ERF Plus - Wort zum Tag

Das Gebet im Wal

Jona war ein Prophet, ein Bote Gottes. Gott hatte Jona den Auftrag gegeben: „Geh in die Stadt Ninive im Land Assyrien. Die Bosheit der Einwohner ist bis zu mir hinaufgestiegen. Sag ihnen: In 40 Tagen wird eure Stadt zerstört!“

Jetzt war es aber so: Die Assyrer galten als gottlos und grausam. Jona fand: „Die Assyrer haben es verdient, von Gott vernichtet zu werden. Wozu soll ich die warnen? Und überhaupt: nachher ändern die sich und Gott verschont sie!" Anstatt sich auf den Weg nach Ninive zu machen, checkt Jona auf einem Frachtschiff ein. Er sucht sich das Schiff aus, das ihn am weitesten wegbringt von Ninive. Doch Jonas Schiff gerät in Seenot. Jona geht dabei über Bord.

Als ob das nicht alles schon schlimm genug wäre – bei Sturm auf hoher See über Bord zu gehen – taucht nun auch noch eine riesige Schwanzflosse auf. Die Schwanzflosse gehört zu einem Wal. Und der verschluckt Jona. Jona findet sich im glibberigen, finsteren Walbauch wieder. Immerhin: Er lebt noch!

So langsam dämmert es Jona: „Dass ich nicht ertrunken bin, sondern noch lebe, ist ein Wunder. Auch dass ausgerechnet da, wo ich im Wasser gelandet bin, der Wal aufgetaucht ist, dass der Wal mich nicht in Stücke gerissen, sondern an einem Stück verschluckt hat - das alles ist kein Zufall. Sondern da hat Gott mich gerettet!“

Noch im Walbauch spricht Jona ein Dankgebet, das er an Gott richtet. Rückblickend erinnert Jona sich: „Ich rief zu dem HERRN in meiner Angst, und er antwortete mir“. Sie finden diesen Vers im Buch Jona, Kapitel 2, Vers 3.

Klar: Jona hatte Todesängste ausgestanden. Doch in seiner größten Not fällt ihm der wieder ein, vor dem er ja eigentlich abhauen wollte: Gott!

Irgendwie ist das doch typisch Mensch, oder? Dass wir mit unseren Nöten lieber erst mal allein fertigwerden wollen. Und erst, wenn das nicht klappt, fällt uns Gott wieder ein: als Helfer, Retter und Herr. Wie wäre es, wenn wir Gott von Anfang an mit einbeziehen in unsere Nöte? Und nicht erst dann, wenn wir selber nicht mehr weiter wissen. Ich bin davon überzeugt, dass uns das so einige Sorgen und Ängste ersparen wird! Gott kann uns Ruhe schenken und einen klaren Kopf: so dass uns eher klar wird, wie wir mit einer Situation fertigwerden können.

Jona war also vor Gott und seinem Auftrag abgehauen. Und erst, als es für ihn echt gefährlich wird, da findet er zu Gott zurück. Was ich total tröstlich finde: Gott hat auf Jonas Hilferuf geantwortet. Und zwar schnell. Gott lässt Jona nicht lange in den Fluten zappeln, wo er um sein Leben kämpfen muss. Gott ist überhaupt nicht nachtragend, sondern sofort zur Stelle!

Da können Sie noch so weit von Gott abdriften. Da können Sie noch so großen Bockmist verzapft haben: Gott geht Ihnen nach. Und freut sich, wenn Sie wieder zu ihm zurückfinden.

Vielleicht wird für Sie Gottes Nähe und seine Hilfe auf den ersten Blick nicht erkennbar sein; als Jona die Schwanzflosse von dem Wal gesehen hat, wird er eher damit gerechnet haben, dass der Wal ihn gleich in Stücke reißt. - Aber bestimmt nicht damit, dass Gott es ist, der ihm diesen Wal zur Rettung vorbeigeschickt hat.

Die Rettung von Jona macht Mut: Wenn Sie Gott um Hilfe bitten, dann wird er sich in irgendeiner Form bemerkbar machen!

Autor: Daniel Benne

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Wann freut Gott sich über uns?

Gott hatte es echt nicht leicht mit seinem Volk: Immer und immer wieder sind die Israeliten von ihm abgedriftet. Obwohl Gott seine Leute zig Mal gewarnt hatte.

Im 5. Buch Mose steht Israel kurz davor, ins verheißene Land einzuziehen. Doch deutet sich hier schon an, dass sie das verheißene Land eines Tages wieder verlassen müssen - als Strafe dafür, dass sie erneut von Gott abfallen. Das wären ziemlich düstere Zukunftsaussichten. Wenn Gott nicht gleichzeitig sagen würde: „Diese Strafe wird nicht ewig dauern! Wenn ihr wieder zu mir zurückkehrt, werde ich mich erbarmen und euer Schicksal wieder zum Guten wenden.“

Im 5. Buch Mose, Kapitel 30, Vers 9 heißt es dann: „Der Herr wird wieder Freude an euch haben und euch Gutes tun, so wie es bei euren Vorfahren gewesen ist“. (GNB)

Gottes Barmherzigkeit geht viel weiter, als wir uns das vorstellen können. Das zeigt sich immer wieder an Israels Geschichte. Und es gilt bis in unsere Zeit hinein: Selbst wenn sich einer vorsätzlich von Gott abwendet, bleibt die Tür immer offen, um zu ihm zurückzukehren.

Besonders deutlich wird das im Neuen Testament, im Buch Lukas, Kapitel 15. Dort  geht es um die Freude Gottes darüber, wenn jemand zu ihm zurückfindet. Einmal wird dort die Geschichte des Verlorenen Sohnes beschrieben:

  • der sich sein Erbe auszahlen lässt,
  • 
  • das ganze Geld verprasst
  • 
  • und dann reumütig nach Hause zurückkehrt.
  • 

Über den Vater des Verlorenen Sohnes heißt es: „Als der Sohn noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater. Und es jammerte ihn; er lief seinem Sohn entgegen und fiel ihm um den Hals“.

Der Vater hatte also Ausschau gehalten nach seinem Sohn. Obwohl der schon längere Zeit weg war, hatte der Vater die Hoffnung nie aufgegeben, dass der Sohnemann zu ihm zurückfindet. Der Vater reagiert nicht nachtragend, sondern freut sich riesig darüber, dass der Sohn wieder da ist. So wie dieser Vater ist auch Gott: wer zu ihm zurückkehrt, dem kommt Gott mit ausgestreckten Armen entgegen!

Gott geht uns sogar nach, wenn wir uns von ihm abwenden. Im Gleichnis „Vom verlorenen Groschen“ heißt es, als der Groschen gefunden wurde und die Freude groß ist: „So wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“ (Lukas 15,10) Man könnte auch sagen: Wenn einer zu Gott zurückfindet, dann wird im Himmel ein Fass aufgemacht! Und ein zünftiges Fest gefeiert.

Wenn ich im 5. Mosebuch, Kapitel 30 weiterlese, erfahre ich: Dass Gott Israel Gutes tut und Glück schenkt, hängt ganz eng mit dem Einhalten der Gebote zusammen. Die Gebote regeln das Zusammenleben der Menschen untereinander. Und sie norden auch uns auf Gott ein - dass es Gott ist, der uns geschaffen hat. Und dem wir alles zu verdanken haben!

Je mehr Sie sich mit Gottes Wort beschäftigen, desto besser lernen Sie auch Gottes Willen kennen. Sie werden feststellen: Mit seinen Geboten will Gott uns nicht unterdrücken. Sondern er hat damit das Beste für uns im Sinn! 5. Mose, Kapitel 30, Vers 14 bestätigt das: „Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust."

Kinder finden es klasse, wenn sie ihren Eltern eine Freude machen können. Wie steht es mit uns als Kindern Gottes?

Wäre es nicht prima, wenn unser himmlischer Vater ebenfalls Grund hat, sich über uns zu freuen?

Autor: Daniel Benne

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Gott ist treu

Eine Freundin von mir kennt gefühlt jeden und jede in meinem Wohnort. Wenn ich eine Auskunft brauche, einen Arzt oder Handwerker benötige, dann kann sie mir weiterhelfen. Eine andere Freundin kann so interessant aus ihrem Alltag erzählen, dass es eine Freude ist, ihr einfach zuzuhören, und wiederum eine andere Person aus meinem Freundeskreis ist so fußballbegeistert, dass sie mich damit fast anstecken könnte.

Doch all das ist letztlich nicht entscheidend für unsere Freundschaft. Entscheidend ist für mich, ob der oder die andere zuverlässig ist, ob ich mich auf ihn oder sie verlassen kann, ob die Person tut, was sie sagt und versprochen hat. Dass ich mich auf den anderen verlassen kann, ist die Grundlage für jede gute Beziehung - unter Freunden, in der Familie oder in der Partnerschaft und Ehe.

Bei einer Eheschließung versprechen sich die Partner daher, einander treu zu sein. Von Treue sprechen wir im Alltag eher selten, aber Treue meint genau das: sich auf den anderen stets verlassen zu können.

Ein Bibelwort  spricht vom Treu-Sein und zwar als einer Eigenschaft Gottes. „Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.“ So lesen wir es im 1. Brief an die Korinther, Kapitel 1, Vers 9.

