ERF Plus - Wort zum Tag

Jesus das Ohr leihen

In unseren Breitengraden haben wir uns unter der Hand auf die Aussage verständigt: Glaube und Religion - das sind Privatsachen. Was wir glauben, das geht niemanden etwas an. Im Raum der Kirche und der Gemeinde kann man ja über so etwas reden, aber bitte nicht in der Öffentlichkeit. Wer weiß, was dann die anderen über uns denken, wenn wir von unserem Glauben reden.

Mit diesem heimlichen Einverständnis befinden wir uns jedoch nicht in der Spur Jesu. Jesus beauftragt und sendet seine Jünger, seine Schüler, als Zeugen. Sie sollen weitersagen, was sie von ihm gehört und aufgenommen haben.

Jemand hat mal gesagt: Nur wer von etwas begeistert ist, der kann auch andere begeistern. Nur wer eine persönliche Beziehung zu Jesus hat, der wird auch davon weitererzählen. Wenn Sie diese Freundschaft mit Jesus noch nicht geschlossen haben, dann ist das kein Problem. Vielleicht hat es Ihnen auch noch niemand gesagt und Sie dazu eingeladen. Der ganze Weg, den Gott zu Ihnen und mir zurückgelegt hat, bedeutet eine Freundschaftseinladung an Sie.

Der lebendige Gott hatte im Lauf der Geschichte viele Anläufe unternommen, um mit seinen geliebten Geschöpfen Gemeinschaft zu haben. Könige, Priester und Propheten hat er seinem Volk geschickt. Die haben sich den Mund fusselig geredet. So hat ein Prophet mit Namen Amos gerufen: Kehrt um zu Gott. So werdet ihr leben. (Amos 5, 4)

Doch alle Anläufe haben nicht dazu geführt, dass Menschen ihm neu vertraut haben. So hat Gott sich zuletzt seinen einzigen Sohn vom Herzen gerissen. Jesus als der Sohn Gottes wurde das Kind in der Krippe. Der junge Mann, der unser Leben ganz geteilt hat - mit all seinen Höhen und Tiefen.

Zwölf Schüler - Jünger genannt - hat dieser Jesus um sich gesammelt. Er hat Kranke geheilt, er hat Armen die frohe Botschaft verkündigt. Die Menschen haben ihm stundenlang an den Lippen gehangen. Er hat ihr Leben verändert. Doch auch der Widerstand ließ nicht lange auf sich warten. Das war den Schriftgelehrten, den Theologen der damaligen Zeit, ein Dorn im Auge. Vor allem sein Anspruch, Gottes Sohn und damit die einzige Rettung zu sein. Und so verrieten sie ihn, machten ihm den Prozess, verspotteten ihn, schlugen ihn und nagelten ihn schließlich ans Kreuz dort draußen auf der Müllkippe Golgatha.

Doch Jesus hat seine Liebe zu seinen Menschen durchgehalten. Er hat die Feindschaft, das Misstrauen, die Sünde dort ein für alle Mal bezahlt. Jetzt ist Frieden und neue Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott kein Wunschtraum mehr. Der Vater hat seinen geliebten Sohn als ersten am Ostermorgen aus dem Grab herausgeholt.

Wer jetzt zu ihm kommt und ihn bittet: „Jesus, ich möchte auch zu dir gehören“, den stößt er nicht hinaus, sondern streicht die Schuld durch und schenkt ihm Leben mit unbegrenzter Haltbarkeit.

Die Feindschaft ist nun endgültig vorbei. Mehr noch. Jesus begegnet nach seiner Auferstehung seinen Leuten mehrmals. Er redet mit ihnen und sendet sie. Was die Jünger hören und erfahren, pfeifen sie jetzt von allen Dächern.

Die Flachdächer waren die Versammlungsräume im Sommer, besonders im Orient. Wem Jesus in seinem Leben begegnet ist, der wird verändert, der wird es eben nicht für sich behalten. Er wird - so wie es einmal der Reformator Martin Luther sinngemäß ausgedrückt hat - wie ein Bettler dem anderen sagen, wo es Brot gibt. Lebensbrot, das den Hunger nach echtem Leben stillt. Lebensbrot, das meine Vergangenheit bereinigt, mir Sinn in meinem Leben und sogar Zukunft über den Tod hinaus schenkt.

Leihen Sie diesem Jesus heute Ihr Ohr und dann erzählen Sie es anderen weiter.

So wie es im Matthäusevangelium heißt: „Was euch gesagt wird in das Ohr, das verkündigt auf den Dächern.“ (Matthäus 10,27)

Autor: Matthias Rapsch

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Eine Mannschaft

Immer wieder erleben wir, wie Sportteams, die keine großen Stars aufweisen, den vermeintlich stärkeren Mannschaften Paroli bieten. Woran liegt das? Meist heißt es dann in der nachfolgenden Spielanalyse: „Wir haben mannschaftliche Geschlossenheit gezeigt. Wir waren eine Einheit auf dem Platz trotz der unterschiedlichen Spielertypen.“ Der Apostel Paulus spricht es der Gemeinde in Korinth und uns heute zu. Dabei schließt er sich mit ein:

„Wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt.“ (1. Kor. 12,13)

Diese Einheit ist durch das Geschenk der Taufe und die Hinwendung jedes einzelnen zu Jesus Christus bereits vorgegeben. Er hat sich aus allen Völkern und Nationen, aus allen Gesellschaftsschichten und Generationen seine Gemeinde gesammelt und geboren. Was für eine bunte und vielfältige Mannschaft. Und dabei hat er menschliche Grenzen und Trennungen durch seinen Geist überwunden. Wir sind durch Jesus Christus als Schwestern und Brüder verbunden.

Noch unter dem Kreuz hat Jesus schon diese besondere Gemeinschaft geschenkt: So weist er einen seiner Schüler, Johannes, an seine Mutter, die Maria. Und Maria ruft er im Blick auf Johannes zu: Schau mal - das ist jetzt dein Sohn. Mit menschlichen Anstrengungen würden wir das nicht hinkriegen, aber Jesus schenkt diese Einheit durch seinen Geist. Er sendet seine Leute und uns mit dem Auftrag in die Welt: „Geht hin und macht zu Jüngern. Geht auf Sendung.“

In der Fußballersprache müsste das heißen: Schießt Tore für das Himmelreich. Dazu sende ich euch mit meinem Geist. Auch wenn alle 11 Spieler auflaufen, so kommt es jetzt darauf an, dass wir diese von Gott geschenkte Einheit auch leben. Heißt das jetzt, dass wir alle gleichförmig und uniformiert werden müssen? Heißt das, dass alle auf der gleichen Position spielen? Nein, jeder bringt sich mit den Gaben, mit der Originalität, die Gott ihm schenkt, in seiner Missionsmannschaft - der Gemeinde - ein.

Wir dürfen dabei den anderen neu als Bruder und Schwester mit seinen Gaben entdecken. Wir lernen dabei, in der Gemeinde grobe Fouls zu vermeiden: Wir reden gut über- und miteinander. Wir legen immer wieder Zorn und Neid ab und sind bereit, dem anderen zu vergeben. Wir hören auf, die Fundamentalismus-Keule zu schwingen, wenn sich Menschen auf den Weg machen, um andere auf ihre Weise zu Jesus Christus einzuladen. Wir nehmen uns den Ball nicht weg, sondern spielen ihn uns zu und freuen uns mit, wenn nur ein Mensch Jesus kennenlernt und ihm sein Leben anvertraut.

Wir lassen es nicht zu, dass uns Herkunft, Alter oder Bildungsgrad in der Gemeinde trennen. Wir sind aber auch dankbar für die Gaben, die Jesus uns geschenkt hat. Wir verstecken sie nicht. Wir bringen sie an dem Platz ein, an den wir von ihm gestellt sind. Wir fördern jüngere Mitarbeiter und nehmen sie eine Zeitlang an die Hand.

Das werden andere spüren und nach dem Geheimnis unseres Glaubens fragen: So wie es mir als Jugendlicher auf meiner ersten christlichen Freizeit ging. Es war ein spannendes Programm und diese Jesusleute strahlten etwas aus, das mich neugierig machte. Sie redeten und lebten mit diesem Jesus. Das wollte ich auch. Zu dieser Jesusmannschaft dürfen Sie auch gehören.

Autor: Matthias Rapsch

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Das Beispiel Bileams

Ein vollmundiges Bekenntnis, das Bileam hier ablegt. Nachzulesen im 4. Buch Mose, Kapitel 22.

Wie kam es dazu? Der Moabiterkönig Balak fürchtete sich vor der Kampfkraft der Israeliten. Diese hatten zuvor die Amalekiter besiegt. Da suchte Balak nach einer Möglichkeit, die Israeliten zu schwächen und kam auf die Idee, sie mit einem Fluch zu belegen.

