ERF Plus - Wort zum Tag

Lukas 19,5

Herr Z hatte es gut. Mit unternehmerischem Geschick hatte er sich eine lukrative Existenz aufgebaut. Alle Menschen, die er kannte, mussten nach seiner Pfeife tanzen. Die einen, weil sie für ihn arbeiteten. Die anderen, weil sie ihm ständig Geld schuldeten. Die ganze Stadt kannte ihn, die ganze Stadt empörte sich über ihn, aber das schien ihm wenig auszumachen. Er lebte im Luxus. Herr Z hatte wenige Freunde, aber viel Geld.

Bis eines Tages Jesus in seine Stadt kam. Wir finden die Geschichte im Lukasevangelium Kapitel 19. Herr Z wird dort mit vollem Namen genannt: Zachäus, der Oberste der Zolleintreiber. Von der römischen Besatzungsmacht hatte er die Lizenz ersteigert, Zölle zu erheben. Längst hatte er andere eingestellt, die an den Stadttoren saßen und für ihn arbeiteten. Zachäus war als  der, der mit den ungeliebten Römern zusammenarbeitete und als superreicher Finanzhai die Zielscheibe für den Volkszorn. Er war zudem auffallend kleinwüchsig, und es würde mich wundern, wenn man keine stadtbekannten Spottlieder auf ihn gedichtet hätte.

Eines Tages kommt Jesus in seine Stadt - Jericho. Zachäus ist schaulustig wie alle anderen auch, aber er ist klein, er ist unbeliebt, er mischt sich nicht gern unters Volk. Also klettert er auf einen Baum. Der Evangelist Lukas hat aufgezeichnet, was dann passiert - Lukasevangelium Kapitel 19 Vers 5:

Als Jesus an dem Baum vorüberkam, schaute er hinauf und rief: »Zachäus, komm schnell herunter! Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.«

Ich lese das, höre das, und wundere mich: Woher weiß Jesus, dass Zachäus da oben im Baum sitzt? Woher weiß Jesus, dass er Zachäus heißt? Okay, sagen Sie jetzt vielleicht - Jesus ist Gottes Sohn, er weiß solche Dinge halt, ohne dass sie ihm jemand gesagt hat.

Aber wissen Sie, was mich dann erst recht wundert? Das Wörtchen „muss“. Hören Sie nochmal genau hin:

Als Jesus an dem Baum vorüberkam, schaute er hinauf und rief: »Zachäus, komm schnell herunter! Ich - muss - heute in deinem Haus zu Gast sein.«

Wissen Sie, alle in der Stadt mussten nach Zachäus’ Pfeife tanzen. Bis auf einen - Jesus. Jesus war der eine, der bei Zachäus gar nichts musste. Er war der eine, der alles Recht der Welt gehabt hätte, achtlos an Zachäus vorbei zu gehen. Wäre das Zachäus nicht endlich einmal eine Lehre gewesen? Wäre Zachäus dann nicht endlich mal auf seine normale Bedeutung zurecht gestutzt worden?

Nein - der einzige, der bei Zachäus nichts muss, Jesus, spricht ihn an, sucht den Kontakt und lädt sich selbst beim Obersten der Zolleintreiber zum Abendessen ein.

Warum tut Jesus das? Ich glaube, weil er Mitleid hat mit diesem verbogenen, verkorksten und verachteten Menschen Zachäus. Er sieht in ihm nicht den Verräter am eigenen Volk, nicht den Finanzhai. Er sieht mitten in allem Reichtum von Zachäus die Bedürftigkeit seines Herzens. Und dann drängt es Jesus, Zachäus in seiner ganzen Verbogenheit zu retten. Deshalb „muss“ Jesus bei Zachäus zu Gast sein.

Lukas erzählt weiter, wie Zachäus nach dem Abendessen mit Jesus die Übervorteilten entschädigt und seinen Reichtum an die Armen spendet. Aber für mich ist dieser Ausgang der Geschichte beinahe nebensächlich. Das eigentliche Wunder ist, dass es Jesus drängt, Zachäus zu retten und die Bedürftigkeit seines Herzens zu heilen. Dass Jesus zu Zachäus kommt, „um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“, wie er in Vers 11 erklärt.

Und wenn Jesus für einen wie Herrn Z kommt - dann ganz sicher auch für Sie und für mich.

Autor: Dr. Jörg Dechert

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Epheser 2,10

„Das ganze Leben ist ein Quiz, und wir sind nur die Kandidaten…“ trällert Komiker Hape Kerkeling in seinem Schlager aus dem Jahr 1991. „Das ganze Leben ist ein Quiz, ja und wir raten, raten, raten…“.

Fühlen Sie sich manchmal so? Das ganze Leben ist ein Quiz, ein Rätsel, das es zu knacken gilt? Alle Menschen als Kandidaten, die angestrengt „raten, raten, raten“? Und Gott als himmlischer Quizmaster, der die Aufgaben verteilt, die menschlichen Bemühungen beobachtet, und am Ende die Punkte verteilt?

Ich glaube, das dieses Bild falsch ist. Es entspricht nicht der Wirklichkeit des Lebens, und es entspricht auch nicht der Wirklichkeit Gottes. Leben und Leisten und Glauben hängen in Wahrheit ganz anders zusammen. Im Neuen Testament setzt sich der Apostel Paulus einmal mit dieser Frage auseinander. Ich glaube, für ihn als Pionier und Gründer christlicher Gemeinden im 1. Jahrhundert war das auch eine ganz persönliche Frage: Was ist mein Leben in Gottes Augen? Was muss ich für ihn leisten? Welche Rolle spielt mein Glaube dabei?

Paulus schreibt zu dieser Frage im Epheserbrief Kapitel 2 Vers 10 folgendes:

Was wir sind, ist Gottes Werk; er hat uns durch Jesus Christus dazu geschaffen, das zu tun, was gut und richtig ist. Gott hat alles, was wir tun sollen, vorbereitet; an uns ist es nun, das Vorbereitete auszuführen.

Das Wichtigste zuerst: “Was wir sind, ist Gottes Werk.“ Daraus nehme ich für mich mit: Gott hat mich gemacht. Er ist kein Quizmaster, der mich raten lässt und testet, was ich drauf habe. Nein, Gott ist der Autor meines Lebens, er kennt mich ganz genau, von innen und von Anfang an. Was wir sind, ist Gottes Werk, er hat uns durch Jesus Christus geschaffen…

Und wozu? Was ist meine Aufgabe, was ist Gottes Erwartung an mich? Paulus sagt: …das zu tun, was gut und richtig ist. Das bedeutet für mich: Gott hat mich dazu geschaffen, so zu leben wie Gott es gut und richtig findet. Wie ein Trainer einen Sportler auf den Wettkampf vorbereitet, gibt Gott seinen Menschen alles mit, was sie für ein gutes Leben brauchen. Oder um es in einem anderen Bild zu beschreiben: Gott ist nicht der Fahrprüfer, der mit kritischem Blick bewertet, wie viele Fehler der Fahrschüler macht - er ist der Fahrlehrer, der seinen Schüler optimal auf die Fahrprüfung vorbereitet und mit ihm mitfiebert.

Gott ist der Autor des Lebens - er hat mich geschaffen.


 Gott ist der Trainer des Lebens - er gibt mir das Entscheidende mit, damit ich gut und richtig leben kann.


 Und Gott ist der Regisseur des Lebens - er begleitet mich in der Rolle, die er mir auf den Leib geschrieben hat.

Bei Paulus klingt das so: Gott hat alles, was wir tun sollen, vorbereitet; an uns ist es nun, das Vorbereitete auszuführen. Das heißt für mich: Ich darf ausleben, was Gott in mich hinein gelegt hat. Ich darf seine Regieanweisungen beherzigen, um sein Geschenk eines erfüllten Lebens auszupacken und zu entdecken und zu meiner Erfahrung zu machen.  

Das ganze Leben ist eben kein Quiz, wir sind keine Kandidaten, und wir müssen auch nicht raten, raten, raten. Nein, die Wahrheit ist:

Was wir sind, ist Gottes Werk; er hat uns durch Jesus Christus dazu geschaffen, das zu tun, was gut und richtig ist. Gott hat alles, was wir tun sollen, vorbereitet; an uns ist es nun, das Vorbereitete auszuführen.

Deshalb lohnt es sich, Gott kennen zu lernen, ihm vertrauen zu lernen, und seiner Führung durch’s Leben zu folgen.

 

Autor: Dr. Jörg Dechert

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Jesaja 6,3

Wie haben Sie es mit dem Wort ‚heilig‘? Die einen beklagen, dass heute nichts mehr heilig sei. Andere ärgern sich über die angebliche oder tatsächliche Scheinheiligkeit von manchen Christen. Die Dritten wundern sich bisweilen, wer von wem und warum heiliggesprochen wird. Und nur die wenigsten denken daran, dass sich die ersten Christen samt und sonders als heilig verstanden. Nicht weil sie sich perfekt oder vollkommen wähnten. Sondern weil überzeugt waren, dass der Heilige Geist in ihnen auf sie ausstrahlte.

