ERF Plus - Wort zum Tag

Tun, was Gott von mir will

Nicht weit von unserem Haus ist ein Spazierweg, der durch ein Naturschutzgebiet führt. In diesem Gebiet ganz nahe am See wachsen alle Arten von Naturblumen, Gräser und Sträucher wild.

Verschiedene Vögel leben in den Sträuchern. Immer wieder sehen wir Schwäne, Störche und Graureiher, die dort herumstolzieren und ihr Futter suchen. Es gibt aber auch Füchse, Marder, Schlangen und Igel in diesem Reservat. Damit dieses Gebiet möglichst geschützt bleibt und die Tiere in Ruhe leben können, wurden verschiedene Verbotsschilder angebracht: Auf dem Weg ist Fahrradfahren oder reiten verboten und man muss die Hunde an die Leine nehmen. Auch sollen die Spaziergänger auf dem Weg bleiben und nicht durch das Naturschutzgebiet laufen.

Leider beobachten wir auf unseren Spaziergängen immer wieder Menschen, die ihre Hunde ins Naturschutzgebiet hetzen oder selber durch das hohe Gras stampfen. Ganz zu schweigen von den vielen Fahrradfahrern, die trotz Verbotsschildern munter und ohne Skrupel sogar auf E-Bikes auf dem Spazierweg durchfahren. (Zum Glück gibt es aber auch viele Spaziergänger, die sich an die Regeln halten.) Trotzdem fragen wir uns oft: „Wofür sind eigentlich die Verbotsschilder da?“.

Das Missachten von Verbotsschildern ist kein neues Phänomen. Seit Beginn der Menschheit ist es normal, Gebote und Verbote zu verschmähen. Der heutige Bibelvers spricht auch von diesem Übel. Schon zur Zeit des Alten Testamentes musste der Prophet Hosea als Sprachrohr Gottes dem ungetreuen Volk Israel Gottes Gericht verkündigen. Das war ganz und gar kein einfacher Auftrag für Hosea.

Gott klagt in Hosea Kapitel 8, Vers12: „Wenn ich auch noch so viele meiner Gebote aufschreibe, so werden sie doch geachtet wie eine fremde Lehre.“ Zehntausendmal hätte Gott dem Volk sagen können, was er von ihnen möchte und was ihnen guttun würde, aber das Volk wollte es nicht hören. Was Gott ihnen sagte, entsprach nicht ihrem Denkschema, es tönte in ihren Ohren fremd. Lieber wollten sie weiter an ihren gewohnten Ritualen festhalten, also ohne Gottes Gebote leben, anstatt umzukehren.

Mich schmerzt so ein Vers.

Wieviel mehr hat es Gott geschmerzt, dass sein geliebtes Volk so uneinsichtig war. Leider sind auch wir immer wieder in der Gefahr, nicht anders zu denken und zu handeln als das Volk Israel. Gottes Gebote sollen uns Menschen helfen, göttliche Wertmaßstäbe, sprich eine göttliche Sicht, für unseren Lebensalltag einzuüben.

Gott meint es gut mit uns und ER will uns durch seine Gebote z.B. vor falschen Entscheidungen bewahren, die Auswirkungen auf unser ganzes Leben haben können. Weil es Gott geschmerzt hat, dass der Mensch lieber seine eigenen Wege gehen wollte, hat er Jesus auf diese Erde geschickt. Jesus hat genau diesen Ungehorsam von mir und der ganzen Welt ans Kreuz getragen. Genau deshalb, weil ich als Mensch lieber meine eigenen Regeln aufstellen würde, als Gottes Geboten zu folgen, musste Jesus sterben.

Aber dank Jesus kann ich zu Gott kommen und um Vergebung für meinen Ungehorsam bitten. Ich möchte Gottes Gebote ernst nehmen, gerne danach handeln und leben. Deshalb ist mein Gebet heute: „Jesus, danke für deine Gebote, die mir helfen, dass es mir gut geht im Leben. Ich will von ganzem Herzen das tun, was du von mir haben möchtest.“

 

Autor: Ruth Bai-Pfeifer

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Hosianna – Herr hilf!

Das heutige Datum erinnert mich an den Starttag eines Großevents vor genau 50 Jahren. Vom 5. – 12. April 1970 fand die Großevangelisation Euro70 statt. Als Evangelist wurde der amerikanische Prediger Dr. Billy Graham engagiert. Von Dortmund aus wurde die Veranstaltung in viele Städte Europas live übertragen. Das war damals ein Riesending!

Die Vorarbeiten und die technischen Herausforderungen waren enorm. Ich war damals ein Teenager – und ich durfte die Vorbereitung für diesen Großanlass hautnah miterleben. Mein Vater war verantwortlich für 4 Übertragungsorte in Österreich und einen in Zagreb. Die ca. 2 Jahre Vorbereitung prägten unser Familienleben. Die abendlichen Veranstaltungen, die Musik und die packenden Predigten von Billy Graham haben lebenslange Spuren in meinem Glaubensleben und in dem meiner Geschwister hinterlassen.

In unserer heutigen Bibellese wird auch ein großer Glaubensevent beschrieben. Es war ein Fest im Tempel in Jerusalem angesagt. Und es war nicht nur irgendein Fest, es ging um ein ganz großes Fest: das Passafest, das die Erinnerung an den Auszug aus Ägypten bei den gläubigen Juden Jahr für Jahr wachhalten sollte!

Mit großer Erwartung und nach vielen Vorbereitungen pilgerten ganze Sippen tagelang in Richtung Jerusalem. Schon nur das angesagte Fest und die Dankbarkeit für Gottes Leiten und Bewahren beim Auszug aus Ägypten waren Grund zur Teilnahme an diesem Event. Aber in diesem Jahr wurde alles getoppt, was bisher so ein Fest ausgemacht hatte! Als sie in Jerusalem angekommen waren, breitete sich die absolute Neuigkeit aus: Jesus kommt zum Fest! Jesus wird dabei sein! Wir können ihn hautnah erleben! Jesus, der phantastische Prediger, der große Heiler, der Sohn Gottes!

Sofort wurden große Erwartungen geweckt! Unser Text beschreibt das ganze Geschehen in Johannes 12, 12-13: „Als die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!“

Dass Jesus zum Fest kam und zum Greifen nah war, das begeisterte das Volk. Die Leute waren richtig aufgeregt und total euphorisch! Sie riefen „Hosianna“, was so viel bedeutet wie „Hilf“ oder „rette doch!“! Es war ein Fleh- und Jubelruf an Gott. Sie lobten Jesus als den König Israels. Das ist doch Lobpreis auf der höchsten Stufe! Ich glaube, dass die Leute in dem Moment wirklich glaubten, was sie da lauthals riefen.

Aber wir wissen, wie die Geschichte weiterging. Schon wenige Tage später riefen dieselben Leute: „Kreuzige, kreuzige ihn“! Was für ein Gegensatz! So schnell kann sich Lobpreis in Spott, bis hin zur Ablehnung von Jesus, verwandeln!

Mein Fazit: Dank einer Begegnung mit Jesus dürfen wir zu Menschen werden, die immer wieder aus tiefstem Herzen dieses „Hosianna“ ausrufen: „Herr hilf!“. Rufen Sie heute mutig „Hosianna, Jesus hilf mir - in meiner Situation!“ ER wird es tun! Ich habe das erlebt – diese Glaubensgrundlagen, die durch die Euro70 gelegt wurden, haben mein ganzes Leben bis heute geprägt!

 

Autor: Ruth Bai-Pfeifer

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Wo ist denn euer Gott?

Wo ist denn euer Gott?

Die Geschichte von Israel wirft immer wieder Fragen auf. Die ganze Welt schaut einerseits staunend und andererseits skeptisch auf dieses Volk. Wie kann Israel, umgeben von lauter Feinden, überhaupt bestehen? Zu biblischen Zeiten boten die Israeliten dem übermächtigen Pharao, dem König von Ägypten, die Stirn und flohen vor seinen Truppen. Nach hunderten von Jahren voller Unterdrückung und Sklaverei entkamen sie durch wunderbare Geschehnisse, die sie ihrem Gott zuschrieben, in die Freiheit.

Menschen, die Gott nicht kennen, können das nicht verstehen. Manche fangen an zu fragen, vielleicht spöttisch oder doch aus Interesse, „Wo ist denn euer Gott? Wir können ihn nicht sehen. Wir glauben nicht, dass es ihn überhaupt gibt. Niemand kann seine Existenz nachweisen.“ Im Psalm 115, in den Versen 2 und 3 steht: „Warum dürfen die Völker höhnisch fragen: »Wo bleibt er denn, ihr Gott?« Unser Gott ist im Himmel, und alles, was er will, das tut er auch!“ (HFA)

Es ist grundsätzlich gut, wenn jemand Fragen nach Gott stellt. Ich freue mich darüber, wenn Menschen mit mir über Gott ins Gespräch kommen. Allerdings habe ich oft den Eindruck, dass vielen der Glaube an Gott gleichgültig ist. Wir leben in einer Zeit, in der Gott für etliche Menschen überhaupt keine Rolle spielt. Ich möchte es lernen, Gott ganz natürlich in meinem Alltag zu integrieren und so zu leben, dass Menschen nachfragen. Wo ist denn dein Gott? Wie erlebst du ihn denn? Woher weißt du überhaupt, dass es Gott gibt?

