ERF Plus - Wort zum Tag

Wort des Jahres

Ob Corona zum Wort des Jahres oder zum Unwort des Jahres wird, das wissen wir noch nicht. Auf alle Fälle hat dieses Wort und die Epidemie die ganze Welt im Griff.

Ich kann es immer noch nicht glauben. Wir sind eine hochtechnisierte Nation, Elektronik begleitet unseren Tagesablauf vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Viren kannten viele von uns bis vor einem halben Jahr vor allem als Computerproblem. Alles ist anders geworden.

Auffallend ist an dieser Corona-Krise: Niemand - kein Experte und kein selbsternannter Experte - kann Aussagen über den Tag hinaus machen. Die Aussagen sind nicht belastbar, hören wir, und damit sind sie wenig wert. Damit meine ich keine Leichtfertigkeit der Experten, sondern eher eine Zurückhaltung.

Das, was gesagt wird, ist letztlich kein Halt in der Krise, nicht verlässlich, nicht belastbar. Es gibt andere Bereiche unseres Lebens, jenseits der Corona-Krise, wo wir die Beobachtung machen, dass das gesprochene Wort von Politikern zum Beispiel sich ganz schnell überholt, und damit nichts mehr wert ist.

Wir Menschen suchen nicht nur in unsicheren Zeiten nach Verlässlichem, nach Worten, nach Aussagen, die über den Tag hinausgehen. Worte sind Schall und Rauch, so sagt der Volksmund, Worte werden gesprochen und vergehen, haben keine Beständigkeit. Wirklich alle Worte sollen Schall und Rauch sein.

Jesus ist mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem. Er weiß um seine Zukunft, nein, nicht sein Ende. Seine Zukunft. Die Jünger sind sehr verunsichert. Sie denken an das Ende. Sie werden mutlos und ängstlich. Da sagt Jesus ihnen:

„Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ Lukasevangelium, Kapitel 21, Vers 33.

Er führt das Wort noch weiter aus, es wird kein Stein auf dem andern bleiben, alles wird sich nach seinem Sterben und seiner Auferstehung ändern. Das ist nicht Mut machend, das macht Angst. Wenn da nicht „wie in Stein gemeißelt“ die Worte von Jesus wären: Aber meine Worte werden nicht vergehen.

Meine Worte bleiben von ewiger Bedeutung. Hier begegnen wir einem Wort von Jesus Christus, das uns heute ganz neu ausrichten und aufrichten kann. Seine Worte vergehen nicht, sie bleiben geltend.

Wenn Jesus zu Ihnen und mir sagt: Fürchte dich nicht…. Dann ist das nicht nur ein Rat, auch kein unverbindlicher Tipp. Das ist ein Lebenswort von Jesus in Ihre Situation heute. Und die Macht dieses Wortes, die Dynamik, die Kraft dieses Trostes ist ohne Verfalldatum, ohne Einschränkung. Es gilt, verlassen Sie sich darauf. An den Worten von Jesus Christus kann sich der Glaube immer wieder aufrichten, festhalten, sicher stehen.

Auch heute, wenn die Krise uns Angst macht.

Seine Worte werden nicht vergehen, an Bedeutung nichts einbüßen, lebendig bleiben sie in Zeit und Ewigkeit.

Autor: Pfarrer Rainer Geiss

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Erinnerungskultur

Mir geht es manchmal so, dass ich Tage erlebe, denen „die Würze“ fehlt. Es läuft alles seinen gewohnten Gang. Keine Höhepunkte, keine Katastrophen. Die Zeit mit Gott und im Gebet gehört dazu. Und doch ist alles so „normal“.

Dann suche ich bei mir, ob sich etwas zwischen Gott und mich geschoben hat, ob ich Schuld nicht bekannt habe. Dieses Suchen kann dann zu einem geistlich ungesunden Kreislauf werden.

Erinnerung pflegen: daran denken, was Gott in den vergangenen Wochen getan hat, daran denken, was er im letzten Jahr für mich, ja, für die Menschen, für die ich bete, getan hat. Dahin kommen, dass ich erkenne, Gott erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not. Auch in der Corona-Krise ist Gott da.

An die großen und kleinen Taten Gottes in meinem Leben denken, das macht dankbar, vertreibt die dunklen Gedanken und gibt Gesprächsstoff, so dass ich mit anderen Menschen nicht nur über das Wetter oder Corona zu sprechen brauche.

Aber nicht nur Corona, auch grundsätzlich darf ich mich dankbar erinnern, dass Jesus mich aus meiner Sinnlosigkeit erlöst hat. Ich darf bei ihm und mit ihm leben. Daran will ich mich immer wieder erinnern. Er hörte mein Beten, sah mich in meinen Ängsten und schenkte und schenkt mir Ruhe. Auch heute in der Krise.

Versuchen Sie es heute. So wie das Volk Israel sich an Gottes große Taten erinnert und dadurch Mut und Kraft zum Weitergehen bekam, so können Sie sich heute an Gottes Taten in Ihrem Leben erinnern und Freude im Glauben erleben, neu gestärkt werden.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen erinnerungsreichen Tag. Gott segne Sie.

Autor: Pfarrer Rainer Geiss

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Gott schaut hinter die Maske!

Lügen haben kurze Beine, sagt ein Sprichwort. Und so ist es auch: Die meisten Dinge, die vertuscht werden sollen, kommen irgendwann ans Licht. Ob es die Affäre ist, die eingebaute Schummelsoftware im Auto oder die nicht gekennzeichneten Zitate bei der Doktorarbeit. Wie oft werden solche Dinge früher oder später entdeckt. Und wie groß ist der Schaden dann! Viel größer als wenn man es gleich zugegeben hätte.

Und wie ist das bei Gott? Bei ihm haben Lügen erst recht kurze Beine, könnte man sagen. Im Bibelwort aus Hiob 13,9 wird gefragt: „Meint ihr, dass ihr Gott täuschen werdet, wie man einen Menschen täuscht?“

Hiob richtet diese Frage an seine Freunde, die unterstellen, Gott würde ihn bestrafen. Die Antwort auf diese Frage ist klar: Nein. Obwohl vieles irgendwann herauskommt, manchmal gelingt es, Menschen zu täuschen. Bei Gott gelingt das nie! Er kennt alle unsere Gedanken. Er weiß um jedes Wort, das wir sprechen. Und natürlich ist ihm auch nichts verborgen, was wir tun. Bei ihm können wir nichts vertuschen. Er schaut hinter die Maske, die wir oft aufsetzen. Er kennt auch alle dunklen Geheimnisse. Alles, was wir vor Menschen gerne geheim halten.

Ich hörte von einer interessanten Aktion. Jemand schickte eine Nachricht an 12 bekannte Persönlichkeiten. Der Text war kurz und eindeutig: Alles entdeckt – sofort fliehen! Innerhalb von 24 Stunden hatten alle 12 das Land verlassen. Ich weiß nicht, ob die Geschichte stimmt, aber die Frage ist: Hätten wir auch einen Grund zu fliehen? Vor Gott können wir nicht fliehen. Er weiß sowieso schon alles.

Das mag sich für den einen oder die andere jetzt bedrohlich anhören. Möchte ich Ihnen Angst machen? So nach dem Motto: Pass bloß auf, Gott siehst alles! Ich möchte Sie einladen, es einmal von einer anderen Seite zu sehen. Und fragen: Ist es nicht auch befreiend, dass wir vor Gott nichts verstecken können? Es ist doch auch sehr anstrengend, ein dunkles Geheimnis mit sich herumzutragen. Menschen, bei denen in einer solchen Situation alles auffliegt, sagen oft: Ich bin froh, dass das Versteckspiel ein Ende hat.

Diese Erfahrungen können wir bei Gott auch machen. Und er möchte uns helfen. Gerade dann, wenn es Dinge in unserem Leben gibt, die nicht in Ordnung sind. Durch Jesus hat er alle unsere Schuld auf seine Kappe genommen. Wir dürfen ihm alles sagen, was verkehrt gelaufen ist. Wenn wir uns ihm anvertrauen, sagt er uns zu: Ich habe alle deine Schuld selbst übernommen. Du kannst neu anfangen. Das zu erfahren kann sehr befreiend sein.

Gibt es in Ihrem Leben ein dunkles Geheimnis? Etwas, wo Sie hoffen: Hoffentlich bekommt das keiner mit? Gott weiß darum. Er schaut hinter die Maske. Und er lädt Sie heute ein: Komm doch damit zu mir. Ich vergebe dir. Ich mache dich frei davon. Vielleicht können Sie die Sache mit Gottes Hilfe dann sogar mit Menschen wieder in Ordnung bringen. Und erfahren: Es ist gut, dass ich bei Gott ganz ehrlich sein kann.

Autor: Pfarrer Dr. Christian Schwark

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Gott kennt uns wirklich!

Meine Frau und ich sind schon fast 35 Jahre zusammen. In dieser Zeit haben wir uns sehr gut kennengelernt. Oft müssen wir schon gar nicht mehr viel sagen. Da macht einer von uns eine Andeutung und der andere weiß genau, was gemeint ist. Das ist etwas sehr Schönes. Manchmal ist es auch lustig, weil wir schon wissen, was der andere gerade sagen wollte.

Es tut gut, eine tiefe Vertrautheit mit einem Menschen zu erleben. Es muss auch nicht der Ehepartner sein. Es kann z.B. auch ein guter Freund oder jemand aus der Familie sein. Noch viel wertvoller als bei einem Menschen ist es, das bei Gott zu erleben. Er kennt uns durch und durch.