Er erinnert sich, dass in Petor am Euphrat ein Mann namens Bileam lebt, der sich auf das Verfluchen versteht. So schickt er Boten zu ihm. Bileam solle kommen und die Israeliten verfluchen. Er soll dafür auch gut bezahlt werden. In der Nacht spricht Gott zu Bileam und verbietet ihm, mit den Boten zu gehen und die Israeliten zu verfluchen. So weigert sich Bileam, den Boten zu folgen. Aber Balak lässt nicht locker. Er schickt eine zweite, noch höherrangige Delegation zu Bileam. Die tragen wiederum das Anliegen vor und versprechen eine noch höhere Bezahlung. Bileam antwortet: „Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch nicht übertreten das Wort des HERRN.“

Das klingt gut. Da scheint ein Mann mit Prinzipien zu sprechen, der nicht käuflich ist. Aber warum lässt er dann die Delegation bei sich übernachten mit dem Hinweis, er müsse Gott befragen? War Gottes Antwort beim ersten Besuch nicht klar und eindeutig? Offenbar spekuliert Bileam im Grunde seines Herzens damit, dass Gott seine Meinung ändern wird und er sich doch noch den enormen Geldbetrag verdienen kann. Offenbar ist Bileam doch kein Mann mit unerschütterlichen Überzeugungen.

Der weitere Verlauf der Ereignisse zeigt, dass Bileam nicht gegen Gottes Anweisung handeln will. Andererseits aber nicht konsequent ist. Konsequent wäre es gewesen, die Delegation unvermittelt zurückzuschicken und selbst zu Hause zu bleiben. Aber Bileam lässt die Boten bei sich übernachten und reist am nächsten Tag mit ihnen zusammen zu deren König Balak.

Im Neuen Testament wird Bileam an einigen Stellen erwähnt. Dabei wird er jeweils als negatives Beispiel verwendet. So z. B. im 2. Petrusbrief, Kapitel 2. Dort geht es um falsche Propheten. Über sie schreibt der Apostel: „Sie verlassen den richtigen Weg und gehen in die Irre und folgen dem Weg Bileams, der den Lohn der Ungerechtigkeit liebte.“ (2 Petr 2,15)

Bileam fing einmal gut an, als er den Entschluss bekundete: „ Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch nicht übertreten das Wort des HERRN.“ Aber in seinem Leben ging er immer wieder faule Kompromisse ein. Offenbar war es ihm nicht gelungen, die Habgier und Geldliebe aus seinem Herzen zu verbannen. Das sollte mir und jedem Christen eine Warnung sein. Auch wir stehen in der Gefahr, trotz guter Absichten und klarer Bekenntnisse auf den Weg Bileams abzugleiten, das heißt: der Sünde nachzugeben.

Die richtigen Entschlüsse zu fassen, ist ein guter Anfang. Aber auf dem weiteren Weg brauchen wir die Führung durch den Heiligen Geist, um nicht auf falsche Wege zu geraten. Und dann natürlich auch den Gehorsam, diesen Führungen zu folgen.

Autor: Bernhard Scharrer

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Beten wie es einem ums Herz ist

„Meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit und dich täglich preisen.“ Mit diesen Worten beendet David ein Gebet, das in der Bibel als Psalm 35 aufgeschrieben ist. „Wieder einer der zahlreichen Lob- und Dankpsalmen“, dachte ich zuerst, als ich den Vers gelesen hatte. Aber dann las ich den ganzen Psalm durch und stellte fest, dass es sich ganz anders verhält.

David ist in großer Not und Bedrängnis durch feindlich gesinnte Menschen. Er fleht Gott an, mit seinen Feinden abzurechnen. David hat kein Verständnis dafür, dass er vor Menschen fliehen musste, die ihn grundlos töten wollten. Sein Ruf nach Gottes Eingreifen und Bestrafung war aufrichtig und entsprang nicht dem persönlichen Wunsch nach Rache. Es war David ein ernstes Anliegen, dass Gottes Maßstäbe im ganzen Land durchgesetzt würden. So sagte er auch, dass er nicht selbst Rache nehmen will, sondern die Sache Gott überlässt. Aber er machte Gott im Gebet auch Vorschläge, wie das aussehen könnte. Dabei ist er nicht zimperlich, wenn er Gott bittet: „Zücke Schwert und Streitaxt gegen meine Verfolger.“ (V.3)

Das mag für manchen befremdlich klingen. Aber es ist ein Zeugnis dafür, dass wir Gott im Gebet alles sagen dürfen, was wir auf dem Herzen haben. Beim Beten geht es nicht darum, wohlgeformte Sätze zu formulieren. Es geht nicht darum, diplomatisch korrekt zu reden. Nein, von David können wir lernen, dass wir im Gebet reden können, wie uns der Schnabel gewachsen ist und dabei kein Blatt vor den Mund zu nehmen brauchen.

Es scheint mir so, als ob David seinen ganzen Frust loswerden musste. Er hatte nur das Beste im Sinn, wollte ganz treu den Auftrag Gottes erfüllen. David wollte gerecht handeln und zum Wohl der Menschen wirken. Statt Anerkennung bekam er Feindschaft zu spüren. „Sie lästern und spotten über mich, sie rotten sich zusammen zum Schlag gegen mich“ (V. 15 + 16), so klagte er Gott sein Leid.

Das musste David loswerden. Dabei hörte er aber nicht auf, Gott zu vertrauen. Das erlittene Unrecht, die falschen Anklagen, die feindselige Verschwörung führten nicht dazu, dass er selbst zu den Waffen griff und sich Recht verschaffen wollte. „Herr, mein Gott, verhilf mir zum Recht nach deiner Gerechtigkeit“ betete er (V. 24). Und dabei rechnete er fest damit, dass Gott eingreifen würde. So beendete er das Gebet mit dem Entschluss: „Und meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit und dich täglich preisen.“

Wie oft erleiden auch heute Menschen Unrecht, werden gemobbt, verleumdet, falsch beschuldigt, müssen die Coronakrise mit ausbaden, obwohl sie sich an die Regeln gehalten haben? Vielleicht geht es auch manchem Zuhörer so. Dann lassen Sie sich doch von Davids Beispiel leiten. Reden Sie sich allen Frust von der Seele. Sagen Sie Gott ganz unverblümt, wie es ihnen zumute ist. Aber halten Sie auch fest am Vertrauen, dass er Ihnen beistehen wird.

Dabei sind Sie ja nicht auf sich allein gestellt. Selbst wenn Sie keinen Menschen haben, der Ihnen seelsorgerlich zur Seite steht, haben Sie doch Jesus an der Seite. Und wer kann Menschen, die Unrecht erleiden, besser verstehen als Jesus Christus? Hat er doch in einem Maße wie kein anderer Unrecht erlitten und blieb dabei geduldig und sanftmütig. Er versteht uns und will uns helfen.

Und wir können mit David bekennen: „Meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit und dich täglich preisen.“

Autor: Bernhard Scharrer

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Leidende unter sich

38 Jahre gehörte jener Leidende zu den Bewohnern im „Haus Betesda“. 38 Jahre lag er auch draußen am „Teich Betesda“. Denn man versprach sich Heilung von jenem Wasser, das sich in gewissen Zeitabständen auf geheimnisvolle Weise bewegte. Allerdings - immer nur für den einen Kranken, der als erstes ins Wasser gelangte.

Es ist schon erstaunlich, an welche Strohhalme sich Menschen mitunter klammern, um in ihrer Not Hilfe zu bekommen. Hat der Leidensdruck erst einmal ein gewisses Maß überschritten, setzen Menschen ihre Hoffnung so ziemlich auf alles.

Die einen vertrauen auf die Kraft magischer Steine, andere vertrauen auf die Kraft der Bäume. Wieder andere setzen ihr Vertrauen in die Magie des Wassers. Das ist heute nicht anders als zu biblischen Zeiten. Und so legte man auch jenen Kranken Tag für Tag an jenen geheimnisvollen Teich Betesda.

Doch längst schaute er nicht mehr mit wachen, suchenden und hoffnungsvollen Augen auf das Wasser. Er lag nur noch da und starrte vor sich hin - apathisch und stumm, den leeren Blick auf „unendlich“ gerichtet. Für ihn gab es selbst den berühmten Strohhalm nicht mehr, an den er sich klammern konnte.

Der Satz: „Wem das Wasser bis zum Halse steht, der darf den Kopf nicht hängen lassen…“ bewirkte bei ihm nur noch ein müdes Lächeln. Und den gut gemeinten Hinweis: „Die Hoffnung stirbt zuletzt…“ konnte und wollte er nicht mehr hören. Denn längst war die Hoffnung für ihn erstorben, und geblieben war eine tiefe innere Einsamkeit.

„Leidende unter sich“ - auch in unseren Krankenhäusern und Pflegeheimen - das bedeutet noch lange keine Leidensgemeinschaft. Auch dort gibt es unendlich viel Einsamkeit, die bisweilen noch viel mehr wehtut als das körperliche Gebrechen.

