ERF Plus - Wort zum Tag

Offenbarung 4,11

Wenn ich im Winter aufwache und das Schlafzimmerfenster öffne, schaue ich zum Himmel. Ich halte Ausschau nach dem Morgenstern. In der Bibel wird Jesus Christus mit dem Morgenstern verglichen. Der Morgenstern leuchtet besonders hell. Er erinnert mich daran, dass Jesus das himmlische Licht in mein Leben bringt. Der Himmelsblick am Morgen oder am Abend, selbst wenn ich einen prachtvollen Sternenhimmel sehe, ist nichts gegen den Himmelsblick, der dem Apostel Johannes gewährt wird.

Manches, was Johannes in Gottes Himmel sieht, kann er in Worte fassen, weil es das so oder so ähnlich auf Erden gibt. Wie einen Thron. Gekrönte Häupter, die sich um den maßgeblichen Thron im Himmel gruppieren. Blitze, Donner, Stimmen, gedimmtes Licht – angezeigt durch Fackeln, wie bei einer Nachtwanderung. Es gibt aber auch Erscheinungen, die wir heute höchstens mit Fantasy-Geschichten verbinden. Eine Gestalt mit sechs Flügeln z. B. – übersät mit Augen. Etwas, das an ein Meer erinnert oder eine Person, die Gedanken an Edelsteine wachruft. Und was für mich am beeindrucktesten ist:

Eine Lobeshymne nach der anderen. Auf den Herrscher Himmels und der Erde. Keine kritischen Worte, keine abfälligen Ausdrücke, kein herziehen über Gott. Keiner, der sich lustig macht. Alle sind wie gebannt von Gottes Aura, dieser außerordentlichen Himmelswelt. Gottes Welt, in der wir Dinge wieder erkennen werden. Gottes Welt zeichnet sich aber auch durch Wesen und Verhaltensweisen aus, die uns überaus fremd sind.

Haben Sie schon mal in einem Gespräch fünf Minuten lang nur Gutes über Gott gesagt? Sich durch nichts irritieren lassen – den Blick fest auf den Himmel gerichtet und staunend nach Worten gerungen, so wie Johannes damals?

Johannes macht uns klar: Im Himmel ist kein Platz für abfällige Bemerkungen. Im Himmel zählt nur eins, wie ich über Gott, über Jesus Christus und den Heiligen Geist rede. Die vierundzwanzig Ältesten haben das verstanden. Sie werfen sich vor Gott auf die Knie. Nicht nur das, sie nehmen sogar die Kronen ab, mit denen Gott sie ausgezeichnet hat. Im Himmel zählt nur die Macht und Gegenwart Gottes. Wenn der Blick auf den Thron Gottes fällt, ist das so überwältigend, dass die eigene Macht Gott vor die Füße gelegt wird. Die Ältesten verweisen durch ihr Verhalten auf Gottes Macht. Sie erkennen sie an und sind davon in ihrem Herzen berührt. Nichts soll den Blick auf Gott verstellen. Sie sind überwältigt, die zwölf Stellvertreter für Israel und die zwölf für die nichtjüdischen Völker – also die, die Gottes Volk abbilden. In dieser Haltung sprechen sie aus, was in ihren Herzen klingt: „ Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen waren sie und wurden sie geschaffen.“ Gott wird in der Offenbarung, Kapitel 4, Vers 11 so gelobt.

Der Himmel, den ich morgens bestaune, ist von Gott geschaffen. Er wollte ihn. Gott wollte mich. Er wollte die Menschen, die mit mir im Haus leben. Er wollte sein eigenes Zuhause, den Himmel, in den Johannes uns bis heute einen Einblick verschafft. Ob Sie sich von dem guten Reden über Gott anstecken lassen – trotz allem, was Sie gerade bedrückt? Ob Sie dem Blick von Johannes folgen und von Gottes Umgebung fasziniert sind? Vertrauen Sie wie Johannes darauf, dass es allein auf Gott ankommt? Auf seinen Willen? Vielleicht fassen Sie Ihr Staunen in Ihre eigenen Worte. Ich sage: „Wenn der Morgenstern schon so glänzt, wieviel Himmelsglanz zeichnet dich, Jesus, aus! Du bist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?“

Autor: Pastorin Elke Drossmann

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Jesaja 53,8

Da war mal wieder so ein Gottesdienst, an dem ich mich geärgert habe. Warum? Weil im Fürbittengebet und auch sonst immer nur von Gott die Rede war. Dagegen ist doch nichts zu sagen, oder? Doch! Wenn in den Gebeten stereotyp nur noch die Anrede „Gott“ verwendet wird, dann frage ich schon, wer denn da gemeint ist. Von Gott reden ja sehr viele, auch in anderen Religionen. Hier, in einem christlichen Gottesdienst, erwarte ich etwas anderes. Jesus hat uns gelehrt, im Gebet Gott als „Vater“ anzureden. Immer wieder im Neuen Testament taucht auch der Titel „Herr“ auf. Und natürlich können wir auch einfach „Jesus“ sagen.

Dabei hat doch der christliche Glaube nur ein Thema: Jesus Christus. Wir leben in unserem Land und in der ganzen westlichen Welt wie selbstverständlich von den christlichen Vorgegebenheiten. Das jetzige Jahr 2019, - das sind eben das 2019. Jahr nach Christi Geburt: Weihnachten, Ostern, Pfingsten. Mag der christliche Sinn dieser Feste bis auf Weihnachten auch kaum noch bewusst sein, trotzdem hält sich unsere Gesellschaft weithin fraglos an den christlichen Festtagskalender. Umso mehr muss das für Christen selbst gelten: Unser Glaube hängt an Jesus Christus, und nur an ihm. Mögen Gelehrte kritische Fragen anbringen: Der Glaube hängt an Jesus, der am Kreuz für uns gestorben ist, damit wir Vergebung unserer Schuld bekommen und mit Gott, dem himmlischen Vater, wieder im Reinen sind. Er hängt an Jesus, der von den Toten auferweckt worden ist, um uns unzerstörbares Leben zu schenken.

 Ein Wort der Bibel sagt mit großer Deutlichkeit, was Jesus für uns getan hat. Im Alten Testament, ja, schon da, findet sich der großartige Satz: „Er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat seines Volkes geplagt war.“ Mit dem „er“ ist ein leidender Mensch im Dienst Gottes gemeint, ein sogenannter Gottesknecht. Bis heute deuteln die Ausleger dieser Stelle im Jesaja-Buch herum, wer gemeint sein könnte. War es ein Einzelner? War das Volk Israel insgesamt gemeint? Wir Christen geben die für uns einzig mögliche Antwort: Mit diesem leidenden Gottesknecht ist Jesus gemeint. Was hier steht, ist ein Vorschein dessen, was dann 400 Jahre später mit dem Kreuz Jesu Christi und seiner Auferstehung Wirklichkeit geworden ist: Der da aus dem Leben weggerissen worden ist, um für die Sünden der Menschheit zu sühnen, ist Jesus.

Das ist der Kern der christlichen Botschaft, und wer sie verwässert oder sogar verschweigt, der hat sie nicht verstanden oder will sie nicht wahrhaben. Es reicht nicht, in Jesus nur den mitleidenden Bruder zu sehen, den Seelsorger, der viel über den Menschen weiß. Er ist der einzige Trost im Leben und im Sterben, er allein kann Menschen Antwort geben auf die großen Fragen, woher sie kommen und wohin sie gehen, denn er kommt von Gott und ist wieder dorthin gegangen. Wer sich ihm anvertraut, ihn nun wirklich Herr seines Lebens sein lässt, der kann geborgen und zuversichtlich seinen Weg gehen.

 Darum ist es unangemessen, in christlichen Predigten nur allgemein von Gott zu reden und im Gebet nur die Anrede „Gott“ zu benutzen. Wir haben guten Grund, Gott als „Vater“ anzureden. Er ist der Vater Jesu Christi. Wir haben guten Grund, „Herr“ zu rufen, denn damit ist Jesus in seiner Herrschaft gemeint. Und wenn wir einfach „Lieber Herr Jesus“ sagen, wie ich das gern tue, dann zeigt das die Vertrautheit der Beziehung zu Jesus. Bloß nicht nur „Gott“ sagen. Das wirkt kalt, unpersönlich und lässt offen, was unseren Glauben wirklich ausmacht.

Autor: Pfarrer i. R. Hartmut Bärend

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Jakobus 4,10

„Vor Gott wie ein Lamm, vor den Menschen ein Löwe“, sagte mir vor Jahren eine ältere Frau. Sie wollte damit offensichtlich ihr Lebensmotto beschreiben. Ich kannte sie zwar erst seit kurzem, aber ich konnte schnell verstehen, warum sie auf so ein Wort gekommen war. Sie hatte viel durchgemacht.  Mitten im 2. Weltkrieg hatte sie in noch ganz jungen Jahren ihren Mann verloren. Seitdem musste sie sich weithin allein durchs Leben kämpfen. Das war ihr offensichtlich gelungen, aber sie strahlte eine große Härte aus.

Diese Frau teilt das Leid und Los vieler Frauen, die bedingt durch die Kriegswirren schon in jungen Jahren ihren Mann verloren haben. Meine Mutter hat Ähnliches erlebt und meine Geschwister und mich allein großziehen müssen. Trotzdem hatte und habe ich Mühe mit diesem Wort. Meine Mutter hätte es wohl auch nie gebraucht. „Vor Gott wie ein Lamm, vor den Menschen ein Löwe“, das klingt irgendwie extrem. Das würde ja bedeuten, dass das Leben dann nur noch ein einziger bitterer Existenzkampf wäre, in dem - Stichwort Löwe – es auch auf Kosten anderer gehen kann. Und vor Gott wie ein Lamm? Damit würde ja entfallen, was sich eben auch durch die Bibel zieht: Dass Menschen auch mit Gott ringen und oft die Warum-Frage stellen. Das tut ein Lamm nicht.