Es hat mich sehr gefreut, dass der Chefredakteur eines Wirtschaftsmagazins mit mir im vergangenen Jahr zum Kongress christlicher Führungskräfte nach Karlsruhe kam. Er ist kein Christ und doch war er fasziniert von dem gebotenen Programm. Nach dem Kongress sprach er voller Anerkennung davon, dass alle Referenten fachlich sehr überzeugt haben und dass sie ihre komplexen Themen immer mit Gott in Verbindung gebracht haben. Das hat ihn ins Staunen und ins Fragen versetzt. Seine persönliche Frage an mich: Herr Scheuermann, wären sie bereit, mich zu beerdigen? Ich bin zwar aus der Kirche ausgetreten, aber sie reden so überzeugt von Gott.

Der Beter des Psalms 115 bekennt sich mit großer Zuversicht und Gewissheit zum lebendigen Gott. Für ihn steht Gott über allem. Er thront im Himmel. Gemeint ist nicht der blaue Himmel oder der nächtliche Sternenhimmel, sondern die göttliche Dimension außerhalb aller Schöpfung. In der englischen Sprache gibt es die schöne Unterscheidung zwischen „Sky“, dem Himmel der Schöpfung mit Wolken, Luft und Wind und „Heaven“, dem Himmel der Ewigkeit bei Gott, dem Schöpfer. Dort thront Gott und führt die Regie der gesamten Weltgeschichte. Gottes Plan mit dieser Welt läuft ab. Sein Wille geschieht. Alles, was er will, geschieht. Und was will Gott? Gott will, „dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und gerettet werden.“ (1. Timotheus 2,4 GNB) Gott will, dass sein Friede, sein umfassender Schalom, unsere Herzen und Sinne erfüllt. Gott will unser Bestes. Gott will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, ohne Leid, ohne Tränen, ohne Tod. Der Beter des Psalms ist sich ganz sicher: „Und alles, was Gott will, das tut er auch!“ Ist das nicht wunderbar?!

Autor: Martin Scheuermann

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Kinder des Lichts

Kinder des Lichts

Es gehört zum pädagogischen 1x1: Menschliche Aufforderungen setzen die Möglichkeit zu deren Erfüllung immer voraus. Ich kann einem Kind nur etwas auftragen, was es auch tun kann. Wenn ich zum Beispiel einem unserer Waldkindergarten-Kinder befehlen würde: Bitte sage mir mal auswendig den Beginn des Johannesevangeliums in Griechisch auf! Dann würde das Kind mich sehr irritiert anschauen. Es wäre ihm überhaupt nicht möglich, dieser Bitte nachzukommen.

Es ist pädagogisch unsinnig, etwas zu fordern, was das Kind gar nicht erfüllen kann. Alle unsere menschlichen Befehle setzen die Möglichkeit zur Umsetzung voraus.

Bei Gott aber ist es völlig anders. Wenn Gott uns etwas befiehlt, dann schafft Gott selbst die Möglichkeit zur Tat. Seine Aufforderungen setzen die menschlichen Möglichkeiten nicht voraus, sondern bringen die Kraft zur Erfüllung gleich mit.

Im Epheserbrief werden wir aufgefordert „als Kinder des Lichts“ zu leben.  „Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ Diesem Anspruch an unsere Lebensführung geht ein doppelter Zuspruch voraus. Paulus schreibt: „Ihr seid Gottes geliebte Kinder. Früher gehörtet ihr selbst zur Finsternis, doch jetzt gehört ihr zum Licht, weil ihr mit dem Herrn verbunden seid.“ (Eph. 5, 1+8/NGÜ)

Es ist wie bei meiner Nichte: Meine Schwester hat zwei Kinder schon als Babys adoptiert. Eines aus Südafrika; die kleine süße Sara. Krauses dichtes Harr, dunkle Haut, und doch: Sie spricht ein breites Westfälisch. Kinder von schwäbischen Eltern sprechen schwäbisch und lieben Spätzle. Kinder von englischen Familien sprechen englisch und trinken nachmittags Tee. Kinder von Japanern sprechen japanisch und essen Sushi. Kinder übernehmen automatisch die Sprache der Eltern, aber auch ihre Werte und Lebensweise. Die eigene Familie prägt entscheidend.

Das gilt auch für unser Christsein. Indem ich mit Jesus in einer engen Gemeinschaft lebe, ihn liebe, seine Worte höre, mich als Kind Gottes in seiner Familie bewege, in dem Maße werde ich die Jesus-Gesinnung annehmen! Natürlich rebellieren Kinder in der Pubertät und wollen sich von den Eltern abgrenzen. Das ist für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit wichtig. Geistlich aber wäre die Abgrenzung von Jesus ein Desaster. Jesus sagt: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht ins Reich Gottes kommen.“ (Mt. 18,3)

Das Leben als „Kind des Lichtes“ verändert unsere Welt. Drei konkrete Auswirkungen werden erkennbar und leuchten in einer dunklen Zeit: Großzügigkeit und Güte zeigen sich und überwinden Habgier und Geiz. Recht und Gerechtigkeit setzen sich gegen Unrecht und Chaos durch. Wahrheit und Liebe statt Lüge und Hass prägen das Miteinander von Menschen.

Großartig ist es, dass Licht immer stärker ist als Dunkelheit. Wenn wir im dunklen Keller ein Licht anzünden, dann wird es unweigerlich hell. Wenn morgens die Sonne aufgeht, weicht die Dunkelheit der Nacht. Wenn wir als Kinder des Lichts leben, wird unsere Welt heller, freundlicher und liebevoller.

Autor: Martin Scheuermann

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Lebendige Hoffnung

Ein alter Mann in Jerusalem, Simeon. Ein geistig frischer Mann. Ein hoffnungsvoll wartender Mann. Ein tief glaubender Mann. Ein Mann Gottes eben.

Seine Hoffnung war lebendige Hoffnung. Sein Warten war kein vergebliches Warten. Gottes Geist schenkte ihm die Gewissheit: ER ist jetzt da! Der Heiland Gottes ist geboren! Groß ist die Freude und weit der Blick. Der Heiland ist da, das Licht ist da. „Ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.“ (Lukas 2, 32)

Simeon nahm das Kind Jesus auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. (Lukas 2,28-30)

Er kann nun getrost sterben. Seine Hoffnung ist nicht enttäuscht worden. Gott hat sein Versprechen eingelöst.

Ein einfaches Baby. Ein Menschenkind. Aber Simeon weiß ganz gewiss, es ist der Heiland der Welt. Und er weiß, der Heiland der Welt ist auch der Messias seines Volkes Israel. Nun wird alles gut. Dafür kann man leben und darauf auch getrost sterben. Der Heiland wird alles gut machen.

Für den alten Simeon damals in Jerusalem war es genug. Wie ist es aber nun bei mir heute? Habe ich mehr als Simeon? Natürlich weiß ich, wie die Geschichte weiterging. Ich kenne den Weg dieses Kindes bis zum Ende. Habe ich dadurch mehr als Simeon? Ich finde nicht. Simeon hatte ein Versprechen Gottes. Er hatte eine lebendige Hoffnung. Für ihn war dann klar, in dem Kind Jesus hat Gott sein Versprechen wahrgemacht. Wie kam Simeon dazu? Es heißt, der Heilige Geist hat es ihm klargemacht. Er hat ihm die Augen für den Heiland Gottes geöffnet.

Bei mir ist es doch heute genauso. Nur der Heilige Geist kann mir dafür die Augen öffnen. Dann werde ich in dem Mann am Kreuz den Heiland, den Retter Gottes erkennen. Dann werde ich glauben können, dass er von den Toten auferstanden ist.

Der Heilige Geist schenkt mir die lebendige Hoffnung. Die Hoffnung die darin lebt, dass Gott bereits in der Vergangenheit Tatsachen geschaffen hat. Die Hoffnung, die schon in Simeon lebte und die mich mit ihm zusammen in Jesus Christus den Heiland der Welt erkennen lässt.

Um diese offenen Augen dürfen wir Gott bitten. Er hat versprochen, uns seinen Geist zu geben. Nehmen wir ihn beim Wort.

 

Autor: Eberhard Adam

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Zukunftsmusik

Der 27. Januar ist ein Gedenktag, der mich immer wieder mit Entsetzen erfüllt. An diesem Tag im Jahr 1945 wurden die Häftlinge des KZ Auschwitz von den Alliierten Truppen befreit. Das ist jetzt 75 Jahre her. An diesem Tag wurde deutlich, welch unsagbar schwere Schuld unser Volk auf sich geladen hatte.

Manche fragen heute, was geht uns das noch an? Wir haben damit nichts zu tun. Ich kann diese Frage verstehen, auch ich bin später geboren. Aber ich finde es trotzdem ganz wichtig, dass wir uns immer wieder daran erinnern. Noch wichtiger als das Erinnern ist allerdings, dass ich mich dafür einsetzte, dass so etwas nie mehr vorkommt.

Heute begleitet uns nun ein Wort Gottes durch den Tag, das von einer herrlichen Zukunft für das Volk Gottes spricht. Gott sagt durch seinen Propheten Jesaja: „Ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.“ (Jesaja 65,19)

Gott freut sich wieder über sein Volk Israel. Das hat er sich ganz fest vorgenommen. Sehr deutliche Worte sagt er auch zu denen in seinem Volk, die sich von ihm abgewandt haben. Sie werden nicht teilhaben an dem frohen Tag, von dem Gott spricht: „Alles mache ich jetzt neu: Einen neuen Himmel schaffe ich und eine neue Erde. Dann sehnt sich niemand nach dem zurück, was früher einmal gewesen ist; kein Mensch wird mehr daran denken. Freut euch und jubelt ohne Ende über das, was ich nun schaffe! Ich mache Jerusalem zur Stadt der Freude und seine Bewohner erfülle ich mit Glück. Ich selbst will an Jerusalem wieder Freude haben und über mein Volk glücklich sein. Niemand wird mehr weinen und klagen.“

Adlerdings spricht er hier von einer Zukunft, in der wir bis heute noch nicht angekommen sind. Auch heute ist das noch Zukunftsmusik. Noch sind wir nicht soweit in unserer Welt.

