ERF Plus - Wort zum Tag

Festhalten

Ich kenne Leute, die sind unerschütterlich in ihrem Glauben. Auf jeden Fall wirken sie so. Ganz anders ist es wohl einigen Christen ergangen. Sie müssen ins Fragen und Zweifeln gekommen sein. Ist Jesus wirklich der verheißene Retter? Reicht das, was am Kreuz geschehen ist, aus? Hat Gott vielleicht doch noch Forderungen an mich? 

Das entnehme ich der Bibel, genauer gesagt, dem Hebräerbrief – einem Brief, der sich unter anderem an Menschen aus dem jüdischen Kulturraum wendet. Ihnen malt der Autor die Einzigartigkeit von Jesus vor Augen. Er zeigt auf, wie erhaben der Name Jesu über allen Glaubenshelden des Alten Testaments steht und wie umfassend und endgültig sein Erlösungswerk ist. Dann fährt der Briefschreiber mit den Worten fort:

Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat. (Hebräer 10,23)

Das erste Wort, was mir auffällt, ist das Wort »festhalten«. Man kann ja ganz verschiedene Dinge festhalten. Beispielsweise eine Hundeleine, das Lenkrad eines Autos oder ein Motiv mit der Fotokamera. In jedem einzelnen Fall geht dem Festhalten ein Willensentschluss voraus: Ich will die Bewegungsfreiheit meines Hundes kontrollieren. Ich steuere das Auto bewusst. Ich möchte ein bestimmtes Motiv fotografisch festhalten, um mich später an diesem Bild erfreuen zu können.

Christen werden aufgefordert, an der Hoffnung festzuhalten. Es geht um die Hoffnung, dass Jesus Christus am Kreuz gestorben ist und anschließend mit seiner leibhaftigen Auferstehung den Tod überwunden hat. Und es geht darum, dass das, was Jesus getan hat, mich vor dem heiligen und allmächtigen Gott gerecht erscheinen lässt. Denn, wäre das nicht so, hätte ich allen Grund zur Sorge.

Genau das war das Problem mancher jüdischer Christen gewesen. Sie hatten die Sorge, dass Tod und Auferstehung Jesu vielleicht doch nicht ausreichten, um Gott gnädig zustimmen. Deshalb tendierten sie wieder zurück zu ihrer Religion mit den 630 Gesetzen, die es zu beachten galt.

Der Schreiber des Hebräerbriefs macht den jüdischen Christen Mut. Gott ist treu, sagt er, und führt aus, wie umfassend und endgültig die Erlösung durch Jesus Christus ist.

Ich bin davon überzeugt, dass das, was damals galt, auch heute noch richtig ist. Das, was Jesus Christus am Kreuz für mich stellvertretend erwirkt hat, reicht völlig aus, damit ich mit Gott ins Reine komme. Ich brauche, ja, ich kann von meiner Seite nichts dazu tun. Meine Aufgabe besteht darin, dankbar anzunehmen, was Gott durch die Auferstehung Jesu von den Toten bestätigt hat, und es auf mein Leben anzuwenden.

Ein zweites Wort fällt mir auf. Es ist das Wort »treu«. Der Schreiber des Hebräerbriefes ist sich ganz sicher. Gott ist treu. Auf ihn ist Verlass. Er steht zu seiner Zusage, auch wenn ich mit meinen Zweifeln ins Wanken gerate.

Mit diesem Gedanken will ich diesen Tag begehen. Ich will mich ganz auf das verlassen, was Jesus Christus mir zusagt und will fest halten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat.

Autor: Wolf-Dieter Kretschmer

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Ich halte dich

Ein neues Jahr. Ein neuer Anfang. Viele Menschen nehmen sich zu Beginn eines Jahres etwas vor. Sie spüren etwas von der Faszination des Neuen. Im Römerbrief können wir die brillanten Worte  für unsere Zukunftsplanung 2020 aufnehmen:

Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? (Römer 8,31)

Zwei Gedanken des Apostel Paulus möchte ich mit Ihnen genauer betrachten:

Der 1. Gedanke: Gott ist für uns.

Das ist nicht selbstverständlich. Gott ist für uns. Was sich Menschen untereinander antun und wie wenig und halbherzig sie nach Gott fragen, deshalb gibt es keinen Grund, warum Gott für die Menschen sein sollte. Auch wenn Paulus in sein eigenes Leben schaut; was war er stolz und rechthaberisch, wie viel Leid hat er Menschen angetan? Auch wenn wir in unser eigenes Leben sehen, wissen wir, wir können nicht vor Gott bestehen. Es gibt nur einen Grund, dass Gott für uns ist - weil er uns liebt.

In der Weihnachtspredigt haben Sie es vielleicht wieder neu gehört: Sein Name ist „Immanuel“, das heißt „Gott ist mit uns!“ Zu ihm können wir mit unserer Schuld kommen.  Dieses Wissen und diese Einladung steht: Gott ist für uns.

Der 2. Gedanke: Wer kann wider uns sein?

Gemeint ist: Wenn Gott an unserer Seite ist - wer kann uns dann noch etwas anhaben?

Lesen wir weiter im 8. Kapitel des Römerbriefes so heißt es: „Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will uns verurteilen? Christus ist hier, der gestorben und auferweckt ist und zur Rechten Gottes sitzt.“ Beschuldigungen gibt es viele. Wie schnell bildet man sich sein Urteil über andere. Ich habe es schon erlebt und Sie vermutlich auch: Wie übereilt sind sich andere einig und finden andere, die das gleiche Urteil über die oder den anderen teilen. Schwierig.

Und wenn es nicht andere sind, dann verurteilen wir uns oft selbst, machen uns Selbstvorwürfe. Fakt ist: Ja, wir machen Fehler. Nicht nur das. Wir sind Sünder: stolz, eitel, verletzt und empfindlich. Keiner ist vor Gott perfekt und trotzdem hat niemand das Recht, über uns ein Urteil zu sprechen und zu verdammen. Und niemand hat das Recht, auf Distanz zu gehen zu anderen, sie abzuschreiben, ihnen Liebe zu entziehen, keine neue Chance zu geben.

Ankläger werden sich immer finden. Doch wie gut zu wissen: Jesus stellt sich vor uns und zeigt seine Hände: „Und das habe ich für dich getan! – Ich bin für dich! Ich habe selbst deine Schuld getragen.“ „Wer will verdammen? Jesus Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und der uns vertritt.“ so schreibt Paulus weiter.

Die Frage ist jedoch: „Nehme ich diesen Freispruch von Jesus an?“

Falls Sie zweifeln, sind Sie neugierig auf dieses Leben im Glauben. Nehmen Sie diese starke Aussage in dieses noch neue Jahr mit hinein: Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?

Jede und Jeder darf es ganz persönlich nehmen:

Ich bin für dich! Sagt Gott Ihnen. Wer kann dir dann noch etwas anhaben? Nichts kann dich trennen von meiner Liebe. Nichts kann mich aufhalten, dich zu lieben.

Egal - was kommt: Ich halte dich!

Autor: Monika Scherbaum

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Der Blick zu den Sternen

Ich sitze im Wartezimmer und blättere eine Zeitschrift durch. Mir fällt eine Anzeige der Apotheken in roter Schrift mit dem Text auf: „Gut zu wissen, dass jemand für uns da ist - auch nachts.“ Wir Menschen brauchen solche auffallenden Erinnerungen, damit sie sich abspeichern. Werbeleute meinen sogar: 7x muss eine Nachricht verbreitet und gelesen werden, damit sie ankommt.

„Erinnere dich“ - so kommt mir der  Jesaja 40,27 vor. Ich lese den Bibeltext nach der Übertragung „Hoffnung für alle“: „Ihr Nachkommen von Jakob, ihr Israeliten, warum behauptet ihr: Der Herr weiß nicht, wie es uns geht! Es macht unserem Gott nichts aus, wenn wir Unrecht leiden müssen?“ Gott kennt uns durch und durch und weiß auch, dass wir manchmal genau so jammern wie die Menschen der Bibel. Wir erleben das auch, dass Gott ein Gebet nicht erhört. Daraus kann eine Glaubenskrise entstehen. So war das damals: Das Volk Israel in der Gefangenschaft in Babylon. Sie hatten viele Jahre gebetet, dass sie in ihre Heimat zurückkehren dürfen, doch sie waren immer noch da. Dabei hatte Gott doch zugesagt, dass sein Volk in seinem Land leben darf. Die Israeliten hatten den Eindruck, dass Gott von dieser Zusage und von ihnen nichts mehr wissen will. Ob er sie einfach vergessen hat?

