ERF Plus - Wort zum Tag

Der entrümpelte Himmel

Was uns hier aus dem 148. Psalm so unbeschwert und fröhlich entgegenklingt, waren damals, als der Psalm entstand, äußerst brisante Behauptungen! Denn für die Völker um Israel herum waren Sonne, Mond und Sterne nicht nur Lichter am Firmament. Sie hielten sie für Gottheiten, die sehr wohl Einfluss auf ihr Leben nehmen konnten – „influencer“, wie man heute sagt.

Deshalb fürchteten sich die Leute vor ihnen. Was wäre, wenn die Sonne nicht mehr aufgehen würde? Damit das nicht passiert, brachten sie ihnen Opfer dar, sogar Menschenopfer. Was der Beter formuliert, ist also im Blick auf die damalige „Mehrheitsmeinung“ nicht weniger als eine Entrümpelung des Himmels. Den Schöpfer sollen wir loben und verehren, sagt er, nicht die Schöpfung!

Wie steht es dann für Christen mit der grandiosen „unbelebten“ Schöpfung? Den Bergen, den Flüssen, den Wolken, den Wiesen und Wäldern? Ist das alles einfach „tote Materie“? Nur ein schöner Teil der Kulisse, vor der sich unser Leben abspielt? Sie merken schon: Meine Frage drängt Sie zu einem „Nein“. Nein, es ist nicht nur „Dichtung“, wenn der Psalm menschliches Gotteslob in einen ganz großen Rahmen stellt. Wenn er alles Geschaffene auffordert, ins Lob der Menschen für den Schöpfer einzustimmen.

Dahinter steht die Überzeugung: Gott, den Schöpfer und Erhalter, können wir gar nicht genug loben! Wenn ich das auf mich herunterbreche, muss ich sagen: Viel zu wenig lobe ich Gott! Ich könnte, sollte, müsste Gott für alles danken, was er mir zum Nutzen geschaffen hat und erhält!

Das stimmt zwar, aber es greift auch zu kurz. Denn Gotteslob entsteht nicht nur im Kopf, mit Gründen und Argumenten. Es kommt zuerst aus dem Herzen. „… der Intellekt kann nicht Gott loben, nur der atmende, sich freuende, singende Mensch“; „der Mensch in seiner kreatürlichen Ganzheit“.[i] Sagt Claus Westermann. Das ist die Brücke hinüber zum Lob der ganzen Schöpfung.

Hüten wir uns, über das gemeinsame Gotteslob der ganzen Schöpfung zu lächeln, weil es ja „nur“ im Alten Testament vorkomme (vgl. Jes 55,12). Kein geringerer als der Apostel Paulus spricht von einem „Seufzen“ der Schöpfung wegen der quälenden Vergänglichkeit, die der Mensch verursacht hat. Er weiß aber auch, dass „die Schöpfung … frei [werden] wird von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“ (Röm 8,21f). Und ganz am Ende der Bibel, da, wo es um den neuen Himmel und die neue Erde geht, steht Gottes Versprechen: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offb 21,5). Wir Menschen denken immer zuerst an uns. Gott denkt in größeren Dimensionen!

Diese Einsicht könnte dazu führen, dass ich mir vornehme, Gott heute mehr zu loben und konkreter zu danken für das, was mein Leben angenehm, reich und schön macht, wirklich lebenswert. Dankbarkeit und Freude sind die „Motoren“, die uns Gott loben lassen. Wie soll die Schöpfung Gott loben, wenn wir es ihr nicht vormachen?


 

[i] Claus Westermann, Art. „loben“, in: Theologisches Handwörterbuch zum Alten Testament I, S. 496


 

Autor: Dekan Dr. Heinz-Werner Neudorfer

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Gott liebt diese Welt

Gott liebt diese Welt. Davon sind Christen überzeugt. Und das ist auch gut so. Denn anders würde ich sie aufgeben, unsere schöne, hässliche Welt.

Was ist schön an ihr? Das Schöne sind die wunderbaren Menschen, die anderen helfen und sogar unter Einsatz ihres Lebens andere retten, wie die Bergretter etwa. Das Hässliche sind die Menschen, die morden und stehlen, lügen und betrügen und ohne Bedenken andere ausbeuten. Unsere Welt bewegt sich zwischen Gut und Böse, einmal mehr zum Guten und ein anderes Mal mehr zum Bösen, immer hin- und hergerissen und niemals eindeutig. Ich denke an die Redensart von den zwei Seiten einer Medaille.

Gott weiß das. Gut ist keiner, auch nicht einer. Jeder Lebensweg ist eine Gratwanderung über dem Abgrund. Mein Glaube an den Gott der Liebe ändert nichts daran, dass ich gleichzeitig gut und böse sein kann. Alles, was mir dennoch an Menschlichkeit gelingt, kommt von Gott, behaupte ich. Und immer wenn ich lieben kann, geschieht etwas Wunderbares: Für einen kurzen Augenblick scheint Gottes Licht in die Dunkelheit. Dann wird es für den, der geliebt wird, hell und auch für mich. Dann geschieht schon hier und jetzt, was Gott für die ferne Zukunft vorgesehen hat. Ich lese aus Jesaja 11, die Verse 1-9 in Auszügen:

„Was von David‘s Königshaus noch übrigbleibt, gleicht einem alten Baumstumpf. Doch er wird zu neuem Leben erwachen: ein junger Trieb sprießt aus seinen Wurzeln hervor. Der Geist des Herrn wird auf ihm ruhen, ein Geist der Weisheit und der Einsicht, ein Geist des Rates und der Kraft, ein Geist der Erkenntnis und der Ehrfurcht vor dem Herrn. Unbestechlich verhilft er den Armen zu ihrem Recht und setzt sich für die Rechtlosen im Lande ein. Gerechtigkeit und Treue werden sein ganzes Handeln bestimmen. Dann werden Wolf und Lamm friedlich beieinander wohnen, der Leopard wird beim Ziegenböckchen liegen. Kälber, Rinder und junge Löwen weiden zusammen, ein kleiner Junge kann sie hüten. Der Löwe frisst Heu wie das Rind. Auf dem ganzen heiligen Berg wird niemand etwas Böses tun und Schaden anrichten. Alle Menschen kennen den Herrn, das Wissen um ihn erfüllt das Land wie Wasser das Meer.“ (HFA) Daran schließt sich in Vers 10 an:

„In dieser Zeit ist der Trieb, der aus der Wurzel Davids hervorsprießt, als Zeichen für alle Völker sichtbar. Sie werden nach ihm fragen, und der Ort, an dem er wohnt, wird herrlich sein.“

Gott liebt diese Welt. Er hat sie geschaffen und erhalten und er wird ihre hässliche Seite verwandeln. Kein Unrecht mehr, kein Töten mehr. Frieden zwischen Menschen und zwischen Tieren sowie zwischen Tier und Mensch. Ein Mann Gottes wird dann allen Menschen Frieden verschaffen. Ein hin- und hergerissen Sein wird es nicht mehr geben. Keine Gratwanderung mehr über dem Abgrund, sondern nur noch Liebe und Gerechtigkeit. Ein Menschheitstraum geht in Erfüllung.

Wer ist der Mann Gottes, der die Welt auf ewig friedlich machen wird? - Juden und Christen glauben, es ist der Messias, der von alters her schon vorhergesagte Retter der ganzen Welt. Er wird kommen. Für Christen war er schon da und ihn erwarten sie zurück: Jesus. Für jüdisch Gläubige wird sich dann zeigen, ob der von ihnen erwartete Retter Jesus sein wird oder nicht.

Eins aber ist sicher: Die Messiaserwartung gehört zur Geschichte Israels. Sie bildet die Grundlage der christlichen Messiaserwartung.

Autor: Mag. Theol. Rositta Krämer

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Gott erkennen ? aber wie?

Was haben die Seele und Gott gemeinsam? - Beide sind unsichtbar, Gott in den Weiten des Weltalls und die Seele im menschlichen Körper. Wie kann ich da erkennen, dass es Gott gibt? Und woher weiß ich, dass ich eine Seele habe?

Ich weiß, dass ich eine Seele habe, weil sie sich körperlich bemerkbar macht. So weine ich, wenn ich traurig bin oder lache, wenn ich mich freue. Meine Empfindungen, meine Seelenzustände machen sich körperlich bemerkbar. Und wenn mein Körper schmerzt, wirkt das auf meinen Seelenzustand zurück. Wir sind Körper-Seelen. Das Innere wirkt auf das Äußere und umgekehrt.

Für uns heute kaum nachzuvollziehen, glaubten die Menschen der Bibel eine lebendige Seele zu sein mit Haut und Haar. Sie hatten nicht eine Seele im Körper. Sie waren lebendige Seelen. Wir dagegen haben sogar drei Teile, den Körper, den Geist und die Seele mit dem Problem, diese Dreiteilung zu überwinden. Stichwort: Ganzheitlichkeit. Aber nun zu Gott.

Dazu aus Psalm 100, Vers 3 : „Erkennt, dass der Herr unser Gott ist.“ Woran sollten die Menschen damals vor 3000 Jahren, als der Psalm entstand, ihren Gott erkennen? Ich lese ihn im Ganzen:

„Jubelt dem Herrn zu, ihr Völker der Erde! Dient ihm mit Freude, kommt zu ihm mit fröhlichen Liedern! Erkennt, dass der Herr unser Gott ist! Er hat uns zu seinem Volk gemacht, ihm gehören wir! Er sorgt für uns wie ein Hirte für seine Herde. Geht durch die Tempeltore ein mit Dank. Betretet den festlichen Vorhof mit lautem Lob! Preist ihn! Rühmt ihn! Denn der Herr ist gut zu uns, seine Gnade hört niemals auf, für alle Zeit hält er uns die Treue.“

Wer soll erkennen, dass der Herr Gott ist? Die Völker der Erde.

Woran sollen sie erkennen, dass der Herr Gott ist? An Israel, das der Herr zu seinem Volk gemacht und dem er ewige Treue geschworen hat. Daran sollen die Völker erkennen, dass der Herr Gott ist. Mit Herr ist Jahwe gemeint, der Gott von Abraham, Isaak und Jakob. Freuen sollen sich die Völker, Gott dienen und fröhliche Lieder singen. Denn er ist da, wirkt in und an Israel, was jeder sehen kann. Es ist nicht mehr nötig, die eigenen Götzenbilder anzubeten. Denn Gott ist da, er war immer da und wird immer da sein. Er, Jahwe, „Der-ich-bin“, ist Gott für alle, erkennbar an seiner Geschichte mit Israel.

