ERF Plus - Wort zum Tag

Der erste Schritt zur Besserung

Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung: Mit diesem Sprichwort habe ich so meine Probleme. Nicht, weil ich denke, dass es nicht der Wahrheit entspricht. Nein, genau das Gegenteil ist der Fall: Eben weil ich weiß, wie zutreffend dieser Spruch ist, stört er mich irgendwie. Woran liegt das? Ganz selbstkritisch kann ich sagen: vermutlich daran, dass ich gerne die Kontrolle in meinem Leben behalte. Am liebsten möchte ich die Erkenntnis verdrängen, dass es manchmal doch nicht so läuft, wie ich es geplant habe. Denn das würde ja bedeuten, dass ich Schwäche eingestehen muss. Und wenn ich Schwäche eingestehe, bedeutet das wiederum, dass ich es alleine nicht hinbekomme. Und dann muss ich mir Hilfe suchen und Kontrolle abgeben.

Genau das fällt mir schwer. Dabei gibt es oft genug Menschen um mich herum, die Dinge einfach besser können als ich. Oder ich gerate in Situationen, in denen ich alleine zwar zum Ziel komme. Aber sinnvoller wäre es, gemeinsam anzupacken, um schneller fertig zu werden und Kraft zu sparen. Die eigene Schwäche eingestehen und Hilfe annehmen muss also nicht immer bedeuten, dass ich einfach stehenbleibe und es gar nicht erst versuche. Nein, manchmal kann Erkenntnis auch bedeuten, dass ich mein Bestes gebe und mir trotzdem Hilfe suche, um gemeinsam ans Ziel zu kommen.

Der Verfasser von Psalm 119 hatte mit der Erkenntnis der eigenen Unzulänglichkeit offensichtlich nicht so ein großes Problem wie ich. Er hat ein ganzes Lied über die Gebote Gottes geschrieben und seufzt in Vers 5: „O dass mein Leben deine Gebote mit ganzem Ernst hielte.“ Aus diesen Worten spricht eine ganz tiefe Sehnsucht. Es ist die Sehnsucht danach, Gottes Gebote vollständig und ernsthaft zu halten. Und es ist vermutlich auch die Sehnsucht, Gott nahe zu sein. Denn Gott hat mir seine Gebote gegeben, damit es mir und den Menschen um mich herum gutgeht. Und damit ich erkenne, wie groß und gut Gott ist, sodass ich mit meinen Anliegen zu ihm komme.

Gleichzeitig schwingt in der Sehnsucht dieses kurzen Satzes aber auch ein Eingeständnis der eigenen Ohnmacht mit. Der Verfasser des Psalms hat erkannt, dass er noch nicht alle Gebote Gottes befolgt. Und das spricht er offen aus. Er legt es Gott hin und vertraut darauf, dass ihm der hilft, der die Gebote auch gemacht hat. Der Psalmist erkennt also seine eigene Unzulänglichkeit und bittet um Hilfe. Er verfällt nicht in eine Art Schockstarre und zieht sich zurück. Er verhält sich den Geboten Gottes gegenüber aber auch nicht gleichgültig. Er hat erkannt, dass er es alleine nicht schafft, die Gebote einzuhalten. Das bedeutet für ihn nicht, dass ihm die Gebote dann nicht mehr wichtig sind. Ganz im Gegenteil: Eben weil der Verfasser des Psalms weiß, wie gut Gottes Gebote für ihn sind, wendet er sich an Gott selbst. Er holt sich Hilfe bei dem, der weiß, was gut für ihn ist.

Zu erkennen, dass ich es alleine nicht schaffe, muss also nicht bedeuten, dass ich aufgebe und verzweifle. Vielmehr kann es mich dazu führen, dass ich mich an Gott wende und mir seine Gebote wieder in Erinnerung rufe. Zum Beispiel dann, wenn ich mal wieder genervt bin von meinen Freunden und ich in meiner Wut mein Gegenüber verletze - statt geduldig und liebevoll zu bleiben. Egal welche Situation es im Alltag ist: Auch ich bin wie der Psalmist dazu aufgerufen, meine Schwäche vor Gott einzugestehen und ihn im Gebet um Hilfe zu bitten. Denn: Erkenntnis ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung.

 

Autor: Hannah Thielmann

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Gut vorbereitet

Ich mache keine halben Sachen – „ganz oder gar nicht“ ist mein Motto. Das gilt auch immer bei meinen Geburtstagsfeiern. In manchen Jahren habe ich meinen Geburtstag gar nicht gefeiert, in anderen dafür umso größer und pompöser. Letztes Jahr war wieder eines der Jahre, in denen ich beschlossen hatte, groß im Garten zu feiern. Dafür habe ich schon Wochen vorher ganz viele Freunde und meine Familie eingeladen. Ich habe Getränke bestellt, leckeres Essen organisiert und mich um Musik gekümmert. Dann habe ich Tische in den Garten geschleppt und wunderschön dekoriert. Alles sollte vorbereitet sein, wenn die Gäste kommen. Ich habe mir gewünscht, dass es für alle eine schöne Geburtstags-Garten-Feier wird. Jeder einzelne sollte sich wohlfühlen. Und natürlich war es mir wichtig, eine gute Gastgeberin zu sein.

Ähnlich wie ich den Garten an meinem Geburtstag für die Gäste vorbereitet habe, gibt es auch in der Bibel Geschichten, wie Gott einen speziellen Ort für Menschen ganz besonders vorbereitet. Ein Beispiel hierfür steht im Buch des Propheten Hesekiel, in Kapitel 36, Vers 11. Dort wendet sich Gott an die Berge Israels und verspricht ihnen: „Ich will euch mehr Gutes tun als je zuvor, und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin.“ Mit diesen und noch vielen weiteren Worten bereitet Gott das Land vor, in das das Volk Israel aus dem Exil zurückkehren soll. Denn die Israeliten waren im 6. Jahrhundert vor Christus in babylonische Gefangenschaft geraten und ins Zweistromland verschleppt worden. Gott hatte ihnen jedoch versprochen, dass sie in ihre Heimat zurückkehren würden.