Kennen Sie auch manchmal ein ähnliches Gefühl? Gott ist zu langsam, hat mich vergessen, er weiß nicht wie es mir geht? Ich bin Gott nicht wichtig, obwohl ich seine Hilfe so dringend brauche, vielleicht in den Sorgen um die Gesundheit, um den Lebensunterhalt meiner Familie. Dann deuten wir oft unsere Lage nach unserer Einsicht. Wir meinen genau zu wissen, was Gott jetzt für uns tun muss. Wir sind oft nur auf die Not fixiert. Lesen wir im Jesajabuch Kapitel 40 ein wenig weiter, entdecken wir, wie wir Menschen das Jammern verlernen können: Da lädt der Prophet Jesaja zum Sternezählen ein. „Hebt eure Augen in die Höhe. Seht, wer hat dies geschaffen?“ Ja, wir dürfen es wissen und festhalten: Gott ist immer viel größer als alle unsere Vorstellungen. Hier gilt der Appell „Kopf hoch“ im wahrsten Sinn des Wortes. Schau nach oben, wenn du am Ende bist mit deiner Kraft und deinen Möglichkeiten. Schau weg von deiner notvollen Situation hinauf zum Himmel. Staune über den Schöpfer, der das große Wunderwerk der Sterne, die Unfassbarkeit des Universums geschaffen hat.

Vor einigen Jahren war ich in der Weihnachtszeit im Planetarium, um die Vorführung „Stern über Bethlehem“ anzusehen. Nach 2000 Jahren, dank genialer Technik, lässt sich dies rekonstruieren. Faszinierend, wie präzise und exakt der Lauf der Sterne ist und erst recht, wie Gott diese Umstände benutzt hat, um Jesus, seinen Sohn, zur Rettung in diese Welt zu schicken. Die ganze Bibel erzählt davon: Gott kennt unser Leben, weiß, dass wir alleine nicht mit unserer Schuld fertig werden und wir Jesus als Versöhner brauchen. Er weiß, wo wir Unrecht erleiden und seine Hilfe brauchen. Gut zu wissen und sich zu erinnern: Wenn Gott bei dem Lauf der Sterne und bei der Erlösung durch Jesus keinen Fehler gemacht hat, dann kann ich für heute zuversichtlich sein: Gott wird auch in meinem Leben alles zum Guten lenken!

 

Autor: Monika Scherbaum

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Dunkle Zeiten

Ein Vers aus dem 4. Psalm ist die heutige Tageslosung. Von diesem Vers gibt es eine pessimistische und eine optimistische Übersetzungsvariante. Die Zürcher Bibel bringt die pessimistische Variante: „Viele sagen: Wer lässt uns Gutes schauen? Entschwunden ist über uns das Licht deines Angesichts, Herr.“

In der Neuen Genfer Übersetzung tönt es optimistischer: „Viele Leute hört man klagen: Was haben wir noch Gutes zu erwarten? Herr, wende uns dein Angesicht freundlich zu und schenke wieder neue Hoffnung!“

Der Rückblick auf den Versanfang „Wer lässt uns Gutes schauen?“ legt eher die pessimistische Variante nahe: „Entschwunden ist über uns das Licht deines Angesichts, Herr."

Der Folgevers im Psalm heisst: „Du hast mir Freude ins Herz gegeben, mehr als in der Zeit, da es Korn und Wein gibt in Fülle.“ Das tönt zuversichtlich, so dass das optimistische „Wende uns dein Angesicht freundlich zu und schenke wieder neue Hoffnung!“ besser passt.

Welche Variante wir auch lesen: Da sehnt sich ein Mensch nach dem Guten, das die konkret erfahrbare Anwesenheit Gottes in unserem Leben bewirken kann. David ist der erste Beter von Psalm 4. Er spricht nicht nur für sich, sondern im Namen eines Kollektivs: „Wer lässt uns Gutes schauen? Lass es wieder über uns leuchten.“ Wer sind diese Leute? Vielleicht diejenigen, die David durch seine chaotischen Zeiten begleitet haben, z.B. im Zusammenhang des Aufstandes seines Sohnes Absalom. Auch die großen biblischen Figuren sind nie Einzelkämpfer, sie sind keine isolierten Solisten. Mose hatte stets seine Mitstreiter an der Seite, Paulus nennt am Anfang seiner Briefe nie nur seinen Namen, sondern immer auch die seiner Begleiter.

Diese Erfahrung haben Sie hoffentlich auch schon gemacht: In dunklen Zeiten in ein „uns“ eingebunden zu sein. Das „Leuchten des Angesichts Gottes“ über einer Person ist ein Bild für den Segen, den diese Person im Leben erfährt. Im aaronitischen Segen heißt es: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht zu dir und gebe dir Frieden. (Numeri 6, 24-26).

 

Autor: Pfarrer Alexander Nussbaumer

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Mord

Die heutige Tageslosung ist an Kürze kaum zu unterbieten: „Du sollst nicht töten.“ Einfach und klar. Man könnte auch übersetzen: „Du sollst nicht morden.“ Gott will nicht, dass wir einem Mitmenschen das Leben nehmen. Das menschliche Leben ist ihm heilig.

Die Filiale einer Bank oder eines Juweliergeschäftes betreten und das anwesende Personal abknallen – dass das nicht geht, ist allen klar. „Du sollst nicht töten“, endlich ein Gebot, das einfach einzuhalten ist. Schließlich ist unser Lebensweg normalerweise nicht mit Leichen übersät.

Wenn wir allerdings daran denken, wie Jesus dieses Gebot in der Bergpredigt interpretiert, dann ist die Sache schon weniger klar. Ich zitiere aus Matthäus 5: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt wurde: Du sollst nicht töten! Wer aber tötet, der sei dem Gericht übergeben. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder zürnt, sei dem Gericht übergeben. Und wer zu seinem Bruder sagt: Du Trottel, der sei dem Hohen Rat übergeben. Und wer sagt: Du Narr, der sei der Feuerhölle übergeben.“ (Matthäus 5,21f)

Jesus setzt hier den Zorn auf einen Mitmenschen und dessen Beschimpfung in eine Reihe mit dem Töten. In diesem Sinn getötet habe ich schon oft, im Herzen noch öfter als mit hörbaren Äusserungen. Verhaltensweisen, die meines Erachtens dumm und/oder schädlich sind, lösen in mir Zorn aus. Und die Urheber betitle ich innerlich nicht mit netten Worten. Ich habe einen Nachbarn, der seit der Renovation seines Hauses nur noch im Freien raucht. Seither muss ich ihm häufig zuschauen, wenn er seiner Sucht frönt. Dieses selbstzerstörerische Verhalten bringt mich innerlich auf. Ich sollte wohl besser ein freundliches Gespräch mit ihm suchen.

Was tun - gerade dann, wenn ich meinen Zorn für berechtigt halte? In dieser Beziehung bin ich kein Vorbild und muss noch viel lernen. Ich weiß, dass Jesus alle Menschen liebhat. Ihm nacheifern und seine Perspektive auf meine Mitmenschen einnehmen, das soll mein Ziel sein. Ansatzweise ist mir das schon gelungen. Aber der Weg zu einem wirklich jesusgemässen Leben ist noch weit. In Anlehnung an Psalm 130 bete ich:

Jesus, aus der Tiefe meines Herzens rufe ich zu dir. Herr, höre meine Stimme, lass deine Ohren vernehmen den Ruf meines Flehens. Wenn du mir meinen Zorn und meine – meist inneren – Beschimpfungen anrechnest, dann kann ich nie und nimmer vor dir bestehen. Dank deinem Evangelium darf ich wissen: Bei dir ist Vergebung. Lass mich in Ehrfurcht und Hoffnung vor dir leben.

 

Autor: Pfarrer Alexander Nussbaumer

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Wünsch dir was

In Psalm 37, 4 steht: „Habe deine Lust am Herrn; der wird dir geben, was dein Herz wünscht.“

Es gibt ein Märchen, das den Titel trägt: „Die drei Wünsche.“ Es handelt von einem Holzfäller, der glücklich und zufrieden mit seiner Frau mitten im Wald lebte. Eines Tages wollte der Mann eine alte Tanne fällen. Da kam ein Männlein aus einem Astloch und bettelte darum, dass dieser Baum nicht gefällt wird. „Ich habe meine Wohnung da drin. Wenn du den Baum fällst, werde ich obdachlos“, sagte das Männlein. Schließlich verschonte der Holzfäller die Tanne. So konnte das Männlein seine Behausung behalten und sagte voller Dankbarkeit: „Weil du so gut zu mir bist, will ich dir drei Wünsche erfüllen. Wünsche dir, was du willst!“ Als der Holzfäller abends nach Hause kam, berichtete er seiner Frau von der Begegnung mit dem Männlein. Sofort malte sich die Frau die tollsten Wünsche aus. Wie würde es sein, sich ein Schloss mit vielen Dienern, goldenen Kleidern und einer Kutsche zu wünschen? Aber jetzt stellte sie erst einmal das Abendessen auf den Tisch. Es gab Sauerkraut. „Ach“, sagte die Frau „ich hätte so gerne auch einmal wieder ein paar Würste zum Kraut.“ Kaum ausgesprochen glitzerte es im Raum und in der großen Schüssel lagen lecker riechende Würste. Beide schauten erschrocken darauf. Die Frau weinte bitterlich, weil der erste Wunsch so kläglich für ein paar Würste vertan wurde. Der Mann wurde sehr zornig darüber und schrie: „Ich wünschte, die blöden Würste würden dir an der Nase hängen!“ Wieder glitzerte es im Raum und - oh Schreck - die Würste hingen an der Nase der Frau. Alles Ziehen nützte nichts. Die Würste ließen sich nicht von der Nase entfernen. „Du Dummkopf“, schrie die Frau „nun hast du auch den zweiten Wunsch vertan.“ Schließlich blieb nichts anderes übrig, als den dritten Wunsch zu nutzen, damit die Würste von der Nase der Frau verschwinden. Kaum hatte der Mann das ausgesprochen, fielen die Würste in die Schüssel. Erleichtert umarmte der Mann seine Frau.