Woran können wir erkennen, dass es Gott gibt? - Nicht anders als die Völker der Erde von einst – vom Hörensagen durch die Menschen, die sich von Gott behütet wissen und denen er gnädig war. Die Botschaft darüber, dass Gott sich um seine Welt kümmert, wird von Mensch zu Mensch weitergegeben. Bis heute. Immer wenn Menschen ihre Welt- und Gotteserfahrung zusammenführen, geschieht dasselbe wie mit der Seele und dem Körper: Gott findet seinen Ausdruck, seine Mitteilung, wenn man so will, seine Körperlichkeit, durch Christen.

Was haben die Seele und Gott gemeinsam? - Beide sind unsichtbar. Wie weiß ich, dass es die Seele gibt? - Durch ihre Wirkung auf meinen Körper. Und wie erkenne ich, dass es Gott gibt? - An seiner Wirkung auf Menschen. Glaube beginnt, wenn ich zulasse, dass Gott zu meiner Geschichte wird, indem ich den Erfahrungen gläubiger Menschen traue, die bezeugen: „Denn der Herr ist gut zu uns, seine Gnade hört niemals auf, für alle Zeit hält er uns die Treue.“

Autor: Mag. Theol. Rositta Kr?mer

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Gott erkennen – aber wie?

Was haben die Seele und Gott gemeinsam? - Beide sind unsichtbar, Gott in den Weiten des Weltalls und die Seele im menschlichen Körper. Wie kann ich da erkennen, dass es Gott gibt? Und woher weiß ich, dass ich eine Seele habe?

Ich weiß, dass ich eine Seele habe, weil sie sich körperlich bemerkbar macht. So weine ich, wenn ich traurig bin oder lache, wenn ich mich freue. Meine Empfindungen, meine Seelenzustände machen sich körperlich bemerkbar. Und wenn mein Körper schmerzt, wirkt das auf meinen Seelenzustand zurück. Wir sind Körper-Seelen. Das Innere wirkt auf das Äußere und umgekehrt.

Für uns heute kaum nachzuvollziehen, glaubten die Menschen der Bibel eine lebendige Seele zu sein mit Haut und Haar. Sie hatten nicht eine Seele im Körper. Sie waren lebendige Seelen. Wir dagegen haben sogar drei Teile, den Körper, den Geist und die Seele mit dem Problem, diese Dreiteilung zu überwinden. Stichwort: Ganzheitlichkeit. Aber nun zu Gott.

Dazu aus Psalm 100, Vers 3 : „Erkennt, dass der Herr unser Gott ist.“ Woran sollten die Menschen damals vor 3000 Jahren, als der Psalm entstand, ihren Gott erkennen? Ich lese ihn im Ganzen:

„Jubelt dem Herrn zu, ihr Völker der Erde! Dient ihm mit Freude, kommt zu ihm mit fröhlichen Liedern! Erkennt, dass der Herr unser Gott ist! Er hat uns zu seinem Volk gemacht, ihm gehören wir! Er sorgt für uns wie ein Hirte für seine Herde. Geht durch die Tempeltore ein mit Dank. Betretet den festlichen Vorhof mit lautem Lob! Preist ihn! Rühmt ihn! Denn der Herr ist gut zu uns, seine Gnade hört niemals auf, für alle Zeit hält er uns die Treue.“

Wer soll erkennen, dass der Herr Gott ist? Die Völker der Erde.

Woran sollen sie erkennen, dass der Herr Gott ist? An Israel, das der Herr zu seinem Volk gemacht und dem er ewige Treue geschworen hat. Daran sollen die Völker erkennen, dass der Herr Gott ist. Mit Herr ist Jahwe gemeint, der Gott von Abraham, Isaak und Jakob. Freuen sollen sich die Völker, Gott dienen und fröhliche Lieder singen. Denn er ist da, wirkt in und an Israel, was jeder sehen kann. Es ist nicht mehr nötig, die eigenen Götzenbilder anzubeten. Denn Gott ist da, er war immer da und wird immer da sein. Er, Jahwe, „Der-ich-bin“, ist Gott für alle, erkennbar an seiner Geschichte mit Israel.

Woran können wir erkennen, dass es Gott gibt? - Nicht anders als die Völker der Erde von einst – vom Hörensagen durch die Menschen, die sich von Gott behütet wissen und denen er gnädig war. Die Botschaft darüber, dass Gott sich um seine Welt kümmert, wird von Mensch zu Mensch weitergegeben. Bis heute. Immer wenn Menschen ihre Welt- und Gotteserfahrung zusammenführen, geschieht dasselbe wie mit der Seele und dem Körper: Gott findet seinen Ausdruck, seine Mitteilung, wenn man so will, seine Körperlichkeit, durch Christen.

Was haben die Seele und Gott gemeinsam? - Beide sind unsichtbar. Wie weiß ich, dass es die Seele gibt? - Durch ihre Wirkung auf meinen Körper. Und wie erkenne ich, dass es Gott gibt? - An seiner Wirkung auf Menschen. Glaube beginnt, wenn ich zulasse, dass Gott zu meiner Geschichte wird, indem ich den Erfahrungen gläubiger Menschen traue, die bezeugen: „Denn der Herr ist gut zu uns, seine Gnade hört niemals auf, für alle Zeit hält er uns die Treue.“

Autor: Mag. Theol. Rositta Krämer

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Was z?hlt?

Worüber haben Christen nicht schon gestritten im Laufe der Zeit!

Seit der Reformation gibt es zum Beispiel den Streit um die Gültigkeit der Kindertaufe. In der Gründerzeit der methodistischen Kirche gab es Auseinandersetzungen darüber, ob ein außerhalb einer Kirche im Freien abgehaltener Gottesdienst gültig sei oder nicht. Es gab Konflikte um die Rolle der Frauen in der Kirche oder die Teilnahme von Kindern am Abendmahl., Auch die Frage nach dem einem Gottesdienst angemessenen Musikstil oder das Thema der Kirchenstruktur können Christen gegeneinander aufbringen. Und es gibt noch viel, viel mehr davon.

In meinen Augen ist freilich nicht dies das Problem, dass es in vielen Fragen unterschiedliche, ja, widersprüchliche christliche Haltungen gibt. Sondern schwierig wird es da, wo der Konflikt ausgetragen wird, als stünde dabei der Glaube an sich auf dem Spiel.

Ähnliche Konflikte, die mit solcher Heftigkeit ausgetragen wurden, spiegeln sich auch in der Bibel. In Rom stritt man sich offenbar darüber, ob Christen Fleisch essen dürften. Dabei ging es nicht um Vegetarismus oder Veganismus. Sondern Auslöser war die Tatsache, dass es auf den Märkten nur Fleisch zu kaufen gab, das vorher in einem heidnischen Tempel den Göttern geweiht worden war. Manche Christen fanden, das spiele keine Rolle. Christus sei ja eh stärker. Andere aber hatten Angst davor, mit dem Verzehr solchen Fleisches ihrem Glauben zu schaden.

Paulus redet in seinem Brief beiden Seiten ins Gewissen. Dann fasst er in Römer 14,17 zusammen: „Beim Reich Gottes geht es schließlich nicht um Essen und Trinken. Es geht um Gerechtigkeit, Frieden und Freude, die der Heilige Geist schenkt.“

Es ist wirklich tragisch, wie schnell oft vergessen geht, worauf es ankommt. Wir schießen uns auf unsere Themen ein. Und gerade weil es uns ernst ist mit dem Glauben, verteidigen wir Ansichten gnadenlos, über die Christus vielleicht nur müde lächelt. Weil sie bei weitem nicht so wichtig sind, wie wir meinen. Es ist ja nicht die richtige Lehre, die uns rettet. Sondern Christus allein rettet. Und ihm ist wichtig, dass das Reich Gottes wächst. Das heißt, dass die Gerechtigkeit sich ausbreitet und gestärkt wird. Dass Menschen Frieden finden mit Gott und miteinander. Dass wir uns öffnen, damit der Heilige Geist uns mit Freude füllen kann, uns durchdringen und prägen kann.

Es ist kein Zufall, dass das Reich Gottes in der ganzen Bibel immer wieder mit dem Bild eines Festes umschrieben wird. Eines Festes, das steigt, weil Gerechtigkeit und Friede um sich greifen. Darum geht es vor allem anderen. Daran erinnert Paulus die Gemeinde in Rom.

Das heißt nicht, dass wir nicht auch kontrovers über alle möglichen Fragen diskutieren dürften. Doch. Wir dürfen. Das ist ja auch oft spannend und anregend. Aber bitte nicht so, dass man sich gegenseitig den Glauben anzuzweifeln oder gar abzusprechen beginnt. Sondern so, dass darin Gerechtigkeit, Frieden und Freude spürbar werden. Denn das ist es, was Gott für uns alle will. Sein Reich ist das Reich der Gerechtigkeit, des Friedens und der Freude.

Autor: Pfarrer Daniel Eschbach

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Was zählt?

Worüber haben Christen nicht schon gestritten im Laufe der Zeit!

Seit der Reformation gibt es zum Beispiel den Streit um die Gültigkeit der Kindertaufe. In der Gründerzeit der methodistischen Kirche gab es Auseinandersetzungen darüber, ob ein außerhalb einer Kirche im Freien abgehaltener Gottesdienst gültig sei oder nicht. Es gab Konflikte um die Rolle der Frauen in der Kirche oder die Teilnahme von Kindern am Abendmahl., Auch die Frage nach dem einem Gottesdienst angemessenen Musikstil oder das Thema der Kirchenstruktur können Christen gegeneinander aufbringen. Und es gibt noch viel, viel mehr davon.

In meinen Augen ist freilich nicht dies das Problem, dass es in vielen Fragen unterschiedliche, ja, widersprüchliche christliche Haltungen gibt. Sondern schwierig wird es da, wo der Konflikt ausgetragen wird, als stünde dabei der Glaube an sich auf dem Spiel.