Sie hören davon im 1. Königebuch, Kapitel 8, Vers 39: Da heißt es: „Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.“ Dieses Wort ist Teil eines Gebetes, das der König Salomo gesprochen hat.

Gott kennt jeden von uns. Er hat uns schließlich geschaffen. Das ist wie bei einer komplizierten Maschine. Am besten kennt die der, der sie konstruiert hat. Und so kennt uns Gott, der uns geschaffen hat, besser als jeder andere. Auch besser als wir selbst. Natürlich sind wir als Menschen viel mehr als eine Maschine. Noch viel vielschichtiger. Umso schwieriger ist es, dass wir uns selbst oder andere Menschen wirklich kennen. Das kann letztlich nur Gott. Das gilt übrigens auch bei meiner Frau und mir. Auch nach 35 Jahren erleben wir immer wieder Überraschungen. Nur Gott kennt uns wirklich.

Und was bedeutet das? Zwei Dinge sind mir wichtig: Zum einen: Wenn Gott mich kennt, dann heißt das: Er versteht mich. Er weiß, wie ich mich gerade fühle. Bei ihm muss ich keine großen Erklärungen abgeben. Ich kann z.B. im Gebet einfach sagen: Herr, du weißt doch, wie es bei mir aussieht. Dann kann ich fest darauf vertrauen: Er ist mir ganz nahe. Er sieht nicht nur das Äußere. Nicht nur das, was ich anderen zeige. Sondern er sieht mein Herz. Meine tiefsten Gedanken. Meine tiefsten Sehnsüchte. Meine tiefsten Ängste.

Ganz deutlich wird mir das bei Jesus, dem Sohn Gottes. Jesus ist Mensch geworden. Er ist bis in die tiefsten Tiefen gegangen. Bis zum Tod am Kreuz. Darum kann er mich gerade dann verstehen, wenn ich ganz unten bin. Er weiß, wie sich das anfühlt.

Und noch etwas, was es für mich bedeutet, dass Gott mich kennt: Er kann mir immer helfen. Er weiß, was ich wirklich brauche. Mütter haben es oft im Gefühl, was ihr Kind braucht. Meine Frau wusste das jedenfalls bei unseren Kindern immer besser als ich. So weiß Gott, was uns fehlt. Er als der gute Vater kennt uns wie eine gute Mutter. Und kann uns darum immer helfen. Und uns das geben, was wir brauchen.

Wie schön, dass Gott uns kennt! Er kennt auch Sie. Er weiß, wie es Ihnen gerade zumute ist. Und er möchte Ihnen heute ganz persönlich helfen bei allem, was auf Sie zukommt. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich ihm jetzt ganz anvertrauen können.

Autor: Pfarrer Dr. Christian Schwark

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Man wird alt wie eine Kuh

Die Liebe ist das Wichtigste – das Herz aller Dinge. Paulus betet darum, dass unsere Liebe größer und tiefer wird. Dass sie eine Hilfe ist im Leben.

Die Liebe, nicht der Verstand! Eigentlich dachte ich, das sei der Verstand, der doch bitte reifen möge: zunehmen an Erkenntnis und Erfahrung. Sie kennen sicher den klugen Spruch: „Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu.“ Das bestätigen mir ältere Menschen: Ich sehe jetzt vieles anders, tiefsinniger, weniger oberflächlich - das ist schön! Je älter man wird, desto mehr denkt man an die klugen Sätze von der Großmutter; oft sind es Sprichwörter, Lebenserfahrungen: wie die Zeit im Alter immer schneller rennt; wie rätselhaft der Mensch ist; „kannsch immer nur dranluewe, net ninluewe“… Altersweisheit! So ist es!

„Altersweisheit“ - gibt es auch eine „Altersliebe“? Dass ältere Menschen auch barmherziger werden, liebevoller? Nun, ich kenne das auch anders: dass ältere Menschen im Gegenteil „schärfer“ urteilen, bitterer werden, schneller resignieren. Eben deswegen betet Paulus: Ich bete darum, dass eure Liebe reicher wird an Erkenntnis und Erfahrung – die Liebe wächst nicht automatisch mit den Jahren…

Sie kann aber wachsen, wenn ein Mensch sich von Jesus lieben lässt!

Ich mache Erfahrungen mit ihm – und das vertieft meine Liebe! Auch durch bittere Erkenntnisse wächst die Liebe. Ich denke daran, wie mich einmal die Erkenntnis durchfuhr: „Wenn ich auf der Kanzel stehe, dann müssen die anderen mir zuhören, endlich mal!“ Als jüngstes von neun Kindern haben mir die anderen eher nicht zugehört oder mich belächelt, weil ich ja nur „die Kleine“ war. O weh – sollte ich den Beruf der Pfarrerin gewählt haben, damit man mir zuhört? O weh – sind das geistliche Gründe???

Natürlich nicht, und ich möchte den Menschen ja die beste Botschaft der Welt weitergeben; aber ein bisschen mag das schon mitgespielt haben, dass ich die Jüngste war. Und zugleich durchfährt mich die Erkenntnis und lässt meine Augen feucht werden: und trotzdem gebraucht er mich?! Was für eine Liebe Jesu – dass er auch mit meinen Fehlern fertigwerden kann! Mit meinen „durchwachsenen Motiven“! Jesus macht ja die Hauptsache!

Früher wusste ich: Ja, ich soll missionarisch sein! Das ist die Aufgabe eines Christen! Jetzt wünsche ich mir mit dem Herzen, dass auch andere diesen Heiland Jesus kennenlernen, der so barmherzig ist! „Ich lag am Boden – du legtest dich zu mir“ heißt es in einem Lied; nicht nur: „Ich lag am Boden – du zogst mich heraus“, sondern: „du legtest dich zu mir, du kannst ganz tief verstehen, was ich fühle. Du urteilst nicht oberflächlich. Und du ziehst mich heraus…“

Ich denke an eine Frau, 65 Jahre verheiratet, ihr Mann ist dement und lebt im Pflegeheim 500 Meter weiter, es ging zuhause einfach nicht mehr; wie bitter! Und sie sagt: „Mein Herz hüpft noch immer, wenn ich ihn sehe.“

Eine Liebe, die alt und reif geworden ist. Das ist mehr als: „Ich liebe dich, weil du so hübsch bist und so gut Auto fahren kannst…“ Jesus ist mit uns doch nur belastet! –Wie oft mag er über mich schon die Augen gerollt haben, wenn ich mal wieder nicht kapiert habe, was jetzt gerade gut gewesen wäre – aus Eigensinn, oder mit meinem kleinen Horizont. Und trotzdem gibt er mich nicht auf! Was für eine tiefe, treue Liebe!

Ja, ich möchte prüfen, was das Beste sei… So tief möchte ich mit ihm verbunden sein, dass ich das erkenne und tue: das Beste für andere Menschen; das Beste für meinen Tag jetzt, das Beste für meine Gedanken…

Autor: Pfarrerin Renate Schmidt

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Auf Jesus hören

Maria sitzt zu Jesu Füßen, wie damals ein Student zu Füßen seines Lehrers saß, während ihre Schwester Martha in der Küche herumwuselt und das Essen zubereitet. Martha rackert sich ab - für Jesus! – und Maria hört einfach nur zu. Jesus aber findet das gut und richtig – sogar vorbildlich (sagt er später). Obwohl damals nur Männer so lernen durften! Ich denke, Jesus freute sich über Marias Interesse.

Wie wunderbar, dass wir heute ebenso zu Jesu Füßen sitzen dürfen - und Jesus redet! Jeden Tag darf ich Gottes Wort lesen, oder hören – so wie Sie, liebe Hörer, das ja auch gerade tun. Ob Sie dabei wohl sitzen? Oder sind Sie gerade nebenher beim Geschirrabwaschen oder Blumengießen?

Und das ist mein Problem bei der Sache: Mir fällt es sehr schwer, ruhig sitzen zu bleiben. Eine Freundin von mir kann das: Sie kann eine geschlagene Stunde dasitzen, beten, Bibel lesen – und genießt das. Für mich wäre das ein Alptraum. Ja, kann Jesus denn nur zu mir reden, wenn ich sitze? Wir sind doch unterschiedliche Menschen! Stillsitzen ist nicht jedermanns Sache. Wichtig ist nur, Jesus zu hören!

Wann und wie habe ich denn Jesus schon gehört? Ich denke an einen Evangelisationsabend; ich war 17 Jahre alt, danach stand ich im Garten und habe Jesus mein Leben anvertraut: „Wenn Du mich willst – dann sollst Du der Herr sein in meinem Leben.“ Ich weiß noch: es war unter einem duftenden Holunder, daran erinnert sich mein romantisches Herz.

Als ich bitter enttäuscht war von einer Freundschaft, lag ich abends im Bett und empfand: Aber Jesus bleibt bei mir, er schickt mich nicht weg! Das hat mir so gut getan!

Ein Gemälde kann einen tief ansprechen, sodass einer spürt: Das ist jetzt für mich, der da auf dem Bild bin ich! - und ihm kommen die Tränen. - Manchmal, wenn mir etwas aufs Herz fällt „Das sollte ich tun!“ und ich tue es, bin ich so beglückt und weiß: Das hat Jesus mir eingegeben.

Wenn ich Predigten schreibe und formuliere die Worte, dann werde ich oft beschenkt mit einer Einsicht aus Gottes Wort, zuallererst werde ich beschenkt, und das gebe ich dann weiter. Am Schreibtisch sitze ich ruhig da – aber zum Glück können meine Finger etwas tun… Auch wenn ich meine Hände rege, kann ich auf Jesus hören.