Die Bibel ist kein Märchenbuch und der anfangs zitierte Bibelvers ist nicht von einem Waldmännlein gesprochen. „Habe deine Lust am Herrn; der wird dir geben, was dein Herz wünscht.“ Diese Aufforderung kommt von dem israelischen König David. Er hatte oft gegen Intrigen seiner Feinde zu kämpfen, manchmal war er sogar in Lebensgefahr. Aber er hat immer wieder die Bewahrung und Hilfe Gottes erlebt. Auch als er selbst an anderen schuldig geworden war, erlebte David die Gnade Gottes, nachdem er seine Schuld bekannte und bereute.

„Habe deine Lust am Herrn“ - in dieser Haltung zu leben, ist die Voraussetzung dafür, dass Wünsche erfüllt werden. Wo die Liebe zu Gott das Leben bestimmt, werden auch die Wünsche davon geprägt, was Gott will. Dann sind die eigenen Wünsche erstmal zweitrangig und das ganz ohne Groll, denn Gott hat den ersten Platz im Leben. David konnte davon im wahrsten Sinn des Wortes ein Lied singen. In Psalm 37 gibt er praktische Hinweise, wie in unerfreulichen Lebenssituationen reagiert werden soll. Und das sind keine weltfremden Theorien, sondern Erfahrungen eines Mannes, der trotz viel Not dem lebendigen Gott vertraute und nicht enttäuscht wurde.

Im eingangs betrachteten Märchen zählten nur die menschlichen Wünsche. Das endete notvoll.  Im Psalm 37 geht es darum, sich ganz Gott anzuvertrauen, ihn zu lieben und nach seinem Willen zu leben. Daraus ergeben sich die richtigen Wünsche.

 

Autor: Bernhard Scharrer

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Beistand wenn Tränen fließen

Was treibt Ihnen die Tränen in die Augen? Ist es körperlicher Schmerz, Trauer um einen lieben Menschen, plötzlicher Verlust des Arbeitsplatzes, massive Schäden an Hab und Gut durch ein Unwetter? Oder ist es die Not und das Elend vieler Menschen in Kriegsgebieten und Flüchtlingslagern? Oder gar die Verzweiflung über sich selbst?

Wo Tränen fließen, ist meistens Trost und Hilfe nötig. Anders sieht es aus,  wenn es sich um Freudentränen handelt. Die sind aber im Verhältnis zu den Tränen des Leides eher selten. Viel öfter werden Helfer gebraucht, die traumatisierten Menschen zur Seite stehen. Das sind dann zum Beispiel Notfallseelsorger. Sie sind geschult, den Opfern, Angehörigen und Helfern von Notfällen in der akuten Krisensituation beizustehen. Diese Helfer können zwar die Ursachen für die Tränen nicht beseitigen, trotzdem wird ihr Dienst von Betroffenen sehr geschätzt. Im übertragenen und manchmal auch im wörtlichen Sinn wischen diese Helfer die Tränen der Leidtragenden ab.

In Jesaja 25 Vers 8 lese ich: „Gott, der Herr, wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen.“ Diese tröstende Zusage, ausgesprochen im 8. Jahrhundert vor Christus, galt zuerst dem Volk Israel. Es hat diese Botschaft erst 150 Jahre später so richtig verstanden und schätzen gelernt, als das Volk in Gefangenschaft an den Flüssen Babylons saß und weinte (Psalm 137). Die Lage schien hoffnungs- und aussichtslos. Da tat es gut, sich an die Worte des Propheten zu erinnern: „Gott, der Herr, wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen.“ Das Volk Israel hat damals tatsächlich erlebt, dass es wieder nach Jerusalem zurückkehren konnte und somit seine Tränen getrocknet wurden.

Der Textzusammenhang zeigt aber, dass da nicht nur das Volk Israel gemeint ist. Diese Zusage bezieht sich auch auf Menschen anderer Völker. Sie weist damit weit über die Gefangenschaftssituation hinaus in die Zukunft und tatsächlich im Buch der Offenbarung am Ende des Neuen Testaments ist zu lesen: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“ Es bleibt aber nicht beim Abwischen der Tränen. Es heißt dort weiter: „Und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein.“ Gott wird also nicht nur Hilfe in einer akuten Notlage geben und den momentanen Schaden beheben, vielmehr werden dann auch die Auslöser für die Tränen beseitigt sein. In der neuen Welt, die Gott schaffen wird, werden Tod, Leid, Elend und Schmerz nicht mehr vorkommen. Welch eine wunderbare Zukunftsaussicht für alle, die an Gott glauben und seinem Sohn Jesus Christus das Leben anvertraut haben!

Die Prophetie im Buch Jesaja wie auch die prophetischen Aussagen in der Offenbarung sind einerseits wie ein Blick in eine ferne Zukunft. Andererseits sind sie eine Einladung, dem lebendigen Gott zu vertrauen. Er, der die Zukunft kennt, will auch in der Gegenwart allen helfen, die sich an ihn wenden. Diesbezüglich hat er in seinem Wort vielerlei Zusagen gegeben.

Egal was mir die Tränen in die Augen treibt, ich darf mit meiner Not zu Gott kommen, ihm im Gebet alles klagen. Er ist ein Notfallseelsorger, der jederzeit ansprechbar ist. Er wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen. Jetzt in dieser Welt immer wieder aufs Neue, in der zukünftigen Welt dann ein für allemal.

 

Autor: Bernhard Scharrer

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Das Prinzip Hoffnung

Das neue Jahr beginnt ganz schön inhaltsschwer. Im Römerbrief, Kapitel 5, Verse 3 bis 5 steht: „Wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung. Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“

Noch ist das neue Jahr ja frisch und unbeschwert und ein bisschen sträubt es sich in mir, jetzt gleich schon über Bedrängnisse zu sprechen. Muss ich wirklich den Teufel an die Wand malen? Muss ich denn immer gleich vom Schlimmsten ausgehen? Aber vielleicht ist es einfach realistisch. Ein ganzes Jahr ohne alle Bedrängnisse? Das wäre zu schön, um wahr zu sein. Besser ist es doch, ich schaue den Dingen, wie sie sind, ins Auge. Und es ist ja gerade ein wunderbar zuversichtlicher Vers, wie Paulus die schlimmen Umstände, unter denen damals zu biblischen Zeiten viele Christen lebten, umdeutet zu einem Anstoß, zu einer positiven Entwicklung, an deren Ende die Hoffnung steht. Es ist kein einfacher Prozess, den Paulus hier beschreibt, und auch kein kurzer. Bedrängnis bringt erst mal noch keine Hoffnung, sondern Geduld. Geduld bringt Bewährung. Geduld und Bewährung sind beides Dinge, die mit einer langen Zeitspanne verbunden sind. Erst dann entspringt daraus die Hoffnung, der Blick nach vorne auf das Licht am Ende des Tunnels. Das ist tatsächlich ein langer und schwieriger Prozess, daran komme ich nicht vorbei, wenn ich über diesen Vers spreche.

Gerade daran wird aber sichtbar, dass die christliche Hoffnung etwas viel Tieferes, Solideres ist als irgendeine optimistische Stimmung, die einfach über das Negative hinwegsieht. Sprüche wie „Denke positiv! Das wird schon! Kopf hoch!“ sind zwar populär, sie helfen mir aber nicht wirklich, wenn die Bedrängnisse mich dann tatsächlich bedrängen und mir die Luft abdrücken, wenn ich in mir selbst gar nichts mehr finde, woraus ich eine positive Stimmung ziehen könnte.

An diesem Punkt wird der zweite Teil des Verses wichtig: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ Dieser zweite Teil lässt sich auch als der erste Teil lesen, also: Die Liebe Gottes ist nicht die Folge der Hoffnung, sondern deren Grundlage, von der alles ausgeht. Und da wird dieser Vers dann erst recht zu einer sehr frohen Botschaft: Gottes Liebe ist da, sie ist vorhanden, sie trägt mich. Und die Hoffnung, die ich im Lauf der Zeit durch alles Schwere und Düstere hindurch gewinne, hilft mir, diese Liebe besser zu erkennen, von der alles ausgeht.