Aber trotzdem, ich stehe mit Achtung vor der Lebensleistung dieser Frau und finde es eindrucksvoll, dass sie eine Art Lebensmotto für sich gefunden hat. Und nicht nur das: Sie hat für sich klargestellt, dass es nicht nur darum gehen kann, irgendwie durchs Leben zu kommen. Nein, ihr ist bewusst, dass es im Leben immer auch  um die Beziehung zu dem lebendigen Gott geht.

Nun macht mich ein Bibelwort nachdenklich. Ob die Frau mit dem „Vor Gott wie ein Lamm“ doch irgendwie recht hat? An einer Stelle im Neuen Testament lese ich, und es ist offensichtlich als Aufforderung gemeint: „Demütigt euch vor dem Herrn, so wird er euch erhöhen.“ Also doch, sich vor Gott ganz klein machen und damit etwas tun, was ihm gefällt, ja, was sich dann einmal auszahlen wird?

Aber dann habe ich mich gefragt, was denn hier wohl mit Demut gemeint ist. Hat Demut mit Unterwürfigkeit zu tun? Das habe ich lange geglaubt, aber das tue ich heute nicht mehr. Denn das deutsche Grundwort für „Demut“ stammt aus der Wurzel „diu-mut“, und das heißt „Mut zum Dienen“. Es hat nichts mit Kriecherei zu tun, mit schweigender Duldsamkeit, sondern mit aktiver und mündiger Dienstbereitschaft. „Demütigt euch vor dem Herrn“ heißt so viel wie „Dient dem Herrn“ und ihm allein. Jochen Klepper hat in einem seiner Lieder wunderbar zum Ausdruck gebracht, was hier gemeint ist. In „Er weckt mich alle Morgen“ heißt es in Vers 4: „Er – gemeint ist Gott - ist mir täglich nahe und spricht mich selbst gerecht. Was ich von ihm empfahe, gibt sonst kein Herr dem Knecht. Wie wohl hat´s hier der Sklave, der Herr hält sich bereit, dass er ihn aus dem Schlafe zu seinem Dienst geleit.“

„Vor Gott wie ein Lamm“, - ja, wenn ich zuerst auf den Hirten schaue, wie Klepper das tut. Gott selbst ist es, der mich ruft. Er gibt die nötige Kraft. Er vergibt, wo ich gefehlt habe. Er lässt mir Zeit, mich auszuschlafen. Er begleitet mich in seinen Dienst. Dann, ja dann wird mein Dienst eine rechte Freude! Damit kann ich Demut ganz neu verstehen.

Natürlich stimmt auch das andere. Viele Menschen sind heute nicht mehr bereit zu dienen. Sie wollen das schnelle Geld, Wohlstand, Unabhängigkeit. Auf Dauer bringt das aber keine Befriedigung, weil es ein Leben ohne Gott und letztlich total egoistisch ist. Damit bin ich wieder bei der tapferen Frau vom Anfang. Lamm hin oder her, jedenfalls ist sie Gott treu geblieben und steht in seinem Dienst. Das bleibt ihr Ehrenzeichen.

 

Autor: Pfarrer i. R. Hartmut Bärend

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Jesaja 9,5

Was tun, wenn die Weltlage verrückt spielt und die großen Herrscher ihre Macht demonstrieren und Kriege führen? In Jerusalem ging die Angst um. Die Herzen der Menschen bebten wie die Bäume im Sturm. Und am See Genezareth, in Galiläa, war es stockdunkel. Viele Bewohner wurden weggeführt und irgendwo im großen assyrischen Reich angesiedelt. Was tun, wenn die Lage so hoffnungslos ist?

Gott kündigt ein Kind an. Wenn alles trostlos und verfahren ist, regiert der allmächtige Gott mit einem Kind. Den machtbesessenen Herrschern dieser Welt stellt Gott ein kleines Kind gegenüber. Kann das gut gehen? Wäre es nicht besser, er würde seine ganze Macht demonstrieren und den Himmel zerreißen, dass alle Menschen auf einen Schlag sehen, wer wirklich Herr auf dieser Erde ist. Das wäre doch unser Wunsch!

Doch Gott macht es viel größer. Dem ganzen Machtgehabe, dieser geballten Gewalt stellt er ein Kind gegenüber, seinen Sohn. Und dieses Kind bekommt nach seiner Geburt Namen, Thronnamen, wie es damals bei den großen Königen üblich war. Diese Namen sind wie ein Regierungsprogramm. Beim Kind Gottes, beim Sohn Gottes sind es vier Namen. Jesaja 9, Vers 5 sind diese Namen aufgeschrieben: „Er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst!“

Diese Namen haben es in sich. Vier Namen, so wie es vier Himmelsrichtungen gibt. Das heißt, das Regierungsprogramm Gottes gilt für die ganze Erde. Nicht nur für Israel, nicht nur für Jerusalem, auch nicht nur für die Kirche oder für die Christen gilt dieses Programm. Nein, es sind vier Namen und damit gilt es für die ganze Welt, überall und für jeden.

Und was ist der Inhalt dieses Programms? Es ist ein Programm voller Wunder und es gilt für ewig. Es besagt, dass Gott an sein Ziel kommen wird. Nicht die Herren dieser Welt oder die mächtigen Damen dieser Welt kommen ans Ziel. Es steht am Ende auch nicht das Chaos oder das Nichts. Nein, das Ziel ist: der Friede-Fürst herrscht. Gottes Friede, Gottes ewiger Friede wird kein Ende haben.

Zu schön, um wahr zu sein, ist diese Botschaft, die vor über 2600 Jahren gesagt wurde. Oder nicht? Wie sehnt sich diese Welt nach diesem Frieden Gottes?! Doch wir wissen mehr. Wir wissen, wer diese vier Namen bekommen hat. Für uns hat dieser Herrscher Gottes, dieses Kind ein Gesicht und eine Gestalt. Es ist Jesus Christus, der Mann aus Nazareth. Sein Gesicht trägt die Dornenkrone und seine Gestalt hängt am Kreuz. Dort am Kreuz hat er Frieden gemacht, Frieden zwischen uns und Gott. Weil er die Dornenkrone trägt und am Kreuz gestorben ist, ist uns unsere Schuld vergeben und wir dürfen zu Gott, zu unserem Vater gehen. Ja, es ist eine Geschichte voller Wunder. Gott hat seinen Sohn vom Tod auferweckt. Er sitzt neben ihm, zu seiner Rechten. Und ob wir es sehen oder nicht: Er hat die Macht, er ist der Herr und er kommt ans Ziel. Schon jetzt dürfen wir seinen Frieden erfahren und erleben. Wir dürfen Boten seines Friedens sein, mitten in einer heillosen Welt. Was für ein Auftrag, denn diese Welt fängt gleich neben uns an. Und wir dürfen geprägt sein von der unbändigen Hoffnung, dass dieser Herr einmal wiederkommen wird und regiert. Dann ist Frieden, überall.

Autor: Dekan Volker Teich

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Sacharja 9,9

„Der König kommt!“ Voller Schrecken machte sich diese Botschaft in den Städten des Nahen Ostens breit. „Der König kommt!“ Nein, das war keine gute Botschaft. Es war der König mit der Laterne. Es war Alexander der Große. Er stellte vor die Stadttore eine Laterne und zündete ein Licht an mit der Botschaft: „Solange diese Kerze brennt, habt ihr Zeit euch zu ergeben. Aber wehe, wenn die Kerze erlischt, dann geht bei euch das Licht aus. Dann gibt es kein Erbarmen mehr. Dann wird alles platt gemacht“.

„Der König kommt!“ Auch in Jerusalem zitterte man bei dieser Botschaft. Wenn dieser König kommt, dann beginnt eine neue Zeit, ein neues Denken wird uns dann aufgedrängt. Das Gesetz Gottes, die Gebote Gottes sind dann zweit- oder drittrangig. Dann gilt das Gesetz und das Denken Griechenlands. „Der König kommt!“ Die Städte des Nahen Ostens zitterten bei dieser Botschaft. Und tatsächlich, Alexander kam und überrollte die Staaten der damaligen Welt.

„Der König kommt!“ Da tritt Sacharja auf, der Prophet Gottes. Er tritt auf und ruft: „Tochter Zion, freu dich sehr, und du Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel.“(Sacharja 9,9) Was für eine Botschaft! Da wird der ganz andere König ausgerufen, der König Gottes. Der ist nicht der Weltstar auf einem Paradepferd. Er ist nicht der, vor dem alle zittern müssen. Er bringt nicht das neue Recht als Machtdiktat. Nein, er ist gerecht. Er sieht den einzelnen Menschen in seiner Not. Er hilft auf. Er selbst wird arm, so arm, dass er selbst Hilfe braucht. Aber er führt die Menschen zu Gott. Er bringt das Recht und das Reich Gottes mit sich. Da hat Angst keinen Raum mehr, Verzweifelte dürfen neu hoffen und das Volk Gottes darf sich freuen, darf singen und tanzen und jubeln, weil Gott selbst kommt.

Viele Jahre später stand ein Kreuz vor den Toren von Jerusalem. Am Kreuz hing eine gequälte, gemarterte Gestalt. Und oben am Kreuz war ein Schild angebracht. „Jesus von Nazareth, der König der Juden“ war in den drei Sprachen Latein, Griechisch und Hebräisch zu lesen. Hingerichtet am Kreuz, fertiggemacht, so hängt der König Gottes da. Aber es ist die Botschaft an uns: Freu dich, juble laut. Das ist dein König. Der hat sich für dich und für mich gegeben, damit wir Frieden von Gott haben. Er hat sein Leben gegeben, weil er uns hilft, uns Gerechtigkeit gibt. Was wir verbockt haben, das trägt er. Wo wir schuldig geworden sind, das übernimmt er. Er ist der Ärmste geworden, um uns reich zu machen. Jetzt kann kommen, was will, er ist bei uns.

Und wenn heute alles schief geht, wenn wir Nachrichten bekommen, die uns erzittern lassen. Das eine, das Große, das Wichtige steht fest: Der König Gottes, Jesus Christus ist für uns und ist bei uns. Und seine Liebe, die hält uns. Der König Gottes ist da!