Und die Geschichte zeigt: Gott hat sein Versprechen gehalten. Das Volk Israel konnte in sein eigenes Land zurückkehren – so wie Gott es versprochen hatte. Und genau dafür hat Gott zuvor zu den Bergen gesprochen. Er hat das Land vorbereitet für die Menschen, die kommen würden – für sein eigenes Volk. Und dabei hat er versprochen, noch mehr Gutes zu tun als je zuvor, damit alle sehen, dass er der Herr ist. Denn an Gottes gutem Handeln erkenne ich Gott. Das ist sein Wesen: Er ist gut.

Gottes Versprechen für die Berge Israels gilt auch für mich. Denn auch  ich bin ein Teil seiner Schöpfung. So wie Gott ein Land auf seine zukünftigen Bewohner vorbereitet und Gutes verheißt, so bereitet Gott auch mich auf das vor, was kommt. Er verspricht auch mir Gutes. Gott weiß, welche Menschen, Situationen und Erlebnisse in meinem Leben auf mich warten, und er möchte mir mehr Gutes tun als je zuvor. An seinem guten Handeln erkenne ich ihn. Das ist sein Wesen: Er möchte das Beste für mich.

Ich muss ihn nicht erst anbetteln und flehen, dass er sich um mich kümmert. Nein, Gott meint es gut mit mir und er kennt meine Bedürfnisse schon lange, bevor ich sie selbst kenne. Dabei muss Gutes tun nicht unbedingt bedeuten, dass es mir äußerlich gutgeht – zum Beispiel in Form von Reichtum. Auch wenn ich in meinem Leben mit Gott unterwegs bin, erlebe ich noch schlechte Dinge – Menschen enttäuschen mich zum Beispiel, oder ich werde krank und mache mir Sorgen.

Meine äußeren Umstände sind dann nicht besonders gut. Dennoch kann ich mich auf Gottes Versprechen verlassen. Und Gott geht sogar noch einen Schritt weiter: Er verspricht auch, dass es am Ende der Welt vollkommen gut werden wird, wenn sein Reich vollendet wird. Dann wird jeder erkennen, dass Gott der Herr ist.

Seine Zusage gilt also nicht nur für ein Land und ein Volk, sondern auch für mich. Gott möchte mir bedingungslos Gutes tun, weil das zu seinem Wesen gehört und ich ihn so erkennen kann. Gott macht dabei keine halben Sachen. Er hält ein Leben in Fülle bereit.

Autor: Hannah Thielmann

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Fragen

Es gibt Situationen, da kann sich meine Frau maßlos über mich aufregen. Ich gestehe freimütig: mit Recht. Wir sind unterwegs mit dem Auto. Ich bin mir sicher, dass ich weiß, wo ich hin muss. Wenigstens die Richtung. Wo war nur gleich die Abbiegung. Jetzt sieht alles ganz anders aus. Meine Frau merkt an: "Da vorne geht jemand. Den könnten wir doch fragen." Fragen? Ich gebe vorsichtshalber Gas. Irgendwann muss ja mal ein Hinweisschild kommen.

Ein Männerproblem? Gönnerhaft können wir ja von uns geben: „Fragen kostet nichts!“; praktisch fällt es mir – uns? – schon schwer, das Fragen. Ist ja in gewisser Weise auch ein Eingeständnis des Unvermögens und der Schwäche. Ausprobieren – Versuch und Irrtum – bis ich mich ganz verfranst habe. Dann wird es manchmal peinlich. Einmal war das Ziel ganz nah und wir wären binnen kürzester Zeit angekommen. Ein anderes Mal war ich auf einem völlig falschen Kurs und jeder Such-Versuch hat uns nur weiter vom Ziel abgebracht.

Kennen Sie solche Situationen aus eigenem Erleben? Wanderungen mit der sprichwörtlichen Abkürzung, die sich als grandioser Umweg herausstellt. Sturheit beziehungsweise Rechthaberei des Leitenden, wachsender Groll beziehungsweise Resignation der Leidenden.

Überblick verloren. Ziel aus den Augen geraten. Innehalten und Orientierung wären nötig!

Was sich im Beispiel als häuslicher Konflikt darstellt, den man mit etwas Einsicht entschärfen kann, gibt es in vielen Lebensbereichen und manchmal ist guter Rat teuer. Man spürt: das „Weiter so“ funktioniert nicht. Das gilt für ganz persönliche Lebenssituationen, aber auch für Gemeinden und Vereine, für Hauskreise und Hobby-Gruppen, für den Beruf und in der Erziehung.

„Lasst uns unsere Wege prüfen und erforschen“. Bin ich eigentlich wirklich, wo ich hinwollte? Komme ich so zum Ziel? Anhalten, Innehalten, ja, unter Umständen mit der nicht ganz leicht zu verdauenden Erkenntnis eines Irrtums.

Sich fragen. Sich fragen lassen. Sich hinterfragen lassen. - Bricht da wirklich ein Zacken aus der Krone?

„Das habe ich immer so gemacht!“ bzw. „Das haben w i r immer so gemacht!“ kann sich auf eine als hilfreich erweisende Erfahrung und Tradition beziehen. Es kann aber leider auch abgrundtief dumm sein, wenn sich Umstände und Verhältnisse geändert haben. Warum fällt uns das theoretisch leicht einzusehen, aber praktisch schwer anzuwenden? Weil Orientierung eben nicht so einfach ist.

Manchmal ist ein Weg zurück der schnellste Weg nach vorne. Es kommt öfter vor: Der Abriss und Neubau eines vermurksten Gebäudes ist besser, schneller und billiger als nicht enden wollende Reparaturen, die doch nicht das gewünschte Ergebnis bringen.