Ganz sicher freut sich Gott auch jetzt schon über sein Volk. Er freut sich auch über uns, davon bin ich ganz fest überzeugt. Doch diese Freude wird immer noch getrübt durch neue Schuld. Noch tun Menschen sich gegenseitig weh. Noch werden Menschen von anderen Menschen verachtet.

Noch gibt es Kriege und Verfolgungen. Noch werden Menschen unschuldig verurteilt in Gefängnisse und Straflager gesteckt. Gerade auch viele Christen werden in unserer Welt unterdrückt und verfolgt. Da will uns ein solches Wort Gottes Mut machen.

Es wird nicht immer so sein. Es wird nicht immer so bleiben. Gott steht zu seinem Volk. Wenn es hier auch zunächst um Israel geht, so dürfen wir es sicher auch auf Gottes Volk im Ganzen beziehen. Es gilt doch auch für die Christen in allen Völkern dieser Erde. Man soll unter euch nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.

Ich glaube Gott, meinem himmlischen Vater. Er hat in Jesus Christus ja bereits mit dem Neuen begonnen. So kann der auferstandene Christus sagen: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5)

 

Autor: Eberhard Adam

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Gottes Wohnung

„Wo wohnt Gott eigentlich?“ – „Na, im Himmel!“ – „Und wo ist der Himmel?“ – „Na, da, wo Gott ist!“ – „Ja, aber wo wohnt Gott?“ Manchmal fragen Kinder so – und dann nützt es wenig, ihnen einen theologischen Vortrag darüber zu halten, dass es im Grunde keinen Ort des Universums gibt, wo Gott nicht ist. Und dass er, seit er in Jesus Christus auf diese Erde kam und dann nach Jesu Tod und Auferstehung den Heiligen Geist sandte, überall zu finden ist. Ich sage dann manchmal einfach: „Gott wohnt, wo man ihm Platz macht. Er ist zu finden, wo er willkommen ist.“

Im Epheserbrief, Kapitel 2, Vers 22 heißt es: „Durch ihn [Jesus Christus] werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.“

Ist Gott bei uns willkommen? Ist Platz für ihn auf dem Thron unserer Wünsche und Motive? Darf er Regie führen in der Schaltzentrale unserer Pläne und Entscheidungen? Ist unser Zuhause auch sein Zuhause? Wohnt er bei uns und in uns?

Wenn nicht, könnten Menschen auf den irrigen Gedanken kommen, Gott würde in der Kirche wohnen und die Christen würden ihn ab und zu besuchen gehen, um ihn durch Lieder und Gebete und Spenden zufriedenzustellen.

Aber unsere Kirchen und Gemeindehäuser sind nur Treffpunkte, sind Trainingszentren, sind Orte, an denen hoffentlich Gottes Ehre wohnt – und vielleicht auch noch eine Hausmeisterfamilie oder eine Studenten-WG.

Doch Gott selbst wohnt nicht in Gebäuden, sondern in Herzen!

Darum ist es zwar ein gravierender Einschnitt für das Leben einer Kirchengemeinde, wenn plötzlich für längere Zeit alle Veranstaltungen abgesagt werden müssen wie jetzt während der Corona-Pandemie.

Doch die Gemeinde lebt trotzdem, weil jedes Gotteskind persönlich zu einer Wohnung Gottes im Geist geworden ist. Darum ist Gott dort gegenwärtig, wo seine Kinder zuhause sind.

Als Lübecker Baptistengemeinde haben wir gemerkt, dass wir uns im Laufe der Jahre viel zu sehr darauf ausgerichtet haben, das Leben in unserem Gemeindehaus möglichst kreativ und geistlich zu gestalten. Wir haben darüber aber fast vergessen, dass vor allem das Leben in unseren Häusern und Wohnungen geistliches Leben sein soll.

Schon vor der Corona-Krise haben wir begonnen, diesen Gedanken wieder neu zu fördern: Wie können unsere Ehen und Familien, unsere Nachbarschaften und Wohnsituationen zu Orten geistlichen Lebens werden? Wie können wir miteinander Gott erfahren mitten im Alltagsleben?

Die aktuelle Einschränkung der sozialen Kontakte fordert uns nun zusätzlich heraus: Es gilt, die persönliche Andacht zu verstärken. Es gilt, Telefon und Internet zu nutzen, um sich nach dem anderen zu erkundigen und miteinander zu beten. Es gilt, wieder einmal einen Stift zur Hand zu nehmen und eine Karte oder einen Brief zu schreiben. Es gilt, in der direkten Nachbarschaft zu schauen, wer unsere Hilfe und Unterstützung und Ermutigung braucht. So können wir zeigen, dass die Kirche Jesu Christi nicht vor allem aus Institutionen und Veranstaltungsorten besteht, sondern aus Menschen, in denen Gott wohnt und in denen sein Geist wirkt.

Für die Gemeinde in Ephesus, die vor allem aus Heidenchristen bestand, war das eine ganz wichtige Erkenntnis: Sie brauchten sich als Nichtjuden nicht wie Fremdlinge oder wie Christen zweiter Klasse fühlen. Nein, durch Christus gehörten sie nun ganz dazu, sie waren „Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen“, wie Paulus es ausdrückt. Nicht die Zugehörigkeit zum Tempel in Jerusalem war das Entscheidende, sondern die Zugehörigkeit zu Christus. Und das eigene Leben wurde zur Wohnung Gottes im Geist.

In einem Lied heißt es:

„Herr, komm in mir wohnen, lass mein Geist auf Erden dir ein Heiligtum noch werden. Komm, du nahes Wesen, dich in mir verkläre, dass ich dich stets lieb und ehre. Wo ich geh, sitz und steh, lass mich dich erblicken und vor dir mich bücken.“ (Gerhard Tersteegen)

 

Autor: Pastor Volkmar Glöckner

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Gottes Wege gehen

Beim Propheten Jeremia heißt es:

„Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gerne wieder aufstünde? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gerne zurechtkäme?“ Jeremia 8, 4

Jeremia, warum fragst Du das? Suchst Du tatsächlich jemand, der so dumm ist, dass er gerne liegen bleibt, nachdem er auf die Nase gefallen ist? Hältst Du wirklich Ausschau nach jemand, der gerne weiter in die falsche Richtung läuft, obwohl er ganz offensichtlich nicht mehr weiß, wo es langgeht?

Ich ahne es, Du hast sie längst gefunden. Du wunderst Dich. Du bist entsetzt. Deine Fragen sollen wachrütteln. Es ist das Volk Gottes, das sich so völlig unverständlich verhält. Die, die eigentlich wissen müssten, was richtig und falsch ist, betrügen und lügen und leben, als würden sie Gott nicht kennen. Gott schickt Dich zu ihnen, weil Er das nicht länger hinnehmen will. Du sollst sie zur Besinnung bringen und sie warnen:

„Sprich zu ihnen: So spricht der HERR: Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme? Warum will denn dies Volk zu Jerusalem irregehen für und für? Sie halten so fest am Trug, dass sie nicht umkehren wollen. Ich sehe und höre, dass sie nicht die Wahrheit reden. Es gibt niemand, dem seine Bosheit leid wäre und der spräche: Was hab ich doch getan! Sie laufen alle ihren Lauf wie ein Hengst, der in der Schlacht dahinstürmt.“ Jeremia 8, 4 – 6 (LUT 2017)

Warum ist es eigentlich so schwer aufzustehen, wenn man gefallen ist, und umzukehren, wenn man sich geirrt hat?

Meiner Erfahrung nach ist das der wohl schwierigste Punkt beim Klären unserer Beziehung zu Gott: Zuzugeben, dass ich ein Sünder bin, und um Vergebung zu bitten.

Das ist wie das berühmte Nadelöhr, durch das wir Kamele nicht wollen.

Es ist ein Unterschied, im Karneval mitzuschunkeln und zu singen: „Wir sind alle kleine Sünderlein, `s war immer so, `s war immer so…“ oder vor Gott auf die Knie zu gehen und zu bekennen: „Vater, ich habe gesündigt!“ – nicht nur allgemein und theoretisch nach dem Motto „keiner ist perfekt!“, sondern konkret:

„Dies habe ich falsch gemacht, hier habe ich Menschen Unrecht getan, dort habe ich jemand verletzt, dieses Gebot habe ich missachtet, dort habe ich Deinem Willen entgegen gelebt – bitte vergib mir!“

An diesem Punkt stoppt manche eigentlich hoffnungsvoll gestartete Glaubensgeschichte, weil plötzlich der persönliche Stolz Protest einlegt; weil ein Mensch nicht herauskommt aus der Angewohnheit, die Schuld immer bei den anderen zu suchen und zu den eigenen Schuldanteilen keinen Zugang zu finden.

Doch wer über diese Hürde nicht rüberkommt, der wird nie Versöhnung erleben – weder mit Gott noch mit Menschen. Wer nicht sagen kann: „Ich habe gesündigt, bitte vergib mir!“ der wird nicht erfassen, wie frohmachend und freimachend Barmherzigkeit ist. Und der wird selbst vermutlich auch unbarmherzig mit anderen sein.

Gott wartet darauf, dass Menschen im Gebet zu ihm kommen und zugeben: „Ja, Herr, ich bin nicht so, wie ich sein sollte und eigentlich auch sein will. Ich bin nicht so heilig und gerecht und vollkommen, wie Du mich eigentlich haben wolltest. Ich erkenne es. Ich gebe es zu. So habe ich im Himmel bei Dir nichts zu suchen. Bitte vergib mir. Bitte verändere mich. Bitte erbarme Dich über mich.“

Erst dann - und nur dann - werden wir überhaupt verstehen, warum Jesus kommen musste und warum er stellvertretend für uns gestorben ist. Nur dann werden wir begreifen, was Gnade ist: Christus übernimmt die Strafe für unsere Lebensschuld – und wir sind frei. Uns wird vergeben. Wir dürfen aufstehen und neue Wege gehen. Gottes Wege.