So ist also jedes neue Jahr gerade mit allen seinen Bedrängnissen und Schwierigkeiten auch eine neue Gelegenheit, Gott und seine Liebe besser kennenzulernen und zu erfassen. Das ist doch eine schöne Jahresperspektive: Gott am Ende des Jahres besser zu kennen als am Anfang. Mich erinnern diese Gedanken an die Worte von Dietrich Bonhoeffer, die er während des Krieges in seiner Gefängniszelle geschrieben hat: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.“

Dass die Hoffnung jeden Tag ein bisschen mehr wird und dass ich am Ende des Jahres sagen kann, dass es ein gutes Jahr war, weil Gott mich mit seiner Liebe hindurchgetragen hat – das ist mein Wunsch am Anfang dieses neuen Jahres.

 

Autor: Jutta Schierholz

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Gute Vorsätze

Es ist mal wieder soweit. Heute um Mitternacht knallen die Raketen und die Sektflaschen. Es wird gefeiert, gelacht und es werden eine Menge guter Vorsätze fürs neue Jahr gefasst: Mehr Sport treiben, weniger Süßes essen, endlich mal richtig Französisch lernen, weniger im Internet surfen, dreimal die Woche joggen gehen.

Gibt es eigentlich auch noch andere gute Vorsätze als diese Klassiker? Im Prinzip ist es ja eine gute Sache, sich einmal im Jahr zu überlegen: Wie möchte ich mein Leben leben? Was soll mir wichtig sein? Wie möchte Gott, dass ich mein Leben führe?

Wenn es darum geht, gute Vorsätze fürs neue Jahr zu finden, ist tatsächlich Philipper 4, Vers 8, der denkbar beste Leitfaden. Dort heißt es: „Im Übrigen, Brüder und Schwestern: Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht!“ So heißt es in der Einheitsübersetzung.

So sollen die Dinge sein, auf die ich meine Gedanken richten soll: wahrhaft, edel, recht, lauter, liebenswert, ansprechend, tugendhaft, lobenswert. Eine ganz schöne Liste. Ich denke nicht, dass es eine Liste ist, die ich der Reihe nach abzuarbeiten habe, im Sinne von: Was könnte ich Edles tun? Was könnte ich Lauteres tun? Was könnte ich Liebenswertes tun? usw. Das ist wohl nicht gemeint. Hier wird eher eine Haltung beschrieben, die sich durch alles hindurchzieht. Und diese Haltung ist eine positive. Eine Haltung, die auf das Schöne ausgerichtet ist. Eine Haltung, die den Mitmenschen zugewandt ist. Hier dreht sich nichts um die eigene Person, das eigene Gewicht, die eigene Ernährung, wie in so vielen von den klassischen guten Vorsätzen, sondern hier geht es um das Verhalten in einer Gemeinschaft. Dieser Vers war an die Menschen in der Gemeinde in Philippi gerichtet, wie sie sich untereinander verhalten sollen und er kann auch mir die Augen öffnen für die Gemeinschaft, in der ich stehe.

Vielleicht wäre es ja eine Idee, wenn ich heute Nacht, wenn die Raketen knallen, mich umschaue und die Menschen ansehe, die um mich herum sind und ich könnte auch an all die anderen Menschen denken, die in meinem Leben wichtig sind. Ich könnte vielleicht für einige davon jeweils eine Wunderkerze anzünden und mir für die Dauer dieser Wunderkerze überlegen: Wie kann ich diesem Menschen gegenüber wahrhaft, edel, recht, lauter, liebenswert, ansprechend, tugendhaft sein? Was ist es, was gerade ich diesem Menschen zu geben habe? Was braucht er oder sie? Was könnte das im kommenden Jahr bedeuten?

Dafür reicht vermutlich die eine Wunderkerze noch nicht und auch die eine Silvesternacht nicht. Das wird mich dann noch länger beschäftigen. Aber das macht ja nichts. Es geht ja gerade nicht darum, feste Vorsätze zu haben, die ich dann doch wieder nicht durchhalte und nach 14 Tagen vergessen habe, sondern es geht ja um die grundsätzliche Haltung, die hinter allem steht, wie ich mein Leben führe. Will ich mich um mich selbst drehen und mich nur um meine eigenen Bedürfnisse kümmern? Oder will ich offene Augen haben für die Menschen, die Gott mir zur Seite gestellt hat? Will ich für sie im kommenden Jahr ein Segen sein? Wie könnte das aussehen? In diesem Sinne: Prosit Neujahr.

 

Autor: Jutta Schierholz

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Anstöße zum Frieden

Ein zentraler Gedanke durchzieht den Jakobusbrief: Ohne Werke ist der Glaube tot." Ein Christsein, das keine Frucht bringt, eine Vertrauensbeziehung zu Gott, die sich nicht niederschlägt in meinem Handeln, solch ein Christsein, solch ein Glaube ist tot. Das entfaltet der Jakobusbrief und fasst es im 2. Kapitel zusammen: Ohne Werke ist der Glaube tot."

Nur merkwürdig: Jakobus führt im nächsten, im 3. Kapitel, nicht aus, an welche Werke des Glaubens er z.B. denkt, sondern es ist so, als ob uns der Apostel groß anschaut und fragt: Werke? Ich will euch etwas sagen: Alle eure Werke fangen mit eurer Zunge an oder wisst ihr nicht, die Zunge ist ein unruhiges Übel voll tödlichen Giftes. Kaum ein Mensch kann seine Zunge zähmen." Erst anschließend an diese Warnung vor der Macht der Zunge spricht der Jakobusbrief das aus, was er uns als Anstöße zu Frieden mitgeben will:

„Wo Neid und Streit ist, da sind Unordnung und lauter böse Dinge. Die Weisheit aber von oben her ist zuerst lauter, dann friedfertig, gütig, lässt sich etwas sagen, ist reich an Barmherzigkeit und guten Früchten, unparteiisch, ohne Heuchelei. Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird gesät in Frieden für die, die Frieden stiften.“ (Jakobus 3,16-18)

Alle Frucht der Gerechtigkeit hat ihren Anfang in Gott

Gerechtigkeit und Frieden sind nicht einfach zu haben. Niemand besitzt die Gerechtigkeit, sondern um Gerechtigkeit muss beharrlich gerungen werden. Dass wir um Gerechtigkeit, um gesellschaftliche, politische, ökologische Gerechtigkeit, dass wir um Gerechtigkeit ringen müssen, das ist das Anliegen vieler Aktionsgruppen. Dass wir um Gerechtigkeit ringen müssen, das ist auch Anlass und Inhalt der von Christen getragenen jährlichen Friedensdekade vor der Adventszeit.

Und in all diesem von Christen ausgehenden gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen, ökologischen und theologischem Ringen um bessere Früchte der Gerechtigkeit, schreibt das Bibelwort aus dem Jakobusbrief uns als urchristliche und uns von allen anderen Aktionsgruppen unterscheidende  Standortbestimmung ins Stammbuch: Die Weisheit und alle neue Barmherzigkeit und alle guten Früchte der Gerechtigkeit, sie kommen von oben her, von Gott her. Alle Früchte des Friedens haben ihren Anfang in Gott.

Wenn Menschen sich öffnen für die Weisheit, die von oben, die von Gott her kommt, dann wird unser Herz reicher werden an Barmherzigkeit, dann wird unsere Zunge bereit zur Wahrheit und Liebe. Und wenn Herz und Zunge angerührt sind, dann werden auch durch unser Handeln Früchte der Gerechtigkeit gesät werden.

Gerechtigkeit, die ein Volk erhöht, Gerechtigkeit, die gesellschaftliche, politische, ökologische Waagschalen an den richtigen Ort bringen will, für solche Gerechtigkeit müssen Christen sich einsetzen. Nur bevor wir Frieden nach außen stiften können, muss Gottes Frieden in uns selbst keimen, und wachsen und Licht erhalten und groß werden.

Wie werden Christen zu Friedensstiftern? Jakobus fasst zusammen und antwortet: Die Frucht der Gerechtigkeit wird als Weisheit von oben von Gott in uns hinein gesät, hinein in den Frieden, der in denen wohnt, die unterwegs sind, Frieden zu stiften."

Wie werden wir zu Friedensstiftern? Indem die Weisheit Gottes uns anrührt. Um diese Weisheit möchte ich bitten, bei allem, was mir aufgetragen ist in dieser Woche.

 

Autor: Pfarrer Roland Krause

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Ausharren

Aus den Weihnachtsfeiertagen kommen wir und sind noch mitten drin. Vielleicht haben Sie sich viel erzählt in der Familie, im Freundeskreis, erzählt aus Ihrem Leben. Heute begegnet uns ein Bibelwort, das erzählt von unserem Leben und erzählt vom Handeln Gottes.

In Jesaja 40,30-31 heißt es: „Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden.“

O ja, wenn einmal jugendliche Kühnheit und Übermut verflogen sind, dann lernen wir etwas vom Straucheln, vom Müdewerden, vom Fallen. Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann entdecke ich diese Zeiten der Müdigkeit, diese Strecken der Ohnmacht. Zuerst die Furcht, die Kräfte könnten nicht mehr reichen und dann die bittere Erkenntnis, dass nun vieles nicht mehr so geht wie vorher.