Ähnliche Konflikte, die mit solcher Heftigkeit ausgetragen wurden, spiegeln sich auch in der Bibel. In Rom stritt man sich offenbar darüber, ob Christen Fleisch essen dürften. Dabei ging es nicht um Vegetarismus oder Veganismus. Sondern Auslöser war die Tatsache, dass es auf den Märkten nur Fleisch zu kaufen gab, das vorher in einem heidnischen Tempel den Göttern geweiht worden war. Manche Christen fanden, das spiele keine Rolle. Christus sei ja eh stärker. Andere aber hatten Angst davor, mit dem Verzehr solchen Fleisches ihrem Glauben zu schaden.

Paulus redet in seinem Brief beiden Seiten ins Gewissen. Dann fasst er in Römer 14,17 zusammen: „Beim Reich Gottes geht es schließlich nicht um Essen und Trinken. Es geht um Gerechtigkeit, Frieden und Freude, die der Heilige Geist schenkt.“

Es ist wirklich tragisch, wie schnell oft vergessen geht, worauf es ankommt. Wir schießen uns auf unsere Themen ein. Und gerade weil es uns ernst ist mit dem Glauben, verteidigen wir Ansichten gnadenlos, über die Christus vielleicht nur müde lächelt. Weil sie bei weitem nicht so wichtig sind, wie wir meinen. Es ist ja nicht die richtige Lehre, die uns rettet. Sondern Christus allein rettet. Und ihm ist wichtig, dass das Reich Gottes wächst. Das heißt, dass die Gerechtigkeit sich ausbreitet und gestärkt wird. Dass Menschen Frieden finden mit Gott und miteinander. Dass wir uns öffnen, damit der Heilige Geist uns mit Freude füllen kann, uns durchdringen und prägen kann.

Es ist kein Zufall, dass das Reich Gottes in der ganzen Bibel immer wieder mit dem Bild eines Festes umschrieben wird. Eines Festes, das steigt, weil Gerechtigkeit und Friede um sich greifen. Darum geht es vor allem anderen. Daran erinnert Paulus die Gemeinde in Rom.

Das heißt nicht, dass wir nicht auch kontrovers über alle möglichen Fragen diskutieren dürften. Doch. Wir dürfen. Das ist ja auch oft spannend und anregend. Aber bitte nicht so, dass man sich gegenseitig den Glauben anzuzweifeln oder gar abzusprechen beginnt. Sondern so, dass darin Gerechtigkeit, Frieden und Freude spürbar werden. Denn das ist es, was Gott für uns alle will. Sein Reich ist das Reich der Gerechtigkeit, des Friedens und der Freude.

Autor: Pfarrer Daniel Eschbach

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Vor-Urteile

„Von dem hätte ich das zuletzt erwartet!“ – Den Gedanken kennen wir. Vielleicht hat jemand, der uns eigentlich tief beeindruckt, unerwartet eine Schattenseite gezeigt. Oder umgekehrt: Jemand, dem wir nicht viel zugetraut hätten, hat uns positiv überrascht. Ich erinnere mich an einen Werbespot, der mit Letzterem spielt: Man sieht einen aggressiv aussehenden Mann mit aller Kraft auf eine alte Frau zu rennen. Er packt sie und reißt sie mit sich. Alles sieht nach einem Überfall aus. Erst im letzten Moment zeigt ein Schwenk der Kamera den vollen Betonkessel, der vom Kran darüber herunterfällt. Er hätte die Frau erschlagen, wenn sie der Mann nicht weggestoßen und gerettet hätte.

Es kommt oft vor, dass uns Vorurteile oder fixe Erwartungen in die falsche Richtung leiten. Das müssen wir uns nicht immer gleich zum Vorwurf machen. Immerhin sind wir auf vorgefasste Meinungen ja auch angewiesen, um im Alltag schnelle Entscheidungen treffen zu können. Sehr schade ist allerdings, wenn solche vorgefassten Meinungen uns daran hindern, anderen Menschen Gutes zuzutrauen.

Der Evangelist Lukas erzählt die Geschichte von 10 aussätzigen Männern, die Jesus um Hilfe baten. Dieser schickte sie zum Priester. Auf dem Weg dorthin wurden sie gesund. Und dann heißt es in Lukas 17,15-16: „Einer aus der Gruppe kam zurück, als er es merkte. Laut pries er Gott, warf sich vor Jesus nieder, das Gesicht zur Erde, und dankte ihm. Und das war ein Samariter.“ (GNB)

„Von dem hätten das die Leute zuletzt erwartet!“ Samariter und Juden waren sich spinnefeind. Entsprechend hatten sich Feindbilder entwickelt. Und das bewirkte wohl, dass man sich gegenseitig fast alles zutraute, nur nichts Gutes. Ein Samariter, der sich dankbarer zeigt als seine jüdischen Leidensgefährten? Das kann doch nicht sein. Ein Samariter, der hilfsbereiter ist als jüdische Geistliche, wie es Jesus in seinem bekannten Gleichnis erzählt? Was für eine Provokation!

Wo führen unsere Vorurteile dazu, dass wir einem Menschen wenig bis nichts Gutes zutrauen? Die leidvolle Geschichte von Antisemitismus und Rassismus ist bekannt. Da gibt es viele Beispiele. Und was ist mit dem Nachbarn, mit dem ich vor Jahren einmal ein unerfreuliches Zusammentreffen hatte? Der Pfarrerin, die von jedem Bibeltext aus im Nullkommanichts zu ihrem Lieblingsthema findet? Oder dem Lehrer, der mein Kind ungerecht benotete? Oder den Jungen in der Gemeinde, bei denen immer alles so laut und übertrieben sein muss?

Menschen sind viel mehr als das, was mich an ihnen vielleicht stört. Ich möchte immer wieder üben, mich von Menschen positiv überraschen zu lassen und mich gegen negative Vorurteile wehren. Dann müsste ich seltener zähneknirschend eingestehen: „Das hätte ich dem gar nicht zugetraut!“ Und ich hätte viel Grund zur Freude über die Kreativität und das Potenzial, mit denen Gott meine Mitmenschen begabt. – Ich wünsche ihnen in diesem Sinne einen überraschend erfreulichen Tag.

Autor: Pfarrer Daniel Eschbach

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?Machst du mir eine Apfelschorle??

„Mama! Machst du mir eine Apfelschorle?“ Meine Tochter sitzt am Esstisch. Die Flaschen mit Wasser und Apfelsaft stehen direkt vor ihr. Beide sind noch etwa halbvoll, damit nicht zu schwer für sie. „Das kannst du doch wirklich selbst machen!“ antworte ich. Sie ist immerhin schon 8, alt genug, um Schorle zu mischen. Sie verdreht die Augen. „Och bitte, Mama!“ Ich verdrehe auch die Augen, innerlich. Zugegeben, das ist kein großer Kampf, den wir da ausfechten. Aber ich will doch, dass die Kinder selbständig sind. Sie möchte eine Apfelschorle, also soll sie sich eine machen.

Stellen wir uns mal vor, am Tisch säße nicht meine Familie, sondern Jesus und ein paar andere Leute. Einer würde sagen: „Jesus, gib mir bitte etwas zu trinken!“ Wie würde Jesus wohl antworten? „Da steht doch der Krug, also nimm dir selbst!“ Schwer vorstellbar, oder? Vielleicht war es so eine ähnliche Situation beim Laubhüttenfest in Jerusalem, die Jesus dazu brachte, diesen Satz zu sagen. Er steht im Johannesevangelium: „Wer durstig ist, soll zu mir kommen und trinken!“ (GNB) Kein langes Bitten und Betteln, kein aufwändiges Mischen, sondern einfach nur kommen und trinken. Bei Jesus ist alles bereit.

Aber was gibt es bei Jesus denn zu trinken? Apfelschorle? Nein, es gibt einen Durstlöscher, der viel länger anhält. Dauerhaft sogar. „Lebendiges Wasser“ heißt das in der Bibel. Was das sein soll? Lebenskraft, Mut, Freude, Trost direkt von Gott. Erfrischung, Ruhe, Gelassenheit, Zuversicht. Komm und nimm, was ich dir gebe, sagt Jesus, dann wird es dir gut gehen. Aber eins solltest du schon tun: Kommen. Eigentlich ganz einfach. Könnte man meinen.

Ich kenne diesen Bibelvers schon sehr lange. Trotzdem vergesse ich immer wieder, dass Jesus jederzeit bereitsteht. Mit Kraft und Erfrischung.

Ich versuche, selber durchzuhalten, meinen Durst nach Leben und meine Erschöpfung selbst in den Griff zu bekommen. Meine Apfelschorle, pardon, mein lebendiges Wasser selbst zu mixen. Schließlich habe ich von Anfang an gelernt: Sei selbständig. Du kriegst das Leben in den Griff! Kümmere dich um deine Probleme. In dir steckt alles, was du brauchst. Wenn du viel leistest, gewinnst du auch viel. Solche Sätze habe ich richtig verinnerlicht. Aber ich merke immer wieder: Das ist nicht wahr. Ich kann eben nicht immer alles aus eigener Kraft. Wenn ich das dauerhaft so lebe, geht mir nur immer mehr die Puste aus. Ich brauche eine Kraftquelle, die nicht in mir selbst liegt. Und es könnte so einfach sein: Komm und trink. Der Vorrat bei Jesus ist nie erschöpft.

Und das ist noch nicht alles. Dazu gibt Jesus das Versprechen: Wenn du von mir trinkst, wenn du dich aus meiner Quelle stärkst, dann wird dieses lebendige Wasser auch von dir ausgehen. Aus deinem Inneren strömen sogar. Das heißt: Wenn ich mir von Jesus einschenken lasse, ist mein Glas immer voll. Und er gießt so beständig nach, dass ich mit vollen Händen weitergeben kann. Das ist dann keine Anstrengung. Sondern passiert ganz von selbst. Wunderbar!

Zurück zu unserem Esstisch. Diesmal habe ich den Kampf mit meiner Tochter gewonnen. Sie schraubt den Deckel von der Apfelsaftflasche. „Na gut, dann mache ich das selbst!“

Beim nächsten Mal, nehme ich mir vor, werde ich die Schorle wieder für sie mischen. Und vielleicht von dem Satz von Jesus erzählen. Bestimmt ist es nicht falsch, wenn sie lernt, dass sie versorgt wird, wenn sie darum bittet.