 

Autor: Pastor Volkmar Glöckner

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Der Gott des Trostes

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis.“ - So hat der Apostel Paulus seinen zweiten Brief an die Christen in Korinth eröffnet.

Dieser Satz hat aber noch eine alles entscheidende Fortsetzung: „… damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.“

Damit ist sofort klar: den Trost, den Paulus erfährt, bekommt er nicht zum Selbstzweck. Er ist sozusagen nicht der Endverbraucher von Gottes tröstender Zuwendung, sondern so etwas wie ein Großhändler, er kann und soll ihn weitergeben. Was er von Gott bekommen hat, das hat er auch für andere bekommen.

Im folgenden Abschnitt des Briefes ist viel von Leid und Bedrängnis die Rede. Paulus war in großer Not. Er deutet lebensbedrohliche Situationen in Kleinasien an. Aber er wurde gerettet, und das soll auch den Korinthern Mut machen. So zieht es sich wie ein roter Faden durch den Text: Wenn wir von Gott Trost empfangen haben, dann auch für euch in Korinth. Ihr hattet an meinem Leiden Anteil, ihr sollt auch an meinem Trost Anteil haben.

Nun fallen hier immer wieder die Worte „Trost“ und „trösten“. In unserer Kultur und unserem heutigen Verständnis ist trösten so etwas wie mit Worten streicheln, gut zureden und Mut machen. Das ist nicht ganz falsch, aber damals verstand Paulus darunter wesentlich mehr. Er war Jude und lebte in seiner hebräischen Bibel. Und dort bedeutet „trösten“ unendlich viel mehr als nur mit Worten streicheln. Im hebräischen Denken kann man gar nicht unterscheiden zwischen einem bloßen Begriff und der Realität. Schon auf der ersten Seite der Bibel, im Schöpfungsbericht, wird es deutlich: Gott spricht – und es geschieht. Geht gar nicht anders, denn Wort und Tat sind untrennbar, sind sogar dieselbe Vokabel im Hebräischen.

So auch hier: Trösten bedeutet immer auch: helfend eingreifen. Da gerät etwas in Bewegung.

Das heißt also biblisch „Trost“: Mit Wort und Tat für eine positive Veränderung eintreten.

Und wenn Gott in unserem Bibelwort „Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes“ genannt wird, dann ist sofort klar, dass er uns nicht überfordert, wenn wir andere in diesem Sinne trösten, ihnen beistehen und ihnen helfen sollen. Denn was immer wir sagen und tun in einer Notlage – unsere Kraft dazu und unser Engagement kommt direkt von ihm selbst.

Ich habe das vor gut sechs Jahren selbst sehr deutlich erlebt, was Trost bedeutet: Ich lag nach einer schweren Operation wochenlang im Krankenhaus. Und dann gab es Anrufe, die mich mit frommen Sprüchen geradezu überfluteten, sie waren sicher gut gemeint, aber sie halfen mir wenig. Ich kam mir fast vor wie Hiob im Kreis seiner frommen Freunde mit ihren hoffnungslos richtigen und doch so hilflosen Sprüchen. Ich habe solche Gespräche möglichst schnell beendet.

Aber dann gab es auch Leute, die nicht viele Worte machen, die kamen, setzten sich an mein Bett und hatten Zeit, sprachen manchmal ein kurzes Gebet und einen Segen. Das tat gut, das war hilfreich.

Daran denke ich noch heute dankbar zurück und möchte auch ein solcher Mensch sein, der andere wirklich trösten kann, im Namen und in der Kraft Gottes.

 

Autor: Pastor Wolfgang Buck

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Zu Jesus gehören

Das ist eine radikale Aussage, die da im Markusevangelium im dritten Kapitel steht, vor allem, wenn man den dramatischen Hintergrund beleuchtet:

Der Evangelist Markus berichtet ein paar Zeilen vorher (V 21), dass die Familie von Jesus ihn möglichst schnell aus dem Verkehr ziehen möchte. Ihnen wird es allmählich peinlich, was er da macht. Sie sagen, einfach ausgedrückt: unser Jesus, der spinnt. Und sie wollen ihn am liebsten entführen und ihn daheim erst einmal unter Hausarrest stellen, bis sich der Wirbel um seine Person gelegt hat. Sie stehen draußen und wollen ihn holen.

Jesus aber befindet sich in einem Haus, umringt von allen möglichen Leuten: Da sind die Kranken, die auf eine Heilung hoffen, da sind andere Notleidende, da sind natürlich auch Neugierige, da sind seine Schüler und Anhänger – und da sind jetzt auch einige Theologen, die extra von Jerusalem nach Galiläa gekommen sind, um sich selbst ein Bild zu machen und ihn kritisch und theologisch zu befragen.

Und mitten in diese Diskussionen kommt die Nachricht: Draußen stehen deine Mutter und deine Brüder und wollen dich sprechen. Von Joseph ist auffälligerweise keine Rede, vielleicht lebte er schon nicht mehr. In dem Fall übernehmen normalerweise die Söhne die Leitung der Familie. Dazu muss man wissen, dass der Zusammenhalt der Familie damals ein sehr hohes Gut war. Es galt auch, den Ruf der Familie nicht zu beschädigen. Maria und die jüngeren Brüder von Jesus scheinen den Eindruck zu haben, jetzt endlich einschreiten zu müssen. So kann es mit dem ältesten Bruder nicht weitergehen. Er bringt die ganze Familie in Verruf.

Jeder normale Rabbi hätte damals die Diskussion unterbrochen, wäre nach draußen gegangen und hätte voller Ehrerbietung Mutter und Geschwister begrüßt. Diese Ehre war man seiner Herkunftsfamilie schuldig. Aber Jesus bleibt im Haus und reagiert völlig unerwartet, fast schroff: „Wer sind meine Mutter und meine Brüder?“, fragt er, schaut in die Runde auf seine Diskussionspartner und fährt fort: “Das sind meine Mutter und meine Brüder!“ Und dann spitzt er noch einmal zu – und das ist unser heutiges Textwort: "Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter."

Jesus geht nicht nach draußen, lässt den Besuch also einfach vor der Tür stehen. Unerhört in der damaligen Gesellschaft. Ich stelle mir lebhaft vor, wie jetzt ein Raunen durch die Zuhörerschar geht. Wie kann man so hart sein?

Die Geschichte bekommt jetzt fast schon symbolische Züge: Es gibt ein Drinnen und ein Draußen. Drinnen sind die, die Gottes Wort hören und tun – und draußen sind alle anderen, und wenn es sogar die eigenen Verwandten sind. Das ist hart.

Und noch etwas fällt mir an dieser Begebenheit auf. Jesus sagt nicht: „Wer an mich glaubt“, oder so ähnlich, sondern: „Wer Gottes Willen tut…“ Es geht Jesus also gar nicht nur um eine innere Überzeugung, sondern um einen Glauben mit der Tat.

Familie (auch wenn man den Begriff damals so nicht kannte) – das ist ab jetzt die Gemeinschaft der Nachfolger. Genau das hat die Urgemeinde später aufgegriffen, ging doch die Trennung oft genug mitten durch die engsten familiären Beziehungen. Die Christen nannten sich Brüder und Schwestern und standen liebevoll füreinander ein, unabhängig vom sozialen Status. Echter Glaube zeigt sich nicht nur im Reden, sondern vor allem im solidarischen Handeln.

 

Autor: Pastor Wolfgang Buck

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Herzenskenner

Neulich saß ich beim Arzt. Die Wartezeit habe ich mir mit Lesen in einer der Illustrierten verkürzt. Dabei stieß ich auf den Bericht einer Frau. Schon jahrelang litt sie unter Schmerzen.

Sie hatte verschiedene Ärzte aufgesucht. Aber keiner hatte ihr helfen können. Bis sie schließlich einen Arzt fand, der die richtige Diagnose stellte und mit einer entsprechenden Therapie der Frau helfen konnte.

Wer aufmerksam die Geschichte der Menschheit betrachtet, kommt schnell zu der Frage: Woran krankt sie eigentlich? Und wer sein eigenes Leben ungeschminkt beurteilt, stellt schnell fest: Auch ich bin von dieser Krankheit angesteckt. Aber um welche Krankheit dreht es sich denn?

Dem Propheten Jeremia erklärt Gott seine Diagnose und stellt sich als der Arzt vor, der wirklich helfen kann. Wir finden diese Information im Kapitel 17, in den Versen 9+10 in diesem Buch des Propheten Jeremia:

Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen? Ich, der HERR, kann das Herz ergründen und die Nieren prüfen und gebe einem jeden nach seinem Tun.

Gott sagt: Unser Herz – damit meint die Bibel die Mitte unseres Lebens – unser Herz ist verkehrt. Es krankt am Unglauben. Es rebelliert gegen Gott. Es begehrt gegen Gottes Willen und Führungen auf. Das ist die Krankheit der Menschheit und meine auch.

Gott sieht durch. Seine Diagnose ist die richtige. Beim großen Treffen der Apostel in Jerusalem, von dem uns in dem Kapitel 15 (Vers 8) der Apostelgeschichte berichtet wird, nennt Petrus Gott den „Herzenskenner“. Das ist er wirklich. Er kennt mein Herz. Auch die verborgenen Winkel und die versteckten Ecken, die ich keinem zeigen will.

Ich kann anderen Menschen etwas vormachen. Ich kann mich auch selbst über meinen Zustand belügen. Aber Gott kann ich nichts vormachen. Ihn kann ich nicht belügen. Er schaut durch.