Der Apostel Paulus hat die Gemeinde in Korinth begründet, er besucht sie mehrfach und schreibt Briefe an sie. Zu Beginn seines ersten Briefes an die Gemeinde in Korinth lobt er nun ihren Glauben; er freut sich darüber, dass sie im christlichen Glauben wachsen, und das, obwohl die Gemeinde in Korinth wirklich keine perfekte Gemeinde war. Doch bevor Paulus die Probleme in der Gemeinde anspricht, ist er erst einmal dankbar für die Mitchristen in Korinth und er ruft in Erinnerung, was die gemeinsame Grundlage für die christliche Gemeinde ist: „Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.“

Gott ist treu. Hier ist nicht die Rede davon, dass Gott und die Menschen treu sind, sozusagen beide Seiten, wie bei der Eheschließung beide Partner einander Treue geloben. Nein, hier ist es zunächst Gott, der treu ist. Von seiner Seite her ist die Beziehung zu uns Menschen unverbrüchlich, unauflösbar und gilt für immer und ewig, sogar über den Tod hinaus.

Gott ist treu, das zeigt sich darin, dass er seinen Sohn Jesus Christus in diese Welt gesandt hat.

Jesus Christus hat den Tod am Kreuz erlitten; er hat darin die Schuld der Menschen auf sich genommen und damit den Weg freigemacht für eine Beziehung zwischen Gott und Menschen, für eine Gemeinschaft. Paulus verwendet hier das griechische Wort „koinonia“. „Koinonia“ bedeutet Gemeinschaft, aber mehr noch: Partner sein. Das heißt, jeder Mensch, Sie und ich, wir sind dazu berufen, Partner und Partnerin Gottes zu sein. Die entscheidende Basis für diese Partnerschaft ist längst gelegt: Gott ist immer treu. Das bedeutet, Gott bleibt immer an unserer Seite. Er hat uns schon alles von sich geschenkt und er lädt uns ein, an seiner Seite - mit ihm als zuverlässigem Partner - unser Leben zu gestalten.

Gott ist treu – das ist eine Aussage zum Festhalten. So wie ein Christ, eine Christin, auch glaubt und erfahren hat: Gott ist stark – wo ich schwach bin. Gott ist ewig – wo mein Leben vergänglich ist. Gott ist mein Halt – wo ich zu fallen drohe. Und Gott ist treu, sogar wenn ich untreu bin.

Gott hat in Jesus Christus die Beziehung zu mir angefangen und auf ihn und sein Wort kann ich mich verlassen für immer und ewig. An Gottes Treue kann ich mich heute festhalten und vielleicht sogar aus ganzem Herzen beten oder singen: „Bleibend ist deine Treu, bleibend ist deine Treu. Morgen für Morgen dein Sorgen ich seh. All meinen Mangel hast du mir gestillet, bleibend ist deine Treu, wo ich auch geh!“ (Wolfgang Zorn/William M. Runyan).

Autor: Ulrike Treusch

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Gottvertrauen

In jedem Leben gibt es gute Zeiten und schlechte Zeiten. „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, so heißt auch eine Seifenoper, die schon seit 1992 im Privatfernsehen ausgestrahlt wird und als bekannteste deutsche Fernsehserie gilt. Dabei zeigt die Serie eigentlich nichts Besonderes. Sie zeigt das Leben von jungen Menschen, die erwachsen werden mit allen Höhen und Tiefen von der ersten Liebe über Schwierigkeiten im Arbeitsleben bis zur Erfahrung von Krankheit und Tod. Das ganz normale Leben mit Höhen und Tiefen, und es ist kein Zufall, dass die Serie in Frankreich „Im Rhythmus des Lebens“ (Au Rythme de la Vie) heißt.

Wenn der Rhythmus des Lebens eines Menschen aber ein Auf und Ab ist, dann erlebt jeder Mensch zwangsläufig neben guten auch schlechte Zeiten. Das zu wissen bedeutet aber leider noch nicht, dass es uns leichter fällt, mit schlechten Zeiten umzugehen, schon gar nicht, wo wir sie als bedrängend oder gar lebensbedrohlich erfahren.

Unser Bibelwort spricht in eine solche lebensbedrohliche Situation hinein, und das Bibelwort will Mut machen. Es steht im Hebräerbrief, im 10. Kapitel, Vers 35: „Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.“

„Werft euer Vertrauen nicht weg“, das schreibt der Autor des Hebräerbriefs an eine uns unbekannte Gemeinde, und er hat es wohl nicht nur geschrieben, sondern vielleicht schon im Gottesdienst gepredigt und verkündigt. Der Prediger fordert seine Gemeinde auf: „Werft euer Vertrauen nicht weg“, habt Glaubensmut, haltet durch!

Ist das nicht leichter gesagt als getan?

Die Gemeinde, zu der er spricht, erlebt gerade eine Verfolgung, weil sie sich zum christlichen Glauben bekennt. Das waren wirklich schlechte, ja, lebensbedrohliche Zeiten. In dieser Situation erinnert der Prediger seine Gemeinde daran, dass sie schon schwierige Zeiten der Verfolgung durchgestanden hat. Wer sich damals im Römischen Reich öffentlich zu Jesus Christus bekannt hatte, der hatte schon erfahren, wie es ist, in der Öffentlichkeit beschimpft und misshandelt zu werden (V. 33), war vielleicht schon im Gefängnis gewesen für seinen Glauben (V. 34) oder ihm wurde sein Besitz weggenommen, weil er Christ war (V. 34). All das haben die Christen in der Gemeinde schon erlebt und mit Gottes Hilfe überlebt. Daran erinnert der Prediger sie nun.

Weil sie schon so viel Schwieriges erlebt und mit Gottes Hilfe durchgestanden haben, ruft er seiner Gemeinde nun zu: „Werft euer Vertrauen nicht weg!“ Die Gemeindeglieder sollen festhalten am Vertrauen - am Vertrauen auf Gott.

Wo ich vertraue, da werde ich nicht auf mich selbst zurückgeworfen und muss mich nicht selbst zusammenreißen und aus der Tiefe ziehen. Wo ich vertraue, da vertraue ich auf einen anderen, auf Gott. Das Bibelwort heißt dann nichts anderes als „vertraut auch weiterhin auf Gott“. Auf den Gott, der bisher schon mit seiner Gemeinde durch die Höhen und Tiefen des Lebens gegangen ist. Auf den Gott, der alles und alle in seiner barmherzigen Hand hält. Das ist Gottvertrauen.

Was der Autor des Hebräerbriefs vor knapp 2000 Jahren seiner Gemeinde gepredigt hat, ist zeitlos gültig. Denn unser Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat und der seinen Sohn für uns in diese Welt geschickt hat, er ist ein ewiger Gott und was er verspricht, das hält er auch.

Deshalb finden wir in der Bibel immer wieder die Aufforderung „vertraut auf Gott“ oder „verlasst euch auf den Herrn“ und wir finden Zeugnisse von Menschen, die auf Gott vertraut haben und mit ihm durch die Tiefen ihres Lebens gegangen sind. Jörg Swoboda und Theo Lehmann haben das in einem Lied so ausgedrückt: „Auch mit Gott gerät man in Krisen, Probleme, die unfassbar sind. Trotz aller Zweifel seid dennoch gewiss: Er schläft nicht und sorgt für sein Kind. Vertraut auf den Herrn für immer, denn er ist der ewige Fels.“ – Das wünsche ich Ihnen heute, gerade in schlechten Zeiten.

Autor: Ulrike Treusch

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Sind wir alle Kinder Gottes?

Vor einiger Zeit hörte ich die französische Sängerin Mireille Mathieu im Fernsehen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir einer ihrer deutsch-sprachigen Hits:

„Wir sind alle Kinder Gottes, und wir werden’s immer sein. Jeder Mensch und jede Blume, jedes Tier und jeder Stein.“

Und von Strophe zu Strophe wiederholte dieses französische Ausnahmetalent mit Begeisterung den Refrain: „Wir sind alle Kinder Gottes…“ - Aber stimmt das denn wirklich? Sind wir alle Kinder Gottes? Jeder Mensch? Sicherlich ist jeder Mensch ein Geschöpf Gottes und hat daher seine besondere Würde und seinen Wert.

Aber ist jedes Geschöpf Gottes auch ein Kind Gottes?

Das Bibelwort für heute gibt eine Antwort, es steht in Galater 3,26: „Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus“. So schreibt Paulus an die Christen in Galatien, das im Süden der heutigen Türkei liegt. Sie waren nicht von Geburt an Kinder Gottes. Sie sind es erst später geworden „durch den Glauben“.

Das war kein allgemeiner Glaube an ein höheres Wesen, sondern ein Glaube, der hier näher bezeichnet wird durch den Zusatz „in Christus Jesus“. In der Gute-Nachricht-Bibel ist es noch verständlicher übersetzt: „durch den Glauben und weil ihr in engster Gemeinschaft mit Jesus verbunden seid.“

Aber was heißt das nun „Glauben“? Das biblische Wort glauben wird in unserer deutschen Sprache am besten mit dem Wort „sich anvertrauen“ übersetzt.

Wenn Sie eine Flugreise antreten, dann vertrauen Sie sich auch einem Flugzeug und einem Piloten an. Das ist jedes Mal ein Wagnis, aber Sie gehen es ein in der Zuversicht, dass der Pilot Sie sicher an den Zielflughafen bringt. An Jesus glauben heißt, sich mit Leib und Seele diesem Herrn anzuvertrauen, sich ihm ganz und gar zu überlassen in der gewissen Hoffnung, dass er unser Leben an das Ziel bringt.

Auf diese Verbindung mit Jesus kommt es an. Darauf hat schon Johannes in seinem Evangelium (1,12) hingewiesen: „Aber allen, die ihn (Jesus) aufnahmen und ihm Glauben schenkten, verlieh er das Recht, Kinder Gottes zu werden.“ (GNB) Wenn wir Jesus persönlich aufnehmen, ihm unser Leben anvertrauen, dann werden wir Gottes Kinder. Wir sind es nicht von Natur aus. Selbst wenn unsere Eltern Christen waren, sind wir nicht automatisch Christen. Es ist schön, wenn wir von einem christlichen Elternhaus geprägt sind. Aber die Gotteskindschaft lässt sich nicht vererben.