Theresa von Avila hat das so schön ausgedrückt im Gebet an den - so nennt sie ihn - „Herrn der Töpfe und Pfannen“: Ich kann mitten im Alltag Jesus hören. „Obgleich ich Martha-Hände habe“ (sagt sie), „habe ich doch ein Maria-Gemüt.“

Wichtig ist, dass ich Jesus höre! Egal, ob ich ruhig dasitze oder etwas tue – ich merke oft, wie laut es in mir drin ist, wie ich manchmal so voll bin von Menschen und Problemen – aber Jesus beziehe ich nicht ein! Habe ich eigentlich schon dafür gebetet? Habe ich schon Jesus gefragt, wie ER das sieht? Und wie oft kommt dann so ein ganzer Strom von Erleichterung in mich: „Ja, ER kann alles ändern, darum bete ich jetzt.“

Wenn ich mit meinen Gedanken nur bei MIR bleibe, wird es oft schwer und unlösbar. Wenn ich Jesus einbeziehe, ist das wie ein geöffnetes Fenster, durch das frische Luft und Wärme hereinkommen: „Ja, Herr, ich möchte DICH hören und von DIR her leben!“ Theresa von Avila betete: „Herr, mache Dein Aschenbrödel zu einer himmlischen Prinzessin; erwärme die ganze Küche mit Deiner Liebe und erleuchte sie mit Deinem Frieden. Vergib mir, dass ich mich absorge, und hilf mir, dass mein Murren aufhört.“

Vom Aschenbrödel zur Prinzessin: so persönlich meint Jesus Sie und mich, und er weiß, was wir brauchen. Und nicht ich muss der Herr meines Alltags sein – egal, ob es da um Töpfe und Pfannen geht, oder um den Computer und die Werkbank – sogar da brauche ich nicht der kompetente, allwissende Chef sein, sondern ich bin einfach nur Jesu Mitarbeiterin, die er liebevoll leitet bei der Arbeit.

Autor: Pfarrerin Renate Schmidt

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Gottes Weisheit steht zur Verfügung

Unser Tageswort steht im zweiten Brief, den Paulus an seinen Mitarbeiter Timotheus geschrieben hat. Es ist eine gewaltige Ansage und Zusage: „Der Herr aber wird dir in allen Dingen Einsicht geben!“ Fast zu schön, um wahr zu sein – möchte man da spontan sagen.

Totales Verstehen und Begreifen in allem? Vollkommene Einsicht und Erkenntnis für alles? Das soll es für Christen geben? Wie kann Paulus das so absolut behaupten?

Wir reagieren auf solche Versprechungen eher skeptisch. Vor allem, wenn sie aus dem religiösen Milieu kommen. Denn damit haben Sektenführer, Gurus und Populisten schon viel Unheil angerichtet – im Kleinen wie im Großen! Da sind wir mittlerweile vorsichtig und kritisch geworden. Und das ist gut so!

Aber nun verspricht Gott „Einsicht in allen Dingen“. Immerhin hat der Apostel Paulus fest daran geglaubt. Deswegen erinnert er seinen jungen Mitarbeiter Timotheus daran! Warum tut er das?

Timotheus leitet seit wenigen Jahren die christliche Gemeinde in der Kulturmetropole Ephesus in Kleinasien. Diese Hafen- und Handelsstadt bietet damals alles, was man sich zum Glücklichsein so wünscht: Ein imposantes Amphitheater, eine stattliche Bibliothek, Sportarenen, ein herrliches Thermalbad, ein reiches religiöses Angebot! Da war für jeden Geschmack etwas dabei. Vor allem der erhabene Artemistempel zieht Heerscharen von Pilgern an. Er ist eines der sieben Weltwunder der Antike. Die Wahrheitsfrage wird zwar diskutiert, aber jeder kann nach seiner Façon selig werden.

In dieser üppig-reichen Multikulti-Stadt lebt die junge christliche Gemeinde. Und es ist nicht einfach, christliche Werte im Sinne der Wahrheit Jesu im Alltag zu leben. Zudem bringen die Gemeindeglieder ja noch ihre früheren Lebensgewohnheiten, Denkhorizonte und religiösen Vorstellungen mit. Lassen die sich denn nicht mit dem Evangelium verbinden?

Solche und ähnliche Fragen werden in der Gemeinde überlegt und diskutiert. Leider kommt es dabei auch zu Zank und Streit, ja, sogar zu Ausgrenzungen und Austritten. Das Gemeindeleben leidet darunter. Paulus nennt das alles in seinen beiden Briefen an Timotheus „eine Seuche der Fragen und Wortkriege, geistloses Geschwätz und Schulgezänk von Menschen, welche die Wahrheit leugnen und meinen, Frömmigkeit sei ein Geschäft“ 1. Tim 6, 3-5; 2. Tim 2,16-18.

Der noch junge Bischof Timotheus muss mit dieser Situation zeitweise ziemlich überfordert gewesen sein, sein seelisches Gleichgewicht und seine Gesundheit litten unter den Spannungen.

Paulus will ihm da helfen. Er empfiehlt ihm nicht nur, täglich ein Glas Wein für seinen angeschlagenen Magen zu trinken! Sondern er rät ihm dringend, sich in dieser verfahrenen Gemeindesituation unbedingt darauf zu verlassen, dass ihm Gott Weisheit gibt. Weisheit, wie umzugehen ist mit schwierigen Menschen und Situationen sowie mit schwierigen Fragen und kritischen Einwänden.

Timotheus soll es gerade jetzt wagen, in der Kraft des Geistes Christi Aussöhnung und echten Frieden in der Gemeinde zu wirken!

Das also wollen wir uns heute sagen lassen:

Wir dürfen uns auch in einem schwierigen Umfeld auf Christus verlassen. Er ist „in all diesen Dingen“ mit uns unterwegs! Und dann – zur rechten Zeit – leitet er uns mit seiner Einsicht, seinem Rat und seiner Weisheit!

Diese Erfahrung wünsche ich Ihnen!

Autor: Pfarrer i. R. Peter W. Henning

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Privilegiert, Essen und Trinken bezahlen zu können!

Das Volk Israel hatte auf seiner Wüstenwanderung 40 Jahre lang viel Bewahrung erlebt. Aber das letzte Wegstück ins „gelobte Land“ östlich des Jordan führte ausgerechnet durch ein Gebiet, das von den nicht so beliebten Nachkommen Esaus bewohnt war. Diese Edomiter jetzt zu plündern und auszurauben, lag nahe.

Aber Gott ließ solche Beutezüge durch Mose verbieten. Das Volk soll im Gegenteil alle notwendige Nahrung anständig erwerben und bezahlen. Die Begründung dafür ist bemerkenswert! Sie findet sich im fünften Buch Mose, Kapitel 2 Vers 7 und ist unser Wort zum Tag: „Denn der Herr, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände!“ Und Mose erinnert Israel dann daran, dass Gott es auf seiner Wüstenwanderung mit Herzblut begleitet habe, sodass es nie einen Mangel gab.

Dieses Tageswort löst bei mir spontane Dankbarkeit aus! Denn da könnte ich Vieles aufzählen. Zum Beispiel freuen wir uns immer wieder darüber, dass wir unsere Lebensmittel und sonstigen Einkäufe an der Kasse bezahlen können. Ja, das sagen wir uns dann als Ehepaar ganz bewusst, wenn wir mit gefülltem Einkaufswagen zum Auto kurven. Wir haben genug Geld, uns das Lebensnotwendige und manche Extras leisten zu können!

Ja, auch für diesen Segen wollen wir dankbar sein und bleiben!

Denn abgesehen von der weltweiten Not: Geldmangel und arme Menschen und Familien gibt es auch in unseren Ländern wieder. Mitten im Wohlstand leben Hunderttausende unter dem Existenzminimum. Für sie gibt es zwar Tafeln, Caritasläden, Tauschbörsen, Kindermahlzeiten, Gutscheine und Beratungszentren. Aber die neue Armut breitet sich trotzdem weiter aus. Ihre Ursachen sind vielschichtig. Sie wirkungsvoll zu bekämpfen, wird deswegen nicht einfacher!

Es gibt im Buch der Sprüche das berührende Gebet von Agur, einem Lohnarbeiter. Er war ein Nachkomme Ismaels, dem Sohn Abrahams und Hagars. Aus welchem Grund auch immer – eines Tages betet er: „Mein Gott, ich bitte Dich nur um zwei Dinge: Bewahre mich davor zu lügen und lass mich weder arm noch reich sein! Gib mir nur, was ich zum Leben brauche. Denn hätte ich zu viel, könnte ich vielleicht Gott vergessen. Und hätte ich zu wenig, würde ich beginnen zu stehlen!“ Spr 30, 7-9.

Welch eine Lebensweisheit, zeitlos aktuell bis heute: Beides – Reichtum und Armut können den Charakter verderben! Es ist traurig, aber wahr: Täglich wird betrogen, gestohlen und gelogen – sowohl von „denen da oben“ als auch von „denen da unten“!

Der Lohnarbeiter Agur hat das auch schon beobachtet: Wir Menschen lassen uns leicht verführen, ob es in der Kasse klingelt oder knapp wird! Geld kann eine magische Faszination auslösen und geldsüchtig machen.

Aber: Es gibt ein Mittel gegen diese subtile Versuchung: Das Gespräch mit dem Gott, der uns mit Leben und Lebendigkeit gesegnet hat. Denn dieser Gott kennt uns – ob wir nun arm oder reich sind! Und dieser Gott will uns vor Betrug und Diebstahl, vor Lüge und Korruption, vor Dummheit und Torheit schützen. „Geiz ist geil“ hat dann ausgespielt!