Im Wort zum Tag heute kommt das Wort gleich dreifach vor. Himmlische Wesen, die sogenannten Serafim, singen in der Berufungsvision des Propheten Jesaja: „Heilig, heilig, heilig ist der HERR, der allmächtige Gott! Seine Herrlichkeit erfüllt die ganze Welt.“ (Jes. 6,3) Wie kann man das verstehen? Ein Theologe meint, ‚heilig‘ umschreibe, wie Menschen die Dimension des Göttlichen erfahren: als eine Verdichtung von Wirklichkeit, die tiefste Schichten ins uns anrührt und zum Schwingen bringt. Das ist erschreckend und heilsam zugleich. Wenn wir die ganze Berufungsgeschichte Jesajas in den Blick nehmen, wird anschaulich, was das heißen könnte. Die Bibel beschreibt diese Geschichte so:

Es ist eine einmalige Erfahrung. Während einer Feier im Tempel weitet sich für Jesaja plötzlich der Raum. Er sieht in echt, was sonst in der Liturgie nur dargestellt wird: den großen, heiligen Gott mitten in seinem Hofstaat. Im ersten Moment ist er überwältigt. Doch dann fährt ihm gleich der Schreck in die Glieder. Ein ganz kurzer Moment in der Nähe Gottes reicht um zu erkennen, wie groß die Distanz zwischen Mensch und Gott ist. Darum hat Jesaja zunächst Angst, Gottes Heiligkeit werde ihn verbrennen. Schließlich hat er ja, so formuliert er es, ‚unreine Lippen‘. Er realisiert, was alles in seinem Leben nicht in Ordnung ist. Das bedeutet vor allem die Einsicht: In meinem Leben wird wenig deutlich, dass ich von Gott weiß, seine Weisungen kenne und seinem Geist vertraue. Die ‚unreinen Lippen‘ sind ein Symbol für Vieles: Vor Gott kann nicht bestehen, was Jesaja hat schlucken müssen, was er begierig eingesogen hat, was er ausgespuckt hat, aber auch, was er – vielleicht in frömmster Absicht – gesagt hat, geflüstert oder geschrieben. Darum sein Schrei: „Weh mir, ich vergehe!“ – Ganz ähnlich hat übrigens später Petrus Jesus gegenüber empfunden und darum gesagt: „Geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch!‘ (Lk. 5,8)

Wie Jesus dann vor Petrus nicht zurückweicht, sondern ihn in seinen Dienst nimmt, so lässt Gott nicht zu, dass Jesaja stirbt. Doch ein Reinigungsprozess muss sein. Ein Gottesbote kommt zum Propheten. Er berührt mit einem glühenden Stück Kohle heilend und reinigend, schmerzhaft und erleichternd die unreinen Lippen mit dem Feuer der Liebe, der Hingabe, der Vergebung. So von Gottes Heiligkeit angesteckt, kann Jesaja sich von Gott rufen und senden lassen. Und er wird selbst zum Heiligen, weil er von Gottes Heiligkeit berührt ist.

Nicht weniger wünscht sich Gott für uns. Dass wir, von seinem Heiligen Geist berührt und durchdrungen, selbst zu Heiligen werden, die andere anstecken mit göttlichem Leben.

 

Autor: Pfarrer Daniel Eschbach

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Jesaja 33,13

Haben Sie einen kurzen oder langen Arbeitsweg? Wohnen ihre Freunde weit weg oder gleich um die Ecke? Man kann Distanzen messen. Ob wir sie aber als gross oder klein empfinden, hängt nicht von Messwerten, sondern von anderen Faktoren ab: Von unserer aktuellen Stimmung zum Beispiel oder davon, was wir erlebt haben. Seit ich im Wohnmobil den weitläufigen Westen der USA bereist habe, finde ich in der schweizerischen Heimat keine wirklich grossen Distanzen mehr. Ja, jetzt kommt mir da alles kleinräumig, manchmal sogar ein wenig kleinkariert vor. Und es klingt dann fast absurd, wenn jemandem eine Veranstaltung in 10 km Distanz zu weit weg ist. In anderen Weltgegenden überbrückt man schon nur für einen kurzen Sonntagsbesuch locker auch mal 100 oder 200 km.

Distanzen sind relativ. Das ging mir durch den Kopf, als ich das Wort zum heutigen Tag las. In Jesaja 33,13 fordert der Prophet auf: „So hört nun, die ihr ferne seid, was ich getan habe; und die ihr nahe seid, erkennt meine Stärke!“ Im ganzen Kapitel geht es um Gottes Eingreifen zugunsten seines Volkes und darum, dass dies alle betrifft. Niemand ist zu weit weg um mitzukriegen, dass Gott wirkt. Die Distanz spielt keine Rolle.

Gott ist da. Er handelt. Selbst in der Ferne ist es zu hören. Und in der Nähe kann man es sowieso nicht übersehen. Ob das für uns eine gute Nachricht ist, hängt davon ab, wie wir uns zu diesem Gott stellen. Freuen wir uns auf die Begegnung mit ihm? Oder fürchten wir, dass er uns zu sehr auf die Pelle rücken könnte? Weil es Dinge oder Bereiche in unserem Leben gibt, die wir ihm lieber nicht zeigen möchten. Nun, auch da spielt die Distanz keine Rolle. Gott sieht nach biblischer Überzeugung eh bis ins Verborgene hinein, selbst von ganz weit weg. Und diese Vorstellung mag unangenehm sein, dass man vor diesem Gott nichts verbergen kann.

Dennoch: Eigentlich ist es eine gute Nachricht, ist es Evangelium. Gott ist nicht weit weg. Anlässlich seiner Predigt in Athen hat der Apostel Paulus die frohe Botschaft genau so auf den Punkt gebracht: „Denn er ist ja jedem von uns ganz nahe!“ (Apg 17,27). Er ist uns ganz nahe. Das ist eine gute Nachricht, weil er auf unserer Seite ist. Er bleibt uns unerschütterlich zugewendet. Er liebt uns. Das können wir am Leben, Sterben und Auferstehen Jesus Christi ablesen. Er selbst hat seinen Jüngern ja gesagt, dass an ihm zu sehen ist, wer und wie Gott ist (vgl. Jh 14,9).

Bin ich Gott nahe oder fern? Das mag sich nicht jeden Tag gleich anfühlen. Aber es muss keine Rolle spielen. Denn selbst aus der Ferne ist er zu hören. Und in der Nähe ist seine Kraft erst recht unverkennbar. Vor allem aber: In Jesus Christus ist er uns nahe gekommen. Und da bleibt er auch. Ich wünsche Ihnen, dass sie heute erleben: „Tatsächlich, er ist jedem von uns ganz nahe!“

Autor: Pfarrer Daniel Eschbach

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Sprüche 16,7

Ich erinnere mich noch genau an jenen 13. August. Mit meinem Vater unternahm ich eine Radtour in einen Nachbarort. Er besuchte seinen ehemaligen Kriegskameraden. Da kam aus dem Radio die Eilmeldung vom Bau der Mauer in Berlin. Die beiden Männer schauten sich betroffen und erschrocken an. Ihre Worte: „Das gibt wieder Krieg“ sind mir noch im Ohr.

Gott sei Dank! Es kam letztlich anders. Bis dahin war freilich ein langer Weg. Leider wurden viele Flüchtlinge auf dem Weg in die Freiheit an der unmenschlichen Grenze erschossen. Viele Menschen mussten viele Jahre in Zuchthäusern verbringen. Manche wurden von den eigenen Freunden bespitzelt und verraten. Und doch war der Weg zur Wiedervereinigung unseres Landes nicht aufzuhalten. In der damaligen DDR traten mutige Menschen mit dem Slogan auf „Schwerter zu Pflugscharen“. Viele treue Beter, die Mitwirkenden bei den Friedensgebeten und Montagsdemonstrationen, sicher auch führende Politiker – Sie alle trugen zum friedlichen Verlauf der Revolution bei. Aber letztlich war Gott im Spiel, davon bin ich überzeugt.

Vor 30 Jahren fiel die Mauer in Berlin. Sie schien für die Ewigkeit gebaut. Sie trennte unerbittlich und grausam Menschen, die zusammengehörten. Viele hatten die Hoffnung auf eine Änderung der Situation schon längst aufgegeben. Sie hatten sich mit dem scheinbar Unabänderlichen abgefunden. Aber Gott kann auch ausweglose Situationen zu einem guten Ende führen. In allem Geschehen der damaligen Zeit sehe ich ihn am Werk.

Durch Gottes Eingreifen kam letztlich das Wunder zustande. Dass alles friedlich verlief, kann nur mit Staunen dankbar zur Kenntnis genommen werden. Dass wir in unserem Land schon viele Jahre in Frieden und Freiheit leben dürfen, ist aus meiner Sicht ein Grund, Gott dafür von Herzen zu danken.

Als Panzer und Raketen verschrottet wurden, keimte die Hoffnung auf eine friedlichere Welt auf. Alle redeten vom Frieden. Aber schnell kam die Ernüchterung. Unsere Welt ist keineswegs friedlicher geworden. Kaum ist ein Krisenherd erloschen, flammt der nächste auf. Kampf und Streit, Gewalt und Krieg im Kleinen wie im Großen bestimmen unsere Welt. Das gilt für die Völkerwelt, aber auch für den kleinen zwischenmenschlichen Bereich.

Was in unserem Land geschehen ist, könnte ein Modell für die Lösung der zahllosen Krisen, Kriege und Konflikte dieser Welt sein. Es könnte auch zur Lösung in den Krisen und Konflikten im zwischenmenschlichen Bereich beitragen.