Mitten im aufstrebenden Erfolgs-Lebensgefühl, im beruflichen Vorankommen oder an einem Krankenbett, wir lernen, dass es inmitten der Gesunden, Starken, Erfolgreichen immer auch Getroffene, Niedergeschlagene, Einsame gibt. O ja, das müssen wir lernen, das lehrt uns das Leben, dass mitunter ein fast unerträgliches Missverhältnis besteht zwischen Schwäche und Kraft, zwischen Gelingen und Scheitern. Da stehen manchmal neue Aufgaben vor uns und wir ahnen, dass unsre eigene Kraft niemals ausreichen kann. Und ein andermal blicken wir staunend zurück und fragen uns, woher wir all die Energie nahmen.

Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden.“ Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft. Daher also kommt die Kraft. Von Gott kommt die Kraft. „Harren" heißt es hier. „Harren" meint etwas anderes als das ungeduldige Warten mit ständigem Blick auf die Uhr. Solch ein Warten taugt nicht für unsere Geschichte mit Gott. „Harren" meint etwas anderes als jenes gleichgültige Warten ohne Hoffnung, ohne Erwartung. Auch das taugt nicht für unsere Geschichte mit Gott.

„Harren" meint das Beharren auf einem Gotteswort, meint das Festhalten an einer Zusage, meint das Umgehen mit, das Lernen an, das Sich-Stellen auf Gottes Verheißungen.

O ja, es gibt viel vergebliches Warten auf dieser Welt. O ja, es gibt viel vergebliches Warten in unserem Leben. Aber je mehr wir hineinwachsen in dieses Lernen, in dieses harrende, vertrauende Warten, umso mehr erleben wir, wie das zuversichtliche Warten auf Gott uns schützt – schützt vor den Enttäuschungen des Tages, schützt vor den Wunden der Jahre.

Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft. Im Harren und im neue Kraft kriegen klingen in der hebräisch Sprache Bilder an aus der Welt des Baumwartes. Wenn der Baumwart einen neuen Zweig ganz eng mit einem abgesägten, scheinbar „erstorbenen" Baumstumpf verbindet, wenn er einen neuen Zweig aufpfropft, dann kann der Baum wieder ausschlagen. Aus dem Totgeglaubten wächst auf wunderbare Weise Neues. Noch einmal kann Leben grünen.

Wie entlastend, wie seelsorgerlich, wie verständnisvoll-tröstend Gott handelt. Nicht allein auf mein Harren, auf mein Ausharren, auf meine Kraft, auf meine Geduld, auf mein Bleiben kommt es an, sondern - so das Bild der hebräischen Sprache - Gott selbst ist der, der ausharrt. Gott der Baumgärtner legt Hand an das Alte. Er selbst pfropft einen neuen Spross ein, um noch einmal Leben zu ermöglichen.

 

Autor: Pfarrer Roland Krause

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Aus Erfahrung klug werden

„Aus Erfahrung klug werden“ oder „Aus der Geschichte lernt man nur, dass man aus der Geschichte nichts lernt.“

Was stimmt eigentlich? Vielleicht ist ja an beiden Aussagen was dran. Natürlich prägen uns Erfahrungen, die wir gemacht haben. Erfahrungslernen ist viel nachhaltiger als das, was wir lediglich hören oder lesen. Wenn es gut geht, dann machen uns Erfahrungen klüger. Aber wir wissen auch, wie wenig Menschen und sogar ganze Völker aus ihrer eigenen Geschichte lernen. Wenn es anders wäre, dann dürfte es bei uns nach den schrecklichen Erfahrungen des Nationalsozialismus nicht wieder Parteien und Bewegungen geben, die ganz ähnliche Parolen verbreiten wie damals? Antisemitismus,  Rassismus, Herrenmentalität und den Ruf nach einem starken Führer sollte es eigentlich nicht mehr geben. Es scheint mitunter so, als wollten wir nicht klug werden, obwohl wir die bitteren Auswirkungen dieser Politik erlebt haben. Kurz nach dem Krieg haben viele versprochen: „Nie wieder fasse ich ein Gewehr an.“ Wenig später haben sie sich an dieses Versprechen nicht mehr erinnert.

Warum ist das so? Warum bestimmen Erfahrungen oft so wenig unser Handeln? Der Prophet Hesekiel spricht zum Volk Israel. Auch dieses Volk hatte schlimme Erfahrungen gemacht. Vertrieben aus ihrem Land nach Babylon. Fernab von Jerusalem und dem Tempel mussten sie als Gefangene im fremden Land leben. Sie hatten dagegen auch viele gute Erfahrungen mit ihrem Gott gemacht, aber offenbar nichts daraus gelernt. Sie sind nicht klug geworden, sondern haben immer wieder ihr eigenes Ding gemacht und Gott einen frommen Mann sein lassen. Nun müssen sie die Suppe auslöffeln, die sie sich eingebrockt haben. Gott hat ihre Vertreibung  angekündigt – nun ist sie Wirklichkeit. Aber er überlässt sie nicht ihrem Schicksal und auch nicht den Herrschern von Babylonien. Der Prophet kann ihnen dort in der Fremde Gottes Plan verkündigen. Im Namen Gottes sagt er: „Sie sollen erfahren, dass ich der Herr bin, wenn ich ihr Joch zerbrochen und sie errettet habe.“ Gott hat erlebt, dass seine Worte für sein Volk oft genug nur Schall und Rauch waren. Dennoch sollen sie seine Hilfe erleben. Sie sollen erfahren, dass Gott ihr Herr ist, der sie heraus holt aus ihrer Gefangenschaft. Mehr geht nicht. Die Frage damals war: Werden sie aus dieser Erfahrung diesmal klug werden? Oder werden sie wieder schnell vergessen und aus der Geschichte wieder nichts lernen, wie so oft? Das ist auch für uns die Frage: Nehmen wir Gottes Tun in unserem Leben überhaupt wahr? Erinnern wir uns dann auch daran? Und macht es uns klug?

Es hilft sicherlich, diese Erfahrungen aufzuschreiben, um sie dann in dunklen Stunden, in denen uns Gott sehr fern scheint, parat zu haben.

Von Martin Luther wird gesagt, er habe sich in solch dunklen Stunden mit Kreide auf sein Schreibpult geschrieben: „Ich bin getauft. Ich bin gerettet. Ich gehöre zu meinem Herrn Jesus Christus. Das ist und bleibt so, auch wenn im Moment alles dagegen spricht. Er ist mein Herr."

 

Autor: Christoph Wolf

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Eine deutliche Aufforderung

„Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!“ Wer kennt diese alte Weisheit nicht. Im Losungswort für den heutigen Tag aus Psalm 95 klingt das nach der Übersetzung der Guten Nachricht so: „Heute gilt es! Hört, was er euch sagt: Seid doch nicht so starrsinnig.“ Ich stelle mir die Reaktion derer vor, die so angeredet werden. "Moment mal!", werden sie sagen, "So nicht! Das verschlägt mir glatt den Atem. Mit welchem Recht geht mich jemand so an? Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen! – das geht ja noch. Ein freundlicher Hinweis und ich kann es dann doch machen, wie ich will, aber: Heute gilt es! Hört! Seid doch nicht so halsstarrig. Das ist mir zu heftig. So lasse ich doch nicht mit mir umspringen. Schon dieser Befehlston passt mir nicht." Ich kann jeden verstehen, der so reagiert.

Ich weiß nicht, wie die Menschen damals reagiert haben, als der Beter des Psalms sie so angesprochen und herausgefordert hat. Wozu hat er sie so heftig herausgefordert? Warum dieser Ton? Eigentlich lädt er sie nur ein, mit ihm zusammen Gott zu loben, ihm zu danken und anzubeten. Die Gründe dafür nennt er auch: Gott ist der Schöpfer der Welt. Er ist unser Gott. Er ist wie ein Hirte zu uns, der uns leitet und sicher führt. 40 Jahre durch die Wüste hat er das getan. Unter seiner Leitung sind wir ans Ziel gekommen. Sind das nicht Gründe genug? Habt ihr das nicht erlebt?

Und weshalb dieser scharfe Ton? Nun, der Beter erinnert daran, wie stur das Volk in der Wüste gegen Gottes Wort und Weisung gewesen ist. Verstockt, ohne Offenheit für Gottes Reden. Oft genug haben sie ihren eigenen Willen durchgesetzt und dann Gott für die Folgen ihrer Eigenmächtigkeit verantwortlich gemacht und das alles, obwohl sie immer wieder Gottes Begleitung und Fürsorge ganz praktisch erlebt haben.

Erinnerungen an diese Zeit sind es, die den Psalmbeter so klare Worte sprechen lässt. So lasche Hinweise wie: „Was du heute kannst besorgen...“ hätten vermutlich nichts bewirkt. Er will die Menschen aufrütteln, sie erinnern an das, was Gott ihnen Gutes getan hat und weshalb Dank und Anbetung die einzige angemessene Möglichkeit sind, auf Gottes Wirken in ihrem Leben zu reagieren. Vielleicht sollen sie diese deutliche Aufforderung auch als Erinnerung verstehen: „Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“.