Und weil vielleicht noch eine Dimension fehlt, die zu bedenken hilfreich wäre: bei dem Propheten Jeremia in den sogenannten Klageliedern heißt es einmal: Lasst uns unsere Wege prüfen und erforschen, und lasst uns zurückkehren zum HERRN!  

Zurückkehren zum HERRN.

Wo liegt der Mehrwert einer Rückkehr zum HERRN, von dem das Bibelwort spricht? Nur ein frommer Wunsch? Reicht nicht der praktische Tipp: prüfen und erforschen?

„Prüfen und Erforschen“ sind wichtig, aber was leitet mich, was leitet uns? Welche Kriterien sind wichtig? Gerade für persönliche Beziehungen. Menschen sind kein Setzbaukasten, den man nach Plan ordnen kann. Die Orientierung an Gott, der uns in Jesus Christus begegnet, bringt  Liebe und Verantwortung mit ins Spiel. Und die Freiheit, nicht alles wissen zu müssen, sondern auch fragen zu können. Von dieser Freiheit will ich mir in Zukunft mehr nehmen.

Autor: Pfarrer Hans-Georg Filker

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Baustelle

Ich bewundere Leute mit handwerklichen Fähigkeiten. Basteln, reparieren, bauen – das sind für mich ferne Welten. Mit Hochachtung schaue ich auf Ergebnisse, die ich einfach nicht zustande gebracht hätte. „Zwei linke Hände“, sagt man, - was aber für einen Linkshänder wie mich eher ein Kompliment ist. Gott sei Dank gibt es unterschiedliche Begabungen und Fähigkeiten!

Hinschauen und Analysieren ist so etwas. Ich kann zwar nicht bauen, aber wenn es bröckelt, dann sehe ich es – meistens. Und wenn ich richtig hinschaue, sehe ich mehr. Und dann kann ich wichtige Fragen stellen.

Zum Beispiel: Was hält  das Gebäude eigentlich zusammen? Ist es in einem soliden oder maroden Zustand. Was sollte saniert werden?

Diese Fragen stellen sich für ganz unterschiedliche Gebilde, die für unser Leben bedeutsam sind. Manche haben Sorgen in Bezug auf unsere Demokratie, auf Entwicklungen in unserer Gesellschaft. Im letzten Jahrhundert waren wir stolz auf die Errungenschaft der Vereinten Nationen.  Heute spielen sie im Bewusstsein vieler und in der realen Politik keine oder nur noch eine untergeordnete Rolle.  Ähnliches gilt für den Frieden, den uns die Europäische Union in den letzten Jahrzehnten bewahrt hat.

Oder die Klimafrage. Oder die vielen Krisenherde weltweit. Wäre nicht eine Grundsanierung überfällig?

Und wie steht es um die Kirchen? Die Evangelische? Die Katholische? Die Orthodoxen? Ja, es gibt da und dort lebendige Gemeinden. Aber insgesamt gesehen: Nimmt ihr Gehör nicht in der öffentlichen Meinung ab? Zerfallen die Volkskirchen gar? Muss man Angst um die Zukunft des Christentums in Deutschland haben?

Und wie steht es um die Familien, von denen gesagt wird, sie seien der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält? Löst sich nicht auch hier vieles auf?

Und das Gebäude unseres eigenen Lebens? Wer oder was hält es eigentlich zusammen?  Job? Rente? Liebe? Anerkennung? Unsere Leistungen? Viele scheinen unglücklich zu sein, oder sind unzufrieden, obwohl wir noch nie einen so hohen Lebensstandard, so hohe Lebenserwartungen, so gute gesundheitliche Versorgung hatten wie heute.

So ein bisschen rumbasteln und reparieren scheint hier nicht ausreichend zu sein. Starke Sprüche helfen auch nicht weiter. Wut löst kein Problem. Hass macht hässlich!

Die Frage stellt sich: Gibt es jemanden, der die ganze Sache zusammenhalten kann. Auf den man sich verlassen kann. Dessen Lösung nicht auf Kosten anderer geht. Wo keiner hinten runter fällt? Der die Kranken und Angeschlagenen genauso im Blick  hat wie die Armen und die Lebenshungrigen, die kapiert haben, dass Reichtum nicht satt macht. Die Flüchtlinge und die, die von Klimaveränderungen betroffen sind.

Wie müsste der aussehen? Was für ein Programm müsste der haben? Ich bin auf einen interessanten Hinweis gestoßen, den ein Weltbürger namens Paulus vor fast 2000 Jahren in einem Brief an Christen in Ephesus formuliert hat. Ich zitiere:

Durch Jesus Christus wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem  heiligen Tempel im Herrn.

Ein Name. Ein Programm. Einer, der den ganzen Bau zusammenhält und zum Ziel führen kann. Einer, der lebendige Bausteine gut gebrauchen kann.

Da bin ich dabei – auch und gerade weil meine eigenen handwerklichen Fähigkeiten beschränkt sind. Vielleicht sehen wir uns ja auf der Baustelle des Reiches Gottes. In diesem Sinne: einen guten Tag.

Autor: Pfarrer Hans-Georg Filker

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Vergebung erfahren

Es war im Konfirmandenunterricht. Kurz vor der Konfirmation hatten wir das Abendmahl besprochen und nun nahmen die Jugendlichen zu 1. Mal daran teil. Einer war nicht da und fragte später die anderen: „Wie war das denn beim Abendmahl“. Nachdem die Konfirmandinnen und Konfirmanden ihm erklärt hatten, wie das Abendmahl abläuft und welche Bedeutung es hat, sagte er: „ Meine Mutter hat gesagt, irgendwie hätte das auch mit Sündenvergebung zu tun. Bleib da lieber weg, denn so ein schlechter Kerl bist du nicht“.

Diese Begebenheit fiel mir wieder ein, als ich das Gotteswort las:

Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. (1. Johannes 1,8-9).

