ERF Plus - Wort zum Tag

Spott und Armut

Im Jahr 2019 lebten 6,4 Millionen Menschen in Deutschland in überbelegten Wohnungen. 3,1 Millionen Erwerbstätige waren hierzulande von Armut bedroht. 2 Millionen Menschen in Deutschland konnten aus Geldmangel ihre Wohnung nicht angemessen heizen.

So einige Daten laut Statistischem Bundesamt.

Die Ursachen von Armut sind vielfältig. Denken Sie an Menschen, die arbeitslos sind oder nur eine geringfügige Beschäftigung haben. Das können Menschen sein, die mit Mühe und Not die Schule geschafft haben. Oder Menschen, die durch Krankheit oder Unfall ihre Arbeitskraft eingebüßt haben. Denken Sie auch an die vielen Rentner, die Mieterhöhungen kaum noch tragen können. In geringem Maß mag es auch die geben, die keine Lust zum Arbeiten haben.

Spott und Schadenfreude kann gewiss nicht nur Arme treffen. Wie oft kommt es vor, dass sich jemand für einen anderen mal so richtig einen Schuss vor den Bug wünscht. „Dem oder der sollte es mal so gehen wie mir. Dann wird er schon sehen, was das bedeutet.“

Thomas Middelhoff, einst ein Top-Manager sagte: Meine Gier hat mich in den Abgrund geführt. Also auch ein Millionär ist nicht vor Armut geschützt.

Wieviel Spott er wohl von anderen erfahren hat?  „Endlich trifft es mal einen von da oben“ - so haben vielleicht manche gedacht oder gesagt. Im Gefängnis kam er zur Besinnung. Er sagte (Zitat): „Die Erkenntnis, dass Gott mir etwas zeigen wollte und seine Hände dabei schützend unter mir gehalten hat, das hat den Glauben in mir stärker werden lassen.“ (Quelle FOCUS Money online)

Manchmal werden auch Christen wegen ihrer Armut verspottet. Das sind Vertreter des sogenannten Wohlstandsevangeliums. So sagte der Leiter einer Gemeinde: „Man verunehrt Gott, wenn man ein rostiges Auto fährt.“

Ein anderer schrieb: „die verfolgten Christen in Russland seien Opfer ihrer eigenen, nicht ausgelebten Glaubensüberzeugung, weil sie diese Gesetze des Glaubens, die Gesundheit und Erfolg garantieren, nicht angewendet hätten.“ Auf die Spitze treibt es ein südkoreanischer Pastor mit diesem Zitat: „Wohlstand und Erfolg sind der sichtbare Beweis für Gottes Wohlgefallen.“  Natürlich finden sie dazu auch Bibelstellen, die ihre Ansichten unterstützen. Werden hier nicht Millionen von treuen Christen verspottet?

Ganz anders spricht Salomo in den Sprüchen. Im Kapitel 17, Vers 5, steht: „Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer; und wer sich über eines andern Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben.“

Wen preist Jesus, der Sohn Gottes, Jahrhunderte später glückselig?: Selig sind die geistlich arm sind, denn ihnen gehört das Himmelreich.

Geistlich arm sind die, die wissen, dass sie Gott nichts vorweisen können. Das sind die, die wissen, dass sie aus eigener Kraft nichts tun können. Es sind die, die wissen: in all meinem Tun bin ich auf Jesus Christus angewiesen.

Was steckt hinter so einer Haltung, einen Armen zu verspotten? Meiner Ansicht nach ist es Hochmut. Und dem Hochmütigen wird Gott widerstehen. So wie er den, der schadenfroh ist, nicht ungestraft lässt. Schadenfreude ist eben nicht die reinste Freude, es ist die gemeinste Freude.

Armut wird wohl nie abgeschafft werden. Aber anstatt die Armen zu verspotten und damit Gott zu verhöhnen, gilt es zu helfen. Anstatt schadenfroh zu sein, gilt es, mit anderen mitzufühlen.  Und barmherzig zu sein, dazu sind besonders die aufgerufen, die Jesus Christus nachfolgen.

Autor: Joachim Seule

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Lebensfördernde Leitung

Wie leitet man ein Volk,-eine Regierung, eine Fraktion? Wie leitet man eine Firma, einen Vorstand, eine Projektgruppe? Wie leitet man eine Gemeinde, einen Ältestenkreis, eine Kinder-, Jugend- oder Seniorengruppe? Wie leitet man eine Familie?

Überall in unserem Leben geht es um Leitung. Ohne Leitung zerfließt Wertvolles nutzlos im irgendwo. Wenn Leitung aber so wichtig und wesentlich ist, dann muss es doch Kriterien geben, die Leitung lebensförderlich oder lebenszerstörend werden lassen. In der Bibel wird dafür häufig ein damals bekanntes Bild verwendet. Der Hirte bei seinen Schafen. Vielen ist dieses Bild fremd geworden, weil kaum noch zu sehen. Gerade deshalb kann es hilfreich sein, dieses alte Bild neu anzuschauen. Wie leitet denn ein Hirte seine Herde? Und welche Prinzipien könnten dabei auch für uns heute in den verschiedensten Bereichen des Lebens hilfreich sein?

Ein Hirte übernimmt Verantwortung. Ein Hirte treibt nicht die Schafe, sondern führt sie. Er hat einen Blick sowohl für die ganze Herde als auch für das einzelne Schaf. Wesentliche Kennzeichen einer Hirtenart sind: Fürsorge, Wertschätzung, Ermutigung und Ermahnung. Der Hirte erkennt Not und packt sie an. Er kennt den Weg und weiß, wie und wo es den Schafen gut geht. Dorthin führt er sie. Könnten diese Wesensmerkmale nicht auch gute Prinzipien für die Aufgabe einer gesunden, lebensfördernden Leitung in den verschiedensten Bereichen sein? Schafft eine solche Art der Leitung nicht eine Atmosphäre der Zuversicht, des Vertrauens und der Hoffnung?

Stecken und Stab waren für einen Hirten damals die Grundausrüstung. Der lange Stecken, um sich selbst zu stützen und Tiere zu leiten. Und der kurze Stab. Der hatte zwei Bedeutungen. Einmal als Waffe, als Stock (ähnlich einem Knüppel) zur Verteidigung und zum anderen als Mandatszeichen. Auch Könige Im Alten Testament wurden häufig als Hirten des Volkes bezeichnet. Ein König, hatte als Zeichen seiner Autorität ein "Zepter". Dies war das sichtbare Zeichen des verliehenen Mandats. Damit wurde deutlich – auch jeder König hat nur eine verliehene Autorität. Und seine Herrschaft, also sein Leiten und Führen, hat den Sinn, dass es dem Volk gut geht.

Im Buch des Propheten Micha in Kapitel 7 Vers 14 heißt es: „Weide dein Volk mit deinem Stabe“. Gott wird verglichen mit einem Hirten, der sein Volk Israel leiten und führen soll. Der Stab macht deutlich: Ich bin der Herr, ich schütze, ich leite euch und ich bleibe euch mit meinem Segen zugewandt.

Der Prophet Micha kommt im letzten Kapitel seines Buches geradezu ins Schwärmen über seinen Gott. Es ist, als wenn er dem Volk neu vor Augen stellen wollte, wie treu, wie wertschätzend, wie fürsorglich, wie erbarmend Gott sich um sein Volk kümmert. Und das, obwohl das Volk widerspenstig und Gott gegenüber ungehorsam ist. Das Volk vergisst seinen Gott und geht eigene Wege. Und trotzdem bleibt Gott treu. Und trotzdem führt und leitet Gott sein Volk. Micha kann nur staunen darüber: „Wo ist solch ein Gott, wie du bist!“

Übrigens: So führt Gott seine Kinder bis heute. Könnte sein Wesen nicht auch Vorbild für Ihre Leitungsaufgabe heute sein?

Autor: Friedhelm Geiß

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Das Pluszeichen vor dem Tag

Wie starten Sie in einen neuen Tag? Es ist grausam genug, wenn das Klingeln des Weckers mich aus dem Schlaf reißt. Manche können dann gleich voll denken, andere brauchen erst einige Zeit, bis sich der Kreislauf und das Denken auf „wach“ einstellt. Wie dem auch sei – was sind Ihre ersten Gedanken am Morgen? Bei mir ist es häufig so, dass sich gleich viele Fragen, Aufgaben, Herausforderungen des Tages in meinen Gedanken vordrängen. Und damit auch Sorgen und Ängste. Aber sind solche Gedanken nicht wie ein Negativ-Vorzeichen vor meinem Denken, Fühlen und Handeln an diesem Tag?