Autor: Annette Lapp

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„Machst du mir eine Apfelschorle?“

„Mama! Machst du mir eine Apfelschorle?“ Meine Tochter sitzt am Esstisch. Die Flaschen mit Wasser und Apfelsaft stehen direkt vor ihr. Beide sind noch etwa halbvoll, damit nicht zu schwer für sie. „Das kannst du doch wirklich selbst machen!“ antworte ich. Sie ist immerhin schon 8, alt genug, um Schorle zu mischen. Sie verdreht die Augen. „Och bitte, Mama!“ Ich verdrehe auch die Augen, innerlich. Zugegeben, das ist kein großer Kampf, den wir da ausfechten. Aber ich will doch, dass die Kinder selbständig sind. Sie möchte eine Apfelschorle, also soll sie sich eine machen.

Stellen wir uns mal vor, am Tisch säße nicht meine Familie, sondern Jesus und ein paar andere Leute. Einer würde sagen: „Jesus, gib mir bitte etwas zu trinken!“ Wie würde Jesus wohl antworten? „Da steht doch der Krug, also nimm dir selbst!“ Schwer vorstellbar, oder? Vielleicht war es so eine ähnliche Situation beim Laubhüttenfest in Jerusalem, die Jesus dazu brachte, diesen Satz zu sagen. Er steht im Johannesevangelium: „Wer durstig ist, soll zu mir kommen und trinken!“ (GNB) Kein langes Bitten und Betteln, kein aufwändiges Mischen, sondern einfach nur kommen und trinken. Bei Jesus ist alles bereit.

Aber was gibt es bei Jesus denn zu trinken? Apfelschorle? Nein, es gibt einen Durstlöscher, der viel länger anhält. Dauerhaft sogar. „Lebendiges Wasser“ heißt das in der Bibel. Was das sein soll? Lebenskraft, Mut, Freude, Trost direkt von Gott. Erfrischung, Ruhe, Gelassenheit, Zuversicht. Komm und nimm, was ich dir gebe, sagt Jesus, dann wird es dir gut gehen. Aber eins solltest du schon tun: Kommen. Eigentlich ganz einfach. Könnte man meinen.

Ich kenne diesen Bibelvers schon sehr lange. Trotzdem vergesse ich immer wieder, dass Jesus jederzeit bereitsteht. Mit Kraft und Erfrischung.

Ich versuche, selber durchzuhalten, meinen Durst nach Leben und meine Erschöpfung selbst in den Griff zu bekommen. Meine Apfelschorle, pardon, mein lebendiges Wasser selbst zu mixen. Schließlich habe ich von Anfang an gelernt: Sei selbständig. Du kriegst das Leben in den Griff! Kümmere dich um deine Probleme. In dir steckt alles, was du brauchst. Wenn du viel leistest, gewinnst du auch viel. Solche Sätze habe ich richtig verinnerlicht. Aber ich merke immer wieder: Das ist nicht wahr. Ich kann eben nicht immer alles aus eigener Kraft. Wenn ich das dauerhaft so lebe, geht mir nur immer mehr die Puste aus. Ich brauche eine Kraftquelle, die nicht in mir selbst liegt. Und es könnte so einfach sein: Komm und trink. Der Vorrat bei Jesus ist nie erschöpft.

Und das ist noch nicht alles. Dazu gibt Jesus das Versprechen: Wenn du von mir trinkst, wenn du dich aus meiner Quelle stärkst, dann wird dieses lebendige Wasser auch von dir ausgehen. Aus deinem Inneren strömen sogar. Das heißt: Wenn ich mir von Jesus einschenken lasse, ist mein Glas immer voll. Und er gießt so beständig nach, dass ich mit vollen Händen weitergeben kann. Das ist dann keine Anstrengung. Sondern passiert ganz von selbst. Wunderbar!

Zurück zu unserem Esstisch. Diesmal habe ich den Kampf mit meiner Tochter gewonnen. Sie schraubt den Deckel von der Apfelsaftflasche. „Na gut, dann mache ich das selbst!“

Beim nächsten Mal, nehme ich mir vor, werde ich die Schorle wieder für sie mischen. Und vielleicht von dem Satz von Jesus erzählen. Bestimmt ist es nicht falsch, wenn sie lernt, dass sie versorgt wird, wenn sie darum bittet.

Autor: Annette Lapp

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Jeden Tag

Können Sie gut allein sein? Ich persönlich genieße es sehr. Es kommt aber auch eher selten vor. Mit Familie, Kindern und Beruf kann ich nicht oft nur für mich entscheiden, was ich mit meiner Zeit anfangen will. Zu wissen: Ein paar Stunden oder sogar ein ganzer Tag liegt vor mir. Und nur ich kann mir überlegen, was ich damit tun möchte. Herrlich! Spazierengehen. Stundenlang die Nase in ein gutes Buch stecken. Oder auch mal einen Film ansehen. Keiner der mich stört, keiner, der was von mir möchte. Das tut mir richtig gut.

Allein zu sein hat aber auch eine andere Seite. Mir sind schon einige einsame Menschen begegnet. Ein älterer Herr, körperlich eingeschränkt, der sein Haus kaum verlassen kann. Der Pflegedienst kommt zwei Mal am Tag. Kinder hat er nicht. Eigentlich ist da keiner, der nach ihm fragt, mal anruft oder einfach vor der Tür steht. Als ich das eines Tages doch tue, öffnet er mir mit gleichgültigem Gesicht die Tür. Ich erkläre, dass ich ihn besuchen möchte und etwas Zeit mitgebracht habe. Ich bleibe etwa eine Stunde. Als ich mich verabschiede, hat sich sein Gesicht verändert. Mit einem Lächeln auf den Lippen sagt er auf Wiedersehen. Mein Herz ist schwer und leicht zugleich. Ich weiß: Das hat ihm gutgetan. Andererseits wird er jetzt wieder lange allein sein.

Ich vermute: Wir Menschen brauchen beides: Gesellschaft und allein sein. Wissen: da gibt es eine Gemeinschaft, zu der ich gehöre. Und die mir gleichzeitig Freiheit lässt, wenn ich mal Ruhe brauche. Viele finden das in der Familie. Manche suchen ihr Leben lang danach.

Jesus und seine Jünger waren etwa drei Jahre lang sehr viel zusammen. Eine Gemeinschaft, die zusammengehörte. Miteinander auskommen musste. Freunde waren sie nicht unbedingt, aber es gab etwas, das sie verband: Jesus hatte sie gerufen. Das war bestimmt nicht immer leicht. Gleichzeitig gut für jeden zu wissen: Ich gehöre dazu.

Die Bibel erzählt an mehreren Stellen, dass Jesus sich immer wieder von der Gruppe entfernt hat. Um allein zu sein. Ruhe zu finden. Zu beten. So hat er Kraft gesammelt für die Zeit mit der Gruppe.

Nachdem Jesus gestorben ist, müssen die Jünger mit einer ganz neuen Situation klarkommen. Schließlich war Jesus der Mittelpunkt, der ihre Gruppe zusammengehalten hat. Er erscheint seinen Jüngern nach der Auferstehung. Sagt ihnen, was sie jetzt tun sollen: Davon erzählen, was sie mit Jesus erlebt haben. Und dann sagt er diesen Satz: Ihr sollt wissen: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.

Verrückt eigentlich, denn kurz darauf verlässt er sie. Aber sie haben Kraft bekommen und spüren seine Nähe. Auch wenn sie ihn nicht mehr sehen. Und sie fangen an, anderen von ihm zu erzählen. Der Anfang der Kirche. Gemeinschaft von Menschen, die alle wissen: Wir gehören zusammen. Und wir gehören zu dem, den wir nicht mehr sehen. Der aber trotzdem immer da ist.

Vielleicht ist das Geheimnis des Alleinseins: Ich weiß, ich gehöre dazu. Ich weiß, ich bin geliebt. Ich weiß, es gibt diese Kraftquelle. Auch wenn ich sie nicht immer sehe. Und dann kann ich es gut aushalten, Zeit mit mir selbst zu verbringen. Weil Jesus mein Ankerpunkt ist, der nie in Frage steht.

Ich bin jeden Tag bei dir, sagt Jesus. Egal, ob du dich gerade von der Gemeinschaft anderer Menschen erdrückt fühlst. Dich nach Ruhe sehnst. Oder darauf wartest, dass endlich mal wieder jemand an deiner Tür klingelt. Ich bin jeden Tag bei dir. Egal, ob du mit anderen zusammen lachst, oder ob du alleine weinst. Ich bin jeden Tag bei dir. Ich kenne jeden Moment deines Lebens und jeden Winkel deiner Seele. Und deshalb brauchst du auch keine Angst vor dir selbst zu haben. In mir bist du verankert.

Gleichzeitig stellt Jesus uns in die Gemeinschaft. Ich bin bei euch, das heißt: Ihr gehört zusammen. Also geht miteinander um, wie ich mit euch umgehe. Liebevoll. Verständnisvoll. Lasst keinen allein, der das nicht möchte. Aber gebt einander die Freiheit, euch auch einmal zurückzuziehen. Ihr müsst nicht aneinander klammern, denn ihr habt ja immer noch mich. Jeden Tag, bis an das Ende der Welt.

Ich denke noch einmal an den älteren Herrn, den ich besucht habe. Ich habe ihm ein Heft mit Bibelversen mitgebracht. Ich hoffe, er liest es. Ich hoffe, er spürt, dass Jesus ihn nicht allein lässt. Behält etwas zurück von dem, was ich versucht habe, ihm zu bringen. Und ich hoffe, dass mich auch jemand besucht, wenn ich mal alt und allein bin.

Bis es so weit ist, genieße ich die Ruhe, wenn die Kinder einmal ausgeflogen sind. Und freue mich, wenn sie wiederkommen. Was für ein Geschenk, wenn man zusammengehört!

Autor: Annette Lapp

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Entschuldigung

„Ich entschuldige mich“, ist eine oft gebrauchte Redewendung unter uns.

Das sagt dann jemand, der irgendwie Mist gebaut hat und das einsieht. Der einen Termin verpasst hat und merkt, dass er die Gastgeber verärgert hat. Der einen Verkehrsunfall verursacht hat und spürt, was er angerichtet hat. Der einen lieben Menschen durch ein böses Wort verletzt hat und das wieder geraderücken will.