Viele kennen das Wort Sünde eigentlich nur im Zusammenhang mit der Verkehrssünderkartei in Flensburg oder wenn ein Diabetiker ein Stück Kuchen isst und sagt: „Heute sündige ich wieder einmal“. Für viele Menschen hat das Wort Sünde keine Bedeutung mehr.

Nun sagt aber unser Gotteswort, dass wir uns selbst betrügen, wenn wir meinen, dass wir ohne Sünde sind. Das klingt so ganz anders. Sünde meint Trennung von Gott, bedeutet, schon am Anfang der Bibel, wie Gott sein zu wollen, die Stelle Gottes einnehmen und selber Herrinnen und Herren unseres Lebens sein zu wollen.

Viele Menschen haben, wie es jemand treffend gesagt hat, „vergessen, dass sie Gott vergessen haben“. Auch wenn wir an Christus glauben, sollen wir nicht denken, dass uns das Wort aus dem 1. Johannesbrief nicht betrifft. Auch wir Christinnen und Christen sind gefährdet. Auch wir vergessen oft genug, dass wir einen Gott haben, der unser Lob, unsere Wertschätzung und unseren Gehorsam will.

Auch wir neigen dazu, nur auf unsere eigene Kraft zu vertrauen. Unser Gotteswort sagt uns, was zu tun ist: Unsere Sünden bekennen und dann die Vergebung zu erfahren. Dafür ist Jesus Christus am Kreuz gestorben. Er hat das, was uns von Gott und den Mitmenschen trennt, unsere Sünde auf sich genommen. Chirurgen schneiden krankes Gewebe aus dem Körper, damit der Patient geheilt werden kann. Christus lässt sich verwunden für unser Heil. Der Theologieprofessor Eberhard Jüngel hat einmal gesagt: Es gibt eine Wunde, die darf niemals heilen, das ist die Wunde Jesu am Kreuz. Schon im Alten Testament wird darauf hingewiesen:  Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt (Jesaja 53,5).

Albert Frey drückt das so aus:

Du hast Erbarmen und zertrittst all meine Schuld.

Du hilfst mir auf in deiner Treue und Geduld.

Du nimmst mir meine Last, nichts ist für dich zu schwer.

Du wirfst all meine Sünden tief hinab ins Meer.

Wer ist ein Gott wie du, der die Sünden verzeiht und das Unrecht vergibt?

Autor: Superintendent i. R. Rainer Kunick

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Gott sorgt für uns

So ganz sorglos in den Tag hineinleben, das können wohl die wenigsten von uns. „Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon wieder da“, das gehört wohl eher zu unserer Lebenswirklichkeit. Sorgen lassen sich nicht einfach abschütteln wie Regentropfen von einem imprägnierten Mantel. Aber nun sagt Jesus:

Sehet die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie? (Matthäus 6,26).

Wir sind Gott nicht gleichgültig, wir sind kostbar. Er versorgt uns mit dem, was wir brauchen. Er begnügt sich nicht mit Lebensrezepten und gutem Zureden an uns, sondern er ist mit dabei, wo wir Mangel haben, nicht mehr weiter wissen, uns mit unseren großen und kleinen Sorgen herumschlagen müssen. Die Botschaft von der Fürsorge Gottes hat im Leben Jesu Gestalt angenommen, sein Kreuz und seine Auferstehung sind die deutlichste Beglaubigung für die Zusage: Gott sorgt für uns. Als meine erste Frau starb, da war mir sofort klar, dass sie am Ziel ist, dass sie bei dem auferstandenen Christus ist. Aber dennoch war meine Trauer da, die konnte und wollte ich auch nicht beiseiteschieben. In dieser Zeit lenkte Gott meine Gedanken auf den leidenden, auf den mitleidenden Christus.

Ich las dazu alle Bibelstellen, viele Andachten und theologische Entwürfe. In dieser Zeit ist mir ganz deutlich geworden: Christus nimmt uns unseren Lebensmangel, unsere Sorgen nicht ab, aber er trägt all das mit uns. Deshalb ist es wichtig, dass wir unsere Sorgen mit ihm besprechen, unsere Sorgen mit ihm teilen. Dietrich Bonhoeffer hat schon recht, wenn er sagt: Wenn wir mit unseren Sorgen allein bleiben und unsere Gedanken immer wieder um sie kreisen, in der Hoffnung, dass sie kleiner werden, dann werden sie in Wahrheit immer größer. Wenn ich sie aber mit Christus teile oder wie es im 1. Petrusbrief heißt „auf ihn werfe“, dann verwandelt sich meine Sorge in Gottes Fürsorge. Ich liebe einen Holzschnitt von Walter Habdank: Da kauert ein Mensch in einer großen Hand, nicht friedlich, sondern eher angst-, sorgenerfüllt. Mit den Händen will er das, was auf ihn zukommt, abwehren – und dennoch drückt dieser Holzschnitt eine große Geborgenheit aus. In deinen Händen geborgen, so nennt der Künstler dieses Werk.

Gern singe ich mit anderen zusammen das Lied von Helga Winkel:                                       

Herr, weil mich festhält deine starke Hand, vertrau ich still.


 Weil du voll Liebe, dich zu mir gewandt, vertrau ich still.


 Du machst mich stark, du gibst mir frohen Mut,


 ich preise dich, dein Wille, Herr, ist gut.

Ist auch die Zukunft meinem Blick verhüllt, vertrau ich still.


 Seitdem ich weiß, dass sich dein Plan erfüllt, vertrau ich still.


 Seh’ ich nicht mehr als nur den nächsten Schritt,


 mir ist’s genug! Mein Herr geht selber mit.

Autor: Superintendent i. R. Rainer Kunick

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Was wäre, wenn …

Wenn es das Wort Gottes nicht gäbe, was wäre dann eigentlich? Haben Sie sich schon einmal diese Frage gestellt?

Das klingt vielleicht zunächst befremdlich. Aber wenn ich herausfinden möchte, was mir etwas oder jemand wirklich bedeutet, ist das ja vielleicht keine schlechte Methode: einfach mal zu überlegen, was wäre, wenn diese Sache oder diese Person nicht mehr da wäre! In Bezug auf einen geliebten Menschen wäre das sofort ganz klar: Er würde mir einfach unendlich fehlen.