Der weise König Salomo hat formuliert:  „Wenn der Herr mit deinem Tun einverstanden ist, dann macht er sogar deine Feinde bereit, mit dir Frieden zu schließen.“

In der Weisheit Gottes werden seine Leute zu Friedensstiftern. Das Gebet um Frieden ist uns aufgetragen. Jesus preist in seiner Bergpredigt die Friedensstifter. Er sagt: „Selig sind die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Die Aufforderung des Apostels Paulus an die Christen in Rom gilt auch für Sie und für mich: „Ist‘s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden!“. Es gilt auch: „Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft. Er bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn.“

Autor: Dekan Michael Wehrwein

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Apostelgeschichte 26,22

Ein Jahreswechsel, ein Geburtstag oder ein anderes Jubiläum sind oft ein Anlass zu einem dankbaren Rückblick. Auch der Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt, wie zum Beispiel in den Ruhestand, kann Anlass zum Zurückschauen sein. Ich erlebe, wie die neue Lebensphase mehr Freiräume bietet als das Berufsleben. Es ist viel geschenkte Zeit, die ich sinnvoll nutzen kann. So kam ich vor etwa einem Jahr auf die Idee, einmal aufzuschreiben, was ich auf meinem bisherigen Lebensweg mit Gott erlebt habe. Meine Kindheit und Jugendzeit, Studium und Beruf, viele Ereignisse in der Familie tauchten vor meinem inneren Auge auf. Neben  all dem Menschlichen und Zwischenmenschlichen habe ich immer wieder Gottes Begleitung, sein Eingreifen und seine Hilfe erfahren. Oft waren es kleine Erlebnisse und Begebenheiten, manchmal aber auch tiefe Erfahrungen in schwierigen Situationen, die mein Leben und meinen Glauben bereichert haben. Deshalb habe ich meine Aufzeichnungen überschrieben mit „Gottes Spuren in meinem Leben“. Sie sind mittlerweile zu einem stattlichen Buch mit vielen Seiten angewachsen. Die vielen Erlebnisse und Erfahrungen habe ich zunächst für mich selbst aufgeschrieben. Es tat mir gut, Manches aufs Papier zu bringen. Während des Schreibens kam mir immer Neues ins Gedächtnis. Ich konnte beim Nachdenken oft nur staunen, wie reich mich Gott beschenkt und gesegnet hat. Zum andern aber schrieb ich es auf, um meinen Kindern, Enkeln und Geschwistern Anteil an dem zu geben, was ich bisher mit Gott erlebt habe. Ich wollte das nicht für mich behalten. Sie sollten durch meine Ausführungen ermutigt werden auf ihrem Weg des Vertrauens. So sollte das Geschriebene zu einem Glaubenszeugnis werden.

Daran musste ich denken, als ich den Vers aus der Apostelgeschichte Kapitel 26, Vers 22 las. Es ist ein Satz aus der Verteidigungsrede des Apostels Paulus vor dem König Agrippa. Paulus wird der Prozess gemacht. In Anwesenheit des römischen Statthalters und von Berenike

schildert Paulus seinen bisherigen Lebensweg. Er bezeugt vor denen, die Macht über sein Leben und seine Zukunft haben seine Erlebnisse und Erfahrungen mit Gott. Er sagt: „Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe hier und bin sein Zeuge bei Klein und Groß und sage nichts, als was die Propheten und Mose gesagt haben, dass es geschehen soll: Dass Christus müsse leiden und als erster auferstehen von den Toten und verkündigen das Licht seinem Volk und den Heiden.“ Festus erklärte Paulus daraufhin für verrückt. Bei Agrippa fehlte nicht viel und er wäre überzeugt worden von der Botschaft des Evangeliums. Paulus hätte freikommen können. Aber weil er sich als römischer Staatsbürger auf den Kaiser berief, wurde er nach Rom überstellt. Dort starb er den Märtyrertod. Paulus hat auf Gott vertraut. Das gab ihm Kraft und Mut zur Verkündigung des Evangeliums.

Dieses Gottvertrauen brauchen auch Sie und ich. Wer Gott vertraut, macht Erfahrungen mit ihm.

Es ist wichtig und gut für unsere Mitmenschen, zu bezeugen, was Gott im eigenen Leben getan hat. Es könnte für sie eine Hilfe und Einladung zum festen Vertrauen auf Jesus Christus werden.

Autor: Dekan Michael Wehrwein

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Matthäus 11,15

Sie haben das Radio eingeschaltet. Ich hoffe, Sie können mich gut hören. „Wer Ohren hat, der höre!“ Das ist die Aufforderung Jesu. Sie steht im elften Kapitel des Matthäusevangeliums, im 15. Vers. Die äußeren Voraussetzungen für das Hören haben Sie bereits geschaffen. Stellen Sie sich auch innerlich darauf ein. Dass ist wichtig.

Denn Jesus, der auferstandene Sohn Gottes, ist jetzt wirklich da. Er ist der Herr dieser Welt und hält alles in seinen Händen. Auch Ihr Leben. Er ist auch der Herr aller Ereignisse des heutigen Tages. Das betrifft Ihr persönliches Leben genauso wie auch die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ereignisse der ganzen Welt.

Lange Zeit vor seinem Kommen wurde Jesus als Retter der Menschen angekündigt. Zuletzt von Johannes dem Täufer, einem Verwandten von Jesus. Die Leute damals hörten es, konnten es aber gar nicht glauben. Viele überhörten es ganz einfach. Sie lebten weiterhin gleichgültig gegenüber Gott wie eh und je. Sie fühlten sich von der Botschaft des Johannes nicht angesprochen. Was sollten sie mit Gott und seinem Sohn als Messias anfangen? Andere Dinge ihres Lebens waren ihnen weitaus wichtiger.

Und heute? Wie viel von Gott und seinem Sohn Jesus haben wir gehört? Was ist hängen geblieben? Wir können mit unseren Ohren hören und doch nicht hören.

Bekanntlich gibt es zwei Arten des Hörens: Das akustische Erkennen und das seelische Begreifen des Gesagten. Äußerlich hören wir mit unseren Ohren. Für das innere Hören brauchen wir ein Herz mit Ohren. Das Herz muss geöffnet sein für die Botschaften, die uns gesagt werden. Öffnen Sie deshalb Ihre Ohren und Ihr Herz!

Immer hat Jesus Ihnen aus der Ewigkeit etwas Wichtiges zu sagen. Er weiß, was Sie heute brauchen an Hoffnung und Orientierung, an Ermahnung und Trost. So seien Sie heute in Ihrem Geist und Herzen hellhörig für das, was Jesus Ihnen sagen will. Dieser Tag soll aus Gottes Sicht für Sie nicht umsonst gewesen sein.

Deshalb: Nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit. Wählen Sie dazu einen Ort, an dem niemand Sie stören kann. Nehmen Sie eine Bibel zur Hand. Schlagen Sie zum Beispiel Psalm 23 oder Matthäus fünf auf oder eine andere Bibelstelle.

Wenn Sie gerade keine Bibel zur Hand haben, besitzen Sie vielleicht einen christlichen Kalender oder ein Gesangbuch. In den Liederbüchern der Christen stehen viele tröstliche und Mut machende Lieder.

Ist Ihnen auch das momentan nicht möglich, dann stellen Sie sich vor, dass Jesus jetzt auch bei Ihnen ist. Vor 2000 Jahren war er auf dieser Erde. Alle Höhen und Tiefen menschlichen Daseins hat er selbst erfahren. Er kennt auch Ihre Freuden und Ihre Sorgen dieses Tages. Auch Ihre Zukunft ist ihm schon bekannt. Er weiß, was in den nächsten Minuten und Stunden dieses Tages Ihnen passieren wird. Reden Sie mit ihm. Wenn auch unsichtbar, ist er dennoch für Sie da und hört Ihnen zu. Durch seinen Geist wird er Sie heute leiten. Vergessen Sie das nicht! Bleiben Sie hellhörig nicht nur mit Ihren Ohren, sondern mit Ihrem Geist und Ihrem Herzen. Gott schenke Ihnen ein Herz mit Ohren. Denn wer Ohren hat, der höre!

Autor: Pastor Burghard Affeld

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Offenbarung 21,6

Kommen Sie heute mit mir auf den afrikanischen Markt von Marrakesch in Marokko. Wie immer herrscht dort ein buntes Treiben. Neben Händlern, Schlangenbeschwörern und Gauklern schreiten in langen roten Gewändern mit roten Hüten die historischen Wasserverkäufer durch die Menge der geschäftig umhereilenden Menschen. An ihren Körpern hängen viele blecherne Trinkbecher, mit denen sie laut klappernd auf sich aufmerksam machen. „Wasser, Wasser! Wer will Wasser?“, rufen sie auf marokkanisch. Natürlich sind sie für die Touristen eine oft fotografierte Attraktion. Nicht mehr mit Wasser, sondern mit einer Erlaubnis, sie zu fotografieren, verdienen sie heute ihr Geld. Sie erinnern daran, dass in früheren Zeiten von ihnen das Leben der Menschen abhing. Wer in der Hitze der Stadt kein Wasser hatte, musste verdursten. Ohne Wasser war sein Leben bedroht.

Auch in Jerusalem gab es solche Wasserverkäufer. Im Orient wussten schon die Kinder, wie wichtig das Wasser für ihr tägliches Überleben ist. Unser Körper kommt zwar eine längere Zeit ohne Nahrung aus, aber nicht ohne Wasser.

Jesus tritt auf wie ein orientalischer Wasserverkäufer. In Offenbarung 21 Vers 6 verspricht er: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Jesus weiß, dass unsere Seele täglich Zuspruch und Hilfe braucht.

Leider dauert es oft sehr lange, bis wir entdecken, dass unsere Seelen durstig sind nach dem Wasser des Gottvertrauens, nach dem Wasser der Vergebung, dem Wasser des Trostes, dem Wasser der Hoffnung und dem Wasser der Lebensfreude. Erst, wenn uns die Nöte die Sprache verschlagen und uns den Atem zum Leben nehmen, spüren wir, wie ausgetrocknet unser Seelenleben ist. Um uns herum scheint dann alles nur noch Wüste zu sein.

Dann fühlen wir uns wie ein Schwerkranker. Mund und Lippen sind trocken. Die Sehnsucht nach einem Tropfen Wasser ist fast unerträglich. Wenn doch einer käme, der mit einem angefeuchteten Wattestäbchen Lippen und Zunge mit Wasser benetzen würde! Genauso groß ist die Sehnsucht nach einem aufmunternden Wort der Hoffnung und des Trostes. In der Heiligen Schrift gibt es viele solcher Worte. Sie sind für unsere ausgetrockneten Seelen mehr wie ein Tropfen Wasser für unseren Körper.