Gott befreit uns, auch in Sachen Geld und in unseren Geschäftsbeziehungen korrekt zu handeln.

Zum Beispiel von christlichen Handwerkern und Firmen nicht zu erwarten, dass sie uns alles billiger und fast gratis geben, „weil wir doch Geschwister sind“! Was für eine Unsitte, nicht bezahlen zu wollen, was das Produkt wert ist!

Wenn Sie also nächstens wieder an der Kasse für Nahrung und Kleider bezahlen und Ihre Zahlungsaufträge an die Bank abschicken können, dann tun Sie das doch mal bewusst dankbar – „denn der Herr, dein Gott, hat dich gesegnet!“

Autor: Pfarrer i. R. Peter W. Henning

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Jesus, Herr über die Krankheit

Wenn Sie die Evangelien im Neuen Testament lesen, erfahren Sie viel von den zwölf jungen Männern, die mit Jesus unterwegs waren. Es wird uns wenig von ihren Familien erzählt, noch weniger, ob sie auch mal krank gewesen sind. Dagegen erfahren wir viel von den wunderbaren Heilungen, die durch Jesus geschahen.

In Mtth. 8, 17 steht z. B., dass die Heilungen zum Auftrag von Jesus gehörten, den er von Gott bekommen hatte. So sagte der Prophet Jesaja schon ca. 800 Jahre bevor Jesus auftrat: „Er hat unsere Schwachheiten auf sich genommen, und unsre Krankheiten hat er getragen“ (Jes.53, 4). Darum gab es keine Krankheit, die Jesus nicht heilen konnte.

In Markus 1, 30-31 wird eine Geschichte in zwei Sätzen erzählt. Dort heißt es: „Die Schwiegermutter Simons aber lag darnieder und hatte das Fieber; und alsbald sagten sie Jesus von ihr. Und er trat zu ihr, ergriff sie bei der Hand und richtete sie auf; und das Fieber verließ sie“. Die Schwiegermutter des Petrus hatte schweres Fieber. Deshalb konnte sie nicht für die Gäste im Haus sorgen. Als Jesus davon hörte, ging er zu ihr und heilte sie.

Ein starkes Fieber zu bekommen, ist bei uns auch nicht ungewöhnlich. In der Regel haben wir so gute Medikamente, dass die Heilung meist schon nach kurzer Zeit eintritt. Nur nicht, wenn es sich um das Coronavirus handelt. Bei anderen Krankheiten ist es ähnlich. Dennoch möchte ich fragen, in welcher Weise Jesus auch für unsere Krankheiten heute zuständig ist, trotz der guten Medizin, die wir haben. Wobei die Medikamente auch nicht immer die gewünschte Heilung bewirken. Sind wir dann schon mit unseren Möglichkeiten am Ende?

Wer in einer christlichen Gemeinde zu Hause ist, erlebt es oft, dass aufgefordert wird, für die Kranken Gott zu bitten, dass er ihnen Heilung schenkt. Wie oft sagten Kranke nach ihrer Genesung, dass sie spürten, dass die Gemeinde für sie gebetet hat. Mancher Arzt sagt offen, dass er einen Kranken nicht heilen kann. Er könne nur versuchen, das Bestmögliche für ihn zu tun.

Bei der Heilung der Schwiegermutter des Petrus heißt es nur kurz von den Anwesenden: „Sie sagten es Jesus“. D. h. sie hielten Jesus für kompetent, das starke Fieber zu heilen. So war es auch, denn sie wurde noch am selben Tag gesund, sodass alle aufatmen konnten. Ihre Gesundheit war wieder hergestellt, sodass sie sogar für ihre Gäste sorgen konnte.

Hier können wir lernen, dass Jesus für alle Situationen unseres Lebens kompetent ist. Wir können ihm vertrauen und ihn bitten, dass er uns hilft. Er kann Wunder tun, wo unsere Möglichkeiten am Ende sind. Er hat Weisheit für unsere Situationen, wenn uns Weisheit fehlt. Seine Hilfe kommt mitunter zwar nicht sofort. Auch nicht immer so, wie wir es uns vorstellen. Und dennoch liegt ihm viel an uns. Er hilft öfter, als es uns bewusst ist. Sagen Sie ihm immer wieder Ihre Not, auch wenn Sie krank sind. Sie werden seine Hilfe erleben. Sagen Sie ihm auch die Not anderer Menschen. Sie werden Ihnen dankbar sein.

Autor: Walter Köhler

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Der ermutigende Gott

Wahrscheinlich kennen Sie Gespräche mit Menschen, die kritisch von Gott reden, wenn von ihm gesprochen wird. Sie meinen, Gott müsste anders zu uns sein. Er soll Unglück, das Coronavirus und Krankheit von uns fernhalten und dafür sorgen, dass es uns gut geht. Tut er das nicht, so ist er bei vielen abgeschrieben.

Umso bedeutsamer ist, dass andere dankbar von Gottes Hilfe erzählen.

So war es auch im alten Israel. Die Verantwortlichen des Volkes hatten von Gott erstaunlich viel Gutes zu sagen, obwohl Israel die siebzigjährige Gefangenschaft in Babylon gerade erst hinter sich hatte. Da musste für den Aufbau des Landes vieles getan werden. Sie kamen aber auch zusammen, um sich dankbar an Gottes vielfache Hilfe in der Vergangenheit zu erinnern. So sagen sie von Gott: „Du bist ein Gott, der vergibt, gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte ist“ (Nehemia 9, 17).

Sie machten Gott keine Vorwürfe, dass er sie bestrafte, weil sie ihm ungehorsam waren. Dagegen bekannten sie sich zu Gott, der ihnen vielfach entgegenkam. Ja, sie fügen sogar hinzu, dass er Israel nicht losließ, obwohl sie immer wieder Götzen statt Gott verehrten.

So ist Gott. Er geht uns nach, obwohl wir ihm oft davonlaufen und nicht danach fragen, was sein Wille für uns ist. Diese ermutigende Art Gottes entdeckten damals die Führer Israels und sagten zu ihm: „Du bist ein Gott, der vergibt“. Er könnte mit uns auch umgehen wie eine Verkehrskontrolle, die uns blitzt und bestraft, wenn wir zu schnell gefahren sind. Aber Gott will nicht ständig draufhauen. Wenn wir ihn um Vergebung bitten, vergibt er uns. Das ist ein Beweis seiner Liebe. Auch hält er uns unsere Sünden nicht mehr vor, die er uns vergeben hat.

Unter uns Menschen kann es ja mitunter so sein, dass wir uns gegenseitig unsere Sünden vorhalten, auch wenn wir einander vergeben haben. Bei Gott ist das anders. „Er gedenkt der Sünden nicht mehr“, heißt es schon in Jesaja 43, 25. Stattdessen will Gott seinen guten Einfluss auf uns ausüben, von dem wir nur gewinnen können.

Das ist aber noch nicht alles. Gott vergibt uns nicht nur, sondern ist auch „gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte“. Diese Worte zeigen uns Gottes Art.

Viele, die mit ihm leben, sagen es heute ähnlich wie damals Israel. Gott ist wie ein guter Vater, der seine Kinder liebt, sie erzieht und ermutigt. - „Gott ist gnädig“, das heißt: Er erwartet von uns keine Gegenleistung, wenn er uns beschenkt. - „Gott ist barmherzig“ bedeutet: Er hat für uns ein Herz voller Erbarmen und versteht uns wie kein anderer. - „Gott ist geduldig“ heißt: Er hat einen langen Atem der Ausdauer im Umgang mit uns. - Wenn von der „großen Güte“ Gottes gesprochen wird, dann heißt das: Er ist so gut zu uns, dass wir das Ausmaß seiner Güte kaum begreifen können.

Deswegen lebe ich gern mit Gott. Er gibt mir viel Grund zum Danken. Kennen Sie solche Erfahrungen mit Gott auch?

Autor: Walter Köhler

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Licht aus der Höhe

Viele Monate hatte er unfreiwillig schweigen müssen. Der Priester Zacharias hatte im fortgeschrittenen Alter etwas Besonderes erlebt und das hatte ihm buchstäblich die Sprache verschlagen. Ein Engel war ihm beim Tempeldienst erschienen und hatte ihm eine unglaubliche Botschaft mitgeteilt. Er und seine Frau Elisabeth würden Eltern werden, hatte ihm der Engel gesagt. Nicht nur das. „Gott wird ihm eine große Aufgabe übertragen“, hatte der Engel über ihren künftigen Sohn prophezeit.

Mit diesen Worten im Ohr war Zacharias nach Hause zurückgekehrt. Ich kann mir vorstellen, dass Zacharias ziemlich verwirrt gewesen war. Ihm war ein Bote Gottes erschienen. Gabriel, so hatte sich der Engel mit Namen vorgestellt, hatte ihm etwas verkündet, was nach menschlichem Ermessen unmöglich war. Der Kern der Botschaft war folgender gewesen: Dein Sohn wird den Retter Israels ankündigen, den Messias, wie man ihn damals nannte.

Weil er, Zacharias, das alles nicht hatte glauben können, war ihm von Gabriel eine Zeit des Schweigens auferlegt worden. – Stellen Sie sich das einmal vor: Sie haben Großes erlebt, könnten schier platzen vor Mitteilungsbedürfnis und bekommen kein Wort heraus.

Monate zogen ins Land. Elisabeth wurde tatsächlich schwanger. Schließlich wurde Johannes geboren und für Zacharias endete die Schweigezeit.

Zu den allerersten Worten, die Zacharias zu sagen hatte, gehörten folgende. Lukas zitiert sie in dem nach ihm benannten Evangelium:

„Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, auf dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“, Lukas 1, 78-79.