Aber versuchen Sie mal, jenseits dessen Ihr Leben zu betrachten. Was wäre zum Beispiel, wenn Sie kein Auto mehr hätten oder keine Wohnung? Oder kein Geld, keine Familie, keine Freunde? Ich glaube, solche Überlegungen stellt jeder insgeheim irgendwann einmal an - aber die Konsequenzen führt man sich lieber nicht so deutlich vor Augen. So etwas verdrängen wir lieber schnell wieder.

Haben Sie so auch schon einmal über die Botschaft von der Liebe Gottes in seinem Wort nachgedacht? Ich schließe mal von mir selbst auf Sie und vermute: eher nicht. Aber vielleicht haben Sie es in Bezug auf Gott selbst doch schon getan. Dieser Gedanke ist Ihnen vielleicht schon einmal gekommen - was wäre, wenn es Gott nicht gäbe? Den Gedanken kenne ich jedenfalls von mir selbst. Mir ist es dann immer so gegangen, dass ich nach einigem Nachdenken gemerkt habe, wie unmöglich dieser Gedanke für mich letztlich ist. Wie soll ich dann die Welt und mich und das Leben insgesamt denken und erklären können?!

Gilt das ebenso auch für das Evangelium, die gute Nachricht von der Liebe Gottes durch Jesus Christus? Wäre das wirklich so furchtbar, wenn es das nicht gäbe? Jesus sagt: „Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.“ Um zu ermessen, was diese „Seligkeit“ bedeutet, fragen Sie sich doch mal: Was wäre, wenn niemand das Wort Gottes gehört und bewahrt hätte?

Dann wüssten wir zum Beispiel nicht, wie groß unser Gott ist. Wir können Gottes Größe zwar im Betrachten der Schöpfung erahnen, wenn wir dafür einen Sinn haben. Aber allein Gottes Wort offenbart uns seine größte Macht in seiner völligen Ohnmacht, indem er sich in die Hand der Menschen begibt! Gott hat die Größe, klein zu werden, kleiner als der ärmste Wicht! Die Bibel bezeugt uns: Wenn ihr wissen wollt, wie groß Gott wirklich ist, dann schaut nicht in die Natur, in den Himmel, auf die Berge und das Meer. Das alles ist wunderbar und unbegreiflich. Aber es ist doch nur ein geringer Anfang gegen das, was uns von Jesus berichtet wird.

Wenn ihr wissen wollt, wie groß Gott ist, dann schaut auf das Kreuz! Vielleicht bekommen wir dann eine Ahnung von der Liebe Gottes. Gott ist der liebende Vater, dessen Herz für seine Kinder schlägt. Gott steht nicht über den Dingen, sondern ist mitten drin im Leben. Sein Sohn Jesus Christus ist mitten hindurch gegangen durch alles Leid, er hat es ertragen und erlitten und schließlich am Kreuz besiegt, für Sie und mich!

Ohne Gottes Wort wüssten wir also auch nicht wirklich, wie groß Gottes Liebe ist. Nicht um Gottes Größe zu wissen, das kann dem einen oder der anderen vielleicht noch gleichgültig sein. Wer kann schon die wahre Größe Gottes letztlich wirklich ermessen? Aber selbst wenn das so ist, dann will und kann es uns doch nicht egal sein, wenn wir von Gottes Liebe nichts erfahren könnten, wenn sie also nicht ganz persönlich unser Herz erreichen könnte. Wenn der unermesslich große Gott unsere so unermesslich große Schuld für immer wegnehmen und ins Meer werfen will, wo es am tiefsten ist, dann sind wir am Herzen Gottes angelangt, dann verstehen wir das Innerste seines Wesens, obwohl wir ihn doch nie verstehen können!

Das ist nur möglich zu erkennen, weil uns Gott sein Wort geschenkt hat. Es ist wahr, was Jesus sagt: „Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.“

Autor: Pfarrer Jens Brakensiek

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Sehnsucht nach mehr

Vielleicht hatten manche nur wegen der Regie von Mel Gibson das Kino aufgesucht. Aber vielleicht war da bei manchen auch eine versteckte Sehnsucht nach mehr, vielleicht sogar nach einer Antwort auf die wirklich wichtigen Fragen des Lebens. Am Ende des Films „Die Passion Christi“ war im Kino eine ungewohnte Atmosphäre.

Sonst steht ja das Publikum während des Abspanns schon auf und verlässt - sich angeregt unterhaltend - das Kino. Jetzt war es anders. Die meisten blieben sitzen. Eine Stille der Betroffenheit oder des Nachdenkens lag über dem Kinosaal. Für mich hatte diese Stille aber auch etwas Lähmendes. Ich meine, die Zuschauer spürten, dass das Leiden Christi etwas mit ihnen persönlich, ihrem Leben, zu tun hat. Aber sie wussten nicht, was! Da schien die Frage im Raum zu stehen: was sollen wir jetzt tun? – Und niemand gab darauf Antwort.

Es war darum gut, dass damals draußen vor dem Kino Christen der Evangelischen Allianz ein Gesprächsangebot machten. Da wurde darüber weiter nachgedacht und gesprochen: Was bedeutet der Kreuzestod von Jesus Christus für meinen Alltag, mein Verhalten, meine Einstellungen?

Zu dieser Frage gibt der Apostel Paulus in seinem zweiten Korintherbrief ein wichtiges Stichwort: Versöhnung. Er fragt: Wenn du willst, dass Versöhnung unter den Menschen geschieht, bist du dann zuvor auch bereit, dich der Kraft der Versöhnung zu öffnen, die vom Kreuz ausgeht?