Gottes Wort ist so frisch wie Quellwasser. Es hält uns am Leben. Gottes Wort für unsere durstigen Seelen bleibt sogar bis in Ewigkeit. Es kostet uns nichts. Es ist umsonst! Eigentlich müssten wir täglich bei Jesus Schlange stehen, um dieses lebendige Wasser zu bekommen.

Täglich brauchen wir Wasser für unseren Körper. Täglich brauchen wir Gottes Wort für unsere Seele. Heute brauchen wir sein Wort. Heute hat Jesus für unsere Seele Worte wie quellfrisches Wasser bereit. Wie ein orientalischer Wasserverkäufer wiederholt er immer wieder seinen Werbespruch: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Zögern Sie nicht! Nehmen Sie ihn beim Wort und hören Sie auf sein Wort! Heute!

Autor: Pastor Burghard Affeld

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Matthäus 7,7

Dreimal muss es Jesus sagen, aber jedes Mal meint er dasselbe: „Bittet – so wird euch gegeben. Sucht – so werdet ihr finden. Klopft an – so wird euch aufgetan.“

Wer zur Zeit von Jesus vor einer Tür stand und hat nicht angeklopft, dem konnte auch niemand öffnen. Heute wird an der Tür geklingelt, und da ist es ja genauso: Wer nicht läutet, dem kann niemand aufmachen.

Nur wer sucht, der wird finden. Dieses Bild hat sicher jeder vor Augen. Ich suche den Schlüsselbund und finde ihn nicht. Aber finden werde ich ihn nicht, wenn ich mich nicht vom Fleck bewege: Ich muss mich auf die Suche machen. Dann werde ich ihn finden.

So ist es auch mit dem Bitten, sagt Jesus: Nur wer bittet, wird etwas erhalten. Jesus fordert uns auf, dass wir Gott bitten sollen, wenn ein Anliegen unser Herz bewegt. Warum sollten wir es verweigern können?!

In den folgenden Versen erklärt Jesus den Bibelvers noch einmal ausführlicher: „Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. / Oder ist ein Mensch unter euch, der seinem Sohn, wenn er ihn bittet um Brot, einen Stein biete? / Oder der ihm, wenn er ihn bittet um einen Fisch, eine Schlange biete? / Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!“

Ein Kind kommt zu seinem Vater oder zu seiner Mutter und will etwas essen. Dann werden ihm die Eltern doch etwas zu essen geben und nicht etwas, was man nicht essen kann! Wir sind im Glauben an Gott seine Kinder. Jesus vergleicht das Gebet zu Gott mit dem Kind, das hungrig zu seinem Vater, zu seiner Mutter läuft. Das Kind wird von ihnen bekommen, was es braucht. So sagt er mir, und er sagt Ihnen: Vertraue darauf, Gott als der himmlische Vater wird dir als seinem Kind das Richtige geben! Er wird dir geben, was du bittest, und er wird dir geben, was du brauchst.

Der Reformator Martin Luther hat den Bibelvers für heute auch ausgelegt. Er klagt, dass Gott unseren Glauben stark machen muss. Wir sind zu kleingläubig für das, was Gott verspricht. Luther schreibt: „Wer nichts kriegt noch findet, der hat gewiss nicht gebeten noch gesucht. Und wem nicht aufgetan wird, der hat freilich nicht angeklopft.“ „Das ist ja deutlich geredet, dass unser Bitten, Suchen, Anklopfen nicht umsonst sein soll. Sondern alles soll gewiss und eitel ,Ja‘ sein. Oh, wer das glauben könnte, und in solchem Glauben beten könnte! Wie selig wäre der Mensch, mit dem sich Gott selbst so verbindet, dass er dessen Gebet hören will und tun, was er bittet. Oh Herr, hilf unserem Unglauben!“

So sollen wir Gott andauernd mit Gebeten in den Ohren liegen und nicht von ihm lassen. Er befiehlt uns ebenso dringend: Bittet, sucht, klopft an. Wenn wir beten, dann können wir gewiss sein: Er erhört, was uns bewegt. Wir können ihm nicht vorschreiben, wie er antworten soll. Aber er wird antworten und handeln, wie es für ihn richtig und für uns gut ist.

 

Autor: Pfarrer Dr. Jochen Eber

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Lukas 10,39

„Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu“ – das lesen wir  im Evangelium des Lukas im 10. Kapitel, Vers 39. Höre Jesus zu! Es ist wichtig für dein Leben, was er sagt! – Wenn ich Jesus hören will, wie er lehrt, dann kann ich mich heute nicht mehr einfach zu ihm hinsetzten. So hat es Maria aus dem Dorf Betanien bei Jerusalem damals gemacht. Im Hintergrund hat ihre Schwester Marta hart gearbeitet, um Jesus und seine Gäste zu bewirten. Jesus ist auferstanden. Das haben Christen an Ostern gefeiert. Er ist jetzt bei Gott, dem Vater, im Himmel. Wenn ich auf Jesus hören will, dann redet er zu mir durch Gottes Wort in der Bibel. Oder durch die Predigt. Er redet auch dann, wenn über die Bibel gepredigt wird, sei es von der Kanzel, sei es im Radio oder im Fernsehen. Und ich kann mit ihm reden, wenn ich zu ihm bete.

Jesus war mit seinen Freunden bei Maria und Marta zu Gast. Und Marta hat sich ordentlich aufgeregt: Ich tue, was ich kann, um die Gäste zu bewirten. Aber Maria sitzt da und hört nur Jesus zu! Ich tue anderen etwas Gutes. Aber Maria tut nur sich, ihrer Seele, ihrem inneren Menschen, etwas Gutes.

Das Beten und Hören auf Jesus und auf Gottes Wort ist der eine wichtige Aspekt in unserem Alltag. Der zweite ist die tägliche Arbeit, das barmherzige Handeln für andere. Beides wird in der Geschichte von Maria und Marta einander gegenübergestellt. Jesus sagt zu Marta: „Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe.“ Jesus schätzt also, was Marta tut. Es hat für ihn einen hohen Wert. Und dann sagt er weiter: „Eins aber ist notwendig. Maria hat das gute Teil erwählt, das soll nicht von ihr genommen werden.“ Wie Maria sollen wir Christen uns ausstrecken, immer mehr von Jesus für unseren Glauben zu lernen. Jesus lobt es ausdrücklich, dass Maria ihm zuhört. Wenn sie nur arbeiten würde, dann würde das Wort Gottes früher oder später in ihrem Leben unwirksam sein. Ja, es könnte über kurz oder lang sogar ganz verschwinden.

Doch was Marta macht, der Dienst am Nächsten, soll nicht verurteilt werden. Dieser soll aber ebenso davon geprägt sein, dass sie auf Jesus hört. Jede Aufgabe im Beruf, jedes Amt, jeder diakonische Dienst soll durchdrungen sein von Gottes Geist. Der Geist von Gott kommt zu mir, wenn ich das Wort Gottes, die Bibel, betrachte. Jeder, der gerne in seinem Beruf arbeitet, schaut nicht auf die Uhr und zählt die Stunden. Er kommt gerne vorwärts in seiner Aufgabe und freut sich am Erfolg. Doch wer viel arbeitet, steht in der Gefahr, geistlich zurückzufallen. Wenn keine Zeit mehr in das geistliche Leben investiert wird, ist das Risiko groß, im Glauben nicht mehr zu wachsen. Der Glaube wird immer kleiner, immer schwächer. Investieren Sie in Ihre Zeit mit Gott! Das kann auch davor schützen, dass Ihr Leben zu hektisch wird. Einer ruiniert vielleicht sogar seine Gesundheit, bei einem anderer kommt die Familie zu kurz, wenn die Arbeit überhandnimmt. Haben Sie heute schon etwas für Ihren Glauben getan, so wie Maria auf Jesus gehört hat? Wenn nicht, dann tun Sie es jetzt!

 

Autor: Pfarrer Dr. Jochen Eber

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Jesaja 51,11

Unterwegssein ist für mich Alltag. Ich sitze oft lange im Zug, wenn ich an den Wochenenden meine Eltern besuche. Dann fahre ich von der Stadt, in der ich studiere – von meinem Zuhause – zu meinen Eltern aufs Land – in die Heimat. Für mich gibt es da einen Unterschied. Heimat ist für mich der Ort, an dem ich aufgewachsen bin, dort, wo meine Familie noch heute lebt. Mein Heimatgefühl verbinde ich also mit meiner Familie. Zuhause ist hingegen etwas zeitlich Begrenztes. Es ist der Ort, an dem ich gerade jetzt lebe. Und das ist bei mir eben mein Studienort. Ähnlich wie mir geht es auch vielen anderen Deutschen. In der sogenannten Vermächtnisstudie gaben beispielsweise acht von zehn Deutschen an, dass die Familie oder der Lebenspartner für sie Heimat bedeuten.

Auch in der Bibel gibt es Geschichten, die vom Unterwegssein und von Heimat erzählen. So war beispielsweise das Volk Israel im 7. Jahrhundert vor Christus – nicht ganz freiwillig – unterwegs. Das Volk war von den Babyloniern verschleppt worden und lebte für einige Jahre in einem ihnen fremden Land. Sie sehnten sich nach ihrer vertrauten Heimat, nach ihrem eigenen Land und nach Gott, der ihnen dieses Land gegeben hatte. In diese Zeit hinein verspricht Gott seinem Volk etwas. Im Jesajabuch in Kapitel 51 in Vers 11 steht: „Die Erlösten des Herrn werden heimkehren. Wonne und Freude werden sie ergreifen, aber Trauern und Seufzen wird von ihnen fliehen.“ Gott verspricht seinem Volk also, dass sie heimkehren werden, dass es ihnen gutgehen wird und dass all ihre Trauer vergehen wird. Die Israeliten sollen in das Land zurückkehren, das ihnen von Gott geschenkt wurde. Gott verspricht ihnen also, dass sie zu ihm – in sein Land – heimkehren werden. Und Gott hält seine Versprechen: Die Geschichte zeigt, dass die Israeliten tatsächlich kurze Zeit später wieder heimkehren konnten. Gott ist also treu. Auch hier bedeutet Familie – nämlich Gott als Vater – Heimat. Bei ihm, in seinem Land, das er den Israeliten geschenkt hat, finden sie Heimat.