Muss der Psalmbeter bei uns auch so drastische Worte gebrauchen? Vieles, was wir oft so selbstverständlich hinnehmen, ist gar nicht selbstverständlich. Wenn wir uns erinnern und offen sind für Gottes Tun in unserem Leben, dann sollte uns das Danken und  Loben nicht schwer fallen, sondern zum Bedürfnis werden. Vielleicht fangen Sie jetzt gleich damit an.

Autor: Christoph Wolf

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(M)ein Lebenslied für Gott

Zwanzig Jahre lang litt das Volk Israel unter der Gewaltherrschaft des Kanaaniter-Königs Jabins. Unter der Richterin Deborah wird dieser Schreckensherrschaft ein Ende gesetzt. Besungen wird dieser Sieg von Deborah und ihrem Verbündeten Barak. Es ist ein langes Lied und beginnt mit folgenden Worten: „Hört zu, ihr Könige, merkt auf, ihr Fürsten! Ich will singen dem Herrn, ich will singen, will spielen dem Herrn, dem Gott Israels.“ Dieses lange Lied endet mit dem Satz: "Die Gott lieben sollen sein wie die Sonne, die aufgeht in ihrer Pracht.“ (Richter 5,31) So wie Israel damals Gewalt erlitt, wird auch dem Reich Gottes Gewalt angetan, und das schon seit über 2000 Jahren. Heute ist das der sogenannte Stephanustag. Bevor das Weihnachtsfest auf den 25. bzw. 26. Dezember festgelegt wurde, gedachte die Kirche am 26. Dezember der Märtyrer. Märtyrer sind vom biblischen Verständnis her keine Selbstmordattentäter, sondern Menschen, die um ihres Glaubens an Jesus Christus leiden und umgebracht werden. Stephanus war der erste Märtyrer der noch neuen jungen jüdischen Bewegung, die Jesus Christus als Herrn und Gott bekannte. Unter den Augen eines Paulus von Tarsus wurde dieser Mann gesteinigt. Und seit damals bis heute werden Christen verfolgt, schikaniert und getötet. Für die Christen gilt dabei, was ihr Herr und Lehrer Jesus ihnen geboten und vorgelebt hat: den Gewalttätigen vergeben und nicht Gleiches mit Gleichem vergelten.

Ich denke da an Susanne Geske, die im Jahre 2007 erleben musste, wie ihr Mann Tilman mit zwei türkischen Christen in Malatya im Südosten der Türkei auf grausame Weise gefoltert und getötet wurde. Damals verkündigte sie öffentlich im Fernsehen: „Ich vergebe den Mördern meines Mannes.“ Jemand sagte dazu: „Die Frau ist doch verrückt, wie kann die so etwas sagen!“ -  Ja ver-rückt - im wahrsten Sinne des Wortes - sind diese Christen. Denn wenn in den Reichen dieser Welt Macht und Gewalt herrschen, so ist das im Reich Gottes anders. Im Reich Gottes regiert Vergebung und Gnade und diese Gnade wird sichtbar in der Person Jesus Christus und Gnade zeigen diese verfolgten Christen ihren Peinigern.

„Hört zu, ihr Könige, merkt auf, ihr Herrscher. Ich will nicht nach eurer Pfeife tanzen, nicht eure Lieder singen, sondern der Gott Israels, der lebendige alleinigen Gott bekommt meine Stimme.“ Das ist das Bekenntnis der christusgläubigen Gemeinde. Das ist allerdings ein Bekenntnis, das die Mächtigen seit jeher herausfordert und dazu führt, dass Christen verfolgt werden. Sie gelten als Staatsfeinde oder Verräter, weil sie nicht Menschen auf den Thron heben, sich ihnen nicht unterwerfen, sondern allein vor Gott ihre Knie beugen. Das gilt für Christen in der Türkei, im Iran, in China, Indien, Nordkorea und anderen Ländern der Erde. Als Christ bin ich gefordert, im Gebet für diese verfolgten Mitchristen in der Fürbitte einzutreten, besonders am heutigen Tag. Scheinbar wird diesen bedrängten Christen eine Niederlage zugefügt. Doch der Schein trügt. Eines Tages wird Jesus wiederkommen und dann wird er nicht als Retter, sondern als Richter erscheinen. Dann nicht als unscheinbares Baby in Bethlehem, sondern als triumphierender König. Und mit ihm werden die leuchten, die für diesen König Jesus ihr Leben lassen mussten. Sie werden sein wie die Sonne, die aufgeht in ihrer Pracht. 

Auf den Grabstein ihres Mannes hat Susanne Geske folgendes schreiben lassen: „Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.“ Ist Christus auch für Sie der Sieger des Lebens? Oder mit den Worten Deborahs ausgedrückt: Singen auch Sie Ihr Lebenslied für den Herrn, den Gott Israels?

Autor: Detlef Garbers

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Zurück zur Quelle

Unter dem Weihnachtsbaum bildet sich eine Wasserlache. Der alte mit Wasser gefüllte Weihnachtsbaumständer aus Keramik ist undicht geworden. Ärgerlich, wenn sich plötzlich um den so schön geschmückten Weihnachtsbaum eine Wasserpfütze bildet. Unter Handwerkern ist der Ausspruch „Wasser hat einen dünnen Kopf“ bekannt. Das bedeutet: Wasser bahnt sich selbst durch kleinste Ritzen oder Haarrisse einen Weg. Das Wasser in einem Weihnachtsbaumständer sorgt dafür, dass der Baum nicht so schnell die Nadeln verliert. Doch ich weiß schon heute, auch wenn das Wasser nicht versickern sollte, dass ich in einigen Wochen einen toten Baum entsorgen muss. Im Wald hätte er noch über Jahre hinweg grüne Nadeln getragen. Abgesägt und abgeschnitten von lebenswichtigen Wasseradern vertrocknet jeder Baum.

Mit Wasser vergleicht der lebendige Gott vor 2600 Jahren das Verhalten seines Volkes Israel. Durch den Propheten Jeremia verkündigt er: „Mein Volk tut eine zwiefache Sünde: Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch rissig sind und das Wasser nicht halten.“ (Jeremia 2,13) Frisches Quellwasser steht für das Leben in Fülle. Also das Leben, das Gott selbst anbietet. Das hätten die Israeliten haben können, doch sie haben es verachtet. Stattdessen haben sie sich Zisternen gebaut, um Wasser zu speichern. Sie wollten unabhängig von der Quelle sein und selbst die Wasserversorgung in die Hand nehmen. Gott spricht bei diesem Verhalten von Sünde. Sünde bedeutet: das Ziel verfehlen. Das geschieht immer dann, wenn das Leben nicht auf Gott ausgerichtet ist, bzw. das Leben nicht von ihm bestimmt wird. Sünde hat wie Wasser auch einen dünnen Kopf. Einmal in unser Leben eingedrungen, zerstört sie wie ein Krebsgeschwür unser Leben. Sünde ist es, die Quelle des Lebens - also Gott - zu verlassen. Der Mensch will autonom sein, sein Leben selbst bestimmen. Das war damals bei Adam und Eva schon so, und das ist bis heute einfach ausgedrückt leider menschlich. Das Bundesvolk Israel nahm genauso wie die ersten Menschen das Heft selber in die Hand und rannte ins Verderben. Die Bibel ist da sehr ehrlich: Jeder Mensch ist ein Sünder und ohne Gott verfehlt jeder Mensch das Ziel. „Ohne Gott geht es in die Dunkelheit.“ (Manfred Siebald) Ohne Gott geht es mit der Menschheit bergab. Ohne Gott wird der Mensch dem Menschen zum Wolf. Dort, wo die lebendige Quelle geleugnet wird und die Menschen sich eigene Lebensentwürfe zimmern, wird es im Desaster enden. Deswegen ist Jesus in diese Welt gekommen. Deswegen feiern wir Weihnachten. Der Mensch löst sich von Gott, doch Gott erlöst den Menschen aus der bevorstehenden Katastrophe: dem ewigen Tod. Jesus kommt in die Welt, weil er uns lieb hat und weil Gott gnädig mit uns umgeht. Jesus nimmt den Tod auf sich, den Sie und ich verdient hätten. Damit macht er es möglich, dass wir wieder zurückzukehren können zur lebendigen Quelle, zu Gott selber. Dieses Geschenk gilt es im Glauben anzunehmen. Übrigens bedeutet der Name Jesus: Gott rettet. Sollten Sie noch ohne Gott leben und an ihrer eigenen Zisterne bauen, so lade ich sie heute ein, zu Gott umzukehren. Ein einfaches Gebet kann das zum Ausdruck bringen. „Jesus Christus, vergib mir, wo ich bisher eigene Wege gegangen bin. Danke, dass du mich erlöst hast. Du sollst von nun an die Quelle meines Lebens sein. Amen.“

 

Autor: Detlef Garbers

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Was ist das für ein Mensch?