 

 

Autor: Dekan Volker Teich

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Philipper 1,6

Der Philipperbrief ist wohl die persönlichste Schrift des Apostels Paulus. Der Apostel schreibt den Brief aus dem Gefängnis. Dennoch ist der Grundton ausgesprochen positiv und herzlich. Gleich zu Beginn formuliert er ein Gebet für die Christen in Philippi. Paulus ist sehr dankbar für die Gemeinde und ihre Freundschaft. Und er ist ausgesprochen zuversichtlich im Blick auf ihren Glauben und ihre Treue. Er schreibt in Phil 1,6 – und das ist heute unser Wort zum Tag: „Ich bin dessen gewiss, dass er, der das gute Werk in euch angefangen hat, es bis zum Tag Christi Jesu auch vollendet haben wird“

Was für ein Zuspruch. Paulus begleitete doch seine Gemeinden ausgesprochen kritisch, wie wir aus seinen Briefen sehen. Schwierige Entwicklungen erkannte er schon im Ansatz und er scheute sich auch nie, den Finger gleich auf den wunden Punkt zu legen. Ausgerechnet er also gibt den Philippern eine Art Blanko-Garantie: „Es kommt gut mit euch. Keine Angst. Alles wird gut!“

Ich halte es für außerordentlich wichtig, dass wir einander immer wieder so ermutigen. Nicht nur Warnhinweise geben und Fragwürdiges kritisieren, sondern einander zusprechen: „Es kommt gut mit dir. Denn Gott ist bei dir und segnet dich!“

Dabei ist freilich der zweite Satz sehr wichtig. Denn es geht nicht um den Allerweltstrost: ‚Alles wird gut!‘ Erstens kommt nicht alles einfach gut. Und zweitens haben wir es auch gar nicht in der Hand, dafür zu sorgen, dass es gut kommt mit uns. Sondern wir sind in Gottes Hand. An ihm liegt es. Er liebt uns und will, dass wir das Ziel erreichen.

John Wesley, der Begründer der methodistischen Bewegung, hat den Begriff der ‚vorlaufenden Gnade‘ entwickelt. Es war ihm wichtig zu unterstreichen: Bei allem nötigen Engagement auf Seiten der Menschen, bei all unserem Kampf um eine gute Lebensführung – all das wäre für nichts, wenn nicht Gottes Gnade unserem Wirken vorausginge und den Weg ebnete, auf dem wir uns bewegen und entfalten können. Ich glaube, Paulus geht es in unserem Wort zum Tag um dasselbe Anliegen: Einerseits zu sagen, dass Gott es schenken muss, dass unser Leben, unser Reden und Tun gelingt. Und andererseits zuzusprechen, dass er genau dies tatsächlich tut. Darum brauchen wir um unser Heil nicht mehr zu fürchten. Weil er uns hält und liebt. Weil er in uns arbeitet und uns reifen lässt. Weil er dafür sorgt, dass wir das gesetzte Ziel auch erreichen.

Dieser Zuspruch eröffnet den Zugang zu großer Gelassenheit. Was immer ich heute vorhabe. Wie anstrengend manche Aufgaben sein mögen. Wie groß die Fehler sein mögen, die mir passieren. Gott ist bei mir. Ja, er geht mir voran. Und er will dafür sorgen, dass es gut kommt mit mir. Es darf ein guter Tag werden heute, weil ich auch für mich in Anspruch nehmen darf, was Paulus den Korinthern zusagt: „Ich bin dessen gewiss, dass er, der das gute Werk in euch angefangen hat, es bis zum Tag Christi Jesu auch vollendet haben wird.“

 

Autor: Pfarrer Daniel Eschbach

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Jakobus 4,7

Heute bringt mich das Wort zum Tag in die Bredouille. In Jakobus 4,7 heißt es: „So seid nun Gott untertan. Widersteht dem Teufel, so flieht er vor euch!“ Ich finde das mit dem Teufel eine heikle Sache. Natürlich, keine Frage, dass es das Böse gibt und dass es aktiv ist. Keine Frage auch, dass ich mich nicht dem Bösen, sondern Gott unterstellen will. Jesus hat natürlich recht, wenn er daran erinnert: „Ihr könnt nicht zwei Herren dienen!“ (vgl. Mt 6,24). Also alles klar: Dem Teufel widerstehen und sich Gott unterstellen. Dann kommt es gut. Oder etwa nicht?

Nun ja. Heikel ist die Sache mit dem Teufel, weil er eben auch Gläubige fasziniert. Manchmal befürchte ich, dass wir Christen viel zu oft vom Teufel und von Sünde reden. Dabei gleichen wir dem Kaninchen, das im Angesicht der Schlange vor Angst erstarrt und vergisst, dass es ja davonlaufen könnte. Der Schlange in die Augen zu schauen führt geradewegs ins Verderben. Das Unheil zieht einen magisch an.

Darum, wenn mich jemand fragt, ob ich an den Teufel glaube, sage ich: Nein! Weil glauben im biblischen Verständnis auch bedeutet: jemandem vertrauen oder jemandem folgen. Und in diesem Sinne will ich nicht an den Teufel glauben. Außerdem vertraue ich darauf, dass Christus stärker ist. Dazu bin ich überzeugt davon: Den Teufel ärgert nichts so sehr, wie wenn er nicht beachtet wird. Und er hat keine Macht, wenn ich ihn nicht beachte, weil ich mich an Christus orientiere, der stärker ist.

Es gibt noch weitere Gründe, warum ich die Sache mit dem Teufel heikel finde: Im lobenswerten Bestreben, nur Gott zu dienen, können Christen in Versuchung geraten, fast überall Spuren des Bösen auszumachen. Das führt dann zur Ablehnung von allem, was nur im geringsten gefährlich sein könnte. Wie schnell wird dabei das Kind gleich mit dem Bade ausgeschüttet und man gerät in ein Schwarz-Weiß-Denken, dass der vielschichtigen Realität einfach nicht angemessen ist. Statt detektivisch in allem das Böse zu identifizieren und auszugrenzen, suche ich deshalb auch im Unbekannten und Neuen lieber nach Gottes Spuren. Und so staune ich immer wieder, wo ich ihm überall auch noch begegnen kann. – Und dann gibt es ja auch noch die Verlockung, den Bösen als Ausrede zu nutzen. Wenn man einen Fehler gemacht hat, gibt man einfach dem Bösen die Schuld dafür. Schließlich hat er uns verführt. Doch zu glauben, so fein raus zu sein, ist ein Trugschluss. Schließlich sind wir letztlich selbst verantwortlich für das, was wir tun oder nicht tun.

„So seid nun Gott untertan. Widersteht dem Teufel, so flieht er vor euch!“ Ich versuche, dem Teufel zu widerstehen, indem ich ihn einerseits so wenig wie möglich beachte, andererseits aber auch nicht die Verantwortung auf ihn abschiebe, wenn ich mich irre, etwas Falsches sage oder tue. Vor allem aber versuche ich mich auf Gott, den Vater Jesu Christi auszurichten und mich in meinem Reden, Tun und Glauben an ihm auszurichten. – Flieht der Teufel so vor mir? Ich glaube jedenfalls, dass sein Einfluss so klein bleibt, während ich hoffe, dass Gott in meinem Leben eine immer größere Rolle spielt.

 

Autor: Pfarrer Daniel Eschbach

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2. Timotheus 2,19

Es geschieht in der Nacht von Palmsonntag auf Montag in der Karwoche, am 13. April 1992. Das stärkste Erdbeben nördlich der Alpen seit 1756 wird registriert. Das ganze Rheinland wird durchgeschüttelt. Bis nach London, Berlin und München sind die Erdstöße der Stärke 6,0 zu spüren. In Häusern klirren Gläser, fallen Bücher aus dem Regal, rieselt Putz von der Decke. Menschen stürzen vor Schreck aus dem Bett. Innerhalb kurzer Zeit gehen Tausende Notrufe ein. "Alles schwankt!", berichten in Panik die Anrufer bei Polizei und Feuerwehr. Vor allem durch herabfallende Schornsteine und Dachziegel werden im Rheinland mehr als 30 Menschen verletzt. In Bonn stirbt eine 79-jährige Rentnerin an Herzversagen nach einem „Erdbebenschock“. Am Kölner Dom kracht ein 1,50 Meter großes Ornament aus Naturstein zu Boden. Insgesamt werden 7200 Gebäude beschädigt. Unter dem Strich steht die Schadenssumme von umgerechnet 130 Millionen Euro. Es hätte viel schlimmer ausgehen können. Denn zur Katastrophenzeit mitten in der Nacht waren die Menschen im Bett und nicht auf der Straße, wo es Gesteinsbrocken und Ziegel hagelte. Das Erdbeben selbst ereignete sich in großer Tiefe, 17 Kilometer in der Erde, und ging deshalb relativ glimpflich aus.

Nie werde ich diese Nacht vergessen: Unsere Tochter Hanna, eineinhalb Jahre alt, erwacht aus dem Schlaf und fängt laut an zu weinen. Mit meiner Frau Christine habe ich die Abmachung, dass ich nachts aufstehe, wenn Hanna weint. Meine Frau sorgt sich nachts um unsere jüngere Tochter Eva, die gerade erst 10 Wochen ist. Also stehe ich auf und gehe in Hannas Kinderzimmer, um sie zu beruhigen. Aber sie hört nicht auf zu weinen, obwohl ich ihr die Flasche gebe. Inzwischen bin ich hellwach. Etwa um 3.20 Uhr fängt die Erde an zu beben. Die Tassen im Schrank scheppern. Alles wankt. Ich bekomme Panik und denke: Jetzt ist alles aus. Gleich stürzen die Wände ein und begraben uns. Mein Leben spult sich wie ein Film ab. Ich will beten. Nur ein Wort bekomme ich heraus: Jesus! Und plötzlich steht mir unser Hochzeitspruch aus 1. Korinther 3, Vers 11 vor Augen. Er lautet: „Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“

Mit einem Theologiestudenten, der gerade als Praktikant bei uns war,  lasen meine Frau und ich dann die Erdbebengeschichten der Bibel. Als Jesus am Kreuz starb, bebte die Erde und auch am Auferstehungstag. Dann spricht die Bibel davon, dass am Ende der Tage große Erdbeben geschehen werden. Uns war es so, als ob Jesus uns durch dieses Erbeben aufrütteln wollte. Es wurde uns klar: Alles kann plötzlich ins Wanken geraten. Alles kann plötzlich aus sein. Auch unser Leben. Ich hatte in dieser Nacht zum ersten Mal so etwas wie Todesangst. Aber der feste Grund besteht. Das Fundament hat einen Namen: Jesus! Einen andern Grund gibt es nicht. Und Jesus ist da, wenn alles aus den Fugen gerät. Das ist besiegelt. Er kennt mich. Er weiß um meine augenblickliche Situation. Er fängt mich auf.