Zacharias spricht nicht über seinen Sohn Johannes. Sein Blick richtet sich auf den, dem Johannes den Weg bereiten soll. Die Rede ist von dem „aufgehenden Licht aus der Höhe“, das bald erscheinen wird.

Es sind prophetische Worte, die sich bald erfüllen sollen. Ein halbes Jahr später kommt Jesus in die Welt. Das „aufgehende Licht aus der Höhe“, wie Zacharias es vorhergesagt hat, ist mit einem Mal da. Gott hat ein neues Kapitel in seiner Beziehung zu den Menschen aufgeschlagen.

Soweit zu den Ereignissen um die Ankündigung und Geburt von Johannes. Interessant finde ich, dass die prophetischen Worte des Priesters Zacharias immer noch nachklingen. Bis heute trifft zu, was Zacharias seinerzeit vorhergesagt hatte: Wenn Jesus Christus Menschen begegnet, kommt das Licht der Welt zu den Menschen und wenn er sie in seine Nachfolge ruft, wird das Leben der Angesprochenen hell.

So habe ich es erlebt und Sie vielleicht auch. Ich gehe so weit, dass ich mit Zacharias sage: „Die herzliche Barmherzigkeit Gottes“ hat mich besucht. Sie hat meine Dunkelheit erhellt und meine „Füße auf den Weg des Friedens“ gestellt.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie heute die herzliche Barmherzigkeit Gottes erleben. Möge das „aufgehende Licht aus der Höhe“, Jesus Christus, Ihr Leben heute erhellen und er Ihnen Frieden schenken, so, wie es Zacharias vorhergesagt hat.

Autor: Wolf-Dieter Kretschmer

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Was ist das Wesentliche?

Vielleicht geht es Ihnen so wie mir. Ich muss gedanklich viel verarbeiten. Jeden Tag stürmen die unterschiedlichsten Eindrücke auf mich ein. Ich muss Information bewerten, Argumente sorgsam abwägen und Entscheidungen treffen. Manchmal stehe ich in der Gefahr, den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen. Und manchmal mache ich Fehler, weil es einfach zu viel ist.

Spätestens wenn ich das merke, weiß ich, dass ich einen Moment innehalten und mich neu sortieren muss. Dann frage ich mich: Was ist hier das Wesentliche? Worauf muss ich achten? Was darf auf keinen Fall unter den Tisch fallen?

Im Leben als Nachfolger Jesu ist das nicht anders. Es gibt Zeiten, in denen muss ich mich neu ausrichten auf das Wesentliche. Ich muss mich fragen, was von zentraler Bedeutung ist und was ich als Beiwerk getrost nachrangig behandeln darf.

Der Apostel Paulus hilft mir beim Sortieren meiner Prioritäten. In seinem Brief an die Christen in der Stadt Kolossä erinnert er diese an das Entscheidende des Glaubens. Er schreibt:

Jesus Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare. (Kolosser 1,15-16)

Am Anfang, lange bevor alles, was ich als Kosmos und Welt begreife, entstanden ist, steht eine Person im Raum, Jesus Christus. Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, schreibt Paulus.

Mir fallen die Worte von Jesus ein, die in dieselbe Richtung deuten. Der Zeitzeuge Johannes zitiert Jesus folgendermaßen:

»Wer an mich glaubt, der glaubt in Wirklichkeit an den, der mich gesandt hat. Und wenn ihr mich seht, dann seht ihr den, der mich gesandt hat!« Johannes 12, 44 und 45 (HFA)

Ein paar Zeilen später wird Paulus den Christen in Kolossä raten, dass sie ihren Blick auf das richten sollen, was »droben« ist. Warum? Weil meine Haltung geprägt wird von dem, was ich betrachte. Das, worauf ich meinen Fokus lege, was ich intensiv in den Blick nehme, das wird Einfluss gewinnen in meinem Leben.

Wenn ich also meine Aufmerksamkeit auf das richte, was droben ist, nämlich Jesus Christus, das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, dann wird meine Haltung sich fast automatisch zum Guten verändern.

Das ist etwa so, wie wenn ich mein Gesicht der Morgensonne zuwende. Dann fallen die dunklen Schatten automatisch hinter mich und mein Gesicht wird erleuchtet und gewärmt von dem Licht der aufgehenden Sonne.

Ich lade Sie ein, Jesus Christus in den Blick zu nehmen. Halten sie sich vor Augen, wer er ist: Das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der, dem der erste Rang vor allem Geschaffenen zusteht. Die Autorität, durch die alles geschaffen worden ist. Jesus gilt Ihre und meine Verehrung, ja, Anbetung. Ihm gehört der erst Platz in Ihrem und meinem Leben.

Autor: Wolf-Dieter Kretschmer

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Gott möchte ein volles Haus

Jesus war bei einem Pharisäer zum Essen eingeladen. Er beobachtete, wie die Geladenen um die besten Plätze kämpften. Das nahm Jesus zum Anlass, in einem Bild auf die geltenden Regeln an Gottes Tisch hinzuweisen. Dann wandte er sich an den Hausherrn und machte einen Vorschlag, der ziemlich befremdend wirkt.

Bei der Aufstellung seiner Gästeliste für sein nächstes Fest sollte der Gastgeber nicht nur seine Freunde, Verwandten und reichen Nachbarn berücksichtigen. Nein, wenn er ein Essen plane, dann solle er Arme, Behinderte, Hilfsbedürftige und Blinde einladen. Dann könne er sich glücklich schätzen, denn diese Menschen könnten ihm nichts zurückgeben. Bei der Auferstehung der Gläubigen würde Gott ihn belohnen, weil er Menschen eingeladen hätte, die sich nicht revanchieren konnten.

Einer der Gäste hatte offenkundig verstanden, was Jesus damit sagen wollte, denn er erwiderte: „Was für ein Glück muss das sein, wenn man beim Festmahl in Gottes Reich dabei ist!“ (HFA)

Darauf erzählte Jesus das Gleichnis vom großen Festmahl. Ein verlockendes Fest ist geplant. Die Einladungen sind verschickt. Es gibt keinen Grund, die Einladung nicht anzunehmen. Die Geladenen freuen sich und halten sich den Termin frei von anderen Verpflichtungen. In der damaligen Zeit war es üblich, dass kurz vor dem Fest noch einmal eine persönliche Erinnerung ausgesprochen wurde.

Ganz und gar ungewöhnlich ist aber nun das Verhalten der geladenen Gäste. Betrachtet man die Motive und Entschuldigungsgründe, so sind sie durchaus einleuchtend. Stress auf der Arbeit, dringende Geschäfte, familiäre Beweggründe.

Aber im Blick auf Gottes Pläne sind die Absagen weder einleuchtend noch vernünftig, sondern hören sich eher nach einer Ausrede an. Die Antwort Gottes auf die Absagen ist Zorn. Aber der Zorn führt nicht zur Absage des gesamten Festes. So würde ich entscheiden. Ich wäre gekränkt und enttäuscht und würde das Fest ausfallen lassen. Gott folgt einer anderen Logik. Er folgt der Logik der Liebe. Er hat einen langen Atem. Das Fest Gottes findet statt. Es muss unbedingt stattfinden. Gottes Liebe zu uns Menschen muss unter allen Umständen gelebt und gefeiert werden. Sie duldet keinen Aufschub.

An die Stelle der zuerst Geladenen treten andere Gäste. Es werden Menschen eingeladen, die sonst keinen Platz in der feinen Gesellschaft haben. Dem Gastgeber kommt es einzig und allein darauf an, die Tafel zu besetzen. Er schickt seine Diener zweimal los und der Radius wird immer größer. Es kommen Leute von der Straße, aus dunklen Gassen und übelriechenden Unterführungen. Es kommen die Mittellosen, die Chancenlosen, die Vergessenen. Es kommen immer mehr, bis auch der letzte Platz besetzt ist. So wie es am Ende des Gleichnisses heißt:

„Der Diener kam zurück und berichtete: ›Herr, ich habe getan, was du mir aufgetragen hast. Aber noch immer sind Plätze frei!‹ ›Geh auf die Landstraßen‹, befahl der Herr, ›und wer auch immer dir über den Weg läuft, den bring her! Alle sind eingeladen. Mein Haus soll voll werden.“ (Lukas 14,22-23 HFA)

In dem Gleichnis geht es um das Reich Gottes. Es geht um das, was kommen wird, dermaleinst. Aber es geht gleichzeitig auch um das, was bereits mit Jesu Kommen angebrochen ist. Was sich mit ihm in dieser Welt schon heilsam und hoffnungsvoll verändert hat.

Das Fest Gottes hat schon begonnen. Ich erlebe es dort, wo Liebe unter den Menschen gelebt wird. Ich bin dankbar, dass Gott mich eingeladen hat. Und dass er nicht aufhört mit dem Einladen. „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ (Matthäus 11,28), so lädt uns Jesus ein. Ich möchte voll Vertrauen in die offenen Arme eines liebenden Vaters eilen. Und dann mit strahlenden Augen an seinem Tisch sitzen.

Autor: Erika Best-Haseloh

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Wie sieht Frieden aus?

Ein König schrieb einen Preis aus. Er lud Künstler ein, ein Bild des Friedens zu malen. Er wollte das beste Bild prämieren. Viele Künstler hatten sich beteiligt, aber nur zwei Bilder wählte der König zur Entscheidung aus.