Und für mich heute gilt diese Verheißung Gottes immer noch. Auch mir möchte Gott als Vater eine Heimat bieten. Er ist meine Familie, die für mich Heimat bedeutet – und das sogar zweifach: Zum einen hier auf der Erde und zum anderen über meinen Tod hinaus.

Hier auf der Erde habe ich Heimat immer dann, wenn ich Gott als meinen Vater erkenne. Wenn ich mir bewusstmache, dass ich ein Kind Gottes bin und dass Gott für mich sorgt, wie ein Vater, der seine Kinder versorgt. Denn ich habe nicht nur einen irdischen Vater, der mir vielleicht ein Zuhause schenkt, mich eventuell aber auch enttäuscht. Vielmehr habe ich einen himmlischen Vater, der zuverlässig und treu ist und all seine Versprechen hält. So wie er dem Volk Israel Heimat versprochen und dieses Versprechen dann gehalten hat, so verspricht er auch mir, mein Vater zu sein und mir eine Heimat zu bieten. Ein bloßes zeitlich begrenztes Zuhause ist ihm eben nicht genug. Gott will Heimat für mich sein. Und dieses Versprechen von Gott gilt auch über meinen Tod hinaus. Vielleicht erlebe ich in meinem Leben noch schlechte Dinge, obwohl ich in Gott Heimat gefunden habe. Ich kann mich trotzdem darauf verlassen: Irgendwann werde ich zu Gott in den Himmel heimkehren. Und dort wird es keine Trauer mehr geben, sondern nur noch Freude. Dann werde ich vollkommen erleben, was es heißt, dass Gott tröstet. Gottes Perspektive für meine Heimat ist also nicht an Raum und Zeit gebunden. Es ist auch kein Gefühl, wie manche Menschen behaupten. Nein, Gottes Heimat ist ein konkretes Versprechen – für heute und für die Zukunft.

Wenn ich diese Perspektive für mein Leben gewonnen habe, dann ist für mich nicht mehr überall nur Zuhause und bei meiner Familie Heimat. Nein, dann ist überall mein Zuhause und meine Heimat zugleich, weil Gott, mein Vater, überall mit mir ist, wo ich unterwegs bin. Dann kommt es nicht mehr auf einen konkreten Ort an, an dem ich mich wohlfühle, weil es meine Heimat ist. Vielmehr gilt dann Gottes Versprechen überall, wo ich bin, auch über meinen Tod hinaus. Mit dieser Perspektive bin ich nicht mehr ständig mit dem Ziel unterwegs, heimzukehren, sondern dann bedeutet mit Gott unterwegs zu sein, überall Heimat zu finden.

 

Autor: Hannah Thielmann

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Sacharja 1,3

Es gibt viele verschiedene Verträge für die unterschiedlichsten Anlässe: Kaufverträge, Eheverträge und Versicherungsverträge oder Mietverträge und Friedensverträge. Sie alle werden zwischen zwei Parteien geschlossen und beinhalten klare Regeln für ein Miteinander zwischen Menschen, Ländern und Nationen. Dabei haben die Verträge eines gemeinsam: Hält sich einer der Vertragspartner nicht an den Vertrag, ist auch der andere Partner von den Regeln und Pflichten entbunden. Dann gilt der Vertrag als aufgelöst. Eventuell droht für die Partei, die den Vertrag bricht, sogar eine Strafe.

Auch zwischen Gott und den Menschen gibt es eine Art Vertrag, der in der Bibel „Bund“ genannt wird. Dabei handelt es sich nicht um einen Vertrag, mit dem der eine Vertragspartner den anderen Partner an Regeln bindet und so zu seinem Recht kommt. Viel mehr ist der Bund ein Geschenk von Gott. Durch den Bund geht Gott auf die Menschen zu und macht ihnen ein Angebot. Er verspricht: „Wenn ihr euch an meine Regeln haltet, dann wird es euch gutgehen. Ihr könnt euch auf mich verlassen, ich kümmere mich um euch und gebe euch nur das Beste. Was ich dafür möchte? Euch. Eure Zeit, eure Sorgen, eure Aufmerksamkeit. Ich möchte also eine Beziehung zu euch haben.“ Im Alten Testament galt dieser Bund nur für Gottes auserwähltes Volk Israel. Im Neuen Testament wird dann jedoch die Geschichte erzählt, wie Gott diesen Bund durch seinen Sohn Jesus Christus für alle Menschen erneuert hat – auch für mich.

Aber obwohl es dieses ausgezeichnete Angebot von Gott gibt, ist die Bibel voll von Geschichten, die erzählen, wie die Menschen den Bund mit Gott immer wieder gebrochen haben. Im Alten Testament wird zum Beispiel davon berichtet, wie das Volk Israel angefangen hat, sich nicht mehr um Gottes Willen zu kümmern und stattdessen andere Götter anzubeten. Und auch ich breche den Vertrag mit Gott immer wieder. Das geschieht zum Beispiel, wenn ich mal wieder in meinem Alltagsstress versinke und mich so gar nicht darum kümmere, was sich Gott für mein Leben vorstellt. Dann komme ich nicht mehr mit Gott ins Gespräch. Ich bete dann nicht mehr und frage nicht mehr nach, was er eigentlich gerade von meiner Situation hält. Und dann geht meine Beziehung zu ihm kaputt – denn zu einer guten Beziehung gehört das Gespräch, der Austausch. Und dann breche ich mal wieder den Bund, den Gott mir geschenkt hat. Nach menschlichen Maßstäben falle ich also aus dem Vertrag heraus. Die logische Konsequenz wäre, dass dann auch Gott nicht mehr an sein Versprechen gebunden ist, weil ich den Vertrag gebrochen habe. Gott hat allerdings andere Vorstellungen von seinem Bund mit den Menschen. Im Buch Sacharja in Kapitel 1 in Vers 3 heißt es: „Kehrt um zu mir, spricht der Herr Zebaoth, so will ich zu euch umkehren.“ Damit stellt Gott alles auf den Kopf. Er verspricht, dass er sich an den Vertrag hält, wenn die Menschen – wenn ich wieder zu ihm zurückkehre. Das heißt: Obwohl ich mich nicht an den Bund, also den Vertrag, zwischen Gott und mir gehalten habe, hält sich Gott weiterhin an seine Zusage. Er bleibt seinem Versprechen treu, obwohl er nach menschlichen Regeln dazu nicht mehr verpflichtet wäre. Das einzige, das Gott fordert, ist, dass ich wieder zu ihm umkehre. Das bedeutet vielleicht, dass ich mich bei Gott für einige Fehler entschuldige, die ich gemacht habe. Das bedeutet aber in erster Linie, dass ich wieder in eine Beziehung mit ihm starte. Das Beste dabei ist, dass ich anders als bei den menschlichen Verträgen nicht von Gott verurteilt werde, dass ich den Vertrag gebrochen habe. Ich habe keine Strafe zu befürchten. Ich kann bedingungslos umkehren.

Konkret kann eine Rückkehr zu Gottes Bund zum Beispiel so aussehen, dass ich Gott im Gebet alles erzähle. Dass ich Zeit mit ihm verbringe und ihn in meinen Alltag einbinde. Das gibt mir Halt. Denn dann habe ich eine feste Beziehung zu jemandem, auf den ich mich zu 100% verlassen kann. – Egal wie stürmisch es gerade um mich herum ist. Gott ist nämlich immer treu. Sein Vertrag, meine Beziehung zu ihm, gilt – anders als die menschlichen Verträge – in jedem Augenblick und zu jedem Anlass.

 

Autor: Hannah Thielmann

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Hebräer 11,3

„Glauben heißt, nicht wissen!“ Kennen Sie diesen Satz? Ich habe ihn in der Schule oft gehört. Als Schüler, der nicht immer alles gleich verstand, weil er etwas langsam war, sagte ich auf Nachfrage des Lehrers: „ Ich glaube, dass das so und so ist“. „Glauben heißt, nicht wissen!“ bekam ich zur Antwort.

Die Bibel, das am meisten verbreitete Buch auf der Welt, spricht oft vom Glauben. Hier ein Beispiel aus einer Schrift der Bibel über die Entstehung der Welt. Ein Brief an die Hebräer erklärte den komplizierten Sachverhalt mit einem Satz: „Aufgrund des Glaubens verstehen wir, dass die Welt durch Gottes Befehl entstand, dass das Sichtbare aus dem Unsichtbaren kam.“

Die Menschen bemühen sich seit ewigen Zeiten, die Entstehung der Welt zu erforschen, zu erklären und zu verstehen. Teilweise gelingt das, zum großen Teil nicht. Aber: So einfach kann es doch wiederum auch nicht sein, das sagt uns der sogenannte gesunde Menschenverstand.

Auf der anderen Seite heißt es ja nicht: „Wir verstehen, wie die Welt entstanden ist“. Es heißt: Durch den Glauben verstehen wir, dass Gott die Welt aus Unsichtbarem zum Sichtbaren geschaffen hat. Auch nicht einfacher. Durch den Glauben verstehen – ist das nicht naiv? Einfache Antworten auf komplizierte Fragen und damit gut?