So wie es im 2. Timotheusbrief, Kapitel 2, Vers 19 heißt: Der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen.

Ich will diese Erfahrung aus jener Nacht nicht missen. Noch nie hatte ich davor eine ähnliche Situation erlebt, in der ich dachte: Jetzt muss ich sterben. Was trägt, wenn es mit unserem Leben zu Ende geht? Was zählt am Schluss? Ist der Glaube an Jesus Einbildung oder Wirklichkeit?  Tatsächlich – Jesus war da in dieser Nacht. Jesus hat mir neue Glaubensgewissheit geschenkt. Jesus trägt mich durch alle Nächte, auch durch meine letzte. Der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen.

Autor: Martin Scheuermann

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Lukas 10,5

Nach einer Studie der Universität Freiburg schrumpfen die beiden großen Kirchen in Deutschland stark. Bis 2060 wird sich die Zahl der Kirchenmitglieder halbieren, so die Prognose. Am wahrscheinlichsten ist ein Kirchenaustritt der Erhebung zufolge bei jungen Leuten zwischen 25 und 35 Jahren - Menschen, die mit dem Eintritt ins Erwerbsleben erstmals Kirchensteuer zahlen müssten. Bis zum 31. Lebensjahr treten 31 Prozent der getauften Männer und 22 Prozent der getauften Frauen aus der Kirche aus.

„Die Situation ist dramatischer, als die Zahlen zeigen", sagt EKD-Ratsmitglied Andreas Barner. "Wir sind Teil eines säkularen Trends, der schwer zu beeinflussen ist." Der Chef der deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, sagte: „Wir geraten angesichts der Projektion nicht in Panik, sondern werden unsere Arbeit entsprechend ausrichten." Für ihn sei die Studie auch „ein Aufruf zur Mission".

Jesus hat ganz unscheinbar mit 12 Männern angefangen seine Botschaft unters Volk zu bringen. Zu Petrus sagt er: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“  (Matthäus 16, 18)

Der Bibeltext aus dem Lukasevangelium, Kapitel 10, Vers 5 lautet: „Wenn ihr in ein Haus kommt, sprecht zuerst: Friede diesem Hause!“ Jesus sendet seine Jünger aus. So baut Jesus Gemeinde. Geht zu den Leuten. Besucht die Menschen in ihren Häusern. Bringt ihnen das Evangelium, die frohe und rettende Botschaft. Durch euch soll sich der Glaube ausbreiten. Ihr seid Boten des Friedens. Wenn ihr in ein Haus kommt, dann breitet sich der Friede Gottes aus.

Der Friede Gottes – Schalom genannt – gilt allen Häusern, allen Menschen. Schalom den Verachteten. Schalom den Kranken. Schalom den Gesunden. Schalom den Verfolgten. Schalom den Armen. Schalom den Reichen. Schalom den Einheimischen. Schalom den Zugereisten. Schalom den Lebenden. Schalom den Sterbenden. Schalom ist die Liebe Gottes in Reinkultur. Christus ist unser Friede. (Epheser 2, 14) Schalom ist der Atem Gottes. Schalom führt Menschen mit Gott zusammen. Schalom führt Menschen zusammen. Schalom führt Völker zusammen.

Es ist wie am Tag der Auferstehung von Jesus. Da tritt Jesus plötzlich in das Haus, in dem sich die verzagten und verängstigten Jünger befinden. Seine ersten Worte sind: „Friede sei mit euch!“  Da wurden die Jünger froh. Danach spricht Jesus nochmals: „ Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ (Johannes 20, 19-21)

Ich erinnere mich noch gut an eine Begegnung mit Erzbischof Johannes Dyba aus Fulda. Mit einem Pastoren-Team sprachen wir mit ihm über das Thema: „Wie können wir in einer immer unchristlicher werdenden Gesellschaft Menschen zum Glauben an Jesus führen?“ Die Antwort von Erzbischof Dyba war ganz einfach und klar. Er sagte: „Wir machen es so wie die ersten Christen. Sie sind dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus begegnet und glaubten an ihn. Dann haben sie ihren Glauben anderen Menschen bezeugt und das Evangelium verkündet. So hat sich der Glaube an Jesus ausgebreitet.“

Auch wenn dramatisch sinkende Mitgliederzahlen der Kirchen uns lähmen wollen, wollen wir uns von Jesus senden lassen. Die Gemeinde Jesu wächst und wird sich vollenden.

Autor: Martin Scheuermann

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Matthäus 4,17

Vor kurzem erlebte ich auf einer Autofahrt, dass die Autobahn wegen einer Ölspur gesperrt wurde und wir von der Autobahn heruntergeleitet wurden. Eine Umleitung war noch nicht ausgeschildert. Mein Navi zeigte mir eine Route an, die mir aber nicht einleuchtend schien. Ich entschied mich für einen anderen Weg. Nach relativ kurzer Zeit meldete sich das Navi zu Wort und sagte: „Bitte wenden!“ Ich fuhr weiter und hörte wiederholt die Aufforderung: „Bitte wenden!“ Die Stimme des Navis blieb ganz ruhig und entspannt. Ich aber dachte, ich wüsste es besser und fuhr weiter. Dann erkannte ich den Grund für die Aufforderung umzukehren.  Ich war in einer Sackgasse gelandet. Die Straße endete hier. Ich konnte gar nicht anders, ich musste umkehren. Hätte ich doch nur schon früher auf mein Navi gehört!

Nach Jesu Taufe und seiner Versuchung  beginnt Jesus seine öffentliche Tätigkeit in Galiläa. Kapitel 4, Vers 17 aus dem Matthäusevangelium fasst das Hauptthema der Predigten Jesu in einem Satz zusammen: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!“

In der Lutherbibel heißt es: „Tut Buße!“ Manche denken, es gehe darum, etwas abzubüßen. Das ist aber nicht der Fall. Jesus forderte die Menschen damals auf: „Kehrt um! Ändert euer Leben! Macht nicht so weiter wie bisher!“ Und er nennt auch gleich den Grund dafür, warum es nötig ist umzukehren: „Denn das Himmelreich ist nahe!“ „Himmelreich“ ist ein anderes Wort für „Reich Gottes“ oder „Gottesherrschaft“. Jesus will sagen: In mir beginnt die Gottesherrschaft auf Erden. Deshalb ist es jetzt Zeit, sein Leben zu ändern. Letztlich lädt Jesus die Menschen ein, sich auf ein Leben mit ihm einzulassen!

Die Einladung Jesu „Kehrt um“ gilt auch uns heute! Der Weg, den wir einmal eingeschlagen haben, muss nicht endgültig sein. Ich darf anhalten, mich umwenden und neu anfangen. Ich darf zu Jesus umkehren und mein ganzes Vertrauen auf ihn setzen.

Umkehr bedeutet auch Abkehr, Abkehr von allem, wozu Gott nicht ja sagt, Abkehr von einem Leben, in dem ich selbst das Sagen habe. Jesus bietet uns an, alles wegzunehmen, womit wir uns zerstören, einander verletzen und das Leben schwermachen. Jesus will uns alles, was wir an Schuld und Fehlverhalten mit uns herumtragen, abnehmen. Wenn wir unsere Schuld im Gebet zu Jesus Christus bringen, fällt eine zentnerschwere Last von uns ab. Umkehr bedeutet also einerseits Abkehr, aber genauso auch Hinkehr, Hinkehr zu Jesus. Er ist der, der uns unsere Schuld wegnimmt. Er ist aber auch der, der uns einen neuen Anfang für unser Leben schenkt. Das gilt einmal bei der grundsätzlichen Umkehr unseres Lebens, der Bekehrung, das gilt aber auch für die vielen Kurskorrekturen, die wir als Christen immer wieder nötig haben.

Jesus Christus begründet, warum Umkehr wichtig ist: „Denn das Himmelreich ist nahe!“ Jesus Christus wird wiederkommen und dann werden wir vor Gott stehen. Nur wer umgekehrt ist, wird vor Gott bestehen können. Wer in der neuen Welt Gottes dabei sein will, braucht Umkehr!

Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, auf die Stimme des Navis zu hören, wenn es sagt: „Bitte wenden!“ Ich habe aber auch gelernt, dass es noch viel wichtiger ist, auf die gute Stimme Jesu zu hören, wenn er mir sagt: „Kehr um! Lass dich korrigieren!“ Es tut gut, falsche Wege zu verlassen und immer wieder ganz neu mit Jesus anzufangen. Der heutige Tag ist gut dazu geeignet!