Und so wird jener „Dauerpatient im Haus Betesda“ zum Sprachrohr für alle einsamen und leidenden Menschen in unserer Gesellschaft. Tief aus seinem Innersten brechen die Worte hervor:

„Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt; wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein.“

Er klagt, jener Kranke am Teich Betesda, doch er klagt nicht ins Leere hinein. Wie die Beter der Psalmen bringt er seine Klage vor Gott und erfährt Antwort auf seine Klagen. Denn Jesus, den Christen auch den Heiland nennen, steht an seinem Krankenbett und spricht: „Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!“

Manchmal brauchen wir diesen Impuls, um nicht in Resignation und Selbstmitleid zu versinken: „Steh auf und geh!“ Und ganz gewiss brauchen wir auch Menschen, die uns dabei behutsam an die Hand nehmen, die uns begleiten und uns wieder hineinhelfen ins Leben. 

Vor allem aber brauchen wir Jesus, der sich zu uns herabneigt, wenn wir an Leib und Seele krank daniederliegen. Und wenn wir uns von „Gott und der Welt“ und auch von Menschen verlassen fühlen, dann können wir erfahren, wie er sich uns liebevoll zuwendet.

Was immer unser Leid auch ist - zu ihm dürfen wir sprechen: „Heile mich Herr, so werde ich heil; hilf mir, so ist mir geholfen.“ (Jer. 17, 14)

Autor: Lothar Podszus

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Lebenssymphonie

„Die Unvollendete“ – so nennt man eine Symphonie von Franz Schubert. Sie gibt den Musikfachleuten bis heute Rätsel auf. Niemand weiß, warum der große Meister der Komposition sein Werk nach zwei Sätzen abgebrochen hat. Denn allgemein üblich waren vier Sätze und nicht zwei. Vom dritten Satz existiert nur ein kleines Fragment, mehr nicht.

Bis in die jüngere Zeit hinein ließ Schuberts „Unvollendete“ den wahren Musikliebhabern keine Ruhe. Immer wieder versuchten sich Komponisten aus aller Welt daran, die „Unvollendete“ zu vollenden. Aber wirklich anerkannt ist wohl keine dieser Kompositionen.

Ein Gegenbeispiel für Schuberts „Unvollendete“ ist die neunte Symphonie von Beethoven. Sie ist am Ende so überwältigend, dass die Stimmen der Instrumente nicht mehr genügen, sondern einmünden in den großartigen Gesang „Freude schöner Götterfunken…“.

Ganz ähnlich wie eine klassische Symphonie verläuft auch unser Leben, meistens in drei oder vier Sätzen. Manche Lebensabschnitte verlaufen ruhig und friedvoll, sind also eher mit „adagio“ überschrieben. In anderen Lebensphasen geht es ziemlich lebhaft zu. Das nennt man dann wohl „vivace“.

Doch wie verhält es sich mit dem „Finale“ unseres Lebens?

„Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird's auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“ Philipper 1,6

Das schreibt der Apostel Paulus an die Gemeinde in Philippi. Er befindet sich im Gefängnis, als er diese Zeilen verfasst und hat keine Vorstellung, wie es mit ihm und seiner Gemeinde weitergehen wird. Vieles deutet darauf hin, dass sein Lebenswerk ein „unvollendetes“ bleiben würde.

Und dennoch findet er diese tröstlichen und zuversichtlichen Worte: „… der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird's auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“

Je mehr ich diese Worte auf mich wirken lassen, umso mehr spüre ich: Ich darf es akzeptieren, dass vieles in meinem Leben nur Buchstück geblieben ist. Ich überlasse mein Leben mit all seinen Brüchen dem, der ohnehin für die Komposition des Gesamtwerkes verantwortlich ist. Ich vertraue darauf, dass Christus all das vollenden wird, was in meinem Leben bisher ziemlich unvollkommen gewesen ist und auch weiterhin unvollkommen sein wird.

In wenigen Tagen beginnt für mich der letzte Satz meiner Lebenssymphonie, wenn ich als Pastor in den Ruhestand gehe. Ich spüre schon: Die Kräfte sind nicht mehr dieselben wie in jungen Jahren. Aber was soll’s…  dann wird der letzte Satz eben mit „adagio“ überschrieben.

Und wenn andere empfinden, dass da noch ein weiterer Satz meiner „Unvollendeten“ geschrieben werden müsste, dann mögen sie sich fröhlich daran versuchen.

Mir selbst genügt es, dass Christus mein Leben vollenden wird, hier in dieser Erdenzeit, die mir noch bleibt, und dann einst in Ewigkeit.

Autor: Lothar Podszus

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Von der Raupe zum Schmetterling

Ich staune oft darüber, wie Tiere sich verändern und erneuern können. Vögel mausern sich und bekommen ein neues, frisches Federkleid. Schlangen häuten sich, lassen ihre alte, verbrauchte Haut einfach hinter sich und haben eine neue, geschmeidige, schillernde Haut. Und am verblüffendsten sind natürlich die Schmetterlinge. Sie beginnen ihr Leben als Raupen, sie verpuppen sich, und heraus schlüpfen filigrane leuchtende Flatterwesen. Diese Verwandlung der Schmetterlinge nennen die Biologen „Metamorphose“ - das heißt „Gestaltwandel“.

Genau dieses Wort von der Metamorphose verwendet Paulus im Römerbrief, Kapitel 12, Vers 2, dort steht:

„Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“

„Ändert euch“, heißt es hier. Wörtlich: „Lasst eure Gestalt wandeln“. Aber wie soll ich als Mensch meine Gestalt wandeln wie ein Schmetterling? Ich kann äußerlich höchstens ein bisschen dicker oder dünner werden, ich kann meinen Kleiderstil ändern oder ich kann mir eine neue Frisur zulegen. Viel mehr geht bei mir da nicht. Was ich aber kann: Ich kann mein Inneres ändern, mein Denken und meine Einstellung zu den Dingen. Um dieses Innere geht es Paulus. Er sagt aber nicht, dass ich dieses Innere etwa selbst wandeln soll, indem ich prüfe, was Gottes Wille ist und so weiter, sondern dass ich mich von Gott verwandeln lassen soll, damit ich dann prüfen kann, was gut und wohlgefällig und vollkommen ist.

Das ist ein großer Unterschied. Ob ich mich selbst bemühe, durch den hundertsten Ratgeber, die tausendste Übung oder endlose Coaching-Sitzungen mein Leben zu verändern, oder ob ich mich von Gott berühren lasse und von ihm eine ganz neue Basis für mein Leben geschenkt bekomme, einen ganz neuen Boden unter den Füßen, der mir Halt gibt und der mir auch eine Richtung gibt.

So gelingt Veränderung. Es ist ein Prozess, der mein Leben lang andauern wird: meine Verwandlung von der Raupe in den Schmetterling – von einem Menschen, der in seine eigenen Ängste, Wünsche und Bedürfnisse verstrickt ist, hin zu einem Menschen, der Gottes Liebe und Versöhnung gespürt hat und der nun seine Flügel strecken und sich öffnen kann für die Welt. Und der von sich aus ein Gespür entwickelt für das, was Gott möchte: das, was gut und vollkommen ist. Und der sich darin übt, genau das in der Welt zu entdecken und mit eigenen Händen und mit aller Kraft und Kreativität zu fördern.

Ich habe so eine Ahnung, dass solche Menschen bald besonders gefragt sein werden, nun, da sich gerade so viel in der Welt ändert und wo so viele neue Wege gefunden werden müssen, um unser Leben und unseren Alltag zu organisieren. Werde ich es schaffen, in dieser gewaltigen Anstrengung das Gute und Vollkommene zu fördern? Ich darf zuversichtlich sein, dass es zumindest möglich ist. Denn es ist schließlich Gottes Wille, und deswegen wird er auch dafür sorgen, dass es die nötigen Wege gibt und dass er mir die Kraft schenkt, diese zu gehen – oder, um in dem Bild zu bleiben: dass er für den nötigen Wind unter meinen Schmetterlingsflügeln sorgt.

Autor: Jutta Schierholz

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Gott liebt auch Morgenmuffel

Ich gebe es ja zu: Der Morgen ist nicht meine stärkste Zeit. Ich komme frühmorgens nur schwer aus dem Bett. Meine Kinder finden es immer lustig, wenn sie sich für die Schule fertig machen und ich im Halbschlaf um sie herumtappe und für den Frühstückstisch die Butter vergesse oder die Milch fürs Müsli. Auf Gemeindefreizeiten bin ich gewöhnlich die, die bei den Morgenandachten gähnend immer wieder auf die Uhr schaut, ob es nicht bald Zeit für den ersten Kaffee ist. Die heutige Tageslosung ist also ganz sicher nicht mein Lieblingsvers. Denn es heißt in Psalm 5, Vers 4:

„Herr, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken.“

Nein, früh am Morgen will ich mich eigentlich gar nicht zu Gott wenden. Ich will mich nochmal im Bett umwenden und weiterschlafen. Ich habe deswegen oft ein schlechtes Gewissen. Denn als gute Christin sollte ich doch nichts lieber tun, als zu jeder Tages- und Nachtzeit den Herrn anrufen und ihm Loblieder singen. Es gibt ja auch Zeiten, wo ich das ganz gerne tue. Aber einfach nicht gleich am frühen Morgen.