Glauben und Vertrauen sind Eigenschaften von uns Menschen, die es uns ermöglichen zu erkennen, ob etwas wahr oder unwahr ist. Ist es wahr, dass ich gefahrlos in ein Flugzeug steigen kann? Ist es wahr, wenn mein Ehepartner mir versichert, dass er absolut treu ist? Dass er mich liebt? Ist es wahr, was mir die Medien jeden Tag neu erzählen? Jeder weiß: Unter uns Menschen ist nicht immer alles wahr, was für wahr erklärt wird. Unser Vertrauen hat Grenzen. Der Spruch „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ kommt nicht von ungefähr.

Kann ich Gott glauben, um bei unserem Thema zu bleiben, dass er die Welt geschaffen hat? Vom für uns Unsichtbaren bis zum für uns Sichtbaren? Da gibt es jede Menge Zweifel,  meine ich. Es kann zwar niemand das Gegenteil beweisen. Aber daran zweifeln, dass Gott eine bewohnte und geordnete Welt geschaffen hat, kann ich allemal.

Warum? Ich war nicht dabei. Ich kann nur davon lesen. Das überzeugt meinen Verstand einfach nicht. Warum glaube ich den Sicherheitsbeteuerungen der Fluggesellschaft, den Berichten der Medien oft mehr als dem, was Gott sagt. Gott hat ja auch geredet. Die Bibel ist voll von Gottes eigenen Aussagen, wer er ist, was er tut und wie er zu mir als Mensch eingestellt ist. Ja, Gott geht sogar so weit, dass er sagt: „Wenn du mir glaubst, kannst du manches verstehen, was ich sage und tue.“ Vertrauen ist das Schlüsselwort. Er fordert mich heraus, mich zu entscheiden: „Vertraust du, was ich gesagt habe, was Menschen über mich niedergeschrieben haben, oder vertraust du nicht?“

Die Frage bleibt bei mir, in jedem Falle. Ob bei der Fluggesellschaft, der ich vertrauen soll, ob bei den Medien, denen ich vertrauen soll oder dem Ehepartner – ich bin gefordert. Ich muss mich entscheiden. Ich muss für mich prüfen und klären, ob mein Gegenüber vertrauenswürdig ist oder nicht. Ob ich Vertrauen will oder nicht. Ob ich mein Vertrauen schenken will. Eine bittere Wahrheit ist: Wenn ich nicht vertrauen kann, kann ich nicht existieren. Vertrauen ist lebensnotwendig, sonst ist mein Leben nichts mehr wert.

Wie kann ich vertrauen? Es gibt kein Rezept. Die Antwort kann nur lauten: Probieren Sie es aus! Mit allen Risiken. Probieren Sie es aus, mit der Chance viel zu gewinnen oder enttäuscht zu werden. Anders können Sie die Richtigkeit und Wahrheit nicht erkennen. Es muss sich beweisen. Ich muss es erfahren. Es muss nicht immer die Not mein Vertrauen zu Gott fördern. Ich kann durchaus auch so die Wahrheit erkennen.

 

Autor: Werner Karch

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Micha 7,7

Es gibt Situationen im Leben, da weiß man nicht, wie einem geschieht. Man verliert den Boden unter den Füßen und wird in einen riesigen Strudel von Gedanken und Gefühlen hineingezogen. In solchen schwierigen und ausweglosen Situationen brauche ich Trost und Hoffnung. Damit ich nicht aufgebe, damit ich mich nicht von den Problemen überrollen lasse und letztendlich resigniere.

Ohne Hoffnung verliere ich mein Vertrauen an das Gute und glaube nicht mehr an eine Wendung zum Guten. Im Extremfall schließe ich mit mir und meinem Leben ab – ich gebe mich auf.

Aber: Auf was kann ich konkret hoffen? Ist die Hoffnung nicht wie eine Seifenblase, die plötzlich zerplatzt? Nichts bleibt übrig, nichts hilft. Wird wirklich alles gut, wie ich zu hoffen wage?

„Hoffnung ist Wunschdenken“, höre ich, ein schwankender Strohhalm, an den man sich klammert. Das ist nicht einmal falsch. Kein Mensch kann in die Zukunft sehen, erkennen, wie die Dinge sich entwickeln – zum Guten oder zum Bösen. Wieso hoffe ich dann trotzdem?

Im ersten Teil der Bibel, dem Alten Testament, wird von einem Propheten namens Micha berichtet. Er musste im Auftrag Gottes sein Volk mit dessen ungerechtem und gottlosem Verhalten konfrontieren.

Sie sollten erkennen, wie verroht und moralisch verwahrlost sie selbst waren. Sie sollten ihr Verhalten ändern, sich wieder zu Gott wenden und menschenwürdig miteinander umgehen.

Micha lebte inmitten einer Gesellschaft, in der einer gegen den anderen war. Es herrschte keine Gerechtigkeit mehr. Die Richter waren bestechlich. Unrecht und Rechtsunsicherheit waren an der Tagesordnung. Es gab Regierende, die nach Lust und Laune und nach eigenem Vorteil über das Volk Entscheidungen trafen. Recht und Gerechtigkeit wurden mit Füßen getreten. Ja, sogar innerhalb der engsten Beziehungen herrschte ausgeprägtes Misstrauen. Dem Freund konnte man nicht mehr trauen, nicht mal der eigenen Ehefrau. Die Kinder lehnten sich gegen die Eltern auf, jede Ordnung versagte. „Der Mann hat seine Feinde im eigenen Haus“, sagt Micha. Hinzu kamen weitere  Gewohnheiten, die Gott beleidigten.

Wer möchte in solchen Zuständen gerne leben? Wohl keiner. Micha ist wirklich nicht zu beneiden: Er erkennt die Missstände, hält sie seinem Volk vor, aber er muss selbst unter diesen Zuständen leben. Keiner macht es anders, sie hören nicht auf ihn. Er weiß, dass sich Gott dieses Verhalten nicht auf Dauer gefallen lässt, dass er eingreifen und ein furchtbares Gericht halten wird.

Was macht Micha? Verzweifelt er? Läuft er weg? Gibt er auf? Nein. Er sagt:

„Ich aber schaue aus auf den Herrn. Ich warte auf den Gott meines Heils – mein Gott wird mich erhören“. Das sind seine Worte ( Micha 7,7 ).

Er hat Hoffnung. Er hofft auf Gott angesichts vollkommen hoffnungsloser Zustände. Er weiß und hat die Erfahrung gemacht, dass Gott ihm hilft. Dass er ihm durch diese heillosen Zustände hindurch hilft zu überleben. Von seiner menschlichen Sichtweise ist das durchaus nicht sicher.

Wer Menschen mit ihrem schlechten Verhalten konfrontiert, ist meist nicht sehr beliebt. Man hätte ihn gerne los und oft ist jedes Mittel recht, ihn aus dem Verkehr zu ziehen.

Aber: Micha hat Gott vertraut und in der Vergangenheit die Erfahrung mehrmals gemacht, dass Gott ihm hilft, auch in kritischen Situationen. Diese Erfahrung kann ihm keiner mehr abnehmen.

Für ihn ist das eine Aufforderung, auch weiterhin Gott zu vertrauen. Auf Gott vertrauen, auch wenn man nicht sieht, dass sich sofort oder auf absehbare Zeit was verändert. Auf Gott vertrauen, auch wenn es anstatt besser nur schlimmer wird. Da gehört schon was dazu. Ist diese Hoffnung nicht wie eine Seifenblase, die plötzlich zerplatzt? Das war es dann!

Aber: Micha hat eine konkrete und keine abstrakte Hoffnung: Gott selbst, in seiner Treue zu mir und seiner Zusage, dass er es gut meint mit mir, wird mich nicht enttäuschen. Gott selbst, der lebt und handelt, ist der Grund meiner Hoffnung.

 

Autor: Werner Karch

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Matthäus 14,27

Am Wochenende habe ich immer wieder bei Oma und Opa übernachtet. Auf der Besuchsritze. Also, als ich noch klein war. Zehn oder elf oder so. Das war herrlich, denn am Samstagabend gab‘s da immer eine ganz große Flasche Zitronensprudel nur für mich. Die hielt aber nicht lange. Ich hatte sie meist schon leergetrunken, wenn Peter Frankenfeld, Willi Millowitsch oder Heidi Kabel die schwarzweiße Fernsehbühne betreten hatten. „Teil dir das doch ein bisschen ein!“, mahnte Opa. „Dann hast du länger was davon.“ Aber das war leichter gehört als getan.

Die Besuchsritze war nicht sehr bequem, aber sie bot spannende Ausblicke. Immer wieder nämlich fielen meine Blicke auf einen großen, leicht angegilbten Schwarz-Weiß-Stich, der an der Wand des Schlafzimmers hing. Wie ein unbewegtes Fernsehbild, wenn auch ein bisschen unheimlich. Zu sehen war ein Mann, der in tosenden Wellen zu versinken drohte und der verzweifelt einen Arm aus dem Wasser streckte. Aber da war noch einer. Der stand stark und geheimnisvoll auf dem Wasser und griff mit übermenschlicher Kraft nach der Hand des Untergehenden. Noch war hier nichts entschieden. Aber dieser Mann auf dem Wasser schien alles im Griff zu haben. Vor allem den, dem das Wasser an die Kehle ging.

Petrus und Jesus waren das, so viel wusste ich auch damals schon. In der Jungschar und im Kindergottesdienst hatte ich manche spannende Geschichte über sie gehört. Aber gesehen habe ich sie nur hier, im Schlafzimmer meiner Großeltern. Und ich war beeindruckt.

