. Er tut einfach das, was dran ist. Hilft und unterstützt ohne großes Aufsehen. Die Bibel nennt das demütig sein.
  • 
  • Wer segnet, sucht keinen Streit. Da gibt es nicht sofort ein: Wie du mir, so ich dir! Da vergilt man nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort.
  • 

„Segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt.“

Diese Berufung hat es in sich. Wenn Sie mich fragen: Ich bin fündig geworden. Diesen guten Vorsatz – und der ist wirklich gut – den nehme ich mit ins neue Jahr. Und Sie?

Autor: Birgit Wolfram

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Ende gut – alles gut!

„Ende gut – alles gut!“ – das ist das Motto für heute. Naja, sinngemäß natürlich. In Psalm 6, Vers 10 steht: Der HERR hört mein Flehen; mein Gebet nimmt der HERR an.

Gott hört. Und nimmt an. Also: Ende gut – alles gut!

Das sagt man doch, wenn eine Sache ein gutes Ende genommen hat. Zuerst geschehen schlimme Dinge, aber am Ende erscheinen sie unwichtig. Zum Beispiel, wenn ein Mensch eine schwere Krankheit überstanden hat. Ende gut – alles gut!

Das würde ich gern sagen wollen – am Ende dieses Jahres. Aber da gibt es noch so manches in meinem Leben, das ist nicht gut, und ich stecke mittendrin. Und der Ausgang ist ungewiss. Und da bin ich sicher nicht die Einzige auf dieser Welt.

So erging es auch dem König David. Damals, vor ungefähr 3000 Jahren. Von ihm stammt nämlich dieser Satz, diese Erkenntnis: Der HERR hört mein Flehen; mein Gebet nimmt der HERR an.

David hatte zu Gott gefleht. Warum? Weil seine Feinde ihm das Leben schwer machten (Vers 8). Sehr schwer sogar. Völlig verzweifelt schrie er, und das ist im Psalm 6 nachzulesen: „Herr, ich kann nicht mehr (Vers 3). Ich weiß weder aus noch ein. Wie lange willst du noch zusehen? (Vers 4). Hilf mir, du bist doch ein barmherziger Gott! Rette mich!“ (Vers 5). (sinngemäß entnommen aus der Hoffnung für alle Bibel)

Ja, David ist am Boden zerstört. Lange wird er nicht mehr durchhalten. Ende gut – alles gut? Ganz sicher nicht. Wenn Sie auf die letzten Monate zurückschauen: Wer oder was machte Ihnen das Leben schwer? Welche Feinde lassen einfach nicht locker: Ist es der Kummer, das eigene Versagen, bestimmte Personen, Umstände oder die Angst? Und Gott schweigt.

Bei David war das zumindest so. Am Anfang. Erst später wusste er: Der HERR hört mein Flehen; mein Gebet nimmt der HERR an. Ende gut, alles gut.

Wie kam es dazu? Am Anfang drehte sich David um sich selbst. Er sagte: Ich kann nicht mehr. Ich bin erschöpft. Ich weiß weder aus noch ein. Dann begann er zu fragen: „Gott, wie lange willst du noch zusehen?“ (Vers 4) Wieder keine Antwort. Irgendwann erkannte er: Nicht mehr Gott bestimmt mein Leben, sondern die Feinde! Die rauben mir meinen Schlaf, meine Kraft und meine Lebensfreude!

Wer hat das Sagen in Ihrem und meinem Leben? Sind es die Umstände, Menschen und Ängste, oder ist es Gott? David reagiert: Er wirft die Feinde raus! „Niederträchtig und gemein seid ihr!“, so ruft er (Vers 9). Und im gleichen Moment weiß er in seinem Herzen: Ich habe einen Gott, der mein Flehen hört und mein Gebet annimmt. Äußerlich hat sich bei David nichts verändert. Aber innerlich! Er ist nicht mehr allein.

So redet Gott auch heute noch. Er erhört Gebet! Ich weiß, manchmal kann das sehr lange dauern. Und manchmal fällt die Antwort nicht so aus, wie wir sie uns wünschen. David hatte sich vielleicht auch etwas anderes erhofft. Aber für´s erste genügt ihm die persönliche Zusage: Gott hört. Und nimmt an. 

David wusste: Ich bin nicht mehr allein. Gott ist mit mir. Ende gut – alles gut! Mehr gibt es nicht. Das reicht: Auch für Sie, für mich, für das Jahr 2021 und drüber hinaus!

Autor: Birgit Wolfram

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