Das Dumme ist nur: Ich kann mich gar nicht entschuldigen. Ich kann mich nicht hinstellen und sagen „Ich entschuldige mich“ – und dann ist der Fall erledigt. Nein, so einfach geht das nicht. Ich kann mich nicht entschuldigen. Das kann nur der tun, an dem ich schuldig geworden bin. Ich kann nur um Entschuldigung bitten. „I beg your pardon“, „Entschuldigen Sie bitte“, heißt es deshalb im Englischen völlig richtig. Nur bei uns, in unserer Sprache hat sich etwas Verräterisches eingeschlichen. „Ich entschuldige mich“, das klingt so einfach. Als sei das so leicht mit Schuld und Vergebung, frei nach dem Motto: Wenn ich nur diesen Satz sage, dann ist alles okay. Ist es aber nicht.

Ich glaube, dass das Thema Sünde und Schuld heute überhaupt wenig gefragt ist, vor allem auch im Blick auf die Beziehung zu Gott. Da reden viele nur noch von einem liebenden Gott, der sowieso alles vergibt, falls da etwas schiefgelaufen sein sollte. Sünde wird höchstens noch als Betriebsunfall angesehen. Dass Jesus ans Kreuz gegangen ist, um mit seinem bitteren Tod unsere Schuld abzutragen, ist eine fremde Botschaft, auch wenn sie im Neuen Testament die Kernbotschaft überhaupt ist. „Seit der Erfindung des Rades ist keine so bedeutende Erfindung mehr gemacht worden wie die neueste: die Abschaffung der Sünde,“ hat vor kurzem einer gesagt.

Dabei ist das mit der Sünde eine todernste Sache. Das deutsche Wort Sünde sagt dazu schon eine Menge. In meinem etymologischen Wörterbuch wird Sünde von Sein abgeleitet. Sünde, heißt es dort, ist ein Notstand des Seins. Denn darum geht es in der Tat: Gott hat den Menschen sich zum Gegenüber geschaffen. Stattdessen hat der Mensch wieder und wieder diese Beziehung aufgegeben, hat Gott einen lieben Gott sein lassen, hat sich stattdessen selbst zum Gott gemacht. Sünde ist der selbstverschuldete Versuch, Gott loszuwerden, um selbst an seine Stelle zu treten.

Sünde ist Selbstsucht - auf Kosten Gottes und der Mitmenschen. Und von der Neigung zu dieser Selbstsucht sind wir selbst alle nicht frei.

Nun fällt mir da eine Bibelstelle ins Auge. Im Buch Jesaja sagt Gott an einer Stelle ohne Umschweife: „Mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missetaten.“ Ja, so ist das bei Gott. Er kann es nicht hinnehmen, dass wir uns so von ihm entfremden. Er tut sich schwer mit unserem Eigensinn. „Die Folge der Sünde ist der Tod“, heißt es einmal im Neuen Testament. Denn Sünde ist Gottesverlust, Gottverlassenheit. Was ist da noch Leben, wenn wir von Gott verlassen sind?

Ja, Gott nimmt unsere Sünde ernst, viel ernster als wir selbst das oft tun. Deshalb musste das Volk Israel 40 Jahre in der Verbannung in Babylon leben, weil es sich vorher von Gott abgewandt und sich gegen ihn versündigt hatte. Es hatte Gott verloren. Aber Gott sei Dank ist das nicht das letzte Wort Gottes über das Leben seines Volkes. Er setzt seine Rede im Jesajabuch fort und sagt: „Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht.“ 

Das Volk hat genug gelitten. Es darf heimkehren. Gott breitet wieder seine Arme aus, wie damals der Vater in der Geschichte vom verlorenen Sohn. Weil Gott so ist und weil er von uns nicht lassen will, darum hat er Jesus, sein Ein und Alles, ans Kreuz gehen lassen. Jesus hat die ganze Schuld der Menschheit auf seine Schultern genommen.

Wer sich an ihn, Jesus, hält und seine Vergebung in Anspruch nimmt, der wird dann nicht mehr sagen: „Ich entschuldige mich“. Sondern er wird sagen: „Vielen Dank, Herr Jesus, dass Du mich entschuldigt hast.“

Autor: Pfarrer i. R. Hartmut Bärend

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?Ver-r?ckt vor Freude?

„Ich bin ver-rückt vor Freude! Aber bin ich da nicht hingerückt zu dem Platz, wo Gott mich haben will?“

Diese Worte haben sich mir tief eingeprägt. Sie stammen von dem westfälischen Pfarrer Fritz Schwarz. Verrückt vor Freude? Da werden wir wohl eher abwinken, zumal in der Corona-Zeit, in der die Gegenwart nicht gerade einfach ist und man durchaus besorgt in die Zukunft schauen muss. Und trotzdem! Wie schön ist es, wenn es Grund zur Freude gibt. Und den gibt es doch auch immer wieder!

Da ist ein Examen glücklich bestanden. Da habe ich einen Menschen kennengelernt, der mir viel bedeutet. Da ist der Urlaub, ja, auch in Corona-Zeiten, wo wir z. B. unser eigenes Land neu entdecken und staunen, wie schön es ist. Da ist die Nachricht, dass eine Krankheit überstanden ist. Alles Gründe, um sich zu freuen. Und Freude bringt den ganzen Menschen in Bewegung; wir kennen es aus unserer Sprache: Da machen Menschen Freudensprünge, da gerät jemand in Freudentaumel, Freudenfeuer werden angezündet, - es soll sogar Menschen geben, die ein Freudengeheul anstimmen.

In der Bibel wird uns von einer Frau berichtet, die auch irgendwie total von Freude erfüllt ist. Es ist Maria, die Mutter Jesu. Das Kind ist in ihrem Bauch, und sie kann sich gar nicht fassen vor Freude. Sie beginnt zu singen, ja, auch das Singen gehört zur Freude, und es fällt so schwer, in diesen Corona-Zeiten weithin darauf verzichten zu müssen. Und was singt Maria? „Meine Seele erhebt den Herrn,“ singt sie und fährt fort: „Und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.“ Wenn das nicht Begeisterung ist! Maria ist ver-rückt vor Freude.

Aber was gibt ihr Anlass, sich so zu freuen? Natürlich, es ist die Freude über Jesus, den sie zur Welt bringen darf. Welche werdende Mutter ist nicht voll innerer Freude über die Aussicht, bald ein eigenes Kind in den Händen zu halten!

Aber hier ist noch etwas anderes. Maria singt weiter, und da wird deutlich, warum sie sich so sehr freut. „Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen“, singt sie. Er, das ist der lebendige Gott. Maria freut sich, weil Gott sie nicht vergessen hat. Wer weiß, wer sie alles vergessen haben mag.  Überhaupt hatten es Frauen damals schwer, sich gegenüber den Männern zu behaupten. Was auch immer: Maria freut sich, dass Gott sie und gerade sie angesehen hat.

Wir wohnen in einem reichen Land. Aber nur ein kleiner Teil der Bevölkerung kann sich wirklich reich nennen. Viele Menschen sind arm dran, in Corona-Zeiten besteht die Gefahr, dass sie noch ärmer werden, ja, auch und gerade in Deutschland. Neben der materiellen Armut gibt es auch andere Arten von Armut. Da sind die Behinderten, die auf den Bürgersteigen gern übersehen werden. Da sind die Flüchtlinge, die durchaus nicht überall in Deutschland erwünscht sind. Da sind Kinder, die immer noch missbraucht werden. Da sind Frauen, ja, auch heute, die von Männern Gewalt erfahren.

Bei all denen gibt es viele, um die sich niemand kümmert, die übersehen werden. Was ist das dann für eine Erfahrung, wenn ein Mensch spürt: Ich bin nicht übersehen worden. Da ist einer, der mich mit liebenden Augen ansieht. Der mich tröstet und stärkt.

Diese Erfahrung hat Maria gemacht, die Mutter Jesu. Sie hat sich Gott in ihrer Einsamkeit anvertraut und gemerkt: Ich bin nicht allein! Ich glaube an einen Gott, der mich sieht. Der in Jesus Mensch geworden ist, um mich aus meiner Einsamkeit, aber auch aus meiner Gefangenschaft zu befreien. Darüber gerät Maria außer sich vor Freude. So hat es auch Fritz Schwarz erfahren, der westfälische Pfarrer.

Und wie wahr: Einfach zu Gott gehen, sich ihm anvertrauen, sich an ihm freuen, auch mitten im Leiden, das bringt neue Lebensqualität. Wir sind nicht mehr allein.

Autor: Pfarrer i. R. Hartmut B?rend

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„Ver-rückt vor Freude“

„Ich bin ver-rückt vor Freude! Aber bin ich da nicht hingerückt zu dem Platz, wo Gott mich haben will?“

Diese Worte haben sich mir tief eingeprägt. Sie stammen von dem westfälischen Pfarrer Fritz Schwarz. Verrückt vor Freude? Da werden wir wohl eher abwinken, zumal in der Corona-Zeit, in der die Gegenwart nicht gerade einfach ist und man durchaus besorgt in die Zukunft schauen muss. Und trotzdem! Wie schön ist es, wenn es Grund zur Freude gibt. Und den gibt es doch auch immer wieder!

Da ist ein Examen glücklich bestanden. Da habe ich einen Menschen kennengelernt, der mir viel bedeutet. Da ist der Urlaub, ja, auch in Corona-Zeiten, wo wir z. B. unser eigenes Land neu entdecken und staunen, wie schön es ist. Da ist die Nachricht, dass eine Krankheit überstanden ist. Alles Gründe, um sich zu freuen. Und Freude bringt den ganzen Menschen in Bewegung; wir kennen es aus unserer Sprache: Da machen Menschen Freudensprünge, da gerät jemand in Freudentaumel, Freudenfeuer werden angezündet, - es soll sogar Menschen geben, die ein Freudengeheul anstimmen.

In der Bibel wird uns von einer Frau berichtet, die auch irgendwie total von Freude erfüllt ist. Es ist Maria, die Mutter Jesu. Das Kind ist in ihrem Bauch, und sie kann sich gar nicht fassen vor Freude. Sie beginnt zu singen, ja, auch das Singen gehört zur Freude, und es fällt so schwer, in diesen Corona-Zeiten weithin darauf verzichten zu müssen. Und was singt Maria? „Meine Seele erhebt den Herrn,“ singt sie und fährt fort: „Und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.“ Wenn das nicht Begeisterung ist! Maria ist ver-rückt vor Freude.