Hinter diesem schlechten Gewissen steckt aber wohl der Gedanke, dass Gott mich nur dann hört oder sieht, wenn ich mich bewusst an ihn wende, und dass er mich vielleicht auch nur dann liebt, wenn ich mich wirklich bemühe, gleich früh am Morgen als allererstes zu ihm zu beten.

Aber das kann doch alles nicht wahr sein. So ist doch Gott nicht. Hat David, der diesen Psalm geschrieben hat, diesen Satz vielleicht nicht doch ein bisschen anders gemeint? David spricht ja hier als einer, der bedrängt und vermutlich auf der Flucht vor seinen Feinden ist. In diesem Zusammenhang spricht David zu Gott, dass er sich schon in der Frühe an ihn wendet. Also dann, wenn die Welt noch still ist und wenn David allein ist. Dann, wenn es sonst niemand hören kann. Wenn David ganz bei sich ist, durch niemanden abgelenkt, aber auch ganz seinen Sorgen und Ängsten ausgeliefert. Dann wird Gott seine Stimme hören, schreibt David. Weil Gott ganz nahe bei ihm ist.

So bekommt der Vers doch etwas ungemein Tröstliches. Entscheidend ist in der Regel nicht, was ich zu welcher Uhrzeit mache. Sondern entscheidend ist, dass Gott da ist. Wo ich auch bin, rund um die Uhr ist Gott anwesend und ansprechbar. Und er hört gerne, wenn ich rufe.

Zeiten, in denen ich allein bin und mich Sorgen und Ängste bedrängen, kenne ich ja auch. Aber ich bin ja nicht wie David gerade auf der Flucht, deswegen ist meine Situation eine ganz andere. Und deswegen brauche ich auch kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn meine tägliche Leistungskurve morgens nur langsam ansteigt und ich erst später am Tag wirklich zum Beten aufgelegt bin. Gott wird sich schon etwas dabei gedacht haben, als er meinen Organismus so konstruiert hat. Das Entscheidende ist, dass Gott da ist.

Und wenn mich dann vielleicht am späten Abend, wenn alle anderen schon schlafen, plötzlich die Sorgen um den nächsten Tag oder die nächste Woche packen und ich ganz allein bin – dann wird Gott mich hören, wenn ich mich in meiner Angst an ihn wende. Dann bin ich ganz bei mir und dann ist auch Gott ganz nahe.

Autor: Jutta Schierholz

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Gottes Kernkompetenz

„Bei Dir ist die Vergebung, dass man Dich fürchte.“ Unser Tageswort aus Psalm 130 stammt aus einem der fünfzehn Wallfahrtspsalmen im Alten Testament. Diese „Aufstiegsgesänge“ (so Martin Buber) wurden beim Hinaufpilgern zum Tempel in Jerusalem rezitiert, gesungen und gebetet.

Psalm 130 betet ein Israelit, der sich schwer belastet fühlt. Was mag da Schlimmes geschehen sein? Wir erfahren es nicht. Aus der dunklen Tiefe eines von Schuld und Sünde geplagten Gewissens ruft und fleht er zu Gott, obwohl er weiß: „Wenn Gott meine Sünden und Missetaten anrechnen und aufbewahren würde, könnte ich nicht bestehen“ V.3.

Hier steht also ein Mensch vor uns, der seine Schuld zugibt und bekennt. Er fühlt sich in seinem anklagenden Gewissen wie gefangen. Und die Folgen seiner Fehler sind nur noch Probleme ohne Aufhören. Er ist am Tiefpunkt seines Lebens angekommen. Und da erkennt er plötzlich die doppelte Dimension jeder Übertretung von Recht und Ordnung: „Ich bin nicht nur gegenüber Menschen schuldig geworden, sondern auch Gott gegenüber. Wie töricht war ich doch, Gottes gute Wege und Gebote zu verlassen und hochmütig zu missachten!“

Dieses Eingeständnis beeindruckt mich. Denn es liegt quer zur heutigen Lebenskultur. Vieles, wovor Gottes Weisungen eindringlich warnen, wird im Namen der Freiheit propagiert und - je länger, je mehr - toleriert. Hauptsache, es bringt etwas, stimmt für mich, ist nützlich und macht Spaß! Schuld gibt es da nicht mehr. Und wenn ein Fehler passiert, dann ist das Privatsache – oder wie es Donald Trump vor kurzem twitterte: „Als Präsident kann ich mir selbst vergeben.“

In dieser gleich-gültigen Beliebigkeit verdienen Anwälte und Juristen jetzt so viel Geld wie nie zuvor. Denn wo schwere Vergehen und Übergriffe von Prominenten in Politik und Wirtschaft sowie in der Welt von Film, Kunst und Showbusiness aufgedeckt werden, bestreiten die meisten Täter alle Schuld. Die Zeitungen schrieben Ende letzten Jahres über Harvey Weinstein, der die //Metoo-Kampagne auslöste: „Wenn Belästiger weinerlich werden. Der Mann aus Hollywood kann nicht verstehen, warum man mit ihm so streng umgegangen ist“. Wo Wahrheit, Recht und göttliche Weisungen verdunsten, gibt es keine Sünde mehr, geschweige denn ein Schuldig-Sein vor Gott.

Zurück zu unserem betenden Pilger: Er wird sich vor Gott der Tiefendimension seiner Sünde plötzlich bewusst. Er kommt sich völlig verloren vor. Und da wird er ganz still, er wartet, hofft, harrt aus, betet, fleht und sehnt sich nach einem Lichtstrahl in der dunklen Tiefe seiner aufgescheuchten Seele.

Und mitten in seiner Tiefe wird es dann tatsächlich hell! Er begreift, dass „Gott Schuld gnädig vergibt und von der Sündenlast erlöst“. So am Ende seines Liedes.

Vielleicht kam ihm die wunderbare Zusage Gottes in den Sinn, die von den Propheten Israels immer und immer wieder gepredigt wurde: „Mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missetaten. Aber ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht mehr!“ Jes 43, 24-25

„Gott sei Dank“ - unser Gewissen kann aufatmen, unsere Seele kann durchatmen und unsere verletzten Beziehungen können wieder heilen!

Vergebung von Schuld ist die Kernkompetenz des dreifaltigen Gottes! Wer sie regelmäßig in Anspruch nimmt, wird „schuldenfrei“ und gewinnt eine neue Lebensqualität.

Heute ist Sonntag – Gelegenheit, sich von Gott mit Vergebung beschenken zu lassen!

Autor: Pfarrer i. R. Peter W. Henning

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Nächstenliebe grenzenlos

Unser Tageswort findet sich in einem Gemeindebrief. Paulus schrieb ihn an die noch junge Christengemeinde in der Industrie- und Handelsstadt Kolossä.

Gegen Ende gibt er viele praktische Hinweise für die Beziehungen in Ehe, Familie, Beruf und Arbeitswelt. Diese sogenannte Haustafel beginnt und endet mit einer markanten Aufforderung: „Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut im Namen des Herrn Jesus und nicht den Menschen. Dankt Gott dem Vater, durch ihn!“ V. 17 und 23. Damit will Paulus klarmachen: Auch unser normaler Alltag ist ein Dienst für Gott.

Unsere Unterscheidungen ‘Sonntag, Werktag’ oder ‘Hier die Kirche, dort die Welt’ spielt Gott nicht mit. Es gibt Christen, die ihre Alltagsbeziehungen dem Einfluss des Heiligen Geistes entziehen mit der Begründung „In der Welt gelten halt andere Gesetze.“ Sie mögen vordergründig geschäftliche Erfolge und finanzielle Gewinne einfahren. Aber oft gehen dabei Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Respekt und Nächstenliebe verloren! Die letzte Finanzkrise hat uns ja erschreckend vor Augen geführt, welche dramatischen Folgen eine ungezügelte Habgier und Geldsucht haben.

Unser Tageswort am Ende der Haustafel will genau solche Turbulenzen verhindern: “Denkt doch daran: Ihr dient dem Herrn Christus! Wer aber Unrecht tut, wird empfangen, was er an Unrecht getan hat. Denn es gibt kein Ansehen der Person.“ So im Kolosserbrief, Kapitel 3, Vers 25.

Paulus spricht sie alle an: Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Vorgesetzte und Angestellte. Wenn ihr Christen seid, dann geht in euren vielfältigen Beziehungen im Sinne Jesu anständig miteinander um! Handelt und arbeitet so, dass Mobbing, Lüge, Betrug und Korruption keine Chance bekommen. Begegnet einander jederzeit respektvoll, wahrhaftig, transparent und zuvorkommend. Und vermeidet unbedingt alles Unrecht!

Die Begründung für dieses Verhalten ist beachtenswert: Bei Gott gäbe es „kein Ansehen der Person“, also keine Parteilichkeit oder Bevorzugung. Alle Menschen seien vor Gott gleich – zu welchem Stand, Volk und Geschlecht sie auch gehören.