In Psalm 147 Vers 1 finden Sie dazu ein ganz anderes Vorzeichen: „Lobe den Herrn! Denn unseren Gott loben, das ist ein köstlich Ding.“

Gott loben könnte wie ein Pluszeichen vor dem Tag sein. Lobe den Herrn – könnte meinen: Schau nicht auf das, was dich gleich wieder fesselt und beschäftigen wird, sondern schau auf den, der dich und deinen Tag kennt.

Gott loben – was heißt das eigentlich?

Gott loben schafft eine Blickänderung. Loben richtet den Blick weg von mir und meinen Umständen hin auf ihn. Auf Gott, dessen Möglichkeiten weitaus größer sind als meine Fähigkeiten. Und das macht mich unabhängiger von Menschen, Meinungen und Material. Gotteslob relativiert mein Leben. Relativieren bedeutet eine Sache in einen neuen Bezug setzen. Im Lob Gottes setze ich meine Probleme, Nöte und Schwierigkeiten in den Bezug der Möglichkeiten Gottes. Das gibt mir eine neue Sicht und lässt mich zuversichtlich in den Tag gehen. Und wenn etwas schiefgeht und mir mein Atem stockt, dann denke ich an den Psalmdichter David, der zu sich selbst sagte: „Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan!“ (Psalm 103,2). Das Wort Seele meint im Hebräischen auch Kehle, Atem, Hals. Könnte bedeuten: Gerade wenn mir die Kehle zugeschnürt ist oder mir etwas in die falsche Kehle gerutscht ist, mir das Wasser bis zum Hals steht, mein Atem stockt und ich mit mir selbst beschäftigt bin. Gerade dann ist diese Blickänderung angesagt: „Lobe den Herrn meine zugeschnürte Kehle, lobe den Herrn, mein dicker Hals. Lobe den Herrn, mein heißer Atem. Lobe den Herrn. Du bist es doch, der mein Leben trägt und erhält. Und wenn du mir heute die Tür öffnest, dann gestaltest du auch den Raum, in den ich jetzt gehe.“

Aber auch dies klingt dabei an: "Lob sei dir auch unter Tränen, Lob sei dir, der dennoch liebt. Stille unseres Herzens Sehnen und erfreu, was noch betrübt. Lass dein Kreuz noch leuchtend stehen, mitten in der wirren Welt. Siegend lass dein Banner wehen, Christus, Heiland, Herr und Held."

Das überzeugendste Gotteslob kommt nicht von der Bühne, sondern von Menschen, die in großem Leid stehen und die in ihren Ängsten und Verzagtheiten Blickwechsel wagen und zitternd beten: „Wenn ich auch gar nichts fühle von deiner Macht, du bringst mich doch zum Ziel auch durch die Nacht.“

Ja, Gott loben ist wirklich ein „köstlich Ding“ – eine Kostbarkeit, die mir guttut und mich zuversichtlich leben und verwegen glauben lässt. Auch heute und deshalb setze ich gerne dieses Pluszeichen vor meinen Tag.

Autor: Friedhelm Geiß

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Gott erhört Gebete, weil er uns liebt

Wie geht es Ihnen, wenn Sie erfahren, dass jemand aus Ihrer Familie einen Gehirntumor hat? Bekannte von mir haben einen Sohn. Der war 17. Schon seit Jahren hatte er Probleme mit Kopfschmerzen. „Ihm macht halt die Schule zu schaffen“, hieß es. Migräne, vielleicht stellt er sich auch nur so an oder versucht sich zu drücken?? Aber irgendwann wurde es einfach zu schlimm. Die Ärzte ließen ein CT machen – und da war die Diagnose: Gehirntumor.

Als ich davon hörte, war ich wie gelähmt. Es war zu schrecklich, als dass es in mein Herz wollte. Die Eltern haben gebetet, immer und immer wieder: „Gott  k a n n  ein Wunder tun! Wir wollen daran glauben und festhalten, dass unser Sohn gesund wird!“ Darf man um so etwas überhaupt bitten? Oder ist das zu vermessen? Wie geht es mir mit den Bitten, die ich zu Gott schicke? Rechne ich damit, dass Gott sie erfüllt? Oder drücke ich damit nur meine Verzweiflung aus über das, was mich gerade belastet?

Jesus selbst sagt: Wer bittet, empfängt; wer sucht, der findet; wer anklopft, dem wird aufgetan.“ Und er erklärt es so: Wenn nachts ein Freund an eurer Tür klingelt und braucht dringend Brot, dann gebt ihr es ihm doch. Und erst recht, wenn ein Sohn seinen Vater um etwas bittet. Dann wird der Vater es ihm doch geben, wenn es ihm möglich ist. Weil Gott im Himmel euer Vater ist und ihr seine Kinder, darum sollt und dürft ihr Gott um alles bitten. Und er wird es euch auch geben.

Ja, wir sollen Gott bitten, ausdrücklich. Auch ich bitte Gott oft um Dinge, die mir auf dem Herzen liegen. Und ich erlebe es – immer wieder –, dass Gott meine Gebete erhört.
Aber ich habe Gott auch schon Wünsche vorgetragen und erlebt, dass sie nicht erfüllt werden. Wie gehe ich damit um?

Mir wurde klar: Gebet ist keine Leistung, mit der ich mir die Erfüllung meines Wunsches erarbeiten kann. Auch wenn ich noch so viel bete, habe ich doch keinen Anspruch auf Erhörung des Gebets. Aber wenn ich Gott immer und immer wieder um etwas bitte, dann rührt es sein Vaterherz an. So wie es mich berührt, wenn meine Kinder mich immer und immer wieder um etwas bitten.
Dass Gott mein Gebet erhört, beruht auf seiner Gnade und seiner Liebe zu mir. Es ist Gottes Geschenk an mich.

Was ist aus dem Sohn der Bekannten geworden, von dem ich anfangs erzählt habe?
Die Familie hat unendlich viel gebetet. Und viele Menschen haben mitgebetet. Es hat Jahre gedauert – aber Gott hat wirklich Heilung geschenkt.

Der Tumor hat sich in einer Weise verkleinert, wie die Ärzte es sich medizinisch nicht erklären konnten. Der Junge hat die Schule und eine Ausbildung abgeschlossen und kann heute in seinem Beruf für sich selbst sorgen.

Gott hat auf die vielen Gebete gehört und Heilung gegeben. Das ist Geschenk und Gnade und Zeichen seiner Liebe. Dafür danke ich Gott auch heute noch und immer wieder.

Autor: Dorothee Döbler

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Wenn kein Ausweg mehr scheint

Das Telefon klingelt. Florian ist dran. „Ich muss euch was sagen: der Papa ist tot. Er ist mit seinem Auto gegen einen Baum gefahren. Extra.“ Wir sind fassungslos. Dietmar – immer gut gelaunt, charmant, unternehmungslustig - und jetzt das? Wir kennen ihn schon seit Jahrzehnten, sind auch mal mit ihm und seiner Familie in Urlaub gefahren. Aber dann ging seine Ehe auseinander. Jetzt war er nicht mehr unternehmungslustig. Jetzt wurde er ruhelos. Immer auf der Suche nach einem Kick. Immer musste es etwas Besonderes sein.

Einmal fragte er uns nach Geld. Aber die Geschichte, die er uns auftischte, war so an den Haaren herbeigezogen, dass er schnell zugeben musste, dass er gelogen hatte. Den wirklichen Grund, warum er Geld brauchte, wollte er uns nicht verraten. Unser Kontakt verlor sich. Und jetzt diese Nachricht … Nach und nach kam immer mehr ans Licht, erzählte uns sein Sohn. Er hatte immense Schulden angehäuft, Frauengeschichten, fragwürdige Geschäfte.

Und dann wurde er so krank, dass er schon seit ein paar Monaten nicht mehr arbeiten konnte. So viel lag auf seinen Schultern. Und er hatte keinen, dem er sich anvertrauen wollte. Er war doch immer der Starke gewesen. Konnte er diese ganzen Fehler zugeben? Als Ausweg sah er nur den Selbstmord ….