Denn - so hat es jemand einmal treffend gesagt – „Gott hat keine Enkelkinder“.

Gottes Kinder werden wir, wenn wir Jesus persönlich annehmen. Er ist nicht weiter entfernt als ein Gebet. Es kann mit ganz einfachen Worten geschehen.

Wenn Sie sich Jesus noch nicht anvertraut haben, dann lade ich Sie ein, das folgende Gebet mitzusprechen.

„Jesus, ich danke Dir, dass Du mich liebst. Ich öffne Dir mein Leben. 

Ich bekenne dir meine Schuld und bitte dich um Vergebung.

Herr Jesus, bitte übernimm die Herrschaft in meinem Leben

und verändere mich so, wie du mich haben willst. Amen“

Sie dürfen gewiss sein, dass Jesus ihr Gebet erhört hat, und dass Sie nun ein Kind Gottes sind. Nicht eine Leistung, auch keine fromme Leistung ist entscheidend, sondern das Geschenk der Gemeinschaft mit Jesus. Deshalb pflegen Sie die Verbindung mit Jesus und mit den anderen Kindern Gottes. Gott führt uns in seine Gemeinde. Dort beten wir gemeinsam zu Gott als unserem Vater, so wie es Jesus uns im Vaterunser gelehrt hat. Denn Gott hat keine Einzelkinder.

Wer zu Gott dem Vater betet, gehört zur Familie Gottes. Er findet Brüder und Schwestern, wo immer er sich aufhalten mag. Menschen, die mit ihr in die gleiche Richtung gehen, die mit ihm auf die gleiche Stimme hören. Deshalb freue ich mich, zur Familie Gottes gehören zu dürfen, Sie auch?

Autor: Pastor Lothar Leese

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Abschließende Ermahnungen

Im E-Mail-Zeitalter kennen viele kaum noch handgeschriebene Briefe. Sie haben eine ganz persönliche Note. Vielleicht erinnern Sie sich noch an einen Brief, den Sie geschrieben haben und an Ihre Überlegungen, wie Sie den Brief abschließen.

Was kommt am Schluss eines Briefes? Vielleicht ein zukünftiger Besuchstermin, bei dem man sich wieder mündlich austauschen kann und dann natürlich die persönlichen Grüße. So ähnlich ist das auch in dem Brief des Völkermissionars Paulus an die Gemeinde in Korinth. Er war mit dieser griechischen Gemeinde sehr verbunden, schließlich hat er sie gegründet.

Im ersten Jahrhundert gab es in Korinth das, was wir heute eine „pluralistische Gesellschaft“ nennen. In der Handels- und Hafenstadt gab es verschiedene religiöse Weltanschauungen und moralisches Chaos. Die junge christliche Gemeinde war sehr dynamisch, aber auch geprägt von ihrer Zeit und hatte viele Probleme. Daraufhin hat Paulus einen langen Brief an die Gemeinde geschrieben. Er umfasst in der Bibel 16 Kapitel.

Und nun kommt er zum Schluss. Aber zwischen Reiseplänen und Grüßen steht unvermittelt der Vers 16, der es in sich hat. Zum Schluss will Paulus noch einmal deutlich machen, was wichtig ist. Fast wie ein General seinen Soldaten Befehle erteilt, so spricht  Paulus vier klare Aufforderungen aus: „Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark!“

Mit diesen vier konkreten Anweisungen macht der Gemeindegründer den Christen bewusst, dass sie in einem geistlichen Kampf stehen. Diesen Kampf können sie nur gewinnen, wenn sie wie Soldaten wachsam sind, im Glauben fest stehen, mutig und stark sind. Die militärische Sprache mag uns seltsam erscheinen im Zusammenhang mit dem Glauben an Jesus Christus. Aber Paulus macht hier - wie auch in anderen Briefen - deutlich, worauf es beim Christsein ankommt:

  1. Wach sein, nicht schlafen
  2. 
  3. Stehen, nicht fallen
  4. 
  5. Mutig, nicht feige sein
  6. 
  7. Stark, nicht schwach werden
  8. 

Der Aufruf zum Wachen meint mehr als eine allgemeine Wachsamkeit, wie sie bei jedem Teilnehmer im Straßenverkehr vorhanden sein sollte. Wachen – das weist auf das Ziel hin, auf den Tag des Herrn, wenn Jesus wiederkommt. Jesus hat seinen Jüngern bereits gesagt: „Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.“ (Mt 24,42)

Als Jesus im Garten Gethsemane sich kurz von seinen Jüngern trennt, um zu beten, findet er sie danach schlafend und ermahnt sie: „Könnt ihr nicht eine Stunde mit mir wachen? Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallet.“ (Mt 26, 40b-41a)

Im Glauben stehen ist keine Selbstverständlichkeit. Im selben Brief schreibt Paulus auch an die Korinther: „Wer meint, er stehe, mag zusehen, dass er nicht falle.“ (1.Kor. 10,12) Deshalb ermutigt Paulus, fest zu dem Glauben zu stehen und so auf dem Fundament zu bleiben, das durch Jesus Christus gelegt ist (1.Kor. 3,11). Allein der Glaube an Jesus trägt sie durch alle Schwierigkeiten hindurch.

Die Aufforderung, „mutig und stark“ zu sein finden wir schon im Alten Testament, übrigens auch im militärischen Zusammenhang. Der Feldhauptmann Joab richtet diesen doppelten Befehl an seinen Bruder Abischai (2. Samuel 10,12), Und der König David ermuntert am Ende von Psalm 27, auf den Herrn zu vertrauen und dabei mutig und stark zu sein. Aber mit der Aufforderung, mutig und stark zu sein, ist kein Heldenmut gemeint, sondern der Glaube an Jesus Christus, der den Christen Mut gibt und stark macht durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Das ist die Kraft, die „in Schwachen mächtig“ ist (2. Kor. 12,9). Auch bei allen Herausforderungen des heutigen Tages gilt:

„Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark!“

Autor: Pastor Lothar Leese

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Gottes Liebe weitergeben

Wie war das eigentlich damals am Anfang von meinem Glaubensleben? Wann habe ich Gottes Liebe zum ersten Mal so richtig erfasst? Was habe ich schon zu Hause vom Glauben mitbekommen? Wie war das bei Ihnen – damals? Denken Sie einmal ganz kurz über diese Fragen nach.

Solange ich mich erinnern kann, wurde bei uns zu Hause gebetet, geglaubt, gesegnet und die Bibel gelesen. Meine Mutter erzählte uns von klein auf biblische Geschichten. Wenn eins von uns Kindern krank war, beteten meine Eltern für Genesung. Gottes Wille stand immer im Vordergrund. Ich habe schon früh gelernt, dass Gott mich liebt, dass er ganz nahe bei mir ist, auch dann, wenn er nicht alle meine Gebete erhört. Die Vermittlung des Glaubens gehörte zu meinem Alltag von klein auf. Meine Eltern lebten uns authentisch vor, was sie glaubten. Irgendwann habe ich mich entschieden, diesen Glauben selber zu leben und eine persönliche Beziehung mit Jesus zu haben, die Bibel zu lesen, zu beten.

Unser heutiges Bibelwort spricht genau von diesem Thema. Eltern sollen den Glauben an Gott an ihre Kinder und Kindeskinder weitergeben. Schon bei Abraham war das so. Gott sagt in 1. Mose 18,19: „Dazu habe ich Abraham auserkoren, dass er seinen Kindern befehle und seinem Hause nach ihm, dass sie des Herrn Wege halten und tun, was recht und gut ist.“ Im Klartext heißt das: Gott hat Abraham dazu berufen, dass er seinen Kindern und deren Nachkommen den Glauben an Gott lebendig weitergibt. Sie sollen immer wieder Gottes Willen suchen und seine Wege gehen.

Ich stelle mir vor, wie Abraham den kleinen Isaak an der Hand nimmt und in der Nacht hinaus vor das Zelt führt. Dort zeigt er ihm den Sternenhimmel und sie staunen über die vielen Sterne. Dann sagt der alte Abraham zu Isaak: „Siehst du die vielen Sterne am Himmel? Die hat alle Gott gemacht – jeden einzelnen. Dieser große Schöpfer hat mich bis heute geführt und mir versprochen, mir einmal so viele Nachkommen zu schenken, wie es Sterne am Himmel gibt! Gott hat mir dich noch im hohen Alter geschenkt. Was für einen wunderbaren Gott wir doch haben!“

Wie können Sie und ich unseren Glauben lebendig an die nächste Generation weitergeben?

Die junge Generation sucht Orientierung, Halt und Vorbilder. Ich weigere mich, ständig  über Äußerlichkeiten oder laute Musik zu motzen, sondern ich möchte ihnen das Gefühl von Akzeptanz, Liebe und göttlichen Werten vermitteln. Vielleicht heißt das, dass ich mir Zeit nehme, ihnen zuzuhören, ihre Welt und ihre Sorgen kennenzulernen. Oder ein anderes Mal heißt es, mit ihnen zu beten, weil Not oder Krankheit da ist. Es kann auch Schweigen dran sein, um einen Streit nicht noch mehr eskalieren zu lassen. Ein anderes Mal heißt es aber auch Klartext  zu reden, warum ich mich so und nicht anders verhalte. Das Wichtigste ist aber, dass sich diese jungen Menschen geliebt fühlen.

Für mich ist der Glaube an Jesus Christus ein Teil von mir. Ich möchte nicht nur von Gottes Liebe reden, sondern sie handfest gerade die Menschen spüren lassen, die sich nicht geliebt fühlen. Alle Menschen um mich sollen Lust auf ein Leben mit dem lebendigen Gott bekommen. Und - was möchten Sie heute tun?