Aber was gibt ihr Anlass, sich so zu freuen? Natürlich, es ist die Freude über Jesus, den sie zur Welt bringen darf. Welche werdende Mutter ist nicht voll innerer Freude über die Aussicht, bald ein eigenes Kind in den Händen zu halten!

Aber hier ist noch etwas anderes. Maria singt weiter, und da wird deutlich, warum sie sich so sehr freut. „Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen“, singt sie. Er, das ist der lebendige Gott. Maria freut sich, weil Gott sie nicht vergessen hat. Wer weiß, wer sie alles vergessen haben mag.  Überhaupt hatten es Frauen damals schwer, sich gegenüber den Männern zu behaupten. Was auch immer: Maria freut sich, dass Gott sie und gerade sie angesehen hat.

Wir wohnen in einem reichen Land. Aber nur ein kleiner Teil der Bevölkerung kann sich wirklich reich nennen. Viele Menschen sind arm dran, in Corona-Zeiten besteht die Gefahr, dass sie noch ärmer werden, ja, auch und gerade in Deutschland. Neben der materiellen Armut gibt es auch andere Arten von Armut. Da sind die Behinderten, die auf den Bürgersteigen gern übersehen werden. Da sind die Flüchtlinge, die durchaus nicht überall in Deutschland erwünscht sind. Da sind Kinder, die immer noch missbraucht werden. Da sind Frauen, ja, auch heute, die von Männern Gewalt erfahren.

Bei all denen gibt es viele, um die sich niemand kümmert, die übersehen werden. Was ist das dann für eine Erfahrung, wenn ein Mensch spürt: Ich bin nicht übersehen worden. Da ist einer, der mich mit liebenden Augen ansieht. Der mich tröstet und stärkt.

Diese Erfahrung hat Maria gemacht, die Mutter Jesu. Sie hat sich Gott in ihrer Einsamkeit anvertraut und gemerkt: Ich bin nicht allein! Ich glaube an einen Gott, der mich sieht. Der in Jesus Mensch geworden ist, um mich aus meiner Einsamkeit, aber auch aus meiner Gefangenschaft zu befreien. Darüber gerät Maria außer sich vor Freude. So hat es auch Fritz Schwarz erfahren, der westfälische Pfarrer.

Und wie wahr: Einfach zu Gott gehen, sich ihm anvertrauen, sich an ihm freuen, auch mitten im Leiden, das bringt neue Lebensqualität. Wir sind nicht mehr allein.

Autor: Pfarrer i. R. Hartmut Bärend

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Ein hervorragender Gastgeber

Stellen Sie sich jemanden vor, den Sie gar nicht mögen. Vielleicht kennen Sie ja auch einen Menschen, der Ihnen feind ist? Ich weiß, Christen sollten mit allen Leuten im Frieden leben und mit niemandem Streit haben. Aber der Alltag sieht ja oft anders aus. Nicht alle Menschen sind uns sympathisch. Und wir würden nicht unbedingt jeden zu uns nach Hause zum Essen einladen. Tischgemeinschaft ist ein ganz besonderes Zeichen von Verbundenheit. Mit Freunden und Menschen, die wir liebhaben, setzen wir uns gerne an einen Tisch und verbringen Zeit miteinander.

In einem der bekanntesten Bibelabschnitte überhaupt steht der Satz, im Psalm 23, Vers 5: „Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.“

Wenn es heißen würde: Du bereitest mir einen Tisch zusammen mit meinen Freunden. Das wäre ja normal. Das kennen wir. Aber der Beter des 23. Psalms kennt Zeiten, die nicht normal sind. Er kennt Beziehungen, die nicht friedlich sind. Menschen, die ihm nicht gut gesonnen sind. Die zusehen, während er genüsslich isst. Bibelleser verbinden dieses Gebet mit David, dem König Israels im ersten Testament. In seiner Lebensgeschichte wimmelt es nur so von Feinden.

König Saul zum Beispiel, sein Vorgänger. Er war unglaublich eifersüchtig auf David und trachtete nicht nur einmal nach seinem Leben. Auch enge Weggefährten wurden zu Feinden Davids, und selbst seine eigene Frau lachte ihn aus, als er sich unbändig über die Rückkehr der Bundeslade freute und vor Begeisterung auf der Straße tanzte.

In solchen Situationen hat David immer wieder eine wichtige Erfahrung gemacht: Egal was passiert, Gott ist mit mir. Ihm kann ich vertrauen. Mein Leben ist bei ihm geborgen. Er kümmert sich um mich, wie ein guter Hirte sich um seine Schafherde kümmert. Das gilt auch und besonders in den Zeiten, in denen mir das Leben zur Last wird. Gerade dann lädt mich Gott als seinen Gast an seinen gedeckten Tisch. Welche Ehre und Freude.

Vielleicht ist der „gedeckte Tisch“ ein Ausdruck der Gemeinschaft, die Gott seinen Nachfolgern und Nachfolgerinnen schenkt. Er bewirtet nicht kärglich, sondern schenkt ihnen den Becher voll ein. Da wird nicht gespart. Und die Feinde sehen das. Auch die „Salbung des Hauptes mit Öl“ ist ein Zeichen ganz besonderer Zuwendung und Wertschätzung. Der Gast wird zum Ehrengast. Und Gott wird dargestellt als ein Gastgeber, der seinen Gästen voller Freude alles auftischt, was ihnen guttut.

Ich komme nochmal zum Anfang zurück. Von den Feinden war die Rede. Ich kann mir vorstellen, dass manchen von Ihnen bei dem Ausdruck unwohl ist. Die meisten wollen keine Feinde haben und niemandem feind sein. In anderen Übersetzungen des Psalms wird das Wort, das bei Luther „Feinde“ heißt, mit „Bedränger“ übersetzt. Das kommt dem hebräischen Urtext näher. Finden wir uns darin eher wieder?

Was bedrängt uns nicht alles? Sorgen um den Arbeitsplatz, Sorgen um Familie und Gesundheit, Sorgen um Finanzen und die Zukunft unseres Landes. Da möchte uns Psalm 23 daran erinnern, dass wir bei Gott als dem guten Gastgeber Ehrengast sind. Er schenkt uns Zeichen seiner Zuwendung und Wertschätzung.

Vielleicht nehmen Sie sich heute Abend mal die Zeit und machen sich Notizen, wo Sie solche Zeichen der Zuwendung und Wertschätzung Gottes an diesem Tag entdeckt haben.

Autor: Pfarrer Johannes Kiuntke

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Hoffnung

Mitte Juni. Wir befinden uns mitten in einer weltweiten Krise. Das Corona-Virus hat dafür gesorgt, dass nichts mehr so ist, wie wir es gewohnt waren. Viele tausend Menschen sind mit dem Virus gestorben. Viele Vorsichtsmaßnahmen wurden getroffen. Es gilt ein weit reichendes Versammlungsverbot. Viele laufen mit Mundschutz herum. Gottesdienste in der seither gewohnten Form wurden verboten.

Wenn Sie im August dieses Wort zum Tag im Radio hören, wird sich schon wieder einiges geändert haben. Im Moment leben wir in einer Zeit der Hoffnung:

- Hoffnung darauf, dass wir uns mit dem Virus nicht anstecken.

- Hoffnung darauf, dass die Kitas und die Schulen wieder richtig öffnen.

- Hoffnung darauf, dass die Zeit der Doppelbelastung zwischen Familie und Beruf aufhört.

- Hoffnung darauf, dass die Wirtschaft in unseren Ländern nicht allzu großen Schaden leidet.

- Hoffnung darauf, dass auch Kulturveranstaltungen mehr und mehr möglich werden.

- Hoffnung darauf, dass wir unsere alten Menschen in den Heimen wieder häufiger besuchen dürfen und sie würdig begleiten können.

- Hoffnung, dass es schon wieder werden wird.

Von der Hoffnung ist in Psalm 62, Vers 9 die Rede: „Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht.

Die Hoffnung, von der hier die Rede ist, richtet sich nicht darauf, dass ein alter Zustand wiederhergestellt wird. Die Hoffnung, die der Beter in Psalm 62 ausdrückt, richtet sich auf Gott. Gleich zu Anfang macht er deutlich, wer der Grund seiner Hoffnung ist: Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht fallen werde.

Der Beter lädt dazu ein, dass wir unser Herz bei Gott ausschütten. Wir stecken alle in derselben Situation, auch wenn uns die Krise unterschiedlich stark trifft. Der Gastwirt, der um die Existenz seines Betriebes fürchtet, ist anders betroffen als der Beamte, der seine Bezüge regelmäßig weiter erhält. Aber alle gemeinsam sind wir eingeladen, unser Vertrauen auf Gott zu setzen.

Ich glaube, das ist der große Unterschied: Glauben wir es, dass Gott unser Fels, unsere Hilfe, unser Schutz ist? Ist Gott wirklich unsere Zuversicht, auch wenn wir mit großen Einschränkungen leben müssen? Glauben wir das, auch wenn alles um uns her erschüttert wird? Glauben wir das, wenn unser Arbeitsplatz verloren geht? Glauben wir das, wenn es eng wird mit den Finanzen unserer Familie?

Ich glaube, das große Problem in diesen Krisenzeiten ist die Angst. Angst packt uns, wenn wir selber die Sache nicht mehr im Griff haben. Und Angst beschleicht uns dann, wenn wir nicht wirklich darauf vertrauen, dass Gott es gut mit uns meint. So wird die Krise mit dem Virus auch zu einer Krise für unseren Glauben. Da wird alles auf den Prüfstand gestellt. Die Chance besteht darin, dass wir gestärkt aus der Situation herauskommen. Dass unser Glaube ein neues, stabileres Fundament erhält. Dass wir uns umso fester an unseren Gott klammern und ihm unser Herz ausschütten, wie es der Psalmbeter ausdrückt.

Im März, als die Corona-Krise so richtig losging und die Alarmmeldungen zunahmen, kam mir eine Liedstrophe in den Sinn. Sie begleitet mich seither und stärkt meine Zuversicht. Es ist ein Text von Philipp Spitta, 1833 gedichtet:

Ich steh in meines Herrn Hand und will drin stehen bleiben;

Nicht Erdennot, nicht Erdentand soll mich daraus vertreiben.

Und wenn zerfällt die ganze Welt,

wer sich an ihn und wen er hält,

wird wohlbehalten bleiben.