„Aber er glaubte doch an Gott!“ sagte sein Sohn. „Er weiß doch, dass das eine schlimme Sünde ist, sich selbst das Leben zu nehmen!“

Unser Freund hat sich wirklich viele Schulden aufgeladen. Solche, die man mit einem Geldbetrag benennen kann. Und auch solche, wo er an Menschen schuldig geworden ist, wo er andere verletzt hat. So viele Schulden, dass der Rest seines Lebens nicht mehr gereicht hätte, sie zu begleichen, sie wieder gut zu machen.

Was ist, wenn man seine Schulden nicht mehr loswerden kann?

Der Apostel Paulus schreibt in einem Brief: Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

Wir Menschen können uns weiß Gott so in unserer Schuld verstricken, dass wir nicht mehr ein noch aus wissen. Gott bietet einen Ausweg an. Er sagt: Genau dafür ist Jesus gestorben. Stellvertretend für dich. Wenn du an ihn glaubst, dann kannst du all das, was du angerichtet hast, bei ihm abladen. Jesus hat die Strafe auf sich genommen, die du eigentlich hättest tragen müssen. Dadurch kannst du aber jetzt frei sein. Du darfst leben!

Ja, unser Freund hat an Gott geglaubt. Aber manchmal braucht man auch als Christ einen Menschen, der einem diesen Trost von Gott zuspricht. Es hätte einen Ausweg gegeben, auch für ihn. Jetzt ist es anders gekommen. Er hat die Chance verpasst zu erfahren, dass sein Leben mit Gottes Hilfe wieder hätte gut werden können. Aber ich bin sicher: Gott hat unseren Freund erwartet. Und da, wo er jetzt ist, wird er den Frieden haben, den er in diesem Leben nicht mehr bekommen konnte.

Autor: Dorothee Döbler

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„Ich wünsch’ Dir Gottes Segen!“

Amtsübergabe im Landwirtschaftsministerium. Julia Klöckner gibt ihrem Nachfolger, dem „lieben Cem“, einige Ratschläge mit auf den Weg und: „Ich wünsch’ Dir alles Gute. Ich wünsch’ Dir Gottes Segen. Ich wünsch’ Dir Freude“. Als kleines Geschenk ein Gutschein für das schwäbische Spätzlerestaurant gegenüber dem Ministerium und ein persönlicher Brief auf dem Schreibtisch. So geht ein Machtwechsel in der Demokratie.

Aber abgesehen davon, dass man dem Nachfolger Erfolg gönnt und alles Gute wünscht - „Gottes Segen“ zu wünschen ist heute ja keine Selbstverständlichkeit mehr. Und wer das als Politiker so öffentlich sagt, für den ist es vielleicht nicht nur Floskel.

Da ertappe ich mich schon eher. Ich bewege mich beruflich in einem christlichen Umfeld. Da wünscht man sich schnell mal am Ende einer E-Mail und erst recht einer Geburtstagskarte „Gottes Segen“. Gehört sich ja so. Man will schließlich etwas Bedeutungsvolleres schreiben als immer nur „Liebe Grüße“. Einfach nur „alles Gute“ wäre auch banal. Man ist ja schließlich Christ.

Wenn Paulus Briefe schrieb, wünschte er auch Gottes Segen. Und er schreibt das nicht nur als Floskel, sondern erklärt ausführlich, was er damit meint. So endet z.B. der Brief an die Epheser mit den Worten: „Friede sei mit den Brüdern und Schwestern und Liebe mit Glauben von Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Die Gnade sei mit allen, die unsern Herrn Jesus Christus lieben – in Unvergänglichkeit“ – Wow! Das ist mal ein Briefschluss! Und Paulus hat den Brief auch mit dem Segen Gottes begonnen: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus“ – Eph 1,3 – der Herrnhuter Lehrtext für heute.

Wenn eine Ministerin ihr Amt an den Nachfolger übergibt und ihm dabei Gottes Segen wünscht, dann wünscht sie ihm vermutlich Gottes Beistand für seine Regierungsaufgaben. So ähnlich wie ein Minister beim Amtseid sagen kann „so wahr mir Gott helfe“. Das finde ich gut, wenn jemand damit zum Ausdruck bringt: „Ich weiß, es gibt da eine Instanz über mir.“ Wenn ich unter eine Geburtstagskarte „Gottes Segen“ schreibe, wünsche ich dem Betreffenden, dass Gott ihm im nächsten Lebensjahr Gutes tun möge, ihn begleiten möge, seine Arbeit gelingen lassen möge oder ähnliches.

Aber was ist denn, wenn das nicht passiert? Wenn die betreffende Person am Tag nach dem Geburtstag einen schweren Verkehrsunfall hat oder vom Arzt eine erschütternde Diagnose bekommt?

Was Paulus meint, geht noch viel tiefer. Ihm geht es um den „geistlichen Segen im Himmel durch Christus“. Gott hat uns durch Christus gesegnet – und zwar genau in dem Augenblick, als Christus verflucht am Kreuz hing. Verlassen von Gott. Verflucht von Gott – weil Christus den Fluch trug, der auf der Welt und der Menschheit lag. Hier werden alle religiösen Vorstellungen von Segen auf den Kopf gestellt. In jeder Religion bedeutet Segen die Gunst, die Nähe, vor allem die Wohltaten Gottes (oder der Götter).

Am Kreuz dreht sich alles um. Der Verfluchte wird der am meisten Gesegnete. Und in ihm werden wir gesegnet. Dieser Segen bedeutet nicht, dass Gott mir Gelingen schenkt bei allem, was ich tue. Dass das Leben rund läuft und ich irgendwann alt und lebenssatt sterbe. Dieser Segen bedeutet, dass Gott, der Vater mir Christus schenkt. Ich bekomme keine Garantie, dass alles glatt läuft. Jesus gibt seinen Gefolgsleuten nur eine Garantie: „Ich bin bei euch.“

„Ich wünsche Dir Gottes Segen“ heißt also etwas ganz anderes – und viel mehr, als ich auf den meisten Geburtstagskarten damit meine. Es heißt viel mehr als „möge Gott Dir helfen“. Segen heißt für Paulus: „Glauben von Gott, dem Vater und unvergängliche Gnade“, es heißt Jesus zu lieben und von ihm geliebt zu sein.

Dieser Wunsch wird nicht enttäuscht, wenn alles anders kommt, als erhofft. Wenn ich das nächste Mal „Gottes Segen“ unter eine Geburtstagskarte schreibe, meine ich das in diesem Sinne.

Autor: Uwe Bertelmann

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Einmütig streiten

Loriot at its best! Hans Peter Korff und Irm Herrmann spielen in „Pappa ante Portas“ Onkel Hellmuth und Tante Hedwig – ein absolut harmonisches Ehepaar, das sich nie streitet. Immer harmonisch. Immer eines Sinnes. Einmalig, eben Loriot. Aber dann macht der sichtlich angetrunkene Bürgermeister auf der Geburtstagsfeier von Hellmuths Mutter Hedwig unsittliche Avancen, und so kommt es zwischen Hellmuth und Hedwig zu einer Meinungsverschiedenheit. Zum ersten Mal in ihrer Ehe! „Ich glaube, der Bürgermeister wollte mir nur eine Freude machen“ – „Ich bin dieser Meinung nicht, und ich möchte dich daran erinnern, dass wir niemals verschiedener Meinung sind“. „Dann möchte ich Dir empfehlen, dich meiner Meinung anzuschließen“ … es endet, wie könnte es anders sei, im Desaster.

Eine überspitzte Karikatur. Beziehungen, in denen es keine Konflikte gibt – keine geben darf! Äußerliche, oberflächliche, geheuchelte Harmonie. Die funktioniert nur, weil alles unter den Teppich gekehrt wird. In einer Ehe bedeutet das meistens, dass ein Partner gelernt hat, alles herunterzuschlucken. Mindestens so ausgeprägt wie in manchen Ehen habe ich das in christlichen Gemeinden erlebt. Als junger Pastor hat mir mal ein junger Mann gesagt: „Ich bin so erzogen worden, dass ich das, was der Pastor auf der Kanzel sagt, nicht hinterfragen darf.“ Ich dachte: „Da gehst Du nie wieder hoch!“.