Autor: Pastor Raimund Puy

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Johannes 10,10

Zwei Arbeitskollegen sitzen nach Feierabend zusammen in einem Lokal und trinken Bier. Dabei kommt es zu einem tieferen Gespräch. „Du, was sollen wir eigentlich hier?“, fragt der eine. „Du meinst, was wir hier in der Kneipe sollen?“, erwidert der andere. „Dumme Frage, Bier trinken natürlich.“ „Du verstehst mich nicht. Was sollen wir hier auf dieser Welt?“, präzisiert der erste seine Frage. „Arbeiten – was denn sonst?“, bekommt er zur Antwort und fährt fort: „Und dann?“ „Für die Familie sorgen!“ „Ja, und dann?“ „Was heißt hier: ja und dann? Du fragst heute Abend viel!“ „Ja, ich frag mich, was wir hier auf dieser Welt sollen? Was ist der Sinn von all dem?“

In jedem Menschen lebt eine unbefriedigte Sehnsucht nach mehr – nach einem sinnvollen, nach einem erfüllten Leben. Aber wo finden wir das? Jesus Christus sagt, dass er den Hunger stillen kann, dass es bei ihm mehr gibt als Dahinvegetieren. Bei ihm gibt es Leben in Fülle!

Der Herr Jesus sagt: „Ich bin gekommen, um ihnen das Leben zu geben, Leben im Überfluss.“ Wir finden diesen Satz im Johannesevangelium, Kapitel 10 Vers 10. Was ist mit dieser Aussage gemeint? Wenn man wörtlich aus dem Griechischen übersetzt, dann geht es um ein Leben, das über das übliche Maß hinausgeht, das außergewöhnlich ist.

Was könnte nun mit dem Leben im Überfluss gemeint sein? Gleich im nächsten Vers spricht Jesus davon, dass er der gute Hirte ist und wir seine Schafe. Haben Sie das Bild vor Augen, wie der Hirte die Schafe auf den richtigen Weg leitet, für reichlich Nahrung und frisches Wasser sorgt, sie beschützt und ganz für sie da ist? So ist Jesus! Er gibt denen, die ihm nachfolgen, ein erfülltes Leben. Manchmal fragen wir uns, wenn es in unserem Leben nicht so nach Plan verläuft: Meint Jesus es wirklich gut mit mir? Er selbst sagt dazu: „Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe!“ Woran können wir erkennen, ob Jesus es gut mit uns meint?

Jesus weiß, was wir brauchen. Er weiß, was uns gut tut und was uns schadet. Sein Weg, den er uns führt, ist ein guter Weg, auch wenn uns das nicht in jeder Situation klar ist. Jesus meint es gut mit uns – das hat er mit seinem Tod am Kreuz ein für allemal bewiesen!

Was ist nun das Besondere an einem Leben mit Jesus als meinem guten Hirten? Unser Herr gibt in Vers 14 selbst die Antwort: „Ich bin der gute Hirte. Ich kenne meine Schafe und meine Schafe kennen mich!“

Jesus kennt Sie! Er kennt Ihre Enttäuschungen und will Sie trösten, er weiß, welche Erfahrungen Sie gemacht haben, welche Sorgen Sie quälen und er kennt auch Ihre Sehnsüchte! Jesus kennt Sie und ist für Sie da! Er ist der, der weiß, wo es lang geht, der weiß, wie das Leben gelingen kann.

Was unser Leben wirklich reich macht, ist: Jesus zu kennen! Wir können in einer intensiven Gemeinschaft mit Jesus leben und mit ihm zusammen unseren Alltag gestalten.

Für mich ist es einfach beglückend, dass Jesus mich kennt – und trotzdem liebt. Es ist für mich  ermutigend, dass ich in jeder Situation mit Jesus reden kann, egal, was los ist. Mir macht es ganz viel Mut, dass Jesus Christus meinen Weg kennt und mich an die Hand nimmt und führt. Jesus macht mein Leben reich! Ja, es stimmt, was er gesagt hat: „Ich bin gekommen, ihnen das Leben zu geben, Leben im Überfluss!“

Autor: Pastor Raimund Puy

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Esra 3,11

Einige Menschen haben die hohe Begabung, in allem, was sie sehen, zuerst einmal etwas Schlechtes zu erkennen. Das Glas ist grundsätzlich halb leer. Alles ist zuerst einmal schwierig und man sollte sich hüten, den Dingen etwas Schönes abzugewinnen. Ihr Lieblingswort ist „aber“, denn damit kann man selbst den schönsten Dingen, den besten Erfahrungen noch etwas Negatives abgewinnen.

Was für eine Wohltat ist ein Mensch, der dankbar durchs Leben geht. Und jetzt berichtet uns die Bibel von einer ganzen Menschenmenge, die nichts anderes kannte als Dankbarkeit. Im Alten Testament, im Buch Esra wird das folgendermaßen ausgedrückt: „Sie stimmten den Lobpreis an und dankten dem HERRN, denn er ist gütig und seine Barmherzigkeit währt ewig.“ Woher kommt diese überschäumende Dankbarkeit? Immerhin waren diese Menschen erst vor nicht allzu langer Zeit aus der Gefangenschaft zurückgekehrt ins Land ihrer Väter.

Sie hätten sich auch selbst bemitleiden können und sagen, „wie um alles in der Welt sollen wir dieses Chaos wieder aufbauen? Alles ist zerstört!“ Außerdem waren die Israeliten schon 26 Monate wieder in ihrem Heimatland und erlebten, dass die Nachbarn sie entmutigen, ihre Arbeit hintertreiben wollten. Lange hatten sie gebraucht, um sich wieder einzurichten.

Aber dann kam der große Einschnitt. Der Grundstein für den neuen Tempel in Jerusalem wurde gelegt. Die Alten weinten vor Glück und die Jüngeren jubelten laut vor Freude. Jetzt würde es wieder sichtbar werden für die ganze Welt: Israel ist Gottes Volk. Und hier im Tempel hat er versprochen gegenwärtig zu sein. Das, was sie über vier Generationen so schmerzlich vermisst hatten, den Tempel in Jerusalem, jetzt würde er wieder auf dem Zionsberg stehen und sie würden wieder hinaufziehen nach Jerusalem, um die herrlichen Feste des Herrn zu feiern. Die Beziehung zwischen Gott und Israel würde wiederhergestellt. Sie dürften wieder mit ihm leben, so wie Gott das wollte.

Was für eine Erleichterung! Sie waren die Generation, die das miterleben durfte. Gott hatte sein Versprechen eingehalten. Er hatte für sie gehandelt. Und jetzt würden sie den Tempel wieder aufrichten. Da war kein Raum zur Klage, da gab es keine Beschwerden. Da gab es nur Dankbarkeit. Was muss das für eine Stimmung gewesen sein! Wie gerne wäre ich da dabei gewesen! Gott handelt, er wirkt und ich darf das miterleben!

Manche behaupten, uns gehe es zu gut. Manchmal hat es ja auch durchaus den Anschein. Wir jammern  wie verwöhnte Kinder. Das wird aber mit Sicherheit nicht allen gerecht. Es gibt Menschen bei uns, denen geht es wirklich schlecht. Nein, ich glaube, wir verlieren allzu schnell aus den Augen, was Gott für uns getan hat und tut. So wie Israel damals die Psalmen gesungen hat, stehen auch uns heute eine große Menge an wunderbaren Liedern zur Verfügung, mit denen wir Gott loben können. Diese Lieder helfen uns, immer wieder neu an das zu denken, was Gott für uns getan hat, uns darauf zu konzentrieren und ihn dafür zu loben. Dann drehen wir uns um ihn und nicht um uns. Und ich glaube, das war das Geheimnis dieser glücklichen Tage damals in Jerusalem.

Autor: Pfarrer Michael Sarembe

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Jesaja 30,18

Gedanken wie: „Muss das denn jetzt sein?“, „Muss ich denn die Welt retten?“, „Warum soll ausgerechnet ich das jetzt gerade tun?“, machen sich breit. Und dann schiebe ich Dinge vor mir her, erledige sie gar nicht oder nur unwillig. Unser menschliches Denken kann manchmal echt kompliziert sein. Spannend ist jetzt, wie die Bibel von der Art spricht, wie Gott denkt! Während uns manchmal gewisse Dinge oder Menschen einfach nur auf die Nerven gehen und uns alles irgendwie zu viel wird, denkt Gott anders.

Er hätte wirklich Grund zu sagen: Löffelt die Suppe gefälligst selbst aus, die ihr euch eingebrockt habt. Ihr wolltet ja nicht auf mich hören! Gott schaut auf eine ganze Reihe von Irrwegen des Volkes Israel zurück. Sie hatten sich zum Beispiel auf menschliche politische Allianzen verlassen, anstatt nach Gott zu fragen und ihn zu suchen.

Aber die Reaktion Gottes ist nun faszinierend! Jesaja sagt im Auftrag Gottes: „Der HERR macht sich auf, dass er sich euer erbarme.“ Nichts von wegen, „Ich hatte euch gewarnt“ oder „Ich hab’s ja schon immer gesagt“. Gott denkt und handelt hier anders. Er kümmert sich um sein Volk. Wie oft hatte das Volk Israel das schon erlebt. Angefangen bei Abraham, über die restlichen Erzväter, bei der Befreiung des Volkes Israel aus der Gefangenschaft in Ägypten,  wenn sie durch benachbarte Völker bedroht waren.

Es war die Erfahrung Israels, dass Gott sich aufmacht, um sich um seine Leute zu kümmern! Dazu muss er sich nicht überwinden, er hält sich an das, was er versprochen hat. „Denn er ist ein Gott des Rechts; wohl allen, die auf ihn harren!“, heißt es noch im selben Vers. Dieser Charakterzug Gottes, seine absolute Treue zu dem, was er versprochen hat – daran hat sich bis heute nichts geändert.

In dem, was Jesus, der Sohn Gottes, für uns getan hat, wird das noch einmal deutlicher. Gott schickt seinen Sohn in unsere Welt, weil er sich über uns erbarmen will. Er will, dass wir erfahren, dass sein Herz für uns schlägt, dass er für uns ist. Gott antwortet auf unsere Nöte, Fragen und Probleme und er tut es gerne. Es gibt nichts in unserem Leben, das ihn nicht bewegen oder interessieren würde. Und in der Art, wie Jesus mit Menschen umgegangen ist, können wir das erkennen.