Er ist aber auch der einzige, der mein Herz verändern kann. Deswegen heißt Jesus auch „Heiland der Welt“. Er ist in die Welt gekommen, um unser krankes Herz zu heilen. Wenn wir uns in seine Behandlung begeben, dann beginnt der Heilungsprozess. Und aus Trotz und Angst werden Liebe und Vertrauen zu Gott.

Der Prophet Jeremia hat das begriffen. Denn einige Verse später bittet er: Heile du mich, HERR, so werde ich heil. Hilf du mir, so ist mir geholfen.

Wenn wir von Gott gezeigt bekommen, wie verkehrt unser Herz ist, dann können wir uns nur in seine Behandlung begeben. In einem Lied heißt es: „Und suchst du meine Sünde, flieh ich von dir zu dir.“ Das ist der beste Weg zur Heilung. Ich darf bitten: „Schaffe in mir Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen  Geist.“ (Psalm 51,12)

Gott um ein neues Herz bitten, das ist das einzige, was wir zu unserer Heilung dazutun können. Solche Bitten erfüllt Gott gern.

Für eine Freizeit hatte ein Mitarbeiter zwei junge Männer angemeldet. Nach einigen Tagen stellte ich fest, dass sie Alkoholiker waren, die schon zum Frühstück angetrunken kamen. Und in meinem Herzen bauten sich die Ablehnung und der Ärger immer mehr auf.

Aber die Situation änderte sich nicht, es wurde stattdessen immer schlimmer. Bis Gott mir zeigte, dass mein Verhalten nicht seine Art war, der die Verlorenen sucht. Ich bat Gott um Vergebung und die Fähigkeit, sie zu lieben. Und Gott tat es. Als mir am nächsten Morgen einer der beiden entgegenstolperte, habe ich ihn in die Arme genommen und ihm gesagt, dass Gott ihn liebt und verändern will. Und auf einmal entstand eine Verbindung zwischen uns. Gott kann Herzen ändern, bei anderen und bei mir.

 

Autor: Rainer Dick

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Erschreckende Erkenntnis

Welche schreckliche Erkenntnis:

Ein junger Arzt besucht einen medizinischen Kongress. Einer der Referenten stellt seine Forschung nach einer lebensbedrohlichen Krankheit vor. Bei den Symptomen, die er aufzählt, stellt der junge Arzt mit Erschrecken fest, dass alles auf ihn zutrifft.

So ergeht es Menschen, die ihre Sünde erkennen. Auch einem Psalmbeter ergeht es so. Er betet: Ich bekenne meine Schuld, bekümmert bin ich meiner Sünde wegen. Psalm 38, Vers 19.

Friedrich  von Bodelschwingh sagt: „Nichts ist feiger als die Ausrede, nichts ist größer als das Zugeben der Schuld.“

Wenn dieser Satz stimmt, dann ist der Beter des Psalms ein ganz Großer. Sicher: Er hat noch andere Nöte und Probleme im Leben, eine Krankheit, die andere als abstoßend empfinden, Unverständnis von Freunden und Gehässigkeiten von Feinden. Aber am meisten schmerzt ihn seine Schuld. Im Psalm wird nicht konkret benannt, was der Beter sich zuschulden kommen ließ. Gott aber weiß es. Dabei geht es nicht um ein allgemeines  Sündengefühl. Sünde ist immer konkret. Es sind nicht „Puppensünden“, wie Martin Luther sagt. Es ist die Missachtung von Gottes Willen, die Übertretung der Gebote.

Wenn Gott einem Menschen Sünde zeigt, dann ist er bei diesem Menschen an der Arbeit. Denn in Johannes 16, Vers 8, sagt Jesus, der Sohn Gottes, dass uns Gottes Geist unsere Sünde zeigt. Gott legt seine Hand auf unser eigentliches Elend. Er schenkt Sündenerkenntnis. Wenn das geschieht, dann tut Sünde weh. Dann fangen wir an, über unsere Schuld traurig zu sein.

Ich sitze mit einem Mitarbeiter auf einem Parkplatz in meinem Auto. Er berichtet von den Schwierigkeiten, mit denen seine Familie kämpft. Er verschweigt auch nicht die Probleme in seiner Ehe, die ihm in der letzten Zeit zu schaffen machen. Doch dann beginnt er unter Tränen, seine Sünde zu beichten. Dass er den Gott, der ihn liebt und dem er gehört, so missachtet hat – das tut ihm am meisten weh. Ich bin froh, dass ich ihm sagen kann: Mit deinem Bekenntnis bist du an der richtigen Stelle bei Jesus. Der nimmt dir die Sünde weg.

Aus Sündenerkenntnis wurde Sündenbekenntnis und daraus Gottes Vergebung. Gott schenkt Sündenerkenntnis, um unser Leben zu heilen. Dazu ist Jesus in die Welt gekommen. Das ist der Auftrag, mit dem ihn sein Vater in die Welt gesandt hat. Schon sein Name besagt das: Jesus wird sein Volk retten von ihren Sünden. Die Passionszeit führt es uns wieder deutlich vor Augen: Jesus ist der Heiland der Sünder.

Aber er heilt nicht oberflächlich. Er legt den Krankheitsherd des Lebens bloß. Das ist nicht angenehm und tut weh. Es ist kein Wunder, dass der Beter des Psalms bekümmert ist.

Es sind Stunden Gottes in meinem Leben, wenn er mir meine Sünde zeigt. Wenn es auch wehtut und mich traurig macht – ich will ihm stillhalten. Er hat ja nur Liebesabsichten. Darauf hat er sich festgelegt, wenn er durch den Propheten Hesekiel sagen lässt: „Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tod des Gottlosen, sagt der Herr HERRund nicht vielmehr daran, dass er sich von seinen Wegen bekehrt und lebt.“ (Hes. 18, 23) Wenn er mir meine Schuld abnimmt, dann ist die Last meines Lebens weg. Dann kann ich froh in den Tag hineingehen. Ich verstehe den Reformator Martin Luther, wenn er schreibt:

„Wo Vergebung der Sünden ist, da ist Leben und Seligkeit. “

Solch ein befreites und frohes Leben ist jedem Menschen zu wünschen. Ich hoffe, Sie sind  an diesem Tag auch so ein Mensch.

 

Autor: Rainer Dick

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In meiner Demut lasse ich mich von niemandem übertreffen

Das Wort hat es nicht leicht: Demut. Es ist in Verruf geraten und wird in vielen augenzwinkernden Sprüchen karikiert. „In meiner Demut lasse ich mich von niemandem übertreffen.“ Oder: „Ich schreibe gerade an einem neuen Buch über die demütigsten Männer der Bibel - und was sie von mir lernen können.“ Frech sind diese Sprüche. Und allzu oft leider allzu berechtigt. Da gibt sich einer bescheiden und demütig und will damit doch nur ganz und gar unbescheiden vor den anderen glänzen. Demut verkommt zur frommen Verkleidung. Demut lächelt außen, Hochmut grinst innen.

Hat am Ende Petrus gar dazu aufgerufen? „Alle miteinander bekleidet euch mit Demut“, schreibt er in seinem ersten Brief, Kapitel 5, Vers 5. Sich mit Demut bekleiden? Demut überwerfen wie einen Regenmantel? Und darunter bleibt alles, wie es ist? Bleiben wir, wie wir sind? Selbstherrliche Angeber? Viel Schein, wenig Sein?

O nein, wir würden Petrus arg missverstehen. Sein Satz steht in einer Liste von Mahnungen an die Ältesten und die anderen Mitglieder der christlichen Gemeinde. Die Ältesten zum Beispiel sollen die Gemeinde weiden „nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund“. Also mit Innen und Außen. Authentisch. Und die Jüngeren, um die es danach geht, sollen sich den Ältesten unterordnen, weil Gott „den Hochmütigen widersteht, aber den Demütigen Gnade gibt.“ Sich mit Demut bekleiden heißt hier also: Zieht an, was eurem innersten Wesen entspricht.

Überhaupt geht es ihm nicht nur darum, sich Menschen unterzuordnen, sondern Gott. Demütig sein vor ihm. Seiner gewaltigen Hand sollen sich die Christen, die diesen Petrus-Brief bekommen, unterordnen.

Demut heißt also: Sich unterordnen. Unter Gott. Und da, wo es geboten ist, auch Menschen.

Zugegeben, beides fällt uns Heutigen nicht allzu leicht. Wir leben in einer Zeit, in der sich scheinbar niemand mehr einem anderen unterordnen mag, in der es Autoritäten überall schwer haben. Politiker, Polizisten, Feuerwehrleute, Kirchenleute - sie alle bekommen immer wieder zu hören und zu spüren: Von euch lassen wir uns überhaupt nichts mehr sagen! Und wir erleben, wie eine jahrhundertealte Ordnung ins Wanken gerät. Jeder meint, sagen und tun zu können, was seinem eigenen Nutzen dient. Und unsere Gesellschaftsordnung droht zu zerbrechen.

Sich einordnen. Sich anderen unterordnen. Einander dienen. Im Betriebsmanagement hat man das schon lange als wichtige Regel fürs Zusammenleben erkannt. „Servant leadership“ nennt man das hier. Dienende Leiterschaft. Ich diene den anderen und sie dienen mir. Die Chefs den Mitarbeitern, die Mitarbeiter den Chefs, der Betrieb seinen Kunden und Lieferanten. Weil ja jeder gleichzeitig Kunde und Lieferant ist. Was das heißt, hat mir Heinz-Horst Deichmann, der erfolgreiche Schuhhändler, vor Jahren in einem Interview so gesagt: „Wir sollen es so machen wie Schuhverkäufer. Die knien vor ihren Kunden.“

Die Aufforderung von Petrus ist somit ausgesprochen zeitgemäß. Einander dienen. Anerkennen, dass der andere eine andere Rolle hat. Andere Kompetenzen. Ihm zuhören, ihn ernst nehmen, ihm Gutes ermöglichen. Und umgekehrt erwarten können, dass er sich mir unterordnet, wo ich die Verantwortung trage, mehr Know-How habe. Im Betrieb, in der Gesellschaft, in der Gemeinde.