Autor: Ruth Bai-Pfeifer

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Ich bin wichtig für Gott

„Bewahre uns Gott, behüte uns Gott, sei mit uns auf unseren Wegen“…. Während unser Flugzeug abhebt, bete und singe ich diese Worte in meinem Inneren. Es ist ja schon interessant, wie so ein Lied genau in diesem Moment aus meinem Unterbewusstsein auftaucht.

Ich weiß nicht, wann ich dieses Lied zum letzten Mal gehört oder gesungen habe. Aber es ist abgespeichert auf meiner inneren Festplatte und kommt im richtigen Moment in mir hoch. Die eingängige Melodie klingt in mir weiter; immer und immer wieder begleiten mich diese Worte auf unserer langen Reise in den Westen von Amerika. Wie schön ist es doch, dass wir in jeder Lebenslage dieses tiefe Wissen haben dürfen, dass Gott mit uns ist und uns behütet.

Heute begleitet uns auch so ein tröstliches Wort durch den Tag: In 5. Mose 32,10 steht: „Er (Gott) behütet sein Volk wie seinen Augapfel.“

Das ist eine ganz starke Aussage. Es stammt aus einem Lied, das Mose am Ende seines Lebens geschrieben hat. Darin wird das Volk Israel beschrieben, wie untreu und halsstarrig es immer wieder war. Und es wird Gottes große Liebe für dieses eigensinnige, treulose, unbelehrbare und eigensinnige Volk beschrieben.

Jeder normale Mensch hätte keine Lust mehr gehabt, mit diesem Volk unterwegs zu sein. Für Gott wäre es ein Kleines gewesen, das Volk Israel für alle Zeiten vom Erdboden zu eliminieren. Aber nein, Gott hat sich für dieses Volk entschieden! Warum? Weil er es auserwählt und geliebt hat – bis heute. Die Aussage, die Gott in unserem Tagesvers macht, ist äußerst feinfühlig, liebevoll und zärtlich. „Er (Gott) behütet sein Volk wie seinen Augapfel.“

Jeder, der schon mal aus Versehen das eigene Auge berührt hat, weiß, wie empfindlich so ein Auge ist. Dass Gott sich entscheidet, so ein halsstarriges Volk zu bewahren wie seinen Augapfel, das sprengt unser ganzes Denkvermögen. Für mich ist es gut zu wissen, dass die Zusagen aus dem Alten Testament auch heute und für uns Christen gelten. Wenn Gott sein Volk Israel bewahrt wie seinen eigenen Augapfel, dann wird er auch mich, als sein Kind, immer wieder in seine Arme schließen und mich von allen Seiten umgeben, bewahren, trösten, aufrichten und lieben.

Was für eine Zusage für diesen Tag. Egal was in meinem Leben war, egal wie viel Schweres mein Sein prägt, egal wie viele Fehler ich schon gemacht habe, Gott ist da – mitten drin. Auch wenn Krankheit, Trauer oder Behinderung ein Leben prägt, Gott ist da. Ich bin ihm so wichtig, dass er mich und meine Seele behütet wie seinen eigenen Augapfel.

Dieses Wissen muss mein Herz und mein ganzes Sein durchdringen! JA, es stimmt: „Er (Gott) behütet sein Volk und mich wie seinen Augapfel.“

 

Autor: Ruth Bai-Pfeifer

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Klimawandel

Am 19.Januar dieses Jahres kam in den Nachrichten des Norddeutschen Rundfunks die verblüffende Nachricht: Die ersten Störche sind in der Wesermarsch eingetroffen. Etwa dreißig Paare kreisen über den Marschen und suchen schon nach einem Storchennest.

Die Fachleute haben miteinander darüber debattiert, ob das vielleicht eine Fehlentscheidung sein könnte und was sie ausgelöst haben mag. So früh, da waren sich alle einig, sind die Störche noch nie bei uns im Norden gewesen. Die meisten Fachleute waren aber der Auffassung, dass die Störche keinen Fehler gemacht haben. Selbst wenn es noch kalt und eisig werden könnte, sie würden genügend Nahrung finden. Ja, vielleicht hätten sie in diesem Jahr sogar Zeit für zwei Bruten. Störche wüssten, was sie tun. Sie verhalten sich entsprechend dem Klimawandel.

Ach, wenn wir doch nur von den Störchen lernen könnten! Das ist schon vor etwa 2.600 Jahren der Wunsch des Propheten Jeremia gewesen. Er und seine Zeitgenossen wussten Bescheid um den Vogelzug. Sie haben gestaunt, aber sie wussten auch, dass sie sich darauf verlassen konnten. Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit. Das gilt bis heute. Die Zugvögel wissen oder spüren besser als wir Menschen, wann was dran ist. Ja, wir können es vergessen. Schlimmer noch, wir können uns etwas ausdenken und zurechtbiegen und so gegen unser tiefstes Wissen handeln.

Das haben auch schon die Menschen damals gemacht. Denn Jeremia ist nicht der Meinung, dass seine Zeitgenossen ihren Gott vergessen hätten. Dem haben sie fleißig geopfert. Aber sie haben geglaubt, damit wäre alles in Ordnung. Doch der Prophet muss ihnen sagen, dass das ein Irrtum ist. Sprich zu ihnen: So spricht der Herr. Jeremia muss das Wort Gottes eins zu eins weitergeben. Gott selbst stellt hier den Mangel fest - und zwar einen Mangel an Gottesrecht. Mein Volk will das Recht des Herrn nicht wissen. Entscheidender als das Opfer ist also, wie wir handeln und uns verhalten.

Auch wenn uns über 2500 Jahre von Jeremia und seiner Zeit trennen, müssen wir uns fragen, ob es uns ähnlich geht, ob wir genauso denken und handeln wie die Menschen damals. Und mit selbstkritischem Blick können wir feststellen: Auch wir haben Nachholbedarf, wenn es um das Recht geht - das Gottesrecht. Davon spricht auch Jesus, wenn er sagt: Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. (Mt 7,21)

Vielleicht ist es jetzt sogar noch schwieriger als damals. Denn, wenn man den Zukunftsforschern glaubt, dann geht die Zahl der Christen stetig aber deutlich zurück. Das bedeutet, dass die Menschen nicht nur das Recht des Herrn, seinen guten Willen und seine guten Absichten mit uns Menschen aus dem Blick verlieren, sondern auch ihn selbst. Auch dadurch wird sich das Klima in unserer Gesellschaft verändern. Aber wo sind die, die sich zurückbesinnen und versuchen, den Trend zu stoppen oder umzukehren?

Es ist ausgerechnet der Prophet Jeremia, der uns daran erinnert. Und die Zugvögel, die in diesen Tagen bei uns eintreffen.

Autor: Direktor Manfred Schultzki

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Wie die Burg Alhambra

Vor einigen Jahren waren wir in Südspanien in Urlaub. Wir haben eine Fahrt nach Granada gemacht und uns die beeindruckende maurische Burg Alhambra angeschaut. Ein besonderes Prachtstück ist der maurische Garten. Viel Wasser in Teichen und plätschernden Brunnen. Dazu wunderschöne Bäume und Sträucher und eine Vielfalt von Blüten. Der Duft: immer wieder neu und anders, aber angenehm und frisch. Ein Fest für alle Sinne.

Das war kein Garten für jedermann. Auch kein Schrebergarten zum Anbau von Gemüse zur privaten Versorgung. Es war ein echter Lustgarten. Und damit niemand dort eindringen konnte, war er von einer Mauer umgeben und geschützt. Niemand sollte stören dürfen. Niemand sollte dort etwas stehlen können oder gar zerstören. Hoch gelegen und geschützt. Wunderbar.

Vielleicht hatte der Beter des 71. Psalms einen solchen Garten vor Augen. Denn so ähnlich wie die Alhambra hat man solche Gärten jahrhundertelang angelegt. Eine grüne Insel im Beige-braun der Wüste und der Städte. Mit köstlichen Früchten und kühlenden Nischen.

Jedenfalls ist das gemeint, wenn der Beter bittet: Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann. Die Übertragung der Guten Nachricht "Sei mir ein sicheres Zuhause" trifft es nur halb. Auch andere Übertragungen bleiben aus meiner Sicht hinter dem Gemeinten zurück. Es geht um einen Zufluchtsort, der mehr ist als ein Schutzraum im Keller. Vielmehr bietet er Raum zur echten Entspannung, eine gute äußere Versorgung, aber auch innere Erholung. Abschalten. Wissen, dass der Kampf wirklich vorbei ist. Hier fallen alle Lasten und Sorgen einfach ab.

O ja, der Beter ist ganz sicher, dass Gott ihm hilft. Er weiß, dass er sich auf Gottes Zusagen fest verlassen kann. Psalm 71 ist ein Vertrauenslied. Er beginnt mit den Worten: Herr, ich traue auf dich. Der Beter kennt seinen Gott schon von Kindesbeinen an. Dennoch steckt er momentan in großen Schwierigkeiten. Darum wendet er sich an Gott und ruft ihn voller Vertrauen um Hilfe an.

Nicht alle Christen können auf ein langes Glaubensleben zurückblicken. Und manche, die dann in Anfechtungen durch Krankheit oder andere Ereignisse geraten, denken: Die, die schon lange im Glauben stehen, die haben es besser. Sie haben mehr Erfahrungen mit Gott machen können, von denen sie zehren können. Doch das muss nicht so sein. Auch erfahrene Christen können sehr ins Zweifeln und Fragen geraten. Und dann geraten alle guten Vorerfahrungen ins Rutschen. Muss es wirklich diesmal genauso gehen wie davor? Das ist doch nicht gewährleistet. Darum ist in diesem Zusammenhang etwas anderes entscheidend, nämlich sich auf die Zusage Gottes zu besinnen.