Ein anderes Mal hatte ich in einer Predigt eine gute „Streitkultur“ angemahnt. Darauf sprach mich ein älterer Bruder – sogar aus dem Vorstand – an: Das könne man doch so nicht sagen. Christen sollten sich doch nicht streiten. Und er zitierte (bibelfest, wie er war, natürlich auswendig) Römer 15,5-6, der heute als neutestamentlicher Text im Losungsheft steht: „Der Gott der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht, damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt.“

Wenn wir alle denselben Heiligen Geist haben – müssen wir dann nicht alle von Gott dieselbe Erkenntnis geschenkt bekommen und folglich einer Meinung sein? Wie kann es sein, dass der Geist Gottes dem einen dies und dem anderen das Gegenteil zeigt? Sollen wir daher nicht „einmütig“ sein? Wenn man die Briefe des Paulus liest, merkt man: Es gibt wohl kaum etwas, das weiter von Paulus entfernt wäre als eine geheuchelte Harmonie à la Onkel Hellmuth und Tante Hedwig.

Was dann? Munter aufeinander einschlagen? Um das zu veranschaulichen, würde Loriot heute ein Blick in ein durchschnittliches Facebook-Profil reichen. Da verlieren auch Christen bisweilen jede Hemmschwelle im Umgang miteinander. Gepostet ist schnell etwas, was man dem Betreffenden direkt nie sagen würde.

Was denn dann? – Paulus fordert das Gegenteil von beidem: Es geht bei der „Einmütigkeit“ darum, wie Juden und Nichtjuden gemeinsam Gottesdienst und Abendmahl feiern und eine Gemeinde bilden können. Die einen fühlen sich an die jüdischen Speise- und Reinheitsvorschriften gebunden, die anderen nicht. Mit Menschen, die sich an diese Vorschriften nicht halten, durften fromme Juden nicht zusammen essen.

Paulus sagt in diesem Zusammenhang zwei spannende Dinge: 1. Jeder soll das so handhaben, wie er möchte und darf bei seiner Meinung bleiben. Das heißt: Es gibt mehrere mögliche und richtige Sichtweisen – je nach Situation. 2. Nehmt euch ein Vorbild an Jesus. Er hat nicht auf seine Freiheit gepocht und sein Ding durchgedrückt – sondern: Was braucht der andere? Was hilft ihm oder ihr?

Das ist der dritte Weg, zwischen geheuchelter Harmonie und aufeinander eindreschen. Ich akzeptiere, dass der andere eine andere Meinung haben darf. Wenn nötig, werde ich meine Meinung vertreten. Und, ja, das darf auch mal emotional werden. Man schaue sich Jesus an, wie er den Tempel reinigt … - aber immer will ich mir ein Beispiel an Jesus nehmen. Dann will ich nicht die Diskussion oder den Streit gewinnen, sondern meinen Diskussionspartner. Und den anderen höher achten als mich selbst.

Mein Gebet für den Tag heute ist, dass mir das heute gelingt.

Autor: Uwe Bertelmann

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Welch ein Gott!

Menschen haben unterschiedliche Vorstellungen von Gott. Es lohnt sich, sich von den eigenen Vorstellungen zu lösen und ihn kennenzulernen, wie er ist. Jeremia, der Prophet, kannte den lebendigen Gott. Und er hat immer wieder gegen die Götzen gewettert. Für ihn und für Gott waren sie nur ein Hauch, so vergänglich wie nur etwas. Keiner braucht sie ernst zu nehmen. Sie sind „wie eine Vogelscheuche im Gurkenfeld“, so der Spott des Propheten. Man braucht sie nicht zu fürchten, denn sie tun nichts Böses und Gutes tun können sie auch nicht.

Israels Gott dagegen ist völlig anders. Hier bei Jeremia heißt es in der Losung für heute: (Jeremia 10,10) Aber der HERR ist in Wahrheit Gott. Er ist der lebendige Gott und ein ewiger König.

Im Gegensatz zu den Götzen, die herumgetragen werden müssen, ist er der lebendige Gott, ein ewiger König, in Wahrheit Gott. Er ist nicht darauf angewiesen, getragen zu werden. Er will uns tragen und für uns da sein. Und er kann tatsächlich etwas bewirken.

Was heißt das für uns? Für uns ist Gott sicher keine Vogelscheuche im Gurkenfeld. Aber nehmen wir ihn ernst? Wir haben es mit dem lebendigen Gott zu tun, der in Wahrheit Gott ist. Er hat alles für die Erlösung von uns Menschen getan. Darüber können wir nur staunen. Er ist es wert, dass wir ihn ehren, ganz für ihn da sind. Ich möchte mir ganz neu vor Augen führen, wer er ist und was er für mich getan hat und was er immer noch tun will. Staunen wir doch mal wieder über seine Gnade und Barmherzigkeit und danken wir ihm dafür.

Denn er hat auch eine andere, meist unbeachtete Seite. So heißt es nämlich bei Jeremia weiter: Vor seinem Grimm erbebt die Erde, und seinen Zorn können die Nationen nicht ertragen.

Da ist es gut, diesen Gott kennenzulernen, der in Wahrheit Gott ist. Er ist bei uns im Alltag, in allen Situationen. Aber er ist auch ernst zu nehmen. Wir wollen uns nicht seinen Zorn zuziehen, indem wir ihn geringachten. Er ist nicht ein harmloser lieber Gott, sondern der lebendige Gott, der uns trotz allem liebt. Lernen wir ihn durch sein Wort und unsere Gebete immer besser kennen. Rechnen wir zuversichtlich mit seiner Macht und seinem Eingreifen. Er wartet auf unsere Gebete gerade jetzt. Das mag vielen nicht passen. Aber das soll uns nicht irritieren.

Autor: Pfarrerin Dagmar Rohrbach

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Nicht abbringen lassen

Achtung, Gefahr in Verzug! Heute wird man ja vor verschiedene Betrugsmaschen gewarnt. Wer möchte da nicht alles unsere Leichtgläubigkeit ausnutzen! Aber es gibt auch Irreführung, die zwar gut gemeint ist, aber genauso schädlich ist.

Ein Beispiel dafür finden wir im Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Kolossä. Paulus schildert den Christen dort zuerst noch einmal die großartige Tat Gottes. Gott hat die Christen mit Jesus lebendig gemacht, ihre Schuld vergeben, sie allen finsteren Mächten entrissen. Eine völlig neue Existenz war ihnen gegeben, als sie zum Glauben an Jesus gekommen waren. Welch eine Freude!

Wenn ein Mensch zum lebendigen Glauben kommt, geschieht es, dass er kritisiert wird. Die einen sagen etwa: „Du übertreibst es. Ein bisschen Religiosität ist doch genug.“ Aber damals traten Kritiker auf, die sagten: „Der Glaube an Jesus ist ja schön und gut. Das aber ist nicht genug. Ihr müsst euch anstrengen und mehr tun, bessere Christen zu werden.“ Dazu gehörten alle möglichen Vorschriften: Was man essen dürfte und was nicht, welche besonderen Tage man beachten müsste usw. Paulus warnt ganz krass davor: Kolosser 2,18 "Niemand soll euch das Heil absprechen, der sich in unechter Demut und Engelverehrung gefällt und das mit irgendwelchen visionären Erlebnissen begründet. Solche Menschen blähen sich grundlos auf in ihrer rein irdischen Gesinnung, statt sich an Christus zu halten."

Es steht viel auf dem Spiel. Die Kritiker verhelfen nicht zu einem besseren Christsein, sondern sie bringen die vom Glauben ab, die auf sie hören. Diese Vorschriften klingen vielleicht einleuchtend. Aber sie sind der Versuch, Gott aus eigener Kraft gefallen zu wollen. Das hat mit dem neuen Leben aus Jesus jegliche Bedeutung verloren. Solch Versuch ist nur ein Schatten dessen, was jetzt da ist. Ist es so schwer, einfach auf die liebevolle Gnade Gottes in Jesus zu vertrauen? „Es ist vollbracht“, hat Jesus am Kreuz ausgerufen. Da gibt es nichts mehr zu ergänzen. Wer trotzdem auf solche Regeln beharrt, kommt nicht im Namen Jesu. Er folgt seinen eigenen Vorstellungen, auch wenn er angibt, besondere Erfahrungen mit dem Überirdischen gemacht zu haben. Der Dank an Jesus darf nicht zur frommen Leistung werden. Wie kann man die Gefahr erkennen? Rechnen Sie mit Verführung. Prüfen Sie Forderungen, die an Sie herangetragen werden. Fragen Sie Jesus, bis Sie Gewissheit haben. Lassen Sie nichts zwischen sich und Jesus kommen. Nichts darf wichtiger werden als er.