Das erste Bild zeigte einen ruhigen See, in dem sich die Berge und blaue Wolken spiegelten, die Sonne schien, Vögel zogen ihre Bahn. Alle Betrachter verbanden dieses Bild mit Frieden. Das zweite Bild zeigte Berge, sie waren zerklüftet, rau und kahl. Graue Wolken waren am Himmel, Regen fiel, Blitze zuckten. Und ein Wasserfall, dessen Tosen fast zu hören war, war zu sehn. Hinter dem Wasserfall war ein kleiner, winziger Busch gezeichnet, der auf der zerklüfteten Felswand wuchs. Darin hatte ein Vogel sein Nest gebaut – und an diesem unwirtlichen Ort brütete ein Vogel.

Der König wählte das zweite Bild aus mit der Begründung: Lasst Euch nicht von schönen Bildern in die Irre führen. Frieden braucht es nicht dort, wo es keine Probleme und keine Kämpfe gibt. Wirklicher Frieden bringt Hoffnung und Ruhe unter schwierigsten äußeren Umständen.

Welches Bild vom Frieden hätten Sie gemalt?

Denkt daran, dass Gott euch zu einem Leben im Frieden berufen hat. So lautet der Bibelvers aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 7. (NGÜ) Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth. Er gibt Erläuterungen zum Umgang mit Scheidung. Fast am Ende dieses Absatzes steht dieser Ausspruch, dass wir nicht vergessen sollen, dass wir zu einem Leben im Frieden berufen sind.

Paulus gibt noch spezielle Hinweise für Verheiratete, deren Ehepartner nicht an Christus glauben. Es sind hilfreiche Empfehlungen für die Gestaltung einer funktionierenden Partnerschaft. Wer in einer Ehe mit einem ungläubigen Partner lebt, kennt die großen Herausforderungen, die oftmals schwer zu meistern sind. Aber gute Kontakte zu Christen in Gemeinden oder Hauskreisen können zum Gelingen der Ehe beitragen. Eine professionelle Begleitung durch christliche Lebensberatung kann ebenfalls eine positive Auswirkung auf das Glücken einer Partnerschaft haben. Wenn der nichtgläubige Partner aber auf einer Trennung besteht, dann sollte der gläubige Partner ihn freigeben. Mit Gottes Frieden im Herzen kann es ein friedlicher Abschied werden.

Das gilt auch für die vielen unterschiedlichen Beziehungen, in denen jeder von uns lebt. Es gibt ganz lockere Beziehungen, wo es nur wenige Berührungspunkte gibt. Wie zum Beispiel in der Nachbarschaft, im Sportverein oder am Arbeitsplatz. Da lässt es sich leicht sagen: Wir leben im Frieden, denn es herrscht kein Streit.

Aber je enger unsere Beziehungen sind, umso schneller gibt es Meinungsverschiedenheiten, Auseinandersetzungen, Unstimmigkeiten und Konflikte. Was hilft mir dann, Frieden zu stiften? Ich erlebe, dass der Weg zum Frieden oft sehr mühsam ist. Es gibt Rückschläge, Vorurteile, Nichtverstehen, ja, auch Streit, Hass und Verzweiflung. Frieden ist nicht das Ergebnis eines Sieges. Kein Endzustand, sondern ein fortschreitender Prozess und das Ergebnis vieler Entscheidungen.

Und trotz aller Bemühungen können Freundschaften zerbrechen, Nachbarn sich distanzieren und Hauskreisteilnehmer sich verabschieden. Dann möchte ich es schaffen, diese Menschen im Frieden gehen zu lassen. Das kann gelingen, wenn ich mich versöhne mit dem, was war, was ist und dem, was kommt. Dass ich nicht beunruhigt bin durch all das, was geschehen ist oder was ich versäumt habe. Und auch nicht darüber resigniere, dass es wieder Versäumnisse und Versagen in meinem Leben geben wird. Ich lege mein ganzes Leben vertrauensvoll in Gottes Hände und erlebe, wie der Friede in mein Herz einzieht. Er prägt meine Gedanken und beeinflusst meine Lebensgestaltung.

Und dann kann es geschehen, dass ich auch unter schwierigsten Umständen und größten Herausforderungen ruhig und gelassen bleibe. Dann wird mir Gott diesen Frieden schenken, der mir die Kraft und den Mut gibt, den Herausforderungen meines Lebens gewachsen zu sein. Und dann wird sich bewahrheiten, was der Liedtext von Manfred Siebald beschreibt:

Der Friede Gottes will in dir beginnen;

Du brauchst nicht lange, bis du es entdeckst:

Was Gott in dich hineinlegt, bleibt nicht innen,

Friede, der nach außen wächst.

Autor: Erika Best-Haseloh

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Es ist wieder alles gut!

Ich erinnere mich gut an meinen ersten Strafzettel. Damals hatte ich noch kein eigenes Auto. Ich habe beim Fahren ausgeholfen. Wir waren mit mehreren Autos unterwegs. Auf der Autobahn war ich an einer Stelle schneller gefahren als erlaubt. Und schon hat es geblitzt. Das hatte der Wagenbesitzer nicht mitbekommen. Aber ich!

Mich hat das ganz schön umgetrieben. Jetzt bist du straffällig geworden. Darum kreisten meine Gedanken immer wieder. Einige Zeit später kam der Autobesitzer ganz aufgeregt zu mir: „Ich habe einen Strafzettel bekommen! Aber da bist doch du gefahren! Schau mal, was das kostet. Und in Flensburg wird auch noch ein Punkt eingetragen!“ Gemeint war damit das Strafregister für Autosünder. Selbstverständlich habe ich den Strafzettel auf mich überschreiben lassen, die Strafe bezahlt und den Verkehrssünderpunkt für mich kassiert.

Nun ist das, wovon der König David in seinem Psalm schreibt, wesentlich schlimmer. Da geht es nicht um ein Verkehrsdelikt mit Strafzettel und Punkteintrag in Flensburg. Da geht es um Ehebruch und Meuchelmord. Da befindet sich David in einer seiner dunkelsten Phasen seines Lebens. Er hat sich in schwere Sünde hineinmanövriert. Selber kommt er da nicht heraus. Diese Schuld ist nicht wieder gutzumachen.

Sein Seelsorger, der Prophet Nathan, spricht im Auftrag Gottes mit David. Er sagt ihm, was Sache ist. David hat den Tod verdient. Das ist das gerechte Urteil Gottes dazu. Doch David will nicht sterben müssen. Er will auch nicht ohne Gott sein müssen. Er ist sehr einsichtig im Blick auf das, was er getan hat. Es tut ihm von Herzen leid. Und so fleht er Gott an (Ps 51,13): „Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir!“

Das steht in Psalm 51. Dieser Psalm ist ein langes Gebet. Am Anfang bittet David um Gottes Gnade, ihm seine schwere Schuld zu vergeben. Doch das allein ist zu wenig. Das spürt David. Was er da getan hat, ist ja nicht nur ein schweres Fehlverhalten gegenüber Menschen. Mit diesem Tun hat er auch seine Beziehung zu Gott tief verletzt. Auch wenn Gott ihm seine Sünde vergibt, dann ist damit nicht automatisch alles wieder gut.

Gott hatte David als König über das Volk Israel berufen. Um diese Aufgabe gut zu meistern, bekam er dafür den heiligen Geist. Jetzt hängt Davids Zukunft davon ab, wie sich Gott zu ihm stellen wird. Was es heißt ohne Gott leben zu müssen, hat er bei seinem Amtsvorgänger Saul gesehen. Der wurde von Gott verworfen, und ihm wurde Gottes Geist entzogen. Wie dieser von Gott verlassene Mensch dahinvegetierte, erlebte David am eigenen Leib. Die Tobsuchtsanfälle Sauls müssen grauenhaft gewesen sein. Sie wurden für David sogar lebensgefährlich. Dann gab es aber auch immer wieder lichte Momente. Da tat dem König Saul leid, was er Böses angerichtet hatte. Aber das hielt nicht lange an. Bei nächster Gelegenheit kippte die Reue wieder um in Hass und Wut.

So will David nie werden. Darum seine flehentliche Bitte zu Gott: „Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir!“ David möchte wieder ganz unter Gottes Führung leben. Deswegen bittet er um einen Neuanfang. Gott soll wieder sein Leben bestimmen.

Und Gott hat diese Bitte erhört. Es entstand wieder eine neue, herzliche Beziehung zwischen ihm und David. So ist Gott. Ihm liegt sehr viel daran, dass wir mit ihm verbunden sind und das auch unser Leben lang bleiben.

Autor: Thomas Eger

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Von Blumen lernen?

Jesus Christus hatte einen langen Vortrag gehalten. Dieser ist bekannt unter dem Titel „Bergpredigt“. Daraus lautet ein kurzer Ausschnitt so:

„Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden?“ (Mt 6,28-29.31).

Sich Sorgen zu machen scheint ein Grundproblem von uns Menschen zu sein. Besonders sich um etwas zu sorgen, das sich aus eigener Kraft nicht verändern lässt. Dazu hat Jesus etwas zu sagen. Er sagt es aus der Perspektive Gottes. Es ist wie ein Wort des Schöpfers an seine Menschen.

Dazu benutzt Jesus einen Vergleich. Einige Sätze vorher hatte er in seiner Rede auf die Vögel unter dem Himmel hingewiesen. Jetzt sind es Blumen, die in der freien Natur wachsen. Auch die Vögel und die Blumen hat Gott erschaffen. Er ist ihr Schöpfer. Ebenso sind auch wir Menschen seine Geschöpfe. Und als Schöpfer weiß er, was seine Geschöpfe können und was nicht.