Immer wieder denke ich an diese Geschichte. Bis heute. Die Jünger sind nachts unterwegs auf ihrem See, dem See Genezareth. Jesus ist an Land geblieben. Er will beten. Da kommt plötzlich ein gewaltiger Sturm. Das Boot droht zu kentern. Und ausgerechnet jetzt ist Jesus nicht da. Doch da kommt er. Auf dem Wasser. Was die Jünger aber nicht einmal ahnen. Für sie kann das nur ein Gespenst sein. Und die Panik wird noch größer. Und dann sagt Jesus:

„Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht!“ Was zumindest einem von ihnen nicht reicht. „Wenn du’s wirklich bist, dann befiehl, dass ich wie du auf dem Wasser gegen kann!“ Schreit Petrus in den Sturm. Und Jesus sagt: „Komm!“ Petrus steigt aus und geht auf dem Wasser, wie Jesus, den er fest im Blick hat. Doch als die nächste Welle kommt, ist die Panik wieder da. Er sieht Jesus nicht mehr, er sieht nur die Welle - und beginnt zu sinken. Aber Jesus hält ihn fest und zieht ihn raus. Wie auf dem Bild im Schlafzimmer meiner Großeltern.

Ich liebe diese Geschichte. Und ich liebe ihre Botschaft. Mitten in der schwärzesten Nacht kommt mir Jesus entgegen. Mitten in der Todesangst sagt er:  Sei getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht! Und selbst wenn Sie beinahe untergehen – er lässt Sie nicht los. Auch wenn Sie selber nichts und niemanden mehr festhalten können – er hält Sie. Und zieht Sie raus. Und alles ist gut.

 

Autor: Jürgen Werth

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Hebräer 6,11

Man hatte ihn ins Gefängnis gesteckt, weil er den Machthabern allzu unbequem geworden war. Gefährlich gar. Ein Staatsfeind. Da saß er nun. Zwei lange Jahre. Erst im Untersuchungsgefängnis und schließlich im Konzentrationslager: Dietrich Bonhoeffer.

Als man ihn kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs hinrichtete, auf persönlichen Befehl Hitlers, ging er aufrecht zu seinem Henker und sagte: „Das ist das Ende. Für mich der Beginn des Lebens.“

Der Autor des Hebräerbriefes wäre wohl zufrieden gewesen mit ihm. „Wir begehren, dass jeder von euch denselben Eifer beweise, die Hoffnung festzuhalten bis ans Ende“, schrieb er. Dieser Satz möchte uns durch den Tag begleiten.

Ein provozierend kühner Satz ist das, finde ich. „Wir begehren“. Etwas freundlicher klingt es in der Einheitsbibel: „Wir wünschen uns“.

Festhalten an der Hoffnung daran, dass Gott da ist. Dass seine Liebe stärker ist als aller Hass. Dass er ans Ziel kommt. Dass am Ende der Welt der Himmel wartet. Auch wenn die Schmerzen Tag für Tag schlimmer werden. Oder wenn, wie vor fast 75 Jahren bei Dietrich Bonhoeffer, die Hinrichtung droht.

Was ist das überhaupt, Hoffnung? In der neuen Ausgabe der Zeitschrift „Aufatmen“ erklärt das der Theologe Wolfgang Bittner mit einem eindrucksvollen Bild aus seiner Kindheit.

In der Stadt, in der er aufgewachsen ist, gab es einen Platz, der von einem Bretterzaun umgeben war. Der war immer verschlossen. Doch ein oder zweimal im Jahr zog hier ein Zirkus ein. Oder der Rummel. Bunte Wagen zogen hinein - dann wurde das Tor wieder zugesperrt. Doch drinnen war Leben. Alle wussten es. Alle hörten es. Da wurde gehämmert und gebohrt und gesprochen und gerufen. Das konnte man von außen hören. Und alle wussten: Da wird der Zirkus aufgebaut. Oder der Rummel. Und bald können wir hinein. Und wir werden staunen! Manche größeren Kinder versuchten durch eine Ritze zwischen den Brettern oder durch ein Astloch schon mal einen Blick auf das geheimnisvolle Geschehen zu werfen. Was sie gesehen hatten, erzählten sie begeistert den aufgeregt staunenden Kleinen. Alle waren in Hochspannung: Da kommt was. Ganz bestimmt.

Wolfgang Bittner sagt: Das ist die Hoffnung, von der die Bibel spricht. Nicht ein unsicheres Fürmöglichhalten, sondern ein sicheres Wissen: Da kommt was!

Mit dieser Hoffnung ist Dietrich Bonhoeffer in den Tod gegangen: „Das ist das Ende. Für mich der Beginn des Lebens.“ Mit dieser Hoffnung möchte ich leben und sterben. Ich sehe noch nicht. Aber ich vertraue denen, die schon etwas gesehen haben. Und ich höre und lese Worte der Hoffnung. Gesammelt in dem großen Hoffnungsbuch, der Bibel.

Und auf einmal klingt der Satz aus dem Hebräerbrief gar nicht mehr so provozierend kühn:

„Wir begehren, dass jeder von euch denselben Eifer beweise, die Hoffnung festzuhalten bis ans Ende.“ Der das aufgeschrieben hat, hat wohl auch schon durch ein Astloch im Bretterzaun gelinst.

Autor: Jürgen Werth

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Hosea 6,6

Wie wichtig ist dir Gott im Leben? Oder einmal ganz provokant gefragt: Wie treu bist du Gott mit deinem Leben?

Unsere drei Kinder haben im Haushalt Aufgaben, die sie jeden Tag zu erfüllen haben. Es gibt Aufgaben, die machen sie lieber als andere. Und es gibt Kinder, die verrichten ihre Aufgaben zuverlässiger als andere. Im Laufe der Zeit haben sie verschiedene Strategien entwickelt, mit ihnen umzugehen. Mir ist dabei wichtig, dass ich weiß, ich kann mich auf unsere Kinder verlassen. Ich möchte, dass sie verstehen, wie wichtig die Erledigung ihrer Aufgabe ist. Ich wünsche mir, dass sie lernen, ihren Aufgaben und Verpflichtungen treu zu sein, auch wenn es manchmal keinen Spaß macht, die Spülmaschine auszuräumen.

In der Bibel lesen wir bei dem Propheten Hosea: „Wenn jemand mir treu ist, so ist mir das lieber als ein Schlachtopfer. Und wenn jemand mich erkennen will, freut mich das mehr als jedes Brandopfer!“ (Hos 6,6)

Gott wünscht sich von uns, dass wir ihm treu sind. Er möchte Gemeinschaft mit uns haben. Er sehnt sich danach, dass wir Beziehung mit ihm leben, ihn in unser Leben einbeziehen. Unsere Herzenseinstellung ist hier entscheidend. Gott treu zu sein, ist ihm wichtiger als das Einhalten der Opfergebote. Gott möchte das Wichtigste in meinem Leben sein. Er will an erster Stelle kommen. Noch vor dem Ehepartner, Familie und Job. Gott treu zu sein heißt, dass mir wichtiger ist, was er über mich denkt, als die Menschen. Es heißt für mich, dass ich sein Wort, die Bibel lese. Und wenn ich etwas nicht verstehe, mir Hilfe suche. Und das ich dann auch praktisch in meinem Leben umsetze, was ich verstanden habe. Gott treu zu sein, macht mich nicht zu einem religiösen Menschen, der unheimlich viele und komplizierte Gebote und Verbote einhalten muss. Die Treue zu Gott macht mich frei von religiösen Vorschriften, die mir sagen wollen, was ich tun muss.

Weil ich Gott treu sind will, ist es mein Anliegen, zu tun, was ihm gefällt und seinem Wort zu gehorchen. Denn ich bin überzeugt, dass Gott nur das Beste für mich will.

Doch treu sein fällt Menschen gar nicht so leicht. Vielleicht lohnt es sich heute am Sonntag, am Tag des Herrn, einmal nachzudenken, wo du in deinem Leben Gott treu bist, wo du seinem Willen folgst. Und gleichzeitig aber auch zu fragen, wo Gott noch viel mehr im Alltag einbezogen werden sollte, denn darüber freut er sich. Damit wir eines Tages, wenn wir vor ihm stehen, hören können, was ein Gutsherr in einer der Geschichten sagt, die Jesus erzählte: „Gut so, du bist ein tüchtiger und zuverlässiger Verwalter. In kleinen Dingen bist du treu gewesen, darum werde ich dir Großes anvertrauen. Komm zu meinem Fest und freu dich mit mir!“ (Mt 25,21)

Autor: Janine Haller

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Kolosser 1,19–20

Womit ist Ihr Leben erfüllt? Menschen sind auf der Suche nach der Erfüllung ihrer Wünsche und Zufriedenheit im Leben. Sie sehnen sich nach erfülltem Leben. Und heute reisen sie bis ans Ende der Welt in der Hoffnung dort Antworten zu finden. Sie suchen in den Religionen und menschlichen Weisheiten nach Hinweisen zu innerem Frieden. Ähnlich machten es die Menschen damals in Kolossa. Paulus schreibt ihnen über Jesus Christus: „Denn Gott hat beschlossen, mit seiner ganzen Fülle in ihm zu wohnen und alles im Himmel und auf der Erde durch ihn mit sich zu versöhnen. Ja, Gott hat Frieden gestiftet, als Jesus am Kreuz sein Blut vergoss.“ (Kol 1,19-20)

Es ist doch erstaunlich mit uns Menschen. Wir sehnen uns nach Beweisen, dass es Gott gibt. Wir möchten ihm nahe sein. Gleichzeitig erleben wir, wie unsere Welt aus den Fugen gerät. Lug und Trug, Ungerechtigkeit sind an der Tagesordnung. Doch viele Menschen lässt das alles nur noch mehr an der Existenz Gottes zweifeln oder sie klagen ihn an. Dass es an uns selbst, dem Menschen liegen könnte, soweit kommen viele mit ihren Gedanken leider nicht. Die Frage der Schuld, unserer eigenen Schuld wird heute nicht mehr allzu häufig gestellt. Und doch hat Gott beschlossen, uns durch Jesus Christus mit sich zu versöhnen. Wie? Gott hat Frieden gestiftet, als Jesus am Kreuz sein Blut vergoss.