Liebe Leserin, lieber Leser, wir kennen uns nicht. Aber wenn Sie solche Hilfe nötig haben, lade ich Sie ein, sich einzureihen in die Schar der Beter, die sich so an Gott wenden. "Gott, du hast zugesagt mir zu helfen. Das will ich nicht vergessen. Das lasse ich mir nicht nehmen. Darauf will ich vertrauen. Auch wenn ich die Hilfe noch nicht sehen kann. Sei du für mich ein sicherer Garten mit einer starken Mauer. Ein Ort, bei dem ich alle Lasten ablegen kann und alle Sorgen schwinden. Amen"

 

Autor: Direktor Manfred Schultzki

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Wahrheit – beliebig oder verbindlich?

Diese Worte klingen stark nach einer Drohung – aber wozu eine Drohung? Weisheit ist doch nichts Schlechtes. Einsicht und Verständnis sind doch etwas Gutes? Warum also diese Drohung?

Wer sagt denn so etwas und wem sagt er es?

Gott selbst lässt diese Worte durch den Propheten Jesaja dem Volk Israel ausrichten - neben fünf weiteren Drohungen. Das Buch Jesaja in der Bibel handelt davon, dass Gott seinem Volk Israel eine Strafe, ja sogar Gericht androht, wenn es sein Verhalten nicht ändert und umkehrt. Lange genug haben sie Gott beleidigt und missachtet durch ihren Lebensstil. Sie selbst hielten ihr Verhalten für absolut richtig, für sie gab es keinen Zweifel an ihrem Tun. Aber in Gottes Augen war das nicht der Fall. Deshalb die Drohung für das Volk, von dem Gott etwas anderes erwartete.

Es ist schon seltsam: Was ich selbst für richtig halte, ist nicht automatisch auch bei Gott richtig. Was ich selbst für wahr halte, ist nicht automatisch auch die Wahrheit Gottes. Was ich selbst für gerecht halte, ist nicht automatisch die Gerechtigkeit, wie Gott sie meint.

Lassen Sie den Propheten zu Wort kommen, der in Gottes Auftrag zurechtwies:

- Weh denen, die in Gier und Raffsucht alles an sich reißen wollen

- Weh denen, die nur ein oberflächliches Vergnügen zum Lebensstil machen

- Weh denen, die Gott nicht ernst nehmen und weiter Unrecht tun

- Weh denen, die Böses für gut und Gutes für böse erklären

- Weh denen, die korrupt sind und anderen Menschen ihr Recht verweigern

Wie gesagt, diese Drohungen galten Menschen, die sich selbst für gut, gerecht, richtig, weise und verständig hielten.

So kann man sich irren! Mir selbst geht es nicht anders – mit meiner menschlichen Weisheit kann ich mir alles zurechtbiegen, abändern, für mich passend machen. Es gibt immer eine Möglichkeit, meine Gedanken und Argumente so zu verknüpfen, das es für mich zum Vorteil ist. Das ist kein Problem, sogar mit Aussagen aus der Bibel kann ich das machen. Wenn dann keine verbindliche Wahrheit da ist, die ich innerlich akzeptiert habe und die ein Gegengewicht dazu bildet, ist alles möglich. Auch die Moral kann man leicht austricksen.

Aber: Gott hat den Menschen eine verbindliche Wahrheit geoffenbart. Bereits in den zehn Geboten sind Wahrheiten über den in Gottes Augen richtigen Lebensstil zu finden. Richtiger Umgang mit Gott, mit mir selbst und mit meinen Mitmenschen ist dort schon schriftlich festgelegt. Jesus Christus hat uns Menschen dann über 1000 Jahre später diese Wahrheit bekräftigt und konkretisiert und selbst gelebt. Ja, er hat sich selbst als „die Wahrheit“ bezeichnet. „Unverschämt, dieser Alleinigkeitsanspruch“, so war damals wie heute die Reaktion darauf. „Es kann nicht sein, dass es nur eine Wahrheit gibt!“

Damit bin ich wieder am Ausgangspunkt: Jeder Mensch hält sich darin für weise, was er selbst glaubt oder denkt. Damit ist der Konflikt vorprogrammiert: Was Gott denkt und was der Mensch will und wie er handelt steht oft im krassen Gegensatz. „Es gibt eine verlässliche Wahrheit von Gott“, sagte Jesus Christus. Jeder Mensch entscheidet sich in seinem Leben entweder dafür oder dagegen. Jeder Mensch wird sein Leben mit dieser Entscheidung leben und auch zu Ende bringen. Fragt sich nur: Wie? Jesus sagt im Johannesevangelium, Kapitel 7,17: „Wer bereit ist, das zu tun, was Gott will, wird erkennen, ob meine Lehre von Gott ist oder ob ich sie mir selbst ausgedacht habe!“ (NeÜ)

Ich merke auf jeden Fall die Auswirkungen – mit Gott oder ohne Gott.

Welche Entscheidung haben Sie für Ihr Leben getroffen?

Autor: Werner Karch

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Vertrauen ist lebensnotwendig

„Der Herr, Dein Gott ist bei Dir gewesen. An nichts hast Du Mangel gehabt!“ So heißt es im 5. Mosebuch, Kapitel 2, Vers 7.

Können Sie dieser Erfahrung zustimmen? Oder fragen Sie: Wo ist denn Gott in dieser Not der Welt? Den vielen kriegerischen Auseinandersetzungen? Dem Mangel an Nahrung, Kleidung, medizinischer Versorgung? Dem Mangel an Sicherheit, Vertrauen und Liebe?

Das ist schon ein krasser Gegensatz: Auf der einen Seite die Aussage Gottes – er hatte das Volk vierzig Jahre in der Wüste umher geführt. Sie mussten ehrlicherweise sagen, dass sie keinen Mangel gelitten hatten. Gott hatte sie mit allem versorgt; ihr Hunger und ihr Durst wurden rechtzeitig gestillt, sie sind weder verarmt noch umgekommen. Und trotzdem – sie waren nicht zufrieden.

Wenn ich in der Bibel im 2. Buch Mose diese Geschichte verfolge, erkenne ich, dass Gott nie Mangel zugelassen hatte. Dass er die Menschen ausreichend versorgt hatte. Die Wüste war dazu da, ein Volk, das Gott weniger kannte als es dachte, mit ihm bekannt zu machen. Er wollte ihnen zeigen, wie ein Leben mit Gott aussieht.

Das Problem lag also nicht bei Gott.

Wo lag dann das Problem? Es lag bei den Menschen des Volkes. Sie hatten jahrelang in Angst gelebt und wurden zum Schluss arg ausgebeutet und misshandelt. Gott führte sie gegen den Widerstand der Ägypter aus diesem Land heraus. Er hatte die Hoffnung, dass sie ihrem Befreier dafür dankbar wären und ihm vertrauen würden. Er hatte ihnen überdies ein neues Land versprochen, in dem sie als freie Menschen leben konnten.

Dem war leider nicht so. Sehr schnell vergaßen sie diese Rettung und wollten bei den ersten Problemen gleich wieder zurück nach Ägypten. In die Sklaverei. Sie misstrauten Mose, der sie in Gottes Auftrag durch die Wüste geführt hatte. Sie misstrauten Gott, der es ihrer Meinung nach nicht gut mit ihnen meinte. Sie misstrauten sich auch untereinander, waren zerrissen und gespalten. Sie wollten weder Mose, noch wollten sie Gott. Der Gipfel: Sie schufen sich ein goldenes Kalb, das sie verehrten. Es kam an Gottes Stelle. Kann man Gott noch mehr beleidigen?

Was sagen Sie dazu? Kommt Ihnen dieses Verhalten der Israeliten damals bekannt vor? Wie oft lassen sich die Probleme und Tragödien unserer Zeit auf diese menschlichen Verhaltensweisen zurückführen? Wie oft sind Verhaltensweisen wie Stolz, Gier, Eigensinn, Überheblichkeit, Misstrauen, Lieblosigkeit, Egoismus, Unbarmherzigkeit und Verlogenheit Ursachen für das menschliche Elend in der ganzen Welt?

„Wo der Mensch auftaucht, da gibt es Ärger und Probleme“ - so kann ich verkürzt die Sache auf den Punkt bringen.

Wie ist Gott weiter mit den Israeliten verfahren? Was wäre eine gerechte Strafe für Misstrauen, Beleidigung und Ablehnung Gottes gewesen, nachdem sie seine Freundlichkeit mit Füßen getreten hatten? Sie sagen es, oder denken es sich vielleicht: Ein für alle Mal Schluss machen mit solchen Leuten.

Aber: Gott handelte anders: Die damalige Wüstengeneration kam nicht weiter. Sie starben eines natürlichen Todes in der Wüste. Die nächste Generation hatte dann neu dazugelernt. Sie fingen an, Gott zu vertrauen und entwickelten eine geistliche Einsicht darüber, wer Gott war und was er zu tun vermochte. Sie lernten aus dem Fehlverhalten ihrer Eltern. Die Erkenntnis setzte sich langsam durch, dass nur Gott selbst sie in das verheißene Land bringen konnte. Nur mit ihm konnten sie dort Ruhe finden. Nur mit ihm konnten sie die Widerstände und Kämpfe überwinden und bestehen, die sie auf ihrem Weg antrafen. Sie erkannten: Ohne Gott haben wir als Volk und auch als einzelne Menschen keine Chance.

Wie denken Sie darüber? Wo sehen Sie Ihre Chance?