Autor: Pfarrerin Dagmar Rohrbach

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Das geht doch auf keine Kuhhaut!

„Das geht doch auf keine Kuhhaut!“ Sicherlich kennen Sie diese Redensart.

Wenn uns mal wieder die Hutschnur hochgeht. Den Ursprung für diese Redeweise finden wir im Mittelalter. Und zwar in einer Epoche, als man für Schreibarbeiten „Pergament“ benutzte. Pergament wird aus Tierhäuten gewonnen – beispielsweise von Schweinen oder Schafen. Benötigte man ein besonders großes Schreibformat, dann benutzte man die Kuhhaut. Dieses Großformat gebrauchten übereifrige Bußprediger gerne als einen Vergleich.

Sie malten den Leuten bildhaft vor Augen, wie der Teufel kleinlich und unbarmherzig all ihre Sünden notieren würde.

Und die Vielzahl ihrer Verfehlungen passen am Ende „auf keine Kuhhaut mehr“.  Das ist auch für uns heute keine schöne Vorstellung, oder?

Wer hat es schon gerne, dass all seine Verfehlungen bloßgestellt werden.

Niemand steht bereitwillig öffentlich am Pranger. Wir Menschen können sehr kreativ sein, wenn es darum geht, eigene Sünden zu verschleiern.

Oder alles wird „verharmlost“. Zum Beispiel: Andere betrügen das Finanzamt mit viel größeren Summen.  Gerne suchen wir auch andere Sündenböcke. So war es schon im Paradies bei Adam: „Die Eva war’s“. Dann Eva: „Nein, die Schlange war’s.“

In dem Bibelwort geht es um Sünden, die sich im Verborgenen abspielen. In Psalm 19, Vers 13 heißt es: „Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir die verborgenen Sünden!“

Hier betrachtet der Beter noch viel gewissenhafter sein Leben. Er weiß um seine fiesen Gedanken, um sein verbittertes Herz. Aber ins Herz kann niemand von außen hereinschauen. Ja, ich kann meinen Nachbarn freundlich aus dem Auto grüßen, hege aber im Herzen gegen ihn einen riesigen Groll.

Ich kann den Kollegen zu seiner Beförderung mit salbungsreichen Worten gratulieren, bin aber im Inneren zerfressen vor Neid. Vielleicht kommen Ihnen noch andere Dinge in den Sinn.

Der Beter von Psalm 19 bringt das ungeschminkt zur Sprache. Er kennt die verborgenen Abwege seines Herzens. Und er weiß, dass Gott ihn durchschaut. Aber er kennt auch die richtige Adresse für seine verborgene Schuld: „Ich darf Gott um Verzeihung bitten!“ Das gilt damals wie heute.

Auch wenn meine verborgenen Sünden „auf keine Kuhhaut passen“, bei Jesus finde ich eine offene Türe. Bei ihm darf ich meine Schuld abladen. Gott sei Dank!

Autor: Pfarrer Rainer Heuschneider

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Worauf du dich verlassen kannst …

„Wir kommen am Montagmorgen um 07.00 Uhr.  Sie können sich auf uns verlassen“, so der Chef.  Die Wohnungseigentümer bereiten am Wochenende alles eifrig vor, damit die Renovierung zügig beginnen kann. Die „Frau des Hauses“ verschiebt dafür extra einen Zahnarzttermin.  Aber am Montag tut sich in der Frühe nichts.  Selbst mehrere Telefonanrufe bringen nichts. Jedes Mal springt nur die Mailbox an.

Erst nachmittags meldet sich der Chef: „Tut mir leid, ist manches dazwischengekommen. Nächste Woche kommen wir aber bestimmt.“ Haben Sie auch schon Ähnliches erlebt? Ich verlasse mich fest auf jemanden. Und am Ende werde ich bitter enttäuscht. Wie heißt es so schön: „Wer sich auf Menschen verlässt, ist oft verlassen.“

In eine ähnliche Richtung geht unser Bibelwort  aus dem Jesajabuch, Kapitel 31, Vers 1:

„Weh denen, die sich verlassen auf Rosse und vertrauen auf Wagen, weil ihrer viele sind! Aber sie schauen nicht auf den Heiligen Israels, und den Herrn befragen sie nicht.“

Dabei richtet der Prophet nicht nur den Blick auf die Unzulänglichkeiten von Menschen. Es geht ihm um eine grundsätzliche Frage: Setze ich mein Vertrauen auf Menschen?  In diesem konkreten Fall auf die militärische Stärke des Bündnispartners Ägypten. Oder erwarte ich die Hilfe von Gott?

Mögen die stolzen Rosse und modernen Streitwagen aus damaliger Zeit noch so sehr beeindrucken: Ich rechne trotzdem viel mehr mit Gottes Eingreifen. Seine Hand ist stärker. So meint es der Prophet. Nun sind wir heute nicht von einer assyrischen Militärmacht umzingelt wie damals Israel. Aber worauf verlasse ich mich in meinem Leben?

Richte ich meine Hoffnung auf das finanzielle Polster, dass ich mir erarbeiten konnte: Mein Erspartes, die Wertpapiere, die Immobilie?

Oder suche ich meine Sicherheit eher in zahlreichen Versicherungspolicen?Oder schaue ich stolz auf meinen guten Fitnesszustand? Ich treibe doch regelmäßig Sport, ernähre mich gesund….

Wie schnell können all diese vermeintlichen Sicherheiten wie der Sand zwischen den Fingern zerrinnen. Plötzlich höre ich eine niederschmetternde Diagnose vom Arzt. Alles gerät ins Wanken.

Der Prophet jedenfalls sieht nüchtern den Untergang Israels in seiner Zeit voraus. Das Volk Gottes hat seinen Gott aus dem Blick verloren, leiht Gott nicht mehr sein Ohr. Es verlässt sich hier auf andere Menschen. So mag dieses Bibelwort bis heute ein Weckruf sein. Setzen Sie Ihr ganzes Vertrauen auf Gott!

Verlassen Sie sich auf ihn. Wie sagte es einst der Liederdichter Matthias Claudius:

„Wer nicht an Christus glauben will, muss sehen, wie er ohne ihn fertig wird.“

Ich und Sie, wir können das nicht. Wir brauchen jemand, der uns trägt und hält, solange wir leben, und der uns die Hand unter den Kopf legt, wenn wir sterben. Und das kann er wie kein anderer…

Autor: Pfarrer Rainer Heuschneider

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Festhalten, was festhält

Stellen Sie sich vor, sie haben einen guten Freund, dem sie total vertrauen. Er hat Ihnen oft geholfen, Sie reich beschenkt, Sie können sich keinen besseren Freund vorstellen. Doch über Nacht und ohne Vorwarnung scheint sich diese Freundschaft in Feindschaft zu verwandeln. Sie sind sich keiner Schuld bewusst und können sich diese Entwicklung nicht erklären. Plötzlich ist Ihr Freund gegen Sie, aber nicht nur mit Worten, sondern er beraubt Sie, fordert zurück, was er Ihnen einst geschenkt hat und wünscht Ihnen sogar die Pest an den Hals. Das ist nicht vorstellbar. So etwas kann es doch gar nicht geben. Denke ich. Sicher, es zerbrechen Freundschaften, aber dass eine Freundschaft sich so ins Gegenteil verkehrt, das ist vermutlich eher selten. Gott sei Dank!