Ich wünsche mir Frieden. Weltfrieden, für alle Menschen, weil wir hier auf der Erde unsere Heimat haben. Aber ich wünsche mir auch inneren Frieden und Zufriedenheit. Gott hat bereits alles ihm Mögliche getan, damit ich diesen Frieden finden und zufrieden leben kann. Ja, er hat seinen eigenen Sohn am Kreuz sterben lassen, weil ich ihm so sehr am Herzen liege, weil er mich so sehr liebt, dass er Gemeinschaft und Beziehung mit mir haben kann. Als Jesus am Kreuz sein Blut vergoss, öffnete Gott den Himmel, damit wir persönlich Zugang zu ihm haben können. Ich muss nicht ans Ende der Welt fahren, um Kontakt mit Gott aufzunehmen, ich muss nun auch nicht in anderen Religionen und menschlichen Weisheiten suchen. Ich kann und ich darf, einfach so wie ich bin, mit ihm reden. Ich darf ihm mein Herz ausschütten, ihm sagen, wenn es mir gut geht, woran ich Freude habe. Und ich darf ihm all das sagen, was meinen inneren Frieden kaputt macht und zerstört. So im Gespräch mit Gott spüre ich, wenn ich ganz ehrlich bin zu ihm und mir selbst, wie sein Friede mich erfüllt und ich mich ganz neu über mein Leben freuen kann.

Autor: Janine Haller

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Psalm 119,109

„Achtung Lebensgefahr!“


 Schilder mit dieser Aufschrift begegnen mir immer wieder, wenn ich unterwegs bin:


 Am Zaun der Tranformatorenstation, wo vorm Überklettern des Zauns angesichts der herrschenden elektrischen Hochspannung gewarnt wird.


 Bei der Wanderung in den Bergen an Stellen, an denen Absturzgefahr besteht.


 Aber Gefahr besteht ja nicht nur an solchen herausgehobenen Stellen.


 Das Leben ist immer in Gefahr:


 Bei der Hausarbeit in der Wohnung, wenn ich das Haus verlasse und die Straße betrete, wenn ich aufs Rad, ins Auto oder ins Flugzeug steige.


 In einem Gesangbuchlied heißt es:


 „Es kann vor Nacht leicht anders werden, als es am frühen Morgen war;


 solang ich leb auf dieser Erden, bin ich in steter Todsgefahr.“


 Krankheit, Unfall und Tod können uns jederzeit betreffen.


 Auch der Beter des 119. Psalms weiß um diese Gefahr.


 Er will uns davor bewahren, einfach nur in den Tag hineinzuleben.


 Er schreibt in Vers 109: Mein Leben ist immer in Gefahr.


 Was hilft uns in dieser Gefahr?


 Der Beter kennt auch  die Hilfe:

Mein Leben ist immer in Gefahr, aber dein Gesetz vergesse ich nicht.


 Dass nun gerade das Gesetz Gottes eine Hilfe sein soll in dieser Situation, mag für manchen zunächst nicht einleuchtend sein.


 Beim Gesetz denken die meisten zuerst an Vorschriften und Paragraphen.


 Aber darum geht es dem Beter des 119. Psalm nicht.


 Gesetz ist für ihn die gute Weisung Gottes, die zur Bewältigung des Lebens hilft.


 Es ist Gottes Wort, das er hört und liest.

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege, heißt es einige Verse vorher (Vers 105).


 Gottes Wort gibt Orientierung auch in schwierigen und gefährlichen Situationen.


 Es ist auch ein kostbares Heilmittel gegen die Angst, heißt es in einer Auslegung des Psalms.


 Ein solches Heilmittel gegen die Angst ist für mich auch die Geschichte von der Stillung des Seesturms, die die Bibel erzählt.


 Alles geht in jener Geschichte seinen normalen Gang an jenem Abend.


 Jesus steigt mit seinen Jüngern ins Boot, sie sollen ihn über den See Genezareth fahren.


 Alles ist ruhig, kein Wölkchen ist am Himmel.


 Jesus legt sich schlafen im Boot.


 Aber dann schlägt das Wetter um.


 Ein schwerer Sturm zieht auf.


 Windwirbel peitschen über den See. Das Boot läuft voll.


 Ganz schnell wird die Situation lebensbedrohlich.


 Die Jünger packt die nackte Angst.




 Das kleine hin und her geworfene Boot ist ein Bild für unser Leben.


 Die Wellen rollen über einen hinweg und man weiß nicht, wie es weitergehen soll.


 Hilflos und ausgeliefert fühlt man sich, allein auf der Fahrt durch das lebensbedrohliche Meer.


 Was kann ich tun in einer solchen Situation?


 Die Jünger wecken Jesus auf und bitten ihn um Hilfe.


 Alles andere hätte nicht geholfen.


 Martin Luther hat es so beschrieben:


 „Die Jünger greifen nicht nach den Rudern,


 sie schöpfen nicht das Wasser aus dem Schiff oder tun sonst etwas,


 das wäre alles umsonst gewesen,


 nein, sie ergreifen das Wort und rufen: Herr, hilf uns!“


 Und Jesus lässt sich rufen.


 Woher kommt solches Vertrauen?


 Erinnern Sie sich: Der Psalmbeter zeigt uns den Weg:

Aber dein Gesetz vergesse ich nicht.

Autor: Pfarrer Werner Schmückle

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2. Petrus 3,15

Mit der Geduld tue ich mich oft schwer.


 Ich warte ungern und hätte meine Anliegen gerne sofort erledigt.


 Manche Menschen reagieren ganz ähnlich.


 Sie fahren aus der Haut, wenn ihnen etwas nicht passt und würden gerne dreinschlagen.


 Und manche wünschten sich, dass Gott genauso handeln soll:


 Dreinschlagen und dem gottlosen Treiben in dieser Welt ein Ende bereiten.


 „Ach lieber Herr, eil zum Gericht“, heißt es in einem Adventslied.


 Zwei Beispiele aus der Bibel möchte ich anführen:


 Die Jünger Jesu wünschten sich, dass Feuer vom Himmel fallen und das Dorf zerstören sollte, in dem sie unfreundlich behandelt wurden auf ihrem Weg nach Jerusalem.


 Und der Prophet Jona wurde richtig sauer, als Gott das von ihm angekündigte Gericht über die Stadt Ninive nicht hat eintreffen lassen.


 Hatte er es denn nicht den Leuten in Ninive  im Auftrag Gottes angekündigt, dass die Stadt vernichtet wird.


 Gott sollte doch dreinschlagen.


 Aber so ist Gott nicht.


 Gott ist nicht wie ein Bär, der nur zuschlägt und verwüstet.


 Gott ist ein Gott voll Geduld.


 Schon das Alte Testament bezeugt:

Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte (Psalm 103,8).


 Er ist ein Gott, der vergibt.

Für die Christen, an die der zweite Brief des Apostels Petrus gerichtet ist, war die Frage, die sie bedrängte:


 Warum verzögert sich die von Jesus versprochene Wiederkunft so lange?


 Warum kommt er noch nicht, um über Lebende und Tote Gericht zu halten?

Petrus gibt ihnen Antwort auf diese bedrängenden Fragen:

Der Herr hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde (2. Petrus 3,9).

Deshalb erachtet die Geduld unseres Herrn für eure Rettung (2. Petrus 3,15).


 In einer anderen Übersetzung lautet das Bibelwort:


 Erkennt doch in der Geduld, die euch der Herr entgegenbringt, einen Weg zu eurer Rettung.

Gott offenbart sich in Jesus Christus als ein Gott voller Geduld.


 Im Gleichnis vom verlorenen Sohn, das Jesus erzählt, ist das eindrücklich zu sehen.


 Es ist die Geschichte des in grenzenloser Geduld wartenden Vaters.


 Der jüngere Sohn im Gleichnis sagt sich vom Vater los und zieht in die Fremde.


 Immer tiefer verstrickt er sich in Sünde und Schuld und landet schließlich bei den Schweinen.


 Der Vater könnte sagen: Mit so einem Kerl will ich nichts mehr zu tun haben. Der ist für mich gestorben.


 Aber die Tür zum Vaterhaus, der Lebensraum der Gnade bleibt immer offen für den Sohn.


 Geduldig hält der Vater Ausschau nach dem verlorenen Sohn und hofft auf seine Rückkehr.


 Und als er ihn von Ferne kommen sieht, da läuft er ihm voller Freude entgegen.


 Wie gut, dass der Vater im Himmel auch uns nicht fallen lässt, wenn wir versagen und uns in Schuld und Sünde verstricken.


 Wie gut, dass er uns die Tür offenhält in die Vergebung, in den Raum der Gnade.


 Jesus erzählt das Gleichnis weiter:


 Als der Sohn nach Hause kommt, da nimmt der Vater ihn in seine Arme.

Dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist gefunden worden, sagt der Vater und lädt dazu ein, sich mit ihm zu freuen.


 Auch wir sind eingeladen, umzukehren und heimzukehren in die offenen Arme unseres Vaters im Himmel, immer wieder neu, wenn wir schuldig geworden sind und unserem Herrn keine Ehre gemacht haben durch unser Verhalten.


 Wo das geschieht, da erreicht Gottes Geduld ihr Ziel.


 Sie dient zu unserem Heil, zu unserer Rettung.


 Damit wir es beherzigen:

Erkennt doch in der Geduld, die euch der Herr entgegenbringt, einen Weg zu eurer Rettung.

 

Autor: Pfarrer Werner Schmückle

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