ERF Plus - Wort zum Tag

1. Mose 28,15

Sie erinnern sich an die Endlos-Serie „Auf der Flucht"? in den 60er Jahren lief sie im Fernsehen. 120 Folgen gab's. Worum ging's? Der Arzt Dr. Richard Kimble wird angeklagt, seine Frau umgebracht zu haben und zum Tode verurteilt. Doch er war's nicht. Bei einem Gefangenentransport verunglückt das Auto, in dem Kimble sitzt, und er kann fliehen. Das tut er dann auch. 120 endlose Folgen lang auf der Flucht ... Am Ende findet er den wirklichen Mörder, und ein Gericht spricht ihn frei. Puh.

Auf der Flucht - das wäre auch eine Überschrift über das Leben von Jakob. Das 1. Buch Mose erzählt von ihm. Nur, dass der nicht wirklich unschuldig ist. Er hat sich den Segen seines Vaters Isaak erschlichen und muss vor seinem zornigen Bruder fliehen. Später flieht er dann noch einmal aus den Diensten seines doppelten Schwiegervaters Laban. Da ist er aber eher Opfer als Täter. Obwohl: Nur selten ist ganz ganz koscher, was Jakob so alles treibt.

Aber bleiben wir bei seiner ersten Flucht. Er ist irgendwo zwischen Beerscheba im Negev und dem mesopotamischen Haran. Dort will er hin. Da gibt es Verwandte, denn von da ist sein Opa Abraham einst ausgezogen.

Ein gesegneter Betrüger auf der Flucht. Merkwürdig, auf was für Menschen Gott sich einlässt. Denn, ja, dieser Gott, dessen Segen er bekommen hat, ist da. Immer und überall. Jakob ist und bleibt die Fortsetzung in Gottes Segensserie, die mit Abraham begonnen hat.

Er ist also irgendwo zwischen Beerscheba und Haran, und es wird Nacht, und er macht sich ein Bett im Freien. Na ja, Bett ist übertrieben. Er nimmt einen Stein als Kopfkissen und schläft ein. Und träumt. Und sieht eine Treppenleiter. Die reicht bis in den Himmel. Und er sieht Gott. Oben auf der Leiter. Klar, für die Menschen damals war der Himmel oben. Direkt über der von den Menschen bewohnten Erde. Oben Gott. Unten Jakob.

Gott ist ja nicht nur in seiner eigenen Welt, im Himmel. Er ist auch hier auf der Erde, in unserer Welt. Ganz besonders deutlich wird das viele hundert Jahre später, als Jesus auf dieser Erde lebt. Der Gott des Himmels ist für alle sichtbar einer von uns Menschen geworden.

Was hat Gott nun dem Betrüger Jakob zu sagen? Er erneuert das Versprechen, das er schon Abraham gegeben hat: Durch dich und alle, die zu dir gehören, werden alle Geschlechter auf der Erde gesegnet werden. Alle Geschlechter, also alle Generationen und alle Völker. „Durch mich??", wird Jakob vielleicht im Traum gefragt haben? Ja, durch dich!! Und dann kommt dieses wunderbare Versprechen, das Jakob und durch Jakob und nach Jakob nun auch uns hier und heute gilt: „Ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe."

Peng! Unfassbar!

Als Jakob erwacht, hat er den Traum nicht vergessen. Im Gegenteil: Er weiß, dass das eigentlich gar kein Traum war, sondern eine wirkliche Begegnung mit Gott. Und er nimmt seinen Kopfkissenstein, richtet ihn auf, gießt Öl darauf und sagt: Dieser Platz ist heilig. Hier haben sich Himmel und Erde berührt. Hier hat Gott gesprochen. Und er nennt den Ort Bethel. Haus Gottes.

Was ich lerne? Für mich lerne? Gott kommt immer zuerst. Seine Gnade und seine Liebe kommen zuerst. Das Wort, das er an mich richtet, kommt lange bevor ich mein erstes Wort an ihn richten kann. Das ist einfach nur wunderbar. Und was ich noch lerne: Wenn Gott mit diesem Jakob eine so gewaltige Geschichte schreiben kann, dann kann er mit mir wohl auch eine kleine Geschichte schreiben. Eine Geschichte vollgepackt mit himmlischer Liebe und Treue.

Autor: Jürgen Werth

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

5. Mose 30,9

Autor: Pfarrerin Bärbel Wilde

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Jeremia 31,34

Johann-Hinrich Wichern war ein Wegbereiter für christlich-soziales Engagement. 1833 gründete er - 25-jährig - in Hamburg das Rauhe Haus. Hier sollten junge Menschen, die auf die schiefe Bahn gekommen waren oder sonst völlig allein dastanden, Hilfe und Heimat bekommen. Seine Mutter und seine Schwester unterstützten ihn, damit milieugeschädigte Jugendliche in einer Atmosphäre des Vertrauens neue Lebensorientierung finden konnten. 

Einmal wurde ein verwahrloster Junge zu ihm ins Arbeitszimmer gebracht. Ein Betreuer überreichte auf einigen Papieren die vernichtende Beurteilung dieses Jungen. Er war straffällig geworden, war von einem Heim ins andere abgeschoben worden, aus anderen war er weggelaufen. Seine Vergangenheit war so, dass er sich die Zukunft verbaut hatte. Wichern nahm die Papiere und hielt sie an die Kerze auf seinem Schreibtisch. Als sie Feuer fingen, warf er die brennenden Blätter in den Kamin. Er wartete, bis sie verbrannt waren. Dann wendete er sich dem Jungen zu und sagte: „Hier wird keiner auf seine Vergangenheit festgelegt. Bei uns kann jeder neu anfangen. Sieh um dich her, in was für ein Haus du aufgenommen bist! Hier ist kein Riegel, keine Mauer, kein Graben. Nur mit einer starken Kette binden wir dich hier. Du magst sie zerreißen, wenn du kannst. - Sie heißt Liebe.“

Wichern hatte die Liebe Gottes in seinem eigenen Leben erfahren. Er hatte erkannt, dass Jesus Christus, der Sohn Gottes, die Schuld der Welt auf sich nahm, als er damals am Kreuz vor den Toren der Stadt Jerusalem starb. Wichern hatte an einem Punkt seines Lebens dieses Geschehen ganz persönlich auf sich bezogen: Jesus starb auch für mich. Gott verbrennt mein Sündenregister.

Der Prophet Jeremia kündigte schon Jahrhunderte vor der Geburt Jesu einen neuen Bund zwischen Gott und seinem Volk an. In dem Losungswort für heute übermittelt er das Wort Gottes: „Ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.“

Der Gottesleugner Voltaire sagte einst höhnisch über Gott: „Vergeben ist sein Metier.“ Dann wäre egal, wie wir leben. Gott wird schon ein Auge zudrücken. Aber der Gott, wie er sich uns in der Bibel vorstellt, ist anders. Er nimmt die Sünde ernst. So ernst, dass sein Sohn Jesus Christus dafür ans Kreuz ging. Vergebung. Sie ist nicht Gottes Metier, sondern seine unverdiente Gnade. Mit der Bitte um Vergebung kann jeder zu Gott kommen egal, was war. Es gibt nur eins, das größer ist als unsere Schuld; das ist Gottes Vergebung.

Diese Erfahrung war für Wichern der Schlüssel für seine liebevolle Zuwendung zu Menschen am Rand der Gesellschaft.

Vergebung hat eine Konsequenz, so wie wir im Vater Unser beten: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“.

Ein alter Mann sagt im Rückblick auf sein Leben, in dem er viel Schlimmes erlebt hat: „Um inneren Frieden zu finden, musste ich den Hass ablegen. Ich habe vergeben, aber vergessen kann ich niemals.“ Da kann ein Mensch vergeben. Wer das kann, wird neue Kraft und Frieden für sein eigenes Leben erfahren. Wer nicht vergeben kann, wer angetanes Leid weiter mit sich herumträgt, ist selber der Leidtragende. Was wir nachtragen, daran haben wir zu tragen. Nur durch die Vergebung werden wir frei von dem, was andere uns angetan haben.

Gott vergibt uns nicht nur, sondern er vergisst sogar, wenn er vergeben hat. 

Gott verspricht: Ich will ihrer Sünde nie mehr gedenken. Das können wir kaum verstehen, weil uns das Vergessen andern gegenüber noch schwerer fällt als das Vergeben. Wir können nur staunen über die Barmherzigkeit Gottes

Wichern wusste sich von Gott geliebt und von seinen Sünden befreit. So wollte er auch anderen Menschen begegnen. Darum gab es für ihn keine hoffnungslosen Fälle.