Demut anziehen. Oder besser noch sich reinziehen. Nicht demütig tun. Niemand wird ärmer dabei. Im Gegenteil: Wir profitieren voneinander. Und die Gesellschaft. Und die Welt.

Wie’s geht, hat Jesus gelebt. Er, der Herr, der Gottessohn und Menschensohn, hat seinen Jüngern die Füße gewaschen wie ein Hausangestellter.

Ich könnte es also auch anders sagen: Statt Demut anziehen - Jesus anziehen, ihn hineinlassen in unsere Gedanken und Gefühle, ihn hineinlassen ins Herz unseres Wesens, ins Herz unseres Zusammenlebens.

 

Autor: Jürgen Werth

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Gerecht und gnädig – wie geht das zusammen?

Was für ein Bekenntnis! „Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken.“ So festgehalten im großen Lobpsalm 145.

Gerecht und gnädig. Oder, wie man auch übersetzen könnte, gerecht und gütig, treu, fromm.

Gerecht und gnädig. Bei uns Menschen schließen die beiden Begriffe einander oft genug aus. Wer seine „gerechte Strafe“ bekommt, darf nicht auf Gnade hoffen. Und Güte und Treue spielen da schon überhaupt keine Rolle.

Aber bei Gott geht beides zusammen. Er ist gerecht. Heißt: Er hält sich an seine Regeln, seine Ansprüche und Zusprüche. Er wird sich selber gerecht. Gott ist kein Willkürherrscher, kein launischer Herrscher, der einfach tut, was ihm gerade so gefällt. Er ist unbestechlich. Lässt sich nicht um den Finger wickeln von denen, die’s besonders geschickt anstellen. Er wird jedem Menschen gerecht. Man kann sich auf ihn verlassen. Jeder.

Seine Regeln hat er selber entlassen. Und sie entspringen und entsprechen seinem Wesen. Für mich sind sie vor allem mit zwei Begriffen umschrieben: Wahrheit und Liebe. Es gibt bei ihm keine Lüge, keinen Betrug, kein Hintenherum. Das alles braucht man ja auch gar nicht, wenn man liebt. Und das tut er. So sehr, dass er - viele Jahrhunderte nachdem David das Bekenntnis aufgeschrieben hat - seinen Sohn in die Welt schickt. Und die Strafe für alle Ungerechtigkeiten in der Welt auf die eigene Kappe nimmt.

Weil er eben nicht nur gerecht ist, sondern auch gnädig. Gütig. Treu. Sich selbst treu, seiner Liebe treu, und seinen geliebten Menschen. Paulus jubelt später: „Sind wir untreu, so bleibt er treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“ (2. Tim 2,13)

Gott ist gnädig. Er vergibt denen, die schuldig geworden sind. Er richtet die auf, die gefallen sind. Er lässt die wieder bei sich wohnen, die sich eigene Behausungen gebaut haben und da verkümmert sind. Gott ist gnädig. In seinem Sohn und durch seinen Sohn.

Gerecht und gnädig. Die beiden hebräischen Begriffe, die hier stehen, spielen im jüdischen Bewusstsein eine zentrale Rolle. „zaddik“ und „chassid“. Mit diesen Begriffen bezeichnen sich fromme Juden bis heute. Weil sie an den gerechten und gnädigen Gott glauben. Weil sie ihm nachfolgen wollen. Weil sie ihr Leben an ihm ausrichten wollen. Weil sie handeln wollen wie er.

Aber kann man das überhaupt? Wer ist schon wirklich gerecht? Wer wird den Lebensregeln Gottes gerecht? Nicht nur hin und wieder, sondern immer? Und wer ist schon immer gnädig und gütig und treu? Können Menschen wirklich „Zaddikim“ und „Chassidim“ sein, Gerechte und Gnädige?

Paulus sagt: Nein, das überfordert uns Menschen. Wir kriegen das nicht hin, so sehr wir uns auch bemühen. Gerade deshalb hat der gerechte und gnädige Gott ja Christus geschickt, den einzig ganz und gar Gerechten und Gnädigen. Darum ist Christus gestorben und auferstanden. Darum hat er für alle Menschenschuld bezahlt. Seitdem gilt: Wer sich an ihn hält, der wird gerecht und gnädig. Nicht durch eigene Anstrengung, sondern durch ihn und in ihm. „Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid. Damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd eingehn.“ So dichtet und verdichtet es später Nikolaus Graf von Zinzendorf.

Durch Christus gerecht gemacht. Gnädig von Gott aufgenommen. Und nun wieder in die Welt geschickt mit dem Auftrag, diese himmlische Gerechtigkeit, diese göttliche Gnade zu lehren und zu leben. Das ist und bleibt nun der Lebensauftrag der Christen.

Wo ich ihn wohl heute erfüllen kann?

 

Autor: Jürgen Werth

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Staunen über Gottes Handschrift

Als unsere Kinder noch kleiner waren, sangen wir oftmals zusammen: „Wer hat all die Blumen gemacht, in ihrer ganzen Farbenpracht und wer lässt Vögel fliegen?“ Unsere Tochter fand damals, dass diese eine Strophe nicht ausreiche. Sie dichtete eine zweite: Wer hat all die Sterne gemacht, in ihrer ganzen Strahlenpracht und wer lässt die Fische schwimmen? Im Refrain von diesem Schweizer Mundartlied heißt es dann: „Du bist mein Gott, bist mein Schöpfer, der Schöpfer der ganzen Welt, du bist mein Gott, du bist der größte Held.“

Auch der Prophet Nehemia hat das schon vor langer Zeit erkannt. Wir können es im neunten Kapitel des Buches Nehemia lesen: Du bist der HERR, du allein! Du hast den Himmel geschaffen mit all seinen Sternen! Die Erde und das Meer sind dein Werk mit allen Geschöpfen, die es dort gibt. Du hast ihnen das Leben geschenkt; die Mächte des Himmels beten dich an. (HFA)

Unsere Kinder wie auch Nehemia haben sich etwas ganz Wertvolles erhalten und leben es aus. Etwas, was in der heutigen Gesellschaft und in unserer Lebensweise oftmals verloren gegangen ist. Wie wohltuend wäre es doch, einfach einmal innezuhalten von unserem Tun und einen Blick in die Schöpfung zu werfen? Innezuhalten, zu schauen und zu staunen und Gott zu loben.

Dazu motiviert mich der Vers aus Nehemia. In meinem Alltag einmal anhalten, durchatmen und Gott loben und ehren. Jetzt im Frühling fällt mir das leicht. Jetzt, wo es wirklich wieder heller draußen wird, wo die Sonne die Natur wieder erwachen lässt und die Frühlingsblumen mit ihren Farben spielen. Wenn ich mich dann so umsehe, ist es doch ganz einfach, Gottes Handschrift in allem zu erkennen. Zu glauben, dass es nicht Zufall und Urknall waren, sondern ein Gott, der uns das Leben und diese Welt geschenkt hat. Ein Gott, der alles bis ins kleinste Detail durchdacht hat und dann sprach: Es werde.

Ich möchte es wieder neu mit den Kindern und von Nehemia lernen, Gott zu loben. Ihn zu ehren, indem ich immer wieder neu anfange zu staunen über seine Schöpfung, unsere Erde. Ich möchte wieder die kleinen Wunder des Lebens bestaunen, wenn ein Schmetterling über die Wiese fliegt, wenn ich die Bienen summen höre. Ich möchte Gott für die vielen wundervollen Dinge danken, die er uns jeden Tag schenkt.

Und diese Dankbarkeit möchte ich mit meinen Mitmenschen teilen. Ich möchte Sie daran teilhaben lassen und Sie einladen, auch diesen Schöpfer-Gott in ihrer Umwelt zu entdecken. Und durch diese Entdeckungen zu erfahren, dass Gott der Herr allein ist. Dass er der Gott ist, der den Himmel und die Erde und auch jeden einzelnen von uns geschaffen hat und gesagt hat: Es ist sehr gut.

Autor: Janine Haller

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Die Antwort auf alle Lebensfragen

Unsere Söhne lieben eine gute Abenteuergeschichte. Am liebsten solche mit einer Schatzsuche und vor allem dem Schatz-Finden. Es wäre auch sicherlich ein wundervoller Anblick, einmal wirklich einen verborgenen Schatz zu finden. Die Truhe von Dreck und Erdreich zu befreien und dann langsam den Deckel zu öffnen und dann dieser Augenblick des Erstaunens. Der glitzernde und funkelnde Schatz in der Schatztruhe.

Die wenigsten von uns werden im wahren Leben eine solche Schatzkiste finden. Doch das muss uns gar nicht enttäuschen, denn Paulus schreibt in Kol 2: In ihm, also in Christus, sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. Während wir bei Schätzen sofort funkelnde Juwelen und Diamanten vor Augen haben, spricht Paulus hier von ganz anderen Schätzen. Nicht das Materielle steht hier im Vordergrund, sondern die Schätze der Weisheit und Erkenntnis. Der englische Philosoph Francis Bacon soll einmal gesagt haben: Wissen ist Macht. Wenn wir heute etwas wissen wollen, dann ist der Griff zum Handy fast automatisiert und Google wird befragt. Auf die ganz wichtigen Fragen des Lebens hat auch das Internet nur ungenügende Antworten.