Verunsicherte, einsame, enttäuschte, kranke, beladene, hoffnungslose Menschen sind zu ihm gekommen und er hat ihnen konkret geholfen, hat ihnen Heilung, Vergebung, Wertschätzung, Sinn und Mut und Hoffnung gegeben und einen Auftrag, mit dem sie etwas in dieser Welt bewegen konnten. Mit einem Wort, er hat sich über sie erbarmt. Wichtig war für ihn nur, dass diese Menschen ihn an ihr Leben herangelassen haben, es zugelassen haben, dass er sich über sie erbarmt, ihnen zurecht hilft.

Gott freut sich, wenn Sie seine Nähe suchen. Wenn Sie das möchten, dann können Sie einfach in Ihrem Herzen mitbeten, wenn ich jetzt mit Gott rede.

Lieber Vater im Himmel, danke, dass ich dir wichtig bin und dass du gerade jetzt an diesem Punkt meines Lebens bei mir sein willst. Du hast es versprochen, ich will dir vertrauen. Amen.

Autor: Pfarrer Michael Sarembe

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2. Mose 23,1

Die Aussage des Bibelverses ist unmissverständlich. Da heißt es, dass Unrecht, vor allem Gewalt, nicht vertuscht werden darf. Wörtlich steht in 2. Mose 23,1: Biete deine Hand nicht einem, der Unrecht tut, indem du als Zeuge Gewalt deckst.

Es beeindruckt mich immer wieder, wie detailliert und klar im Volk Israel das Miteinander der Menschen geregelt wurde. Es darf sich keiner am anderen ungestraft vergreifen. Weder an einem Unterlegenen noch an einer Frau oder an einem Kind oder gar an einem Fremden. Alle müssen sich dem Anspruch von Wahrheit und  Gerechtigkeit stellen. Ich meine, das muss auch heute noch gelten.

Jeder einzelne Mensch muss zum Beispiel vor Übergriffen geschützt werden. Wer aber den Gewalttäter deckt, macht sich mitschuldig. So weit so gut und so klar. In unserem Land wurde dieses Menschenrecht in das normale geltende Recht überführt und mit angemessenen Strafen geahndet.

Neuerdings auch im Netz. Auch da sind Hasskommentare, rassistische Hetze oder Cyber Mobbing strafbar. Aber viele schauen gerne darüber hinweg, weil es unbequem ist, Anzeige zu erstatten. Die meisten klicken einfach weiter oder löschen es in ihrem Account, um sich nicht mit den Verursachern auseinandersetzen zu müssen. Auch das ist Decken von Gewalt. Denn solche Posts können Menschen und ihre Existenz zerstören.

Unter Umständen muss ich mich entscheiden zwischen Freundschaft und Loyalität auf der einen Seite und dem Eingreifen, dem aktiven Widerstand gegen solche Formen von Gewalt und Unrecht auf der anderen.

Christen tragen da eine große Verantwortung für die eigene Gesellschaft und ihre Mitmenschen. Es gilt, gegen Missstände aufzustehen, auch wenn es ein bisschen peinlich oder sehr mühsam oder fast aussichtslos aussehen mag.

Gott sei Dank gibt es ermutigende Beispiele, wie Menschen vorangehen und anderen die Augen öffnen. Zum Reformationsjubiläum 2017 haben wir in unserer Landeskirche gezielt dazu aufgerufen, Unrecht und Schiefes in unserer Kirche und Gesellschaft oder bei uns selbst klar zu benennen. Als eine Möglichkeit konnte man das in einer flammenden Rede tun, die dann als Videoclip aufgenommen und verbreitet wurde.

Es war erstaunlich, was da alles eingereicht wurde und über was viele einfach hinwegsehen. Zum Beispiel hat sich verdeckte Sklaverei und Menschenhandel in unserer Gesellschaft längst wieder eingeschlichen. Vor allem im Zusammenhang mit Flucht, mit Schwarzarbeit und mit Prostitution.

Mich hat eine Einreichung dazu sehr bewegt. Von Anne Böhm-Betzing stammte die Rede. Sie hat hingeschaut. Oder wie sie es selbst ausgedrückt hat: Sie wurde auf dem Fußweg zum Chorsingen in einer Stuttgarter Innenstadtkirche, der Leonhardskirche, direkt darauf gestoßen.  Zum ersten Mal wurde ihr dort das Elend von jungen Frauen, von Prostituierten bewusst, die sich in unmittelbarer Nähe der Kirche aufgehalten haben.  Deshalb verfasste sie eine engagierte Rede gegen den Menschenhandel und für ein Verbot von Sexkauf. Es gehe ihr um die Freiheit dieser Frauen, sagte sie. Deshalb scheue sie in dieser Sache, obwohl andere gerne wegschauen, die Öffentlichkeit nicht. Ihre Rede hat Aufmerksamkeit gefunden, Zustimmung und Widerspruch. Sie wurde von einem Privatsender eingeladen, durfte ihr Anliegen vortragen, wurde aber auch hart kritisiert. Verschiedene Gremien haben sie eingeladen. Einige haben ihr Anliegen unterstützt. Sie hat nicht aufgegeben, obwohl es nicht leicht ist, sich für dieses Thema Gehör zu verschaffen.

Auch wer wegschaut, verdeckt Gewalt. Ich wünsche uns allen den Blick, den Jesus auf die Menschen hatte und dazu den Mut, der seinem Evangelium entspringt.

 

 

Autor: Kirchenrat Dan Peter

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Sacharja 4,6

Letzte Woche bin ich auf einen guten alten Bekannten gestoßen. Ich meine keinen lieben Menschen, sondern einen Bibelvers, ein Wort, das mir immer wieder an wichtigen Punkten meines Lebens begegnet ist. Eigenartig, immer dann, wenn Neues sich abgezeichnet hat oder wenn wichtige Entscheidungen anstanden, ist mir dieser Vers aus dem Propheten Sacharja begegnet: Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.

Vielleicht ist dieser alte Bekannte deshalb  wieder auf meinen Tisch gekommen. Denn gesellschaftlich erleben wir gerade gewaltige Umbrüche.  Da steht man vor einer schwierigen oder großen Aufgabe oder muss eine neue Verantwortung übernehmen.

Vielleicht geht es Ihnen wie mir. Ich schaue auf die Herausforderung, erkenne die damit verknüpften Chancen, aber auch erste Hindernisse, die überwunden werden müssen. Viele Ideen schwirren durch den Kopf. Aber auch die eine oder andere Sorge.

Woran soll ich mich orientieren, worauf konzentrieren? Ich berate mich da gerne mit anderen, aber suche auch hilfreiche Leitgedanken und Leitplanken aus der Bibel. Verse, an denen ich mich aufrichten und festhalten kann, bei den ganzen Aufs und Abs, auch bei allen Kräften, die an mir zerren. Und ausgerechnet jetzt liegt wieder dieses bekannte Wort vor mir: Nicht durch Heer oder Kraft …

Ja, es sind schöne, neue Möglichkeiten, und worüber ich mich richtig freue, motivierte und engagierte Kolleginnen und Kollegen… Aber wir beschreiten einen wirklich neuen Weg. Sehen und können Sie und kann ich genau das, was jetzt erforderlich ist? Oder: Will ich das wirklich, was man von mir erwartet? Oder: Wie reagiere ich, wenn Rückschläge kommen, wenn ich verunsichert werde, wenn Kritik an der Ehre und Eitelkeit kratzt? Oder wenn wir scheitern?

Da halte ich mich fest an diesem vertrauten und mit Erfahrungen verwobenen Bibelvers: Nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist soll es geschehen, spricht der Herr Zebaoth.

Es geht im Leben mit Gott eigentlich nie um meine Manpower, was ich leisten kann, auch nicht um die Menge der Mitarbeiter, nicht um Macht oder Kraft, sondern dass Gott durch seinen Geist etwas bewegt. Mit dem, was da ist und meistens weit darüber hinaus. Im Bibelwort wird betont: Es spricht der Herr Zebaoth. Das ist der Gottesname, der auf die himmlischen Möglichkeiten, auf seine überirdischen Heerscharen verweist.

Das ist so anders und so viel mehr als: Wir schaffen das. Oder: Wir haben die nötigen Ressourcen, also genügend Mittel und kompetente Menschen, um etwas erreichen zu können.

Viel entscheidender ist, dass Gott etwas geschehen lässt – es durch seinen Geist bewirkt. Der alles durchdringt. Dass er den Weg bereitet, Möglichkeiten und Gelegenheiten schenkt, Umstände beeinflusst, sie verändert, manchmal sogar dreht und dann Gelingen bewirkt, vielleicht sogar einen unerwarteten Erfolg auf überraschende Weise schenkt, sogar Rückschläge und  Widrigkeiten durch seinen Segen in Gutes verwandelt.

Ich denke bei diesem altbekannten Wort zurück an solche Erfahrungen und weiß mich heute geborgen und behütet, geführt und gesegnet. Und ich schaue mit diesem Wort nach vorne und bin gespannt, welche Überraschungen unser himmlischer Herr Ihnen und mir schenken wird.  Unterwegs ins Morgen, mit seinem Geist ins Neue hinein.

 

 

Autor: Kirchenrat Dan Peter

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2. Chronik 20,6

„Das sag ich meinem Vater!“ Mit dieser Drohung konnte ich mich als Kind manchmal aus einer brenzligen Situation retten.  Denn mein Vater war für mich der Stärkste überhaupt. Er würde es – aus meiner Sicht - mit jedem aufnehmen. Auch mit dem größten Frechdachs.

Die Zeit, in der ich meinen Vater vorschieben konnte, ist lange vorbei. Nicht vorbei sind die brenzligen Situationen. Jetzt schubsen keine Raufbolde mehr herum. Dafür aber andere Menschen. Oder Lebensumstände.