Bei Gott kann jeder neu anfangen, der ihn darum bittet. Gottes Liebe gibt keinen auf. Er will, dass alle ihn kennenlernen, Große und Kleine. Er verbrennt die Hypotheken unserer Schuld. Er vergisst die dunkle Vergangenheit und schenkt Zukunft.

Wenn Gott uns vergibt, sehen wir die Welt mit anderen Augen an. Wir bekommen einen barmherzigen Blick für andere. So möchte auch ich heute anderen Menschen begegnen.

Autor: Pfarrerin Bärbel Wilde

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

1. Johannes 1,5

Die Holzkiste wäre explodiert. Es hätte viele Tote gegeben, wenn Gott nicht Licht ins Dunkel gebracht hätte. Gott hatte die Verkündiger der guten Nachricht von Jesus bewahrt und auch die große Menschenmenge, die ihnen im Südsudan zugehört hatten. Was war passiert? Davon erzählt der Ägypter Gamil, der etliche Jahre in dem Nachbarland Sudan selbst als Evangelist unterwegs war. Er war als junger Mensch zum Glauben an Christus gekommen und eine bis dahin unbekannte Freude zog in sein Herz. Sein Innerstes wurde erhellt und er spürte den Drang anderen von Jesus zu erzählen. Durch eine Missionskonferenz in Ägypten wurde sein Blick auf die vom Evangelium unerreichten Volksgruppen im Sudan gelegt. Diese Konferenz musste allerdings im Verborgenen abgehalten werden, da die Christen immer wieder von Terroristen bedroht wurden.

Als erfolgreicher Geschäftsmann ging Gamil daraufhin immer wieder für zwei Monate im Jahr zu den Sudanesen und erzählte ihnen von Jesus. Später verkaufte er seine Firma und wirkte im Sudan über viele Jahre als Evangelist. So wie es im 1. Johannesbrief heißt: „Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis. (1.Joh1,5)“ Gamil zeigte den Menschen einen Film über das Leben von Jesus. Er verkündigte die gute Nachricht und er rief die Menschen immer wieder auf, Jesus zu folgen. Um diesen Schritt auch nach außen hin sichtbar werden zu lassen, verbrannten diejenigen, die zum Glauben an Jesus gekommen waren, ihre Zaubergegenstände und Amulette. So wie es auch die Bewohner von Ephesus getan hatten nachdem Paulus dort gepredigt hatte. Damit machten die Menschen deutlich, dass sie sich von den dunklen Mächten lossagten und nun ans Licht treten, um Jesus zu folgen.

Aufgrund von Visaschwierigkeiten musste Gamil das Land verlassen. Sein Herz schlägt jedoch weiter für die Menschen dort. Er ist dankbar, dass andere an seiner Stelle dort wirken. Deswegen verfolgt er die Nachrichten aus diesem Gebiet sehr aufmerksam.  Und so erzählte er, wie vor wenigen Wochen Gott das Evangelistenteam im Südsudan vor dem Tode bewahrt hatte. Nach dem Aufruf Jesus zu folgen, verbrannten die Menschen wieder ihre Gegenstände, die sie als Amulette und Zaubermittel verwendet hatten. Bisher hatten die Evangelisten sich diese Gegenstände nie näher angeschaut, wenn sie ins Feuer geworfen wurden. Doch als eine Person eine Holzkiste in das Feuer werfen möchte, wird er von einem Evangelisten daran gehindert. Der möchte sehen, was in der Kiste drin ist. Der Evangelist öffnet sie, erkennt sofort, dass hier Sprengstoff im Feuer gelandet wäre und konnte die Menschenmenge vor großem Unheil bewahren. Gott hat Licht in die Finsternis gebracht und böse Pläne offengelegt und seine Kinder bewahrt. Dass Gott sie so bewahrt hat, hat die Evangelisten weiter ermutigt, die Botschaft von Gott denen zu verkündigen, die noch in der Finsternis leben.

Autor: Detlef Garbers

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Matthäus 5,5

Worte haben Macht. Und machtvolle Worte wurden in der Geschichte von den Mächtigen immer wieder gesprochen. Dabei haben diese Worte Leben erhalten oder zerstört. Worte bleiben haften und prägen sich ein. Nehmen wir als Beispiel unsere Bundeshauptstadt Berlin: Der Aufruf Goebbels im Sportpalast zum „totalen Krieg“ hat Millionen von Menschen in den Tod getrieben. Die Worte von Kennedy: „Ik bin ein Berliner“ waren an die freien Bürger Berlins gerichtet, die von einer Mauer umgeben waren. 25 Jahre später richtete der damalige US-Präsident Reagan die Worte an den sowjetischen Generalsekretär: „Mr. Gorbatschow: Reißen Sie diese Mauer nieder.“ Und die etwas unsichere Antwort eines Günter Schabowski, auf die Frage, wann denn die Ausreise ohne Visa aus der DDR möglich sei, als er etwas ratlos stammelte: „Nach meiner Kenntnis ist das sofort, unverzüglich“, da haben diese Worte einen Strom von Menschen in die Freiheit geführt.

Auch in unser Leben wurden Worte hineingesprochen. Sie mögen uns aufgerichtet und gestärkt haben. Vielleicht war es das Lob eines Lehrers in der Grundschule, der Sie ermutigt hat, oder die Eltern, die in Ihnen Gaben gesehen haben, die Sie entfalten konnten. Oft haben Worte aber auch das Leben von vielen Menschen zerstört. Wie viele Worte wurden unbedacht aus Wut und Zorn dahingesagt. Z. B. diese: „Aus dir wird nichts“, „Du bist ein Taugenichts“. Oft sind es die unbedachten Worte, die wie Giftpfeile einen Menschen treffen, verletzen und manchmal sogar lebenslang verwunden.

Ich denke  an Vanessa, eine neunzehnjährige Frau. Sie hat ein freiwilliges soziales Jahr absolviert. Als Kind war sie sehr schüchtern und still. Nach der Grundschule kam sie aufs Gymnasium. Dort fielen Sätze wie: „Du bist wie ein Stein, mit dir kann man nicht reden.“ Sie spürte Mobbing und wie sich ihre Klassenkameraden über ihren Glauben lustig machten. Während des Freiwilligenjahres kamen die alten Geschichten wieder hoch und es ging ihr nicht gut. Ein Mitarbeiterehepaar merkte das und sprach sie darauf an. Zuerst wollten die Worte einfach nicht über ihre Lippen kommen, doch sie spürte irgendwie, dass dieses Ehepaar ihr helfen könnte. Unter Tränen erzählte Vanessa ihnen von ihrem Schmerz „Alle denken, ich sei wie ein Stein, und manchmal fühle ich wirklich nichts“, kullerten die Worte aus ihr heraus. Sie hörten ihr zu und wollten wirklich wissen, was damals passiert war. Sie beteten mit ihr und legten Jesus sinnbildlich den Stein in die Hand. Einige Wochen später war Vanessa auf einer Jugendkonferenz. Die Predigten veränderten sie. Das Wort von Jesus: „Wenn euch der Sohn frei macht, seid ihr wirklich frei“ (Joh. 8,36) traf ihr Innerstes und veränderte sie. Jesus hat ihr steinernes Herz durch ein liebendes Herz ausgetauscht.

Worte haben Macht, das Leben zu erhalten oder das Leben zu zerstören. Menschliche Worte haben aber nicht die Macht, Leben zu schaffen. Dazu ist allein Gottes Wort in der Lage. Gott spricht und es geschieht. Gott kann aus dem Nichts durch sein Wort diese Welt hervorbringen. Sein Wort hat lebensspendende Macht. Jesus sagt im Matthäusevangelium: „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.“ Nicht die Sprücheklopfer, Machthaber und Machtgierigen werden letztlich die Oberhand gewinnen, sondern diejenigen, die wie Jesus handeln. Er hat anderen nicht den Kopf gewaschen, sondern die Füße. Jesus hat gedient und sich klein gemacht. Darin liegt seine Macht und Herrschaft gegründet.

Wie kann ich sanftmütig leben, um das Erdreich zu besitzen? Ich sollte darauf achten, was sich sage, und wenn ich dem Wort von Jesus folge, der sagt: Was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch (Matthäus 7,12).

Autor: Detlef Garbers

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

2. Timotheus 1,10

Es gibt sie, die wahren Helden des Alltags! Ohne zu jammern, meistern sie alle Situationen und Krisen. Mutig gehen sie voran, versuchen Dinge zu ändern, Situationen zu verbessern. Nichts kann sie aus der Bahn werfen. Nichts, außer .... -  sie müssen ins Krankenhaus.