Paulus schreibt nun: In Christus sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. Das ist die Antwort auf meine Lebensfragen. Ich muss sie nicht googeln, ich muss auch nicht irgendwelchen spirituellen Leitern im Leben nacheifern. Die Antwort liegt zum Greifen nah. In der Person Jesus Christus. In Jesus sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. Vor gut drei Monaten haben wir Weihnachten gefeiert. Das kleine Kind in der Krippe. Jesus Christus ist Gottes Sohn, der sich auf den Weg zu uns Menschen macht.

In wenigen Wochen feiern wir Ostern: Gott, der seinen Sohn Jesus Christus am Kreuz sterben lässt - aus Liebe zu mir und dir. Jesus stirbt, damit jeder Mensch wieder in ein freundschaftliches Verhältnis zu Gott kommen kann. Und Jesus ist von den Toten auferstanden, weil Gott stärker als der Tod ist.

Wenn ich auf Jesus Christus blicke, dann entdecke ich Gottes größten Schatz für mich. In Jesus erkenne ich Gottes Liebe zu mir und seine große Hoffnung, dass ich durch seinen Sohn wieder in Gemeinschaft mit Gott komme.

Dabei geht es nicht darum, im Leben irgendwie religiös zu sein und bestimmte Regeln zu befolgen. Nein, ich darf auf Christus schauen. In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. Im Blick auf Jesus, auf all das, was die Bibel über ihn berichtet, kann ich den wundervollen Schatz entdecken, den Gott uns geschenkt hat. Ich kann mit Jesus reden. Ich darf ihm sagen, was mich bewegt und beschäftigt. Wenn ich so mein Leben und meinen Alltag mit ihm teile und verbringe, entdecke ich immer mehr den Schatz der Weisheit und Erkenntnis. Und dabei erlebe ich, dass Gott es unendlich gut mit uns meint.

Autor: Janine Haller

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Gibt es Größeres als die Vernunft?

Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Vers im Lauf meines Pastorenlebens am Ende einer jeden Predigt gesprochen habe: „Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, segne und bewahre eure Herzen in Christus Jesus, unserem Herrn.“ Dabei berührt mich eine Wendung darin immer aufs Neue: „der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft!“

Wieso höher als Vernunft? Ist denn nicht die Vernunft das Höchste, was uns Menschen gegeben ist? Macht sie uns nicht zu Ebenbildern Gottes? Wer predigt, soll doch verständlich predigen. Das heißt zu allererst: so laut und so deutlich predigen, dass es alle Zuhörenden verstehen können. Oft habe ich schon einen Gottesdienstbesucher erlebt, der enttäuscht aus der Kirche gegangen ist: „Die Pastorin ist ganz nett, aber leider habe ich das meiste nicht verstehen können. Es war viel zu leise!“ Was hilft die schönste Predigt, wenn sie schon rein äußerlich nicht verstanden wird?

Doch soll meine Predigt nicht nur laut und deutlich sein, sondern sie soll auch klar sein, also durchdacht und vernünftig. Was helfen laute, deutliche Worte, wenn die Gedanken wie Kraut und Rüben durcheinanderschießen? Dann muss ich hören: „Nach fünf Minuten habe ich abgeschaltet und bin meinen eigenen Gedanken nachgegangen. In dem, was der Pastor gesagt hat, habe ich weder Sinn noch Verstand gefunden. – Schade eigentlich, wo ich mich so auf die Kirche gefreut habe!“

Verständlich und vernünftig soll eine Predigt sein. Was meint dann aber der Kanzelsegen am Schluss mit seinem „Frieden, der höher ist als alle Vernunft“? Ist Gottes Sache unvernünftig? Geht gar der Glaube wider die Vernunft an? Das kann doch nicht sein! Um Frieden muss vernünftig gerungen werden. Es kann der Arbeitsfriede sein, der in einem Streik aufgekündigt wurde. In diesem Ringen zählen vernünftige Argumente, die zu einer gemeinsame Lösung führen. Oder die Argumente vor Gericht, die zwei streitende Parteien vortragen und in denen sie um ihr Recht ringen. Vernünftig muss doch sein, was sie zu sagen haben. Am Ende fällt der Richter sein Urteil. Auch das hat er vernünftig aus dem Gesetz begründet und so den Streitfall geschlichtet. Sein Urteil wird von den Parteien hingenommen, im guten Fall sogar angenommen als die vernünftige Lösung.

Aber Friede höher als Vernunft? Was ist damit gemeint? Gibt es Größeres als die Vernunft? Mir hilft bei diesen Fragen das Leben weiter. Denn das Leben ist größer als die Vernunft. Zum Beispiel hat neulich jemand zu mir gesagt: „Weißt du, das war eine Bauchentscheidung! Aber ich habe sie nie bereut. Sie war die beste, die ich fällen konnte!“ Eine Entscheidung also, die nicht unvernünftig getroffen wurde und doch höher war als Vernunft. Oder ein anderes Beispiel: Zwei Freunde beendeten ihren alten Streit, der ihre Freundschaft zerrissen hatte. Einer kam als erster auf den anderen zu mit den Worten: „Weißt du was? Einfach Schwamm drüber! Reden wir nicht mehr davon!“ Da mussten beide lachen und Friede kehrte ein, Friede, der höher ist als Vernunft!

Wo bleibt da Gott? Er ist mittendrin. Insbesondere dann, wenn der Glaube mir hilft, diesen höheren Frieden zu schließen. Denn Gott steht doch über den Gegensätzen, die Menschen so leicht auseinanderreißen! Er lässt seine Sonne über allen aufgehen. Und Jesus hat seine Jünger gelehrt, auch ihre Feinde zu lieben. Das heißt ja nicht, ihnen um den Hals zu fallen, sondern sie zu achten und ehren. Denn auch sie sind geliebte Geschöpfe Gottes und auch für sie hat Jesus am Kreuz sein Leben dahingegeben.

Frieden ist dort gefährdet, wo wir Menschen uns an unseren Standpunkt klammern. Doch wo wir unseren Blick zu Gott erheben, da kann uns diese Wahrheit im Herzen  wachsen, bis wir eines Tages aus der göttlichen Weite zu dem Frieden finden, der höher ist als alle Vernunft.

Autor: Pastor Dr. Georg Gremels

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Wo finde ich Gott?

„Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, / er birgt mich im Schutz seines Zeltes.“ (Psalm 27,5).

Böse Zeiten – von ihnen weiß der Beter des 27. Psalms ein Lied zu singen. Übeltäter bedrängen ihn, die ihm schaden wollen. Widersacher und Feinde stehen gegen ihn auf, die ihm das Leben schwermachen. Doch getrost wendet er sich an Gott im Gebet: Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, / er birgt mich im Schutz seines Zeltes.

Aber wohin kann ich gehen, wenn ich bedrängt werde? Der Psalmbeter geht in seiner Erinnerung weit zurück, bis in die Urzeiten Israels. Damals errichtete Mose die Stiftshütte, das heilige Zelt, in dem Gott sein Volk während der Wanderung durch die Wüste bis ins gelobte Land begleitete. Dort fanden sie Schutz vor den bösen Stürmen des Lebens. Dort gab er ihnen im heiligen Zelt Geborgenheit. Daran erinnert sich der Psalmbeter!

Aber warum greift er so weit zurück in seiner Erinnerung? Wäre es nicht einfacher gewesen, sich der Gegenwart Gottes jetzt zu vergewissern? Ihn fasziniert das Wüstenheiligtum, weil es das Volk durch wüste Zeiten begleitet hat. Und damit bin ich mitten in meinem heutigen Leben angelangt. Denn wo finde ich heute die Schutzhütte Gottes? Wo wird er mir sein Zelt in böser Zeit aufschlagen? Die Kirche oder das Gemeinschaftshaus können nicht gemeint sein, denn sie stehen „festgemauert in der Erden“.

Wo kann ich sein heiliges Zelt finden, das mich vor drohendem Unglück bergen kann? Seine Hütte steht in mir! Gottes Zelt ist mein Herz. Das erinnert mich an mein Kindergebet. Meine Mutter sprach es mit mir, als ich noch klein war: „Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein!“ Mein Herz, das ist seine Hütte und sein Zelt, in dem er selbst, Jesus, gegenwärtig wohnt und mich auf allen meinen Wegen begleitet.

Gott in meinem Herzen? Wie kann das gemeint sein? Vom Herzen reden wir symbolisch und doch zugleich wörtlich. Denn mein Herz schlägt inmitten meines Körpers, lebenslang. Solange es pocht, bin ich noch da. Ich lebe! Wenn mir etwas nahekommt, geht es mir zu Herzen. Ich kann mich von Herzen freuen, wenn ich meine Frau in den Arm nehme. Ich kann aber auch im Herzen tief betrübt sein über den Tod eines lieben Freundes. Und wenn meine kleine Enkelin zu Besuch kommt, dann drücke ich sie fest an mein Herz. Manchmal klopft mir das Herz bis zum Halse, wenn ich gerade mit knapper Not einen Autounfall habe vermeiden können. Und manchmal geht mein Herz auch in Sprüngen, wie Paul Gerhard dichtet, weil ich mich an diesem so gelungenen Tag in Gott freuen kann.

Dort im Herzen, wo meine Liebe, meine Gefühle meine Sehnsucht wohnen, dort ist auch er zuhause, mein Herr und mein Gott. Aber da genau brechen in mir Zweifel auf. Wo bleibt denn der Herr, wenn Sorgen um meine Gesundheit mein Herz bedrücken? Ich spüre nichts von seinem Schutz, wenn ich mich um mein Kind im Ausland ängstige. Warum beruhigt er mein Herz nicht, wenn mich berufliche Probleme umtreiben? Wo ist er dann, der Herr, in der Hütte meines Herzens, der doch in meinem Inneren zeltet?