Autor: Pfarrer Johannes Kiuntke

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Was f?r eine Perspektive!

Was für eine Perspektive! Alle Knie sollen sich beugen. Alle. Vor Gott – im Namen Jesu.

Die Menschen werden bekennen, dass er herrscht. Es kommt der Tag, an dem alle erkennen werden, wer Jesus ist, wie er ist und was er getan hat. Es kommt der Tag, an dem ihnen die Augen aufgetan werden und da werden sie ihre Knie beugen. Ganz ohne Kniebänkchen. Ganz ohne Knieleiden. Wie selbstverständlich.

Die Knie beugen. Wir kennen es von religiösen Zeremonien: bei der Hochzeit, beim Segnen, in manchen Gottesdiensten. Die Bilder, die mir in den Sinn kommen, verbinden sich mit muslimischen Gebeten. Oder mit Heiratsanträgen.

Immer ist es ein Ausdruck der Ergebenheit. Ich ergebe mich.

Seit diesem Frühjahr ist durch die Protestbewegungen in den USA eine völlig neue Nuance hinzugekommen. Da ist der Kniefall ein Zeichen des stillen und zugleich starken, des gewaltlosen, aber zielstrebigen Widerstands gegen rassistische Gewalt.

Bei einem Kniefall vor Gott jedoch erkenne ich meine Schwachheit und seine Macht an.

Das Knien hat selten ein gutes Image, weil es in der Geschichte oft erzwungen war und weil es den Menschen klein macht. Das lassen wir uns nicht gerne gefallen. Knien ist ein Ausdruck der Anbetung. Und tatsächlich muss da, wo in der Bibel „Anbetung“ steht, wörtlich übersetzt werden: „auf die Knie fallen“. Anbetung ist streng genommen nicht das Singen von Liedern, wie wir es oft meinen, sondern das Knien.

Es gibt also den Tag, an dem sich die Knie aller beugen werden. Auch die, die es bisher nicht getan haben. Im Himmel, auf Erden und unter der Erde. Also auch die schon Verstorbenen. Die im Totenreich, so die Vorstellung. Wir wissen sehr wenig über diesen Zustand. Aber wir wissen, dass es einen Tag geben wird, an dem diese Erde in der jetzigen Form ein Ende nehmen wird. An diesem Tag wird Gott seine Herrschaft umfassend antreten und Gericht sprechen über „die Lebenden und die Toten“, wie es das Glaubensbekenntnis sagt.

Man kann sich fragen, ob das nicht ein Tag ist, an dem alle Menschen, die sind und waren, Gott anerkennen und damit sozusagen im Handstreich Gottes Volk sind. Ein gutes Argument für die sogenannten Allversöhner, die glauben, dass am Ende der Tage alle Menschen mit Gott versöhnt werden. Ich würde es gerne mit ihnen hoffen, aber es gibt zu viele Aussagen in der Bibel, die dagegensprechen.

Ich muss davon ausgehen, dass dieser Kniefall nicht für alle Heil bedeutet, sondern einfach Ausdruck umfassender Kapitulation ist.

Aber eins wird dann klar bleiben: Gott ist Gott, und außer ihm ist keiner. Und niemand kann ihn ignorieren. Jeder wird die Wahrheit erkennen, jeder wird Gott erkennen, der sich in Jesus Christus offenbart hat.

Mir ist klar, dass ich in dieser kurzen Andacht nicht alle Fragen beantworten kann, die ein solcher Text aufwirft. Z. B. wie das vonstattengeht mit denen „unter der Erde“. Aber falls es Sie tröstet: Auch in zehn Stunden könnte ich nicht alle Fragen beantworten. Ich muss sie offenlassen. Deswegen konzentriere ich mich auf das, was klar ist, was wir wissen!

Wir wissen, Jesus Christus ist der eine Herr, der Sohn Gottes, den wir anbeten sollen. Seit ich das selbst erkannt habe und seit ich mich vor Gott niederknie, bin ich ein befreiter Mensch. Ich knie manchmal nieder. Zu Hause und auch in Gottesdiensten. Knien im Namen Jesu wird zu einer Körperhaltung, die stärkt und befreit. Ich weiß, woher ich komme, wem ich gehöre und wohin ich gehe.

Jemand hat einmal gesagt hat: Wer sich vor Gott beugt, kann vor Menschen aufrecht stehen. So erlebe ich das auch. Wenn ich vor Gott knie, macht es mich mutig vor Menschen und alltäglichen Herausforderungen.

Jesus als Herrn anzuerkennen, jetzt schon, ist das Beste, was mir passiert ist. Es rettet, es stärkt, es befreit.

Autor: Pr?ses Ansgar H?rsting

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Was für eine Perspektive!

Was für eine Perspektive! Alle Knie sollen sich beugen. Alle. Vor Gott – im Namen Jesu.

Die Menschen werden bekennen, dass er herrscht. Es kommt der Tag, an dem alle erkennen werden, wer Jesus ist, wie er ist und was er getan hat. Es kommt der Tag, an dem ihnen die Augen aufgetan werden und da werden sie ihre Knie beugen. Ganz ohne Kniebänkchen. Ganz ohne Knieleiden. Wie selbstverständlich.

Die Knie beugen. Wir kennen es von religiösen Zeremonien: bei der Hochzeit, beim Segnen, in manchen Gottesdiensten. Die Bilder, die mir in den Sinn kommen, verbinden sich mit muslimischen Gebeten. Oder mit Heiratsanträgen.

Immer ist es ein Ausdruck der Ergebenheit. Ich ergebe mich.

Seit diesem Frühjahr ist durch die Protestbewegungen in den USA eine völlig neue Nuance hinzugekommen. Da ist der Kniefall ein Zeichen des stillen und zugleich starken, des gewaltlosen, aber zielstrebigen Widerstands gegen rassistische Gewalt.

Bei einem Kniefall vor Gott jedoch erkenne ich meine Schwachheit und seine Macht an.

Das Knien hat selten ein gutes Image, weil es in der Geschichte oft erzwungen war und weil es den Menschen klein macht. Das lassen wir uns nicht gerne gefallen. Knien ist ein Ausdruck der Anbetung. Und tatsächlich muss da, wo in der Bibel „Anbetung“ steht, wörtlich übersetzt werden: „auf die Knie fallen“. Anbetung ist streng genommen nicht das Singen von Liedern, wie wir es oft meinen, sondern das Knien.

Es gibt also den Tag, an dem sich die Knie aller beugen werden. Auch die, die es bisher nicht getan haben. Im Himmel, auf Erden und unter der Erde. Also auch die schon Verstorbenen. Die im Totenreich, so die Vorstellung. Wir wissen sehr wenig über diesen Zustand. Aber wir wissen, dass es einen Tag geben wird, an dem diese Erde in der jetzigen Form ein Ende nehmen wird. An diesem Tag wird Gott seine Herrschaft umfassend antreten und Gericht sprechen über „die Lebenden und die Toten“, wie es das Glaubensbekenntnis sagt.

Man kann sich fragen, ob das nicht ein Tag ist, an dem alle Menschen, die sind und waren, Gott anerkennen und damit sozusagen im Handstreich Gottes Volk sind. Ein gutes Argument für die sogenannten Allversöhner, die glauben, dass am Ende der Tage alle Menschen mit Gott versöhnt werden. Ich würde es gerne mit ihnen hoffen, aber es gibt zu viele Aussagen in der Bibel, die dagegensprechen.

Ich muss davon ausgehen, dass dieser Kniefall nicht für alle Heil bedeutet, sondern einfach Ausdruck umfassender Kapitulation ist.

Aber eins wird dann klar bleiben: Gott ist Gott, und außer ihm ist keiner. Und niemand kann ihn ignorieren. Jeder wird die Wahrheit erkennen, jeder wird Gott erkennen, der sich in Jesus Christus offenbart hat.

Mir ist klar, dass ich in dieser kurzen Andacht nicht alle Fragen beantworten kann, die ein solcher Text aufwirft. Z. B. wie das vonstattengeht mit denen „unter der Erde“. Aber falls es Sie tröstet: Auch in zehn Stunden könnte ich nicht alle Fragen beantworten. Ich muss sie offenlassen. Deswegen konzentriere ich mich auf das, was klar ist, was wir wissen!

Wir wissen, Jesus Christus ist der eine Herr, der Sohn Gottes, den wir anbeten sollen. Seit ich das selbst erkannt habe und seit ich mich vor Gott niederknie, bin ich ein befreiter Mensch. Ich knie manchmal nieder. Zu Hause und auch in Gottesdiensten. Knien im Namen Jesu wird zu einer Körperhaltung, die stärkt und befreit. Ich weiß, woher ich komme, wem ich gehöre und wohin ich gehe.

Jemand hat einmal gesagt hat: Wer sich vor Gott beugt, kann vor Menschen aufrecht stehen. So erlebe ich das auch. Wenn ich vor Gott knie, macht es mich mutig vor Menschen und alltäglichen Herausforderungen.

Jesus als Herrn anzuerkennen, jetzt schon, ist das Beste, was mir passiert ist. Es rettet, es stärkt, es befreit.

Autor: Präses Ansgar Hörsting

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M?de

Manchmal bin ich müde. Sehr müde!

Müde, weil es so viele Überlegungen gibt. Ich frage mich: Was ist richtig? Was ist falsch? Und gibt es überhaupt richtig und falsch? Ich bin müde, weil sich so viele Dinge so schnell verändern. Auch für den flexibelsten Menschen gibt es den Moment, in dem es einfach zu viel ist und zu schnell geht mit den Veränderungen.

Ich bin müde, weil ich mir Sorgen mache, wie es weitergeht mit mir, mit der nächsten Generation. Ich mache mir Sorgen um die Gesundheit. Und wie kann ich in diesem Land glücklich leben, obwohl diese Welt mit ihren fast 8 Milliarden Einwohnern so viel Unheil hervorbringt. Ich bin müde, weil ich dann manchmal schlecht schlafe. Ich mache Pläne, verwerfe sie und hoffe, dass alles irgendwie gut geht und weiß zugleich: Es geht nicht alles gut.

Der Prophet Jesaja spricht im Auftrag Gottes zu Babel, der politisch-militärischen Macht des Orients der damaligen Zeit. Er zeigt dieser Macht auf, was alles falsch läuft. Und mitten drin steht dieser Satz, der gar nicht für mich geschrieben ist, und doch beschreibt, wie es mir manchmal geht.