 

Autor: Werner Karch

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Gott hat das letzte Wort

Das Bibelwort für heute war ursprünglich an das Volk Israel gerichtet. Um das Jahr 600 vor Christus wurden die Israeliten als Gefangene nach Babylon ins Exil gezwungen, in eine heidnische Umgebung, wo sie der Willkür ihrer Feinde ausgesetzt waren. Sie waren auch noch selbst daran schuld. Es vergingen Jahre, bis Gott seinem Volk in Aussicht stellte, dass es wieder zurückkehren werde nach Jerusalem. Gott sprach im selben Atemzug die Nationen an – also alle Völker, alle Menschen. Er will sein Recht zum Licht der Völker machen. Sein Recht – denn in dieser Welt geht es nicht gerecht zu.

Im Buch Jesaja, Kapitel 51, Vers 5, stellt Gott ein Dreifaches in Aussicht: „Meine Gerechtigkeit ist nahe, mein Heil tritt hervor, und meine Arme werden die Völker richten.“ (Jesaja 51,5)

Meine Gerechtigkeit ist nahe. Damit fordert Gott erst einmal die Angehörigen des Volkes Israel auf, nach vorne zu schauen auf das, was er tun kann. Sie kennen die Verheißungen Gottes, die sie betreffen. Er hat einen Plan mit Israel und mit dieser Welt.

In unserer Zeit wird viel darüber gesprochen, unsere Erde zu retten - und es gibt darüber unterschiedliche Ansichten. Selbst wenn das Schlimmste passieren würde, wenn wir diese Erde nicht retten könnten – dann wäre Gott immer noch auf dem Plan, und was Gott mit dieser Welt vorhat, das ist gerecht. Nach Gottes Plan sollten die Menschen ordentlich mit dieser Erde umgehen. Nach Gottes Plan sollten die Menschen ihm die Ehre geben. Sie sollten die Nähe Gottes suchen. Stattdessen wollen viele Menschen von Gott nichts wissen.

Die Frage ist schon: Rechnen wir mit Gottes Nähe, mit Gottes Möglichkeiten? Wir können nach vorne schauen auf das, was Gott tun kann in unserem Leben, in dieser Welt. In der Bergpredigt hat Jesus uns viele praktische Beispiele hinterlassen, wie wir Menschen gerecht miteinander umgehen sollen.

Und nun, wenn es um Gottes Gerechtigkeit geht, wagen wir einen Blick in die Zukunft. Gott fordert auf zum Schauen. Diese Erde wird einmal vergehen. Gott wird einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. Dann wird seine Gerechtigkeit die Welt regieren und Gottes Ehre wiederhergestellt sein.

Gottes Heil tritt hervor. Wie sehnten sich die Juden danach, wieder nach Jerusalem zurückkehren zu können. Diese Sehnsucht sollte sich erfüllen. An Weihnachten ist der Heiland der Welt in Israel geboren worden. Wie sehnen sich heute viele Menschen nach einer heilen Welt. Diese Sehnsucht kann nur Gott stillen. Aber bei Gott steht diese heile Welt auf dem Plan, wenn er sagt: „Mein Volk, mein Recht, mein Heil.“ Das gilt für das Volk Israel – das gilt für die Nationen.

Lange vorbereitet, durch die Propheten im Alten Testament angekündigt, kam Gottes Heil in diese Welt – für alle Menschen. In der Bibel steht: „Das Heil kommt von den Juden.“ Jesus, der Sohn Gottes, war jüdischer Abstammung. Er wurde in Israel in Bethlehem geboren. Er ist der Heiland der Welt und starb für die Sünde aller Menschen. Durch Jesus tritt Gottes Heil in unser Leben, und wir kommen in eine lebendige Beziehung mit Gott. Gott wartet mit offenen Armen, dass wir zu ihm kommen und dieses Heil annehmen.

Drittens – meine Arme werden die Völker richten. Gott hat einen Zeitpunkt, wo er dem Durcheinander religiöser Vorstellungen und der Ungerechtigkeit in dieser Welt ein Ende setzen wird. Gottes Recht wird zum Licht der Völker und alle Ungerechtigkeit kommt ans Licht. Mit Richten ist auch „zurechtrichten“ oder „zurechtbringen“ gemeint. Gott hat das letzte Wort.

Autor: Siegfried Skubski

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Ein Engel als Botschafter

Viele Menschen glauben an Engel. Und mir fällt dazu eine Begebenheit aus der Zeit meiner Bibelschulausbildung ein. Die Bibelschule führte regelmäßig Trauerfeiern durch. Nach einer solchen Trauerfeier wollte der Leiter unserer Bibelschule gerade mit seinem Auto losfahren, da sah er in letzter Sekunde, wie der Gärtner eine fast menschengroße Engelsfigur entsorgen wollte. Er stieg aus, redete mit dem Gärtner und siehe da, der Engel landete im Kofferraum des Autos und bekam auf dem Gelände der Bibelschule einen schönen Platz.

Im Bibelwort für heute geht es nicht um eine von Menschen gemachte Engelsfigur, sondern um einen richtigen Engel, und der hat seinen Auftritt am Ostermorgen auf einem Friedhof. Dort, wo zwei Tage vorher Jesus provisorisch bestattet worden ist. Wir lesen im Matthäusevangelium: „Der Engel sprach zu den Frauen: Geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen.“

Ein Engel im Einsatz. In der Bibel nehmen Engel einen wichtigen Platz ein. Engel sind Geistwesen und zählen zu einer anderen Dimension in Gottes Schöpfung. Sie unterliegen anderen Gesetzmäßigkeiten, haben ein viel größeres Wissen und mehr Macht als Menschen. Und sie können sich sichtbar machen, sich den Menschen zeigen. Engel sind dienstbare Geister. Sie dienen Gott und sie dienen den Menschen.

In unserem Text kommt der Engel zu den Frauen. Die müssen sich furchtbar erschrocken haben, denn der Engel sagt ihnen, sie sollen sich nicht fürchten.

Ein Auftrag für die Frauen. Der Engel wusste ganz genau, wen die Frauen suchten. Jesus, den Gekreuzigten. Allein diese Bezeichnung lässt keine Zweifel übrig. Sie hatten die Kreuzigung Jesu miterlebt und gesehen, dass er gestorben und ins Grab gelegt worden war. Nun ja, der Grund, warum die Frauen zum Grab kamen – sie wollten den Leichnam Jesu salben, wie es im Judentum Brauch war. Sie hatten keinen Gedanken daran, dass das Grab leer sein könnte – warum auch? Sie suchten Jesus, den Gekreuzigten. Der Engel sagte ihnen: „Er ist nicht hier.“ – Nicht da, wo man Jesu Leichnam hingelegt hatte. Dabei hätte jeder ihn in diesem Grab vermutet.

Übrigens war das Grab versiegelt und von Soldaten bewacht worden, nachdem Jesus hineingelegt worden war. Dem Evangelisten Markus zufolge haben sich die Frauen auf dem Weg zum Grab Gedanken gemacht, wer ihnen wohl den schweren Stein vom Grab wegwälzen würde.

„Er ist nicht hier.“ Diese Worte klingen wie ein Donner aus der Ewigkeit. Jesus ist nicht mehr im Grab zu suchen. Die Aufgabe für die Frauen änderte sich. Sie sollten nun den anderen Jüngern sagen, was geschehen war.

Es ist Eile geboten. Manchmal hat Gott es ganz schön eilig, wenn es um die himmlischen Botschaften und die Rettung von Menschen geht. Die Frauen sollen sich beeilen und den Jüngern sagen, dass Jesus auferstanden ist. Das soll die ganze Welt erfahren. Sagt den Menschen, dass Jesus lebt. Der Engel erinnert die Frauen daran, dass Jesus seine Auferstehung vorausgesagt hatte und nun hatten sie sich selbst davon überzeugen können.

Mit der Auferstehung Jesu schafft Gott die Tatsache, dass sich nun alles verändert. Mit großer Freude zogen die Frauen los, um den Jüngern die großartige Nachricht zu überbringen: Jesus lebt, er ist wahrhaftig auferstanden!

Und dann haben die Jünger Jesus, den Auferstandenen, tatsächlich gesehen. Diese Begegnungen mit dem auferstandenen Herrn stärkte den Glauben der Jünger. Und was ist mit uns heute?

Wir sehen den Auferstandenen nicht von Angesicht zu Angesicht, aber wir können den Schilderungen der Jünger vertrauen. Damit kann auch unserem Glauben Kraft und Stärkung zukommen.

Autor: Siegfried Skubski

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Kein Ende der Dunkelheit?

"Siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir." - So steht es heute im Herrnhuter Losungsbuch. Viele kennen diesen Vers aus Jesaja, Kapitel 60, Vers 2. Zu Weihnachten gehört er zu den zentralen Prophetien über Jesus. Aber heute ist Ostern, das herrliche Fest der Auferstehung. Was soll da dieser Weihnachtsvers?

Also finster war es auch nach Karfreitag. Die konkrete Hoffnung der Jünger und die heimliche Hoffnung auf Veränderung bei vielen Zeitgenossen Jesu waren hingerichtet. Zur Sterbestunde Jesu verfinsterte sich sogar der Himmel. Alles Aufkeimen von barmherzigerem Umgang miteinander, das Aufblühen von Gerechtigkeit und Wahrheit, die Hoffnung von besiegbarer Krankheit hingen am Kreuz. Und wer unter dem Hinrichtungsbalken Jesu an die Jesajastelle dachte, wusste, er hat sich getäuscht, er ist einem falschen Versprechen aufgesessen – oder noch härter: Gott hat gelogen. Nichts mit Ende der Dunkelheit, nichts mit Sieg über die Finsternis, die Realität ist dunkler als alles Bisherige.