Es gibt so viel Unversöhnlichkeit. Ich mache dabei die Beobachtung: Es geht oft gar nicht um den aktuellen Streit. Es geht um das Herz der Menschen, um ihre Grundhaltung. Es geht oft letztlich gar nicht um die Versöhnung mit anderen Menschen, sondern um die Versöhnung mit dem eigenen Leben, mit der eigenen Wegführung und dem inneren Streit um den Sinn des Lebens. Es geht eben zunächst um die Versöhnung mit Gott. Jesus starb am Kreuz, um diese Versöhnung zu bewirken und sie uns Menschen ins Herz zu pflanzen. Paulus beschreibt es so: „Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.“

Aber Versöhnung ist nur möglich durch Klärung von Beziehung. Stellen Sie sich vor, Sie wollen sich mit einem Menschen, mit dem Sie im Streit liegen, versöhnen. Sie sind aber nicht bereit, nach Ihrem eigenen Anteil an der verfahrenen Beziehungskiste zu fragen. Ich muss wohl kein Prophet sein, um voraussagen zu können, dass dann aus der Versöhnung letztlich selten etwas wird. Aber gehen wir oft nicht ähnlich mit Gott um? Wir meinen vielleicht, Vergebung sei eben sein Geschäft und wollen uns im Gottesdienst unsere Portion religiöse Seelenpflege abholen. Aber Versöhnung mit Gott ist nicht möglich ohne die Erkenntnis und das Bekenntnis dessen, was gegen Gottes Willen spricht und mich von ihm trennt.

Darin besteht das Versöhnungswerk Christi ja gerade, dass er für unsere Sünde starb. Am Kreuz klärte Jesus unsere Beziehung zu Gott. Jesu Tod am Kreuz bedeutet: Weil wir nicht zu Gott kommen können, kommt er zu uns. Gott mischt sich ein in diese Welt. Das tut er ohne jede Vergewaltigung unserer Person. Denn er handelt in Liebe. Die Liebe aber tut dem Menschen keine Gewalt an. Der allmächtige Gott ist darum ein Bittsteller der Versöhnung. Er bittet uns: Lasst euch versöhnen mit Gott!

Versöhnung unter Menschen ist ohne Worte nicht denkbar. Das ist auch bei Gott so.

Gott hat sein endgültiges Wort der Versöhnung gesprochen. Es ist das Wort vom Kreuz. Es gilt, weil es geschehen ist.

Das Wort von der Versöhnung stellt eine neue Wirklichkeit in den Raum einer Welt. die von Gott nichts wissen will. Als Liebeswort an diese Welt ist es ein Gegenwort gegen Eigensucht, Hass und Gewalt. Das ist ein Anstoß, der nicht zu vermeiden ist. Aber im Hören und Annehmen dieses Wortes liegt für alle Menschen das Heil.

 

Autor: Pfarrer Jens Brakensiek

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Mit Musik geht alles besser

„Mit Musik geht alles besser“ – dieser Titel einer alten Filmmusik fiel mir spontan beim Lesen des heutigen Bibelwortes ein. Der Bibelvers besteht mit großer Wahrscheinlichkeit ursprünglich aus einer Liedstrophe. Paulus zitiert diesen Vers in seinem Brief an Timotheus: "Groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit."(1.Tim. 3,16)

Für uns kommt dieser Vers jetzt nicht gerade leicht und locker singbar daher. Wir können aber davon ausgehen, dass Timotheus dieser Satz ziemlich vertraut in den Ohren klang, selbst wenn der Text ziemlich inhaltsschwer und dicht wirkt. Aber „Mit Musik geht“ – wenn nicht alles, doch vieles besser und leichter. Auf jeden Fall prägen sich schwierige Inhalte leichter ein, wenn sie mit Musik unterlegt und gut zu singen sind.

Und nicht nur schwierige Inhalte, auch belastende Erfahrungen und bittere Wahrheiten lassen sich leichter in das eigene Leben integrieren. Mir geht es da sicher nicht anders als vielen anderen Christen. Gesungene Glaubenssätze prägen sich mir besser ein als Bibelworte, die ich nur lese. Und sie erreichen andere Ebenen in mir – und nicht nur den Verstand. Welche Texte und Lieder das jeweils sind, das ist sicher bei Ihnen wie bei mir sehr zeit- und situationsbedingt. Bei mir sind es die Psalmen der Bibel. Oder das Gedicht von Dietrich Bonhoeffer: „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, oder das Tersteegen-Lied: „Gott ist gegenwärtig“. Und immer wieder auch Lieder aus unserer Zeit.

Glaubenssätze, die beim Lesen noch sperrig und schwergewichtig bleiben, werden im Lied eingängig. Sie öffnen sich nach und nach, werden vertraut und verständlich.

So ist auch der Bibelvers aus dem 1. Timotheusbrief eine Hilfe, in sehr verdichteter Form die zentrale Wahrheit über Jesus Christus zu erfassen. Paulus leitet den Hymnus mit einer Feststellung ein: „Zweifellos ist die verborgene Wirklichkeit unseres Glaubens sehr wichtig“, (C.Nord/K.Berger) wie in einer neuen Übersetzung der Vers beginnt. In drei Doppelzeilen werden die wesentlichen Ereignisse aus dem Leben Jesu genannt – und zwar jeweils in der irdischen Erfahrung und in der Entsprechung in der himmlischen Welt: Der Menschwerdung von Jesus steht seine Bestätigung durch Gott bei der Auferstehung gegenüber: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist. Der Verkündigung in allen Völkern steht Jesu Erscheinung vor den himmlischen Boten gegenüber: erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden. Das dritte Paar ist schließlich auf der irdischen Seite der Glaube der Menschen an Jesus Christus; auf der himmlischen Seite dann seine Himmelfahrt und die Aufnahme in die Herrlichkeit Gottes: geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.

Der ganze Hymnus ist gestaltet wie das orientalische Zeremoniell einer Thronbesteigung. Zuerst die Erhöhung des erwählten Herrschers, gefolgt von seiner Bekanntmachung (der Proklamation) und schließlich der Einsetzung auf dem Thron.