„Schau mal Josef! Da ist er! Unser Jesus!“ Völlig erschöpft, aber glücklich, schaute Maria ihr Neugeborenes an. Alle Anstrengung war erst mal vergessen. Sie konnte sich gar nicht satt sehen. Wie er das Gesichtchen verzog, die Fäustchen ballte, etwas schrie, nuckelte, um dann ganz entspannt einzuschlafen. Tiefe Dankbarkeit durchströmte die junge Mutter. Josef stand daneben. Er hatte geholfen, unterstützt, wie man das als Mann eben konnte. Natürlich war er stolz auf seine Maria! Und jetzt lag es da, das Baby. Hilflos, schwach, ein kleiner Mensch: Gottes Sohn. Aus einer anderen Welt war er gekommen, um in ihre Welt einzutreten. Noch wussten beide nicht, was das zu bedeuten hatte…

„Seht, welch ein Mensch! Schaut ihn euch genau an!“ rief Pilatus über 30 Jahre später, als Jesus vor ihm stand: geschlagen, gedemütigt, ausgeliefert. Pilatus war damals Statthalter in Jerusalem. Er vertrat das römische Recht und sollte Jesus verurteilen und genau das wollte er nicht, denn aus seiner Sicht war Jesus unschuldig. So machte Pilatus folgendes: Um Mitleid zu erwecken ließ er Jesus auspeitschen, eine Dornenkrone aufsetzen, einen roten Mantel überziehen. Und als der nun so gepeinigte Jesus ein zweites Mal vor Pilatus stand, rief er der Menge zu: „Seht, welch ein Mensch!“ Nachzulesen bei Johannes Kapitel 19, Vers 5. Die Losung für heute.

„Seht, welch ein Mensch!“ Guckt ihn euch an: hilflos und schwach. Genauso kam er auch zur Welt und genauso würde er wieder gehen. Jesus, Mensch und Gott zugleich. Schon lange hatte das jüdische Volk auf den Erlöser, auf ihren starken Gott gewartet. Sie hatten gehofft: Wenn Gott seinen Retter schickt, wird alles anders. Der wird uns von den Römern befreien. Es wird uns wieder gut gehen. Endlich wird Friede sein. (Jesaja 9, 1-6) Und jetzt? Ja, Gott hatte jemanden geschickt: seinen Sohn Jesus. Einen Menschen: liebevoll, sanftmütig und ohne Schuld. Seine Botschaft war: „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ (Johannes 14,1) Auf diese Weise hatte Jesus bisher keinen einzigen Römer davongejagt! Entsprechend sauer und enttäuscht reagierte die Menge. Als Baby hilflos und schwach. Am Kreuz hilflos und schwach. Auch heute hilflos und schwach? Kein schöner Gedanke!  

Wer möchte schon an einen schwachen Gott glauben? Ich nicht, denn Schwäche erlebe ich genug in unserer Welt. Da brauche ich nur die Zeitung aufzuschlagen oder in mein eigenes Leben zu schauen. Wie oft habe ich schon gebetet: „Gott, tu was! Du kennst die Menschen, die mir das Leben so schwer machen, die mich in Sachen reinziehen, die ich gar nicht will. Das ist so ungerecht. Greif doch ein!“ Und, was ist passiert? Bis heute nicht viel. Ich frage mich: Warum spricht Gott nicht endlich ein Machtwort? Genau das hatten sich ja auch damals die Juden gewünscht. Ob Maria und Josef das alles ahnten, als sie ihr Baby im Arm hielten?

Viele von uns werden heute Abend auch vor der Krippe stehen und sich fragen: Was ist das für ein Mensch, der da vor mir liegt? Einerseits hilflos und schwach. Andererseits hat Gott durch Jesus sein Machtwort gesprochen! Sind Sie bereit, an diesen Jesus zu glauben und ihm zu vertrauen?

 

Autor: Birgit Wolfram

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Jesus macht seinem Namen alle Ehre

Ich kann mich noch gut daran erinnern. Es ist schon einige Jahre her. Ich war schwanger mit unserem ersten Kind. Und wir waren auf Namenssuche. Was meinen Sie, was mein Mann und ich für Diskussionen geführt haben. Der Name sollte gut klingen, er durfte nicht zu exotisch sein. Ebenso war die Bedeutung wichtig, und natürlich musste er uns beiden gefallen. Gar nicht so einfach.

Wenn ich da an Maria und Josef denke: die hatten es da in der Hinsicht viel einfacher. Da fiel der Name sozusagen vom Himmel. Nachzulesen im Matthäusevangelium Kapitel 1 Vers 21: „Da sprach der Engel zu Josef: Maria wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben. Denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.“

„Dem sollst du den Namen Jesus geben“ – für Josef war klar: hier hat Gott entschieden. Wenigstens darüber brauchten er und Maria sich keine Gedanken mehr machen. Warum denn ausgerechnet der Name Jesus? Im Deutschen sagen wir Jesus, im Hebräischen heißt es Yeshuah. „Du sollst ihm den Namen Yeshuah geben.“ Es gab damals viele Yeshuahs in Israel. Gott hatte sich sozusagen einen Allerweltsnamen für seinen Sohn ausgesucht. Aber die Bedeutung hat es in sich, die da ist: Der Herr rettet. Der Name Jesu verheißt also Rettung. Das wollte Gott so, von Anfang an. Das war der Plan. Und Jesus machte mit.

Ganz allmählich wuchs der Sohn von Maria und der Adoptivsohn von Josef in seine göttliche Berufung hinein – und lebte sie. „Er wird sein Volk retten von ihren Sünden“ – genau das, was der Engel verheißen hatte. Was ist denn Sünde überhaupt? Der Begriff Sünde bezeichnet das zerstörte Verhältnis des Menschen zu Gott. Da ist also vor langer Zeit eine heile Beziehung kaputt gegangen – die heile Beziehung zwischen Gott und Mensch. Und das zeigte sich so: Der Mensch kümmerte sich nicht mehr um Gott. Jeder machte das, was er für richtig hielt. Es wurde gestritten und gelogen. Die Schuld der Menschen wurde immer größer – bis heute. Und Gott rief: „Hört auf damit, kehrt um!“ Doch das war den meisten Menschen egal. So schickte Gott seinen Sohn. Jesus wurde geboren und ging ans Kreuz. Und damit wurde der Weg zum Himmel wieder frei. „Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden“ – so steht es in der Bibel. Haben Sie Jesus als Ihren Retter angenommen?

Maria und Josef haben es damals gemacht. Sie haben „ja“ gesagt, als der Engel ihnen die frohe Botschaft verkündigte. Sie haben sich zur Verfügung gestellt und Jesus Raum gegeben – ihn eingelassen in ihr Leben und in ihre Herzen. Diese beiden und viele andere Menschen haben seitdem erfahren: Wer den Namen Jesu kennt, wer den Namen Jesu anruft, wer im Namen Jesu bittet, der erlebt Gott. Einen besseren Namen hätte Gott also für seinen Sohn gar nicht finden können. Und wie war das bei meinem Mann und mir? Nachdem unser Sohn nicht geplant war, empfanden wir diese Schwangerschaft als Geschenk – als Geschenk Gottes. Und so haben wir ihn auch genannt.

 

Autor: Birgit Wolfram

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Schulden erlassen

„Spare in der Zeit, so hast du in der Not!“ So haben meine Großeltern noch gemahnt und sich in ihrem Leben danach gerichtet. Mit diesem Grundsatz kommt man heute auf den ersten Blick nicht mehr weit. Es heißt, sparen lohne sich nicht mehr bei den tiefen Zinssätzen. Ganz abgesehen davon glauben ja viele, sie seien schon heftig am Sparen, wenn sie ihre Ausgaben ein wenig reduzierten. Das Sparen ursprünglich meinte, Geld für spätere Ausgaben auf die Seite zu legen, wissen viele nicht mehr.

Sparen ist nicht mehr in. Schulden zu machen dafür umso mehr. Was man haben will, kauft man sofort, halt eben auf Kredit. Es wird einem ja auch leicht gemacht. Dass so immer mehr in eine Schuldenfalle geraten, aus der sie sich selbst nicht mehr befreien können, wird geflissentlich verdrängt. Bis dann einer tatsächlich in der Schuldenfalle sitzt. Dann hetzt man ihm Inkassobüros an den Hals, pfändet seinen Lohn und unternimmt auch sonst alles, um unbarmherzig möglichst viel von den Schulden doch noch einzutreiben. – Ob unsere Schuldenwirtschaft wirklich das Gelbe vom Ei ist?

Das Alte Testament präsentiert ein alternatives Konzept. Ich wüsste gerne, ob es einmal in echt funktioniert hat. Vielleicht ist es ja eine Utopie, die bisher unverwirklicht geblieben ist. Doch ein Versuch könnte sich lohnen, weil so das Miteinander der Menschen viel stärker wäre.