Nicht nur in Kolossä, auch in anderen Gemeinden taten sich die jungen Christen allerdings schwer damit, diese Ungerechtigkeiten zu überwinden. Paulus plädiert aber in allen seinen Briefen dafür, denn „Ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Jesus Christus. Hier ist nicht mehr Jude oder Grieche, hier ist nicht mehr Knecht oder Herr, hier ist nicht mehr Mann oder Frau! Ihr seid alle einer in Christus Jesus.“Galater 3, V. 26 ff

Also „Mach’s wie Gott – werde Mensch und Mitmensch.“

Wer das konsequent in der Nachfolge Jesu praktiziert, wird erleben, was die Söhne Korah im alten Israel unnachahmlich schön in Psalm 85,10-14 besungen haben: „Gott will uns helfen, dass sich in unserem Land Güte und Treue begegnen, sich Gerechtigkeit und Friede küssen und sich Gutes und Gerechtigkeit ausbreiten.“

Deswegen lehnen Christen jede Form von Unrecht ab, also Ausgrenzung und Hass, Antisemitismus und Rassismus, Ausbeutung und Erniedrigung. Auch mit unserem Widerstand gegen Unmenschlichkeiten dienen wir dem Herrn Christus – das will unser Tageswort klar und deutlich betonen.

Es ist großartig, wie viele Christen, Gemeinden, Kirchen mit Projekten und Initiativen „ohne Ansehen der Person“ dafür arbeiten, dass sich in unserer Welt Gerechtigkeit, Güte und Friede ausbreiten. Schön, wenn Sie da mitmachen.

Autor: Pfarrer i. R. Peter W. Henning

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Egal, was ist: Komm nach Hause!

Keine Frage, es ist für mich die anrührendste Geschichte des Neuen Testaments. In keiner anderen Geschichte wird so nüchtern und gleichzeitig anschaulich erzählt, wie wir Menschen sind und wie Gott, der gute Vater im Himmel ist.

Einer hat sich aus dem Staub gemacht. Weg von Gott und Vater und Vaterland. Hat sich seinen Anteil am Erbe ausbezahlen lassen und damit zum Ausdruck gebracht: Ich wünschte, Vater, du wärest jetzt schon tot. Schlimmer gehts nimmer. Das ist ein Abschied ohne Wiederkehr. Das Tischtuch ist für alle Zeit zerrissen.

Das Erbe ist schnell durchgebracht. In der Fremde, weit weg vom Zuhause und von allem, was zu Hause gegolten hat. Plötzlich hat er nichts mehr. Buchstäblich nichts. Und keiner hilft ihm. Zum Glück findet er Arbeit als Schweinehirt - auch das zeigt, wie weit weg von Zuhause er ist - in der jüdischen Welt hält man keine Schweine, sie gelten als unreine Tiere.

Er hat kaum genug zum Essen. Geschweige denn zum Leben. Das Leben hat er zurückgelassen in der Heimat. Allmählich dämmert ihm das. Und im stinkenden Schweinedreck fasst er einen Entschluss: Der Sohn meines Vaters bin ich nicht mehr. Als Sohn kann ich nicht zurückkommen. Aber vielleicht gibt’s Arbeit für mich auf dem Hof. Ohne Tarifvertrag, klar. Als Tagelöhner vielleicht. Das wird zwar eine riesengroße Demütigung - aber schlimmer als das Leben hier kann das auch nicht sein.

Und er macht sich auf den Weg. Wird hundertmal überlegen, was er sagen kann. Und kommt dem heimischen Hof immer näher.

Was ist da inzwischen passiert? Der Vater hat seinen Sohn ziehen lassen, ja. Er hat Ländereien verkauft, um ihm das Geld zu geben, das er verlangt hat, ja. Es hat ihm das Herz zerrissen, dass der Sohn weg ist. Aber - er hat nie aufgehört ihn zu lieben. Er hat nie aufgehört zu warten. „Als der Sohn noch weit entfernt war“, erzählt die Geschichte, „sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“ Der alte Vater legt seine Hände um den verdreckten und verdorbenen Sohn und sagt: Du bist ab sofort wieder mein Sohn. Denn eigentlich hast du nie aufgehört, mein Sohn zu sein.

Moment mal! Bitte nicht so schnell! Kann das sein? Kann es das geben? Nein, das kann nicht sein, das gibt es auch nicht, so etwas passiert nicht! Die Nachbarn des Vaters damals werden so reagiert haben. Die Zuhörer von Jesus, der die Geschichte erzählt hat, genauso. Ist das Tischtuch einmal zerrissen, kann es nicht wieder zusammengenäht werden. Aus und vorbei!

Ja, so ist das bei euch, will Jesus sagen. So ist das bei den Menschen. Aber so ist das nicht bei Gott. Bei ihm kann man neu anfangen. Immer wieder. Ohne Vorstrafen. Gott ist bereit, seine Menschen neu aufzunehmen und anzunehmen, zu vergeben. Gott feiert ein Fest für jeden, der zurückkommt. Selbst wenn er zuvor Gottes Tod gewünscht hat, selbst wenn er von den Schweinen kommt.

Gott sagt das, was der Vater eines guten Freundes von mir einmal in seiner wilden Phase so zu ihm gesagt hat: „Egal, was ist, komm nach Hause!“

Mancher hat diese Geschichte das Evangelium im Evangelium genannt. Das ist wohl eine treffende Beschreibung. Und auch wenn ich sie hundertmal gelesen und gehört habe, und auch wenn ich schon oft über diese Geschichte geschrieben und gepredigt habe - ich will sie heute wieder neu hören. Ich will neu hören, wie mein Vater sagt: „Egal, was ist: Komm nach Hause!“ Und ich komme, kehre von allen kleinen und großen Abwegen und Irrwegen meines Lebens um und lasse mich zurückfallen in die starken und zärtlichen Arme meines Vaters. Er nimmt mich auf. Mich. Und, ob Sie’s glauben oder nicht, Sie!

Autor: Jürgen Werth

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Hassen? Ich? Echt jetzt?

Im Alten Testament geht es oft ums Entweder-Oder. Ums Ganz oder Gar nicht. Um Lieben oder Hassen. So muss man denn wohl auch den Psalmvers verstehen, der  über diesem Tag steht: „Die ihr den Herrn liebet, hasset das Arge!“ Eine einfache Gleichung: Gott lieben heißt das Arge hassen. Das Böse. Und damit alles das, was Gott entgegensteht.

Aber so einfach ist das jetzt doch nicht für mich. Ich gebe zu: Ich mag das Wort „hassen“ nicht. Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich es lese oder höre. Wer hasst, zerstört. Wer hasst, hat einen Tunnelblick, hat Tunnelgedanken und Tunnelgefühle. Er ist getrieben von unkontrollierbaren und unbeherrschbaren dunklen Emotionen. Wer hasst, ist nicht mehr frei. Er hasst nicht nur, er muss hassen.

Und das soll ich? Sollen wir?

Ich möchte nicht hassen. Und schon gar nicht hassen müssen.

Aber schauen wir genauer hin: Im Alten Testament, das auf Hebräisch geschrieben worden ist, klingt das Wort für „hassen“ nicht ganz so krass wie im Deutschen. Es beschreibt einen emotionalen Zustand der Aversion, der Abneigung. Allerdings in unterschiedlichen Härtegraden. Es bedeutet manchmal auch einfach Zurückweisen im Gegensatz zu Bevorzugen. Es kann Widerwillen ausdrücken. Und Feindschaft. Das alles gibt unser deutsches Wort so nicht her.

Das Arge hassen heißt also: Ich bin ein Feind des Bösen, ich weise es zurück. Ich empfinde einen starken Widerwillen. Und, ja, das kenne ich. Das entdecke ich häufig in mir. Ungerechtigkeit in jeder Form. Gewalt und Vergewaltigung. Hinterhältigkeit. Ja, das hasse ich. Das verabscheue ich. Das weise ich, wo immer es geht, zurück. Es passt nicht zu mir und schon gar nicht zum Wesen Gottes. Es passt nicht in seine Welt und nicht zu den Menschen, die sich an ihn halten, die ihn lieben, wie unser Psalmvers sagt. Denn bei Gott stimmt das Gegenteil: Gott ist der gute Vater, der einfallsreiche Schöpfer. Er will, dass es seiner Schöpfung gut geht. Er will Liebe. Gerechtigkeit. Menschenwürde. Tierwohl. Darum hasst auch er das Arge, das Böse. Er weist es energisch zurück.

Er hasst die bodenlose Gier der einen auf Kosten der anderen. Er hasst die brutale Gewalt der Kriegstreiber auf allen Seiten. Er hasst die Selbstverliebtheit der Machthaber. Er hasst die industrielle Ausbeutung von Tieren. Er hasst Stickoxyde in seiner Atmosphäre und Plastikinseln in seinen Meeren. Er hasst. Und ich hasse auch. Und ich kämpfe an seiner Seite dafür, dass die Menschen zurückfinden zu ihm und zu seinen guten Lebensregeln. Ich stehe auf seiner Seite. Ich lebe auf seiner Seite. Ich engagiere mich auf seiner Seite. Auf diese Seite gehöre ich. Zu ihm gehöre ich, ich vertraue ihm, ich will auf ewig mit ihm zusammen sein, mit dem Licht, nicht mit dem Dunkel, ich, ja, ich liebe ihn.