So habe ich mich selbst auch schon erlebt. Seitdem ich vor einigen Jahrzehnten ein paar Monate im Rettungsdienst tätig war, ist mein Vertrauen in die Zunft der Ärzte sehr überschaubar geworden. Alles habe ich seither getan, um Operationen zu vermeiden. Einmal sagte ich am Tag vor der Operation noch ab, weil ich Genesungsfortschritte entdeckt hatte.

Doch dann kam jener unglückliche Tag, an dem ich von einer harmlosen Stufe rutschte. Ich fiel nicht einmal hin, stieß nur mit dem Unterschenkel so fest an eine andere Stufe, dass das Bein dick wurde. Es gab eine Einblutung, die sich später entzündete. Dieses Mal half nichts, die Einblutung musste operativ entfernt werden. Ich musste mich hilflos in die Hände derer begeben, denen ich so oft das Vertrauen entzogen hatte. 

Gedanken quälten mich: Was ist, wenn ich nicht mehr aufwache? Was ist, wenn sie aus Versehen das Bein amputieren - hatte ich nicht gerade erst so eine Geschichte irgendwo gelesen? Was ist, wenn die Narkose .... da muss man doch so viele Papiere unterschreiben, was alles passieren könnte.

Vermischt in diese sehr egozentrischen Fragen, in denen ich nur noch um mich selbst kreiste, kamen die Gewissensbisse: Als Christ darf ich nicht so denken. Als Pastor schon gar nicht. Wie oft habe ich anderen Mut gemacht! Und jetzt, bei einem so relativ harmlosen Eingriff, erschrak ich über mich selbst. Und ich dachte weiter.

Was ist denn das Schlimmste, was mir passieren kann? Dass ich nicht mehr aufwache! Okay, das kommt bei so einer Operation höchst selten vor, aber trotzdem. Wenn man es ausschließen könnte, müsste ich ja nicht unterschreiben, dass es so kommen könnte.

Ich dachte weiter: Was ist denn, wenn ich nicht mehr aufwache? Dann bin ich bei Jesus. Dann habe ich es geschafft. Dann ist mein Leben am Ziel. Ich werde meine Wohnung im Himmel beziehen. Jesus hat es ja versprochen, uns dort eine Wohnung einzurichten. Es wird keine Krankheit, keinen Kampf um das Gewicht, keinen Kampf mit den alltäglichen Anfechtungen mehr geben. Alles ist nur noch schön und gut. Das weiß ich, weil ich Jesus glaube, seinem Wort vertraue. Z.B. heißt es im 2. Brief an Timotheus (1,10):

Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.

Jesus ist der Grund jeder Auferstehungshoffnung. Er hat nicht nur Tote auferweckt, er ist selbst von den Toten auferstanden. Er hat gezeigt, dass er es kann. Das alles glaube ich. Darauf freue ich mich. 

Woher kommt dann die Angst vor dem Tod? Vielleicht weil das Loslassen mir so schwer fällt? Ich habe doch ein so schönes Leben in dieser Welt und dieser Zeit und in der Gesellschaft, in der ich leben darf! Vielleicht weil ich mir Gedanken um meine Frau und unsere Kinder mache und wie sie ohne mich über die Runden kommen sollen? Dabei weiß ich doch, dass Jesus sie noch viel lieber hat, als ich sie haben kann und er wird sich um sie kümmern, ohne dass ich ihn darum extra bitten muss.

Die Vorbereitung auf meine Operation dauerte sehr lange. Es kamen Notfälle dazwischen, so dass ich zwangsweise viel Zeit hatte, mich diesen Fragen zu stellen. Am Ende wich die Angst und ich erlebte einen tiefen Frieden: 

Mein Leben liegt doch nicht in den Händen der Ärzte, noch viel weniger in meiner eigenen Hand. Wann immer mich mein Gott abrufen wird, bestimmt er - ebenso die Umstände, die dazu führen. Aber dann, wenn es soweit ist, dann habe ich es geschafft. Das ist die gute Nachricht, das Evangelium der Auferstehung von Jesus.

Für mich war das ein sehr eindrückliches Erlebnis, wie Jesus in meinem Leben dem Tod die Macht genommen und mir eine große Freude über das ewige Leben gegeben hat. 

Autor: Prediger Walter Undt

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

1. Samuel 3,9

Der ältere Mann springt und tanzt in der Fernsehreklame. Er kann wieder gut hören, auch die leisen Töne. Sein neues Hörgerät ist super. Ob Sie auch gut hören können? Viele Stimmen dringen heute an unser Ohr, einer Flut von Meinungen und Nachrichten sind wir ausgesetzt. Radio, Fernsehen, Zeitungen, PC und Smartphone bringen uns tagtäglich unzählige Informationen. Die Kölner sagen so schön: „Wat krisse heute nicht alles in den Kopp jekloppt“. Können wir eigentlich noch alles aufnehmen, hören wir nur noch die lauten, schrillen Stimmen? Dann haben wir einen Hörschaden. Oft sind es ja die leisen Stimmen, die wichtig, die entscheidend sind.

Lothar Zenetti hat das einmal so formuliert: „Herr, lass mich deine Stimme heraushören aus all den Reden von Ansagern und Werbefritzen, von Schmeichlern und Scharfmachern, Sprechern und Schreiern, von Lobhudlern und Langweilern, von Diskussionsrednern und Diktatoren, von Meinungsmachern und Nachbarn. Aus all dem Geschwätz, dem lauten und leeren und sinnlosen und endlosen Gerede, lass mich deine sanfte und eindringliche Stimme  heraushören, Herr.“

In unserem Gotteswort für heute sagt der junge Samuel: Rede, Herr, denn dein Knecht hört (1. Samuel 3,9). Drei Mal ruft ihn Gott. Immer denkt er, der alte Priester Eli im Raum nebenan ruft nach ihm. Schließlich erkennt dieser, dass Gott es ist, der den jungen Mann ruft und gibt Samuel dann den Rat, auf den Ruf Gottes zu antworten.

Vielleicht geht es uns so, dass wir Gottes Stimme im Stimmengewirr unserer Tage nicht mehr oder nicht mehr richtig hören. Wir dürfen um den Heiligen Geist bitten, dass er uns Gottes Wort aufschließt. Vielleicht muss uns auch jemand darauf hinweisen – wie damals -, dass Gott mit uns redet. Wir brauchen die Zeiten der Stille, dass wir sein Wort vernehmen können, dass wir ein Bibelwort recht verstehen können, dass wir entdecken: Wir sind gemeint.

Hilfreich ist ein Gebet wie dieses: Herr, ich höre. Herr, lass nicht zu, dass ich dein Wort nur höre, aber nicht aufnehme; glaube, aber nicht bewahre; kenne, aber nicht tue. Herr, lass mich aus deinem Wort leben.

Manchmal habe ich mir in Entscheidungssituationen meines Lebens gewünscht, Gott spräche deutlicher zu mir. Manchmal waren es Freunde, durch die er gesprochen hat, manchmal musste ich die Entscheidung mit meiner Frau zusammen nach vielen Gebeten treffen. Wir waren mutig, weil uns dabei immer das Wort aus Psalm 37,5 half: „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen“. Wir wussten, Gott kann auch Wege versperren und uns Umwege machen lassen.

Kurt Rommel fasst den Satz: „Rede, Herr, denn dein Knecht hört“ gut zusammen, wenn er dichtet:

Herr sammle die Gedanken und schick uns deinen Geist, der uns das Hören lehrt und dir folgen heißt.

Autor: Superintendent i. R. Rainer Kunick

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Hesekiel 37,23

„Auf meinen Sohn kann ich mich verlassen“, sagte mir der ältere, verwitwete Mann, den ich neulich besuchte. „Er steht zu mir, auch wenn ich manchmal schwierig bin und überlegt mit mir, was das Beste für mich ist“. Wer sehnt sich nicht nach einem solchen Menschen, dem er ganz vertrauen kann?! Wer sehnt sich nicht nach positiven Versprechungen, die für immer Bestand haben werden?! Unsere Sehnsucht ist erfüllt. Gottes Verheißung gilt seinem Volk Israel und uns: Ich will sie retten von allen ihren Abwegen, auf denen sie gesündigt haben, und will sie reinigen, und sie sollen mein Volk sein (Hesekiel 37,23). Gott steht zu seinem Volk – trotz allem, was es getan hat. Es hat Schuld auf sich geladen, Hesekiel muss immer wieder zur Umkehr aufrufen. Gott straft sein Volk, aber er steht dennoch zu ihm und lässt es nicht fallen. Er verharmlost die Schuld nicht, aber er will sein Volk davon reinigen und es von seinen Abwegen retten. So ist Gott – damals und heute. Deshalb ist Jesus Christus für uns gestorben. Er hat uns gerettet und gereinigt durch sein Blut. So wie Chirurgen einen Menschen verletzen und Blut fließen lassen, damit der Patient wieder gesund wird, so lässt sich Christus für uns verletzen und sein Blut fließen, damit wir gerettet werden. „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt“, prophezeit schon der Prophet Jesaja (53,5).