„Gott sei Dank!“, das hatte der Mann gerade noch aus vollster Überzeugung gesagt, dem genau das passiert ist. Über Nacht hat er alles verloren, was sein Freund ihm geschenkt hat. Ich rede von Hiob und seiner leidvollen Geschichte mit seinem Freund, mit Gott. Hiob hatte alles, was er sich nur denken konnte. Und er wusste: Ich habe all meinen Reichtum und mein ganzes Glück Gott zu verdanken. Und er dankte es Gott auch. Er war ein frommer Mann. Doch dann, über Nacht hat er alles verloren: Seine Familie, seine Tierherden, all sein Hab und Gut. Schließlich, als ob das nicht genug wäre, wurde er auch noch krank, er bekam Aussatz. So geschlagen saß er in der Asche und kratzte sich mit einer Scherbe die eitrigen Schwären. Da Hiob alles, was er hatte, Gott verdankte, war ihm auch klar, dass dieser Gott ihm nun auch alles genommen hat. Kein blindes Schicksal hatte zugeschlagen. Er war in die Hände des lebendigen Gottes gefallen. Ein paar Freunde hörten von seinem Leid, kamen zu ihm und setzten sich schweigend neben ihn in die Asche. Sieben lange Tage saßen sie so. Bemerkenswert, wirklich echte Freunde.  Doch dann ergriffen sie, einer nach dem anderen, das Wort. Was sie sagten, war für Hiob wie ein zusätzlicher Tiefschlag. Sie mahnten ihn, Buße zu tun, denn nach ihrem Bild von Gott hatte Hiob selbst schuld an seinem Leid. Denn Gott, so glaubten sie, regierte wie ein ehernes Gesetz. Auf Sünde und Schuld folgt die Bestrafung. Bei ihnen galt der Satz: „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Für Glück und Unglück ist der Mensch selbst verantwortlich. Gott reagiert nur und gibt dem Menschen, was er verdient. Und deshalb, so meinten die Freunde, muss Hiob Gott nur um Vergebung bitten, dann würde es ihm wieder besser gehen. Doch Hiob war sich wirklich keiner Schuld bewusst. Lange hört er sich die Vorwürfe seiner Freunde an, doch dann wurde es ihm zu bunt. Er verbat sich diese Vorwürfe und sagt ihnen, dass ihre klugen Worte keinen Trost bringen. Und da er schon einmal dabei war, erneuerte er all seine Vorwürfe gegen Gott: Er hat mich krank gemacht, mich zerstört, mir alles genommen, mich in die Hände der Gottlosen übergeben, ich war im Frieden – aber er hat mich zunichte gemacht usw. usw.

Doch mitten in diesen Vorwürfen gegen Gott sagt Hiob den bemerkenswerten Satz, der heute die Losung der Herrnhutergemeine für diesen Tag ist: „Siehe, auch jetzt noch ist mein Zeuge im Himmel, und mein Fürsprecher ist in der Höhe.“  Hiob 16,17

Trotz allem, was er erlebt und erlitten hat, weiß Hiob keinen anderen Halt als bei Gott.

Bei dem Gott, dem er all sein Glück verdankt und dem er all sein Unglück zuschreibt.  Festhalten was festhält! 

Was unter Menschen möglich ist, dass Freundschaft zerbricht und zu Feindschaft wird, das ist bei Gott nicht möglich. Er zumindest kündigt uns die Freundschaft nicht auf, auch wenn es manchmal vielleicht so aussehen mag und wir es verdient hätten.

Autor: Christoph Wolf

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Einer – sonst keiner

Autor: Christoph Wolf

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Versöhnung für alle

Autor: Detlef Garbers

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Was ist Gnade?

Haben Sie in Ihrem Leben schon einmal Gnade erfahren? Oder anders gefragt: Wissen Sie was Gnade bedeutet? Der inzwischen verstorbene Sänger und Liederschreiber Jan Vering hatte einem türkischen Mädchen Schülernachhilfe gegeben. Eines Tages kamen sie auf das Wort Gnade zu sprechen. Das Mädchen fragte: „Was bedeutet Gnade?“ Daraufhin hat er das Lied geschrieben: „Gnade für die Welt.“

In diesem Lied werden Menschen besungen, die Gnade benötigen. Da sind die Starken, die andere unterdrücken, ein Politiker, der Waffen exportiert oder der Staatsmann, dem sein Gewissen erfriert. Gnade für den Ayatollah im Iran, der Krieg für heilig hält. Jede Strophe endet mit dem Wunsch „Gnade für die Welt.“

Wenn es um Gnade geht, dann geht es um Schuld. Der Schuldige kann auf Gnade hoffen, Anspruch darauf hat er allerdings nicht. Und derjenige, der begnadigt, steht als Richter über dem Schuldigen. So lässt sich das Verhältnis zwischen Gott und uns Menschen beschreiben. Wir alle sind vor Gott schuldig. Keiner könnte sich auf seine guten Taten berufen, um vor Gott gerecht dazustehen. Doch der Frage nach unserer Schuld weichen wir aus, in dem wir z. B. abstreitend sagen: „So ein schlechter Mensch bin ich nicht.“ „Ich habe noch nie jemanden umgebracht.“ Oder wir versuchen unsere Schuld kleinzureden oder ganz einfach auf andere abzuwälzen, in dem wir sagen. „Der andere war es.“ Damit versperren wir uns aber den Zugang zur Gnade. Denn Gnade kann nur der erwarten, der seine Schuld anerkennt. Gott hält das Angebot der Gnade für uns bereit. Doch wie macht Gott das? In dem Jesus seinen Vater im Himmel verlässt und Mensch auf dieser Erde wird, macht er sich arm, verletzlich und stirbt schließlich am Kreuz. Sein Tod geschieht stellvertretend für uns. Sie und ich hätten eigentlich den Tod verdient. Jesus hat diesen Tod auf sich genommen. Aus lauter Liebe nimmt Jesus unsere Strafe auf sich. Sein Opfer bedeutet für uns das Leben. Das ist Gnade! Um vor Gott gerecht dazustehen, muss ich meine Schuld bekennen und darf Gnade empfangen. Diese Gnade brauchen auch Sie. Hat Gottes Gnade Sie erreicht?

In der letzten Strophe des Liedes „Gnade für die Welt“ singt Jan Vering: Und Gnade für mich selber, der ich das alles weiß. Oh Herr, mach meine Hände handelnd und mach das Herz mir heiß. Lass mich die Gnade leben, die mich bei Dir erhält. Gnade für die Welt.“ Erfahrene Gnade äußert sich darin, dass sie an andere weitergegeben wird. Mit ähnlichen Worten drückt es der Apostel Paulus im Brief an die Korinther aus. Auch die Korinther haben die Gnade Gottes kennengelernt. Was sie beinhaltet, beschreibt Paulus in 2. Korinther 8,9 mit folgenden Worten:

„Ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet.“

Als von Gott Begnadigte sind wir reich, doch dieser Reichtum soll sich bei uns in Großzügigkeit anderen gegenüber erweisen. Erst dann wird erkennbar, ob wir wirklich verstanden haben, was Gnade bedeutet. Der Geldbeutel ist für Paulus ein ziemlich sicheres Anzeichen, ob ich Gnade erfahren habe. Vielleicht denken Sie ja bei der nächsten Geldsammlung daran und geben eine Summe, die der Gnade Gottes, die sie empfangen haben, angemessen ist. Einfach so aus Dank und Liebe oder wie es im Lied heißt: „“ Lass mich die Gnade leben, die mich bei Dir erhält.“ 

Autor: Detlef Garbers

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Herzensgebet

Sei mir gnädig!
Steh mir bei!
Hilf mir!
Erbarme dich!

Haben Sie schon mal so gebetet? Ich schon. Das passiert mir immer dann, wenn ich nicht mehr weiterweiß. Wenn sich kein Weg auftut. Und die Feinde übergroß werden. Einer meiner Feinde heißt „Kaputte Beziehung“.

Und ich bete und bete. Flehe und frage. Ich lese die Bibel. Rede wieder mit Gott. Nur: Irgendwann bin ich dann so leer, dass mir die Worte fehlen, weil alles gesagt ist. Und dann ist in mir nur noch ein: Sei mir gnädig. Gott, sei mir gnädig! Sei mir gnädig…Immer und immer wieder. Das läuft dann ganz von selbst, und ich fühle mich Gott nahe.

Die Bibel erzählt von Menschen, die ähnliches erlebten. In Psalm 57 berichtet David von seinen Feinden. Er war in die Wüste geflohen, um sich vor König Saul zu verstecken. Der wollte ihn nämlich töten. David suchte Zuflucht in einer Höhle.

Ich kann mir gut vorstellen, was er alles gebetet hat: Herr, wann hört das endlich auf? Ich habe dem König Saul doch gar nichts getan. Warum will er mich töten? Hilf mir doch. Ich halte das nicht mehr lange durch. Ständig auf der Flucht sein. Das ist doch kein Leben. Greif ein!

Und irgendwann fehlten auch David die Worte. Und er rief oder murmelte nur noch:

Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig! Denn auf dich traut meine Seele.