Hassen. Haltungen und Handlungen. Ja! Aber - nicht Menschen! Jesus hat das sehr eindeutig gesagt und gelebt und damit ausgedrückt, wie Gott selber ist und wie er sich verhält: Liebet eure Feinde!

Jesus hat das Arge gehasst, das Böse. Aber er ist für die, die es in die Welt gebracht haben, gestorben.

Ihn lieben, ihm nachfolgen heißt: Ich mache es wie er: Bin unnachgiebig gegen das Böse engagiert, aber will die, die es verursachen, immer wieder neu unter das Kreuz Jesu locken. An den Ort, an dem der helle Himmel und die dunkle Erde neu zueinanderfinden unter der Herrschaft des Gottes, der in Liebe brennt für seine Welt.

Autor: Jürgen Werth

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„Und was hast Du Gutes getan?“

Vor einiger Zeit tauchten sie überall auf. Große rote Plakate: DKMS – Wir besiegen Blutkrebs – Und was hast Du Gutes getan?

Alles klar? Ja und Nein! Ja, wenn viele mitmachen, kann vielen geholfen werden. Schwierig wird es dann, wenn noch mehr Bitten an mich herangetragen werden: Ich bekomme Spendenbriefe. In Fußgängerzonen wird um milde Gaben gebettelt. Außerdem soll ich helfen, Menschen aus dem Mittelmeer zu retten und den Regenwald auch und - nicht zu vergessen - das Klima. Die Frage ist: Wie gehe ich mit all diesen Bitten um? Ich kann ja nicht überall sein und jedem helfen! Ich muss mich entscheiden! Aber was hilft bei solchen Entscheidungen?

Im Brief an die Hebräer steht in Kapitel 6, im Vers 10: Denn Gott ist nicht ungerecht. Er vergisst nicht, was ihr alles getan habt. Ihr habt bewiesen, wie groß eure Liebe zu ihm ist. Denn: Ihr habt anderen Gläubigen tatkräftig zur Seite gestanden und ihr tut es ja immer noch.

Ich kann drei Aussagen erkennen: Erstens: Egal, was ich Gutes tue, und sei es noch so unscheinbar - Gott übersieht es nicht! Es hat von daher immer seinen Wert.

Zweitens: Was motiviert mich? Geht es darum, bei wem auch immer, Pluspunkte zu sammeln? Oder hat meine Liebe zu Gott den Ausschlag gegeben?

Drittens: Ihr habt anderen Gläubigen tatkräftig zur Seite gestanden. Das heißt doch: Gutes tun beginnt immer im Nahbereich, also in der Familie, in der Gemeinde vor Ort, da, wo wir arbeiten. Erfahrungsgemäß gibt es da allerdings auch am schnellsten Reibungen und Ärger. Dann ist die Gefahr groß, dem Allernächsten das Gute zu verweigern. Kann ich mich überwinden und den schweren ersten Schritt tun?

Der Hebräerbrief spricht von Menschen, die genau diesen Weg wagten. Und die werden ermutigt, weiterzumachen. Auch wenn es manchmal so aussieht, als ob dieser Weg umsonst war. Das ist bei Gott nicht vergessen. Das könnte mir - das könnte Ihnen - helfen.

Ich weiß nicht, was mir und was Ihnen heute begegnen wird. Da gibt es plötzlich eine Gelegenheit, etwas Gutes zu tun. Dann könnte es sein, dass ich - dass Sie - eine Entscheidung treffen müssen. Dann braucht es möglicherweise Antworten auf die drei Fragen von vorhin: Bin ich bereit, es zu tun, auch wenn es vielleicht nicht gewürdigt wird? Weiter: Welche Motive habe ich? Was treibt mich - der Ehrgeiz oder die Liebe? Und drittens: Bin ich bereit, über meinen Schatten zu springen und den ersten Schritt zu wagen?

Autor: Pastor Johannes Schmidt

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„Bei dem ist doch Hopfen und Malz verloren!“

Bei dem ist ja Hopfen und Malz verloren. Diese Redewendung hat mit dem Bierbrauen zu tun. Da ging schon schnell was schief. In der Folge waren die wertvollen Grundstoffe Hopfen und Malz verloren. Übertragen heißt das: Wenn keine Anstrengung mehr lohnt, wenn sich jemand trotz aller Warnungen nicht ändert, dann ist bei ihm Hopfen und Malz verloren, … und wir schreiben ihn oder sie einfach ab.

Aber können sich Menschen wirklich nicht verändern? Eine bekannte Geschichte widerspricht dem.

Jericho steht Kopf. Der berühmte Wanderprediger aus Nazareth wird den Grenzort besuchen. Natürlich wollen alle Jesus sehen, mit ihm sprechen, Anteil haben an seinem Ruhm. Aber er macht nicht einmal den Autoritäten des Ortes seine Aufwartung. Allerdings, … bei einem Obergauner lädt er sich zum Abendessen ein.

Unfassbar, unmöglich! Die Frommen sind aus dem Häuschen. Sie werfen Jesus vor: Du gibst dich doch mit den Falschen ab! Begeisterung schlägt um in Ärger.

Doch dann nimmt die Geschichte eine überraschende Wendung. Der berüchtigte Oberzöllner Zachäus verspricht Jesus in aller Öffentlichkeit, … einfach so: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. Da fiel einigen ganz sicher die Kinnlade herunter. Das hatte keiner erwartet. Hatte da jemand mehr oder weniger sanften Druck ausgeübt? Das Lukasevangelium (19,8) weist in eine andere Richtung.

Einige Verse vorher steht: Zachäus wollte Jesus gern sehen. Das heißt doch auch: Er war unzufrieden mit sich und seiner Situation. Da sieht Jesus diesen Zachäus an, wie er da auf einem Baum hockte. Was für eine lächerliche Gestalt. Aber Jesus ist gerade nicht einfach vorübergegangen. Jesus ist stehengeblieben und hat ihn angesehen.

Er hat diesem krassen Außenseiter damit Ansehen, Wertschätzung, verschafft. Er hat ihm Liebe entgegengebracht. Und diese Erfahrung war der Anstoß für Zachäus, Veränderungen zu wagen, ganz freiwillig, ohne irgendwelchen Druck.

Veränderung beginnt immer mit der Sehnsucht danach und mit dem Ansehen. Ein kluger Kopf hat festgestellt: Man kann kein Problem lösen oder eine Veränderung auf den Weg bringen, wenn man dem nicht buchstäblich ins Gesicht gesehen hat.

Da sollten wir anfangen. Zum Beispiel, unsere abstrakte Online-Anonymität verlassen oder die vornehme oder ängstliche oder auch arrogante Zurückhaltung ablegen. Denn erst wenn wir Menschen wirklich ansehen, uns ihnen ganz konkret zuwenden, kann das bei uns und auch bei ihnen zu Veränderungen führen.

Wollen Sie heute damit beginnen und jemanden ganz bewusst und vielleicht auch erstmals ansehen?

Autor: Pastor Johannes Schmidt

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Einstimmung auf Pfingsten

Freuen Sie sich schon auf Pfingsten? Oder gehören Sie eher zu den Menschen, die sagen: Ich freue mich zwar auf die Feiertage, aber mit Pfingsten und Heiligem Geist kann ich nicht so viel anfangen?

Egal, wie es bei Ihnen ist. Ich möchte uns heute schon auf Pfingsten einstimmen. Sozusagen ein bisschen vorfeiern. Und dazu lade ich Sie jetzt ein: Gemeinsam mit dem Priester Esra. Der lebte irgendwann zwischen 500 und 400 v.Chr. So ganz genau lässt sich das nicht mehr sagen.

Damals herrschte Aufbruchsstimmung in Jerusalem. Die Menschen waren aus dem Exil zurückgekehrt: Die Verschleppung nach Babylon, das Leben in der Fremde und ein zorniger Gott, das wollte keiner von ihnen ein zweites Mal erleben! (z.B. Jeremia 25, 3ff)

Deswegen versammelten sie sich alle, als Esra zum Bußgebet aufrief. Sie wussten: Allein ihr Ungehorsam gegenüber Gott hatte vielen Menschen die Heimat und das Leben gekostet.

Eigentlich hätte es gar nicht so weit kommen müssen. Gott war immer mit ihnen gewesen, schon damals bei Mose in der Wüste. Und daran erinnert Esra, nachzulesen bei Nehemia, Kapitel 9, Vers 20:

„Herr, du gabst unseren Vätern deinen guten Geist, sie zu unterweisen.“

Da ist es, unser kleines Pfingsten: Gott legte etwas von dem Geist des Mose auf die 70 Ältesten. Im selben Augenblick begannen sie zu reden, was der Herr ihnen eingab. Sie gerieten in Verzückung wie Propheten und hörten nicht auf.