Der Kirchenvater Augustin sagt: „Die Sehnsucht Gottes ist der Mensch“. Sind wir uns dieser Sehnsucht Gottes bewusst, wenn wir im Alltag unsere Entscheidungen treffen und unsere Pflichten erfüllen? Lassen wir ihn nicht auf der Reservebank sitzen, wenn unser Leben so richtig „rund“ läuft? Wir haben heute andere Götter als das Volk Israel damals. Wir wissen, woran heute unser Herz hängt. Und Gott? Er klopft immer wieder bei uns an, will uns nahe sein, in uns lebendig werden. Weichen wir ihm doch nicht aus.

Gottes Wille, unser Gott zu sein, gilt unumstößlich. Gebete, Zeiten der Stille und Besinnung öffnen unser Herz für Gottes Sehnsucht. Gott kommt zu uns, damit wir zu Gott kommen, damals und heute.

Johannes Jourdan drückt das so aus:

Gott kommt zu uns.

Wir müssen nicht mehr zweifelnd nach ihm fragen.

Gott kommt zu uns,

um seine Gnade allen anzusagen.

Gott kommt zu uns und lässt uns wieder hoffen.

Sein großes Herz ist für uns alle offen.

Gott kommt zu uns.

Autor: Superintendent i. R. Rainer Kunick

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Johannes 16,22

Unseren Tagesvers kann man mit den Worten „Zeitliche Trauer – ewige Freude“ umschreiben. Die Jünger sind verständlicherweise traurig, weil Jesus weggehen wird. Liebevoll bereitet er sie darauf vor. Er verspricht, sie nicht allein zurückzulassen, sondern ihnen einen Beistand zu senden, den Heiligen Geist. Dieser werde sie weiterführen, versichert Jesus. Das ist auch dringend nötig. Während der Erdenzeit von Jesus haben die Jünger nämlich herzlich wenig von dem begriffen, was ihnen ihr Meister zeigen wollte. Erst nach Ostern und Pfingsten gehen ihnen die Lichter auf. Erst in der Rückschau, im Licht der Auferstehung Jesu von den Toten, begreifen sie den vollen Sinn seiner Sendung. Die neue Gemeinschaft mit dem Auferstandenen, die ihnen vom Heiligen Geist vermittelt wird, ist die Grundlage für eine tiefe, tragende Freude.

Das gilt bis heute. Jesus als persönliches Gegenüber zu kennen, ihn als Herrn und Erlöser angenommen zu haben, ihn als Bruder an seiner Seite zu wissen, das macht uns bis heute als Christen und Christinnen aus. Diese Grunderfahrung teilen alle Christen. Sie gibt uns weltweit eine unvergleichliche Verbundenheit, über alle kulturellen und konfessionellen Grenzen hinweg. Dies durfte ich unter anderem bei mehreren Begegnungen mit Christen in China erfahren.

Als Ursache für die Freude nennt Jesus die Tatsache: „Ich werde euch wiedersehen.“ Wir beziehen dieses Wort zunächst unwillkürlich auf die Wiederkunft Jesu am Ende der Zeit. Gewiss wird es dann seine letzte und vollständige Erfüllung finden. Aber so lange will und wird Jesus seine Jünger nicht warten lassen. Sie werden ihn dreifach „wiedersehen“:

Das zeigt sich zunächst in der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten (kann man das so genau datieren?). Einige Frauen, die Schar der Jünger und einmal sogar eine Gruppe von fünfhundert Jesusnachfolgern dürfen den Auferstandenen leibhaftig sehen. Sie essen mit ihm, staunen über das geschehene Wunder, und sie erhalten letzte Anweisungen und Versprechen, darunter das Wort: „Geht hin in alle Welt und macht die Menschen zu meinen Jüngerinnen und Jüngern. Und das sollt ihr wissen: Ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Welt.“ (Gehören diese Worte wirklich in diese Zeit?) Wir als die Nachgeborenen dürfen die Berichte von diesem Wiedersehen zumindest lesen.

Zum Zweiten mit Pfingsten. Jesus sagt, er werde den Beistand senden und betont gleichzeitig: „ I c h  komme zu euch.“ Er identifiziert sich also mit dem Heiligen Geist. Ihm zu begegnen ist gleichzeitig ein Wiedersehen mit Jesus.

Und schließlich gibt es das Wiedersehen bei der Wiederkunft. Darauf freue ich mich ganz besonders. Schon das Lesen der Osterbegegnungen sowie das Erleben des Heiligen Geistes – und damit auch von Jesus – sind kostbare Anlässe für Freude. Aber beim Erscheinen Jesu am Ende der Zeit wird die Freude grenzenlos sein. Da wird kein Widerspruch mehr möglich sein. Dann wird es allen klar werden: Jesus ist der Herr!

Autor: Pfarrer Alexander Nussbaumer

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Hebräer 1,1–2

Was für ein wortgewaltiger Einstieg in den Brief an die Hebräer!

Zweimal wird gesagt, Gott habe geredet, nämlich durch die Propheten und durch seinen Sohn. Tatsächlich spricht Gott ganz unterschiedlich zu uns.

Das Wort Gottes kommt in vier Arten zu uns:

  1. 

    Mit seinem Vollmachtswort erschuf Gott die Welt. Das Wort Gottes schuf eine neue Wirklichkeit. Es ist ein wirkmächtiges Wort.

    
  2. 
  3. 

    Gott sprach durch das mündliche Wort der Propheten zu seinem Volk, wie es unser Tagesvers sagt. Die Propheten gaben das Wort weiter, das sie von Gott her gehört hatten. Auch das waren wirkmächtige Worte, wenngleich sie allzu oft auf Widerstand stießen.

    
  4. 
  5. 

    „Am Anfang war das Wort, … und das Wort wurde ein Mensch“, heisst es zu Beginn des Johannesevangeliums.

    
 Jesus ist als Person Gottes Wort. Auch das ist in unserem heutigen Vers erwähnt. Das göttliche Wort, der Logos, wurde ein Mensch aus Fleisch und Blut. Mit seinem Vollmachtswort sprach Jesus von Sünden frei: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“ Damit schuf Jesus für diese freigesprochenen Menschen eine neue Wirklichkeit. Sein Wort war und ist ein wirkmächtiges Wort.

    
  6. 
  7. 

    Und schließlich ist die Bibel das Wort, das Gott über alle Zeiten hinweg an sein Volk gerichtet hat und heute auch an uns richtet. Die Worte der Bibel unterscheiden sich von allen anderen je geschriebenen Worten. Es sind befreiende, Leben schaffende, in diesem Sinn auch wirkmächtige Worte.

    
  8. 

Gott hat auf „vielerlei Weise“ geredet. Die Bibel ist ein vielstimmiges Zeugnis. Sie ist in einem Zeitraum von über tausend Jahren entstanden. Sie hat eine Vielzahl von Autoren. Sie enthält unterschiedliche Arten von Texten: Sie sind meist geschichtlich, prophetisch oder poetisch gestaltet. Durch diesen vielen Seiten und Stimmen ziehen sich aber einige Hauptlinien. Die wichtigste ist die Jesus-Christus-Linie. Schon das Alte Testament spricht auf vielfältige Weise von ihm. Er ist das zentrale, alles entscheidende Wort Gottes.

Durch ihn habe Gott die Welt erschaffen, sagt unser Tagesvers. Ja, Jesus war schon bei der Schöpfung aktiv dabei. Er war schon vor Beginn von Raum und Zeit Teil der Dreieinigkeit (Dreieinheit). Und diese Dreieinigkeit (Dreieinheit) war schon immer von Liebe geprägt. Liebe ist ein ewiges Merkmal von Gottes Wesen.