Nachzulesen in Psalm 57, Vers 2. Ein Herzensgebet.

David bat um Gottes Gnade. Er spürte: Ich schaffe es nicht allein. Schau gnädig auf mich herab, Gott! Und schenke mir dein Erbarmen, deine Gunst. Ich weiß, ich habe das nicht verdient und trotzdem bitte ich dich: Hol mich hier heraus!

Und dieses Gebet war entscheidend. Es wurde nämlich noch mal spannend.

König Saul hielt mit seinen Soldaten genau vor der Höhle, in der sich David versteckt hatte. Und suchte sich dort ein Plätzchen, um einem menschlichen Bedürfnis nachzugehen. (1. Samuel 24) 

Es wäre ein leichtes für David gewesen, seinen Feind zu töten. „Doch er hatte ein schlechtes Gewissen dabei, und sein Herz klopfte wild.“ (1. Samuel 24, 6) Er tat es also nicht. Warum nicht?

Weil Gott sein Gebet erhört hatte. Dieses „Gott sei mir gnädig“ hatte David´s Herz verändert. Da war Gottvertrauen hineingekommen. Deswegen konnte er dieser Versuchung widerstehen. Oder anders gesagt: Es hätte sich für David einfach falsch angefühlt, Saul umzubringen. 

Ich habe Ihnen vorhin gesagt, dass einer meiner Feinde „Kaputte Beziehung“ heißt. Und jedes Mal, wenn ich diese Person sehe, steigt Bitterkeit in mir hoch, Groll und Ärger. Ich will das gar nicht. Und doch passiert es. Da flüchte ich auch zu meinem Gott:
„Sei mir gnädig, sei mir gnädig! Lass mich bitte kein falsches Wort sagen.

Hilf mir zu vergeben. Ich schaffe das nicht allein.“ 

Hätte David damals nicht gebetet, wäre er vielleicht zum Mörder geworden. Wer weiß, wovor Gott mich schon bewahrt hat!

Und darauf kommt es doch an: Wenn die Feinde vor der Tür stehen, wenn sie uns beschäftigen, lassen Sie uns mit David von Herzen beten: 

Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig! Denn auf dich traut meine Seele.

Autor: Birgit Wolfram

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Gott ruft sich in Erinnerung!

Wenn ich so zurückschaue: 2021 war das Jahr der Katastrophen:

Corona, Waldbrände, Flüchtlingsströme, Überschwemmungen… Menschen verloren ihr Zuhause oder sogar ihr Leben. Überall auf der Welt - und auch in Deutschland. In unseren Städten und Familien. Viele Menschen fragten sich:

Wo bist du, Gott? Warum lässt du das zu?

Anscheinend ruft sich Gott manchmal auf diese Art und Weise in Erinnerung. Das war auch so beim Volk Israel. Etwa im Jahr 600 vor Christus. Das Land litt unter einer großen Dürre. Es gab kein Wasser mehr. Die Menschen waren verzweifelt. Sie hatten den Tod vor Augen. Die ersten Tiere verendeten. (Jer. 14, 1-6) So schrien sie nach Gott: Warum tust du so, als könntest du nicht helfen?

Wir wissen doch, dass du da bist. Wir gehören zu dir! Lass uns jetzt nicht im Stich! 

Lange Zeit meinten die Israeliten, ohne Gott leben zu können. Und jetzt?

Wenn die Not groß genug ist, fängt der Mensch wieder an zu beten! Das war früher so und ist heute oft nicht anders. Ich lese noch einmal dieses Stoßgebet. Es steht in Jeremia Kapitel 14, Vers 9. Und Luther hat es so übersetzt:

 

„Du bist ja doch unter uns Herr, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!"

Schauen wir uns das mal näher an:

„Du bist ja doch unter uns Herr!“

Das haben die Israeliten gewusst. Obwohl sie nichts von ihrem Herrn gehört, gesehen oder gemerkt haben. Diese Spannung mussten sie aushalten. Und die gibt es heute noch: Gott ist da – und trotzdem passieren schlimme Dinge auf unserer Welt. Gott ist mitten unter uns – und greift vielfach nicht ein. Auf jeden Fall nicht so, wie Sie und ich mir das vorstellen. Und auch nicht so, wie sich die Israeliten das damals vorgestellt haben.

Deswegen erinnerten sie Gott:

„Wir heißen doch nach deinem Namen.“

Wir sind das heilige Volk!

Sie waren hineingeboren worden in diese Gemeinschaft. In diesen Bund, den Gott damals auf dem Berg Sinai mit Mose geschlossen hatte. (2. Mose 24) 

Ähnlich ist es heute: Viele von uns sind auf den Namen Jesus Christus getauft. Und damit hineingenommen in die Gemeinschaft, in den Bund Gottes.

In Zeiten der Not wird dies manchen Menschen bewusst: Gott, wo bist du? Wir sind doch Christen. Du musst doch etwas tun.

„Wir heißen nach deinem Namen. Verlass uns nicht!“ 
Mir kommt das bekannt vor. So bete auch ich, wenn es mir schlecht geht. Wenn ich mich allein gelassen fühle. Ich merke, dass ich in schweren Zeiten ein engeres Verhältnis zu Gott habe. Ihn mehr suche. Ihn mehr anflehe. Mehr von ihm erwarte. 

Fast könnte man meinen, dass Gott das Leid benutzt, um sich in Erinnerung zu rufen. Oder dass IHM das Leid nützt, weil ER damit ans Ziel kommt:

Weil Menschen anfangen, Gott neu zu suchen! Das Volk Israel hat damals keine Gebetserhörung erlebt. Trotzdem hielten sie daran fest:

Gott, du bist da. Wir tragen deinen Namen! Verlass uns nicht! 

Daran können auch Sie und ich uns festhalten, jetzt im neuen Jahr 2022:
Für die vielen Tage, die kommen werden, die guten und die schweren.

Autor: Birgit Wolfram

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Was nun?

An meiner ersten Stelle als CVJM- Sekretär erlebte ich folgendes: unser Jugendkreis fand parallel zur Bibelstunde der Senioren statt. Der Jugendraum befand sich im Keller und das Eingangsschild wurde gerade von einigen jungen Leuten mit Graffiti gestaltet. Ein älterer Besucher des Bibelkreises ging auf sie zu. Ich war in innerer Spannung, ob er sich gleich über diese unmöglichen Farben beschweren würde. Doch ich traute meinen Ohren nicht. Er interessierte sich für diese neue Spraytechnik und war voll des Lobes für ihr schönes Graffiti. An diesem Abend gingen mir mehrere Lichter auf und ich merkte, dass es bei den Stilfragen doch entscheidend darauf ankommt, um wen es in der Gemeinde eigentlich geht. Spannungen waren auch zur Zeit des Apostels Paulus in der römischen Gemeinde unvermeidlich. Es könnte sein, dass Judenchristen sehr großen Wert auf den Verzicht von bestimmten Fleischsorten legten. Einige Tiere waren für sie immer noch unrein. Einem Juden war der Genuss dieses Fleisches strengstens verboten. Auch bestimmte jüdische Feiertage wurden in ihrer Bedeutung unterschiedlich gewichtet. Soll jetzt jeder eine eigene Gemeinde gründen? Frei nach dem Motto: wir sind die Gemeinde nur für Veganer? Oder gibt es einen besseren Weg?

Paulus begründet diesen neuen Weg so: "Denn unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. Leben wir so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn." Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Geeint wird die Gemeinde Jesu durch einen radikalen Wechsel. Nicht mehr ich bin der Mittelpunkt und das Maß aller Dinge, sondern Jesus und sein Geist. Dieser Geist lässt Gerechtigkeit, Friede und Freude einziehen in unser Leben und in unsere Gemeinden. Er zeigt uns, was wirklich wichtig ist. Natürlich muss weiter um biblische Lehrfragen gerungen werden, aber bei zweit- und drittrangigen Themen will Jesus uns neu Freiheit und Liebe im Umgang miteinander schenken. Weil ich mich in meinem ganzen Leben von Jesus abhängig weiß, darum kann ich immer wieder einmal in Liebe auf meine Freiheit um des anderen willen verzichten.