Von solchen bedrückenden Gedanken erfüllt sind drei Frauen am Ostermorgen unterwegs zum Grab. Sie wollen Jesus balsamieren und noch einmal die bittere Erfahrung spüren, dass die Finsternis doch stärker ist als das Licht. Und da stellt sich ihnen eine Lichtgestalt vor, ein Bote Gottes, ein Engel. Und er redet davon, dass die Finsternis des Todes ihre Macht verloren hat. Der Tote lebt, das Leben hat gesiegt; Jesus ist auferstanden, Hoffnung für alle Völker der Erde, Licht der Herrlichkeit Gottes für alle Welt.

In unserer vorigen Gemeinde wollten wir Ostern besonders feiern, ein Fest von der Finsternis zum Licht. Nach einer Osternachtwanderung mit Stationen und Gebeten kam die Gruppe noch vor dem Morgengrauen im Pfarrgarten an. Ein Osterfeuer wurde entzündet (schon die Wärme tat allen gut) und dann ging es in die noch dunkle Kirche. Die Gemeinde, die nicht mit unterwegs war, wartete in der unbeleuchteten Kirche. Eine Kerze mit dem Licht vom Feuer war dabei und dieses Licht wurde nun weitergegeben von Besucher zu Besucher und jeder entzündete ein Teelicht für sich.

Diese Lichter wurden dann auf dem Altarplatz auf ein großes Holzkreuz gestellt. Schließlich erleuchtete ein Lichtermeer von Kerzen die Kirche und jedem war klar: Das Kreuz Jesu – mag es auch noch so furchtbar und finster gewesen sein – es wurde zum Licht der Welt.

ein Wunder, dass sich im kommenden Jahr die Konfirmanden gewünscht haben, an so einem Ostermorgen konfirmiert zu werden.

Autor: Albrecht Kaul

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„Die ist für mich gestorben!“

„Die ist für mich gestorben“, so eine ältere verbitterte Frau über ihre Schwiegertochter. Es hatte irgendwann einen langanhaltenden Streit gegeben und der ist mit der Zeit in blanken Hass übergegangen. Nichts wollte die Frau mehr mit ihrer scheinbar so missratenen Schwiegertochter zu tun haben.

Manchmal haben wir vielleicht ähnlich abwertende Meinungen über andere Menschen, dass sie für uns wie gestorben seien. Abbruch der Kontakte, keine Beziehung mehr, kein Versuch, hier irgendetwas zu kitten. Wir bezeichnen den anderen als tot – und doch lebt der quicklebendig und vielleicht von unserer Meinung völlig unbeeindruckt.

Petrus schreibt in seinem Brief an die christliche Gemeinde: „…damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben.“ Wenn ich das mit dem Sprachgebrauch von heute übersetze, dann lese ich: Die Sünde ist für mich gestorben. Ich will mit ihr nichts mehr zu tun haben. Sie hat mich so enttäuscht, dass ich die Verbindung zu ihr abbreche. Ich verbiete ihr jegliche Kontaktaufnahme mit mir.

Kann ich so mit Sünde umgehen? Ja, im übertragenen Sinn genau so! Sünde hat das Existenzrecht in meinem Leben verloren, weil Jesus am Kreuz ihr das Recht genommen hat, mein Leben zu bestimmen und mich auf die schiefe Bahn zu bringen. Er, Jesus, hat ihre zwingende Macht gebrochen und ich brauche sie nicht mehr als Teil meines Lebens zu betrachten.

Klar, sie ist sehr lebendig und versucht immer wieder mit mir anzubandeln. Nur ich muss mir immer wieder klar werden, dass sie kein Gewohnheitsrecht in meinem Leben hat.

Da darf ich mich auf Jesus berufen, der mit seinem Tod am Kreuz den Kampf gegen die Sünde aufgenommen und dort am Holz gegen die Sünde gesiegt hat. Wir leben nicht mehr im Zwang der Sünde, sondern um Gottes Barmherzigkeit und sein Heil in unserer Umgebung und auf dieser Welt zu leben und bekanntzumachen.

Der gesamte Vers 24 heißt so: „Christus hat unsere Sünde selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben.“ Von der holländischen Evangelistin Corry ten Boom wird zum Kampf gegen die Sünde sinngemäß erzählt: „Immer wenn die Sünde bei mir an der Tür klingelt, schicke ich Jesus nach draußen und sage, da ist jemand für dich.“

Autor: Albrecht Kaul

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Was ist angesagt?

Heute ist Karfreitag. Christen erinnern einander an das Leiden und Sterben Jesu. Am Kreuz von Golgatha ist er hingerichtet worden. Die Kreuzigung erscheint wie die Strafe für einen Schuldigen. In Wahrheit gibt ein Unschuldiger freiwillig sein Leben hin. Er tut es, um andere zu retten. Im 1. Petrusbrief wird das, was das Kreuz Jesu bedeutet, so beschrieben:

„Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.“

Einige Jahre sind seit dem Tod Jesu vergangen. Viele Menschen sind zum Glauben an Jesus Christus gekommen. Viele Gemeinden sind entstanden, weit über Jerusalem und Samaria hinaus. Doch hat sich nicht nur die Zahl der Christen und der Gemeinden verändert, sondern auch das Verhalten der Umwelt und der Obrigkeit ihnen gegenüber. Die Christen brauchen Zuspruch und Ermutigung wieder ganz neu. Oder werden sie ermahnt? Sollen sie nicht vergessen, was Jesus vollbracht hat? Sollen sie nicht wieder zu Menschen werden, die wie Schafe ohne Orientierung sind? Sollen sie weiterhin dem guten Hirten vertrauen und sich an Jesus halten?

Durch ihre Beziehung zu Jesus Christus haben sie jemanden, der auf sie achtet und sie behütet. Zwar kann es sein, dass ihr Leib getötet wird, dies stellt Jesus seinen Jüngern vor Augen, als er sie aussendet, das Evangelium zu den Menschen zu bringen. Dabei will er sie gerade nicht ängstigen, vielmehr ermutigen, indem er ihnen sagt: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, aber die Seele nicht töten können!“ (Mt. 10,28)

Mit der Seele ist der Mensch als Individuum und Persönlichkeit gemeint. Die Seele wird bewahrt. Es gibt nämlich den Hüter, der auf jeden Einzelnen achtet. Das griechische Wort an dieser Stelle wird in manchen Bibelübersetzungen mit Bischof wiedergegeben. Doch die einfache und wörtliche Bedeutung lautet: Aufseher. Ich weiß, dass dieses Wort auch wieder unterschiedliche Empfindungen weckt und wie die Bezeichnung Bischof als strenger Bewacher und Kontrolleur wahrgenommen werden kann. Doch ich denke, wir dürfen es dagegen ganz schlicht auffassen und sagen, da ist jemand, der auf uns sieht, auf uns achtet. 

So höre ich auch das Gebet, an das ich mich gerade an dieser Stelle erinnere. Ich denke an Psalm 121. Ein Beter bekennt: „Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht!“ Für die Christen und Gemeinden zur Zeit des 1. Petrusbriefes, in der Zeit der Verfolgung, ist es eine wichtige Ermutigung, sich an Jesus, den Retter, halten zu können.

Gerade dann, wenn sie bedrängt, angefeindet und verfolgt werden, ist es angesagt, bei dem Hirten und dem Beschützer ihrer Seelen zu bleiben. Zu ihm sind sie ja mal umgekehrt und bei ihm sind sie immer noch geborgen.

Autor: Pastor Ralf Schöll

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Kein leichter Lobgesang

„Als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.“ Das hört sich so beschaulich und friedlich an. Mich erinnert diese Beschreibung ein wenig an eine Familienidylle. So kenne ich es in etwa von Besuchen meiner erwachsenen Kinder mit ihren Familien. Wir haben gemeinsam gegessen, singen vielleicht noch ein Lied und dann gehen wir hinaus zu einem kleinen Spaziergang.

Das klingt, wie gesagt, sehr harmonisch und freundlich, doch wird diese Vorstellung der Situation und Lage, in der Jesus sich befindet, überhaupt nicht gerecht. Voraus geht zwar auch eine gemeinsame Mahlzeit, aber Jesus ergreift dabei die Gelegenheit, nochmals von seinem Leiden und Sterben zu sprechen.

eim Abendessen mit seinen Jüngern nimmt er Brot und Kelch und sagt vor dem Austeilen etwas völlig Neues. Brot und Kelch deutet er als Zeichen für seinen Leib und sein Blut. Er weist damit darauf hin, dass er sein Leben in den Tod gibt. Und dann sagt er auch noch vor dem Anstimmen des Lobgesangs: „Wahrlich, ich sage euch, dass ich hinfort nicht trinken werde vom Gewächs des Weinstocks bis auf den Tag, da ich´s neu trinke in dem Reich Gottes.“ (Mk. 14,25)

Ob die Jünger den Lobgesang wirklich so gesungen haben, wie einen Jubel über das, was Jesus vollbringen wird; ein Lied als Lobpreis auf das Reich Gottes, das in der Herrlichkeit vollendet dasteht und wie ein Hochzeitsfest gefeiert wird? Ich denke - kaum. Sie erfassen die Situation nicht recht, wie der Fortgang zeigt. Jesus braucht den Ölberg als weitere Station nach der Mahlfeier, um sich auf das vorzubereiten, was auf ihn zukommt. Er braucht das Gebet im Garten Gethsemane, die Nähe zum Vater im Himmel. Er braucht die Gewissheit, dass hier der Wille des Vaters geschieht.