Paulus schreibt an Timotheus, damit er in seiner Verantwortung für die Gemeinde eine gute Orientierung für seine Verkündigung und Leitungsaufgabe hat. Die Mitglieder der Gemeinde sollen vergewissert werden, dass Jesus Christus der Herr der Welt ist – egal wie bescheiden sein irdisches Leben erscheinen mag. Egal wie groß der Druck auf die jungen Christen ist. Dann gilt es Lieder gegen Angst und Sorge zu singen, Lieder vom Sieg Christi.

Welches Lied singen Sie heute?

 

Autor: Norbert Held

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Trotz allem

Das ist irgendwie seltsam. Ich lese ein Bibelwort – es ist kurz und knapp, klar und eindeutig. So wie heute im Losungsbuch: „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ - aus dem ersten Brief von Paulus an Timotheus, Kapitel 2 Vers 4. Eigentlich könnte ich nach dem Lesen „Amen“ sagen, also „So ist es“ oder „so wird es sein“ – und an mein tägliches Geschäft gehen. Aber nach dem Lesen des Verses ist nicht alles klar, sondern die Fragen kommen hoch.

Zum Beispiel diese: Kriegt Gott eigentlich, was er will? Wie wird er seinen Willen bekommen? Und wann fängt Gott damit an, seinen Willen durchzusetzen?

Warum ich mich das frage? Wenn ich unsere Gesellschaft anschaue, oder die Situation in der Welt, dann habe ich nicht den Eindruck, dass alle Menschen ihr Heil bei Gott suchten und sich von ihm retten lassen wollten. Auch wenn ich nicht nur unsere gegenwärtige Zeit anschaue, sondern mich mit früheren Abschnitten der Menschheitsgeschichte befasse, dann fällt meine Einschätzung nicht viel anders aus. Gut, der Gottesdienstbesuch war schon besser als jetzt, und die Kirchen hatten in der Gesellschaft zeitweise einen besseren Ruf. Aber dass alle ihr Heil bei Gott gesucht und sich selbst so eingeschätzt hätten, dass sie die Wahrheit nicht kennen würden, das scheint mir eher unwahrscheinlich.

Ist also das, was Gott will, eher Zukunftsmusik? Aber wann und wie wird Gott damit anfangen? Irgendwie nehmen die Fragen kein Ende.

Also schaue ich mir das Bibelwort noch einmal an. Und dann merke ich: Bei diesem Vers (und vielen anderen natürlich auch) geht es gar nicht darum, welche Fragen ich daran habe. Paulus erinnert seinen Mitarbeiter an die Verheißungen Gottes. Gott hat durch seine Propheten immer wieder klargestellt, dass er selbst Herr der Zeit ist und Einfluss auf die Weltgeschichte nimmt. Und auch, dass die Ablehnung Gottes durch die Menschen nicht der endgültige und unumstößliche Lauf der Geschichte sein wird.

Einer der prophetischen Beter in der Bibel hat es so in Worte gefasst: „An allen Enden der Erde wird man zur Einsicht kommen, und die Menschen werden zum Herrn umkehren. Alle Völker werden sich vor dir, Herr, niederwerfen und dich anbeten“. (Ps. 22,28)

Das entspricht in der Tat nicht unserer Wahrnehmung. Umso wichtiger ist es also, dass wir uns an diese göttliche Perspektive erinnern lassen. So macht es jedenfalls Paulus immer wieder. Nicht die augenblicklich wahrnehmbaren Ereignisse erklären uns den Plan Gottes mit seiner Welt. Vielmehr helfen uns die Verheißungen Gottes, in den Turbulenzen des Alltages nicht kopflos zu werden.

Was habe ich dann also zu tun? Jedenfalls nicht grübeln und Theorien aufstellen, ob und wie Gott sein Ziel erreichen wird – und darüber mit anderen streiten.

Paulus begründet seinem Schüler Timotheus gegenüber mit dieser Erinnerung an die Verheißungen Gottes die Aufforderung zum Gebet für alle Menschen. „So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte, Danksagung für alle Menschen. … Das ist gut und wohlgefällig vor Gott, welcher will, dass alle Menschen gerettet werden…“. Weil Gott alle Menschen am Herzen liegen und er ihre Rettung will, ist das zunächst einmal die Verpflichtung für die Gemeinden zum Gebet. Beim Gebet für alle Menschen verabschieden wir uns von dem Gedanken, dass etwas aussichtslos sein könnte, oder dass es „hoffnungslose Fälle“ gäbe.

Vielmehr üben wir uns darin, Gott zu vertrauen und uns darauf zu verlassen, dass er – trotz allem Augenschein – mit seinem Plan durchkommt. Wir stimmen uns darauf ein, in den Willen Gottes einzuwilligen.

Das also ist heute dran – statt den vielen Fragen nachzugrübeln.

 

Autor: Norbert Held

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Eine dringliche Bitte

Ich habe mal eine schwierige Situation erlebt. Negatives war mir unterstellt worden. Gespräche konnten die Situation nicht klären. Da habe ich Gott um Rat gefragt. Ein Bibelvers machte mir klar, dass eine Trennung nötig war.

David, der Psalmbeter, hat in seinem Leben viel mehr Verfolgung, viele Feinde, viel Bedrängnis erfahren. Immer wieder hieß es von ihm: Er dachte in seinem Herzen. Aber die eigenen Pläne hatten ihm Schwierigkeiten eingebracht. Das hat ihn ins Gebet getrieben. Er pflegte regelmäßigen vertrauten Umgang mit seinem Gott. Auch sein Versagen hat er vor ihn gebracht. Das kommt in Psalm 4 zum Ausdruck. Er betet zu: Gott meiner Gerechtigkeit. D.h. David weiß, seine Gerechtigkeit ist eine Gabe Gottes. Und dann bezeugt er in Vers 2: der du mich tröstest in Angst; sei mir gnädig und erhöre mein Gebet! Wörtlich heißt es allerdings etwas anders: In Bedrängnis hast du mir Raum gemacht; sei mir gnädig und höre mein Gebet. Dieses Wort soll uns durch diesen Tag begleiten.