Ich denke dabei an eine Skifreizeit von jungen Erwachsenen. Ein Teilnehmer hatte sich angemeldet, der erst vor kurzem von seiner Alkoholsucht losgekommen war. Ich sprach mit den Teilnehmern, ob wir auf dieser Freizeit auf Alkohol verzichten könnten. Alle waren einverstanden und wir erlebten dennoch fröhliche und zünftige Hüttenabende. So etwas kann aber nur gelingen, wenn ich weiß, dass mein Leben einem anderen gehört. Jesus Christus, der sein Leben für uns eingesetzt und geopfert hat. Der am Kreuz seine Arme segnend über mich und meinen Nächsten ausbreitet. Bei ihm erfahre ich echte Vergebung und Liebe. Unter seinem Kreuz erkenne ich, wer ich wirklich bin: verlorener als ich gedacht habe, aber eben auch geliebter als ich es mir jemals ausgemalt habe. Unter seinem Kreuz entdecke ich aber auch meinen Mitmenschen als von Gott geliebt und angenommen.

So lernen wir, dankbar für den vielfältigen Reichtum in seiner Gemeinde zu werden, aufeinander Rücksicht zu nehmen und einander zu ermutigen auf unserem Weg hinter Jesus her.

Autor: Matthias Rapsch

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Eine neue Familie

Wo Jesus ist, da sind die Menschen. Das habe ich als junger Mitarbeiter auf einem Zeltlager erlebt. Ich war „Zeltältester“, wachte früh auf und meine sieben Jungs aus dem Zelt waren verschwunden. Es gab viele Möglichkeiten, rund um den See manches Abenteuer zu erleben. Das Rätsel löste sich jedoch schnell auf.

Ich fand sie am Seeufer, mit ihren geöffneten Bibeln zusammensitzen. Sie starteten noch vor den anderen mit einer morgendlichen Bibellese. Das hat mich stark beeindruckt. Sie waren hungrig nach Gottes Wort und wollten mehr von diesem Jesus hören.

Wo Jesus ist, da sind die Menschen. So berichtet es uns auch der Evangelist Markus. Jesus ist wahrscheinlich in Kapernaum in einem Haus eingekehrt. Manche Ausleger vermuten, dass es sich um das Haus des Fischers Simon Petrus handelt. Viele Menschen saßen um Jesus herum, auch seine Jünger. Das Gedränge war so groß, dass auch eine geregelte Mahlzeit nicht mehr möglich war.

Mitten in diesen Lehrbetrieb hinein schicken Maria, die Mutter Jesu und seine Brüder eine Abordnung: „Deine Familie sucht dich. Du sollst rauskommen.“ Doch Jesus macht keine Anstalten, um zu ihnen nach draußen zu gehen und zu ihnen zu sprechen. Er gibt den Abgesandten seiner Familie eine überraschende Antwort: „Wer ist meine Mutter und meine Brüder?“ Dabei zeigt er auf die Menschen, die um ihn herumsitzen und betitelt sie als seine Familie. Konkret heißt das: „Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.“

Wer auf die Stimme Jesu hört und das tut, was er sagt, der ist bei ihm ganz nah dran. So nah, dass Jesus selbst uns als seine Brüder und Schwestern bezeichnet. Wie gewinnt man diesen neuen Familienanschluss? Wer diesem Jesus Christus sein Leben anvertraut und das tut, was er sagt, der gehört dazu. Wie kann das geschehen? 

Vielleicht so, wie es meine Jungs damals im Zelt gemacht haben: sie reden mit ihren eigenen Worten zu Gott und sagen zu ihm: Herr Jesus Christus, ich habe vieles noch nicht begriffen, aber ich weiß, dass du für die Schuld in meinem Leben am Kreuz gestorben bist und mir vergeben hast. Ich danke dir, dass du mich liebst. Ich vertraue dir jetzt mein Leben an und will von dir lernen und mich von dir verändern lassen. Amen. Und dann besorgen sie sich eine Bibel und fangen allein und mit anderen an darin zu lesen, jeden Tag einen kleinen Abschnitt. Dann beten sie, dass er ihnen die Kraft schenkt, das Erkannte umzusetzen im Alltag.

So wird ihr Glaube wachsen und auch andere werden neugierig und nach dieser neuen Familie fragen. Manchmal kann es dann passieren, dass wir Jesus mehr gehorchen müssen als unserer leiblichen Herkunftsfamilie. Das kann schmerzen. Jesus wertet sie nicht ab oder löst sie gar auf, sondern ordnet sie seinem Auftrag ein und unter. Gerade ehemalige Muslime, die sich zu Jesus wenden, erleben es oft bedrückend, dass sie von ihrer Ursprungsfamilie ausgeschlossen werden. Wie gut, wenn sie jetzt bei Jesus und seinen Leuten wie in einer neuen Familie aufgenommen werden.

Wie gut, wenn auch sie zu seiner neuen Familie gehören. Davon wird auch ihre nächste Umgebung nicht unberührt bleiben.

Autor: Matthias Rapsch

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Worauf ist Verlass?

Nach einem folgenreichen Sturz kommt die verunglückte Frau nur schwer wieder auf die Beine. Im Krankenbett sagt sie: Wäre ich doch dabei gestorben, dann müsste ich mich jetzt nicht so quälen. Darauf warf ich ein, dass der liebe Gott wohl noch etwas mit ihr vorhabe. Und sie meinte, dann müsse er sich aber anstrengen und einiges besser machen.

Hier hatte sich verständlicherweise der Zweifel eingeschlichen, dass Gott es nicht wirklich gut mit ihr meine. Und ich begrüßte es, als sie es so offen aussprach.

Denn je klarer ich mich meinen Zweifeln stelle, desto besser kann ich mich mit ihnen auseinandersetzen.

Zweifel gehören zum Leben und zum Glauben. Die Musikgruppe „Die Prinzen“ singen in einem ihrer neuen Lieder: „Manche glauben, dass die Welt sich gegen sie verschwört, manche meinen, dass die Wahrheit doch nur ihnen gehört“.

Viele Menschen sind verunsichert, so dass sie nicht wissen, was sie noch glauben sollen angesichts widersprüchlicher Meldungen und Meinungen.

Und Zweifel kennt auch ein gläubiger Mensch. Christen sind manchmal darüber verunsichert, was in der Bibel wie zu glauben ist. Zweifel schleichen sich in Kopf und Herz. Schicksalsschläge können das Vertrauen in Gottes Güte erschüttern, wie bei der Frau im Krankenbett.

Nun fordert uns der heutige Lehrtext der Herrnhuter Losungen auf: „Erbarmt euch derer, die zweifeln.“ Dieser Satz steht in einem kleinen Buch in der Bibel, einem Brief namens Judas.

Zweifel ist kein Makel, sondern eine menschliche Reaktion auf Gedanken oder Erlebnisse, die einen stark beschäftigen. Und da hilft keine Verurteilung, sondern nur Verständnis und Entgegenkommen.

So hat es Jesus gemacht. Als die Jünger Thomas erzählen, Jesus sei auferstanden und ihnen erschienen, finde ich seine Reaktion sehr verständlich: „Solange ich ihn nicht selbst gesehen und berührt habe, werde ich das nicht glauben.“

Und wie geht Jesus damit um? Eine Woche später erscheint er ein weiteres Mal den Jüngern und Thomas ist dabei. Er schaut Thomas an. Kein vorwurfsvoller Blick. Er macht ihm keine Vorhaltungen, sondern geht auf die Bedingungen von Thomas ein und spricht eine Einladung aus. Komm zu mir, schau mich an, fass mich an, ich bin es. So erbarmt sich Jesus über den zweifelnden Thomas. Und dieser rückt ab von seinen Bedingungen. Prüft nicht weiter die Echtheit, sondern bekennt überwältigt von Jesu Gegenwart: „Mein Herr und mein Gott.“

So findet Thomas wieder in die Glaubensspur. Jesus selbst hat durch seine Art Thomas wieder anschlussfähig gemacht und seine Zweifel überwunden.

Bei allen Zweifeln im Leben und im Glauben geht es letztlich um die Frage: Worauf kann ich mich verlassen? Und auch an der Schwelle zu einem neuen Jahr stellt sich die Frage: Worauf wird Verlass sein in der Zukunft?

Verlass ist darauf, dass Gott uns nicht verlässt, dass er auch in Zeiten des Zweifels und der Unsicherheiten bei uns ist und bleibt. Er der, der barmherzig ist und treu.

Autor: Günter-Helmrich Lotz

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