„Du hast dich müde gemacht mit der Menge deiner Pläne.“

Andere übersetzen …mit der Menge Deiner Beratungen. Und, ja, Ratgeber sind hier tatsächlich gemeint. Ratgeber gibt es in Hülle und Fülle. Sterndeuter und Horoskopleser waren es in Babel. Sie gibt es bis heute. Aber auch andere. Die Regale der Ratgeberliteratur biegen sich heute unter ihrer Last. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Ratgeber fürs Essen, Stillen, Arbeiten, Ruhen, Heimwerken, Rasenpflegen, Urlaubmachen, Meditieren, Körperpflegen, Kommunizieren, Bewerben, und dafür, wie man mit der Fülle von Ratgebern umgehen kann.

Nicht nur die Regalböden biegen sich nach unten. Auch die Schultern derer, die hoffen, immer alles richtig zu machen. Das macht müde. Und das hat der Prophet Jesaja treffend beschrieben.

Mir ist noch etwas aufgefallen. Immer mehr Leute sind müde, weil sie sich einfach zu viel vornehmen. Ich bin zwar bekennender Stressliebhaber, weil Stress mich belebt und ein Zeichen dafür sein kann, dass ich mich für etwas einsetze. Aber die Frage ist, wofür – und ob die Menge noch gut ist. Mir begegnen immer wieder Menschen, die sich einem unglaublichen Stress unterziehen. Entweder für Dinge, die sie eigentlich gar nicht wollen. Oder selbst die schönen Dinge und Unternehmungen sind einfach zu viel.

Beispiele: zu viele Adventsfeiern, die jede Besinnlichkeit, manchmal sogar die Besinnung rauben. Hochzeitsfeierorganisationen, die alle anderen Vorhaben für ein Jahr lahmlegen und unter einem irrsinnigen Erwartungsdruck stehen. Der neuste Schrei sind sogenannte „Babypartys“. Eine für den Tag, wenn das Geschlecht des Kindes feststeht, eine andere, wenn… ich habe es vergessen. Es war mir zu viel des Guten.

Das kann ja alles wunderbar sein. Aber ich sehe, dass der Prophet Jesaja die Wahrheit über uns ausspricht: Du hast dich müde gemacht mit der Menge deiner Pläne. Es ist zu viel.

Der Prophet stellt aber nicht nur die Diagnose. Er kennt auch die Therapie. Im Kapitel 30,15 sagt Jesaja: „Durch Stillsein und Vertrauen würdet ihr gerettet.“

Die Therapie ist nicht, keine Pläne zu machen und Ratgeber zu ignorieren. Die Therapie ist, im Vertrauen auf Gott zu leben. Innezuhalten. Zu hören, was er sagt. Zu vertrauen, dass er Gott ist und mein Leben, diese Welt in der Hand hält. Stille sein. Nicht aus der Hektik leben, sondern aus der stillen Begegnung mit Gott. Aus dem Vertrauen.

Ich verspreche Ihnen: Das vertreibt die Müdigkeit und macht quicklebendig.

Autor: Pr?ses Ansgar H?rsting

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Müde

Manchmal bin ich müde. Sehr müde!

Müde, weil es so viele Überlegungen gibt. Ich frage mich: Was ist richtig? Was ist falsch? Und gibt es überhaupt richtig und falsch? Ich bin müde, weil sich so viele Dinge so schnell verändern. Auch für den flexibelsten Menschen gibt es den Moment, in dem es einfach zu viel ist und zu schnell geht mit den Veränderungen.

Ich bin müde, weil ich mir Sorgen mache, wie es weitergeht mit mir, mit der nächsten Generation. Ich mache mir Sorgen um die Gesundheit. Und wie kann ich in diesem Land glücklich leben, obwohl diese Welt mit ihren fast 8 Milliarden Einwohnern so viel Unheil hervorbringt. Ich bin müde, weil ich dann manchmal schlecht schlafe. Ich mache Pläne, verwerfe sie und hoffe, dass alles irgendwie gut geht und weiß zugleich: Es geht nicht alles gut.

Der Prophet Jesaja spricht im Auftrag Gottes zu Babel, der politisch-militärischen Macht des Orients der damaligen Zeit. Er zeigt dieser Macht auf, was alles falsch läuft. Und mitten drin steht dieser Satz, der gar nicht für mich geschrieben ist, und doch beschreibt, wie es mir manchmal geht.

„Du hast dich müde gemacht mit der Menge deiner Pläne.“

Andere übersetzen …mit der Menge Deiner Beratungen. Und, ja, Ratgeber sind hier tatsächlich gemeint. Ratgeber gibt es in Hülle und Fülle. Sterndeuter und Horoskopleser waren es in Babel. Sie gibt es bis heute. Aber auch andere. Die Regale der Ratgeberliteratur biegen sich heute unter ihrer Last. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Ratgeber fürs Essen, Stillen, Arbeiten, Ruhen, Heimwerken, Rasenpflegen, Urlaubmachen, Meditieren, Körperpflegen, Kommunizieren, Bewerben, und dafür, wie man mit der Fülle von Ratgebern umgehen kann.

Nicht nur die Regalböden biegen sich nach unten. Auch die Schultern derer, die hoffen, immer alles richtig zu machen. Das macht müde. Und das hat der Prophet Jesaja treffend beschrieben.

Mir ist noch etwas aufgefallen. Immer mehr Leute sind müde, weil sie sich einfach zu viel vornehmen. Ich bin zwar bekennender Stressliebhaber, weil Stress mich belebt und ein Zeichen dafür sein kann, dass ich mich für etwas einsetze. Aber die Frage ist, wofür – und ob die Menge noch gut ist. Mir begegnen immer wieder Menschen, die sich einem unglaublichen Stress unterziehen. Entweder für Dinge, die sie eigentlich gar nicht wollen. Oder selbst die schönen Dinge und Unternehmungen sind einfach zu viel.

Beispiele: zu viele Adventsfeiern, die jede Besinnlichkeit, manchmal sogar die Besinnung rauben. Hochzeitsfeierorganisationen, die alle anderen Vorhaben für ein Jahr lahmlegen und unter einem irrsinnigen Erwartungsdruck stehen. Der neuste Schrei sind sogenannte „Babypartys“. Eine für den Tag, wenn das Geschlecht des Kindes feststeht, eine andere, wenn… ich habe es vergessen. Es war mir zu viel des Guten.

Das kann ja alles wunderbar sein. Aber ich sehe, dass der Prophet Jesaja die Wahrheit über uns ausspricht: Du hast dich müde gemacht mit der Menge deiner Pläne. Es ist zu viel.

Der Prophet stellt aber nicht nur die Diagnose. Er kennt auch die Therapie. Im Kapitel 30,15 sagt Jesaja: „Durch Stillsein und Vertrauen würdet ihr gerettet.“

Die Therapie ist nicht, keine Pläne zu machen und Ratgeber zu ignorieren. Die Therapie ist, im Vertrauen auf Gott zu leben. Innezuhalten. Zu hören, was er sagt. Zu vertrauen, dass er Gott ist und mein Leben, diese Welt in der Hand hält. Stille sein. Nicht aus der Hektik leben, sondern aus der stillen Begegnung mit Gott. Aus dem Vertrauen.

Ich verspreche Ihnen: Das vertreibt die Müdigkeit und macht quicklebendig.

Autor: Präses Ansgar Hörsting

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Wunschkennzeichen

Im Johannesevangelium Kapitel 13, Vers 35 lesen wir: "Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt." Für jedermann setze ich einfach jedes Menschenkind ein.

Echtheitszeichen der Jünger Jesu ist  Die ev./kath. bzw. christliche Taufe, so sagen die einen - als Kind, Jugendlicher oder Erwachsener – nein, nein: die Bekehrung, sagen andere. In der Bibel wird etwas anderes gesagt. Einziges Kennzeichen der Jünger, sagt Jesus, ist die Liebe untereinander.

Im täglichen Leben, bei Neu- oder Wiederzulassung unseres Autos oder anderer KFZ gibt es das sogenannte Wunsch-Kennzeichen. Was lese ich da nicht alles! Gottes Wunschkennzeichen für seine Leute ist da viel einfacher. Für große und kleine Leute, für meine Wenigkeit und alle anderen lautet sein Wunschkennzeichen "Liebe untereinander!"

Im Johannesevangelium geht es nicht um supertolle Christen, wer immer das auch sein sollte, sondern ganz einfach um Jünger, die wissen, dass sie selber geliebt sind, denn lieben kann nur der, der vorher selbst geliebt worden ist.

Zur Liebe kann man niemanden zwingen, auch sich selbst nicht. Gehen wir bei Liebe einfach von einem unverdienten Geschenk aus. Liebe ist ebensowenig ein Gehorsamsakt. Trotzdem ist es erstaunlich, wie die englische Bibel Jünger nennt, nämlich: "disciples", will sagen: Jesus meint damit nicht nur hingebungsvolle Nachfolger, sondern vor allem Typen (Vorbilder), die in ihrer Nachfolge auch diszipliniert unterwegs sind.

Jünger erkennen Sie nicht an ihren Worten, Titeln oder Kreuz(chen) um den Hals, sondern einzig und allein daran, wenn sie Liebe untereinander haben und pflegen - besonders auch in Zeiten der Corona-Pandemie.

Wichtig scheint mir auch darauf hinzuweisen, dass es um Erkenntnis geht. Hier tut es vielleicht gut, endlich mal wieder das großartige Wort von Antoine de Saint-Exupéry "Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar" zu bedenken. Liebe ist und bleibt verwechselbar, abgegriffen, veraltet - aber immer noch das Größte, das es gibt und ein Geheimnis, das sich Bahn bricht.

Liebe ist stark wie der Tod und im Bild/Lied heißt es: Wer stellt sich dem donnernden Zug entgegen, und wer knackt den Beton? Das Gänseblümchen. Ich persönlich glaube nicht an Gänseblümchen, sondern an die Macht der Liebe. Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Choral: Ich bete an die Macht der Liebe. Haben Sie einen schönen Tag. Jeder Tag ist zum Lieben gemacht.

Und vergessen Sie bitte nicht das Wunschkennzeichen Gottes!

Autor: Michael Pietras

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