Gott hat Jesus „eingesetzt zum Erben aller Dinge“, heißt es. Jesus Christus ist und bringt das entscheidende Offenbarungswort über Gott. Er ist der Erbe. Ihm gehört die ganze Herrlichkeit des Vaters. Darum konnte er zu seinen Jüngern sagen: „Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden.“ Und in Psalm 2 hören wir Gott zu seinem Sohn sagen: „Bitte mich, so gebe ich dir die Nationen zum Erbe und die Enden der Erde zum Eigentum.“ Das ist ein Wort Davids, das prophetisch auf Jesus hinweist. Es hat sich in Jesus erfüllt. Aber erst wenn Jesus wiederkommt, wird sich dieses Psalmwort endgültig und vor den Augen aller Menschen verwirklichen.

Autor: Pfarrer Alexander Nussbaumer

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Lukas 18,7

Jesus erzählt von einer Witwe. Stellen wir sie uns vor: Der Mann ist gestorben; die Trauer tut noch weh. Früher kannte sie Liebe und Geborgenheit. Jetzt ist sie einsam. Und mit der Trauer rutscht sie damals auch ins soziale Abseits. Eine Rente gab es nicht und einen Rechts­beistand auch nicht. Wer als Witwe keine Kinder oder andere Verwandte hatte, war arm dran – hilflos, schutzlos, rechtlos. Die Witwe, von der Jesus im Gleichnis erzählt – die fühlte sich genau so. Wir erfahren nicht, warum. Vielleicht hatte sich ihr Mann noch Geld geliehen bei einem Nachbarn, um das Haus zu renovieren. Jetzt droht dieser mit Zwangs­vollstreckung und will das Haus in sein Eigentum bekommen. Solche Machen­schaften werden im Alten Testament manchmal berichtet. Diese Witwe jedenfalls sieht sich ungerecht behandelt.

Aber sie resigniert nicht. Sie wehrt sich. Sie hält auch in schweren Zeiten an ihrem Recht fest. Sie läuft zum Richter.

Dieser Richter in dem Gleichnis ist ein schlimmer Mensch; es gab damals von der römischen Besatzungsmacht eingesetzte Richter, die weit mehr aufs Trinkgeld achteten, als auf Gerechtigkeit. So einer war der wohl, gottlos, sagt Jesus, und deshalb auch lieblos. Er will seine Ruhe haben. Doch die Witwe rennt ihm das Haus ein. Sie bleibt auf der Matte vor seiner Tür. Sie hängt sich dem ungerechten Richter ins Ohr. Sie nervt ihn mit einer unglaublichen Intensität.

Zu einem solchen intensiven Beten macht Jesus Mut, zu einem so ungenierten und unresignierten Rufen zu Gott, wie es die Witwe vormacht. Jesus sagt -(so steht es im Lukasevangelium, Kapitel 18): „Sollte Gott nicht Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen?“

Wie die Witwe unentwegt bittet allen Widerständen zum Trotz, so kann und darf unser Beten sein – ein kräftiges Trotzdem, ein erwartungsvolles Hoffen, ein engagiertes Bitten um Gerechtigkeit und Hilfe. Jesus schildert es eindrücklich - aber genauso eindrücklich ja auch das Nicht-Erhören dieser Bitte.

Über den Richter sagt Jesus diesen kleinen Satz: Er wollte lange nicht.

Ist das manchmal unsere Gotteserfahrung?

Er wollte lange nicht. Wenn wir am Krankenbett Gott um Gesundheit anflehen – und er scheint es gar nicht zu hören. Kennen Sie das?

Oder wenn trotz aller Mühen der Schuldenberg immer größer wird und man nur noch verzweifelt - trotz aller Gebete.

Oder wenn Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Es ist hier wichtig zu sehen, in welchem Zusammenhang Jesus dieses Gleichnis erzählt. Eben hat er davon gesprochen, dass seine Gemeinde auf dem Weg ist bis zu seinem Wiederkommen in Herrlichkeit. Und auf diesem Weg durch die Zeiten verheißt ihr Jesus nicht nur frohe und reiche Tage, keine Traumschiffreise zur Ewigkeit. Er kündigt immer wieder an: Es wird auch Verfolgung geben, ungerechte Urteile, unerhörtes Leid und Tränen.

Dann nicht aufgeben im Bitten und Rufen – das macht die Witwe vor. Allezeit beten und nicht nachlassen – dazu macht Jesus Mut.

Denn Gott, so zeigt er, Gott ist nicht wie der ungerechte Richter. Dieser Richter hat sich über das Betteln der Witwe geärgert. Aber Gott freut sich, wenn wir wie Kinder zu ihm kommen. Gott will nicht seine Ruhe, sondern unser Bestes. „Er wird uns Recht schaffen“, verspricht Jesus. Das heißt für heute: darauf vertrauen, dass er es recht macht mit uns. Und deshalb weiter beten. Wie die Witwe.

Autor: Prälat Ulrich Mack

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

2. Mose 23,20

„Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang …“ – so heißt es in einem Lied, viel gesungen, oft gebetet. Aber wie geht das denn – von Gott geführt werden? Und weiter gefragt: gelingt das nur an guten Tagen?

Viele bitten oft: leite mich auf meinen Wegen. Aber was, wenn mein Weg durch Brüche führt und Zerbrüche, durch Krankheiten und Enttäuschungen? Woran kann ich festmachen, dass Gott mich auch dann gut leitet?

Ich möchte Ihnen von Israel erzählen, von dem Volk, das Gott aus der Sklaverei in Ägypten befreite. Er führte es mit Mose durch das Meer, führte es in die Freiheit.

Dann am Berg Sinai, mitten in der Wüste, hat Gott sich mit dem Volk verbunden. „Ich will euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein“, sagte er. Also: wir gehören zusammen! Gott gab dem Volk Gebote, Regeln der Verbundenheit. Und dann versprach Gott - so zu lesen im 2. Mosebuch 23,20:

Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege und dich bringe an den Ort, den ich bestimmt habe.

Israel hat sich immer wieder an diese Zusage erinnert. Auch dann, als es über steinige Wege und durch Wüstenstrecken ging. Warum? Deshalb, weil Gottes Leiten einen Ausgangspunkt hatte - den Bund am Sinai – und ein Ziel – das Land, das Gott dem Volk versprochen hat. Beides war wichtig, der Rückblick auf den Bund und der Ausblick auf das Ziel.

Als Christen sind wir in das Leiten Gottes hinein genommen. Beides ist dabei wichtig, der Rückblick und der Ausblick.

Der Rückblick: Gott hat sich mit uns neu verbunden. Als Jesus für uns starb, führte er uns aus der Sklaverei der Sünde in die Freiheit, ihm zu gehören. Von da kommen wir her. Und der Ausblick: wir sind auf dem Weg in das Land, dass er uns verheißen hat. Jesus ist uns dorthin schon vorausgegangen. Bei ihm zu sein in seiner Herrlichkeit – das ist unser Ziel.

Kreuz und Auferstehung hier, seine ewige Herrlichkeit dort – und dazwischen sind wir nun unterwegs. Und für unsere Tage und Jahre gilt, wie es Gott einst dem Volk Israel versprochen hat: „Ich sende meinen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege.“ Oder mit den Worten, die Jesus selbst gesagt hat: „Ich bin bei euch alle Tage.“ Darauf können wir vertrauen, und mit „wir“ meine ich nun nicht nur gesunde und starke, sondern auch kranke, verzagte und zweifelnde Menschen. Manche sagen: Ich bitte Gott schon lange darum, dass es besser wird – in der Gesundheit, in der Arbeit oder in der Ehe. Und im Stillen fügen sie hinzu: Mein Vertrauen darauf, dass Gott mich gut leitet, wird immer kleiner.

Eben da ist der weite Horizont wichtig. Von Karfreitag und Ostern kommen wir her, und auf das Ziel seiner Herrlichkeit gehen wir zu. Das zu wissen und daran zu glauben, kann unser Heute hell machen, froh und gehalten. Am Sinai versprach Gott dem Volk Israel, dass er seinen Engel auf dem Weg in das verheißene Land vorangehen lässt, auch durch Wüstenstrecken hindurch. Gott kann auf vielfältige Weise seine Boten an unseren Lebensweg stellen. Es können unsichtbare Wesen sein oder einfach Mitmenschen, die uns helfen, es kann ein Lied sein oder ein Satz aus der Bibel, ein Gedanke im Gebet oder ein Bild. Jesus hat viele Möglichkeiten, uns zu leiten und zu zeigen, dass er bei uns ist alle Tage. Denn er ist unsere Herkunft. Und er ist unsere Zukunft. So ist er es, zu dem wir heute bitten können: „Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort“.