Bedrängnis zu erfahren, kann vieles auslösen sicher auch Angst. Aber es ist doch noch mehr. David spricht nach dieser Bitte zu denen, die ihn bedrängen und seine Ehre beschmutzen. Deswegen ist es David wichtig, zu betonen, dass seine Gerechtigkeit von Gott kommt. Gott wird sich für ihn einsetzen. Das Bedrängende nimmt David den Raum zum Atmen. Es belastet sein Leben. Gott aber kann ihm mitten in der Bedrängnis Raum machen. Das ist das Großartige an Gott.

Mir ist es damals seltsam ergangen. In den folgenden Tagen bin ich auf die Psalmverse gestoßen: Er führte mich hinaus ins Weite. Psalm 18, 20 Du hast meine Füße auf weiten Raum gestellt. Psalm 31, 9 Das bestätigte mir meine Entscheidung. Ich konnte vergeben und heilwerden mit Jesu Hilfe. In der Folge hatte ich viel mehr Zeit, meine Ausbildung abzuschließen. Die Trennung hatte also auch ihr Gutes.

‚Trost in der Angst‘ so übersetzt es Luther in diesem Wort für heute. Gott ist der große Tröster. Er steht uns bei in jeder Situation.

David hat das offensichtlich immer wieder erfahren: Gott hat ihm in Bedrängnis Raum gemacht. Er hat die Enge der Situation gelöst. Und das will er weiter so von Gott erhalten. Deshalb appelliert er an ihn: sei mir gnädig und höre mein Gebet. David weiß, dass er auf Gottes Gnade angewiesen ist. Er bittet darum. Er hat immer wieder erfahren, dass Gott seine Gebete gehört hat. Im Hebräischen steht nur hören, nicht erhören. Ich denke, das ist ein Hinweis darauf, dass ich Gott die Art der Lösung meiner Bedrängnis überlassen soll. Er hat sicher die besseren Ideen. Aber ich darf mich ihm getrost anvertrauen. Dann kann ich gespannt erwarten, was er tun wird. Also lassen Sie sich von David animieren.

Autor: Pfarrerin Dagmar Rohrbach

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Die Nacht ist vorgedrungen

Lange dauert schon die dunkle Jahreszeit mit allem Unangenehmen und Unsicherem. Immerhin ist es wieder heller geworden. Dunkel kann uns aufs Gemüt drücken. Aber wir sehen auch die Welt um uns her, in der Dunkelheit herrscht. Messerangriffe, Flüchtlingselend, Afghanistan, Syrien, Terror, Brutalität, Aufstand der Menschen gegen ihre untätigen Regierungen in vielen Ländern, usw. Ich habe diese Woche gedacht: Großer Gott, lass das doch mal für eine Woche aufhören. Aber es geht immer weiter. Und vieles geschieht, ohne dass wir davon erfahren.

Auch in der persönlichen Situation kann es dunkel sein: eine hoffnungslose Diagnose, Mobbing an der Arbeitsstelle, Probleme in der Ehe oder mit den Kindern, Nachbarstreitigkeiten, Unfreundlichkeiten. Vieles Ähnliche kann uns da umtreiben. Da macht uns Paulus Hoffnung mit dem Bild des heranbrechenden Tages in Römer 13,11-12: lhr habt die Zeit erkannt, dass die Stunde ist da, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe herbeigekommen.

Wir können mit dem Adventslied singen: Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern. Dieser Morgenstern ist Jesus Christus. Ihm sollen wir in der tiefsten Nacht, d. h. in Zeiten der Not und Bedrängnis, vertrauen.

Die Apostelgeschichte berichtet von Paulus und Silas. Sie wurden in Philippi zu Unrecht ausgepeitscht und ins Gefängnis gesteckt. Mitten in der Nacht haben sie Loblieder gesungen. Lobgesänge in der Nacht! So heißt es schon in Hiob 35,10. Wie kann man Lobgesänge in der Nacht anstimmen? Paulus und Silas haben sich damals nach dem ersten Schreck und Schmerz darauf besonnen: Unser Gott ist immer noch da, auch wenn wir ihn nicht verstehen. Die Lobgesänge in der Nacht haben bei Paulus und Silas ein Erdbeben ausgelöst. Aber es war ein sehr spezielles Erdbeben. Das Gefängnis ist nicht eingestürzt. Nur die Türen und Fesseln sind aufgesprungen. Wenn wir Gott gegen allen Anschein loben, statt uns Trauer und Resignation hinzugeben, kann Erstaunliches geschehen. Es gibt den Satz: Glaube ist der Vogel, der singt, wenn die Nacht noch dunkel ist. Wir können das bald wieder am Morgen hören, wenn das Fenster offen ist. Die Vögel singen tatsächlich, wenn es noch dunkel ist. Warum? Sie wissen: Bald wird es hell, der Morgen kommt. Das können wir von den Vögeln lernen. Wir können gerade in den finsteren Zeiten unseres Lebens und in dieser Weltzeit - trotz allem - Jesus lobsingen, weil wir seine Zusage haben: Der Tag wird kommen. Das ist die Zusage von Jesus. Das Elend der Welt wird ein Ende haben.

Wir können uns fragen, wie lange das Elend und das Leid, die Nacht der Welt noch dauern wird. Gerade weil sich das Dunkle so steigert, ist das ein Hinweis auf die nahende Wiederkunft Christi. Die Nacht ist am dunkelsten, bevor der Tag anbricht, so hat es mal jemand ausgedrückt. Auch das schon erwähnte Adventslied von Jochen Klepper drückt eine große Hoffnung aus: Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein. Wir haben also allen Grund, mutig zu sein zu Lobliedern in der Nacht.

Autor: Pfarrerin Dagmar Rohrbach

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