Vor knapp 3000 Jahren hatte es König Joschafat von Juda mit streitlustigen Zeitgenossen zu tun. „Ein riesiges Heer zieht gegen uns heran“, meldete ihm ein Bote. Die Ammoniter rückten an, um Juda zu vernichten. Joschafat bekam es mit der Angst zu tun. Aber er blieb nicht tatenlos. Schnell rief er sein Volk zusammen. Aus allen Städten Judas kamen sie nach Jerusalem, in den Vorhof des Tempels. Dort betete Joschafat vor seinem Volk:

„Herr, du Gott unserer Väter, bist du nicht Gott im Himmel und Herrscher über alle Königreiche der Völker? Und in deiner Hand ist Kraft und Macht, und es ist niemand, der dir zu widerstehen vermag.“ 2. Chronik 20, 6.

Unglaublich! Da war ein schwer bewaffnetes Heer im Anmarsch. Die erste Reaktion des bedrohten Königs müsste doch sein: „Alle Mann an die Waffen!“ Aber was tat Joschafat? Nichts dergleichen! Er rief zwar sein Volk zusammen. Aber nicht, um Waffen oder Verteidigungspläne zu verteilen. Sondern um zu beten. Er besann sich nicht auf die Stärke seines Heeres. Dafür aber auf Gott – und seine Stärke. Allein von ihm erwartete er Hilfe. Und den Sieg.

Auch in unserem Leben gibt es Heere. Sie dringen auf uns ein und können uns ganz schön durcheinander bringen. Aufgaben und Verpflichtungen bedrängen, wollen uns erdrücken. Wir kommen nicht mehr dagegen an. Tag für Tag ein Leben wie im Hamsterrad.

Unsere ersten Reaktionen sind vielleicht: „Das muss ich in den Griff kriegen.“  oder  „Ich muss mich wehren!“ Oder: „Dickes Fell anlegen.“ Meine Erfahrung ist, dass ich mit den eigenen Strategien über kurz oder lang scheitere. Irgendwann ist es genau wie vorher. Das „Heer“ marschiert wieder zielgerichtet auf mich zu.

Darum möchte ich von König Joschafat lernen. Nicht sofort Pläne entwickeln, nicht sofort zu den Waffen greifen. Aber sofort zu Gott gehen. In seiner Hand sind Macht und Stärke. Niemand und nichts kann gegen ihn bestehen. Weder Menschen noch Krisen. Genau wie Joschafat möchte ich fest mit Gottes Eingreifen rechnen. Und mit seinem Sieg. Gott hat Joschafats Vertrauen nicht enttäuscht. Und auch mich wird er nicht enttäuschen. Denn er ist mein Vater – mein himmlischer Vater.

2. Korinther 6, 18: „ Ich werde euer Vater sein, und ihr werdet meine Söhne und Töchter sein. So spricht der Herr, der allmächtige Gott.“

Unser leiblicher Vater mag uns viel bedeuten, uns mit Liebe und Schutz umgeben. Aber vollkommen ist er nicht. Er kann auch enttäuschen. Und sogar verletzen. Das ist bei unserem himmlischen Vater nicht möglich. Seine Liebe zu uns bekommt keine Sprünge. Denn sie ist vollkommen. Das hat er bewiesen, indem er seinen eigenen Sohn am Kreuz hat sterben lassen. Für uns. Für die Sünde, die uns von Gott trennt. Damit ist der Weg zum Vater frei. Wir dürfen kommen. Und noch mehr: Jesus lebt! Darum können wir – durch ihn - sogar eine vertraute Beziehung zu unserem himmlischen Vater aufbauen. In seiner Gegenwart müssen wir keine Angst, keine Zweifel und keine Befürchtungen haben. Sondern dürfen zutiefst geborgen sein.

„Das sag ich meinem Vater!“ Was als Kind ein Ausruf in Hilflosigkeit war, darf nun im Blick auf meinen himmlischen Vater zur Selbstverständlichkeit werden. Fühle ich mich verletzt, betrogen, übervorteilt? „Das sag ich meinem Vater!“ Komme ich aus den Mühlen des Alltags nicht heraus? „Das sag ich meinem Vater!“ Und wenn ich vor Freude platzen könnte: „Das sag ich meinem Vater!“

 

Autor: Gudrun Weber

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1. Korinther 1,28

Das Fach Chemie fiel mir in der Schule schwer. Einmal sollte ich etwas an der Tafel demonstrieren. Vergeblich. Ich verstand die Zusammenhänge einfach nicht. Das wiederum verstand die Lehrerin nicht. Frustriert schickte sie mich an meinen Platz und fragte: „Werden Sie überhaupt versetzt?“ Was ich darauf antwortete, weiß ich nicht mehr. Aber ich wurde versetzt. Jedes Jahr.

Das ist ein halbes Jahrhundert her. Doch auch heute können Menschen ruppig mit uns umgehen. Uns nur zu deutlich vor Augen führen, dass sie wenig von uns halten. Uns gering schätzen. Und uns dabei ganz schön wehtun.

Zur Zeit der ersten Christen war das offenbar nicht anders. Wer weder große Bildung noch Reichtum oder Ansehen vorweisen konnte, der bedeutete recht wenig. Erst recht, wenn er an Jesus Christus glaubte. Für solch einen Glauben hatten die meisten Klugen und Gelehrten nur ein müdes Lächeln übrig.

In seinem ersten Brief an die Korinther packt Paulus dieses Problem an. Und zwar ziemlich unmissverständlich. Wir lesen in Kapitel 1 Vers 28: „Was gering ist vor der Welt und was verachtet ist, das hat Gott erwählt, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist.“

Wählen – politischer oder anderer Art - gehört zu unserem Leben. In der Regel schauen wir uns vor jeder Wahl die Kandidaten genau an. Sachverstand müssen sie haben,  sympathisch wirken und überzeugend auftreten. Wer dazu noch ein paar Auszeichnungen vorweisen kann, der hat besonders gute Chancen. Wir wollen schließlich die Beste oder den Besten wählen.

Gott wählt auch. Und auch er schaut sich die Kandidaten genau an. Aber – wie erstaunlich:  Auf seiner Wahlliste scheinen nicht die intellektuellen oder finanziellen Überflieger zu stehen! Und auch nicht die Prominenten oder Kompetenten.  Nein – er konzentriert sich offenbar auf die, die nicht honoriert oder hofiert werden. Und schaut gerade zu denen hin, von denen wir am liebsten wegsehen.

Denn das beweisen die Merkmale seines Spitzenkandidaten. Von diesem heißt es: „Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.“ So berichtet der Prophet Jesaja im 53. Kapitel Vers 3.

Die Rede ist nicht vom zerlumpten Bettler am Weg. Sondern vom Sohn Gottes. Von Jesus Christus. Gott hatte ihn erwählt, Mensch zu werden. Zu uns auf die Erde zu kommen. Dort ging er, der himmlische König, den Weg der Bedeutungslosen, der Geringen.  Und starb schließlich den Tod eines verachteten Verbrechers am Kreuz. Unschuldig. Warum? Der Prophet Jesaja gibt die Antwort in Vers 5: „Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“

In tiefster Verlassenheit errang Jesus am Kreuz den größten Sieg aller Zeiten. Den Sieg über die Sünde, den Tod und den Teufel. Damit wir Vergebung erfahren können. Und Frieden mit Gott. Doch das war noch nicht das Ende. Jesus ist auferstanden, er lebt. Darum kann er heute jeden Geringen und Verachteten verstehen – und ihm beistehen.

Gott hat eine Schwäche für die Schwachen. Für die, die nicht nur auf sich selber zählen. Für die, die mit der eigenen Kraft am Ende sind. Die kann er für sein Reich gebrauchen. Denen gibt er Gaben und Aufgaben. Und rüstet sie aus mit seiner Kraft. So können sie mit ihm und durch ihn viel in dieser Welt bewirken.

Auch wenn sie dabei von den Mitmenschen kaum beachtet werden und nach deren Maßstäben nichts wert sind: Gott legt andere Maßstäbe an. Und die gelten wirklich! Wir werden ganz sicher einmal staunen, wer oder was in der Ewigkeit zählt.

Autor: Gudrun Weber

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Lukas 19,5

Herr Z hatte es gut. Mit unternehmerischem Geschick hatte er sich eine lukrative Existenz aufgebaut. Alle Menschen, die er kannte, mussten nach seiner Pfeife tanzen. Die einen, weil sie für ihn arbeiteten. Die anderen, weil sie ihm ständig Geld schuldeten. Die ganze Stadt kannte ihn, die ganze Stadt empörte sich über ihn, aber das schien ihm wenig auszumachen. Er lebte im Luxus. Herr Z hatte wenige Freunde, aber viel Geld.

Bis eines Tages Jesus in seine Stadt kam. Wir finden die Geschichte im Lukasevangelium Kapitel 19. Herr Z wird dort mit vollem Namen genannt: Zachäus, der Oberste der Zolleintreiber. Von der römischen Besatzungsmacht hatte er die Lizenz ersteigert, Zölle zu erheben. Längst hatte er andere eingestellt, die an den Stadttoren saßen und für ihn arbeiteten. Zachäus war als  der, der mit den ungeliebten Römern zusammenarbeitete und als superreicher Finanzhai die Zielscheibe für den Volkszorn. Er war zudem auffallend kleinwüchsig, und es würde mich wundern, wenn man keine stadtbekannten Spottlieder auf ihn gedichtet hätte.

Eines Tages kommt Jesus in seine Stadt - Jericho. Zachäus ist schaulustig wie alle anderen auch, aber er ist klein, er ist unbeliebt, er mischt sich nicht gern unters Volk. Also klettert er auf einen Baum. Der Evangelist Lukas hat aufgezeichnet, was dann passiert - Lukasevangelium Kapitel 19 Vers 5:

Als Jesus an dem Baum vorüberkam, schaute er hinauf und rief: »Zachäus, komm schnell herunter! Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.«

Ich lese das, höre das, und wundere mich: Woher weiß Jesus, dass Zachäus da oben im Baum sitzt? Woher weiß Jesus, dass er Zachäus heißt? Okay, sagen Sie jetzt vielleicht - Jesus ist Gottes Sohn, er weiß solche Dinge halt, ohne dass sie ihm jemand gesagt hat.