Autor: Prälat Ulrich Mack

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

1. Johannes 2,12

„Wer vergibt, heilt auch sich selbst.“ Das ist der Titel eines eindrücklichen Buches. Vergebung ist ein so großes Thema. An einer ehemals obdachlosen und suchtkranken Frau habe ich die Kraft der Vergebung gesehen. Sie lebt nach Jahrzehnten lebenszerstörerischer Sucht nun schon 7 Jahre suchtfrei, weil sie vergeben hat.

Als ich sie kennen lernte, habe ich gedacht, bei der Lebensgeschichte kann doch kein Mensch mehr heil werden. Sie wurde es durch Vergebung. Sie lebt es Tag für Tag. Anderen gegenüber, sich selbst gegenüber, sie schöpft aus dem großen Vergebungspool unseres Gottes. Sie tut es in ihrer Art und Weise. Sie ist nicht wie Sie und ich. Sie sieht auch nicht aus wie Sie und ich. Sie fällt ins Auge. Sie ist anders. Sie ist nicht unscheinbar. Sie ist auch nicht „Jedermanns Sache“, sie ist auch nicht ohne Schaden aus ihrem Leben hervorgekommen. Man spürt, da ist Vergangenheit. An ihr lerne ich, dass es befreiende Vergebung für alle und alles wirklich gibt.

Nelson Mandela hat den Satz gesagt: „Verbitterung ist wie ein Gift, das du trinkst und dabei hoffst, du vergiftest deine Feinde.“ Sie trinkt nicht mehr von dem Gift. Wie es so viele andere tun. Sie lebt mit Jesus. Im 1. Johannesbrief, Kapitel 2, Vers 12 steht der Satz: „Liebe Kinder, ich schreibe euch, dass euch die Sünden vergeben sind um seines Namens willen.“

Vergebung ist Kraft. Vergebung ist Befreiung. Vergebung ist erstrebenswert. Vergebung lädt uns ein an die Kraftquellen. Es können Dinge passieren, die sind so unendlich schwer zu vergeben. Der Weg bis zur Vergebung kann so weit sein für uns. Aber Vergebung ist Entscheidung. Manchmal dürfen wir im Mangel an Vergebungskraft sagen: „HERR, ich will in meinem Herzen dem Menschen, dem ich nicht vergeben kann, schon einmal deine Vergebung zusprechen, ich habe noch keine Vergebungskraft für ihn.“ Das kann der Anfang sein. Wir können für uns entscheiden: Ich darf und will mich selbst immer neu an seine Vergebungsquelle begeben. Das ist Kraftquelle. Das macht das Herz leicht. Dann darf ich täglich hinauswerfen aus meinem Herzen, wo ich jemandem etwas nachtrage und bewusst darüber Vergebung aussprechen. Das bewahrt vor vielem, was sich sonst ansammelt. Und es lehrt uns auch, andere um Entschuldigung zu bitten.

Eigenes nicht verdrängen oder herunterreden. Vergebung lehrt uns leben.

Von Bernhard Meuser stammt das Gebet: „HERR, ich habe meine Schuld heruntergeredet und sie geleugnet, sie verdrängt und anderen angedichtet; ich habe mit ihr kokettiert und gespielt. Sie hat mich verwundet, gezeichnet und müde gemacht. Da wusste ich noch nicht, dass du sie geschenkt haben wolltest.“ Das ist das Gebet, das zu unserem Bibelvers aus 1. Johannes passt: „Liebe Kinder, solches schreibe ich euch, dass euch die Sünden vergeben sind um seines Namens willen.“

Autor: Pfarrerin Monika Deitenbeck-Goseberg

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

2. Thessalonicher 3,3

Treu wie Gold. Das ist ein Sprichwort seit uralten Tagen. Wenn jemand treu ist wie Gold, dann ist die Beziehung unvergänglich, haltbar, der weicht nicht von meiner Seite. Wenn ich treu bin wie Gold, dann bin ich verlässlich, an der Seite von Menschen, bin beständig, halte mein Fähnchen nicht in den Wind, bin nicht „wetterwendisch“ in Bezug auf meine Verhaltensweisen und Einstellungen zu Menschen. Unser Bibelvers steht in 2. Thess. 3, 3. Dort schreibt Paulus: „Der HERR ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.“

Da stecken 3 gute Nachrichten drin. Die erste ist: der HERR aller Herren, von dem Altpräsident Gustav Heinemann den Satz gesagt hat: „Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr kommt.“ Dieser Herr ist treu. Verlässlich. Steht zu seiner Zusage. Beziehung mit Ewigkeitswert. Unvergänglich. Das hält. Weil Jesus hält. Und uns hält.

Die 2. Zusage, die in unserem Vers steckt ist: „der wird euch stärken.“

Paulus schreibt in dem Kapitel im Thessalonicherbrief von so mancherlei Dingen drum rum und Verhaltensweisen anderer, die einen mürbe machen können. Für Zeiten, die einen Nerven kosten, bei Menschen, die mit ihren Verhaltensweisen nerven können, da schreibt Paulus: und der Herr aller Herren wird euch stärken; er mit seiner Endlos-Treue uns gegenüber. Von ihm dürfen wir unsere innere Standfestigkeit stärken lassen, unser Herz, unser Geduldfass neu füllen lassen. Dass wir nicht „am Rad drehen“, sondern über sein An-der-Seite-sein und -bleiben staunen. Über seine Geduld staunen lernen wie Paulus. Klare Worte sprechen. Und in Liebe zugewandt bleiben. Eigenes Stehvermögen und Standfestigkeit im Namen Jesu entwickeln. Aber in Liebe und in seiner Kraft.

Und der 3. Zuspruch: „der wird euch bewahren vor dem Bösen.“

Jesus nimmt uns nicht aus der Welt heraus. Wir können nicht unseren frommen Rosengarten pflegen. Sondern mitten drin will er uns bewahren. Deshalb Mut zum Handeln, Zupacken, Tun, Gestalten. Zum Leben in dieser Welt gehört es dazu, dass der Durcheinanderwerfer, der Widersacher auf dem Plan ist.

Wir brauchen uns keine Vorstellungen zu machen, wie sieht er aus, was soll man sich darunter vorstellen?  Der Böse, das Böse? Wir erleben seine Wirkweisen in dieser Welt.

Ein englisches Sprichwort sagt: Wo Gott eine Kirche baut, da baut der Teufel gleich eine Kapelle daneben.

Wir erleben es: wo Segen ist, da ist die Anfechtung direkt schon vorweg da. Das gilt es zu wissen und nüchtern zur Kenntnis zu nehmen. Und zu wissen:  Aber Jesus ist immer noch größer. Mit ihm sind wir in der Überzahl. Und dürfen in die innere Überlegenheit des Glaubens und der Liebe.

Ein Stärkungsvers für diesen Tag: „Der HERR ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.“

Autor: Pfarrerin Monika Deitenbeck-Goseberg

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Johannes 14,1

„Abschied nehmen ist immer ein Stück Sterben“, - dieses aus dem Französischen kommende Sprichwort hat mir meine Mutter vor vielen Jahren auf einer Postkarte geschrieben, als es für mich um den Abschied von meinem geliebten Studienort Heidelberg ging. Ja, das stimmt wirklich: Das Abschiednehmen tut weh und weist darauf hin, dass die vielen kleinen Abschiede im Leben schon den großen Abschied vorbereiten, der uns allen bevorsteht. Mit dem Thema „Abschied“ gehen wir ja sehr unterschiedlich um: Menschen wie ich, die in der Kindheit durch die Kriegseinflüsse viel verloren haben, tun sich besonders schwer damit. Andere nehmen es leichter. Und was sagen wir einander, wenn es um den Abschied geht? „Auf Wiedersehen“ ist so eine Floskel, die die Hoffnung belässt, dass es ein Wiedersehen gibt, auch wenn vielleicht vieles dagegenspricht. „Adieu“, sagen andere und wissen oft gar nicht, was sie damit sagen: Denn „adieu“ heißt eigentlich „Gott befohlen“ oder „Gott bleibe bei dir“. „Ade“ und „Tschüss“ haben die gleiche Bedeutung.

Auch in der Bibel geht es immer wieder um Abschiede. Besonders hart muss es die Jünger Jesu getroffen haben, als Jesus ihnen erklärte, dass er sie verlassen und zu seinem Vater im Himmel zurückgehen müsse. Und weil es so war, widmete Jesus ihnen im Johannesevangelium eine lange sehr seelsorgerliche Rede, die mit einem Gebet für seine Jünger endete.