Dabei bin ich auf ein alte Wahrheit Philipp Jakob Speners gestoßen, einer der Gründer des Pietismus. Er meint: Wenn Ängste dich umtreiben, wenn Sorgen dich quälen, wenn Schweres dein Herz aufwühlt, dann bist Du noch zu sehr in deinem Kopf. Gott aber wohnt in der Tiefe deines Herzens. Dahin gilt es hinabzusteigen! Wie das geht? Ich will ihn in der Hütte seines Wortes aufsuchen. Ich will mir den ganzen Psalm 27 vornehmen, bis ich spüre, wie mein Herz im Durchbeten ruhiger wird. Oder rufe ich eine liebe Freundin, einen Freund an und spüre, wie mir mein Herz leichter wird? Oder finde ich ihn in mir auf einem langen Spaziergang und erfahre ihn dann in der Hütte meines Herzens und im Zelt meiner Seele?

Autor: Pastor Dr. Georg Gremels

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Gott legt sich fest

Es gehört mit zum Schönsten meines Pfarrberufes, wenn ein Paar vorspricht, um kirchlich zu heiraten. Oftmals erzählen mir die beiden, wie sie sich kennengelernt haben. Sie erzählen, dass sie schon viel miteinander erlebt haben, auch schon mal die eine oder andere Krise durchgestanden, nun aber wirklich entschlossen sind, gemeinsam durch das Leben zu gehen. Und wenn dann in der Kirche laut und deutlich das „Ja“ ertönt und die beiden sich danach manchmal auch küssen und die Hochzeitsgäste klatschen, dann ist das wirklich ein bewegender und spannender Moment.

Doch dann gibt es eben auch die andere Erfahrung. Eine junge Frau erzählt, dass ihre Ehe schon ein Jahr nach der Hochzeit am Ende ist. Vom lauten und deutlichen „Ja“ zueinander ist nichts mehr übrig. Streit, Enttäuschung, Schläge, dann der Auszug und der Satz: „Ich will nicht mehr zurück.“

Menschen versprechen viel, aber oftmals haben die Versprechen nur eine kurze Halbwertszeit. Viele Menschen haben diese Erfahrung gemacht: Sie haben erlebt, dass Treue brüchig ist.

Die Bibel berichtet davon, dass nicht nur Menschen mit Treulosigkeit konfrontiert werden. Auch der lebendige Gott erfährt immer wieder, dass Menschen ihre Zusagen nicht einhalten. Im Alten Testament wird in vielen Geschichten erzählt, wie Menschen sich von Gott abwenden, ihn links liegenlassen, ja mehr noch, ihn abservieren und andere Götter anbeten. Wieder und wieder erfährt er das.

Umso erstaunlicher ist es, wie Gott sich zeigt. Obwohl er von uns Menschen immer wieder enttäuscht wird, hält er uns die Treue. Obwohl er immer wieder erlebt, dass wir uns abwenden von ihm, ihm nicht den ersten Platz in unserem Leben einräumen, hält er uns die Treue.

Der Apostel Paulus schreibt im Hinblick auf das Volk Israel „Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen“. Und dieser Satz gilt nicht nur für das Volk Israel, dieser Satz gilt auch für Christen, für Menschen, die ihr Leben Jesus Christus anvertraut haben. Der lebendige Gott hat sich festgelegt. Wer sein Leben Jesus Christus anvertraut, den nimmt er an als sein Kind. Er hält zu ihm. Er schenkt inneren Frieden, Freude und Vertrauen.

Er vertraut seinen Kindern Aufgaben an. Durch seinen Geist rüstet er sie auch aus mit den Gaben, die sie brauchen, um ihren Auftrag zu erfüllen.

Und er sagt ihnen zu, dass er sie ein Leben lang begleiten wird.

Und davon lässt Gott sich nicht abbringen. Auf keinen Fall. Auch dann nicht, wenn wir ihn enttäuschen. Auch dann nicht, wenn wir schuldig werden. Seine Zusage uns gegenüber gilt. Und deshalb dürfen wir immer wieder zu ihm umkehren. Er nimmt uns an und bleibt an unserer Seite.

Es ist 48 Jahre her. Damals war ich 12 Jahre alt. Zum ersten Mal habe ich in diesem Alter begriffen, dass Jesus Christus Herr in meinem Leben sein möchte. In einem Gebet habe ich mich ihm anvertraut. Und seither erfahre ich es, dass er wirklich mit mir geht. Aber es gab Zeiten, da habe ich mich von ihm entfernt, bin eher eigene Wege gegangen.

Aber die schöne Erfahrung war: Egal was war, ich konnte immer wieder zu ihm umkehren. Er hat mich nicht zurückgewiesen. Immer wieder konnte ich an meiner ursprünglichen Berufung anknüpfen. Ich lernte Jesus als den kennen, der wirklich vertrauenswürdig ist und bleibt. Darauf will ich mich auch in Zukunft verlassen.

Autor: Lothar Eisele

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Guten Appetit

Ich werde den älteren Pfarrkollegen nie vergessen. Er war auf dem Land aufgewachsen. Wie selbstverständlich hatte er sich angewöhnt, regelmäßig im Gottesdienst am Sonntag für „gnädiges“ Wetter zu beten. Als Landpfarrer wusste er, wie dringend Landwirte darauf angewiesen sind, dass  genügend Regen fällt und die Sonne scheint, damit die angebauten Pflanzen wachsen können. Und obwohl er schon längst nicht mehr in der Gemeinde ist, erinnern sich besonders die Älteren an ihn, wenn es wieder einmal eine längere Zeit der Trockenheit im Sommer gibt.

Auch wenn wir es gewohnt sind, durch den Supermarkt zu gehen und zwischen Lebensmitteln in großer Auswahl wählen können: Selbstverständlich ist dies alles nicht. Es ist ein Wunder, dass Jahr für Jahr Obst und Gemüse wachsen und wir, zumindest hier in Europa, in großer Auswahl essen dürfen.

Wenn ich meine Konfirmanden frage, wer von ihnen im normalen Alltag ein Tischgebet spricht, dann sind es eigentlich immer nur wenige, die sich melden. Es scheint ja so selbstverständlich, dass wir Essen und Trinken auf dem Tisch haben, da ist ein Danke an unseren Schöpfer anscheinend nicht mehr notwendig.

Und doch: Das Wort aus den Psalmen erinnert daran; auch wenn es wir Menschen sind, die Gemüse, Getreide und Obst anbauen, dass es wirklich wächst, reift und schließlich geerntet werden kann, ist letztlich ein Geschenk Gottes an uns. Er ist es, der die Welt so geschaffen hat, dass Pflanzen, Tiere und Menschen fruchtbar sind. Letztlich ist es seine Fürsorge für uns Menschen, die es ermöglicht, dass wir Tag für Tag zu essen haben.

Und deshalb ist dieses Psalmwort eine Erinnerung und Ermutigung, Gott, dem Schöpfer, zu danken, nicht nur einmal im Jahr an Erntedank, sondern täglich. So wie die Beziehungen in einer Familie gefestigt werden, wenn man sich regelmäßig dankt für das, was der andere für einen Gutes tut. So festigt und intensiviert sich auch die Beziehung zu unserem Schöpfer, wenn wir nicht achtlos zur Kenntnis nehmen, wie er uns täglich Gutes zukommen lässt, sondern ihm dafür danken.

Noch etwas: Weil er es ist, von dem das Gute kommt, will ich auch die Lebensmittel, die mir zur Verfügung stehen, achten und wertschätzen. Es sind wirklich zu viele Lebensmittel, die in unserem Land täglich weggeworfen werden. Deshalb ist es mir wichtig, dass wir, wenn wir auf das Konfirmandenwochenende fahren und am Buffet stehen, nicht mehr auf den Teller häufen, als wir tatsächlich essen. Lieber zuerst einmal weniger und probieren.

Zunehmend denke ich auch: Es ist gut, wenn wir die Erde, die Gott uns zum Anbau der Früchte zur Verfügung stellt, auch gut behandeln und nicht unnötig belasten. Ist es wirklich in seinem Sinn, wenn wir Lebensmittel durch die halbe Welt befördern oder den Boden mit unnötigen Giften belasten? Wir verdanken den modernen Anbaumethoden viel. Aber wir sind aufgerufen, Gottes Erde gut zu behandeln. Wie gut, wenn wir wenigstens hin und wieder Nahrungsmittel kaufen können, die ganz in der Nähe wachsen, wo wir wohnen.

Und schließlich: Nicht überall auf der Welt stehen Lebensmittel in solch einem Übermaß zur Verfügung wie bei uns. Neulich sagte ein Kollege zu mir: Als ich das erste Mal in Afrika war und die Armut dort wirklich wahrgenommen habe, da habe ich plötzlich gewusst, warum Gott uns so viel in Deutschland anvertraut hat. Ich schaute ihn fragend an: Na, damit wir es teilen mit unseren ärmeren Schwestern und Brüdern. Wie gut, dass es inzwischen viele Projekte gibt, die die Landwirtschaft in Gegenden fördern, die klimatisch nicht so günstige Voraussetzungen haben wie wir hier in Deutschland.

Der Bibelvers aus den Psalmen hat es in sich. Je mehr ich über ihn nachdenke, desto mehr fange ich spontan an zu beten: Lieber Vater, vielen Dank für das Essen, das ich diese Woche genießen durfte. Lass mich achtsam werden im Umgang mit Lebensmitteln. Und mach uns hier bereit, den Menschen beizustehen, die nicht genug zu essen haben. Amen

Autor: Lothar Eisele

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