Worum geht es? In 5.Mose 15 wird verfügt, dass alle sieben Jahre sämtliche Schulden in Israel erlassen werden müssten. Zu Gottes Ehre, notabene. Schuldenberge könnten so gar nicht entstehen. Jeder hätte regelmäßig eine Chance, wieder bei Null - und nicht Millionen unter Null – neu anzufangen. Wäre das nicht toll? – Klar, es würde in der Finanzbranche zu einer Massenarbeitslosigkeit führen. Und Millionäre oder gar Milliardäre gäbe es wohl auch keine mehr. Dafür hätte jeder die Chance, sein Leben gut zu gestalten. Selbst den arbeitslosen Bankern wäre geholfen, weil ja jeder jedem helfen müsste. Und dazu heißt es in 5.Mose 15,10: «Hilf ihm gern, tu es nicht widerwillig! Dafür wird dir der HERR auch alles gelingen lassen, was du unternimmst.»

Einander regelmässig alle Schulden erlassen. Dafür sorgen, dass es nicht einen einzigen Armen gibt im Land. Erleben, dass Gott allen genug zu einem guten Leben schenkt. Das alles steht in 5. Mose 15. Es klingt wirklich utopisch, unrealistisch, unmöglich …

Doch bevor man dieses Modell mit guten ökonomischen Gründen ins Reich der Märchen verbannt, ist zu bedenken: Genauso funktioniert Gottes Reich. Was macht Gott in Christus anderes als uns regelmäßig sämtliche Schulden zu erlassen? Sogar viel häufiger als alle sieben Jahre? Er hilft uns gern und wünscht sich nur, dass wir mit den Mitmenschen so umgehen, wie er mit uns.

Dann könnte sich das Experiment doch lohnen. Statt unbarmherzig von den anderen zu fordern, was sie uns unserer Meinung nach schuldig sind, könnten wir versuchen, offen auf Mitmenschen zuzugehen. Ihnen die Schulden zu streichen. Unsere Anforderungen und Erwartungen an sie senken. Einander gern helfen. Dann zusammen und mit Gottes Hilfe das Leben gestalten. Und staunend erleben, was er alles gelingen lässt! – Bist Du dabei?

 

Autor: Pfarrer Daniel Eschbach

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Bleib nicht fern von mir

Ich stutzte, als ich den Auftrag für das Wort zum Tag heute las. Zu Psalm 22 soll ich etwas schreiben! Das ist doch der Klagepsalm, aus dem Jesus am Kreuz zitierte. Der Psalm, der im verzweifelten Ruf gipfelt: ‚Mein Gott, warum hast du mich verlassen?‘ Und das drei Tage vor Heiligabend. Wie soll das gehen? Das passt doch etwa so wie die Faust aufs Auge – also gar nicht!

Doch dann fällt mir ein Mailverkehr ein. Eine Frau hatte mich bereits im Herbst vorgewarnt, dass sie über Weihnachten weg sein werde. Das sogenannte Fest der Liebe halte sie zu Hause nicht aus, weil sie allein lebt. Es sei zu viel Einsamkeit auszuhalten, wenn rund herum sich Familien und Freunde treffen, während sie allein in ihrer Wohnung sitze. Dann fühle es sich an, als ob Gott unendlich weit weg sei. Es gibt offenbar Menschen, die sich ausgerechnet an Weihnachten von Gott verlassen fühlen. Könnte Psalm 22 ihnen gerade in dieser Zeit Worte fürs Gebet leihen?

Erst auf den zweiten Blick realisierte ich, dass ich gar nicht zu Vers 2, sondern zu Vers 12 etwas schreiben sollte. Der klingt nicht ganz so krass: «Bleib nicht fern von mir! Denn die Not ist so nahe. Und sonst habe ich niemand, der mir hilft.», so betet hier einer. Er spricht also Gott doch an, hält daran fest, dass es ihn geben muss, auch wenn er davon im Moment wenig bis nichts zu spüren vermag.

Weihnachten bedeutet die Botschaft, dass uns Gott in Jesus ganz nahe gekommen ist. So nahe, wie es überhaupt nur geht. Er ist einer von uns geworden, um selbst zu erleben, auszuhalten und zu überwinden, was uns am Leben bedrückt. Ja, was uns manchmal verzweifeln lässt: Der Eindruck, von Gott verlassen, von der Quelle des Lebens abgeschnitten zu sein.

In schwierigen Momenten ist uns die eigene Not am nächsten. Wir fühlen uns allein, ausgeliefert, weil wir niemanden haben, der uns helfen könnte … außer Gott, doch der ist gefühlt weit weg. Mich beeindruckt, dass der Psalmbeter sich dennoch genau an diesen Gott wendet. Wie Jesus am Kreuz hält er sich mit aller Kraft daran fest, dass dieser Gott nahe sein muss. Schließlich hat er genau das versprochen. «Bleib nicht fern von mir! Denn die Not ist so nahe. Und sonst habe ich niemand, der mir hilft!»

Ist Gott wirklich so fern, wie wir zu fühlen meinen? In einem Gebet formulierte kürzlich jemand etwa so: ‘Gott, ich habe das Gefühl, du seist weit weg. Aber ich weiss, es ist umgekehrt. Eigentlich bin ich weit weg von dir, abgelenkt, beschäftigt, hektisch. Erst wenn es mir nicht mehr gut geht, fällst Du mir wieder ein. und dann werfe ich Dir vor, dass du weg bist. Es ist unfair von mir. Danke, dass Du trotzdem da bist und ein offenes Ohr behältst, dass Du im Gespräch bleibst mit mir.’

So könnte eine aktuelle Version von Psalm 22,12 klingen. Ich wünsche Ihnen, dass sie über die Weihnachtstage erleben können, worum es an diesem Fest eigentlich geht: Die Gewissheit, dass Gott uns so nahe ist, wie es überhaupt nur geht. Und falls das in ihrem Gefühl zur Zeit nicht ankommen sollte, wünsche ich Ihnen die Kraft, ausdauernd mit Psalm 22,12 zu beten: «Gott, Bleib nicht fern von mir! Denn die Not ist so nahe. Und sonst habe ich niemand, der mir hilft!»

 

Autor: Pfarrer Daniel Eschbach

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Schwach und doch stark!

Ich muss an Tom, meinen 15-jährigen Enkel, denken. Sein linker Arm ist seit seiner Geburt zu kurz. Er hat keinen Unterarm. Die Hand ist an den Ellenbogen angewachsen. Ihre drei Finger kann er zum Glück bewegen. Doch dieses Handikap behindert ihn natürlich. Aber operativ war ihm nicht zu helfen. Tom muss mit seinem zu kurzen Arm leben.

Was schon für einen Jugendlichen schlimm ist, wäre bei Gott eine Katastrophe: wenn sein Arm zu kurz wäre, um ihn voll einsetzen zu können! Doch das Volk Israel ist dieser Meinung. Es denkt, Gott könne in den politischen und wirtschaftlichen Nöten, unter denen es leidet, nichts tun. Dem widerspricht Gott: "Sollte mein Arm denn zu kurz sein, um Befreiung und Rettung zu bringen?" Gott will aber nicht bloß einem Volk, sondern der ganzen Welt helfen. Jesaja kündigt in den Kapiteln 42 bis 53 seines Buches an, wie das geschehen wird. Nämlich durch einen „Knecht“, den Gott „als Licht der Völker" senden wird. Er wird „unser aller Sünde“ auf sich nehmen und „die Strafe“ büßen, die wir verdient haben. Und damit den heiligen Gott mit uns heillosen Menschen versöhnen.

Das Neue Testament sagt: Jesus, der Sohn Gottes, ist dieser „Knecht" – ist dieses „Licht der Welt“, ist dieser Heilbringer. Er löst das für uns sonst unlösbare Problem: Wohin mit der Schuld unseres Lebens? Jesus erledigt sie für uns mit seinem Tod am Kreuz. Das ist mehr als eine nur vorübergehende Hilfe. Das hat Tiefenwirkung! Jesu Hände waren zwar an einem Kreuz festgenagelt, aber weil er auferstanden ist und lebt, sind seine Arme nicht zu kurz, um bis in die Tiefen aller Schuld zu reichen und uns von dort herauszuholen. Auch in jeder Not hält er uns helfend seine Hand hin.

Jesu Arm ist und bleibt auch nicht zu kurz für meinen Enkel – trotz der körperlichen Behinderung, die ihn vielfach einschränkt, aber mit der er leben muss. Doch Tom erlebt, wie Gottes Kraft auch in seinem Handycap am Werk ist! Er lernt früh das Fahrradfahren und spielt lange Zeit Fußball in einem Verein. In diesem Sommer machte er jetzt seine Schiedsrichterprüfung, um Schülerspiele pfeifen zu können. Und er ist seit Jahren begeisterter Schlagzeuger in einer Band – auch als Solist. Und das alles mit einem zu kurzen, nach hinten gewachsenen linken Arm!

Vielleicht leiden auch Sie darunter, dass bei Ihnen etwas zu kurz geraten oder in Ihrem Leben zu kurz gekommen ist – es Ihnen daher an Lebensmut oder Lebensfreude fehlt. Dann vertrauen Sie dem Gott, der Ihnen unter die Arme greifen kann und auch Sie erfahren lassen will, dass seine Kraft in dem Schwachen mächtig ist!

 

Autor: Pfarrer i. R. Gerhard Weinreich

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