Das große Thema „Abschied“ nimmt Jesus sehr ernst. Er weiß, wie es Menschen zumute ist, die verlassen werden und sich neu orientieren müssen. Er weiß um die Ängste, die dabei entstehen, vor allem dann, wenn der, der geht, bis dahin eine prägende Rolle gespielt hat. Er weiß, wie es uns geht, wenn vertraute Gewohnheiten aufgegeben werden müssen, wenn eingespielte und gut funktionierende Lebensformen aufgebrochen werden, wenn bisher verlässliche Partner plötzlich untreu werden, sowohl im persönlichen wie auch im politischen Bereich. Er weiß, wie es uns geht, wenn der Kinderglaube zerbricht und wenn in die Gemeinde Strömungen einziehen, die bisher nicht für möglich gehalten wurden. All das weiß er, und all das hat mit Abschied zu tun. Vertrautes geht verloren, Neues wirkt fremd und unwirtlich.

Was sagt Jesus in einer solchen Situation zu seinen Jüngern? In seiner großen Rede im Johannesevangelium zu diesem Thema fällt ein Satz besonders auf. In Johannes 14, Vers 1 sagt Jesus: „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Er lädt zu einem Perspektivwechsel ein. Er weiß, dass es den Jüngern regelrecht kalt geworden ist bei dem Gedanken, Jesus könne sie verlassen. Genau da setzt er ein und bittet sie, dem Erschrecken, der Angst um die eigene Zukunft nicht den Raum zu geben, den sie ihm gegeben haben. Und wie soll das geschehen? Indem sie nicht mehr auf sich schauen, sondern auf ihn, Jesus, und seinen Vater im Himmel. „Glaubt an Gott und glaubt an mich“, ruft er den verängstigten Jüngern zu. Mit Glauben meint Jesus: Ihr könnt weiter mit mir rechnen, es geht nur darum, dass Ihr mich weiter in Anspruch nehmt, auch wenn ich räumlich nicht mehr da bin.

Ich erinnere mich an eine Begegnung mit meinem Bruder, vor vielen Jahren in der Universitätsstadt Münster in einem Restaurant. Ich hatte dicke Probleme, die auch mit Fragen des Abschieds zu tun hatten. Während wir sprachen, sackte mir der Kopf immer wieder auf die Tischplatte. Mein Bruder fasste dann regelmäßig unter mein Kinn und zog meinen Kopf wieder nach oben. Er wollte mir sagen, dass es noch eine andere Perspektive gibt. Der Blick nach oben sollte mir den Himmel öffnen, den Blick auf Jesus.

So versuche ich mit den Abschieden ähnlich umzugehen, wie es mir mein Bruder sozusagen symbolisch gezeigt hat. Das fällt nicht immer leicht, aber es wirkt. Und wenn ich mich von Menschen verabschiede, am Telefon oder auch persönlich, dann sage ich gern: „Bleib behütet!“ Das ist mir lieber als das „Tschüss“, das zwar dasselbe sagt, aber für die meisten zur nichtssagenden Floskel geworden ist.

Autor: Pfarrer i. R. Hartmut Bärend

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Psalm 51,19

Auf dem Vorplatz des Kulturbahnhofs in Kassel steht das Kunstwerk "Man Walking to the Sky" von Jonathan Borofsky. Mann, der in den Himmel läuft. Es wurde im Jahr 1992 zur documenta 9 errichtet. Bei mir steht es auch schon seit Jahren als Miniaturausgabe im Bücherschrank. Es zeigt einen Mann, der auf einem schlanken Rohr nach oben steigt, immer weiter. Die Gefahr, abzustürzen ist immer gegeben, aber sie scheint den Menschen da auf dem Rohr nicht zu schrecken. In „blindem Fortschrittsoptimismus strebt der Mann gen Himmel, ohne sich um die Umstände seines Vorwärtsstürmens zu kümmern“, heißt es in einer Beschreibung des Werkes.

Erstaunlich, dass die Stadt Kassel dieses Kunstwerk solange ertragen hat, ja offenbar nach wie vor will. Es ist sogar zu einer Art Hoffnungssymbol geworden. Immer weiter, immer vorwärts, auf nach oben, das ist die Losung. Das ist der moderne Fortschrittsglaube, nicht nur in Kassel, sondern in weiten Teilen der Welt. Dass bei diesem Drive nach oben etliche runterfallen, nimmt dieser Optimismus billigend in Kauf. Dass viele gar nicht nach oben kommen und überhaupt unten bleiben müssen, ist kaum im Blick. Für Verlierer kann ein solches Symbol nur negativ und entmutigend wirken.

Die Welt, in der wir leben, ist geprägt von Leistungsdruck und Wachstumserwartungen. Fast jede Nachrichten-Sendung informiert uns über die Börsenwerte. Es soll immer weiter, immer höher gehen, auch dann, wenn der Höhepunkt des Wachstums vielleicht längst überschritten ist. Die Schere zwischen Reichtum und Armut geht immer mehr auf, ja, auch und gerade in Deutschland, unserem reich gewordenen Land. Projekte wie die Berliner Tafel passen da gar nicht, obwohl sie unverzichtbar geworden sind. Es sind eben nicht alle reich, deshalb muss für die gesorgt werden, die keinen Anschluss an den Wohlstand gefunden haben.

Aber viele andere werden einfach übersehen. Wer immer nach vorn und nach oben strebt, hat keinen Blick mehr für die, die unten sind. Wie anders ist die Perspektive, die Blickrichtung Gottes. Wie anders sieht er den Menschen! Er kennt die Gefahren des Reichtums, er weiß, dass äußerer Reichtum blenden und von Gott trennen kann. Gott ist nicht gegen den Reichtum, aber er sieht das Herz an. Die Botschaft Jesu ist tief geprägt von einem Gott, der für die Armen und Schwachen, für die Verachteten und Vergessenen da ist.

Wunderbar sehen wir das in einer Geschichte, die der Evangelist Johannes uns überliefert hat. Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Da wird er zu einem großen Fest erwartet. Aber davor hat er noch etwas anderes vor. Er hat erfahren, dass abseits von der Straße nach Jerusalem viele Menschen in Lagerhallen liegen, teilweise schon jahrelang. Sie sind krank, verkrüppelt und siechen dahin. Jesus lässt Fest Fest sein und macht einen Umweg. Genau dieses Krankenlager will er besuchen. Und kaum ist Jesus angekommen, da hört er von einem, der schon 38 Jahre lang daliegt, gelähmt, verachtet und vergessen. Nun geht es Jesus nur noch um diesen Mann. Für ihn hat er Zeit, um ihn kümmert er sich, ihn heilt er.

So ist Gott, das will uns die Geschichte in Johannes 6 sagen. Er ist nicht bei den Fortschrittsoptimisten, sondern bei denen, die unten sind. Die anderen brauchen ihn ja nicht. Das ist ein großer Trost für alle, die bei uns ständig übersehen werden. Gleichzeitig ist es eine stille Aufforderung an die unter uns, die Jesus ihr Leben übergeben haben. So wie Jesus selbst Menschen an seinem Wege nicht übersieht, so sollen auch wir die im Blick behalten, die nicht mitkommen können, und uns für sie einsetzen.

In einem Vers aus dem Liederbuch der Bibel, den Psalmen heißt es: „Ein geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten.“ Das also wusste damals sogar der große David, von dem der Bußpsalm 51 und damit auch dieser Vers 19 stammt. Er hatte es lernen müssen: Gott ist nicht bei den Hochmütigen, den Egoisten, die nur sich selber sehen. Nein, Gott ist bei dem, was klein und unscheinbar vor der Welt ist. Er ist aber auch bei denen, die zu ihm umkehren. David weiß: Mit äußeren Werten, mit Geld und Besitz braucht er Gott gar nicht zu kommen. Darum betet er, auch in diesem Psalm: „Schaffe in mir, Gott ein reines Herz.“ Der Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott sieht das Herz an.

Autor: Pfarrer i. R. Hartmut Bärend

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Johannes 15,16

Was trägt in unserem Leben? Was zählt, wenn alles wackelt?


 Fassungslos starrt Tom auf das Schreiben seiner Kündigung wegen Erfolglosigkeit. Seine ganze Energie hatte er für diesen Beruf eingesetzt, seine ganze Kraft und Zeit. Und jetzt das: Kündigung, Vertragsauflösung. Gut, die Abfindung stimmt. Aber er ist jetzt ohne Job und tief verletzt. Was zählt jetzt?

Oder Christine. Die Diagnose des Arztes muss sie erst verdauen. Plötzlich soll sie krank sein, wo doch Sport und Fitness ihr Leben bestimmten. Was jetzt?