Die Jünger aber schaffen es nicht, in dieser Gebetszeit zu wachen, sie schlafen ein. Obwohl Petrus noch kurz zuvor vollmundig verspricht, Jesus nicht zu verlassen, ja mehr noch, sogar bereit zu sein, für Jesus zu sterben. So schnell ist das Verlassen nun doch passiert, in der einfachsten und leichtesten Art und Weise, nämlich einzuschlafen. Im Blick auf Petrus ist zu sagen, er scheitert bereits durch Einschlafen, was ja allenfalls eine Vorstufe, ein kleines Abbild des Todes ist. So ist dies alles andere als idyllisch oder harmonisch.

Hier ringt einer um die entscheidenden Schritte, und das ist wahrlich kein leichter Weg, erst recht kein Spaziergang. Jesus geht diesen Weg allein. Beim Lobgesang und am Ölberg sind sie noch gemeinsam unterwegs, aber dann beim Gebet im Garten Gethsemane gehen die Wege auseinander. Zunächst ziehen die Jünger sich im Schlaf zurück und dann schließlich völlig. Während Jesus am Kreuz stirbt, sind seine Jünger endgültig geflohen und haben sich irgendwo eingeschlossen. Jesus stirbt allein. Und das ist auch gut so: einer für alle. Er trägt die Schuld der ganzen Welt.

Jesus ist für Sie und mich gestorben, um uns mit Gott zu versöhnen. Morgen an Karfreitag erinnern wir uns an den Todestag Jesu. Christen feiern die Vergebung, die Gott uns schenkt, indem Jesus für uns eintritt und mit seinem Leben unsere Schuld bezahlt.

 

Autor: Pastor Ralf Schöll

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Tür in die Zukunft

Wir leben in einer absoluten Kommunikationsgesellschaft. Radio, Fernsehen, Internet, soziale Netzwerke – wohl noch nie in der Geschichte hat eine Gesellschaft so viel geredet, gesendet, gepostet und getwittert. Und doch fehlen den Menschen unserer Zeit manchmal an wichtigen Stellen die Worte. Manchmal fehlen uns Worte der Anteilnahme oder des Trostes oder der uneingeschränkten Ermutigung. Und: Uns fehlen Worte der Buße.

Unsere Zeit hat es verlernt, sich heilsam mit Schuld auseinanderzusetzen. Ja, natürlich: Man „distanziert“ sich von früheren Aussagen, die man heute bereut. Oder man „entschuldigt sich“ – als könne man im Alleingang Schuld abstreifen ohne Mitwirkung dessen, an dem man schuldig geworden ist. Aber solche Worte machen Buße billig und beiläufig. Wenn ich Buße so verstehe, nehme ich ihr die heilsame Kraft – und damit mir selbst die Chance auf einen neuen Weg.

Aber wo uns Worte fehlen, können wir uns welche leihen. Von Menschen, die in Worte fassen konnten, was wir selbst nicht ausdrücken können. Eine solche Ressource sind die Psalmen in der Bibel: Seit vielen Jahrhunderten finden sich Menschen in den Worten dieser Gedichte und Lieder wieder.

Worte der Buße finden wir zum Beispiel in Psalm 51: Der alttestamentliche König David hat diesen Psalm gedichtet, nachdem er seine Macht missbraucht hatte, um mit der Ehefrau seines Nachbarn zu schlafen. Als die Sache aufzufliegen drohte, schickte er den Nachbarn in den Tod auf das Schlachtfeld. Angesichts solcher Schuld kann sich David nicht einfach „distanzieren“, er kann sich nicht einfach „entschuldigen“. David braucht einen besseren, heilsamen Weg in die Zukunft: Buße.

Und die Buße Davids beginnt damit, dass er in Psalm 51 seine Schuld anerkennt und sie beim Namen nennt – Vers 5: "Ich erkenne meine Vergehen, und meine Sünde ist mir ständig vor Augen." Und mit dieser drückenden Schuldenlast wendet sich David an Gott, an die höchste Autorität in seinem Leben. Er erklärt nichts, er rechtfertigt nichts, er sagt Gott, was Sache ist – Vers 6: "Gegen dich allein habe ich gesündigt, ja, ich habe getan, was in deinen Augen böse ist." (NGÜ)

Und dann – und dann erst - wendet sich Davids Blick. Weg von dem, was passiert ist und was David nicht mehr ändern kann. Hin zu dem, was in Zukunft werden soll. David bittet Gott um Erneuerung, angefangen bei seinem innersten Ich, das im hebräischen Denken im „Herz“ verortet wird. David wörtlich – ab Vers 12: "Erschaffe in mir ein reines Herz, o Gott, und gib mir einen neuen, gefestigten Geist. Schick mich nicht weg aus deiner Nähe, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Lass mich wieder Freude erleben, wenn du mich rettest. Hilf mir, indem du mich bereit machst, dir gerne zu gehorchen." (NGÜ)

So klingen Worte der Buße.

Am Beispiel Davids kann ich heute, viele Jahrhunderte später, lernen, was Buße wirklich ist: Im Gebet Gott als höchster Autorität des Lebens benennen und bekennen, was war. Und im Gebet vor Gott um Hilfe bitten auf dem Weg in die Zukunft.

Und von David kann ich in Psalm 51 auch lernen, wie dieser Gott ist, der mich durch meine Buße begleitet: Reich an Gnade und großer Barmherzigkeit - Vers 3. Ein Retter – Vers 16. Ein Gott, der ein zerbrochenes und verzweifeltes Herz nicht zurückweist – Vers 19.

Wenn Gott wirklich so ist – dann ist Buße am Ende nichts Bedrohliches. Sondern eine Tür, die aus Schuld herausführt in eine neue, positive Zukunft.

Eine Tür, durch die auch Sie und ich heute gehen können.

Autor: Dr. Jörg Dechert

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Wissen um eine größere Welt

Wenn ich mich mit Atheisten über Gott unterhalte, höre ich früher oder später folgende Argumentation: „Gott ist eine Erfindung. Er wurde erfunden von Menschen, die sich Blitz und Donner nicht erklären konnten. Von Menschen, die Angst hatten vor der nächsten Sturmflut oder Hungersnot. Heute können wir wissenschaftlich erklären, wie diese Dinge zusammenhängen. Damit ist Gott hinfällig als Erfindung von ängstlichen Menschen, die es nicht besser wussten.“ So hat der Philosoph und Religionskritiker Ludwig Feuerbach im 19. Jahrhundert argumentiert, und so argumentieren Atheisten im Wesentlichen noch heute.

Und die Beobachtung ist ja nicht falsch: Besonders in Angst, Sorge und Gefahr fragen Menschen nach einer höheren Macht. Aber Atheisten konstruieren aus dieser Beobachtung einen Zirkelschluss – also einen Gedankengang, der etwas zu beweisen versucht, das er als Voraussetzung bereits vorneanstellt. „Es gibt keinen Gott, also erfinden die Menschen in ihrer Not einen, weil sie sich dann nicht so ausgeliefert fühlen, also ist Gott nur eine Erfindung, also gibt es ihn gar nicht.“ Ein klassischer Zirkelschluss - ohne jede Beweiskraft.

Auch im Neuen Testament finde ich die Beobachtung, dass Menschen in Angst, Sorge und Gefahr Gott um sein Eingreifen bitten. Aber im Gegensatz zu Atheisten gehen die Autoren der Bibel davon aus, dass es diesen allmächtigen, unsichtbaren Gott wirklich gibt. Weswegen es für sie ja überhaupt erst sinnvoll ist, ihn um Hilfe zu bitten. Aus ihrer Sicht ist es der Atheist, der in einer Traumwelt lebt, in einer künstlich klein gedachten Welt, die Gott ausblendet, der Teil einer größeren, unsichtbaren Wirklichkeit ist. Diese größere, unsichtbare Wirklichkeit nicht nur für möglich zu halten, sondern im Alltag mit ihr zu rechnen, sich in den Höhen und Tiefen des Lebens auf den allmächtigen, unsichtbaren Gott zu verlassen – das nennt die Bibel z. B. Glaube.

Das Neue Testament berichtet, wie Jesus immer wieder seine Freunde zu einem solchen Glauben eingeladen und herausgefordert hat. Zum Beispiel hier, im Markusevangelium, Kapitel 4.

Die ganze Truppe ist mit einem Boot auf dem See Genezareth unterwegs. Die Jünger rudern, Jesus schläft. Plötzlich bricht ein heftiger Sturm los, die Wellen schlagen ins Boot, es beginnt sich mit Wasser zu füllen.

Unter den Jüngern sind erfahrene Fischer, die ihr halbes Leben auf diesem See verbracht haben. Aber selbst sie wissen sich nicht mehr zu helfen. Also wecken sie Jesus, schreien ihn über dem Tosen des Sturms an: Jesus, macht es dir nichts aus, dass wir umkommen?

Jesus steht auf, weist den Wind in seine Schranken und befiehlt dem See: »Schweig! Sei still!« Da legt sich der Wind, und es tritt eine große Stille ein. Und dann, in Vers 40, erinnert Jesus seine Freunde an die größere, unsichtbare Wirklichkeit Gottes, die sie die ganze Zeit über umgeben hat, indem er sie fragt:

„Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr immer noch keinen Glauben?“ (NGÜ)

Jesus weiß mit absoluter Gewissheit, dass sich unser menschliches Leben in jeder Sekunde in Gottes Hand befindet. Dass wir jeden Tag in Gottes Nähe und unter seiner Zuwendung leben könnten, wenn wir das wollten. Dass unsere sichtbare Welt – die, in der Stürme toben und in der wir Angst haben, und in der es manchmal Gott gar nicht zu geben scheint – in Wahrheit eingebettet und geborgen ist in der größeren, unsichtbaren Wirklichkeit Gottes.

Darauf zu vertrauen - das ist Glaube. Darauf vertrauend zu leben, das will ich lernen.

Autor: Dr. Jörg Dechert

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