Aber wissen Sie, was mich dann erst recht wundert? Das Wörtchen „muss“. Hören Sie nochmal genau hin:

Als Jesus an dem Baum vorüberkam, schaute er hinauf und rief: »Zachäus, komm schnell herunter! Ich - muss - heute in deinem Haus zu Gast sein.«

Wissen Sie, alle in der Stadt mussten nach Zachäus’ Pfeife tanzen. Bis auf einen - Jesus. Jesus war der eine, der bei Zachäus gar nichts musste. Er war der eine, der alles Recht der Welt gehabt hätte, achtlos an Zachäus vorbei zu gehen. Wäre das Zachäus nicht endlich einmal eine Lehre gewesen? Wäre Zachäus dann nicht endlich mal auf seine normale Bedeutung zurecht gestutzt worden?

Nein - der einzige, der bei Zachäus nichts muss, Jesus, spricht ihn an, sucht den Kontakt und lädt sich selbst beim Obersten der Zolleintreiber zum Abendessen ein.

Warum tut Jesus das? Ich glaube, weil er Mitleid hat mit diesem verbogenen, verkorksten und verachteten Menschen Zachäus. Er sieht in ihm nicht den Verräter am eigenen Volk, nicht den Finanzhai. Er sieht mitten in allem Reichtum von Zachäus die Bedürftigkeit seines Herzens. Und dann drängt es Jesus, Zachäus in seiner ganzen Verbogenheit zu retten. Deshalb „muss“ Jesus bei Zachäus zu Gast sein.

Lukas erzählt weiter, wie Zachäus nach dem Abendessen mit Jesus die Übervorteilten entschädigt und seinen Reichtum an die Armen spendet. Aber für mich ist dieser Ausgang der Geschichte beinahe nebensächlich. Das eigentliche Wunder ist, dass es Jesus drängt, Zachäus zu retten und die Bedürftigkeit seines Herzens zu heilen. Dass Jesus zu Zachäus kommt, „um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“, wie er in Vers 11 erklärt.

Und wenn Jesus für einen wie Herrn Z kommt - dann ganz sicher auch für Sie und für mich.

Autor: Dr. Jörg Dechert

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Epheser 2,10

„Das ganze Leben ist ein Quiz, und wir sind nur die Kandidaten…“ trällert Komiker Hape Kerkeling in seinem Schlager aus dem Jahr 1991. „Das ganze Leben ist ein Quiz, ja und wir raten, raten, raten…“.

Fühlen Sie sich manchmal so? Das ganze Leben ist ein Quiz, ein Rätsel, das es zu knacken gilt? Alle Menschen als Kandidaten, die angestrengt „raten, raten, raten“? Und Gott als himmlischer Quizmaster, der die Aufgaben verteilt, die menschlichen Bemühungen beobachtet, und am Ende die Punkte verteilt?

Ich glaube, das dieses Bild falsch ist. Es entspricht nicht der Wirklichkeit des Lebens, und es entspricht auch nicht der Wirklichkeit Gottes. Leben und Leisten und Glauben hängen in Wahrheit ganz anders zusammen. Im Neuen Testament setzt sich der Apostel Paulus einmal mit dieser Frage auseinander. Ich glaube, für ihn als Pionier und Gründer christlicher Gemeinden im 1. Jahrhundert war das auch eine ganz persönliche Frage: Was ist mein Leben in Gottes Augen? Was muss ich für ihn leisten? Welche Rolle spielt mein Glaube dabei?

Paulus schreibt zu dieser Frage im Epheserbrief Kapitel 2 Vers 10 folgendes:

Was wir sind, ist Gottes Werk; er hat uns durch Jesus Christus dazu geschaffen, das zu tun, was gut und richtig ist. Gott hat alles, was wir tun sollen, vorbereitet; an uns ist es nun, das Vorbereitete auszuführen.

Das Wichtigste zuerst: “Was wir sind, ist Gottes Werk.“ Daraus nehme ich für mich mit: Gott hat mich gemacht. Er ist kein Quizmaster, der mich raten lässt und testet, was ich drauf habe. Nein, Gott ist der Autor meines Lebens, er kennt mich ganz genau, von innen und von Anfang an. Was wir sind, ist Gottes Werk, er hat uns durch Jesus Christus geschaffen…

Und wozu? Was ist meine Aufgabe, was ist Gottes Erwartung an mich? Paulus sagt: …das zu tun, was gut und richtig ist. Das bedeutet für mich: Gott hat mich dazu geschaffen, so zu leben wie Gott es gut und richtig findet. Wie ein Trainer einen Sportler auf den Wettkampf vorbereitet, gibt Gott seinen Menschen alles mit, was sie für ein gutes Leben brauchen. Oder um es in einem anderen Bild zu beschreiben: Gott ist nicht der Fahrprüfer, der mit kritischem Blick bewertet, wie viele Fehler der Fahrschüler macht - er ist der Fahrlehrer, der seinen Schüler optimal auf die Fahrprüfung vorbereitet und mit ihm mitfiebert.

Gott ist der Autor des Lebens - er hat mich geschaffen.


 Gott ist der Trainer des Lebens - er gibt mir das Entscheidende mit, damit ich gut und richtig leben kann.


 Und Gott ist der Regisseur des Lebens - er begleitet mich in der Rolle, die er mir auf den Leib geschrieben hat.

Bei Paulus klingt das so: Gott hat alles, was wir tun sollen, vorbereitet; an uns ist es nun, das Vorbereitete auszuführen. Das heißt für mich: Ich darf ausleben, was Gott in mich hinein gelegt hat. Ich darf seine Regieanweisungen beherzigen, um sein Geschenk eines erfüllten Lebens auszupacken und zu entdecken und zu meiner Erfahrung zu machen.  

Das ganze Leben ist eben kein Quiz, wir sind keine Kandidaten, und wir müssen auch nicht raten, raten, raten. Nein, die Wahrheit ist:

Was wir sind, ist Gottes Werk; er hat uns durch Jesus Christus dazu geschaffen, das zu tun, was gut und richtig ist. Gott hat alles, was wir tun sollen, vorbereitet; an uns ist es nun, das Vorbereitete auszuführen.

Deshalb lohnt es sich, Gott kennen zu lernen, ihm vertrauen zu lernen, und seiner Führung durch’s Leben zu folgen.

 

Autor: Dr. Jörg Dechert

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Jesaja 6,3

Wie haben Sie es mit dem Wort ‚heilig‘? Die einen beklagen, dass heute nichts mehr heilig sei. Andere ärgern sich über die angebliche oder tatsächliche Scheinheiligkeit von manchen Christen. Die Dritten wundern sich bisweilen, wer von wem und warum heiliggesprochen wird. Und nur die wenigsten denken daran, dass sich die ersten Christen samt und sonders als heilig verstanden. Nicht weil sie sich perfekt oder vollkommen wähnten. Sondern weil überzeugt waren, dass der Heilige Geist in ihnen auf sie ausstrahlte.

Im Wort zum Tag heute kommt das Wort gleich dreifach vor. Himmlische Wesen, die sogenannten Serafim, singen in der Berufungsvision des Propheten Jesaja: „Heilig, heilig, heilig ist der HERR, der allmächtige Gott! Seine Herrlichkeit erfüllt die ganze Welt.“ (Jes. 6,3) Wie kann man das verstehen? Ein Theologe meint, ‚heilig‘ umschreibe, wie Menschen die Dimension des Göttlichen erfahren: als eine Verdichtung von Wirklichkeit, die tiefste Schichten ins uns anrührt und zum Schwingen bringt. Das ist erschreckend und heilsam zugleich. Wenn wir die ganze Berufungsgeschichte Jesajas in den Blick nehmen, wird anschaulich, was das heißen könnte. Die Bibel beschreibt diese Geschichte so:

Es ist eine einmalige Erfahrung. Während einer Feier im Tempel weitet sich für Jesaja plötzlich der Raum. Er sieht in echt, was sonst in der Liturgie nur dargestellt wird: den großen, heiligen Gott mitten in seinem Hofstaat. Im ersten Moment ist er überwältigt. Doch dann fährt ihm gleich der Schreck in die Glieder. Ein ganz kurzer Moment in der Nähe Gottes reicht um zu erkennen, wie groß die Distanz zwischen Mensch und Gott ist. Darum hat Jesaja zunächst Angst, Gottes Heiligkeit werde ihn verbrennen. Schließlich hat er ja, so formuliert er es, ‚unreine Lippen‘. Er realisiert, was alles in seinem Leben nicht in Ordnung ist. Das bedeutet vor allem die Einsicht: In meinem Leben wird wenig deutlich, dass ich von Gott weiß, seine Weisungen kenne und seinem Geist vertraue. Die ‚unreinen Lippen‘ sind ein Symbol für Vieles: Vor Gott kann nicht bestehen, was Jesaja hat schlucken müssen, was er begierig eingesogen hat, was er ausgespuckt hat, aber auch, was er – vielleicht in frömmster Absicht – gesagt hat, geflüstert oder geschrieben. Darum sein Schrei: „Weh mir, ich vergehe!“ – Ganz ähnlich hat übrigens später Petrus Jesus gegenüber empfunden und darum gesagt: „Geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch!‘ (Lk. 5,8)

Wie Jesus dann vor Petrus nicht zurückweicht, sondern ihn in seinen Dienst nimmt, so lässt Gott nicht zu, dass Jesaja stirbt. Doch ein Reinigungsprozess muss sein. Ein Gottesbote kommt zum Propheten. Er berührt mit einem glühenden Stück Kohle heilend und reinigend, schmerzhaft und erleichternd die unreinen Lippen mit dem Feuer der Liebe, der Hingabe, der Vergebung. So von Gottes Heiligkeit angesteckt, kann Jesaja sich von Gott rufen und senden lassen. Und er wird selbst zum Heiligen, weil er von Gottes Heiligkeit berührt ist.

Nicht weniger wünscht sich Gott für uns. Dass wir, von seinem Heiligen Geist berührt und durchdrungen, selbst zu Heiligen werden, die andere anstecken mit göttlichem Leben.

 

Autor: Pfarrer Daniel Eschbach

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