Was für ein Vorrecht haben wir Christen, dass ein Satz Jesu unser Lebensmotto auszeichnet. Jesus spricht uns zu: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt“ (Johannes 15, Vers 16). „Ich habe euch erwählt!“ Das trägt. „Ich habe euch erwählt“ Das zählt. Es hängt nicht von mir ab. Nicht meine Leistung, nicht meine Fitness oder Gesundheit stehen als Erstes, sondern dass Jesus es mir zuspricht: Ich habe dich erwählt. Also nicht wir, nicht unser Wollen oder unser Wählen stehen im Vordergrund, sondern es ist die Wahl Jesu Christi, es ist die Wahl des lebendigen Gottes, die unser Leben auszeichnet.

Am Anfang des 15. Kapitels steht dieses wunderbare Bild, das Jesus uns vor Augen malt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben, wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht“ Im Herbst sehen wir es vor uns: Weinstöcke und Reben mit wunderbaren dicken, saftigen Trauben. Ein Bild für herrliches erfülltes Leben. Ein Bild der Freude und des Gelingens.

Aber wie ist es mit Tom oder mit Christine? Wie ist es mit uns, wenn unser Leben eben nicht so glatt, so herrlich verläuft? Gerade uns hat Jesus im Blick, wenn er sein „Ich bin der Weinstock“, spricht, oder wenn er sagt: „Ich habe euch erwählt!“ Das ist sein Geheimnis, dass er oft angeschlagene, verwundete, schwache Menschen anspricht und sie in seine Mannschaft stellt.

Und auch, was Frucht im Leben ist, sieht oft so anders aus. Er hat andere Maßstäbe. Erfolg ist oft anders. Aber da kann es sein, dass jemand geduldig zuhört, wenn ein anderer die Frustgeschichte seines Lebens erzählt. Es kann das Mitweinen, das Mitleiden in diesen Gesprächen sein. Es ist die Liebe, die wir weitergeben können, die Liebe, die hinweist auf Jesus Christus, der uns trägt.

Und so spricht er es jedem von uns heute zu: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt, dass ihr hingeht und Frucht bringt.“

Autor: Dekan Volker Teich

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

5. Mose 15,11

Schuldenerlass! Gibt es das? Bei Anton sind 20.000€ an Schulden aufgelaufen. Wie soll er das zurückgeben? Bei seinem kleinen Gehalt unmöglich. Schlaflose Nächte quälen ihn. Schweißgebadet wacht er auf und denkt über Wege nach. Doch wie soll das gehen? Gut, es gibt die Schuldnerberatung, die kann ihm ein Stück weit helfen. Eine Bekannte, die Elvira ist diesen Weg gegangen. Leicht war das nicht. Aber vielleicht kommt er dann mit der Zeit von seinen Schulden herunter. Eine harte Zeit des Sparens steht vor ihm.

Im alten Israel gab es Schuldenerlass. Es gab sogar das Erlassjahr. Alle 7 Jahre wurden alle Schulden erlassen und man konnte von neuem beginnen. So wollte es Gott. Es sollte in Israel keine Schuldsklaverei geben. Jeder Israelit ist ein freier Mann und eine freie Frau. Vorbildlich! Und bevor jemand sozial total abstürzt, sagt Gott zu jedem von seinem Volk: „Ich gebiete dir und sage, dass du deine Hand auftust deinem Bruder, der bedrängt und arm ist.“ (5. Mose 15, Vers 11). Ich gebiete dir! Ich befehle dir! So sagt es Gott mit äußerstem Nachdruck. Das soll die Grundgesinnung im Volk Israel sein, dass einer nach dem andern schaut und für ihn sorgt. So soll es in Israel sein: Es ist genug für alle da! Besitz ist anvertraut, ist ein Geschenk von Gott. Deshalb soll keiner auf seinen Schekel draufsitzen und sie wie Dagobert Duck horten und sammeln. Nein, den Bruder, die Schwester sehen, und die Hand auftun und weitergeben.

Ob dieses Erlassjahr wirklich geklappt hat? Ob alle 7 Jahre wirklich ein Neuanfang im Volke Gottes war, daran zweifeln viele Ausleger. Die Propheten zeigen, dass eben dieses Armenrecht nicht funktionierte. Arme, Witwen, Waisen, Fremdlinge wurden unterdrückt, während die Reichen des Volkes im Luxus schwelgten. Amos klagte dies an. Das Gebot Gottes war da. Das Recht Gottes gilt. Aber das Volk kümmerte sich nicht um dieses Recht.

Wir sind Christen, wir sind nicht das Volk Israel. Ein verordnetes Erlassjahr haben wir nicht. Was aber gilt bei uns? Gott will, dass wir großzügig leben. „Geben ist seliger als nehmen“. Unser himmlischer Vater beschenkt uns überreich: Jeden Tag dürfen wir uns an seiner Sonne freuen. Er schenkt uns das Leben und alles, was wir brauchen. Jeden Tag dürfen wir zu ihm kommen und er vergibt uns durch Jesus, seinen Sohn, unsere Schuld. Gott ist so unendlich großzügig zu uns. Und wir dürfen seine Kinder sein. Kinder eines großzügigen Vaters. Wir dürfen entdecken, wie er segnet, wenn wir geben. Jeden Tag leben wir von ihm. Und er gibt uns reichlich. Deshalb: nicht knausrig sein, Gott ist es auch nicht: Tu deine Hand auf deiner Schwester, deinem Bruder, die in Not sind und jetzt dich brauchen. Gib ihnen, gib ihnen mit der Gesinnung, dass die eine Hand nicht weiß, was die andere jetzt gibt. Das heißt, rechne nicht nach, was dir der andere wieder zurückgeben könnte. Sei einfach großzügig, und freu dich an deinem Vater im Himmel, der es so gut mit uns Menschenkindern meint.

Autor: Dekan Volker Teich

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Epheser 6,10

Manchmal kann man sich täuschen. Es war vor einigen Jahren. Wir bauten auf dem Campingplatz das große Versammlungszelt der Campingkirche auf. Einige junge Männer kamen, braungebrannt mit starken Muskeln an Oberschenkeln und Oberarmen. Es ging darum, die großen Heringe mit dem Vorschlaghammer zur Sicherung des Zeltes in die Erde zu klopfen. Die meisten der jungen Männer gaben recht schnell auf. Dann kam mein Vater, damals schon über 70 und etwas gebeugt. Er ließ es sich nicht nehmen, den Hammer in die Hand zu nehmen. Einen Hering nach dem anderen schlug er in die Erde, bis das ganze Zelt sicher stand.

Ich habe lange darüber nachgedacht: Warum hielt er durch und nicht die jungen Männer? Ich glaube, weil er ein Leben lang gewohnt war, auch körperlich hart zu arbeiten. Weil er die richtige Technik beherrschte und den Hammer mit viel Schwung auf die Heringe schlug. Und weil er zwischendurch immer wieder eine kurze Pause machte.

Für mich ist dies ein gutes Bild für die Herausforderungen unseres Lebens. Paulus fordert uns auf, stark zu sein im Herrn und in der Macht seiner Stärke. Mit dem Herrn meint er Jesus Christus. Es geht also darum, die Aufgaben nicht mit eigener Kraft und Stärke zu bewältigen, sondern mit der Kraft Gottes.

Konkret: Wenn eine neue Aufgabe auf mich wartet, dann will ich nicht einfach nur loslegen. Ich will mir vorher Zeit nehmen. Ich bitte Jesus: Steh Du mir bei. Führe mich. Schenke Du Gelingen. Gib mir die Unterstützung, die ich brauche. Ich vertraue Dir, dass Du mich führst und mir hilfst. Meine Erfahrung: Alle Zeit, die ich vorher im Gebet verbringe, kommt letztlich auch der Arbeit zugute. Dieses Gebet vor, manchmal auch während und nach der Arbeit, will ich mir zur Gewohnheit machen.

Wie beim Einschlagen der Heringe geht es aber manchmal auch um die richtige Technik. Deshalb: Ich will nicht nur die Arbeit verrichten, ich will auch lernen, sie auf eine gute Art und Weise zu verrichten. Egal, um welche Arbeit es geht, es lohnt sich immer, sein Handwerk gut zu lernen.

Und dann ist es wie beim Einschlagen der Zeltheringe gut, nicht einfach nur zu hetzen, sondern zwischen den Arbeitsgängen eine kleine Pause zum Durchatmen zu machen. Gerade die kurzen Pausen zwischen den einzelnen Arbeiten im Laufe eines Tages eignen sich sehr gut für ein kurzes Gebet, um in der Verbindung mit Jesus Christus zu bleiben.

Autor: Lothar Eisele

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Seiten