Das ist, soviel ich weiß, das erste Pfingstfest, von dem die Bibel berichtet. Steht in 4. Mose 11, Vers 25. Und darauf bezieht sich der Priester Esra.

„Herr, du gabst unseren Vätern deinen guten Geist.“

Ja, diese Väter machten vor vielen Jahren eine Erfahrung mit dem Heiligen Geist. Sie spürten Gottes Nähe. Ein besonderer Moment, der ihnen Kraft gab für die Aufgabe, die vor ihnen lag. Nämlich „das Volk zu unterweisen.“ Das Volk zu lehren, sie an die 10 Gebote zu erinnern. Damit ihr Leben mit Gott gelingen konnte. Was wurde daraus?

Die Geschichte zeigt uns: Mal war das Volk Israel gehorsam und mal nicht. Ihr Leben war geprägt von: zu Gott umkehren, um Vergebung bitten, mit Gott leben und wieder eigene Wege gehen. Das ist bis heute so. Die Menschen haben sich nicht verändert.

Aber auch Gott hat sich nicht verändert. Er ist sich treu geblieben. Das sieht man an Jesus, seinem Sohn, der gesagt hat: Der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. (Joh. 14,26)

Pfingsten ist also nach wie vor aktuell. Wie gehen Sie und ich mit den Weisungen des Heiligen Geistes um? Hören Sie seine Stimme?

Gott redet leise. Man muss schon genau hinhören. Und dann entscheiden: Will ich gehorsam sein oder doch nicht? Vertraue ich dieser Stimme oder mache ich wie gewohnt weiter? Gott wünscht sich sehr, dass unser Leben gelingt. Darum hat er seinen Geist geschickt. Der Priester Esra wusste davon:

„Herr, du gabst unseren Vätern deinen guten Geist, sie zu unterweisen.“

Dieser Geist ist auch heute noch unterwegs: Damit es Pfingsten werden kann in Ihrem und meinem Leben!

Autor: Birgit Wolfram

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Herzenssache

Heute geht es um Herzensangelegenheiten! Also um die Dinge im Leben, die Ihnen und mir so richtig wichtig sind. Für die wir uns mit voller Kraft einsetzen. Sei es in der Familie, im Beruf, in der Gemeinde oder ganz persönlich.

So wie König Salomo. Der hatte gleich mehrere Herzenswünsche. Zum Beispiel diesen hier: Ich werde für unseren Gott einen Tempel in Jerusalem bauen, der seiner würdig ist. Und im Jahr 965 v. Chr. fing er an, sich diesen Wunsch zu verwirklichen. (Zeittafel zur Geschichte, Thompson Studienbibel, Seite1865)

Sieben Jahre (1. Kö, 6, 37+38) lang wurde geplant, Material herbeigeschafft, gebaut und eingerichtet. Groß sollte dieser Tempel werden, einmalig. Nur das Beste vom Besten. Ja, König Salomo legte all sein Geld und sein Können in diesen Prachtbau. Und dann wurde Einweihung gefeiert!

Natürlich machte König Salomo diesen Festgottesdienst auch zur Herzenssache. Am Ende des Gottesdienstes segnete er die vielen Menschen, die gekommen waren, mit den Worten: Der Herr, unser Gott, neige unser Herz zu ihm, dass wir wandeln in allen seinen Wegen. Dieses Bibelwort können Sie in 1. Könige Kapitel 8, Vers 58 nachlesen.

Der Herr, unser Gott, neige unser Herz zu ihm. Oder anders übersetzt: Gott schenke uns ein Herz, das ihm gehorsam ist. (Gute Nachricht Bibel)

Das war Salomos Wunsch. Für sein Volk und auch für sich persönlich: Gott schenke uns ein Herz, das ihm gehorsam ist.

Warum war ihm das so wichtig?

Weil Salomo die Schwäche des menschlichen Herzens kannte. Da brauchte er nur einen Blick in seine eigene Familiengeschichte zu werfen: Zum Beispiel wurde sein Vater David schwach beim Anblick einer schönen Frau. Die Lust war in diesem Moment größer, als sich zurückzuhalten. Auf diese Weise verlor Salomo seinen älteren Bruder.

Oder Salomos Halbbruder Adonija: Dieser sah sich schon als Nachfolger seines Vaters David. Und krönte sich selbst zum König (1. Kö 1, 5ff). Ganz schön dreist. Denn eigentlich sollte Salomo König werden. (1. Kö 1, 17)

Sogar König Salomo muss sich fragen lassen: Warum nahm er sich eine ägyptische Prinzessin zur Frau? (1. Kö 3) Vielleicht war das - politisch gesehen - vorteilhaft, aber Gott hatte immer wieder gesagt, dass sich das Volk Israel nicht mit Fremden einlassen sollte! (5. Mo 7,3)

An welchen Punkten sind Sie und ich schwach und verwundbar? Wo setzen wir Gottes Gebote außer Kraft und sind ungehorsam?

Schon als Salomo König wurde, hatte er gebetet: Gott, gib mir ein Herz, das auf dich hört. (1. Kö 3, 9ff)

Dieser Herzenswunsch begleitete ihn also schon länger. Er wusste: Allein schaffe ich das nicht. Und so war es auch: Es gab immer wieder schwache Momente im Leben von Salomo. Da ist er eigene Wege gegangen und hat nicht auf Gott gehört. Aber entscheidend war seine innere Haltung: Salomo wollte gehorsam sein. Mit seinem ganzen Herzen.

Entspricht das auch Ihrem Herzenswunsch? Dann ist dieses Bibelwort genau richtig für Sie. Denn der Segen Gottes, den Salomo damals weitergegeben hat, ist heute noch wirksam: Gott, der Herr, sei mit dir. Er schenke dir ein gehorsames Herz. Damit du auf seinen Wegen gehst und IHM die Ehre gibst.

Dazu segne dich der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Autor: Birgit Wolfram

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Wort des Jahres

Ob Corona zum Wort des Jahres oder zum Unwort des Jahres wird, das wissen wir noch nicht. Auf alle Fälle hat dieses Wort und die Epidemie die ganze Welt im Griff.

Ich kann es immer noch nicht glauben. Wir sind eine hochtechnisierte Nation, Elektronik begleitet unseren Tagesablauf vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Viren kannten viele von uns bis vor einem halben Jahr vor allem als Computerproblem. Alles ist anders geworden.

Auffallend ist an dieser Corona-Krise: Niemand - kein Experte und kein selbsternannter Experte - kann Aussagen über den Tag hinaus machen. Die Aussagen sind nicht belastbar, hören wir, und damit sind sie wenig wert. Damit meine ich keine Leichtfertigkeit der Experten, sondern eher eine Zurückhaltung.

Das, was gesagt wird, ist letztlich kein Halt in der Krise, nicht verlässlich, nicht belastbar. Es gibt andere Bereiche unseres Lebens, jenseits der Corona-Krise, wo wir die Beobachtung machen, dass das gesprochene Wort von Politikern zum Beispiel sich ganz schnell überholt, und damit nichts mehr wert ist.

Wir Menschen suchen nicht nur in unsicheren Zeiten nach Verlässlichem, nach Worten, nach Aussagen, die über den Tag hinausgehen. Worte sind Schall und Rauch, so sagt der Volksmund, Worte werden gesprochen und vergehen, haben keine Beständigkeit. Wirklich alle Worte sollen Schall und Rauch sein.

Jesus ist mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem. Er weiß um seine Zukunft, nein, nicht sein Ende. Seine Zukunft. Die Jünger sind sehr verunsichert. Sie denken an das Ende. Sie werden mutlos und ängstlich. Da sagt Jesus ihnen:

„Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ Lukasevangelium, Kapitel 21, Vers 33.

Er führt das Wort noch weiter aus, es wird kein Stein auf dem andern bleiben, alles wird sich nach seinem Sterben und seiner Auferstehung ändern. Das ist nicht Mut machend, das macht Angst. Wenn da nicht „wie in Stein gemeißelt“ die Worte von Jesus wären: Aber meine Worte werden nicht vergehen.

Meine Worte bleiben von ewiger Bedeutung. Hier begegnen wir einem Wort von Jesus Christus, das uns heute ganz neu ausrichten und aufrichten kann. Seine Worte vergehen nicht, sie bleiben geltend.

Wenn Jesus zu Ihnen und mir sagt: Fürchte dich nicht…. Dann ist das nicht nur ein Rat, auch kein unverbindlicher Tipp. Das ist ein Lebenswort von Jesus in Ihre Situation heute. Und die Macht dieses Wortes, die Dynamik, die Kraft dieses Trostes ist ohne Verfalldatum, ohne Einschränkung. Es gilt, verlassen Sie sich darauf. An den Worten von Jesus Christus kann sich der Glaube immer wieder aufrichten, festhalten, sicher stehen.

Auch heute, wenn die Krise uns Angst macht.

Seine Worte werden nicht vergehen, an Bedeutung nichts einbüßen, lebendig bleiben sie in Zeit und Ewigkeit.