Was unterscheidet die Blumen von uns Menschen? Was ist bei ihnen anders? Jesus sagt: „Sie arbeiten nicht. Sie machen sich ihre Kleidung nicht selbst!“ Das können sie nicht tun. Dazu hat sie der Schöpfer nicht befähigt. Sie wachsen einfach nur! Jede in ihrer Art. Vom kleinen Gänseblümchen bis zur großen Sonnenblume. Sie können nicht denken. Ihr Vorteil dabei ist, dass sie sich darum auch keine Sorgen machen. Sorgen, die wir hätten, wären wir Blumen: „Werde ich genug Wasser haben, um nicht zu verdursten? Wird die Sonne nicht zu heiß scheinen, damit ich nicht vertrockne? Hoffentlich gibt es hier keine Rinder, die mich auffressen! Hoffentlich sehen mich keine Menschen, die mich abreißen oder mich niedertrampeln!“

Das alles ist kein Problem für eine Blume! Und was ist dann mein Problem als Mensch? Es ist dieses sich Absorgen, um im Leben nicht zu kurz zu kommen. Es ist Angst vor dem, was morgen sein wird. Da ist es, als würde Jesus, der Sohn Gottes, uns zurufen: „Hallo! Das lasst mal schön brav meine Sorge sein! Ob ihr morgen noch lebt oder nicht, dafür bin ich zuständig. Leben und Tod eines Menschen steht in meiner Hand!“

Dann muss ich mir also keine Sorgen machen über mein Lebensende? Darum geht es doch letztendlich, wenn ich krank werde, oder wenn sich mein Lebenstraum zerschlägt! Ich mache mir Sorgen, dass mein Leben zu Ende geht, ohne dass ich es glücklich gelebt habe! An dieser Sorge werde ich leiden und scheitern, lebe ich mein Leben ohne Gott. Bestimme ich mein Leben nach meiner eigenen Vorstellung – dann werden mich immer Sorgen um meine Zukunft plagen. Mein Leben lang.

Jesus hat in seiner Rede einige Sätze später als Alternative dazu gesagt (V 33-34): „Euch soll es zuerst um Gottes Reich und Gottes Gerechtigkeit gehen, dann wird er euch alles Übrige dazugeben! Sorgt euch also nicht um das, was morgen sein wird!“ (NeÜ)

Das ist Gottvertrauen. Dazu lade ich Sie herzlich ein. Lassen Sie Gott für das in Ihrem Leben sorgen, wozu Sie nicht in der Lage sind. Gott segne Sie dazu!

Autor: Thomas Eger

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Jesu Liebe ist unerschöpflich

Puh, ich finde, Johannes nimmt den Mund hier ganz schön voll. „Wir halten seine Gebote und tun, was vor ihm wohlgefällig ist?“ Wer kann das schon von sich behaupten?

Schon allein mit dem Doppelgebot der Liebe klappt es oft nicht: „Du sollst Gott von ganzem Herzen lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Dafür muss ich mich doch viel zu oft über andere aufregen. Etwa so: Kann der Idiot vor mir nicht ein bisschen schneller fahren? Ich hab’s eilig, wieso schleicht der mit 60 über die Landstraße. – Oder so: Muss der Kollege seine Kritik so verletzend raushauen? Und dazu ist sie auch noch unberechtigt. Der will sich doch nur profilieren, der Blödmann. – Tja, ich bin nett, oder? Nee, mal ehrlich: Mit meiner Liebe und Geduld ist es oft nicht weit her.

Es gibt nur einen, der alle Gebote gehalten hat: Jesus. Seine Liebe ist unerschöpflich, geduldig, nie nachtragend. Und: Sie reicht sogar für mich mit. Ja, noch mehr: Gott rechnet die Liebe von Jesus für mich mit an. Wie er geliebt hat, das gilt für mich mit. Daran hielt sich Martin Luther fest. Er sagt:

„Mir ist es bisher wegen angeborener Bosheit und Schwachheit unmöglich gewesen, den Forderungen Gottes zu genügen.Wenn ich nicht glauben darf, dass Gott mir um Christi willen dies täglich beweinte Zurückbleiben vergebe, so ist's aus mit mir. Ich muss verzweifeln. Aber das lass ich bleiben.

Wie Judas an den Baum hängen, das tu ich nicht. Ich hänge mich an den Hals oder Fuß Christi wie die Sünderin. Ob ich auch schlechter bin als diese, ich halte meinen Herrn fest. Dann spricht er zum Vater: Dieses Anhängsel muss auch durch. Es hat zwar nichts gehalten und alle deine Gebote übertreten. Vater, aber er hängt sich an mich. Was will's!  Ich starb auch für ihn. Lass ihn durchschlupfen. - Das soll mein Glaube sein."

So Martin Luthers Glaubensbekenntnis. Also, wenn mich mein Herz nicht verdammt, dann deshalb, weil Jesus mich nicht verdammt.

Wer so aus Gottes Gnade lebt, der hat dann auch den Rücken frei zu tun, was Gott wohlgefällig ist, sich für andere einzusetzen. Nicht verkrampft, um Gott gnädig zu stimmen, sondern erleichtert und leidenschaftlich.

So wie unsere Freundin Flora aus Tansania. Sie kümmert sich um alleinerziehende Mütter. Wenn Mädchen in Tansania schwanger werden, müssen sie von der Schule abgehen und können keinen Beruf erlernen. Viele müssen deshalb als Prostituierte arbeiten. Flora hat beobachtet, dass die Frauen oft für ihren eigenen Gebrauch Matten und Körbe flechten. Das möchte sie fördern und ihnen Zugang zum Markt verschaffen. So könnten sie ihren Lebensunterhalt verdienen.

Für Flora ist klar: Diese Vision hat Gott ihr ins Herz gelegt. Das ist ihr Auftrag von Gott. Flora betet viel, wie die meisten ihrer tansanischen Mitchristen: Und sie glaubt fest, dass Gott ihre Gebete erhören wird. „Der Herr Jesus tut Wunder“, heißt eins ihrer Lieblingslieder. Ihr Glaube ist strahlend und voller Vertrauen.

Flora arbeitet und betet auch dafür, dass die tansanischen Frauen ihre Rechte kennenlernen und politisch aktiv werden. Denn dann, davon ist Flora überzeugt, dürfen schwangere Mädchen eines Tages auch ihre Schulausbildung beenden. Floras Augen leuchten, wenn sie davon erzählt. Sie ist sich sicher: Eines Tages wird sie empfangen, was sie von Gott erbeten hat.

Autor: Pastorin Luitgardis Parasie

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Nicht lange fackeln

Was mir Mitte März vor die Hände kommen würde, hatte ich mir im Traum nicht ausmalen können: Wir mussten bis zum 19.4. alle Gottesdienste absagen. 19.4.: An dem Sonntag hätten wir Konfirmation gefeiert in unserer Dorfkirche. Vor genau 10 Tagen. Aber nein: Abgesagt, wegen Corona. Viele Konfis und einige Mütter haben geweint.

Von einem auf den anderen Tag ist unser Leben aller Sicherheiten beraubt. Vieles ist weggebrochen, was Menschen vertraut und lieb ist. Ostern ohne Gottesdienst - unfassbar. Christen freuen sich, dass Jesus auferstanden ist und den Tod besiegt hat. Doch sie konnten nicht gemeinsam Gott loben, sondern jeder musste alleine vor dem Fernsehgottesdienst hocken.

Was war Gottes Auftrag für uns in dieser Situation? Es gab ja tatsächlich genug virtuelle Angebote für Ostersonntag im Netz. Aber alle weit weg. Vom Bischof, gut und schön. Was den Menschen aber fehlte, waren persönliche Beziehungen. Nähe. Meine Kollegin und ich dachten: Zumindest sollen die Leute aus unseren Dörfern einen Gottesdienst aus ihrer Kirche sehen, mit ihren Pastorinnen. Und so haben wir in unserer St. Martini-Kirche in Langenholtensen bei Northeim einen Gottesdienst aufgenommen und Ostern online gestellt.

Auch andere kreative Ideen brachten uns zusammen. Christen aus unserem Dorf haben sich abends um 19 Uhr zum Balkonsingen verabredet. Bei geöffnetem Fenster oder auf Balkon oder Terrasse singen wir alle gleichzeitig das tröstliche Abendlied von Matthias Claudius: Der Mond ist aufgegangen. Manche spielen es auch auf dem Akkordeon, der Trompete oder mit der Gitarre. Der Text ist so passend, etwa die zweite Strophe:

"Wie ist die Welt so stille und in der Dämmrung Hülle so traulich und so hold, als eine stille Kammer, wo ihr des Tages Jammer verschlafen und vergessen sollt." – Nicht sich im Bett herumwälzen und grübeln, sondern des Tages Jammer verschlafen und vergessen. Einfach weg damit. Denn Gott hält die Welt und mein Leben in Händen und wird sich darum kümmern, um des Tages Jammer. - Und all meine Lieben, die Brüder und Schwestern und die Nachbarn sind in der letzten Strophe mit eingeschlossen: "So legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Namen nieder, kalt ist der Abendhauch. Verschon uns Gott, mit Strafen, und lass uns ruhig schlafen, und unsern kranken Nachbarn auch."

Zu Ostern gab es übrigens noch eine andere Idee. Die hat z. B: Christina umgesetzt. Schon ein paar Wochen vorher hatte sie ihre Trompete nach langem Winterschlaf entstaubt und wieder angefangen zu üben. Am Ostersonntag um 10 Uhr hat sie sich auf ihre Terrasse gestellt und hat es laut ins Dorf hinausgeblasen: Christ ist erstanden. Des wolln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. – Sie sagt: Ich wurde auch selber froh, als ich das gespielt habe. Mir wurde neu bewusst: Christus ist stärker als der Tod und als die Bedrohung, die uns gerade umgibt.

"Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu", sagt der Prediger Salomo. Man könnte auch sagen: Alles, was dir in den Kopf kommt an Mut machenden Impulsen und helfenden Ideen, das setz um.

Eine Mitarbeiterin schickte neulich in unsere Kirchen-Whatsappgruppe ein Gedicht, da hieß es: Sonne ist nicht abgesagt, Liebe ist nicht abgesagt, Hoffnung ist nicht abgesagt, Beten ist nicht abgesagt. Und dann schrieben die Gruppenmitglieder diesen Text weiter: Freude ist nicht abgesagt, Glaube ist nicht abgesagt.

Ja, und was unsere Konfirmation angeht, die ist auch nicht abgesagt. Sie wird nur verschoben. Irgendwann werden wir einen grandiosen Gottesdienst und ein rauschendes Fest feiern.

Autor: Pastorin Luitgardis Parasie

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David – ein glaubwürdiger Prediger?

Ausgerechnet du, David! Ausgerechnet du mahnst uns heute mit 1. Chronik 22: „So richtet nun euer Herz und euren Sinn darauf, den HERRN, euren Gott, zu suchen.“ (1 Chr 22,19)

„Gott suchen“ – aus anderen Bibelstellen können wir verstehen, was du damit meinst. „Gott suchen“ bedeutete in Israel oft: Gott durch einen Propheten befragen. So hat vor allem der König in Notzeiten Gott gesucht – er sandte seinen Boten auch zu einem Priester. Der sollte ihn bitten: „Frage den HERRN, wie es ausgeht für mich und mein Volk. Erflehe Gottes Rat und Hilfe!“ (z. B. 2 Kön 22,11-20) Du, König David, wolltest, dass auch die Oberen Israels (laut 1 Chr 22,17 die Adressaten von 1 Chr 22,19) Gott suchen. Du wolltest, dass sie sich in allen Lebenslagen an Gott wenden. Mit Herz und Sinn – mit ganzer Aufmerksamkeit - sollten sie sich an Gott wenden, um seinen Willen zu erkunden. Und der Tempel in Jerusalem sollte dem ganzen Volk dazu helfen, Gott zu suchen (1 Chr 22,19b). Er sollte ein Ort werden, an dem man Gott finden und sein Leben auf ihn ausrichten kann. Die Oberen Israels sollten deinem Sohn Salomo helfen, diesen Tempel zu bauen.

In deiner Rede klingt das wie ein Vermächtnis. Bevor du abtrittst, willst du der Elite deines Volkes einschärfen: „Sucht Gott!“ Ich verstehe deinen Appell.

Doch dass der Appell von dir kommt – das bereitet mir Probleme. Es fällt mir schwer, mir das von dir sagen zu lassen. Wenn ich auf die Berichte über dich schaue, kann ich an vielen Stellen nicht erkennen, dass du Gott gesucht hast. Du hast viele attraktive Frauen in deinem Harem gehabt und trotzdem die Frau eines anderen in dein Bett geholt (2 Sam 11,2-5). Du hast, um das zu vertuschen, ihren Mann ermorden lassen (2 Sam 11,14-17). Du hast nicht nur Angriffskriege gegen Nachbarvölker geführt (u. a. 2 Sam 8,1; 11,1; 12,26-31), sondern systematisch zwei Drittel der Männer des Volkes Moab ermorden lassen (2 Sam 8,2). Dein eigenes Volk hast du mit Zwangsarbeiten beschwert (1 Kön 12,4).

Hast du bei alledem Gott gesucht oder nicht vielmehr deinen eigenen Vorteil? Oder hast du gemeint, du könntest Gott finden, ohne deine Mitmenschen zu suchen und sie gut zu behandeln? Das lässt sich aber nicht voneinander trennen – das gehört doch zusammen: Gott lieben und den Mitmenschen lieben.

Darum fällt es mir schwer, mich von dir zur Gottessuche mahnen zu lassen. Wie du dich verhalten hast, das passt oft schlecht zu dieser Mahnung.

Freilich: Wenn ich mich selbstkritisch betrachte, muss ich zugeben: Ich kenne das auch von mir. Ich mahne Menschen von der Kanzel, so und so zu handeln – und schaffe es selbst nicht, das in meinem Alltag umzusetzen. Auch bei mir stimmen die Worte und die Werke längst nicht immer überein.

Offenbar hast du eingesehen, dass es einen solchen Zwiespalt bei dir gibt. Ich lese das in derselben Rede, in der du andere mahnst, Gott zu suchen. Du berichtest: Ich wollte Gottes Tempel bauen, aber er sprach zu mir: „Du hast viel Blut vergossen und große Kriege geführt; darum sollst du meinem Namen nicht ein Haus bauen …“ (1 Chr 22,8 - LUT 2017). Also warst du dir dessen bewusst: „Ich habe viele Menschen getötet. Ich bin mit schwerer Schuld belastet.“

Weißt du: Dass du deine Schuld eingestehst – das hilft mir, dir deine Worte doch abzunehmen. Vielleicht hast du gerade wegen deiner Schuld betont: „Es ist wichtig, Gott zu suchen.“ Vielleicht hat dich gerade dein Schuldbewusstsein zu Gott hingetrieben - weil du gespürt hast: „Ich brauche ihn. Ich brauche sein Wort. Das Wort, das mich richtet, das mich korrigiert, das mich vom falschen auf den richtigen Weg lenkt.“

Autor: Pastor Martin Knapmeyer

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Keine Angst mehr!

Haben Sie Angst vor Gott? – Viele Menschen, die an Gott glauben, haben Angst vor ihm. Auch viele Christen.

Das liegt an dem Bild, das sie von Gott haben. Sie stellen sich ihn z. B. als einen strengen Herrn vor. Als einen, der ihnen Gebote und Verbote gibt, an die sie sich halten sollen. Der vor allem darauf achtet, ob sie diese Gesetze auch befolgen. Der sofort zornig wird, wenn sie sie übertreten. Sie fürchten, dass Gott sie für ihre Vergehen straft – schon in diesem irdischen Leben, und dann erst recht am Ende: Mit Angst blicken sie dem Jüngsten Gericht entgegen. Dann könnte es schlimm für sie enden, wenn Gott sie endgültig verurteilt und in die Hölle wirft.

In dieser Vorstellung ist Gott ein strenger Herr. Er hat kein Interesse am Wohl der Menschen. Er kommandiert sie herum wie Sklaven ohne eigene Rechte. Er will nur, dass sie tun, was er sagt. Sie sollen funktionieren, wie er es sich vorstellt.

Der Apostel Paulus meint: Dieses Gottesbild ist überholt. Gott selbst hat es überholt. Es ist nicht mehr so, dass wir vor ihm Angst zu haben bräuchten. Paulus schreibt: „Ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!“ (Röm 8,15) Das ist der neutestamentliche Bibelvers für heute. Er steht im Brief von Paulus an die Christen in Rom, Kapitel 8, Vers 15.

Als Christen seid ihr nicht mehr Sklaven Gottes, sagt Paulus. Ihr braucht euch nicht mehr angstvoll vor ihm zu ducken. Ihr braucht seinen Zorn und seine Strafe nicht mehr zu fürchten. Euer Verhältnis zu ihm hat sich grundlegend gewandelt: Ihr seid jetzt Gottes Kinder.

Wie das? Wie kommt es zu dieser Veränderung?

Paulus ist überzeugt: Sie kommt durch Jesus Christus. Er ist schon immer Gottes Sohn. Schon von Ewigkeit her ist er Gott nahe, ist sogar eins mit ihm in Liebe und Vertrauen. Und Jesus hat dafür gesorgt, dass Gott auch unser Vater ist. Zwar hat auch Jesus davon gesprochen, dass Gott uns seine Gebote gibt. Dass er erwartet, dass wir uns daran halten. Doch für Jesus ist klar: Stärker als Gottes richtende Gerechtigkeit ist seine Liebe. Die Liebe eines guten Vaters zu seinen Kindern.

Die Menschen sollen Gott als ihren Vater im Himmel ansehen. Darum hat Jesus sie das „Vater unser“ gelehrt – dieses Gebet beginnt ja gleich mit der Anrede „Vater“. Und dann hat Gott seinen Sohn in den Tod gegeben für die Menschen – damit sie sehen: Gottes Liebe ist größer als seine richtende Strenge. Er vergibt uns unsere Schuld, wenn wir ihn darum bitten. Er sehnt sich danach, in Vertrauen und Liebe mit uns verbunden zu sein.

Darum ist die Angst vor Gott überholt. Jedenfalls für die, die sich an Jesus hängen.

Die durch Jesus Gott als Vater entdecken. In deren Gottesverhältnis ist ein anderer Geist eingekehrt. Der angstvolle Geist der Sklaverei ist weg. Er ist dem Geist der Kindschaft gewichen. Das ist ein Geist vertrauensvoller Nähe. So wie Kinder ihren Vater „Papa“ nennen, können Christen Gott ansprechen mit „Abba, lieber Vater!“

Haben Sie Angst vor Gott? Vielleicht ist Ihre Angst noch da, obwohl Sie schon früher von Gott als Vater gehört haben. Angst ist oft hartnäckig. Das alte Gottesbild verschwindet nicht gleich, auch wenn das Herz sich nach dem guten Vater sehnt. Ich kenne das von mir selbst. Darum möchte ich mir die Liebe des Vaters immer wieder vor Augen führen lassen. Jesus führt sie mir vor Augen. Ich will mit Jesus vertrauen lernen – vertrauen auf Gott als liebevollen Vater.

Autor: Pastor Martin Knapmeyer

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