Autor: Pfarrer Rainer Geiss

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Erinnerungskultur

Mir geht es manchmal so, dass ich Tage erlebe, denen „die Würze“ fehlt. Es läuft alles seinen gewohnten Gang. Keine Höhepunkte, keine Katastrophen. Die Zeit mit Gott und im Gebet gehört dazu. Und doch ist alles so „normal“.

Dann suche ich bei mir, ob sich etwas zwischen Gott und mich geschoben hat, ob ich Schuld nicht bekannt habe. Dieses Suchen kann dann zu einem geistlich ungesunden Kreislauf werden.

Erinnerung pflegen: daran denken, was Gott in den vergangenen Wochen getan hat, daran denken, was er im letzten Jahr für mich, ja, für die Menschen, für die ich bete, getan hat. Dahin kommen, dass ich erkenne, Gott erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not. Auch in der Corona-Krise ist Gott da.

An die großen und kleinen Taten Gottes in meinem Leben denken, das macht dankbar, vertreibt die dunklen Gedanken und gibt Gesprächsstoff, so dass ich mit anderen Menschen nicht nur über das Wetter oder Corona zu sprechen brauche.

Aber nicht nur Corona, auch grundsätzlich darf ich mich dankbar erinnern, dass Jesus mich aus meiner Sinnlosigkeit erlöst hat. Ich darf bei ihm und mit ihm leben. Daran will ich mich immer wieder erinnern. Er hörte mein Beten, sah mich in meinen Ängsten und schenkte und schenkt mir Ruhe. Auch heute in der Krise.

Versuchen Sie es heute. So wie das Volk Israel sich an Gottes große Taten erinnert und dadurch Mut und Kraft zum Weitergehen bekam, so können Sie sich heute an Gottes Taten in Ihrem Leben erinnern und Freude im Glauben erleben, neu gestärkt werden.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen erinnerungsreichen Tag. Gott segne Sie.

Autor: Pfarrer Rainer Geiss

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Gott schaut hinter die Maske!

Lügen haben kurze Beine, sagt ein Sprichwort. Und so ist es auch: Die meisten Dinge, die vertuscht werden sollen, kommen irgendwann ans Licht. Ob es die Affäre ist, die eingebaute Schummelsoftware im Auto oder die nicht gekennzeichneten Zitate bei der Doktorarbeit. Wie oft werden solche Dinge früher oder später entdeckt. Und wie groß ist der Schaden dann! Viel größer als wenn man es gleich zugegeben hätte.

Und wie ist das bei Gott? Bei ihm haben Lügen erst recht kurze Beine, könnte man sagen. Im Bibelwort aus Hiob 13,9 wird gefragt: „Meint ihr, dass ihr Gott täuschen werdet, wie man einen Menschen täuscht?“

Hiob richtet diese Frage an seine Freunde, die unterstellen, Gott würde ihn bestrafen. Die Antwort auf diese Frage ist klar: Nein. Obwohl vieles irgendwann herauskommt, manchmal gelingt es, Menschen zu täuschen. Bei Gott gelingt das nie! Er kennt alle unsere Gedanken. Er weiß um jedes Wort, das wir sprechen. Und natürlich ist ihm auch nichts verborgen, was wir tun. Bei ihm können wir nichts vertuschen. Er schaut hinter die Maske, die wir oft aufsetzen. Er kennt auch alle dunklen Geheimnisse. Alles, was wir vor Menschen gerne geheim halten.

Ich hörte von einer interessanten Aktion. Jemand schickte eine Nachricht an 12 bekannte Persönlichkeiten. Der Text war kurz und eindeutig: Alles entdeckt – sofort fliehen! Innerhalb von 24 Stunden hatten alle 12 das Land verlassen. Ich weiß nicht, ob die Geschichte stimmt, aber die Frage ist: Hätten wir auch einen Grund zu fliehen? Vor Gott können wir nicht fliehen. Er weiß sowieso schon alles.

Das mag sich für den einen oder die andere jetzt bedrohlich anhören. Möchte ich Ihnen Angst machen? So nach dem Motto: Pass bloß auf, Gott siehst alles! Ich möchte Sie einladen, es einmal von einer anderen Seite zu sehen. Und fragen: Ist es nicht auch befreiend, dass wir vor Gott nichts verstecken können? Es ist doch auch sehr anstrengend, ein dunkles Geheimnis mit sich herumzutragen. Menschen, bei denen in einer solchen Situation alles auffliegt, sagen oft: Ich bin froh, dass das Versteckspiel ein Ende hat.

Diese Erfahrungen können wir bei Gott auch machen. Und er möchte uns helfen. Gerade dann, wenn es Dinge in unserem Leben gibt, die nicht in Ordnung sind. Durch Jesus hat er alle unsere Schuld auf seine Kappe genommen. Wir dürfen ihm alles sagen, was verkehrt gelaufen ist. Wenn wir uns ihm anvertrauen, sagt er uns zu: Ich habe alle deine Schuld selbst übernommen. Du kannst neu anfangen. Das zu erfahren kann sehr befreiend sein.

Gibt es in Ihrem Leben ein dunkles Geheimnis? Etwas, wo Sie hoffen: Hoffentlich bekommt das keiner mit? Gott weiß darum. Er schaut hinter die Maske. Und er lädt Sie heute ein: Komm doch damit zu mir. Ich vergebe dir. Ich mache dich frei davon. Vielleicht können Sie die Sache mit Gottes Hilfe dann sogar mit Menschen wieder in Ordnung bringen. Und erfahren: Es ist gut, dass ich bei Gott ganz ehrlich sein kann.

Autor: Pfarrer Dr. Christian Schwark

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Gott kennt uns wirklich!

Meine Frau und ich sind schon fast 35 Jahre zusammen. In dieser Zeit haben wir uns sehr gut kennengelernt. Oft müssen wir schon gar nicht mehr viel sagen. Da macht einer von uns eine Andeutung und der andere weiß genau, was gemeint ist. Das ist etwas sehr Schönes. Manchmal ist es auch lustig, weil wir schon wissen, was der andere gerade sagen wollte.

Es tut gut, eine tiefe Vertrautheit mit einem Menschen zu erleben. Es muss auch nicht der Ehepartner sein. Es kann z.B. auch ein guter Freund oder jemand aus der Familie sein. Noch viel wertvoller als bei einem Menschen ist es, das bei Gott zu erleben. Er kennt uns durch und durch.

Sie hören davon im 1. Königebuch, Kapitel 8, Vers 39: Da heißt es: „Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.“ Dieses Wort ist Teil eines Gebetes, das der König Salomo gesprochen hat.

Gott kennt jeden von uns. Er hat uns schließlich geschaffen. Das ist wie bei einer komplizierten Maschine. Am besten kennt die der, der sie konstruiert hat. Und so kennt uns Gott, der uns geschaffen hat, besser als jeder andere. Auch besser als wir selbst. Natürlich sind wir als Menschen viel mehr als eine Maschine. Noch viel vielschichtiger. Umso schwieriger ist es, dass wir uns selbst oder andere Menschen wirklich kennen. Das kann letztlich nur Gott. Das gilt übrigens auch bei meiner Frau und mir. Auch nach 35 Jahren erleben wir immer wieder Überraschungen. Nur Gott kennt uns wirklich.

Und was bedeutet das? Zwei Dinge sind mir wichtig: Zum einen: Wenn Gott mich kennt, dann heißt das: Er versteht mich. Er weiß, wie ich mich gerade fühle. Bei ihm muss ich keine großen Erklärungen abgeben. Ich kann z.B. im Gebet einfach sagen: Herr, du weißt doch, wie es bei mir aussieht. Dann kann ich fest darauf vertrauen: Er ist mir ganz nahe. Er sieht nicht nur das Äußere. Nicht nur das, was ich anderen zeige. Sondern er sieht mein Herz. Meine tiefsten Gedanken. Meine tiefsten Sehnsüchte. Meine tiefsten Ängste.

Ganz deutlich wird mir das bei Jesus, dem Sohn Gottes. Jesus ist Mensch geworden. Er ist bis in die tiefsten Tiefen gegangen. Bis zum Tod am Kreuz. Darum kann er mich gerade dann verstehen, wenn ich ganz unten bin. Er weiß, wie sich das anfühlt.

Und noch etwas, was es für mich bedeutet, dass Gott mich kennt: Er kann mir immer helfen. Er weiß, was ich wirklich brauche. Mütter haben es oft im Gefühl, was ihr Kind braucht. Meine Frau wusste das jedenfalls bei unseren Kindern immer besser als ich. So weiß Gott, was uns fehlt. Er als der gute Vater kennt uns wie eine gute Mutter. Und kann uns darum immer helfen. Und uns das geben, was wir brauchen.

Wie schön, dass Gott uns kennt! Er kennt auch Sie. Er weiß, wie es Ihnen gerade zumute ist. Und er möchte Ihnen heute ganz persönlich helfen bei allem, was auf Sie zukommt. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich ihm jetzt ganz anvertrauen können.

Autor: Pfarrer Dr. Christian Schwark

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